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Schlagwortarchiv für: Eisheilige

Kühles „Aprilwetter“ an den Eisheiligen

14. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Tief „Doreen“ liegt aktuell über dem Süden Norwegens. Mit einer meist nördlichen Strömung fließt dabei kühle Luft aus polaren Breiten zu uns, die auf ihrem Weg über das Meer Feuchtigkeit aufnehmen kann. Wird diese Luftmasse nun über Land von der Sonne im Tagesverlauf erwärmt, entsteht ein Temperaturgefälle zwischen der Luft am Boden und der deutlich kälteren Luft in höheren Atmosphärenschichten über Deutschland. Dabei spricht man unter Meteorologen von einer Labilisierung der Atmosphäre. Diese hat zur Folge, dass sich insbesondere tagsüber zahlreiche Schauer und Graupelgewitter ausbilden können. Zwischen den Schauern und Gewittern kommt aber immer wieder auch die Sonne zum Vorschein. Mit der einen oder anderen starken bis stürmischen Böe muss in Schauer- und Gewitternähe ebenfalls gerechnet werden.

Bodendruckverteilung in Europa: Tief „DOREEN“ liegt über dem Süden Skandinaviens. An seiner Westflanke wird kühle Polarluft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

Da die Luft auch in höheren Luftschichten vergleichsweise kühl ausfällt, sinkt die Schneefallgrenze auf 1000 bis 1500 m ab, sodass die höchsten Mittelgebirgsgipfel, aber vor allem die Alpen etwas Neuschnee sehen. Insbesondere in höher gelegenen Staulagen des Allgäus und des Berchtesgadener Landes können bis Sonntag auch über 40 Zentimeter Schnee niedergehen. Für Outdoor-Fans ist in diesen Regionen also passende Kleidung mitunter lebensnotwendig.

Webcamfoto von der Wetterwarte Zugspitze vom 14. Mai 2026 um 06:20 Uhr. (Quelle: www.foto-webcam.eu)

Minimumtemperatur in 5 cm über dem Boden für die Nacht zum Freitag, den 15. Mai 2026. (Quelle: DWD)

Wenn die Schauer und Gewitter nachts dann etwas nachlassen (meist aber nicht ganz abklingen), kann die Bewölkung etwas auflockern. Dadurch kühlt die bodennahe Luft rasch aus, sodass gebietsweise leichter Frost in Bodennähe auftritt. Insbesondere in höher gelegenen Tallagen der Mittelgebirge sowie der Alpen ist auch leichter Luftfrost möglich. Für einige Pflanzen kann dies problematisch sein, da empfindliche Triebe und Blüten durch Frost geschädigt werden können.

Pünktlich zu den Gedenktagen der Eisheiligen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai) stellt sich also bei uns durch den derzeitigen Kaltlufteinbruch eine kühle Witterung ein.

Das „Aprilwetter“ betrifft am heutigen Vatertag, dem 14. Mai 2026 (Christi Himmelfahrt) in der Tat nahezu ganz Deutschland. Packen Sie also besser mal eine Regenjacke in den Bollerwagen. Am morgigen Freitag ist zumindest der östliche Teil der Norddeutschen Tiefebene meist trocken. Dort zeigt sich dann sogar längere Zeit wieder die Sonne.

Animation des Wetterradars in Deutschland von Donnerstag, dem 14. Mai zwischen 4 und 12 Uhr. (Quelle: DWD)

Am Wochenende kann sich die eingeflossene kühle Polarluft etwas erwärmen. Gleichzeitig lässt die Schauertätigkeit im Laufe des Wochenendes etwas nach und die Sonne zeigt sich wieder häufiger. Nur an den Alpen fällt bei dichter Bewölkung längere Zeit Regen, der ab etwa 1500 m in Schnee übergeht.

Zum Start in die neue Woche schwächt sich „Doreen“ ab und ein Atlantiktief übernimmt die Wetterregie. Dadurch gelangt Deutschland in eine südwestliche Strömung, mit der zunehmend mildere Luftmassen zu uns gelangen. Entsprechend steigen die Höchstwerte im Laufe der nächsten Woche allmählich wieder an. Auch die Sonnenanteile nehmen etwas zu, wenngleich sich verbreitet sonniges Hochdruckwetter zunächst nicht abzeichnet. Am Montag sorgt ein Tiefausläufer in der Westhälfte für Schauer und Gewitter. Und auch in den Folgetagen bleibt es leicht wechselhaft – nur eben auf höherem Temperaturniveau.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Kuehles-1.png 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-14 09:55:362026-05-15 10:05:00Kühles „Aprilwetter“ an den Eisheiligen

Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

9. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wenn es nach den ersten warmen Frühlingstagen im Mai zu einem plötzlichen Kälterückfall kommt mit Nachtfrösten oder gar Schnee, wird das gerne den sogenannten „Eisheiligen“ zugeschrieben. Zu den Eisheiligen, die gerne auch „Gestrenge Herren“ oder „Eismänner“ genannt werden, zählen die fünf katholischen Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, die nach dem julianischen Kalender zwischen dem 11. und 15. Mai ihren Namenstag haben. Mehreren Bauernregeln zufolge sollen sich in diesem Zeitraum späte Frostnächte häufen. Um es vorweg zu nehmen: Die Eisheiligen haben, im Gegensatz zu einigen anderen sogenannten „Witterungsregelfällen“ wie dem „Siebenschläfer“ oder dem „Weihnachtstauwetter“, keine große Aussagekraft. Warum sie als meteorologische Singularität deswegen umstritten sind, soll in der Folge erläutert werden.

Ein grundlegendes Problem ergibt sich schon alleine aus der Tatsache, dass sich die Namenstage auf den julianischen Kalender beziehen. Im Zuge der gregorianischen Kalenderreform im Jahre 1582 müsste man die Regel eigentlich eine gute Woche später anwenden. Doch selbst unter Berücksichtigung der Verschiebung sucht man in historischen Wetterdaten vergeblich nach einer statistisch auffälligen Häufung von Kaltlufteinbrüchen und Nachtfrösten während der Eisheiligen. Vielmehr treten Kaltlufteinbrüche und Nachfröste im Mai eher zufällig auf, wobei deren Wahrscheinlichkeit mit fortschreitender Jahreszeit sukzessive abnimmt (siehe Abbildung 1 als Beispiel).

Verlauf von Höchst-, Mittel- und Tiefsttemperatur sowie die Anzahl der Tage mit Tiefsttemperaturen unter 3 °C im Mai in Frankfurt/Main, gemittelt über den Zeitraum von 1961 bis 2020. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Betrachtet man die letzten 50 Jahre und setzt als Kriterium für Eisheilige eine Tiefsttemperatur von höchstens 3 °C an, dann trafen sie im Schnitt nur in einem Drittel der Fälle zu, was sehr wenig ist für einen Witterungsregelfall. Das Weihnachtstauwetter zum Beispiel tritt in mehr als zwei Drittel der Fälle ein.

Tatsächlich scheinen die Eisheiligen als meteorologische Singularität also eher ein Mythos zu sein, der auf regionalen Sondererfahrungen aus dem Mittelalter fußt und keinesfalls Allgemeingültigkeit besitzt.

Davon losgelöst haben späte Kaltlufteinbrüche im Mai aber sehr wohl eine herausragende Bedeutung, insbesondere für die Landwirtschaft. Frostschäden sind trotz oder gerade wegen des Klimawandels ein großes Thema und können zu erheblichen Ernteeinbußen führen. Die Klimaerwärmung sorgt tendenziell für einen immer früheren Vegetationsbeginn, gleichzeitig nimmt die Gefahr später Kaltlufteinbrüche aber dennoch nicht signifikant ab. Ausgerechnet der Mai ist nämlich der Monat mit dem klimawandelbedingt geringsten Temperaturanstieg (siehe Abbildung 2).

Abweichungen der Temperaturen vom Referenzzeitraum 1961-1990 im Mai in Deutschland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Eisheiligen haben zumindest als mystischer Platzhalter für die generelle Spätfrostgefahr im Mai ihre Daseinsberechtigung. Aber: Nicht der Mythos selbst entscheidet darüber, wie das Wetter wird, sondern das Wetter selbst.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Die-Eisheiligen-1.png 714 1064 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-09 13:08:022026-05-11 14:15:22Die Eisheiligen: Nur ein Mythos?

Viel Sonnenschein am Muttertag und zum Beginn der Eisheiligen

11. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Sonntag ist Muttertag. Der erste Muttertag wurde 1907 als „Memorial Mothers Day Meeting“ von Anna Marie Jarvis zu Ehren ihrer verstorbenen Mutter veranstaltet. Sie wählte hierfür den 12. Mai, den Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter. Im darauffolgenden Jahr wurde dieser Gedenktag wiederholt und zwar erneut am zweiten Sonntag im Mai. Allerdings wurde er nicht nur ihrer, sondern allen Müttern gewidmet. Hierzu verteilte Anna Marie Jarvis Nelken als Lieblingsblumen ihrer Mutter vor der örtlichen Kirche, rote für die lebenden und weiße für die verstorbenen Mütter. Nachfolgend setzte sie sich dafür ein, dass ihr „Muttertag“ auch offiziell als Feiertag anerkannt werden würde. Sie war erfolgreich damit, denn am 08. Mai 1914 beschloss der US-Kongress, dass der Muttertag als nationaler Feiertag am zweiten Sonntag im Mai gefeiert werden solle. Die zunehmende Verbreitung und die damit einhergehende Kommerzialisierung des Muttertags sah sie jedoch kritisch und versuchte erfolglos, den Feiertag wieder abzuschaffen. 

Doch wie gestaltet sich das Wetter am heutigen Muttertag? Hoch SIMONE beschert allen (Groß-)Müttern zu ihrem Ehrentag viel Sonnenschein. Niederschlag ist keiner zu erwarten, nur direkt an den Alpen kann es am Nachmittag einzelne Schauer und Gewitter geben. Bei den Höchsttemperaturen gibt es hingegen eine Zweiteilung: Während im Nordosten und Osten sowie im äußersten Süden 13 bis 20 Grad erreicht werden, kann in den übrigen Landesteilen Kaffee und Kuchen bei 20 bis 26 Grad durchaus auf Balkon, Terrasse oder im Garten genossen werden. Allerdings kann der Nordost- bis Ostwind zeitweise etwas böiger sein. 

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Sonntag, 11.05.2025 12 UTC  

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Sonntag, den 11.05.2025 

In Anlehnung an den Muttertag wurde am gestrigen Samstag der internationale „Mutter-Ozean-Tag“ begangen, der zum weltweiten Schutz der maritimen Lebensräume aufruft. Dieser Aktionstag wurde 2013 vom US-amerikanischen South Florida Kayak Fishing Club ins Leben gerufen und schließlich von der Stadt Miami offiziell anerkannt. Inzwischen wird der „Mother Ocean Day“ auch international begangen. Das Bewusstsein für die Bedrohungen der Meere als Ursprung und Ressource des Lebens soll dadurch geschärft werden. 

Bezüglich der Datierung finden sich jedoch unterschiedliche Angaben. Die einen Quellen verweisen auf einen festen Termin am 10. Mai. Andere Quellen sprechen wiederum von einem beweglichen Datum. Diese gehen davon aus, dass der Aktionstag in Anlehnung an den Muttertag immer am Samstag vor demselben ausgerichtet wird. Der Samstag bringt zudem den Vorteil mit, dass mehr Menschen bei Aktionen zum Schutz der Ozeane teilnehmen könnten. 

Mit dem heutigen 11. Mai beginnen zudem die Tage der Eisheiligen. Die Eisheiligen gehören zu den Singularitäten, also den Witterungsregelfällen in der Meteorologie. Andere bekannte Beispiele für solche Singularitäten sind die Schafskälte, der Siebenschläfertag, die Hundstage, der Altweibersommer oder das Weihnachtstauwetter. Die Eisheiligen umspannen den Zeitraum zwischen dem 11. und dem 15. Mai. Die einzelnen Tage sind dabei nach frühchristlichen Bischöfen und Märtyrern benannt. Die mit den Namenstagen verknüpften Bauernregeln haben sich aufgrund der gregorianischen Kalenderreform allerdings um zehn Tage verschoben. Mamertus am 11. Mai zählt hauptsächlich in Norddeutschland zu den Eisheiligen. Als „Eismänner“ gelten meist nur Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai) und Bonifatius (14. Mai). In Süddeutschland wird noch die „Kalte Sophie“ (15. Mai) dazugezählt, da die von Norden einströmende Kaltluft erst mit einem gewissen Zeitversatz nach Süden gelangt. 

Durch den fortschreitenden Frühling und die inzwischen schon beachtliche Tageslänge könnten warme Tage dazu verleiten, Pflanzen nach draußen zu stellen. Es ist aber zu dieser Zeit durchaus noch möglich, dass arktische Polarluft nach Deutschland gelangt. Unter Hochdruckeinfluss können wolkenlose Verhältnisse zu Nachtfrösten führen, wodurch die Pflanzen Frostschäden erleiden könnten. Eine Bauernregel zu den Eisheiligen lautet deshalb auch „Pflanze nie vor der Kalten Sophie“. 

In diesem Jahr ist es nun so, dass bereits in den vergangenen Tagen meist freundliches und stabiles, vor allem aber trockenes Wetter vorherrschend war. In den Nächten gab es gebietsweise Bodenfrost, mancherorts auch Luftfrost. 

An dieser Situation ändert sich bis auf Weiteres erst einmal nichts. Am morgigen Montag macht sich im äußersten Südwesten und direkt am Alpenrand vorübergehend etwas Tiefdruckeinfluss von Frankreich her mit teils dichterer Quellbewölkung bemerkbar. Im Südschwarzwald und an den Alpen ist dann zum Nachmittag mit einzelnen Schauern und Gewittern zu rechnen. Ansonsten setzt sich das ruhige und sonnige, leider aber auch trockene Hochdruckwetter fort. Die örtliche Bodenfrostgefahr im Nordosten und Osten, die in den kommenden beiden Nächten noch ein Thema ist, nimmt dann zur Wochenmitte meist ab. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tage der Eisheiligen in diesem Jahr rein akademischer Natur sind. Denn zieht man beim Wetter einen Vergleich zu den vorangegangenen Tagen, treten sie nicht wirklich in Erscheinung. 

M.Sc.(Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Viel-Sonnenschein-am-Muttertag-und-zum-Beginn-der-Eisheiligen-teil-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-11 17:47:482025-05-12 17:54:25Viel Sonnenschein am Muttertag und zum Beginn der Eisheiligen
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