Wo bleibt das schöne Frühlingswetter?

Im Thema des Tages vom 24.02.2023 („Frühlingsbeginn“) wurde erklärt, wann der Frühling beginnt. Dafür gab es 4 Antworten. Bei 3 dieser 4 Antworten hat der Frühling tatsächlich begonnen, bei einer allerdings noch nicht.

So fing der meteorologische Frühling verbindlich am 1. März 2023 an (Antwort 1), genauso unumstößlich wie der astronomische (bzw. kalendarische) am 20. März 2023 um 22:24 Uhr (Antwort 2).

Der phänologische Frühlingsbeginn hat bereits die Etappen Vorfrühling am 26. Januar 2023 (Beginn der Haselblüte) und Erstfrühling am 14. März 2023 (Beginn der Forsythien-Blüte) absolviert (Antwort 3). Schaut man in die Natur, so kann man mittlerweile allerorten blühende Pflanzen entdecken. Der Vollfrühling, der durch den Beginn der Apfelblüte markiert wird, wird derzeit immer noch 4 oder 5 Tage vor seinem durchschnittlichen Beginn am 26. April eines Jahres erwartet, also etwa am 21. oder 22. April 2023.

DWD Wo bleibt das schoene Fruehlingswetter

Hatte der Vorfrühling in diesem Jahr durch den milden Winter allerdings noch einen Vorsprung von 16 Tagen zu seinem durchschnittlichen Beginn am 11. Februar eines Jahres und der Erstfrühling auch noch 11 Tage zu seinem normalen Beginn am 25. März, so ist dieses Polster in den letzten Wochen immer weiter geschmolzen (weitere Informationen und aktuelle Daten zum Thema Phänologie finden Sie unter www.dwd.de/phaenologie).

„Schuld“ daran ist natürlich die Witterung, die sich seit dem meteorologischen Frühlingsbeginn mit andauernden Westwetterlagen präsentierte. Dabei sorgten von Westen anrauschende Tiefdruckgebiete wiederholt für viele Wolken samt Niederschlägen in Deutschland, die bei stark schwankenden Temperaturen teils bis ins Tiefland als Schnee fielen. Dazu kam oft viel Wind, auch wenn kein ganz großer Sturm dabei war. Längere Hochdruckphasen mit viel Sonnenschein und frühlingshaften Temperaturen gab es dagegen nur selten oder höchstens kurz. Der April hat in den ersten Tagen sogar einen richtigen „Kaltstart“ hingelegt. So liegt das Temperaturmittel für Deutschland im bisherigen April mit rund 5,7 Grad Celsius (°C) um etwa 3,3 Grad unter dem Wert der Referenzperiode 1991 bis 2020 (bezogen auf den gesamten April).

Immerhin aber wurde die 15 Grad-Schwelle in diesem Jahr schon an über 90 % der Stationen in Deutschland überschritten, die 20 Grad-Schwelle allerdings nicht einmal an 10 % der Stationen. Einen meteorologischen Sommertag mit 25 Grad oder mehr gab es sogar noch an keiner Station! Das war in den vergangenen Jahren zu diesem Zeitpunkt im Jahr meist schon der Fall, oft auch schon im März.

Die vom Autor im damaligen Thema des Tages festgelegte willkürliche Definition eines „statistischen Frühlingsbeginn“ (in der Folge als „synoptischer Frühlingsbeginn“ bezeichnet), wobei es an drei aufeinanderfolgenden Tagen sonnig und trocken und an zwei Tagen davon mindestens eine Temperatur von 15 Grad geben sollte, wurde in diesem Jahr durch die Witterung der vergangenen Wochen noch an keiner Station erreicht. Damit ist das Wetter beim Frühlingsbeginn dieses Jahr spät dran, viel später als in den meisten letzten Jahren!

Im Süden (repräsentiert durch München, blaue Linie in Bild 2) erfolgte dieser synoptische Frühlingsbeginn seit 2005 meist im März, manchmal sogar schon im Februar und spätestens am 2. April (2006 und 2009). Im Norden (repräsentiert durch Hamburg, dunkelrote Linie in Bild 2) ist der synoptische Frühlingsbeginn generell etwas später, aber häufig genug auch im März und einmal sogar im Februar. In immerhin drei Jahren (2006, 2009 und 2013) gab es in Hamburg einen späten synoptischen Frühlingsbeginn im April, im spätesten Fall sogar erst am 20. April (2006). Die beiden Trendkurven (gepunktete Linie in Bild 2) verraten, dass das Wetter eigentlich immer früher im Jahr auf Frühling umschaltet und dieses Jahr eine Ausnahme ist.

DWD Wo bleibt das schoene Fruehlingswetter

Stellt sich also die Frage, wann das Wetter in diesem Jahr endlich den Frühling einläutet? Nun, da gibt es tatsächlich Hoffnung für die kommende Woche. Dann baut sich ein Hochdruckgebiet über der Nordsee und Skandinavien auf. Damit verbunden nimmt der Sonnenschein im Laufe der Woche immer mehr zu und es bleibt meist trocken. Zudem erwärmt sich die Luftmasse allmählich, sodass häufig die 20 Grad-Schwelle ins Visier genommen wird. Damit werden die Kriterien für den synoptischen Frühlingsanfang voraussichtlich verbreitet erfüllt.

DWD Wo bleibt das schoene Fruehlingswetter 1

Dipl.-Met Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Aprilwetter

Während es gestern noch freundlich war, ist heute in den Morgenstunden ein Regengebiet nach Osten abgezogen. Es gehörte zur Kaltfront eines Atlantiktiefs. Rückseitig der Kaltfront ist subpolare Luft eingeflossen, in der sich kurze sonnige Abschnitte mit kräftigen Schauern und sogar Graupelgewittern abwechseln. Dabei ist es recht kühl und es weht ein lebhafter und böiger Wind. Auf den Gipfellagen einiger Mittelgebirge wurde es sogar kurzzeitig weiß. Typisches Aprilwetter eben.

Doch warum tritt dieses Wetter gerade im April häufig auf? Aktuell sind die Meere und Polargebiete noch relativ kühl. Gerade bei Westwetterlagen, wie sie derzeit vorherrschen, wird auf der Rückseite von Tiefdruckgebieten immer mal wieder kalte Polarluft nach Deutschland geführt. Der Sonnenstand ist allerdings jetzt bereits schon so hoch wie Ende August oder Anfang September. Somit kann sich das Land tagsüber bei Sonnenschein schon stärker erwärmen. Die hochreichend kalte Polarluft wird dadurch labilisiert. Die warme Luft steigt in Blasen auf. Dadurch bilden sich im Tagesverlauf Quellwolken, die dann Schauer und Gewitter bringen.

Nach kurzer Wetterberuhigung steht das nächste Tief schon in den Startlöchern. Morgen überquert uns das Frontensystem von Tief QUAX, das nach Großbritannien zieht. Dabei fällt zunächst verbreitet Regen. Am Nachmittag lockert die Wolkendecke im Westen auf. Dann bilden sich in der rückseitig der Kaltfront einfließenden Subpolarluft dort wieder Schauer und Gewitter.

Am Freitag setzt sich in der Mitte und im Westen leichter Zwischenhocheinfluss durch, während im Westen und im Osten zeitweise Regen fällt.

DWD Aprilwetter

Am Wochenende zeigt der Trend ein Höhentief (ein Tief in der mittleren und oberen Troposphäre, das mit Höhenkaltluft angefüllt ist), das sich über Mitteleuropa festsetzt. Demnach wird das Wochenende voraussichtlich wechselhaft, zum Teil auch regnerisch und kühl.

DWD Aprilwetter

Hoffnung auf Wetterbesserung besteht dann zu Beginn der nächsten Woche. Dann zeigt ein recht eindeutiger Trend hin zu einem kräftigen Hoch über Skandinavien, das seinen Einfluss zu uns ausbaut und mit einer östlichen Strömung trockene und zunehmend wärmere Festlandsluft zu uns führt. Fraglich bleibt jedoch, ob kleine Kaltlufttropfen am Südrand des Hochs eventuell doch noch einen Strich durch die Rechnung machen.

DWD Aprilwetter 1

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Oster(wetter)-Erinnerungen

Bestimmt geht es Ihnen genauso wie mir. Gerade die Erlebnisse und das Wetter an speziellen Tagen im Jahr wie Weihnachten, Ostern oder der eigene Geburtstag bleiben einem besonders in Erinnerung. Wahrscheinlich können auch Sie sich noch an das eine oder andere Wettererlebnis der Vergangenheit erinnern, vor allem wenn es außergewöhnlich oder besonders spektakulär war. Bei mir als Meteorologen sind die Wettererinnerungen aber möglicherweise präsenter als bei manchem Nicht-Meteorologen.

Besonders das Osterwetter kann kaum unterschiedlicher ausfallen. Viel Sonnenschein und sommerliche Temperaturen sind genauso möglich wie tiefstes Winterwetter mit schneebedeckten Landschaften bis ins Flachland. Das liegt zum einen daran, dass in der Übergangsjahreszeit im März und April die Wettergegensätze besonders groß sind und zum anderen daran, dass Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum fällt (frühester Termin: 22. März, spätester Termin: 25. April).

Zum Abschluss der Osterfeiertage lasse ich Sie an meinen ganz persönlichen Ostererinnerungen teilhaben:

Ostern 2001 (13. bis 16. April)

Nach einem erlebnisreichen Urlaub auf Mallorca begrüßte uns am Ostersonntag der Flugkapitän folgendermaßen: „Wir starten in Palma de Mallorca bei sonnigen 25 Grad, am Zielflughafen in Nürnberg aktuell mäßiger Schneefall bei +1 Grad“. Ein Sitznachbar im Flugzeug blickte ungläubig auf seine kurze Hose. Tatsächlich wurden wir von einem verschneiten Nürnberg empfangen. Die damals noch moderne Technik der blinkenden Scheinwerfer beim Aufsperren der Autotüren per Fernbedienung war unsere Rettung! So konnten wir unseren PKW mitten auf einem riesigen Parkplatz voller eingeschneiter Autos finden. Auf der mit Schneematsch bedeckten Autobahn ging es nach Hause, doch schon am Abend taute der Schnee und an Ostermontag war von der weißen Pracht nichts mehr übrig.
Ein heftiger Kaltlufteinbruch brachte in der Karwoche mit einer Nordströmung Polarluft nach Deutschland. Ostersonntag wurde diese durch eine Warmfront nach Osten verdrängt, wobei im Übergangsbereich die Aufgleitniederschläge bis ins Flachland als Schnee fielen. Vom westlichen Schleswig-Holstein über Teile Niedersachsens und Hessens bis nach Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Franken gab es einige Zentimeter Neuschnee. Außergewöhnlich war, dass es sich 2001 nicht um ein besonders frühes Ostern handelte.

Ostern 2008 (21. bis 24. März)

Dieses Osterfest ging als kältestes der letzten Jahrzehnte in die Geschichte ein. Während wir am Karfreitag für eine Schneewanderung noch auf die Höhen der Fränkischen Schweiz fahren mussten, wurde es an den Folgetagen auch in den Niederungen Frankens (und nicht nur da) immer wieder weiß. Wiederholte Schneefälle überzuckerten mehrfach die Landschaft meiner Heimat. Selbst ein Gewitter mit Graupel und Starkschneefall durfte ich bewundern.
Ein ausgedehnter Höhentrog erfasste weite Teile Europas. In diesem kreisten am Boden mehrere Tiefs über Deutschland, Skandinavien und der Norwegischen See. Sie bescherten uns im Zusammenspiel mit kalter Polarluft wiederholte Schneefälle. Ab Ostersonntag kam auch noch Höhenkaltluft ins Spiel, die zahlreiche Schneeschauer und kräftige Kaltluftgewitter auslöste. Am Karfreitag war es im Tiefland nur regional in Bayern und Baden-Württemberg weiß, die Mittelgebirge präsentierten sich mit teils über 30 cm schon tief verschneit. An den Folgetagen wurde es mehr und mehr auch im Flachland weiß. In mittleren Lagen der Mittelgebirge war es mit verbreitet 10-25 cm Schnee, in höheren Lagen sogar 30-50 cm, tief winterlich. Auf dem Brocken lag ein Meter und auf dem Großen Arber 181 cm Schnee. Zudem war es am Ostersonntag mit 1 bis 6 Grad ungewöhnlich kalt. In Teilen Hessens, Thüringens und Sachsens herrschte selbst im Tiefland Dauerfrost!

Ostern 2011 (22. bis 25. April)

Das sonnige und frühsommerlich warme Wetter nutzen wir für einen schönen Ausflug nach Thüringen. Mit kurzen Hemden und luftigen Blusen konnten wir eine Schifffahrt auf dem Hohenwarter Stausee genießen. Nur die Heimfahrt war etwas abenteuerlich, da dem BMW meines Onkels die Puste ausging und wir uns an einer Steigung von einem alten Ford Fiesta überholen lassen mussten.
Zu dieser Zeit waren über weiten Teilen Europas nur schwache Luftdruckgegensätze vorhanden. Die kräftige Aprilsonne konnte die Luft immer mehr erwärmen. Tatsächlich konnte man an den Osterfeiertagen über Deutschland die europaweit wärmste Luft antreffen.

Ostern 2018 (30. März bis 2. April)

Damals war ich schon als Vorhersage-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst tätig. Während das Wetter in weiten Teilen Deutschlands zwar kühl, aber unspektakulär verlief, kam es im Nordosten Deutschlands in der Osternacht bis weit in den Ostersonntag hinein zu rekordverdächtigen Schneefällen. Von Schwerin über Rostock bis nach Rügen fielen verbreitet 10-25 cm Neuschnee, stellenweise kamen sogar 30-40 cm zusammen. Selbst auf Rügen lagen am Ostermontag 15-30 cm Schnee. Die Kinder mussten dort die Ostereier im Tiefschnee suchen. Nur einen Tag später setzte massives Tauwetter ein und erstmals in der Geschichte mussten wir für diese Region eine Tauwetterwarnung ausgeben.
Die starken Schneefälle wurden von einem Tief über Polen ausgelöst. Es hatte sehr feuchte Mittelmeerluft im Gepäck, die auf kalte Festlandsluft aufglitt, welche bodennah aus Nordosteuropa einströmte.

Ostern 2000 (21. bis 24. April)

Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen Ostern 2000, das regional als das wärmste seit Messbeginn gilt. Östlich eines Tiefs über dem nahen Ostatlantik wurde sehr warme Subtropenluft nach Deutschland geführt. Am Karsamstag kletterten die Temperaturen außer im Norden verbreitet auf Werte um 25 Grad (im Süden sogar bis 29 Grad). Am Ostersonntag verlagerte sich der Hitzeschwerpunkt in die Osthälfte, wo verbreitet sommerliche 25 bis 30 Grad gemessen wurden. Am wärmsten war es rund um Berlin (Berlin-Zehlendorf: 30,5 °C; Potsdam: 30,0 °C). In der Westhälfte strömte deutlich kühlere Luft ein, die am Ostermontag auch den Osten erreichte.
Ich persönlich habe an dieses Ostern keine speziellen Erinnerungen mehr, aber vielleicht wissen Sie ja noch, was Sie in diesem Jahr gemacht haben?

Beim Schreiben fiel mir auf, dass ich mich gefühlt an mehr weiße Ostern als weiße Weihnachten erinnern kann. Das liegt aber vermutlich daran, dass einem Schnee an Ostern ungewöhnlicher erscheint als an Weihnachten, obwohl auch weiße Weihnachten zumindest im Flachland eher selten vorkommen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.04.2023
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Tief Peter teilt sich auf

Das Osterwetter meint es gut mit uns. Hochdruckeinfluss sorgt für ruhiges Wetter, entsprechend kurz kann das Statement bezüglich der Wetterausprägungen ausfallen: trocken, zunehmend frühlingshaft, schwachwindig – und schon ist die Ostervorhersage fertig. Sollten darüber hinaus noch Details zu den sonnigsten Regionen gewünscht sein, dann ist auch das schnell erledigt: Am heutigen Ostersonntag der Südwesten und Mitteldeutschland, am morgigen Ostermontag dann die gesamte Südosthälfte bis in die Pfalz, nach Westfalen und Mecklenburg hinein. Damit sagen die Modelle aktuell sogar noch etwas mehr Sonne voraus als in den letzten Tagen.

Aber wirklich interessant wird das Wetter ja ohnehin erst ab der Nacht zum Dienstag bzw. am Dienstag selbst, wenn von Westen neue Tiefausläufer auf uns übergreifen. Dabei spielt das Tief PETER über dem Nordatlantik als steuerndes Zentraltief eine entscheidende Rolle. Dies ist auch in der Abbildung 1 zu erkennen, in der die Prognose für den kommenden Dienstag um 12 UTC (14 Uhr MESZ) dargestellt ist.

DWD Tief Peter teilt sich auf

Tief Peter liegt zu diesem Zeitpunkt südlich von Grönland. Von ihm zieht sich ein langgestrecktes Frontenband, das an der einen oder anderen Stelle Wellen schlägt, in einem weiten Bogen über den Nordatlantik, Südskandinavien und das östliche Mitteleuropa bis zu den Pyrenäen. Weit überwiegend wird dieses Frontenband bzw. Frontensystem als Okklusion geführt, erkennbar an der Farbe Pink und an den aus einem Halbkreis und einem daran anschließenden Dreieck bestehenden Frontensymbol.

Und jetzt wird es kurz wissenschaftlich: Folgt man der klassischen Frontentheorie, dann hat im Bereich der Okklusion die schnellere Kaltfront die langsamere Warmfront eingeholt und beide sind nachfolgend zur Okklusion „verschmolzen“. Die zwischen der Kaltfront und der Warmfront liegende Warmluft, die den Warmsektor bildet (erkennbar z. B. am Frontensystem von Tief Quax), wird bei diesem Prozess angehoben, wodurch der Druck sinkt. Das Anheben der Warmluft und damit auch der zugehörige Druckfall ist am Okklusionspunkt, also an dem Punkt, an dem Warm- und Kaltfront gerade zusammenlaufen, am stärksten ausgeprägt.

Bei diesem Prozess kann sich am Okklusionspunkt ein neues Tief bilden, welches man dann Teiltief nennt (vgl. Link zum DWD-Lexikon). Es KANN sich bilden, muss aber nicht. Glaubt man den Vorhersagemodellen, so soll sich am Frontensystem von Tief Quax kein Teiltief bilden. Dafür ist Tief Peter umso teilungsfreudiger. Man könnte fast sagen, Tief Peter ist eine mehrfach gespaltene bzw. multiple Persönlichkeit. Und dem entsprechend haben die Kolleginnen und Kollegen der Freien Universität Berlin, die in Deutschland für die Vergabe der Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete verantwortlich zeichnen, die Teiltiefs von Peter auf die Namen Peter II und Peter III getauft (vgl. Link zur FU Berlin).

Für den Wetterablauf in den kommenden Tagen ist diese Entwicklung durchaus keine rein akademische. Denn durch den Luftdruckfall und die Ausbildung der Teiltiefs verschärfen sich die Luftdruckgegensätze zwischen Nordwesteuropa und dem in der Karte erkennbaren Hoch über Frankreich. Und das bedeutet: Uns steht ab Dienstag ein stark böiger und teils stürmischer Wind ins Haus.

Auf weitere Details bezüglich des Wetters am Dienstag wird an dieser Stelle verzichtet. Es bleibt aber noch eine Frage zu klären: Warum trägt Quax ein Fragezeichen hinter dem Namen? Die Erklärung ist einfach: Während Peter I bis III ihre Namen schon offiziell erhalten haben, ist dies bei Quax noch nicht der Fall. Bei der Benennung handelt es sich um eine Vermutung des Autors. Mal schauen, wie sich die FU Berlin letztendlich entscheidet.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Osterei(er)

Im Grunde sieht das mit dem Wetter über die Ostertage ja gar nicht so schlecht aus. Immerhin stehen die Zeichen zumindest auf vorübergehendem Hochdruckeinfluss. Hoch NADINE beehrt uns. Zwar liegt ihr Schwerpunkt über Skandinavien, aber schon am heutigen Samstag streckt sie ihre Fühler in Form eines Bodenkeils nach Westeuropa aus. Und es kommt noch besser. Denn mit einer allmählichen Verlagerung nach Osten steigt bei uns der Druck an, bis man am morgigen Ostersonntag dann tatsächlich von Hochdruckeinfluss sprechen kann.

Sehr schön erkennt man dies auf der linken Seite der Abbildung 1. Sie zeigt die Druckverteilung über weiten Teilen Europas am morgigen Sonntag um 12 UTC (14 Uhr MESZ). Der Schwerpunkt von Hoch NADINE liegt dann über Nordskandinavien (knapp außerhalb der Karte). Ansonsten zeigt sich viel Blau in einem breiten Streifen von Skandinavien und Nordwestrussland bis zur Iberischen Halbinsel und ins westliche Mittelmeer – und das Blau deutet auf hohen Luftdruck hin. Insbesondere Nordeuropa verzeichnet praktisch flächendeckend Druckwerte von über 1025 hPa, einen Wert, den auch der Nordosten Deutschlands erreicht. Die in grün, gelb und rot gehaltenen Gebiete niedrigen Luftdrucks beschränken sich hingegen auf das östliche Mittelmeer und den Nordatlantik.

 

DWD Ostereier

Nun bedeutet hoher Luftdruck im April nicht automatisch sonniges Wetter. Teilweise ist es bei Hochdruckwetter auch neblig, und dass der April oft Schauer und Gewitter bereithält, das geht schon aus der Begrifflichkeit des Aprilwetters hervor. In diesem Jahr hält das Osterwetter aber noch zwei besondere Überraschungseier bereit. Es handelt sich um zwei Höhentiefs, eines über Südosteuropa, das andere über Mittelschweden und der nördlichen Ostsee.

Die beiden Höhentiefs sind in Abbildung 1 auf der rechten Seite nicht nur anhand des niedrigen Geopotentials (Linien mit entsprechenden Zahlenwerten) zu erkennen, sondern auch mittels der bläulichen Einfärbung, welche in diesem Teil der Abbildung die tiefen Temperaturen widerspiegelt. Das Höhentief über Südosteuropa kratz dabei auch morgen noch am Südosten Deutschlands – was vor allem Süd- und Ostbayern recht dichte Wolken und noch ein paar Tropfen, in den Hochlagen oberhalb von 1000 bis 1200 Meter auch ein paar Flocken beschert.

Bezüglich des zu erwartenden 24-stündigen Niederschlages bis in die Nacht zum Ostermontag gibt Abbildung 2 einen großräumigen Überblick. Auffällig ist der Unterschied in der Wetteraktivität zwischen dem südosteuropäischen und dem skandinavischen Höhentief. Während Südosteuropa im genannten Zeitraum großflächige Niederschläge zu erwarten hat, bleibt es über Mittelschweden und der nördlichen Ostsee praktisch trocken.

DWD Ostereier 1

Die Gründe dafür sind vielschichtig. So ist z.B. die skandinavische Luftmasse insgesamt deutlich trockener als diejenige über dem Balkan. Die Menge des niederschlagbaren Wassers, einem Maß für das Niederschlagspotential, liegt im Bereich des nördlichen Höhentiefs bei 8 mm, im Bereich des südosteuropäischen Höhentiefs dagegen bei bis zu 20 mm. Darüber hinaus konzentriert sich im Norden die Feuchte auf die unteren Luftschichten. Durch die Tatsache, dass die Atmosphäre dort oberhalb der -10 Grad-Isotherme sehr trocken ist, wird eine effektive Tröpfchenbildung verhindert. In der Folge sind auch die Niederschlagsmengen gering.

Da das Balkan-Ei schon dabei ist, sich nach Südosten zu entfernen, wird das Wetter über dem Südosten am Montag deutlich freundlicher als am Sonntag. Über Westeuropa steht dann aber schon das nächste Frontensystem parat, um ab der Nacht zum Dienstag bzw. am Dienstag das Wetter in ganz Deutschland wechselhaft, regnerisch und windig zu gestalten – und das ganz ohne „Höhen-Osterei“.

Dipl.-Met Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.04.2023
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Ostereiersuche in Europa draußen oder drinnen?

Ostern steht ja bekanntlich vor der Tür und nachdem im Thema des Tages vom 05.04.2023 schon auf das Osterwetter in Deutschland eingegangen wurde, wollen wir heute mal einen Blick über den Tellerrand werfen und uns auf das Europawetter konzentrieren.

Im Frühjahr zeigen sich in Europa oftmals große Wetter- und Temperaturkontraste. Einerseits halten sich aus dem Winter heraus noch kalte Luftmassen über weiten Teilen Nordeuropas, während die Luftmasse im Süden des Kontinents aufgrund der deutlich zunehmenden Kraft der Sonne immer wärmer werden. In Mitteleuropa bekommen wir diese Gegensätze dadurch zu spüren, dass sich warme Frühlingstage mit Kaltlufteinbrüchen aus Nordeuropa abwechseln. Dies hat sich beispielsweise in den letzten zwei Wochen mit dem ständigen Temperaturwechsel gut gezeigt.

 

DWD Ostereiersuche in Europa draussen oder drinnen

Die Grafik zeigt eindrucksvoll die Abweichung der Lufttemperatur in 2 m Höhe innerhalb der letzten 7 Tage vom Mittel. Mit Ausnahme von Spanien und Portugal sowie den Britischen Inseln war es in fast ganz Europa teils deutlich zu kühl.
Auch am Osterwochenende stellt sich großräumig ein solches Strömungsmuster über Europa ein, wenngleich es in vielen Teilen des Kontinents für die Jahreszeit etwas zu kühl ist.

In der nachfolgenden Grafik ist die Temperaturverteilung in 850 hPa dargestellt. Die Temperatur in 850 hPa (etwa 1500 m ü. NN) wird herangezogen, um die Luftmasse zu charakterisieren.

DWD Ostereiersuche in Europa draussen oder drinnen 1

Während in Spanien in dieser Höhe schon über 15 Grad herrschen, sind es sonst in weiten Teilen Europas meist nur 0 bis 5 Grad. In Nordeuropa werden Werte zwischen -3 und -7 Grad erreicht und ein „Kaltluftosterei“ findet sich auch über weiten Teilen des östlichen Mitteleuropas bis hinüber zum Schwarzen Meer. Auch dort ist es für die Jahreszeit mit Temperaturen etwas unter dem Gefrierpunkt in 850 hPa zu kühl.

Doch was heißt das nun für die Temperaturen am Boden und wie wird das Wetter in den einzelnen Gebieten von Samstag bis einschließlich Montag?

Spanien und Portugal:
Viel Sonne, zum Montag hin in Nordspanien und im Norden Portugals mehr Wolken, aber trocken. Höchstwerte zwischen 18 und 23 Grad bei auflandigem Wind an den Küsten, sonst 24 bis 29 Grad, in Andalusien bis 32 Grad.

Britische Inseln und Frankreich:
Am Samstag freundlich und längerer Sonnenschein, nur in Irland, Nordirland und Schottland bereits dichtere Wolkenfelder, aber trocken. Am Sonntag in Frankreich weiter viel Sonne, sonst stark bewölkt und in Irland auch bedeckt und zeitweiliger Regen. Am Montag in weiten Teilen recht wechselhaft mit schauerartigem Regen oder Schauern und einzelnen kurzen Gewittern. Dazu gebietsweise stürmischer Westwind. Freundlicher in Südfrankreich. Maximal 11 bis 17 Grad, am Mittelmeer bis 21 Grad.

Nordeuropa:
Unter Hochdruckeinfluss recht freundliches Frühlingswetter, am Samstag ganz im Norden noch einzelne Schneeschauer. Am Montag in Südnorwegen und dem äußersten Westen Schwedens einsetzende Niederschläge, Schneefallgrenze 500 bis 800 m. Höchsttemperaturen zwischen 1 und 7 Grad im Norden, sonst 6 bis 12 Grad. Nachts verbreitet frostig.

Östliches Mitteleuropa:
Leicht unbeständig mit etwas Sonne und zeitweiligen Niederschlägen, Schneefallgrenze um 1000 m. Am Samstag in Polen meist trocken und öfters Sonne. Am Montag verbreitet längere sonnige Abschnitte und überwiegend trocken. Leicht ansteigendes Temperaturniveau von 6 bis 13 Grad am Samstag auf 10 bis 17 Grad am Montag.

Südosteuropa und Balkan:
Unter Tiefdruckeinfluss sehr wechselhaft und immer wieder schauerartige Niederschläge und einzelne teils kräftige Gewitter. Am Montag von Norden her langsam abnehmende Schauertätigkeit und etwas freundlicher. Höchstwerte zwischen 12 und 19 Grad, bei längerem Regen unter 10 Grad.

Italien:
Wechselhaftes Schauerwetter und einzelne Gewitter. Dazwischen auch gelegentlich etwas Sonne. Überwiegend trocken und am meisten Sonne zwischen der Poebene und den Abruzzen. Maximal 12 bis 20 Grad.

Alpenraum:
Am Samstag überwiegend bedeckt und zeitweilige Niederschläge, teils auch länger anhaltend, Schneefallgrenze um 1000 m. Am Sonntag langsam ostwärts bzw. südostwärts zurückziehende Niederschläge. In der Schweiz deutlich auflockernde Bewölkung und zunehmend sonnig. Am Montag freundlich, später von Westen mehr Wolken, trocken. Höchstwerte in Tallagen zunächst 3 bis 10 Grad, am Montag auf 11 bis 18 Grad ansteigend. In höheren Lagen zunächst leichter Frost, zum Montag auch dort häufiger frostfrei.

Alles in allem ist das Osterfest in vielen Teilen Europas eher leicht wechselhaft und das Temperaturniveau ist gedämpft. In manchen Hochlagen können die Ostereier sogar im Schnee versteckt werden. Etwas anders stellt sich das Temperaturniveau auf der Iberischen Halbinsel dar. Dort klopft bereits der Frühsommer an.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Löcher in der Luft?

Aktuell laufen in den meisten Bundesländern die Osterferien. Dies macht sich auch in der Tourismusbranche bemerkbar, es zieht die Leute raus aus den eigenen vier Wänden. Um möglichst schnell zum Urlaubsort zu gelangen, bietet sich – je nach Entfernung – eine Flugreise an. Bereits beim Start der großen Metallkiste stellt sich dann dieses aufregende Gefühl ein, wenn die Maschine das Rollfeld entlang rollt, die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung auf das Ende der Startbahn zurast und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die Adern. Der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten verspürt man allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. Das kann jedoch täuschen.

Die meisten Flugreisenden werden es schon erlebt haben. Aber nicht nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagt es einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im allgemeinen Volksmund als „Luftloch“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um Turbulenzen. Diese sorgen für ein schnelles Auf- oder Absteigen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Die schweren Metallkolosse sind konstruiert, um den auf sie einwirkenden Kräften standzuhalten. Aber wodurch treten solche Turbulenzen in der Luft auf?

In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit (diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 km beispielsweise über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die sie samt Passagieren gründlich durchschütteln.

Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei fehlender Luftfeuchtigkeit beispielsweise können Aufwinde auch ohne sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem Fall spricht man von „Blauthermik“. Treffen Luftmassen mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder –richtungen in größeren Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen Augen nicht erkennbar sind.

Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch kommt es zu einem erzwungenen Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden.

Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen oder Fronten, also dort, wo warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinandertreffen. Heute liegt ein schwacher Tiefausläufer (also eine Front) über Benelux und Frankreich und beeinflusst zunehmend auch die Westhälfte Deutschlands. Allerdings sind die Luftmassenunterschiede vorder- und rückseitig dieser Front nicht allzu groß und die Höhenwinde nicht allzu stark, weswegen sich auch die Turbulenz im Bereich der Front in Grenzen hält.

Der Deutsche Wetterdienst unterstützt die Luftfahrt grundsätzlich mit vielen meteorologischen Informationen, auch mit Turbulenzvorhersagen, mit Wetterbeobachtungen im Luftraum und an Flugplätzen sowie mit Warnungen vor diversen Wettererscheinungen. Diese können über Briefingsysteme oder die FlugWetter-App abgerufen werden. Darüber hinaus werden verschiedene Dienstleitungen wie zum Beispiel die individuelle Flugwetterberatung oder Flugwetterseminare angeboten.

M.Sc.Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2023
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Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis

Nachdem wir uns vergangene Woche der südlichen Polregion – genauer gesagt dem neuerlichen Rekordminimum in der saisonalen sommerlichen antarktischen Meereisbedeckung – gewidmet haben (siehe auch Thema des Tages vom 30.03.2023), machen wir heute einen dazu konträren Ausflug in die Nordpolarregion. Die Arktis ist umgeben von den Landmassen Eurasiens, Nordamerikas und Grönlands und bildet den kleinsten und kältesten Ozean der Erde. Während in der Antarktis im Februar die Schmelzsaison ihr saisonales Ende fand, ging etwa Anfang März, kurz vor Ende der Polarnacht, in der Arktis die Gefriersaison zur Neige und die maximale Meereisausdehnung wurde erreicht.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis

Im Februar lag das tägliche Meereiswachstum im Laufe des Monats in etwa im langjährigen Durchschnitt. Der Monatsbeginn war von Perioden mit einer schnellen Zunahme geprägt. Ab der Monatsmitte waren die Veränderungen jedoch nur noch geringer Natur. Für die Jahreszeit ist dies allerdings nicht ungewöhnlich, da sich das Eiswachstum generell verlangsamt und der Eisrand anfällig für Winde ist, die die Eisdecke entweder zusammendrücken oder ausdehnen. Insgesamt betrug im Februar die durchschnittliche arktische Meereisaudehnung nach den Berechnungen des Meereisportals 14,31 Mio. km² (siehe Abbildung 1), was dem siebtniedrigsten Wert seit dem Beginn der Satellitenaufzeichnungen von 1979 entspricht. Das National Snow and Ice Data Center (NSIDC) ermittelte bei einer leicht abweichenden Daten- und Berechnungsgrundlage eine mittlere Flächenausdehnung von etwa 14,18 Mio. km², der sich als drittniedrigster Februarwert in den dortigen Aufzeichnungen einsortiert.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 1

Die mittlere Meereisausdehnung der Monate Februar und März (hier nicht gezeigt) weist einen langjährigen negativen Flächenverlust von 2,3 % pro Jahrzehnt aus (Abbildung 2). Seit Beginn der Satellitenerfassung 1979 hat die Februarausdehnung etwas mehr als 1,7 bis 1,86 Mio. km² eingebüßt, was in etwa der fünffachen Fläche Deutschlands entspricht.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 2

Das winterliche Maximum der Eisbedeckung in der Arktis wurde schließlich nach den Auswertungen der täglichen Satellitenaufnahmen vom Meereisportal auf den 5. März 2023 (6. März – NSIDC) datiert und erreichte einen Wert von 14,79 Mio. km2 (14,62 Mio. km2 – NSIDC). Nach dem 5. März folgte merklich der Übergang in die Schmelzsaison in der Arktis mit einem kontinuierlichen Rückgang der Ausdehnung an den Eisrändern (siehe Abbildung 3 und Abbildung 4). Regional blieb die Ausdehnung vor allem in der Barentssee, aber auch dem Ochotskischen Meer, der nördlichen Labradorsee und dem St.-Lorenz-Golf (in Abbildung 1 und 3 nicht mehr abgebildet) unter dem langjährigen Durchschnitt. In der Beringsee hingegen vielen die Defizite nicht ganz so stark aus wie in einigen anderen Jahren.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 3

In den letzten Jahren hat die geringe Meereisausdehnung in der Barents- und Karasee den insgesamt negativen Trend beim winterlichen arktischen Meereis verstärkt. Im Februar half auch eine ausgeprägte Druckkonstellation dabei diesen negativen Trend zu unterstützen. So zeichnete sich das Muster der Druckanomalien auf Meeresspiegelniveau im Februar durch besonders niedrigen Druck über Svalbard in Verbindung mit hohem Druck über dem zentralen Arktischen Ozean und Sibirien aus (siehe Abbildung 5). Dies entspricht einer stark positiven Phase der Arktischen Oszillation, einem großräumigen Modus der arktischen Klimavariabilität. Die Kombination aus Tiefdruck über Spitzbergen und Hochdruck über dem zentralen Arktischen Ozean trug dazu bei, dass relativ warme Luft aus dem Süden über den Nordatlantik in die Barentssee gelangte, wohingegen kalte arktische Luft in Richtung Beringsee vorstoßen konnte.

DWD Bilanz des winterlichen Meereismaximums in der Arktis 5

In diesem Zusammenhang befasst sich auch eine neue Studie mit der Rolle der atmosphärischen Flüsse als Beitrag zu diesem Prozess. Atmosphärische Flüsse bringen warme, feuchte Luft aus den Tropen und Subtropen heran und können für stärkere Regenfälle sorgen (mehr dazu auch im Thema des Tages vom 11.01.2023). Zudem erhöht die damit einhergehende Bewölkung die zur Oberfläche gerichtete langwellige Strahlung, die eine zusätzliche Erwärmung bewirkt. Beide Prozesse können somit zur Meereisschmelze beitragen. Der Studie zufolge gelangen mehr atmosphärische Flüsse in die eurasische Arktis als früher, was zu einer geringeren Eisbildung oder zum Schmelzen des dünnen Eises in den Monaten November bis Januar führt.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Tornado-Outbreaks in den USA

Zahlreiche Tornados sorgten am vergangenen Freitag und in der Nacht zum Samstag in Teilen des Südens und Mittleren Westens der USA für Verwüstungen, viele Verletzte und leider auch 26 Tote. Besonders betroffen davon waren ein Bereich von Iowa über Illinois bis Indiana und ein weiterer von Arkansas über den Norden Mississippis und den Südwesten Tennessees bis in den Norden Alabamas.

DWD Tornado Outbreaks in den USA

Insgesamt gingen 116 Tornadomeldungen beim Storm Prediction Center (SPC) des US-Wetterdienstes ein, wobei die tatsächliche Anzahl durch Mehrfachsichtungen ein- und desselben Tornados etwas niedriger liegt. Tatsächlich geht man derzeit von mindestens 104 Tornados aus. Zehn davon wurden dabei aufgrund der aufgetretenen Schäden der Kategorie EF3 zugeordnet, was einem Windgeschwindigkeitskorridor zwischen 218 und 266 km/h entspricht (Rotationsgeschwindigkeit wohlgemerkt). Ein Tornado, der über dem Südosten Iowas eine Schneise der Verwüstung hinterließ, wurde sogar als „schwacher“ EF4 klassifiziert. Er existierte eine Stunde lang und legte dabei bemerkenswerterweise knapp 70 km zurück. Abbildung 1 zeigt die beim SPC eingegangenen Tornadomeldungen als rote Punkte markiert (in blau Sturm- und Orkanböen, in grün Hagel).

Wie kam es zu diesem Outbreak (deutsch: Ausbruch)? Am Donnerstag (30.04.) entwickelte sich am Ostrand der Rocky Mountains (etwa über Colorado) ein Tief, das sich rasch zum Sturmtief mauserte und ost-nordostwärts Richtung Große Seen zog. Auf seiner Ostflanke wurde sehr feuchte und instabile Luft vom Golf von Mexiko bis weit in den Mittleren Westen der USA transportiert. Ein weiteres, in höheren Luftschichten vorhandenes Tief verlagerte sich gleichzeitig von den Rockies ostwärts. Es lieferte den nötigen Impuls zur Hebung dieser energiegeladenen Luftmasse, was die Entstehung kräftiger Gewitter zur Folge hatte. Aufgrund der zusätzlich starken Windscherung (Drehung und Zunahme der Windgeschwindigkeit mit der Höhe) konnten sich diese schnell zu Superzellen organisieren, die diese Vielzahl an Tornados hervorbrachten.

Das SPC lieferte bereits am 26.03. erste Hinweise, dass es zum Monatswechsel in einem Bereich zwischen Iowa und Illinois im Norden und Osttexas und Nordlouisiana im Süden ordentlich zur Sache gehen könnte. Am 29.04. gab das SPC ein Enhanced Risk, also ein erhöhtes Unwetterrisiko für die gefährdeten Regionen heraus (Gefahrenstufe 3 von 5), was am nächsten Tag in zwei Bereichen auf ein Moderate Risk erhöht wurde (Stufe 4 von 5). Am Tag des Ausbruchs stufte das SPC die Tornadogefahr insgesamt noch etwas größer ein als zuvor, was in einem großflächigen Moderate Risk und in zwei kleinen Bereichen sogar in einem High Risk (Stufe 5 von 5) mündete. Vergleicht man die prognostizierten Gefährdungsbereiche mit den eingegangen Unwettermeldungen, so stimmen beide Regionen ziemlich gut miteinander überein. Mehr oder weniger ein Volltreffer!

DWD Tornado Outbreaks in den USA

DWD Tornado Outbreaks in den USA 1

Ein Blick in die Klimatologie zeigt, dass Tornados im März in den betroffenen Regionen durchaus keine Seltenheit sind (Abbildungen 3 und 4). Im langjährigen Mittel (1997 bis 2021) kommt es dort zu etwa drei bis fünf Tornados pro Staat. Im April sind es dann bereits sieben bis 14 Stück. Dass sich Einzelereignisse aber grundlegend vom Mittel unterscheiden können, zeigte dieser Ausbruch eindrucksvoll. Im US-Mittel treten im März 84, im April 187 Tornados auf. Der vergangene Ausbruch zählte, wie bereits geschrieben, mindestens 104 Tornados und liegt damit also deutlich über dem Märzmittel.

DWD Tornado Outbreaks in den USA 2

DWD Tornado Outbreaks in den USA 1

Und am heutigen Dienstag droht bereits der nächste Tornadoausbruch. Das SPC gab vor allem in einem Streifen von Arkansas bis nach Iowa und Illinois ein Enhanced Risk und für zwei kleine Bereiche von Südost-Iowa bis nach Nordwest-Illinois sowie von West-Arkansas bis nach Süd- Missouri ein Moderate Risk aus (siehe Abbildung 5). Erinnerungen werden wach, denn damit stehen fast dieselben Regionen wie wenige Tage zuvor im Fokus. Bleibt zu hoffen, dass es dieses Mal bei rein materiellen Schäden bleibt oder zumindest keine Todesopfer zu beklagen sind.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.04.2023
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Das Wetter zu Ostern

Es ist wieder soweit; Ostern steht vor der Tür. Für viele bedeutet das ein verlängertes Wochenende mit vielen freien Tagen und Zeit für Familie, Hobbies, Ausflügen oder sogar einen Kurzurlaub. Bei der Planung für bestimmte Aktivitäten spielt das Wetter eine wichtige Rolle. Und natürlich dürfen wir den Osterhasen nicht vergessen. Ob dieser am besten mit Gummistiefeln, Winterjacke oder Sonnenbrille durch die Gegend hoppelt, kommt auf das Wetter drauf an.
Das Wetter am Gründonnerstag gestaltet sich erst mal freundlich. Es ist meist gering bewölkt, in den Frühstunden allerdings noch recht frisch mit Temperaturen zwischen +1 und -8 Grad. Die Tageshöchstwerte klettern auf 8 bis 14 Grad. In die Westhälfte zieht bis zum Abend eine Warmfront mit vielen Wolken und etwas Regen auf.

DWD Das Wetter zu Ostern

Am Karfreitag, dem Start ins lange Wochenende, weitet sich die Warmfront auch auf den Süden Deutschlands aus. Es fällt immer wieder etwas Regen, im Bergland geht der Niederschlag in Schnee über. Gleichzeitig breitet sich auch von Osten dichte Bewölkung mit etwas Regen aus. Sonnig wird es dann vor allem noch in einem Streifen von der Nordsee über das Erzgebirge bis in den Bayerischen Wald. Ideal also für einen Ausflug auf den Fichtelberg oder einen Strandspaziergang auf Sylt.

Der Karsamstag ist der unbeständigste Tag des Wochenendes und damit ideal um noch die letzten Eier zu bemalen. Vor allem in der Osthälfte bleibt es ganztags stark bewölkt und gebietsweise regnet es leicht. Aber auch im Westen lässt sich die Sonne nur zeitweise blicken. Bei den Höchstwerten tut sich bis Samstag kaum etwas. Sie liegen weiterhin bei 8 bis 15 Grad. Allerdings lässt die Gefahr von Nachtfrost nach.

DWD Das Wetter zu Ostern

Am Ostersonntag ist auch eher ein bewölkter Himmel vorherrschend. Die Sonne zeigt sich nur in kurzen aufgelockerten Abschnitten. Hier und da fällt etwas Regen. Große Niederschlagsmengen kommen aber über den gesamten Zeitraum nicht zusammen. Bei schwachen Ostwinden braucht man auch keine Angst haben, dass die Ostereier weggeweht werden.
Am Ostermontag gehen die Prognosemodelle schon etwas auseinander, was die Vorhersage noch unsicher macht. Aktuell sieht der Montag sehr freundlich aus. Niederschlag fällt kaum noch und die Sonne scheint auch regional etwas länger, vor allem im Südwesten. Die Luft erwärmt sich leicht und die Temperaturen erreichen im Maximum Werte zwischen 12 und 18 Grad.

DWD Das Wetter zu Ostern 1

Zusammengefasst gestaltet sich das Wetter über Ostern sehr ruhig, beschaulich, ohne großes Aufsehen. Es wird nicht heiß, nicht besonders kalt. Es steht kein Sturm vor der Tür. Man muss die Ostereier auch nicht im Nebel suchen, was noch eine größere Herausforderung darstellen würde. Es wird in weiten Teilen mehr Wolken als Sonne geben und gebiets- und zeitweise auch etwas Regen.
Bei unseren Kollegen Julia Wenzel und Andreas Raeke an Bord von FS Polarstern darf der Osterhase seine Sonnenbrille nicht vergessen. Der Forschungseisbrecher befindet sich gerade auf dem Weg zurück von der Antarktis-Expedition in den Heimathafen Bremerhaven. An Ostern wird das Schiff vor der Küste Portugals in Richtung Nordosten schippern. Dort sind nur lockere Wolkenfelder oder sogar ein wolkenfreier Himmel zu erwarten.
An einem weiteren exotischen Ort befinden sich die Kollegen Patrick Suter und Frank Otte über Ostern. Sie sind auf FS Meteor unterwegs im Südatlantik auf Höhe Südafrikas. Für die Arbeiten an Bord ist natürlich auch der Seegang ausschlaggebend. Bei einer signifikanten Wellenhöhe von etwa 2 bis 3 Metern über die Feiertage wird es wohl ein sehr arbeitsreiches Ostern für die Wissenschaftler an Bord werden.
Nachdem der Osterhase jetzt weiß, was er über die Feiertage auch an etwas entlegeneren Orten zu erwarten hat, steht einem schönen Fest nichts mehr entgegen. Und für die, die lieber schon sommerliche Temperaturen und Sonnenschein herbeisehnen sei gesagt: bei kühlerem Wetter schmilzt zumindest der Schoko-Hase nicht.

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.04.2023
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