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Die zyklonale Westlage kommt!

In den kommenden Tagen stellt sich eine ausgeprägte (zyklonale) Westlage ein, die klassische Wetterlage der mittleren Breiten. Erst am Wochenende gibt es möglicherweise einen Hauch von „Goldenem Oktober“.

Bevor wir zur bevorstehenden Wetterlage kommen, werfen wir einen Blick auf die vergangene Nacht und den heutigen Montagmorgen. In Ost- und Norddeutschland klopfte vielerorts zum ersten Mal in diesem Herbst Väterchen Frost an. Dort, wo für längere Zeit die Sterne am Himmel funkelten, konnte die Luft bis zum Morgen mit 0 bis teils unter -3 Grad verbreitet bis in den leichten Frostbereich abkühlen (siehe Abb. 1). Am kältesten war es in Ostsachsen mit -3,8 Grad in Sohland an der Spree. Direkt über dem Erdboden (genauer gesagt in 5cm Höhe) wurden zum Teil sogar unter -5 Grad gemessen (z.B.: Baruth: -5,4°C). Ganz anders sah es unter der dichten Wolkendecke im Westen und Süden aus. Dort verhinderten die Wolken eine starke Auskühlung der Luft, sodass mit Frühwerten von 9 bis 3°C Frost kein Thema war. Soviel zur Vergangenheit.

Die zyklonale Westlage kommt!

Die zyklonale Westlage kommt!

Nachdem am heutigen Montag schwacher Zwischenhocheinfluss dominiert, der vor allem im Norden und Osten sowie in Teilen der Mitte viel Sonnenschein mit sich bringt, stellt sich ab dem morgigen Dienstag die für mittlere Breiten klassische Wetterlage ein: die Westlage. Auch wenn diese in den letzten beiden Jahren in Mitteleuropa vergleichsweise selten vorkam, ist sie noch immer die charakteristische Wetterlage der mittleren Breiten. Südlich von Island etabliert sich ab dem morgigen Dienstag das kräftige steuernde Tiefdruckgebiet PETER, das auch als „Islandtief“ bekannt ist (großes „T“ in Abb. 2). An seiner Ostseite nimmt es noch weitere kleine Randtiefs unter seine Fittiche (kleine „t“s). Demgegenüber hat sich nordwestlich der Azoren ein auch als „Azorenhoch“ bekanntes Hochdruckgebiet gebildet. Auch über dem westlichen Mittelmeer sowie in Osteuropa ist überwiegend hoher Luftdruck vorherrschend („H“s). Zwischen diesen Druckgebilden stellt sich eine recht glatte Druckverteilung ein, d.h. die Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks, schwarze Linien in Abb. 2) verlaufen relativ geradlinig entlang der Breitengrade von West nach Ost. Da sich die Luft bei einem Tiefdruckgebiet gegen und im Hochdruckgebiet im Uhrzeigersinn dreht, resultiert diese Luftdruckverteilung in einer westlichen Strömung (blaue Pfeile) – daher der Begriff „Westlage“.

Die Luft gelangt somit vom Atlantik nach Mitteleuropa, sodass die Temperaturen Sommer wie Winter eher gemäßigt ausfallen (d.h. im Sommer eher kühl, im Winter eher mild). Das Wetter kann sehr unterschiedlich sein. Liegen die relevanten Druckgebilde relativ weit nördlich, dann überwiegt in Mitteleuropa der Einfluss des Azorenhochs und man spricht von einer „antizyklonalen“ (also hochdruckgeprägten) Westlage, bei der nur wenig oder kein Niederschlag zu erwarten ist. Sind die Druckgebilde weiter südlich verortet, können hingegen häufiger Frontensysteme bis nach Deutschland vordringen. Das Wetter gestaltet sich dadurch wechselhaft und man spricht von einer „zyklonalen“ (also tiefdruckgeprägten) Westlage.

In dieser Woche hat die Wetterlage einen zyklonalen Wettercharakter. Bereits in der kommenden Nacht zum Dienstag greift von Westen her das Frontensystem des isländischen Zentraltiefs PETER auf Deutschland über und es setzt von West nach Ost fortschreitend Regen ein. Während am morgigen Dienstag in der Nordhälfte die Front samt Regen rasch nach Osten abzieht, gerät sie in der Südhälfte ins Schleifen, sodass es dort tagsüber und bis in die Nacht zum Mittwoch anhaltend und zeitweise auch kräftig regnen kann. Auch in Küstennähe können sich einzelne Schauer bilden, aus denen es vereinzelt auch mal blitzen kann. Am Mittwoch und Donnerstag setzt sich das wechselhafte Wetter mit Schauern und einzelnen kurzen Gewittern fort und es bleibt (wie bereits am Dienstag) mit 11 bis 17 Grad eher kühl. Abb. 3 zeigt abschließend die zu erwarteten Regensummen bis Samstag 0 UTC, berechnet mit dem deutschen Modell ICON-EU. Die feuchte Meeresluft und die schützende Wolkendecke haben dafür relativ milde Nächte zur Folge, Frost ist also ab der Nacht zum Mittwoch auch im Osten nicht mehr zu erwarten.

Zum Ende der Woche deutet sich dann aber eine Wetterbesserung an. Dem steuernden Islandtief geht mehr und mehr die Puste aus und die Luftströmung dreht allmählich auf südwestliche Richtungen. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss kann sich schon am Freitag im Süden häufiger die Sonne zeigen. Am kommenden Wochenende setzt sich voraussichtlich auch in den übrigen Landesteilen der „Goldene Oktober“ mit viel Sonnenschein und recht milden Temperaturen bis 20 Grad durch, nur der Norden bleibt nach aktuellem Stand weiterhin etwas benachteiligt.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.10.2019

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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