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Geschichte der Meteorologie − Teil 3: Meteorologie der Spätantike sowie im europäischen Frühmittelalter

Im letzten Teil der Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie im alten Indien und China einerseits und ausführlicher die auf europäischem Boden im antiken Griechenland beschrieben.

Ein Nachtrag zu dieser Zeit sei an dieser Stelle noch gestattet. Blicken wir zurück in den Osten ins alte Indien: Im Werk „Arthasastra“, geschrieben vom indischen Minister Chanakya (um 350−um 283 v. Chr), welcher als Berater des ersten Kaisers des indischen Maurya-Reiches wirkte, wurde über die Einführung eines Verwaltungssystems berichtet. Im Bereich der Landwirtschaft lagen aus dieser Zeit systematische Niederschlagsmessungen vor, welche sich auf verschiedene Bereiche des Subkontinents bezogen. Sie zeigen, dass erste Regenmesser im alten Indien bis in die Zeit vor der christlichen Zeitenwende zurückreichen.

Kommen wir wieder zurück in den europäischen Kulturkreis. Nach dem Untergang des antiken Griechenlands ging die Weiterentwicklung der Geschichte der Meteorologie über auf das Römische Reich. Im Vergleich zum antiken Griechenland gelang im Römischen Reich kein so umfangreicher Erkenntniszuwachs, vielmehr blieb das Wissen der Griechen dominant.

Im sechsbändigen Werk „De rerum natura“ des römischen Dichters und Philosophen Lukrez (um 95−um 55 v. Chr) wurde die Naturphilosophie von Epikur (griechischer Philosoph, um 341−270 v. Chr), die die Entstehung von Gesellschaft und Kultur auf rein natürliche Ursachen ohne Gottheiten abmünzt, wiedergegeben und zusammengefasst. Inhalte des Werkes waren die Atomlehre, die Seelenlehre und die empirische Welt, welche sich aus Kosmologie und Kulturentstehungsgeschichte zusammensetzte. Im 6. Buch wurde die Meteorologie behandelt.

Der römische Dichter Vergil (70−19 v. Chr) erfreute sich an der Natur, suchte sie aber auch durch die Naturphilosophie, die Wissenschaft jener Zeit, zu verstehen. Er nahm Wetterzeichen in ein Handbuch zur Tierhaltung auf. Sein Werk „Georgica“ umfasste etwa 2000 Verszeilen über Landwirtschaft und Wetter. Hier ein Auszug: „Was gibt es zu sagen über die Herbststürme und die Sterne; und warum müssen die Menschen wachsam sein; wenn nun die Tage kürzer werden und die Sommerhitze nachlässt? Wenn der Frühling, der Regenbringer, herabstürzt; Oder wenn sich die Ähren der Ernte auf der Ebene bereits aufrichten…“

Der griechische Geograph und Geschichtsschreiber Strabon (um 63 v. Chr−23 n. Chr.) versuchte in seinem Werk „Geographie“, welches er kurz vor seinem Tod vollendete, das gesamte bekannte geographische Wissen zusammenzufassen. Es umfasste alle Länder und Völker, die den Römern und Griechen zu jener Zeit bekannt waren. Es enthält eine frühe Beschreibung des Wetters auf den Britischen Inseln: „Das Wetter dort ist eher regnerisch als schneereich; und an Tagen mit klarem Himmel herrscht so lange Nebel, dass die Sonne den ganzen Tag über nur etwa drei oder vier Stunden lang um die Mittagszeit zu sehen ist. …“

Der römische Dichter Ovid (43 v. Chr−17 n. Chr.) wurde von Kaiser Augustus (63 v. Chr−14 n. Chr.) im Jahre 8 n. Chr. nach Tomis an die Westküste des Schwarzen Meeres (heute das rumänische Constanța/Konstanza) verbannt. In seinen Werken „Tristia“ und „Epistulae ex Ponto“ beschrieb er das dortige vergleichsweise harsche Klima, beispielsweise Kälte, Frost und Schnee, fehlende Tauphasen inmitten des Winters und das Zufrieren der Donau.

Der römische Philosoph und Naturforscher Seneca der Jüngere (um 3 v. Chr−65 n. Chr.) sowie Plinius der Ältere (um 24−79 n. Chr.), ein römischer Gelehrter, fassten beide aus griechischen Quellen die Theorie der antiken griechischen Naturwissenschaft zusammen. In Senecas „Quaestiones Naturales“ („Fragen über die Natur“) wird überwiegend Astronomie und Meteorologie behandelt, darunter alle Wetterphänomene. Wind wird nicht nur als bewegte Luft beschrieben, sondern mit der Verdunstung kombiniert. In Plinius‘ „Naturalis historia“ („Naturgeschichte“), eine 37-bändige Enzyklopädie, wurde das meteorologische Wissen von 20 bedeutenden griechischen Gelehrten zusammengetragen. Auch Details über Windsysteme und Navigation in der Seeschifffahrt fanden dort Erwähnung.

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Werk Naturalis historia, Nachdruck aus 1481, Nicolò Mascarino, Biblioteca Nacionale Marciana, Venedig, Quelle: Holapaco77 über Wikimedia Commons

Der römische Geograph und Kosmograph Pomponius Mela (um 15−45 n. Chr.) formulierte in seinem Werk „De situ orbis“ im Jahr 43 n. Chr. das System der Klimazonen. Er teilte die Erde in fünf Zonen ein, von denen nur zwei bewohnbar waren, die nördliche und die südliche Temperaturzone.

Aus dem ersten Jahrhundert nach Christus liegen aus dem römischen Palästina Niederschlagsmessungen vor. Regenmengen wurden durch Priester mittels spezieller Gefäße gemessen und in Mengenangaben „tofahs“ und „tefahs“ versehen, einem alten Längenmaß, welches rund 9 cm entspricht. In den Frühjahrsmonaten wurden 6 tofahs Niederschlag gemessen, was etwa 54 cm entspricht. Nimmt man die heutige Umrechnung auf den Quadratmeter an, wäre es zu dieser Zeit etwas feuchter als heute gewesen. Jüdische Priester nutzten die Messungen, um die Fruchtbarkeit und damit das Erntepotential der Region zu prognostizieren.

Der griechische Mathematiker, Geograph und Astronom Claudius Ptolemäus (um 100−um 160) leistete einen Beitrag zur Astrometeorologie, welche die Verbindung astronomischer Phänomene mit dem Wetter beschreibt. In seinem Werk „Phasen der Fixsterne und Sammlung von Wetterzeichen“ beschrieb er Methoden zur Wettervorhersage anhand astronomischer Ereignisse, die auf geometrischen und mathematischen Modellen der Planetenbewegungen beruhten. Diese basierten wiederum sowohl auf historischen Beobachtungen als auch auf seinen eigenen Beobachtungen. Ptolemäus beschrieb Positionsberechnungen der Planeten und gab Richtlinien zur Deutung ihrer Auswirkungen auf das Wetter. Dies trug zur griechischen Tradition astrometeorologischer Kalender bei, die astronomische Phänomene mit Wettervorhersagen in Verbindung brachten. „Phasen der Fixsterne und Sammlung von Wetterzeichen“ ist auch deshalb von Bedeutung, weil es eine Informationsquelle über frühere Autoritäten in der Tradition des astrometeorologischen Kalenders darstellt, darunter Hipparchos von Nicäa.

Der griechische Arzt und Naturforscher Galenos von Pergamon (um 130−um 210) war bei der Behandlungsmethode der Blutentnahme der Ansicht, dass die Menge des abzulassenden Blutes nicht nur vom Alter, der Konstitution und dem Wohnort des Patienten abhing, sondern auch von der Jahreszeit und dem Wetter. Generell war Galenos der Meinung, dass lebende Körper aus einer ungleichmäßigen Mischung aus Heißem, Kaltem, Feuchtem und Trockenem bestehen − den „Gegensätzen“ nach Aristoteles, heute als Viersäftelehre oder Humoralpathologie bekannt.

Damit wären alle wesentlichen Entwicklungen im Römischen Reich zusammengefasst. Werfen wir nun einen Blick weit nach Osten: Im antiken China gibt es zu dieser Zeit eine etwas ausführlichere Vorstellung, wie der Regen entsteht:

In seinem Werk „Lunheng“ widerlegte der chinesische Philosoph Wang Chong (27−um 97 n. Chr.) aus der Han-Dynastie den chinesischen Mythos, dass Regen vom Himmel komme, und erklärt, dass Regen aus dem Wasser auf der Erde in die Luft verdunstet und Wolken bildet. Er stellte fest, dass Wolken zu Regen kondensieren und auch Tau bilden, und er sagte, wenn die Kleidung von Menschen in hohen Bergen feucht wird, liege dies an dem in der Luft schwebenden Regenwasser. Wang Chong stützte seine Theorie jedoch auf eine ähnliche These von Gongyang Gao, dessen Kommentar zu den „Frühlings- und Herbstannalen“, der „Gongyang Zhuan“, bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. verfasst wurde. Das zeigt, dass die chinesische Vorstellung, Regen verdunste und steige auf, um Wolken zu bilden, weit vor Wang Chong zurückreicht. Wang Chong schrieb: „Was diesen Regen betrifft, der aus den Bergen kommt, so sind einige der Ansicht, dass die Wolken den Regen mit sich führen und sich auflösen, sobald er niedergeht (und sie haben Recht). Wolken und Regen sind eigentlich ein und dasselbe. Wasser, das nach oben verdunstet, wird zu Wolken, die sich zu Regen oder weiter zu Tau verdichten.“

Auch aus Indien liegen einige weitere meteorologische Erkenntnisse vor. Der indische Dichter Kalidasa, der um 500 n. Chr. lebte, erwähnte in seinem Gedicht „Meghaduta“ („Wolkenbote“) den Zeitpunkt des Einsetzens des Südwestmonsuns über Zentralindien und zeichnete den Weg der Monsunwolken von dort zum Berg Kailash in Tibet nach. Um das Jahr 575 n. Chr. veröffentlichte der indische Astronom und Mathematiker Varāhamihira (505−587) sein Werk „Brihat-Samhita“ („Große Sammlung“), das eindeutige Belege dafür liefert, dass im indischen Raum bereits fundierte Kenntnisse über atmosphärische Vorgänge vorhanden waren.

Kommen wir nun wieder zurück nach Europa. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches, der den Übergang der Spätantike zum europäischen Frühmittelalter einleitet, gab es keine signifikante Weiterentwicklung in der Meteorologie. Lediglich wenige theologische Gelehrte verfassten Abhandlungen, in welchen meteorologische Aspekte erwähnt wurden, die jedoch im Wesentlichen den Stand der Dinge der Antike wiedergaben.

Der hispanische Bischof und Historiker Isidor von Sevilla (um 560−636) schrieb in seinem Werk „De Natura Rerum“ (Über die Natur der Dinge) über Astronomie, Kosmologie und Meteorologie. In den Kapiteln zur Meteorologie befasste er sich mit Donner, Wolken, Regenbogen und Wind. Auch die „Verderbnis der Luft“ (Pest) wurde behandelt. Allerdings wurde er durch die vorherrschende theologische Ansicht eingeschränkt, dass der einzige legitime Weg, Naturwissenschaften zu studieren, über die Heilige Schrift führte.

Der angelsächsische Theologe und Benediktinermönch Beda Venerabilis (um 672−735) gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten des europäischen Frühmittelalters. In seiner gleichnamigen Enzyklopädie „De Natura Rerum“, die um das Jahr 703 entstanden ist, handelte ein großes Kapitel von den Naturwissenschaften, in dem auch Wetterprognosen thematisiert wurden. Andere bedeutende Kapitel stellten die Astronomie und die Komputistik, die Zeitrechnung, dar. Beda Venerabilis schrieb als erster Angelsachse über das Wetter und gilt als Begründer der Meteorologie in England.

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Werk De Natura Rerum, Nachdruck aus 1529, Henrich Petri, Biblioteca Europea di Informazione e Cultura, Mailand, Quelle: Marcella Medici über Wikimedia Commons

Die weitere Entwicklung in der Geschichte der Meteorologie wird aus Erkenntnissen der Araber abgeleitet. Die Araber dominierten im Folgenden im europäischen Kulturraum sämtliche wissenschaftlichen Entwicklungen des Früh- und Hochmittelalters. Der nächste Teil der Serie Geschichte der Meteorologie wird diese Episode beleuchten und einen Überblick über die nächsten meteorologischen Erkenntnisse in Mesoamerika und im antiken China zusammenfassen.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Zwischen Hoch und Tief im meteorologischen Niemandsland

Wettermäßig befindet sich Deutschland aktuell in einer eher unspektakulären Lage: zwischen zwei Tiefdruckgebieten, die beide nur am Rande Einfluss ausüben. Tief VIRGINIA liegt über dem Nordatlantik westlich der Britischen Inseln, während sich Tief ULLA I über Süditalien befindet. Deutschland verbleibt damit gewissermaßen in einem „Niemandsland“ zwischen den wetterbestimmenden Systemen.

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Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Mittwoch den 15.04.2026 12 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Diese Konstellation ermöglicht es Hoch STEFAN, vorübergehend die Regie zu übernehmen. Am Mittwoch weitet das Hoch seinen Einfluss auf weite Teile Deutschlands aus. Besonders in der Mitte und im Norden dominiert zunächst sonniges Wetter, während sich im Südosten noch dichtere Wolken halten. Im Laufe des Tages macht sich jedoch von Westen her die Annäherung von Tief VIRGINIA bemerkbar, dessen Wolkenfelder langsam ins Land ziehen. Dennoch bleibt es insgesamt trocken. Die Temperaturen steigen mit Unterstützung der Sonneneinstrahlung auf 16 bis 20 Grad, am Mittel- und Niederrhein lokal bis 21 Grad. An den Küsten bleibt es aufgrund maritimer Einflüsse etwas kühler. Der Wind ist schwach und spielt keine wesentliche Rolle im Wettergeschehen.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 15.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Donnerstag verliert Hoch STEFAN zunehmend an Einfluss. Gleichzeitig greifen die Ausläufer von Tief VIRGINIA auf den Nordwesten über und bringen dort dichtere Bewölkung sowie etwas Regen. Auch in den übrigen Regionen zeigt sich der Himmel vielfach wolkig. Die Wolkendecke wirkt dabei wie eine isolierende Schicht, sodass die Temperaturen nicht mehr so stark zurückgehen. Nur im Osten kann es örtlich noch zu leichtem Frost in Bodennähe kommen, ansonsten liegen die Tiefstwerte zwischen 9 und 4 Grad.

Am Donnerstag prägen die Reste dieser Tiefausläufer das Wettergeschehen. Insgesamt überwiegen die Wolken, sonnige Abschnitte bleiben selten. Im Tagesverlauf entwickeln sich einzelne Schauer, vereinzelt auch kurze Gewitter. Mit der südwestlichen Strömung wird mildere Luft nach Deutschland geführt, sodass die Höchsttemperaturen trotz der dichten Bewölkung 17 bis 22 Grad erreichen. Der Wind bleibt abseits von Schauern schwach.

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Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 16.04.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Freitag verstärkt sich der Hochdruckeinfluss erneut. Die Schauer klingen ab, und gebietsweise lockert die Bewölkung auf. In der feuchten Luftmasse kann sich jedoch örtlich Nebel bilden. Insgesamt bleibt es meist frostfrei.

Der Freitag zeigt sich dann überwiegend freundlich. Schauer treten nur noch vereinzelt auf, und die Temperaturen steigen leicht an. Im Südwesten werden bis zu 24 Grad erreicht, sonst liegen die Höchstwerte zwischen 17 und 23 Grad. Auch der Samstag präsentiert sich ähnlich, mit viel freundlichem Wetter und milden Temperaturen. Lediglich im Nordwesten macht sich erneut zunehmende Bewölkung bemerkbar, verbunden mit etwas Regen.

Am Sonntag stellt sich schließlich eine Umstellung der Wetterlage ein. Die Wolken überwiegen, und gebietsweise fällt Regen. Gleichzeitig geht die Temperatur zurück, mit Höchstwerten zwischen 13 und 20 Grad. Zudem frischt der Wind etwas auf und dreht auf nördliche Richtungen.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wetterumstellung ante portas!

Während man heute in der Osthälfte Deutschlands noch eifrig Vitamin D tanken kann, hat sich der Himmel im Westen schon ordentlich zugezogen und es hat heute Vormittag angefangen, leicht zu regnen. Über der östlichen Mitte kündigen ein paar Schauer ebenso die nahende Umstellung an, wobei dies durch Schauer und einzelne Gewitter bereits am gestrigen Dienstag erkennbar war. Diese Gewitter kann es am heutigen Mittwoch auch über Bayern und dem Osten Baden-Württembergs geben, da vorderseitig der heranziehenden Kaltfrontokklusion (okkludierte Front mit Kaltfrontcharakter) noch ein Rest feuchterer und labil geschichteter Luft liegt. Auch die Temperaturen zeugen von einer deutlichen Umstellung, denn so liegen sie im Osten häufig noch bei 17 bis 18 Grad, im Westen dagegen ist bei 11 bis 13 Grad meistens Schluss. Böiger Südwestwind lässt das ganze nochmals etwas kühler wirken.
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Während es im Westen schon regnet, scheint über dem Osten noch verbreitet die Sonne. Über dem Süden haben sich derweil erste Gewitter entwickelt.

In der Nacht überquert die Front unter stetiger Abschwächung dann weite Teile des Landes und erreicht den Osten und Südosten, um sich hier aber zusehends aufzulösen. An den Alpen kann es oberhalb von 1000-1200 m sogar wieder etwas schneien.

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Auf der Karte dargestellt ist die Großwetterlage am heutigen Mittwochmittag. Gut zu erkennen ist die von Nordwesten heranziehende Okklusionsfront, die die Wetterumstellung einleitet.

Ansonsten ist nach dem teils ungeständigen Mittwoch am morgigen Donnerstag erstmal wieder Durchschnaufen angesagt. Mit einem Ableger des umfangreichen Azorenhochs namens LUKAS herrscht landesweit ruhiges, teils sonniges Wetter vor mit Temperaturen von 12 bis 14, gelegentlich auch um 15 oder bis knapp 16 Grad. Der Wind spielt eine nur untergeordnete Rolle.

Wie für ein Zwischenhoch aber so üblich hat auch das nicht lange Bestand. Denn am Atlantik tut sich was, weil das umfangreiche Tief FRITAUN Verstärkung von GINA bekommt, woraus sich ein großräumiges Tiefdrucksystem entwickelt. Davon ausgehend greift eine langsam ziehende, teils sogar wellende Kaltfront am Freitag wieder auf den Westen/Nordwesten über und bringt Regenfälle, die mitunter etwas kräftiger ausfallen können.

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Am Freitag sorgt eine langgestreckte, teils wellende Kaltfront für erneutes Regenwetter und ordentlich Wind.

Aufgrund der trockenen Vorgeschichte ist der Regen mehr Segen als Fluch für die Natur. Die Regenfälle liegen am Freitagmittag quer über der Nordwesthälfte, um abends und nachts auch den Osten und Südosten zu erreichen. Vorderseitig wird es einerseits nochmals mild mit bis zu 18 Grad, andererseits weht aber auch ein böiger Süd- bis Südwestwind. Rückseitig strömt dann Meereskaltluft ein, was die Schneefallgrenze kurz vor dem Abklingen der Niederschläge wieder herunterdrückt und Schneefall in einigen Gipfellagen der Mittelgebirge ermöglicht.

Am Samstag geht das Wechselspiel munter weiter, denn wieder ist es Zwischenhocheinfluss, der für meist ruhiges, wenn auch kühleres Wetter sorgt bei Höchstwerten um 7 bis 12 Grad.
Und am Sonntag? Natürlich wieder die umgekehrte Welt mit einem weiteren heranziehenden Frontensystem und neuen Niederschlägen von Nordwesten her.

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Im Trend für Wiesbaden wird deutlich, dass es erstmal vergleichsweise mild bleibt mit meistens über 10, teils um 15 Grad, vor allem ab der kommenden Woche. Dazu gibt es bis einschließlich Montag immer wieder Regen, bevor es tendenziell trockener wird.

Kurz noch zum Trend für die neue Woche, der aber noch mit größeren Unsicherheiten behaftet ist: Nach einem noch unbeständigen Montag tendiert das Wetter ab Dienstag wieder mehr zu Hochdruck, womit eine „Wetterrückstellung“ bevorstehen könnte. Wie lange dieser anhält und ob die Temperaturen an die der vergangenen Tage heranreichen, ist noch mehr als ungewiss.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Vom Oktobersommer mit Vollgas in den Vollherbst

Die T-Shirts und kurzen Hosen können eingemottet werden. Dafür müssen nur warme Klamotten und eventuell sogar Schal und Mütze aus dem Schrank gekramt werden. Schuld daran ist eine markante Wetterumstellung. Während seit Wochen fast ununterbrochen ungewöhnlich warme Luftmassen in weiten Teilen des Landes vorherrschend waren, erfolgt nun eine 180-Grad-Wende. Schuld daran ist eine markante Kaltfront, zugehörig zu einem Tief über der nördlichen Ostsee, die die sehr warme Luftmasse subtropischen Ursprungs verdrängen konnte. Auf der Rückseite der Kaltfront fließt Meeresluft polaren Ursprungs ein. Die einfließende Luftmasse ist dabei etwa 15 Grad kälter als die Luftmasse der vergangenen Tage.

DWD Vom Oktobersommer mit Vollgas in den Vollherbst

Dies zeigt sich auch deutlich bei den Höchstwerten. Während am Freitag im Süden des Landes der späteste heiße Tag (Höchstwert über der 30-Grad-Marke) der in Deutschland seit Messbeginn jemals registriert wurde, auftrat, reicht es dort am Sonntag maximal noch für Höchsttemperaturen um 15 Grad. Die Spitzenreiter des gestrigen Freitags waren nach derzeitigem Stand Rheinfelden und Müllheim (jeweils Baden-Württemberg) mit 30,1 Grad. In einigen Orten des Südens wurde sogar ein neuer Monatsrekord verzeichnet und das Mitte Oktober, was doch recht ungewöhnlich ist. Der Allzeitoktoberrekord mit 30,9 Grad in Müllheim vom 07.10.2009 wurde dabei nur knapp verfehlt.

Fast noch eindrucksvoller waren die Tiefstwerte der vergangenen Nächte. In der Nacht zum heutigen Samstag lagen die vorläufigen Minima lokal nicht unter der 20-Grad-Marke, was einer Tropennacht entspricht. Beispielsweise war dies in Cottbus (Brandenburg) mit 20,8 Grad, Schipkau-Klettwitz (Brandenburg) mit 20,7 Grad und Dresden-Klotzsche (Sachsen) mit 20,5 Grad der Fall. Dabei ist der Wert aus Cottbus nach derzeitigem Stand das höchste Minimum, das jemals in Deutschland im Oktober gemessen wurde.

Dass der Temperatursturz mit ordentlich Wind einherging, erklärt sich fast von selbst, denn irgendwie müssen die immensen Temperaturunterschiede ja ausgeglichen werden. An und vor der Kaltfront kam es verbreitet zu stürmischen Böen und Sturmböen. An der Küste traten teils auch schwere Sturmböen auf. Die Station Darßer Ort (Mecklenburg-Vorpommern) meldete in der Nacht zum Samstag sogar eine orkanartige Böe mit 112 km/hBft 11. Im Küstenumfeld bleibt der Wind auch in den kommenden Tagen noch stürmisch und weht aus West bis Nordwest. Auch sonst lebt er am Sonntag im Nordosten nochmals deutlich auf. In den anderen Landesteilen bleibt der Wind zwar spürbar, aber bei weitem nicht so kräftig wie in der vergangenen Nacht und heute tagsüber.

Am Sonntag zieht über die Nordosthälfte des Landes ein Höhentief hinweg und sorgt dort für sehr wechselhaftes Wetter samt Regen- und Graupelschauern, die im Umfeld der Küsten mitunter gewittrig sein können. In den anderen Landesteilen macht sich bereits eine schwache Hochdruckbrücke bemerkbar, die von den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis in den Balkan reicht. Dabei gibt es einen freundlichen Mix aus Sonne und Wolken, Schauer sind eher selten. Nur am Alpenrand regnet es noch etwas häufiger. Mit 8 bis 15 Grad wird es herbstlich kühl. In der Nacht zum Montag droht dann gebietsweise Luftfrost, weshalb empfindliche Pflanzen nun definitiv ins Warme gebracht werden müssen!

Zum Beginn der neuen Woche beruhigt sich das Wettergeschehen dann verbreitet, denn das Höhentief verabschiedet sich nach Nordosteuropa und Deutschland liegt dann fast vollständig unter der Hochdruckbrücke. Nur im Küstenumfeld bleibt es leicht wechselhaft. Insgesamt bleibt die Luftmasse kühl, sodass die Höchstwerte meist unter 15 Grad liegen werden. Exemplarisch dafür ist im nachfolgenden Bild der Temperaturverlauf für die Städte Frankfurt am Main, Berlin und München dargestellt.

DWD Vom Oktobersommer mit Vollgas in den Vollherbst 1

Der herbstliche Wettercharakter wird außerdem dadurch unterstrichen, dass sich Nebel- und Hochnebelfelder mitunter nur sehr zögerlich auflösen. Inwiefern zur Wochenmitte wieder Tiefdruckeinfluss die Oberhand gewinnt, muss noch abgewartet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt deuten sich allerdings von Südwesten teils länger anhaltende Regenfälle an. Eins ist auf jeden Fall gewiss, der Sommer 2023 ist Geschichte.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2023
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