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Genormt bis unters Dach: Die Standardatmosphäre

Tief MARLIS über Südskandinavien beschert uns mit seiner Kaltfront am heutigen Mittwoch einen Wetterumschwung: weg vom (sehr) milden Frühlingswetter hin zu einer eher spätwinterlich anmutenden Witterung. Auch in den Folgetagen wird es dem hohen Luftdruck sehr schwerfallen, sich nachhaltig durchzusetzen. Stattdessen geben sich die Tiefdruckgebiete regelrecht die Klinke in die Hand und lassen immer wieder ihre Ausläufer über Deutschland hinwegziehen.

Haben Sie sich schon mal gefragt, wann man eigentlich von hohem und wann von tiefem Luftdruck spricht? Wurde da vielleicht irgendwann mal ein bestimmter Druckwert festgelegt? Ja, genauso ist es (wobei es auch relative Hoch- und Tiefdruckgebiete gibt, die sich nicht an diesen Wert „halten“, aber das nur am Rande)!

Dieser Druckwert ist Teil der sogenannten Standardatmosphäre. Sie wurde von der International Civil Aviation Organization (ICAO), zu Deutsch Internationale Organisation für zivile Luftfahrt, ins Leben gerufen und weltweit verbindlich festgelegt. Sie beschreibt den mittleren Zustand unserer Erdatmosphäre in den mittleren Breiten. Genau genommen geht es um die durchschnittliche Druck-, Temperatur- und Dichteverteilung. Diese betragen 1013,25 hPa, 15 Grad (Celsius), und 1,2250 Kilogramm pro Kubikmeter. Tages- und jahreszeitliche Schwankungen werden dabei außer Acht gelassen. Dazu wird die Luft als absolut trockenes Gas betrachtet, die relative Luftfeuchtigkeit beträgt also 0 %.

Vielleicht fragen Sie sich, wofür man denn bitte standardisierte Werte für atmosphärische Eigenschaften braucht, die in dieser Form über ein ganzes Jahr betrachtet wohl nur sehr selten gemeinsam auftreten. Nun, ihren Einsatz findet die Standardatmosphäre zum Beispiel – wie der Name ihrer Gründungsorganisation schon verrät – in der Luftfahrt. Dort werden diese Mittelwerte unter anderem zur Eichung von Messgeräten, wie den Höhenmessern in Flugzeugen, herangezogen.

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Druck- und Temperaturverteilung bis 11 km Höhe in der Standardatmosphäre. (Quelle: DWD)

Und da es in der Luftfahrt auch immer hoch hinaus geht und die Atmosphäre natürlich nicht zwei-, sondern dreidimensional ist, gibt es nicht nur für das Bodenniveau, sondern auch für höhere Luftschichten Standardwerte. Beim Luftdruck zählen dabei zum Beispiel 850 hPa in 1,5 km Höhe, 500 hPa in 5,6 km Höhe und 300 hPa in 9,2 km Höhe. Am Oberrand der Troposphäre, der auf 11 km Höhe genormt wurde und das Ende der untersten Schicht unserer Atmosphäre beschreibt, liegt der Luftdruck nur noch bei 226,32 hPa. Die Luftdichte nimmt ebenfalls Stück für Stück ab und wurde in 11 km Höhe auf 0,3692 Kilogramm pro Kubikmeter festgesetzt.

Die standardisierte Temperaturabnahme mit der Höhe beträgt 0,65 K pro 100 m (entspricht 0,65 Grad Celsius pro 100 m). In der „Realität“ entspricht dieser Wert der Temperaturabnahme von gesättigter, also feuchter Luft. Trockene Luft kühlt dagegen mit der Höhe um 1 K pro 100 m, also stärker ab. Aber zurück zum Standard. Im Druckniveau 850 hPa liegt die Temperatur damit bei 5,5 Grad, in 500 hPa bei -21,3 Grad und in 300 hPa bei -44,5 Grad. Für den Oberrand der Troposphäre ergeben sich schließlich -56,5 Grad.

Da sich in der Troposphäre unser tägliches Wettergeschehen abspielt, wollen wir unseren Höhenflug an dieser Stelle beenden. Weitere Informationen zur Standardatmosphäre finden Sie zum Beispiel im DWD-Wetterlexikon.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Auf Bilderbuchfrühling folgt jäher Absturz

Sonne, sehr milde Luft und zum Leidwesen der Allergiker eine aufblühende Natur. So präsentiert sich derzeit der Frühling in Deutschland. Verantwortlich für das schöne Frühlingswetter sind die Hochdruckgebiete MAX mit Schwerpunkt über Osteuropa und NORBERT mit Schwerpunkt über Westeuropa, die eine Partnerschaft eingehen und somit das Wettergeschehen in Deutschland bestimmen.

Auf Bilderbuchfruehling folgt jaeher Absturz 1

Analysekarte für Europa mit Lage der Druckgebilde und Isobaren sowie Stationsdaten am Montagmorgen, den 23.03.2026 um 06 UTC

Dabei steigen in einer trockenen Luftmasse nach einer kalten Nacht die Temperaturen heute auf 14 bis 18 Grad. Oftmals scheint bei nur wenigen Quellwolken die Sonne, sodass 10 bis 12 Sonnenstunden auf der Agenda stehen. Nur im Nordwesten und im äußersten Süden verdecken auch mal ein paar mehr Wolken das Zentralgestirn. Ein geringes Schauerrisiko besteht im Südschwarzwald und am Alpenrand. In der Nacht zum Dienstag ziehen von Nordwesten vermehrt harmlose Wolkenfelder auf. Frostig wird es erneut gebietsweise in der Südosthälfte, während in der Nordwesthälfte der Gefrierpunkt meist nicht unterschritten wird.

Am Dienstag steht vorerst der letzte Frühlingstag ins Haus. Allerdings kündigen mitunter dichtere Wolkenfelder und ein vor allem im Nordwesten auflebender Südwestwind bereits die Umstellung der Wetterlage an. Regen ist allerdings lediglich im äußersten Norden möglich und bei Maxima zwischen 14 und 20 Grad kann nochmals die Frühjahrskollektion ausgetragen werden. In der Nacht zum Mittwoch kommt im Nordwesten schauerartig verstärkter Regen auf, der bis zum Morgen in etwa eine Linie Saarland-Rügen erreicht. Dazu lebt der Südwestwind deutlich auf und an der Nordsee sowie im Bergland sind erste Sturmböen möglich. Im Südosten bekommt man von alledem noch nichts mit.

Auf Bilderbuchfruehling folgt jaeher Absturz 2

Animation der Windentwicklung am Mittwoch, den 25.03.2026

Am Mittwoch macht ein teils stürmischer Westwind dem Frühling den Garaus. Mit einer markant ausgeprägten Kaltfront verlagert sich ein Regengebiet samt einzelner eingelagerter Gewitter südostwärts. Nachfolgend setzt sich in labiler Kaltluft Schauerwetter durch. Auch einzelne Graupelgewitter sind mit von der Partie und die Schneefallgrenze sinkt im Westen auf etwa 400-600 m und an den Alpen auf 600-900 m. Die Maxima von 8 bis 16 Grad werden meist schon am Vormittag erreicht und in der Folge sinken die Temperaturen. Der Wind lässt bereits am Nachmittag meist schon wieder deutlich nach.

In der Nacht zum Donnerstag hält die rege Schauertätigkeit an und eventuell gibt es vorrangig im Umfeld der Mittelgebirge sowie in weiten Teilen Bayerns am Morgen eine weiße Überraschung mit ein paar Zentimetern Neuschnee. Ein deutlicher Neuschneezuwachs wird am Alpenrand erwartet, wo bis Donnerstagfrüh durchaus 5 bis 15, in Staulagen über 20 cm Schnee fallen können.

Am Donnerstag fließt in einem breiten Strom kalte Polarluft nach Deutschland.

Auf Bilderbuchfruehling folgt jaeher Absturz 3

Vorhersagekarte für die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Donnerstag, den 26.03.2026 um 12 UTC

Infolgedessen stellt sich vor allem im Westen und Süden bereits Ende März schon typisches Aprilwetter mit Regen-, Schnee- und Graupelschauern ein. An den Alpen fällt länger anhaltend Schnee, sodass dort die Schneedecke weiter an Mächtigkeit gewinnt. Bis Freitagfrüh sind weitere 10 bis 20, in Staulagen über 30 cm Neuschnee möglich. Im Norden und Osten wird nur wenig Niederschlag erwartet. Höchstwerte im zweistelligen Bereich werden in die Welt der Fabeln verbannt. Der teils ruppige Nordwestwind tut sein Übriges, um einen ungemütlichen Wettereindruck entstehen zu lassen. Frühlingsgefühle bauen sich da kaum auf.

Am Freitag kehrt etwas Ruhe ein. Bei einem Wechsel von Sonne und Wolken gibt es noch einzelne Regen-, ab mittleren Lagen Schneeschauer. Die Schneefälle am Alpenrand klingen langsam ab. Gegenüber dem Vortag steigen die Höchstwerte nur etwas an.

Auf Bilderbuchfruehling folgt jaeher Absturz 4

Temperaturverlauf für die Städte Mannheim (gelb), Berlin (rot) und München (blau) von Montag, den 23.03.2026 bis Freitag, den 27.03.2023

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Gezeiten an Nord- und Ostsee, Windstau- und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte

Das heutige Thema des Tages blickt in die Nachbarschaft der Meteorologie: die Ozeanographie. Zu den eindrucksvollsten Phänomenen, die das Meer einem Betrachter an der Küste bietet, gehören Ebbe und Flut. Diese Änderung des Wasserstandes zeigt sich auch an der Nordseeküste (und in subtiler Variante auch an der Ostsee). Neben astronomischen Ursachen ist auch die Wetterlage verantwortlich dafür, wie stark die Gezeiten ausfallen. Der Deutsche Wetterdienst am Standort Hamburg berät hierbei den Windstaudienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Windprognosen, welche dort in die Berechnung der Pegelstände an deutschen Küsten eingehen. Jedoch treten nicht an allen Punkten der Nordsee täglich Hoch- und Niedrigwasser auf. Es gibt drei Punkte, an denen der Wasserstand gleich bleibt, die sogenannten amphidromischen Punkte.

Vergleicht man den Zeitpunkt des Eintreffens eines Hochwassers an der deutschen Nordseeküste, stellt man fest, dass die Flut auf Borkum zu einem anderen Zeitpunkt eintrifft als in Cuxhaven oder Westerland. Dasselbe gilt für das Niedrigwasser, die Ebbe. Warum ist das so? Gezeiten entstehen durch gravitative Anziehung von Sonne und Mond, die jedoch nicht gleichmäßig auf die Erde einwirken, sondern auf der jeweils zugewandten Seite etwas stärker und auf der jeweils abgewandten Seite etwas schwächer ausfallen. Die Unterschiede wirken nach beiden Seiten, wobei diejenigen in und entgegengesetzt zur Mondrichtung etwa doppelt so stark ausfallen wie die in und entgegengesetzt zur Sonnenrichtung. Beobachtet man das Ganze von einem festen Punkt auf der Erde, bspw. von Cuxhaven aus, wird dieser Einfluss mit der täglichen Erdrotation ein periodischer Vorgang, der sich zweimal jeden Tag wiederholt. Da sich der Mond zusätzlich einmal im Monat um die Erde dreht, ist dessen periodischer Einfluss rund 20 bis 30 Minuten länger. Je nach Winkel zwischen Mond- und Sonnenrichtung addieren sich die Wirkungen des dominierenden Mondes und der Sonne. Mit der um die Erdachse rotierenden Streckung der Erde hebt und senkt sich die Oberfläche periodisch. Zwischen den Punkten stärkster Hebung und Senkung der Erde werden horizontale Komponenten der Gezeitenkräfte angeregt, die die stärkste Ursache der Gezeitenströmungen in den Tiefen des Ozeans ausmachen. Diese werden durch die Kontinente und die Corioliskraft beeinflusst. So gibt es Küstenabschnitte mit größeren und kleineren sich ändernden periodischen Wasserständen (Tiden), die bei günstiger Stellung des Mondes (bei Voll- und Neumond) zur Sonne auf einer Linie eine besonders große Tide, die Springtide, und bei rechtwinkliger Stellung von Sonne und Mond (bei Halbmond) eine besonders kleine Tide, die Nipptide hervorrufen.

Unterschiedliche Verteilungen der Landmassen auf dem Globus verhindern eine gleichmäßige Bewegung der Tidenwellen um die gesamte Weltkugel, so dass sich in einzelnen Meeresbecken eine oder mehrere stehende Wellen bilden, die durch die Corioliskraft in Rotation gesetzt werden.

Die Nordsee selbst ist als Randmeer zu klein und flach für die Ausbildung eigener Gezeitenwellen. Die Gezeiten werden durch eindringende Gezeitenwellen aus dem Nordatlantik ausgelöst. Sie laufen vom nordwestlichen Teil der Nordsee an der schottischen und englischen Ostküste südwärts Richtung Straße von Dover. Von dort, vom Südwestteil der Nordsee, werden sie von zur deutschen Nordseeküste ostwärts und weiter zur dänischen Westküste nordwärts gelenkt, wo sie im Skagerrak auslaufen. Dadurch, dass auch Gezeitenanteile durch den Englischen Kanal in die Nordsee einlaufen können und die oben erwähnten Gezeitenwellen hier um einen amphidromischen Punkt (siehe unten) laufen, sind die Gezeiten in den Niederlanden teilweise gesplittet, so dass mehrere kleinere Hoch- oder Niedrigwasser in kürzerer Zeit ablaufen können. Typische Gezeitenunterschiede im Bereich der deutschen Nordseeküste liegen bei 2,5 bis 4 Metern, der größte Tidenhub an der Nordsee zeigt sich im Mündungstrichter The Wash in Ostengland mit 6,8 Metern.

Die Ostsee als ein weitgehend geschlossenes Binnenmeer ist im Vergleich zur Nordsee noch flacher und ihre Verbindung zum Atlantik noch mehr begrenzt. Dementsprechend wirken gravitative Kräfte durch Mond und Sonne weit moderater, so dass typische Änderungen der Wasserstandshöhen hier bei 10 bis 30 Zentimetern liegen. Meteorologische Einflüsse auf Wasserstandsschwankungen sind von größerer Bedeutung: Starkwind kann den Wasserstand um einige Dezimeter anheben oder senken, Luftdruckunterschiede beeinflussen die Wasserhöhe, entsprechende Windrichtungen sorgen für eine Änderung der Wasserverteilung und saisonale Temperaturschwankungen wirken sich auf die Höhe des Wasserstandes aus. Letztere sind durch die Jahreszeiten geprägt: Im Sommer herrschen vorwiegend ruhige Bedingungen, im Herbst und Winter können Sturmtiefs für erhöhte Wasserstände sorgen. Bedeutender sind jedoch windbedingte Veränderungen: Bei anhaltend starkem Nordostwind wird das Wasser der Ostsee im Bereich der deutschen Küste gestaut, was für anhaltenden höheren Wasserstand sorgt. Im umgekehrten Fall sorgen dort anhaltende starke Südwestwinde für niedrigere Wasserstände.

Im Bereich der Nordsee wirken Starkwinde mitunter additiv auf Hoch- oder Niedrigwasser. Besonders die Kombination aus Flut und anhaltendem stürmischem Nordwestwind sorgt für höhere Pegelstände, während längerer stürmischer Südostwind bei Ebbe stärkeres Niedrigwasser an der Nordsee bedeutet.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 1

Hochwasser und Niedrigwasser am Nikolaifleet (Deichstraße) in Hamburg, Quelle: BSH

Vor diesem Hintergrund versorgt der Deutsche Wetterdienst im Rahmen des Seewetterdienstes am Standort Hamburg das Kollegium im Bereich des Windstau- und Sturmflutwarndienstes des BSH mit Windprognosen für die deutschen Küsten, die zu Hoch- und Niedrigwasserterminen in die Berechnungen der Pegelstände einfließen. Für die Nordsee wird im Routinefall hierfür viermal täglich das BSH beraten, für die Ostsee erfolgt zweimal wöchentlich eine Beratung, die dann mehrere Vorhersagetage abdeckt. Im Bedarfsfall, beispielsweise bei einer Sturmflut, wird die Beratung intensiviert und die Häufigkeit erhöht, um die Vorhersage der höchsten Pegelstände der Sturmflut zu optimieren. In einem solchen Fall ist die Ausgabe und nachfolgende Kommunikation von Sturmflutwarnungen durch das BSH wahrscheinlich. Der Deutsche Wetterdienst übernimmt diese Warnungen bei der Kommunikation der Sturm-Wetterlage. Erreicht an der Nordseeküste eine Tide eine Höhe von 1,5 bis 2,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, spricht man von einer Sturmflut. Eine schwere Sturmflut hat eine Höhe von 2,5 bis 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser, noch höhere Fluten bezeichnet man als sehr schwere Sturmflut. Beträgt der Wasserstand an der Ostsee 1 bis 1,24 Meter über Normalhöhennull, tritt dort eine leichte Sturmflut auf, bei 1,25 bis 1,49 Meter über Normalhöhennull eine mittlere Sturmflut, bei 1,5 bis 1,99 Meter über Normalhöhennull eine schwere Sturmflut und bei höherem Hochwasser eine sehr schwere Sturmflut.

Nicht in allen Gebieten der Nordsee ändert sich der Wasserstand täglich. Die oben angesprochene Rotation stehender Wellen durch die Corioliskraft in Meeresbecken um einen Punkt herum wird als Amphidromie bezeichnet. An diesen Punkten treffen alle Phasenlinien einer schwingenden Wasserstandshöhe (gleiche zeitliche Phase desselben Wasserstandes, also auch die Linien mit Ebbe (Schwingungstal) oder Flut (Schwingungsberg) zur selben Zeit) zusammen. Damit treten Hoch- und Niedrigwasser zusammen auf, was Schwingungen aufhebt und zu einem permanent konstanten Wasserstand führt. In der Nordsee findet man drei solcher amphidromischen Punkte: einer im Südwestteil der Nordsee zwischen East Anglia (Ostanglien) und Holland, einer im östlichen Zentralteil der Nordsee in der Mitte der Jütlandbank zwischen Nordengland und Jütland sowie einer im Nordostteil der Nordsee vor der norwegischen Küste bei Stavanger.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 2

Amphidromiezentren in der Nordsee und Tidenzeiten nach Bergen/Norwegen

Auf den Weltmeeren findet man drei solcher amphidromischen Punkte im Bereich des Indischen Ozeans, sechs sind im Pazifik, vier außerhalb der Nordsee im Atlantik und zwei im Bereich des Südlichen Ozeans.

Gezeiten an Nord und Ostsee Windstau und Sturmflutwarndienst und amphidromische Punkte 3

Gezeiten als in den Weltmeeren umlaufende Wellen, Phasenlinien und amphidromische Punkte

Im Gegensatz zu diesen Punkten, wo es kein Hoch- und Niedrigwasser gibt, findet sich der größte Unterschied zwischen Ebbe und Flut, der größte Tidenhub, mit 13 Metern an der Bay of Fundy zwischen Nova Scotia (Neuschottland) und New Brunswick (Neubraunschweig) vor dem Ostteil Kanadas. Bei Springflut sind es sogar 16 Meter.

Dipl.-Met Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Aprilwetter – der März übt schon mal

Tiefdruckgebiete dirigieren das Wettergeschehen und schicken uns auf eine meteorologische Berg- und Talfahrt in Mitteleuropa. Am heutigen Samstag liegt eine Kaltfront von Südwest nach Nordost quer über Deutschland. Sie trennt milde Luft im Osten von polarer Meeresluft im Westen. Verbreitet kommt es zu Niederschlägen, die meist als Regen, an den Alpen und in höheren Lagen der westdeutschen Mittelgebirge aber auch als Schnee fallen. Länger trocken und zeitweise freundlich ist es im Südosten des Landes. Im Osten und Südosten wird es mit 12 bis 18 Grad auch am mildesten. Der Westen muss sich mit mageren 4 bis 8 Grad begnügen.

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Nutzerbilder vom Morgen des 14.03.2026 aus dem westdeutschen Bergland. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Rollentausch am Sonntag, Westen im Vorteil

Am Sonntag wendet sich das Blatt. Im Westen scheint nach Abzug der Front zeitweise die Sonne und es bleibt meist trocken. Im Osten und Südosten sorgt die Kaltfront dagegen für viele Wolken und hier und da auch für etwas Regen, in höheren Lagen Schnee. Das Temperaturgefälle dreht sich um: mit 8 bis 12 Grad wird es im Westen am mildesten, im Osten und Südosten werden nur noch 6 bis 10 Grad erreicht.

Ruppige Böen und schnelle Schauer: Das Wetter-Karussell nimmt Fahrt auf

Zum Wochenbeginn stattet uns der April einen Besuch ab, zumindest was das Wettergeschehen angeht. In rascher Folge ziehen Schauer und örtliche Gewitter von West nach Ost über Deutschland hinweg. Örtlich mischt sich Graupel unter den Niederschlag. Zwischen den Schauern zeigt sich häufig, aber nur kurz die Sonne. Maximal werden 6 bis 11 Grad erreicht. Der westliche bis südwestliche Wind frischt vor allem in Schauer- und Gewitternähe stark auf, im Bergland gibt es Sturmböen.

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Bodendruck und Bodenfronten von Sonntag, 15.03. bis Dienstag, 17.03. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Belohnung nach dem Schauer-Marathon

Am Dienstag setzt Wetterberuhigung ein. Unter zunehmendem Hochdruckeinfluss lassen die Niederschläge meist nach und die Sonne zeigt sich häufiger. Mit Höchstwerten zwischen 9 und 14 Grad wird es wieder milder als zuletzt.

Das Karussell dreht sich weiter, nimmt aber zur Wochenmitte deutlich Fahrt in Richtung Frühling auf. Wer den Montag übersteht, wird mit milden Aussichten belohnt. Vor allem im Westen werden dann wieder häufiger 15 Grad und mehr erreicht.

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Prognostizierte Höchst- und Tiefsttemperatur von Samstag bis Dienstag (14.-17.03.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Frühlingsluft

Deutschland gelangt in den kommenden Tagen zunehmend unter Hochdruckeinfluss. Niederschläge bleiben dabei weitgehend aus. Durch das Zusammenspiel eines Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt östlich von Deutschland und mehreren Tiefdruckgebieten über Westeuropa wird mit einer südwestlichen Strömung ungewöhnlich milde Luft zu uns geführt. Besonders im Südwesten macht sich bereits frühlingshafte Wärme bemerkbar. Doch auch in den östlichen Landesteilen, wo Januar und Februar vergleichsweise kalt ausfielen, setzt nun eine deutliche Milderung ein.

Am heutigen Mittwoch dominiert vielerorts zunächst noch trübes Wetter. Nebel- und Hochnebelfelder sorgen verbreitet für einen grauen Himmel und lassen das Wetter eher herbstlich wirken. Im Tagesverlauf lockert es zwar auf, in Teilen Bayerns halten sich die Nebel- und Hochnebelfelder jedoch zäh. Die Temperaturen reichen von etwa 4 Grad auf Rügen bis zu 19 Grad am Rhein. Der Wind weht meist schwach aus südöstlichen Richtungen. In der Nacht zum Donnerstag breiten sich Nebel- und Hochnebelfelder erneut aus. Vor allem in der Osthälfte kann es stellenweise Frost geben, während es im Nordwesten mit Werten um 9 Grad mild bleibt.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 25.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Donnerstag lösen sich Nebel und Hochnebel schneller auf. Mit auffrischendem Südwestwind setzt sich die Sonne häufiger durch, die Luft wird besser durchmischt und die Temperaturen steigen verbreitet auf 15 bis 21 Grad. Auch im Osten wird es mit 13 bis 17 Grad ungewöhnlich mild.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 26.02.2026 (Quelle:DWD)

Der Höhepunkt dieser milden Phase wird am Freitag erreicht. Im Vorfeld einer von Westen herannahenden Kaltfront frischt der Südwestwind weiter auf. Mit sonnigen Abschnitten werden 15 bis 20 Grad erreicht, im Südwesten lokal sogar bis zu 23 Grad. Damit bietet sich der Freitag besonders gut für Aktivitäten im Freien an.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Freitag 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Wochenende folgt dann der Wetterumschwung. Bereits am Freitagabend setzt im Nordwesten erster Regen ein, der sich in der Nacht zum Samstag bis in die Mitte Deutschlands ausbreitet. Am Samstag bleibt es nur im Südosten noch zeitweise frühlingshaft freundlich, sonst dominieren Wolken und zeitweise Regen bei deutlich niedrigeren Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad. Am Sonntag beruhigt sich das Wetter zwar wieder etwas, die Temperaturen liegen mit 7 bis 15 Grad jedoch weiterhin unter den Werten der Vortage – für die Jahreszeit insgesamt aber noch immer auf einem milden Niveau.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Doppelter Wetterumschwung

SIEGLINDE – so heißt das Hoch über den Britischen Inseln, das seit Tagen in vielen Teilen Deutschlands für einen hohen Grauanteil beim Wetter sorgt. Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass an der Ostflanke des Hochs fortwährend feuchte, wolkenreiche Nordseeluft in unser Land strömt (siehe dazu auch das Thema des Tages vom 13.10.2025).

Abb. 1: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Mittwoch, 15.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Doppelter Wetterumschwung 1

Doch damit ist bald Schluss! Bis Freitag ändert sich zunächst zwar nicht so viel, sprich: viele Wolken, hier und da Sprühregen, Auflockerungen vor allem im Süden und dort in Hochlagen mitunter ganztags sonnig. Ab Freitagnachmittag/-abend greift dann aber von Dänemark und der Ostsee kommend eine Kaltfront auf Deutschland über, die am Samstag auch den Süden erreicht. Aufgrund des anhaltenden Hochdruckeinflusses ist sie zwar kaum wetteraktiv, allerdings folgt ihr deutlich trockenere Luft aus polaren Breiten, in der sich die Wolken überwiegend auflösen dürften. Tja, und eine wolkenarme und zumindest abseits der Küsten auch windschwache Nacht verspricht recht kalt zu werden. Vor allem im Norden kann die Temperatur regional bis 0 Grad absinken, in Bodennähe ist verbreitet mit leichtem Frost zu rechnen.

Am Samstag kommt dann auch bei der Druckverteilung Bewegung ins Spiel. SIEGLINDE verlagert ihren Schwerpunkt zunächst nach Deutschland, um dann am Sonntag ins östliche Mitteleuropa abzuziehen. Dadurch dreht die Strömung in den unteren Luftschichten langsam aber sicher über Ost auf Südost. Der Zustrom relativ feuchter Nordseeluft ist damit gekappt und in der bei uns nun vorherrschenden zwar kühleren, aber auch trockeneren Luftmasse, wird sich am Wochenende vielerorts auch mal für längere Zeit die Sonne zeigen. Gut, gerade in manchen Ecken Süddeutschlands wird sich auch wieder zäher Nebel oder Hochnebel halten, bundesweit betrachtet ist diese Neigung aber deutlich geringer als momentan.

Abb. 2: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Samstag, 18.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Doppelter Wetterumschwung 2

Die Nacht zum Sonntag wird in der Folge noch ein gutes Stück kälter als die zum Samstag. Zwischen Hochrhein und Emsland wird man nach aktuellem Stand noch meist im frostfreien Bereich verweilen, ansonsten muss aber doch verbreitet mit leichtem Luftfrost bis -3 Grad gerechnet werden. Frost in Bodennähe gibt es fast überall, im Osten gebietsweise sogar bis -6 Grad!

Auf die erste Wetterumstellung, die man, wenn man so will, als goldenes Oktoberwochenende verkaufen kann, folgt am Montag bereits die nächste. Durch den Abschied von SIEGLINDE ist nun der Weg frei für atlantische Tiefdrucksysteme und deren Ausläufer.

Abb. 3: Luftdruck am Boden (schwarze Linien) und Qualität der Luftmasse (potentielle Äquivalenttemperatur, Farbfläche) für Montag, 20.10.2025 (ICON-Prognose). (Quelle: DWD)

Doppelter Wetterumschwung 3

Kurzum: Ab Montag ziehen aus Westen immer wieder Regengebiete über uns hinweg. Dazu wird es deutlich windiger, vor allem im Bergland und an den Küsten könnte es auch stürmisch werden. Das Temperaturniveau klettert dafür aber wieder etwas nach oben und die Nachtfrostgefahr ist erst einmal wieder vom Tisch – genauso wie das goldene Oktober-Intermezzo…

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle

Die zweite etwas länger andauernde Hitzewelle dieses Sommers ist bald vorbei. Hitzegeplagte Bundesbürger können in den kommenden Tagen also etwas aufatmen. Ursache für den Temperaturrückgang ist, dass sich unser Hoch JULIA nach Osteuropa verabschiedet und von einem neuen Hoch namens KYRA abgelöst wird. Während Hoch JULIA in den letzten Tagen über dem östlichen Mitteleuropa lag, befindet sich das neue Hoch KYRA mit seinem Schwerpunkt über dem Atlantik und Großbritannien (Abb. 1). Diese unterschiedliche Position macht den Unterschied. Deutschland liegt nämlich östlich von Hoch KYRA und da sich um ein Hoch die Strömung mit dem Uhrzeigersinn dreht, gelangen wir in eine nördliche Luftzufuhr. Damit wird trockenere und weniger warme Luft zu uns geführt, die die schwül-warme Luft aus Deutschland allmählich verdrängt. Die Grenze zwischen diesen beiden Luftmassen bildet eine Kaltfront, die vom heutigen Freitag bis zum morgigen Samstag von Nordwest nach Südost einmal quer über Deutschland zieht.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 1

Abb 1: DWD-Bodenwetterkarte mit Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete, vergeben von der Freien Universität Berlin.

Die Front kommt aber nur sehr gemächlich voran, wie man eindrucksvoll anhand der pseudopotentiellen Temperaturverteilung in 850 hPa (ca. 1500 m über Meeresniveau) erkennen kann. Dabei handelt es sich um ein Maß, das die Temperatur und Feuchte einer Luftmasse beschreibt. Je wärmer und feuchter eine Luftmasse ist, desto höher ist die pseudopotentielle Temperatur und umgekehrt. Daher ist dieses Maß bestens geeignet, um Luftmassen zu charakterisieren. Zudem kann man damit gut Fronten analysieren, indem man linienhafte Bereiche identifiziert, in denen sich die pseudopotentielle Temperatur auf engem Raum stark ändert.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 2

Abb 2: Pseudopotentielle Temperatur (°C) in 850 hPa für Freitag (15. August), 14 Uhr (MESZ), bis Sonntag (17. August), 14 Uhr (MESZ). Die blau gestrichelte Linie markiert die Kaltfront in dieser Höhe.

Am heutigen Freitagnachmittag liegt die Kaltfront etwa auf einer Linie Eifel – Hannover – Schwerin (Abb. 2, oben links). Südöstlich dieser Linie befindet sich weiterhin die schwül-heiße Luft mit pseudopotentiellen Temperaturwerten zwischen 50 und teils über 60 °C – für Mitteleuropa sehr hohe Werte. Durchquert man die Front Richtung Nordwest, geht die pseudopotentielle Temperatur innerhalb weniger Kilometer auf Werte von 35 bis 45 °C zurück. Dies zeigt eindrücklich, dass die Luftmasse nicht nur weniger warm ist, sondern auch weniger Feuchtigkeit besitzt und dadurch nicht mehr als schwül empfunden wird. Folglich hat der Nordwesten Deutschlands bereits am heutigen Freitag die größte Hitze hinter sich und kann bei Höchstwerten von 24 bis knapp 30 Grad etwas durchatmen (Abb. 3, oben links). Vor der Front wird es mit 30 bis 36 °C nochmals sehr heiß und zunehmend drückend schwül.

In der kommenden Nacht kommt die Front etwas süd(ost)wärts voran und liegt dann auf einer Linie Mosel – Mittelhessen – Südbrandenburg (Abb. 2, oben rechts). Südlich davon kühlt es nochmals nur sehr langsam ab und vor allem in Ballungsräumen und auf Anhöhen kann die Nacht erneut tropisch werden (d.h. Tiefsttemperaturen nicht unter 20 Grad). Bis zum morgigen Samstagnachmittag erreicht die Front etwa die Mainlinie (Abb. 2, unten links). Im Süden wird es ein letztes Mal dampfig, mit 26 bis 31 Grad aber zumindest nicht mehr ganz so heiß (Abb. 3, oben rechts). Deutlich angenehmere 20 bis 27 Grad erwarten uns hingegen rückseitig der Front im Norden und in der Mitte Deutschlands. Bei der pseudopotentiellen Temperatur ist zudem zu erkennen, dass im Norden Deutschlands ein zweiter Schwall trockenerer und kühlerer Luft einströmt, in der die Werte sogar unter 30 °C zurückgehen. Bis Sonntagmittag hat die Kaltfront Deutschland komplett überquert und die schwül-heiße Luftmasse endgültig verdrängt (Abb. 2, unten rechts). Der zweite Schwall Kaltluft, der Samstagnachmittag Schleswig-Holstein bereits erfasste, hat bis Sonntagnachmittag den Main erreicht. Bundesweit kann man sich über angenehme 21 bis 28 °C freuen (Abb. 3, unten links). Zu Beginn der neuen Woche kann die Sonne die Luft zwar wieder von Tag zu Tag etwas stärker erwärmen, sodass am Dienstag entlang von Rhein, Mosel und im Rhein-Main-Gebiet auch wieder die 30-Grad-Marke knapp überschritten wird. In den übrigen Regionen werden meist sommerliche 25 bis 30 Grad erreicht. Da uns die trockene Luftmasse aber erhalten bleibt, lassen sich die Temperaturen recht gut ertragen, zumal es auch in den Nächten ordentlich abkühlt. Bei Tiefstwerten zwischen 14 und 8 Grad kann man wieder gut durchlüften.

Markanter Luftmassenwechsel beendet die Hitzewelle 3

Abb 3: Vorhergesagte Höchstwerte für die Tage Freitag (15. August) bis Montag (18. August).

Und wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Am morgigen Samstag können sich in der dampfigen Luft im Süden und Südosten nochmals teils kräftige Gewitter bilden, wobei sich mit der südwärts vorankommenden Kaltfront die Gewittertätigkeit im Tagesverlauf auf die Gebiete südlich der Donau und den Schwarzwald zurückzieht. Da die Gewitter nur sehr langsam ziehen, geht die Hauptgefahr von Starkregen aus, der bei einem Volltreffer auch unwetterartig ausfallen kann. Vollgelaufene Keller und Unterführungen können die Folge sein. Die Tatsache, dass die Gewitter nur sehr langsam ziehen, hat aber auch zur Folge, dass nur wenige Orte von den heftigen Wettererscheinungen getroffen werden, während in einem Großteil der Gebiete nur wenig oder kein Regen fällt. Von der Nordsee breitet sich hochnebelartige Bewölkung bis in die Landesmitte aus. Daher startet der Tag in der Nordhälfte teils bedeckt. Im Tagesverlauf lösen sich die Wolken aber mehr und mehr auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Am Sonntag und zu Beginn der neuen Woche verwöhnt uns Hoch KYRA mit viel Sonnenschein. Nur Richtung Nordsee sind die Wolken weiterhin zeitweise etwas dichter. Mit neuen Schauern ist frühestens am kommenden Mittwoch wieder zu rechnen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.08.2025
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Wechselhaftes Sommerwetter: Auf Wärme folgen die nächsten Gewitter und Starkregenfälle

Wechselhaftes Sommerwetter: Auf Wärme folgen die nächsten Gewitter und Starkregenfälle

Unser Sommerwetter ist und bleibt sehr wechselhaft! Auf die hochsommerliche Wärme an diesem Wochenende folgen direkt die nächsten Gewitter und Starkregenfälle nebst deutlicher Abkühlung.

Es fehlt schlicht ein beständiges Sommerhoch, zumindest bei uns in Mitteleuropa. Hoch EDELTRAUD hat es auch nicht lange bei uns ausgehalten und hat sich bereits weit nach Osten verzogen. Es übergibt den Staffelstab an das nächste Tief ISAAC, dessen Kaltfront am Sonntagabend im Westen aufzieht und bis Montagabend ostwärts über unser Land hinwegzieht.

Wechselhaftes Sommerwetter 1

Wetterkarte von Sonntagnachmittag, 20.07.2025. Druckgebilde, Wolken und Niederschlag sowie Wind und Temperatur im 850-hPa-Niveau. (Quelle:DWD)

Im Vorfeld der Kaltfront wird eine schwül-heiße, instabile Mittelmeerluft zu uns gelenkt, die sich als idealer Nährboden für kräftige Gewitter erweist. Diese kommen schon ab dem heutigen Nachmittag von Südwesten und Westen auf und verlagern sich bis zum Abend zur Mitte. Dabei kann es lokal Unwetter durch heftigen Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen geben. In der Osthälfte feiert der Hochsommer dagegen nochmal ein kurzes Stelldichein mit viel Sonne und Temperaturen über 30 °C.

In der Nacht zum Montag bildet sich über dem Süden ein größeres Starkregengebiet, was sich am Montag über die östliche Mitte nach Osten und Nordosten verlagert. Dabei kann es auch großflächiger zu Starkregen kommen. Regional kann etwa eine Monatssumme an Niederschlag (bis etwa 60 l/qm) in wenigen Stunden fallen, was zu Sturzfluten, Überflutungen und vollgelaufenen Kellern führen kann. Derweil setzt sich in der Westhälfte am Montag bereits die kühlere Nordatlantikluft durch, in der es zwar auch zu Schauern und Gewittern kommt, die aber weitaus weniger kräftig ausfallen.

Abbildung 2 zeigt die Unwetter-Gefahrengebiete für den Sonntagnachmittag und -abend, die Nacht zum Montag und den Montag. Insbesondere für die Gebiete mit erhöhter Unwettergefahr im Süden und Osten bestehen noch größere Vorhersageunsicherheiten. Die amtlichen Warnungen werden voraussichtlich ereignisnah geschaltet.

Wechselhaftes Sommerwetter 2

Unwetter-Gefahrengebiete für Sonntagnachmittag und -abend (20.07.), die Nacht zum Montag (20./21.7.) und Montag tagsüber (21.7.). (Quelle:DWD

Im weiteren Wochenverlauf nistet sich ISAAC über Mitteleuropa ein und beschert uns eine sehr wechselhafte, allenfalls mäßig warme Wetterwoche. Chancen auf längere trockene und sonnige Abschnitte hat man am ehesten im Süden. Aber sehen wir’s positiv: Die teilweise immer noch dürregeplagte Natur braucht den Regen und kühlere, wechselhafte Phasen gehören zu einem mitteleuropäischen Sommer einfach dazu.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

 

 

Frontpassage

Tief HORST hat die Schirmherrschaft über unser Wetter übernommen. Aktuell (Dienstagvormittag) über dem Norden Irlands gelegen, kommt HORST allmählich in Richtung Nordsee (Mittwochmittag) und dann weiter in Richtung Deutschland voran. Obwohl sich der Kern des Tiefs mit seinem Besuch noch Zeit lässt, drückt HORST unserem Wetter schon jetzt seinen Stempel auf – mit einer Kaltfront, die von West nach Ost über uns hinwegzieht. 

Frontpassage 1

Satelliten- und Radarbild am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ) 

Über dem Norden Deutschlands ist bzw. war diese Kaltfront sowohl mit den Augen eines Satelliten als auch mit Hilfe des Radars gut zu erkennen (Abbildung 1). Denn dort erstreckte sich um 06 UTC (08 MESZ) ein markantes Niederschlagsband (Radarreflektivitäten in grün-gelb-orange) von den Ostfriesischen Inseln bis nach Südniedersachsen und Nordhessen. 

Leider ist es aber so, dass dieses Regenband die Lage der Luftmassengrenze nicht exakt widerspiegelt. Dies gilt zumindest dann, wenn man die Situation am Boden bzw. in Bodennähe als Maß der Dinge festlegt. Dann kann man durchaus auf die Idee kommen die Front anders zu positionieren, als dies vom Radar und vom Satelliten suggeriert wird. 

Frontpassage 2

Absolute Feuchte (links, in g/m3) und Drucktendenz (rechts) am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ)

Hinweise auf diese andere Position liefert die Abbildung 2. Sie zeigt links die absolute Feuchte in Bodennähe, rechts darüber hinaus die Drucktendenz. Durch die im Westen schon eingeflossene kältere und trockenere Luftmasse ist dort die absolute Feuchte mit 10 bis 12 g/m3 (Gramm pro Kubikmeter) deutlich niedriger als im Rest des Landes. Niedrige Werte der absoluten Feuchte weisen im Osten und Süden vor allem bzw. fast ausschließlich die Bergstationen auf (z. B. der Fichtelberg, der Große Arber oder der Feldberg im Schwarzwald; markiert mit roten Kreisen). Irgendwo im Bereich des Übergangs der trockenen zur feuchten Luft sollte die Luftmassengrenze liegen, und mit der rechts dargestellten Drucktendenz ist diese Lage recht klar definierbar. Wenn man bedenkt, dass vor der Front Druckfall zu erwarten ist (in der Karte rot), rückseitig aber Druckanstieg (in der Karte blau), dann verläuft die Front in Bodennähe von der Elbmündung über den Raum Hannover, dann weiter über Kassel und das Rhein-Main-Gebiet bis in die Pfalz und weiter nach Frankreich. 

Frontpassage 3 

Vertikalschnitt durch die Kaltfront von Tief HORST am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ) 

Wenn diese Linie die Front am Boden beschreibt, dann liegen die o. e. Niederschläge auf der Frontrückseite. Dies ist auch verständlich, schiebt sich doch die Kaltfront mit der kalten Luft unter die bisher wetterbestimmende Warmluft (wem das Wort „Warmluft“ zu dick aufgetragen erscheint, der kann Warmluft hier auch durch „wärmere Luft“ ersetzen). Um das etwas anschaulicher zu verdeutlichen, lohnt der Blick auf Abbildung 3, aber nicht ohne zuvor nochmal die Abbildung 1 zu bemühen. In dieser ist nämlich eine Linie markiert, die von der niederländisch-belgischen Grenze über das Ruhrgebiet und Ostwestfalen bis in den Nordwesten Brandenburgs verläuft und damit die Frontlinie nahezu senkrecht schneidet. 

Frontpassage 4

Theoretischer Schnitt durch eine Ana-Kaltfront 

Abbildung 3 zeigt nun die entlang dieser Linie von unserem Modell ICON-EU errechnete relative Feuchte in ihrer vertikalen Erstreckung. Hinter der Front sickert in den untersten zwei Kilometern trockene und kühlere Luft ein, der blaue Pfeil deutet dies an. Der bodennahe Feuchteeintrag in die Atmosphäre ist dabei an einer dünnen Schliere etwas feuchterer Luft im Kaltluftbereich zu erkennen. Die Front selbst verläuft keineswegs senkrecht, vielmehr ist die Frontfläche (blaue Linie) geneigt, die Kaltluft hat sich bodennah sozusagen einen Vorsprung gegenüber der Kaltluft in etwas höheren Luftschichten erarbeitet. Wolkenbildung setzt aber erst ein, wenn die Luft ausreichend aufgestiegen und durch Abkühlung entsprechend gesättigt ist. Und das ist über dem Norden am heutigen Vormittag erst hinter, also westlich der Bodenfront der Fall gewesen. 

Eine Kaltfront mit diesen Eigenschaften wird als Anafront bezeichnet. Ihr theoretischer Querschnitt ist in Abbildung 4 zu sehen. Ein Großteil des Niederschlages fällt an der Anafront postfrontal – allerdings nicht zwingend der gesamte und nicht zwingend immer. Manchmal sind auch unmittelbar an oder kurz vor der Front die stärksten Regenfälle zu verzeichnen – und manchmal sind diese auch die einzigen. In unserem Fall findet sich die zuletzt angedeutete Situation entlang einer Linie von Kassel bis nach Frankfurt/M. Dort regnet es nur unmittelbar an der Front, prä- und postfrontal bleibt es dagegen trocken. 

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Im Niemandsland

Über dem Nordosten Deutschlands liegt am heutigen Montag noch Tief „GABRIEL“, dieses steht aber kurz davor, sich aufzufüllen und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. In den vergangenen Tagen brachte es über Ostdeutschland dort dringend benötigte Niederschläge, die lokal ergiebig ausfielen. Am Samstag regnete es besonders in Brandenburg und Berlin kräftig. Besonders viel rund um die östliche Berliner Stadtgrenze mit rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/qm) in 24 Stunden, wobei ein großer Teil davon innerhalb weniger Stunden fiel. Am gestrigen Sonntag zogen dann Schauer und Gewitter über Teile des Ostens hinweg und ordneten sich hier und da in „Straßen“ an, sprich zogen als Linie parallel zur Strömung. So regnete es lokal über mehrere Stunden hinweg kräftig an einem Ort. Besonders betroffen war eine kleine Region in Ostsachsen. An der Station Boxberg-Reichwalde fielen 33,2 l/qm Regen in einer Stunde und 69,4 l/qm in sechs Stunden vom Himmel. 

Im Niemandsland 1 

Niederschlagsmessungen 24-stündig bis 13.07.2025 08 Uhr (links) und bis 14.07.2025 08 Uhr (rechts) 

Heute bringt „GABRIEL“ im äußersten Norden und Nordosten nochmals Schauer und Gewitter. Vereinzelt können dabei wieder größere Regenmengen zusammenkommen, denn die zur Verfügung stehende Luftmasse ist weiterhin feucht und die Verlagerung der Zellen langsam. Doch zu solch hohen Mengen wie am Wochenende sollte es nicht reichen.

Mehr Dampf haben die Schauer und Gewitter dafür im Süden Deutschlands. Neben lokal großen Regenmengen kann es dort vereinzelt auch größeren Hagel um 3 cm Korngröße geben. Ruhiger ist das Wetter in einem breiten Streifen zwischen den beiden genannten Regionen. Vom Westen bis in den Osten des Landes bleibt es verbreitet trocken und mit Werten um 27 Grad wird dort verbreitet ein Sommertag erreicht. Im Norden und Süden bleibt es oft etwas kühler.

Damit können wir zwar mit Island heute mithalten, auch dort werden bis zu 28 Grad erreicht, das Temperaturniveau von Mittelnorwegen wird aber nicht erreicht. Dort steigt die Temperatur selbst direkt an der Küste auf mehr als 30 Grad. Während dies für mitteleuropäische Verhältnisse „normale“ Sommertemperaturen sind, sind die aktuellen Werte für Island und Norwegen dagegen ungewöhnlich hoch.

Während über der Norwegischen See und Norwegen auch in den kommenden Tagen ein Hochdruckgebiet liegt, zieht das Tief „HORST“ von den Britischen Inseln bis Mittwoch unter Abschwächung nach Nordwestdeutschland. Seine Kaltfront schwenkt bereits am morgigen Dienstag über Deutschland von West nach Ost hinweg. Zuvor kann zeitweiliger Sonnenschein die Temperaturen im Süden und Osten nochmals knapp über die Sommertagsschwelle von 25 Grad heben. Die der Troposphäre zugefügte Energie zeigt sich aber nicht nur in der Temperatur, sondern auch in Form teils kräftiger Gewitter. Diese entstehen besonders ab den Mittagsstunden im Umfeld der Kaltfront und ziehen vor allem von Thüringen und dem Süden Sachsen-Anhalts ostwärts. Örtlich werden diese unwetterartig durch heftigen Starkregen ausfallen. Vereinzelt können auch größerer Hagel fallen oder schwere Sturmböen über das Land fegen. 

Im Niemandsland 2

Bodendruckkarte für Dienstag, den 15.07.2025 14 Uhr  

Auch am Mittwoch setzt sich das unbeständige Wetter fort. An der Südflanke von „HORST“ frischt zudem der westliche Wind spürbar auf. Über der Südhälfte Deutschlands kann es vor allem in windanfälligen Lagen Windböen (Beaufort 7) geben. Auf Kuppen und Gipfeln auch Sturmböen bis Beaufort 9. Die Gewitter, die es insbesondere im Norden zahlreich gibt, erreichen aber nicht die Intensität der Vortage. Dafür fehlt ihnen in der hinter der Kaltfront einfließenden kühleren Meeresluft schlichtweg die Energie. Bemerkbar macht sich der Luftmassenwechsel auch an den Höchstwerten. Verbreitet liegen sie zwischen 18 und 24 Grad. 

Im Niemandsland 3

Höchst- und Tiefstwerte vom 14. bis 16.07.2025. Datenquelle: MOS 

Im Laufe der zweiten Wochenhälfte wird es zwar wieder wärmer, Hitze ist aber vorerst kein Thema. Die zum Teil weiterhin vorherrschende Trockenheit wird durch weitere Niederschläge zum Teil gelindert, wobei wie so oft im Sommer längst nicht jeder Ort von ergiebigen Schauern oder Gewittern getroffen wird.

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst