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Schlagwortarchiv für: Thema des Tages

Eine turbulente Wetterwoche

5. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Sturm, Dauerregen, Schnee, Tauwetter und Gewitter: Nachdem der März viel zu trocken war und uns im gleichen Zuge auf noch nicht dagewesene Weise seine sonnige Seite gezeigt hat, geht es nun fast schon „wild“ zur Sache. Den Anfang hat bereits am gestrigen Montag (4. April 2022) Tief „Mirella“ gemacht. Mit einem ordentlichen Schwung Westwind brachte „Mirella“ deutlich mildere Luft nach Mitteleuropa, sorgte dabei aber gleichzeitig den ganzen Tag über für stürmische Verhältnisse. Oft wurden dabei Windgeschwindigkeiten zwischen 60 und 80 Kilometer pro Stunde erreicht, also Windstärken zwischen 7 und 9 Beaufort. An den Küsten wehte der Wind noch etwas stärker, hier ging es hoch bis auf 90 Kilometer pro Stunde. Naturgemäß ragten die Gipfel dabei noch weiter heraus. „Spitzenreiter“ war wie so oft der Brocken, auf dem ein Wert von 144 Kilometern in der Stunde registriert wurde.

Auch am heutigen Dienstag sowie morgen am Mittwoch geht es weiterhin verhältnismäßig windig zur Sache. Dies zwar bei weitem nicht mehr in derartigen Größenordnungen, aber ganz lassen sich die Nachwehen von „Mirella“ nicht vernachlässigen. Mit dem Abzug Richtung nördliche Ostsee und Finnland ist „Mirella“ trotzdem bald Geschichte. Allerdings währt eine etwaige Pause nur kurz, denn mit Tief „Nasim“ rückt bereits der nächste Sturmkandidat heran.

„Nasim“ befindet sich aktuell vor der schottischen Küste und erreicht uns in den Früh- und Vormittagsstunden des Donnerstags. Mit einem Kerndruck von unter 975 Hektopascal – so jedenfalls vermitteln es die aktuellen Modellrechnungen – ist „Nasim“ ein ganz ordentliches Kaliber von Sturmtief, das von der Nordsee herangezogen kommt. Das bleibt natürlich nicht folgenlos. Mit im Gepäck hat „Nasim“ unter anderem eine markante Kaltfront, die uns im Laufe des Donnerstags überquert und neben schweren Sturmböen auch kräftigen Starkregen und wohl auch den ein oder anderen Blitz mitbringt. Aber auch abseits der Kaltfront kommt es erneut zum verbreiteten Auftreten von Sturmböen, alleine schon bedingt durch den kräftigen Luftdruckgradienten. Aller Voraussicht nach hat „Nasim“ aber auch noch einen Ableger in Form eines kleinen Randtiefs, die am Rande des Tiefs mitläuft und vor allem in der Südhälfte für eine deutliche Windintensivierung sorgen könnte. Ein verbreitetes Auftreten von schweren Sturmböen im bayrischen und baden-württembergischen Raum lässt sich damit aktuell erst einmal nicht ausschließen. Üblicherweise sind diese kleinräumigen Randtiefentwicklungen aber immer mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet, sodass man erst noch abwarten muss, bevor es konkreteres zu vermelden gibt.

Aber auch nach „Nasim“ ist noch nicht Schluss, im Gegenteil. Am Freitag geht es dann gleich munter weiter. Die Kaltfront mit den starken Niederschlägen bleibt im Südwesten Deutschlands liegen und wird durch ein neues Tief von Frankreich her erneut verstärkt. Daraus resultiert eine nicht zu verachtende Dauerregenlage mit Schwerpunkt um den Schwarzwald herum, die sogar unwetterartige Niederschlagssummen bringen könnte. Je nach Tiefentwicklung gibt es auch Szenarien zu berücksichtigen, in denen diese Niederschläge in Form von Schnee fallen können und in der Region nochmals nennenswerte Neuschneemengen bringen. Zu guter Letzt ist es auch nicht ausgeschlossen, dass damit für den süddeutschen Raum nochmals ein stürmischer Tag bevorsteht.

Insgesamt sind aber besonders die letztgenannten Entwicklungen mit entsprechenden Unsicherheiten behaftet. Es bleibt also weiterhin spannend, und eine aufmerksame Verfolgung der weiteren Wetterentwicklung im Laufe dieser Woche ist geboten.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 05.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Eine-turbulente-Wetterwoche.png 1705 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-05 15:55:412022-04-05 15:59:19Eine turbulente Wetterwoche

Rekordfrost für April

4. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Der Winter gab sich in den vergangenen Tagen ein bemerkenswertes, spätes Stelldichein in Deutschland. Schnee und Nachtfrost sind zwar prinzipiell nichts Ungewöhnliches für den April. Vor allem der Frost tritt in der ersten Monatshälfte in aller Regelmäßigkeit auf. Doch die Tiefsttemperaturen in den beiden vergangenen Nächten auf Sonntag und auf Montag bewegten sich dann doch ziemlich weit unten auf der „Machbarkeitsskala“. Vereinzelt wurden sogar Monatsrekorde für das tiefste Temperaturminimum gebrochen.

Damit es nachts stark auskühlen kann, bedarf es nicht nur eines niedrigen Ausgangsniveaus der Temperatur, sondern auch windschwacher und bewölkungsarmer Bedingungen in den Nächten. Das ist eine meteorologische Konstellation, die infolge eines Kaltluftvorstoßes im April nun wirklich nicht allzu selten anzutreffen ist – deswegen auch diese Regelmäßigkeit des Frostes. Das Besondere der vergangenen Tage aber war, dass sich zudem regional eine nicht unerhebliche Schneedecke ausbilden konnte. Diese wirkt wie eine Isolierdecke und verhindert, dass die im April mitunter schon ziemlich warmen Böden ihre Wärme an die darüber liegende Luft abgeben. Es ist wie mit einer Daunendecke, die die Körperwärme nachts im Bett und das Schlafzimmer kalt hält.

Am Sonntagmorgen herrschte vor allem über der Nordhälfte, am Montagmorgen dann im Süden verbreitet mäßiger Frost zwischen -5 und -9 °C, bevorzugt über den angesprochenen Schneeflächen örtlich sogar strenger Frost unter -10 °C. Die tiefsten Werten wurden am Sonntagmorgen in Wernigerode-Schierke mit -10,5 °C, am Montagmorgen in Meßstetten-Appental mit -14,6 °C gemessen. Auf der Zugspitze ging es sogar runter bis auf -18,4 °C.

Die Zugspitze hält auch den deutschen Monatsrekord mit -24,2 °C. Dieser Rekord war zwar nicht in Gefahr, dennoch muss man bis mindestens zum April 2003 zurückgehen, um ähnlich markante Frostnächte zu finden. Zudem wurden an einigen Orten zumindest Stationsrekorde gebrochen, es war also zumindest örtlich im April noch nie so kalt wie in den vergangenen Nächten. Die folgende Tabelle zeigt die Rekorde für Stationen mit mehr als 30-jährigen Messreihen:

02./03.04.2022

Eslohe (NW) -10,0 °C (alt: -9,9 °C vom 12.04.1986)

Burgwald-Bottendorf (HE) -9,0 °C (alt: -8,3 °C vom 09.04.2003)

Genthin (ST) -7,8 °C (alt: -7,7 °C vom 09.04.2003)

Kyritz (BB) -7,5 °C (alt: -7,1 °C vom 10.04.1990)

Manschnow (BB) -6,6 °C (alt: -6,4 °C vom 02.04.2013)

03./04.04.2022

Memmingen (BY) -8,8 °C (alt: -8,7 °C vom 08.04.2003)

Augsburg (BY) -8,1 °C (eingestellt: -8,7 °C vom 08.04.2003)

Elzach-Fisnacht (BW) -6,5 °C (alt: -6,0 °C vom 21.04.1991)

Wutöschingen-Ofteringen (BW) -5,9 °C (alt: -5,2 °C vom 01.04.2020)

Emmendingen-Mundingen (BW) -5,6 °C (alt: -5,1 °C vom 22.04.1997)

Nun stellt sich die Großwetterlage aber auf eine sogenannte „zyklonale Westlage“ um. Dabei dreht die Strömung großräumig auf westliche Richtung, sodass die über dem Nordatlantik wie auf einer Perlenschnur aufgereihten Tiefdruckgebiete nach Europa gelenkt werden können. Mit der Winddrehung auf West wird die kalte Polarluft verdrängt und von milderer, wolkenreicher Meeresluft ersetzt. Der heutige Montag markiert dabei den Startschuss für eine turbulente Wetterwoche mit milderen Temperaturen, vor allem aber kräftigen Niederschlägen, Tauwetter und Sturm.

Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Rekordfrost-fuer-April.png 913 1612 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-04 13:56:232022-04-04 14:00:15Rekordfrost für April

Kaltlufteinbrüche im Frühjahr – Teil 1: Später Schnee

3. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen wurde in dieser Rubrik ja bereits (mehrfach) auf den bevorstehenden späten Wintereinbruch hingewiesen. Nun neigt sich das „Wintermezzo“ langsam dem Ende entgegen. Letzte Schneefälle klingen im Tagesverlauf an den Alpen langsam ab und die Schneetiefs Jana und Lotte südlich der Alpen lösen sich endgültig auf. Die Schneehöhen heute Morgen konnten sich aber nochmals sehen lassen mit beispielsweise 27 cm in Niederstetten (auf rund 450m, Baden-Württemberg) oder auch knapp 10 cm in Augsburg und München. Dabei galt wie zuvor schon in der Mitte und im Norden des Landes, dass auf Wegen und Straßen teilweise so gut wie gar nix liegen geblieben ist.

Dieses Phänomen ist bereits in den ersten Februarwochen vermehrt sichtbar und verstärkt sich im Laufe des Frühjahrs mit höherem Sonnenstand entsprechend weiter. Trotz vielerorts kompakter Bewölkung, reicht die durchdringende diffuse Einstrahlung aus, um dunkle Asphalt- und Betonflächen rasch zu erwärmen. Zudem war die eingeflossene Kaltluft insbesondere nach Abzug der Niederschläge sehr trocken, so dass der vorhandene Schnee förmlich unter den Schlitten der herumtollenden Kinder „verschwand“ – also nicht nur schmolz (Änderung des Aggregatzustandes von fest zu flüssig), sondern gar sublimierte (fest zu gasförmig). Dementsprechend war der Spuk ganz im Sinne der Sommerliebhaber und fluchenden Autofahrer schnell wieder vorbei. Gerade wo sich aber nach einige Schneereste halten konnten (schattige Wiesen und Wälder, Tallagen, Nordhänge), wurde es in der vergangenen Nacht bitterkalt mit teils strengem Frost. So meldete beispielsweise Wernigerode eine Tiefsttemperatur von -10,5 Grad. Ähnliche Größenordnungen sind in der kommenden Nacht zum Montag auch im Süden des Landes zu erwarten.

Im privaten Kreis, aber auch bei den Medien kommt in diesem Zusammenhang schnell die Frage auf: Ist das noch normal? Sind das vielleicht sogar Rekorde? Aus dem Nähkästchen geplaudert kann ich Ihnen sagen, dass darüber natürlich auch in der Kollegenschaft umgehend debattiert wird. Die Meinungen sind allerdings vielfach durch einprägsame – um nicht zu sagen – einschneidende Erlebnisse in Kindheitstagen mitunter subjektiv verzerrt. Es herrscht jedoch genereller (subjektiver) Konsens, dass die Neigung zu späten Kaltlufteinbrüchen im Frühjahr (egal ob mit oder ohne Schnee) in den vergangenen Jahren zugenommen haben. Oder täuscht dieser Eindruck etwa, weil die Winter generell milder geworden sind? Spielt uns unser Bewusstsein einen Streich, wenn bereits früh im Jahr T-Shirt taugliche Temperaturen (wie jüngst erst vor rund einer Woche in weiten Landesteilen) erreicht werden, die einen „Rückfall“ umso empfindlicher erscheinen lassen? Dieser Frage wollen wir in einem Mehrteiler in den kommenden Wochen einmal genauer auf den Grund gehen, der sich rund um Kaltlufteinbrüche im Frühjahr drehen wird.

Den Auftakt bildet das Thema „später Schnee“. Untersuchen wir im ersten Schritt doch erst einmal, wann deutschlandweit die Rekorde für den am spätesten gefallenen und auch liegengeblieben Schnee beobachtet wurden. Dabei spielt die Schneehöhe an sich zunächst noch keine Rolle. Erfasst wird lediglich, wenn es sich um eine Schneehöhe echt größer 0 cm handelt. Zudem darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Datenbasis vor allem die Erfassung der Schneehöhe um 06 UTC am Morgen zu Grunde liegt. Ist Schnee mal kurzzeitig zwischen 07 und 08 UTC vorhanden gewesen, flutscht dieser in der Statistik durch. Aus genannten Gründen im oberen Absatz (Stichwort: Globalstrahlung) sind Schneeakkumulationen tagsüber aber im späten Frühjahr zunehmend unwahrscheinlich und in der Mehrzahl auf die Nachtstunden beschränkt.

Die Daten sind in der beiliegenden Grafik auf der Deutschlandkarte eingetragen. Schnell wird klar: Eine Schneedecke Anfang April ist bei Weitem nicht ungewöhnlich (Die Schneehöhen waren es aber sehr wohl, mehr dazu in den weiteren Teilen dieser Reihe). Teilweise wurde im vergangenen Jahrhundert, aber selbst auch in jüngerer Vergangenheit noch Wochen später einen nennenswerte Schneehöhe gemessen. Im Mittel sprechen wir dabei von einem Zeitraum von der letzten Aprildekade bis zur ersten Maidekade. Je nach Höhenlage verschiebt sich dieser Zeitraum entsprechend nach hinten. Auf dem Hohenpeißenberg (auf knapp 1000 m, Bayern) beispielsweise liegt der absolute Rekord für die späteste Schneedecke erst am 03. Juni, gemessen im Jahr 1962. Grundsätzlich ist die zeitliche und räumliche Variabilität aber sehr hoch und ein Einzelereignis kann sämtliche Rekorde ins Wanken bringen. So war exemplarisch Ende April 1985 so ein „Event“, woraus die Rekorde in Essen, Stuttgart und Freiburg resultieren. Nebenbei bemerkt war die Wetterlage damals recht ähnlich zum aktuellen „Schneebringer“.

Unbestritten ist der Zusammenhang, der die Statistik zugleich auch „verwässert“: Je länger die Zeitreihe ist, sprich je weiter sie auch in die Vergangenheit zurückreicht, desto später sind entsprechend die Rekorddaten gelagert. Ein Schneefallereignis am 11.05.1897 auf Husum wirkt heutzutage tatsächlich „wie aus einer anderen Zeit“.

Dipl.-Met. Robert Hausen

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 03.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Kaltlufteinbrueche-im-Fruehjahr-Teil-1-Spaeter-Schnee.png 722 1283 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-03 15:39:432022-04-03 15:43:38Kaltlufteinbrüche im Frühjahr – Teil 1: Später Schnee

Deutschlandwetter im März 2022

2. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im März 2022* 1. Platz Duisburg-Baerl (Nordrhein-Westfalen) 8,6 °C – Abweich. +2,4 Grad

2. Platz Köln-Stammheim (Nordrhein-Westfalen) 8,6 °C – Abweich. +2,2 Grad

3. Platz Essen-Bredeney (Nordrhein-Westfalen) 8,4 °C – Abweich. +3,3 Grad

Besonders kalte Orte im März 2022*

– Platz Carlsfeld (Sachsen) 0,9 °C – Abweich. +1,7 Grad

– Platz Zinnwald-Georgenfeld (Sachsen) 1,0 °C – Abweich. +2,0 Grad

3. Platz Deutschneudorf-Brüderwiese (Sachsen) 1,4 °C – Abweich. +0,7 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im März 2022**

– Platz Dietenheim (Baden-Württemberg) 63,5 l/m² – 128 Prozent

– Platz Anger-Stoißberg (Bayern) 57,4 l/m² – 41 Prozent

3. Platz Memmingen (Bayern) 50,2 l/m² – 85 Prozent

Besonders trockene Orte im März 2022**

1. Platz *** 0,0 l/m² – 0 Prozent

Besonders sonnenscheinreiche Orte im März 2022**

1. Platz Ennigerloh-Ostenfelde (Nordrhein-Westfalen) 270 Stunden – 264 Prozent

2. Platz Friedrichshafen-Unterraderach (Baden-Württemberg) 265 Stunden – 202 Prozent

3. Platz Leutkirch-Herlazhofen (Baden-Württemberg) 262 Stunden – 198 Prozent

Besonders sonnenscheinarme Orte im März 2022** 1. Platz Fassberg (Niedersachsen) 196 Stunden – 192 Prozent

2. Platz Martinroda (Thüringen) 198 Stunden – 176 Prozent 3. Platz Kronach (Bayern) 201 Stunden – 192 Prozent

oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Jahreszeitwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

*** an 16 Stationen im Nordosten wurde kein messbarer Niederschlag verzeichnet Hinweis :

Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse.

Meteorologe Christian Throm

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 02.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-02 19:30:322022-04-02 19:34:11Deutschlandwetter im März 2022

Winterlicher Aprilscherz

1. April 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Was erlaubt sich denn das Wetter bitteschön bei uns? Noch vor einer Woche Sonne pur und verbreitet 17 bis 22 Grad, heute Schnee bei in der Spitze zumeist nur wenigen Grad über Null – wenn überhaupt.

Los ging es mit dem späten Wintereinbruch bereits in der Nacht zum Donnerstag und Freitagfrüh in Schleswig-Holstein, Hamburg und dem Norden Niedersachsens. Um 8 Uhr wurden dort verbreitet Schneehöhen bis zu 5 cm gemessen, doch damit nicht genug. Nur ein bis zwei Stunden später meldeten Quickborn und Hamburg-Fuhlsbüttel vorübergehend rund 10 cm. Zwar sind die automatischen Schneehöhenmessungen immer etwas mit Vorsicht zu genießen, ein Blick auf das ein oder andere Webcam-Bild bzw. Foto, das uns über die WarnWetter-App zugespielt wurde, bestätigte im, sagen wir mal, erweiterten Nordseeumfeld lokal durchaus Mengen zwischen 5 und 10 cm.

Wie kam es denn eigentlich zu diesem jahreszeitlichen Rückfall? Nun, einerseits gab und gibt es einen Tiefdruckkomplex um Tief JANA über Italien, der im Zusammenspiel mit Hoch QUINCY nordwestlich der Britischen Inseln mit einer nordöstlichen bis nördlichen Strömung polare Kaltluft von Skandinavien über Dänemark in den Nordwesten Deutschlands steuert. Gleichzeitig zog ein Tief in höheren Luftschichten langsam entlang der Ostküste Englands südwärts. Dadurch drehte die Höhenströmung über Deutschland zunehmend auf Südwest. Unten also Wind aus Nordost bis Nord, oben aus Südwest – eine sogenannte „Gegenstromlage“ hat sich eingestellt, die zwangsläufig zum Aufsteigen der Luft und in der Folge zu Niederschlägen führte, die aufgrund der im Nordseeumfeld bereits eingeflossen Kaltluft als Schnee am Boden ankamen.

Mit weiterem Voranschreiten der Kaltluft Richtung Süden gingen die Niederschläge in der vergangenen Nacht auch über der Mitte, aber auch in einem Streifen bis zum Allgäu zunehmend in Schnee über. Das Ergebnis heute früh: Vom Nordwesten über die Mitte bis ins Allgäu oftmals 1 bis 5 cm Schnee, lokal sogar um 10 cm, wie z.B. in Ostercappeln-Schwagstorf (52 m Meereshöhe, Niedersachsen) und Göschitz (408 m, Thüringen) mit jeweils 10 cm oder in Lügde-Paenbruch (258 m, NRW) mit 13 cm.

Auch heute und in der kommenden Nacht schneit es munter weiter, vor allem über der zentralen Mitte, zunehmend aber auch im Süden und der westlichen Mitte. Morgen früh dürfte man demnach über der Mitte und dem Süden beim Hochziehen der Rollläden vielfach auf eine dünne Schneedecke oder zumindest etwas Schneematsch blicken, in Regionen oberhalb von etwa 400 bis 600 m sind hier und da durchaus auch Mengen bis bzw. um 10 cm drin.

Das war’s dann aber immer noch nicht in Sachen Schnee. Denn auch am Samstag schneit es zumindest im Süden weiterhin, wo es vorübergehend (wir haben halt doch schon April) noch einmal für wenige Zentimeter Neuschnee oder etwas Schneematsch reicht bzw. bis zu 10 cm in höheren Berglagen. Erst in der Nacht zum Sonntag ziehen sich die Schneefälle mehr und mehr an die Alpen zurück, wo sie dann im Laufe des Sonntags abklingen.

Und dann wird’s wieder frühlingshaft? So wie letzte Woche? Nein! Es wird zwar wieder etwas milder (kein wirkliches Kunststück…), es bleibt in der kommenden Woche meist aber weiterhin kühl für April. Dazu wird es stürmisch und sehr unbeständig mit hin und wieder ein paar nassen Flocken. Alles in allem also doch eher herbstlich statt frühlingshaft anmutendes Wetter.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 01.04.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2022/04/DWD-Winterlicher-Aprilscherz.png 780 926 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-04-01 17:54:172022-04-01 17:57:09Winterlicher Aprilscherz

Niederschlagsradar

31. März 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

RADAR ist die englische Abkürzung von RAdio Detektion And Ranging und bedeutet im deutschen „funkgestützte Ortung und Abstandsmessung“. Zunächst diente das Radar nur militärische Zwecken und wurde erstmals im 2. Weltkrieg zur Ortung von Schiffen und Flugzeugen im großen Stil eingesetzt. Man machte sich dabei die Entdeckung von Heinrich Hertz zunutze, der bereits 1886 herausfand, das metallische Gegenstände elektromagnetische Wellen reflektieren. Während des 2. Weltkrieges merkte man dann, dass auch Niederschlag Echos im Radar erzeugt. Nach dem 2. Weltkrieg beschäftigten sich Wissenschaftler damit, diese Niederschlagsechos herauszufiltern und spezielle Radarsysteme für die Niederschlagsdetektion zu entwickeln. Das Funktionsprinzip des Niederschlagsradars ist vergleichsweise einfach. Ein Sender sendet gepulste Mikrowellen aus. Die Wellenlänge ist so gewählt, dass diese Mikrowellen auf ihren Weg durch die Atmosphäre an Niederschlagspartikel (Hydrometeore) wie Regentropfen, Schneeflocken, Graupel und Hagel reflektiert und zum Radar zurückgestreut werden. Anschließend wird das zurückgestreute Signal, das nur einen Bruchteil der Energie des gesendeten Signals hat, am Radar mithilfe einer Antenne empfangen und gemessen. Aus der Antennenposition und der Laufzeit des Signals ergibt sich die Position der reflektierenden Hydrometeore. Man weiß, dass sich die Mikrowellen im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen. Dieser Wert wird für die Atmosphäre noch mit dem Brechungsindex der Luft korrigiert. Über die Laufzeit lässt sich nun die Entfernung berechnen.

Die Radarbilder, die der Deutsche Wetterdienst von seinen 17 Radarmessstationen frei zur Verfügung stellt und auf diversen Webseiten zu sehen sind, zeigen nicht direkt die Niederschlagsintensität in l/m² in der Stunde, sondern zunächst nur die entfernungskorrigierte Intensität des zurückgestreuten Signals. Diese hat die Einheit „Dezibel“ (dBZ). Die Skala ist logarithmisch, das heißt 2 dBZ sind die 10-fache Intensität wie 1 dBZ. Doch wie lässt sich das interpretieren: Das Beispielbild zeigt eine sommerliche Gewitterlage vom 25.07.2021. Die Farbskala ist an die Skala in der Warnwetter-App angelehnt. Blaue Werte (1 bis 15 dB) zeigen zumeist leichten Sprühregen oder nur ein paar Tropfen Regen. Unter grün (~15 – 30 dB) kann man sich einen leichten bis mäßigen Landregen vorstellen, der bei Gelb (ab 30 dB) schon in kräftigere Intensität übergeht. In diesem Fallbeispiel sieht man dies an den kräftigeren Schauern zwischen Alb und Allgäu. Interessant wird es, wenn die Farbe ins Rot geht. Dies bedeutet Reflektivitäten von über 45 dBz, die ausschließlich in Schauern und Gewittern erreicht werden. Ab da nimmt das Starkregenpotenzial deutlich zu. Am auffälligsten ist dies in diesem Beispiel im Gewitterkomplex über Südbayern der Fall. An seiner Südostseite geht die Refläktivität ins „Blaue“ (> 55 dBZ) dies ist meist bei Hagel der Fall. Dieser blaue Bereich war in diesem Fall einem größeren Hagelunwetter zuzuordnen. Die Schauer und Gewitter in Mittel- und Norddeutschland sind weniger heftig. Die Fläche mit roten und blauen Reflektivitäten ist dort viel kleiner.

Um nun die Niederschlagsintensität zu messen, ist eine Umrechnung des empfangenen Signals in l/qm pro Stunde notwendig. Diese Umrechnung wird durch die sogenannte Z-R-Beziehung bestimmt. Z steht hier für die Reflektivität des empfangenen Signals (dBZ) und R für die Regenrate (l/qm) pro Stunde. Diese Beziehung wurde durch langjährige Messung empirisch gewonnen, ist aber besonders in Gewittern, die Hagel enthalten auch zu einem gewissen Maße ungenau. Um die Genauigkeit zu erhöhen, werden die aus dem Radar gemessen Niederschlagsraten mit Stationsmeldungen verglichen und entsprechend angeeicht. So lässt sich relativ genau die Niederschlagsmenge flächendeckend bestimmen.

Die Niederschlagsradare haben allerdings noch ein viel größeres Potenzial. Man kann die Radarbilder zeitlich animieren und bekommt somit die Verlagerung des Niederschlags und kann damit z. B. die Zugrichtung von Gewittern abschätzen. Mit einem mathematischen Verfahren, das den „optischen Fluss“ berechnet, lässt sich diese Verlagerung sogar in die Zukunft projizieren, sodass je nach Wetterlage recht genaue 15-minütige bis 1-stündige Vorhersagen möglich sind. Der Deutsche Wetterdienst betreibt sogenannte dual-polarimetrische Radare. Diese können über den Dopplereffekt sogar die Windgeschwindigkeit messen, den Wasser- und Eisgehalt einer Wolke bestimmen und aus der Depolarisation sogar Aussagen darüber treffen, ob eine Wolke Hagel, große oder kleine Tropfen, Graupel oder Schnee enthält. Doch die Beschreibung dieser Radarsysteme wäre schon wieder ein eigenes Thema des Tages*

Dipl.-Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 31.03.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2022-03-31 18:41:092022-03-31 18:43:15Niederschlagsradar

Sonne, Sonne, Sonne

30. März 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Die Besitzer von Photovoltaikanlagen und Solarkochern wird es sicherlich gefreut haben. Im März hat die Sonnenscheindauer bisher nicht gekannte Dimensionen erreicht und die bestehenden Rekorde geradewegs pulverisiert.

Schon länger zeigt sich ein Trend hin zu einem immer sonnigeren Frühjahr. Das gilt im speziellen auch für den ersten Frühlingsmonat März. In der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 wurde auf ganz Deutschland bezogen im Mittel eine Sonnenscheindauer von 111.2 h registriert. Vergleicht man dies mit der Periode von 1991 bis 2020, so ist die Dauer um gut 15 h auf 126.5 h (+13 %) gestiegen. Nimmt man nur die letzten zehn Jahre der Referenzperiode, so lag die durchschnittliche Sonnenscheindauer von 2011 bis 2020 sogar bei 144.6 h. Das ist eine Steigerung um gut 33 h (+30 %) gegenüber 1961 bis 1990.

Da passt es ins Bild, dass auch der März 2022 wieder ein sonniger Monat war. Die Zahlen kurz vor Ende des Monats lassen einen dann aber doch mit offenem Mund dastehen. Nur zur Monatsmitte gab es mal einen kleinen Dämpfer, sonst hat die Sonne in vielen Regionen fast durchgehend geschienen. Die Sonnenbilanz bis einschließlich 29.03. kann mit einer Dauer von 232 h glänzen. Das sind ganze 121 h (!) mehr als im Mittel 1961 bis 1990. Damit konnte im März 2022 die Sonne solange scheinen, wie damals im Schnitt in zwei Märzmonaten zusammen. Auf Tage umgerechnet, schien die Sonne durchschnittlich 7.5 h am Tag. Bei einer durchschnittlichen astronomischen Sonnenscheindauer von etwa 12 h, sind dies 63 % der maximal möglichen Ausbeute.

Dass der diesjährige Märzmonat in Sachen Sonne extrem war, erkennt man auch, wenn man sich die bisherigen Rekorde seit 1951 vor Augen führt. Der bisherige Sonnenrekord stammt noch aus dem Jahr 1953 mit 195 h, dicht gefolgt von 2011 (189 h) und 2014 (182 h). In diesem Jahr wurde der alte Rekord also um mehr als 37 h (+19 %) überboten.

Schauen wir noch etwas weiter ins Detail. Den größten Sonnenzuschlag gab es prozentual gesehen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Hessen sind es 237 Sonnenstunden (222 % im Vergleich zu 1961-1990) und in NRW 238 h (231 %). Schaut man auf einzelne Wetterstationen, dann stechen vor allem Bergstationen heraus, wo sich normalerweise häufig Wolken und Nebel halten. So zum Beispiel der Brocken. Mit 241 h schafft es der höchste Berg im Harz bereits auf 262 % und ein wenig kommt vor allem heute noch dazu. Die Sonnenausbeute betrug also mehr als das 2.5fache zur Klimareferenz 1961 bis 1990 und konnte damit auch das bisherige Rekordjahr 1953 deutlich übertrumpfen (211 h)

Selbst in der 2022 schattigsten Region Deutschlands, in Vorpommern, konnte Karlshagen mit mehr als 210 Sonnenstunden im März noch ein Plus von 58 % im Vergleich zu 1961 bis 1990 verzeichnen. Am längsten schien die Sonne übrigens auf der Zugspitze mit 262 h (171 %). Und auch die Stadtstation in München schaffte es auf 259 h (202 %).

Zu guter Letzt noch eine Zahl, die den hochdruckgeprägten März 2022 eindrucksvoll darstellt. Der mittlere Luftdruck über Deutschland lag bis einschließlich 29.03.2022 bei 1026.8 hPa. Mit Blick auf die Jahre seit 1990 ist das ebenfalls ein neuer Rekord (bisher: 2012: 1025.8 hPa).

Auch wenn an den letzten beiden Märztagen gebietsweise noch etwas Sonne zur Gesamtbilanz hinzukommt, das Supersonnenwetter ist erst einmal Geschichte. Stattdessen gibt es in einigen Regionen die lang ersehnten Niederschläge.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 30.03.2022

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Winter-Comeback

29. März 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Viele von Ihnen haben sich an die frühlingshafte Witterung mit Sonnenschein und sehr milde Temperaturen der letzten Tage gewöhnt. Aber der gestrige Tag war vorerst das letzte dieser langen Schönwetterperiode. Denn die großräumige Wetterlage in Europa stellt sich um und aus Skandinavien strömt in den kommenden Tagen Polarluft nach Deutschland. Zum Wochenende kehrt also der Winter zurück. Schnee, Frost und Glätte werden wieder ein Thema sein.

Nun folgen die Details Tag für Tag bis Sonntag:

Am heutigen Dienstag spüren wir noch nicht viel von der Kälte, denn in der Mitte und im Süden werden noch mal Höchstwerte zwischen 15 und 20 Grad erreicht. Allerdings sind schon viele Wolken unterwegs, die zum Nachmittag etwas Regen bringen können. Im Norden macht sich schon die kühlere Luft bemerkbar. An der See mit auflandigem Wind steigt die Temperatur maximal auf Werte zwischen 6 und 9 Grad, im Landesinneren auf 10 bis 14 Grad an. Dazu ist der Himmel wolkig bis stark bewölkt. Regen fällt aber kaum. In Nacht zum Mittwoch bleibt es in der Mitte und im Süden unter den dichten Wolken und zeitweise Regen mit 5 bis 9 Grad mild. Im Norden sinkt die Temperatur dagegen, wo es länger klar bleibt, stellenweise bis in den Frostbereich.

Am Mittwoch fällt in der Mitte bei bedecktem Himmel zeitweise leichter Regen. Südlich des Mains ist es mehr schauerartiger Regen, dabei sind vor allem in Baden-Württemberg vereinzelte Gewitter mit Starkregen nicht ausgeschlossen. Im Norden kommt gebietsweise die Sonne durch und es bleibt meist trocken. Lediglich an der Ostsee und in Schleswig-Holstein ziehen einzelne Schneeregen- und Graupelschauer durch. Die Höchstwerte liegen in der Nordhälfte zwischen 5 und 10 Grad. Bei mäßigem bis frischem Nordwind fühlt es sich noch kälter an. In der Südhälfte bleibt es mit 10 bis maximal 15 Grad milder. In der Nacht zum Donnerstag fällt in der Südhälfte weiterhin zeit- und gebietsweise Regen. In den zentralen Mittelgebirgen sinkt die Schneefallgrenze auf 400 bis 600 m ab, dabei besteht Glättegefahr. Ebenfalls kann es im Norden lokal bei Schneeschauer zu Glätte kommen, denn die Tiefstwerte liegen zwischen +2 und -4 Grad.

Am Donnerstag setzt sich im Süden das nasse Wetter fort. Die Schneefallgrenze liegt tagsüber noch über 1000 m. In der Mitte und im Norden sind einzelne Schnee-, Schneeregen- und Graupelschauer unterwegs, dazwischen scheint auch die Sonne. Bei kräftigen Graupelschauern besteht selbst in tiefen Lagen vorübergehend Glättegefahr. Mit 4 bis maximal 9 Grad ist es endgültig mit den frühlingshaften Temperaturen vorbei. In der Nacht zum Freitag fällt südlich des Mains Regen, oberhalb 400 bis 600 m Schnee. Entsprechend muss mit Glätte durch Schnee gerechnet werden. Sonst zeigt sich der Himmel wolkig bis locker bewölkt, vereinzelte Schauer sind vor allem an der See möglich. Die Luft kühlt sich auf Werte zwischen +2 und -3 im Süden und zwischen 0 und -7 Grad im Norden.

Am Freitag und Samstag wird der Höhepunkt des Kälteeinbruchs erreicht. Südlich der Donau und vor allem an den Alpen schneit es längere Zeit. Dabei werden insgesamt 5 bis 10 cm, oberhalb 800 m 20 bis 30 cm in Staulagen bis 50 cm Neuschnee erwartet. Entsprechend muss mit winterlichen Straßenverhältnissen gerechnet werden. Ansonsten sind vor allem Richtung Küste und im angrenzenden Binnenland einzelne Regen-, Schneeregen- und Graupelschauer unterwegs. Bei kräftigen Graupelschauern tagsüber und in den Nachtstunden besteht dort ebenfalls Glättegefahr. Die Höchstwerte liegen nur zwischen 2 und 7 Grad, an den Alpen bleibt es bei leichtem Dauerfrost. Die Nächte werden verbreitet frostig mit Tiefstwerten zwischen 0 und -8 Grad. Frostfrei bleibt es nur auf den Nordseeinseln.

Zum Schluss ein paar Worte zum Sonntag: Es bleibt noch mit 2 Grad an den Alpen und maximal 9 Grad entlang des Rheins sehr kühl. Ab und zu scheint die Sonne zwischen den Wolken und hier und da fällt etwas Regen, oberhalb 600 m Schnee. In der Nacht zum Montag geht die Temperatur erneut auf Werte zwischen +2 Grad im Emsland und -9 Grad an den Alpen zurück.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 29.03.2022

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Rückblick auf die DACH-Meteorologietagung 2022

28. März 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

*Die Corona-Pandemie hat in den letzten beiden Jahren viele Bereiche des Lebens eingeschränkt. Wie viele andere Bereiche des Lebens war davon folgerichtig auch der Wissenschaftsbetrieb betroffen. Viele Konferenzen konnten entweder gar nicht oder nur virtuell abgehalten werden. Der Wissenschaft war dies sicher nicht immer zuträglich, spielt doch der persönliche Austausch eine ganz wesentliche Rolle, um Ergebnisse und Methoden auszutauschen und zu diskutieren. Umso besser, dass es möglich war, die DACH-Konferenz in diesem Jahr auch vor Ort – in diesem Fall der Universität Leipzig – stattfinden lassen zu können. Dabei wurde ein hybrides Veranstaltungsformat gewählt, das heißt sowohl Onlineteilnahme als auch Vor-Ort-Veranstaltungen. Sozusagen das „Beste aus beiden Welten“.

Die DACH-Meteorologietagung wird von den Meteorologischen Gesellschaften Deutschlands, Österreichs und der Schweiz gemeinsam ausgerichtet und findet alle drei Jahre statt. Daraus leitet sich auch ihr Name ab in Form eines Akronyms aus den Länderkürzeln „D“, „A“ und „CH“. Ein Herausstellungsmerkmal ist die (zumindest in großen Teilen) Deutschsprachigkeit, mit der sich diese Tagung von den üblicherweise in englisch gehaltenen Konferenzen abhebt.

Fünf Tage lang wurden in insgesamt 13 Sessions die verschiedensten Teilbereiche der Meteorologie beleuchtet. Neben „klassischen“ Themen wie Atmosphärendynamik, in der grundlegende physikalische Prozesse betrachtet werden, gab es auch Vorträge und Poster zu Themen wie Stadtklimatologie, Agrarmeteorologie, Atmosphärenchemie, Strahlung und Wolken, aber unter anderem auch einen Programmpunkt zu Metathemen wie der meteorologischen Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur in Deutschland und Europa, in welchem es zum Beispiel um aktuell laufende Forschungs- und Messkampagnen ging. Mit der Session „Polarmeteorologie“ wurde ein ebenfalls sehr aktuelles Forschungsthema behandelt, insbesondere im Zusammenhang mit der „Mosaic“-Messkampagne, die vor einem Jahr stattfand und in der das Forschungsschiff „Polarstern“ im arktischen Meereis überwinterte. All diese und noch weitere Themen bildeten damit insgesamt ein umfassendes Tagungsprogramm. Neben den klassischen Vortragssessions gab es zudem täglich einen sogenannten Keynote-Vortrag von längerer Dauer, in denen die großen und wichtigen Forschungsthemen behandelt wurden. Unter anderem sei hier der Vortrag von Friederike Otto genannt. Sie ist weltweit führend im Bereich der Attributionsforschung tätig und geht der Frage nach, welche Extremereignisse sich ursächlich auf den anthropogen verursachten Klimawandel zurückführen lassen.

Ein weiterer herausstehender Programmpunkt war ein Exkursionsangebot für die Konferenzteilnehmer, bei dem sie sich über den Wissenschaftsstandort Leipzig sowie Besonderheiten der Region informieren konnten. So wurden zum Beispiel Ausflüge zu den Forschungsstationen in Melpitz und dem verantwortlichen Institut für Troposphärenforschung angeboten. In Ronneburg (Thüringen) konnte ein ehemaliger Wismut-Standort besichtigt werden, wo die Teilnehmer sich über den jahrzehntelangen Restrukturierungs- und Renaturierungsprozess im ehemaligen Uranabbaugebiet informieren konnten. Ebenfalls war es möglich, die DWD-Außenstelle in Leipzig-Holzhausen, das Umweltbundesamt in Dessau (Sachsen-Anhalt) oder landwirtschaftliche Versuchs- und Messfelder in Brandis und Cunnersdorf (Sachsen) zu besuchen.

Insgesamt erfreute sich die DACH-Meteorologietagung in diesem Jahr erneut regen Zuspruchs, sowohl online als auch vor Ort. Die nächste Tagung findet 2025 statt, der Veranstaltungsort steht allerdings noch nicht endgültig fest.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 28.03.2022

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Schluss mit der Monokultur

27. März 2022/0 Kommentare/in Klima, Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Wir stehen nach wie vor weitgehend unter Hochdruckeinfluss. Es fließt zwar feuchtere Luft ins Land, aber die führt aktuell nur zu Nebel oder hochnebelartiger Bewölkung. In weiten Teilen ist trockene und sehr milde Festlandsluft wetterbestimmend. Nennenswerter Niederschlag ist erst zur Mitte kommender Woche in Sicht. Dann verabschiedet sich der Hochdruckeinfluss und Tiefdruckgebiete übernehmen die Wetterregie. Das bedeutet deutlich weniger Sonne, mehr Wolken und endlich wieder der bereits erwähnte Regen.

Einen Haken hat die Sache allerdings, denn aktuell sieht es so aus, als würden die Mitte und der Süden Regen abbekommen, der Norden hingegen nur kurze Schauer. Grund dafür ist der Zustrom feuchter Luft aus dem Mittelmeerraum, der vom Tief über Nordosteuropa gebremst wird und nicht bis in die nördlichen Landesteile vordringen kann. Daher muss sich der Norden (vorerst) mit ein paar Schauern in feucht-kalter Luft zufriedengeben. Dies lässt sich auch an der Grafik des akkumulierten (aufsummierten) Niederschlags erkennen. Der Modellvergleich der Niederschlagssumme bis Donnerstagnacht (120 Stunden) zwischen ICON (links), GFS (mittig) und EZMW (rechts) zeigt deutlich die ungleiche Verteilung. Während im Süden und über der Mitte teils mehr als 20 Liter pro Quadratmeter vorhergesagt sind, liegt die Summe im Norden meist nur bei 2 bis 5 Litern pro Quadratmeter.

Temperaturtechnisch befinden wir uns in der kommenden Woche auf dem absteigenden Ast. Von Norden sickert nämlich Stück für Stück kalte Luft ein. Die erfasst in der zweiten Wochenhälfte auch den Süden und räumt die frühlingshafte Wärme aus. In den Nächten kommt es wieder häufiger zu Frost. Und zum Ende der Woche, wenn sich Feuchtigkeit und Kälte „paaren“, kann es im Bergland noch einmal Schnee geben. Vereinzelt kann man auch im Flachland Schneeregen beobachten, aber eine geschlossene Schneedecke wird sich dort voraussichtlich nicht bilden.

Die weiteren Aussichten sind alles andere als sicher. Zwischen Hochdruckeinfluss aus Westen und einer Tiefdruckzone von Skandinavien bis ins Mittelmeer ist alles möglich.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 27.03.2022

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