Donner – Gibt es einen Wettergott?

Gewitter sind beeindruckende Phänomene, doch um ihre Entstehung, vor allem um die der damit verknüpften Geräusche, also der Donner, gibt es viele Mythen. Bei den frühen Völkern gab es nur eine mögliche Erklärung für die Entstehung von Donner, Wind und Regen, und zwar die einer Himmelsgottheit. In vielen Kulturen gab es Donnergötter, die immer etwas unterschiedlich ausgelegt waren. In der griechischen Mythologie war es Zeus, bei den Römern Jupiter, beide erhielten Donner und Blitz als Waffe. Beim nordgermanischen Donnergott Thor, entstand Donner dagegen dadurch, dass er mit einem Wagen durch den Himmel rollte und dabei von Ziegenböcken gezogen wurde. Was aber alle Mythen gemeinsam haben ist, dass sie wissenschaftlich eindeutig nicht belegbar sind.

Wie entsteht Donner denn jetzt wirklich? Ohne Blitz, kein Donner. Donner sind das krachende oder grummelnde Geräusch, das von einem Blitz während eines Gewitters erzeugt wird. Sie entstehen durch sehr starkes Erhitzen des Blitzkanals in extrem kurzer Zeit (Bruchteil einer Sekunde). Sehr starkes Erhitzen bedeutet hier Temperaturen von über 30 000 Grad. Zum Vergleich: An der Oberfläche der Sonne werden knapp 6000 Grad erreicht. Durch die extrem kurze Zeitdauer hat die Luft eigentlich gar keine Zeit, um sich auszudehnen, was sie aber bei einem Temperaturanstieg anstrebt. Dadurch entsteht ruckartig ein sehr hoher Druck innerhalb des Blitzkanals verglichen mit der Umgebung. Das nun folgende schnelle Ausbreiten dieses hohen Drucks in alle Richtungen wird als „Schockwelle“ bezeichnet. Der Druck breitet sich zunächst mit Überschallgeschwindigkeit aus. Wenn die Schockwelle dann weit genug vom Blitzkanal entfernt ist, ist der Druckunterschied gering genug und die Welle breitet sich dann nur noch mit Schallgeschwindigkeit aus und der Donner wird hörbar.

Aber warum hört sich Donner unterschiedlich an? Der Unterschied liegt vor allem an der Ausrichtung des Blitzkanals. Ist dieser rechtwinklig zum Beobachter, erreichen alle Schallwellen des gesamten Blitzkanals den Beobachter ziemlich genau zur gleichen Zeit. So hört der Beobachter nur einen, dafür sehr lauten Donner, der einem Knall ähnelt. Ist der Blitzkanal dagegen zum Beobachter hin geneigt, wird an jedem Ort des Blitzkanals eine Druckwelle erzeugt, die dann jeweils zu unterschiedlichen Zeiten beim Beobachter eintreffen. Dadurch entsteht das bekannte „Rollen“ oder „Rumpeln“ des Donners. Klar ist auch, je weiter der Beobachter sich vom Gewitter weg befindet, desto leiser ist der Donner zu hören. Ab einer entsprechenden Entfernung ist der Donner nicht mehr zu hören, sondern nur noch der Blitz zu sehen. Dieses Phänomen wird dann als Wetterleuchten bezeichnet.

Wie weit ist das Gewitter entfernt? Um die Entfernung des Gewitters zum Beobachter zu bestimmen, gibt es eine Faustregel. Hierfür ist es gut zu wissen, dass sich Blitz und Donner unterschiedlich schnell ausbreiten. Die Schallgeschwindigkeit beträgt ungefähr 340 Meter pro Sekunde, das bedeutet, dass sich das Geräusch, das wir als Donner wahrnehmen, mit 340 Metern pro Sekunde ausbreitet. Die Lichtgeschwindigkeit ist dagegen mit fast 300 000 Kilometern pro Sekunde deutlich größer, sodass der Blitz für den Beobachter früher zu sehen ist als der dazugehörige Donner. Um die Faustregel jetzt auch wirklich anwenden zu können, muss ein Donnern eindeutig einem Blitz zugeordnet werden. Wenn dies der Fall ist können die vergangenen Sekunden zwischen dem Aufleuchten des Blitzes und dem Wahrnehmen des dazugehörigen Donners gezählt werden. Diese Zahl der gezählten Sekunden kann nun durch 3 geteilt werden und man erhält den ungefähren Abstand des Gewitters in Kilometern. Der tatsächliche Abstand ist aber minimal größer, da hier nur mit einer Näherung gerechnet wird. Wer es etwas genauer haben möchte, multipliziert die gezählten Sekunden zwischen Blitz und Donner mit 340 und erhält den Abstand des Gewitters in Metern.

Zum Schluss bleibt nur zu sagen „Donner ist gut und eindrucksvoll, aber die Arbeit leistet der Blitz.“ Denn wie jetzt bekannt sein sollte, entstehen Donner nur, weil es Blitze gibt und das hat nichts mit irgendwelchen Himmelsgöttern zu tun, die mit einem Wagen im Himmel herumfahren.

Praktikantin Jana Schitthof mit Dipl.-Met. Marcel Schmid.

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 26.08.2022

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Still ruht der Atlantik…

Alex, Bonnie, Colin. Das sind die Namen der bisher in dieser Saison aufgetretenen Tropenstürme auf dem Atlantik. Falls Sie jetzt denken: „Das scheint mir etwas wenig zu sein“, dann liegen Sie mit Ihrem Gefühl ziemlich richtig. Eine derart lange Periode ohne atlantische Tropenstürme gab es, bezogen auf den Zeitraum 3. Juli bis 22. August, zuletzt 1982. Davor war dies sogar öfter der Fall, interessanterweise oft im Abstand von fünf Jahren: 1977, 1972, 1967, 1962 und nochmals 1952. Die Launen der Statistik sind mitunter einfach unergründlich…

Doch warum 3. Juli? Am 3. Juli löste sich Tropensturm „Colin“ über dem amerikanischen Bundesstaat South Carolina auf und war bis dahin erstmal der letzte in dieser Saison. Der erste Sturm der Saison war „Alex“, der sich aus den Resten des pazifischen Sturms „Agatha“ entwickelte und vorher über Mexiko gezogen war. Dieser brachte anschließend schwere Niederschläge in Kuba und Südflorida. Im Großraum Miami fielen dadurch Anfang Juni um 250 Liter pro Quadratmeter Regen, was dort für größere Überschwemmungen sorgte. Der zweite tropische Sturm „Bonnie“ trat Anfang Juli in Mittelamerika auf und traf gerade zu dem Zeitpunkt auf die karibische Küste an der Grenze zwischen Nicaragua und Costa Rica, als er begann, sich zu einem Hurrikan zu entwickeln. Er überquerte Nicaragua und zog anschließend auf pazifischer Seite weiter.

Nun also die lange, inzwischen fast siebenwöchige Pause. Doch warum ist das so? Begeben wir uns also einmal auf Ursachensuche und beginnen mit der Frage, was es für die Entstehung eines Tropensturms bis hin zum Hurrikan überhaupt braucht. Eine auch allgemein relativ bekannte Zutat dürften die entsprechend hohen Meeresoberflächentemperaturen darstellen. Das Wasser braucht in der Regel eine Temperatur von mindestens 26 Grad Celsius, damit sich Tropenstürme bilden können. Durch die Wärme und die Verdunstung stellt der Ozean mit dem Wasserdampfangebot genug Energie für die Atmosphäre zur Verfügung. Aktuell stellt dies auch kein Problem dar. Insbesondere vor der amerikanischen Atlantikküste liegen die Wassertemperaturen leicht über dem klimatologischen Mittel (1981-2010) bei etwa 29 bis 30 Grad Celsius. Eine zweite notwendige Bedingung ist fehlende Scherung, das heißt Änderung der Richtung und Geschwindigkeit des Windes mit der Höhe. Scherung führt dazu, dass vorhandene Konvektion in der Höhe bildlich gesprochen vom Winde verweht wird. Sie hat dann keine Chance, sich zu organisieren und sich über einen längeren Zeitraum zu etablieren. An dieser Stelle wird man dann auch bei genauerem Hinsehen stutzig. Über mehrere Wochen lag auf dem Atlantik vor Südwesteuropa beziehungsweise Nordwestafrika ein Trog, also ein Höhentief, welcher sich dort normalerweise nicht befindet. Dieser Trog sorgte für entsprechend unpassende Verhältnisse beim Höhenwind mit erhöhten Scherungswerten. Gleichzeitig steuerte der Trog trockene Luft von Norden her ein. Auch das verhindert eher etwaige Konvektion und verringert das Potential für die Entwicklung tropischer Stürme deutlich. Ein Aufleben der Konvektionsaktivität auf dem Atlantik wird man also wohl erst erwarten können, wenn sich die Druck- und Strömungskonfiguration deutlich umstellt hin zu einer scherungsarmen Umgebung und entsprechend feuchten Luftmassen.

Vielleicht fragt man sich jetzt, warum ausgerechnet der östliche Atlantik vor Afrika betrachtet wird. Auch das hat seinen Grund: Tropische Stürme entstehen auf dem Atlantik oft aus einer sogenannten „Tropischen Welle“ heraus. Diese wiederum bilden sich über Ostafrika aus einer dort vorhandenen Starkwindzone in der Höhe heraus und wandern anschließend westwärts über den Atlantik. Man kann sie sich als eine Art Tiefdruckgebiet vorstellen. Sie führen zu einem ersten Hebungsimpuls in der Atmosphäre und sorgen so dafür, dass die Konvektion überhaupt erst richtig in Gang kommt.

Sollten sich nun die Strömungsverhältnisse tatsächlich umstellen, kann aufgrund der überdurchschnittlichen Wassertemperaturen mit einer deutlich lebhafteren zweiten Saisonhälfte gerechnet werden. Dies ist auch der Grund, warum das National Hurricane Center des amerikanischen Wetterdienstes NOAA noch immer mit einer Saison, die über dem normalen Niveau liegt, rechnet, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer solchen zuletzt marginal reduziert wurde. Ohnehin kommt die Hurrikansaison erst ab Mitte August richtig in Fahrt. Unter anderem treten im Mittel 90% aller sogenannten „Major Hurricanes“ (ab Stärke 3) erst nach dem 20. August als Stichtag auf. Auch wenn es jetzt also lange ruhig war, ist die Saison noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil: Voraussichtlich geht es in den nächsten Wochen erst so richtig los.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 25.08.2022

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DWD Still ruht der Atlantik...

Vier Euro sechsundvierzig

Eine Auflistung von Zahlen ist normalerweise für die meisten ja alles andere als spannend. Wir wagen uns trotzdem heran (garniert mit leichter Kost, versprochen!), wobei sich alle Angaben auf das Jahr 2021 beziehen.

4,46: So viel zahlt jede Bürgerin und jeder Bürger in Euro pro Jahr an Steuern für den DWD. Dafür bekommt man kaum noch ein Spaghetti-Eis, selbst wenn man die einmalig 1,99 Euro für die Vollversion der WarnWetter-App einrechnet.

391: Ist nicht nur die Modellnummer einer Kettensäge, die laut bekanntem Hersteller ein „starker Allrounder ist“, sondern auch die Anzahl der Stationen auf Schiffen, an denen freiwillige Wetterbeobachtung auf See stattfindet.

1.300: So viele Starkregenereignisse wurden vergangenes Jahr in Deutschland erfasst. Genauso viel musste man für zwei VIP-Karten für das Helene-Fischer-Konzert in München hinblättern.

2.157: Juristen verbinden mit dieser Zahl vielleicht eher das Erbrechts-Gesetz über ein „Gemeinschaftliches Vermächtnis“, tatsächlich ist es aber auch die Anzahl der Beschäftigten, die beim Deutschen Wetterdienst arbeiten. Dabei sind übrigens die Männer mit 1339 an der Zahl den 818 Frauen (natürlich nur zahlenmäßig) überlegen.

168.000: So viel Tonnen Äpfel exportierte China im Jahr 2020 nicht nur auf die Philippinen, sondern wurde an Tonnen Sand auch im Februar 2021 aus der Sahara nach Deutschland transportiert – und das noch gratis.

220.000: Anzahl der Wetter- und Unwetterwarnung, die wir letztes Jahr herausgaben. Und, als letzter Punkt im Genre „Unnützes Wissen“: Anzahl der Heiratsanträge, die rund um den Globus am Valentinstag gemacht werden.

507,5 Terabyte: Diese unvorstellbare Menge an Wetter-, Klima- und Satellitendaten ist frei zugänglich archiviert . Und vergleichslos.

Wer nun Lust bekommen hat, mehr aus dem DWD-Alltag zu erfahren, sei es in Form von Zahlen, Abbildungen oder Texten, wird im Jahrbuch 2021 (Link siehe unten) fündig.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 24.08.2022

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DWD Vier Euro sechsundvierzig

Auswertung (Abrechnung) des Modellchaos von Donnerstag 18.08.

Zunächst werden nacheinander die Unterschiede zwischen den gemessenen Niederschlägen und den Vorhersagen der Modelle ICON-D2, GFS, AROME, UK10 und IFS für die 12-stündigen Niederschlagssummen in l/qm bis Donnerstag (18.08.2022) um 20 Uhr betrachtet. Also die Niederschläge, die zwischen 8 Uhr und 20 Uhr fallen. (Siehe Radarsummen linke obere Abbildung und als Vergleich Abbildung 1 vom Thema des Tages vom 18.08.22:  ICON-D2 prognostizierte zwar, dass es im Großraum Berlin regnen sollte, hat allerdings den realen Spitzenwert von 30 l/qm mit einem vorhergesagten Wert von 79 l/qm weit übertroffen, ähnlich überschätzt wurde das Regengebiet an der bayerischen Grenze zu Tschechien. Des Weiteren zeigte ICON Niederschläge bis 71 l/qm an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, in Wirklichkeit fiel besagter Niederschlag (mit 26 l/qm weitaus geringer) im Saarland. Die prognostizierten Niederschläge in Vorarlberg 30 l/qm stimmen mit den Messwerten gut überein. GFS hat die Niederschlagsmengen insgesamt (deutlich) unterschätzt, insbesondere in Vorarlberg und Tirol. Das Niederschlagsgebiet aus dem Saarland ist im Modell nicht zu finden, dafür wurde im Norden Baden-Württembergs ein Schwerpunkt lokalisiert, dessen Niederschlagssumme in etwa zu der im Saarland passt. Weiterhin wurden Niederschläge bis 25 l/qm für das Erzgebirge vorhergesagt, die so nicht eingetreten sind.

AROME hat die Positionen für die Niederschläge am weitesten verfehlt, demnach hätten im Harz Regensummen bis 55 l/qm fallen sollen, der höchste registrierte Wert dort lag jedoch bei 3 l/qm in Herzberg. Während die anderen Modelle keine Niederschläge für Nordrhein-Westfahlen voraussagen und dies auch mit den Messwerten übereinstimmt, prognostizierte AROME dort Niederschläge. Die Niederschläge in Vorarlberg und Tirol wurden geringer vorhergesagt, als sie eingetroffen sind.

UK10 hatte für Ostdeutschland so gut wie keine Niederschläge vorhergesagt und lag damit vor allem für Berlin falsch. Der Niederschlagsschwerpunkt, der in Vorarlberg und Tirol auftrat, wurde hier für die Schweiz kalkuliert. Zudem wurden die Niederschlagsmengen im Norden Baden-Württembergs zu hoch prognostiziert.

IFS hat die Niederschläge über dem Saarland am besten von allen Modellen getroffen. Dafür hat es über Sachsen-Anhalt ein Niederschlagsmaximum gesehen, was es nicht gab. Darüber hinaus wurde die Niederschlagsmenge im Süden von Baden-Württemberg geringer vorhergesagt.

Die 12-stündigen Niederschlagsprognosen der Modelle (hier: außer AROME) für Freitag (19.08.2022) um 8 Uhr im Vergleich zum Radarbild (Abbildung oben rechts) werden im Folgenden beschreiben. Die verwendeten Modellläufe sind von Mittwoch, 17.08.2022, je nach Modell von 2 Uhr (IFS), 8 Uhr (GFS und UK10) und 11 Uhr (ICON-D2).

ICON-D2 trifft die maximalen Niederschlagssummen ganz gut. Im Modell jedoch wurde der Niederschlagsschwerpunkt im Vergleich zum Radarbild nordwestlicher prognostiziert (über der Mitte von Sachsen-Anhalt). Das Radarbild zeigt für einen Großteil von Nordrhein-Westfahlen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Niedersachsen kaum bis keine Niederschläge, genauso wie das Modell. Jedoch deutete das Modellbild einen Korridor über Baden-Württemberg und Bayern, in dem keine Niederschläge fallen sollten – für den gleichen Bereich zeigt das Radarbild hingegen ein Maximum an Niederschlag. Stattdessen rechnete ICON-D2 mit den höchsten Summen in den Alpen.

GFS hat, wie bereits am Donnerstag, die Niederschlagsmengen am schlechtesten getroffen. Die Lokalisierung der Niederschlagsschwerpunkte wurde dafür am besten prognostiziert, nur die Maxima sind etwas südlicher als auf dem Radarbild.

UK10 (Abbildung unten links) hat die Positionen des Niederschlags deutlich verfehlt. Regionen, in denen anhand der Radarerfassung kein Regen fiel (zum Beispiel Rheinland-Pfalz), verzeichneten in der Modellrechnung ein Maximum von 60 l/qm. Stattdessen sollte der Osten Deutschlands im Modell größtenteils trocken bleiben. UK10 lag damit am weitesten daneben. IFS prognostizierte ein Maximum zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit 80 l/qm, stattdessen lag besagtes Maximum im Osten von Sachsen-Anhalt. Als einziges Modell hat IFS ein Niederschlagsmaximum nordöstlich von Berlin an der Grenze zwischen Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gesetzt. Allerdings fiel die Prognose mit 20 l/qm deutlich geringer aus als die tatsächlich gefallene Regenmenge mit 70 l/qm.

Fazit: Das Modell GFS hat die Mengen für Donnerstag am schlechtesten eingeschätzt, dafür am Freitag die Regionen am besten. UK10 lag bei den Regionen am Freitag voll daneben, auch Donnerstag wurden die Regionen nicht wirklich treffend eingeschätzt. Für beide Tage gesehen lag ICON-D2 im Mittel am nächsten, auch wenn es an den einzelnen Tagen nicht am besten war. Die hohen Niederschlagssummen, die auf dem Radarbild im Süden Baden-Württembergs zu erkennen sind, wurden von keinem der Modelle ausreichend prognostiziert.

Anhand der erfassten 72-stündigen Regensummen bis Montag 8 Uhr lässt sich am besten nachvollziehen, wo es über das Wochenende die intensivsten Regenfälle gab. (Abbildung unten rechts). Der meiste Niederschlag fiel eindeutig im Süden Bayerns und Baden-Württembergs. Die geringsten Regenmengen gab es in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Hier blieb es regional sogar ganz trocken.

Praktikantinnen Carolin Probst und Jana Schitthof mit Dipl.-Met. Jacqueline Kernn/M.Sc. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.08.2022

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DWD Auswertung Abrechnung des Modellchaos von Donnerstag 18.08.

Die Woche

Das gestrige Thema des Tages behandelt das Wetter für diese Woche. Die Vorhersage ist in dieser Woche deutlich einfacher als letzte Woche, denn die Variablen bei Hochdruckwetter sind limitiert und am Ende ist der Unterschied zwischen 32 und 34 Grad eher marginal. Wo am Hochdruckrand ein einzelner Schauer oder etwas Regen auf die Böden plätschert, spielt bei der Höhe der zu erwartenden Regenmenge auch eher eine untergeordnete Rolle. Zeit und Raum also, um sich die Aktionstage dieser Woche einmal anzusehen.

Zugegeben, heute ist der Tag der Fische, aber der gibt wenig her. Entstanden ist er offenbar eher aus einer Laune einer einzelnen Frau heraus, die sich an ihrem Geburtstag einen Aktionstag gewünscht hat und sodann 2007 bei Wikipedia einen Eintrag zum „Tag der Fische“ erstellte. Inzwischen ist der Tag einigermaßen bekannt und was wären wir ohne sie. Sei es beim Schnorcheln oder Tauchen im Meer, im örtlichen Aquarium oder auf dem eigenen Teller: Fische sind immer schön anzusehen und haben zumeist eine beruhigende Wirkung.

Am morgigen Dienstag gibt es den „Reite-den-Wind-Tag“. Er ist einer der älteren Aktionstage und stammt aus dem Jahr 1977. Er geht zurück auf die vom britischen Millionär Henry Kremer ausgerufenen und mit einem ordentlichen Preisgeld versehenen Herausforderungen zum Muskelkraftflug. Zwei der Herausforderungen sind nach wie vor offen: die internationale Marathon- und die Sportflugzeug-Herausforderung. Kermers Ziel war es, den Fortschritt des Muskelfluges zu fördern. In den Anfängen war es meist schwierig lange Strecken oder Kunststücke zu meistern, inzwischen sind die technischen Voraussetzungen allerdings besser, vor allem seit der Erfindung des Carbons. Das Wetter spielt beim Muskelkraftflug eine wichtige Rolle, denn bei gutem Auftrieb kann die Muskelkraft einen Flieger länger in der Luft halten.

Der Mittwoch ist der „über das Wetter schimpfen“-Tag in den USA. Aber man kann sich auch hierzulande über das Wetter beschweren. Nicht, dass es dazu einen besonderen Tag bräuchte. Uns erreichen täglich Beschwerden über das Wetter und die Wettervorhersage. Einige sind freundlich formuliert, andere sind voller Beleidigungen bis hin zu Verwünschungen. Aber wer sich einen Anlass wünscht, der kann auf den kommenden Mittwoch zurückgreifen.

Die zweite Wochenhälfte bietet kaum Aktionstage, die sich mit dem Wetter verbinden lassen.

Am Sonntag ist der Tag des Rotweins. Zwar ist die Hauptweinlese erst im späteren September, in einigen Regionen Deutschlands hat die Weinlese für den „Federweißer“ aber bereits begonnen. Die Trockenheit hat die Trauben eher klein gehalten und besonders junge Pflanzen leiden unter Trockenstress. Da muss der Winzer zusätzlich bewässern. Die älteren Reben können mit ihren langen Wurzeln meist ausreichend Wasser aus den tieferen Erdschichten ziehen. Obwohl die Lese dieses Jahr recht früh begonnen hat, ist es nicht der früheste Start. Den gab es im Jahr 2018, in dem bereits Anfang August die Lese anlief. Dieses Jahr war die Witterung im Frühling „normal“, sodass der Wein nur etwa eine Woche früher anfing zu blühen, als im langjährigen Mittel. 2018 war der Frühling sehr warm und die Blüte entsprechend sehr früh.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 22.08.2022

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Hoch PIET ist wieder Herr in der Wetterküche und lässt den Kontakt zum Azorenhoch nicht abbrechen!

Nachdem das Tief KARIN Teilen von Deutschland teilweise in großen Mengen Regen geschenkt hat, ist nun wieder Hoch PIET in der Poleposition! Dieser kann sich als Azorenhochableger erneut über West und Teilen Mitteleuropa einnisten und das Wetter auch hierzulande weitgehend bestimmen. Allerdings gibt es auch in Deutschland immer wieder Gerangel in den Randbereichen. So versuchen wiederholt atlantische Tiefs wie LAVINIA zwischen Island und Norwegen oder im Verlauf MELISSA über dem Nordatlantik zusammen mit Ihren Ausläufern auf das Festland vorzudringen. Allerdings ist das Unterfangen eher schwierig, sodass meist nur der Nordwesten von Deutschland sowie die Küstenregionen gestreift werden. Zudem schickt zum Wochenstart ein hochreichendes Tief über dem Balkanraum auf dessen Nordflanke Wolken westwärts bis in den Osten und Südosten Deutschlands. Einhergehend sind von Oder und Neiße bis zum Erzgebirge sowie in Südostbayern neben dichteren Wolkenfelder geringe Niederschläge möglich. Durch ein bisschen Labilität sind auch im Schwarzwald kurze Schauer nicht völlig von der Hand zu weisen. Im großen Rest des Landes kann sich Hoch PIET weitgehend behaupten, wenngleich er seinen Schwerpunkt zur neuen Woche nach Dänemark verlagert. Bevor Tief MELISSA am Dienstag die schwachen Regionen auf der Südwestflanke von PIET nutzen kann, indem deren Ausläufer nach Mitteleuropa vordringen, stärkt das Azorenhoch erneut die Hochdruckbrücke und drängt MELISSA mit deren Frontensystemen wieder nach Norden ab. Entsprechend bleibt die Grundstruktur bestehen, sodass das Tief über Osteuropa bis über die Wochenmitte hinweg nur dem Osten und Nordosten Aussicht auf etwas Regen schenkt und allenfalls noch das Nordseeumfeld ab und an eine gewisse Schauerneigung aufweist. Ansonsten bleibt schwach ausgeprägter, hoher Luftdruck Trumpf. Demnach kann die Sonne vielfach vom wenig bis überhaupt nicht bewölktem Himmel scheinen. Dies macht sich schließlich auch auf die Niederschlagsvorhersage bis Ende des Monats bemerkbar. Nach dem europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) soll es abgesehen von wenigen Gebieten in Ostdeutschlands im Vergleich zum vieljährigen Mittel deutlich zu trocken sein. Vor allem im Westen und Süden sind die Abweichungen für die letzte Monatsdekade demnach signifikant. Während dies für die Regionen von Schwarzwald, Hochrhein sowie Allgäu bis zum Bayerischen Wald aufgrund der hohen Regenmengen der letzten Tage keine größeren Probleme bereiten sollte, sieht im Westen und der Mitte Deutschlands schon anders aus. Im Süden Baden-Württembergs sowie abgesehen von Unterfranken in großen Teilen Bayerns fielen in den vergangenen vier Wochen 40 bis 200, gebietsweise sogar bis 300 l/qm, was wiederum teilweise das 1,2- bis 3-fache des Niederschlags bezüglich der Referenzperiode entspricht. Entsprechend konnte die sich die Natur dort wohl etwas erholen. Der Blick nach Rheinland-Pfalz, Hessen, in die Westhälfte Nordrhein-Westfalens sowie nach Unterfranken zeigt da schon ein anderes Bild. In den genannten Gebieten fielen in den letzten 3 Dekaden meist nur 1 bis 30 l/qm, örtlich im Bergland auch mal bis 50 l/qm. Dies entspricht vielerorts nur 5 bis 20% des üblichen Niederschlags im betrachteten Zeitraum. An einzelnen Stationen ist im August noch überhaupt kein Niederschlag gemessen worden (z.B. Würzburg). Und die Aussichten für die kommende Dekade beschreiben keine Linderung. Erste Auswertungen und Erläuterungen bezüglich der teils extremen Dürre in Deutschland konnten auch dem Newsletter vom 12. August 2022 entnommen werden (siehe Link).

Bei den Temperaturen stehen nach angenehm temperiertem Start in die Woche vielerorts bei Werten zwischen 26 und 34 Grad erneut hochsommerlich warme bis heiße Zeiten auf dem Programm.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 21.08.2022

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DWD Hoch PIET ist wieder Herr in der Wetterkueche und laesst den Kontakt zum Azorenhoch nicht abbrechen

Tief über Mitteleuropa bringt Unwetter

Nach der lang anhaltenden Hochdruckdominanz, die in weiten Teilen Mittel- und Südeuropas für Dürre sorgte, hat sich die Wetterlage vorübergehend umgestellt. Ein Tiefdruckgebiet zog über Mittel- und Südeuropa, woraus sich eine gefährliche Wetterlage entwickelte. Los ging es bereits am Donnerstagmorgen, als ein kräftiges Tief in höheren Luftschichten von Nordspanien ins westliche Mittelmeer zog. Auf der Vorderseite wurde in mittleren Luftschichten trockene nordafrikanische Luft herangeführt. Das Mittelmeer ist für die Jahreszeit zu warm und stellte somit sehr feuchte Luft in Bodennähe bereit. Sie bietet den Gewittern reichlich Energie für starke Entwicklungen. Hinzu kam noch, dass der Jet-Stream in der Höhe um das Tief herumgeholt wurde und somit für einen kräftigen Höhenwind sorgte. Solche Bedingungen nennt man auch „Loaded-Gun-Situationen“. Man kennt sie am ehesten von der Gewittersaison in den Great Plains. Somit hat sich über dem nordwestlichen Mittelmeer in dieser explosiven Mischung in der Nacht zum Donnerstag eine Gewitterlinie formiert, die sich zu einem sogenannten Bow-Echo, eine bogenförmige Gewitterlinie, entwickelt hat. Solche Bow-Echos bilden ihren eigenen Jet, wodurch in mittleren Luftschichten enorme Windgeschwindigkeiten erreicht werden, die dann bis zum Boden „heruntergezogen“ werden können. Die Struktur ähnelte dabei jener beim Pfingstunwetter in Nordrhein-Westfalen, das 2014 dort verehrende Schäden anrichtete. Dieses Bow-Echo traf in den Morgenstunden mit extremen Böen mit über 200 km/h auf Korsika. Zum Vergleich, beim Pfingstunwetter lagen die maximalen Böen um 150 km/h.

Das ganze System zog schnell weiter über Norditalien und traf am Nachmittag auf Slowenien und Südösterreich und richtete dabei erheblich Schäden an. Durch umgestürzte Bäume gab es dabei mehrere Tote. Am Abend bildeten sich über Norditalien noch einige Superzellen, die besonders in der Region um San Marino sehr großen Hagel mit Korngrößen bis zu 12 cm brachten.

Auch Deutschland wurde von Unwettern nicht verschont. Bei uns führte allerdings der Starkregen zu Problemen. In der Nacht zum Freitag bildete sich um ein Tief über Südostdeutschland ein größeres Gewittergebiet über dem Süden Baden-Württembergs und vom Vogtland bis nach Vorpommern mit teils kräftigen Starkregen.

Am Freitag setzten sich die teils gewittrigen Niederschläge fort. Besonders betroffen war die Region von Schwaben bis zum Bodensee, das Allgäu sowie Teile Oberbayerns. Dort fielen teilweise über 100 l/m², was mancherorts der sonst üblichen Monatssumme entspricht. Durch den Stau an den Alpen schüttete es im Vorarlberg bei Bregenz fast 200 l/m² in nur wenigen Stunden. Wodurch erheblich Überflutungen verursacht wurden. Die Wetterlage hatte durchaus Ähnlichkeit mit der Lage, die im Juli 2021 zur Hochwasserkatastrophe im Ahrtal führte. Dabei zapfte das Tief über Mitteleuropa feuchte Mittelmeerluft an. In einem sich um das Tief herumwickelnden Niederschlagsband kam es zu schauerartig verstärkten, gewittrigen Niederschlägen, die nur sehr langsam ziehen und durch das Eindrehen immer wieder dasselbe Gebiet trafen und dort teils extreme Mengen brachten. So eine Lage ist immer eine große Herausforderung für die Meteorologen, denn die Wettermodelle haben große Schwierigkeiten bei der genauen Prognose. In diesem Fall waren die Auswirkungen vergleichsweise gering. Denn durch das hohe Niederschlagsdefizit der vergangenen Monate führten die Flüsse und Bäche größtenteils Niedrigwasser, der Boden konnte noch viel Wasser aufnehmen und war im Süden noch nicht so ausgetrocknet, dass eine schnelle Wasseraufnahme verhindert wurde. Zudem ist die betroffene Region nicht so sehr anfällig für Starkregenereignisse.

In den nächsten Stunden lassen die Regenfälle weiter nach unwetterartigen Starkregen gibt es nur noch lokal. Vor allem in Teilen des Westens, der kaum Regen abbekommen hat, geht unterdessen die Dürre weiter. Flächendeckende Niederschläge sind bis nächste Woche Donnerstag dort nicht in Sicht. Denn ein neuer Azorenhochkeil weitet sich nach Deutschland aus und bring in der kommenden Woche sonniges und zunehmend wieder heißes Wetter.

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.08.2022

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Der Ätna

Wer gerade seinen Urlaub auf Sizilien verbringt bzw. demnächst verbringen möchte, sollte den Ätna als eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten der Insel besichtigen. Mit 3357 m Höhe ist der Ätna der höchste Vulkan Europas und gleichzeitig einer der aktivsten der Erde. (Siehe Bild im Winter aufgenommen).

Der Ätna befindet sich an der Ostküste Siziliens zwischen den Städten Catania und Messina. Durch die klimatischen Besonderheiten und die Höhe sowie den durch die Asche fruchtbaren Boden ist am Berg die Vegetation sehr vielfältig und einzigartig. Unterhalb von 600 bis 800 m wird überwiegend Obst angebaut wie z. B. Zitrusfrüchte, Oliven, Weintrauben und an der Westseite auch Pistazien. Zwischen 800 und 1300 m wachsen Eichen und Esskastanien. Bis in eine Höhe von 2300 m sind Schwarzkiefer, Buche (die südlichste Ausdehnung dieser Baumart in Europa) und eine Birkenart, die nur dort wächst und von der letzten Eiszeit stammt, beheimatet. Oberhalb von 2300 m ist der Vulkan mit Ausnahme von einigen Gräserarten vegetationslos.

Besonders im Mai und Juni kann man eine Vielfalt von Blumenarten mit ihren Farben bestaunen. Der Ginster z. B. taucht mit seiner Blüte die Landschaft in gelbe Farbe, die einen markanten Kontrast zum sonst durch die erkaltete Lava schwarzen Anblick erzeugt.

Um diese Landschaften mit den regelmäßigen Vulkanausbrüchen am besten bestaunen zu können, folgen nun ein paar Tipps. Neben passender Kleidung und Schuhwerk ist es sehr hilfreich – manchmal auch überlebenswichtig! – vorher auf die Wettervorhersage bzw. die aktuellen Wetterbedingungen zu achten. Denn es passiert oft, dass sich das Wetter abrupt ändert: Strahlender Sonnenschein kann sehr schnell in kräftige Gewitter oder in dichten Nebel umschlagen, wodurch die Wanderung gefährlich werden kann.

In den nächsten Tagen herrschen auf Sizilien sommerliche Wetterbedingungen. Jedoch steigt ab dem nächsten Montag die Gewittergefahr in Landesinnere an. Es kann also sein, dass der Blick zum Ätna versperrt ist. Ein Ausflug auf dem Gipfel könnte zudem wegen schlechter Sicht und Blitzschlag gefährlich werden. Die höchste Wahrscheinlichkeit dafür wird am Montag und Dienstag erwartet.

Ein letzter und wichtiger Tipp ist bei einer Wanderung auf den Ätna immer die Beobachtung der Zugrichtung der Rauchfahne. Man sollte sich dabei möglichst nicht unter der Rauchwolke befinden. Bei einem eventuellen Ausbruch ist dann die Gefahr sehr groß, unter den Ascheregen zu geraten. Je nach Entfernung zu den Hauptkratern und Stärke des Ausbruchs können die fallenden Gesteine einen Durchmesser von mehreren Zentimetern haben.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 19.08.2022

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DWD Der Aetna

Ein Modellchaos: Niederschläge und wo sie (vielleicht) zu finden sind

In einer Hinsicht sind sich die Modelle einig: Es wird Regen geben. Wo und wieviel ist da schon etwas komplizierter. Am selben Ort wird von dem einen Modell Niederschlag vorhergesagt, einem anderen Modell nach zu urteilen fällt kein Tropfen vom Himmel.

Um zu verstehen, wie es zu solchen Unterschieden kommt, muss man sich damit vertraut machen, wie ein Wettermodell grob funktioniert. Neben einigen komplizierten physikalischen Gleichungen fließen noch Anfangs- und Randbedingungen in die Modelle ein. Zusätzlich werden diverse Prozesse vereinfacht (parametrisiert), um die Rechendauer der Modelle geringer zu halten. Je mehr Prozesse parametrisiert werden, desto kürzer wird die Rechendauer, aber desto ungenauer wird das Ergebnis. Verschiedene Modelle arbeiten dabei mit verschiedenen Bedingungen und Parametrisierungen, sodass am Ende auch verschiedene Ergebnisse rauskommen. Während sich die Vorhersagen bei den großräumigen Strukturen des Luftdrucks sowie des Geopotentials auf den ersten Blick oft noch sehr ähneln, werden die Unterschiede mit kleiner werdendem Gebiet immer größer. Vor allem die Niederschläge sind dabei häufig noch unzureichend prognostiziert. Folgende vier Modelle werden betrachtet: ICON-D2 vom Deutschen Wetterdienst, GFS vom National Weather Service (USA), AROME von Meteo France und UK10 vom britischen Wetterdienst.

Abbildung 1 zeigt die erwarteten Niederschläge für den heutigen Donnerstag, den 18.08.2022 zwischen 14 und 20 Uhr. Die dargestellten Daten stammen bei den grob aufgelösten Modellen aus dem 8 Uhr Lauf vom gestrigen Mittwoch (17.08.2022). Die Lösung des feinaufgelösten ICON-D2 liefert der gestrige 11 Uhr Lauf. Auf den ersten Blick erkennt man, dass die Modelle hinsichtlich der Position und Intensität des Niederschlags verschiedenste Ergebnisse liefern. Das hauseigene Modell ICON-D2 legt den Schwerpunkt auf Österreich bis in den Süden Bayerns, einen weitern auf die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz., sowie nördlich von Berlin. AROME bildet im Süden Deutschlands kaum Regen ab, stattdessen liegt der Schwerpunkt hier über der Dreiländergrenze zwischen Thüringen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Das amerikanische Modell GFS zeigt generell eine geringere Intensität und legt einen kleinen Schwerpunkt auf Sachsen. Nach dem Modell UK10 gäbe es im Nordosten Deutschlands kaum bis keine Niederschläge, stattdessen im Südwesten.

Kurz zusammengefasst: Jedes Modell legt die Schwerpunkte auf einen anderen Bereich von Deutschland, dabei liegen die maximalen Regenmengen zwischen 25mm und 79 l/qm/12h, was dann doch ein deutlicher Unterschied ist.

Sieht man sich für den gleichen Vorhersagezeitraum die neuen Modellrechnungen aus der vergangenen Nacht an (2 Uhr bzw. 5 Uhr Läufe), sehen die Prognosen schon wieder anders aus (Abbildung 2). Starten wir wieder mit ICON-D2: Diesmal liegen die Schwerpunkt über Frankreich südlich vom Saarland, ein weiterer vor allem in Oberösterreich und ein kleiner über Mitteldeutschland. Das französische Modell AROME zeigt im Vergleich zum gestrigen Lauf wesentlich geringere Niederschlagsmengen. Signifikante Mengen sind auf Basis dieser Datenlage vor allem in Vorarlberg zu erwarten. Dort wo im gestrigen Durchlauf noch der Schwerpunkt lag, ist nun kaum noch etwas zu sehen. Das GFS-Modell zeigt zum Vortag die geringste Veränderung. Der Schwerpunkt liegt weiterhin über Sachsen, wobei sich dieser aber nach Nordbayern ausgedehnt hat. Zudem ist ein weiter Schwerpunkt östlich von Berlin hinzugekommen. Die Regensummen werden beim GFS weiterhin als eher gering eingeschätzt. Bei dem britischen Modell UK10 fällt auf den ersten Blick auf, dass die Niederschlagshinweise nun zwar räumlich größere Gebiete einnehmen, die Mengen aber sehr viel geringer ausfallen.

Zusammengefasst: Die Niederschlagsvorhersage sieht sowohl innerhalb einer Modellkette als auch zwischen unterschiedlichen Modellen im Vergleich zum Vortag ganz verschieden aus.

Dies zeigt, dass nicht nur die Modelle untereinander, sondern auch innerhalb Schwankungen besitzen. Jeder Lauf entspricht einer Modellrechnung, mit angepassten Anfangswerten an den aktuellen Zeitpunkt vor der Berechnung. Je nach Modell gibt es mehrere Läufe am Tag, zum Beispiel alle zwölf oder alle drei Stunden. Durch das Anpassen der Bedingungen kann es ebenfalls zu Änderungen in der Vorhersage und somit zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Genauer sieht man das an einem weiteren Beispiel, diesmal wird der 12-stündige Niederschlag des IFS-Modells des EZMW (Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersage) betrachtet. Die Vorhersage bezieht sich dabei auf Freitag, den 19.08.2022, 8 Uhr. In Abbildung 3 sind von rechts nach links vier verschiedene Durchläufe von IFS für die Mitte Deutschlands aufgeführt: 16.08., 2 Uhr, 16.08., 14 Uhr, 17.08., 2 Uhr und 17.08., 14 Uhr.

Beim ältesten der vier gezeigten Läufe (ganz rechts) werden die stärksten Niederschläge im Osten von Nordrhein-Westfahlen gezeigt. Dabei erstreckt sich das Gebiet bis nach Niedersachsen und in den Norden von Rheinland-Pfalz. Im Osten Deutschlands wird kaum etwas erwartet.

Die nächste Berechnung (zweites Bild von rechts) legt den Niederschlagsschwerpunkt über Niedersachsen und Norddeutschland. Während nun etwas stärkere Niederschläge in den ostdeutschen Bundesländern simuliert werden, fallen diese dafür im Westen schwächer aus.

Der Lauf von gestern Mittag (zweites von links) sagt fast keine Niederschläge mehr über Nordrhein-Westfahlen voraus, stattdessen liegt ein großer Schwerpunkt über der Grenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wobei laut den Berechnungen ein Maximum von 81 l/qm in 12 Stunden zu erwarten wäre.

Im jüngsten der vier Läufe (ganz links) erkennt man, dass sich das Niederschlagsgebiet, im Vergleich zum vorherigen Zeitpunkt, weiter nach Osten verlagert hat. Insbesondere Westdeutschland ist nun überhaupt nicht mehr von Niederschlägen betroffen. Was macht man nun bei diesem Chaos? Klar ist, dass man nicht nur auf ein Modell vertrauen sollte, sondern die Modelle miteinander zu vergleichen. Auch ein Blick auf vorherige Durchläufe kann dabei helfen eine allgemeine Entwicklung festzustellen. Prinzipiell ist es so, dass hochaufgelöste Modelle die vom Niederschlag betroffenen Regionen definierter und präziser angeben können, aber auch Modelle mit geringer Auflösung können die großräumige Entwicklung gut erfassen. Bei der Frage, welches Ereignis dann wirklich am wahrscheinlichsten ist, kann oft nur die Erfahrung helfen.

Abschließend lässt sich sagen: „Die Moral von der Geschichte: Böse Modelle gibt es nicht“ (eine Hommage an eine Dozentin der Uni Köln).

Praktikantinnen Jana Schitthof und Carolin Probst mit Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.08.2022

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DWD Ein Modellchaos Niederschlaege und wo sie vielleicht zu finden sind

Bauernregeln

Bauernregeln sind alte Volkssprüche, die meist in Reimform verfasst wurden und Auskunft über das Wetter und die Folgen für die Landwirtschaft geben sollten. Entstanden sind sie aus langjährigen Beobachtungen, meist in Klöstern und wurden über viele Generationen weitergegeben. Es wurde versucht, aus den Beobachtungen Rückschlüsse auf das kommende Wetter zu ziehen. Dabei muss die Region, für die eine Bauernregel aufgestellt wurde, berücksichtigt werden, denn bestimmte Wetterphänomene, die in den Bauernregeln beschrieben werden, treten in manchen Regionen häufiger auf als in anderen. So gibt es für einen Tag mehrere Regeln, die sich durchaus widersprechen können, da eine beispielsweise für die Ostsee gilt und eine andere für den Alpenraum. Auch muss die Entstehungszeit der Wetterregeln berücksichtigt werden, um eine eventuelle Verschiebung, die mit der Einführung des gregorianischen Kalenders einhergegangen ist, zu berücksichtigen. Welche Regeln gibt es?

Es gibt allgemeine Regeln für jeden Monat, aber auch Vorhersagen für einzelne Tage. Für die Vorhersage der nächsten Wochen oder von Jahreszeiten sind Lostage von Bedeutung. An Lostagen werden teils meteorologische Besonderheiten beschrieben, welche immer wieder zur gleichen Zeit im Jahr auftreten, sodass Aussagen über das Wetter der nächsten Tage aber auch über die dann zu erledigenden Aufgaben in der Landwirtschaft getroffen werden können.

Zu den bekanntesten und auch beliebtesten Bauernregeln zählt die Siebenschläfer-Regel. Sie bezieht sich ursprünglich auf den 27. Juni, aufgrund der gregorianischen Kalenderreform mittlerweile auf den 7. Juli. Der Name stammt allerdings nicht vom Tier Siebenschläfer, wie viele Menschen denken, sondern geht auf eine Legende zurück. Laut dieser Legende suchten sieben Brüder vor der Christenverfolgung in einer Höhle Zuflucht, wurden dort eingemauert und fielen in einen tiefen Schlaf. Nachdem die Höhle dann ungefähr 200 Jahre später, am 27. Juni 446 entdeckt wurde, wachten die sieben Brüder wieder auf. Eine Fassung dieser Regel lautet „Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt“. Kurz gesagt, wenn am Siebenschläfertag die Sonne scheint, tut sie das auch in den nächsten sieben Wochen. Regnet es hingegen, dann ist auch in den darauffolgenden 7 Wochen häufiger mit Regen zu rechnen. Die heutige Trefferquote dieser Regel hängt von der Region ab, so trifft sie in München zu 80%, in Berlin dagegen nur zu 68% zu. Die Höhe der Übereinstimmung wird auf eine vom Jetstream abhängige Großwetterlage zurückgeführt, die in dieser Zeit herrschen und für einige Wochen anhalten kann.

Eine weitere sehr bekannte Bauernregel ist die der Hundstage. Als Hundstage werden die heißen Tage zwischen dem 23. Juli und dem 23. August bezeichnet. Der Name stammt vom Sternbild Großer Hund. Vom Aufgang des Sternbildes bis zum Untergang vergehen 30 bis 31 Tage, diese Tage werden als Tage vom Großen Hund oder kurz Hundstage bezeichnet. Schon die Ägypter stellten einen Zusammenhang zwischen der Wiederkehr des Sternbildes und den Tagen der größten Sommerhitze her. Durch die Präzession der Erdachse hat sich die Zeit der Hundstage um etwa vier Wochen verlagert. Der Aufgang des Sternbildes ist heute ab dem 30. August zu beobachten und ist eher ein Zeichen für den nahenden Herbstanfang geworden.

Beliebt ist außerdem die Schafskälte. Oft gibt es zwischen dem 4. und 20. Juni in Mitteleuropa einen Kälteeinbruch. Der Name der Schafskälte stammt daher, dass die Schafe meist bis zu diesem Datum geschoren werden und der Kälteeinbruch für die Tiere durchaus bedrohlich werden kann. Die Schafskälte entsteht durch die unterschiedlich schnelle Erwärmung von Land und Meer. Die Landmassen sind im Juni bereits stark erwärmt, das Meer allerdings noch relativ kalt. Dadurch entstehen Tiefdruckgebiete über der See, die dann kalte Luft polaren Ursprungs nach Europa bringen. Statistisch betrachtet, trat die Schafskälte in den letzten 100 Jahren zu etwa 61% ein.

Einige Regeln sprechen nicht von festen Tagen, an denen auf das Wettergeschehen geachtet werden sollte, um eine Prognose zu treffen, sondern beziehen sich auf die Natur. Hierfür muss man besonders auf Tiere achten, denn sie haben ein gutes Gespür für Wetterwechsel. Viel zitiert: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter“. Warum ist das so? In der Regel kräht ein Hahn auf dem Misthaufen, wenn sich Regen ankündigt, also die Luftfeuchtigkeit ansteigt. Das sorgt dafür, dass der Hahn dann auf dem Misthaufen Würmer zum Fressen findet, da diese vor allem bei feuchtem Wetter ihre Höhlen verlassen. Weitere Beispiele dafür, dass es sich lohnt, auf Tiere zu achten, findet man in den Sprüchen „Wenn gen Nord die Gänse ziehn, werden bald die Veilchen blühn“ oder „Schwalben tief im Fluge – Gewitter kommt zum Zuge“. Anhand dieser Regeln lassen sich auch „spontane“ Wetteränderungen berücksichtigen.

Viele „Bauernweisheiten“ sind so formuliert, dass sie immer gültig sind, aber gleichzeitig keine richtige Aussage treffen oder einfach als Sprichwörter dienen, aber nichts mehr mit den Bauernregeln im ursprünglichen Sinne zu tun haben. Sprüche wie „Gefriert`s an Silvester zu Berg und Tal, geschieht es dies Jahr zum letzten Mal.“ oder „Ist der Hahn heiser, kräht er morgens etwas leiser.“ haben nichts mehr mit einer Wettervorhersage zu tun, dafür klingen sie lustig.

Praktikantin Jana Schitthof in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.08.2022

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