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Schlagwortarchiv für: Wolkenoberkante

Bunte Satellitenbilder

23. Februar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Abb 1: Meteosat-12 True Color RGB Satellitenbild von heute, 23.02.2026 um 12:40 UTC über Südamerika, dem Atlantik, und Westafrika.

Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages vom Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG) Satelliten Meteosat-10, und zwar…

Abb 2: Animation des Wolkenoberkante Produkts aus MSG Meteosat-10 Messungen, für den Zeitraum von Samstagnachmittag (21.02.2026) bis Sonntagnachmittag (22.02.2026).

…die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean, Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des Planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.

Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.

Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen: Tiefdruckgebiet Barbara östlich von Neufundland ist erkennbar an den sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen Farbtönen im Bereich der Kaltfront – dem vertikalen T-Strich im geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen geprägt haben).

In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.

Abb 3: Modell-Vertikalprofile aus dem europäischen IFS Modell, für gestern (22.02.2026) um 18:00 Uhr UTC, links über dem Nordatlantik, rechts über Kamerun. Grün: der Taupunkt, Rot: die Temperatur sowie gestrichelt: die Tropopause.

Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei 125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen, welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert (1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe…). Die Tropopause markiert aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen auslösen – vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt „Rapidly Developing Thunderstorms“, also schnell wachsende Gewitterzellen, mit Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause, verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!

Abb 4: Klimatologische Verteilung der Tropopausenhöhe in Abhängigkeit von der geografischen Breite. Die Definition der WMO für die Tropopausenhöhe ist hinzugefügt.

Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierten „Lapse Rate Tropopause“ (LRT, die Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause, alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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