Inversionen soweit das Auge reicht 

Dass die Temperatur unmittelbar über dem Erdboden mit der Höhe zunimmt, ist insbesondere in Herbst- und Winternächten keine Seltenheit. Der nächtliche Mangel an solarer Einstrahlung bei gleichzeitigem Abstrahlen im Infraroten führt zu einer Auskühlung der Erdoberfläche. Diese Abkühlung wird durch direkten Kontakt sowie durch mehr oder weniger ausgeprägte Turbulenz auf die darüber liegenden Luftschichten übertragen. Mit zunehmender Höhe nimmt der Einfluss der bodennahen Auskühlung ab, sodass sich eine Inversionsschicht ausbildet. Dies ist ein Höhenbereich, in dem die Temperatur mit der Höhe zunimmt. Abbildung 1 zeigt den Temperaturverlauf mit der Höhe über Greifswald in der Nacht zum vergangenen Samstag. Die bodennahe Inversion ist deutlich erkennbar: Die Temperatur steigt von knapp über 0 °C am Boden auf etwa 8 °C innerhalb weniger hundert Meter Höhe. 

Inversionen soweit das Auge reicht

Radiosondenaufstieg vom 17.01.2026 um 00 Uhr UTC über Greifswald. Dargestellt sind der Verlauf mit der Höhe von Temperatur (durchgezogene schwarze Linie), Taupunkt (gestrichelte Linie), und Windgeschwindigkeit und -richtung (Windfiedern am rechten Rand). 

Das Radiosondenprofil zeigt zudem, dass die bodennahe Temperatur mit dem Taupunkt übereinstimmt, was auf Wasserdampfsättigung und mögliche Nebelbildung hindeutet. Im Verlauf der Nacht auf den 17. Januar war, zusätzlich zu der bodennahen Auskühlung, feucht-kalte Luft mit einer südöstlichen Strömung aus Polen eingeflossen, was in einem bewarnten Bereich bis einschließlich Rügen mit dichtem Nebel und Sichtweiten unter 150 m einherging (Abbildung 2).
Das Satellitenbild zeigt außerdem dichten Nebel über Tschechien, wo sich bei günstigen Bedingungen bereits über Tage kalte Luft im Böhmischen Becken gesammelt hatte, und bei Überströmung von verhältnismäßig warmer Luft in ca. 1,5 km Höhe zu einer besonders ausgeprägten Inversion geführt hatte (der damit zusammenhängende Böhmische Wind war in den letzten Tagen ja ebenfalls Thema in Sachsen). 

Inversionen soweit das Auge reicht 2 

Satellitenprodukt des Meteosat Third Generation (MTG) Satelliten, am 17.01.2026 um 00 Uhr UTC, mit farblich hervorgehobenen niedrigen Wolken (hier größtenteils Nebel). Die Nebelwarnung ist hervorgehoben. 

Die bodennahe Temperaturinversion erzeugt eine sehr stabile Schichtung, die den vertikalen Austausch von Luft hemmt. Dadurch bleibt die nebelbildende Feuchtigkeit nahe am Boden konzentriert, und auch an der Oberfläche ausgestoßene Luftschadstoffe können sich nicht nach oben verteilen, was zur Bildung von Smog (smoke+fog) führen kann. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass sich zum betrachteten Zeitpunkt auch in anderen Landesteilen Nebel gebildet hat, so z.B. im dafür anfälligen Donautal, oder in westlichen Landesteilen wo jedoch hohe Wolken im Satellitenbild die „Sicht“ verdecken. 

Wandert man im Radiosondenprofil von der Bodeninversion weiter nach oben fallen mehrere Strukturen im Temperaturverlauf auf, die an eine Inversion erinnern (750 und 650 hPa), auch wenn hier die Temperatur mit der Höhe nur konstant bleibt und noch nicht ansteigt. Inversionen in der Mitte der Troposphäre können z.B. durch horizontales Heranführen von wärmeren oder kälteren Luftmassen entstehen, oder durch großskaliges Absinken von Luftmassen unter Hochdruckeinfluss. Bei letzterem wird die Luft unter steigendem Luftdruck komprimiert und die Temperatur steigt ohne Wärmeaustausch oder Wolken-/Turbulenz-Prozesse gemäß dem trockenadiabatischen Temperaturgradienten von ca. 1°C/100 m. So kann sie abhängig vom vertikalen Verlauf des Absinkens eine höhere Temperatur erreichen als die darunter liegende Luft. 

Wandert man im Radiosondenprofil noch weiter nach oben, erreicht man bei etwa 200 hPa die Tropopause, den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre, der zweiten Schicht der Atmosphäre (Thema des Tages vom 13.11.2025). Dass die Stratosphäre prinzipiell – und definitionsgemäß – durch einen Temperaturanstieg mit der Höhe gekennzeichnet ist, ist seit über hundert Jahren bekannt. Eine vergleichsweise neue Erkenntnis ist, dass unmittelbar an der Tropopause, abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, aber systematisch, ein Maximum der Temperaturzunahme auftritt. Für diese Schicht wurde der Begriff Tropopauseninversionsschicht geprägt. Ähnlich wie bei der bodennahen Inversion spielt auch hier die langwellige (infrarote) Ausstrahlung eine wichtige Rolle. Insbesondere Spurengase wie Wasserdampf, der in der Troposphäre in deutlich höherer Konzentration vorkommt als in der Stratosphäre, tragen maßgeblich zu diesem Effekt bei. Die Absorption durch Ozon in der Stratosphäre spielt ebenso eine Rolle, sowie auch eine Vielzahl von dynamischen Prozessen. (Das zweite Maximum im Temperaturgradienten bei etwa 170 hPa könnte ein Hinweis auf die dynamischen Prozesse und die resultierende oft vielschichtige Struktur der Tropopausenregion sein).
Die Tropopauseninversionsschicht stellt, ebenfalls analog zur bodennahen Inversion, eine Transportbarriere dar, die den Austausch von Spurengasen zwischen Troposphäre und Stratosphäre hemmt. Wie stabil diese Sperrschicht letztlich ist, ist jedoch weiterhin Gegenstand aktueller Forschung. Eine zentrale Motivation hierfür liegt in den Auswirkungen der Spurengasverteilung auf den Strahlungshaushalt der Atmosphäre (Stichwort Klimawandel) sowie im Einfluss anthropogener Spurengasemissionen auf die Stratosphärenchemie. Ein Hinweis auf einen möglichen Mischungsprozess trotz hoher Stabilität findet sich in den Windfiedern im Bereich der Inversion bei 200 hPa in Abbildung 1 (vergleiche Thema des Tages vom 22.05.2016). 

Inversionen und ihre zentrale Eigenschaft treten in der Natur in vielfältiger Form auf. Konzeptionell eng verwandt ist die sogenannte Thermokline der Ozeane, bei der oberflächennahes Wasser wärmer ist als das darunterliegende Tiefenwasser. Charakteristisch ist ein vertikal begrenzter Bereich mit maximalem Temperaturgradienten, der als stabile Sperrschicht wirkt. Diese trennt nährstoffarmes Oberflächenwasser von nährstoffreichem Tiefenwasser, kann jedoch durch Instabilitäten – etwa lokal angeregte interne Wellen – zeitweise durchmischt werden.
Dem geneigten Leser sei, falls noch nicht bekannt, mitgegeben, dass sowohl die Dichteanomalie des Wassers als auch seine geringe Kompressibilität eine wesentliche Rolle bei der Ausprägung des vertikalen Temperaturprofils spielen – was die Frage aufwirft, ob die Thermokline im streng fachlichen Sinn tatsächlich eine Inversion ist …
 

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Eisnebelhalos – ein himmlisches Phänomen auf Erden 

Die weithin sichtbaren, teils farbenfrohen Lichtspuren der „Halos“ am Himmel hat wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen, wenn sich hohe, dünne Schleierbewölkung (Cirrus) vor die Sonne schiebt. Diese himmlischen Phänomene gibt es aber auch am Erdboden, quasi zum Greifen nahe: Die Eisnebelhalos.

Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 

Abb 1: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 2

Abb 2: Lichtbrechung und Dispersion am Beispiel eines Prismas  

Halos sind Lichteffekte der atmosphärischen Optik, die durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen entstehen. Sonnenlicht wird beim Eindringen in die Eiskristalle gebrochen, wodurch sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichtes ändert und der Lichtstrahl abgelenkt wird. Die Stärke der Lichtbrechung ist abhängig von der Frequenz des Lichtes, wodurch es zu einer Aufspaltung in die spektralen Einzelteile kommt wie bei einem Regenbogen. Das nennt man in der Optik Dispersion (siehe Beispiel in Abbildung 2). Im Inneren wird das Licht dann mitunter mehrfach an den Wänden der Kristalle reflektiert, also wie bei einem Spiegel zurückgeworfen, und tritt schließlich wieder aus den Kristallen aus. Wie und wohin genau das Licht reflektiert und gebrochen wird, hängt von der Form der Kristalle sowie dessen Orientierung relativ zum einfallenden Sonnenlicht ab. So vielfältig die geometrischen Formen der Eiskristalle sind, so vielfältig sind auch die unterschiedlichen Formen der Halo-Erscheinungen. 

Damit es zu Halos kommt, braucht es folglich Sonne und Eiskristalle. Während diese Kombination in großer Höhe (z. B. in 10 Kilometern) wegen der dort vorkommenden, dünnen Schleierwolken häufiger vorkommt, hat dies am Erdboden eher Seltenheitswert. Zwar stellt beispielsweise Eisnebel, also Nebel bei Temperaturen von unter 0 Grad Celsius, die notwendigen Eiskristalle bei entsprechender Wetterlage zur Verfügung, aber meistens ist dieser zu dicht, dass nicht genügend Sonnenlicht bis zum Erdboden bzw. zum Beobachter durchdringt. Bessere Chancen hat man da in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen, wenn der Nebel aus den Tälern gerade so in Form weniger Eiskristalle zum Beobachter schwappt, die Sonne aber noch nicht verdunkelt. Ein Mekka für Eisnebelhalos in Deutschland ist das Erzgebirge, wenn sich der Nebel aus dem Böhmischen Becken in Tschechien über den Kamm kämpft und auf deutscher Seite in winzige Eiskristalle zerfällt. Die Halos sind dann nicht mehr am Himmel, sondern um einen herum. Alles funkelt und glitzert.
Eisnebelhalos ein himmlisches Phaenomen auf Erden 3 

Abb 3: Eisnebelhalos am Furggelenstock, aufgenommen am 22. November 2025 (Seraphine Hauser, Christian Grams) 

Die beiden Fotos in Abbildung 1 und 3, aufgenommen von Seraphine Hauser und Christian Grams am 22.11.2025 am Furggelenstock im Kanton Schwyz in der Schweiz, zeigen sehr eindrucksvoll Eisnebelhalos in allen möglichen Farben und Facetten. Die beiden Ringe um die Sonne nennt man 22°- und 46°-Ring, wobei die Grad-Angaben die Entfernung des Halos zur Sonne (vom Blickpunkt des Beobachters) bemessen. Die Bögen, die sich oberhalb und unterhalb der Sonnen an den inneren 22°-Ring schmiegen, nennt man obere und untere Berührungsbögen. Die hellen Punkte im inneren Ring links und rechts der Sonne sind die sog. Nebensonnen. Sehr schön zu erkennen sind darüber hinaus der waagerecht verlaufende Horizontkreis und die vertikal verlaufenden Lichtsäulen, die sich in der Sonne schneiden. Insgesamt sind über 50 verschiedene Halo-Arten bekannt, einige von ihnen lassen sich häufiger beobachten, andere nur sehr selten. So oder so gehören Eisnebelhalos wohl zu den schönsten Wetterphänomenen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Sturmtief „Harry“ und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 

Schon seit dem vorgestrigen Samstag hat sich aus einem Langwellentrog, der vom Nordmeer über Westeuropa südwärts gerichtet ist, ein hochreichendes Tiefdruckgebiet abgespalten, das über die Iberische Halbinsel zum nordafrikanischen Atlasgebirge gezogen ist. Von dort hat sich dieses Tief auf seinem Weg nach Osten und später Nordosten zu einem veritablen Sturmtief verstärkt und wird heute (Montag) Mittag über Tunesien liegen. Von dort wird es nur ganz langsam Richtung Nordwesten weiterziehen und sich erst ab Mittwoch unter Abschwächung zum Tyrrhenischen Meer (das Seegebiet zwischen Sardinien und dem Festland Italiens) verlagern. Bedingt durch recht milde Wassertemperaturwerte im nahen Ostatlantik sowie des Mittelmeers steigt viel Feuchte aus diesen Regionen in die Atmosphäre auf, was zu erhöhten Niederschlagsmengen führt. Ein von Tunesien nordwestwärts gerichteter Ausläufer führt am heutigen Montag und am morgigen Dienstag zu ergiebigen Regenfällen in Katalonien und auf den Balearen, in abgeschwächter Form auch an Teilen der algerischen Küste. Bedingt durch den Gegensatz zu einem umfangreichen Hoch mit Schwerpunkten über dem nahen Osteuropa sowie den Karpaten baut sich über dem zentralen Bereich des Mittelmeeres ein markantes Sturmfeld auf. So werden an der Nord- und Ostflanke des Tiefs zunächst ab der kommenden Nacht sowie am morgigen Dienstag stürmische Winde aus Südost, mit Verlagerung des Sturmtiefs Richtung Lampedusa sowie des Hochs Richtung Bulgarien und Anatolien am Mittwoch Sturm aus Südost bis Ost im Ionischen und Tyrrhenischen Meer erwartet. Durch einen langen Wirkweg des Windes über dem offenem Meer begünstigt diese Wetterlage das Entstehen vergleichsweise hohen Seegangs – insbesondere im Bereich des Ionischen Meeres und der Meerenge zwischen Sardinien und Sizilien. 

Auswirkungen in Spanien 

Bis Dienstag Mittag gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle an der Ostküste, auf den Balearen und in Katalonien (Nordostspanien), in Lagen oberhalb von 1400 Metern im Bereich der Pyrenäen entsprechend Schnee. Die höchsten Niederschlagsmengen werden an der Küste zwischen Barcelona und der Grenze zu Frankreich erwartet. Dort, wie auch an der südlichen Küste des nördlich angrenzenden französischen Okzitaniens, werden bis Dienstag Mittag Regenmengen von 150 Litern pro Quadratmetern erwartet, für die Stadt Girona bedeutet das beispielsweise die dreifache Niederschlagsmenge, die sonst im Monat Februar fällt, allerdings nun in einem kurzen Zeitraum. Auf Mallorca und Ibiza kommen im selben Zeitraum Regenmengen von etwa 50 Litern pro Quadratmeter zusammen. Entsprechende Wetterwarnungen vor starkem Niederschlag und der Gefahr von Überflutungen haben die dortigen Wetterdienste ausgegeben, in den Pyrenäen sind Wetterwarnungen für moderate Neuschneemengen und der Gefahr von Lawinenabgängen aktiv. Ab Dienstag Mittag deutet sich eine zögerliche Entspannung in Ostspanien an, während der Nordwesten der Iberischen Halbinsel vom Ausläufer eines atlantischen Sturmtiefs getroffen wird. Der Wind wird an der Nordwestflanke des Sturmtiefs im Bereich des Löwengolfes und der Balearensee auffrischen und im Mittel steif bis stürmisch sein – mit Sturmböen und schweren Sturmböen sowie einem Anwachsen des Seegangs auf 5 bis 6 m nördlich der Balearen. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum

Aufaddierter Gesamtniederschlag des ICON-Wettermodells bis Mittwoch Früh im Bereich des Westlichen Mittelmeeres 

Auswirkungen in Italien und auf Malta 

Besonders in Kalabrien (dem äußersten Süden des italienischen Festlands), auf Sizilien und auf Sardinien gibt es teils gewittrig verstärkte Regenfälle. Auf Sardinien wird der Hauptteil des Niederschlages bis Dienstag Mittag niedergehen, Sizilien und Kalabrien werden mit dem Hauptniederschlag von Dienstag Mittag bis Mittwoch Mittag getroffen. Bis Dienstag Mittag sind im Stau der Ostküste Sardiniens etwa 150 Liter pro Quadratmeter Niederschlag zu erwarten, die Ostküste Siziliens erhält bis Mittwoch Mittag 250, in Staulagen bis 350 Liter pro Quadratmeter, in Hochlagen schneit es. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge für den Monat Februar liegt in Catania bei etwa 45 Litern pro Quadratmetern, diese wird um ein Vielfaches in einem kurzen Zeitraum übertroffen werden. Malta liegt zu weit südlich für die großen Niederschläge, Regenmengen fallen dort moderat aus. Im Bereich des Tyrrhenischen, des Ionischen (zwischen Süditalien und Griechenland) und des Libyschen Meeres (südlich davon) hat sich schon ein Windfeld aus Südost bis Ost aufgebaut, ist im Mittel südöstlich von Sizilien stürmisch und wird Dienstag Morgen bis Abend Sturmstärke erreichen mit orkanartigen Böen oder Orkanböen. Bedingt durch die lange zeitliche Andauer und räumliche Distanz ohne große Richtungsänderung kann sich ein ordentlicher „Fetch“ aufbauen: die signifikante See wird ostsüdöstlich von Sizilien auf 8 bis 9 Meter ansteigen, viele Einzelwellen werden Höhen von 10 bis 12 Meter oder sogar darüber erreichen. Auch zwischen Sizilien und Sardinien erreicht die See 7 Meter, ebenso auf Malta. Unwetterwarnungen bezüglich des Niederschlages sind vom italienischen Wetterdienst für Sizilien, Kalabrien und Sardinien ausgegeben worden. 

Sturmtief „Harry und seine Auswirkungen im Mittelmeerraum 2 

Signifikanter Seegang des EWAM-Seegangmodells im Mittelmeer am Dienstag Mittag mit dem Maximum (roter Bereich) südöstlich von Sizilien, Angaben in Metern 

Auswirkungen in Nordafrika 

Die größten Niederschlagsmengen fallen an der algerischen und tunesischen Küste in der Nacht zum Dienstag. Bis Mittwoch Früh muss am Kap Bon in Tunesien mit 160 Litern pro Quadratmetern gerechnet werden, westlich von Algier werden 130 Liter pro Quadratmeter an der algerischen Küste erwartet. Die Schneefallgrenze im algerischen Atlas liegt bei 1200 Metern. In Hochlagen des Atlas treten ab Dienstag orkanartige Böen oder sogar Orkanböen auf. 

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 

Das Wetter in ganz Deutschland wird von Hoch CHRISTIAN über Osteuropa bestimmt. Wir befinden uns also am Westrand dieses kräftigen Hochs in einer östlichen bis südöstlichen Strömung. Dieser Hochdruckeinfluss hat für unterschiedliche Regionen in Deutschland am heutigen Sonntag (und auch in den kommenden Tagen) ganz verschiedenes Wetter zur Folge. Begeben wir uns im heutigen Thema des Tages auf eine Reise zu unterschiedlichen Orten in unserem Land und schauen uns das dortige Wetter an. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland

Abbildung 1: RGB-Satellitenbild „Wolkentyp“ mit eingezeichneter Fahrtroute 

Beginnen wir unsere Reise in der Bundeshauptstadt Berlin. Ein Hochnebelband sorgte zwar noch für einen grauen Start in den Morgen. Doch mittlerweile hat sich die dichte Wolkendecke nach Norden verabschiedet und es scheint – wie auch in den meisten Regionen des Ostens – die Sonne. Bei Nachmittagstemperaturen um 4 Grad ist eine Jacke jedoch vonnöten. Lagen vor einer Woche noch zwischen 5 und gut 10 cm Schnee, so sind heute höchstens noch in ein paar schattigen Ecken letzte Schneereste zu finden. 

Fahren wir nun südwärts nach Dresden und in die Region rund ums Erzgebirge. Auch in der sächsischen Hauptstadt scheint die Sonne bei ähnlichen Temperaturen wie in Berlin. Diese fühlen sich bei einem Spaziergang entlang des Elbufers aber deutlich frischer an. Der Grund ist der sogenannte „Böhmische Wind“, der durch das Elbtal pfeift und immer mehr an Stärke gewinnt. Nicht nur im Elbtal ist der lästige Böhmische Wind zu spüren. Im gesamten Erzgebirgsraum und bis hinein ins Vorland, also auch in Chemnitz, nimmt der Wind heute immer weiter zu. Auf dem Erzgebirgskamm bläst der Wind mit (schweren) Sturmböen, aber auch in freien Lagen des Vorlands und in Nordwest-Südost ausgerichteten Tälern wie das Elbtal oder das Tal der Freiberger Mulde kann der Wind zeitweise sogar stürmisch auffrischen. 

Weiter geht es südwärts nach Niederbayern. Auch dort hat sich mittlerweile fast überall die Sonne durchgesetzt. Anders als bei den vorherigen Orten konnte sich dort in den vergangenen Tagen die Milderung nie so richtig durchsetzen. Bei Höchstwerten um 0 Grad liegen dort selbst in den Niederungen noch ein paar Zentimeter Schnee (z.B. 6 cm in Fürstenzell). Sonnenschein und Schnee bieten also beste Voraussetzungen für einen sonntäglichen Verdauungsspaziergang in Winterkulisse. 

Eine traumhafte Winterkulisse bieten auch die Bayerischen Alpen. Azurblauer Himmel, traumhafte Fernsicht und weiß verschneite Berghänge und Pisten lassen die Herzen jedes Wintersportlers höherschlagen. Bei einem Getränk auf einer der zahlreichen Hütten kann man das herrliche Wetter bei teils über 5 Grad (plus!) auf rund 1500 m genießen. Blickt man hinunter ins Tal, schaut man auf ein weißes Hochnebelmeer. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 2

Abbildung 2: Webcam-Bild von der Bayerischen Zugspitzbahn mit Blick über das Höllental (Quelle: foto-webcam.eu) 

Bringen wir uns mit dem Lift (oder mit den Skiern) hinunter ins Tal, so tauchen wir in den Nebel ein, bis wir weiter unten aus der Nebeldecke wieder herauskommen. Nun finden wir ein ganz anders Bild als oben auf dem Berg wieder. Tristes „grau-in-grau“ erwartet uns am Alpenrand und in Schwaben bis zur oberen Donau. Vom Bilderbuchwetter bleibt keine Spur mehr übrig und anders als auf den Bergen ist es unangenehm kalt bei Temperaturen um oder gar unter dem Gefrierpunkt. 

Fahren wir anschließend den Rhein entlang nordwärts. Am tristen Anblick ändert sich nichts. Der gesamte Oberrheingraben und auch das Rhein-Main-Gebiet liegen unter einer grauen Hochnebeldecke. Mit rund 4 Grad ist es in Frankfurt allerdings nicht ganz so kalt wie unter dem Hochnebel im Süden. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 3

Abbildung 3: Webcam-Bild vom Dach des DWDs in Offenbach Richtung Frankfurt (Quelle:DWD) 

Weiter geht es entlang des Rheins nach Köln. Durch das Rheintal wird der Hochnebel bis in die Karnevalshochburg geblasen, sodass es auch dort grau ist. Knapp nördlich von Köln reißt die Wolkendecke aber innerhalb weniger Kilometer auf. In der anderen Karnevalshochburg Düsseldorf, im gesamten Ruhrgebiet sowie am Niederrhein herrscht wieder strahlender Sonnenschein. Mit Temperaturen um 6 Grad ist dies im Tiefland auch die mildeste Region. 

Fahren wir weiter in den hohen Norden nach Sylt. Dort und entlang der gesamten Nordseeküste präsentiert sich das Wetter wieder von seiner trüben Seite. Kompakte Wolkenfelder versperren dort die Sicht auf blauen Himmel und Sonnenschein. Unsere Reise endet an der Ostsee auf Rügen. Diese Insel präsentiert sich heute deutlich freundlicher mit viel Sonnenschein, jedoch bei eher kühlen 2 Grad. 

Eine abwechslungsreiche Fahrt durch Deutschland 4

Abbildung 4: Webcam-Bild von Wenningstedt auf Sylt (Quelle: www.sylt.de) 

In der kommenden Woche geht es mit diesen Wetterkontrasten zwar weiter. Die positive Nachricht ist aber, dass Nebel und Hochnebel immer mehr der Sonne weichen müssen. Der Oberrheingraben ist die letzte Bastion, wo das Dauergrau noch die Stellung halten kann. Dort hat die Sonne mit etwas Pech keine Chance, um gegen den Hochnabel anzukommen. Den großen Rest des Landes kann die Sonne erobern und scheint dort spätestens ab Dienstag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Sollte sich in manchen Flusstälern doch mal ein Nebelfeld bilden, wird dieses von der Sonne im Laufe des Vormittags vertilgt. Auch dem Böhmischen Wind geht im wahrsten Sinne des Wortes langsam die Puste aus. Zwar schläft er nie ganz ein, verliert aber ab Dienstag allmählich an Stärke. Inwieweit in der zweiten Wochenhälfte zaghafte Versuche altersschwacher Fronten aus Westen von Erfolg gekrönt sind, um gegen das Dauerhoch anzukämpfen, bleibt abzuwarten. Vielleicht bringen sie nur ein paar dichtere Wolkenfelder mit, möglicherweise kann es im Westen aber auch mal ein paar Tropfen Regen geben. Bis in die Osthälfte werden es die Fronten aber nicht schaffen, sodass das Hoch dort weiterhin die Oberhand mit Sonnenschein behält. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Sonne rauf, Temperaturen runter, Niederschlag Fehlanzeige 

Atlantische Tiefdruckgebiete haben Anfang der Woche die Frostluft aus Deutschland ostwärts verdrängt. Sie brachten Schnee und (gefrierenden) Regen. Doch der Tiefdruckeinfluss hielt nicht lange. Bereits am heutigen Samstag dominiert bereits wieder hoher Luftdruck. Namentlich ist es Hoch CHRISTIAN über Westrussland und Osteuropa, dessen Einfluss bis nach Mitteleuropa reicht. 

Sonne rauf Temperaturen runter Niederschlag Fehlanzeige

Vorhersage Bodendruck mit Fronten für den 18.01.2026 13 Uhr 

Bevor wir uns aber der zukünftigen Wetterentwicklung widmen, werfen wir einen Blick auf die Niederschlagsbilanz des bisherigen meteorologischen Winters. Seit dem 01.12.2025 fiel verbreitet weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Besonders trocken war es im Osten Deutschlands. Gebietsweise fielen dort erst 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter (l/qm). Der trockenste Ort Deutschlands bis einschließlich des 16.01.2026 ist Dittfurt am Nordostrand des Harzes mit 11,5 l/qm. Nasser war es im Westen. Vergleichsweise viel Niederschlag gab es im Nordseeumfeld und am Niederrhein bzw. in den Staulagen der westlichen Mittelgebirge. Dort wurden bislang 60 bis 110, in Staulagen 100 bis 200 l/qm gemessen. An Nordsee, Unterelbe und vom Niederrhein bis nach Südhessen liegen die gemessenen Niederschlagsmengen nahe des Mittelwerts des Niederschlags für die erste Winterhälfte, örtlich sogar darüber. Sonst werden häufig nur Werte um 50 % des Solls, in Vorpommern und Baden-Württemberg gebietsweise weniger als 20 % verzeichnet. 

Sonne rauf Temperaturen runter Niederschlag Fehlanzeige 2 

Niederschlagsmengen absolut und relativ für den Zeitraum 01.12.2025 – 16.01.2026 

In den kommenden Tagen wird sich an den absoluten Zahlen mangels Niederschlags nichts ändern, die prozentualen Werte werden somit sinken. Denn Hoch CHRISTIAN führt in den nächsten Tagen trockene Luft nach Deutschland. Von örtlichem Nieseln aus Nebel oder Hochnebel heraus abgesehen, wird es deutschlandweit keinen Niederschlag geben. In der trockenen Luft steigen dafür verbreitet die Sonnenanteile. Ins Hintertreffen bezüglich Sonnenscheines geraten die tiefen Lagen des Südwestens, die Gebiete nahe der Donau und zeitweise auch der äußerste Nordwesten. Dort hält sich feuchtere Luft und entsprechend teils Nebel und Hochnebel.

Mit einer südöstlichen Bodenströmung wird nach und nach kältere Luft aus Osteuropa nach Deutschland geführt. Am heutigen Samstag liegen die Höchstwerte von Ost nach West noch zwischen 2 und 12 Grad, am kommenden Mittwoch werden wahrscheinlich 0 bis 7 Grad erreicht. Für alle Tage gilt, im Dauergrau an der Donau bleibt es etwas kälter. Auch an den Tiefstwerten lässt sich der allmähliche Luftmassenwechsel festmachen. Von +3 bis -5 Grad in der Nacht zum Sonntag geht es auf 0 bis -10 Grad in der Nacht zum Donnerstag runter. Auch für diese Werte gilt: je weiter nach Osten und Südosten desto kälter, am mildesten bleibt es im äußersten Westen und auf den Inseln.

Im Laufe der zweiten Wochenhälfte zeigen die verschiedenen Wettermodelle unter auffrischendem Ostwind im Norden und Osten Deutschlands die verstärkte Zufuhr von Kaltluft, die über Osteuropa nie ausgeräumt wurde. Dann wird dort Dauerfrost sehr wahrscheinlich. Im Rest Landes hat es die Frostluft deutlich schwerer. Tiefdruckgebiete über dem Südwesten Europas halten dagegen – wie erfolgreich bleibt allerdings abzuwarten. 

Sonne rauf Temperaturen runter Niederschlag Fehlanzeige 3 

Prognose Maxima und Minima der nächsten Tage. 

M.Sc Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Jahresvorausschau 2025 – Ein Rückblick 

Ende 2024 war in dieser Rubrik ein humoristisch „angehauchter“ Blick auf 2025 (siehe Link im Anschluss dieses Textes). Nun wollen wir mal die „Prognose“ (im Folgenden kursiv) unter die Lupe nehmen. In den Jahren zuvor war die Trefferquote eher…sagen wir mal „ausbaufähig“. Mal schauen, ob es in 2025 ein paar Glückstreffer mehr gab.
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Januar 2025:
Da den Text-Wetterberichten immer weniger Bedeutung zugesprochen wird, stellt sie der DWD kurzerhand ein. Mit Hilfe von KI soll stattdessen für jeden Prognosetag ein Symbol entwickelt werden, das den gesamten Wetterablauf des jeweiligen Tages darstellt. 

Nix Wettersymbol, nix KI! MI (Menschliche Intelligenz) war auch im vergangenen Jahr weiterhin Trumpf bei der Erstellung der Vorhersagetexte.
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Februar 2025:
Nach der wochenlangen, hochdruckgeprägten Dauerfrostlage zu Beginn des Jahres folgt ab Mitte Februar ein regelrechter Verschleiß an Tiefdruckgebieten: „Erwin“, „Felix“, „Gilles“, „Heiko“, „Ivo“, „Julian“ und „Kevin“ sorgen für stürmisches und wechselhaftes Wetter. In Südbaden und am Alpenrand wird die 20-Grad-Marke geknackt! 

Während sich der Januar deutlich zu mild und auch nasser als normal präsentierte, fiel im Februar im Flächenmittel nicht einmal die Hälfte des üblichen Niederschlags. Auch mit den 20 Grad wurde es nichts, in Metzingen (Baden-Württemberg) reichte es aber immerhin für beachtliche 18,9 Grad am 21. Februar. Statt den „prognostizierten“ sieben Tiefdruckgebieten in der zweiten Februarhälfte gab es sogar acht: „Kevin“, „Lenni“, „Max“, „Nico“, „Orkan“, „Paul“, „Quincy“ und „Rainer“. Wirklich stürmisch war es aber trotzdem nicht.
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März 2025:
Tief „Orkan“ taucht auf der Wetterkarte auf, müsste, was das Wetter angeht, aber eher Tief „schwache Brise“ heißen: Ein paar Wolken, etwas Regen, mehr nicht… Trotzdem wird „Orkan“ in Sachen medialer Berichterstattung unter den Top-3-Tiefs des Jahres landen. 

Das hat für unser Wetter in Deutschland eigentlich ziemlich gut gepasst, wenngleich „Orkan“ schon in der dritten Februardekade unterwegs war und medial bei uns nicht wirklich durch die Decke ging. Seinem Namen deutlich mehr Ehre erwies das Tief in Irland und Großbritannien. Auf den Gipfeln der schottischen Cairngorms gab es Orkanböen bis zu 170 km/h.
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April 2025:
Kein Aprilscherz: Direkt zum Monatsstart verzeichnet Ohlsbach (Oberrheingraben) den ersten heißen Tag des Jahres mit exakt 30,0 Grad – neuer Deutschlandrekord in Sachen frühester Hitzetag! Der Osterhase stellt seine Produktkette von Eiern auf Kokosnüsse um. 

Tatsächlich trat der erste Hitzetag 2025 in Ohlsbach mit 30,1 Grad auf (ebenfalls in Waghäusl-Kirrlach mit 30,4 Grad), allerdings erst am 2. Mai! Den frühesten deutschen Hitzetag konnte Ohlsbach am 06.04.2024 verzeichnen.
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Mai 2025:
150 Jahre Meterkonvention! Zur Feier dieses Ereignisses führen zahlreiche Wetterdienste eine neue Maßeinheit zur Abschätzung der Unsicherheit einer Prognose ein. Auf der zehnteiligen Schmetter-Ling-Skala (benannt nach den beiden Entwicklern Dr. Schmetter und Dr. Ling) bedeutet 1 SL eine sehr sichere Vorhersage, während 10 SL mit freiem Würfeln zu vergleichen ist. 

Auch nach intensiver Internetrecherche gibt es (leider) keine Hinweise auf die Existenz dieser Skala. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. 😉
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Juni 2025:
Pünktlich zum offiziellen Start der atlantischen Hurrikansaison stellt Hurrikan „Andrea“ einen neuen Rekord auf: Noch nie gab es so früh in der Saison einen Kategorie-5-Wirbelsturm – zum Glück nur über Wasser! 

„Andrea“ war zwar „nur“ ein Tropensturm, heimste aber dennoch einen Rekord ein. Denn noch nie bildete sich im Juni ein tropischer Sturm weiter im Norden als „Andrea“. Der erste von insgesamt drei Kategorie-5-Hurrikanen (nur 2005 gab es mehr seit Aufzeichnungsbeginn) trat mit „Erin“ Mitte August auf.
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Juli 2025:
Mehrtägige Hitzewelle in Deutschland! Örtlich steigt die Temperatur auf über 40 Grad. Ob es für einen neuen Deutschlandrekord reicht ist allerdings noch unklar. Kein Wunder bei einer Vorhersageunsicherheit von 6 Schmetter-Ling. 

Wenn man unter „mehrtägig“ mindestens zwei Tage versteht, passt der erste Satz. Am 1. Juli gab es verbreitet über 30 Grad, am 2. Juli sogar über 35 Grad. Über 40 Grad gab es zwar nicht, die 39,6 Grad im niedersächsischen Wunstorf am 2. Juli waren aber nicht weit davon entfernt. Anschließend ging es steil bergab und die 30-Grad-Marke wurde nur noch an wenigen Tagen geknackt.
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August 2025:
Nach einem nassen Monatswechsel mit markantem Kaltfrontdurchgang sorgen besonders im Norden Deutschlands Perseiden und Polarlichter bei klaren Nächten für ein wahres Himmelsspektakel. Da wird es selbst im Matsch zu Wacken richtig romantisch. 

Der Monatswechsel war tatsächlich und gerade in Schleswig-Holstein sehr nass. Zum Teil fielen über 50 l/m² innerhalb von 24 Stunden. Dahinter kann also genauso wie hinter den Wackener Matsch ein Haken gesetzt werden. Fehlanzeige dagegen bei den Polarlichtern. Da es mit den notwendigen Wolkenlücken aber nicht allzuweit her war (Stichwort nasser Monatswechsel), gab es am Nachthimmel eh nichts zu beobachten – auch keine Perseiden.
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September 2025:
Perfekte Bedingungen in Florida für den Start des bemannten Raumflugs zum Mond im Rahmen der Artemis 2 Mission. Uns erreichen nicht nur spektakuläre Aufnahmen des Erdtrabanten, sondern auch von Humberto, dem zweiten Kat.-5-Hurrikan der Saison. 

Der Start von Artemis 2 wurde verschoben und steht nun für April 2026 an. Ansonsten hätte die Besatzung tatsächlich die Chance gehabt, Fotos von Humberto zu machen, der – halten Sie sich fest – wirklich der zweite Kat.-5-Huriikan der Saison war!
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Oktober 2025:
Föhn ohne Ende! Tagelang Höchstwerte über 20 Grad am Alpenrand lassen Wärmeliebhaber in Reit im Winkl vor Freude im Dreieck springen. 

Glatte Fehlanzeige! Die 20-Grad-Marke am Alpenrand wurde an gerade mal zwei Tagen gerissen. Ob in Reit im Winkl trotzdem oder aus welchen Gründen auch immer geometrische Figuren nachgetanzt wurden, ist leider nicht belegt.
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November 2025:
Nach 10-monatiger Testphase kommt der DWD zu dem Schluss, dass das sommerliche Sonne-Wolken-Gewitter-Regen-Hagel-Sturm-Hitze-Symbol (kurz: Sowogerehasthi) wie auch das winterliche Sonne-Wolken-Schnee-Regen-Glätte-Sturm-Frost-Nebel-Symbol (kurz: Sowoschreglstfrne) zu Verwirrung und Fehlinterpretation in der Bevölkerung führt. Ein Lösungsansatz: Den Wetterablauf mit einer Aneinanderreihung prägnanter Wörter zu beschreiben, quasi so etwas wie ein Bericht. 

Siehe Januar 😉
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Dezember 2025:
Kurzer aber knackiger Wintereinbruch in der ersten Monatsdekade! Dem Nikolaus fällt vor Ungläubigkeit beinahe der Cocktail aus der Hand. Ob er es schafft, seine dicken Winterklamotten wieder aus dem Altkleidercontainer zu fischen? 

Nuja… Zitat aus der DWD-Pressemitteilung zum Dezemberwetter: „Zunächst überwog ein milder Verlauf mit einer frühlingshaften Spitze zum Ende der ersten Dekade, als im baden-württembergischen Hechingen am 9. Dezember mit 17,1 °C der höchste Wert des Monats gemessen wurde.“ Den kurzen und knackigen Wintereinbruch gab es dafür schon in der letzten Novemberdekade. Das könnte man zumindest als Streifschuss werten. Ob und was dem Nikolaus Anfang Dezember jedoch aus der Hand fiel, bleibt sein Geheimnis.
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Fazit: Viel Murks, wenige Teilerfolge und ein (Quasi-)Volltreffer mit „Humberto“ (wenn man die Verschiebung von Artemis 2 als höhere Gewalt einstuft 😉)! Gar nicht mal sooo schlecht, aber weiterhin ausbaufähig. Man darf gespannt sein, wie 2026 läuft. Kleiner Spoiler für den Januar 2026: Bisher sind dem Autor keine Bestrebungen hinsichtlich der Gründung einer betriebsinternen Boxschule „Niederschlag“ bekannt (siehe Thema des Tages vom 30.12.2025). 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Sicher auf dem Eis?!

In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen von zugefrorenen Eisflächen. Insbesondere aus dem Süden und Osten des Landes tauchten zahlreiche Bilder von Menschenmassen auf zugefrorenen Gewässern auf. Sogar der Landwehrkanal in Berlin war mit einer Eisschicht bedeckt und wurde als Flaniermeile genutzt. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen, wird dabei häufig unterschätzt. Nun steigen die Temperaturen an, das Eis wird dünner und verändert seine Struktur. Beim Betreten der Eisfläche kann akute Lebensgefahr bestehen!

Sicher auf dem Eis

Zugefrorener See im Winter. Quelle: pixabay

Doch ab wann ist es möglich, Schlittschuh zu laufen oder ein zugefrorenes Gewässer gefahrlos zu betreten?

Zunächst benötigt ein See Zeit, um ausreichend abzukühlen. Solange sich im Wasser noch Schichten mit Temperaturen über 4 Grad Celsius befinden, steigen diese aufgrund der Dichteanomalie des Wassers nach oben und verdrängen kälteres Wasser von der Oberfläche nach unten. Deshalb zeigen viele Seen zu Beginn des Winters selbst nach mehreren Tagen Dauerfrost noch keine Eisbildung. Häufig dauert es bis in den Januar hinein, bis größere Seen vom Ufer her zuzufrieren beginnen.

Sicher auf dem Eis2

Jahreszeitliche Veränderung der Wasserschichtung in einem mitteleuropäischen See. Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Erst wenn das Wasser im gesamten See auf etwa 4 Grad Celsius abgekühlt ist, kommt die thermische Durchmischung zum Erliegen. Das kalte Oberflächenwasser bleibt dann oben, kann weiter auskühlen und bei anhaltendem Frost gefrieren. Je länger und intensiver der Frost wirkt, desto stärker wächst die Eisdecke an. Grundsätzlich gilt: Je weiter der Winter fortgeschritten ist, desto größer ist die Chance, dass ein See zufriert.

In der Praxis hängt die Eisbildung jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • Tiefe des Sees: Tiefe Seen besitzen einen größeren Vorrat an wärmerem Tiefenwasser, was das Zufrieren verzögert.
    Wind: Wind fördert die Durchmischung. Bei flachen Seen beschleunigt er die Abkühlung, bei tiefen Seen kann er sie verzögern.
    Grundwasserzufluss: Grundwasser ist meist wärmer als 4 Grad Celsius. Starker Zufluss verzögert die Eisbildung und führt zu Bereichen mit dünnerem Eis. Baggerseen oder Tagebaurestlöcher frieren daher oft spät oder gar nicht zu.
    Witterung: Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser isolierend und bremst das weitere Anwachsen der Eisdecke.
    Weitere Einflüsse: Zuflüsse warmer Abwässer, aufsteigende Faulgase oder Luft, salzhaltiges oder verunreinigtes Wasser schwächen die Eisbildung zusätzlich.

Wochenlanger Dauerfrost kann nahezu jedes Gewässer mit einer tragfähigen Eisdecke überziehen. Solche Bedingungen sind in Mitteleuropa jedoch selten. Günstig wäre eine stabile Hochdrucklage über Skandinavien oder Westrussland, die sehr kalte, trockene Luft nach Deutschland lenkt. Hält diese Lage mindestens eine Woche an und war der Boden zuvor bereits vorgekühlt, können auch größere Seen zufrieren. Nach einem milden Winter reicht eine kurze Frostperiode meist nicht aus. In der vergangenen Woche floss arktische Kaltluft aus nördlichen Breiten nach Deutschland. Diese sorgte in den Nächten für strengen Frost mit Temperaturen gebietsweise unter minus 10 Grad Celsius und selbst tagsüber stieg das Thermometer teilweise nicht in den positiven Bereich an. So konnten insbesondere in den östlichen Landesteilen diverse Gewässer zufrieren.

Die Qualität des Eises

Die Tragfähigkeit hängt nicht nur von der Dicke, sondern entscheidend von der Eisqualität ab. Optimal ist eine Eisbildung bei ruhigem Hochdruckwetter, ohne Niederschlag und bei wenig Wind. Dann entsteht sogenanntes „schwarzes Eis“. Dieses ist glatt, homogen und nahezu frei von Lufteinschlüssen. Es ist besonders tragfähig.

Deutlich häufiger entsteht jedoch „weißes Eis“. Dieses bildet sich, wenn Schnee auf das Eis fällt und durch Tauwetter, Regen oder aufsteigendes Wasser zu Schneematsch wird, der anschließend wieder gefriert. Weißes Eis enthält viele Lufteinschlüsse, ist inhomogen und deutlich weniger belastbar. Seine Tragfähigkeit kann im Vergleich zu gleich dickem schwarzem Eis um den Faktor zehn geringer sein.

Tragfähigkeit und Sicherheitsregeln

Für schwarzes Eis gilt folgende Faustformel,

Sicher auf dem Eis3

wobei h die Eisdicke in Zentimetern ist.

Theoretisch kann bereits 5 Zentimeter (kurz: cm) dickes Eis einen einzelnen Menschen tragen. Da jedoch selten homogenes schwarzes Eis vorliegt und die Eisdicke innerhalb eines Gewässers stark variiert, gelten deutlich strengere Sicherheitsrichtlinien. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft empfiehlt:

Stehende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 15 cm Eisdicke
Fließende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 20 cm Eisdicke

Besondere Vorsicht ist geboten unter Brücken, in der Nähe von Zu- und Abflüssen, bei Schilf, starkem Grundwasserzutritt oder aufsteigenden Gasen – dort ist das Eis oft deutlich dünner.

Flache Gewässer wie Dorfteiche oder überflutete Wiesen frieren schneller zu und sind für erste Erfahrungen meist weniger gefährlich. Tiefe Gewässer erfordern konsequent die Einhaltung der genannten Mindestdicken. Bei überwiegend weißem Eis oder hoher Belastung durch Schnee oder viele Personen sollte die Eisdicke 20 cm nicht unterschreiten. Informationen zur Begehbarkeit können bei den Kommunen eingeholt werden.

Risse und Überlastung

Eis reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Bei sinkenden Temperaturen zieht sich die Eisdecke zusammen, bei Erwärmung dehnt sie sich aus. Dabei entstehen Risse, die meist wieder zufrieren, solange der Frost anhält. Gefährlich wird es bei Überlastung: Senkt sich das Eis stark ab, entstehen zunächst Risse an der Unterseite, dann an der Oberfläche – ein Einbruch steht unmittelbar bevor. Bewegte Lasten sind dabei weniger gefährlich als stehende.

Sicher auf dem Eis4

Hebungen und Senkungen durch Eisbewegungen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Im Frühjahr verliert das Eis dann rasch an Stabilität. Zunehmende Sonneneinstrahlung macht es morsch und brüchig, Schollen lösen sich. Spätestens dann ist das Betreten nicht mehr verantwortbar.

Sicher auf dem Eis5

Risse im Eis, die einen Einbruch ankündigen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Verhalten bei Gefahr auf dem Eis

Gerät man auf dem Eis in eine gefährliche Situation, rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft dazu, Ruhe zu bewahren und laut um Hilfe zu rufen. Knackt oder knistert das Eis, sollte man sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich langsam in Bauchlage in Richtung Ufer zurückbewegen. Bei einem Eiseinbruch wird das dünne Eis vorsichtig zur tragfähigen Fläche hin weggeschlagen, anschließend zieht man sich bäuchlings auf das Eis und entfernt sich kriechend vom Gefahrenbereich.

Bei einem Einbruch ist umgehend der Notruf 112 abzusetzen. Rettungsversuche sind extrem gefährlich und sollten möglichst den Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG überlassen werden. Muss dennoch geholfen werden, ist größte Vorsicht geboten: Nur kriechend nähern, Abstand halten, Hilfsmittel nutzen (z. B. Jacke, Schal, Ast) und niemals die Hand reichen.

In vielen Regionen Deutschlands gilt das Zufrieren größerer Gewässer als besonderes Ereignis. Bleibt zu hoffen, dass Vernunft stets Vorrang vor Leichtsinn hat – damit das Naturerlebnis nicht zur Gefahr wird.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert zusammen
mit Dipl.-Meteorologe (FH) Jens Oehmichen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

Über dem Nordatlantik sind aktuell mehrere Tiefdruckgebiete aktiv, die für leicht wechselhaftes Wetter in Deutschland sorgen. Mit einer west- bis südwestlichen Strömung hat sich milde Meeresluft im gesamten Land durchgesetzt, und selbst der Osten taut langsam auf. Am deutlichsten macht sich die milde Witterung jedoch in der Westhälfte bemerkbar.

Am heutigen Mittwoch bringen die Ausläufer des Tiefs HILTRUD regional Niederschläge. Im Süden bleibt es dagegen sehr wahrscheinlich trocken, und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Lediglich an der unteren Donau hält sich ganztägig dichter Nebel mit trübem Wetter. Auch im Nordwesten und Norden lockert die Bewölkung zeitweise auf, dort bleibt es überwiegend trocken. Die Temperaturen steigen auf 6 bis 14 Grad, im Südosten und Osten werden 2 bis 8 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag ist die Frostgefahr insgesamt gering. Nur bei längerem Aufklaren im Süden und im äußersten Norden kann es zu leichtem Frost kommen, dort besteht stellenweise Glättegefahr. Ansonsten bleibt das Risiko gering.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 14.01.2026 12 UTC.

Der Donnerstag beginnt vielerorts grau und trüb, zeitweise fällt etwas Regen oder Sprühregen. Von Südwesten her lockert die Bewölkung jedoch nach und nach auf, und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 14 Grad, im Nordosten sowie an der unteren Donau zwischen 2 und 5 Grad. In der Nacht zum Freitag nimmt die Frostgefahr vor allem in der Südosthälfte zu, da es dort oft gering bewölkt bleibt. Stellenweise bildet sich Nebel, und örtlich kann es durch überfrierende Nässe glatt werden. In der Nordwesthälfte ziehen dagegen dichtere Wolken durch, die kaum Niederschlag bringen, aber dafür sorgen, dass die Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleiben.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr 2

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 15.01.2026 12 UTC.

Im weiteren Verlauf der Woche zeigt sich das Wetter insgesamt eher unauffällig. Hin und wieder fällt etwas Regen, regional – besonders im Süden und teilweise auch in der Mitte – sind jedoch längere sonnige Phasen möglich. In den Nächten steigt die Nebelgefahr. Während in der Westhälfte zunächst kein Frost zu erwarten ist, kann es im Osten gebietsweise frieren. Insgesamt kühlt es wieder etwas ab: Später ist verbreitet mit Nachtfrost zu rechnen, und die Tageshöchstwerte erreichen meist nur noch einstellige Temperaturen. Eine erneute winterliche Wetterlage mit Schneefällen ist jedoch nicht in Sicht. Lediglich im Glaskugelbereich, gegen Ende der nächsten Woche, gibt es erste Hinweise auf eine Rückkehr des Winters, zumindest mit Dauerfrost. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Rückblick und Warnmanagement

Letzte Woche wirbelte Sturmtief ELLI und zum Start in diese Woche Tief GUNDA in der Wetterküche über Mitteleuropa. Die zwei Tiefdruckgebiete sorgten dafür, dass sich die Wetterlage äußerst komplex und warnintensiv präsentierte. Von Schnee über Schneeverwehungen, Sturm und gefrierenden Regen bis zu Dauerfrost und strengen Nachtfrösten war alles dabei. Ein Rückblick auf das Sturmtief ELLI findet sich im Thema des Tages vom 10.01.2026.

Auf die Glatteislage die vom gestrigen Montag bis zum heutigen Dienstagvormittag für teils erhebliche Behinderungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben geführt hat, wird im Folgenden eingegangen.

Zunächst erreichte im Laufe der Nacht zum Montag die Warmfront des Tiefs GUNDA unter langsamer Okkludierung den Westen des Landes. In der Folge verlagerte sich die Front zögerlich ostwärts.

Rueckblick und Warnmanagement

Analysekarte für Europa mit Lage der Druckgebilde und Isobaren sowie Stationsdaten am Montagmittag, den 12.01.2026 um 12 UTC

Dadurch, dass in 900 hPa (etwa 1000 m ü. NN) sehr milde Luft einfloss, dominierte zunächst die flüssige Niederschlagsphase. Mit jedem Kilometer ostwärts wurde der Warmlufteinschub geringer und die Niederschläge fielen zumindest anfangs als Schnee, wodurch eine wenige Zentimeter dicke Schneeschicht die Glatteislage etwas entschärfte. Dennoch musste man davon ausgehen, dass es in der Westhälfte zum morgendlichen Montagsberufsverkehr durch gefrierenden Regen mit Glatteisbildung zu erheblichen Behinderungen kommt. In der Nacht zum Dienstag arbeitete sich die milde Luft langsam ostwärts voran. Der Südostwind hielt im Osten und Südosten teils lange an und sorgte bodennah bis weit in den Dienstag hinein für eine beständige Kaltluftzufuhr und eine fortwährende Glatteislage.

Verbreitet wurden zeitlich und räumlich gestaffelt Unwetterwarnungen vor gefrierenden Regen herausgegeben, auch aufgrund dessen, dass die Modellwelt hinsichtlich Ausprägung, Intensität und Phase der Niederschläge sich sehr einheitlich präsentierte. Auch die Vorgeschichte mit Dauerfrost und oftmals tiefgefrorenen Böden lieferte deutliche Hinweise auf eine brisante Wetterlage.

Letztendlich kam es verursacht durch die glatten Bedingungen zu zahlreichen Unfällen und Sperrungen von einigen Autobahnen, zu einem entgleisten Regionalzug, zu annullierten Flügen, Beeinträchtigungen im Bahnverkehr und einer extremen Belastung der Krankenhäuser durch sturzbedingte Verletzungen.

Trotz der aufgeführten Beeinträchtigungen im Straßen- und Schienenverkehr sowie übereinstimmenden Berichten von Kolleg/Innen, Familie, Freunden usw. und zahlreicher Crowdsourcing-Meldungen zu spiegelglatten Straßen und Wegen wurde teilweise erhebliche Kritik am Warnmanagement des DWD geäußert.

Rueckblick und Warnmanagement 2

Crowdsourcing-Meldungen von Montag den 12.01.2026, 03 Uhr MEZ bis Dienstag, den 13.01.2026, 10 Uhr MEZ

Zur Kritik am Warnmanagement sowohl bei der Schneelage letzte Woche als auch bei der Glatteislage zu Beginn dieser Woche soll nun Stellung genommen werden.

Die Ausgabe der Warnungen erfolgt beim DWD immer nach bestem Wissen und Gewissen auf dem aktuellen Stand umfangreicher Daten. Die Wahrscheinlichkeiten relevanter Parameter aller vorliegenden Modellberechnungen waren durchweg sehr hoch und führten zur Ausgabe der entsprechenden Warnungen. Leider lässt sich nicht vermeiden, dass es Bereiche gibt, in denen die Wetterentwicklung später von den Berechnungen abweicht. Die Diskrepanz zwischen der teils dramatischen Kommunikation im Vorfeld der Ereignisse und den tatsächlichen Wetterlagen war auch eine Folge von übertriebener Berichterstattung, die nicht von Seiten des DWD stattfand. Der DWD legt Wert auf eine transparente und sachliche Kommunikation mit klareren Darstellungen von Unsicherheiten und regionalen Unterschieden, um das Vertrauen in Wetterwarnungen langfristig zu erhalten. Beispiele sind die Unwetterclips, die in der WarnWetter-App, auf der Homepage und auf YouTube verbreitet werden. Dabei wird nicht auf Bundeslandgrenzen geachtet, sondern die Warnungen erfolgen in der Regel auf Ebene der Gemeinden und kreisfreien Städte.

Die Ausgabe der Warnungen wird mehrmals täglich zwischen den 6 Außenstellen und der Vorhersage- und Beratungszentrale abgestimmt. Wir können in der Regel sehr gut vorhersagen wie sich das Wetter entwickelt. Die Warnkriterien des DWD sind allerdings allein abhängig von meteorologischen Schwellenwerten. Die von vielen anderen Faktoren abhängigen Auswirkungen können wir nur abschätzen. Wetter- und Unwetterwarnungen führen insbesondere bei winterlichen Ereignissen oft dazu, dass präventiv gehandelt wird. Das bezieht sich beispielsweise sowohl auf Bürgerinnen und Bürger, die ihre Gehwege räumen, die Bahn die mit Weitsicht handelt und auf etwaige Probleme im Schienenverkehr hinweist als auch auf die Winterdienste die mit hervorragender Arbeit dafür sorgen, dass Straßen geräumt und öffentliche Plätze und Wege gestreut werden. Mit diesen Vorsorgemaßnahmen können also erfolgreich glatte Straßen und größere Schäden zumindest teilweise verhindert werden.

In Bezug auf die vergangene Glatteislage lässt sich konstatieren, dass die Unwetterwarnungen in den meisten Regionen berechtigt waren. Allerdings kam es in orografisch gegliedertem Gelände zu großen Unterschieden. Während in manchen Regionen, wie z.B. im Rhein-Main-Gebiet, die Kaltluft schnell ausgeräumt wurde, hat sie sich in den Mittelgebirgen mitunter sehr zäh gehalten. Dies in einem Warnkonzept abzubilden ist kaum möglich, wodurch manche Regionen am Ende sicherlich überwarnt waren, aber auch darauf wurde beispielsweise in den Unwetterclips hingewiesen. Insbesondere im Südwesten fand allerdings in einigen Regionen eine Überwarnung statt, was der Gegebenheit geschuldet war, dass die Niederschläge länger als prognostiziert als Schnee fielen und nach kurzer Pause mit dem einsetzenden Regen die Belagstemperaturen schon im positiven Bereich lagen.

Selbstverständlich schauen wir auch intern stetig nach Verbesserungsmöglichkeiten. Dafür wird die Qualität der Vorhersage ständig überwacht und viel Zeit in die Evaluierung und Weiterentwicklung der Modelle investiert sowie das Personal geschult und Arbeitsabläufe optimiert.

Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 13.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wie geht es weiter mit dem Glatteis?

Wetterbestimmend ist aktuell der Ausläufer eines Tiefs namens Gunda, das sich mit seinem Zentrum nördlich von Schottland befindet. Die dazugehörenden Niederschläge kamen seit der Nacht zum Montag von Westen auf und breiten sich langsam ostwärts auf. Dabei fiel und fällt weiterhin auf der kalten (östlichen) Seite zunächst etwas Schnee, der dann zunehmend in gefrierenden Regen und bei durchgreifender Milderung von Westen auch in Regen übergeht.

Aufgrund der kalten bis sehr kalten Vorgeschichte mit Dauerfrost und teils strengem Nachtfrost gefriert dieser Regen am kalten, gefrorenen Boden und Gegenständen und kann somit recht verbreitet zu Glatteis mit entsprechender Beeinträchtigung im Straßen- und Schienenverkehr führen. Der Schwerpunkt der Glatteissituation verlagert sich zunehmend in die östlichen Landesteile, dort herrscht auch am heutigen Montag noch verbreitet Dauerfrost. Zunächst schneit es dort auch noch. Im Südosten erfolgt der Übergang zu gefrierendem Regen am Nachmittag, im Nordosten erst zum Abend bzw. im Laufe der Nacht zum Dienstag. Ganz im Nordosten Richtung Oder/Oderhaff eventuell auch erst Dienstagfrüh. Besonders im Nordosten im Bereich des Elbtals und auch im Südosten Bayerns (etwa im Bereich Donau-/Inntal) kann sich aufgrund bodennah dominierender Südostwinde die Frostluft recht hartnäckig halten, das Glatteisrisiko hält sich daher bis in den Dienstagvormittag.

Wie geht es weiter mit dem Glatteis

Wetterentwicklung nach Wettermodell ICON-D2 Montagabend (12.01., 18 UTC) bis Dienstagfrüh (13.01.,06 UTC) mit Kennzeichnung der Niederschlagsphase (blau=Schnee, grün=Regen, rot=gefrierender Regen), Ostverlagerung des Glatteisschwerpunktes (Quelle:DWD)

Auch in einigen stark gegliederten Region in den mittleren Landesteilen kann die mildere Luft nur zögerlich durchgreifen, so dass auch dort gebietsweise bis in den Montagabend mit teils Glatteisbildung gerechnet werden muss.

In den westlichen Landesteilen hat sich die Milderung bereits weitgehend durchgesetzt, die Temperaturen liegen teils bereits bei 5 bis 7 Grad, in Bergland meist bei 1 bis 3 Grad. Dort hat sich die Situation also bereits entspannt.

Im weiteren Wochenverlauf bleibt es leicht wechselhaft mit gelegentlichem Regen. Gebietsweiser tritt zwar Nachtfrost auf und lokal ist Glätte nicht ganz ausgeschlossen, insgesamt herrscht aber ein mildes Temperaturniveau.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale