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Kopfschmerzen durch Wetter

5. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wir nutzen daher die Gelegenheit, dem Thema dieses Aktionstages auch von unserer Seite etwas beizusteuern.

Kopfschmerzen gelten als eine der häufigsten Gesundheitsbeschwerden in Deutschland. Laut Deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) leiden täglich etwa drei Millionen Erwachsene daran. Die Beschwerden können durch eine Vielzahl an Ursachen ausgelöst werden. Darunter fallen zum Beispiel Reizungen schmerzempfindlicher Organe wie der Hirnhaut, des Sehnervs oder der Nervenstränge. Doch auch Wetter und vor allem Wetterveränderungen können zu körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen führen. Die Wissenschaft dahinter nennt sich Biotropie (Bio = Leben, Tropie = Veränderung), also die Lehre über wetterbedingte Beeinflussung des Körpers.

Menschen besitzen die Fähigkeit, eigene Regelgrößen wie die Körperkerntemperatur trotz Schwankungen der Umwelt in einem bestimmten Bereich konstant zu halten. Über die Regulierung zum Beispiel der Herzaktivität, des Blutdrucks oder der Atmung wirkt das vegetative Nervensystem äußeren Störungen entgegen. Kommt das Nervensystem diesen Anpassungen nicht rechtzeitig hinterher, kann es zu Unwohlsein kommen. Dieser Zustand wird dann als „wetterfühlig“ bezeichnet und kann mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Schlafstörungen einhergehen. Auf etwa die Hälfte der Bevölkerung trifft dies zu. Verstärkt werden können die Beschwerden, wenn zusätzlich auch noch Vorerkrankungen vorliegen. Diese Personengruppe umfasst etwa 10-15 % und wird als „wetterempfindlich“ bezeichnet. Besonders Rheuma, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Probleme sowie psychische Erkrankungen zeigen ein signifikant stärkeres Wirken in Zusammenhang mit bestimmten Wetterlagen.

Gefahrenindizes für Wetterfühlige – Allgemeine Befindensbeeinträchtigung: Vorhersage für die 2. Tageshälfte am Samstag den 05.09.2026

Dabei wirkt immer die Gesamtheit der meteorologischen Parameter auf den Menschen ein. Also die Änderung der Lufttemperatur, Feuchte, Druck und Wind. Wetterlagen, bei denen sich diese Parameter rasch ändern, sind Durchzüge von Warm- oder Kaltfronten. Je nach Sektor, in dem man sich dabei befindet, sind unterschiedliche Beschwerden typisch.

Für alle wetterfühligen oder wetterempfindlichen Personen, die sich über die Auswirkungen der Wetterlagen in den kommenden Tagen informieren möchten, erstellt der Deutsche Wetterdienst täglich eine Gefahrenkarte für Wetterfühlige. Darauf ist bis zu 2 Tage im Voraus einzusehen, wo für welche Personengruppen erhöhte Befindensbeeinträchtigungen vorliegen. In der Karte können auch positive Einflüsse eingezeichnet sein. Dies ist zum Beispiel in warmen Hochdrucklangen ohne Bodeninversion der Fall. Dort können das allgemeine Befinden und das Herz- und Kreislaufgeschehen begünstigt werden, weshalb dies als anregende, konzentrations- und leistungssteigernde Wetterlage empfunden wird.

Es gibt verschiedene Methoden, der Beeinträchtigung durch Wetterumschwünge entgegenzuwirken beziehungsweise sich demgegenüber resistenter zu machen. So kann zum Beispiel die Anpassungsfähigkeit des Nervensystems trainiert werden, indem regelmäßig Wechselduschen genommen werden oder durch häufige Aufenthalte draußen bei unterschiedlichsten Wetterlagen. Weiter ist ein gesunder und stressfreier Grundzustand förderlich. Es sollte also auf genügend Schlaf, Vermeidung von Stress und eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden.

In diesem Sinne: euch allen einen hoffentlich kopfschmerzfreien Kopfschmerztag.

Meteorologin Anna-Lena Dötsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Kopfschmerzen-durch-Wetter.png 620 420 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-05 12:58:142026-09-14 17:52:55Kopfschmerzen durch Wetter

Zwischen Sturm und Spätsommer

4. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am heutigen Freitag zeigt sich das Wetter in Deutschland von zwei sehr unterschiedlichen Seiten. Während der Süden noch einmal sommerliche Wärme genießen kann, wird es im Norden und in Teilen der Mitte ausgesprochen ungemütlich. Verantwortlich dafür ist Tief VILJA, das neben Schauern und Gewittern vor allem kräftigen Wind im Gepäck hat.

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Freitag den 04.09.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Schon abseits der Gewitter weht der Südwest- bis Westwind stark bis stürmisch mit Böen um 70 km/h (Bft 8). Besonders am Nachmittag können sich zudem einzelne kräftige Gewitter entwickeln. Dann legt der Wind noch einmal deutlich zu und schwere Sturmböen um 100 km/h (Bft 10) sind wahrscheinlich. Damit steigt auch die Gefahr durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume. Wälder und Parks sollte man bei entsprechenden Warnungen daher besser meiden.

Spitzenböen (Farbe) und Luftdruck (Linie) von Modell ICON D2 für Freitagnachmittag um 15:00 Uhr. Die gelben und orangen Farben entsprechen Böen der Starke 7 bis 9 Bft (60 bis 80 km/h).

Doch nicht nur der Wind ist heute ein Thema. In einem Streifen vom nördlichen Niedersachsen bis nach Mecklenburg fällt gebietsweise länger anhaltender und kräftiger Regen. Dabei können bis zu 60 l/qm zusammenkommen – regional also eine Niederschlagsmenge, die dort etwa einem ganzen Monatsniederschlag entspricht.

Insgesamt gestaltet sich der Freitagnachmittag im Norden und in Teilen der Mitte damit ausgesprochen ungemütlich. Dazu passen auch die Temperaturen, die dort lediglich 18 bis 24 Grad erreichen.

Ein völlig anderes Bild bietet der Süden. Dort sorgt Hochdruckeinfluss für reichlich Sonnenschein und einen kurzen sommerlichen Höhepunkt. Mit 29 bis 32 Grad wird es verbreitet heiß. Wer also noch einmal Freibad- oder Biergartenwetter sucht, findet davon im Süden deutlich mehr als im Norden.

Am Samstag beginnt sich die Wetterlage allmählich zu beruhigen, allerdings längst noch nicht überall. Im Süden und Südosten fällt zunächst zeitweise Regen, bevor es im Tagesverlauf zunehmend trockener wird und sich häufiger die Sonne zeigt. Im Nordosten ist von einer Wetterberuhigung dagegen noch wenig zu spüren. Dort ziehen weiterhin Schauer und einzelne kurze Gewitter durch. Dazu bleibt es windig, mit Böen bis etwa 70 km/h, insbesondere an der Ostseeküste.

Erst am Sonntag setzt sich die Wetterberuhigung auch im Nordosten durch. Hochdruckeinfluss gewinnt zunehmend in ganz Deutschland die Oberhand, Schauer werden kaum noch ein Thema sein und gebietsweise scheint für längere Zeit die Sonne. Damit wird der Sonntag seinem Namen durchaus gerecht. Die Höchsttemperaturen liegen am Samstag zwischen 18 und 28 Grad, am Sonntag zwischen 19 und 30 Grad.

Auch am Montag bleibt uns das freundliche Wetter zunächst erhalten. Bei viel Sonnenschein wird es verbreitet spätsommerlich warm. Lange Bestand hat diese ruhige Wetterphase allerdings nicht.

Bereits ab Dienstag kündigt sich von Westen der nächste Wetterwechsel an. Neue Tiefausläufer bringen wieder mehr Wolken sowie gebietsweise Regen und Schauer. Auch einzelne Gewitter können auftreten. Gleichzeitig wird die zuvor warme Luft zunehmend verdrängt und die Temperaturen gehen zurück.

Spätestens am Mittwoch ist vom kurzen spätsommerlichen Intermezzo nicht mehr viel übrig. Bei wechselhaftem Wetter mit weiteren Niederschlägen steigen die Temperaturen voraussichtlich kaum noch über 23 Grad. Dazu macht sich der Wind wieder deutlicher bemerkbar und kann zeitweise kräftig auffrischen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Zwischen-Sturm-und-Spaetsommer-1.png 915 1286 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-04 15:47:252026-09-14 14:36:14Zwischen Sturm und Spätsommer

Deutschlandwetter im Sommer 2026

3. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,3 °C +4,6 Grad
2 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,2 °C +5,7 Grad
3 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,1 °C +4,9 Grad

Vergleichsweise kühle Orte im Sommer 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,8 °C +3,6 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 15,9 °C +3,7 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 16,0 °C +3,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 490,7 l/m² 76 Prozent
2 Ruhpolding-Seehaus Bayern 473,5 l/m² 68 Prozent
3 Oberstdorf-Birgsau Bayern 460,7 l/m² 71 Prozent

Besonders trockene Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Wörth am Main Bayern 67,6 l/m² 29 Prozent
2 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 68,7 l/m² 42 Prozent
3 Grünstadt Rheinland-Pfalz 70,4 l/m² 43 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 929 Stunden 137 Prozent
2 Konstanz Baden-Württemberg 925 Stunden 136 Prozent
3 Friedrichshafen Baden-Württemberg 915 Stunden 133 Prozent

Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im Sommer 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Schwarzburg Thüringen 619 Stunden 99 Prozent
2 Wittmundhafen Niedersachsen 640 Stunden 107 Prozent
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 642 Stunden 114 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitenwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwertes der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-03 13:58:072026-09-08 20:01:54Deutschlandwetter im Sommer 2026

Deutschlandwetter im August 2026

2. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Rheinfelden Baden-Württemberg 23,6 °C +5,3 Grad
2 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 23,5 °C +4,7 Grad
3 Ohlsbach Baden-Württemberg 23,5 °C +5,7 Grad

Vergleichsweise kühle Orte im August 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 15,9 °C +3,2 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 16,2 °C +3,0 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 16,3 °C +3,2 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Jachenau-Tannern Bayern 181,7 l/m² 87 Prozent
2 Teisendorf Bayern 163,3 l/m² 107 Prozent
3 Steingaden-Lauterbach Bayern 153,0 l/m² 88 Prozent

Besonders trockene Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Trollenhagen Mecklenburg-Vorpommern 15,8 l/m² 28 Prozent
2 Schollene Sachsen-Anhalt 15,9 l/m² 30 Prozent
3 Seehausen Sachsen-Anhalt 17,2 l/m² 34 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Weihenstephan Bayern 290 Stunden 137 Prozent
2 Konstanz Baden-Württemberg 289 Stunden 134 Prozent
3 Kösching Bayern 288 Stunden 136 Prozent

Vergleichsweise sonnenscheinarme Orte im August 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Wuppertal-Buchenhofen Nordrhein-Westfalen 198 Stunden 117 Prozent
2 Oberstdorf Bayern 207 Stunden 113 Prozent
3 Diepholz Niedersachsen 208 Stunden 109 Prozent

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

Hinweis: Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-02 12:50:372026-09-08 20:01:47Deutschlandwetter im August 2026

Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

1. September 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Eine Windkraftanlage entzieht der Strömung kinetische Energie. Gleichzeitig erzeugen die Rotorblätter Turbulenz. Dadurch entsteht hinter einem Windpark eine Strömungsabschattung. In diesem Bereich ist die Windgeschwindigkeit geringer, die Turbulenz erhöht und es kommt zu einem veränderten vertikalen Transport von Impuls, Wärme und Feuchte. In großen Windparks kann sich diese Abschattung (Wake) überlagern und unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen über viele Kilometer erstrecken.

Der Einfluss von Windkraftanlagen ist hauptsächlich in der atmosphärischen Grenzschicht vorhanden. Eine typische moderne Windkraftanlage besitzt eine Nabenhöhe von etwa 160 Metern. Die Gesamthöhe kann dabei bis zu 270 Meter betragen. Damit wird direkt nur die untere atmosphärische Grenzschicht beeinflusst. Ein Effekt auf die freie Atmosphäre oberhalb von 1 Kilometer ist kaum vorhanden.

In der atmosphärischen Grenzschicht nehmen große Windkraftparks aber vor allem bei stabiler atmosphärischer Schichtung einen entscheidenden Einfluss auf das Strömungsprofil stromabwärts. Die Windgeschwindigkeit wird dort deutlich reduziert. Diese Veränderungen der Strömung können über mehrere zehn Kilometer nachweisbar sein. Eine Studie fand unter stabilen atmosphärischen Bedingungen eine Strömungsänderung bis etwa 30 Kilometer stromabwärts großer Parks. Dieser messbare aerodynamische Nachlauf bedeutet aber nicht, dass auch das Wetter in diesem Umkreis entsprechend stark verändert wird.

Durch die erzeugte Turbulenz kann es kleinräumig zu Temperaturänderungen kommen. Dieser Effekt auf die Temperatur ist allerdings stark abhängig von der atmosphärischen Schichtung. Bei Hochdrucklagen mit stabiler Schichtung und starker Temperaturinversion wird der Grenzbereich zwischen wärmerer und kühlerer Luftmasse durchmischt. Dabei kann es in Erdbodennähe zu einer leichten Temperaturzunahme kommen. Allerdings ist dieser Effekt regional begrenzt und beschränkt sich auf die Leeseite der Windkraftanlagen. Modellstudien zeigen dort regional eng begrenzt Temperaturänderungen von bis zu 0,5 Grad Celsius.

Zudem können größere Windparks durch turbulente Prozesse auch die Bildung und Auflösung von Wolken beeinflussen. Besonders relevant ist dies bei einer stabil geschichteten und feuchten atmosphärischen Grenzschicht. Durch die Strömungsablenkung der Windparks können sich lokale Konvergenzen ausbilden, die die Bildung tiefer Wolken begünstigen. Modellstudien zeigten deshalb beispielweise über der Nordsee eine Zunahme der tiefen Bewölkung über den Windparks und eine Abnahme stromabwärts davon. Allerdings ist diese Wirkung nicht allgemeingültig. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die erzeugte Turbulenz auch Nebel oder tiefe Wolken auflösen. Entscheidend dabei sind die vorhandene Feuchtigkeit, die vertikale Temperaturschichtung und die Stabilität der atmosphärischen Grenzschicht.

Dieser Effekt auf die Bildung und Auflösung von Wolken führt zu einer weitergehenden kontroversen Frage: Können diese atmosphärischen Veränderungen den Niederschlag beeinflussen?

Zwischen Wolkenbildung und fallendem Niederschlag kommt es zu weiteren komplexen mikrophysikalischen Prozessen. Gleichzeitig bestimmen großräumige Feuchtetransporte und synoptische Hebungsprozesse, wo letztendlich Niederschlag entsteht. Damit nimmt die wissenschaftliche Unsicherheit deutlich zu. Während die Auswirkungen von Windparks auf Strömung und erzeugte Turbulenz gut belegt sind, ist die Frage nach langfristigen und räumlich relevanten Veränderungen des Niederschlags deutlich schwieriger zu beantworten.

Die Änderung tiefer Wolken und des Niederschlags im Bereich großer Windparks über der Nordsee im Zeitraum zwischen 2008-2017. Quelle: Akhtar 2022c

Dadurch ergibt sich bislang kein einheitliches Bild. Einige Untersuchungen zeigen unter bestimmten Bedingungen eine Zunahme des Niederschlags über großen Windparks und stromabwärts eine leichte Abnahme. Allerdings ist dieser mögliche Einfluss wesentlich von der Größe und Anordnung des Windparks sowie der jeweiligen Wetterlage abhängig! Hierbei wird von einem Szenario mit sehr großen und dicht gruppierten Windparks über der Nordsee ausgegangen. Deshalb ist diese Studie für die gegenwärtige Situation nicht repräsentativ!

Große Windparks beeinflussen somit nachweislich die atmosphärische Grenzschicht und können Wind, Turbulenz, Temperatur und unter bestimmten Bedingungen auch die Bildung- und Auflösung von Wolken modifizieren. Das sich daraus regionale Niederschlagsmuster verändern ist aktuell wissenschaftlich nicht belegt!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Der-Einfluss-grosser-Windparks-auf-Wetter-und-Niederschlag.png 598 1274 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-09-01 19:45:462026-09-08 20:01:43Der Einfluss großer Windparks auf Wetter und Niederschlag

Wie wird eigentlich … gemessen? – Temperatur

31. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Auch wenn der Sommer nun (zumindest im meteorologischen Sinne) zu Ende geht, bleiben uns die zahlreichen Meldungen über Hitzerekorde noch deutlich in Erinnerung. Nun stellt sich die Frage: Auf welche Weise kann die Temperatur denn überhaupt gemessen werden?
Offensichtlich ist dafür ein Thermometer notwendig. Doch diese Messgeräte machen sich mitunter viele physikalische Gesetze und Eigenschaften zunutze, um daraus schließlich die Temperatur abzuleiten.

Beispielbild eines Flüssigkeitsthermometers (Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Thermometer)

Beginnen wir mit einem klassischen Flüssigkeitsthermometer. Das Prinzip ist einfach. Eine bestimmte Flüssigkeitsmenge – früher Quecksilber, heutzutage oft Ethanol – dehnt sich aus, sobald sie erwärmt wird. Diese Volumenänderung zeigt sich, indem der Pegel der Flüssigkeit entlang eines Röhrchens steigt oder sinkt. Eine entsprechend angepasste Skala (siehe Link für mehr Informationen) gibt die Temperatur an. Doch nicht nur bei Flüssigkeiten lässt sich dieser Effekt verwenden. Eine weitere Thermometerbauweise zeichnet sich dadurch aus, dass zwei unterschiedliche Metallstreifen fest miteinander verklebt werden. Man nennt dies auch „Bimetallstreifen“. Die verschiedenen Wärmeausdehnungskoeffizienten sorgen bei Erwärmung oder Abkühlung dafür, dass sich das Bimetall in eine oder die andere Richtung krümmt. Das Ausmaß der Krümmung lässt auf die Temperatur schließen. Oft werden hierfür Legierungen verwendet, die Eisen, Nickel oder Mangan enthalten. Naheliegenderweise heißen die Messgeräte, die diese Art der Temperaturmessung benutzen, Ausdehnungsthermometer.

Beispielbild eines Bimetall-Thermometers (Quelle: Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bimetallthermometer)

Sogenannte Thermoelemente bestehen aus zwei unterschiedlichen Materialien, zwischen denen eine Spannung gemessen werden kann. Hierbei wird der sogenannte Seebeck-Effekt ausgenutzt. Dieser besagt, dass die gemessene Spannung abhängig vom Temperaturunterschied der beiden Materialien ist. Da nur die Differenz, jedoch nicht der absolute Temperaturwert gemessen werden kann, muss für eine echte Temperaturmessung eine der beiden schon bekannt sein.

Die Funktionsweise eines Widerstandsthermometers beruht darauf, dass der elektrische Widerstand temperaturabhängig ist. Liegt also ein konstanter Strom am Gerät an, ändert sich die gemessene Spannung, wenn sich die Temperatur ändert. Dadurch kann diese abgeleitet werden. Zumeist werden hierfür Metalle wie Platin, Nickel oder Silizium verwendet.

Allgemein haben diese Messgeräte die Gemeinsamkeit, dass sie mit der zu messenden Oberfläche oder dem zu messenden Material in Kontakt kommen müssen. Daher gibt es hierfür den Überbegriff „Berührungsthermometer“. Weitere Varianten sind beispielsweise das Dampfdruckthermometer, das auf den Eigenschaften des Dampfdrucks einer Flüssigkeit beruht, oder Temperaturmessstreifen. Letztere verändern in Abhängigkeit der Temperatur ihre Farbe.

Im Gegensatz dazu gibt es auch Messgeräte, die keinen direkten Kontakt benötigen. Hier wird die ausgehende Strahlung im Infrarotbereich genutzt. Diese ist sowohl in ihrer Intensität als auch in der Wellenlängenverteilung von der Eigentemperatur abhängig. Das Plancksche Strahlungsgesetz (bzw. das Stefan-Boltzmann-Gesetz und das Wiensche Verschiebungsgesetz) bildt dabei die physikalische Grundlage. Für die Messung wird ein Infrarotsensor benötigt. Verschiedene Variationen der Messung analysieren entweder einen großen Wellenlängenbereich oder konzentrieren sich auf wenige spezielle Wellenlängen und ermitteln aus dem Vergleich die Temperatur. Wohlbekannt ist uns diese Art der Messung beispielsweise von Fieberthermometern.

M.Sc. Met. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Wie-wird-eigentlich-.-gemessen-1.jpg 456 250 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-31 17:39:002026-09-08 20:01:38Wie wird eigentlich … gemessen? – Temperatur

Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

30. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein ausgeprägter Tiefdruckkomplex über Nordwest- und Nordeuropa sorgt bei uns vor allem im Norden für wechselhaftes und kühleres Wetter. So treten bereits am heutigen Sonntag in Verbindung mit Tief SINA bei vielen Wolken Schauer auf. Im Süden bleibt es dagegen bei schwachem Zwischenhocheinfluss überwiegend trocken. Dazu liegen die Höchsttemperaturen von Brandenburg bis zum Mittelrhein und südöstlich davon häufig bei oder gar über 25 Grad. An der unteren Donau und am Oberrhein gibt es bei bis zu 29 Grad nochmals bestes Badewetter.

Vorhersagekarte für Sonntag, den 30.08.2026 um 12 UTC. Tief SINA beeinflusst vor allem den Norden des Landes.

Zu Wochenbeginn folgt auf Tief SINA bereits das nächste Tief. Dabei sickert nicht nur kühlere sondern auch labil geschichtete Luft vor allem in die Nord- und Nordwesthälfte des Landes. Das bedeutet, dass sich im Tagesverlauf vermehrt teils kräftige Schauer und Gewitter entwickeln können. Dabei dürfte vor allem der Wind zum Thema werden. Bei kräftigen Gewittern sind durchaus Sturmböen um 85 km/h (Bft 9) möglich. Zudem tritt punktuell kleinkörniger Hagel und Starkregen auf. Auch abseits der Gewitter weht ein kräftiger Südwestwind. Auf den Bergen und an der Nordsee treten auch abseits der Gewitter örtlich Sturmböen (Bft 9) auf. Im Süden präsentiert sich das Wetter dagegen insgesamt freundlicher. Zwar sind auch dort einzelne Schauer nicht völlig ausgeschlossen, vielerorts bleibt es jedoch trocken. Die Temperaturen gehen allerdings im Vergleich zu den vorherigen Tagen etwas zurück, ohne dass sich der Sommer dort vollständig verabschiedet.

Im Norden bleibt es durch die Nähe zur Frontalzone auch in der zweiten Wochenhälfte wechselhaft mit weiteren Schauern und einzelnen Gewittern. Dadurch ergibt sich dort ein frühherbstlicher Eindruck. Im Süden herrscht dagegen unter schwachem Hochdruckeinfluss weiterhin ruhiges Spätsommerwetter. Ab Freitag macht sich von Südwesten zudem ein Höhenrücken bemerkbar. Dabei strömt in den Süden des Landes wieder sehr warme bis heiße Luft ein. Somit wird am Freitag am Oberrhein voraussichtlich auch wieder die Hitzegradmarke von 30 Grad erreicht. In der Nordhälfte ist von der sehr warmen bis heißen Luftmasse aber nichts zu spüren. Dort bleibt es unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckgebiete nur mäßig warm.

Die synoptische Übersicht im Modellvergleich für Samstag, den 05.09.2026 um 00 UTC. Ab dem Wochenende nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Der äußerste Süden bleibt aber voraussichtlich noch in der sehr warmen bis heißen Subtropikluft.

Zum Wochenende nehmen die Unsicherheiten in den Vorhersagemodellen deutlich zu. Einige Berechnungen zeigen ein rasches Zurückdrängen der sehr warmen bis heißen Subtropikluft auch im Süden des Landes. Die wahrscheinlichste Lösung nach jetzigem Stand ist allerdings eine Fortsetzung des sehr warmen bis heißen und meist auch freundlichen Spätsommerwetters im Süden. Somit ist durchaus möglich, dass den Bewohnern im äußersten Südwesten entlang des Ober- und Hochrheins noch einige Hitzetage bevorstehen. Eine klassische, flächendeckende Hitzewelle wie während der markanten Hitzeperioden des Sommers 2026 ist allerdings nicht zu erwarten. Anfang September werden die Nächte bereits deutlich länger, wodurch die Temperaturen stärker absinken können. Selbst bei Höchstwerten um oder über 30 Grad ist die nächtliche Abkühlung deshalb meist ausgeprägter als noch im Hochsommer. Die Wärmebelastung fällt entsprechend geringer aus.

Fazit: Der Sommer meldet sich zumindest regional noch einmal zurück. Während sich der Norden unter dem Einfluss atlantischer Tiefdruckgebiete zunehmend wechselhaft und zeitweise fast frühherbstlich präsentiert, stehen die Chancen im Süden und insbesondere im Südwesten gut für eine erneute spätsommerliche bis hochsommerliche Wetterphase. Ob daraus nur ein kurzer Wärmeschub oder sogar mehrere Hitzetage werden, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Tagen.

Die Ensemblevorhersagen für Stuttgart und Hamburg. Im Norden bleibt es bis zum Wochenende mäßig warm und häufig nass. Im Süden ist dagegen in der zweiten Wochenhälfte eine Erwärmung erkennbar. Ab dem Wochenende nehmen die Unsicherheiten deutlich zu. Quelle: ECMWF

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/09/Kommt-die-hochsommerliche-Hitze-zurueck-1.png 909 1279 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-08-30 13:31:272026-09-08 20:01:35Kommt die hochsommerliche Hitze zurück?

Hurrikan KATRINA: Heute vor 21 Jahren

29. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tropische Wirbelstürme bilden sich über dem Nordatlantik jedes Jahr. Die sogenannte Hurrikansaison beginnt dabei am 1. Juni und endet Ende November. 2005 war eine der aktivsten Jahre mit 28 tropischen Stürmen, davon 15 mit Hurrikanstärke. Insbesondere Hurrikan KATRINA bleibt im Gedächtnis, da dessen Landgang mit vielen Todesfällen und enormen Schäden einher gegangen ist.

Abb. 1: Satellitenbild von Hurrikan KATRINA.

Schon am 23. August bildete sich eine tropische Depression bei den Bahamas und verstärkte sich im Laufe des nächsten Tages zu einem tropischen Sturm – der „Vorstufe“ eines Hurrikans. Während sich das System zuerst nach Norden bewegte und dann in südöstliche Richtung über Florida schwenkte, erreichte es am 25. August erstmals die Stärke eines Hurrikans der Stufe 1. Nach kurzer Abschwächung über Land erreichte KATRINA den Golf von Mexiko. Hier begünstigten Faktoren, wie eine hohe Wassertemperatur und eine schwache Windscherung die weitere Entwicklung. Dadurch konnte sich eine erste rasche Verstärkungsphase (rapid intensification) vollziehen. In nur 24 Stunden stieg die mittlere Windgeschwindigkeit von 65 auf 95 kt (120 auf 175 km/h) an und die Hurrikanstufe 3 wurde am 27. August erreicht. Daran schloss sich ein zweiter rasanter Entwicklungsschritt an. KATRINA änderte ihre Zugrichtung durch eine Veränderung der Strömung in höheren Schichten auf Nordost. In weniger als 12 Stunden entwickelte sie sich zu einem Hurrikan der Kategorie 5, der höchsten Kategorie in der Saffir-Simpson-Skala! Die maximale Intensität von 145 kt (270 km/h) und ein Kerndruck von 902 hPa wurden am Abend des 28. August erreicht.

Abb. 2: Hurrikan KATRINAs Zugbahn. Die Farben stellen die Stärke dar.

Leider zog dieses zerstörerische System daraufhin in nördliche Richtung, schwächte sich zwar noch auf Stufe 4 ab, traf aber am 29. August nahe New Orleans auf die Küste der USA. Neben den exorbitanten Windgeschwindigkeiten hatten sich entwickelnde Tornados, große Regenmengen und eine Flutwelle, die eine Höhe von bis zu 8 Metern erreichte, verheerende Folgen. Beispielsweise stand der Großteil des Stadtgebietes von New Orleans durch Brüche von Staudämmen bis zu 7,6 Meter tief unter Wasser. Dort festsitzende Menschen mussten teilweise einige Tage auf Rettung warten. Insgesamt entstanden Schäden in Höhe von einem Dollarbetrag im dreistelligen Milliardenbereich. So wurde KATRINA zum kostenintensivsten Hurrikan der Geschichte. Glücklicherweise konnten vermutlich etwa 1,3 Millionen Menschen rechtzeitig die betroffenen Gebiete verlassen, dennoch waren über den gesamten Entwicklungszeitraum dieses Systems 1392 Tote zu beklagen. Wer einen detaillierten Bericht (auf Englisch) zu Hurrikan KATRINA lesen möchte, der findet einen solchen unter https://www.nhc.noaa.gov/data/tcr/AL122005_Katrina.pdf.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Göttliche Zeichen am Himmel? – Historische Interpretationen von Halos

28. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Ein Halo entsteht, wenn Sonnen- oder Mondlicht auf Eiskristalle trifft, die sich zum Beispiel in hohen Schleierwolken (Cirruswolken) befinden. Diese Eiskristalle sind meist sechseckig und können das Licht brechen und reflektieren. Je nach genauer Form oder Lage der Kristalle entstehen dabei unterschiedlichste Erscheinungen um die Lichtquelle herum. Dazu gehören unter anderem mehrere Ringe (Halos), Nebensonnen und Lichtbögen.

Heute ist das Auftreten dieses Spektakels physikalisch also gut erklärbar. Doch in früheren Zeiten ging die Sichtung eines Halos oft mit einer Reihe abergläubischer Interpretationen einher.

Halo bei Maria Bildhausen/Bayern vom 17.03.2023, ca. 13 Uhr

Eine dieser Geschichten ereignete sich am 7. Mai 1665 im südlichen Frankreich. Dort wurde in einer feierlichen Zeremonie die Herrschaft über die Stadt Orange zurück an den jungen Prinz William Henry von Nassau gegeben. Etwa zur Mittagszeit versammelten sich viele Menschen vor dem alten römischen Theater, um der Zeremonie beizuwohnen.

Zeichnung des Ereignisses vom 7. Mai 1665 in Orange

Plötzlich ertönen Schreie, Ausrufe der Verwunderung und des Entsetzens, Aufruhr fährt durch die Menge. Gerade als der Prinz den Thron antritt und die Bürger ihm die Treue schwören, erscheint eine „himmlische Krone direkt über dem Thron“. Als ein „außergewöhnliches Event“ in den „Farben eines Regenbogens“ wird es beschrieben. Es schien der gläubigen Gemeinde, als hätte Gott ein Zeichen gesendet. Er drücke durch dieses himmlische Symbol sein Wohlwollen dem jungen Prinzen gegenüber aus und verheiße ihm eine gute Zukunft. Auch der Leiter der Zeremonie, Constantijn Huygens, befeuerte diese Euphorie. Er trieb den Enthusiasmus der Menschen so in die Höhe, dass Dichter Gedichte über dieses Ereignis schrieben und Künstler Gemälde malten.

Die interessante Wendung dieser Geschichte:

Vielleicht ist aufmerksamen Leserinnen und Lesern, die bereits das Glück (oder Unglück?) hatten, sich mit der Wellentheorie des Lichts zu beschäftigen, der Name des Zeremonienleiters (Huygens) schon aufgefallen. Denn jener Mann, der oben auf dem Podium der Menge predigt, Gott habe ein Zeichen zur Gunst des jungen Prinzen gesendet, ist kein Geringerer als der Vater des heute bekannten Naturwissenschaftlers Christiaan Huygens. Dieser entwickelte nur drei Jahre vor jenem „göttlichen“ Geschehnis die erste erfolgreiche quantitative Beschreibung der Entstehung von Halos. Kaum anzunehmen, dass sein eigener Vater Constantijn Huygens nicht Bescheid wusste, was dort gerade vonstatten ging. Ein cleverer Trick von Constantijn Huygens also, wissend, dass es sich lediglich um ein physikalisches Schauspiel handelte, die Euphorie der Menschen in eine politische Richtung zu lenken. Denn wer widersetzt sich schon einem Prinzen, der vom Allmächtigen persönlich abgesegnet wurde?

Diese Politisierung des Auftretens von Halo-Erscheinungen in günstigen Momenten ist jedoch kein Einzelfall. Schon bei den alten Römern (44 vor Christus) und auch zur Tschernobyl-Katastrophe (1986) gab es ähnliche Vorfälle, die aber wohl eher Gegenstand eines weiteren Themas des Tages sind.

Wen nun ebenfalls die Euphorie für optische Erscheinungen am Himmel gepackt hat, der kann sich mithilfe der HaloSim3-Software (https://www.atoptics.org.uk/halo/halfeat.htm) auch eigene Phänomene zusammenbasteln. In dem Programm ist es zum Beispiel möglich, durch Herumspielen mit physikalischen Parametern wie Eiskristallausrichtung exakt den Himmel zum Zeitpunkt von Huygens‘ Zeremonie nachzubauen. Alternativ lässt sich auch einfach gut die Vielfältigkeit der Erscheinungen durch Lichtbrechung und Beugung bewundern.

Obwohl das physikalische Verständnis heute wesentlich weiter ist als zu jener Zeit, sorgt die Sichtung von Halo-Ereignissen dennoch für Begeisterung. Schließlich befindet es sich an einem Ort, an dem die Menschen seit jeher nach Antworten suchen: dem Himmelszelt. Ob dies als Zeichen für etwas gedeutet werden kann, bleibt letztlich jedem selbst überlassen.

Meteorologin Anna-Lena Dötsch / Dipl.-Met Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update

27. August 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht, sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem Nordatlantik.

Ganz kurz für’s Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (englisch: major hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 – also innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode – pro Jahr 14 tropische Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere Hurrikane.

Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt, der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El-Niño für erhöhte Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.

Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich ausbildendem El-Niño eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden El-Niño-Effekt kompensieren konnte. Da sich die Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat, wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.

Prognose der atlantischen Hurrikansaison 2026 durch die NOAA.

Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7 bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6 (unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis 3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.

Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha (19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von über einer Milliarde US-Dollar. „Bertha“ machte sich dagegen mehr durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste bemerkbar. Dabei werden die Schäden „nur“ auf einige zehn Millionen US-Dollar geschätzt.

Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines tropischen Systems innerhalb der nächsten sieben Tage. Hinweis: Laut Nationalem Hurrikan Zentrum (NHC) soll sich die hier beobachtete Störung bereits innerhalb der nächsten 48 Stunden zu einem tropischen System entwickeln (nicht auf dieser Karte zu sehen).

In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf „4“ gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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