La Niña schwächt sich ab

La Niña bezeichnet die periodische Abkühlung der Meeresoberflächentemperaturen im zentralen und östlich-zentralen äquatorialen Pazifik. Normalerweise treten La Nina-Ereignisse etwa alle 3 bis 5 Jahre auf, gelegentlich können sie aber (wie aktuell) über mehrere Jahre hinweg auftreten. La Niña steht für die kühle Phase des El Niño/Southern Oscillation (ENSO)-Zyklus (siehe auch hier:

Während eines La Niña-Ereignisses wirken sich die Temperaturveränderungen im Bereich des äquatorialen Pazifik auf die Muster der tropischen Niederschläge von Indonesien bis zur Westküste Südamerikas sowie auf den Indischen und Westafrikanischen Monsun aus. Diese Veränderungen in den tropischen Niederschlagsmustern wirken sich wiederum indirekt auf bestimmte Wettermuster in der ganzen Welt aus. Diese Auswirkungen sind normalerweise in den Wintermonaten am stärksten ausgeprägt, wenn der pazifische Jet-Stream über den Vereinigten Staaten am kräftigsten ist. La-Niña-Episoden gehen somit in den Wintermonaten mit einer insgesamt wellenförmigeren Jet-Stream-Strömung über den Vereinigten Staaten und Kanada einher, die im Norden häufig kältere und stürmischere Bedingungen als im Durchschnitt und im Süden wärmere Bedingungen verursacht. Auf der Abbildung erkennt man das hierfür typische synoptische Wettermuster für den Nordostpazifik. Zu sehen ist ein blockierendes Hochdruckgebiet (bzw. Höhenrücken) etwa im Bereich südlich von Alaska bzw. in Richtung der Alëuten-Inseln. Normalerweise nimmt klimatologisch gesehen dort das Alëuten-Tief diesen Platz ein.

DWD La Nina schwaecht sich ab

Aktuell hält La Niña im äquatorialen Pazifik zwar noch an, schwächt sich aber bereits langsam ab. Während sich die Meerestemperaturen in den letzten Wochen sukzessive erwärmt haben, verbleiben atmosphärische Indikatoren und großräumige Zirkulationen wie z.B. die Walker-Zirkulation weiterhin auf La-Niña-Niveau.

Langfristige Vorhersagen deuten darauf hin, dass sich die Temperaturen im tropischen Pazifik in den kommenden Wochen weiter auf ENSO-neutrale Werte erwärmen werden, wobei auch eine gewisse Veränderung der atmosphärischen Muster in Richtung neutraler Werte möglich ist.

Abschließend soll mit Hinblick auf das Thema des Tages vom 21.09.2022

darauf verwiesen werden, dass sich bei nun zu erwartender allmählicher Stärkung des Alëuten-Tiefs in den kommenden Wochen verstärkte meridionale und vertikale Wärmeflüsse (allgemein Wellenflüsse) im erweiterten Arktisumfeld bis in die Stratosphäre ausbreiten können und so den Stratosphärischen Polarwirbel (SPV) insgesamt schwächen dürften. Dann wäre neben anderen Bedingungen auch die Wahrscheinlichkeit einer plötzlichen Stratosphärenerwärmung (SSW) für den Spätwinter erhöht. Dies wiederum könnte Konsequenzen z.B. für die Nordatlantische Zirkulation (NAO) haben. Die Vorhersageunsicherheit ist allerdings aufgrund komplexer Zusammenhänge recht hoch.

Dipl.- Met. Dr. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Dicker Brocken

Falls Sie es noch nicht bemerkt haben sollten: Es ist Hochwinter! Laut Wikipedia im Allgemeinen „die kälteste Phase des Winters“ und damit natürlich auch des gesamten Jahres. Aber in den letzten Tagen, genau genommen seit etwa zwei Wochen, ist davon nichts zu spüren. In vielen Wetterberichten lauteten die Kommentare zu den Temperaturen mild, sehr mild oder ungewöhnlich mild.

Großräumig betrachtet scheint die Wetterlage festgefahren. Nördlich von uns geben sich die Tiefdruckgebiete die Klinke in die Hand. War es gestern noch Sturmtief AXEL, das sich heute aber schon auf den Weg nach Osteuropa gemacht hat und dessen Windfeld auch allmählich nach Polen abzieht, so haben wir es ab der kommenden Nacht mit Tief BENITO und danach mit Tief CONSTANTIN zu tun.

Und letzterer ist wahrlich ein dicker Brocken – genauer muss man sagen, er entwickelt sich zu einem dicken Brocken. Denn wer aktuell auf die Wetterkarten schaut, sieht auf dem zentralen Nordatlantik, etwa auf halbem Weg zwischen Neufundland und Spanien, nur ein kleines, unscheinbares Teiltief, dessen Kerndruck von knapp unter 995 hPa erstmal keinen Anlass zu Sorge bereitet (siehe Abbildung, kleiner Ausschnitt, Zeitpunkt Donnerstag 13 MEZ).

DWD Dicker Brocken

Diesbezüglich ist allerdings Vorsicht geboten: Da unter anderem die Konfiguration der Höhenströmung () für bodennahen Druckfall sorgt und auch ein Starkwindband () in der Höhe die Tiefdruckentwicklung „anfacht“, plustert sich CONSTANTIN ganz schön auf. Der Druckfall ist beachtlich: heute um 18 UTC (früher Greenwich Mean Time; entspricht MEZ -1 Stunde) soll er bei knapp unter 985 hPa liegen, morgen früh um 06 UTC schon bei 950 hPa – um morgen Abend Werte von knapp unter 945 hPa zu erreichen!

Aber nicht nur die Druckentwicklung ist beeindruckend. Auch CONSTANTINs Ausdehnung ist gewaltig. Die Abbildung (großer Ausschnitt) zeigt eine Prognose des Bodendrucks und der Position der Fronten für den morgigen Samstag um 12 UTC. CONSTANTIN überdeckt zu diesem Zeitpunkt weite Teile des Nordatlantiks, dazu auch West- und Nordeuropas. Und da Mitteleuropa östlich bzw. südöstlich des Tiefzentrums liegt und damit im Zustrom milder Luft verbleibt (roter Pfeil), ist es mit winterlichen Verhältnissen bei uns auch erstmal nicht weit her.

Dabei hätte das Tief BENITO, das in der Abbildung (kleiner Ausschnitt) nordwestlich von Irland zu finden ist, durchaus Kaltluft im Gepäck gehabt. Sein Frontensystem ist in den Feuchtefeldern in 700 hPa (ca. 3 km Höhe) gut zu erkennen. Die Warmfront erstreckt sich als grünes Band von England nach Ostfrankreich, die Kaltfront liegt dagegen, von Nordost nach Südwest orientiert, über dem Atlantik. Allein: Die Kaltfront schafft es nicht bis zu uns. Da sich CONSTANTIN aufbläht, wird in dessen Zirkulationsfeld BENITOs Kaltluft wieder nach Norden geschoben – also dahin, wo sie herkam. Und in der Folge hält die milde Witterung auch in den kommenden Tagen an.

Wird es denn irgendwann doch noch Winter? Nach jetzigem Stand versucht ab dem 9.1. wieder kalte Luft bei uns Fuß zu fassen. Dann rutschen wir auf die westliche und somit kalte Seite von CONSTANTIN. Er bestimmt unser Wetter also weiterhin, aber dann sollte die Situation zumindest „winterlich angehaucht“ sein. Aber ein veritabler Kaltlufteinbruch, der dem Hochwinter wirklich Ehre macht, ist weiterhin nicht in Sicht.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Dezember 2022

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Dezember 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Helgoland Schleswig-Holstein 5,2 °C +0,8 Grad
2 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfahlen 4,3 °C +0,4 Grad
3 Duisburg-Bearl Nordrhein-Westfalen 4,2 °C +0,1 Grad

Besonders kalte Orte im Dezember 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -2,2 °C +1,0 Grad
2 Carlsfeld Sachsen -1,6 °C +1,1 Grad
3 Neuhaus am Rennweg Thüringen -1,5 °C +1,3 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Dezember 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Sankt Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 247,1 l/m² 109 %
2 Todtmoos Baden-Württemberg 212,3 l/m² 94 %
3 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 211,1 l/m² 112 %

Besonders trockene Orte im Dezember 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Frankenthal-Studernheim Rheinland-Pfalz 15,9 l/m² 45 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 17,6 l/m² 41 %
3 Worms Rheinland-Pfalz 18,0 l/m² 43 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Dezember 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Balingen-Bronnhaupten Baden-Württemberg 65 Stunden 127 %
2 Leutkirch-Herlazhofen Baden-Württemberg 65 Stunden 89 %
3 Kaufbeuren Bayern 65 Stunden 89 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Dezember 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Fritzlar Hessen 14 Stunden 46 %
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 16 Stunden 49 %
3 Grambow-Schwennenz Mecklenburg-Vorpommern 18 Stunden 59 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Jahr 2022

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Jahr 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 13,0 °C +2,7 Grad
2 Köln-Stammheim Nordrhein-Westfahlen 12,9 °C +2,1 Grad
3 Freiburg Baden-Württemberg 12,8 °C +3,1 Grad

Besonders kalte Orte im Jahr 2022*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 6,7 °C +2,3 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 6,7 °C +2,3 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 7,2 °C +1,3 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Jahr 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Ruhpolding-Seehaus Bayern 1897,0 l/m² 85 %
2 Baiersbronn-Ruhestein Baden-Württemberg 1880,5 l/m² 94 %
3 Aschau-Stein Bayern 1807,2 l/m² 83 %

Besonders trockene Orte im Jahr 2022**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Neutrebbin Brandenburg 314,5 l/m² 69 %
2 Quedlinburg Sachsen-Anhalt 321,6 l/m² 74 %
3 Gardelegen-Lindstedterhorst Sachsen-Anhalt 322,5 l/m² 60 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Jahr 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 2355 Stunden 137 %
2 Balingen-Bronnhaupten Baden-Württemberg 2351 Stunden 140 %
3 Stuttgart-Echterdingen Baden-Württemberg 2333 Stunden 134 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Jahr 2022**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Glücksburg-Meierwik Schleswig-Holstein 1663 Stunden 112 %
2 Carlsfeld Sachsen 1712 Stunden 122 %
3 Leck Schleswig-Holstein 1762 Stunden 114 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Jahresmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreswertes zum vieljährigen Jahresmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahresrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Antarktische Meereisbedeckung mit Rekordminimum im Dezember

Die Arktis und die Antarktis sind geografische Gegensätze, nicht nur, weil sie an entgegengesetzten Enden der Erdkugel liegen. Sie haben eine konträre Anordnung von Land und Meer. In der Antarktis umgibt der Südliche Ozean den kältesten Kontinent der Erde. Die Arktis, der kälteste und kleinste Ozean der Erde, ist von den Landmassen Eurasiens, Nordamerikas und Grönlands umgeben. Diese gegenteilige Anordnung von Land und Wasser trägt zu Unterschieden im Klima der einzelnen Polarregionen bei, die hauptsächlich auf differierende ozeanische und atmosphärische Zirkulationsmuster zurückzuführen sind. Diese beiden Aspekte sind für die Entwicklung des Meereises von entscheidender Bedeutung.

Das antarktische Meereis erreicht normalerweise im September oder Oktober sein Maximum und im Februar sein Minimum. Die kalten Gewässer um die Antarktis ermöglichen im Winter eine rasche Meereisbildung. Bei seiner maximalen Ausdehnung im September beträgt die Meereisbedeckung im Allgemeinen zwischen 18 und 19 Millionen Quadratkilometer. Über den Sommer schrumpft die Fläche bis in den Februar auf etwa 3 Millionen Quadratkilometer. Diese jährliche Schwankung ist wesentlich größer als in der Arktis, wo die Konfiguration der umgebenden Kontinente die Eisbildung über längere Zeit begünstigt.

DWD Antarktische Meereisbedeckung mit Rekordminimum im Dezember

Die Ausdehnung des Meereises ist einer der wichtigsten Aspekte des polaren Klimasystems. Aus diesem Grund wurde ihm in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das liegt vor allem daran, dass die durchschnittliche Meereisfläche in der Arktis um etwa 4 % pro Jahrzehnt recht massiv und schnell abgenommen hat. Ein weiterer Fakt ist, dass der Meereisrückgang in der Arktis den Erwärmungstrend der Nordhemisphäre verstärkt, hauptsächlich aufgrund der Eis-Albedo-Rückkopplung. Ohne Eisbedeckung sinkt das Reflexionsvermögen des Bodens (Albedo), was zu einer höheren Absorption der einfallenden Sonnenstrahlung führt und dadurch wiederum zu einer verstärkten Erwärmung beiträgt.

Im Gegensatz zur Arktis zeigten die Meereisfläche und das Meereisvolumen um die Antarktis trotz der Erwärmung in den letzten 40 Jahren keinen signifikanten Trend auf. Insgesamt wies die Ausdehnung sogar eine leicht positive Zunahme auf mit im Durchschnitt etwa 1,7 % pro Jahrzehnt. Allerdings gibt es hier eine Einschränkung, denn rund um die Antarktische Halbinsel verzeichneten einige Regionen einen Rückgang der Meereisbedeckung. Ab etwa 2015 jedoch ging die Eisausdehnung in allen antarktischen Gewässern recht abrupt und stark zurück und erreichte 2017 erstmals ein Rekordtief. In den folgenden vier Jahren lag die Meereisausdehnung kontinuierlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1981-2010.

DWD Antarktische Meereisbedeckung mit Rekordminimum im Dezember

Derzeit ist auf der Südhalbkugel Hochsommer und die Schmelzraten sind am höchsten. Nach der rekordverdächtig niedrigen Meereisausdehnung Ende Februar 2022 mit unter zwei Millionen Quadratkilometer (siehe Thema des Tages vom 14.03.2022:

verblieb die Meereisbedeckung über den Südwinter deutlich unter dem vieljährigen Mittel und war vergleichbar mit dem bisherigen Rekordminimum von 2017. Besonders auffällig jedoch war der Dezember, denn hier wurde ein außergewöhnlich starker Rückgang verzeichnet. Die erfasste Meereisbedeckung reduzierte sich dabei markant unter den Wert von 2017 (siehe Abbildung 2).

DWD Antarktische Meereisbedeckung mit Rekordminimum im Dezember 1

Die aktuelle Ausdehnung (Stand 03.01.2023) wird nach Auswertungen des Alfred-Wegener-Institutes mit 4,23 Millionen Quadratkilometer angegeben (siehe Abbildung 3). Das National Snow and Ice Data Center in Boulder (Colorado, USA) kommt bei seinen Berechnungen mit 4,73 Millionen Quadratkilometer noch auf einen etwas höheren Wert. Allerdings ändert es nichts an der Tatsache, dass es ein Rekordminimum zu dieser Jahreszeit ist. Insgesamt dominieren in allen Sektoren um die Antarktis herum unterdurchschnittliche Konzentrationen. Besonders ausgeprägt ist die negative Anomalie der Meereisausdehnung entlang der Westantarktis in der Bellinghausen und der Amundsensee (siehe roter Rahmen Abbildung 3). Das zusammenhängende eisfreie Gebiet ist das größte seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen, die seit 1978 kontinuierlich durchgeführt werden. Der starke Rückgang in allen Sektoren um die Antarktis lässt sich unter anderem auf in den Frühjahrs- und bisherigen Sommermonaten vorherrschenden überdurchschnittlichen Temperaturen im südlichen Ozean und der Antarktischen Halbinsel erklären.

Mit dieser großen negativen Anomalie Ende 2022/Anfang 2023 stellen sich nun die Fragen: „Wie wird sich das antarktische Meereis noch bis zum Ende des Sommers entwickeln?“ und „Wird ein neuer Negativrekord erreicht?“ Konkrete Antworten auf diese Fragen wird man vorrausichtlich erst ab Ende Februar geben können.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wolkenpoesie

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind.“ oder auch „Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor!“: Diese Passagen aus Goethes Werken sind ja landläufig bekannt. Doch wussten Sie, dass Goethe auch dem Begründer der modernen Wolkenkunde, Luke Howard, ein eigenes Gedicht gewidmet hat? Dieses stach kürzlich meinem geliebten Opa aus seiner reichhaltigen Literatursammlung zufällig ins Auge, was der Autor an dieser Stelle dankend aufgreifen möchte – ganz im Einklang mit der Feiertagspoesie aus dieser Rubrik vom 1. Weihnachtsfeiertag.

Im Namen des gesamten Vorhersageteams wünschen wir Ihnen ein glückliches, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2023!

HOWARDS Ehrengedächtnis

Wenn Gottheit Kamarupa, hoch und hehr,
Durch Lüfte schwankend wandelt leicht und schwer,
Des Schleiers Falten sammelt, sie zerstreut,
Am Wechsel der Gestalten sich erfreut,
Jetzt starr sich hält, dann schwindet wie ein Traum,
Da staunen wir und traun dem Auge kaum.

Nun regt sich kühn des eignen Bildens Kraft,
Die Unbestimmtes zu Bestimmtem schafft;
Da droht ein Leu, dort wogt ein Elefant,
Kameles Hals, zum Drachen umgewandt,
Ein Heer zieht an, doch triumphiert es nicht,
Da es die Macht am steilen Felsen bricht;
Der treueste Wolkenbote selbst zerstiebt,
Eh er die Fern erreicht, wohin man liebt.

Er aber, Howard, gibt mit reinem Sinn
Uns neuer Lehre herrlichsten Gewinn.
Was sich nicht halten, nicht erreichen läßt,
Er faßt es an, er hält zuerst es fest,
Bestimmt das Unbestimmte, schränkt es ein,
Benennt es treffend! – Sei die Ehre dein! –
Wie Streife steigt, sich ballt, zerflattert, fällt,
Erinnere dankbar deiner sich die Welt.

DWD Wolkenpoesie

Stratus

Wenn von dem stillen Wasserspiegelplan
Ein Nebel hebt den flachen Teppich an,
Der Mond, dem Wallen des Erscheins vereint,
Als ein Gespenst Gespenster bildend scheint,
Dann sind wir alle, das gestehn wir nur,
Erquickt‘, erfreute Kinder, o Natur!

Dann hebt sich’s wohl am Berge, sammelt breit
An Streife Streifen; so umdüstert’s weit
Die Mittelhöhe, beidem gleich geneigt,
Ob’s fallend wässert oder luftig steigt.

Kumulus

Und wenn darauf zu höhrer Atmosphäre
Der tüchtige Gehalt berufen wäre,
Steht Wolke hoch, zum Herrlichsten geballt,
Verkündet, festgebildet, Machtgewalt,
Und, was ihr fürchtet und auch wohl erlebt,
Wie’s oben drohet, so es unten bebt.

Cirrus

Doch immer höher steigt der edle Drang!
Erlösung ist ein himmlisch leichter Zwang.
Ein Aufgehäuftes, flockig löst sich’s auf,
Wie Schäflein trippelnd, leicht gekämmt zuhauf.
So fließt zuletzt, was unten leicht entstand,
Dem Vater oben still in Schoß und Hand.

Nimbus

Nun laßt auch niederwärts, durch Erdgewalt
Herabgezogen, was sich hoch geballt,
In Donnerwettern wütend sich ergehn,
Heerscharen gleich entrollen und verwehn! –

Der Erde tätig-leidendes Geschick!
Doch mit dem Bilde hebet euren Blick:
Die Rede geht herab, denn sie beschreibt;
Der Geist will aufwärts, wo er ewig bleibt.

DWD Wolkenpoesie 1

Wohl zu merken

Und wenn wir unterschieden haben,
Dann müssen wir lebendige Gaben
Dem Abgesonderten wieder verleihn
Und uns eines Folgelebens erfreun.

So, wenn der Maler, der Poet,
Mit Howards Sondrung wohl vertraut,
Des Morgens früh, am Abend spät
Die Atmosphäre prüfend schaut,

Da läßt er den Charakter gelten;
Doch ihm erteilen luftige Welten
Das Übergängliche, das Milde,
Daß er es fasse, fühle, bilde.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.01.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Jahresvorausschau 2023

Januar:
Nach einem sehr milden Jahresstart kommt der Winter zum Ende des Monats mit voller Wucht zurück! Weite Teile des Landes sind in ein weißes Kleid gehüllt.

Februar:
Massives Tauwetter bei der Biathlon-WM in Oberhof. Das deutsche Team versucht mit dem Umstieg auf Wasserski die bis dato norwegische Dominanz zu brechen.

März:
Nach intensiven Wartungsarbeiten an der Wetterstation in Lingen wird diese wieder ins Messnetz des DWD integriert.

April:
„Dem Osterhasen schmelzen die Eier weg!“ titelt ein großes deutsches Boulevardblatt. Bei Sonne pur und Höchstwerten bis 27 Grad zu den Feiertagen ist Schokolade aber vielleicht wirklich nicht die beste Wahl für’s Osternest.

Mai:
Charles III wird in der Westminster Abbey zum König gekrönt. Hoch QUEENIE sorgt für Kaiserwetter.

Juni:
Gemäß dem Motto: „Was die FIFA kann, können wir schon lang!“ vergibt das IOC die Olympischen Winterspiele 2030 nach…Kairo. Der Schnee wird aus den Skigebieten Saudi-Arabiens geliefert.

Juli:
Neuer Temperaturrekord in Deutschland! 42,6 Grad, gemessen in … ohoh … Lingen. Die Station wird darauf hin vorsorglich wieder aus dem Messnetz entfernt und in ein Museum für Messtechnik umgewandelt.

August:
Tornado-Outbreak in Deutschland! Das Cellbroadcasting wird das erste Mal operationell eingesetzt und funktioniert sogar. Vielleicht waren die zum Teil massiven Schäden auch gerade deshalb zum Glück rein materieller Natur.

September:
Schneeregen zum Wiesnstart in München! Keine Chance für die „Alkoholübersättigten“ bei den rutschigen Bedingungen den Westhügel (meist auch als „Kotzhügel“ bekannt) zu erklimmen.

Oktober:
Ringförmige Sonnenfinsternis in Teilen Amerikas am 14. Oktober! Atemberaubende Bilder erreichen uns dabei von Fischern auf dem Golf von Mexiko im wolkenlosen Auge von Hurrikan MARGOT.

November:
Sturmtief VICCO fegt am 12. November über Deutschland hinweg – passend zu Loriots 100. Geburtstag. Die Medienwelt vergibt den Beinamen HEINZELMANN und titelt: „Es bläst und saugt der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur…“.

Dezember:
Mildester Dezember seit Aufzeichnungsbeginn! Die Weihnachtsmänner fluchen unter ihren dicken Anzügen und hoffen auf bessere Zeiten…

…Sie vielleicht auch? Oder konnten Sie das Jahr für sich sogar als Erfolg verbuchen? Der Autor wünscht Ihnen auf jeden Fall – auch im Namen des gesamten Thema-des-Tages-Teams – einen guten und vor allem gesunden Rutsch ins neue Jahr! Sie können sich auch in 2023 wieder auf spannende, informative und hin und wieder auch lustige Themen des Tages freuen.

DWD Jahresvorausschau 2023

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Zu warm, zu trocken, (zu?) sonnig

Mittlerweile kann man es wohl fast kaum noch jemanden übel nehmen, wenn man der immer weiter zunehmenden Rekord- und „Extrem”-Meldungen zum Thema Wetter und Klima überdrüssig wird. Immer wieder neu aufgestellte Temperatur- und Sonnenscheinrekorde, Extremniederschlagsmengen oder aber langanhaltende Dürreperioden und damit einhergehende Vegetationsbrände – die Meldungen prasseln immer häufiger auf einen ein.
Allerdings ist es die Faktenlage, die etwas anderes kaum noch zulässt. Und so stand auch das Jahr 2022 wieder einmal im Zeichen gefallener oder neu aufgestellter Rekorde. Allem voran war auch 2022 im Mittel wieder einmal viel zu warm. Die bis dato erreichte Jahresmitteltemperatur beträgt (gerundet) +10,5°C und liegt damit 1,2 Grad über dem Mittel 1991-2020 bzw. 2,3 Grad über dem Mittel 1961-1990. Damit handelt es sich mindestens um das zweitwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Bisher hält das Jahr 2018 dabei die Spitzenposition. Im „Wettlauf” darum, ob 2022 auch der neue Gesamtspitzenreiter wird, läuft es am Ende wohl auf ein Fotofinish hinaus, bei dem jetzt auch noch die letzten Tage des Jahres entscheidend sind.
Besagte letzte Tage haben es dabei nochmal in sich. Wie auch schon in den kürzlich erschienenen Themen des Tages bereits angesprochen, erwartet uns in Deutschland der wärmste Jahreswechsel seit Aufzeichnungsbeginn. Grund dafür ist eine ausgesprochen lebhafte Südwestströmung, mit der gleichzeitig ungewöhnlich milde Luftmassen zu uns nach Deutschland gelangen. Bezeichnend dafür ist unter anderem die Temperatur im 850 hPa-Niveau (in ca. 1,5 km Höhe), die zu Silvester in Süddeutschland bei etwa +10°C liegt. Das sind Werte, die man normalerweise eher im Spätfrühling erwarten würde. Dementsprechend fallen auch die Höchsttemperaturen aus. Diese liegen im Norden und der Mitte Deutschlands bei 14 bis 18°C. Aber noch wärmer wird es in Süddeutschland. Hier klettert das Thermometer tatsächlich auf Spitzenwerte von 20 bis 22, eventuell sogar 23°C. Das reicht zwar nicht aus, um den deutschlandweiten Dezemberrekord zu brechen (24,0°C am 16.12.1989 in Müllheim/Baden), aber die bisher gesehenen Spitzenwerte zu Silvester würden damit reihenweise regelrecht pulverisiert.
Damit scheint es auch nicht unwahrscheinlich, dass 2022 letztendlich das insgesamt wärmste Jahr in Deutschland wird. Für das exakte Ergebnis müssen aber die tatsächlich aufgetretenen Temperaturen noch abgewartet und mit in die Statistik einbezogen werden. Dies geschieht dann im Laufe des Januar 2023.
Aber nicht nur bezüglich der Temperaturen war das Jahr 2022 auffällig. Neue Rekorde wurden auch – Solaranlagenbesitzer wird es freuen – bei der Sonnenscheindauer aufgestellt. Im bundesweiten Mittel betrug die Gesamtsonnenscheindauer 2025 Stunden und lag damit 30% über dem Referenzwert der Klimaperiode 1961-1990 (1544 Stunden) bzw. immer noch etwa 20% im Vergleich zum Mittel des Zeitraums 1991-2020 (1665 Stunden).
Bezüglich des gefallenen Niederschlags bleibt vor allem die ausgeprägte Dürreperiode im Sommer dieses Jahres in Erinnerung. Das spiegelt sich auch in der Jahressumme wieder, denn diese weist im bundesweiten Mittel ein Defizit von etwa 15% gegenüber der Referenzperioden 1961-1990 und 1991-2020 auf. Dabei fiel dieses Defizit noch einigermaßen moderat aus aufgrund der sehr nassen Monate Februar und September. Das Niederschlagsdefizit der reinen Sommermonate (Juni, Juli, August) lag dagegen für sich betrachtet bei enormen 40%. Die höchste Tagesniederschlagssumme fiel dabei in Babenhausen/Unterallgäu mit 112 l/m².
Die genauen Top 3-Spitzenreiterwerte für Temperatur, Niederschlag und Sonnenschein erscheinen dann zu Beginn des neuen Jahres in einem eigenen „Thema des Tages”. Weiterführende Informationen finden sich außerdem unter
M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.12.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Was uns zu Beginn des neuen Jahres erwartet

Während die USA mit  über die Feiertage einen der heftigsten Schneestürme in den vergangenen 50 Jahren erlebt haben, wird es bei uns zu Silvester für die Jahreszeit außergewöhnlich mild. Doch wie geht es im neuen Jahr weiter? Eines vorweg, die Kälte aus den USA wird nicht zu uns kommen. Dennoch wirkt sie sich auf unser Wetter aus. Die Kaltluft über Kanada und den USA fließt aktuell über Neufundland auf den warmen Atlantik. Dort facht sie die Tiefdruckbildung an. Dies hat zur Folge, dass tiefer Luftdruck auch in höheren Luftschichten ungewöhnlich weit nach Süden ausgreifen kann und sogar die Azoren erreicht. Für gewöhnlich befindet sich dort ein Hochdruckgebiet. Dieses Hoch ist nun nach Osten über das Mittelmeer verschoben. Somit wurde die im  beschriebene Südwestwetterlage, die diese außergewöhnlich milde subtropische Luft heranführt, erst möglich gemacht. Die neusten Modelläufe sagen bis zu 22 Grad am Oberrhein vorher.

Auch das Neujahr beginnt außergewöhnlich mild. Am Oberrhein können nochmals bis zu 20 Grad erreicht werden. Dabei könnte sogar der bisherige Januar-Allzeitrekord von 20,5 Grad in Pidingen aus dem Jahr 2015 übertroffen werden. Dazu gibt es in der Südhälfte viel Sonne. Im Norden und Nordwesten bleibt es bei stürmischen Böen und etwas Regen kühler. Zu Beginn der neuen Woche bringt dann eine Kaltfront Abkühlung. Winterlich wird es dabei allerdings nicht. Allenfalls in den Gipfellagen der Mittelgebirge und in den Alpen könnten ein paar Schneeflocken fallen.

DWD Was uns zu Beginn des neuen Jahres erwartet

Danach wird die Vorhersage deutlich unsicherer. Es zeigt sich jedoch ein Trend Richtung einer zumindest vorübergehenden Hochdrucklage, bei der sich wahrscheinlich insbesondere die höheren Luftschichten wieder deutlich erwärmen. Ob sich die Warmluft auch in den Niederungen richtig durchsetzen kann oder ob es eine Inversionswetterlage mit Nebel und Hochnebel bei mäßig warmen Temperaturen in den Niederungen und mit Sonne und milden Wetter im Bergland gibt, ist noch unsicher.

Doch wann kommt der Winter zurück? Bis zum Ende des seriösen Vorhersagezeitraums am Freitag nächster Woche ist kein Wintereinbruch in Sicht. Im Gegenteil, es bleibt eher mild bis sehr mild.
Um danach noch etwas aus dem „Modellrauschen“ herauszulesen, muss man sich einer besonderen Ensembletechnik bedienen. Die Unsicherheiten bei der Wettervorhersage kann man teilweise umgehen indem ein Wettermodell mehrerer Male mit leicht veränderten Anfangsbedingungen im Rahmen der Messungenauigkeiten gerechnet wird. Man nennt dies dann ein Modellensemble. Spätestens nach 5 bis 7 Tagen gehen die Vorhersagen der Ensemblemitglieder meist deutlich auseinander. Um dann noch gemeinsame Strukturen in der großräumigen Wetterlage zu erkennen, wird eine sogenannte Clusteranalyse gemacht. Dabei werden ähnliche Strukturen in den Ensembles zu jeweils einem Cluster zusammengefasst. Für die weitere Entwicklung deuten die Clusteranalysen entweder auf eine höhenwarme Hochdruckwetterlage oder auf ein erneutes Aufleben einer eher milden Westwetterlage hin. Wobei im letzteren Fall zumindest für das Bergland die Möglichkeit besteht, auf einer Tiefrückseite vorübergehend mal Schnee abzubekommen. Allerdings sind diese Vorhersagen noch etwas mit Vorsicht zu genießen

DWD Was uns zu Beginn des neuen Jahres erwartet

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2022
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… und für die Jahreszeit (viel) zu mild!

Erinnern Sie sich noch an den letzten Jahreswechsel? Daran, dass Silvester im Norden recht regnerisch war – im Süden dagegen meist trocken? Und dass die Temperaturen auf ein ungewöhnlich hohes Niveau geklettert sind? Wenn Sie sich daran noch erinnern, dann können Sie Ihr Wissen dieses Jahr am 31.12. erneut einsetzen – denn zumindest im Rahmen dieser sehr groben Beschreibung wiederholt sich das Wetter am letzten Tag des Jahres.DWD … und fuer die Jahreszeit viel zu mild

Ein genauerer Blick fördert dann aber doch teils bemerkenswerte Unterschiede zutage. Und dies betrifft vor allem die oben schon dezent angesprochenen Höchsttemperaturen. Die Abbildung eins zeigt für einige ausgewählte Stationen die Temperaturmaxima am 31.12.2021. Der Jahreswechsel 2021 / 2022 war der wärmste seit Beginn der Temperaturmessung in Deutschland. Zwar steckten im Norden wegen des Regens und der dichten Wolken die Maxima in einer Spanne von 10 °C bis 14 °C „fest“ (was ja auch schon sehr mild ist), aber in der Mitte und im Süden war es für die Jahreszeit ungewöhnlich mild, verbreitet mit Temperaturen jenseits der 15 °C-Marke.

Da wir Meteorologen im Winter nicht von „warm“ sprechen, ist „ungewöhnlich mild“ unser Temperatur-Superlativ für die kalte Jahreszeit. Und den werden wir auch am kommenden Samstag wieder bemühen müssen. Denn nach jetzigem Stand werden die bisherigen, oben genannten Rekorde wohl pulverisiert werden.

Dazu werfen wir einen Blick auf die Abbildung zwei. Dort sind die aus zwei verschiedenen Vorhersagemodellen errechneten und anschließend statistisch überarbeiteten Höchstwerte für Silvester angegeben. Bei den Modellen handelt es sich um das „ICON“ des DWD sowie das „IFS“ des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage. Und bei dem, was da zu lesen ist, muss man sich erstmal die Augen reiben. Im Süden Deutschlands sollen die Temperaturen auf über 20 °C klettern, unter Umständen sind bis zu 22 °C möglich. Letzteres würde bedeuten, dass die bisherigen Silvester-Höchstwerte um 5 °C (!!!!) überboten würden. Aber auch in der südlichen Mitte, also etwa in einem Bereich von Magdeburg und dem Ruhrgebiet im Norden bis etwa zum Main im Süden sollen die Höchstwerte 17 °C bis 19 °C erreichen. Das sind selbst in dieser Region Werte, die reichen würden, die bisherigen Maxima zu übertreffen. Bleibt noch der Norden, wo die Temperaturspanne in etwa der o.g. aus dem Jahr 2021 gleicht. Dennoch wäre es vorstellbar, dass zumindest lokal ein Rekord purzelt (der für Hamburg-Neuwiedenthal liegt bei 13,8 °C, der für Bermen bei 13,6 °C, diese beiden Werte stammen ebenfalls aus dem Jahr 2021).

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Es drängt sich förmlich auf, bei dieser Konstellation eher an einen Frühlings-, vielleicht auch an einen kühlen oder mäßig warmen Sommertag zu denken als an Winter. Und es ist eine interessante Frage, ob der Dezember insgesamt – trotz der Kälteperiode zur Monatsmitte – im Vergleich zum vieljährigen Mittel eventuell doch wieder zu warm ausfällt.

Synoptisch betrachtet haben wir die erwarteten hohen Temperaturen einer lebhaften südwestlichen Strömung zu verdanken. Mit ihr werden subtropische Luftmassen nach Mitteleuropa transportiert. Die Abbildung drei wirft einen Blick auf ein Detail der Wettersituation zum Jahreswechsel. Abgebildet sind die Linien gleichen Geopotentials, die sogenannten „Isohypsen“, im 300-hPa-Niveau, also in etwa 9 km Höhe. In dem Bereich, in dem diese sich sehr stark drängen, bildet sich ein kräftiges Starkwindband aus. Seine „Stoßrichtung“ ist die Nordsee sowie Südskandinavien. In der Folge liegen wir auf der Südostseite, also der „warmen“ Seite des Jets. Die Tiefdruckgebiete, die auf der kalten Seite zumindest zeitweise polare Luft anzapfen, schaffen es nicht, die Polarluft bis zu uns zu schieben. Also bleibt es für die Jahreszeit zu mild.

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Trotzdem machen sich die Tiefs bei uns bemerkbar, nämlich mit Regen im Norden und mit einem – abgesehen vom Südosten – stark böigen Wind.

Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.12.2022
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