Schlagwortarchiv für: Regen

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrückkehr

Über dem Nordatlantik sind aktuell mehrere Tiefdruckgebiete aktiv, die für leicht wechselhaftes Wetter in Deutschland sorgen. Mit einer west- bis südwestlichen Strömung hat sich milde Meeresluft im gesamten Land durchgesetzt, und selbst der Osten taut langsam auf. Am deutlichsten macht sich die milde Witterung jedoch in der Westhälfte bemerkbar.

Am heutigen Mittwoch bringen die Ausläufer des Tiefs HILTRUD regional Niederschläge. Im Süden bleibt es dagegen sehr wahrscheinlich trocken, und zwischendurch zeigt sich sogar die Sonne. Lediglich an der unteren Donau hält sich ganztägig dichter Nebel mit trübem Wetter. Auch im Nordwesten und Norden lockert die Bewölkung zeitweise auf, dort bleibt es überwiegend trocken. Die Temperaturen steigen auf 6 bis 14 Grad, im Südosten und Osten werden 2 bis 8 Grad erreicht. In der Nacht zum Donnerstag ist die Frostgefahr insgesamt gering. Nur bei längerem Aufklaren im Süden und im äußersten Norden kann es zu leichtem Frost kommen, dort besteht stellenweise Glättegefahr. Ansonsten bleibt das Risiko gering.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 14.01.2026 12 UTC.

Der Donnerstag beginnt vielerorts grau und trüb, zeitweise fällt etwas Regen oder Sprühregen. Von Südwesten her lockert die Bewölkung jedoch nach und nach auf, und die Sonne zeigt sich immer häufiger. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 6 und 14 Grad, im Nordosten sowie an der unteren Donau zwischen 2 und 5 Grad. In der Nacht zum Freitag nimmt die Frostgefahr vor allem in der Südosthälfte zu, da es dort oft gering bewölkt bleibt. Stellenweise bildet sich Nebel, und örtlich kann es durch überfrierende Nässe glatt werden. In der Nordwesthälfte ziehen dagegen dichtere Wolken durch, die kaum Niederschlag bringen, aber dafür sorgen, dass die Temperaturen über dem Gefrierpunkt bleiben.

Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr 2

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Donnerstag den 15.01.2026 12 UTC.

Im weiteren Verlauf der Woche zeigt sich das Wetter insgesamt eher unauffällig. Hin und wieder fällt etwas Regen, regional – besonders im Süden und teilweise auch in der Mitte – sind jedoch längere sonnige Phasen möglich. In den Nächten steigt die Nebelgefahr. Während in der Westhälfte zunächst kein Frost zu erwarten ist, kann es im Osten gebietsweise frieren. Insgesamt kühlt es wieder etwas ab: Später ist verbreitet mit Nachtfrost zu rechnen, und die Tageshöchstwerte erreichen meist nur noch einstellige Temperaturen. Eine erneute winterliche Wetterlage mit Schneefällen ist jedoch nicht in Sicht. Lediglich im Glaskugelbereich, gegen Ende der nächsten Woche, gibt es erste Hinweise auf eine Rückkehr des Winters, zumindest mit Dauerfrost. Bis dahin fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Silvesterwetter

Das Wetterjahr 2025 neigt sich dem Ende. Dabei steht bereits fest, dass das Jahr bezogen auf die Mitteltemperatur die lange Serie der „zu warmen“ Jahre weiter fortschreiben wird. Was schon fast keine Schlagzeile mehr wert zu sein scheint, ist zugleich aber ein untrügliches und ernstzunehmendes Zeichen der weiter fortschreitenden Klimaerwärmung. Eine ausführliche Auswertung des Wetterjahrs veröffentlich der DWD in einer Pressemitteilung am morgigen Dienstag.

Stattdessen wollen wir heute mal einen ersten Blick auf die voraussichtliche Wetterlage in der Silvesternacht wagen, denn viele wird es um Mitternacht sicher wieder ins Freie ziehen.

Einen ersten Vorgeschmack, was uns in der Silvesternacht erwarten könnte, gibt uns ein Blick auf die DWD-Vorhersagekarte für den Silvestertag, 13 Uhr (siehe Abbildung 1). Einer von Westeuropa bis nach Grönland reichenden Hochdruckzone mit zwei Kernen KAREN und JASMIN steht eine ebenso umfangreiche Tiefdruckzone über Nord- und Osteuropa gegenüber. In der sich dabei einstellenden Nordwestströmung kann feuchte Meeresluft zu uns geführt werden. Zudem liegen wir im Einflussbereich eines Frontensystems, dass die Tiefs SANDRO und TIZIAN miteinander verbindet.

Silvesterwetter

DWD-Vorhersagekarte für Mittwoch, 31.12.2025, 13 Uhr.

Für weite Teile des Landes bedeutet das in der Silvesternacht eine starke oder gar dichte Bewölkung (siehe Abbildung 2). Vor allem in einem breiten Streifen vom Nordwesten und Norden bis in den Osten und Südosten fällt auch zeitweise Niederschlag. Bei leichten Plusgraden ist das meistens Regen, im östlichen Mittelgebirgsraum teils aber auch Schnee, der bei Temperaturen um 0 Grad liegen bleiben und zu Glätte führen kann. Ganz im Osten könnte der Regen auf Reste der Frostluft treffen, örtlich gefrieren und für Glatteis sorgen. Dieses Szenario ist aber noch unsicher. Dazu weht ein verbreitet spürbarer Südwest- bis Westwind. Auf den Bergen und an der Nordsee sind Sturmböen möglich.

Silvesterwetter 2

Voraussichtliche Wetterlage in der Silvesternacht 2025/26

Während der Jahreswechsel also in den meisten Regionen eher ungemütlich nasskalt vonstattengeht, geht es im äußersten Süden und Südwesten wahrscheinlich etwas gemächlicher ins neue Jahr. Unter schwachem Hochdruckeinfluss bleibt es in einem Streifen vom Schwarzwald bis zum westlichen Alpenrand meist trocken, teilweise ist der Himmel sogar sternenklar. Allerdings gilt es sich dick einzupacken, angesichts von mäßigem Frost unter -5 Grad.

Silvesterwetter 3

Voraussichtliche Tiefsttemperaturen in der Silvesternacht 2025/26

Auch am Neujahrestag befindet sich der Süden und Südwesten auf der „Sonnenseite“. Im großen Rest des Landes startet das Wetterjahr weitaus turbulenter als das alte endete. Ein in Böen starker bis stürmischer Westwind treibt dichte Wolken über das Land, die gebietsweise auch Regen, später im Norden sogar kräftige Schauer und Graupelgewitter bringen können. Im Bergland zieht dagegen der Winter ein.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Tiefdruckparade über Nordeuropa

Schon seit einigen Tagen bestimmt nun Tief „Joshua“ (international „Benjamin“) das Wettergeschehen in Deutschland. Mit mehreren Tiefdruckkernen liegt dieses Tief derzeit recht stationär über Skandinavien und verlagert sich kaum. Zu ihm gesellt sich heute ein weiteres Tief namens „Klaus“, das vom Atlantik und der Nordsee über Dänemark hinwegzieht und von „Joshua“ quasi verschluckt wird.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Montag, den 27. Oktober 2025 12 UTC.

Tiefdruckparade ueber Nordeuropa

Dabei bringt ein weiterer Tiefausläufer insbesondere im Süden länger anhaltende Regenfälle. So muss in einigen Staulagen (Schwarzwald, Allgäu, Bayerischer Wald) zunächst noch mit Dauerregen gerechnet werden. In höheren Lagen fällt zudem Schnee. Während die Schneefallgrenze tagsüber meist bei 1500 m liegt, sinkt sie in der kommenden Nacht noch einmal etwa ab.

Rückseitig des Tiefausläufers fließt kalte Luft in höheren Luftschichten ein. Diese sorgt für eine sogenannte „Labilisierung“ der Atmosphäre, wodurch sich im Tagesverlauf zahlreiche kräftige Schauer bilden. Gebietsweise treten zudem einzelne kurze Graupelgewitter auf.

Animiertes Radarbild für Deutschland am Montag, den 27. Oktober 2025 von 06 bis 12 Uhr MEZ.

Tiefdruckparade ueber Nordeuropa 2

Das Luftdruckgefälle über Deutschland ist weiterhin hoch, entsprechend muss am heutigen Montag gebietsweise mit starken bis stürmischen Böen gerechnet werden. Aufgrund des starken Höhenwindes herrscht zudem im Bergland Sturm, in einzelnen Gipfellagen treten auch orkanartige Böen auf. Nach Nordosten hin fällt der Wind hingegen etwas schwächer aus.

DWD-Warnkarte von Montag, den 27. Oktober 2025, 12:36 Uhr MEZ zeigt die aktuellen Warnungen der Kategorie „Wind“.

Tiefdruckparade ueber Nordeuropa 3

Dieses unbeständige und windige Herbstwetter setzt sich auch am Dienstag weiter fort. Dann nähert sich auf ähnlicher Zugbahn wie „Klaus“ ein weiteres Tief namens „Lothar“ an, auch wenn dieses seinem Namensvetter (dem Orkantief aus dem Jahr 1999) in keiner Weise nacheifert.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für Dienstag, den 28. Oktober 2025 12 UTC.

Tiefdruckparade ueber Nordeuropa 4

Mit der westlichen Strömung wird am Dienstag atlantische Meeresluft nach Deutschland geführt, bevor die Winde am Mittwoch allmählich auf südwestliche Richtungen drehen. Damit fließt im Laufe der Woche wieder etwas mildere Luft zu uns ein. Damit steigen die Höchstwerte allmählich etwas an, am Oberrhein können sogar bis zu 18 Grad erreicht werden. Schneefälle im Bergland spielen dann meist keine Rolle mehr. Auch der Wind lässt etwas nach, lediglich an den Küsten und im Bergland bleibt es stürmisch.

Allerdings ziehen weiterhin Tiefausläufer von West nach Ost über Deutschland hinweg, die weitere Regenfälle bringen. Dennoch wird es zwischen den Tiefausläufern auch mal Regenpausen geben. Dann zeigt sich bei einer auflockernden Wolkendecke auch vorübergehend mal die Sonne – insbesondere im Süden und Osten. Der klassische „goldene“ Oktober lässt aber auch zum Monatsende auf sich warten.

Interessant könnte die Wetterentwicklung in der kommenden Woche werden. Hurrikan „Melissa“, der derzeit bei Jamaika sein Unwesen treibt (Thema des Tages vom 26.10.2025), wird dann als ehemaliger Wirbelsturm in die westliche Strömung auf dem Nordostatlantik eingebunden. Dabei wird wohl erneut ein Schwall milder Subtropikluft nach Deutschland geführt. Wie sich das Wettergeschehen in Deutschland dabei gestalten wird, ist derzeit jedoch noch sehr unsicher.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wassermassen im Paradies

Während hierzulande das umfangreiche Sturmtief JOSHUA mit Zentrum bei Dänemark für klassisches Herbstwetter mit viel Wind, Regen und kühle Temperaturen sorgt, kommt es für Teile der Karibik in den kommenden Stunden knüppeldick mit Gefahr für Leib und Leben. So schickt sich zur langsam aber sicher zu Ende gehenden Hurrikansaison (im Normalfall bis Ende November) Hurrikan MELISSA an, der bis dato eher ruhigen Saison nochmal ein gewaltiges Ausrufezeichen zu verpassen.

Wobei man hierbei differenzieren muss. So war die Vorhersage des Klimaprognosezentrums der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) für eine tendenziell leicht überdurchschnittliche Wirbelsturmaktivität auf dem Nordatlantik durchaus zutreffend ( Thema des Tages vom 08.08.2025) und eben nicht gerade ruhig. Ein teilweise verzerrtes Bild in der Öffentlichkeit ist dadurch entstanden, dass bisher so gut wie keine Auswirkungen auf die US-Küste oder Karibikstaaten entstanden sind und es in der Mehrheit „nur“ sogenannte Fischstürme über offenem Wasser waren. Die avisierten 6 bis 10 Hurrikans sind zwar noch nicht erreicht, MELISSA ist aber bereits der 5. Hurrikan der Saison und nach ERIN, GABRIELLE und HUMBERTO bereits der 4. Major Hurrikan (Kategorie 3+). Dabei ist die Prognose bezüglich der Anzahl schwerer Hurrikans bis zum Limit ausgereizt (vorhergesagt waren 2-5).

Satellitenbild von 12 UTC mit Hurrikan MELISSA südlich von Kingston/Jamaika (Quelle:DWD)

Wassermassen im Paradies

Mit einem Kerndruck von rund 950 hPa steuert der Wirbel nun allmählich auf Jamaika zu, liegt aktuell rund 200 km südöstlich des Inselstaates. Im Satellitenbild von 12 UTC erkennt man gut das Auge des Hurrikans (Bild 1). In den letzten 24 Stunden hat sich MELISSA extrem intensiviert, die Mittelwinde um rund 50 Knoten (entspricht knapp 100 Kilometer pro Stunde) auf über 120 Knoten (circa 220 km/h) zugenommen. Damit hat der Wirbel mal eben so die Hürde von einem Tropensturm zu einem Hurrikan der Kategorie 4 genommen, soll sich laut Prognosen des National Hurricane Centers bis zum noch auf Kategorie 5 mit dann 140 Knoten im Mittel hochschrauben. Spitzenböen können unfassbare 300 km/h überschreiten. Dafür findet MELISSA ideale Bedingungen mit Wassertemperaturen nahe 30 °C und keinerlei nennenswerter Änderungen der Windrichtung und -geschwindigkeit in höheren Luftschichten vor.

Als wäre das alles nicht schon genug, kommt nun noch erschwerend hinzu, dass sich der Hurrikan nur sehr langsam verlagert, derzeit mit gerade einmal 7 Kilometern pro Stunde westwärts. Laut übereinstimmenden Berechnungen erfolgt zum Montag dann der langsame Abzweig nordwärts, so dass das System in der Nacht zum Dienstag an der Ostseite Jamaikas aufschlagen dürfte. Dabei lädt es unvorstellbare Regenmassen ab. Aktuelle Prognosen gehen von verbreitet 300 bis 500, kleinräumig von mehr als 750 Litern auf den Quadratmetern (entspricht auch Millimetern/mm) aus, teilweise innerhalb von 24 Stunden (Bild 2). Zum Vergleich: Die durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme liegt in Berlin bei etwa 600, in Düsseldorf bei rund 800 Litern pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass sämtliche Summen aus winterlichen Niederschlägen und sommerlichen Gewittern hierzulande in diesem tropischen System binnen eines Tages abgeladen werden. Wahnsinn!

Prognostizierte 24-stündige Niederschlagssumme ab Sonntag, 26.10.2025 18 UTC (Quelle:DWD)

Wassermassen im Paradies 2

Dementsprechend sind bereits zahlreiche Warnungen der Behörden ausgegeben worden. Für Jamaika, zur Wochenmitte auch in Teilen Haitis, der Dominikanischen Republik und der Ostteil Kubas besteht erhöhte Gefahr von schweren Überschwemmungen, Landrutschen, zerstörter Infrastruktur und von der Außenwelt abgeschnittenen Regionen. Eine Flutwelle bis zu 4 Metern wird prognostiziert. Erst zum Donnerstag, wenn der Hurrikan von einem Höhentrog über dem Osten der USA eingefangen und dadurch beschleunigter nordostwärts geführt wird, kann Entwarnung gegeben werden. Es steht zu befürchten, dass man diesbezüglich bis dahin in den kommenden Tagen aber erstmal einiges an verheerendem Bild- und Videomaterial in den einschlägigen Medien zu sehen bekommen wird.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Mitteleuropäisches und südostasiatisches Wettergeschehen

Aktuell haben wir es mit einem unbeständigen und sehr windigen bis stürmischen Wetterabschnitt zu tun. Das Tief JOSHUA, das international auf den Namen BENJAMIN getauft wurde, zog vom Ärmelkanal über die Niederlande und ist am heutigen Freitagmittag über der Nordsee zu finden. Nachfolgend verlagert sich JOSHUA langsam in Richtung Südskandinavien, beeinflusst aber weiterhin unser Wettergeschehen.

Wie in den Themen des Tages der vergangenen Tage bereits ausführlich erläutert, stand und steht vor allem der Sturm im Fokus. Am gestrigen Donnerstag konnten insbesondere im Südwesten und Westen verbreitet stürmische Böen oder Sturmböen zwischen 65 und 85 km/h (Bft 8-9) gemessen werden. Punktuell traten auch schwere Sturmböen zwischen 90 und 100 km/h (Bft 10) auf. Auf dem Brocken (120 km/h) und auf dem Feldberg (157 km/h) wurde die volle Orkanstärke erreicht. Ab dem Abend frischte der Südwestwind auch im äußersten Nordwesten stürmisch auf.

Maximale Windböen am gestrigen Donnerstag, den 23.10.2025 (Meldezeitpunkt: 24.10.2025, 06 UTC)

Mitteleuropaeisches und suedostasiatisches Wettergeschehen

Am heutigen Freitag ist das Sturmfeld vor allem im Nordwesten vorzufinden. Hierbei stand und steht hauptsächlich die Nordseeküste im Fokus, wo schwere Sturmböen bis hin zu orkanartigen Böen aufgetreten sind. Aber auch in den übrigen Landesteilen frischt der Südwestwind böig auf, zeitweise können stürmische Böen auftreten.

Neben Sturm war und ist auch der Regen ein Thema. Beim Durchzug der zu JOSHUA gehörenden Kaltfront am gestrigen Donnerstagmorgen und -vormittag traten vorübergehend schauerartige und teils kräftige, vereinzelt auch gewittrige Regenfälle auf. Einzelne Starkregenwarnungen mit einer Laufzeit von wenigen Stunden waren vonnöten.

Am heutigen Freitag regnet es an der Nordsee aus einem bedeckten Himmel länger anhaltend und teils kräftig. In den übrigen Landesteilen treten bei wechselnder Bewölkung einzelne Schauer auf. In der Nacht zum Samstag kommt es im Süden häufiger zu Schauern oder zeitweiligen Regenfällen.

Das unbeständige Wetter setzt sich auch über das Wochenende fort. Zeit- und gebietsweise muss mit schauerartigen Regenfällen gerechnet werden, die mitunter kräftig sein können. Der weiterhin teils stürmische Westwind mit (schweren) Sturmböen an der Nordsee und auf den Bergen trägt zu einem herbstlichen Wochenende bei.

All dies ist aber nicht vergleichbar zu dem, was den nördlichen Inseln der Philippinen und Vietnam in den letzten Wochen zu schaffen machte. Mehrere tropische Systeme suchten diese Regionen heim und zogen hierbei immer auf einer vergleichsweise ähnlichen Zugbahn (der tropische Sturm MITAG hierbei nicht betrachtet). Super-Taifun RAGASA (Kategorie 5) zog vor ziemlich genau einem Monat knapp nördlich an Luzon vorbei und erreichte am 25. September in abgeschwächter Form die Grenzregion von Vietnam und China. Weitere Informationen hierzu können im Thema des Tages vom 23. September nachgelesen werden.

Nur wenige Tage später wählte Taifun BUALOI eine südlichere Zugbahn und zog somit direkt über die Philippinen hinweg. Nach der Überquerung von Westphilippinischem und Südchinesischem Meer ging BUALOI schließlich als Taifun der Kategorie 2 in der Region von Vinh (Vietnam) an Land. Damit liegen die Regionen der Landgänge von RAGASA und BUALOI nur rund 500 km voneinander entfernt.

Anfang Oktober und damit nur wenige Tage nach BUALOI zog Taifun MATMO über Luzon (größte Insel im Norden der Philippinen) hinweg, verstärkte sich zwischenzeitlich zu einem Taifun der Kategorie 2 und traf schließlich unter Abschwächung auf den äußersten Norden Vietnams. Damit war diese Region nach nicht einmal zwei Wochen erneut von einem tropischen System betroffen.

Grafik vom 15. Oktober 2025 des europäischen Emergency Response Coordination Centre für die von den tropischen Systemen MITAG, RAGASA, BUALOI und MATMO betroffenen Philippinen

Mitteleuropaeisches und suedostasiatisches Wettergeschehen 2

Grafik vom 17. Oktober 2025 des europäischen Emergency Response Coordination Centre für die von den tropischen Systemen RAGASA, BUALOI und MATMO betroffenen Regionen im Norden Vietnams

Mitteleuropaeisches und suedostasiatisches Wettergeschehen 3
Diese tropischen Systeme gingen nicht nur mit Sturm, sondern auch mit sehr kräftigen und lang anhaltenden Regenfällen einher. Die Folge waren Überschwemmungen und Erdrutsche. Dabei kamen einige Menschen ums Leben oder wurden verletzt, viele verloren Hab und Gut.
Aktuell sorgt das tropische Tief FENGSHEN an der zentralen Ostküste Vietnams für viel Niederschlag, nachdem es am letzten Wochenende bereits die Philippinen heimgesucht hatte. Bleibt zu hoffen, dass die Tiefdruckaktivität allmählich nachlässt und diese Regionen zur Ruhe kommen können.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Vollherbst vom Feinsten

Nun ist er da, der JOSHUA (international BENJAMIN); und mit ihm eine Menge Wind, Regen und auch ganz vereinzelt Blitz und Donner. Aktuell (Donnerstag, 23.10.2025, 11 MESZ) liegt der Kerndruck des Tiefs, das sich über dem Ärmelkanal befindet, bei 972 hPa. Im Laufe des Tages verlagert es sich weiter in Richtung südliche Nordsee und am morgigen Freitag dann nach Südskandinavien. Auf der Rückseite des Tiefs fließt am Wochenende dann zunehmend maritime Polarluft ein, die für einen deutlichen Temperaturrückgang sorgt.

Europakarte mit Isobaren, Lage der Druckgebilde und Satellitenbild sowie Darstellung der einströmenden Luftmasse durch einen blauen Pfeil (Quelle: DWD)

Vollherbst vom Feinsten

Über die Entstehung von JOSHUA und die mögliche Entwicklung einer Shapiro-Keyser-Zyklone finden Sie im gestrigen Thema des Tages einige Informationen. Aktuelle Auswertungen und Prognosen sind davon abgerückt, dass es sich um eine Shapiro-Keyser-Zyklone handelt.

Hauptaugenmerk in Bezug auf JOSHUA ist eindeutig auf den Wind zu legen. Gegenüber den gestrigen Prognosen hat sich nicht allzu viel geändert. Nachdem heute tagsüber vor allem in der Südwesthälfte Sturmböen und vereinzelt schwere Sturmböen (75 km/h, Bft 9 bis 100 km/h, Bft 10) bis ins Tiefland drohen, rückt in der Nacht zum Freitag zunehmend die Nordsee und das angrenzende Binnenland in den Fokus. Dann stehen dort schwere Sturmböen bis Orkanböen (100 km/h, Bft 10 bis 130 km/h, Bft 12) auf der Agenda. Dieser schwere Herbststurm aus südwestlicher Richtung hält dort am Freitag tagsüber noch an. Aber auch im Rest des Landes bleibt es sehr windig (Südhälfte) bis stürmisch (Nordhälfte).

Entwicklung des Windfeldes von Donnerstagvormittag, den 23.10. bis in die Nacht zum Samstag, den 25.10. (Quelle: DWD)

Vollherbst vom Feinsten 2

Neben viel Wind steht zudem einiges an Regen auf dem Programm. Sowohl am heutigen Donnerstag als auch in den kommenden Tagen ziehen immer wieder Regengebiete mit teils schauerartig verstärktem Regen über Deutschland hinweg. Lediglich in der Mitte und im Osten bleibt es am Freitag auch mal länger trocken. Innerhalb von 72 Stunden belaufen sich die Niederschlagsmengen zwischen Donnerstagnachmittag und Sonntagnachmittag im Norden, Nordwesten, am Alpenrand und in einigen Mittelgebirgen auf 20 bis 40 Liter pro Quadratmeter. Sonst kommen meist nur 5 bis 15 Liter pro Quadratmeter zusammen. In Teilen der östlichen Mitte reicht es mitunter nur für wenige Liter pro Quadratmeter. Die Schneefallgrenze sinkt sukzessive ab, bis Sonntagabend in den Alpen und eventuell auch in den Gipfellagen von Schwarzwald und Bayerischem Wald oberhalb von etwa 1200 m einige Zentimeter Neuschnee fallen könnten.

Deutschlandkarte mit den 72-stündigen Niederschlagsmengen auf Basis verschiedener Modellberechnungen von Donnerstagmittag, den 23.10. bis Sonntagmittag, den 26.10. in Liter pro Quadratmeter (Quelle: DWD)

Vollherbst vom Feinsten 3

Die Temperaturen gehen in den nächsten Tagen zurück. Nachdem es heute unter Zufuhr von milder Luft von der Biskaya Höchstwerte zwischen 13 und 18 Grad gibt, erwarten uns morgen nur noch maximal 8 bis 14 Grad. Am Sonntag bilden zweistellige Höchstwerte dann eher die Ausnahme denn die Regel.

Temperaturverlauf für verschiedene Städte Deutschlands für Donnerstag, den 23.10. bis Montag, den 27.10. (Quelle: DWD)

Vollherbst vom Feinsten 4
Auch der Start in die neue Woche verläuft wechselhaft und kühl, bei einem weiterhin spürbaren, aber nicht mehr so stürmischem Wind. Der Vollherbst hat Deutschland nun also voll im Griff.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Unwetter im Mittelmeerraum – Überschwemmungen in Spanien

In Deutschland hält derzeit der Herbst Einzug. Während es in den Nächten und am Vormittag teils neblig-trüb ist, bleibt der Himmel tagsüber meist grau und hier und da fällt etwas Regen oder Sprühregen. Darüber hinaus signalisiert auch die Temperatur: Es geht wieder in Richtung Winter. Kein Wunder, dass man kurzerhand einen Flug in die Mittelmeerregion bucht, um den Sommer vielleicht noch etwas zu verlängern. Immerhin zeigt sich dort um diese Jahreszeit bei sommerlichen Höchstwerten meist noch vielfach die Sonne.

Wer jedoch dem grauen Herbstwetter in Deutschland entfliehen wollte, erlebt derzeit an der spanischen Ostküste und auf den Balearen eine böse Überraschung. Ein sogenannter „Kaltlufttropfen“ – also ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten, das mit kalter Luft angereichert ist – zieht derzeit über das westliche Mittelmeer. Aufgrund des großen Temperaturunterschieds zwischen dem noch warmen Mittelmeer mit Wassertemperaturen um 23 °C und der höhenkalten Luft in rund 5500 Metern Höhe mit Temperaturen um -14 °C kommt es zu einer Labilisierung der Atmosphäre. Das heißt, bodennahe, warme und feuchte Mittelmeerluft steigt auf und kommt in Regionen mit vergleichsweise kälterer Umgebungsluft. Dadurch erfährt die warme Luft einen zusätzlichen Auftrieb und steigt weiter auf. So bilden sich teils kräftige Gewitter, die in der sehr feuchten Mittelmeerluft mit kräftigen Regenfällen einhergehen können. Aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen wurde das Tief bereits im Vorfeld von EUMETNET, einem europäischen Netzwerk aus verschiedenen nationalen Wetterdiensten, auf den Namen „Alice“ getauft.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Sonntag, den 12. Oktober 2025 12 UTC. (Quelle:DWD)

Unwetter im Mittelmeerraum Ueberschwemmungen in Spanien 1

Bereits am vergangenen Freitag, den 10. Oktober 2025, bildeten sich im Osten und Südosten Spaniens, besonders in den Provinzen Murcia, Valencia und Alicante wiederholt kräftige Gewitter, die mit sintflutartigen Regenfällen einhergingen. So kam die Wetterstation in Cartagena in der Provinz Murcia auf 156,2 Liter pro Quadratmeter (kurz: l/m²) in nur 24 Stunden. Das entspricht etwas mehr als der Hälfte des Jahresniederschlags der Region.

Am Samstag zog das Tief dann etwas weiter nordostwärts, wodurch nun auch die Balearen in den Fokus rückten. So registrierte die Station in der größten Stadt Ibizas Sant Antoni de Portmany 119,7 l/m² innerhalb eines Tages. Zudem wurde der Südosten Kataloniens von kräftigen Gewittern heimgesucht und dabei Niederschlagsmengen bis 92 l/m² aufgefangen. In der Provinz Valencia gab es keine Beruhigung. Dort fielen erneut gebietsweise zwischen 80 und 100 l/m², an der Station Carcaixent wurden sogar 132,8 l/m² gemessen. Besonders sticht hier die Station Miramar hervor. Dort wurden von Freitagabend bis Sonntagfrüh rund 240 l/m² in drei Tagen gemessen.

Animation der Satellitenbilder im Bereich des westlichen Mittelmeers von Samstag, den 11. Oktober 2025 09 bis 18 Uhr MESZ. (Quelle:DWD)

Unwetter im Mittelmeerraum Ueberschwemmungen in Spanien 2

Dass diese Wetterkapriolen nicht spurlos vorübergehen, ist angesichts der gemessenen Niederschlagssummen klar. So kam und kommt es vielerorts zu Überschwemmungen, die Erinnerungen an die schwere Flutkatastrophe vom Oktober vergangenen Jahres wach werden lassen. Damals sorgte Dauerregen im Osten und Süden Spaniens für verheerende Schäden und forderte auch Menschenleben.

Auf den Balearen mussten aufgrund der Starkregenfälle zahlreiche Flüge gestrichen werden, der Flughafen auf Ibiza kämpfte sogar innerhalb des Terminals mit den Wassermassen. Auf Ibiza, Mallorca und Formentera kam sogar das sogenannte Cell-Broadcast-System zum Einsatz, womit Warnmeldungen direkt auf die Mobilfunkgeräte der Bevölkerung gesendet werden können. Dabei wurden die Leute ausdrücklich davor gewarnt, sich nicht in der Nähe von überschwemmungsgefährdeten Regionen oder Flüssen aufzuhalten. In einigen Regionen fiel darüber hinaus der Strom aus, sodass mehrere Hundert Haushalte zeitweise ohne Strom waren.

Animation der Satellitenbilder im Bereich des westlichen Mittelmeers von Sonntag, den 12. Oktober 2025 09 bis 12 Uhr MESZ. (Quelle: DWD)

Unwetter im Mittelmeerraum Ueberschwemmungen in Spanien 3

Am heutigen Sonntag (12. Oktober 2025) warnt der spanische Wetterdienst AEMET in den Küstenregionen von der Provinz Valencia bis nach Katalonien vor weiteren kräftigen Gewittern und heftigen Starkregenfällen. Insbesondere im südlichen Katalonien und im nördlichen Castellón wird vor Mengen mit bis zu 140 l/m² gewarnt. Auch auf den Balearen gibt es keine Entwarnung. Dort fallen die Niederschlagsmengen zwar geringer aus, der spanische Wetterdienst warnt jedoch weiterhin mit der Warnstufe Gelb und Orange vor Gewittern und Starkregen.

Tief „Alice“ soll sich in den Folgetagen unter Abschwächung ins zentrale Mittelmeer verlagern. Allerdings ist bereits der nächste Kaltlufttropfen vom Atlantik auf dem Weg ins westliche Mittelmeer. Dieser zieht am Montag über die Region Valencia, in der Nacht zum Dienstag dann über die Balearen hinweg. So muss insbesondere im Osten und Nordosten Spaniens mit weiteren Gewittern und Starkregenfällen gerechnet werden. Auch die Balearen könnten dann zumindest teilweise von weiteren kräftigen Gewittern heimgesucht werden.

24-stündige Niederschlagsprognose des deutschen ICON-Modells für den zentralen Mittelmeerraum ab Mittwoch, den 15. Oktober 2025, 17 Uhr MESZ. (Quelle: DWD)

Unwetter im Mittelmeerraum Ueberschwemmungen in Spanien 4

Der Kaltlufttropfen zieht im Laufe der Woche weiter nach Osten ins zentrale Mittelmeer und beeinflusst ab Mittwoch den Süden Italiens, wo ebenfalls Unwetter erwartet werden. Damit bleibt das Wetter im westlichen und zunehmend auch im zentralen Mittelmeerraum vorerst wechselhaft – der Herbst hält also im Süden Europas ebenfalls Einzug.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wasser ahoi

Bereits am gestrigen Sonntag stellte sich die Wetterlage von sommerlich schön auf herbstlich kühl um. Während es im Osten und Südosten noch einmal viel Sonne und sommerliche Wärme gab, gerieten die westlichen Landesteile zunehmend unter Tiefdruckeinfluss. Aus der Nacht heraus ergossen sich an einer Konvergenz bereits kräftige Schauer und Gewitter im Südwesten. Sie zogen unter Abschwächung am Vormittag in den Nordosten Deutschlands. Am Nachmittag folgte von Westen her dann die Kaltfront des Tiefs BERNWARD, das sich von der Nordsee am Morgen rasch nach Skandinavien verlagerte. 

Wasser ahoi 1

Bodenanalyse von Druck und Fronten, Sonntag, 21.09.025 12 UTC 

An der Kaltfront regnete es zunehmend kräftig. Sie wurde auf ihrem Weg in den Südosten Deutschlands von Tiefdruckgebieten gebremst. Eines bildete sich im Lee der Ostalpen. Ein weiteres lag über Spanien. Damit konnte sich die feuchte Luft an der Front über einem begrenzten Bereich ausregnen. 

Wasser ahoi 2

Bodenanalyse von Druck und Fronten, Sonntag, 21.09.025 18 UTC 

Wobei ausregnen nicht ganz stimmt, denn während in den Norden trockenere Luft fließt, gelangt in den Süden und die Mitte Deutschlands beständig feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum. Sie wird von Tiefdruckgebieten über dem Golf von Genua beziehungsweise Norditalien zu uns geschaufelt. Durch den andauernden Nachschub hört es nicht auf zu regnen. Durch die nur sehr langsame Verlagerung der Frontalzone trifft es dieselben Regionen immer wieder. Und die Regenmengen akkumulieren sich zu größeren Summen. 

Bis Montagmorgen fielen vor allem im Südwesten Regenmengen zwischen 20 und 30 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden. Lokal kamen sogar um 40 Liter zusammen. Auch zwischen Mittelfranken und der Leipziger Tieflandsbucht kam in der Nacht zum Montag einiges an Regen zusammen. In der Fläche wurden 15 bis 25 Liter, stellenweise auch bis zu 40 Liter pro Quadratmeter registriert. Hier sorgten Schauer und Gewitter für die strichweise erhöhten Mengen. 

Wasser ahoi 3

12-stündige Niederschlagssumme, abgleitet aus Radardaten, Stand: 22.09.2025, 8 MESZ 

An der Wetterlage – Hoch über Tief – ändert sich in den Folgetagen nun wenig. Hoch PETRALILLY lenkt aus Norden trockene und kühle Luft ins Land. Tief CALVIN – international aufgrund der erhöhten Regenmengen auf der Alpensüdseite und in Norditalien auf den Namen ALESSIO getauft – sorgt für Feuchtenachschub aus Süden. 

Wasser ahoi 4

Vorhersage der Isobaren und Fronten für Dienstag, 23.09.2025, 12 UTC 

Damit reißt der Regen im Süden nicht vollends ab, auch wenn sich BERNWARD weiter gen Nordosten verlagert und seine Frontalzone uns verlässt. Nur kurz gibt es in der Nacht zum Dienstag eine Regenpause. Denn aus dem Langwellentrog über Westeuropa ist am Sonntag ein Höhentief über Westfrankreich abgetropft, das sich nun langsam ostwärts Richtung Alpen schiebt. Es sorgt dafür, dass sich die aus Süden einfließende feuchte Luft nicht direkt nach Norden verlagert und verteilt, sondern entgegen dem Uhrzeigersinn um das Tief herumgeführt und so auf seiner Ost- und Nordseite konzentriert wird. 

Und diese Seiten liegen im Südwesten Deutschlands. Bereits im Laufe des Dienstags setzt von Frankreich her kommend wieder vermehrt Regen ein. In der Nacht zum Mittwoch verstärkt sich dieser. Nach aktueller Modelllage kommt es von der Mosel südostwärts über die Vorderpfalz, das Kraichgau und Neckarbecken zu teils kräftigen Regenfällen mit Mengen zwischen 20 und 30 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 12 Stunden. Lokal lassen sich höhere Mengen nicht ausschließen. 

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Modellvergleich der 12-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Mittwoch, 24.09.2025, 6 UTC 

Wie und wohin sich das Höhentief verlagert, ist noch ungewiss. Daher gibt es zwischen den Modellen auch noch größere Unsicherheiten, was die Mengen und die betroffene Region angehen. Fest steht, dass es im Südwesten erneut ausgiebig regnen wird. Allerdings erreichen die Mengen voraussichtlich kein bedrohliches Ausmaß. Allenfalls lokal kann die Schwelle für Unwetter-Dauerregen (mehr als 50 mm in 24 Stunden) gerissen werden. 

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Modellvergleich der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Donnerstag, 25.09.2025, 6 UTC 

Am Donnerstag verlagert sich der Regen voraussichtlich etwas nord- und ostwärts, sodass im Südwesten Entlastung eintreten sollte. Dann bekommen die mittleren und östlichen Regionen Deutschlands etwas Regen ab. 

Wasser ahoi 7 

Modellvergleich der 24-stündigen Niederschlagsvorhersage, bis Freitag, 26.09.2025, 6 UTC 

Der Regen von Sonntag und Montag hat im Südwesten die Bäche und Flüsse teils gut gefüllt. Mit dem vorhergesagten Regen ist ein weiteres Anschwellen am Mittwoch wahrscheinlich. Allerdings sind die aktuellen Pegel meist weit unter der niedrigsten Hochwasserschwelle, sodass ein Überlaufen derzeit als gering wahrscheinlich angesehen wird. 

Informationen zu Pegelständen finden Sie jederzeit auf dem länderübergreifenden Portal der Hochwasserzentralen (hochwasserzentralen.de). Warnungen zu Hochwasser sowie die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes vor Wettergefahren finden Sie kombiniert im Naturgefahrenportal. 

Diplom Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.09.2025
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Von Bauern, „schlechtem“ Wetter und der Röte

Mit den Bauernregeln ist das ja so eine Sache. Es gibt welche, die stimmen überhaupt nicht, weil sich im Laufe der Jahre die klimatischen Umstände geändert haben, sich bei den Überlieferungen über Generationen hinweg ein Fehler eingeschlichen hat oder sie schlichtweg einfach falsch sind. Es gibt aber auch welche, die gut „funktionieren“, wie etwa die Siebenschläferregel. Auch die Regeln zur Morgen- und Abendröte sind in vielen Fällen gut.

Von Bauern 1

Morgenrot am 21.09.2025 um 7:02 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)

Die Bauernregeln „Morgenrot – Schlechtwetter droht“ und „Abendrot – Schönwetterbot“ sind dabei vielen bekannt. Am heutigen Sonntagmorgen ließ sich in manchen Regionen in der Mitte Deutschlands ein rot eingefärbter östlicher Himmel beobachten (so auch an der DWD-Zentrale in Offenbach), demnach droht also „schlechtes“ Wetter. Und tatsächlich war und ist in den Vorhersagen für den heutigen Sonntag von zeitweiligen Regenfällen vom Südwesten bis in den Nordosten die Rede (etwa 1 ½ Stunden später regnete es in Offenbach).

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Regen am 21.09.2025 um 8:40 Uhr MESZ an der DWD-Zentrale (Quelle: Simon Trippler, DWD)

Warum aber ist Morgenrot ein Indiz für kommendes schlechtes Wetter? Hintergrund ist die Streuung des Lichtes. Das ursprünglich weiße Sonnenlicht wird in der Atmosphäre der Erde an Luftteilchen gestreut. Bei der sogenannten Rayleigh-Streuung erfolgt dies nach einer bestimmten Reihenfolge: zuerst Blau, dann Grün, dann Gelb und am Ende Rot. Blaues Licht wird am stärksten gestreut, rotes Licht viel weniger. Das ist der Grund, warum tagsüber der Himmel meist blau ist, wenn keine Wolken stören.

Müssen die Sonnenstrahlen aber wie morgens oder abends bei niedrigem Sonnenstand einen weiten Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, wird das rote Licht am stärksten gestreut. Besonders gut lässt sich der Effekt beobachten, wenn viele Luftteilchen unterwegs sind, an denen das Sonnenlicht gestreut wird. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Luft viel Feuchtigkeit enthält: Wasserdampfmoleküle tragen zur Streuung bei.

Auftretendes Morgenrot am östlichen Himmel ist also ein Hinweis auf eine hohe Luftfeuchtigkeit. Diese wiederum gelangt oft mit aufziehenden Wolkenbändern zu uns und bringt häufig Regen mit, womit die Regel ihre Bewandtnis hat. Warum aber gibt es dann bei Abendrot „schönes“ Wetter?

Beim Abendrot steht die Sonne im Westen. Das Abendrot ist häufig zu sehen, wenn der Himmel nach einer Regenfront aufreißt, die Feuchtigkeit der Luft wegen des gefallenen Regens aber noch hoch ist. Der Abzug der Regenfront ist in vielen Fällen ein Zeichen für eine Wetterbesserung, womit auch diese Regel ihre Bewandtnis hat.

Vielleicht lässt sich heute Abend neben dem schon beobachteten Morgenrot auch das Abendrot beobachten. Meist aber bleibt das Wetter in den kommenden Tagen in der Mitte und im Süden mit gebietsweisen Regenfällen „schlecht“.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.09.2025
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Das Erntejahr 2025 und seine meteorologischen Hintergründe

Vielerorts hängen sie sehr voll, was die Obstbäume landauf, landab betrifft. Teilweise sind sie sogar so gut bestückt, dass einzelne Äste unter der enormen Last abbrechen – mitsamt den Früchten.
Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so, und da reicht schon ein Blick zurück ins Jahr 2024. Damals gab es vor allem Ende April nochmals stärkere Nachtfröste um -5°C, obwohl die Bäume durch einen sehr warmen März schon in voller Blüte standen oder fertig belaubt waren. Hinzu kam lokal kräftiger Schneefall am 21. April, der beispielsweise in Osthessen Bäume brechen ließ und Teile der Ernte vernichtete.

Das Erntejahr 2025 und seine meteorologischen Hintergruende 1

Kräftiger Schneefall sorgte am 21. April 2024 wie hier in Osthessen zu teils massiven Schäden an der Vegetation.

Die Vorgeschichte für das Erntejahr 2025 sieht hingegen viel besser aus. Bereits im Herbst 2024 konnte eine positive klimatische Wasserbilanz verzeichnet werden, was vereinfacht gesagt bedeutet, dass den Pflanzen ausreichend Wasser zur Verfügung stand. Dies spiegelte sich auch in der Bodenfeuchte wider, die gebietsweise sogar überdurchschnittlich war.

Der Winter 2024/25 war dann vergleichsweise warm bis sehr warm, aber bis Februar zumindest zeitweise auch von Tiefdruckeinfluss mit Regenfällen geprägt, bevor es durch Hochdruck längere Zeit abtrocknete und die Bodenfeuchte (leicht) unterdurchschnittliche Werte annahm. Mit häufigen Frösten herrschte jedoch sowieso allgemeine Vegetationsruhe.

Dies änderte sich im März, als es langsam wärmer wurde. Hier setzte der Vegetationsbeginn später ein als in den letzten drei Jahren, was das Risiko von Frostschäden zur Blütezeit bereits minimierte. Im April und Mai gab es, pünktlich zum Austrieb der Pflanzen, wenigstens zeit- und gebietsweise Niederschläge sowie kühlere Temperaturen, sodass sich die Auswirkungen trotz eines deutlich zu trockenen Frühjahrs in Grenzen hielten. Viele Pflanzen konnten zudem noch von der Feuchtigkeit der Vergangenheit zehren. Lediglich das Sommergetreide hatte etwa im Nordosten zunächst Probleme zu keimen, da der Oberboden zu trocken war.

Von entscheidender Bedeutung war, dass in diesem Zeitraum kaum noch Nachtfrost mehr aufgetreten ist, der die Pflanzen hätte schädigen können und daher zu Einbußen in der Ernte geführt hätte. Lediglich im Osten und Südosten gab es am 23. und 24. Mai nochmals Frost, der teils zu Schäden an der Vegetation führte.

Der Sommer 2025 startet zunächst sonnig und niederschlagsarm, was vermeintlich erstmal darauf schließen ließ, dass es bedingt durch anhaltende Trockenheit zu Ernteausfällen kommen könnte. Im Juli jedoch änderte sich die Großwetterlage grundlegend. Es wurde unbeständiger und somit fiel der Juli deutlich nasser aus als die Vormonate. Zwar verzögerte sich teilweise die Ernte des reifen Getreides, meist lief sie dann aber ohne größere Komplikationen ab. Obstbäume profitierten ebenso von der Witterung, was nun im Herbst zu einer üppigen Ernte führt und führte.

Das Erntejahr 2025 und seine meteorologischen Hintergruende 2

Ein Mähdrescher erntet Getreide ab.

In Zahlen ausgedrückt konnte beim Hektarertrag von Getreide (ohne Mais) eine Steigerung von rund 12,7 Prozent verglichen zum Vorjahr und noch immer von rund 7,3 Prozent im Vergleich zum Schnitt von 2019 bis 2024 erzielt werden. Beim Obst- und Weinbau sieht es ähnlich vielversprechend aus: Bei der Apfelernte ist mit einem Zuwachs von rund 15,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 3,9 Prozent gegenüber dem mehrjährigen Schnitt zu rechnen. Die Kirschenernte war eine der besten seit vielen Jahren. Beim Wein gehen die Bauern ebenfalls von einer guten bis überdurchschnittlichen Ernte und einer guten Qualität des 2025er Jahrgangs aus. Es bleibt nur zu hoffen, dass die kommende Zeit nicht völlig ins Wasser fällt und eine zeitgerechte Ernte des Weins ermöglicht.

Insgesamt wird 2025 aber als gutes Erntejahr in Erinnerung bleiben.

M.Sc.- Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.09.2025
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