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Ausblick auf die Hurrikansaison 2022

20. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Tropische Wirbelstürme bilden sich im Bereich des Atlantischen Ozeans üblicherweise zwischen Anfang Juni und Ende November, weswegen die Dauer der atlantischen Hurrikansaison vom National Hurricane Center (NHC) der USA den Zeitraum vom 1. Juni bis 30. November festgelegt wurde. Der offizielle Beginn nähert sich daher mit großen Schritten. Eine subtropische oder tropische Zyklogenese ist jedoch jederzeit möglich, wie in der Saison 2021, als sich der Tropensturm Ana am 22. Mai formierte. 2021 war gar das siebte Jahr in Folge, in dem sich ein Sturm schon vor dem vorgesehenen Saisonbeginn bildete.

Die ersten saisonalen Vorhersagen für die diesjährige Hurrikansaison wurden im April veröffentlicht. Die Prognosen der Colorado State University gehen von einer weiteren aktiven und somit arbeitsreichen Sturmsaison in den tropischen Regionen des Atlantiks aus. Das würde bedeuten, dass 2022 das siebte Jahr in Folge sein wird, in dem die Aktivität der tropischen Wirbelstürme im Atlantik und in der Karibik überdurchschnittlich hoch sein wird. Im langfristigen Durchschnitt bringt eine Wirbelsturmsaison normalerweise 14 benannte Stürme, davon sieben Hurrikans, von denen wiederum drei eine größere Intensität (Kategorie 3 oder höher) erreichen. Zur Erinnerung: Die Wirbelsturmaktivität 2021 brachte hingegen 21 Stürme und 7 Hurrikane hervor, wovon sich wiederum 4 (Grace, Ida, Larry und Sam) zu schweren Hurrikane mauserten. Den Prognosen der Colorado State University nach könnte die atlantische Hurrikansaison 2022 mit etwa 19 benannten tropischen Systemen verlaufen. Daraus wiederum könnten 9 zu Hurrikane und davon wiederum 4 zu schweren Hurrikane heranreifen.

Ein Hauptgrund für die erwartete rege Tätigkeit wird ähnlich wie in den Jahren 2020 und 2021 in dem sich voraussichtlich im Sommer an Stärke gewinnenden La Nina Phänomen gesehen. La Nina ist ein Teil des großräumigen Zirkulationssystems El Nino Southern Oscillation (kurz: ENSO; siehe https:/t1p.de/2djh) über dem östlichen tropischen Pazifik. Jenes System wechselt zwischen kalten und warmen Phasen. Die tropischen Passatwinde (das sind die östlichen Winde, die die Erde in der Nähe des Äquators umkreisen) lösen in der Regel eine bestimmte Phase aus oder beenden sie, da sie das oberflächennahe Wasser des Ozeans vermischen und die Meeresströmungen verändern. Die periodische Abkühlung der tropischen Ozeane des Ost- und Zentralpazifiks wird als La Nina bezeichnet. Das Gegenteil, die warme Phase, wird als El Nino bezeichnet. Jede dieser beiden ENSO-Phasen hat einen anderen Einfluss auf das tropische Wetter und auch darüber hinaus.

Apropos Einfluss auf die Hurrikansaison im Atlantikbecken: La Nina ist nicht nur förderlich für eine regere Sturmsaison, sondern auch für intensivere, größere Hurrikane der Kategorie 3 oder höher. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die vertikale Windscherung (Richtungs- und Geschwindigkeitsänderung mit der Höhe) geringer ist und die Atmosphäre instabiler ist. Im Gegensatz dazu entwickeln sich im östlichen Pazifik weniger Hurrikane, da hier eine stärkere Windscherung herrscht.

Förderlich für die diesjährige Wirbelsturmaktivität sind auch die bereits in weiten Teilen der tropischen Regionen des Mittel- und Westatlantiks aktuell wärmeren Meeresoberflächentemperaturen im Vergleich zum Mittel, insbesondere in der Golfregion und in der Karibik (siehe Abbildung der Anomalien der Meeresoberflächentemperaturen im Atlantik). Ein großer Teil des Golfs von Mexiko ist sogar viel wärmer als im Durchschnitt, weshalb sehr viel Feuchtigkeit in die Great Plains und den Mittleren Westen vordringt, was in letzter Zeit zu Unwettern geführt hat. Dieser Zustand entspricht genau dem, was normalerweise vor einer aktiven atlantischen Hurrikansaison zu beobachten ist. Die Prognosen gehen zudem davon aus, dass in diesen Gewässern von August bis Oktober annähernd normale bis überdurchschnittliche hohe Meerestemperaturen erwartet werden. Dieser Umstand würde während des Höhepunkts der Hurrikansaison von Mitte/Ende August bis in den September hinein tropische Entwicklungen bedeutend unterstützen.

Für die Prognose der tropischen Sturmsaison gilt es auch die Augen auf das Wetter in Westafrika zu richten. Dort entstehen die tropischen Wellen, die in den östlichen Atlantik auslaufen. Fast 85% dieser Wellen führen zu organisierter Konvektion über dem Atlantischen Ozean, die sich zu tropischen Tiefdruckgebieten oder Stürmen weiterentwickeln. Auch in diesem Jahr werden für Westafrika starke Winde vorhergesagt, so dass mit einer Reihe von tropischen Wellen zu rechnen ist, die nach Westen ziehen.

Einer der auffälligsten Teile der saisonalen Vorhersage für die bevorstehende Hurrikansaison ist die weit über 70 prozentige Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Hurrikan an der Küste der Vereinigten Staaten sowie in der Karibik landet. Man bedenke, dass in einer typischen Saison die Wahrscheinlichkeit, dass das US-Festland getroffen wird, etwa 50 Prozent beträgt. Bleibt also zu hoffen, dass so viele Wirbelstürme wie möglich über Wasser bleiben, fernab von bewohnten Gebieten.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 20.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/05/DWD-Ausblick-auf-die-Hurrikansaison-2022.png 721 1061 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-05-20 16:31:552022-05-20 16:34:26Ausblick auf die Hurrikansaison 2022

Heißer Sommer im Anmarsch?

19. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Saisonale Klimavorhersagen geben eine Prognose darüber ab, mit welcher Wahrscheinlichkeit die kommenden Monate wärmer/kälter oder auch trockener/feuchter als im langzeitlichen Mittel werden. Die Kombination von numerischen Vorhersagen für die zukünftige Periode mit zusätzlichen Vorhersagen aus der Vergangenheit erlaubt eine gewisse statistische Bewertung der Prognosen und die Ableitung von Trendaussagen auf Basis einer Klimatologie. Damit unterscheiden sich die saisonalen Klimavorhersagen grundlegend von der Wettervorhersage, welche Aussagen über detailliertes Wettergeschehen der nächsten Stunden bis Tage trifft.

Bei einer Prognose über einen Zeitraum von mehreren Monaten sind zudem alle Komponenten des Klimasystems zu berücksichtigen: nicht nur die Troposphäre, sondern auch u.a. die Stratosphäre, die Landoberfläche sowie der Ozean und das Meereis.

Ein solches Beispiel für einen möglichen Vorhersageparameter oder auch Prädiktor für die sommerliche Zirkulation könnte die Stratosphären-Troposphären-Kopplung im Frühjahr liefern, wie neue Studien nahelegen. Dabei wird zur Vorhersage der sommerlichen Nordatlantischen Oszillation (SNAO) mit der Erfahrung bzw. Statistik der letzten Jahrzehnte (Hindcast oder nachträgliche Vorhersage mit Klimadaten) agiert. Der primäre Prädiktor ist die Ausprägung des Nordatlantischen Jetstreams im März, die mit dem Index der sommerlichen nordatlantischen Oszillation mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,66 über den Zeitraum 1979-2018 korreliert hat. Demnach soll ein stark ausgeprägter nordatlantischer Jetstream im März (ausgedrückt über den mittleren zonalen Wind in den mittleren Breiten des Nordatlantik) mit mehr sommerlichen Großwetterlagen NAO positiv korrelieren, d.h. grob gesagt hoher Luftdruck über den Azoren und tiefer Luftdruck bei Island. Im Sommer führte dieser Umstand stromab, also auch über Mittel- und Westeuropa dazu, dass es bei einem sommerlich allgemein stärker mäandrierenden Jetstream vorderseitig häufiger zum Zustrom sehr warmer Luftmassen kommen könnte.

Der beiliegenden Grafik ist die Prognose der mittleren Abweichung der 2 m-Temperatur als Prognose für die Monate Juni, Juli und August (EZMWF Reading) zu entnehmen. Über weiten Teilen Europas wird eine deutlich positive Abweichung sichtbar, die in diesem Jahr mit einer starken Ausprägung des Nordatlantik-Jetstreams bis Mitte März, also vor der finalen Stratosphärenerwärmung korreliert.

Die Kopplung zwischen Stratosphäre und Troposphäre im Frühjahr (z. B. nach einer finalen oder späten Stratosphärenerwärmung) spielt eine wichtige Rolle bei der erweiterten Vorhersagbarkeit vom Frühjahr bis zum Sommer, im Gegensatz zu der allgemeinen Erkenntnis, dass diese dynamische Kopplung außerhalb der Wintersaison relativ inaktiv ist. Diese Ergebnisse könnten gute Aussichten für eine sommerliche saisonale Vorhersage des nordhemisphärischen Klimas bieten, die vor allem dem Energie- und Gesundheitssektor aber auch der Landwirtschaft zugutekommt.

Weitere Forschungen und Studien in dieser Hinsicht sind erforderlich, um die beschriebenen Ergebnisse zu verstetigen.

Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 19.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/05/DWD-Heisser-Sommer-im-Anmarsch.png 846 1340 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-05-19 16:04:272022-05-19 16:08:19Heißer Sommer im Anmarsch?

Es droht Ungemach

18. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Schwergewitterlagen sind im Mai an und für sich nicht völlig außergewöhnlich. Die aktuelle Luftmasse bietet aber für die jahreszeitlichen Verhältnisse sehr viel Zündstoff. Dies macht sich schon alleine durch die heutigen (18.5.2022) und morgigen (19.5.2022) Höchsttemperaturen bemerkbar, die verbreitet bei etwa 30 Grad, im Süden sogar teils bis 34 Grad liegen. Gleichzeitig wird an der westlichen Flanke eines ausgeprägten Hochs über Osteuropa sehr feuchte Luft aus südlicher Richtung herantransportiert.

Am morgigen Donnerstag gerät diese Luftmasse in den Einflussbereich einer Bodentiefentwicklung über Nordwestdeutschland und wird dadurch „aktiviert“. In den Nachmittagsstunden bilden sich in der Nordwesthälfte Deutschlands teils heftige Gewitter. Dabei deuten einige Modelle die Möglichkeit einer geschlossenen Gewitterlinie an, die im Laufe des Abends und der Nacht ostwärts zieht. Andere Modelle wiederum präferieren die Bildung einzelner, aber sehr starker Gewitterzellen. Das größte Schadenspotential geht dabei einmal mehr von auftretendem Starkregen aus. Die Luftmasse ist, wie bereits schon angedeutet, ausgesprochen feucht mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter Wassergehalt in einer gedachten Säule in der darüberliegenden Atmosphäre. Diese Mengen können dann entsprechend auch innerhalb kurzer Zeit als Starkregen fallen, womit man schon das extreme Unwetterkriterium erfüllen würde. Neben dem Starkregen können aber auch lokal heftige Fallböen mit Sturm- oder Orkanstärke auftreten. Insbesondere im Falle einer organisierten Gewitterlinie ist hier die Gefahr ziemlich groß, dass entlang dieser Linie heftige Windgeschwindigkeiten auftreten, möglicherweise sogar im dreistelligen km/h-Bereich, das heißt Windstärke Beaufort 11. Auch größerer Hagel lässt sich nicht ausschließen, hier ist die Gefahr besonders bei einzelstehen Zellen beziehungsweise Superzellen erhöht. Diese Gewitter halten bis in die Nacht zum Freitag hinein an und schaffen es dabei bis in die Mitte des Landes, bevor sie dann am Freitagmorgen abklingen.

Richtig „böse“ wird es aber am Freitag. Dann zieht ab Mittag ein neues, diesmal noch deutlich stärker ausgeprägtes Tief voraussichtlich aus Richtung Niederlande über die nördliche Mitte Deutschlands ostwärts. Gleichzeitig bietet die Luftmasse die gleichen, oder sogar noch geeignetere Voraussetzungen als am Vortag. Bedingt durch das Tief kommen aber noch deutlich erhöhte Scherungswerte hinzu. Einerseits erhält man durch die bodennahe Winddrehung deutlich erhöhte Richtungsscherung, andererseits nimmt mit dem Tief auch der Wind in der Höhe rasch deutlich zu. Bereits in einem Kilometer Höhe liegen die Windgeschwindigkeiten hier teils bei über 100 Kilometern pro Stunde. Die Quintessenz: Es sind alle Zutaten für ausgesprochen heftige und organisierte Gewitterentwicklungen, insbesondere für Superzellen, vorhanden. Insbesondere bei der Entwicklung von Superzellen sind die Zutaten für alle denkbaren Begleiterscheinungen vorhanden. Einerseits wäre da zunächst einmal mehr der extrem heftige Starkregen mit über 40 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde. Denkbar ist hier, dass bei mehrstündiger Andauer des Starkregen örtlich Mengen der Größenordnung 100 Liter pro Quadratmeter fallen können. Weiterhin ist die Gefahr von auftretenden Fallböen in Orkanstärke, den sogenannten Downbursts, deutlich erhöht. Oft geht damit auch großer Hagel einher, das bedeutet in diesem Falle Hagelkorngrößen von bis zu 5 Zentimetern. Schlussendlich ist auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Tornados deutlich erhöht. Die Zutaten von niedriger Wolkenuntergrenze, bodennah sehr hohen Scherungswerten und ebenfalls sehr hohen Werten der sogenannten sturmrelativen Helizität (für die Experten unter unseren Lesern: diese liegen laut Modellen teils bei über 300 m²/s²) sind alle in ausreichender Menge vorhanden.

Nicht außer Acht gelassen soll auch das Szenario der Bildung eines mesoskaligen konvektiven Systems (kurz: MCS). Dabei handelt es sich um einen riesigen Gewitterkomplex, der sich in seiner Dynamik mehr oder weniger verselbstständigt. Hauptaugenmerk hierbei sind vor allem auftretende Sturm- und Orkanböen sowie langanhaltender starker Regen, der entsprechend für Überflutungen sorgen kann.

Vieles an der Entwicklung, von der größere Teile Deutschlands morgen und am Freitag mehr oder weniger betroffen sein werden, ist aber – wie so oft – noch unsicher. Insbesondere am Freitag hängt alles an der Art und Weise der Ausprägung sowie der genauen Zugbahn des verantwortlichen Tiefs. Es bleibt also ausgesprochen „spannend“ und es ist geboten, die Wetterentwicklung der nächsten 48 bis 60 Stunden mit erhöhter Aufmerksamkeit zu verfolgen.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 18.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/05/DWD-Es-droht-Ungemach.png 1080 960 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-05-18 15:19:262022-05-18 15:22:10Es droht Ungemach

Nach den Gewittern ist vor den Gewittern

17. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Am gestrigen Montag (16.05.2022) gab es in Deutschland die erste großräumige Gewitterlage dieses Jahres. Verantwortlich dafür war Tief BORA. Es sorgte dafür, dass eine feuchtwarme Luftmasse zunächst in den Westen und Südwesten, später auch weiter östlich einfließen konnte. Durch den hohen Feuchte- und Energiegehalt der Luftmasse bildeten sich einige teils heftige Schauer und Gewitter. Insbesondere war dies entlang einer Konvergenzzone der Fall, denn dort floss die Luft aus unterschiedlichen Richtungen zusammen und wurde zum Aufsteigen gezwungen. Die Konvergenzzone, und mit ihr die Gewitter, verlagerte sich dabei nur langsam nordostwärts. Heftiger Starkregen war die Folge.

Beispielsweise fielen in Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) zwischen 14 Uhr und 16 Uhr 39 l/qm. In Mühlheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz) nordwestlich von Koblenz gab es sogar 37 l/qm in nur einer Stunde (17-18 Uhr) und auch in Pegau (Sachsen) südwestlich von Leipzig wurde mit 30 l/qm zwischen 20 und 21 Uhr das Unwetterkriterium für Gewitter mit heftigem Starkregen (mehr als 25 l/qm in einer Stunde) erfüllt. Auch sonst reichte es laut Radar punktuell für Mengen über 25 l/qm in einer Stunde, oder über 40 l/qm in mehreren Stunden.

In der vergangenen Nacht erfolgte etwa entlang der Elbe ein Übergang der Schauer und Gewitter in teils kräftigen, mitunter noch gewittrig durchsetztem Regen. Die höchsten Niederschlagsmengen wurden vom Alten Land bis zur Schleswigschen Geest und von der Leipziger Tieflandsbucht bis zum Lausitzer Bergland gemessen. Dort fielen von gestern Abend bis heute Morgen (17.05.2022) oftmals zwischen 10 und 25 l/qm in 12 Stunden.

Heute beruhigt sich in weiten Teilen das Wettergeschehen, denn Hoch YANNIS mit Schwerpunkt über Nordeuropa weitet seinen Einfluss auf Deutschland aus. Lediglich in Teilen der östlichen Mitte lagert noch eine feuchtere und leicht instabil geschichtete Luftmasse, sodass es dort heute Nachmittag noch zu teils starken Gewittern kommt. Die Unwettergefahr durch heftigen Starkregen ist jedoch gering.

Am Mittwoch liegt der Schwerpunkt des Hochs dann über dem östlichen Mitteleuropa und an seiner Westflanke kann somit eine sehr warme Luftmasse mit Ursprung im Mittelmeerraum angezapft werden und es bleibt meist trocken. Nur am unmittelbaren Alpenrand und im Emsland besteht ein geringes Schauerrisiko.

Am Donnerstag wird die Luftmasse dann immer feuchter und zunehmend labil. Besonders im Westen und Nordwesten drohen am Nachmittag und Abend unwetterartige Gewitter mit heftigem Starkregen, Hagel, Sturmböen und einer hohen Blitzfrequenz. Auch im Schwarzwald und am Alpenrand sind kräftige Gewitter möglich. Die Gewitter schwächen sich in der Nacht nur langsam ab. Örtlich sind dann wieder Regenmengen von 20-40 l/qm in einer Stunde oder etwas mehr möglich.

Am Freitag besteht dann voraussichtlich über der nördlichen Mitte und dem Norden deutlich erhöhtes Unwetterpotential. Allerdings muss die genaue Zugbahn des dafür verantwortlichen Gewittertiefs noch abgewartet werden. Es brodelt auf jeden Fall in der Wetterküche und Spannung ist mehr als geboten.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 17.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

 

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Von Schwachstellen, Starkregen und schweißtreibenden Aussichten

16. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

YANNES – ein ausladendes Hochdruckgebiet prangt derzeit auf der Wetterkarte über dem Nordmeer. Gute Voraussetzungen eigentlich für einen wettertechnisch ruhigen Start in die Woche. Eigentlich… Denn schaut man etwas genauer hin, offenbart sich an der Südwestflanke von YANNES eine Schwachstelle, und genau diese „Unperfektheit“ ist quasi das Zünglein an der Waage, weshalb der heutige Montag eben doch etwas turbulenter wird. Denn in diese Schwachstelle „bohrt“ sich eine Tiefdruckrinne, die beste Bedingungen für eine ganz passable Gewitterlage schafft.

In der Tiefdruckrinne bildet sich eine sogenannte Konvergenz aus, eine Linie, in der Luft aus zwei Richtungen aufeinandertrifft: Nördlich der Konvergenz fließt mit östlichen Winden relativ trockene Luft aus dem Hoch in den Nordosten Deutschlands. Süd-/südwestlich der Konvergenzlinie strömt hingegen aus westlicher Richtung zunehmend feuchte Subtropikluft ostwärts.

Der hohe Feuchtehalt bietet einen hervorragenden Nährboden für Starkregen-Gewitter. Allerdings zieht die oben erwähnte Tiefdruckrinne und damit auch die Gewitter Richtung Nordosten (zwar nicht super schnell, aber immerhin ist ein bisschen Bewegung in der Sache). Dadurch ist mit einer verbreiteten Schwergewitterlage nicht zu rechnen, wenngleich sicherlich einzelne Gewitterzellen unsere Unwetterschwelle (>25 l/qm in 1 h) reißen werden. Eine Region bleibt tagsüber noch verschont: In den äußersten Norden und Nordosten (etwa nordöstlich der Elbe) strömt am Rande des Hochs trockene Luft (s.o.), sodass dort bis zum Abend noch alles in trockenen Tüchern bleibt.

In der Nacht zum Dienstag wird es allerdings dann genau in dieser Region spannend, denn „der Gewitterei“ wird der Schwung genommen, wodurch die Regengüsse nun nicht mehr weiterziehen, sondern mehr oder weniger an Ort und Stelle verharren. In einem Bereich von der Nordsee bis nach Sachsen werden bis Dienstagvormittag mit 20-30 l/qm, punktuell bis zu 50 l/qm die Regentonnen gefüllt (und hoffentlich weniger Straßen und Keller überflutet).

Am Dienstag macht ein neues Zwischenhoch allmählich den Wetterkapriolen den Garaus und nach Abklingen letzter Regenfälle aus der Nacht bleibt es bis auf wenige Schauer und Gewitter meist trocken. Bei 16 °C auf Rügen und 28 °C in Freiburg besteht ein großer Temperaturunterschied von Nordost nach Südwest.

Am Mittwoch setzt sich die warme Luft aus Südwesten langsam Richtung Nordosten durch: Bei landesweit viel Sonnenschein werden oft 25 bis 31 °C erreicht, nur an der See, in Vorpommern und Südostbayern ist es mit 19 bis 24 °C etwas weniger warm.

Donnerstag und Freitag wird die 30-Grad-Marke dann häufiger im Westen und Süden überschritten, wobei mit zunehmend feuchter Luft nicht nur die Schwüle und die Anzahl der Schweißperlen auf der Stirn zunehmen, sondern auch die Gewitter-/Unwettergefahr.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.05.2022

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Wer schreibt über die Eisheiligen?

15. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

„Wer schreibt in diesem Jahr eigentlich über die Eisheiligen?“ Diese Frage stellten wir uns in den letzten Tagen im Kollegenkreis der diensthabenden Medienmeteorologinnen und -meteorologen. Doch irgendwie kam bei niemandem die geeignete Stimmung auf, um über dieses frostige Thema zu schreiben – verständlich beim aktuellen „Sommer, Sonne, Sonnenschein“. Zugegeben – auch meine Wenigkeit musste bei diesem Wetter von seinen Kollegen erst darauf gestupst werden, dass aktuell die Eisheiligen sind. Sonst wäre mir das glatt entgangen. Eigentlich hatte ich auch schon eine andere Idee fürs heutige Thema, aber ein Jahr ohne Eisheilige in einem unserer Themen des Tages? Nein – das darf nicht passieren! 😉 Falls Sie die Eisheiligen (im Thema des Tages oder beim Wetter) vermisst haben sollten, kommen Sie am letzten Tag doch noch auf Ihre Kosten. Und eines nehme ich Ihnen schon vorweg. Beim Lesen könnten Sie vielleicht sogar ins Frösteln kommen und das muss auch nicht zwangsläufig an der zu kalt eingestellten Klimaanlage liegen.

Gehen wir zunächst der Frage nach, was man unter den „Eisheiligen“ versteht, die in jedem Jahr auf die Tage vom 11. bis 15. Mai fallen. In diesem Zeitraum werden die Namenstage der frühchristlichen Bischöfe und Märtyrer gefeiert. Auf Mamertus am 11. Mai folgen Pankratius, Servatius, Bonifatius und am 15. Mai, dem heutigen Sonntag, die (kalte) Sophie. In diesem Jahr könnte man durchaus vermuten, der Name Eisheilige stammt daher, dass bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen der Eisbecher in einer der gut besuchten Eisdielen besonders lecker und erfrischend schmeckt. Die Namensherkunft ist in Wahrheit aber eine ganz andere. Der Begriff entstand aus der Beobachtung, dass es im Frühjahr zu dieser Zeit des Öfteren zu Kaltlufteinbrüchen kam, mit denen aus Norden auf direktem Weg arktische Kaltluft bis nach Mitteleuropa gelangte. Dabei handelt (oder handelte, siehe unten) es sich um eine sogenannte Singularität, also ein häufig wiederkehrendes Witterungsphänomen ähnlich dem Weihnachtstauwetter oder den Hundstagen zum Ende des Hochsommers. Auch Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes belegen, dass (früher) diese Kälteperioden gehäuft auftraten und nochmals späte Nachfröste brachten. Die Eisheiligen waren vor allem von Gärtnern und Winzern gefürchtet, da die Fröste ihren jungen Kulturen erhebliche Schäden zufügen konnten. Weil die Kaltluft von Nord nach Süd einfließt, gelten in Norddeutschland nur die Tage vom 11. bis 13. Mai (Mamertus, Pankratius und Servatius) als Eisheilige, im Süden und Südosten hingegen die Tage vom 12. bis 15. Mai (also zusätzlich Bonifatius und Sophie).

In diesem Jahr glänzten die Eisheiligen jedoch durch Abwesenheit. Vielmehr gaben sich Sommerwärme und Sonne ein Stelldichein. Von frostigen Nächten war keine Spur und tagsüber herrschte in den meisten Regionen Deutschlands Sommerwetter mit Nachmittagstemperaturen häufig über 25°C und lokalen Wärmegewittern. Die Heiß- … ähm … Eisheiligen wurden am Mittwoch am Rhein sogar mit dem ersten Hitzetag eingeläutet (Ohlsbach: 30,1°C; Worms: 30,0°C). Auch die „kalte Sophie“ müsste heute eher „heiße Sophie“ heißen, da wir erneut in den wärmsten Regionen Höchstwerte um 30°C erwarten.

Abkühlung gefällig? Dann verrate ich Ihnen, dass die letzten „richtigen“ Eisheiligen erst zwei Jahre her sind. Pünktlich zu Mamertus am 11. Mai 2020 flutete arktische Kaltluft weite Teile Deutschlands, in Vorpommern musste man sich bei Höchstwerten um 9°C in eine Jacke mummeln. Nur im Südosten Bayerns war davon (so wie es sich gehört) noch nix zu spüren, in Piding herrschte bei 24,9°C noch T-Shirt-Wetter. Kaum zu glauben, dass es nach diesen frühsommerlichen Temperaturen – nur wenige Stunden später – an den Alpen nachts bis „weit runter“ schneite! Am Morgen des 12. Mai (Pankratius) wurde oberhalb von etwa 800 m die Landschaft in zentimeterdickes Weiß gehüllt. Ähnlich geschah es in den Hochlagen des Thüringer Walds und des Erzgebirges. Mit Ausnahme der tiefsten Lagen im Südosten sowie im Nordwesten sank die Temperatur in weiten Teilen Deutschlands unter den Gefrierpunkt. Auch die Folgenächte waren gebietsweise frostig, vor allem die Nacht zum 15. Mai (kalte Sophie) in der Nordhälfte. Direkt über dem Erdboden wurden selbst in tiefen Lagen Temperaturen bis -7°C gemessen. Tagsüber war meist bei 10 bis 16°C Schluss, mehr als 20°C wurden erstmals wieder am 16. Mai gemessen, pünktlich nach den Eisheiligen.

Auch wenn erst vor zwei Jahren die Eisheiligen richtig zuschlugen, sind sie in den vergangenen Jahren oft ganz ausgeblieben. Manchmal kam es zu Kaltlufteinbrüchen bereits Anfang Mai oder seltener erst Ende Mai, wobei Fröste auch dann immer seltener auftraten. Dies konnte auch in diesem Jahr beobachtet werden, als in den Nächten zum 8. und 9. Mai in Norddeutschland nochmals vielerorts leichter Frost in Bodennähe, vereinzelt auch Luftfrost gemessen wurde. Kann man unter diesen Voraussetzungen überhaupt (noch) von einer echten Singularität sprechen? Viele Experten führen die Veränderungen auch auf den Klimawandel zurück, weshalb Kaltlufteinbrüche im Mai immer seltener frostig ausfallen. Die Zukunft wird zeigen, wann die Eisheiligen das nächste Mal ihre Zähne zeigen oder ob der Begriff in den zukünftigen Jahrzehnten mehr und mehr an Bedeutung verliert.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.05.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-05-15 16:43:172022-05-15 16:45:19Wer schreibt über die Eisheiligen?

Das „Paradoxon“ von Sonnenhöchststand und Höchsttemperatur

14. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Hoch XENOPHON sorgt an diesem Wochenende für ruhiges Wetter mit oftmals viel Sonnenschein in Deutschland. Das lässt die Temperatur im Südwesten am heutigen Samstag auf bis zu 27 Grad klettern, im Norden, wo eine etwas kühlere Luftmasse anzutreffen ist, wird dagegen bereits bei Werten um 20 Grad Schluss sein. Daran ändert sich zumindest im Nordosten auch am Sonntag nichts, im großen Rest des Landes legt die Temperatur hingegen noch eine Schippe drauf mit verbreitet 23 bis 29 Grad, am Oberrhein und an der Saar sind zum Abend hin sogar 30 Grad drin.

Zum Abend hin? Und das, obwohl die Sonne ja bekanntlich zur Mittagszeit am höchsten steht und ihre Einstrahlung dann am kräftigsten ist? Abends fallen die Sonnenstrahlen dagegen doch nur noch ziemlich flach ein und haben kaum noch „Power“. Wie passt das denn mit der Höchsttemperatur zusammen?

Tja, das klingt vielleicht wirklich etwas paradox, aber die Höchsttemperatur wird in unseren Breiten im Sommerhalbjahr tatsächlich meist erst spätnachmittags, zwischen Mai und August oft auch erst gegen 18 Uhr erreicht. Zur Erklärung steigen wir dafür doch einfach einmal kurz in die leere Badewanne – nicht zwingend physisch, gedanklich reicht an dieser Stelle vollkommen aus! Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an. Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als nach und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können.

Dasselbe Phänomen greift im Allgemeinen übrigens auch in umgekehrter Weise bei der Tagestiefsttemperatur, besonders in einer windschwachen und klaren Nacht. Die Tiefsttemperatur wir dabei meist erst kurz nach Sonnenaufgang erreicht, denn erst dann reicht die einfallende Sonneinstrahlung aus, um den Erdboden und darüber indirekt auch die Luft zu erwärmen.

Tatsächlich können Tageshöchst- und -tiefsttemperatur im Prinzip aber zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. So kann der Temperaturanstieg im Sommer auch schon mal zum Mittag beendet sein, wenn danach Schauer und Gewitter für eine Abkühlung sorgen. Im Winter kommt es dagegen auch immer wieder mal vor, dass die Temperatur nachts ihr Maximum erreicht, wenn beispielsweise eine Front kalte Luft durch deutlich mildere Atlantikluft ersetzt.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.05.2022

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Eine schwache Kaltfront und lokale Gewitter sorgen gebietsweise für Entspannung bei der Waldbrandgefahr

13. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Zurzeit geben sich über Nordwestrussland, Nordeuropa und dem Nordatlantik die Tiefdruckgebiete „die Klinke in die Hand“. Tief YANNICKA ist dabei am heutigen Freitagmittag (13.05.) südöstlich des Weißen Meers anzutreffen, Tief ZOEY überquert das europäische Nordmeer und südlich von Grönland liegt der Tiefdruckkomplex ASTRID.

Zu YANNICKA haben wir in Deutschland aktuell ein besonderes Verhältnis. Immerhin ist ihre Kaltfront in der Nacht zum gestrigen Donnerstag über den Norden gezogen und hat gebietsweise für einen recht frischen Wind gesorgt. Aber nicht nur das. Entgegen der Erwartungen fast aller Wettervorhersagemodelle war bis weit in die zweite Hälfte der vorvergangenen Nacht in einem Streifen von Südniedersachsen bis an die Oder auch eine rege Blitzaktivität zu verzeichnen, gekoppelt an teils kräftige Niederschläge. Mit 16 l/qm bekam innerhalb des DWD-Messnetzes die Station Kremmen – Groß Ziehten (BB) am meisten Regen ab.

In der beigefügten Abbildung ist auf der rechten Seite der aus dem DWD-Radarverbund abgeleitete 48-stündige Niederschlag bis heute Morgen um 02 Uhr MESZ dargestellt. Dabei sind drei Schwerpunkt auszumachen – Schleswig-Holstein, die besagte Region nördlich von Berlin sowie Südbayern und das südliche Baden-Württemberg. In der letztgenannten „Ecke“ brachten vor allem die Schauer und Gewitter des gestrigen Donnerstags und der vergangenen Nacht den Regen. Im Norden hingegen war es tatsächlich die o. e. Kaltfront.

Was auch immer der meteorologische Auslöser für den Regen ist – er freut vermutlich nicht nur die Landwirte, sondern auch die Förster. Denn immerhin sorgt das Nass für einen Rückgang der Waldbrandgefahr. Der Waldbrandgefahrenindex des DWD wurde an dieser Stelle u.a. schon am 20.4.2022 thematisiert- auch mit der ergänzenden Information, dass die örtlichen Behörden und nicht der DWD vor der Waldbrandgefahr warnen.

Der Index ist in seiner aktuellsten Version für den heutigen Freitag auf der linken Seite der beigefügten Abbildung zu sehen. Am niedrigsten ist der dort, wo am meisten Regen gefallen ist bzw. der Index schon vor den Regenfällen nicht sehr hoch war – im Süden und im äußersten Norden. Aber auch die Schauer- und Gewitter zwischen Südniedersachsen und der Oder sind zu erkennen. Zwar nicht als zusammenhängende Linie, aber als Zone leicht bis mäßig verringerter Waldbrandgefahr im Vergleich zu den Gebieten nördlich, insbesondere aber südlich davon. Im südlichen Brandenburg bleibt der Index weiterhin sehr hoch.

Dass in der Mitte Deutschlands, also von der Eifel und der Saar im Westen bis zur Lausitz und nach Nordbayern im Osten kein Niederschlag zu verzeichnen war, lieg vor allem daran, dass die Front sich auf ihrem Weg nach Süden nicht als „Modellathlet“ präsentierte. Für auffrischenden Wind hat es zwar gereicht, aber die Frontpassage ging in den genannten Gebieten trocken über die Bühne.

Für alle, die weiterhin auf Regen warten, lassen die Vorhersagemodelle aber Licht am Ende des Tunnels erkennen. Am Montag und Dienstag der kommenden Woche sollen von Südwesten Schauer und Gewitter hereinziehen. Noch sind sich die Modelle bezüglich der Niederschlagsschwerpunkte und der genauen zeitlichen Entwicklung nicht einig. Aber dass es Niederschläge geben wird (bei denen nach jetzigem Stand der Nordosten vielleicht wieder „hinten runter“ fallen könnte), darüber ist man sich im „Zoo der Vorhersagemodelle“ einig.

Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.05.2022

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Der bisher heißeste Tag des Jahres

12. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Im gestrigen Thema des Tages wurde es bereits angekündigt: viele Sommertage und im Südwesten der bisher heißeste Tag des Jahres 2022. Und so ist es auch gekommen. Am Nachmittag kletterte die Temperatur verbreitet über die 25-Grad-Marke. Im Südwesten wurden an der Station Ohlsbach 30,1 und in Worms 30,0 Grad gemessen. Das waren die Spitzenreiter des gestrigen Mittwochs.

Mit 29,9 Grad folgen Waghäusel-Kirrlach und Rheinau-Memprechtshofen. Die Wetterstation in Bad Kreuznach hat eine Höchsttemperatur von 29,8 Grad gemessen. Insgesamt wurde gestern an mehr als 360 Wetterstationen in Deutschland ein Sommertag – also eine Temperatur von 25 Grad oder mehr registriert. Am kältesten war es auf der Zugspitze mit 8,9 Grad. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurden 16,6, auf dem Brocken im Harz 17,3 Grad gemessen.

Weitere ausgewählte Stationen:

Saarbrücken-Burbach 29,7 °C

Berlin Brandenburg 29,6 °C

Dresden-Strehlen 29,6°C

Jena (Sternwarte) 29,5 °C

Cottbus 29,4 °C

Frankfurt/Main 29,2 °C

Darmstadt 29,1 °C

Köln-Bonn 29,0 °C

Potsdam 29,0 °C

Magdeburg 28,9 °C

Leipzig-Holzhausen 28,9 °C

Mannheim 28,9 °C

Regensburg 28,8 °C

Stuttgart (Schnarrenberg) 28,6 °C

Freiburg 28,4 °C

Bamberg 28,1 °C

Gießen/Wettenberg 28,1 °C

Kaiserslautern 28,0 °C

Nürnberg 27,9 °C

Würzburg 27,9 °C

Konstanz 27,7 °C

Wolfsburg 27,5 °C

München-Stadt 27,4 °C

Wernigerode 27,1 °C

Celle 26,8 °C

Erfurt-Weimar 26,8 °C

Braunschweig 26,5 °C

Augsburg 26,0 °C

Düsseldorf 25,7 °C

Chemnitz 25,7 °C

Münster/Osnabrück 25,3 °C

Hannover 25,2 °C

Waren (Müritz) 25,0 °C

Ueckermünde 23,4 °C

Bremen 23,2 °C

Hamburg-Fuhlsbüttel 22,3 °C

Emden 20,2 °C

Norderney 17,7 °C

Heute ist es in weiten Teilen des Landes deutlich weniger warm. Nur ganz im Süden wird noch einmal ein Sommertag erreicht mit Höchsttemperaturen zwischen 25 und 28 Grad. Sonst liegen die Höchstwerte bei 16 bis 24 Grad.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.05.2022

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Von sommerlichen und heißen Tagen

11. Mai 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen sorgte eine umfangreiche Hochdruckzone, die sich in etwa von Südwest- bis Osteuropa erstreckte, mit den Hochs „Volker“ und „Wolf“ für weitgehend ruhiges Wettergeschehen und in großen Teilen Deutschlands für viel Sonnenschein. Auf der Vorderseite des Tiefdruckkomplexes „Xaverine“ wurde darüber hinaus warme Mittelmeerluft zu uns geführt.

Dies bescherte uns am gestrigen Dienstag (10. Mai 2022) die bisher höchsten gemessenen Temperaturwerte in diesem Jahr. Die Wetterstation in Genthin (Sachsen-Anhalt) registrierte den deutschlandweiten Spitzenwert von 27,4 Grad, gefolgt von Magdeburg (ebenfalls Sachsen-Anhalt) und Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) mit jeweils 27,2 Grad. Rekordverdächtig war dies jedoch nicht, da wir vom Temperaturrekord im Monat Mai noch weit entfernt waren. Dieser liegt bei 36,6 Grad und wurde bereits am 23. Mai 1922 in Hamburg-Bergedorf gemessen. Auch der Temperaturrekord in der ersten Maidekade (vom 01. bis 10. Mai), der in Kitzingen im Jahr 2003 (05. Mai) mit 34 Grad aufgestellt wurde, konnte nicht annähernd eingestellt werden.

Im Norden war es nicht ganz so warm. Dort sorgten Ausläufer, die in Verbindung mit dem Tiefdruckkomplex „Xaverine“ stehen, für dichte Wolken und teils schauerartigen Regen. Entsprechend schaffte es die Temperatur lediglich auf Werte um 23 Grad, auf Helgoland wurden nur 16,1 Grad gemessen.

Auch am heutigen Mittwoch (11. Mai) liegt der Ausläufer von „Xaverine“ noch immer „wellend“ über dem Norden und sorgt dort für dichtere Wolken. Dabei ziehen sich die Niederschläge tagsüber auf die Nord- und Ostsee zurück, um am Abend von der Nordsee aus wieder auf Deutschland überzugreifen. In der Nacht breitet sich der schauerartige Regen dann über die gesamte Nordhälfte aus und lässt von Westen her langsam wieder nach. Aufgrund der tagsüber durchziehenden Wolken wird demnach im Norden bei 18 bis 23 Grad kein Sommertag erreicht. Im Rest des Landes können die Höchstwerte im Vergleich zu den Vortagen bei viel Sonnenschein sogar noch etwas zulegen und klettern auf 25 bis 30 Grad, insbesondere in den Flussniederungen des Südwestens sind bis zu 31 Grad möglich. Demnach ist der erste heiße Tag des Jahres (Temperaturen von 30 Grad und mehr) in Reichweite, für Mai allerdings nichts Ungewöhnliches. Der teils stark böige Wind über der Mitte sollte jedoch zumindest dort dafür sorgen, dass sich die Hitze nicht allzu drückend anfühlt. Über dem Bergland können sich im Tagesverlauf allerdings Quellwolken bilden, die Schauerneigung ist aber nur gering.

Am Donnerstag steht dann im Süden ein Wetterumschwung auf dem Programm. Der Tiefausläufer legt sich quer über die südliche Mitte. In den Süden können so feuchtere Luftmassen von Südwesten einfließen, in der sich dann bei Höchstwerten zwischen 24 und 28 Grad im Nachmittagsverlauf von Frankreich und der Schweiz her Schauer und einzelne Gewitter bilden können. Diese breiten sich in der Nacht zum Freitag ostwärts aus, sodass südlich der Donau gebietsweise mit schauerartigen Niederschlägen gerechnet werden muss. Dabei sind auch einzelne eingelagerte Gewitter denkbar. Rückseitig des Tiefausläufers fließt hingegen mäßig warme Meeresluft in den Norden und die Mitte ein. Ein Sommertag sollte damit nicht mehr gemessen werden, die Temperatur steigt dort „nur“ noch auf 19 bis 24 Grad.

Am Freitag ist das Wetter dann dreigeteilt. Im Süden fallen aus dichten Wolken zeitweise noch schauerartige Niederschläge, einzelne Gewitter sind möglich. Über den Norden ziehen ebenfalls dichtere Wolken, Niederschläge sollten dort aber die Ausnahme darstellen. Dazwischen zeigt sich über der Mitte auch mal längere Zeit die Sonne. Während die Temperatur im großen Teil des Landes das sommerliche Niveau nicht mehr erreicht, ist ein vereinzelt gemessener Sommertag (25 Grad und mehr) im Süden möglich.

Am Wochenende übernimmt dann ein weiteres, bisher noch namenloses Hoch die Regie beim Wettergeschehen in Deutschland. Entsprechend nehmen die Sonnenanteile von Südwesten wieder zu, auch die Temperatur kann wieder auf sommerliches Niveau steigen. Im Südwesten stehen am Sonntag in den aktuellen Wetterprognosen wieder die 29 Grad. Nur im Norden bleibt es ein Stück weit kühler, insbesondere die küstennahen Regionen müssen wohl weiterhin auf ihren ersten Sommertag in diesem Jahr warten.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.05.2022

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