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Schlagwortarchiv für: Stabilität

Ein besonderer Winter

14. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Noch im Dezember sah nichts nach einem besonderen Winter aus. Der Winter begann, wie man es gewohnt war, mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturwerten. So lag das Flächenmittel über Deutschland bei 3.1 °C und damit 2.4 K über der Referenzperiode 1961 bis 1990 und immer noch 1.3 K über der Referenzperiode 1991 bis 2020. Aber schon zum Ende des Jahres 2025 erschienen in den Prognosen immer stärkere Signale nach einer deutlichen Umstellung der Großwetterlage hin zu winterlich kaltem Wetter. Geahnt hat aber sicher noch niemand, dass sich die Großwetterlage als sehr beständig zeigen würde und bis zum heutigen Tag, abgesehen von kleineren Schwankungen, Bestand hat.

Festgefahrene Großwetterlage

In der Grafik mit der Druckanomalie erkennt man die Abweichung des Bodenluftdrucks vom 01.01. bis 11.02.2026 über Europa. Während der Luftdruck von Island über das Nordmeer bis nach Skandinavien in diesem Zeitraum überdurchschnittlich hoch gewesen ist (bis 15 hPa über dem Mittel), war die Druckanomalie von Westeuropa bis ins östliche Mittelmeer deutlich negativ. Über der Biskaya lag der mittlere Druck deutlich über 15 hPa unter dem vieljährigen Mittelwert. Solche großen Druckanomalien über so einen langen Zeitraum sprechen für eine sehr beständige Großwetterlage – und das hat Folgen.

Das Bild zeigt eine Anomaliekarte der Druckverteilung über Europa vom 01.01.2026 bis 11.02.2026.

Blick auf Deutschland | Der Januar 2026

Widmen wir unseren ersten Blick auf Deutschland. Der Januar 2026 war im Flächenmittel über Deutschland der erste unterdurchschnittliche Monat seit August 2021 (also seit 53(!) Monaten) im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Aber selbst im Vergleich zur Referenzperiode 1991 bis 2020 gab zuletzt nur noch selten unterdurchschnittliche Monate (in den vergangen drei Jahren, waren es gerade einmal zwei).

Die Grafik zeigt die Abweichung des Flächenmittel der Monatsmitteltemperatur über Deutschland im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 (links), beziehungsweise 1991 bis 2020 (rechts).

Blick auf Deutschland | Große regionale Unterschiede

Schaut man etwas genauer hin, dann ergeben sich aber regional große Unterschiede, die sich in der ersten Hälfte des Februars nochmal verstärkt haben. Um das zu verdeutlichen sieht man in der nachfolgenden Grafik die mittlere Temperatur vom 01.01. bis zum 12.02.2026 für ein paar ausgewählte Stationen, sowie die Differenz zum Mittelwert von 1961 bis 1990. Man erkennt ein klares Südwest-Nordostgefälle.
So liegen die negativen Abweichungen im Nordosten und Teilen des Ostens zum Teil bei über 3 K im Vergleich zu 1961 bis 1990. Trotz des milden Dezembers liegt der Mittelwert für den Gesamtwinter in Mecklenburg-Vorpommern bei +0.4 °C und in Brandenburg/Berlin bei +0.1 °C. Damit könnte es dort der kälteste Winter seit 2012/2013 werden und dieser im Bereich der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 abschließen.
Ganz anders das Bild im Südwesten und Westen des Landes. Von der Kälteperiode Anfangs des Jahres und temporären Schneeereignissen abgesehen, merkt man nicht viel von einem besonderen Winter. Im Gegenteil war die Periode 01.01-12.02.2026 vom Ober- bis zum Niederrhein sogar wärmer, als die Referenzperiode 1991 bis 2020.

In der Grafik wurde für ausgewählte Stationen über Deutschland die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur vom 01.01. bis 12.02.2026 berechnet und im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1991 bis 2020 gesetzt.

Blick auf Deutschland | Frühblüher, Eis und Überflutungen

Man kann die Unterschiede auch anders zusammenfassen: Während im Südwesten bereits die Frühblüher zu sehen sind, türmt sich auf der Ostsee das Eis. Die Karten zur Eisdecke vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen vor allem über dem Bottnischen und Finnischen Meerbusen ausgedehnte und zunehmend dicke Eisflächen. Aber auch an der Ostsee zwischen Usedom und Rügen bis zum Darß hat sich mittlerweile eine geschlossene Eisfläche gebildet.
Auch im Boden steckt der Frost tief drin. So zeigen die Messwerte im Osten und Nordosten zum Teil bis zu einer Tiefe von einem halben Meter frostige Werte. Das hat zum Teil auch kuriose Folgen, wie eine Meldung von gestern zeigt. Trotz des bisher sehr trockenen Winterverlaufes gab es in Mölln östlich von Hamburg gestern Hochwasser (https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/als-der-schnee-schmilzt-werden-strassen-zu-sturzbaechen-keller-laufen-voll-4354056). Grund dafür war das vorübergehende Tauwetter. So konnte das Schmelzwasser aufgrund der gefrorenen Böden einfach nicht abfließen und führte zu lokalen Überflutungen.

Zu sehen ist ein Krokus aus dem Rhein-Main Gebiet zugemeldet über die Warnwetter App, sowie ein Eisbild von der Ostsee (oben). Die unteren Grafiken zeigen den Stand der Eisbedeckung über der Ostsee mit Zoom auch auf Deutschland.

Folgen der Großwetterlage in Europa

Aber nicht nur in Deutschland hat die persistente Großwetterlage Folgen. Viele der Meldungen aus den Medien in verschiedenen Orten Europas hängen unmittelbar damit zusammen:

In den südlichen Teilen von Finnland war es der kälteste Jahresstart seit 39 Jahren (01.01.-12.02.) und auch in Lappland war der Januar 2026 so kalt wie seit 1987 nicht mehr. In Estland gibt es die längste Periode mit Eistagen (Maximum < 0 °C) am Stück seit 2009/2010 (derzeit 45, 2009/2010: 56).
Demgegenüber steht ein schneefreies Island. So wurde in der Hauptstadt Reykjavík im gesamten Januar kein Schnee gemessen. Dass der erste Monat des Jahres dort komplett schneefrei ist, gab es zuletzt 1929 und 1940 (https://icelandmonitor.mbl.is/news/news/2026/02/03/no_snow_in_reykjavik_in_january/). Die letzte Schneedecke wurde in Reykjavík am 16.Dezember 2025 registriert.
Auch die Extremniederschläge im Mittelmeer, sei es in Griechenland und der Türkei oder von der Iberischen Halbinsel bis nach Frankreich, Marokko und Algerien, sind eine direkte Folge der festgefahrenen Großwetterlage. Überall dort führen die Flüsse zum Teil extremes Hochwasser.

Im oberen Teils sieht man die Periode mit aufeinanderfolgenden Eistagen (Tmax<0°C) an der estnischen Station Tartu. Darunter sieht man aktuell hochwasserführende Flüsse in Europa und Nordafrika.

Bei der Badewanne Ostsee wurde der Stöpsel gezogen

Besonders bemerkenswert ist außerdem das Niedrigwasser der Ostsee.. Durch die festgefahrene Wetterlage mit Winden vornehmlich aus östlicher Richtung, hat sich der Wasserstand der Ostsee massiv reduziert. Die Ostsee wurde quasi wie eine Badewanne in Richtung Nordsee entleert. Wie das BSH berichtet ist die Ostsee so „leer“ wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Vergleich man den Wasserstand mit Beginn des Jahres, so zeigt sich ein Wasserverlust von 390 Milliarden Kubikmeter Wasser (das entspricht in etwa 156 Millionen olympischen Schwimmbecken). Laut neuesten Auswertungen liegt der Wasserstand am Pegel Landsort-Norra so tief wie seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. Dabei ergeben sich große Unterschiede. Die größten Wasserverluste gibt es in der nördlichen und östlichen Ostsee, während die Unterschiede an der deutschen Ostseeküste eher gering sind. Eindrücklich sind die Werte vor allem in Finnland. In Helsinki lag der Pegelstand zeitweise über 90 cm niedriger als normal. Eine Berechnung des Mittels aller finnischen Pegel ergab einen neuen historischen Tiefststand seit der Aufzeichnungen 1971 (-79 cm am 06.02.).
Dieses historische Ereignis wird möglicherweise auch für die Zukunft Folgen haben, wie das Leibniz Institut für Ostseeforschung in Warnemünde berichtet. So ist ein Eintrag an sauerstoffhaltigem Salzwasser aus der Nordsee zu erwarten, sobald die Winde wieder nachhaltig auf West drehen (https://phys.org/news/2026-02-sea-baltic-reshape-physical-conditions.html)

Oben links sieht man den Wasserstand der Ostsee an verschiedenen Messpunkten im Vergleich zum Mittel. Oben rechts ist die Entwicklung des Ostseepegels an der Station Helsinki in den letzten Wochen zu erkennen. Unten findet man den mittleren Niedrigwasserstand von 14 Stationen in Finnland.

Dieser Winter zeigt eindrucksvoll, wie weitreichend die Folgen einer stabilen Großwetterlage sein können — und wie eng die Wetterphänomene in Europa miteinander verknüpft sind. Auch für die kommenden Tage und Wochen deuten sich weitere spannende Entwicklungen an. Der besondere Winter 2025/26 ist also noch längst nicht vorbei.

Diplom-Meteorologe Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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