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Sonne, Erde, Jahreszeiten

4. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Von klein auf kennen wir die vier Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Das typische Wetter unterscheidet sich von Jahreszeit zu Jahreszeit stark. Ist es im Sommer oft heiß oder gewittrig, ist es im Winter dagegen kalt und windig. Der Herbst hat seine sonnigen Seiten und kann mit seiner farbenprächtigen Natur glänzen, jedoch genauso windiges, trübes, nebliges oder regnerisches Wetter mit sich bringen. Dass der Frühling ebenso viele verschiedene Seiten hat, ist sowieso offensichtlich mit dem April als Inbegriff der Sprunghaftigkeit: „Der April, der macht was er will.“

Und was treibt diese alljährliche Wettermaschinerie an? Natürlich die Sonne und die Umlaufbahn der Erde um diese herum.

Das erste der berühmten Keplerschen Gesetze besagt, dass sich die Erde (und auch jeder andere Planet) auf einer elliptischen Bahn um die Sonne bewegt. Dabei steht die Sonne in einem der Brennpunkte. Der Bahnpunkt, der die größte Entfernung zur Sonne aufweist wird dabei „Aphel“ genannt, der sonnennächste Punkt „Perihel“. Nun stellt sich die Frage, an welchem Tag des Jahres die Erde diese Punkte passiert. Wollen Sie raten? Die Antwort finden Sie am Ende dieses Thema des Tages.

Darstellung der Umlaufbahn der Erde um die Sonne mit Jahreszeitenbeginn. (Quelle:https://de.wikipedia.org/wiki/Erdbahn#/media/Datei:Four_season_german_infotext.svg (04.10.2025)

Die Entfernung zur Sonne spielt also für die Jahreszeiten eine nur untergeordnete Rolle. Was also zeichnet den Erdorbit noch aus? Das Zauberwort ist die Ekliptik. Diese beschreibt, dass die Erdumlaufbahn gegenüber der Erdachse geneigt ist. Dieser Neigungswinkel beträgt 23,5° und findet sich beispielsweise bei Globen (tatsächlich die Mehrzahl von Globus) wieder, die ebenfalls nicht „gerade“ dastehen. Während sich die Erde um die Sonne bewegt, führt diese Ekliptik nun dazu, dass ein halbes Jahr lang die Nordhalbkugel der Sonne zugewandt ist und die anderen sechs Monate die Südhalbkugel. Die Zeitpunkte des Wechsels werden durch die Tag-und-Nachtgleichen markiert. Sie fallen auf den 21. März und den 23. September. Der Tag des höchsten Sonnenstandes (in Bezug auf die Nordhalbkugel) ist der 21. Juni und der des niedrigsten der 21. Dezember. Diese Tage könnten Ihnen bekannt vorkommen, denn sie markieren den Sommer- bzw. Winteranfang im kalendarischen Sinne. Auf den ersten Blick vielleicht etwas unintuitiv, aber das bedeutet auch, dass ab dem Sommerbeginn die Tage wieder kürzer werden.

Darstellung der Ekliptik der Erdumlaufbahn. (Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a3/Ecliptic.svg (04.10.2025)

Spannenderweise ist die Erdumlaufbahn nicht konstant. Sie unterliegt gewissen Veränderungen. Beispielsweise ändert sich das Perihel und gleichzeitig der Frühlingspunkt. Alle etwa 12000 Jahre fallen Perihel und Sommeranfang zusammen. Wenn sich jemand dann die Frage stellt, warum es Sommer wird, der wird vielleicht irrtümlich auf die Antwort kommen, dass die Entfernung zwischen Erde und Sonne ausschlaggebend sei. Für dieses Thema des Tages hat das zur Folge, dass die untenstehende Antwort strenggenommen nur eine Momentaufnahme ist und eigentlich lauten müsste: Das Datum, an dem die Erde Aphel und Perihel durchläuft, ist nicht konstant, sondern ändert sich in regelmäßigen (astronomischen) Zeitintervallen.

Antwort auf die Frage im Text:

Das Aphel wird am 03. Januar, das Perihel am 03. Juli erreicht.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Sonne-Erde-Jahreszeiten-1.png 793 1274 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-04 13:23:352025-10-07 13:32:25Sonne, Erde, Jahreszeiten

Wetterwende am Feiertagswochenende

3. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Heute vor 35 Jahren trat die Deutsche Demokratische Republik (DDR) dem Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland (BRD) bei. Seitdem ist der 03. Oktober ein gesetzlicher Feiertag in Deutschland. Die zentrale Gedenkfeier wird in diesem Jahr in Saarbrücken abgehalten.

Am 03. Oktober 1990 beeinflusste ein Tief nördlich der Britischen Inseln das Wetter in Deutschland. Mit einer südwestlichen Strömung gelangte warme Luft in den Südwesten Deutschlands. Am Oberrhein und Neckar konnten sommerliche Höchstwerte von 24 bis 27 Grad Celsius verzeichnet werden. In der Mitte Deutschlands hielten sich teils zähe Nebel- und Hochnebelfelder, während in den übrigen Landesteilen vielfach die Sonne schien. Die Höchsttemperatur erreichte dabei Werte zwischen 15 und 23 Grad Celsius, im Dauergrau auch darunter. Im Nachmittagsverlauf zogen von Nordwesten allmählich Wolkenfelder herein. In der Nacht zum 04. Oktober kamen in der Nordwesthälfte dann teils kräftige Schauer und Gewitter auf und sorgten so für ein feuchtfröhliches Feuerwerk der etwas anderen Art.

Auf der anderen Seite des Atlantiks wird am heutigen 03. Oktober in den USA der Tag des Herbstlaubs begangen. Leider ist wenig über diesen kuriosen Feiertag bekannt, dies gilt sowohl für den Initiator als auch das Einführungsjahr. Auch warum der Tag des Herbstlaubs immer auf den 03. Oktober fällt, ist nicht überliefert. Wie die prächtigen Gelb- und Rottöne an den Laubbäumen zustande kommen, kann im Thema des Tages vom 20. September 2025 nachgelesen werden.

Am Sonntag, den 05. Oktober, wird dann das Erntedankfest begangen. Nach der Ernte im Herbst wird Gott für die Gaben gedankt und daran erinnert, dass gute Ernteerträge trotz der einst mühevollen Arbeit nicht allein in Menschenhand liegen. In der Kirche wird ein Erntealtar aus Getreide sowie Garten- und Feldfrüchten zusammengestellt oder eine Erntekrone aus Getreide oder Weinstöcken in einer Prozession durch den Ort getragen.

Doch wie gestaltet sich das Wetter an diesem Feiertagswochenende? Ist es vergleichbar mit dem von vor 35 Jahren?

Zusammengefasst schonmal vorneweg: Ein sonniger Osten und ein stärker bewölkter Westen sind auch für den heutigen Tag der Deutschen Einheit zutreffend, auch wenn das Niveau bei den Höchsttemperaturen mit Werten zwischen 12 und 17 Grad deutlich gedämpfter ist als noch vor 35 Jahren.

Doch betrachten wir die aktuelle Wetterlage einmal genauer. In der Osthälfte Deutschlands zeigt sich vielerorts die Sonne an einem nahezu wolkenfreien Himmel. Beim Blick in die Bodendruckkarte findet sich mit dem Hoch PETRALILLY auch schnell die Verantwortliche für das dort ruhige, herbstliche Wettergeschehen.

Allerdings gibt es auch Regionen, in denen sich der nächtliche Nebel länger halten konnte. So gab es insbesondere im Süden, der Mitte und im Osten einige Gebiete, die erst im Laufe des Vormittags die Sonne zu Gesicht bekamen.

Dieses ruhige Herbstwetter hält aber nicht mehr lange an, denn auf dem Nordatlantik wurde bereits am Mittwoch ein neues Tief geboren. Dieses ging aus dem Zusammenspiel des Hurrikans IMELDA und des ehemaligen Hurrikans HUMBERTO hervor und wurde auf den Namen DETLEF getauft. International ist das Tief auch als AMY bekannt. DETLEF respektive AMY zog rasch über den Atlantik hinweg, intensivierte sich dabei und erreicht im heutigen Tagesverlauf als Orkantief die Britischen Inseln.

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Freitag, den 03.10.2025 12 UTC

Der derzeit hierzulande noch vorherrschende Hochdruck hat diesem Tief nur wenig entgegenzusetzen. Entsprechend dominiert in der Folge der tiefe Luftdruck das Wettergeschehen und leitet einen wechselhafteren Witterungsabschnitt ein. So greifen bereits hohe Wolkenfelder auf die Westhälfte über – die Vorboten der Tiefausläufer. In der Nacht zum Samstag folgt dann teils schauerartiger Regen, der uns im Laufe des Samstags südostwärts überquert.

Von drei verschiedenen Modellen vorhergesagte 12-stündige Niederschlagsmengen bis Samstagmittag

Dabei frischt der Wind kräftig auf. Bereits am heutigen Freitag sind erste Windböen auf den Nordseeinseln spürbar, in der Nacht zum Samstag verstärkt sich der Wind dann an den Küsten und im Bergland. Auch im Westen und Nordwesten treten erste Windböen auf. Am Samstag tagsüber greift das Windfeld auf ganz Deutschland über. Insbesondere an der dann durchziehenden Kaltfront von Tief DETLEF kann der Wind im Tagesverlauf vorübergehend stark bis stürmisch auffrischen. An den Küsten sowie im höheren Bergland ist teils schwerer Sturm zu erwarten.

Von drei verschiedenen Modellen vorhergesagte maximale Windböen am Samstagmittag

Am Sonntag stellt sich dann verbreitet Schauerwetter ein. Zudem muss erneut mit Windböen gerechnet werden. Im Bergland und an den Küsten bleibt es weiterhin stürmisch.

Insgesamt steht also ein wechselhaftes und windiges, teils stürmisches Wochenende bevor. Der schwere Sturm, den die Wettermodelle vor ein paar Tagen noch landesweit vorhersagten, betrifft nur noch einige Küstenabschnitte sowie die höchsten Gipfel. Grund hierfür ist die Zugbahn des Tiefs. Diese verläuft nun deutlich weiter nördlich als ursprünglich angenommen, sodass das Windfeld in Deutschland schwächer ausfällt.

In der neuen Woche setzt sich das wechselhafte Wetter fort, wobei der Parameter Wind dann noch vorrangig an den Küsten und auf den Bergen ein Thema bleibt. In einer westlichen Strömung können weitere Tiefausläufer auf Deutschland übergreifen. Nach Südwesten und Süden zu steigt jedoch wieder der Hochdruckeinfluss, sodass sich dort auch öfter die Sonne zeigen kann.

M.Sc.-Meteorologen Tanja Egerer und Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/10/Wetterwende-am-Feiertagswochenende-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-03 12:11:582025-10-07 13:22:28Wetterwende am Feiertagswochenende

Deutschlandwetter im September 2025

2. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Greifswalder Oie Mecklenburg-Vorpommern 16,7 °C +2,5 Grad
2 Helgoland Schleswig-Holstein 16,6 °C +1,7 Grad
3 Magdeburg Sachsen-Anhalt 16,3 °C +2,5 Grad

Besonders kalte Orte im September 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 10,8 °C +0,9 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 11,2 °C +1,4 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 11,2 °C +1,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Elzach-Fisnacht Baden-Württemberg 223,2 l/m² 240 %
2 Olsdorf Rheinland-Pfalz 208,2 l/m² 304 %
3 Trier-Zewen Rheinland-Pfalz 200,3 l/m² 364 %

Besonders trockene Orte im September 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Winsen/Luhe-Stöckte Niedersachsen 15,2 l/m² 26 %
2 Faßberg Niedersachsen 20,7 l/m² 34 %
3 Rosengarten-Klecken Niedersachsen 22,4 l/m² 31 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 236 Stunden 139 %
2 Fehmarn Schleswig-Holstein 227 Stunden 142 %
3 Barth Mecklenburg-Vorpommern 227 Stunden 138 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Kleiner Feldberg/Taunus Hessen 110 Stunden 76 %
2 Schlüchtern-Herolz Hessen 113 Stunden 77 %
3 Obersulm-Willsbach Baden-Württemberg 116 Stunden 67 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-10-02 12:05:182025-10-07 12:11:19Deutschlandwetter im September 2025

Tornados 2025 | Wer entscheidet, ob es ein Tornado war oder nicht?

1. Oktober 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Einleitung

Die Tornadosaison 2025 nähert sich allmählich dem Ende. Zwar hat das Jahr noch ganze drei Monate, gleichwohl treten in diesen drei Monaten im Schnitt über die letzten 25 Jahre nur drei Tornados auf. Die Hauptaktivitätsmonate (Mai bis September) liegen damit hinter uns.

Zwischenbilanz 2025

Es ist also an der Zeit, einen Blick auf die bisherige Bilanz der Tornadosaison 2025 zu werfen. Gesammelt werden alle bestätigten Tornadofälle in der Europäischen Unwetterdatenbank (eswd.eu). Für Deutschland stehen in der Datenbank bisher 36 bestätigte Fälle. Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Verdachtsfälle, die aktuell noch in der Diskussion stehen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass noch ein paar dieser Fälle bestätigt werden. Nimmt man noch die durchschnittlich drei Fälle hinzu, die zwischen Oktober und Dezember auftreten, landen wir am Ende irgendwo zwischen 40 und 45 Tornados. Damit würden wir in der Bilanz leicht unterdurchschnittlich liegen.

Im Schnitt über die letzten 25 Jahre kommt es in Deutschland zu 49 Tornadofällen, wovon etwa 18 über Wasser auftreten – also Wasserhosen sind. Der Hauptgrund für die voraussichtlich eher unterdurchschnittliche Saison ist vor allem die Gewitterarmut. Es gab in den Hauptsommermonaten so wenig Blitze wie lange nicht mehr (siehe dazu auch: https://www.tagesschau.de/inland/blitze-unwetter-100.html).

Das Bild zeigt die Verteilung der bisher bestätigten Tornadofälle 2025 unterteilt nach Intensität.

Statistiken 2025

Schaut man noch etwas tiefer in die Statistik, so sieht man, dass insgesamt 13 der bisher bestätigten 36 Fälle über Wasser aufgetreten sind, es sich also um sogenannte Wasserhosen handelte. Das sind etwas mehr als ein Drittel aller Tornados und passt sehr gut zu den vieljährigen Mittelwerten.

Betrachtet man die Stärkeverteilung, so gibt es für 18 Tornados keine Stärkeangabe (meist Wasserhosen). Vier Fälle waren schwach und richteten keine größeren Schäden an (IF0 und IF0.5 – siehe auch https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/4/11.html). Weitere zwölf Fälle waren schon kräftiger (IF1: 7 bzw. IF1.5: 5). Insgesamt zwei Fälle können als starke Tornados der Intensität IF2 eingestuft werden. Einer dieser Fälle lag in Kreuzbruch nördlich von Berlin (26.06.), ein anderer ereignete sich in Donaustetten bei Ulm am 04.06. Der aktivste Monat im Jahr 2025 war der Juli. In diesem Monat gab es ganze 13 Tornados, wobei neun davon Wasserhosen waren.

Auf dem Bild sieht man die monatliche Verteilung der Tornadofallzahlen 2025 im Vergleich zum Mittelwert 2000 bis 2024.

Untersuchung von Verdachtsfällen

Wie angesprochen gibt es noch einige Verdachtsfälle, die derzeit näher untersucht werden. Aber wie funktioniert das überhaupt? Im Thema des Tages über die Tornadoforschung in Deutschland (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/9/18.html) wurde bereits erläutert, dass die verschiedenen Experten und Gruppen, die sich mit Tornados beschäftigen, begonnen haben, noch enger miteinander zu kooperieren. Noch hat die Vereinigung keinen offiziellen Namen, man könnte sie aber als „Tornado-Kompetenzzentrum Deutschland“ bezeichnen. In diesem ist auch der DWD mit seiner Tornado-Expertengruppe vertreten. Der Austausch findet über eine virtuelle Kommunikationsplattform im Internet statt.

Sobald einer der Beteiligten Informationen über einen Tornadoverdacht in Deutschland erhält oder findet, werden diese in einem Diskussionsthread geteilt und unter den verschiedenen Beteiligten diskutiert. Vorliegende Informationen können Fotos/Videos von einem potenziellen Wirbel, Schadensbilder oder Augenzeugenberichte sein. Ein klassisches Beispiel ist auch ein Zeitungsbericht über eine potenzielle Windhose (nicht Windrose!). Oft spricht die Polizei oder Feuerwehr nach starken Windereignissen sofort von einem Tornado, ohne (verständlicherweise) die genauen Hintergründe zu kennen.

Genaues Vorgehen bei der Bestätigung von Verdachstsfällen

Erreicht das Kompetenzzentrum nun ein Verdachtsfall, gibt es verschiedene Kriterien, die geprüft werden. Zunächst einmal wird geschaut, ob der Fall plausibel ist. Eine Frage ist, ob an dem Tag die Zutaten für das Auftreten von Tornados erfüllt gewesen sind (siehe auch: https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/7/19.html). Dann wird mit Hilfe von Radarbildern überprüft, ob es zum Zeitpunkt in der Gegend eine rotierende Gewitterzelle gab.

Im nächsten Schritt werden die Augenzeugenberichte und Foto- bzw. Videodokumentationen näher unter die Lupe genommen. Zum einen wird die Intensität des Ereignisses ermittelt, zum anderen wird geschaut, ob die Schäden eher nach einem Tornado oder nach einem Fallwind aussehen. Hilfreich sind zudem (zusätzliche) Aufnahmen des Wolkenwirbels selbst. Wenn keine Bilder vorliegen, können auch hochaufgelöste Satellitenbilder herangezogen und nach Tornadoschneisen durchsucht werden.
Zu guter Letzt werden einige der gemeldeten Verdachtsfälle vom Team Torkud (Tornado-Kartierung und Untersuchung in Deutschland) oder anderen Expertinnen und Experten der Gruppe vor Ort untersucht und dokumentiert. Dafür werden nicht nur Gespräche mit Augenzeugen geführt, sondern mit Hilfe einer Drohne hochaufgelöste Aufnahmen des Schadensbildes gemacht.

All diese Informationen werden zusammengetragen, miteinander in Verbindung gebracht und diskutiert. Am Ende wird unter Zuhilfenahme einer objektiven Punktematrix der Fall entweder bestätigt, nicht bestätigt oder als Verdachtsfall weitergeführt. Um ein Beispiel zu nennen: Liegt ein Foto einer Trichterwolke vor, gibt es gleichzeitig dokumentierte Schäden, die zeitlich damit in Verbindung stehen, und gibt es zusätzlich Hinweise aus Radarbildern, so wird der Fall bestätigt. Wurden Schäden dokumentiert, es liegt aber keine Aufnahme des Wirbels vor und auch die Radarbilder lassen keine eindeutige Aussage zu, dann kann der Fall nicht bestätigt werden.

Mithilfe

Die Arbeit des neuen Kompetenzzentrums geht ganzjährig weiter. Erst zu Beginn des neuen Jahres wird die Anzahl der Tornados 2025 feststehen. Man darf gespannt sein, wie viele bis dahin noch bestätigt werden können und ob noch weitere bis Dezember hinzukommen. Eine Übersicht, wo auch die Verdachtsfälle gelistet sind, findet sich hier: https://tornadoliste.de. Sie können mit Informationen, Bildern und Berichten helfen. Schreiben Sie einfach an tornado@dwd.de.

Dipl.-Met. Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Mystische Herbststimmung an den heimischen Seen

30. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Herbst zählt nicht unbedingt zu den Lieblingsjahreszeiten der Deutschen (Sommer und Frühling führen in einer solchen Umfrage deutlich vor den anderen beiden Jahreszeiten), allerdings wird dieser nach Ansicht des Autors oft unter seinem Wert geschlagen. Wenn die Natur durch die nun tiefer stehende Sonne in sanftes Licht getaucht wird und die Blätter warme Farben annehmen, kann man diese Stimmung herrlich in sich aufsaugen und vielleicht für den Winter konservieren.

Im heutigen Thema des Tages soll aber nicht die herbstliche Blattverfärbung im Mittelpunkt stehen, sondern viel eher ein besonderes Phänomen an den heimischen Seen. Besonders Frühaufsteher können aktuell häufig den saisonal auftretenden sogenannten „Seerauch“ beobachten. Dabei steigen Fragmente von Nebelschwaden von der Seeoberfläche auf und verschwinden anschließend relativ schnell. Der sich ständig bewegende Seerauch ist eine besondere Nebelform und gehört zur Klasse der Verdunstungsnebel.

Seerauch

Wenn relativ warmes Wasser mit deutlich kälterer Umgebungsluft in Berührung kommt, resultieren daraus Verdunstungseffekte. Einer dünnen Luftschicht über dem See wird dabei unter Erwärmung Wasserdampf zugeführt. Damit einhergehend findet aber gerade über den größeren Seen eine starke Labilisierung der untersten Atmosphärenschicht statt, denn die nun erwärmte Luft steigt auf und mischt sich mit der relativ dazu kälteren Umgebungsluft. Bei diesem Mischungsvorgang kondensiert der Wasserdampf und der Seerauch entsteht. Da die kalte und trockenere Luft aber deutlich überwiegt, folgt beim weiteren vertikalen Aufsteigen der feuchten Luft rasch wieder die Verdunstung der Wassertröpfchen. Daher entsteht aus Seerauch in vielen Fällen auch kein „richtiger“ Nebel.

Allerdings können tief liegende Inversionen dafür sorgen, dass die dünne Luftschicht darunter langsam mit erhöhter Feuchte angereichert wird. Bei einem sehr großen See mit einem hohen Wasserdampfangebot passiert es dann ab und zu, dass es zur erneuten Kondensation kommt. Die Inversion als atmosphärische Sperrschicht verhindert nun aber das weitere Aufsteigen der Luftpakete und damit die Einmischung von kalter, trockener Umgebungsluft. Infolgedessen entsteht eine dünne (Hoch-) Nebelschicht, die aber Ende September mit Hilfe der Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf häufig noch aufgelöst wird.

Vorhersagekarte für Mittwoch, 01.10.2025, 12 UTC

Für den atmosphärischen Effekt des Seerauchs ist die nun bevorstehende Wetterlage ideal. Der Hochdruckeinfluss nimmt nun stetig zu und sorgt für teils klare Nächte. Außerdem gelangt Deutschland auf die „kalte“ Flanke des ausgedehnten Hochs PETRALILLY über Nordosteuropa und dessen Adjutant, der Hochdruckzone QUINN II über Mitteleuropa. Dabei wird trockene und kühle Festlandsluft herangeführt, die in den kommenden Nächten verbreitet für Frost in Bodennähe, stellenweise auch in einer Höhe von 2 m („Luftfrost“) sorgt. Die heimischen Seen weisen aber noch relativ hohe Wassertemperaturen auf. Am Chiemsee und am Bodensee wurden beispielsweise heute Früh Temperaturen von etwas über 17 Grad gemessen, an manchen kleineren See werden sogar noch Werte von knapp 20 Grad registriert. Außerdem spielt der Wind keine große Rolle, damit wären die Bedingungen für Seerauch gegeben.

Aus aktueller Sicht wird dies aber ein eher kurzes Vergnügen sein, denn ab Freitag könnte wieder etwas Schwung in unsere Wetterküche kommen. Der dann ehemalige(!) Hurrikan HUMBERTO erreicht die Britischen Inseln und sorgt von Westen her für eine zunehmend wechselhafte Witterung, auch Wind- und Sturmböen könnten das kommende Wochenende prägen. Allerdings sind sich die verschiedenen Wettermodelle diesbezüglich noch nicht einig, daher muss für dezidierte Prognosen noch etwas abgewartet werden. Daher sollte zunächst das Motto lauten: den herbstlichen Hochdruckeinfluss genießen.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.09.2025
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Besondere Momente: Die „Blaue Stunde“

29. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ganz allgemein beschreibt die „Blaue Stunde“ den Zeitraum innerhalb der abendlichen oder morgendlichen Dämmerung, wenn die Sonne tief genug unter dem Horizont steht, sodass nicht das Gelb oder Rot sondern ein Blauton das Himmelsbild dominiert, aber auch die Dunkelheit der Nacht noch nicht oder nicht mehr eingetreten ist. Da es sich bei der Blauen Stunde um keinen klar definierten Begriff handelt, kann auch die Zeitspanne, bei der von der Blauen Stunde gesprochen wird, nicht eindeutig festgelegt werden. Im Gegensatz dazu besteht jedoch ein physikalischer Zusammenhang zwischen dem Tiefenwinkel der Sonne und der spektralen Zusammensetzung des Himmels, was wiederum eine zeitliche Eingrenzung ermöglicht.

Dabei kommt die besondere, blaue Färbung des Himmels zustande, wenn sich die Sonne ca. zwischen 4 und 8 Grad unter dem Horizont befindet, womit sich die Blaue Stunde sowohl zur Zeit der Bürgerlichen Dämmerung (Tiefenwinkel der Sonne zwischen 0 und 6 Grad) als auch zur Zeit der Nautischen Dämmerung (Tiefenwinkel der Sonne zwischen 6 und 12 Grad) ereignet und damit quasi einen Verschnitt beider Dämmerungsphasen darstellt.

Nun bleibt noch die Frage offen, woher diese einzigartige Blaufärbung des Himmels kommt. Dafür muss noch etwas tiefer in die Physik eingestiegen werden: Tagsüber dominiert die Rayleigh-Streuung, bei der Licht mit kurzer Wellenlänge, also der blaue Lichtanteil, am stärksten gestreut wird und den Himmel ohne Wolken daher tiefblau verfärbt. Ohne andere physikalische Effekte würde sich der Himmel bei der Dämmerung gelblich oder grünlich verfärben, da mit zunehmendem Weg des Lichts durch die Atmosphäre aufgrund eines flacheren Einstrahlwinkels der blaue Anteil komplett „herausgestreut“ worden wäre und nur die anderen Farben übrig bleiben. Auch zur Zeit der Blauen Stunde wäre der Himmel dann nicht blau, sondern eher leicht grünlich oder etwas gelblich. Neben der Rayleigh-Streuung existiert aber auch noch die wesentlich schwächere „Chappuis-Absorption“, ausgelöst durch das atmosphärische Ozon in ca. 15-30 Kilometern Höhe. Am Tage ist diese so schwach, dass sie gegenüber der Rayleigh-Streuung nicht zum Tragen kommt. Abends und morgens hingegen, wenn die Rayleigh-Streuung eine untergeordnete Rolle spielt, erlangt sie bei einem längeren Weg des Lichts durch die Atmosphäre größeren Einfluss. Dabei wird das Licht im gelben, orangenen und roten Spektrum absorbiert und nur der blaue Anteil bleibt übrig und verleiht der Blauen Stunde die charakteristische Himmels-Färbung.

Die Dauer der Blauen Stunde variiert wie die Dämmerungszeiten auch mit dem Breitengrad und der Jahreszeit und kann zwischen 20 Minuten in den Tropen und bis zu 5 Stunden in den „Weißen Nächten“ am Polarkreis betragen. In Mitteleuropa dauert sie in der Regel zwischen 30 Minuten an der Tag-Nacht-Gleiche und rund 50 Minuten an der Sommersonnenwende.

Die Blaue Stunde auf Norderney mit dem charakteristischen, blauen Licht.

Besonders in der Fotografie wird die Blaue Stunde häufig genutzt, um eine Komposition richtig „in Szene“ zu setzen, gerade wenn es urbanes, warmes Licht als Kontrast zum eher kühlen Blau gibt. Aber auch in der Poesie und Dichtkunst ist die Blaue Stunde immer wieder Thema, hier wird sie jedoch meist mit einer leicht melancholischen Note versehen.

Ob sie in den kommenden Tagen wieder beobachtet werden kann ist regional unterschiedlich, da sich vom Nordwesten bis in den Südosten ein paar Schauer oder schauerartige Niederschläge sowie dichte Wolken in das Himmelsbild gesellen, wobei es gebietsweise auch aufgelockert sein wird mit einem freien Blick zum Himmel. Ausschau halten und fotografieren lohnt sich aber auf jeden Fall!

M.Sc. Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.09.2025
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Deutschland im Klimawandel: Neues Faktenpapier veröffentlicht

28. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Hamburg fand diese Woche (24.-26.09.2025) bereits zum 15. Mal der Extremwetterkongress statt. Auf der interdisziplinären Fachtagung treten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Öffentlichkeit in Dialog, um über die Folgen des Klimawandels für die Gesellschaft zu diskutieren.

In diesem Rahmen wurde auch ein neues Faktenpapier vorgestellt, das den aktuellen Stand der Wissenschaft zu Extremwettereignissen in Deutschland in Zeiten des Klimawandels beleuchtet. Auf 30 Seiten zeigen die Autorinnen und Autoren des Deutschen Wetterdienstes und des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie, welche Auswirkungen die globale Erderwärmung auf Deutschland hat.

Deutschland im Klimawandel

Die nachfolgende Zusammenfassung soll einen kleinen Einblick in die Ergebnisse liefern und die interessierte Leserschaft zum Lesen des gesamten Faktenpapiers anregen.

Erwärmung in Deutschland:
Deutschland hat sich seit Beginn systematischer Messungen (1881) bereits um 2,5 °C erwärmt – doppelt so stark wie der globale Durchschnitt. Alle Jahrzehnte seit den 1970er Jahren waren wärmer als die vorherigen, die letzten Jahre gehören zu den wärmsten überhaupt. Diese Entwicklung führt zu gravierenden Veränderungen bei Extremwetterereignissen. Hitzewellen treten häufiger und intensiver auf, während strenge Fröste seltener werden. Neue Temperaturrekorde werden wahrscheinlicher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es keine kalten Winter, kühle Sommer oder Spätfröste mehr geben wird.

Hitze:
Besonders auffällig ist die markante Zunahme von Hitzeereignissen: Sommertage über 25 °C haben sich seit den 1950er Jahren verdoppelt, heiße Tage über 30 °C sogar vervierfacht. Hitze verursacht die höchsten Todeszahlen unter allen Extremereignissen. Städte sind durch den Wärmeinseleffekt zusätzlich belastet, da dichte Bebauung und fehlende Grünflächen das nächtliche Abkühlen verhindern.

Niederschlag:
Die Niederschlagsentwicklung ist komplex und regional sehr variabel. Deutschland erlebte zuletzt extreme Gegensätze: 2023/24 den nassesten Zwölfmonatszeitraum seit Messbeginn, gefolgt von der extrem trockenen Phase Februar bis Mai 2025. Für Starkregen gibt es Hinweise auf eine Zunahme, besonders in Süddeutschland, doch die Datenreihen sind noch zu kurz für eindeutige Trends. Insgesamt nehmen längere Trockenphasen zu, was Landwirtschaft und Wasserversorgung belastet. Damit steigt auch die Gefahr von Waldbränden erheblich, wie 2025 mit vielen Tagen hoher Brandgefahr sichtbar wurde.

Wind, Sturm, Tornados:
Beim Wind zeigen sich keine klaren Veränderungen. Langfristig sind mittlere Windgeschwindigkeiten eher leicht rückläufig, starke Stürme treten seltener auf. Auch Tornados werden im Schnitt mit 49 Fällen pro Jahr dokumentiert, ohne erkennbaren Klimawandel-Trend.

Küsten & Meer:
Anders verhält es sich bei Sturmfluten: Durch den Meeresspiegelanstieg ist langfristig mit höheren Pegeln an Nord- und Ostsee zu rechnen. In Cuxhaven stieg der Meeresspiegel seit 1900 bereits um mehr als 25 cm. Zusätzlich erwärmen sich die Meere: Seit 1969 stieg die Nordsee um 1,2 °C, die Ostsee seit 1990 sogar um 1,9 °C. Marine Hitzewellen – Phasen außergewöhnlich hoher Wassertemperaturen – treten häufiger und länger auf, was marine Ökosysteme stark belastet. Der Sommer 2025 brachte neue Temperaturrekorde, darunter die bislang längste marine Hitzewelle in der Ostsee mit 55 Tagen.

Fazit der Herausgeber:
Der Klimawandel verändert das Extremwetter in Deutschland tiefgreifend. Hitze, Trockenheit und Waldbrandgefahr nehmen deutlich zu, während bei Niederschlag und Wind die Entwicklungen weniger eindeutig und mit höherer Unsicherheit verbunden sind. Meeresspiegelanstieg und Meereserwärmung verschärfen die Risiken an den Küsten. Mit fortschreitender globaler Erwärmung ist in den kommenden Jahrzehnten eine weitere Zunahme dieser Belastungen zu erwarten, was Anpassungsmaßnahmen in allen Bereichen zwingend erforderlich macht.

Dipl. Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2025
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Der Herbst ist da

27. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der September markiert den Übergang vom Spätsommer in den Herbst. Die Tage werden spürbar kürzer, die Abende kühler, und die ersten bunten Blätter kündigen den kommenden Wandel an. Allmählich rückt die Wärme des Sommers in die Erinnerung, während wir uns innerlich auf die dunkle Winterzeit vorbereiten. Zudem offenbart sich auf Feldern und in Gärten der Lohn der Mühen des Sommers: Viele Obst- und Gemüsesorten sind nun reif und können geerntet werden. Die Zugvögel sammeln sich langsam für ihre Reise in den Süden und in den Geschäften kann man bereits erstes Spekulatius-Gebäck kaufen.

Auch das Wetter verhält sich nunmehr zunehmend herbstlich. So sorgte Tief „Calvin“ (international auch als „Alessio“ bekannt) in den vergangenen Tagen vor allem im Westen und Südwesten Deutschlands für länger anhaltenden Landregen. Details finden Sie hierzu in den Themen des Tages vom 22.09.2025 und vom 25.09.2025.

Am heutigen Samstag (27.09.2025) taucht „Calvin“ nicht mehr in den Bodenwetterkarten auf. An seiner Stelle ist lediglich noch ein in höheren Luftschichten ausgeprägtes Tief zu finden, das in Richtung Norditalien zieht und sich dabei immer weiter abschwächt. So fällt im Süden noch etwas Regen, an den Alpen kann es am Nachmittag und Abend auch einzelne Gewitter geben. Allgemein verliert der tiefe Luftdruck jedoch immer mehr an Einfluss auf unser Wettergeschehen.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Samstag, den 27. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 26. September 2025, 00 UTC.

Gleichzeitig nimmt von Nordosten her der Hochdruckeinfluss zu. Hoch „Petralilly“ erstreckt sich heute Mittag von der Ostsee und Skandinavien bis in den Nordwesten Russlands und sorgt in Teilen Deutschlands für eine Wetterberuhigung. Insbesondere der Norden und Osten profitieren heute bereits davon. Dort zeigt sich häufig die Sonne.

DWD-Webcamfotos von Samstag, 27. September 2025 08 UTC. Links: Blick von der DWD-Zentrale in Offenbach in Richtung Frankfurt am Main (Hessen). Rechts: Blick in Richtung Nord-Nordost vom Meteorologischen Observatorium Lindenberg bei Falkenberg (Brandenburg).

Auch am Sonntag bleibt der hohe Luftdruck dominant. Zwar liegt die Südwesthälfte weiterhin unter grauen Wolken, Regen fällt meist aber nicht mehr. Am Montag zieht dann vorübergehend ein schwaches Tief in höheren Luftschichten über die Südwesthälfte hinweg und sorgt noch einmal für Schauer und möglicherweise auch einzelne Gewitter. An den Alpen kann es längere Zeit leicht regnen. In weiten Teilen des Landes bleibt es aber trocken. Insbesondere im Norden und Osten hält zudem das freundliche Wetter weiter an. Nachfolgend setzt sich überall wieder Hochdruckeinfluss durch.

24-stündige Niederschlagsvorhersage bis Dienstagmorgen, den 30. September 2025 der Wettermodelle ICON-EU (links), IFS (Mitte) und GFS (rechts).

In den Nächten treten nun vermehrt herbstliche Phänomene in Erscheinung: Zum einen bildet sich zunehmend Nebel, der bei Sichtweiten von weniger als 150 Metern auch wieder auf der Warnkarte des DWD in Erscheinung tritt. Im Vormittagsverlauf wird sich dieser aber meist noch auflösen können. Mit Fortschreiten der Jahreszeit und folglich niedrigerem Sonnenstand nimmt auch die Andauer etwaiger Nebelfelder wieder zu.

Zum anderen verlagert Hoch „Petralilly“ seinen Schwerpunkt allmählich nach Westrussland, sodass mit einer östlichen Strömung auch kühlere Kontinentalluft zu uns gelangt. So tritt in den Nächten ab Sonntag zunächst im Osten, ab der Wochenmitte dann gebietsweise in ganz Deutschland leichter Frost in Bodennähe auf.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Dienstag, den 30. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 27. September 2025, 00 UTC.

Was die Höchsttemperaturen angeht, so wird der Sonntag voraussichtlich erst einmal der wärmste Tag mit bis zu 21 Grad im Norden und Westen. Im Laufe der Woche sinken die Temperaturen dann sukzessive ab und erreichen am Mittwoch nur noch kühle 12 bis 17 Grad.

Webcamfoto vom Gletscher-Skigebiet Zugspitze aus mit Blick zum Schneefernerkopf von Freitag, den 26. September 2025, 07 Uhr MESZ.

Ein weiteres Phänomen darf im Herbst nicht fehlen: Schnee in den Alpen. So sinkt im Laufe der nächsten Woche bei leichten Niederschlägen die Schneefallgrenze in den Alpen unter 2000 Metern ab. Auf den Gipfeln bedeutet dies erneute Schneefälle, nachdem dort in der Nacht zum vergangenen Donnerstag bereits der erste Herbst-Schnee in diesem Jahr registriert werden konnte.

So präsentiert sich der Herbst derzeit in seinen verschiedenen Facetten. Von Landregen über erste Bodenfröste und Nebel bis hin zu den ersten Schneeflocken in den Bergen ist klar, in welche Richtung es geht: Die Natur stellt sich langsam, aber sicher auf den bevorstehenden Winter ein.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.09.2025
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„Ex-Gabrielle“ überquert die Azoren

26. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am frühen Morgen des heutigen Donnerstags zog der ehemalige Hurrikan und nun außertropische Sturmtief mit dem Namen „Ex-Gabrielle“ über bzw. knapp nördlich der Azoren ostwärts. An der Südflanke von „Ex-Gabrielle“ wurden auf der Inselgruppe Orkanböen bis 122 km/h gemessen. Die stärksten Regenfälle blieben an der Nordflanke von „Ex-Gabrielle“ knapp nördlich der Azoren. Am gestrigen Donnerstag war noch fraglich, ob Hurrikan „Gabrielle“ bis zum Erreichen der Azoren noch seine tropischen Eigenschaften beibehält. Am späten Abend wurde dann vom National Hurricane Center (NHC) entschieden, dass „Gabrielle“ eine Umwandlung zu einem außertropischen Sturmtief vollzogen hatte. Das NHC, eine Unterabteilung des US-amerikanischen Wetterdienstes, erstellt unter anderem für den Nordatlantik Vorhersagen für tropische Tiefs. Die Transformation hin zu einem außertropischen Tief ist typischerweise dann gegeben, wenn keine oder kaum noch Konvektion, sprich Gewitter am Tiefkern vorhanden ist und Luftmassengegensätze in Tiefnähe, sprich Fronten, vorhanden sind. Dafür verantwortlich können niedrigere Wassertemperaturen oder/und zunehmende Scherung (Windstärke- und richtungsänderung mit zunehmender Höhe) in Nähe der Frontalzone sein. Nichtsdestotrotz war „Ex-Gabrielle“ auch als mehr oder weniger gewöhnliches Sturmtief gefährlich. Denn die Schadenwirkung der Böen ist letztlich unabhängig von der Art des Tiefs.

Satellitenbild, Isobaren des Bodendrucks und stündliche Messwerte der Windböen in Kilometer pro Stunde.

„Ex-Gabrielle“ wird in den nächsten Tagen den Ostkurs beibehalten und am Sonntag Südportugal erreichen. Das stärkste Windfeld wird aber auf See bleiben, sodass dort nicht mit einem außergewöhnlichen Sturm zu rechnen ist. Örtlich könnten allerdings kräftige Niederschläge mit Niederschlagssummen um 100 Liter pro Quadratmeter zum Problem werden. Der Schwerpunkt der Niederschläge liegt wahrscheinlich zwischen Lissabon und Porto.

Prognostizierte Zugbahn von „Ex-Gabrielle“

Mit dem Ende von „Gabrielle“ kehrt jedoch bei weitem nicht Ruhe auf dem Atlantik ein. Mit „Humberto“ gibt es seit heute den dritten Hurrikan der Saison 2025 auf dem Nordatlantik. Momentan befindet sich „Humberto“ weit nordöstlich der Karibik und wird in den kommenden Tagen auf nordwestlichem Kurs in das Seegebiet westlich der Bermudas gesteuert. Währenddessen soll sich der Hurrikan bis auf Stufe 4 der fünfstufigen Skala intensivieren. Damit wären die ersten drei Hurrikane des Jahres zugleich besonders starke Hurrikane (mindestens Stufe 3) gewesen. Zuletzt war dies 1935 der Fall. „Humberto“ bedroht auf seiner Zugbahn zunächst aber sehr wahrscheinlich kein Land. Anders sieht dies bei einer weiteren tropischen Störung dicht südlich der Bahamas aus. Diese verstärkt sich wahrscheinlich zu einem tropischen Sturm und könnte dann die Bahamas und in der kommenden Woche auch die Südostküste der USA erreichen. Falls es zu einer Verstärkung zum Sturm kommt wird dieser den Namen „Imelda“ tragen.

Übersichtskarte mit den aktiven tropischen Systemen auf dem Nordatlantik. In dem rot schraffierten Gebiet könnte „Imelda“ entstehen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.09.2025
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Regen über Regen

25. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer im Norden Deutschlands zurzeit draußen ist, wird von der Sonne angestrahlt. Kaum Wolken sind unterwegs und nichts deutet auf Regen hin. Ganz anders sieht die Geschichte in den übrigen Landesteilen, insbesondere dem Südwesten aus. Der Blick in den Himmel wird dort oft lieber aus dem Inneren eines warmen und vor allem trockenen Gebäudes gewagt. Vor allem von Dienstag (23.09.2025) bis heute (25.09.2025) in die Frühstunden ist vom Deutschen Wetterdienst vor unwetterartigem Dauerregen gewarnt worden. Was war los?
Der Grund für diese völlig unterschiedlichen Wettercharakteristika lag bzw. liegt immer noch an einer speziellen Konstellation in der Großwetterlage. Ein sogenanntes Hoch-über-Tief (oft auch englisch High-over-Low) Muster hatte sich gebildet und überdauerte ohne große Veränderungen über mehrere Tage. Normalerweise findet man tieferen Druck nördlicher als höheren Druck. Die klassischen Beispiele des Azorenhochs und des Islandtiefs verdeutlichen dies. Die Lage, die sich eingestellt hatte, kehrt dies aber um. In höheren Schichten hat sich ein fast stationäres sogenanntes Cut-Off über Frankreich gebildet. Das heißt, dass dort tiefer Druck herrscht. Gleichzeitig liegt höherer Druck nördlich davon. Über mehrere Tage hinweg konnten dadurch am östlichen Rand dieses Cut-offs feuchte Luftmassen nach Süd- und Mitteldeutschland transportiert und durch Hebungsprozesse zu andauernden Niederschlägen verleitet werden. Im Norden Deutschlands dagegen machte sich das Hoch PETRALILLY bemerkbar und sorgte dafür, dass die Sonne viel schien.

Warnlage am 23.09.2025 um 17:54 Uhr (die vereinzelten ockerfarbenen Punkte sind Windwarnungen und gehören nicht zum Regenereignis)

Im Laufe des Dienstagmorgens wurden Warnungen vor markantem Dauerregen von der Deutsch-Luxemburgischen Grenze über das Saarland und den Süden von Rheinland-Pfalz und Hessen bis in den Norden Baden-Württembergs und zur Grenze zu Bayern ausgegeben. Zusätzlich wurde eine Vorabinformation vor unwetterartigem Dauerregen für Teile dieses Gebiets herausgegeben und im Laufe des Nachmittags durch akute Warnungen ersetzt (Abbildung 1). Dies hatte den Hintergrund, dass man zuerst noch neuere Modellläufe abwarten wollte um besser einschätzen zu können, welche Regionen am wahrscheinlichsten betroffen sein würden.
Die spannende Frage ist, welche Mengen nun schlussendlich gemessen worden sind. In den Unwetterwarnungen war eine Spanne von 50 bis 80 l/m², lokal sogar bis 100 l/m² für den Zeitraum des Ereignisses angegeben. Die gemessenen 48-stündigen Regenmengen bis heute 8 Uhr sind in Abbildung 2 als Zahlen dargestellt. Im Bereich der stärksten Niederschläge finden sich Werte von bis zu 84 l/m², darum herum Regenmengen zwischen 50 und 70 l/m². Diese sind also diejenigen, die die Unwetterwarnung abbilden sollten. Verglichen mit den bewarnten Gebieten stimmen die betroffenen Regionen gut miteinander überein. Lediglich am östlichen Rand ragen die unwetterartigen Mengen bis nach Bayern herein. Als diese Entwicklung absehbar war, wurde am späten Mittwochnachmittag die rote Warnung ausgeweitet.

48-stündige Niederschlagsmeldungen bis Donnerstag, den 25.09.2025 um 8 Uhr

Aber wie sah es mit den Folgen der Unwetter aus? Die Hochwasserzentralen vermeldeten einige erhöhte Flusspegel, die jedoch nur vereinzelt bis Meldestufe 2 stiegen. Die Feuerwehren in der Pfalz hatten beispielsweise nur wenige Einsätze zu bewältigen. Alles in allem ist der Regen trotz der erheblichen Mengen ohne größere Schäden in abgeschwächter Form nach Nordosten gezogen und hat zwar zu markanten Dauerregenwarnungen, jedoch nicht mehr zu Unwetterwarnungen geführt.

Meteorologe (M.Sc.) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
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