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Die Ruhe vor dem Sturm

Schmuddel-Wetter anstatt Winterfreuden!

Noch dominiert Hochdruckeinfluss das Wetter im Land. Doch ab dem Wochenende kommt Schwung in die Wetterküche. Das Hoch sagt adieu und ein atlantisches Tief übernimmt das Kommando.

Noch ist es ruhig. Hoch EKART I über England und EKART II über dem Balkan dominieren über Mittel- und Südosteuropa und beeinflussen somit das Wetter von den Britischen Inseln bis zum Schwarzen Meer. Die Folge ist ruhiges, zu Nebel und Hochnebel neigendes Wetter in Deutschland. Lediglich der Norden und Nordosten gelangt zeitweise in den Bereich durchziehender Tiefausläufer, deren Tiefs sich von Neufundland bis an die Küste Norwegens tummeln. Aus Sicht eines Warnmeteorologen liegt der Fokus neben dem Nebel und dem Frost bei der Glätte- oder Glatteisgefahr. Die geringen Niederschläge, die entweder aus der Hochnebeldecke zu Boden fallen oder aber durch die schwachen Tiefausläufer von Norden her ins Land driften, können vor allem in den Mittelgebirgsregionen auf den teils frostigen Böden örtlich zu einer erheblichen Glättesituation führen.

Auch in den nächsten Tagen bleibt diese Konstellation grundsätzlich bestehen. Allerdings schwächelt EKART I, während der starke Bruder über dem Balkan weiter kräftig sein Zepter schwingt. Durch die Abschwächung von EKART I nutzt das iberische Unwettertief der vergangenen Tage ILKA seine Chance und versucht sich wieder an die Frontalzone weiter nördlich anzukoppeln. Entsprechend drehen die Wind über Deutschland allmählich auf eine südliche bis südwestliche Komponente. Sie wehen zwar zunächst noch überwiegend schwach, doch von Südwesten und Westen kann dennoch mildere Luft einsickern. Einhergehend sinkt die Glättegefahr und beschränkt sich meist auf die Nachtstunden.

Ab Sonntag wird es dann voraussichtlich für alle Wetterfans wieder spannender, während den Wintersympathisanten bei den anstehenden Prognosen wohl eher die Tränen kommen.

Über dem Nordostatlantik kann sich Tief KIM zu einem kräftigen, steuernden Tief aufplustern und allmählich den Einfluss auf West-, Mittel- und Teile Nordeuropas ausdehnen. Hoch EKART wird dabei immer weiter nach Osten abgedrängt und hat ab Sonntag wohl keinen Zugriff mehr auf das Wetter in Deutschland. Die Südwestströmung auf der Vorderseite von KIM nimmt dann Fahrt auf. Bis Montag beschränken sich die damit einhergehenden starken bis stürmischen Böen zunächst wohl noch auf die Nordseeregionen und die Hochlagen der Berge. Es reicht aber, um mildere Luft ins Land zu transportieren, sodass nach derzeitigem Stand die Höchstwerte am Sonntag verbreitet zwischen 4 und 11 Grad liegen. Lediglich im Südosten ist es dann noch etwas kühler.

Zum Montag könnte dann die erste Sturm-, je nach Entwicklung vielleicht sogar Orkanlage des Jahres anstehen. Auf der Südseite von Tief KIM wird von den Modellen eine Randtiefentwicklung gezeigt. Aufgrund der vorherrschenden Bedingungen in den aktuellen Modellläufen steht einer rapiden Verstärkung des Tiefs nur wenig entgegen. Unsicher ist aber noch die genaue Zugbahn. Ab Montag stehen daher wohl auf jeden Fall windige bis stürmische Zeiten bevor. Wen sich die derzeitigen Prognosen bestätigen, könnte auch Sturmböen oder schwere Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen regional auf dem Programm stehen. Das Ganze dann bei Höchstwerten zwischen 5 und 14 Grad und recht viel Regen. Schmuddel-Wetter anstatt Winterwetter!

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 23.01.2020

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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