Gordon Bennett Cup 2022

Der Gordon Bennett Cup oder „Coupe Aéronautique Gordon Bennett“, ist die älteste Luftsportveranstaltung der Welt und wurde von James Gordon Bennett Jr. ins Leben gerufen. Er war Zeitungsverleger des „New York Herald“, aber vor allem auch Abenteurer und sorgte mit privat finanzierten Expeditionen selbst für seine Schlagzeilen. So initiierte er einen Wettbewerb für Gasballone dessen erster Wettkampf 1906 vom Jardin des Tuileries in Paris aus startete. Die Regeln des Wettkampfes sind einfach. Es kommt nicht auf die Geschwindigkeit an, es gibt auch kein eindeutiges Ziel. Gewonnen hat die Mannschaft mit größtmöglicher Distanz (Luftlinie) zwischen Startplatz und Landung, egal wie lange sie dafür brauchen.

Es gibt zwei verschiedene Arten von Ballonen – Heißluftballone und Gasballone. Warum ein Ballon überhaupt steigt, schwebt und wieder sinkt liegt am archimedischen Prinzip. Dabei spielt die mittlere Dichte des gesamten Konstrukts (Ballonhülle, Luft/Gas in der Ballonhülle, Korb, Besatzung) die entscheidende Rolle. Bei Heißluftballonen sorgt die Erwärmung der Luft innerhalb der Ballonhülle für eine geringere Dichte, sodass der Ballon einen Auftrieb erfährt. Kühlt sich die Luft im Ballon ab, sinkt er wieder zu Boden. Der Pilot kann also mit der Erwärmung der Luft den Auftrieb kontrollieren. Gasballone hingegen haben eine geschlossene Ballonhülle, die mit Wasserstoff gefüllt wird. Wasserstoff hat eine geringere Dichte als das Luftgemisch der Troposphäre und steigt somit auf. Damit hier der Pilot das Aufsteigen und Absinken kontrollieren kann, lässt er entweder Gas ab zum Sinken oder er wirft Ballast ab (in der Regel Sand) um das Eigengewicht zu reduzieren und damit zu steigen.

Im Gegensatz zu anderen Luftfahrzeugen kann ein Ballonfahrer also nur die vertikale Bewegung steuern und nicht direkt in der Horizontalen manövrieren. Der Ballon fährt immer mit dem Wind, er fliegt also nicht (er hat ja auch keine Flügel). Daher ist es für die Piloten enorm wichtig, sich ständig über die aktuellen Wind- und Wetterverhältnisse zu informieren. Da bei dem Rennen jeder mehr oder weniger mit demselben Equipment fährt (jeder Ballon darf nur maximal ein Volumen von 1000 Kubikmeter haben), spielt das Geschick des Piloten und die Beratung des Meteorologen die entscheidende Rolle. Jedes Team hat dabei seinen eigenen „Wetterfrosch“ in seinem Unterstützungsteam.

„Bereits im Vorfeld des Rennens werden mehrere Vorwärtstrajektorien gerechnet um die optimale Route herauszufinden. Dabei spielt vor allem auch die Modellkonsistenz eine Rolle, da der Wettkampf ja über mehrere Tage gehen kann.“, sagt Diplom Meteorologin Heidi Schmid, die mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der meteorologischen Ausbildung und auch selbst als Ballonpilotin das österreichische Team AUT-1 berät. Die Wetterberatung erfordert einiges an meteorologischem Wissen, geographischen Kenntnissen und auch Fachwissen über das Luftgerät. Der mitgenommene Ballast ist dabei der limitierende Faktor. Wenn der Ballast ausgeht, ist die Fahrt zu Ende. Es gilt also nicht nur die Route mit den stärksten Windgeschwindigkeiten zu finden, sondern auch die ballast-sparsamste. So erfordert zum Beispiel ein nächtliches Aufsteigen mehr Ballastabwurf als ein Aufsteigen in den Frühstunden. Wenn die ersten Sonnenstrahlen die Ballonhülle erreichen, erwärmt sich das Gas und die Dichte wird geringer. Das heißt der Ballon erfährt automatisch Auftrieb. Auch ein „Schwimmen“ auf einer Inversion kann da von Vorteil sein, denn eine Inversion bedeutet auch immer ein Dichtesprung in der Atmosphäre. All diese taktischen Überlegungen machen den Wettbewerb für Piloten und Meteorologen so spannend.

Dieses Jahr starteten 17 Teams aus acht verschiedenen Nationen. Der Startplatz lag im schweizerischen St Gallen. Die Wetterbedingungen am Start waren nicht ganz einfach. Eine Tiefdruckrinne entwickelte sich von den Britischen Inseln nach Südfrankreich. Am Nachmittag sollte diese Schauer- und Gewitterträchtige Zone auch die Schweiz erreichen. Zum Glück konnte der geplante Starttermin noch vor der Schauer- und Gewitterlinie planmäßig um 16 Uhr stattfinden. Zunächst war das Teilnehmerfeld noch dicht beieinander und fuhr mit der Höhenströmung ostnordostwärts über den südlichen Bodensee in Richtung Allgäu. Doch schon bald gab es den ersten Ausreißer. Das Team von AUT-1 stieg in größere Höhen auf, in diesem Level herrscht ein stärkerer Wind vor, der zudem den Ballon auf eine südlichere Zugbahn brachte als den Rest des Feldes. Am Abend ging es in einer Höhe von über 3500 Metern auf der Führungsposition über die Zugspitze. Die Strategie dahinter: Möglichst schnell, möglichst viel Strecke zu machen um eine lange Fahrt über mehrere Tage zu vermeiden.

Das Leben in einem Ballon ist nämlich nicht gerade luxuriös. Essen, Trinken, warme Kleidung, Sauerstoffflaschen (wenn man in größeren Höhen unterwegs ist), sowie Funkgeräte mit genügend Stromkapazität muss alles mit in den Korb. Eine Zwischenlandung ist nicht erlaubt. Es gibt ein kleines Türchen im Korb das sich öffnen lässt, damit man beim Schlafen die Füße raushängen kann. Das klingt alles andere als gemütlich. Einige Teams sind aber hartgesotten. Für sie zählt nur der Sieg. Dafür braucht man bei der aktuellen Wetterlage eine andere Strategie. Am Rande eines schwachen Höhenrückens, der sich vom Mittelmeer nach Osteuropa erstreckte, fuhren sie weiter in südöstliche Richtungen über Österreich hinweg in Richtung Serbien.

Am Sonntag wurde es dann zunehmend schwierig mit dem Weiterkommen. Über Serbien, Rumänien bzw. Bulgarien waren kaum Luftdruckgegensätze auszumachen, sodass vor allem in der unteren Atmosphäre nur geringe Windgeschwindigkeiten vorherrschten. Die Strategie hier heißt dann „Abwarten und Tee trinken“ oder was man halt so im Korb noch hat. Denn für Montag war eine Wetterumstellung in Aussicht. Der Rücken sollte sich verstärken und somit die Windgeschwindigkeiten wieder zunehmen. Bei gleichzeitiger Winddrehung auf Süd, wäre eine Landung auf Kreta möglich gewesen. Doch in der Nacht zum Montag ist die Entscheidung anders ausgefallen. Die Gefahr von Gewittern auf dem Weg nach Griechenland war zu hoch. Am heutigen Montag sind die letzten Ballone zu Boden gegangen. Das Sieger-Team GER-3 mit den Piloten Wilhelm und Benjamin Eimers kommt aus Deutschland und landete in den Frühstunden in Bulgarien 1572 km vom Startplatz in St Gallen entfernt. Damit wird der Gordon Bennett Cup 2024 von Deutschland (2023 nochmals in der Schweiz) aus starten, was bestimmt viele Ballonsport-Fans und Flugmeteorologen freuen wird.

MSc Sonja Stöckle

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Gordon Bennett Cup 2022

Regen in der kommenden Woche

In der kommenden Woche steht bei den verschiedenen Wettervorhersagemodellen einiges an Regen auf der Agenda. In den Regionen, in denen es in den vergangenen Wochen geregnet hat, wird darauf wahrscheinlich nicht sehnsüchtig gewartet. Aber es gibt auch noch „Ecken“ in Deutschland, beispielsweise das östliche Rhein-Main-Gebiet oder Teile des Niederrheins, in denen weiterhin seit Wochen auf Regen gewartet wird.

Die großräumige, sozusagen synoptische „Geschichte“ des Wetters bis zum kommenden Freitag ist dabei recht leicht erzählt – und sie unterscheidet sich von Vorhersagemodell zu Vorhersagemodell kaum. Es ist die Geschichte von Tief PEGGY (über dem Ostatlantik) und Hoch QUINTIN (über Skandinavien und dem Nordmeer). Beide rangeln um Macht und Einfluss auf das Wetter, wobei sich PEGGY mehr und mehr durchsetzen kann. Das bedeutet am Montag noch allgemein viel Sonne. Am Dienstag kommt es in der von PEGGY in den Westen und Süden transportierten feucht-warmen Luft schon verbreitet zu Schauern und Gewittern. Und ab Mittwoch, wenn PEGGYs Frontensystem uns von West nach Ost überquert, kann es in ganz Deutschland – auch kräftige – Schauer und Gewitter geben.

Soweit – so (relativ) einfach. Das Problem dabei ist aber die regionale Verteilung der Schauer und Gewitter. Und an dieser Stelle zeigt jedes Vorhersagemodell seine ganz eigenen Vorstellungen. Das ist auch deutlich in der beigefügten Grafik zu erkennen . Sie zeigt die akkumulierten Regenmengen bis in die Nacht zum kommenden Samstag, auf der linken Seite vom Vorhersagemodell IFS des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF), auf der rechten Seite vom DWD-Modell ICON.

Einig ist man sich darin, dass es verbreitet regnen soll. Im Detail zeigen sich dann aber deutliche Unterschiede. Während IFS z. B. für Karlsruhe und das angrenzende Nordbaden nur 5 bis 10 mm (Liter pro Quadratmeter) vorhersagt, würde sich laut ICON dort über 40 mm aufsummieren. Anders verhält es sich rund um die Mecklenburgische Seenplatte. Im Gegensatz zum dort mit lediglich 5 bis 10 mm sehr verhalten auftretenden ICON geht IFS in die Vollen: Satte 40, lokal sogar über 60 mm werden von den europäischen Kollegen an Niederschlag avisiert.

Das Problem ist, dass es bei der Niederschlagsprognose von Schauern und Gewittern nicht nur auf die großräumigen Zirkulationsmuster, sondern auch auf viele kleinräumige Faktoren ankommt. Dies sind z.B. die Windstärke- und Richtung in verschiedenen Höhen, die horizontale und vertikale Feuchteverteilung, die Einstrahlung, die Temperatur und die Temperaturschichtung – um nur einige wenige zu nennen. Wesentlich ist, dass Unterschiede im Detail teils große Auswirkungen auf die räumliche Verteilung und Intensität der Niederschläge haben können.

Bezüglich der zu erwartenden Intensität der Niederschläge liegt ein weiteres Problem im Charakter der hier beispielhaft betrachteten Vorhersagemodelle. Als typische Vertreter der Kategorie „Globalmodell“ (also als Modell mit globaler Vorhersage) ist die räumliche Auflösung der Modellphysik gröber als bei hochauflösenden (und damit zumeist räumlich limitierten) Vorhersagemodellen. Das bedeutet aber auch, dass Niederschlagsspitzen etwas „verwaschen“ werden. Mit anderen Worten: Punktuell können über den betrachteten (und ja auch recht langen) Zeitraum durchaus mehr als die von IFS simulierten knapp 80 mm an der Südspitze des Kummerower Sees in Mecklenburg-Vorpommern fallen.

Leider bedeutet das gesagte letztendlich, dass es für genaue Aussagen über die zu erwartenden Niederschlagsmengen noch zu früh ist. Das ist einerseits unbefriedigend – bietet aber Hoffnung für alle, die mit der Vorhersage für ihre Region aktuell (noch) unzufrieden sind.

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Regen in der kommenden Woche

Deutschlandwetter im Sommer 2022

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2022*

1. Platz: Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) 22,6 °C — Abweich. +3,9 Grad

2. Platz: Frankfurt am Main-Westend (Hessen) 22,3 °C — Abweich. +3,7 Grad

3. Platz: Mannheim (Baden-Württemberg) 22,2 °C — Abweich. +3,5 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2022*

1. Platz: Kahler Asten (Nordrhein-Westfalen) 15,7 °C — Abweich. +3,5 Grad

2. Platz: Carlsfeld (Sachsen) 15,7 °C — Abweich. +3,5 Grad

3. Platz: Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 15,9 °C — Abweich. +3,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2022**

1. Platz: Aschau-Stein (Bayern) 554,7 l/m² — 72 Prozent

2. Platz: Ramsau-Schwarzeck (Bayern) 551,0 l/m² — 83 Prozent

3. Platz: Balderschwang (Bayern) 549,5 l/m² — 71 Prozent

Besonders trockene Orte im Sommer 2022**

1. Platz: Bad Kissingen (Bayern) 28,5 l/m² — 15 Prozent 2. Platz: Hannover/Kleingartenverein (Niedersachsen) 34,7 l/m² — 17 Prozent 3. Platz: Karlstadt (Bayern) 36,3 l/m² — 20 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2022**

1. Platz: Lahr (Baden-Württemberg) 973 Stunden — 136 Prozent

2. Platz: Rheinau-Memprechtshofen (Baden-Württemberg) 961 Stunden — 149 Prozent

3. Platz: Saarbrücken-Ensheim (Saarland) 953 Stunden — 143 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2022**

1. Platz: Hattstedt (Schleswig-Holstein) 675 Stunden — 113 Prozent

2. Platz: Leck (Schleswig-Holstein) 675 Stunden — 105 Prozent

3. Platz: List/Sylt (Schleswig-Holstein) 676 Stunden — 96 Prozent

oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Jahreszeitmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitwertes zum vieljährigen Jahreszeitmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Jahreszeitenüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter .

Dipl.-Met. Christian Throm, Meteorologe

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im August 2022

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2022*

1. Platz: Frankfurt am Main-Westend (Hessen) – 23,7°C – Abweichung +4,9 Grad

2. Platz: Frankfurt am Main (Hessen) – 23,7°C – Abweichung +5,4 Grad

3. Platz: Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) – 23,7°C – Abweichung +4,9 Grad

Besonders kalte Orte im August 2022*

1. Platz – Carlsfeld (Sachsen) – 16,2°C – Abweichung +3,7 Grad

2. Platz – Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) – 16,5°C – Abweichung +2,4 Grad

3. Platz – Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) – 16,7°C – +3,6 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2022**

1. Platz: Babenhausen (Bayern) – 259,3 l/m² – 237 Prozent

2. Platz: Wertach-Bichel (Bayern) – 256,6 l/m² – 129 Prozent

3. Platz: Dietenheim (Baden-Württemberg) – 256,0 l/m² – 260 Prozent

Besonders trockene Orte im August 2022**

1. Platz: Mansfeld-Annarode (Sachsen-Anhalt) – 0,9 l/m² – 2 Prozent

2. Platz: Altertheim-Oberaltertheim (Bayern) – 2,0 l/m² – 3 Prozent

3. Platz: Bad Soden-Salmünster (Hessen) – 2,1 l/m² – 3 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2022**

1. Platz: Lahr (Baden-Württemberg) – 320 Stunden – 139 Prozent

2. Platz: Saarbrücken-Ensheim (Saarland) – 319 Stunden – 148 Prozent

3. Platz: Rheinau-Memprechtshofen (Baden-Württemberg) – 315 Stunden – 151 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im August 2022**

1. Platz: Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) – 210 Stunden – 113 Prozent

2. Platz: Carlsfeld (Sachsen) – 211 Stunden – 115 Prozent

3. Platz: Angermünde (Brandenburg) – 211 Stunden – 94 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter

Christian Throm, Meteorologe

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Die „Atmosphäre“ des Mondes

Im Rahmen der Artemis-Mission der NASA ist geplant, dass seit 1972 erstmals wieder Menschen auf der Mondoberfläche landen. Frühestens 2025 soll dies der Fall sein. Neben ihren Forschungsaufgaben, wie zum Beispiel der Untersuchung von Wasser- bzw. Eisvorkommen (wurden vor knapp zwei Jahren am Südpol des Mondes entdeckt), bleibt aber sicherlich auch etwas Zeit, um die einzigartige Stimmung auf dem Mond zu genießen. Den Blick auf das Wetterradar kann sich das Astronautenteam dabei sparen, denn wettertechnisch hat der Mond nicht viel zu bieten. Es fehlt ihm schlicht und ergreifend eine dafür notwendige Atmosphäre, also ein ihn umhüllendes Gasgemisch.

Das liegt aber nicht etwa daran, dass er kein Planet ist, denn der Titan (größter Mond des Saturn) kann beispielweise eine solche vorweisen. Auch bei Planeten ist ihr Vorhandensein wahrlich keine Selbstverständlichkeit, auch wenn in unserem Sonnensystem mit Ausnahme des Merkurs alle Planeten über eine mehr oder weniger gut ausgeprägte Atmosphäre verfügen. Für ihren „Erwerb“ muss ein Himmelskörper diverse Voraussetzungen erfüllen.

Einen im wahrsten Sinne des Wortes massiven Vorteil hat ein Himmelskörper, der ein große Masse besitzt. Denn je schwerer er ist, desto größer ist auch seine Anziehungskraft auf andere Teilchen, z. B. eben auf Gasmoleküle. Anders ausgedrückt: Ist ein Himmelskörper zu leicht, also seine Anziehungskraft zu gering, kann er keine Gase in seiner Nähe halten. Sie würden in den Weltraum „abhauen“.

Von Nachteil ist dagegen ein „erhitztes Gemüt“. Je höher nämlich die Temperatur auf der Oberfläche ist, desto größer ist auch die Bewegungsenergie der dortigen Gasmoleküle. Das wiederum hat einen direkten Einfluss auf ihre Geschwindigkeit, die dabei nämlich ebenfalls zunimmt. Tja, und ab einer bestimmten Geschwindigkeit können sich die Gasteilchen letztendlich von der Anziehungskraft des Himmelskörpers losreißen und in den unendlichen Tiefen des Weltalls verschwinden.

Ein letzter Punkt, der sich positiv auf den Erhalt einer Atmosphäre auswirkt, bezieht sich auf die Gase selbst, die auf einem Himmelskörper z. B. durch Ausgasen (Gasaustritt aus festem oder flüssigem Material) entstehen. Da Gasmoleküle mit einem kleineren Molekulargewicht schneller sind als die mit einem größeren, stehen für Erstere die Chancen deutlich besser, dem Anziehungsfeld des Himmelskörpers zu entkommen.

Die Erde konnte sich in all diesen Punkten behaupten und verfügt somit über die Zusammensetzung des Gasgemisches, das unsere Atmosphäre ausmacht und dort bis zu einer Höhe von etwa 100 km über dem Erdboden recht konstant vorhanden ist: 78,08 % Stickstoff, 20,95 % Sauerstoff, 0,93 % Argon und weniger als 1 % Spurengase (z.B. Kohlendioxid). Der Wasserdampf, der den wichtigsten Bestandteil für unser Wetter darstellt, nimmt aufgrund starker räumlicher und zeitlicher Schwankungen etwa 1 bis 4 % der Luft ein.

Der Mond muss dagegen ohne Atmosphäre auskommen – zumindest im wissenschaftlichen Sinne. Atmosphäre im Sinne von Ästhetik und Stimmung bietet er aber allemal.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.09.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Die Atmosphaere des Mondes

Zunahme der Hitzewellen in Westeuropa, aber warum?

Länger andauernde Hitzewellen können schwerwiegende ökologische, wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Auswirkungen haben, darunter erhöhte Sterblichkeit, vermehrte Waldbrände und größere Ernteausfälle. In der vorliegenden Studie aus 2022  wird Europa beispielhaft als ein Hitzewellen-Hotspot identifiziert, der in den letzten 42 Jahren einen drei- bis viermal schnelleren Aufwärtstrend als der Rest der mittleren und nördlichen mittleren Breiten (zirkumpolar bzw. rund um den Globus) aufweist. Dieser beschleunigte Trend steht gemäß erster Ergebnisse neben modifizierten thermodynamischen Faktoren auch im Zusammenhang mit dynamischen Veränderungen in der Atmosphäre, die zur Zunahme der Hitzewellen in Europa beigetragen haben dürften.

Zu den Triggern heißer europäischer Sommer gehören sowohl die großräumige atmosphärische Zirkulation als auch die jeweilige Ausprägung und Positionierung des Polarfront-Jet-Streams (starkes Westwindband in der oberen Troposphäre, siehe Wetterlexikon: )

Weitere Faktoren sind das Feuchtigkeitsdefizit im Boden und die damit verbundenen Rückkopplungen zwischen Landoberfläche und Atmosphäre, die ozeanische Zirkulation sowie die jeweiligen Meeresoberflächentemperaturen.

Die vom Menschen verursachte globale Erwärmung, die hauptsächlich auf den Anstieg der Treibhausgase zurückzuführen ist, erhöht die Intensität und Häufigkeit von Hitzewellen einerseits durch direkte Erwärmung, kann aber auch die Faktoren ihrer natürlichen Variabilität beeinflussen.

Beobachtungen und modellgestützte Studien haben gezeigt, dass sommerliche Hitzeextreme über den mittleren und nördlichen mittleren Breiten in erster Linie mit blockierenden Hochdruckgebieten zusammenhängen. Diese blockierenden Hochdruckgebiete oder auch Hochdruckzonen wiederum sind häufig mit einer doppelten Jet-Stream-Struktur über Eurasien verbunden. Dabei liegt ein nördlich verschobener Polarfront-Jet-Stream im Mittel bei etwa 70 bis 75 Grad nördlicher Breite (auf 250 hPa, also in etwa 10,5 bis 11 km Höhe), wohingegen sich der subtropische Jet-Stream (wenn auch zirkumpolar nicht kontinuierlich ausgeprägt, d.h. nicht durchgehend starkes Westwindband in der oberen Troposphäre) auf etwa 40 Grad nördlicher Breite erstreckt. Dazwischen wird ein Bereich mit eher schwachen Winden, teils auch Ostwinden registriert, wobei sich hier öfters Hochdruckzonen ausbilden können. Alternativ zum obigen Ansatz kann auch das so genannte Brechen von planetaren Rossby-Wellen (Rossby-Wellen, auch als planetarische Wellen bezeichnet, sind großräumige Wellenbewegungen in der Erdatmosphäre, die im Wesentlichen aus der Änderung der Coriolis-Beschleunigung mit der geografischen Breite resultieren (Kugelgestalt der Erde), unter Beibehaltung des Gesamtdrehimpulses aus der Erddrehung) und die daraus resultierende Blockierungswirkung (durch Aufspaltung oder stärkere Mäandrierung des Jet-Streams) das Auftreten von doppelten Jet-Streams verursachen.

Generell ist das Vorhandensein eines Doppeljets in der Troposphäre durch einen (zirkumpolar) unterschiedlich ausgeprägten subtropischen Jet oder auch durch weiter nach Süden abgetropfte Höhentiefs, z.B. im östlichen Atlantik gekennzeichnet, ein Umstand, der wiederum die Rossby-Wellen (Wellenlänge und Amplitude) in den mittleren Breiten beeinflussen und somit die Stagnation (fehlende Progression in östliche Richtung) von Höhenrücken und Trögen begünstigen kann.

Die beschleunigte Erwärmung speziell der Landmassen in den hohen Breiten während des nordhemisphärischen Sommers, die auf den anthropogenen Klimawandel zurückgeführt wird, könnte durch die dortige Verstärkung des Polarfront-Jet-Streams günstige Bedingungen für das Auftreten oder die Persistenz von Doppeljets schaffen.

Dennoch gibt es derzeit nur wenig Belege für Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität sommerlicher Blockierungslagen (Hochdrucklagen) in Europa als Folge der derzeitigen oder künftigen globalen Erwärmung, was im Widerspruch zum Trend der beobachteten Hitzewellen z.B. in Europa steht.

Insofern sind weitere wissenschaftliche Studien, meteorologische Messungen und Beobachtungen erforderlich, um eventuelle Tendenzen und Entwicklungen noch besser einordnen zu können.

Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 31.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Die Sonne macht 2022 Überstunden ohne Ende

1544 Stunden – so lange scheint die Sonne normalerweise das ganze Jahr über – zumindest, wenn man das vieljährige Mittel der Jahre 1961 bis 1990 (international gültige Referenzperiode) betrachtet. In diesem Jahr machte die Sonne aber schon so viele Überstunden, dass bereits zu Beginn der vergangenen Woche dieser Wert übertroffen wurde. Die Sonne hat ihr „Arbeitssoll“ für das Jahr 2022 also schon über vier Monate vor Jahresende erreicht! Noch nie seit Beginn der regelmäßigen Erfassung der Sonnenstunden in Deutschland im Jahre 1951 wurde so früh im Jahr das Jahressoll an Sonnenstunden im deutschlandweiten Flächenmittel erreicht beziehungsweise überschritten. Mit jedem Sonnenstrahl in den nächsten Wochen und Monaten geht die Sonne quasi in die Verlängerung. Besonders sonnig war es in der Südwesthälfte Deutschlands, während die Sonne im Norden etwas öfter von Wolken verdeckt war. Ähnlich oft wie in diesem Jahr zeigte sich die Sonne in den ersten acht Monaten (1. Januar bis 31. August) zwar in den Jahren 2003 und 2018 mit 1558 bzw. 1551 Stunden. In diesem Jahr stehen allerdings etwa 1615 Stunden auf dem Konto. Deutlich abgeschlagen ist hingegen bereits der vorherige Platz 3 mit 1501 Sonnenstunden im Jahr 2020.

Vielleicht ist Ihnen beim Lesen aufgefallen, dass alle bisher genannten Jahre aus dem 21. Jahrhundert stammen? Dass das kein Zufall ist, zeigt das vieljährige Mittel der aktuelleren Referenzperiode 1991 bis 2020. In diesem Zeitraum schien nämlich die Sonne das ganze Jahr über in Deutschland durchschnittlich 1665 Stunden, also 120 Stunden bzw. 7,8% länger als in der vorherigen 30-jährigen Periode (Abbildung 2). Es scheint also einen Trend hin zu mehr Sonnenschein in Deutschland zu geben. Dieser Trend ist in fast allen Monaten erkennbar (graue Balken in Abbildung 1). Besonders deutlich sticht allerdings der April heraus, der im Klimamittel deutlich sonniger geworden ist. Bezüglich der neuen Referenzperiode muss sich die Sonne in diesem Jahr zwar noch einige Stunden am Himmel zeigen, aber voraussichtlich schon im ersten Septemberdrittel dürfte auch diese Hürde überschritten sein.

Schaut man sich die einzelnen Monate im Jahr 2022 etwas genauer an (gelbe Balken in Abbildung 1), fällt auf, dass die Sonne nur im Januar weniger als durchschnittlich schien. Seit Februar folgten (bis jetzt) sieben Monate ohne Unterbrechung, in denen die Sonne kontinuierlich Überstunden anhäufte. Ganz besonders fleißig war die Sonne im März. Stolze 235 Stunden strahlte die Sonne vom Himmel und damit sogar länger als in durchschnittlichen Sommermonaten – die alten Rekorde für den März wurden regelrecht pulverisiert!

Auf das sonnige Frühjahr folgte der sonnenscheinreichste (meteorologische) Sommer seit Messbeginn. Fast 820 Stunden strahlte die Sonne in den Monaten Juni, Juli und August vom Himmel. Damit wurden die 793 Stunden vom vorherigen Rekordhalter 2003 überboten (bisheriger Platz 2: 2018, 779 Stunden; Platz 3: 1976, 778 Stunden). Für die jährliche Sonnenscheindauer sind vor allem die Sommermonate entscheidend, denn etwa 40% der Sonnenstunden werden in den Sommermonaten Juni bis August gemessen. Über die Hälfte der Sonnenstunden werden durchschnittlich in den Monaten Mai bis August erreicht, was zum einen mit den kurzen Nächten und zum anderen mit den selten trüben Tagen in diesem Zeitraum zusammenhängt.

In Schwimmbädern und an Badeseen herrschte Hochkonjunktur und der Regenschirm konnte meist getrost zuhause bleiben. Derart viel Sonnenschein in Verbindung mit oft heißen Temperaturen und den vielerorts viel zu geringen Niederschlägen hat ähnlich wie 2003 und 2018 aber schlimme Folgen. In vielen Regionen kam es aufgrund der enormen Dürre zu Waldbränden, die Landwirtschaft verzeichnet Ernteeinbußen und es entwickelten sich regelrechte Steppenlandschaften.

Steuern wir beim Sonnenschein also auf ein Rekordjahr zu? Schauen wir uns dazu zunächst die bisherigen „Top 3“ der sonnenreichsten Jahre an. Den bisher meisten Sonnenschein im deutschlandweiten Flächenmittel gab es im Jahr 2018 mit 2015 Sonnenstunden, dicht gefolgt von 2003 mit 2014 Stunden. In beiden Jahren gingen die extrem heißen und trockenen Sommer in die Wetterannalen ein. Somit können durchaus einige Parallelen zum diesjährigen Sommer gezogen werden. Auf Platz 3 folgt das Jahr 1959 mit 1984 Sonnenstunden. Um das Jahr 2018 vom Thron zu stoßen, fehlen also noch rund 400 Sonnenstunden. In den vier noch ausstehenden Monaten September bis Dezember scheint die Sonne durchschnittlich an 349 (Mittel 1961-1990) beziehungsweise 361 Stunden (Mittel 1991-2020). Um einen neuen Rekord aufstellen zu können, muss die Sonne in den kommenden Wochen und Monaten das Überstundenkonto also noch um einige Stunden erhöhen. Ob das Jahr 2022 am Ende tatsächlich einen Platz auf dem Treppchen ergattern oder sogar an der Spitze stehen wird, kann man allerdings aus heutiger Sicht noch nicht einschätzen. Es bleibt also spannend.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Die Sonne macht 2022 Ueberstunden ohne Ende

Transdisziplinarität im Fokus: Die EMS-Konferenz 2022 in Bonn

Würde man die breite Bevölkerung fragen, was sie mit Meteorologie oder auch dem Deutschen Wetterdienst verbinden, wäre „Wettervorhersage“ als Antwort bestimmt ganz oben mit dabei. Und auch, wenn dieses „Kerngeschäft“ des DWD an dieser Stelle häufig behandelt wird, so ist die Meteorologie doch ein deutlich „weiteres Feld“.

Tatsächlich nehmen die Herausforderungen für die meteorologischen Dienste -und die meteorologische Wissenschaft im Allgemeinen – durch den Klimawandel und häufigere extreme Wetterereignisse mit großen sozioökonomischen Auswirkungen zu. Die Bedeutung der meteorologischen Forschung für unterschiedlichste Bereiche wächst und reicht von der Wissenschaft über Unternehmen bis hin zu Gesellschaft und Politik. Genau diese „Transdisziplinarität“ und die Zusammenarbeit auf unterschiedlichsten Ebenen sind nun auch das Fokusthema einer internationalen Konferenz, die nächste Woche in Bonn stattfindet.

Ausgetragen wird diese jährlich stattfindende Konferenz von der Europäischen Meteorologischen Gesellschaft (engl.: European Meteorological Society, EMS), wobei das Gastgeberland jährlich wechselt. Dieses Jahr ist Deutschland an der Reihe, und so bietet sich dem DWD eine besondere Chance: Er ist, zusammen mit der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und dem Hans-Ertel-Zentrum für Wetterforschung, lokaler Gastgeber – und damit für die diesjährige Programmgestaltung zuständig.

Ganz im Sinne des Programmmottos „Connecting communities to deliver seamless weather and climate science and services“ (auf Deutsch etwa „Vernetzung von Communitys zur Bereitstellung nahtloser Wetter- und Klimawissenschaften und -dienste“), entstand so die Idee, auch ein Format vor Ort anzubieten, das die Öffentlichkeit direkt miteinbezieht: Beim sogenannten „Café Météorologique“ gibt es nächste Woche (vom 5.-9. September 2022) in verschiedenen Cafés im Zentrum von Bonn insgesamt elf Vorträge über spannende Wetter- und Klimathemen, die auf einfache Art und Weise präsentiert werden.

Von „Was haben Sherlock Holmes und Wetterwarnungen gemeinsam?“ über „Vom Bauernkalender zur künstlichen Intelligenz – Die stille Revolution der Wettervorhersage“ bis hin zu „Die Ahrtalflut 2021 aus meteorologischer Sicht“ ist bestimmt für alle was dabei. Alle Vortragsthemen mit Ort und Zeit und der Möglichkeit einer Anmeldung (nicht verpflichtend) sind zu finden unter:

Wenn Sie also aus Bonn und Umgebung kommen (oder immer schon einmal eine Reise in die schöne ehemalige Bundeshauptstadt machen wollten), und einem spannenden Vortrag bei einer guten Tasse Kaffee, einem leckeren Stückchen Streuselkuchen oder auch einem erfrischenden Kaltgetränk lauschen möchten, kommen Sie gerne vorbei! Es lohnt sich!

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Transdisziplinaritaet im Fokus Die EMS Konferenz 2022 in Bonn 1

Spätsommerlich

Das „Unwetter“-Tief ORNELLA, welches in den vergangen zwei Tagen für schwere Gewitter und heftigen Starkregen in Nord-, Ost- und Süddeutschland gesorgt hat, ist inzwischen in die Ostsee gezogen und beeinflusst das Wetter am heutigen Sonntag im äußersten Osten und im Süden des Landes. Die Unwettergefahr geht deutlich zurück, aber sie ist in den Regionen südlich der Donau nicht ganz gebannt. Dort kann stellenweise noch heftiger Starkregen um 35 Liter pro Quadratmeter in wenigen Stunden auftreten.

Ansonsten sorgt Hoch QUINTIN mit Schwerpunkt über dem Nordmeer für meist trockenes und zum Teil auch sonniges Wetter. Mit einer nördlichen Strömung gelangt etwas kühlere Luft nach Deutschland, sodass die Höchstwerte zwischen 20 Grad an der Nordsee sowie bei längerem Regen im Süden und 27 Grad im Südwesten bei längerem Sonnenschein liegen.

Auch in der neuen Woche bleibt Hoch QUINTIN wetterbestimmend, wobei mit der nördlichen Strömung nicht nur kühlere, sondern auch feuchtere Luft nach Deutschland gelangt. Dies macht sich vor allem im Norden mit einigen dichteren Wolken bemerkbar, die vereinzelte Schauer bringen können. Auch am Alpenrand hält sich noch feuchtere Luft. Dort sind ebenfalls vereinzelte Schauer möglich. Der große Rest kann einen meist sonnigen Tag genießen. Die Temperaturen liegen im Norden zwischen 19 und 25, im Süden zwischen 24 und 29 Grad.

Am Dienstag ändert sich an der allgemeinen Wettersituation sowie an der Temperaturverteilung erst einmal recht wenig. Während im Norden noch teils dichtere Wolken vorherrschen, zeigt sich zum Start in den Tag vielerorts die Sonne. Jedoch sickert im Südwesten im Tagesverlauf feuchtere Luft ein, sodass dort vor allem ab dem Abend schauerartiger, teils gewittriger Regen heranziehen.

Am Mittwoch bilden sich im Süden in der feuchtwarmen Luft weitere Schauer und kräftige Gewitter. In der Mitte und im Norden bleibt es dank des Einflusses von Hoch QUINTIN trocken mit viel Sonnenschein.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Tief „Ornella“ bringt kräftige Gewitter mit Starkregen

Nach knapp einer Woche ohne nennenswerte Niederschläge sorgte Tief „Ornella“, das in einer Zone tiefen Luftdrucks über Ostdeutschland und Polen eingebettet ist, am gestrigen Freitag (26.08.2022) für zum Teil schwere Gewitter, die regional mit heftigem, teils auch extrem heftigem Starkregen einhergingen. Dabei kamen an einigen Stationen lokal eng begrenzt sogar über 50 Liter pro Quadratmeter (kurz: l/qm) in nur einer Stunde vom Himmel. Der neue Berliner Flughafen meldete beispielsweise um 15 Uhr MESZ sogar 51,8 l/qm in einer Stunde. Die Station Bleckede-Walmsburg (Niedersachsen) registrierte um 19 Uhr 50,5 l/qm in nur 36 Minuten. Selbst in der vergangenen Nacht zum Samstag konnten in Rheinland-Pfalz an der Station Homberg-Schönborner Hof nochmals 52,4 l/qm in einer Stunde gemessen werden. Schaut man sich die aus den RADAR-Daten abgeleiteten Niederschlagssummen an, so kommt man vereinzelt auf Niederschlagssummen von über 100 l/qm, die in wenigen Stunden zusammenkamen.

So ist es auch wenig verwunderlich, dass man in den heutigen Nachrichten aus den Regionen mit stärkeren Auswirkungen von Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern hört oder liest. Vielerorts waren die Feuerwehren im Einsatz. In Baden-Württemberg sackte ein Hang auf eine Straße ab, die in der Folge gesperrt werden musste. In Berlin war es bei den gemessenen Regenmengen ebenfalls keine Überraschung, dass neben einer Veranstaltung des Bundespräsidenten Steinmeiers auch die Konzerte der Bands „Die Ärzte“ und „Marteria“ abgebrochen bzw. abgesagt werden mussten.

Die weiteren Begleiterscheinungen der gestrigen Gewitter rückten angesichts der Regenmassen, die vom Himmel fielen, eher in den Hintergrund. Wenngleich an dieser Stelle nicht verschwiegen werden soll, dass ganz vereinzelt auch schwere Sturmböen gemessen wurden. Die Station am Berliner Flughafen registrierte bereits mit dem ersten Gewitter um 13:38 Uhr eine Böe von 102 km/h (Bft 10).

Dabei ist die genaue Vorhersage von Gewittern mit Starkregen allerdings alles andere als einfach. Denn die exakte räumliche und zeitliche Eingrenzung ist nur begrenzt möglich. Gestern konnte man bereits feststellen, dass an einem Ort sprichwörtlich die „Welt untergeht“, während es im Nachbarort womöglich komplett trocken blieb. Stattdessen schätzen wir ein bestimmtes Gebiet ab, in dem ein gewisses Potenzial für unwetterartige Gewitter besteht, wenngleich das Phänomen dort dann nur lokal auftritt, jedoch eng begrenzt sehr heftig ausfallen kann.

So kristallisieren sich für den heutigen Samstag und die Nacht zum Sonntag vor allem die Regionen im Osten und Nordosten sowie am bayerischen Alpenrand heraus, wo es wieder unwetterartig zur Sache gehen kann (siehe Grafik zum Thema des Tages unter ). Dort muss lokal mit heftigem Starkregen bis 40 l/qm in kurzer Zeit gerechnet werden. Über wenige Stunden können auch Mengen von 60 l/qm zusammenkommen. Begleiterscheinungen wie kleiner Hagel oder stürmische Böen spielen heute erneut nur eine untergeordnete Rolle. Auch in den orange eingefärbten Regionen kann es zu Schauern und Gewitter kommen. Dort sollten die Unwetter jedoch weniger stark und weniger häufig auftreten, ausschließen kann man sie jedoch nicht. Wie aber schon am Freitag wird es in den markierten Regionen bei Weitem nicht jeden treffen. Einige Regionen werden mit großer Sicherheit sogar wieder komplett trockenbleiben.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.08.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Tief Ornella bringt kraeftige Gewitter mit Starkregen