Deutschlandwetter im März 2023

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im März 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Freiburg Baden-Württemberg 8,8 °C +3,4 Grad
2 Lahr Baden-Württemberg 8,7 °C +2,3 Grad
3 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 8,5 °C +3,1 Grad

Besonders kalte Orte im März 2023*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 1,3 °C +2,3 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 1,4 °C +2,2 Grad
3 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 1,6 °C +1,7 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Sankt Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 294,1 l/m² 178 %
2 Dachsberg-Wolpadingen Baden-Württemberg 276,3 l/m² 207 %
3 Grebenhain Hessen 261,2 l/m² 275 %

Besonders trockene Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Taufkirchen/Vils-Baum Bayern 25,5 l/m² 43 %
2 Pfarrkirchen Bayern 26,2 l/m² 48 %
3 Heldenstein-Weidenbach Bayern 26,3 l/m² 53 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenschein
1 München-Flughafen Bayern 141 Stunden 110 %
2 Dillingen-Fristingen a. d. Donau Bayern 141 Stunden 136 %
3 Renningen-Ihinger Hof Baden-Württemberg 137 Stunden 116 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im März 2023**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Bad Lippspringe Nordrhein-Westfalen 70 Stunden 67 %
2 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 72 Stunden 77 %
3 Hannover-Langenhagen Niedersachsen 73 Stunden 69 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

„El Clásico“, allerdings nicht beim Wetter

„April, April, der weiß nicht, was er will“ lautet eine allgemein bekannte Aussage zum klassischen Aprilwetter. So ähnlich erging es auch der Autorin bei der Frage, über welches Thema sich heute am besten schreiben ließe.

Der März und damit bereits ein Viertel des Jahres ist vorüber. Dass es mit über 90 Litern pro Quadratmetern und damit fast 60 Prozent mehr als im Schnitt der nasseste März in Deutschland seit gut 20 Jahren war, wurde zusammen mit weiteren Auswertungen zum Monat März bereits in einer Pressemitteilung vor zwei Tagen erläutert. Die bundesweiten Spitzenreiter bezüglich Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer folgen zeitnah an dieser Stelle. Das Thema „Beschreiben und Einordnen des Monats März“ erschien somit quasi abgearbeitet, auch wenn dies so natürlich nicht unbedingt zutreffend ist.

Wenn der März seit gestern Vergangenheit ist, heißt das folgerichtig, dass heute der 01. April sein muss. Klassischerweise wird man heute in den April geschickt. Da sich aber die Kollegin bereits einen vorgezogenen und sehr unterhaltsamen Aprilscherz erlaubt hat (Thema des Tages vom 31.03.2023), wäre es sicherlich zu viel des Guten, sich noch einen Aprilscherz zu erlauben. Auch wenn die Ideen hierfür vielfältig wären. Wie beispielsweise die Schlagzeile „Badewetter an der Ostsee“. Das Wetter an der Ostsee lädt heute zwar zu vielem ein (vor allem drinnen), aber sicherlich nicht zum Baden in der Ostsee. Höchsttemperaturen von bis zu 6 Grad und stürmischer Nordostwind lassen den Aufenthalt draußen alles andere als angenehm erscheinen. Zu irgendwelchen „ketzerischen“ Aussagen zum Osterwetter sollte man sich an dieser Stelle besser auch noch nicht hinreißen lassen, um die Grenzen der Seriosität nicht zu überschreiten. Für alle Leserinnen und Leser, die sich dafür interessieren, woher der Brauch, jemanden in den April zu schicken, stammt, sei das Thema des Tages vom 01.04.2020 zu empfehlen.

Wie oben eingeleitet, ließe es sich sicherlich auch sehr gut über klassisches Aprilwetter schreiben. Die Ursachen für das „Bilderbuch-Aprilwetter“ wurde an dieser Stelle bereits das ein oder andere Mal erklärt (Thema des Tages vom 06.04.2021). Das Wetter am heutigen Tag lässt allerdings eher einen Tag im Spätherbst vermuten als einen 01. April. Das klassische „Streuselkuchen-Wetter“, wie es mit seinen Schauern (und Gewittern) und sonnigen Abschnitten für einen Bilderbuch-Apriltag üblich ist, tritt heute so nicht auf. Da waren die letzten Märztage „mehr April“, als es der heutige 01. April ist. Der Süden hat es im wahrsten Sinne des Wortes mit einer feuchtmilden Luftmasse zu tun, denn es regnet nicht nur teilweise lang anhaltend, sondern teils auch kräftig. Für die Staulagen der südlichen Mittelgebirge laufen daher Warnungen vor Dauerregen bis morgen früh. Nimmt man noch den teils stürmischen Südwestwind und den meist wolkenverhangenen Himmel hinzu, bleibt einem fast nur eine Beschäftigung in trockenen und windgeschützten Bereichen, bestenfalls im gemütlichen Zuhause. Allmählich stellt sich die Wetterlage von Norden her um, indem kältere Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland gelangen, was heute im Nordosten bereits spürbar ist. Am morgigen Sonntag ziehen sich die Niederschläge im Tagesverlauf allmählich Richtung Süden zurück. Da die Schneefallgrenze im Tagesverlauf sinkt, können in den Alpen ein paar Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Ansonsten wird es im Süden bei regnerischem (Schauer-)Wetter eher ungemütlich. In der Nordwesthälfte wird es häufig sonnig und trocken, wobei der böige Nordostwind nicht zu vernachlässigen ist.

Nachdem nun über so manches Thema philosophiert, das meiste aber nur umrissen wurde, sollte an dieser Stelle dann doch noch etwas „Besonderes“ thematisiert werden, um zumindest die Autorin halbwegs zufriedenzustellen. Da die Begeisterung für den König Fußball auch nicht fernliegt und heute Abend um 18:30 Uhr der deutsche „El Clásico“ zwischen dem FC Bayern München und der Borussia aus Dortmund angepfiffen wird, war das „Besondere“ gefunden. Man verknüpfe einfach die verschiedenen Bundesliga-Spiele mit der aktuellen Wetterlage.

Um möglichst keinen Fan eines Bundesligavereins auszugrenzen, wird kurz auf das Gastspiel Bochums bei der Frankfurter Eintracht gestern Abend eingegangen. Bei 10 Grad und etwas Regen kam der Gastgeber trotz zahlreicher Chancen nicht über ein 1:1 am Ende hinaus.

Der Gang zu Union Berlin dürfte allen, deren Herz für den VfB..Verein für Bewegungsspiele Stuttgart schlägt, leider unschön in Erinnerung geblieben sein, als man in der Bundesliga-Relegation 2019 gegen die Eisernen antreten musste und aufgrund der Auswärtstorregelung leider für ein Jahr die Bundesliga verlassen musste. Ein paar Jahre später kann nun neidlos anerkannt werden, dass der Aufstieg der Köpenicker durchaus verdient war, was schon allein anhand der Entwicklung in den letzten Jahren erkennbar ist. Stuttgart hat aktuell jeden Punkt bitternötig, allerdings gibt es vermeintlich einfachere Aufgaben als ein Gastspiel bei Union Berlin. Bei wenig Sonne, etwas Regen, 9 Grad und kaltem Nordostwind wird es nicht gerade einfacher.

Ähnliches gilt für das Wetter in Leipzig, wenn Mainz 05 zu Gast ist, auch wenn die Temperaturen „immerhin“ bei um die 12 Grad liegen. Auch Wolfsburg gegen Augsburg findet bei vergleichbarem Wetter statt.

Zum Wetter auf Schalke kann nichts Alternatives formuliert werden, außer dass der Wind aus Südwesten weht, aber das war es dann auch schon. Ob Schalke seinem Namen wie im Hinspiel gerecht wird und das Spiel 0:4 endet, bleibt bis spätestens kurz nach 17:15 Uhr abzuwarten.

Bleibt für heute Nachmittag noch das Gastspiel der Hertha beim SC Freiburg. Für die Region laufen zwar Warnungen vor Dauerregen, wobei die Stadt Freiburg zwar Regen abbekommt, aber nicht in dem Maße, wie es beispielsweise auf den Hochschwarzwald zutrifft. Zudem frischt der Südwestwind stark böig auf. Immerhin 12 Grad lassen das Ganze nicht vielversprechend erscheinen, aber wer weiß, vielleicht macht das Spiel alles wieder wett.

Wäre da noch das Topspiel für heute Abend: Der deutsche „El Clásico“. Was wurde und wird vermutlich auch wieder über dieses Spiel geschrieben. Da geht es in den Zeitungen und Talksendungen manchmal ähnlich turbulent zu wie beim Wetter. Regen, stark böiger Südwestwind und einstellige Temperaturwerte lassen das Spiel (hoffentlich) nicht so hitzig werden, wie es andere Faktoren sicherlich tun werden.

DWD El Clasico allerdings nicht beim Wetter

Morgen folgt dann noch unter anderem das rheinische Derby der Kölner Geißböcke gegen Gladbach. Das Fell von Hennes ist hoffentlich dicht gewachsen. Zwar ist der Regen zu Spielbeginn allmählich südwärts abgezogen und die Sonne lugt etwas durch die Wolken, aber bei böigem Nordostwind können sich auch 10 Grad kühl anfühlen.

Des Weiteren hat Bundesliga-Rückkehrer und Nordlicht Werder Bremen die TSG Hoffenheim im letzten Spiel des Bundesliga-Wochenendes zu Gast. Bei viel Sonnenschein durchaus annehmbar, allerdings sprechen 9 Grad und böiger Nordostwind nicht gerade für T-Shirt-Wetter.

DWD El Clasico allerdings nicht beim Wetter 1

Dann bleibt der Autorin nichts mehr übrig, als viel Spaß beim Schauen der Spiele zu wünschen, sei es bei einem mal mehr, mal weniger feuchtfröhlichen Stadionbesuch oder vor dem heimischen Fernseher.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.04.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung

Im Thema des Tages vom 04.01.2023 berichteten wir bereits, dass die antarktische Meereisbedeckung im Dezember 2022 einen außergewöhnlich starken sommerlichen Rückgang verzeichnete und ein Rekordminimum für den Monat Dezember konstatiert werden konnte. Mit dieser großen negativen Anomalie stellten sich die konkreten Fragen: „Wie wird sich das antarktische Meereis noch bis zum Ende des Südsommers entwickeln?“ und „Wird ein neuer Negativrekord erreicht?“ – Auf diese Fragen wollen wir nun Antworten liefern.

Etwa Mitte Februar erreicht die antarktische Meereisausdehnung in der Regel ihr saisonales Minimum. Bereits in der ersten Monatsdekade wurde am 08.02.2023 das Rekordminimum (siehe auch Thema des Tages vom 14.03.2022 ) aus dem letzten Jahr unterschritten, sodass für den diesjährigen Südsommer ein neues Allzeittief unumgänglich war. Die neue absolute Minimummarke wurde laut den ausgewerteten Satellitendaten des Meereisportals am 19.02.2023 mit einer Meereisausdehnung von nur 2,01 Mio. km² ermittelt (siehe Abbildung 1). Auch das europäische Ocean and Sea Ice Satellite Application Facilities (OSI-SAF) und das amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) werteten mit eigenen etwas abweichenden Berechnungsalgorithmen die Meereiskonzentration aus. OSI-SAF ermittelte ein Minimum von 2,06 Mio. km² (16.02.), während NSIDC einen noch geringeren Wert von 1,79 Mio. km² (21.02.) bestimmte.

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung

Die nachfolgenden Angaben beziehen sich auf die vom Meereisportal ermittelten Absolutwerte. Auf jeden Fall lässt sich konstatieren, dass das neue Allzeittief das bisherigen Rekordminimum um eine zusätzlich verschwundene Eisfläche von ca. 260.000 km² unterschritt. Diese zusätzlich geschmolzene Fläche entspricht rund Dreiviertel des deutschen Bundesgebietes oder etwas mehr als der Größe des Vereinigten Königreiches.

Wie bereits im Dezember festgehalten, war die sommerliche Eisschmelze vor allem im Amundsenmeer und der Bellingshausensee besonders stark. Diese Meeresgebiete entlang der Westantarktis waren praktisch eisfrei. Auch im angrenzenden Ross- und Weddellmeer ist auffallend wenig Meereis im Vergleich zum Vorjahr registriert worden. Die erhöhten Schmelzraten in diesen Regionen lassen sich auf eine Kombination von zwei entscheidenden Bedingungen zurückführen. Zum einen wurde in weiten Teilen der Antarktis eine überdurchschnittlich hohe Lufttemperatur verzeichnet, die bis zu 2 Grad über dem Langzeitmittel lag. Zugleich wirkte auch in vielen Bereichen eine überdurchschnittlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die bis zu 1,5 Grad über langjährigem Mittel lag, auf die Meereisbedeckung ein.

Bemerkenswert ist auch, dass an insgesamt 23 von 28 Februartagen die Meereisausdehnung das letztjährige Rekordminimum unterschritt. Es verwundert daher nicht, dass auch der Monatsmittelwert im Februar mit 2,15 Mio. km² einen neuen Tiefstwert aufstellte. Im Vergleich mit dem Langzeitmittel 1981-2010 (3,1 Mio. km²) wurde somit 30 % weniger Meereis in den die Antarktis umgebenden Meeren registriert. Die starke sommerliche Eisschmelze ist jedoch kein Einzelfall mehr. Einschließlich des diesjährigen Februars liegt die mittlere Eisbedeckung im Monat Februar nun das achte Jahr in Folge (seit 2016) unterhalb des Langzeitmittels. Eine Entwicklung die in der 44-jährigen kontinuierlichen Satellitenbeobachtung der Meereisausdehnung einmalig ist. Insgesamt hat sich dadurch nun ein leicht negativer Trend für den Monat Februar ergeben, auch wenn dieser statistisch noch nicht signifikant ist (siehe Abbildung 2).

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung 1

Nach dem Durchschreiten des Minimums treten die antarktischen Meereisregionen in der Regel in der zweiten Februarhälfte wieder in die Gefriersaison über. Seit der dritten Februardekade nimmt die Meereisausdehnung nun wieder kontinuierlich zu und hat inzwischen wieder eine Fläche von 4,19 Mio. km² erreicht (siehe Abbildung 3).

DWD Neues Allzeittief der antarktischen Meereisausdehnung 2

Während sich in der Antarktis die Polarnacht wieder einstellt, endete in der geografisch entgegengesetzten Arktis etwa Mitte März die Gefriersaison mit dem winterlichen Meereismaximum. Eine Auswertung der saisonalen maximalen Meereisausdehnung folgt in Kürze in einem weiteren Thema des Tages.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetterdienst stellt tierische Wetterpropheten ein

Einige Wetterlagen haben für uns Prognostiker so ihre Tücken: Eine Westwetterlage, wie sie auch aktuell herrscht, kommt zum Beispiel häufig mit Niederschlag und Wind daher. Die groben Abläufe sind dann meist klar, aber ob in den Mittelgebirgen tatsächlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden zusammenkommen oder ob die Mengen doch unterhalb der Warnschwelle verbleiben, ist manchmal im Vorfeld nicht genau absehbar. Genauso kann einem zäher Nebel bei einer winterlichen Hochdruckwetterlage die vorhergesagte Sonnenscheindauer vermiesen oder den Gewittern im Sommer geht doch früher die Puste aus als angenommen.

Solch Fehlvorhersagen ärgern uns Meteorologinnen und Meteorologen natürlich oft selbst am meisten. Vermehrt bekommen wir in diesen Fällen aber auch Kritik von außen. Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert mit Hochleistungsrechnern und Supercomputern immer noch keine verlässliche Prognose möglich ist? Wieso werden Steuergelder für Vorhersage-Meteorologen ausgegeben, wenn die Wettervorhersage von der Handy-App doch mindestens genauso gut ist?

Diese Kritik ging auch am Bundesministerium für Digitales und Verkehr, dem der Deutsche Wetterdienst als oberste Bundesbehörde unterstellt ist, nicht spurlos vorüber. Sparmaßnahmen erfordern, dass Personalkosten gespart und der aufgeblähte Beamtenapparat verschlankt werden soll. Da lag der Gedanke nahe, dass dutzende Stellen von höheren und gehobenen Diensten in der Wettervorhersage eingespart werden könnten. Doch vollkommen ersatzlos soll dieser Abbau nicht vonstattengehen. Vielmehr soll der Wetterpark in Offenbach in einen Wettertierpark umgewandelt werden, in dem bis zu hundert tierische Wetterpropheten Platz finden sollen. Mithilfe von Schwalben, Fröschen, Murmeltieren oder Grillen soll dann ab 2024 das aktuelle Wetter bestimmt, sowie die Vorhersage für die nächsten Tage erstellt werden. Quaken die Frösche zum Beispiel besonders laut, kündigt das Regen an. Zeigen sie einen ausgeprägten Klettertrieb, wird das Wetter sonnig. Für die Temperaturmessungen werden extra einige Grillen aus den USA importiert. Die „Oecanthus fultoni“, auch Thermometergrille bezeichnet, hat eine Zirp-Frequenz, die proportional zur Temperatur ist: Zählt man 13 Sekunden lang, wie oft die Grille zirpt und addiert zu dieser Zahl 40, erhält man die aktuelle Lufttemperatur in Grad Fahrenheit (Dolbearsches Gesetz). Wer braucht da noch teure Messgeräte?

Ganz auf die Meteorologen zu verzichten ist allerdings nicht Plan der Sache, schließlich sollen sie stichprobenweise noch die Ergebnisse von Computermodellen zum Vergleich auswerten, um 2025 ein erstes Fazit zu ziehen. Und vielleicht können sie perspektivisch ja sogar einige Eigenschaften der tierischen Kollegen adaptieren? Insgesamt rechnet das Verkehrsministerium bei diesem Vorhaben, das beispiellos im europäischen Raum ist und zu einem „Leuchtturmprojekt“ werden könnte, mit einem Einsparpotenzial von rund 70 Prozent. Zehn Murmeltiere für einen Meteorologen – und das bei deutlich geringeren Futterkosten im Vergleich zu den Personal- und Pensionskosten. Ein gutes Startpolster, um die geplanten 144 Autobahnprojekte zu realisieren.

Aber noch eine weitere Aufgabe bleibt uns Meteorologinnen und Meteorologen in Zukunft erhalten: Die Unwetterclips, die auf Facebook, Twitter und in der WarnWetter-App veröffentlicht werden, sollen auch weiterhin ihren Weg ins Netz finden, solange es noch Unschärfen bei der Verständigung gibt. Allerdings mit einer Neuerung: Statt mit Hemd oder Bluse vor die Kamera zu treten, sollen wir ins Murmeltier- oder Froschkostüm schlüpfen – für eine möglichst authentische Vorhersage.

Zum Abschluss an dieser Stelle noch ein Aufruf: Sollten Sie tierische Wetterpropheten abzugeben haben, die sich bereits in unterschiedlichen Wetterlagen bewährt haben, schreiben Sie uns gern mit Foto, Lebenslauf und der gewünschten Ablösesumme an tdt@dwd.de unter dem Stichwort „vorgezogener Aprilscherz 2023“.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wochenteiler

Der heutige Mittwoch ist geprägt von allmählich schwindendem Hochdruckeinfluss. Hoch LILIOSA verlagert sich allmählich in den Mittelmeerraum und die Adria. Über dem Nordatlantik liegt ein umfangreiches Tiefdruckgebiet. Seine Ausläufer dringen heute schon zu uns vor und sorgen zeitweise für feuchtes Wetter. Zwischen beiden Druckgebilden fließt aus Südwesten aber milde Luft ins Land, sodass trotz vieler Wolken und ab und zu etwas Regen das Wetter insgesamt noch „freundlich“ erscheint.

DWD Wochenteiler

Aus dem Tief über dem Nordatlantik bildet sich ein Randtief. Es zieht am Donnerstag von England Richtung Dänemark. Das zugehörige Frontensystem, bestehend aus Warm- und Kaltfront, zieht bereits in der Nacht bzw. am Donnerstagvormittag ostwärts über Deutschland hinweg. Es bringt dichte Wolken und verbreitet Regen. Auf der Rückseite der Kaltfront kommt es im Tagesverlauf zu Schauern und auch Gewittern, die mitunter kräftiger ausfallen können.

DWD Wochenteiler 1

Da sich in der Höhe ein recht kräftiges Windfeld über Deutschland befindet, können vor allem in Schauer- und Gewitternähe sowie in den Berglagen stürmischen Böen oder Sturmböen auftreten. In den Niederungen bleibt es abseits der konvektiven Ereignisse überwiegend bei Böen zwischen 50 und 60 km/h und damit Stufe 7 auf der Beaufortskala.

DWD Wochenteiler 2

In der Nacht zum Freitag beruhigt sich die Lage vorübergehend. Der Druckgradient fächert etwas auf, der Wind lässt nach und auch die Schauer und Gewitter ebben ab. Aber im Laufe des Tages macht sich von England ein neues Tiefdruckgebiet auf in Richtung Deutschland. Seine Front überquert uns im Tagesverlauf ostwärts.

DWD Wochenteiler 3

Das Tief wird voraussichtlich in der Nacht zum Samstag den Nordwesten des Landes erreichen. Auf der Vorderseite des Tiefs strömt am Freitag milde, aber sehr feuchte Meeresluft nach Deutschland, die für teils kräftige und schauerartig verstärke Regenfälle sorgt. Auch Gewitter sind möglich. Das Höhenwindfeld umfasst tagsüber Windstärken von 70 bis 100 km/h, in der Nacht zieht das Hauptwindfeld in 850 hPa mit Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h über die Mitte und den Süden ostwärts hinweg. Entsprechend sind auf den höheren Berggipfeln orkanartige Böen oder Orkanböen möglich. In den tieferen Lagen reicht es vor allem über der Mitte und dem Süden für stürmische Böen.

DWD Wochenteiler 4

Aufgrund der Zugbahn des Tiefs über die eher nördlichen Landesteile hinweg, bleibt der Norden voraussichtlich von Wind und Sturm verschont und auch im Osten sind die Auswirkungen des Tiefdruckgebietes deutlich schwächer.
Am Samstag regnet es im Zusammenhang mit dem langsam über den Norden ostwärts ziehenden Tief vor allem über den mittleren Landesteilen anhaltend, nach Süden hin schauerartig verstärkt. Nach Norden hin ist zeitweise ebenfalls mit Regen zu rechnen. In den Alpen geht der Regen im Tagesverlauf allmählich in Schnee über, denn von Norden her bahnt sich kältere Luft den Weg zu uns. Ab Sonntag wird der Zustrom kalter Luftmassen aus Norden durch eine Hochdruckzone verstärkt, die sich von Spitzbergen bis nach Portugal erstreckt und damit gut 4500 km umfasst. Eingelagert sind mehrere Hochzentren, die Luftmassen polaren Ursprungs auch nach Mitteleuropa führen.

DWD Wochenteiler 5

Ab Sonntag wird es also wieder deutlich kühler bei uns. In den Nächten droht verbreitet Frost. Mit zunehmendem Hochdruckeinfluss wird die Luft allerdings auch trockener und die Sonnenanteile nehmen zu.

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Es wird wieder milder

Nachdem im gestrigen Thema des Tages der Wintereinbruch thematisiert wurde, stellt sich sicher der ein oder andere die Frage: Wann wird’s denn wieder Frühling? Und die Antwort lautet: Im Südwesten und Westen sehr bald, im Nordosten mit leichter Verzögerung.
Der Wintereinbruch findet in der kommenden Nacht zum Dienstag sozusagen seinen Höhepunkt: Verbreitet muss mit Nachtfrost zwischen -1 und -4 Grad, im Bergland und bei Aufklaren über Schnee mit mäßigem Frost zwischen -5 und -8 Grad gerechnet werden.

Hinzu kommen weitere Schneeschauer, die zwar von Westen im Nachtverlauf abklingen, sich aber von der Ostsee bis zum Erzgebirge sowie teils in den östlichen, bayerischen Mittelgebirgen fortsetzten. Am Erzgebirge und vor allem auch an den Alpen fällt nachts anhaltend Schnee, so dass bis zum Dienstagmorgen noch einige Zentimeter Neuschnee dazukommen.
Die Milderung setzt bereits am morgigen Dienstag allmählich von Südwesten bzw. Westen ein. Während am heutigen Montag deutschlandweit im Maximum keine 10 Grad erreicht werden, werden es am Dienstag im Südwesten bereits wieder 10 bis 12 Grad (Abbildung 1).

DWD Es wird wieder milder

Diese Milderung setzt sich rasch fort. Zwar bleibt auch der Mittwoch ganz im Nordosten noch kühl und vor allem in Vorpommern noch unterhalb der 10-Grad-Marke, sonst steigen die Tageshöchstwerte aber schon wieder in milde bis sehr milde Sphären zwischen 10 und 19 Grad (Abbildung 2). Am wärmsten wird es dabei am Oberrhein. Am Donnerstag sind die frühlingshaften Temperaturen mit Höchstwerten zwischen 15 und 19 Grad dann auch im Osten und Nordosten zurück. Aufgrund der kühlen Nord- und Ostsee bleibt es lediglich an den Küsten und auf den Inseln bei Höchstwerten um 10 Grad.

DWD Es wird wieder milder 1

Wenn jetzt die Milderung ja eigentlich schon wieder vor der Tür steht, stellt sich auch die Frage: War’s das jetzt mit Kälte und Schnee oder etwa nicht? Na ja, für die aktuelle Woche kann man sagen, dass es wohl weitgehend mild bleibt. Dazu ist es überwiegend wechselhaft mit zeitweiligem Regen. Allerdings deutet sich zu Beginn der kommenden Woche ein erneuter Kaltluftvorstoß an.

Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wetter immer und überall

Wetter, jeder spricht darüber, ob morgens beim Bäcker oder im Supermarkt, beim Warten auf die Bahn oder beim gemütlichen Kaffeeklatsch. Das Thema Wetter ist allgegenwärtig. Mal wird geschimpft, was denn mit dem Wetter los sei, dann wird über die Hitze oder andauernden Regen gestöhnt und nur selten sind wirklich alle zufrieden. Das ist aber kein Wunder, denn schließlich verfolgt jeder Mensch andere Interessen. Während beispielsweise Bauern das passende Wetter samt Niederschlägen für ihre Aussaat und Zucht von Getreide usw. brauchen, wollen viele in ihrer Freizeit am besten trockenes Wetter samt Sonnenschein oder nur wenigen Wolkenfeldern, die mal etwas Schatten spenden. Im Winter soll es hingegen schneien, damit die Kinder Schlittenfahren und die Erwachsenen Skifahren können. Die Autofahrer hingegen stöhnen bei Kälte, Schnee und Frost. Sind doch Staus und Unfälle dann vorprogrammiert. Einige Bereiche, in denen Wetter eine Rolle spielt, wurden damit schon angeschnitten. Doch wo spielt Wetter noch eine Rolle und wo arbeiten Meteorologen eigentlich überall?

Studierten Meteorologen stehen nach Abschluss des Studiums viele Wege offen. Neben dem „klassisch“ angesehenen Weg vor die Kamera oder ins Radio beziehungsweise in die (Flugwetter-) Vorhersage beim Deutschen Wetterdienst oder bei privaten Wetteranbietern kann man auch eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen. Oftmals vertiefen sich Meteorologen in Projektarbeiten im Bereich der Klimatologie, der Modellierung, der Hydrologie, der Stadtplanung oder im Agrarbereich. Ein weiterer Arbeitsbereich ist in der Energiemeteorologie angesiedelt, um beispielsweise Berechnungen und Prognosen zu erstellen, wo es sich lohnen könnte, einen Windpark oder eine Solaranlage zu erstellen, beziehungsweise wie deren Ertrag aussieht. Auch im Versicherungsbereich finden sich Meteorologen sowohl bei Rückversicherern, als auch bei Firmen, die zum Beispiel Niederschlags-, Wind- oder Hagelgutachten erstellen. Selbst der Strom- und Gaspreis ist vom Wetter abhängig, weshalb in großen Energiefirmen ebenso Meteorologen sitzen, die Prognosen erstellen, wieviel Strom durch Wind- und Solarenergie in die Netze eingespeist werden kann. In der Wettervorhersage für Autorennen oder andere Events werden ebenfalls Meteorologen benötigt.

Des Weiteren taucht der Begriff Wetter oder alles, was damit in Verbindung gebracht wird, in vielen Liedern auf. Beispielsweise geht es in „Leise rieselt der Schnee“, „36 Grad“, „Weather with you“ oder „Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“ ums Wetter.
Außerdem haben sich einige Dichter mit dem Thema Wetter befasst oder Wetterbedingungen spielen eine grundlegende Rolle in ihren Werken. Zum Beispiel wäre dabei „Der Osterspaziergang“, „Der Erlkönig“ oder „Unterm weißen Baume sitzend“ zu nennen. Dies sind nur wenige Beispiele für Lieder und Gedichte. Vielleicht haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, ein selbst geschriebenes Gedicht oder einen selbst komponierten Wettersong auf Lager?

Eins ist abschließend auf jeden Fall sicher zu sagen. Das Thema Wetter beschäftigt viele Menschen Tag für Tag aufs Neue. Das war in der Vergangenheit bereits der Fall und wird sich sicherlich in der Zukunft nicht ändern, ganz nach dem Motto:

„Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, dann ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist“.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

IPCC-Bericht: Anleitung für eine lebenswerte Zukunft

Hunderte führende Wissenschaftler aus aller Welt haben über mehrere Jahre hinweg die Ergebnisse von zehntausenden, bereits begutachteten Studien gesichtet, diskutiert und bewertet. In drei Arbeitsgruppen des „Intergovernmental Panel on Climate Change“ (IPCC), kurz Weltklimarat, arbeiten diese Wissenschaftler zusammen und kommen dabei aus verschiedenen Bereichen, wie z.B. Klima- und Meeresforschung, Statistik, Ökonomie und Gesundheit. Dabei fasst die 1. Arbeitsgruppe den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels zusammen. Die 2. Arbeitsgruppe schaut auf die Folgen der Erderwärmung und wie Natur und Gesellschaft sich anpassen können und die 3. Arbeitsgruppe zeigt, wie die Erderwärmung begrenzt werden kann.

Die drei Arbeitsgruppen haben ihre Ergebnisse bereits im August 2021, sowie im Februar und April 2022 vorgestellt. Am Montag (20. März) erschien nun der Synthesebericht, also die Zusammenfassung der Teilberichte aus der sechsten Berichtsperiode („AR6 Synthesis Report“).

Ein Überblick über die wesentlichen Ergebnisse:

– Die globale Durchschnittstemperatur hat bereits um etwa 1,1 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zugenommen. Dabei ist die Erwärmung nicht überall auf der Welt gleich – einige Regionen wie die Arktis und Afrika erwärmen sich schneller als andere.

– Die zunehmende Erderwärmung führt zu stärkeren Hitzewellen, häufigeren und intensiveren extremen Wetterereignissen sowie zu einem Anstieg des Meeresspiegels und zunehmender Ozeanversauerung.

– Diejenigen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, sind unverhältnismäßig stark betroffen: Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Regionen, die durch den Klimawandel besonders gefährdet sind, wie Afrika südlich der Sahara, Teile von Asien sowie Zentral- und Südamerika. Einige Gegenden werden irgendwann nahezu unbewohnbar sein – z.B. wegen Hitze und Trockenheit oder im Falle von Inseln und Küstenregionen durch Überflutungen (so wäre im Jahr 2060 mit +4 °C Erwärmung die halbe Erde nahezu unbewohnbar). Der Klimawandel führt also auch zu einer Verschärfung von bestehenden sozialen Ungleichheiten, Konflikten und Migration.

– Den Klimawandel zu begrenzen ist möglich, erfordert aber eine sofortige und tiefgreifende Reduzierung der Treibhausgasemissionen in allen Sektoren und eine drastische Veränderung unserer Lebensweise. Mit den aktuellen Maßnahmen steuern wir auf eine Erwärmung von 3,2 °C im Jahr 2100 zu. Um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, muss die Weltgemeinschaft bis 2030 die Emissionen um die Hälfte senken und selbst für das 2-Grad-Ziel müssen die Emissionen global sehr schnell fallen (siehe Abb. 1).

DWD IPCC Bericht Anleitung fuer eine lebenswerte Zukunft

– Jedes zehntel Grad macht einen Unterschied: Mit jeder noch so kleinen Zunahme der globalen Erwärmung steigen die Risiken und die Auswirkungen von abrupten und irreversiblen Veränderungen im Klimasystem; einschließlich der Veränderungen, die durch das Erreichen von Kipppunkten ausgelöst werden.

– Klimatische und nicht-klimatische Risiken werden sich zunehmend gegenseitig beeinflussen und zu kaskadenartigen Risiken führen, die komplexer und schwieriger zu beherrschen sind. (Beispiel: starke Hitze beeinträchtigt u.a. Schienen- und Straßenverkehr, was Lieferketten beeinflusst, was sich wiederum auf die wirtschaftliche Produktion und Verteilung von Gütern auswirkt. Gleichzeitig ist bei einer starken Hitzebelastung in manchen Berufen auch die Arbeitsproduktivität beeinträchtigt.)

– Klimaschutz kostet, aber die Klimakrise kostet mehr: Der wirtschaftliche Nutzen bei Erreichen des 2-Grad-Ziels liegt in den meisten Studien höher als die Investitionen, die für Klimaschutz nötig sind (dabei sind noch nicht einmal die Schäden eingerechnet, die durch den Klimawandel verursacht werden). Allein die Vorteile für die menschliche Gesundheit durch saubere Luft könnten die Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen mindestens ausgleichen. Je wärmer die Welt allerdings wird, desto mühsamer und teurer wird es, sich anzupassen.

– Viele der Lösungen sind bereits vorhanden (wie Sonne, Wind, Erhalt von Ökosystemen z.B. durch Aufforstung, etc.), bei denen wir gleich in mehrfacher Hinsicht profitieren würden: sie bieten gesundheitliche und ökonomische Vorteile (erneuerbare Energien sind sogar schon heute günstiger als Energien aus fossilen Brennstoffen), und könnten sogar zu mehr Gerechtigkeit beitragen und die Energieabhängigkeit von totalitären Staaten reduzieren (siehe Abbildung 2).

DWD IPCC Bericht Anleitung fuer eine lebenswerte Zukunft 1

– Das Zeitfenster, in dem eine lebenswerte Zukunft für alle gesichert werden kann, schließt sich rapide. Die Auswirkungen für die nächsten Generationen hängen von unserem jetzigen Handeln und den Entscheidungen ab, die wir in diesem Jahrzehnt treffen (siehe Abbildung 3).

DWD IPCC Bericht Anleitung fuer eine lebenswerte Zukunft 2

Vor dem Hintergrund des letzten Punktes rief auch UN-Generalsekretär António Guterres bei der Vorstellung des Berichts zum Handeln auf: „Die Klima-Zeitbombe tickt. Aber der heutige IPCC-Bericht ist ein Leitfaden zur Entschärfung der Klima-Zeitbombe. Er ist ein Überlebensleitfaden für die Menschheit.“

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wenn unten nichts ankommt…

Vergangenen Mittwochnachmittag: Papa holt den Sohnemann von der Kita ab. Jetzt noch schnell einen Abstecher auf den Spielplatz bevor es demnächst anfängt zu regnen. Das Radar zeigt nämlich ein von Westen auf Offenbach zuziehendes Regengebiet. Und wie sooft vergeht die Zeit dann doch schneller als man denkt und plötzlich fällt einem auf: Müsste es eigentlich nicht schon längst regnen? Schnell das Smartphone gezückt, WarnWetter-App geöffnet und tatsächlich! Mittlerweile hatte der Regen nicht nur Frankfurt, sondern auch Offenbach erreicht – zumindest laut Radar. Am Boden kam davon aber nichts an und auch der Blick gen Westen deutete nicht wirklich auf Regen hin. Die Wolken wirkten allerdings an ihrer Unterseite etwas verwaschen.

Am Tag darauf zeigte das Radar erneut ein Regengebiet, das das Rhein-Main-Gebiet erfasst hat. Dieses Mal kam aber auch etwas am Boden an, wie die Messungen einiger Wetterstationen belegen.

DWD Wenn unten nichts ankommt...

as war denn da jetzt los? Radar kaputt? Nein, natürlich nicht. Sonst wäre der Text an dieser Stelle ja auch schon zu Ende. Den Grund dafür findet man, bei Betrachtung der vertikalen Schichtung der unteren Atmosphäre, genau genommen den Verlauf von Lufttemperatur und -feuchtigkeit mit der Höhe. Dafür nutzt man sogenannte Radiosonden. Bei einer Radiosonde handelt es sich um ein Gerät, das mit einem Sender und mehreren Messfühlern ausgestattetet ist. Angebunden an einen mit zumeist Heliumgas gefüllten Gummiballon, steigt die Radiosonde mit rund 300 Metern pro Minute in die Luft auf und misst dabei stetig Luftdruck, -feuchte und -temperatur sowie indirekt durch die Windverlagerung auch Geschwindigkeit und Richtung des Windes. Diese Daten werden über den Sender direkt an die Empfangsstation am Boden übermittelt. Kurz darauf stehen sie schließlich uns Meteorologen grafisch aufbereitet zur Verfügung und liefern zudem neben vielen weiteren Beobachtungsdaten die Basis für die Prognosen unserer Wettermodelle. Weitere Infos zu Radiosondenaufstiege finden Sie zum Beispiel auch im Thema des Tages vom 03.07.2020.

Schauen wir uns doch nun einmal den Radiosondenaufstieg am Beispiel von Idar-Oberstein von Mittwoch 19 Uhr an. Kurz zur Orientierung: Auf der linken Vertikalachse ist der Luftdruck in hPa und auf der Horizontalachse unten die Temperatur in Grad Celsius aufgetragen. Die Temperatur bleibt dabei entlang der roten Linien, die von unten nach schräg-rechts-oben verlaufen, konstant. Die Null-Grad-Linie ist blau eingefärbt. Den vertikalen Verlauf der Lufttemperatur stellt nun die durchgezogene schwarze Linie dar und der Taupunkt (Maß für die Luftfeuchtigkeit) wird durch die gestrichelte schwarze Linie repräsentiert. Liegen die beiden Linien, also Temperatur und Taupunkt, nah beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch, sind sie weit voneinander entfernt, ist sie niedrig.

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Verfolgt man die beiden Linien des Aufstiegs von Mittwoch 19 Uhr in Idar-Oberstein von oben nach unten, stellt man fest, dass sie zunächst relativ nah beieinander liegen, die relative Luftfeuchtigkeit also recht hoch ist. Erst ab etwa 750 hPa beginnen sie stark auseinanderzugehen mit einem Maximalabstand bei etwa 800 hPa (grob 2 km Höhe). Hier ist die Luft also relativ trocken und das ist der entscheidende Punkt: Der Regen, der sich darüber entwickeln konnte, hatte es nicht durch diese trockene Schicht geschafft, sondern ist verdunstet und kam daher nicht am Boden an.

Durch die Verdunstung wurde diese trockene Luft aber allmählich angefeuchtet und ist einige Stunden später – wie man am Radiosondenaufstieg von Donnerstag 13 Uhr sieht – verschwunden. Die Temperatur- und Taupunktslinien verlaufen nun fast durchweg recht eng beieinander, wodurch es der Regen nun problemlos bis zum Boden schaffte – was er übrigens auch in den kommenden Tagen immer wieder tun wird.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.03.2023
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Windige Sache

Subjektiv betrachtet bescherte uns das Jahr 2023 in Deutschland immer wieder Tage mit viel Wind, ohne dass es allerdings den ganz großen Sturm mit orkanartigen Böen ( 104 km/hBft 11) oder Orkanböen ( 118 km/hBft 12) gab (mit Ausnahme der Küste und der Berge). Dennoch entstand der Eindruck, dass es in diesem Jahr windiger ist als sonst. Aber stimmt das auch?

Um die Frage zu klären, hat der Autor des Textes die Statistik bemüht und Winddaten von etwa 550 Stationen in Deutschland ausgewertet. Des Weiteren wurde dafür empirisch ein sogenannter „Windtag“ definiert. An solch einem Tag sollen mindestens 50 % der Stationen mindestens eine Windstärke von 50 km/h (Bft 7) erreichen. Angewandt auf das Jahr 2023 kamen so bis zum 21. März 2023 20 Tage zusammen, an denen die Kriterien erfüllt waren.

Da das Jahr allerdings erst 80 Tage alt ist, klingt das zunächst nach viel. Im Vergleich zu den Vorjahren schrumpft die Zahl aber rasch zusammen. So ist in Abb. 1 zu erkennen, dass die dunkelblaue Linie (Windtage im Zeitraum 01.01. bis 21.03. eines Jahres) in diesem Jahr nicht besonders nach oben abweicht und nur knapp oberhalb des Mittels 2000 bis 2023 von 17,7 Tagen landet (hellblaue Linie). 2020 und 2022 beispielsweise hatten zum aktuellen Zeitpunkt im Jahr mit 33 bzw. 25 schon mehr Windtage. Die windschwachen 2010er-Jahre hingegen blieben fast alle unter dem Mittelwert. Am wenigsten Windtage gab es 2006 mit nur 2, am meisten 2002 mit 35.

 

DWD Windige Sache

Auf das ganze Jahr gesehen kann man im Mittel 42 Windtage erwarten (hellbraune Linie). 2007 bot mit 69 Windtagen das Maximum. Damals war im Prinzip jeder siebte Tag ein Windtag. Interessanterweise korrelieren die beiden dunklen Linien (außer 2016) ganz gut miteinander. Würde die Korrelation auch dieses Jahr stimmen, dürften es am Jahresende 35 bis 45 Windtage werden.

Dass die Statistik am Ende stimmt, dafür will die Natur in den kommenden Tagen einen Beitrag leisten. So erwarten uns ein windiger Freitag, dem ein noch windigerer Samstag folgt. Beide Tage dürften recht problemlos die an dieser Stelle definierten Kriterien des Windtages erfüllen. Ähnliches gilt für den Montag, womit dann 3 weitere Tage die 2023-Bilanz aufhübschen. Einen ausgewachsenen Sturm soll es aber weiterhin nicht geben.

Dipl.-Met Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.03.2023
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