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Endlich wieder Durchlüften – aber wie lange?

3. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Was für ein Sommerwetter! Noch am vergangenen Wochenende schwitzte Deutschland bei neuen Hitzerekorden. Der vorläufige Höchstwert musste nach Prüfung der Messdaten sogar noch einmal angepasst werden. In Möckern-Drewitz lag die Maximaltemperatur am Samstag, den 27. Juni nicht bei 41,5 °C, sondern bei 41,8 °C – verursacht durch eine kurzzeitige Übertragungslücke. Der Wert bleibt bis zur Abschlussprüfung vorläufig, könnte dann jedoch einen neuen deutschen Temperaturrekord darstellen. Am Sonntag, den 28. Juni verzeichnete die Wetterstation im brandenburgischen Coschen 41,7 °C (ebenfalls vorläufiger Wert).

Im Anschluss folgten zu Beginn der Woche dann schwere Gewitter, die teilweise von extrem heftigem Starkregen begleitet wurden. Innerhalb von kürzester Zeit fielen lokal eng begrenzt sintflutartige Regenmengen vom Himmel. Am Dienstag, den 30. Juni, registrierten die Stationen Blumberg-Randen und Pfullendorf (beide Baden-Württemberg) Mengen nahe 50 l/m² in nur einer Stunde. Die bayerische Wetterstation Bad Staffelstein – Stublang zeichnete in der Nacht zum Mittwoch, den 01. Juli, 24,5 l/m² in nur 10 Minuten auf, die Station in Maßbach (ebenfalls Bayern) 40,5 l/m² in 24 Minuten.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Freitag, den 03. Juli 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 02. Juli 2026, 00 UTC.

Nach den teils unwetterartigen Gewittern stellte sich die Wetterlage schließlich grundlegend um. Am heutigen Freitag, den 03. Juli 2026, hat der Ausläufer des Ostseetiefs „Zoe“ die Hitze erst einmal aus Deutschland verdrängt. So konnte in der vergangenen Nacht zum Freitag bei teils einstelligen Tiefstwerten im Bereich der Mittelgebirge endlich wieder durchgelüftet werden. In Arnsberg-Neheim im Hochsauerland wurden sogar 7,4 °C gemessen. Kaum ist die Hitze vorbei, empfinden manche die Nächte schon wieder als zu kühl. Das Wetter macht es eben selten allen recht. Vielleicht ist es gerade deshalb eines der beliebtesten Gesprächsthemen.

Tiefsttemperaturen der vergangenen Nacht zum Freitag, den 03. Juli 2026.

Der Ausläufer von „Zoe“ liegt heute an den Alpen und sorgt dort noch für dichte Wolken, meist fällt jedoch kein Regen mehr. Im Norden und Osten sorgt hingegen ein Schwall höhenkalter Luft sowie die Nähe zu „Zoe“ für eine leichte Labilisierung der Atmosphäre. So können sich dort Quellwolken bilden, vereinzelt treten Schauer auf. Zusammen mit den dicht gedrängten Isobaren sorgt die Labilisierung dafür, dass der nordwestliche Wind kräftig auffrischt. Im Binnenland werden dabei steife bis stürmische Böen erwartet, an auflandigen Küstenabschnitten sogar Sturmböen.

Der stürmische Wind mutet zusammen mit der rückseitig des Tiefausläufers eingeflossenen subpolaren Meeresluft fast schon frühherbstlich an, denn die Höchstwerte steigen nicht mal mehr auf ein sommerliches Niveau an, bleiben also unter 25 Grad. An den Küsten werden kaum 20 Grad erreicht. Im Südwesten und Süden ist davon nichts zu spüren. Dort scheint im Tagesverlauf bei Höchstwerten bis 28 Grad vielfach die Sonne.

MOSMIX-Vorhersage der Tageshöchstwerte vom heutigen Freitag, den 03. Juli 2026 bis Montag, den 06. Juli 2026.

In den nächsten Tagen bleibt dieses Muster weitgehend erhalten. Während ein weiteres Tief mit dem außergewöhnlichen Namen „Ausynja“ im Norden und Osten Deutschlands für wechselhaftes, teils windiges Wetter sorgt, beeinflusst ein Ableger des Azorenhochs weiterhin den Südwesten. Dort zeigt sich vielfach die Sonne und Regen ist Mangelware. Auch bei der Temperatur macht sich dieses Gefälle bemerkbar: Während an den Küsten kaum 20 Grad erreicht werden, steigt die Höchsttemperatur am Oberrhein wieder auf Werte um 30 Grad. Da die Luft aber meist sehr trocken ist, kühlen die nächtlichen Temperaturen vielfach unter 17 Grad ab.

Im Laufe der nächsten Woche könnte der Sommer dann deutschlandweit zurückkehren. Unter Hochdruckeinfluss steigen die Temperaturen voraussichtlich wieder verbreitet auf sommerliches bis hochsommerliches Niveau an. Nach aktuellem Stand wird die Hitze jedoch nicht wieder das Ausmaß von Ende Juni erreichen.

M.Sc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Endlich-wieder-Durchlueften-aber-wie-lange-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-03 13:31:522026-07-13 22:48:37Endlich wieder Durchlüften – aber wie lange?

Deutschlandwetter im Juni 2026

2. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Juni 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,0 °C +5,2 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 22,6 °C +6,2 Grad
3 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 22,5 °C +5,7 Grad

Besonders kalte Orte im Juni 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,8 °C +4,7 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 15,9 °C +4,6 Grad
3 Schierke Sachsen-Anhalt 16,2 °C +3,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 214,4 l/m² 79 Prozent
2 Ruhpolding-Seehaus Bayern 204,4 l/m² 83 Prozent
3 Bischofswiesen-Winkl Bayern 196,5 l/m² 96 Prozent

Besonders trockene Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Kitzingen Bayern 13,3 l/m² 20 Prozent
2 Holzdorf Brandenburg 13,5 l/m² 21 Prozent
3 Loburg Sachsen-Anhalt 15,1 l/m² 28 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Konstanz Baden-Württemberg 300 Stunden 138 Prozent
2 Passau-Fürstenzell Bayern 300 Stunden 139 Prozent
3 Weihenstephan Bayern 297 Stunden 142 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juni 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Schwarzburg Thüringen 187 Stunden 91 Prozent
2 Oberstdorf Bayern 195 Stunden 115 Prozent
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 201 Stunden 118 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-02 12:31:092026-07-13 22:48:32Deutschlandwetter im Juni 2026

Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

1. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein Blick auf die Wettervorhersage: Die App der Wahl – im besten Fall natürlich unsere WarnWetter-App – zeigt an, dass mit einem Schauer oder Gewitter gerechnet werden muss. Die Entscheidung lautet, das Regencape mitzunehmen. Wie sich herausstellt eine gute Wahl, denn tatsächlich regnet es zeitweise und in der Ferne ist sogar ein Blitz zu sehen. Abends wird aus reiner Neugierde ein bisschen zur Gewittervorhersage herumgestöbert und plötzlich springt das Wort „CAPE“ ins Auge. Huch, was hat denn nun mein Regenschutz mit Gewittern zu tun? Die Antwort ist natürlich: Eigentlich gar nichts außer der gleichen Buchstabenkombination.

In der Meteorologie ist CAPE nämlich die Abkürzung für „Convective Available Potential Energy“, zu deutsch „Konvektiv Verfügbare Potentielle Energie“. Konvektiv bedeutet hierbei, dass es zu vertikalen Luftbewegungen, wie zum Beispiel in einem Gewitter kommt. Beim Aufsteigen eines Luftpakets dehnt es sich aus und kühlt dabei ab. Wenn es dann im Vergleich zu der umgebenden Luft immer noch wärmer ist, dann beschleunigt es und steigt schneller auf. CAPE beschreibt nun für solche Fälle die maximale zur Verfügung stehende Energie, die in der Atmosphäre „gespeichert“ ist. Mathematisch wird das durch ein Integral über die Höhe beschrieben. Es beginnt am sogenannten Niveau der freien Konvektion, ab dem die Umgebungstemperatur kleiner ist als die des betrachteten gesättigten Wolkenteilchen. Endpunkt ist der Gleichgewichtspunkt, an dem die Temperaturen wieder gleich sind. Im Integral selbst fließt der Quotient der virtuellen Temperatur des Luftpartikels zu der der Umgebung ein. Was komplex und verwirrend zu beschreiben ist, lässt sich anhand eines Radiosondenaufstiegs ganz einfach graphisch interpretieren. Denn in einem Radiosondenaufstieg entspricht das CAPE ganz einfach der Fläche, die in der Skizze (Bild 1) rot gestreift ist. Die gelbe Fläche ist sozusagen der Gegenspieler des CAPEs und wird CIN (Convective INhibition, zu deutsch konvektive Hemmung) genannt. Dieses gibt die Energie an, die erst überwunden werden muss, damit ein Luftteilchen von alleine aufsteigt und es zur Wolken-/Gewitterbildung kommen kann.

Abb. 1: Skizze zur graphischen Bestimmung von CAPE (und CIN) anhand eines Radiosondenaufstieges. Quelle: Wikimedia Commons

Das CAPE ist stark abhängig von der Bodentemperatur und dem bodennahen Feuchtigkeitsgehalt. Das heißt, wie auch unsere Erfahrungswerte schon vermuten lassen, je heißer und schwüler die Luft, desto größer das CAPE und desto stärker können sich ausbildende Gewitter werden. Ganz grob lässt sich eine Einordnung wie folgt vornehmen.

CAPE [J/kg] Gewitterstärke
0 – 500 Schwach
500 – 1000 Mäßig
1000 – 2000 Stark
2000 – 3000 Sehr stark
3000+ Extrem

Jedoch ist CAPE nur eine „Zutat“, die Gewitter benötigen, um sich ausbilden und entwickeln zu können. Doch das ist eine Geschichte für ein andermal.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Von-Regenbekleidung-und-Gewitterenergie.jpg 1123 794 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-01 16:22:242026-07-13 22:48:28Von Regenbekleidung und Gewitterenergie

Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

30. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag (30.06.) liegt eine Luftmassengrenze diagonal über der Mitte Deutschlands und trennt schwül-heiße Subtropikluft im Süden und Südosten von weniger warmer Meeresluft im Nordwesten (siehe Abbildung 1). Erst in der Nacht zum Mittwoch bekommt die Luftmassengrenze Schub und zieht als Kaltfront bis Mittwochnachmittag südostwärts durch.

Abb. 1: Satellitenbild, Fronten und Luftmassen am 30.06.2026, 10 Uhr.

Dieser Luftmassenwechsel geht – wie so oft – nicht geräuschlos über die Bühne. Schon ab Dienstagnachmittag und -abend bilden sich in der schwül-heißen Luft in der Südosthälfte vom Bergland ausgehend einzelne, teils heftige Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen sowie lokalem Unwetterpotenzial. Richtig turbulent wird es aber erst in der Nacht zum Mittwoch. Dann werden die Gewitter von Südwesten her immer häufiger und schließen sich zu mehreren größeren Gewittersystemen zusammen. Dann besteht vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen erhöhte Unwettergefahr, insbesondere durch heftigen Starkregen (siehe Abbildung 2). Es können Mengen von 30 bis 50, örtlich sogar extreme Mengen um 80 l/qm auftreten. Das entspricht dem ein- bis anderthalbfachen einer üblichen Monatssumme an Niederschlag – binnen weniger Stunden wohlgemerkt. Dabei kann es zu Sturzfluten, Überschwemmungen, vollgelaufenen Kellern und Hochwasser an kleinen Bächen und Flüssen sowie Erdrutschen kommen.

Abb. 2: Unwettergefahr Dienstagnacht und Mittwoch, 30.06./01.07.2026

Am Mittwoch ziehen die gewittrigen Starkniederschläge im Südosten und Osten nur langsam ostwärts ab. Besonders vom Alpenrand bis zur Oder und Neiße besteht dabei weiterhin Unwettergefahr durch heftigen Starkregen.

Wie üblich bei einer Unwetterlage durch konvektive Umlagerungen (Schauer und Gewitter) bestehen selbst unmittelbar vor dem Ereignis noch Unsicherheiten. Wenn Sie in den betroffenen Regionen leben oder dort hinreisen, ist es deswegen ratsam, dass Sie sich stets über die aktuelle Wetter- und Warnlage informieren, beispielsweise im Internet unter www.dwd.de oder in unserer WarnWetter-App.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Luftmassenwechsel-bringt-teils-heftige-Gewitter-und-Starkniederschlaege-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-30 14:09:312026-07-13 22:48:24Luftmassenwechsel bringt teils heftige Gewitter und Starkniederschläge

Wie das Wetter die Waldbrandgefahr bestimmt

29. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den letzten Tagen Zeitung gelesen oder Nachrichten geschaut hat, dem dürften die gehäuften Meldungen über Waldbrände in verschiedenen Regionen der Bundesrepublik aufgefallen sein. So brach am Samstagnachmittag am Rotenfels bei Bad Münster am Stein-Ebernburg in Rheinland-Pfalz ein Feuer aus, in einem Gebiet in dem schon häufiger alte Kampfmittel gefunden wurden – derartige Munition führte dann auch zu diversen Explosionen in dem vom Waldbrand betroffenen Gebiet. In der Gohrischheide im Landkreis Meißen an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg breitete sich ebenfalls am Samstagnachmittag ein Waldbrand aus, auch hier mit erschwerten Löschbedingungen durch Munitionsbelastung. Weitere Brände gab es beispielsweise in den Landkreisen Stendal und Harz in Sachsen-Anhalt sowie in der Oberpfalz.

Die Deutschlandkarte des Waldbrandgefahrenindex für den gestrigen Sonntag, den 28.06.2026.

Ein Blick auf die Deutschland-Karte des Waldbrandgefahrenindex des DWD zeigt, dass am Sonntag für weite Teile Deutschlands die zweithöchste Gefahrenstufe bestand, im Osten und Süden Deutschlands sogar gebietsweise die höchste Warnstufe. Am Samstag hatte sich bereits ein ähnliches Bild ergeben, was nicht verwundern dürfte, da wir uns am Wochenende mitten im Höhepunkt der historischen Hitzewelle befanden. So wurden am Samstag verbreitet Tageshöchsttemperaturen zwischen 37 und 41 °C gemessen (41,5 °C in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt), erwähnungswürdig niedriger blieb es nur an der Küste und in Hochlagen, wobei selbst auf Helgoland 30,4 °C und auf dem Brocken in 1135 m Höhe 29,3 °C gemessen wurden. Etwas niedriger blieben die Temperaturen ebenfalls im Nordwesten, wo hereinziehende hohe Bewölkung von Gewittern aus den Niederlanden sowie die teils schweren Gewitter im Nordosten Deutschlands die Einstrahlung dämpften. Am Sonntag hatte sich der Hochdruckschwerpunkt des Hitzedoms noch weiter in den Osten verlagert, der Tageshöchstwert von 41,7 °C wurde in Neißemünde-Coschen an der polnischen Grenze gemessen, während im Nordwesten niedrigere Temperaturen um 32 °C dazu beitrugen, dass hier verbreitet nur die Waldbrand-Gefahrenstufe 3 (mittlere Gefahr) herrschte. Ein weiterer Faktor für Letzteres war die Verteilung der Luftfeuchtigkeit. So wurden in besagter Region insbesondere am Samstag nicht nur die höchsten Taupunkte als absolutes Feuchtigkeitsmaß gemessen, sondern es herrschte auch aufgrund der weniger heißen Temperaturen die höchste relative Luftfeuchte. Hinzu kam insbesondere im Norden noch der gefallene Niederschlag aus der Schwergewitterlage in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Hier sei erwähnt, dass mitunter eben jene hohe Luftfeuchtigkeit am Sonntag dazu beitrug, dass auch im Nordwesten, trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen, verbreitet vor sehr starker Wärmebelastung gewarnt wurde.

Die Berechnung des Waldbrandgefahrenindex (WBI), welcher fortlaufend weiterentwickelt wird, ist komplexer als die einheitliche Abschätzung über Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag. Eine einfließende Größe ist zum Beispiel das Gewicht der brennbaren Biomasse, welche abhängt von der Feuchte der Schicht aus Blatt- und Nadelresten am Waldboden, der Bodenfeuchte in Abhängigkeit von der Wald- und Bodenart und dem Blattflächenindex als Maß dafür wie dicht die Vegetation mit Blättern bedeckt ist. Über diese Größen wird eine Bilanz für die dreidimensionale Verteilung von Wasser und Ein- und Ausstrahlung errechnet, quasi ein Mikroklima des Waldes. Des Weiteren wird die Laufgeschwindigkeit einer potenziellen Feuerfront mit einbezogen, wobei die Windgeschwindigkeit maßgeblich mit einfließt. Letzten Endes wird der WBI anhand von stündlichen Messwerten von Temperatur, relativer Feuchte, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsrate sowie der lang- und kurzwelligen Strahlung berechnet. Die Karten und Tabellen auf dem DWD Portal werden dann als maximale Gefahrenstufe für den jeweiligen Tag herausgegeben, welche generell aufgrund des Tagesgangs von Temperatur und relativer Feuchte am Nachmittag zu erwarten ist.

Der Waldbrandgefahrenindex ausgehend vom Sonntag (28.06.2026) und für die darauf folgenden vier Tage.

Der Blick auf die Verteilung des Waldbrandgefahrenindex als Vorhersage ausgehend vom gestrigen Sonntag zeigt eindrücklich, dass mit dem heutigen Montag das Ende der Hitzewelle eingeläutet wurde und dass wechselhafteres Wetter bevorsteht. Die am heutigen Montag erwarteten Maximaltemperaturen liegen verbreitet zwischen 25 und 28 Grad, an der Küste darunter, nur im äußersten Südosten wird bei Temperaturen über 30 Grad weiterhin vor starker Wärmebelastung gewarnt. Da trotz der vergleichsweise niedrigen Temperaturen weiterhin sehr viel Wasser in der Luft enthalten ist, liegt die relative Feuchte recht hoch, was für das schwülwarme Wetterempfinden verantwortlich ist – insbesondere in Gewitternähe. Stichwort Gewitter: Ein weiterer Faktor für das verbreitete Herunterstufen des Waldbrandgefahrenindex – vor allem im Süden und Osten von der höchsten auf die niedrigste Warnstufe – sind die bereits gefallenen und noch erwarteten Niederschläge in den kommenden Tagen. In der vergangenen Nacht und am heutigen Montag sind in einem breiten Streifen quer über Deutschland verbreitet zwischen 5 und 20 l/m² zusammengekommen, teils auch deutlich darüber – entsprechend der andauernden Schwergewitterlage. Außen vor sind dabei bisher noch der Nordwesten sowie der äußerste Osten und Südosten, was sich auch im Waldbrandgefahrenindex abbildet. Am Dienstag und Mittwoch werden im Westen die höchsten Temperaturen erwartet – vom Oberrhein bis nach Rheinland-Pfalz und Südhessen teils über 30 Grad. Außerdem steht im Westen kaum Niederschlag an. Im Süden und Osten hingegen werden ab Dienstagabend erneut schwere Gewitter erwartet, die sich im Verlauf der Nacht voraussichtlich zu größeren Gewitter-Clustern zusammenschließen und potenziell mit extrem heftigem Starkregen über 40 l/m² in kurzer Zeit aufwarten. Auch der Mittwoch gestaltet sich insbesondere in der Südhälfte der Republik äußerst wechselhaft mit verbreitet auftretenden Gewittern sowie Dauerregen vor allem im Alpenvorland. Und am Donnerstag geht es wechselhaft weiter, wenn die Kaltfront eines Tiefs über der Nordsee Deutschland überquert. Soweit dieser Rück- und Ausblick auf den Zusammenhang zwischen Wetter und Waldbrandrisiko.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

28. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die in einigen Regionen nun schon seit dem 18.06.2026 anhaltende Hitzewelle kann ohne Umschweife als historisch eingestuft werden. Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben. Heute nun ist der letzte Tag dieses Extremereignisses. Zeit eine erste Bilanz zu ziehen.

Großwetterlage

Hitzewellen gibt es immer wieder und es lässt sich dabei häufig die gleiche Konstellation in der Atmosphäre ausmachen. Verantwortlich ist in den meisten Fällen eine sogenannte Omegalage mit einem in allen Luftschichten sehr kräftigem Hochdruckgebiet über den betroffenen Regionen, flankiert von tiefem Luftdruck westlich und östlich davon. Eine solche Großwetterlage ist dafür bekannt recht stabil und lang anhaltend zu sein. Auch das ist typisch für Hitzewellen, die sich allmählich aufbauen.

Der Grund dafür ist, dass die Luft in Hochdruckgebieten absinkt und sich dabei erwärmt. Hält dieser Prozess längere Zeit an, kann sich eine sehr intensive Hitzewelle aufbauen. Schon im Vormonat gab es eine ähnliche Konstellation bei der ebenso historischen Mai-Hitzewelle.

Die Grafik zeigt die Druckverteilung in 500 hPa (~5700 m) Höhe vom 27.06.2026. Man erkennt eine klassische Omegalage.

Spitzenwerte

Die Hitzewelle in Deutschland erreicht seinen Höhepunkt an diesem Wochenende, und die Temperatur zeigt Spitzenwerte ungekannten Ausmaßes. An 252 Wetterstationen wurde ein neuer Allzeithöchstwert gemessen. Dort war es also seit Aufzeichnungsbeginn noch nie so warm. Dabei sind auch Wetterstationen mit sehr langen Messreihen (z.B.: Jena Sternwarte mit 39.2 Grad, Aufzeichnungsbeginn 1824). An insgesamt 46 Stationen in elf Bundesländern wurde die Temperaturmarke von 40 Grad erreicht oder übertroffen. Selbst auf Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland, wurde die 30 Grad Marke knapp geknackt und damit erstmals ein Hitzetag (>30 Grad) seit Aufzeichnungsbeginn gemessen.

Der höchste Messwert wurde in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am gestrigen Samstag mit 41.5 °C gemessen. Gefolgt von Seehausen (Sachsen-Anhalt), Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) und Saarbrücken-Burbach (Saarland) mit jeweils 41.4 °C. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieser Wert heute nochmal übertroffen wird.

Auch bei den Minimumtemperaturen gab es in der vergangenen Nacht neue Höchstwerte. Die bisher wärmste Nacht wurde vom 12. auf den 13. August 2003 auf dem Weinbiet in der Pfalz mit 27.2 Grad gemessen. Dieser Wert wurde nun in Kubschütz im Kreis Bautzen (Ostsachsen) deutlich übertroffen dort ging die Temperatur zwischen 20 Uhr am Vorabend und 8 Uhr am heutigen Morgen, nicht unter 29.4 Grad zurück.

Es ist zu beachten, dass die Messwerte vorläufig sind und sich diese nach einer vom DWD durchgeführten zeitnahen Qualitätsprüfung nochmals ändern können.

Die Tabelle zeigt alle Stationen mit einem Maximum von mehr als 35 Grad (Sehr heiße Tage) und einem Minimum von über 25 Grad für diese Hitzewelle. Alle Werte sind vorläufig. Angaben in Grad Celcius.

Zeitraum und Andauer

Die heißeste Zeit des Jahres sind üblicherweise die „Hundstage“ Ende Juli bzw. Anfang August. Daher überrascht es auch nicht, dass viele der bisherigen Höchstwerte aus diesen beiden Monaten stammen.

Der Juni, der in der ersten Monatshälfte sogar leicht unterdurchschnittlich verlaufen ist, hat nie zuvor eine solche Hitzewelle hervorgebracht.

In einigen Regionen dauert die Hitzewelle seit dem 18.06.2026 und damit seit insgesamt elf Tagen, an. Es gibt viele Kennzahlen, die dies eindrücklich zeigen. So wurden bei der Anzahl an Sehr Heißen Tagen (Maximum über 35 Grad) neue Spitzenwerte aufgestellt. Bisher lag Sondershausen im Jahr 1947 ganz vorne, mit insgesamt sieben Tagen. Nun gibt es in Kitzingen (Bayern) oder auch in Waghäusel-Kirrlach (Baden-Württemberg) eine neue höchste Anzahl von elf.

Außerdem wurde zuvor noch nie in einem Juni ein Höchstwert von mehr als 40 Grad gemessen (alter Spitzenwert in Bernburg an der Saale am 30.06.2019 mit 39.6 Grad)

Auch bei den Nachttemperaturen wurde eine neue Höchstzahl an Tropennächten (Minimum >20 Grad) für einen Junimonat registriert. Nimmt man die Prognose für die Nacht auf Montag mit hinzu, könnte es beispielsweise in Mainz-Lerchenberg am ZDF-Studio insgesamt 11 Tropennächte geben. Der bisherige Höchstwert wurde in Freiburg im Jahr 2003 mit acht gemessen.

Die Tabellen zeigen den Verlauf der Hitzewellen 2003 und 2019, im Vergleich zu 2026 für ausgewählte Stationen. Angaben in Grad Celcius.

Zu sehen ist die Anzahl von Tropennächten (Minimum >20 Grad) und Sehr Heißen Tagen (Maximum >35 Grad) in Deutschland im Juni 2026. Visualisierung mtwetter.de

Großräumigkeit

Nicht nur in Deutschland werden neue Höchst- und höchste Tiefsttemperaturen erreicht. In vielen Ländern in Europa werden neue Spitzenwerte vermeldet. Einen nicht vollständigen Überblick gibt die folgende Tabelle. Da sich die Hitzewelle weiter ostwärts verlagert, sind heute und zu Beginn der Woche auch in anderen Ländern neue Höchstwerte zu erwarten.
Nie zuvor hat es in Europa eine vergleichbare Extremlage gegeben. (World Weather Attribution)

In der Tabelle stehen für ausgewählte Länder vorläufige neue Allzeitrekordwerte der Maximumtemperatur. Angaben in Grad Celcius.

Der menschengemachte Klimawandel als Ursache

Die oben zitierte Studie „World Weather Attribution“ Team zeigt auch, dass Temperaturen, wie sie in diesen Tagen gemessen werden, ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu ausgeschlossen sind.
Eine vergleichbare Juni-Hitzewelle wie in diesem Jahr, wäre demnach im Jahr 1976 um 3.5 Grad kälter gewesen und im Jahr 2003 um etwa 2 Grad kälter gewesen.
Wichtig ist zu verstehen, dass Europa sich doppelt so stark erwärmt, wie die globale Mitteltemperatur, die immer als Maß des globalen Klimawandels herangezogen wird. Zudem sind Extremwerte um ein Vielfaches höher, als die Mittelwerte. Ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1.5 K, bedeutet für Europa eine Erwärmung von etwa 3 K, die neuen Extremwerte können dabei nochmal deutlich größere Anomalien aufweisen.
Anlässlich des 50ten Jahrestages der historischen Hitzewelle von 1976 hat das Mettoffice eine Studie gemacht, wie die Spitzenwerte von damals heute und in Zukunft aussehen würden. Die 34 Grad von damals entsprächen bis 39 Grad im heutigen Klima und würden bis 45 Grad im Jahr 2056 bedeuten.

Auswirkungen

Die Auswirkungen dieser historischen Hitzewelle sind vielfältig. Neben der Vielzahl an medizinischen Notfällen und Todesopfern, gibt es auch ganz konkrete Auswirkungen auf den Alltag eines jeden Menschen. Um nur zwei Beispiele zu nennen: In Leipzig wurde der komplette Straßenbahnverkehr eingestellt, weil die Fugenmasse zwischen Asphalt und Schiene sich verflüssigt hat (Leipziger Internetzeitung zu Straßenbahnschäden in Leipzig). Asphaltschäden gibt es auch auf vielen Autobahnen in Deutschland.
Ein anderes Beispiel ist die Stadt Offenbach, wo aufgrund des großen Wasserverbrauchs die Förderkapazitäten überschritten werden könnten und damit ein Engpass droht (Stadt Offenbach zu Wasserknappheit).

Die Extremhitze hat aber auch weitreichende Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Wenn man mal vom vertrocknenden heimischen Garten absieht, so gibt es beispielsweise in vielen großen Flüssen Temperaturwerte um 30 Grad, die das Leben vieler Fische gefährdet.
In den Meeren rund um Europa gibt es große Anomalien der Wassertemperatur. Im Mittelmeer liegen diese zum Teil bei 7K über den vieljährigen Mittelwerten, was große Auswirkungen auf das Leben in den Meeren hat. Die NOAA beobachtet die Meere weltweit und hat die zweithöchste Stufe bei der „Marine Heat Watch“ für Teile des Mittelmeeres ausgerufen (Marine Heatwave Watch der NOAA).

Aussichten

Nach diesen schweißtreibenden Zahlen bleibt festzuhalten, dass es sich lohnt um jedes Zehntel der Erderwärmung zu kämpfen. Für die kommenden Tage deutet sich ein Ende der derzeitigen Hitzewelle an. In vielen Regionen Deutschlands liegen die Höchstwerte dann unter 30 Grad und auch nachts kann man endlich mal wieder durchlüften.

Bleibt zu hoffen, dass die sicher noch folgenden Hitzephasen im Juli und August nicht ganz so intensiv ausfallen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Eine-Hitzewelle-fuer-die-Geschichtsbuecher-–-Eine-erste-vorlaeufige-Bilanz-1.png 864 1302 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-28 13:08:502026-07-04 14:21:50Eine Hitzewelle für die Geschichtsbücher – Eine erste vorläufige Bilanz

Hitze, Blitz und Donner!

27. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit Tagen ächzt Deutschland unter der andauernden Hitze. Nahezu ungestörter Hochdruckeinfluss hat die Temperaturen kontinuierlich ansteigen lassen, sodass die Hitze jetzt zum Wochenende ihren Höhepunkt erreicht.

Aber schon gestern ist der Temperaturrekord gebrochen worden. Die endgültige Überprüfung steht noch aus, jedoch zeigte die Station Saarbrücken-Burbach eine Höchsttemperatur von 41,3 °C. Der vorherige höchste jemals vermeldete Rekord lag knapp darunter: Die Stationen Duisburg-Baerl und Tönisvorst hatten im Juli 2019 41,2 °C gemessen. Die Modelle haben für heute und Sonntag stellenweise 41 °C prognostiziert und kommen damit dem gerade eben erst erreichten Rekordwert ein weiteres Mal bestürzend nahe!

Also heißt es: Durchhalten! Es stehen uns zwar großflächig Tropennächte bevor, das heißt die nächtliche Temperatur sinkt nicht unter 20 °C. Am Montag sollen die Temperaturen jedoch größtenteils unter 30 Grad sinken. Leider steigt bis dahin die Feuchte und die Schwüle wird sich auch nicht ganz so angenehm anfühlen.

Doch nicht nur Hitze, sondern auch eine zunehmende Gewitter-/Unwettergefahr steht an. Schon heute Nachmittag haben sich einzelne, aber durchaus kräftige Gewitter gebildet. In der heißen Luftmasse steht den Gewittern viel Energie zur Verfügung und wenn es einmal anfängt, kann es ordentlich Krachen und wie aus Kübeln schütten. Potentiell schadensträchtigste Entwicklungen stehen in der heutigen Nacht zum Sonntag im Nordwesten an. Eine offizielle Vorabinformation ist schon herausgegeben. Es soll ein sogenanntes mesoskaliges konvektives System (MCS) von den Niederlanden in nordöstliche Richtung ziehen. Diese hoch organisierte Gewitterstruktur kann auch nachts lange bestehen. Ein ganzes Potpourri an Begleiterscheinungen geht damit einher. Schwere Sturmböen bis 100 km/h können beispielsweise Äste brechen lassen, lokal sind sogar Orkanböen nicht ausgeschlossen. Dazu besteht die Möglichkeit, dass Hagelkörner etwa auf die Größe eines Tischtennisballs anwachsen. Außerdem können kleinräumig auch über 40 l/m² Regen in einer oder wenigen Stunden herunterprasseln.

Was den Sonntag betrifft, so wird auch dieser nicht ruhig. Es geht relativ gemäßigt mit nur einzelnen Gewittern los, am Nachmittag sollen sich aber wieder kräftige Gewitter entwickeln. Dieses Mal steht der Westen im Fokus. Im Laufe der Nacht bis in die Frühstunden des Montags zieht dieser Komplex nach Nordosten. Unwettergefahr besteht dabei erneut, lokal ist mit dem in rauen Mengen anzapfbaren Wasserdampf und der verfügbaren Energie auch extremes Unwetter nicht ausgeschlossen.
Das Wetter hält also noch einiges für uns bereit. Hoffen wir, dass die Gewitter glimpflich verlaufen und die Abkühlung zur nächsten Woche Linderung bringt!

Temperaturaussichten für die nächsten Tage. (Quelle:DWD)

M.Sc. Met.Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Hitze-Blitz-und-Donner.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-27 16:53:262026-07-04 14:21:47Hitze, Blitz und Donner!

Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

26. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurden die Entwicklung und Verfeinerung erster meteorologischer Messinstrumente im Zeitalter der Aufklärung beschrieben. Dieser Teil der Serie setzt sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1700 auseinander.

Im Jahr 1688 begann die 1666 gegründete Französische Akademie der Wissenschaften, systematische Messungen des Luftdrucks, der Temperatur, des Niederschlags und Beobachtungen von Wetterphänomenen zu installieren. Diese Messungen und Beobachtungen wurden im jährlichen Bericht der Akademie veröffentlicht. Ein größeres Messnetz wurde nicht aufgebaut, nennenswerte Messungen liegen aus Dijon und der Umgebung davon vor. Die Idee für eine systematische Aufzeichnung meteorologischer Daten war bemerkenswert.

Der englische Botaniker James Cuninghame (um 1665–1709) führte von Oktober 1698 bis Januar 1699 während einer Expeditionsreise auf der Insel Amoy (heute Xiamen) in China systematische Messungen von Luftdruck, Temperatur und Wind durch und beobachtete andere Wetterphänomene. Diese Daten wurden 1699 im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England veröffentlicht und stellen nach heutigem Kenntnisstand die ältesten systematischen meteorologischen Messungen in China dar.

Der dänische Astronom Ole Rømer (1644–1710) begann in den frühen 1690er Jahren, die Lufttemperatur zu messen und aufzuzeichnen, um deren Auswirkungen auf seine astronomische Arbeit zu berücksichtigen. Ab 1702 baute er seine eigenen Spiritus-Thermometer. Er entwickelte auch eine Temperaturskala für deren Verwendung, in der der Gefrierpunkt von Wasser bei 7,5 Grad und sein Siedepunkt bei 60 Grad lag. Auf dieser Skala entspräche 0 °Rø den heutigen -22,5 °C. Dies stimmt qualitativ mit den Messungen überein, die Rømer im sehr kalten Winter 1709 mit seiner Waage durchgeführt hat.

Als sich der englische Astronom John Flamsteed (1646–1719) die Funktionsweise eines Barometers nach Art von Torricelli erklären ließ, kam ihm die Idee, dieses Instrument zur Vorhersage des Wetters zu nutzen. In der Folge konstruierte er eigene Barometer. Er stellte fest, dass nach einer Phase mit hohem Luftdruck (d.h. hohem Barometerstand) auf einen Rückgang des Barometerstands innerhalb von ein bis drei Tagen Wind oder Regen folgte, abhängig vom ursprünglichen Quecksilberstand und der Geschwindigkeit der Veränderung.

Der englische Astronom Edmond Halley oder Edmund Halley (1656–1742) interessierte sich auch für Meteorologie und den Erdmagnetismus. Bereits 1678 versuchte Halley, die allgemeine Zirkulation der Luft zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte. Beides brachte er mit der ungleichmäßigen Sonneneinstrahlung auf die Erde in Verbindung. Moderne Vorstellungen davon, wie die Verteilung der Sonneneinstrahlung die allgemeine Zirkulation in der Atmosphäre steuert, lassen sich daher auf Halley zurückführen. Im Jahr 1686 stellte Halley erstmals einen mathematischen Zusammenhang zwischen dem Luftdruck und der Höhe über dem Meeresspiegel her. Im selben Jahr zeichnete er eine Karte, die als erste meteorologische Karte gilt. Sie deckt einen großen Teil der Welt ab und die Passatwinde sowie die Monsunwinde sind so dargestellt, dass sie, wie er erklärte, „besser verstanden werden kann als durch jede noch so ausführliche verbale Beschreibung“. In seiner Karte wurden die Winde dadurch symbolisiert, dass „die spitzen Enden der einzelnen Striche auf jenen Teil des Horizonts zeigten, von dem der Wind ständig weht; und dort, wo Monsune herrschen, verlaufen die Strichreihen abwechselnd vorwärts und rückwärts, wodurch sie dichter sind als anderswo.“

Karte der Passatwinde, Edmond Halley, 1686, Quelle: Princeton University Library, Princeton, New Jersey, über Wikimedia Commons

Halley führte im Hauptsitz der Royal Society of London einige Experimente zur Messung der Verdunstung durch und nutzte diese Messungen zusammen mit seinen Schätzungen zum Abfluss der Themse, um den Zufluss der Flüsse ins Mittelmeer und die Verdunstung aus dem Mittelmeer zu berechnen. Dies ist ein sehr frühes Beispiel für eine wissenschaftliche hydrologische Untersuchung. Im Jahr 1700 erkannte Halley, dass Werte der magnetischen Deklination als Konturlinien auf einer Karte dargestellt werden konnten, und erstellte die erste derartige Karte für das Gebiet, das sich von Europa und Afrika westwärts bis nach Amerika erstreckte. Er interessierte sich auch für die Polarlichter und vermutete 1716, dass „die Polarlichter durch ‚magnetische Ausdünstungen‘ verursacht werden, die sich entlang der Magnetfeldlinien der Erde bewegen“. Mit anderen Worten: Er postulierte, dass die Polarlichtvorhänge mit den Projektionen des Erdmagnetfelds in die obere Atmosphäre ausgerichtet sind.

Der Gelehrte Luigi Ferdinando Marsigli (1658–1730) aus der Romagna untersuchte Windmuster, Strömungen und Wasserstandsänderungen am Bosporus. Die Untersuchungen zum Wind stellen die ersten meteorologischen Beobachtungen im Osmanischen Reich dar.

Der Alchemist, Chemiker und Mediziner Georg Ernst Stahl (1659–1734) aus Franken entwickelte die Phlogistontheorie, welche die erste umfassende Theorie in der in der Entstehung begriffenen Wissenschaft der Chemie darstellte. Sie fasste die chemische Umwandlung von Stoffen zusammen, auch wenn letztere noch nicht klar abgegrenzt und unterschieden werden konnten. Aus heutiger Sicht interpretierte sie den Vorgang einer Verbrennung falsch, in dem sie annahm, dass eine hypothetische Substanz, das Phlogiston, bei brennbaren Körpern bei der Verbrennung diesen entweicht und bei Erwärmung in diesen eindringt.

Der Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) aus der Alten Eidgenossenschaft interessierte sich für Meteorologie, Astronomie und Mineralogie. Er unternahm zahlreiche Reisen in die Schweizer Alpen, wo er ein Barometer für meteorologische Messungen und Höhenbestimmungen einsetzte. Sein dreibändiges Werk „Helvetiae historia naturalis“ oder „Naturhistorie des Schweitzerlandes“ erschien erstmals in den Jahren 1716 bis 1718 in Zürich. Im ersten Band behandelte er die Schweizer Berge, im zweiten die Schweizer Flüsse, Seen und Mineralbäder und im dritten die Schweizer Mineralogie, Geologie und Meteorologie.

Der Mediziner Johann Kanold (1679–1729) aus Schlesien versuchte ab 1717, ein meteorologisches Messnetz in den deutschen Ländern aufzubauen. Er sammelte von verschiedenen Orten aus den deutschen und anderen Ländern Daten meteorologischer Messungen und veröffentlichte diese in Berichten des Magazins „Breslauer Sammlung“. Dieses Magazin erschien dreimal jährlich bis etwa 1727.

Im Jahr 1723 rief der englische Wissenschaftler und Mediziner James Jurin (1684–1750) in seiner Funktion als Sekretär der Royal Society of England deren Mitglieder, die über die notwendigen Messtechniken verfügten, auf, tägliche Wetterbeobachtungen und meteorologische Messungen durchzuführen. Das Ziel war deren Veröffentlichung einmal pro Jahr im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England. Nach einem vorgegebenen Schema sollten Temperatur, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge und Bewölkungszustand täglich einmal erfasst werden. Der Aufruf erfuhr Beliebtheit. Ab 1724 startete das Messnetz der Royal Society of England mit vielen meteorologischen Daten aus England, aber auch aus Uppsala (Schweden), Åbo (damals Schweden; heute Turku, Finnland), Neapel, Rom, und manche aus Indien und Nordamerika. Isaac Greenwood (1702–1745), Mathematiker und Naturphilosoph aus dem nordamerikanischen Neuengland, schlug 1728 vor, solche meteorologische Aufzeichnungen nicht nur auf landbasierte Orte zu beschränken, sondern auch auf Schiffe auszuweiten, um einen größeren meteorologischen und navigationstechnischen Benefit zu erreichen. Damit würde ein größeres Verständnis der Winde und der tropischen Wirbelstürme erzielbar sein.

Der dänische Seefahrer und Marineoffizier Vitus Bering (1681–1741) unternahm im Auftrag von Zar Peter dem Großen (1672–1725) Erkundungsreisen in den Fernen Osten Russlands nach Kamtschatka. Im Rahmen der Zweiten Kamtschatka-Expedition zwischen 1733 und 1743 wurden die ersten echten Wetterbeobachtungen in Russland durchgeführt. Die wissenschaftliche Arbeit der Expedition wurde von der im Vorfeld der Expeditionen gegründeten Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg organisiert, die die Expeditionsleiter anwies, instrumentelle Messungen von Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Beobachtungen von Wolken, Gewittern und anderen Naturphänomenen durchzuführen. Im Rahmen der Expedition wurde 1733/1734 ein Netz von etwa zwölf meteorologischen Beobachtungsstationen in ganz Sibirien, von Kasan über Jekaterinburg bis Irkutsk und Jakutsk, eingerichtet. Dieses sibirische Messnetz war bis etwa 1746/1747, in Jakutsk bis 1749, in Betrieb.

Der französische Natur- und Materialforscher René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683–1757), Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, war auf vielen verschiedenen Arbeitsgebieten tätig. Sein Hauptinteresse galt der Erforschung von Insekten. Eines seiner Projekte befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Wachstum von Insekten und der Temperatur. Möglicherweise als Ergebnis dieser Arbeit begann er sich für die Temperaturmessung zu interessieren. Er verwendete verdünnten Alkohol in seinem Thermometer und legte den Gefrierpunkt von Wasser als Nullpunkt fest. Er bestimmte den Wert für jedes Réaumur-Grad über Null anhand eines Tausendstels des Volumens der Flüssigkeit im Thermometerkolben und im Rohr unterhalb der Nullgradmarke. Er verwendete in seiner Thermometerflüssigkeit eine Alkoholkonzentration, die bei 80 Grad Réaumur zu sieden begann. Um 1730 wurde ein solches Thermometer als Réaumur-Alkoholthermometer bekannt, und die Skala von 0 bis 80 Grad als Réaumur-Temperaturskala (°Ré, °Re, °Réaumur, °R).

Der britische Jurist George Hadley (1685–1768) war im Herzen Meteorologe. Er wurde 1735 zum Mitglied der Royal Society of London gewählt und übernahm die Verantwortung für den gesamten meteorologischen Schriftverkehr und die Beobachtungen, die an die Gesellschaft gesendet wurden (hauptsächlich aus Großbritannien und Skandinavien). Er analysierte die gemeldeten Luftdruck- und Temperaturwerte und versuchte, daraus allgemeine meteorologische Muster abzuleiten. Hadley interessierte sich für die Passatwinde in den subtropischen Breiten. Diese waren den Seefahrern zwar wohlbekannt, doch ihre physikalischen Ursachen waren nicht verstanden. Bereits 1678 hatte Edmund Halley versucht, die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte, und diese Zirkulationen mit der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung auf der Erde zu verbinden. Hadley führte Halleys Arbeiten weiter und veröffentlichte 1735 im Journal der Gesellschaft, den „Philosophical Transactions“ (Band 39, S. 58–62), eine Monographie mit dem Titel „On the Cause of the General Trade Winds“ (Betreffend die Ursache der Allgemeinen Passat-Winde). Hadley (und Halley) erkannten, dass die starke Sonneneinstrahlung in den äquatorialen Regionen der Erde einen allgemeinen Luftaufstieg verursachen muss, der sich dann in den höheren Schichten ausbreitet und in Richtung der Pole wandert, bevor diese abkühlt und absinkt. Die Rückströmung in den unteren Schichten bildet die Passatwinde. Hadleys entscheidende Erkenntnis bestand darin, dass die Erdrotation dazu führt, dass sich bewegende Objekte auf der Nordhalbkugel nach rechts abdriften, sodass die Rückströmung in Richtung Äquator nicht direkt von Norden nach Süden (auf der Nordhalbkugel) verläuft, sondern nordöstlich. Dieses Muster definiert eine „Zelle“ aus Winden in einem vertikalen Schnitt durch die Atmosphäre; sie ist als Hadley-Zelle bekannt.

Zirkulationsmodell von Hadley, Hadley Zelle, John E. Oliver, Hadley Cell, Encyclopedia of World Climatology. Encyclopedia of Earth Sciences Series. Springer, Dordrecht. https://doi.org/10.1007/1-4020-3266-8_90

Der Physiker und Instrumentenbauer Daniel Gabriel Fahrenheit (1686–1736) aus Danzig interessierte sich bereits in seiner Jugend für Instrumente. Er reiste durch Europa und traf verschiedene Instrumentenbauer und Wissenschaftler. So besuchte er 1708 Rømer in Kopenhagen. Rømer zeigte ihm seine Temperaturskala, die einen oberen Fixpunkt von 22,5 °Rø (die als konstant angenommene Körpertemperatur des Menschen) und einen unteren Fixpunkt von 7,5 °Rø (den Gefrierpunkt von Wasser) hatte. Fahrenheit modifizierte Rømers Skala. Er unterteilte jedes Grad in vier Teile, sodass der untere Fixpunkt bei 30° (4 × 7,5) und der obere Fixpunkt bei 90° (4 × 22,5) lag. Auf dieser Skala liegt der Siedepunkt von Wasser bei 205°. Er verwendete diese modifizierte Römer-Skala bis etwa 1717, als er beschloss, kleine Änderungen an den Fixpunkten vorzunehmen, sodass der Gefrierpunkt von Wasser bei 32 Grad Fahrenheit (°F) und die Körpertemperatur des Menschen bei 96 °F lag. Auf dieser geänderten Skala lag der Siedepunkt von Wasser bei 212 °F. Fahrenheit nahm diese Änderung aus einem ganz praktischen Grund vor. Bei den Fixpunkten 32° und 96° lagen 64 Grad zwischen den beiden, und eine Skala mit 64 Teilstrichen ließ sich leicht zeichnen, indem man das gesamte Intervall durch sukzessive Unterteilungen in zwei gleiche Teile aufteilte, da 64 eine Zweierpotenz ist. Dieses Vorgehen ist nicht möglich, wenn die Fixpunkte bei 30° und 90° liegen. Als er später feststellte, dass die Körpertemperatur des Menschen nicht konstant ist (junge Menschen haben beispielsweise tendenziell eine höhere Körpertemperatur als ältere Menschen), legte Fahrenheit den oberen Fixpunkt einfach neu fest, sodass er dem Siedepunkt von Wasser entsprach, nämlich 212 °F. Der Nullpunkt der Fahrenheit-Skala stellte die damals tiefste Temperatur, die eine Eis-Salz-Kältemischung erzeugen konnte, dar.

Daniel Gabriel Fahrenheit, 17.-18. Jahrhundert, Quelle: BevinKacon über Wikimedia Commons

Der französische Astronom und Kartograph Joseph-Nicolas Delisle (1688–1768) führte wesentliche Arbeiten zur Kartographierung des Russischen Reiches und des Nordpazifiks aus, die Bering für seine Expeditionsreisen nutzte. Bekannt wurde er durch die Konstruktion eines Quecksilberthermometers 1732, für das er den Siedepunkt von Wasser als festen Nullpunkt wählte. Für niedrigere Temperaturen definierte er eine Skala, die auf der Kontraktion von Quecksilber (in Hunderttausendstel) basierte, wobei höhere Werte bei niedrigeren Temperaturen lagen (eine umgekehrte Skala, bei der höhere Zahlen „zunehmende Kälte“ darstellen). Delisles ursprüngliche Skala benötigte 2400 oder 2700 Teilungen, um den kalten Wintern in St. Petersburg, wo er lebte, gerecht zu werden. Im Jahr 1738 führte der württembergische Anatom Josias Weitbrecht (1702–1747) eine Modifikation von Delisles Skala ein: Weitbrecht behielt 0 Grad Delisle (°D) als Siedepunkt von Wasser bei, wies dem Gefrierpunkt jedoch einen Wert von 150 °D zu. Obwohl die Skala nach wie vor umgekehrt war, entsprachen die daraus resultierenden niedrigeren Temperaturwerte eher den anderen Temperaturskalen jener Zeit. Die Delisle-Temperaturskala wurde in Russland fast 100 Jahre lang verwendet.

Die Serie wird fortgesetzt. In kürzerer Zeit werden nun schneller neue Erkenntnisse zur Meteorologie gewonnen. Im nächsten Teil der Serie lesen Sie neue Beiträge zur Meteorologie mit Schwerpunkt um das Jahr 1750.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Meteorologie-um-1700-und-erste-meteorologische-Messnetze-1-scaled.jpg 850 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-26 13:34:312026-07-04 14:21:43Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

Heiß, heißer, HARTMUT!

25. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Seit nunmehr rund einer Woche ächzen weite Teile des Landes unter der anhaltenden Hitzewelle mit täglichen Höchstwerten über 30 Grad. Zunächst war es Hoch GORGIAS, der dann von Hoch HARTMUT nahtlos abgelöst wurde. Unter HARTMUT konnte sich dank günstiger Konfiguration des Strömungsmusters die Hitze noch verstärken, sodass wir ab morgen den eigentlichen Höhepunkt erwarten dürfen. Während der Rahmen grundsätzlich steht, sind Details noch immer unsicher.

Dazu zählt auch die alles entscheidende Frage, ober der Allzeitrekord der Temperatur in Deutschland aus dem Jahre 2019 (41,2°C in Tönisvorst und Duisburg) gebrochen werden kann. Anhand der vorliegenden Modelle ist davon – so viel vorweg – begründet auszugehen.

Hoch HARTMUT führt seit Tagen warme bis heiße Luftmassen nach Deutschland, wobei sich diese Strömung in den kommenden Tagen noch etwas verstärkt und die Luftmasse immer weiter aufgeheizt wird.

Am heutigen Donnerstag sind es noch rund 35 bis lokal im Südwesten 39 Grad, womit zumindest der Juni-Rekord (39,6 Grad) für Deutschland schon mal ins Visier genommen. Spätestens am morgigen Freitag wird es dann soweit sein: Vom Oberrhein bis ins Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt werden rund 40 Grad berechnet, eine einzelne 41 ist durchaus im Rahmen des Möglichen.

Bereits am morgigen Freitag sind 40 Grad (und mehr) vom Oberrhein bis nach Frankfurt realistisch und werden von allen Modellen so gesehen.

Am Samstag steht für viele ein erster Höhepunkt an, wenn sich die Hitzeglocke von HARTMUT genau über uns legt. Zwar sind nachmittags ein paar Quellwolken, im Westen vielleicht auch Hitzegewitter, zu erwarten, dennoch wird es regional für 40-41 Grad reichen, sodass der deutsche Allzeitrekord in Reichweite kommt.

Am Samstag sind nach aktuellem Stand im Südwesten regional 40 bis 41 Grad zu erwarten, auch das stützen alle dargestellten Modelle.

Am Sonntag wird es möglicherweise noch spannender aus klimatologischer Sicht, denn zumindest nach dem Willen der deutschen Modellkette (ICON) verstärkt sich die Hitze im Osten des Landes weiter, sodass im Ergebnis auf der Karte des Modells 42, lokal gerundet sogar 43 (!) Grad abgelesen werden können. Der Mix aus statistischen Berechnungen verschiedener Modelle (MOSMIX) belässt es dagegen bei 41 Grad. Es sieht aber auch ein schnelleres Vorankommen von Schauern, Gewittern und „kühlerer“ Luft aus dem Westen, während ICON die Gewitter erst später nach Osten driften lässt. Dies würde eine maximale Einstrahlung bei einer eh schon enorm warmen bis heißen Luftmasse zulassen.

Am Sonntag gehen die Modelle ein Stück weit auseinander: Während in den Prognosen der deutschen Modellkette sogar 43 (!) Grad zu finden sind, wäre nach dem Willen von MOSMIX und dem MOS des ECMWF bei 41 Grad Schluss. Hier muss noch abgewartet werden, was genau passiert.

Ob der deutsche Allzeitrekord der Temperatur am Wochenende fällt, ist noch nicht sicher und hängt auch von möglichen Abschirmungen, etwa durch etwas Saharastaub oder Deckbewölkung von Schauern/Gewittern ab. Näher dran als zurzeit war man aber an einem neuen Rekord selten.
Noch ein letzter Absatz zu den möglichen Gewittern: Diese Luftmasse ist nicht nur enorm heiß, sondern sie lässt auch beim Blick auf die Energiewerte kaum Spielraum nach Oben, sprich es ist nahe am Anschlag. Das bedeutet vor allem ab Samstag im Westen/Nordwesten, ab Sonntag dann über der Mitte und später auch in den restlichen Landesteilen ein großes Unwetterpotential, wobei jede Gewitterzelle rasch eskalieren könnte. Die Details sind hier aber noch nicht geklärt und so müssen wir bis morgen oder Samstag abwarten.
Behalten Sie bitte einen kühlen Kopf und kommen Sie gut durch diese anstrengenden Tage!

M.Sc.Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Nur noch 6 Monate

24. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Zum Wetter und zur aktuellen Hitze gab es in den letzten Tagen ausreichend Informationen. Daher hier nur kurz die Zusammenfassung: Es ist sehr heiß und meist auch trocken. Erst zum Ende der Woche wird es wieder etwas feuchter und Gewitter wahrscheinlicher, dann direkt auch mit Unwetterpotential. Meiden Sie die Hitze und die Sonne. Hören Sie auf sich und Ihren Körper und lassen Sie es ruhig angehen.

Um sich vom Wetter abzulenken, gibt es etliche Ideen für die Bespaßung in Innenräumen: zum Beispiel Lesen, Spielen, Rätseln, Basteln, Aufräumen und vieles mehr. Einige dieser Ideen vertreiben nicht nur die Zeit, sie sind auch Investitionen in die Zukunft. Auch wenn es bei 35 Grad und Sonnenschein nicht allen sofort ins Gedächtnis springt: In 6 Monaten ist Heiligabend! Haben Sie schon an Geschenke gedacht?

Beim Aufräumen findet sich so mancher Schatz. Zu schade zum Wegwerfen? Es freut sich vielleicht jemand anderes. Mit etwas Deko kann man aus vielen alten Sachen wahre Hingucker zaubern. Unikate für Freunde und Familie unter dem Weihnachtsbaum. Oder der Reißer beim nächsten Hofflohmarkt. Die Optionen sind so vielfältig, wie die Anzahl der Tage bis zum beliebtesten Fest/Feiertag der Deutschen.

Wer die Zeit jetzt nutzt, kann sich eine Menge Stress zum Ende des Jahres sparen. Und wenn man schon am Basteln ist, warum nicht gleich was für Oma, Opa oder Tante? Wie wäre es mit einem hübschen Kaffeebecher, einem Stiftehalter oder Schlüsselanhänger? Man kann einige Dinge auch auf Vorrat basteln und bei Gelegenheit hervorzaubern. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft.

Und wenn Sie noch nicht an Weihnachten denken möchten, dann basteln Sie sich und/oder Ihren Lieben doch einfach einen Fächer. Der macht direkt im Anschluss Freude, wenn Sie sich den Schweiß nach getaner Bastelei von der Stirn wedeln.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.06.2026
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