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Schlagwortarchiv für: Kaltluft

Hoch ULI und die späten Nachtfröste

21. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Prominent „thront“ Hoch ULI auf der Wetterkarte bei Island. Mit mehr als 1040 Hektopascal Kerndruck ist ULI nicht nur ein kräftiges, sondern auch ein umfangreiches Hoch. Sein Einfluss erstreckt sich über große Teile Europas. Auch das Wetter in Deutschland wird maßgeblich von ULI bestimmt.

Die Bodendruckkarte vom 21.04.2026 zeigt ein umfangreiches Hoch bei Island mit einem Kerndruck von über 1040 Hektopascal

In einem großen Bogen wird im Uhrzeigersinn Luft um das Hoch herum nach Mitteleuropa geführt. Mit einer nordöstlichen Strömung hat den Norden Deutschlands heute bereits trockene und kühle Luft polaren Ursprungs erreicht. Noch vor wenigen Tagen befand sich diese Luftmasse in der Nähe von Spitzbergen. Auf ihrem Weg nach Süden hat sie sich zwar etwas erwärmt, aber kaum Feuchtigkeit aufgenommen. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Bewölkung, sondern auch auf die Nachttemperaturen, aber dazu etwas später. Während also im Norden bei Temperaturen um 13 Grad die Sonne nahezu ungestört scheint, liegt im Süden noch eine feuchtere Luftmasse. Dichte Wolken und Schauer sind das Ergebnis.

In der Nacht zum Mittwoch setzt sich die kühl-trockene Luft auch im Süden durch. Die Wolken lösen sich auf und bei schwachem Wind sinkt die Temperatur deutschlandweit kräftig ab. Mittwochfrüh werden Tiefstwerte zwischen -3 und +5 Grad erwartet. Im Westen gibt es nur örtlich Frost, sonst liegen die Tiefstwerte gebietsweise unter dem Gefrierpunkt.

Leichte Fröste Ende April waren in der Vergangenheit keine Seltenheit, befinden wir uns doch immerhin noch drei Wochen vor den Eisheiligen. In Anbetracht der Erwärmung des hiesigen Klimas und des dadurch früheren Vegetationsbeginns hat sich auch die spätfrostrelevante Zeit nach vorne verschoben. Eine Grafik vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie zeigt mit Daten des Deutschen Wetterdienstes den über die Jahrzehnte nach vorn verschobenen Beginn der Apfelblüte. Zwischen dem Zeitraum 1961-1990 und 1997-2020 hat sich der Beginn vom 6. Mai auf den 25. April um 11 Tage nach vorne verschoben. Zuletzt gab es Jahre, die nochmals einen um rund 15 Tage früheren Blühbeginn zeigten. Besonders früh blühten die Apfelbäume in Hessen 2024 (8. April).

Im Zeitverlauf seit 1961 immer früherer Beginn der Apfelblüte in Hessen. Auch 2026 ist der Beginn etwas früher als im langjährigen Mittel. Quelle: HLNUG/DWD

Südwesten hat die Apfelblüte bereits begonnen, wenige Tage früher als im langjährigen Mittel. Damit wären diese Regionen besonders durch mögliche Auswirkungen von Spätfrösten der kommenden Tage gefährdet. Glücklicherweise sind gerade diese Regionen weniger von Frösten betroffen. In der Nacht zum Mittwoch gibt es vor allem im Norden, Osten, der Mitte und im Südosten gebietsweise leichte Fröste bis -3 Grad. In der Nacht zum Donnerstag ist dann vor allem Süddeutschland von gebietsweise leichten Frösten betroffen. Die tiefen Lagen des Südwestens bleiben allerdings verbreitet frostfrei. In den Folgenächten nimmt die Frostgefahr auch im Süden ab, in ungünstigen Lagen kann es dort aber weiterhin in den Frühstunden kurzzeitig unter null Grad gehen. Damit ist die Gefahr aber noch nicht gebannt. Für das kommende Wochenende ist ein erneuter Kaltluftvorstoß von Norden wahrscheinlich. Die Intensität der Kaltluft und die Frage, wie weit diese nach Süden vordringen kann, unterliegen aber noch größeren Unsicherheiten.

Die prognostizierten Minima zeigen für die kommenden Nächte gebietsweise Fröste, vor allem für die Nacht zum 22.04.2026.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/04/Hoch-ULI-und-die-spaeten-Nachtfroeste-scaled.png 1817 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-04-21 00:02:272026-05-11 13:34:34Hoch ULI und die späten Nachtfröste

Blick in die Karwoche

29. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Karwoche ist im christlichen Kirchenjahr die letzte Woche vor Ostern, wobei die Silbe „kar“ laut wikipedia aus dem althochdeutschen abgeleitet wird und soviel wie „Klage“, Kummer“ oder „Trauer“ bedeutet. Die Karwoche beginnt traditionell mit dem heutigen Palmsonntag und dauert bis zum Karsamstag, der manchmal fälschlicherweise als Ostersamstag bezeichnet wird.

Diese Genauigkeit soll an dieser Stelle nur zeigen, dass der Autor sich darüber im Klaren ist, dass die Überschrift „Blick in die Karwoche“ nicht ganz sauber ausformuliert wurde. Denn genauer betrachtet werden soll in diesem Thema des Tages das Zeitfenster vom morgigen Montag (30.03.) bis zum Mittwoch (01.04.).

Die Bodendruckverteilung sowie die erwartete Lage der Fronten am Montagmittag ist in Abbildung 1 dargestellt. Der langgestreckte und wie ein Sprungseil durchhängende Frontenzug von Tief ODILE hat zu diesem Zeitpunkt von Nordwesten her schon große Teile Deutschlands überquert, während ODILE selbst über der Norwegischen See ihre Kreise zieht. Auf der Rückseite der Front dreht der Wind nicht nur auf Nordwest, er frischt auch merklich auf, was Sturmböen an den Küsten – speziell an der Nordsee, aber auch in den Hochlagen erwarten lässt.

Bodendruck- und Frontenvorhersagekarte für Montag, 30.03.2026, 12 UTC; Basis ICON, Lauf vom 29.03.2026, 00 UTC

Bezüglich der Sturmböen ist es damit aber nicht getan, denn auch in kräftigen Schauern und kurzen Gewittern, die recht verbreitet auftreten können, kommt die eine oder andere Sturmböe „um die Ecke“. Das Ganze ist, auch wenn es noch Ende März ist, ein schönes Beispiel für Aprilwetter. Die charakteristischen Eigenschaften von Aprilwetter sollen morgen an dieser Stelle beleuchtet werden, daher dazu hier und jetzt nichts Tiefschürfendes. Außer der Prognose, dass das Aprilwetter auch am Dienstag anhält – wenn auch in abgeschwächter Form. Es wird dann nicht mehr so verbreitet „schauern“ und „gewittern“, insbesondere im Norden kommt häufiger mal die Sonne raus und im Vergleich zum morgigen Montag ist auch der Wind nicht mehr ganz so ruppig unterwegs. Letzteres ist schon ein Hinweis darauf, dass zum Mittwoch hin der Druck steigt und sich das Wetter beruhigt. Und in der Folge lassen auch die Niederschläge an den Alpen nach.

Beim Blick auf die Niederschläge zeigt sich die in der kommenden Nacht einfließende subpolare Kaltluft recht schneeaffin. Natürlich liegt die Schneefallgrenze je nach Region, Niederschlagsintensität, Tageszeit und Wind (Stichwort: Durchmischung) unterschiedlich hoch. Grob kann man aber anpeilen, dass oberhalb von 600 bis 800 m wohl eine oder mehrere Schneefallwarnungen fällig werden.

Die Abbildung 2 zeigt die akkumulierten Schneehöhen bis in die Nacht zum Donnerstag, links nach dem europäischen Modell IFS, rechts nach dem DWD-Modell ICON-EU. Auf den ersten Blick scheinen die Grafiken recht unterschiedlich, was auch den Einheiten und der Farbgebung geschuldet ist. Die Einheiten können aber tatsächlich 1:1 umgerechnet werden, und auch die unterschiedliche Farbgebung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei genauerem Hinsehen die Diskrepanzen nicht so hoch sind. So entspricht der Farbübergang von grün zu orange bei IFS (links) der von rot zu violett bei ICON-EU (rechts). Und der besagte Übergang liegt bei beiden Modellen am Alpenrand. Auch wenn beide Darstellungen ein mögliches teilweises Abschmelzen der Schneedecke mit der Zeit nicht berücksichtigen und der überwiegend nasse Schnee sich nicht so stark akkumuliert wie trockener Schnee, so können in den Alpen doch 20 bis 40 cm Neuschnee zusammenkommen. Auch in exponierten Mittelgebirgslagen sind hohe einstellige oder niedrige zweistellige Neuschneehöhen erreichbar. Manch einer oder eine mag schon keinen Schnee mehr sehen, andere freuen sich über eine – zumindest regionale – Verlängerung des Winters.

Akkumulierte Schneehöhen bis in die Nacht zum Donnerstag, links nach IFS, rechts nach ICON-EU

Unabhängig von Freud und Leid des teils winterlichen Wetters gilt es aber vor allem auch in den Nächten aufzupassen. Mit der Wetterberuhigung zur Wochenmitte breitet sich der Frost wieder vom Süden bis in die Mitte, teils auch bis in den Norden aus. Da heißt es nicht nur Vorsicht im Straßenverkehr, sondern auch nachts empfindliche Pflanzen zu schützen.

Der scheue Blick auf die zweite Wochenhälfte und die Osterfeiertage offenbart, dass nach derzeitigem Stand der Modelle in der zweiten Wochenhälfte die Kaltluft allmählich ausgeräumt wird. An den Osterfeiertagen könnten die Höchstwerte am Oberrhein dann schon wieder an der 20°C-Marke kratzen.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Blick-in-die-Karwoche-1.png 582 818 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-29 17:29:532026-05-11 14:09:30Blick in die Karwoche

Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten 

25. Dezember 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Wetter rund um Weihnachten zeigt sich in weiten Teilen Deutschlands von seiner ruhigen winterlichen Seite. Verantwortlich dafür sind gleich zwei Hochdruckgebiete, die derzeit Mittel- und Nordwesteuropa dominieren. Hoch HELLA liegt über Schottland, Hoch INKA über der Ukraine. Dazwischen strömt aus Osten kalte Festlandsluft nach Deutschland. 

Diese Luftmasse bringt in den kommenden Tagen eisige Temperaturen. Nach leichten Schneefällen am gestrigen Mittwoch in Teilen Süddeutschlands, die örtlich für eine dünne Schneedecke gesorgt haben, bleibt es zunächst überwiegend trocken. Neue Niederschläge sind vorerst kaum zu erwarten. 

 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 25.12.2025 12 UTC. Quelle: DWD 

Am heutigen Donnerstag, dem Ersten Weihnachtstag, steigen die Temperaturen tagsüber meist nicht über -6 bis 0 Grad. Nur an den Küsten, im Westen und Südwesten sowie entlang der unteren Donau sind vereinzelt leichte Plusgrade möglich. Der teils kräftige Ostwind verstärkt jedoch das Kältegefühl deutlich. 

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 25.12.2025. Quelle: DWD 

Viele Regionen dürfen sich über Sonnenschein freuen. Lediglich zwischen Sachsen und Thüringen sowie im Südwesten halten sich gebietsweise zähe Hochnebelfelder. In der Nacht zum Freitag wird es verbreitet frostig. Die Temperaturen sinken auf -1 bis -9 Grad, im Osten lokal sogar bis -12 Grad. 

Wetter- und Temperaturkarte, in der Nacht zum Freitag 25./26.12.2025. Quelle: DWD 

Ab dem Zweiten Weihnachtstag verlagern sich die Hochdruckgebiete allmählich in Richtung der Britischen Inseln und des Nordostatlantiks. Dadurch ändert sich die Strömung über Deutschland langsam. Am Wochenende kommt die Luft häufiger aus nördlichen Richtungen und bringt in den unteren Schichten mehr Feuchtigkeit mit sich. 

Während die Mitte und der Süden noch längere Zeit von trockener Luft profitieren und sich bei Sonnenschein auch letzte Nebelfelder auflösen, breiten sich im Norden zunehmend dichte Wolken aus. Diese erreichen in der Nacht zum Sonntag auch die Landesmitte. Lokal kann es zu leichtem Sprühregen kommen. Besonders in den Mittelgebirgen besteht dabei stellenweise Glatteisgefahr, da die Temperaturen dort unter dem Gefrierpunkt bleiben. Tagsüber liegen die Werte sonst meist knapp über null, die Nächte bleiben weiterhin frostig. 

Zum Start in die neue Woche zeichnet sich schließlich eine allmähliche Wetterumstellung ab. Das Hochdruckgebiet verlagert sich über den Nordatlantik zwischen die Britischen Inseln und Island. Gleichzeitig sorgen Tiefdruckgebiete über Skandinavien und Osteuropa dafür, dass kalte Polarluft nach Deutschland vordringen kann. 

Mit dieser Kaltluft nehmen auch die Niederschläge zu und sie könnten zunehmend bis in tiefe Lagen als Schnee fallen. Pünktlich zum Jahreswechsel ist daher ein deutlicher Wintereinbruch durchaus möglich. 

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/12/Kaltes-Hochdruckwetter-praegt-Weihnachten-.png 914 1284 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-12-25 20:41:402025-12-29 20:52:14Kaltes Hochdruckwetter prägt Weihnachten 

Wenn die Küstengebiete in den Schneemassen versinken 

6. November 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Höchsttemperaturen von bis zu 21 Grad und vielerorts reichlich Sonnenschein erinnern eher an den Altweibersommer als an den nahenden Winter. Doch der Winter ist nicht mehr allzu fern und damit auch ein spannendes Wetterphänomen, das in Deutschland bei bestimmten Wetterlagen besonders entlang der Ostsee beobachtet werden kann. Die Rede ist von einem Lake-Effect-Snow Ereignis. Das letzte größere Ereignis liegt schon einige Jahre zurück. Im Februar 2021 sorgte der Zustrom von arktischen Luftmassen in Verbindung mit der vergleichsweise warmen Ostsee für regionale Schneemassen entlang der Ostsee. Vor allem auf Rügen kamen innerhalb von 48 Stunden stellenweise über 40 cm Schnee zusammen. Dabei fielen lokal eng begrenzt sogar über 30 cm Schnee innerhalb eines Zeitraums von 12 bis 24 Stunden. Diese Schneemengen sind im Gegensatz zu einigen historischen Ereignissen in Nordamerika geradezu homöopathisch. Im November 2014 kam es auf der windabgewandten Seite des Lake Erie in Buffalo zu einem Ereignis, bei dem innerhalb von nur zwei Tagen in einem schmalen Streifen 150 cm Schnee zusammenkamen. Die Folge waren 14 Todesfälle, Stromausfälle sowie Lebensmittel und Versorgungsprobleme. 

Damit sich ein signifikantes Lake-Effect-Snow Ereignis ausbildet, benötigt es eine sehr kalte Luftmasse arktischen Ursprungs mit Temperaturen in 1,5 Kilometer Höhe von unter -14 Grad und eine schwach ausgeprägte Windscherung. Dabei ist vor allem die Windrichtungsänderung in der unteren Troposphäre wichtig, damit sich gut organisierte Schneefallbänder bilden können. Diese Schneefallbänder entstehen aber nur, wenn auch der See oder Ozean ausreichend groß ist. Die arktische Luftmasse braucht nämlich seine Zeit, um genügend Feuchtigkeit aufnehmen zu können, damit es in der unteren Troposphäre zu stärkerer Konvektion und zur Ausbildung der Schneefallbänder kommen kann. Deshalb ist eine Seelänge von mindestens 100 Kilometer parallel zur Windrichtung hilfreich. Außerdem ist es für große Schneemengen wichtig, dass die Windrichtung über längere Zeit konstant bleibt. Damit werden immer wieder die gleichen Küstengebiete von kräftigen Schneefällen getroffen. Befindet sich nun noch ein Gebirge auf der windabgewandten Seite des Sees, kann der kräftige Schneefall durch Staueffekte weiter intensiviert werden. 

 

Verschiedene Morphologien während eines Lake-Effect-Snow Ereignisses. a) Wind parallele Schauerbänder, b) Küstenschauerbänder c) Mesoskaliger Wirbel 

In Abhängigkeit der Windströmung ergeben sich dabei verschiedene Wolkenmuster, die in Satellitenbildern erkennbar sind. Weht ein kräftiger Wind mit einer geringen Windrichtungsänderung von weniger als 30 ° über eine Seeoberfläche, bilden sich zur Windrichtung parallel angeordnete Schneefallbänder aus, die lokal eng begrenzt im Küstenbereich für große Schneemengen sorgen können (Bild 1 a). Sind die Winde dagegen eher schwächer ausgeprägt, kommt es häufig im Zusammenspiel mit dem Landwind zu einer küstennahen Konvergenzlinie mit kräftigen Schneefällen, die im weiteren Verlauf auch die Küstenregion erreichen kann (Bild 1 b). Ist der Wind dagegen sehr schwach ausgeprägt und sind die Temperaturunterschiede zwischen der Seeoberfläche und 1,5 Kilometer Höhe besonders stark ausgeprägt, bildet sich ein mesoskaliger Wolkenwirbel aus, der sich im weiteren Verlauf zur Küste verlagern und dort für intensive Schneefälle sorgen kann (Bild 1 c). Diese Form ist aber bei uns sehr selten. Sie wird etwas häufiger über den Großen Seen in Nordamerika beobachtet. Dort können sehr kalte, arktische Luftmassen ungehindert nach Süden strömen. Zudem sind bei uns arktische Kaltlufteinbrüche im Winterhalbjahr auch häufig mit einer kräftigeren Strömung verbunden. 

Satellitenbilder mit den verschiedenen Morphologien. 

 

Da es sich beim Lake-Effect-Snow um ein sehr kleinräumiges Phänomen handelt und die komplexen Wechselwirkungen zwischen Ozean und der atmosphärischen Grenzschicht noch nicht vollständig verstanden sind, haben auch hochaufgelöste Vorhersagemodelle häufig Schwierigkeiten bei der Bestimmung der betroffenen Region und der Intensität eines solchen Ereignisses. Zudem gibt es über den Seen kaum Messungen, die in eine Vorhersage miteinfließen. Auch das Monitoring gestaltet sich nicht trivial, da die tiefliegenden Schneefallbänder über der See häufig nicht adäquat vom Radar erfasst werden. 

Häufigkeit an Tagen mit Schneefallbändern pro Monat im Zeitraum von 1998 bis 2018. Über der Ostsee ist ein Maximum im Dezember erkennbar. 

 

Damit die Küstenregionen der Ostsee von diesem Phänomen betroffen werden, benötigt es eine östliche bis nordöstliche Strömung. Bereits ab November können die Luftmassen kalt genug dafür sein. Die meisten Ereignisse dazu werden jedoch im Dezember beobachtet. Zu dieser Jahreszeit ist das Wasser der Ostsee noch relativ warm und gleichzeitig können bei einer günstigen Wetterlage bereits ausreichend kalte Luftmassen zu uns strömen. Damit wird mit Spannung auf den kommenden Winter geschaut. Vielleicht werden dann die Küstenregionen Deutschlands von diesem Phänomen wieder betroffen sein. 

M.Sc. Meteorologie Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.11.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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Winterzwischenbilanz – Großteil der Kälte eigenproduziert

26. Januar 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Einleitung

Der Januar ist fast zu Ende und damit auch zwei Drittel des meteorologischen Winters. Höchste Zeit einmal kurz Zwischenbilanz zu ziehen. Wenn man die letzten Wochen Revue passieren lässt, dann muss man ganz nüchtern feststellen, dass es richtigen Winter kaum gegeben hat. Dennoch gab es auch längere kalte Phasen, teils mit Dauerfrost auch in tiefen Lagen. Wie dies sein kann, soll in weiterer Folge näher erläutert werden.

Wie man kalte Luft bekommt | Advektion

Es gibt letztlich zwei Möglichkeiten, um Kälte zu erzeugen. Entweder kalte Luft wird von irgendwoher herangeführt (Advektion) oder die Kälte wird vor Ort selbst „produziert“. Advektion kalter Luft kann es entweder aus Norden geben (maritim geprägte, eher feuchte Kaltluft) oder aus Osten (kontinental geprägte, eher trockene Kaltluft). Die einzige Lage, bei der es durch Advektion kalter Luft aus Norden in Folge einer Grenzwetterlage nennenswert Schnee gegeben hat, war zu Beginn des Jahres mit Tief Charly (09.01.). Gebietsweise gab es dadurch über der Mitte des Landes auch in tiefen Lagen nennenswert Schnee. Davon abgesehen hat der Winter aber bisher nicht wirklich viel Schnee parat, wie auch die Karte mit der bisher höchsten Schneehöhe des Winters an ausgewählten Stationen zeigt (beachte: Es wird immer um 07 MEZ am Morgen gemessen). In tiefen Lagen stehen oft nur weniger klägliche Zentimeter zu Buche (wenn überhaupt), die auch oft nur von kurzer Dauer waren.


Die Grafik zeigt die im meteorologischen Winter 2024/25 (Dezember bis Februar) bisher gemessene höchste Schneedecke an ausgewählten Wetterstationen. Die Schneedecke wird immer morgens um 06 UTC (7 MEZ) gemessen.

Eine Ostlage, bei der kalte Luftmassen von Russland über Osteuropa bis nach Deutschland geführt werden, gab es in diesem Winter bisher noch gar nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass sowohl der Dezember, als auch der Januar in diesen Regionen deutlich wärmer ausgefallen sind, als im vieljährigen Mittel, sodass selbst dort kaum Kaltluft vorhanden ist.

Wie man kalte Luft bekommt | Eigenproduktion

Trotzdem gab es auch in diesem Winter kältere Phasen, wie in der vergangenen Woche, als es in einigen Regionen im Tiefland mehrere Tage Dauerfrost (Eistage) gegeben hat. Dies kann man auch in der Bilanz der bisher in diesem Winter aufgetretenen Frost- und Eistage erkennen, die in der folgenden Grafik für ausgewählte Stationen dargestellt ist. An vielen Stationen in Deutschland gab es schon einen oder mehrere Dauerfrosttage. In Frankfurt am Main waren es bisher vier Stück, wobei 30 Frosttage zu Buche stehen (Schnitt Gesamtwinter Frankfurt 10 bzw. 44). Das sind zwar keine sonderlichen hohen Werte, aber sie zeigen, dass der Winter in Deutschland kein Totalausfall ist – zumindest von der Temperatur her.
Der Grund für die kalten Phasen war aber die „Eigenproduktion“ der Kaltluft und die schon mehrfach in den vergangenen Themen des Tages erläuterten Inversionswetterlagen.


Die Grafik zeigt die im meteorologischen Winter 2024/25 (Dezember bis Februar) bisher gemessene Anzahl an Eistagen (Tage mit Maxima unter 0 Grad, links) und Frosttagen (Tage mit Minima unter 0 Grad, rechts) an ausgewählten Wetterstationen.

Wie funktioniert die Eigenproduktion?

Immer wieder gab es in diesem Winter kräftige Hochdruckgebiete über Mitteleuropa und Deutschland. Im Winter führt dies aufgrund der langen Nächte dazu, dass sich die bodennahen Schichten sehr stark abkühlen können. Der fehlende Wind verhindert darüber hinaus, dass sich die bodennahe Kaltluft mit höheren Luftschichten mischen kann, sodass sich die bodennahe Kaltluft wie zäher Schleim halten kann – oft verbunden mit Nebel und Hochnebel. In höheren Lagen ist es dann im Gegenzug sehr mild.
Schön zu sehen ist dies, wenn man sich einfach mal zwei Zeitreihen in diesem Winter nebeneinanderlegt. In der Grafik ist dies beispielhaft für den Brocken und Mainz Lerchenberg geschehen. Dargestellt sind die Höchsttemperaturen an jedem Tag. Man erkennt insgesamt drei länger andauernde Inversionswetterlagen, bei denen es auf dem Brocken wärmer gewesen ist als in Mainz am ZDF Sendestudio.


Auf der Grafik sind die Zeitreihen der Maximumtemperatur für Mainz-Lerchenberg und den Brocken dargestellt, beginnend ab dem 1.Dezember.

Neue Temperaturrekorde oben wie unten

Durch die vorherrschenden Großwetterlagen gab es in diesem Januar nicht nur in tiefen Lagen neue Temperaturrekorde, sondern auch in höheren Lagen. Die folgende Karte zeigt erneut für ausgewählte Stationen die bisher in diesem meteorologischen Winter gemessene Maximumtemperatur. Es lässt sich kaum unterscheiden, welche Station eine Flachland- und welche eine Berglandstation ist.


Die Grafik zeigt die im meteorologischen Winter 2024/25 (Dezember bis Februar) bisher gemessene höchste Schneedecke an ausgewählten Wetterstationen. Die Schneedecke wird immer morgens um 06 UTC (7 MEZ) gemessen.

Während in der vergangenen Woche (19.01.) bei der letzten kräftigen Inversionslage auf einigen Berggipfeln neue Januarrekorde aufgestellt wurden (z.B. Neuhaus am Rennweg: 13.0 °C (alt:11.5 °C) oder Schmücke :13.8 °C (alt: 10.8 °C)), fielen am gestrigen Samstag bei einer windigen Südwestlage dann in tiefen Lagen die Januarrekorde. Auf der Grafik sieht man die Nachmittagstemperaturen um 14 Uhr MEZ und eine Liste mit Stationen, die den bisherigen Rekord eingestellt oder in den meisten Fällen übertroffen haben. Man erkennt zudem, dass es sich bei den Wetterstationen zum Teil um sehr alte Messreihen handelt.


Die Grafik zeigt die im meteorologischen Winter 2024/25 (Dezember bis Februar) bisher gemessene Anzahl an Eistagen (Tage mit Maxima unter 0 Grad, links) und Frosttagen (Tage mit Minima unter 0 Grad, rechts) an ausgewählten Wetterstationen.

Ausblick

Auch in der Folge ist von wirklichem Winter nicht viel zu sehen. Die neue Woche startet mit einer sehr mild Südwestwetterlage bei der oft Höchstwerte im zweistelligen Bereich erwartet werden. In der zweiten Wochenhälfte beruhigt sich das Wetter zwar, die dann wieder einfließende Polarluft ist aber weder wirklich kalt, noch kann sie sich im Zuge einer neuen, starken Inversionslage vor Ort nennenswert abkühlen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.01.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Wenn die Schafe frieren…

12. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit einigen Tagen rückt polare Kaltluft immer näher an Deutschland heran und hält nun vollends Einzug in weite Landesteile. Dabei erstrecken sich die Hochs „Xenophilius“ und „Yogi“ vom Nordatlantik bis nach Mitteleuropa und ins Europäische Nordmeer. Die Tiefdruckgebiete „Swantje“ und „Uljana“ über Nordeuropa sorgen hingegen für eine nördliche Strömung, die die kalte Luft aus polaren Regionen über das Europäische Nordmeer und die Nordsee bis nach Deutschland führt.

Auf ihrem Weg über das Wasser wird die Luft zwar etwas erwärmt, dennoch ist die Temperatur für die Jahreszeit etwas zu kalt. Derzeit liegt die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur im Flächenmittel in Deutschland etwa bei 16 Grad Celsius, wenn man von der klimatologischen Referenzperiode von 1991 bis 2020 ausgeht. Am gestrigen Dienstag, dem 11. Juni, betrug die deutschlandweite Mitteltemperatur hingegen unter 12 Grad Celsius. Am heutigen Mittwoch (12. Juni) kann die Tagesmitteltemperatur sogar noch etwas niedriger ausfallen.

Die Abkühlung wird jedoch nicht nur durch den fehlenden Wärmeinhalt der zugeführten Luftmasse hervorgerufen. Besonders bei wie derzeit vorherrschendem ruhigem Wetter mit schwachen Luftdruckgegensätzen ergibt sich ein Teil aus der nächtlichen Ausstrahlung. So konnte beispielsweise in der vergangenen Nacht zum Mittwoch punktuell in sogenannten „Kältelöchern“ sogar leichter Frost in Bodennähe beobachtet werden.

Ein waschechter Bauer, aber auch der regelmäßige Thema-des-Tages-Leser vermutet nun wahrscheinlich schon, dass es sich bei der derzeitigen kühlen Witterung um die Schafskälte handeln muss, eine meteorologische Singularität oder auch Witterungsregelfall genannt. Darunter werden Wetterlagen zusammengefasst, die zu bestimmten Zeiten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Sie weisen eine deutliche Abweichung von einem glatten Verlauf von Temperatur und/oder Niederschlag auf, was sich auch im vieljährigen Mittel widerspiegelt. Eine dieser Witterungsregelfälle ist die Schafskälte.
Merkmal der Schafskälte ist, wie schon der Name suggeriert, ein kühler Witterungsabschnitt, der häufig Mitte Juni eintritt. Je nach genauer Definition dieser Singularität kann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens des Ereignisses recht unterschiedlich sein. Definiert man für die Schafskälte den Zeitraum 10. bis 12. Juni, so liegt die Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Lufttemperatur bei etwa 80 Prozent, für eine überdurchschnittliche Niederschlagsaktivität bei rund 55 Prozent. Aufgrund des Klimawandels nimmt allerdings die Eintrittswahrscheinlichkeit für diese Kaltluftperiode immer weiter ab.

Was haben aber nun Schafe mit der kühlen Witterung zu tun? Da die Hirten traditionell zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren, kann es den frisch „rasierten“ Schafen – je nach Intensität der Schafskälte – nun ziemlich kalt werden. Bei besonders kalten Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus gefährlich, weshalb Muttertiere und Lämmer erst nach dem Kälteeinbruch geschoren werden. Dies bescherte diesem Witterungsregelfall seinen Namen.

Lange hält die aktuelle Schafskälte jedoch nicht an. Zum Freitag fließt bereits wieder wärmere Luft aus südwestlicher Richtung ein. Zwar wird es im Laufe des bevorstehenden Wochenendes wieder wechselhafter mit zeitweiligen Niederschlägen, dennoch liegen die Höchstwerte bis Sonntag meist wieder zwischen 20 und 25 Grad. Nächtlicher Bodenfrost ist dann ebenfalls kein Thema mehr. Zu Beginn der neuen Woche werden insbesondere in der Südosthälfte auch wieder Sommertage mit Höchstwerten von deutlich über 25 Grad erwartet.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
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Offenbach, den 12.06.2024
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Wo steckt der Sommer?

9. Juni 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Die Großwetterlage in Europa ist seit Wochen ziemlich eingefahren. Ein sich immer wieder regenerierender Höhentrog über West- und Mitteleuropa sorgte für eine kühle und teils auch sehr nasse Witterungsphase. Dies führte in den letzten Wochen gebietsweise zu teils unwetterartigen Niederschlägen, die in der vergangenen Woche zu den Hochwassern im Süden und Südosten, sowie bereits im Mai im Südwesten führten.

Am Wochenende sorgte schwacher Zwischenhocheinfluss zumindest gebietsweise für beständiges und warmes Frühsommerwetter. Am gestrigen Samstag wurde vor allem im Süden und Osten in den Niederungen gebietsweise die Sommermarke von 25 Grad erreicht oder knapp überschritten. Spitzenreiter war dabei Simbach am Inn mit 28,4 Grad. Doch auch damit ist es in den kommenden Tagen wieder vorbei.

Grund dafür ist ein neuer ausgedehnter Höhentrog, welcher sich allmählich aus Richtung Skandinavien nach Mitteleuropa ausbreitet. Dabei strömt zum Dienstag ein weiterer Schwall Subpolarluft nach West- und Mitteleuropa. Dies lässt die Temperaturen in 850 hPa (etwa 1,5 Kilometer Höhe) teils unter die 0 Grad-Marke sinken, sodass bei wechselhaftem Wettercharakter die Höchstwerte in weiten Teilen von Nordwest- und Mitteleuropa meist unter 20 Grad liegen.

Gleichzeitig macht sich auf der Vorderseite des Höhentroges heiße Luft aus Nordafrika auf den Weg nach Südosteuropa. Dort läutet sie die erste große Hitzewelle ein. Von Süditalien über Griechenland bis in die Ostukraine werden verbreitet hochsommerliche Temperaturen über 30 Grad erwartet. Vor allem in Griechenland und im Westen der Türkei sind örtlich auch Temperaturen um 40 Grad denkbar. Der Höhepunkt wird dort voraussichtlich zur Wochenmitte erreicht. Erst am kommenden Wochenende deutet sich eine zaghafte Abkühlung an. Aber auch dann werden immer noch Spitzenwerte von etwa 35 Grad erwartet.

In Deutschland sind wir dagegen von solchen Temperaturen meilenweit entfernt. Ganz im Gegenteil: Zur Wochenmitte kann es bei längerem Aufklaren in den Nächten empfindlich kalt werden. Dann deuten sich mit Ausnahme der Küsten verbreitet einstellige Tiefsttemperaturen an. In einigen Mittelgebirgstallagen ist sogar Bodenfrost möglich. Dazu wird es vor allem in der Nordhälfte zeitweise windig. An den Küsten treten teils auch stürmische Böen auf. Insgesamt macht der Juni also eher einen herbstlichen Eindruck.

Und auch ein Blick in Richtung des kommenden Wochenendes macht für alle Sommerfans nur wenig Hoffnung. Immerhin steigen die Temperaturen allmählich wieder an, sodass zum Wochenende auch wieder Tageshöchsttemperaturen von knapp über 20 Grad in Reichweite kommen. Der Wettercharakter bleibt aber weiterhin wechselhaft. Beständiges Sommerwetter mit badetauglichen Temperaturen ist auch dann weiterhin noch nicht in Sicht!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.06.2024
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Der Spätwinter mit Schnee und Frost folgt auf den Frühsommer!

21. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit Blick auf die derzeitige winterliche Witterungsepisode, die mit Blick auf die nahe Vergangenheit durchaus Seltenheitswert besitzt und den stark überdurchschnittlichen Temperaturen aus der ersten Aprilhälfte nun auf Normalniveau stutzt, wird sich auch das heutige Thema des Tages nochmals mit dieser Thematik beschäftigen. Denn die zweite Aprilhälfte hat einiges zu bieten. Von Schnee bis ins Tiefland bis hin zu mäßigem Frost ist alles dabei.

Am heutigen Sonntag (21.04.2024) befindet sich Deutschland zwischen den Stühlen oder in meteorologischer Fachsprache zwischen den Druckmaxima. Leider liegen für viele Bürger Hoch und Tief dabei auf der falschen Seite. Denn derzeit kreiselt das kräftige Hoch QUADARIUS bei Irland und spannt eine Hochdruckzone vom Nordmeer über den Ostatlantik bis in den Golf von Biskaya auf, während über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa zahlreiche Tiefs wirbeln und so über Mitteleuropa eine nördliche bis nordöstliche Strömung induzieren. Mit dieser wird weiter kalte Luft polaren Ursprungs nach Deutschland geführt. Da aber die Tiefs ANNINA II über Polen und ANNINA I bei Norwegen in der Wetterküche ordentlich mitwirken, bleibt hierzulande auch der unbeständige Wettercharakter bestehen (vgl. Abb. 1).

Vor allem ANNINA II sowie ein Randtief über Süddeutschland versorgen am heutigen Sonntag die Südhälfte des Landes mit teils kräftigen Niederschlägen. Diese werden dabei durchaus auch noch von Prozessen in höheren Luftschichten verstärkt, wo ebenfalls kleine Tiefs umhereiern. Da gleichzeitig die Temperaturen stark unterdurchschnittlich ausfallen, in etwa 1500 Meter zwischen -3 und -9 Grad sowie bodennah am Morgen zwischen -4 und +4 Grad liegen und tagsüber nur eine moderate Erwärmung erfahren, fallen die Niederschläge oberhalb von 400 bis 600 m als Schnee. In der Nacht lag die Schneefallgrenze in der Mitte sogar teilweise in tiefen Lagen und sorgte auf den Straßen für einen nachhaltigen Eindruck. Vor allem auf den Autobahnen und Bundesstraßen in Nord- und Osthessen, Ostwestfalen sowie Thüringen (A4, A7, A44) ging zeitweise nichts mehr. Die gemessenen Neuschneehöhen sind entsprechend ordentlich. Z. B. fielen in Bad Hersfeld (272 m ü.N.N.) in nur wenigen Stunden 10 cm, in Fulda-Horas (242 m ü.N.N.) 7 cm, in Mistekgau-Hardt (419 m ü.N.N.) 10 cm und in Liebenau-Haueda (162 m ü.N.N.) 5 cm Neuschnee. Abseits der Stationen des DWD sind aber durchaus auch noch höhere Summen möglich. An den Alpen fielen oberhalb von 800 m häufig zwischen 10 bis 20 cm. Resultierend konnte die Schneedecke aus den Vortagen oberhalb etwa 700 bis 800 Meter weiter anwachsen (vgl. insgesamt Abb. 2). Im Thüringer Wald sind nun in der Spitze 26 cm, auf der Wasserkuppe in der Rhön 19 cm, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge 23 cm und auf dem Kahlen Asten rund 13 cm zu verzeichnen.

In den kommenden Tagen nimmt dann der Einfluss von Hoch QUADARIUS zu, sodass die Niederschlagsneigung abnimmt. Grundsätzlich bleibt aber die nördliche Grundströmung aufgrund der Lage des Hochs westlich bzw. nordwestlich von Deutschland bestehen, sodass die Zufuhr an polarer Kaltluft zunächst anhält. Während es an den Alpen und dem Vorland sowie Ostbayern auch in den kommenden Tagen noch länger schneien soll, sind sonst bevorzugt im Ostseeumfeld und im westl. Mittelgebirgsraum noch Schneeschauer möglich. Ansonsten wechselt der Fokus zunehmend vom Schnee zum Frost. Durch die abnehmende Bewölkung kann die einfließende Kaltluft nachts ordentlich auskühlen. Nachfolgend sollen die nächtlichen Tiefstwerte (2 m) in den kommenden Nächten verbreitet auf Werte zwischen 0 und -7 Grad purzeln, in Bodennähe (5 cm) muss mit Frost zwischen -2 und -10 Grad gerechnet werden (Vgl. Abb. 3). Diese Temperaturen sind dann für die schon weit vorgedrungene Pflanzenwelt gefährlich. Vor allem gerade blühende Gewächse sind gefährdet und müssen geschützt werden. Aber auch sonst ist für viele Pflanzen im Garten und auf dem Balkon nochmals Schutz nötig.

Der sich einnistende Spätwinter relativiert dann auch den Frühsommer zu Monatsbeginn. Noch am Morgen des 15. April, also zur Halbzeit des Monats, lag die Mitteltemperatur landesweit 4 bis fast 7 Grad über dem vieljährigen Mittel und damit erneut auf Rekordkurs. Doch dann kam der Spätwinter. Am heutigen Morgen (21. April), also knapp eine Woche später, sind die positiven Abweichungen abgeschmolzen. Insgesamt sind aber weiter überdurchschnittliche Mittelwerte von 2 bis 4 Grad zu verzeichnen (vgl. Abb. 4). Aufgrund der mindestens noch eine Woche anhaltenden unterdurchschnittlichen Temperaturen sollten sich die Abweichungen aber weiter normalisieren.

Diplom Meteorologe Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2024
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Neues aus der Stratosphäre

29. Dezember 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon, Wind/von WINDINFO

Das heutige Thema des Tages behandelt Phänomene in der Stratosphäre, der zweituntersten Schicht der Erdatmosphäre (zwischen etwa 13 und 50 km Höhe). In dieser Schicht nimmt die Temperatur durch die Absorption von UV-Strahlung an Ozon mit der Höhe zu. Im Gegensatz zur darunter liegenden Troposphäre, in der die Temperatur mit der Höhe abnimmt. Aufgrund dieser inversen Temperaturschichtung ist die Stratosphäre weitgehend von der Troposphäre entkoppelt und weist eigene Prozesse auf. Darunter fällt auch das sogenannte „Berliner Phänomen“.

Um dieses Phänomen zu verstehen, betrachten wir die winterliche Stratosphäre auf der Nordhalbkugel. Über dem Pol, wo im Winter kein Sonnenlicht einfällt, kann sich die Stratosphäre nicht durch UV-Absorption am Ozon erwärmen. Daher kühlt die Stratosphäre dort auf Temperaturen unter -80 °C ab. Dies führt zur Bildung eines kräftigen Höhentiefs, des sogenannten Polarwirbels, der bis in die Troposphäre reicht.

In den 50er Jahren entdeckte der Stratosphärenwissenschaftler Richard Scherhag bei der Auswertung von Wetterballondaten, dass sich die winterliche Stratosphäre in unregelmäßigen Abständen, im Durchschnitt alle 2 Jahre, plötzlich stark erwärmt. Aufgrund seiner Forschung an der Freien Universität Berlin wird dieses Phänomen als „Berliner Phänomen“ bezeichnet.

Die Ursache für diese plötzliche Erwärmung ist recht komplex und lässt sich in der Troposphäre finden. Etwas vereinfacht dargestellt, breiten sich bei bestimmten Wetterlagen auf der Nordhalbkugel Wellen vertikal bis in die Stratosphäre aus. Dort beginnen sie sich in etwa 30 km Höhe aufzulösen und setzen dabei ihre Wellenenergie frei. Diese wird in Wärmeenergie umgewandelt, sodass es zu einer raschen Erwärmung kommt. Diese Erwärmung beginnt zunächst in etwa 30 km Höhe. Ist diese kräftig genug, „wandert“ sie bis in eine Höhe von 15 km hinunter. Bei sehr kräftigen Erwärmungen wird der bereits beschriebene Polarwirbel zerstört und zerfällt in mehrere Teilwirbel oder wird weit nach Süden abgedrängt. Die winterlichen Westwinde in der Troposphäre schwächen sich infolgedessen ab und kehren sich sogar zu Ostwinden um. Man spricht dann auch von einem „Major Warming„.

Dies hat dann sogar Auswirkungen auf unser Wetter. In der Troposphäre schwächt sich der Jetstream (Starkwindband in der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre) ab. Dadurch stoßen Hochdruckgebiete weit nach Norden vor und führen an ihrer Westflanke warme Luft in Richtung Pol. Die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete wird in Folge dessen unterbrochen, sodass sie mit Kaltluft aus polaren Breiten weit nach Süden ausscheren können. Diese Blockade-Wetterlagen sorgen im Winter häufig für längere kältere Phasen in Mitteleuropa. Einfacher ausgedrückt: Der Druckunterschied zwischen Islandtief und Azorenhoch wird im Mittel verringert, sodass sich der Zustrom milder Atlantikluft nach Mitteleuropa häufig abschwächt. Major Warmings erhöhen also die Chance auf kalte Witterungsphasen in den mitteleuropäischen Wintern.

Derzeit simulieren Modelle erneut eine plötzliche Stratosphärenerwärmung. Nach dem aktuellen Stand reicht diese Erwärmung jedoch nicht aus, um den Polarwirbel zu zerstören, sondern er wird sich nur abschwächen und südwärts Richtung Nordeuropa verschieben. Die Auswirkungen auf unser Wetter Anfang Januar sind schwer abzuschätzen. In der erweiterten Mittelfrist zeigen Modelle jedoch eine deutliche Abschwächung der vorherrschenden Westwinddrift, die seit Mitte Dezember durch einen sehr kompakten Polarwirbel aufrechterhalten wird. Stattdessen deutet sich ein Trend zu hohem Luftdruck über Grönland und dem Nordmeer an, was den Weg für kältere Luftmassen nach Nord- und Mitteleuropa ebnen könnte.

Obwohl die Prognose noch vage ist, zeigen die Modellensembles tatsächlich einen groben Trend zu einer Abkühlung in der zweiten Januarwoche, die zumindest im Bergland den Winter zurückbringen könnte. Diese Entwicklung könnte sogar eine direkte Folge der Prozesse in der Stratosphäre sein.

Ein optischer Effekt wird sich ab dem Wochenende wahrscheinlich beobachten lassen: Durch die Verschiebung des Polarwirbels nach Nordeuropa (siehe Abbildung 1) wird die Temperatur über Norddeutschland in einer Höhe von 23 km auf etwa -80 °C fallen. Infolgedessen könnten sich sogenannte „Polare Stratosphärenwolken“ oder „Perlmuttwolken“ bilden. Diese entstehen in einer Aerosolschicht in 22 bis 29 km Höhe, auch bekannt als „Jungschicht“, die winzige Schwefelsäuretröpfchen enthält. Die Hauptquelle für diese Schwefelsäuretröpfchen sind Vulkanausbrüche. Bei Temperaturen unter -78 °C gefrieren diese Tröpfchen und es lagern sich Wasser- und Salpetersäuremoleküle an. Dadurch entstehen Kristalle, die aus einer Mischung aus Schwefelsäure und Salpetersäuretetrahydrat bestehen. Das einfallende Sonnenlicht wird an diesen Kristallen gebrochen, wodurch perlmuttartig erscheinende Wolken entstehen. Aufgrund der Mehrfachstreuung des Sonnenlichts an diesen Wolken könnte es für mehrere Tage zu sehr intensiven roten bis purpurnen Sonnenauf- und Untergängen (Purpurlicht) kommen.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2023

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Lake Effect Snow – Verbindendes meteorologisches Phänomen zwischen Ostsee und Großen Seen

30. November 2023/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

In vielen Regionen Deutschlands liegt bis in die Niederungen zumindest eine dünne Schneedecke. Lediglich im Südwesten schaut man eher noch „ins Grüne“. In den vergangenen Tagen wurde in den Themen des Tages bereits ausführlicher auf die Entwicklung der winterlichen Wetterlage und der Schneedecke eingegangen (siehe Themen des Tages vom 28.11.23 und 29.11.23). Nicht nur im Mittelgebirgsraum oder an den Alpen musste zu Besen oder Schaufel gegriffen werden, um die Wege oder das Auto freizuräumen. Auch entlang den deutschen Küsten, vor allem der Ostsee, liegt für diese Regionen eine veritable Schneedecke (Abbildung 1). In Nordamerika, genauer gesagt im Umfeld der Großen Seen, braucht man derzeit schon teils schwereres Gerät, um den dortigen Schneemassen Herr zu werden. Beide Regionen verbindet dieser Tage der sogenannte „Lake Effect Snow„, welcher regional für verhältnismäßig hohe Schneesummen sorgt.

Der Lake Effect Snow (LES) ist ein Phänomen, das im Winterhalbjahr beim Überströmen von Kaltluft über größere, relativ warme Wasserflächen auftreten kann. Beim Überstreichen der trocken-kalten Luft über die deutlich wärmeren Gewässer wird die untere Atmosphäre mit Wärme und Feuchtigkeit versorgt und deren Schichtung wird dadurch labiler. Die mit Wärme und Feuchtigkeit angereicherten Luftpakete steigen auf, kühlen sich ab und kondensieren vorwiegend bereits in den unteren Atmosphärenschichten. Daher kann es zu flächenmäßig eng begrenzten Niederschlagsbändern mit heftigen Schneefällen kommen. Aufgrund der geringen Breite der Niederschlagsbänder von oft nur wenigen Kilometern kann das betroffene Gebiet im Schnee versinken, während im näheren Umfeld mitunter deutlich weniger oder gar kein Schnee fällt. Verschiedene Studien zeigen, dass zwischen der Wasseroberflächentemperatur und der Temperatur in 1,5 km Höhe (Druckniveau auf etwa 850 hPa) über Grund eine Differenz von mindestens 13 Kelvin bestehen muss, damit genügend Energie für die Bildung kräftiger und langlebiger Niederschlagsbänder zur Verfügung steht. Starke Schneeschauer können unter anderem dann entstehen, wenn die labile Luftmasse eine vertikale Mächtigkeit von mindestens ca. 2 km über Grund erreicht.

Eine weitere Schlüsselkomponente bei der Bestimmung von besonders betroffenen Küstengebieten beim Lake Effect Snow ist die Windrichtung. Zudem ist der sogenannte „Fetch“ entscheidend, der die Wirklänge des Windes über die offene Wasserfläche beschreibt. Der „Fetch“ sollte typischerweise mindestens 100 km betragen, damit der Luft ausreichend Wärme und Feuchtigkeit für die Entwicklung der Schneeschauerstraßen zugeführt werden kann.

Der Lake Effect Snow ist im Bereich der Großen Seen (USA) besonders ausgeprägt, da es hier häufiger zu einem „Arctic Outbreak“ kommt. Dabei kann auf der Rückseite eines Tiefs häufig sehr kalte, trockene Luft aus den arktischen Breiten Kanadas weit nach Süden in die USA vorstoßen. Dort überströmen die arktischen Luftmassen die Großen Seen, meist von West bis Nordwest nach Ost bis Südost. Für den Eriesee und den Ontariosee beispielsweise ist der „Fetch“ bei einer westlichen Windkomponente mit mehreren hundert Kilometern besonders lang. In der ersten Wochenhälfte kam es nun zum ersten markanten „Arctic Outbreak“ über Nordamerika mit entsprechendem Lake Effect Snow (siehe animierte Abbildung 2).

Die Wassertemperatur der Großen Seen lag verbreitet noch bei +6 bis +9 Grad, während in 1,5 km rund -14 Grad vorherrschend waren (Abbildung 3). Summa summarum ergaben sich demnach in der unteren Atmosphäre Differenzen von 20 bis 23 Kelvin. Dieser Temperaturgegensatz stellte viel Energie für die Bildung von intensiven und teils gewittrig durchsetzten Schneeschauerstraßen vor allem an den Ost- und Südostseiten von Lake Michigan, Huron, Erie und Ontario zur Verfügung. Dabei wurden häufig pro Stunde Neuschneeraten von 3-10 cm (ca. 1-3 inches), in einigen Regionen (z.B. knapp südlich von Buffalo) auch 10 bis 15 cm (4-6 inches) beobachtet. Insgesamt sind seit Montag teilweise 25-50 cm (10-20 inches), strichweise auch um 75 cm (30 inches) gemeldet worden.

Kehren wir wieder nach Mitteleuropa zurück. Wie bereits erwähnt, konnte beispielsweise am Dienstag im Skagerrak und Kattegat sowie in der westlichen Ostsee (siehe Abbildung 4) der Lake Effect Snow mit seinen charakteristischen Schauerstraßen von Nord bis Nordost nach Süd bis Südwest beobachtet werden.

Die Bedingungen waren dabei denen in Nordamerika sehr ähnlich. Die Temperaturdifferenz betrug zwischen Wasseroberfläche (rund 8 Grad) und 1,5 km (-12 bis -14 Grad) um bzw. etwas über 20 Kelvin. Lediglich die Breite der Wasserflächen und damit der „Fetch“ reicht in den westlichen Ostseegebieten nicht an die Großen Seen heran, sodass die Neuschneemengen in der Regel im Verhältnis nicht so hoch ausfallen. In weiten Teilen des Landes hält die Zufuhr kalter Luftmassen aus Norden bis Nordosten in den kommenden Tagen an, sodass der Lake Effect Snow an der Ostseeküste strichweise weiteren Schneenachschub liefern dürfte.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.11.2023
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