Früher Monsun in Indien

Der indische Monsun ist der größte der Welt und wird daher oftmals einfach Monsun genannt. Den Monsun gibt es aber auch über anderen Erdteilen. Zum Beispiel von Japan bis nach Südchina, den sogenannten Ostasiatischen Monsun, dieser wurde 2021 in einem Thema des Tages behandelt (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/4/20.html). Der Begriff Monsun bezeichnet anders als häufig angenommen nicht teils heftige Niederschläge, sondern ein jahreszeitliches Windsystem. Der Monsun wirkt dabei als Ausgleichsmechanismus auf unterschiedliche Temperaturen zwischen verschiedenen Breiten. Ein wichtiger Treiber ist dabei der wandernde Zenitstand der Sonne im Laufe des Jahres. Dort, wo die Sonne im Zenit steht, wird die Oberfläche am stärksten erwärmt. Landmassen erwärmen sich dabei aufgrund ihrer geringeren Wärmekapazität schneller als Ozeane. Im Bereich der stärksten Erwärmung entstehen Hitzetiefs, diese reichen als mehr oder weniger gut ausgeprägte Rinne einmal um den Globus. Diese Tiefdruckrinne wird innertropische Konvergenz (ITCZ) genannt. Die ITCZ verläuft im Nordsommer nördlicher als im Südsommer (Abbildung 1). Die ITCZ liegt nicht schnurgerade an einem Breitengrad entlang, sondern mäandriert mehr oder weniger durch die angesprochene unterschiedliche Erwärmung von Wasser- und Landmassen. Durch die Landmassen über Asien wird sie im Sommer relativ weit nach Norden gelenkt. Der räumliche Unterschied zwischen Sommer- und Winter-ITZC ist dort besonders groß. 

Frueher Monsun in Indien teil 1

Abbildung 1: Lage der innertropischen Konvergenzzone im Juli (rot) und Januar (blau) 

Zu den Teilen des Monsuns, die eine besonders große Distanz zwischen Winter- und Sommerposition haben, gehört der indische Monsun. Den Indischen Subkontinent im Südosten erreicht der Monsun im Mittel Ende Mai, bis er dann zur indisch-pakistanischen Grenze im Nordwesten vorankommt, ist für gewöhnlich Anfang Juli. Dieses Jahr kam der Monsun und damit der Wetterwechsel von Trockenheit sowie großer Hitze hin zu schwülheißem Wetter mit teils großen Regenmengen im Süden Indiens früher an als üblich. Rund zwei bis drei Wochen früher als im Mittel begann die Regenzeit im Süden Indiens (Abbildung 2). 

Frueher Monsun in Indien teil 2

Abbildung 2: Vorankommen des Monsuns im langjährigen Mittel (rot) und 2025 (blau) 

Vorlaufend zur feuchten Luft finden die Temperaturen über dem Nordwesten Indiens und Pakistans gerade ihr Jahresmaximum. Die Höchstwerte erreichen dort in tiefen Lagen über 45 Grad und die Tiefsttemperaturen liegen zum Teil bei über 30 Grad. In den vergangenen Tagen wurden dort neue Mairekorde bezüglich der Höchst- und Tiefstwerte aufgestellt. In der Mitte und im Süden Indiens sind die Temperaturen zwar „gemäßigter“, dafür ist die Luftfeuchtigkeit enorm. Die Taupunkte liegen dort zwischen 22 und 28 Grad. Zum Vergleich: In Deutschland werden Taupunkte um 20 Grad im Sommer selten und meist nur für wenige Stunden erreicht.
Besonders an der Westküste Indiens kommt es seit einigen Tagen zu kräftigen Regenfällen. Regional fallen dort um 100 Liter pro Quadratmeter (l/m²) in 24 Stunden vom Himmel. Diese Mengen entsprächen nach den Kriterien des Deutschen Wetterdienstes extremem Unwetter, der höchsten Warnkategorie. Zugegeben der Vergleich hinkt, sind doch die Schwellenwerte in Deutschland auf ein gemäßigtes Klima ausgelegt und nicht auf tropisches wie in Indien. Dies kann man auch gut anhand der Karte des indischen Wetterdienstes für die 24-stündigen Niederschlagsmengen erkennen. 60 l/m² sind dort noch „moderate rain“ und 100 l/m² entsprechen „heavy rain“, darüber befinden sich aber noch zwei weitere Niederschlagskategorien mit höheren Schwellwerten (Abbildung 3). 

Frueher Monsun in Indien teil 3

Abbildung 3: 24-stündige Niederschlagsmessungen vom 23.05.2025 08:30 Indian Standard Time (IST) bis 24.05.2025 08:30 IST 

Das frühe nördliche Vorankommen spricht zwar dafür, dass auch der Norden Indiens früher als üblich vom Monsun erfasst wird, eine zwingende Folge ist das aber nicht. Die nördliche Ausdehnung des Monsuns könnte auch eine „Pause“ über den mittleren Landesteilen Indiens einlegen. Zumindest im Hinblick auf schadensträchtige Regenmengen steht der Monsun in den kommenden Wochen in der Vorhersage- und Beratungszentrale (VBZ) des Deutschen Wetterdienstes als ein kleiner Teilaspekt der Aufgaben unter Beobachtung. Siehe dazu das Thema des Tages vom 14.05.2025 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/5/14.html) unter dem Absatz „Warnproduktion“, das die verschiedenen Dienste und ihre Aufgaben in der VBZ beleuchtet.
 

M.Sc. (Meteorologe) Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Vater(Männer)tag in Regenjacke?

Es wird vielleicht den einen oder anderen überraschen, aber der Vatertag oder in manchen Regionen auch liebevoll „Männertag“ genannt ist streng genommen gar kein Feiertag. Trotzdem haben die meisten frei. Warum? Weil er jedes Jahr genau auf Christi Himmelfahrt fällt, und das ist ein gesetzlicher Feiertag. Und so nutzen viele Männer – und übrigens auch immer mehr Frauen – diesen Tag, um mit Freunden oder der Familie durch Wälder und Wiesen zu ziehen. Mit dabei: der Klassiker unter den Outdoor-Gefährten – der Bollerwagen. Beladen mit Snacks, Getränken und guter Laune geht es auf kleine oder große Tour. Dabei ist vor allem eines wichtig – trockenes Wetter. Doch das könnte dieses Jahr schwierig werden.

Nicht nur die vergangenen Wochen, sondern sogar Monate waren viel zu trocken. Es könnte deutschlandweit der trockenste Frühling seit Aufzeichnung werden. Doch in der kommenden Woche wird es nasser. Es stellt sich eine „typische Westlage“ ein, die aber angesichts der Witterung der letzten Wochen schon eher ungewöhnlich wirkt. Dabei gelangt mit westlicher Strömung mäßig warme Meeresluft nach Deutschland. Immer mal wieder zieht dann auch ein Tief über die Nordsee, wodurch der Druckgradient verstärkt wird und wir vorübergehend auffrischende Winde zu erwarten haben. Auch die Ausläufer der Tiefs werden wir zu spüren bekommen. Zwischen den Fronten sorgen Kurzwellentröge in der Höhe für vorübergehende Labilisierung der Luftmasse. Dadurch entstehen Schauer und auch einzelne Gewitter.

In der Nacht zum Donnerstag liegt ein Tiefdruckgebiet über der Ostsee. Hierdurch wird es vor allem im Nordosten windig, an der Küste auch nochmal stürmisch. Die Kaltfront des Tiefs erstreckt sich zu Beginn der Nacht einmal quer über Deutschland und soll bis zum Ende der Nacht zu den Alpen hin abziehen. Rückseitig der Kaltfront kommt es südlich der Donau bis zum Vormittag hinein zu Schauern.
 

VaterMaennertag in Regenjacke teil 1 

Vorhersage des Bodendrucks und prognostizierte Frontenanalyse für Donnerstag, den 29.05.2025 12 UTC (Quelle: DWD) 

VaterMaennertag in Regenjacke teil 2

Links: Temperatur und Geopotential in 500 hPa Rechts: Prognostizierte Windgeschwindigkeiten und Geopotential in 300 hPa jeweils für Donnerstag, den 29.05.2025 12 UTC [ICON-Modell: Lauf 25.05.2025 06 UTC] (Quelle: DWD) 

Am Donnerstag stellt sich die Wetterlage etwas um. Ein Hochdruckgebiet entsteht über Frankreich. Sein Einflussgebiet weitet sich im Tagesverlauf über Deutschland hinweg in Richtung Polen aus. Doch reicht das, um alle Wolken- und Regenfelder abzutrocknen? Die Antwort lautet: Nein. Obwohl sich am Boden der schwache Hochdruckeinfluss ausbreitet, bleibt in der Höhe der Zustrom feuchter Atlantikluft erhalten. Der Jetstream, ein Starkwindband in großer Höhe, erstreckt sich am Donnerstag antizyklonal gekrümmt wie ein Bogen von den Britischen Inseln über Deutschland hinweg bis zur Adria. Unter dem Jetmaximum bei den Britischen Inseln bildet sich entwicklungsgünstig ein Tiefdruckgebiet. Dessen Warmfront ist durch kräftige Warmluftadvektion stark ausgeprägt und erreicht im Laufe des Donnerstags schon den Westen Deutschlands.
 

VaterMaennertag in Regenjacke teil 3

Prognostizierte Höchstwerte für Donnerstag, den 29.05.2025 (Quelle: DWD) 

Und bevor man sich von Begriffen wie „Warmfront“ oder „Warmluftadvektion“ zu sommerlichen Tagträumen verleiten lässt: Die Temperaturen bleiben mit 15 bis 22 Grad eher verhalten. Die genaue zeitliche Abfolge der Wetterereignisse am Donnerstag ist noch mit Unsicherheiten behaftet. Der Blick auf die Prognosemodelle zeigt aber, dass es wohl nirgends ganz trocken bleibt. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit des EZMWF-Modell-Ensembles weist am Donnerstag kaum eine Region unter 50 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit auf. Auch das ungewichtete Mittel der Niederschlagsmenge des ICON-Ensembles zeigt keine trockene Region am Donnerstag. Warnwürdige Niederschlagsmengen sind aber nicht zu erwarten. Am ehesten kann man im Nordosten auf eine Wanderung trockenen Fußes hoffen. Am Alpenrand sind wohl nur die wetterfesten Wanderer unterwegs. Im Stau der Alpen wird ganztags Regen simuliert, eine Regenpause ist dort unwahrscheinlich.
 

VaterMaennertag in Regenjacke teil 4 

Links: Wahrscheinlichkeit für Niederschlag für Donnerstag 00-24 UTC. [EZMWF-Ensemble: Lauf 25.05.2025 00 UTC] Rechts: Ungewichtetes Mittel der 24-Std. Niederschlagssumme [ICON_EU-Ensemble: Lauf 25.05.2025 06 UTC] (Quelle: DWD) 

Kurz gesagt: Wer sich auf den Weg macht, sollte sich vom Wetter nicht abschrecken lassen, aber vorbereitet sein und sich neben der Verpflegung auch eine Regenjacke oder Regenschirm mit einpacken. Denn: Ein echter Vatertag ist auch mit Wolken und ein paar Tropfen im Gesicht ein Erlebnis – besonders mit der richtigen Gesellschaft im Gepäck. 

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Unbeständige Witterungsphase

Eine unbeständige Witterungsphase steht uns vor der Tür. Tiefdruckgebiete haben endlich den Weg frei, um Deutschland mit Tiefausläufern zu beeinflussen und Regen zu bringen. 

Am heutigen Samstag erreicht uns die Warmfront von Tiefdruckkomplex NORMAN über dem Nordatlantik nahe den Britischen Inseln. Sie bringt ab Mittag von Westen her Regen, der sich abends bis zur Mitte ausbreitet. An der Ostsee gibt es noch einzelne Schauer. Der Rest des Landes liegt unter schwachem Hochdruckeinfluss, dabei zeigt sich neben einigen dichteren Wolken die Sonne und es bleibt meist trocken. Die Temperaturen liegen zwischen 14 und 19 Grad, damit es eher kühl für Ende Mai. Der Südwestwind frischt im Tagesverlauf auf, mit einzelnen starken bis stürmischen Böen im Nordwesten. 

Unbestaendige Witterungsphase teil 1

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Samstag den 24.05.2025 12 UTC ( Quelle:DWD) 

In der Nacht zum Sonntag fällt zeit- und gebietsweise Regen, nur im äußersten Osten bleibt es bis in die Frühstunden trocken. Durch die dichten Wolken und den spürbaren Wind ist die Nacht mit 11 bis 5 Grad deutlich milder als die vergangene. 

Unbestaendige Witterungsphase teil 2

Wetter- und Temperaturkarte, Samstag 24.05.2025 (Quelle.DWD) 

Am Sonntag zieht der flächige Regen langsam nach Osten ab, jedoch folgen zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter. Dazwischen zeigt sich auch kurz die Sonne. Man denkt, dass man im April statt Ende Mai ist. Die Temperaturen bleiben mit 15 bis 20 Grad eher verhalten und es ist ziemlich windig mit starken bis stürmischen Böen vor allem in Schauernähe sowie im Westen und Nordwesten des Landes. 

In der Nacht zum Montag klingen die meisten Schauer von Nordwesten ab und bei Tiefwerten zwischen 11 und 6 Grad klart es gebietsweise auf. Der Wind lässt auch deutlich nach. 

Unbestaendige Witterungsphase teil 3 

Wetter- und Temperaturkarte, Sonntag 25.05.2025 (Quelle.DWD) 

Die neue Woche startet auch unbeständig, dabei ziehen immer wieder Tiefausläufer durch, die Regen bringen, gefolgt von kurzen trockenen Phasen. Dabei ist es weiterhin zeitweise sehr windig, im Norden auch stürmisch. Die Höchstwerte liegen meistens zwischen 17 und maximal 23 Grad. Die Nächte bleiben relativ mild. 

Unbestaendige Witterungsphase teil 4

Wetterausichten von Montag bis Mittwoch (26.– 28.05.2025) (Quelle:DWD) 

 

Die Details für das lange Himmelfahrts-Wochenende werden an dieser Stelle so bald wie möglich bekanntgegeben. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Klimadiagramme

Damals wie heute wird im Geografieunterricht an einer Schule ein Atlas verwendet. Dieser ist sowohl digital auf einem Tablet als auch analog als Buch verfügbar. Wenn man so durch die Atlas-Seiten blättert, dann entdeckt man irgendwann auch Klimadiagramme. Oftmals ist eine Darstellung von der Erde und dessen Klimazonen abgebildet. Bei Schulprüfungen gibt es bis heute die Aufgabe: Von welchem Ort stammt das Klimadiagramm? Um dies beantworten zu können, muss man ein Klimadiagramm jedoch richtig lesen und auswerten können.

In der nachfolgenden Beispielgrafik sind zehn nummerierte Pfeile dargestellt. Welche Beschriftung würden Sie für die einzelnen Pfeile wählen? Probieren Sie es mal aus bevor Sie weiterlesen! Genau eine solche Aufgabe könnte es im Geografie- beziehungsweise Erdkundeunterricht geben.
 

Klimadiagramme teil 1

Klimadiagramm aus Schulzeiten 

Beginnen wir in der oberen, linken Ecke: Zunächst wird der Name (Ort) der Station genannt (1). Danach folgt die Höhe der Station in Metern über dem Meeresspiegel (2). Beim dritten Pfeil ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in Grad Celsius [°C] (3) angegeben. Anschließend benötigt man eine linke vertikale Achse (y- bzw. Hochachse) mit der Skala für die Temperatur in Grad Celsius (°C) (4). Der nächste Pfeil zeigt auf die Temperaturkurve im Diagrammpapier (5). Nun sind wir schon im unteren Feld angekommen bei der Grundachse (horizontale bzw. x-Achse) mit den Monaten von Januar bis Dezember (6). Weiter geht es mit den Niederschlagssäulen (7). An der rechten Hochachse ist der Maßstab für die Niederschlagswerte in Millimeter (mm) (8) aufgetragen. Am vorletzten Pfeil steht die Jahressumme der Niederschläge in mm (9). Zum Schluss ist noch die Lage im Gradnetz (10) von entscheidender Bedeutung. 

 

Klimadiagramme können natürlich auch ganz anders aussehen. Darum wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie einmal ein Diagramm entdecken, das nicht exakt wie diese Beispielgrafik aussieht. Sie soll nur verdeutlichen, wie der generelle Aufbau eines solchen Diagramms ist. Vielleicht haben Sie es erkannt, die händischen Eintragungen wurden auf Millimeter-Papier gemacht. In der digitalen Welt gibt es in der heutigen Zeit natürlich unzählige Auswertetools, die dies bereits für uns übernehmen. 

 

Schauen Sie doch mal im Keller oder in fast vergessenen Schubladen nach Ihrem eigenen Schulatlas aus Schulzeiten! Darin gibt es allerlei interessante Abbildungen zu entdecken – die Klimadiagramme sind da nur ein spannendes Beispiel. 

Dipl.-Verw.Betriebsw. (FH) Stefan Hahn
Regionale Wetterberatung Potsdam 

in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Met Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Eröffnung eines Infopavillons am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg

Am vergangenen Dienstag hat der Deutsche Wetterdienst auf dem Gelände des Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg einen frei zugänglichen Infopavillon eröffnet. Unter dem Motto „Forschung im Deutschen Wetterdienst“ lädt die neue Ausstellung dazu ein, einen anschaulichen Einblick in die Aufgaben des nationalen Wetterdienstes zu gewinnen. Der DWD ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr. 

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: „Das Observatorium Hohenpeißenberg ist die älteste Bergwetterstation der Welt und blickt auf eine mehr als 240-jährige Geschichte zurück. Daher ist die neue Ausstellung nicht nur ein modernes Informationsangebot, sondern auch ein sichtbares Zeichen für die lange und bedeutende Tradition der Wetter- und Klimaforschung in Deutschland. In spektakulärer Lage bekommen die Besucher auf rund 40 Quadratmetern Ausstellungsfläche einen detaillierten Einblick in die Forschungsfelder des Deutschen Wetterdiensts.“ 

Attraktive Ausstellung mit modernen Inhalten 

Interaktive Monitore mit Filmen und Schautafeln informieren über den Aufbau der Atmosphäre, die Entstehung von Wettervorhersagen sowie über die aktuelle Klima- und Umweltforschung beim DWD und seiner Observatorien. Ein Diorama zeigt Messsysteme des DWD und das drei-dimensionale Modell eines Wettersatelliten. Ein „Wettermemory“ vermittelt jungen Gästen spielerisch Wissen. 

Besonders im Fokus stehen natürlich die heutigen Arbeiten des Observatoriums Hohenpeißenberg selbst: Seit 1781 werden hier meteorologische Daten erhoben – u.a. eine weltweit einzigartige Temperaturmessreihe, die wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung des Klimas liefert. Die Daten des Observatoriums fließen direkt in die nationale und internationale Klimaforschung ein und bilden eine essenzielle Grundlage für langfristige Prognosen und wissenschaftliche Bewertungen. 

Dr. Christian Plaß-Dülmer, Leiter des Observatoriums Hohenpeißenberg, betonte bei der Eröffnung: „Wir freuen uns sehr, mit dem Infopavillon nun einen Ort geschaffen zu haben, an dem wir unsere Arbeit verständlich und lebendig präsentieren können.“ 

Auch Dr. Peter Braesicke, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung beim DWD, hob die Bedeutung des Pavillons hervor: „Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, wissenschaftliche Zusammenhänge für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der neue Infopavillon hilft uns, komplexe Forschungsthemen greifbar zu machen und Vertrauen in unsere Arbeit zu schaffen.“ 

Eroeffnung eines Infopavillons am Meteorologischen Observatorium Hohenpeissenberg teil 1

Der neue Informationspavillon am Observatorium Hohenpeißenberg 

Wissenschaftliche Messungen als Blickfang am Gebäude 

Das mehrfach gefaltete Dach erinnert an einen Graphen der langen Hohenpeißenberger Temperatur Messreihe seit 1781. Die Temperaturreihe ist in Form sogenannter „warming stripes“ in die architektonische Gestaltung der Dachfront eingeflossen. Dort erscheinen kalte Jahre als blaue Streifen und warme Jahre als rote Streifen. Diese farbige Visualisierung macht auf einen Blick deutlich, wie sich das Klima in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat.

Die feierliche Eröffnung wurde von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern begleitet, darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Medien. Die anwesende Presse hatte Gelegenheit, die Ausstellung exklusiv zu erkunden und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. 

Mit dem neuen Infopavillon am Hohenpeißenberg schafft der Deutsche Wetterdienst einen Ort der Begegnung zwischen Forschung und Gesellschaft – informativ, zugänglich und zukunftsweisend. 

Nach einer kurzen Bauzeit von Juni 2024 bis Mai 2025, unter Leitung des Bauamtes Weilheim, freut sich der Infopavillon des DWD nun auf zahlreiche Besucher. Die Öffnungszeiten des Pavillons sind täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr. 

Eroeffnung eines Infopavillons am Meteorologischen Observatorium Hohenpeissenberg teil 2

Meteorologisches Observatorium Hohenpeißenberg

Luftaufnahme des Meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg 

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Der Wetterhahn

Wer sich aufmerksam durch die Lande bewegt, kann sie mancherorts entdecken: Wetterhähne! Meist finden sie ihren Platz auf Kirchenturmspitzen, manchmal aber auch auf Privathäusern. 

Der Wetterhahn teil 1

Wetterhahn im AbendrotTeilnahme am Fotowettbewerb 70 Jahre DWD

Wetterhahn im Abendrot 

Der Wetterhahn ist im Grunde ein Windrichtungsanzeiger. Ursprünglich ist er eine meist aus Kupfer- oder Eisenblech hergestellte flache Nachbildung eines Hahns in Form eines zweidimensionalen Scherenschnitts von etwa 30 x 30 cm Größe. Häufig wurde er auch noch vergoldet oder zumindest Teile von ihm. Heutzutage werden zur Herstellung vielfach andere wetterfeste Materialien verwendet, beispielsweise Edelmetalle, hochwertige Kunststoffe oder Ton. Von der Form her sind mittlerweile zum Teil sogar dreidimensionale Wetterhähne in Gebrauch.

Und es ist nicht nur beim Hahn-Motiv geblieben. Beliebt sind inzwischen z.B. auch Katzen, Pferde, Traktoren, Eulen, Schiffe oder Hexen. Durch die Hexen sollen – zumindest, wenn man daran glaubt – zusätzlich ungebetene Gäste und böse Geister abgehalten werden. Bei den Katzen könnte man jede neue Bewegung der Katze bei einer neuen Windböe mit dem Jagen einer Maus verbinden.

Der Wetterhahn jedenfalls war das erste Motiv für diesen speziellen Windrichtungsanzeiger. Unbestätigten Berichten zufolge stammt der erste Wetterhahn vom Bischof Rampertus aus Brescia (Italien), der ihn im Jahre 820 n. Chr. aus Bronze herstellen und auf dem Dach der Kirche San Faustino Maggiore befestigen ließ.

Warum aber wählte er einen Hahn? Eine mögliche Deutung könnte sein: Vermutlich hatte der Bischof die Bibelstelle gelesen, in der Jesus dem Apostel Petrus prophezeite: „Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Matthäus 26, 75). Petrus verleugnete dem Evangelium zufolge tatsächlich dreimal Jesus nach dessen Verhaftung, aus Angst vor eigener Verfolgung. Als der Hahn dann krähte, schämte sich Petrus angesichts der Prophezeiung von Jesus und verkündete daraufhin den neuen Glauben. Der Hahn kann also als Mahnung verstanden werden, sich nicht nach dem Wind zu drehen, sondern wie Petrus den christlichen Glauben treu zu vertreten.

Technisch gesehen ist der Wetterhahn eigentlich nichts anderes als eine Windfahne. An ihm lässt sich ablesen, aus welcher Richtung der Wind weht. Dazu muss der Hahn selber drehbar sein. Zur besseren Erkennung der Windrichtung befindet sich unterhalb des Hahnes häufig ein Kreuz mit einer Anzeige der vier Himmelsrichtungen.

Weht nun der Wind, dreht sich der Hahn so, dass ihm von vorne der Wind ins Gesicht pustet. „Schaut“ er also nach Norden, haben wir Nordwind. Dreht der Wind dann wieder seine Richtung, weht er auf die Seite des Wetterhahns. Dabei ist der Druck auf die größere Fläche des Schwanzes stärker als die auf den Kopf. Deshalb dreht sich das Hinterteil mit dem Wind, während der Kopf im Wind steht. So wird immer die aktuelle Windrichtung angezeigt.

Vor allem in früheren Zeiten ohne modernere Messinstrumente konnten die Menschen so nicht nur die Windrichtung erkennen, sondern bei einer Windrichtungsänderung, ob es zu einem Wetterumschwung kommt.

Und wenn der Wetterhahn irgendwann einmal in die Jahre kommt und nicht mehr funktioniert, dann halte man sich doch an den Tipp aus dem Gedicht „Der Wetterhahn“ von Wilhelm Busch aus dem 19. Jahrhundert:

„Wie hat sich sonst so schön der Hahn
Auf unserm Turm gedreht
Und damit jedem kundgetan,
Woher der Wind geweht. 

Doch seit dem letzten Sturme hat
Er keinen rechten Lauf;
Er hängt so schief, er ist so matt,
Und keiner schaut mehr drauf. 

Jetzt leckt man an den Finger halt
Und hält ihn hoch geschwind.
Die Seite, wo der Finger kalt,
Von daher weht der Wind.“

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Vor 12 Jahren: EF5-Tornado in Moore – der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt

Moore, Teil der Metropolitan Area von Oklahoma City, hat in Sachen Tornados eine bemerkenswerte Geschichte. Die Stadt scheint beinahe eine Anziehungskraft auf diese Art Stürme zu haben. Denn alleine seit 1999 verursachten insgesamt fünf signifikante Tornados immer wieder große Schäden im Stadtgebiet. Die Serie startete im Mai 1999 mit dem Bridge Creek-Moore F5, der Tornado mit den höchsten jemals gemessenen Windgeschwindigkeiten mit 521 km/h. In den Folgejahren zogen außerdem ein EF2 (2015), ein F4 (2003) und ein EF4-Tornado (2010) durch bewohntes Gebiet. Nein, bei dem Event im Jahre 2003 wurde kein „E“ vergessen, das war vor der Einführung einer neuen Fujita-Skala, doch mehr dazu später. Am ehesten ist den Bewohnern aber der EF5-Tornado vom 20.05.2013 in Erinnerung.

Vor 12 Jahren EF5 Tornado in Moore der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt teil 1

Abb 1: Zugbahnen der letzten 5 signifikanten Tornados in Moore 

Der Tornado war Teil einer großen Schwergewitterlage in den zentralen Vereinigten Staaten zwischen dem 18.-20. Mai, bei der sich insgesamt 77 Tornados bildeten. Ein ausgeprägter Höhentrog mit korrespondierendem Bodentief zog langsam ostwärts über die nördliche Mitte der USA. Auf dessen Vorderseite wurden sehr warme, instabile und feuchte Luftmassen nach Norden transportiert. Die Windscherung, welche essentiell für die Bildung von Superzellen mit Tornados ist, war in den Bereichen stark erhöht. In dieser Luftmasse entwickelten sich im Vorfeld einer Kaltfront, an einer sog. Dryline (Wetter und Klima – Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages – Die „dryline“) schwere Gewitter, inklusive Superzellen. Aus einer dieser Zellen bildete sich um 14:56 Uhr Ortszeit, etwa 7 km nordwestlich von Newcastle, Oklahoma der Tornado aus und begann seinen zerstörerischen Weg nach Nordosten in Richtung Moore. Über 39 Minuten hinweg verursachte der Tornado gewaltige Schäden in den südlichen Wohngebieten und umliegenden Regionen westlich und östlich von Moore. Durch die Stadt verlief eine fast durchgängige Schadensschneise mit EF4- und einigen EF5-Schäden. Zum Teil war sie 350 Meter breit. Ganze Wohnsiedlungen wurden hier dem Erdboden gleich gemacht, Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige Infrastruktur stark beschädigt. An einer Kreuzung knapp westlich der Interstate 35 entstanden die größten Schäden, da der Tornado hier eine Schleife machte und länger über dieser Stelle wütete. Eine Übersicht über die genaue Zugbahn und die unterschiedlichen Schadensbereiche zeigt die untenstehende Abbildung 2. Wenn Sie sich nun fragen, wo denn die violetten Farben für den EF5 geblieben sind, so sind diese nur in ganz feinen Spuren entlang der „Schleife“ sowie dicht südwestlich davon innerhalb des breiten roten EF4 Bereiches zu finden und mit bloßem Auge kaum zu sehen. Insgesamt waren es 9 Häuser, an denen eine EF5 Schaden nachgewiesen wurde.

 

Vor 12 Jahren EF5 Tornado in Moore der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt teil 2 

Abb 2: Zugbahn und Schadensanalyse des EF5 in Moore 

Das traurige Fazit des Tornados: Auf einer Zugstrecke von 23 Kilometern und einer maximalen Breite von 1,7 Kilometern verloren 24 Menschen ihr Leben, mehrere Hunderte wurden verletzt. Über 4200 Objekte wurden beschädigt, darunter etwa 1150 Häuser, von denen insgesamt mehr als 300 EF4/EF5-Schäden erlitten. Die Schadenssumme betrug in 2013 rund 2 Milliarden US-Dollar.

 

Vor 12 Jahren EF5 Tornado in Moore der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt teil 3 

Abb 3: Der Moore-Tornado am 20.05.2013 im Radarbild (links) gut zu erkennen am „Debris Ball“ (aufgewirbelte Gegenstände, die vom Radar erfasst werden), sowie sein reales Erscheinungsbild kurz vor der Stadt Moore (rechts). 

Vor 12 Jahren EF5 Tornado in Moore der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt teil 4

Abb 4: Schadensbilder und -analyse aus der Luft mit Blick auf das Moore Medical Center (MMC) und Umgebung 

Seit diesem Tag ist der Tornado in Moore der letzte registrierte EF5-Tornado. Tatsächlich ist die aktuelle, 12-jährige EF5-„Dürre“ der längste Zeitraum ohne einen solchen Tornado seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Somit stellt sich die Frage, ob diese Pause meteorologisch bedingt, zufällig oder das Resultat einer wechselhaften Klassifizierungspraxis ist.

Eine mögliche Ursache könnten meteorologische Veränderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel sein. Es ist allerdings noch sehr schwierig zu beurteilen, inwieweit der Klimawandel tatsächlich Tornados beeinflusst. Durch Einschränkungen in den Tornadodatenbanken, ein begrenztes Verständnis der Tornadogenese und die grobe Auflösung der Klimamodelle, werden verlässliche Aussagen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Tornadoklimatologie der USA erschwert. Seit einigen Jahren zeigt sich aber neben einer räumlichen Verschiebung, eine höhere Variabilität. Das bedeutet, dass es insgesamt weniger Tage mit Tornados gibt, dafür eine Zunahme von Tornados an einzelnen Ausbruchstagen. Diese Beobachtung lässt sich sogar mit bisherigen Erkenntnissen der Klimaforschung in Einklang bringen. Laut Modellen würden in einem wärmeren Klima die CAPE-Werte (Convective Available Potential Energy, also die einem Gewitter zur Verfügung stehende Energie) steigen, während die CIN-Werte (Convective Inhibition, Energie, die ein Gewitter für seine Entstehung überwinden muss) ebenfalls zunehmen würden. Dies würde dazu führen, dass weniger Superzellen gebildet werden, aber wenn sie entstehen, wären sie aufgrund der erhöhten CAPE stärker und könnten mit größerer Wahrscheinlichkeit mehrere und stärkere Tornados erzeugen. Diese theoretische Zunahme von starken Tornados widerspricht jedoch der EF5-„Dürre“ und stellt somit keinen guten Erklärungsansatz für das Fehlen von EF5-Tornados dar.

Es erscheint ebenfalls wenig wahrscheinlich, dass es sich hier lediglich um einen Zufall handelt. Zwischen 1880 und 2023 wurden insgesamt 101 F5- bzw. EF5-Tornados registriert – das entspricht durchschnittlich etwa 0,7 pro Jahr. Diese besonders starken Tornados traten in 59 von insgesamt 144 Jahren auf, was einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von rund 41 % entspricht. Geht man davon aus, dass das Auftreten von mindestens einem F5-/EF5-Tornado pro Kalenderjahr unabhängig von vorhergehenden Jahren ist, so betrug die Wahrscheinlichkeit dafür, dass in den 11 aufeinanderfolgenden Jahren seit 2013, kein solcher Tornado in den Vereinigten Staaten auftritt, lediglich 0,17 %. Die aktuelle EF5-„Lücke“ ist statistisch gesehen also extrem selten und kann als sehr ungewöhnlich betrachtet werden. Es muss also wohl ein anderer Grund dahinterstecken.

Eine kürzlich erschienene Studie zeigt: Die scheinbare Abnahme ist weniger auf eine tatsächliche Reduktion dieser Ereignisse zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine Veränderung in der Bewertungsmethodik von Tornados. Seit 2007 verwendet die USA nämlich nicht mehr die klassische Fujita (F)-Skala, sondern stattdessen die Enhanced Fujita (EF)-Skala zur Klassifizierung von Tornadofällen. Der wesentliche Unterschied – und vermutlich auch der Hauptgrund für die gesunkene Zahl an EF5-Tornados – besteht darin, dass die neuere EF-Skala bauliche Rahmenbedingungen berücksichtigt und je nach Gebäudetyp unterschiedliche Schadensgrade definiert. Dadurch kann es passieren, dass Tornados, die nach der alten Fujita-Skala als F5 eingestuft worden wären, nach den strengeren Kriterien der EF-Skala nur noch als EF4 bewertet werden. Nicht zu verwechseln ist diese Anpassung in den USA mit der erst jüngst erfolgten Einführung der Internationalen Fujita Skala (IF) in Europa, die gesondert auf die hiesige Bauweise angepasst ist und auch vom DWD verwendet wird.

Doch zurück zu unserem Skalenproblem in den USA: Besonders deutlich wird das am häufigsten verwendeten Schadensindikator: den Schäden an Einfamilienhäusern. Nach der ursprünglichen F-Skala galt ein gut gebautes Haus, das vollständig von seiner Bodenplatte gefegt wurde, automatisch als F5-Schaden. Die EF-Skala hingegen stuft denselben Schaden in der Regel als EF4 ein – es sei denn, es kann nachgewiesen werden, dass das Gebäude über den üblichen Bauvorschriften hinaus besonders robust errichtet wurde. Auch ein Detail bei der Entwicklung der Skalenbereiche spielt hierbei eine Rolle: die Rundung der Windgeschwindigkeitsbereiche. Auf Grundlage technischer Analysen wurde die höchste Schadensstufe („Zerstörung eines gut gebauten Wohnhauses; Bodenplatte leergefegt“) mit einer erwarteten Spitzenböe von 200 mph (322 km/h) verknüpft. Ursprünglich lag der EF4-Bereich bei 168 – 199 mph, was bedeutet hätte, dass 200 mph gerade in den EF5-Bereich gefallen wäre. Doch mit der finalen Glättung der Skala in 5-mph-Schritte wurde der EF4-Bereich auf 166–200 mph erweitert. In der Folge liegt eine Spitzenböe von 200 mph – also bei vollständiger Zerstörung eines gut gebauten Hauses – nun am oberen Ende von EF4, nicht mehr im EF5-Bereich.
 

Vor 12 Jahren EF5 Tornado in Moore der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt teil 5 

Abb 5: EF4-Schäden im oberen Grenzbereich (195 mph) an einem Laden in der Walnut Street in Rolling Fork 2023, welcher gänzlich von seiner Bodenplatte gefegt wurde. 

In Tornadohochburgen wie Oklahoma oder Kansas werden Gebäude oft nur nach Mindeststandards errichtet, häufig ohne Verstärkungen oder feste Fundamentverankerung. Dadurch fehlen bei vielen Tornados – besonders in ländlichen Gebieten – belastbare Schadensindikatoren für eine EF5-Einstufung. Selbst extrem starke Tornados wie der El-Reno-Tornado 2013 (EF3) oder ein Fall nahe Hollister (Oklahoma) im Jahr 2024 (EF1) konnten deshalb nur niedrig eingestuft werden.

Die Veränderungen durch die EF-Skala führen also wohl zu inkonsistenten oder verzerrten Daten, was die Vergleichbarkeit zwischen Tornados aus verschiedenen Jahren und Regionen erschwert. Dies könnte langfristig die Zuverlässigkeit der Tornadoaufzeichnungen und -statistiken beeinträchtigen, was wiederum Auswirkungen auf die Risikobewertung, Vorbereitung und die Vorhersagemodelle hätte. Um dem Vorzubeugen schlagen die Autoren vor, den Windgeschwindigkeitsbereich für EF5-Tornados auf 190 mph anzupassen, um eine konsistente 5-stufige Einstufung von 1880 bis heute zu gewährleisten. Diese Änderung würde dazu führen, dass 13 EF5-Kandidaten, die aufgrund der strengeren Klassifikationskriterien als EF4 eingestuft wurden, in die Statistik aufgenommen werden. Dadurch würde die Lücke in der Anzahl der EF5-Tornados auf maximal fünf Jahre begrenzt.

Tatsächlich wurde bereits bekannt gegeben, dass eine Gruppe innerhalb der American Society of Civil Engineers und der American Meteorological Society sich mit einer Überarbeitung der Enhanced Fujita Skala beschäftigt. Diese soll neue Forschungsergebnisse und bisherige Erfahrungen berücksichtigen, zusätzliche Schadensindikatoren umfassen und Anpassungen für bereits Bestehende beinhalten. Es wird erwartet, dass der neue Standard innerhalb der nächsten Jahre, auf jeden Fall innerhalb dieser Dekade, veröffentlicht wird. 

Praktikant Aaron Gentner und Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Wetterwechsel ante portas

Seit etlichen Wochen sorgen Hochdruckgebiete in Deutschland für stabiles Frühlingswetter. Kurze Unterbrechungen traten dabei Anfang des Monats sowie Ende der zweiten und Anfang der dritten Aprildekade auf. Insbesondere persistente Hochdruckgebiete über Nordwesteuropa sorgten dafür, dass der Atlantik quasi abgeriegelt und Tiefdruckgebiete weit nach Nord- oder Südeuropa abgelenkt wurden. Die Folge ist eine nun in einigen Landesteilen schon länger anhaltende Trockenperiode (siehe Thema des Tages vom 15.05.). Durch die Positionierung der Hochdruckgebiete westlich oder nordwestlich von Deutschland wurden allerdings keine heißen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum oder Nordafrika herangeführt. Stattdessen hatten wir es meist mit kühleren Luftmassen aus Nordosteuropa zu tun, wobei die kräftige Maisonne diese Luftmasse zumindest tagsüber schon ordentlich erwärmen konnte. Nachts wurden jedoch oftmals nur einstellige Tiefstwerte, teilweise auch Luftfrost registriert. Gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 ist der bisherige Mai mit einer Mitteltemperatur von 11,9 Grad knapp 0,5 Grad zu warm. Zieht man den Klimareferenzzeitraum 1991-2020 heran, so liegt eine negative Abweichung von circa 0,5 Grad zu Grunde. 

Aktuell wird das Wetter in Deutschland von zwei Druckgebilden beeinflusst. Zum einen von Hoch TABEA, das sich vom Nordostatlantik langsam nach Mitteleuropa ausdehnt und zum anderen von Tief LORENZ mit Kern über dem Baltikum. Das Tief sorgt am heutigen Montag im Osten und Nordosten des Landes noch für dichte Wolkenfelder, Regen fällt aber kaum noch. Immerhin gab es dort von Sonntagfrüh bis Montagfrüh in der Fläche 1 bis 5, punktuell sogar über 10 l/qm Niederschlag.
 

Wetterwechsel ante portas teil 1 

Deutschlandkarte mit den 24-stündigen Niederschlagsmengen von Sonntagfrüh, den 18.05. bis Montagfrüh, den 19.05. in l/qm 

Am morgigen Dienstag hat das Hoch dann seinen Einfluss auf weite Teile des Landes ausgeweitet und sorgt für stabiles sowie frühlingshaft warmes Wetter. Dabei stören ein paar, über der Mitte auch etwas zahlreichere Quellwolken kaum. Was beachtet werden sollte ist der UV-Index. Wir befinden uns gerade einmal einen Monat vor Sonnenhöchststand und die gesundheitliche Gefährdung durch ultraviolette Strahlung ist mittel bis hoch. 

Wetterwechsel ante portas teil 2

UV-Index für Deutschland am Dienstag, den 20.05. und Mittwoch, den 21.05. 

Der äußerste Süden des Landes wird von einem Tief über dem Golf von Genau beeinflusst, das feuchte und labil geschichtete Luft heranführt. In dieser Luftmasse können vor allem mit Unterstützung der Orografie lokal über dem Südschwarzwald und den Alpen Schauer und Gewitter entstehen. Durch die langsame Zuggeschwindigkeit besteht leicht erhöhtes Starkregenpotential. 

Ab Mittwoch stellt sich die Wetterlage langsam aber sicher deutlich um. Zunächst gerät der Süden des Landes in den Einflussbereich mehrerer Höhentiefs über West- und Südeuropa. Die einfließende feuchte Luft wird zunehmend gehoben und es bilden sich vermehrt Schauer und Gewitter. Diese verlagern sich sehr langsam, wodurch der Starkregen in den Fokus gerät. In der Fläche fallen 1 bis 10, punktuell um 20 l/qm in 24 Stunden. Über Norddeutschland verstärkt sich der Druckgradient durch ein Tief über Südskandinavien. Zunächst lebt der Wind dadurch insbesondere im Küstenumfeld deutlich auf. 

Am Donnerstag ändert sich an der Druck- und Wetterkonstellation zunächst nicht viel. Schauerartige Regenfälle gibt es weiterhin im Süden und im Küstenumfeld treten bei einem lebhaften West- bis Nordwestwind einige Schauer auf. Meist gibt es dabei 1 bis 10, lokal um 15 l/qm/24 h. In einem breiten Streifen über der Mitte bleibt es freundlich. Nachdem am Mittwoch mit Ausnahme des Nordens noch verbreitet über 20 Grad erreicht werden, sind am Donnerstag maximal noch 12 bis 19 Grad zu erwarten. 

Am Freitag wird temperaturtechnisch die Talsohle diese Woche erreicht. Es stehen dann deutschlandweit lediglich noch 11 bis 17 Grad auf dem Plan. Vorwiegend im Norden und der nördlichen Mitte stehen einige Schauer sowie mitunter Graupelgewitter auf der Tagesordnung. Ein kräftiger Westwind lässt damit einen eher herbstlichen als frühlingshaften Eindruck entstehen. Auch im äußersten Süden regnet es noch etwas. Insgesamt liegen die Regenmengen im 24-stündigen Zeitraum in der Fläche überwiegend unter 10 l/qm. Über der südlichen Mitte scheint die Sonne häufiger und es bleibt trocken. 

Wetterwechsel ante portas teil 3

24-stündige Niederschlagsmenge in l/qm für Mi (21.05.), Do (22.05.), und Fr (23.05.) auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle 

Am Wochenende bleibt der wechselhafte Wettereindruck bestehen, wobei die Temperaturen wieder einen leichten Aufwärtstrend zeigen. Wiederholt fällt Regen, sodass die Trockenheit doch insgesamt gemindert werden sollte. Auch im weiteren Verlauf deutet sich an, dass immer wieder Tiefdruckgebiete vom Atlantik her mit ihren Ausläufern auf Mitteleuropa übergreifen, was wiederholte und nennenswerte Regenfälle zur Folge hätte. Akkumuliert sollen bis zum Wochenstart je nach Modell 5 bis 20, an den Alpen und an der Nordsee bis 50 l/qm (laut GFS an den Alpen um 80 l/qm) zusammenkommen. Wenig Niederschlag wird allerdings für den Osten prognostiziert, wo gebietsweise nur 1 bis 5 l/qm vorhergesagt werden. 

Wetterwechsel ante portas teil 4

Akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/qm bis Anfang der kommenden Woche (Mo, 26.05.) auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle 

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass mehrere kleine Niederschlagsereignisse in den kommenden Tagen die Dürre zumindest etwas entschärfen dürften.
 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Hitzesommer der Vergangenheit

In den vergangenen Tagen geisterten häufig Begriffe wie Hitze oder gar Höllensommer durch die Medien. Dabei handelt es sich lediglich um polarisierende Schlagzeilen. Aktuell gibt es keine seriösen Prognosen darüber, ob wir einen neuen Hitzesommer erleben werden oder nicht! In Zeiten des voranschreitenden Klimawandels ist die Wahrscheinlichkeit allerdings relativ hoch, dass der Sommer 2025 gegenüber dem langjährigen Klimamittel zu warm ausfallen wird.

Viele können sich bestimmt noch an den Hitzesommer 2003 erinnern. Im meteorologischen Sommer, im Zeitraum von Juni bis August lag die mittlere Tagestemperatur damals bei 19,6 Grad. Der Sommer verzeichnete somit eine positive Temperaturabweichung von 3,4 Grad gegenüber der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Damit ist der Hitzesommer von 2003 bis heute der heißeste in Deutschland. Vor allem in der Südhälfte der Bundesrepublik wurden häufig noch deutlich höhere Abweichungen registriert. Die Ursache dafür waren langanhaltende Hitzeperioden bei gleichzeitiger, teils großer Trockenheit. Eine besonders markante Hitzewelle gab es in jenem Jahr mit einem Schwerpunkt im Südwesten Landes Anfang August. Damals wurde beispielsweise an der Wetterstation in Karlsruhe an 12 aufeinanderfolgenden Tagen ein Temperaturmaximum von über 35 Grad gemessen. Dies stellt bis heute ebenfalls einen Rekord dar.

Vor allem Anfang August kam es zu einer ausgeprägten Omegalage über Zentral- und Westeuropa. Dabei lag die Achse des Höhenkeils über Frankreich. Vor allem der Nordosten Deutschlands befand sich auf der Vorderseite des Keils. Dadurch gab es dort keine extreme Hitzewelle. Bereits der Juni startete mit einem blockierenden Hochdruckgebiet samt den ersten Hitzetagen des Sommers über Zentraleuropa. Im weiteren Verlauf wurde vor allem der Süden des Landes immer wieder von teils markanten Vorstößen von heißen Luftmassen aus Nordafrika erfasst. So lag die Monatsabweichung der Temperatur im Süden mit teils über 6 Grad gegenüber der Referenzperiode von 1961 bis 1990 noch höher als im August des gleichen Jahres. Lediglich der Juli gestaltet sich etwas wechselhafter und kühler. Aber auch im Juli lagen die Mitteltemperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel.

Der zweitwärmste Sommer seit Wetteraufzeichnung zeichnete sich weniger durch extreme Temperaturspitzen aus. Die Rede ist vom Sommer 2018, der eine mittlere Tagestemperatur von 19,1 Grad hatte. Vor allem im Juli und August wurden deutlich positive Abweichungen registriert. Im Vergleich zum Sommer 2003 zeichnete sich 2018 durch eine andere Strömungskonfiguration aus. Häufig etablierte sich hoher Luftdruck über Skandinavien und relativ tiefer Luftdruck über dem Mittelmeerraum. Im meteorologischen Fachjargon sprechen wir bei dieser Konstellation auch von einer High-over-low-Lage. Die hohen Temperaturen wurden dabei durch kräftiges Absinken und einer positiven Strahlungsbilanz im Bereich des Hochdruckgebietes vor Ort generiert. Durch die teils extreme Trockenheit konnte sich die Luftmasse aufgrund von fehlender Verdunstungsabkühlung noch stärker erwärmen. Vor allem im Norden und Nordosten brachte nämlich bereits der Mai deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagssummen. Somit war der Sommer 2018 der zweitwärmste seit Wetteraufzeichnung, er zeichnete sich aber vor allem durch die teils extreme Trockenheit aus, die bis weit in den Herbst hinein anhielt.

Hitzesommer der Vergangenheit teil 1

 

Geopotentialanomalie für den Sommer 2003 und 2018 über Europa. Im Sommer 2003 sorgten persistente Omegalagen über Zentral- und Westeuropa für überdurchschnittlich hohes Geopotential, während 2018 vor allem aufgrund von ausgeprägten High-Over-Low-Lagen über Nordwesteuropa und Skandinavien hohe Abweichungen beobachtet werden. 

Neue Allzeitrekorde wurden ein Jahr später (2019) erreicht – im drittwärmsten Sommer seit Wetteraufzeichnung. Im Gegensatz zum Sommer 2003 und 2018 brachte dieser allerdings keine längeren Hitzewellen. Dafür sorgte ein kräftiger Vorstoß sehr heißer Luftmassen aus Nordafrika im Westen des Landes in der letzten Julidekade für zahlreiche Allzeitrekorde. So kletterte am 25.07.2019 das Thermometer in Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen auf 41,2 Grad. Kurze, aber markante Hitzeperioden bestimmten das Bild des Sommers. Zwischendurch gab es aber im Kontrast zu 2003 und 2018 auch immer wieder deutlich kühlere Phasen, die letztendlich dafür sorgten, dass der Sommer nur auf Platz 3 landete.

Somit bleibt abzuwarten wie der diesjährige Sommer ausfällt. Die Messlatte für einen neuen Jahrhundertsommer ist jedenfalls sehr hoch gesetzt!
 

 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

Im „Auge“ des Tornados

Sicherlich haben Sie schon einmal etwas über den Katastrophenfilm „Twister“ aus dem Jahre 1996 gehört oder vielleicht auch schon (mehrfach) gesehen? Am Ende des Films kommt es zum großen „Showdown“, als sich Bill (Bill Paxton) und Jo (Helen Hunt) im Inneren eines ausgewachsenen Tornados befinden und beim Blick nach oben den blauen Himmel sehen können. Nun stellt man sich vielleicht die Frage, ob das eigentlich wirklich so ist. Schnell kommen einem dabei wohl Bilder eines Hurrikans mit einem wolkenfreien und windstillen Auge in seinem Zentrum in den Kopf. Ist das bei einem Tornado vielleicht auch so? 

Bevor wir der Sache auf den Grund gehen und um Verwechslungen und Missverständnisse zu vermeiden, sei folgendes gesagt: Hurrikans beziehungsweise tropische Wirbelstürme und Tornados sind zwei völlig verschiedene Wetterphänomene, die quasi nichts miteinander zu tun haben. „Quasi“ deshalb, da tropische Wirbelstürme Tornados auslösen können. Für ein extremes Beispiel dazu sorgte Hurrikan Milton Anfang Oktober letzten Jahres. Er verursachte in Florida einen Tornadoausbruch mit sage und schreibe 45 bestätigten Tornados an einem Tag (entspricht etwa der mittleren Tornadoanzahl in Deutschland in einem Jahr). 

Im 22Auge22 des Tornados teil 1

Blick aus der Internationalen Raumstation (ISS) auf Hurrikan Florence am 12.09.2018. 

Tropische Wirbelstürme sind weitaus größer und langlebiger als Tornados. Während erstere einen Durchmesser von weit über 1000 km haben und über mehrere Tage bestehen können, messen Letztere in der Regel einen Durchmesser von „nur“ einigen hundert Metern und dauern häufig weniger als eine Stunde. Tornados entstehen an der Unterseite einer Schauer- oder Gewitterwolke. Bei tropischen Wirbelstürmen handelt es sich grob gesagt um die Ansammlung von Gewittertürmen, die aufgrund der Corioliskraft beginnen, sich um ein gemeinsames Zentrum zu drehen. 

Im 22Auge22 des Tornados teil 2

Blick aus der Internationalen Raumstation (ISS) auf das wolkenarme Auge von Hurrikan Florence am 12.09.2018. 

Soweit erst einmal zu den Grundlagen. Springen wir nun direkt ins Innere eines Tornados! 

Videos aus dem Inneren eines Tornados bzw. von Leuten, die sich in ihrem Auto von einem Tornado überrollen lassen (nicht nachmachen!!!), gibt es durchaus einige im weltweiten Web. Ein besonderes Exemplar dazu hat Reed Timmer zu bieten, einer der weltweit bekanntesten Sturmjäger und Tornadoforscher (Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=T3yF5-OsijM). Mit seinem extra auf die extremen Bedingungen im Umfeld eines Tornados ausgerichteten Autos, dem „Dominator“, stellte er sich mit seiner Crew direkt in die Zugbahn eines Tornados. Es handelte sich um einen Tornado bei Spalding, Nebraska, einem, wie sich später herausstellte EF3-Tornado, was Windgeschwindigkeiten zwischen 218 und 265 km/h entspricht. Mehr zu Tornadoskalen finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 11.04.2024 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/4/11.html). 

Im 22Auge22 des Tornados teil 3

Drohnenaufnahme des Tornados bei Spalding, Nebraska, USA am 12.05.2023. 

Dank der am Dominator angebrachten Messinstrumente konnten zahlreiche Daten aus dem Inneren des Tornados gewonnen werden. Während der Windmesser durch den Tornado leider beschädigt wurde, lieferte die Auswertung der Druckdaten eindrucksvolle Ergebnisse. Demnach sank der Luftdruck bei Überquerung des Tornados vorrübergehend um knapp 55 hPa! Direkt nach Durchgang des Tornados stieg der Druck innerhalb von nur 0,75 Sekunden um 23 hPa an! Diese extremen Druckänderungen sind letztlich die Erklärung für die enormen Windgeschwindigkeiten. 

Was man in dem Video noch sieht: Während der Wind anfangs noch von hinten kommt, dreht er rasch nach rechts, ehe er mit Durchgang des Hauptwirbels plötzlich direkt von vorne zuschlägt. Während des letztgenannten Richtungswechsels kann man tatsächlich eine kurzzeitige Windabnahme erkennen. Hierbei aber von Windstille zu sprechen, wäre schon eher vermessen. Innerhalb eines Tornados werden zudem auch immer wieder sogenannte Mikrowirbel beobachtet, die dort hin und her sausen und für die höchsten Windgeschwindigkeiten eines Tornados verantwortlich sind. 

Von einem wolkenarmen Auge ist nicht einmal ansatzweise etwas zu sehen – aber wie auch? Ein Tornado entsteht, wie oben bereits beschrieben, unterhalb einer Schauer- oder Gewitterwolke oder anders ausgedrückt: Über einem Tornado ist enorm viel Wolke! Während ein Tornado meist mehrere 100 m hoch ist, kann die darüber befindliche Wolke über 10 km hoch in den Himmel ragen. 

Die zu Beginn des Textes beschriebene Szene am Ende von „Twister“ ist also absoluter Nonsens. Dem Kultstatus dieses Films tut das aber natürlich kein Abbruch 😉 

Dipl. Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst