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Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

7. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Während in weiten Teilen Südwesteuropas weiterhin eine außergewöhnliche Hitzewelle das Wetter bestimmt, präsentiert sich Deutschland in den kommenden Tagen von seiner vergleichsweise angenehmen Sommerseite. Verantwortlich dafür ist eine großräumige Wetterlage mit Hoch JOCHEN im Westen und einer Tiefdruckzone über Nordeuropa. Wer seinen Urlaub derzeit auf Sizilien verbringt, kann neben hochsommerlichen Temperaturen sogar ein besonderes Naturschauspiel erleben: Der Ätna zeigt sich erneut aktiv und sorgt mit seiner Eruption für beeindruckende Bilder.

Ätna-Ausbruch vom 06.07.2026. Quelle: Alessandro Micalizzi

Die Zweiteilung des Wettergeschehens über Deutschland bleibt zunächst bestehen. Während sich Hoch JOCHEN von Südwesten her zunehmend bemerkbar macht, befindet sich der Norden und Nordosten des Landes noch im Einflussbereich von Tief BERNADETTE, das von Südnorwegen zum Baltikum zieht und sich dort mit Tief AUSYNJA vereinigt. Zum Wochenende setzt sich der Hochdruckeinfluss immer mehr durch und bleibt voraussichtlich auch darüber hinaus wetterbestimmend.

Da sich der Schwerpunkt des Hochs über den Britischen Inseln befindet, gelangt zwar warme, aber keine extrem heiße Luft nach Deutschland. Anders sieht die Lage in Frankreich und Spanien aus: Dort sorgt die eingeflossene Heißluft erneut für Spitzenwerte von über 40 Grad und eine erhebliche Wärmebelastung.

Am heutigen Dienstag zeigt sich der Himmel vor allem im Norden und Osten häufig wolkig bis stark bewölkt. Gebietsweise fällt dort auch etwas Regen. Im übrigen Land wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die Temperaturen erreichen im Nordosten lediglich 18 bis 25 Grad, während sonst 28 bis 32 Grad und am Oberrhein örtlich bis zu 35 Grad gemessen werden. Dazu weht besonders im Norden und Osten ein frischer Nordwestwind mit starken bis stürmischen Böen. Im Küstenumfeld sowie im Bergland sind vereinzelt auch Sturmböen möglich.

Wetter- und Temperaturkarte, am Dienstag 07.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Mittwoch ziehen zunächst noch zahlreiche Wolkenfelder über Deutschland hinweg. Von Westen lockert die Bewölkung jedoch zunehmend auf. Regen bleibt die Ausnahme und fällt höchstens noch vereinzelt an den östlichen Alpen. Die Temperaturen ändern sich im Norden und Osten kaum, während im Südwesten mit 27 bis 32 Grad die große Hitze des Vortages bereits etwas gedämpft wird. Im Nordosten macht sich der Nordwestwind weiterhin mit starken bis stürmischen Böen bemerkbar.

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 08.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst.

Am Donnerstag gewinnt Hoch JOCHEN weiter an Einfluss. Zwar ziehen vielerorts noch Wolkenfelder durch, diese bleiben aber meist harmlos. Vor allem im Südwesten scheint häufig die Sonne und die Temperaturen steigen dort erneut über 30 Grad. Im übrigen Land werden angenehme 22 bis 28 Grad erreicht. Der Wind weht nur noch schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen.

Von Freitag bis Sonntag steht dann verbreitet ruhiges Sommerwetter auf dem Programm. Die Sonne zeigt sich häufiger und auch im Norden steigen die Temperaturen wieder an. Meist werden 25 bis 30 Grad erreicht, im Westen und Südwesten örtlich 32 bis 36 Grad. Lediglich an den Alpen besteht insbesondere am Samstag ein geringes Risiko für einzelne Gewitter. Der Wind spielt dabei kaum noch eine Rolle.

Aussichten vom Donnerstag, den 09.07.2026 bis Samstag, den 11.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Trotz der sommerlichen Temperaturen bleiben die Nächte vielerorts angenehm frisch. Dadurch kann in den Morgenstunden gut gelüftet werden und auch die Wärmebelastung hält sich zunächst in Grenzen. Lediglich im Südwesten steigen die nächtlichen Tiefstwerte zum Wochenende örtlich auf knapp 20 Grad an, sodass die Nächte dort zunehmend tropisch anmuten.

Worauf viele Regionen Deutschlands dagegen weiterhin vergeblich warten, ist ergiebiger Regen. Auch in den kommenden Tagen sind nennenswerte Niederschläge nicht in Sicht. Die Trockenheit setzt sich daher in Teilen des Landes fort und die Waldbrandgefahr bleibt vielerorts erhöht. Während also Südwesteuropa unter extremer Hitze leidet, profitiert Deutschland vorerst von einer deutlich gemäßigteren Sommerwitterung – allerdings um den Preis anhaltender Trockenheit.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Zwischen-Sommerhoch-und-Tiefdruckeinfluss-–-Deutschland-bleibt-von-der-grossen-Hitze-verschont-1.jpg 1365 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-07 17:07:062026-07-14 00:04:24Zwischen Sommerhoch und Tiefdruckeinfluss – Deutschland bleibt von der großen Hitze verschont

Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

6. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal wieder mit der Phänologie.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.

Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und angeschaut werden.

Abb. 1. Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zum Blühbeginn der Sommer-Linde, Stand: 06.07.2026, 01:26 UTC

Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2) ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen Ringabschnitt angegeben.

Abb. 2: Phänologische Uhr mit Darstellung der phänologischen Jahreszeiten, aktuell Hochsommer, Stand: 30.06.2026 (Aktualisierung 1x wöchentliche, dienstags)

Abb. 3: Aktuelle Deutschlandkarte mit Meldungen zur Ernte von Wintergerste, Stand: 06.07.2026, 01:21 UTC

Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen. Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Ein-Blick-auf-die-Pflanzenwelt-Phaenologie-1.png 670 425 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-06 13:58:522026-07-14 00:03:52Ein Blick auf die Pflanzenwelt – Phänologie

Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

5. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch JOCHEN sorgt im Südwesten des Landes aktuell für meist ruhiges Sommerwetter. Gleichzeitig wird die Nordosthälfte immer wieder von Frontensystemen beeinflusst, die für schauerartige, teils auch gewittrige Niederschläge sorgen. Dazu weht ein zeitweise starker Nordwestwind. Vor allem an exponierten Küstenabschnitten treten einzelne stürmische Böen (Bft 8) auf.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen für Sonntag, den 05.07.2026 um 12 UTC. (Quelle:DWD)

Zu Wochenbeginn verstärkt sich die Wetterzweiteilung zwischen dem Südwesten und dem Nordosten des Landes. Im Südwesten gibt es bei viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen um 30 Grad bestes Badewetter. Im Nordosten sorgt dagegen ein heranziehender kurzwelliger Trog für neue, teils auch länger anhaltende Niederschläge. Damit liegen dort die Höchsttemperaturen lediglich bei maximal 20 Grad. In Verbindung mit einem weiterhin recht lebhaften Nordwest- bis Westwind stellt sich in dieser Region zumindest gefühlt bereits eine frühherbstliche Witterung ein.

Zur Wochenmitte dehnt sich der Höhenrücken über Westeuropa allmählich nach Osten aus, sodass in der zweiten Wochenhälfte auch die Nordosthälfte vermehrt unter Hochdruckeinfluss gerät. Der ausgeprägte Rücken wird dabei von zwei Trögen flankiert. Außerdem ergeben sich im Geopotentialfeld kleinere Schwachstellen, die mit schwach ausgeprägten Bodentiefs in Verbindung stehen. Damit strömen in der zweiten Wochenhälfte im Vorfeld dieser Tiefdruckstörungen über Westeuropa zunehmend sehr heiße Luftmassen von Südwesten nach Deutschland. Dabei bestehen aber noch größere Unsicherheiten. Die genaue Lage dieser Druckgebilde ist nicht nur für die Entwicklung potenzieller Gewitter wichtig, sondern auch für die Temperaturentwicklung.

Am Donnerstag liegt das Bundesgebiet voraussichtlich noch verbreitet unter Hochdruckeinfluss. Damit herrscht in weiten Landesteilen bei viel Sonnenschein bestes Badewetter. In den Niederungen des Südwestens tritt bereits eine starke Wärmebelastung auf. Entlang des Oberrheins sind Spitzenwerte von knapp 35 Grad möglich.

Am Freitag kommt die Hitze voraussichtlich noch etwas weiter nach Nordosten voran. Im Südwesten strömen zudem auch feuchtere Luftmassen heran, sodass vor allem über dem südwestdeutschen Bergland erste kräftige Gewitter mit lokalem Unwetterpotenzial möglich sind. Die Höchstwerte liegen am Freitag verbreitet bei 30 bis 35 Grad. In den Niederungen im Südwesten kann es stellenweise auch noch etwas heißer werden. Lediglich in Küstennähe und im Nordosten wird die Hitzegradmarke von 30 Grad voraussichtlich nicht erreicht.

Temperaturvorhersage für Deutschland von Donnerstag bis Samstag, den 11.07.2026. (Quelle:DWD)

Am Wochenende nehmen die Unsicherheiten weiter zu. Nach aktuellem Stand ist jedoch eine weitere leichte Zunahme der Hitze sowie eine Ausdehnung nach Norden und Nordosten am wahrscheinlichsten. In der Südwesthälfte sind in den Niederungen Spitzenwerte um 35 Grad häufig zu erwarten. Durch die heiße und teils auch sehr feuchte Luftmasse steigt die Wärmebelastung deutlich an. Vor allem hinsichtlich der Intensität und Ausdehnung der Hitze bestehen jedoch noch größere Unsicherheiten. Eine extreme Hitzewelle mit verbreitet neuen Rekordwerten, wie wir sie Ende Juni dieses Jahres erlebt hatten ist allerdings unwahrscheinlich. Trotzdem stehen uns vor allem im Südwesten einige sehr heiße Tage bevor. Damit ist wieder einmal Schwitzen angesagt!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 1,5 Kilometer Höhe, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal für Hamburg und Stuttgart. In beiden Regionen ist ein großer Unsicherheitsbereich erkennbar. Trotzdem ist Hitze über das kommende Wochenende vor allem im Südwesten recht wahrscheinlich. Nur bezüglich der Intensität und Andauer gibt es noch einige Fragezeichen. (Quelle:ECMWF)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Erwartet-uns-eine-neue-Hitzewelle-1.png 911 1275 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-05 14:51:402026-07-14 00:03:45Erwartet uns eine neue Hitzewelle?

Geschichte der Meteorologie – Teil 9: Meteorologie um 1750

4. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1700 beschrieben. Der Fortschritt geht immer schneller weiter, so dass kommende Serienteile immer kürzere Zeitabstände abdecken werden. In diesem Teil der Serie wird die Geschichte der Meteorologie um das Jahr 1750 beleuchtet.

Der böhmische Theologe Prokop Diviš oder Prokop Diwisch (1698–1765) beschäftigte sich mit atmosphärischer Elektrizität. Er versuchte, Strom aus Wolken zu gewinnen und baute einen funktionierenden Blitzableiter. Diviš errichtete 1754 im mährischen Brenditz (heute ein Stadtteil von Znaim bzw. Znojmo) einen geerdeten Blitzableiter, welchen er Wettermaschine nannte. Dies war der erste funktionierende Blitzableiter in Europa.

Der in den Niederlanden geborene Mathematiker und Physiker Daniel Bernoulli (1700–1782) aus der Alten Eidgenossenschaft war ein Pionier auf dem Gebiet der Strömungslehre. Er ist vor allem wegen des Bernoulli-Theorems, einer Aussage zur Energieerhaltung für bestimmte Arten von Flüssigkeiten, bekannt. Eine der grundlegenden Folgen davon ist der sogenannte Trichtereffekt: Die Strömung in der Verengung eines Trichters ist schneller und weist einen niedrigeren Druck auf als die Strömung jenseits der Verengung. Dieser Effekt kann in einigen kurzen, kleinräumigen Durchbrüchen im Gebirgsgelände starke Winde verursachen. Das Bernoulli-Theorem hat sich auch bei der Untersuchung von katabatischen Sprüngen (Bereiche, in denen katabatische Winde plötzlich aufhören oder deutlich nachlassen) als nützlich erwiesen. Bernoulli schrieb in seiner Zeit in Russland für die an der Zweiten Kamtschatka-Expedition beteiligten Wissenschaftler Anweisungen für Wetterbeobachtungen. Im Jahr 1738 veröffentlichte Bernoulli sein Buch „Hydrodynamik“, in dem er die kinetische Gastheorie erörterte. Außerdem stellte er in der kinetischen Gastheorie die grundlegenden Gasgesetze vor, darunter eine vereinfachte Form der Zustandsgleichung.

Der schwedische Astronom, Mathematiker und Physiker Anders Celsius (1701–1744) ist vor allem durch das von ihm 1742 eingeführte Temperatursystem bekannt. Er führte ein Hundertersystem ein und legte den Siedepunkt von Wasser mit 0 ° sowie den Gefrierpunkt mit 100 ° fest (das wurde ein Jahr nach seinem Tod geändert). Er schlug vor, diese Skala als universelle Skala zu benutzen, um Temperaturwerte in der ganzen Welt zu vergleichen. Er notierte bei den genauen Bestimmung den herrschenden Luftdruck (760 mmHg) und legte so genaue Messbedingungen fest.

Anders Celsius, Johan Cardon (1802-1878), Lithographie von 1838, Quelle: Universitätsbibliothek Uppsala, Schweden, über Wikimedia Commons

Celsius fand 1724 heraus, dass die Aurora borealis das Magnetfeld der Erde stört. Er stellte als einer der ersten fest, dass sich ein Großteil Skandinaviens langsam über den Meeresspiegel erhebt, ein kontinuierlicher Prozess seit dem Abschmelzen des Eises der letzten Eiszeit.

Der französische Geograph, Entdecker und Mathematiker Charles Marie de La Condamine (1701–1774) und der spanische Seemann und Naturwissenschaftler Jorge Juan (1713–1773) verbrachten im Rahmen der französischen geodätischen Mission in Südamerika neun Jahre im heutigen Ecuador. Der Mission gelang es, die Länge eines Längengrades entlang eines Meridians am Äquator zu vermessen. Diese Arbeit half zu zeigen, dass die Erde eher abgeflacht als kugelförmig ist. Neben den geodätischen Arbeiten führten beide zusammen mit Kollegen während ihres Aufenthalts in Südamerika Messungen der Temperatur und des Luftdrucks durch, die als erste meteorologische Beobachtungen im heutigen Ecuador gelten. La Condamine verwendete das Réaumur-Thermometer, das erst wenige Jahre zuvor erfunden worden war. Er stellte beispielsweise fest, dass die Durchschnittstemperatur in Quito im Jahr 1738 zwischen 14 und 15 Grad Réaumur (17,5–18,75 °C) lag. Juan vermaß die Höhen verschiedener Andengipfel mit einem Barometer.

„Some are weather-wise, some are otherwise!“ („Manche haben ein Gespür fürs Wetter, andere nicht!“) Dieser Spruch wird dem Naturwissenschaftler, Erfinder und Staatsmann Benjamin Franklin (1706–1790) aus Neuengland zugeschrieben, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten, der als Wissenschaftler großes Interesse am Wetter hatte. Seine Arbeiten zur atmosphärischen Elektrizität machten ihn zum ersten Amerikaner mit internationalem wissenschaftlichem Ruf. Sein Gesamtwerk zum Thema Wetter stellt einen bedeutenden Beitrag der Meteorologie im 18. Jahrhundert dar. In Philadelphia versuchte Franklin am 21. Oktober 1743, eine Mondfinsternis zu beobachten. Doch Wolken, die vor einem Sturm aus Südwesten heranzogen, verdeckten den Himmel und verhinderten den Blick auf die Finsternis. Dies geschah, obwohl der Wind in Bodennähe aus Nordosten wehte. Franklin nahm diesen Unterschied zur Kenntnis und erfuhr später von seinem Bruder, dass die Wolken desselben Sturms Boston, nordöstlich von Philadelphia gelegen, erst nach der Finsternis erreicht hatten. Franklin schlussfolgerte, dass sich der Sturm insgesamt in nordöstlicher Richtung bewegt haben musste, obwohl die Winde in Bodennähe aus Nordosten wehten. Dies ist der erste dokumentierte Fall, in dem ein Wissenschaftler erkannte, dass sich die Bewegung eines Sturms insgesamt von der Bewegung der Luft in Bodennähe unterscheiden kann. Im Jahr 1749 beobachtete Franklin Aufwinde und kam zu dem Schluss, dass diese auf eine lokale Erwärmung der Oberfläche durch die Sonne zurückzuführen seien. Er war einer der Ersten, der diese Erklärung für dieses Phänomen vorbrachte. Solche Aufwinde führen zu den sommerlichen Wolken, die heute als konvektive Wolken bekannt sind. Franklin interessierte sich für den Golfstrom, besonders für die Temperatur seines Wassers sowie für dessen Strömungsrichtung und -geschwindigkeit. Er veröffentlichte die erste bekannte Karte des Golfstroms. Franklin beschäftigte sich auch mit Wasserhosen. In seiner Abhandlung „Waterspouts and Whirlwinds“ fügte er eine Zeichnung bei, die seine Hypothese zur Struktur einer Wasserhose veranschaulichte. Zu ihrer Entstehung schrieb er: „Die Luft unmittelbar über ihm [dem Golfstrom] kann jedoch so viel Wärme von ihm aufnehmen, dass sie sich verdünnt und aufsteigt, da sie dadurch leichter wird als die Luft zu beiden Seiten des Stroms; daher muss diese Luft nachströmen, um den Platz der aufsteigenden warmen Luft auszufüllen, und wenn sie aufeinandertrifft, bildet sie jene Tornados und Wasserhosen, die häufig in der Nähe und über dem Strom anzutreffen und zu sehen sind.“ Franklin verstand den grundlegenden Entstehungsmechanismus der ausgedehnten Nebel, die über dem westlichen Atlantik vor der Ostküste Kanadas auftreten können. Er schrieb: „So wie der Dampf einer Tasse Tee in einem warmen Raum und der Atem eines Tieres im selben Raum kaum sichtbar sind, aber sofort wahrnehmbar werden, sobald sie in die kalte Luft gelangen, so ist auch der Dampf des Golfstroms in den warmen Breitengraden kaum sichtbar; trifft er jedoch auf die kühle Luft Neufundlands, verdichtet er sich zu dem Nebel, für den diese Gegenden so bekannt sind.“ Franklin begann sich ab 1743 für Elektrizität zu interessieren. In seinen ersten Experimenten zur Elektrizität untersuchte Franklin die Natur elektrischer Ladung. Bei Versuchen mit einer durch Reibung elektrostatisch aufgeladenen Glasröhre stellte er fest, dass in jedem abgeschlossenen System die Summe der vorhandenen elektrischen Ladungen konstant bleibt (Prinzip der Ladungserhaltung). Franklin sprach dabei von „einer Ladungsart“, die nur ihren Aufenthaltsort verändert und somit positive oder negative Aufladung verursacht. Er prägte die Begriffe „plus“ und „minus“. Franklin beschrieb recht ausführlich seine Beobachtungen und Theorien zur Elektrizität in der Atmosphäre und in Wolken, insbesondere bei Gewittern, die er als „Donnerböen“ bezeichnete (und die er als „plötzliche Erscheinungsformen von Donner und Blitz“ beschrieb, „die oft nur von kurzer Dauer sind, aber manchmal schädliche Auswirkungen haben“). Franklin schlug vor, dass das, was er als „aufrecht stehenden Eisenstift“ oder „Spitze“ bezeichnete (was man heute als Blitzableiter bezeichnen würde), ein nützlicher Schutz sein könnte: „Könnte das Wissen um diese Kraft der Spitzen der Menschheit nicht von Nutzen sein, um Häuser, Kirchen, Schiffe usw. vor Blitzeinschlägen zu schützen, indem es uns anweist, an den höchsten Stellen dieser Bauwerke senkrechte Eisenstangen anzubringen, die spitz wie eine Nadel und zur Verhinderung von Rost vergoldet sind, und vom Fuß dieser Stangen einen Draht an der Außenseite des Gebäudes hinunter in den Boden zu führen oder an einem der Wanten eines Schiffes entlang und an dessen Seite hinunter, bis er das Wasser erreicht? Würden diese spitzen Stäbe nicht wahrscheinlich das elektrische Feuer lautlos aus einer Wolke abziehen, bevor es nahe genug herankommt, um einzuschlagen, und uns so vor diesem äußerst plötzlichen und schrecklichen Unheil bewahren?“ Franklin schlug auch ein Experiment vor, bei dem mit einem elektrischen Drachen in einer Gewitterwolke Elektrizität gesammelt werden sollte, um die elektrische Natur der Blitze zu beweisen. Ob und wie er das Experiment tatsächlich durchgeführt hat, ist umstritten. Seine Experimente wurden 1751 in einem 86-seitigen Buch („Experiments and Observations on Electricity made at Philadelphia in America by Benjamin Franklin“) veröffentlicht, das als Amerikas wichtigstes wissenschaftliches Buch des 18. Jahrhunderts gilt und für großes Aufsehen in Europa sorgte.

Benjamin Franklin gewinnt Elektrizität aus der Luft, Benjamin West (1738-1820), 1816, Quelle: Philadelphia Museum of Art, Philadelphia, Pennsylvania, über Wikimedia Commons

Bei einem England-Aufenthalt stieß Franklin zufällig auf das Prinzip der Kühlung, als er beobachtete, dass er an einem sehr heißen Tag in einem nassen Hemd bei einer leichten Brise weniger schwitzte als in einem trockenen. In einem Experiment unter Franklins Leitung an einem warmen Tag im Jahr 1758 in Cambridge wurde ein Versuch durchgeführt, bei dem die Kugel eines Quecksilberthermometers kontinuierlich mit einer Flüssigkeit benetzt wurde und dieser mit einem Blasebalg verdampfte. Mit jeder weiteren Verdampfung zeigte das Thermometer eine niedrigere Temperatur an und erreichte schließlich 7 °F (-14 °C). Ein weiteres Thermometer zeigte an, dass die Raumtemperatur konstant bei 65 °F (18 °C) lag. In seiner Abhandlung „Cooling by Evaporation“ kam Franklin zu dem Schluss, dass „man sich vorstellen kann, dass ein Mensch an einem warmen Sommertag erfrieren könnte“. Nach Erlangung der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika 1776 wurde Franklin als erster Botschafter nach Frankreich entsandt. In seiner Zeit in Paris brach der Vulkan Laki 1783 in Island aus. Die Eruption war in Island als Skaftáreldar (die Skaftá-Feuer) bekannt und dauerte acht Monate, von Juni 1783 bis Februar 1784. In der zweiten Hälfte des Jahres 1783 bedeckte ein anhaltender Dunst, der als „trockener Nebel“ bezeichnet wurde, Europa und wurde als der dichteste trockene Nebel in Europa seit dem Ausbruch des Vulkans Eldgjá im Jahr 934 beobachtet. Der folgende Winter (1783–1784) war sowohl in Europa als auch im Osten Nordamerikas sehr kalt. Franklin schloss daraus, dass der Vulkanausbruch die Ursache für den trockenen Nebel und das darauf folgende kalte Wetter sein könnte. In Europa folgten mehrere Jahre mit klimatischen Extremen, wobei der Vulkanausbruch eine der wahrscheinlichsten Ursachen war. Franklin war einer der Ersten (wenn nicht sogar der Erste), der die Auswirkungen von Vulkanausbrüchen auf Wetter und Klima in Betracht zog und darauf hinwies, dass sich auf der Grundlage dieser Auswirkungen eine nützliche Methode zur Vorhersage kalter Winter entwickeln ließe.

Der schwedische Botaniker, Arzt und Zoologe Carl Nilsson Linnæus, bekannt als Carl von Linné oder latinisiert Carolus Linnaeus (1707–1778), gilt auch als „Vater“ der modernen Taxonomie. Er erforschte die Beziehungen zwischen Organismengruppen und einzelnen Arten und versuchte, die Natur in ihrer Gesamtheit zu beschreiben. Im Rahmen dieser Arbeit war er einer der ersten Wissenschaftler, der die Auswirkungen des Klimas auf die Tierwelt untersuchte. Er beschäftigte sich auch mit den Auswirkungen des Menschen auf die Natur. Er vertauschte 1745 die Fixpunkte der Celsius-Temperaturskala.

Der Mathematiker Leonhard Euler (1707–1783) aus der Alten Eidgenossenschaft befasste sich mit einer Vielzahl von Problemen der reinen und angewandten Mathematik. Er war intensiv auf dem Gebiet der Hydrodynamik tätig und legte im September 1755 der Königlichen Akademie der Wissenschaften und der Schönen Künste in Berlin eine Abhandlung mit dem Titel „Principes généraux du mouvement des fluides“ („Allgemeine Grundsätze der Bewegung von Flüssigkeiten“) vor. Dies führte 1757 zur Veröffentlichung eines Artikels für ein breiteres Publikum. Darin beschrieb er das Konzept eines inneren Druckfeldes in einer Flüssigkeit, was es ihm ermöglichte, das zweite Newtonsche Bewegungsgesetz auf infinitesimale Flüssigkeitselemente anzuwenden und daraus wiederum eine Reihe hydrodynamischer Gleichungen abzuleiten. Im Grunde bildete seine Arbeit die Basis für die Wissenschaft der Strömungslehre, und Eulers Gleichungen finden seitdem Anwendung in vielen Untersuchungen von Strömungen, darunter auch in Studien zu atmosphärischen Strömungen und atmosphärischen Turbulenzen.

Leonhard Euler, Jakob Emanuel Handmann (1718-1781), ca. 1756, Quelle: Deutsches Museum, München, über Wikimedia Commons

Eulers Name ist mit einem gängigen Bezugssystem verbunden, das in der Strömungslehre und der Atmosphärenforschung verwendet wird und als Euler-Bezugssystem bekannt ist. In diesem Bezugssystem werden Messungen an einem festen Punkt in einer sich bewegenden Strömung vorgenommen und die Bewegungsgleichungen werden in Bezug auf diesen festen Punkt aufgestellt.

Der französische Naturforscher, Biologe und Mathematiker Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707–1788) beschäftigte sich mit einer Vielzahl wissenschaftlicher Themen und versuchte in seiner „Histoire naturelle, générale et particulière“, die gesamte Summe des Wissens der Naturgeschichte und der verwandten Wissenschaften in einem einzigen umfangreichen Werk darzustellen. Buffon stellte fest, dass verschiedene Regionen trotz ähnlicher Lebensräume unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten aufweisen können. Er glaubte, dass Tierarten ihren Ursprung in einem „Schöpfungszentrum“ hätten und dass sie sich im Zuge ihrer Ausbreitung von diesem Zentrum weg weiterentwickeln oder zurückbilden könnten. Seiner Ansicht nach muss eine solche Ausbreitung durch klimatische Veränderungen begünstigt worden sein. Buffon vertrat die Auffassung, dass die Flora und Fauna der Neuen Welt derjenigen von Europa unterlegen seien, was unter anderem auf bestimmte klimatische Mängel zurückzuführen sei.

Der französische Naturforscher Thomas François Dalibard (1709–1779) übersetzte die 1751 in London veröffentlichte Schrift „Experiments and Observations“ von Franklin ins Französische, die Möglichkeiten zu Blitzableitern beschrieb. Dalibard unternahm selbst ein von Franklin angeregtes Experiment 1752 in Marly-la-Ville: Eine spitze, gegen den Boden isolierte lange Metallstange schlug Funken bei Gewitter. Er ist der erste bekannte Mensch, der dieses spezielle Experiment durchgeführt hat.

Vom britischen Lexikographen und Schriftsteller Samuel Johnson (1709–1784) stammt die Aussage: „Wenn sich zwei Engländer begegnen, drehen sich ihre ersten Gespräche um das Wetter. Sie beeilen sich, einander mitzuteilen, was jeder von ihnen ohnehin schon wissen muss: dass es heiß oder kalt, sonnig oder bewölkt, windig oder windstill ist.“ Diese Beschäftigung mit dem Wetter beschränkt sich natürlich nicht auf die Engländer, die meisten Kulturen zeigen sie in gewissem Maße. Das Meeresklima der Britischen Inseln, bei dem regenreiche Wetterfronten meist aus dem Atlantik heranziehen, ist jedoch bekanntlich trüb und schwer vorhersehbar. Vielleicht ist dies der Grund, warum das von Johnson beschriebene Verhalten in England und anderen Teilen des Vereinigten Königreichs so verbreitet ist.

Der russische Naturwissenschaftler und Dichter Michail Wassiljewitsch Lomonossow oder Michail Vasil’evič Lomonosov (1711–1765) war ein wegweisender Wissenschaftler, der als „Vater der russischen Wissenschaft“ bekannt wurde und als Universalgelehrter im Zeitalter der Aufklärung galt. Er war auf einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete tätig. Lomonossow half bei der Organisation der großen Erkundungsreisen durch den Osten und Norden des Russischen Reiches unter der Leitung von Bering (siehe Teil 8 der Geschichte der Meteorologie). Er sorgte dafür, dass jedes Schiff über die erforderlichen physikalischen und astronomischen Instrumente verfügte und entwickelte spezielle Schiffs- und Wetterlogbücher. Im Jahr 1763 verfasste er ein Buch, in dem er die verschiedenen Erkundungen der nördlichen Meere beschrieb, von den frühesten Expeditionen bis hin zu den Großen Nordexpeditionen. Darin stellte er seine Ideen zu den arktischen Meeresströmungen, der Meereisdrift, den Meereistypen und der Abhängigkeit des Gefrierpunkts vom Salzgehalt des Wassers dar. Er erläuterte zudem die Rolle der Sonne als Wärmequelle für die Arktis und stellte die Theorie auf, dass ein Wärmeaustausch durch das Eis, vom darunterliegenden Wasser zur darüber liegenden Atmosphäre, die kalten Temperaturen in der Arktis mildern könnte. Darüber hinaus lieferte er eine der ersten wissenschaftlichen Erklärungen für das Phänomen der Aurora borealis.

Portrait von Michail Wassiljewitsch Lomonossow, Georg Caspar Prenner (1720-1766), kopiert von Leontiy Miropolskiy (1759-1819), ca. 1787, Quelle: Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, über Wikimedia Commons

Um 1750 entwickelte Lomonossow einen Rotationsanemometer: ein vertikales Rad mit Flügeln (ähnlich einem kleinen Wasserrad), das vom Wind angetrieben wurde. Dieses Rad wurde durch ein großes Paddel in der Gestalt einer Fahne, das als Windfahne fungierte, in den Wind ausgerichtet. Über Zahnräder und eine Schnur wurde diese Bewegung auf ein zweites Rad übertragen, das mit einer Geschwindigkeitsskala versehen war. Zudem umfasste die Konstruktion des Instruments eine Quecksilberquelle, die in verschiedene Behälter (kleine Kästchen) für die Windrichtung fallen konnte. Zumindest theoretisch ließe sich die Verteilung der Windrichtung in einem bestimmten Zeitraum ermitteln, indem man die Menge an Quecksilber misst, die in diesem Zeitraum in die einzelnen Behälter gefallen ist.

Die Serie wird fortgesetzt. Lesen Sie im nächsten Thema des Tages die Entwicklungen der Meteorologie um das Jahr 1775.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.07.2026
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Endlich wieder Durchlüften – aber wie lange?

3. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Was für ein Sommerwetter! Noch am vergangenen Wochenende schwitzte Deutschland bei neuen Hitzerekorden. Der vorläufige Höchstwert musste nach Prüfung der Messdaten sogar noch einmal angepasst werden. In Möckern-Drewitz lag die Maximaltemperatur am Samstag, den 27. Juni nicht bei 41,5 °C, sondern bei 41,8 °C – verursacht durch eine kurzzeitige Übertragungslücke. Der Wert bleibt bis zur Abschlussprüfung vorläufig, könnte dann jedoch einen neuen deutschen Temperaturrekord darstellen. Am Sonntag, den 28. Juni verzeichnete die Wetterstation im brandenburgischen Coschen 41,7 °C (ebenfalls vorläufiger Wert).

Im Anschluss folgten zu Beginn der Woche dann schwere Gewitter, die teilweise von extrem heftigem Starkregen begleitet wurden. Innerhalb von kürzester Zeit fielen lokal eng begrenzt sintflutartige Regenmengen vom Himmel. Am Dienstag, den 30. Juni, registrierten die Stationen Blumberg-Randen und Pfullendorf (beide Baden-Württemberg) Mengen nahe 50 l/m² in nur einer Stunde. Die bayerische Wetterstation Bad Staffelstein – Stublang zeichnete in der Nacht zum Mittwoch, den 01. Juli, 24,5 l/m² in nur 10 Minuten auf, die Station in Maßbach (ebenfalls Bayern) 40,5 l/m² in 24 Minuten.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Freitag, den 03. Juli 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 02. Juli 2026, 00 UTC.

Nach den teils unwetterartigen Gewittern stellte sich die Wetterlage schließlich grundlegend um. Am heutigen Freitag, den 03. Juli 2026, hat der Ausläufer des Ostseetiefs „Zoe“ die Hitze erst einmal aus Deutschland verdrängt. So konnte in der vergangenen Nacht zum Freitag bei teils einstelligen Tiefstwerten im Bereich der Mittelgebirge endlich wieder durchgelüftet werden. In Arnsberg-Neheim im Hochsauerland wurden sogar 7,4 °C gemessen. Kaum ist die Hitze vorbei, empfinden manche die Nächte schon wieder als zu kühl. Das Wetter macht es eben selten allen recht. Vielleicht ist es gerade deshalb eines der beliebtesten Gesprächsthemen.

Tiefsttemperaturen der vergangenen Nacht zum Freitag, den 03. Juli 2026.

Der Ausläufer von „Zoe“ liegt heute an den Alpen und sorgt dort noch für dichte Wolken, meist fällt jedoch kein Regen mehr. Im Norden und Osten sorgt hingegen ein Schwall höhenkalter Luft sowie die Nähe zu „Zoe“ für eine leichte Labilisierung der Atmosphäre. So können sich dort Quellwolken bilden, vereinzelt treten Schauer auf. Zusammen mit den dicht gedrängten Isobaren sorgt die Labilisierung dafür, dass der nordwestliche Wind kräftig auffrischt. Im Binnenland werden dabei steife bis stürmische Böen erwartet, an auflandigen Küstenabschnitten sogar Sturmböen.

Der stürmische Wind mutet zusammen mit der rückseitig des Tiefausläufers eingeflossenen subpolaren Meeresluft fast schon frühherbstlich an, denn die Höchstwerte steigen nicht mal mehr auf ein sommerliches Niveau an, bleiben also unter 25 Grad. An den Küsten werden kaum 20 Grad erreicht. Im Südwesten und Süden ist davon nichts zu spüren. Dort scheint im Tagesverlauf bei Höchstwerten bis 28 Grad vielfach die Sonne.

MOSMIX-Vorhersage der Tageshöchstwerte vom heutigen Freitag, den 03. Juli 2026 bis Montag, den 06. Juli 2026.

In den nächsten Tagen bleibt dieses Muster weitgehend erhalten. Während ein weiteres Tief mit dem außergewöhnlichen Namen „Ausynja“ im Norden und Osten Deutschlands für wechselhaftes, teils windiges Wetter sorgt, beeinflusst ein Ableger des Azorenhochs weiterhin den Südwesten. Dort zeigt sich vielfach die Sonne und Regen ist Mangelware. Auch bei der Temperatur macht sich dieses Gefälle bemerkbar: Während an den Küsten kaum 20 Grad erreicht werden, steigt die Höchsttemperatur am Oberrhein wieder auf Werte um 30 Grad. Da die Luft aber meist sehr trocken ist, kühlen die nächtlichen Temperaturen vielfach unter 17 Grad ab.

Im Laufe der nächsten Woche könnte der Sommer dann deutschlandweit zurückkehren. Unter Hochdruckeinfluss steigen die Temperaturen voraussichtlich wieder verbreitet auf sommerliches bis hochsommerliches Niveau an. Nach aktuellem Stand wird die Hitze jedoch nicht wieder das Ausmaß von Ende Juni erreichen.

M.Sc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2026
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Deutschlandwetter im Juni 2026

2. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juni 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,0 °C +5,2 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 22,6 °C +6,2 Grad
3 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 22,5 °C +5,7 Grad

Besonders kalte Orte im Juni 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,8 °C +4,7 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 15,9 °C +4,6 Grad
3 Schierke Sachsen-Anhalt 16,2 °C +3,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 214,4 l/m² 79 Prozent
2 Ruhpolding-Seehaus Bayern 204,4 l/m² 83 Prozent
3 Bischofswiesen-Winkl Bayern 196,5 l/m² 96 Prozent

Besonders trockene Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Kitzingen Bayern 13,3 l/m² 20 Prozent
2 Holzdorf Brandenburg 13,5 l/m² 21 Prozent
3 Loburg Sachsen-Anhalt 15,1 l/m² 28 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Konstanz Baden-Württemberg 300 Stunden 138 Prozent
2 Passau-Fürstenzell Bayern 300 Stunden 139 Prozent
3 Weihenstephan Bayern 297 Stunden 142 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Schwarzburg Thüringen 187 Stunden 91 Prozent
2 Oberstdorf Bayern 195 Stunden 115 Prozent
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 201 Stunden 118 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.07.2026
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Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

1. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein Blick auf die Wettervorhersage: Die App der Wahl – im besten Fall natürlich unsere WarnWetter-App – zeigt an, dass mit einem Schauer oder Gewitter gerechnet werden muss. Die Entscheidung lautet, das Regencape mitzunehmen. Wie sich herausstellt eine gute Wahl, denn tatsächlich regnet es zeitweise und in der Ferne ist sogar ein Blitz zu sehen. Abends wird aus reiner Neugierde ein bisschen zur Gewittervorhersage herumgestöbert und plötzlich springt das Wort „CAPE“ ins Auge. Huch, was hat denn nun mein Regenschutz mit Gewittern zu tun? Die Antwort ist natürlich: Eigentlich gar nichts außer der gleichen Buchstabenkombination.

In der Meteorologie ist CAPE nämlich die Abkürzung für „Convective Available Potential Energy“, zu deutsch „Konvektiv Verfügbare Potentielle Energie“. Konvektiv bedeutet hierbei, dass es zu vertikalen Luftbewegungen, wie zum Beispiel in einem Gewitter kommt. Beim Aufsteigen eines Luftpakets dehnt es sich aus und kühlt dabei ab. Wenn es dann im Vergleich zu der umgebenden Luft immer noch wärmer ist, dann beschleunigt es und steigt schneller auf. CAPE beschreibt nun für solche Fälle die maximale zur Verfügung stehende Energie, die in der Atmosphäre „gespeichert“ ist. Mathematisch wird das durch ein Integral über die Höhe beschrieben. Es beginnt am sogenannten Niveau der freien Konvektion, ab dem die Umgebungstemperatur kleiner ist als die des betrachteten gesättigten Wolkenteilchen. Endpunkt ist der Gleichgewichtspunkt, an dem die Temperaturen wieder gleich sind. Im Integral selbst fließt der Quotient der virtuellen Temperatur des Luftpartikels zu der der Umgebung ein. Was komplex und verwirrend zu beschreiben ist, lässt sich anhand eines Radiosondenaufstiegs ganz einfach graphisch interpretieren. Denn in einem Radiosondenaufstieg entspricht das CAPE ganz einfach der Fläche, die in der Skizze (Bild 1) rot gestreift ist. Die gelbe Fläche ist sozusagen der Gegenspieler des CAPEs und wird CIN (Convective INhibition, zu deutsch konvektive Hemmung) genannt. Dieses gibt die Energie an, die erst überwunden werden muss, damit ein Luftteilchen von alleine aufsteigt und es zur Wolken-/Gewitterbildung kommen kann.

Abb. 1: Skizze zur graphischen Bestimmung von CAPE (und CIN) anhand eines Radiosondenaufstieges. Quelle: Wikimedia Commons

Das CAPE ist stark abhängig von der Bodentemperatur und dem bodennahen Feuchtigkeitsgehalt. Das heißt, wie auch unsere Erfahrungswerte schon vermuten lassen, je heißer und schwüler die Luft, desto größer das CAPE und desto stärker können sich ausbildende Gewitter werden. Ganz grob lässt sich eine Einordnung wie folgt vornehmen.

CAPE [J/kg] Gewitterstärke
0 – 500 Schwach
500 – 1000 Mäßig
1000 – 2000 Stark
2000 – 3000 Sehr stark
3000+ Extrem

Jedoch ist CAPE nur eine „Zutat“, die Gewitter benötigen, um sich ausbilden und entwickeln zu können. Doch das ist eine Geschichte für ein andermal.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.07.2026
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Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

30. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag (30.06.) liegt eine Luftmassengrenze diagonal über der Mitte Deutschlands und trennt schwül-heiße Subtropikluft im Süden und Südosten von weniger warmer Meeresluft im Nordwesten (siehe Abbildung 1). Erst in der Nacht zum Mittwoch bekommt die Luftmassengrenze Schub und zieht als Kaltfront bis Mittwochnachmittag südostwärts durch.

Abb. 1: Satellitenbild, Fronten und Luftmassen am 30.06.2026, 10 Uhr.

Dieser Luftmassenwechsel geht – wie so oft – nicht geräuschlos über die Bühne. Schon ab Dienstagnachmittag und -abend bilden sich in der schwül-heißen Luft in der Südosthälfte vom Bergland ausgehend einzelne, teils heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen sowie lokalem Unwetterpotenzial. Richtig turbulent wird es aber erst in der Nacht zum Mittwoch. Dann werden die Gewitter von Südwesten her immer häufiger und schließen sich zu mehreren größeren Gewittersystemen zusammen. Dann besteht vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen erhöhte Unwettergefahr, insbesondere durch heftigen Starkregen (siehe Abbildung 2). Es können Mengen von 30 bis 50, örtlich sogar extreme Mengen um 80 l/qm auftreten. Das entspricht dem ein- bis anderthalbfachen einer üblichen Monatssumme an Niederschlag – binnen weniger Stunden wohlgemerkt. Dabei kann es zu Sturzfluten, Überschwemmungen, vollgelaufenen Kellern und Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie Erdrutschen kommen.

Abb. 2: Unwettergefahr Dienstagnacht und Mittwoch, 30.06./01.07.2026

Am Mittwoch ziehen die gewittrigen Starkniederschläge im Südosten und Osten nur langsam ostwärts ab. Besonders vom Alpenrand bis zur Oder und Neiße besteht dabei weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen.

Wie üblich bei einer Unwetterlage durch konvektive Umlagerungen (Schauer und Gewitter) bestehen selbst unmittelbar vor dem Ereignis noch Unsicherheiten. Wenn Sie in den betroffenen Regionen leben oder dort hinreisen, ist es deswegen ratsam, dass Sie sich stets über die aktuelle Wetter- und Warnlage informieren, beispielsweise im Internet unter www.dwd.de oder in unserer WarnWetter-App.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.06.2026
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Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

29. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut hat, dem dürften die gehäuften Meldungen über Waldbrände in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen sein. So brach am Samstagnachmittag am Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg in Rheinland-Pfalz ein Feuer aus, in einem Gebiet in dem schon häufiger alte Kampfmittel gefunden wurden – derartige Munition führte dann auch zu diversen Explosionen in dem vom Waldbrand betroffenen Gebiet. In der Gohrischheide im Landkreis Meißen an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg breitete sich ebenfalls am Samstagnachmittag ein Waldbrand aus, auch hier mit erschwerten Löschbedingungen durch Munitionsbelastung. Weitere Brände gab es beispielsweise in den Landkreisen Stendal und Harz in Sachsen-Anhalt sowie in der Oberpfalz.

Die Deutschlandkarte des Waldbrandgefahrenindex für den gestrigen Sonntag, den 28.06.2026.

Ein Blick auf die Deutschland-Karte des Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt, dass am Sonntag für weite Teile Deutschlands die zweithöchste Gefahrenstufe bestand, im Osten und Süden Deutschlands sogar gebietsweise die höchste Warnstufe. Am Samstag hatte sich bereits ein ähnliches Bild ergeben, was nicht verwundern dürfte, da wir uns am Wochenende mitten im Höhepunkt der historischen Hitzewelle befanden. So wurden am Samstag verbreitet Tageshöchsttemperaturen zwischen 37 und 41 °C gemessen (41,5 °C in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt), erwähnungswürdig niedriger blieb es nur an der Küste und in Hochlagen, wobei selbst auf Helgoland 30,4 °C und auf dem Brocken in 1135 m Höhe 29,3 °C gemessen wurden. Etwas niedriger blieben die Temperaturen ebenfalls im Nordwesten, wo hereinziehende hohe Bewölkung von Gewittern aus den Niederlanden sowie die teils schweren Gewitter im Nordosten Deutschlands die Einstrahlung dämpften. Am Sonntag hatte sich der Hochdruckschwerpunkt des Hitzedoms noch weiter in den Osten verlagert, der Tageshöchstwert von 41,7 °C wurde in Neißemünde-Coschen an der polnischen Grenze gemessen, während im Nordwesten niedrigere Temperaturen um 32 °C dazu beitrugen, dass hier verbreitet nur die Waldbrand-Gefahrenstufe 3 (mittlere Gefahr) herrschte. Ein weiterer Faktor für Letzteres war die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. So wurden in besagter Region insbesondere am Samstag nicht nur die höchsten Taupunkte als absolutes Feuchtigkeitsmaß gemessen, sondern es herrschte auch aufgrund der weniger heißen Temperaturen die höchste relative Luftfeuchte. Hinzu kam insbesondere im Norden noch der gefallene Niederschlag aus der Schwergewitterlage in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Hier sei erwähnt, dass mitunter eben jene hohe Luftfeuchtigkeit am Sonntag dazu beitrug, dass auch im Nordwesten, trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, verbreitet vor sehr starker Wärmebelastung gewarnt wurde.

Die Berechnung des Waldbrandgefahrenindex (WBI), welcher fortlaufend weiterentwickelt wird, ist komplexer als die einheitliche Abschätzung über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Eine einfließende Größe ist zum Beispiel das Gewicht der brennbaren Biomasse, welche abhängt von der Feuchte der Schicht aus Blatt- und Nadelresten am Waldboden, der Bodenfeuchte in Abhängigkeit von der Wald- und Bodenart und dem Blattflächenindex als Maß dafür wie dicht die Vegetation mit Blättern bedeckt ist. Über diese Größen wird eine Bilanz für die dreidimensionale Verteilung von Wasser und Ein- und Ausstrahlung errechnet, quasi ein Mikroklima des Waldes. Des Weiteren wird die Laufgeschwindigkeit einer potenziellen Feuerfront mit einbezogen, wobei die Windgeschwindigkeit maßgeblich mit einfließt. Letzten Endes wird der WBI anhand von stündlichen Messwerten von Temperatur, relativer Feuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate sowie der lang- und kurzwelligen Strahlung berechnet. Die Karten und Tabellen auf dem DWD Portal werden dann als maximale Gefahrenstufe für den jeweiligen Tag herausgegeben, welche generell aufgrund des Tagesgangs von Temperatur und relativer Feuchte am Nachmittag zu erwarten ist.

Der Waldbrandgefahrenindex ausgehend vom Sonntag (28.06.2026) und für die darauf folgenden vier Tage.

Der Blick auf die Verteilung des Waldbrandgefahrenindex als Vorhersage ausgehend vom gestrigen Sonntag zeigt eindrücklich, dass mit dem heutigen Montag das Ende der Hitzewelle eingeläutet wurde und dass wechselhafteres Wetter bevorsteht. Die am heutigen Montag erwarteten Maximaltemperaturen liegen verbreitet zwischen 25 und 28 Grad, an der Küste darunter, nur im äußersten Südosten wird bei Temperaturen über 30 Grad weiterhin vor starker Wärmebelastung gewarnt. Da trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen weiterhin sehr viel Wasser in der Luft enthalten ist, liegt die relative Feuchte recht hoch, was für das schwülwarme Wetterempfinden verantwortlich ist – insbesondere in Gewitternähe. Stichwort Gewitter: Ein weiterer Faktor für das verbreitete Herunterstufen des Waldbrandgefahrenindex – vor allem im Süden und Osten von der höchsten auf die niedrigste Warnstufe – sind die bereits gefallenen und noch erwarteten Niederschläge in den kommenden Tagen. In der vergangenen Nacht und am heutigen Montag sind in einem breiten Streifen quer über Deutschland verbreitet zwischen 5 und 20 l/m² zusammengekommen, teils auch deutlich darüber – entsprechend der andauernden Schwergewitterlage. Außen vor sind dabei bisher noch der Nordwesten sowie der äußerste Osten und Südosten, was sich auch im Waldbrandgefahrenindex abbildet. Am Dienstag und Mittwoch werden im Westen die höchsten Temperaturen erwartet – vom Oberrhein bis nach Rheinland-Pfalz und Südhessen teils über 30 Grad. Außerdem steht im Westen kaum Niederschlag an. Im Süden und Osten hingegen werden ab Dienstagabend erneut schwere Gewitter erwartet, die sich im Verlauf der Nacht voraussichtlich zu größeren Gewitter-Clustern zusammenschließen und potenziell mit extrem heftigem Starkregen über 40 l/m² in kurzer Zeit aufwarten. Auch der Mittwoch gestaltet sich insbesondere in der Südhälfte der Republik äußerst wechselhaft mit verbreitet auftretenden Gewittern sowie Dauerregen vor allem im Alpenvorland. Und am Donnerstag geht es wechselhaft weiter, wenn die Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee Deutschland überquert. Soweit dieser Rück- und Ausblick auf den Zusammenhang zwischen Wetter und Waldbrandrisiko.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2026
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Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

28. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die in einigen Regionen nun schon seit dem 18.06.2026 anhaltende Hitzewelle kann ohne Umschweife als historisch eingestuft werden. Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben. Heute nun ist der letzte Tag dieses Extremereignisses. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Großwetterlage

Hitzewellen gibt es immer wieder und es lässt sich dabei häufig die gleiche Konstellation in der Atmosphäre ausmachen. Verantwortlich ist in den meisten Fällen eine sogenannte Omegalage mit einem in allen Luftschichten sehr kräftigem Hochdruckgebiet über den betroffenen Regionen, flankiert von tiefem Luftdruck westlich und östlich davon. Eine solche Großwetterlage ist dafür bekannt recht stabil und lang anhaltend zu sein. Auch das ist typisch für Hitzewellen, die sich allmählich aufbauen.

Der Grund dafür ist, dass die Luft in Hochdruckgebieten absinkt und sich dabei erwärmt. Hält dieser Prozess längere Zeit an, kann sich eine sehr intensive Hitzewelle aufbauen. Schon im Vormonat gab es eine ähnliche Konstellation bei der ebenso historischen Mai-Hitzewelle.

Die Grafik zeigt die Druckverteilung in 500 hPa (~5700 m) Höhe vom 27.06.2026. Man erkennt eine klassische Omegalage.

Spitzenwerte

Die Hitzewelle in Deutschland erreicht seinen Höhepunkt an diesem Wochenende, und die Temperatur zeigt Spitzenwerte ungekannten Ausmaßes. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert gemessen. Dort war es also seit Aufzeichnungsbeginn noch nie so warm. Dabei sind auch Wetterstationen mit sehr langen Messreihen (z.B.: Jena Sternwarte mit 39.2 Grad, Aufzeichnungsbeginn 1824). An insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke von 40 Grad erreicht oder übertroffen. Selbst auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, wurde die 30 Grad Marke knapp geknackt und damit erstmals ein Hitzetag (>30 Grad) seit Aufzeichnungsbeginn gemessen.

Der höchste Messwert wurde in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am gestrigen Samstag mit 41.5 °C gemessen. Gefolgt von Seehausen (Sachsen-Anhalt), Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und Saarbrücken-Burbach (Saarland) mit jeweils 41.4 °C. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Wert heute nochmal übertroffen wird.

Auch bei den Minimumtemperaturen gab es in der vergangenen Nacht neue Höchstwerte. Die bisher wärmste Nacht wurde vom 12. auf den 13. August 2003 auf dem Weinbiet in der Pfalz mit 27.2 Grad gemessen. Dieser Wert wurde nun in Kubschütz im Kreis Bautzen (Ostsachsen) deutlich übertroffen dort ging die Temperatur zwischen 20 Uhr am Vorabend und 8 Uhr am heutigen Morgen, nicht unter 29.4 Grad zurück.

Es ist zu beachten, dass die Messwerte vorläufig sind und sich diese nach einer vom DWD durchgeführten zeitnahen Qualitätsprüfung nochmals ändern können.

Die Tabelle zeigt alle Stationen mit einem Maximum von mehr als 35 Grad (Sehr heiße Tage) und einem Minimum von über 25 Grad für diese Hitzewelle. Alle Werte sind vorläufig. Angaben in Grad Celcius.

Zeitraum und Andauer

Die heißeste Zeit des Jahres sind üblicherweise die „Hundstage“ Ende Juli bzw. Anfang August. Daher überrascht es auch nicht, dass viele der bisherigen Höchstwerte aus diesen beiden Monaten stammen.

Der Juni, der in der ersten Monatshälfte sogar leicht unterdurchschnittlich verlaufen ist, hat nie zuvor eine solche Hitzewelle hervorgebracht.

In einigen Regionen dauert die Hitzewelle seit dem 18.06.2026 und damit seit insgesamt elf Tagen, an. Es gibt viele Kennzahlen, die dies eindrücklich zeigen. So wurden bei der Anzahl an Sehr Heißen Tagen (Maximum über 35 Grad) neue Spitzenwerte aufgestellt. Bisher lag Sondershausen im Jahr 1947 ganz vorne, mit insgesamt sieben Tagen. Nun gibt es in Kitzingen (Bayern) oder auch in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) eine neue höchste Anzahl von elf.

Außerdem wurde zuvor noch nie in einem Juni ein Höchstwert von mehr als 40 Grad gemessen (alter Spitzenwert in Bernburg an der Saale am 30.06.2019 mit 39.6 Grad)

Auch bei den Nachttemperaturen wurde eine neue Höchstzahl an Tropennächten (Minimum >20 Grad) für einen Junimonat registriert. Nimmt man die Prognose für die Nacht auf Montag mit hinzu, könnte es beispielsweise in Mainz-Lerchenberg am ZDF-Studio insgesamt 11 Tropennächte geben. Der bisherige Höchstwert wurde in Freiburg im Jahr 2003 mit acht gemessen.

Die Tabellen zeigen den Verlauf der Hitzewellen 2003 und 2019, im Vergleich zu 2026 für ausgewählte Stationen. Angaben in Grad Celcius.

Zu sehen ist die Anzahl von Tropennächten (Minimum >20 Grad) und Sehr Heißen Tagen (Maximum >35 Grad) in Deutschland im Juni 2026. Visualisierung mtwetter.de

Großräumigkeit

Nicht nur in Deutschland werden neue Höchst- und höchste Tiefsttemperaturen erreicht. In vielen Ländern in Europa werden neue Spitzenwerte vermeldet. Einen nicht vollständigen Überblick gibt die folgende Tabelle. Da sich die Hitzewelle weiter ostwärts verlagert, sind heute und zu Beginn der Woche auch in anderen Ländern neue Höchstwerte zu erwarten.
Nie zuvor hat es in Europa eine vergleichbare Extremlage gegeben. (World Weather Attribution)

In der Tabelle stehen für ausgewählte Länder vorläufige neue Allzeitrekordwerte der Maximumtemperatur. Angaben in Grad Celcius.

Der menschengemachte Klimawandel als Ursache

Die oben zitierte Studie „World Weather Attribution“ Team zeigt auch, dass Temperaturen, wie sie in diesen Tagen gemessen werden, ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu ausgeschlossen sind.
Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr, wäre demnach im Jahr 1976 um 3.5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2 Grad kälter gewesen.
Wichtig ist zu verstehen, dass Europa sich doppelt so stark erwärmt, wie die globale Mitteltemperatur, die immer als Maß des globalen Klimawandels herangezogen wird. Zudem sind Extremwerte um ein Vielfaches höher, als die Mittelwerte. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1.5 K, bedeutet für Europa eine Erwärmung von etwa 3 K, die neuen Extremwerte können dabei nochmal deutlich größere Anomalien aufweisen.
Anlässlich des 50ten Jahrestages der historischen Hitzewelle von 1976 hat das Mettoffice eine Studie gemacht, wie die Spitzenwerte von damals heute und in Zukunft aussehen würden. Die 34 Grad von damals entsprächen bis 39 Grad im heutigen Klima und würden bis 45 Grad im Jahr 2056 bedeuten.

Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser historischen Hitzewelle sind vielfältig. Neben der Vielzahl an medizinischen Notfällen und Todesopfern, gibt es auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag eines jeden Menschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Leipzig wurde der komplette Straßenbahnverkehr eingestellt, weil die Fugenmasse zwischen Asphalt und Schiene sich verflüssigt hat (Leipziger Internetzeitung zu Straßenbahnschäden in Leipzig). Asphaltschäden gibt es auch auf vielen Autobahnen in Deutschland.
Ein anderes Beispiel ist die Stadt Offenbach, wo aufgrund des großen Wasserverbrauchs die Förderkapazitäten überschritten werden könnten und damit ein Engpass droht (Stadt Offenbach zu Wasserknappheit).

Die Extremhitze hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Wenn man mal vom vertrocknenden heimischen Garten absieht, so gibt es beispielsweise in vielen großen Flüssen Temperaturwerte um 30 Grad, die das Leben vieler Fische gefährdet.
In den Meeren rund um Europa gibt es große Anomalien der Wassertemperatur. Im Mittelmeer liegen diese zum Teil bei 7K über den vieljährigen Mittelwerten, was große Auswirkungen auf das Leben in den Meeren hat. Die NOAA beobachtet die Meere weltweit und hat die zweithöchste Stufe bei der „Marine Heat Watch“ für Teile des Mittelmeeres ausgerufen (Marine Heatwave Watch der NOAA).

Aussichten

Nach diesen schweißtreibenden Zahlen bleibt festzuhalten, dass es sich lohnt um jedes Zehntel der Erderwärmung zu kämpfen. Für die kommenden Tage deutet sich ein Ende der derzeitigen Hitzewelle an. In vielen Regionen Deutschlands liegen die Höchstwerte dann unter 30 Grad und auch nachts kann man endlich mal wieder durchlüften.

Bleibt zu hoffen, dass die sicher noch folgenden Hitzephasen im Juli und August nicht ganz so intensiv ausfallen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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