Die besten Stopps und Aktivitäten für den ersten Besuch am Gardasee

Der Gardasee ist mehr als nur ein beliebtes Ferienziel – er ist ein Ort, der Natur, Kultur und Aktivurlaub mühelos miteinander verbindet. Mit seiner Lage zwischen den Alpen und der Po-Ebene vereint er alpine Frische mit mediterranem Flair. Kein Wunder also, dass jährlich Millionen Reisende aus ganz Europa hierherkommen, um ein paar Tage am Wasser zu verbringen, neue Orte zu entdecken und zur Ruhe zu kommen.

Gerade für Menschen, die zum ersten Mal an den Gardasee reisen, kann die Vielfalt zunächst überwältigend wirken: Charmante Altstädte, beeindruckende Berglandschaften, lange Uferpromenaden, zahlreiche Sportangebote und kulinarische Erlebnisse konkurrieren um die Aufmerksamkeit. Doch man muss nicht alles auf einmal sehen oder erleben, um den Charakter dieser Region zu verstehen.

Selbst ein kurzer Aufenthalt – ein verlängertes Wochenende oder eine spontane Auszeit – reicht aus, um in das Lebensgefühl rund um den See einzutauchen. Die Orte sind gut angebunden, viele Highlights liegen nahe beieinander, und mit etwas Planung lässt sich viel erleben, ohne dass die Erholung zu kurz kommt.

In diesem Beitrag zeigen wir dir, welche Orte und Aktivitäten du bei deinem ersten Besuch nicht verpassen solltest – von entspannter Seeüberfahrt über sportliche Ausflüge bis hin zu regionaler Küche und praktischen Tipps für die Reisevorbereitung.

Sirmione: Geschichte, Gassen und heiße Quellen

Sirmione liegt auf einer schmalen Landzunge im Süden des Sees. Der Ort zählt zu den bekanntesten am Gardasee und ist bei Erstbesuchern sehr beliebt – auch weil man ihn bequem zu Fuß erkunden kann.

Am Ortseingang erhebt sich die gut erhaltene Scaligerburg, deren Türme und Zinnen direkt aus dem Wasser ragen. Von dort hat man einen tollen Blick auf den kleinen Hafen. Nur ein paar Gehminuten entfernt liegen die Grotten des Catull, die Überreste einer römischen Villa mit freiem Blick auf den See.

Wer nach etwas Erholung sucht, kann sich in den Thermen von Sirmione entspannen. Das Thermalwasser ist warm, mineralhaltig und ideal nach einem Spaziergang durch die Altstadt. Mit kleinen Plätzen, Cafés und typischem italienischem Eis lässt sich hier ein ganzer Nachmittag verbringen.

Mit der Seilbahn auf den Monte Baldo

Ein ganz anderes Erlebnis bietet der Monte Baldo, der sich direkt über dem Ostufer erhebt. Von Malcesine aus bringt eine drehbare Panoramaseilbahn Besucher auf über 1.700 Meter Höhe. Die Aussicht während der Fahrt ist bereits ein Highlight – oben angekommen erwartet einen frische Bergluft und ein weiter Blick über den See und die umliegenden Gipfel.

Im Sommer sind die Wege gut begehbar und führen durch Wiesen, auf denen Kühe grasen und Blumen blühen. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis zur Po-Ebene. Auch für Familien mit Kindern ist die Fahrt lohnenswert, denn schon der Höhenunterschied sorgt für Staunen. Besonders an heißen Tagen bietet der Berg eine willkommene Abkühlung.

Wer gern länger bleibt, kann auf einer der Almhütten einkehren oder ein Picknick mitnehmen. Tipp: Früh am Morgen ist es oft ruhiger und die Sicht besonders klar.

Wassersport im Norden: Windsurfen und Segeln

Der nördliche Gardasee rund um Torbole und Riva del Garda gilt als Mekka für Windsportler. Dank der regelmäßigen Winde – dem Pelèr am Morgen und der Ora am Nachmittag – herrschen hier fast täglich ideale Bedingungen zum Windsurfen und Segeln.

Wer es ausprobieren möchte, findet zahlreiche Surfschulen, die auch Anfänger freundlich empfangen. Ausrüstung wird meist gestellt, und die Kurse sind flexibel buchbar. Fortgeschrittene mieten einfach das passende Board und los geht’s.

Auch Segeln ist hier sehr beliebt. Vom kleinen Boot bis zum Katamaran oder geführten Touren – die Auswahl ist groß. Die Kombination aus Wind, Wellen und Kulisse macht den Reiz dieser Region aus.

Mit der Fähre zu neuen Ufern

Eine besonders entspannte Möglichkeit, den See zu entdecken, ist die Fahrt mit der Fähre. Zahlreiche Linien verbinden die wichtigsten Orte, sodass man bequem ohne Auto reisen kann. Vom Deck aus bieten sich einmalige Ausblicke auf das Ufer und die Berge.

Ein beliebtes Ziel ist Limone sul Garda, bekannt für seine Zitronengärten und steilen Gassen. Wer von Desenzano oder Peschiera startet, ist schnell dort. Auf der anderen Seeseite lockt Bardolino mit ruhiger Atmosphäre und Spazierwegen direkt am Wasser.

Die meisten Strecken lassen sich gut an einem Tag kombinieren. Am besten informiert man sich vorab über Abfahrtszeiten, da der Fahrplan je nach Saison variiert.

Regionale Küche genießen

Die Küche rund um den Gardasee ist bodenständig, frisch und saisonal. Besonders beliebt sind Süßwasserfische wie Forelle oder Barsch, meist gegrillt oder mit Risotto serviert. Viele Gerichte werden mit Olivenöl aus der Region zubereitet – ein milder, fruchtiger Klassiker.

Dazu passt ein Glas Lugana oder Bardolino – zwei Weißweine aus dem Umland, die sich hervorragend als Essensbegleitung eignen. In den Restaurants direkt am See lässt sich das Essen mit Blick auf das Wasser genießen. Wer in der Hauptsaison unterwegs ist, sollte vorab reservieren – außerhalb dieser Zeit findet man meist spontan einen Platz.

Gut organisiert unterwegs

Auch bei einem Kurztrip können sich schnell einige Unterlagen ansammeln: Buchungsbestätigungen, Zugtickets, Fährfahrpläne, Eintrittskarten. Wer alles geordnet an einem Ort parat hat, spart unterwegs Zeit und Nerven.

Praktisch ist ein Tool zum Zusammenführen von PDFs, mit dem sich alle Dokumente in einer Datei bündeln lassen. Das ist besonders hilfreich, wenn man unterwegs keinen ständigen Internetzugang hat. Einmal gespeichert, ist alles offline griffbereit – ob Fahrpläne, Karten oder Einfahrtscodes. Das ist eine große Erleichterung, vor allem bei gut geplanten Tagesabläufen.

Das Beste aus der Zeit am Gardasee machen

Ein kurzer Aufenthalt am Gardasee kann weit mehr bieten, als man auf den ersten Blick vermutet. Die Kombination aus landschaftlicher Vielfalt, charmanten Orten und angenehmer Atmosphäre macht es leicht, in kurzer Zeit viele Eindrücke zu sammeln. Ob sportliche Aktivitäten wie Windsurfen und Wandern, entspannte Fährfahrten über den See oder der Besuch historischer Städte – der Gardasee ist ideal für alle, die Natur und Kultur gleichermaßen schätzen

Gerade bei einem kompakten Reisezeitraum lohnt es sich, vorab ein grobes Konzept zu haben: Welche Orte möchte man sehen? Wo lohnt sich ein Zwischenstopp? Welche Strecken lassen sich gut verbinden? Ein durchdachter Plan bedeutet nicht, dass man jede Stunde verplanen muss – vielmehr schafft er Freiraum für spontane Momente, weil man sich nicht ständig um Orientierung oder nächste Schritte kümmern muss.

Wer sich bewusst auf ein paar ausgewählte Erlebnisse konzentriert und nicht versucht, alles auf einmal zu sehen, wird mehr vom Gardasee mitnehmen – in Form von Erinnerungen, Bildern und kleinen Momenten, die in Erinnerung bleiben. Und vielleicht stellt man schon auf der Rückfahrt fest, dass es sich gelohnt hat. Oder dass man bald wiederkommt.

(K)ein Thema des Tages

Eigentlich sollte man sich ja freuen. Wenn wir bei uns in der Offenbacher Vorhersagezentrale im operationellen Dienst mal nicht so viel zu tun haben, dann bedeutet das, dass es Ihnen da draußen gerade ziemlich gut geht. Also, in Bezug auf das Wetter natürlich. Für alle, die sich zur Fraktion der Sonnenanbeter zählen, herrschen in dieser Woche ja geradezu traumhafte Zustände. Nicht ganz so glücklich dürften dagegen Gärtner und Landwirte sein. Es fehlt bereits eine ganze Menge an Regen. Im Mittel sind es alleine seit Jahresbeginn bis heute bereits etwa 60 mm Niederschlag, die nicht gefallen sind (Bezugszeitraum 1961-90). Dazu passt auch die gerade frisch erschienene April-Bilanz des DWD, lt. derer es mit 31 mm im Mittel nur etwa 53 % des üblichen Niederschlages gab (verglichen mit 1961-90), dafür aber ein Plus von 56 % bei den Sonnenstunden aufweist (im Mittel 240 Stunden, Soll 154 Stunden). Dass es bis jetzt viel zu trocken ist, wurde bereits im gestrigen Thema des Tages ausführlich behandelt. 

Aber zurück zum Anfang: Noch mindestens bis Freitag kann man sich dank Hoch »Quendolin« die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Ganz im Süden gibt es in den Bergen vielleicht nochmal ein Gewitter (bei solchen Wetterlagen in Fachkreisen gerne auch mal als »Schrottkonvektion« bezeichnet – mit einem Augenzwinkern, versteht sich), aber ansonsten passiert: Nichts. Und so stellt sich manchmal die Frage: Über was schreibe ich eigentlich heute im »Thema des Tages«? Deswegen heute mal ein Vorschlag entgegen der üblichen Ratschläge: Gehen Sie heute einfach vor die Tür statt vor dem Rechner diesen Text zu lesen und genießen sie – falls möglich – die Sonne. Die nächste Schlechtwetterperiode kommt mit Sicherheit. Und dann gibt’s auch wieder mehr zu schreiben bzw. zu lesen. 

M.Sc. Felix Dietzsch (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst  

 

Immer noch zu trocken …

In der vergangenen Woche gab es für viele in Deutschland seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder „Landregen“. Also Regen, der mit leichter bis mäßiger Intensität so richtig schön vor sich hin „plätscherte“ und so den Erdboden flächig und bis in gewisse Tiefe mit Wasser zu versorgen vermochte. Ganz im Gegensatz zu Starkregen, der in der Regel nur lokal auftritt und dessen Wasser meist nur oberflächlich dahinrinnt. Die Hoffnung war somit groß, dass es mit der Trockenheit und Dürre zu Ende gehen könnte. Doch Pustekuchen! 

Die niederschlagsreiche Wetterphase kristallisierte sich als nur kurzes Intermezzo heraus. Seit einigen Tagen herrscht in Deutschland wieder trockenes Hochdruckwetter vor. Anhand der gleitenden Niederschlagsbilanz für das laufende Frühjahr (siehe Abbildung 1, links) erkennt man, dass der Regen nicht ausreichte, das in den vielen Wochen zuvor aufgebaute Niederschlagsdefizit auszugleichen. Fast überall ist es folglich immer noch zu trocken, lediglich kleinräumig ist die Bilanz quasi ausgeglichen. Das sonnige „Strahlungswetter“ mit seinen immensen Verdunstungsraten tut nun sein Übriges, den Boden wieder auszutrocknen. 

Immer noch zu trocken . teil 1

Abbildung 1: Links: Niederschlagsbilanz des meteorologischen Frühlings bis 28. April 2025. Rechts: Abweichung zum Klimamittel 1991-2020 der Bodenfeuchte unter Gras bis 60 cm Tiefe. Quelle: DW 

Ein Blick auf die Grafik der Bodenfeuchte (siehe Abbildung 1, rechts) verdeutlicht, dass der Boden in vielen Regionen des Nordens und des Südens zumindest bis 60 Zentimeter Tiefe bereits wieder mehr oder weniger deutlich zu trocken ist. Nur in einem Streifen vom Westen bis in die Mitte sowie in einigen süddeutschen Mittelgebirgsregionen ist es (noch) feucht. Doch diese „Feuchtgebiete“ werden sich in den kommenden Tagen weiter zurückziehen. 

Denn zumindest bis zum Monatswechsel (30. April/1. Mai) bleibt Niederschlag die absolute Ausnahme. Hoch „Quendolin“ sorgt nicht nur für weitestgehend niederschlagsfreies, sondern eben auch wieder für sehr „verdunstungsfreundliches“ Strahlungswetter: Sonne von früh bis spät! Zum kommenden Wochenende (ab Freitag, 2. Mai) stellt sich die Wetterlage zwar um, allerdings dürften die aufkommenden Niederschläge zunächst eher konvektiven Charakter haben, also in Form von Schauern und Gewitter auftreten. Diese bringen nicht den so wichtigen, flächigen Landregen, sondern den hydrologisch eher unwirksamen Starkregen. 

Immer noch zu trocken . teil 2

Abbildung 2: Vom 28. April (2 Uhr) bis 8. Mai (2 Uhr) aufsummierte Niederschlagsmengen vom europäischen EZMW-Modell (links) und vom amerikanischen GFS-Modell (rechts). Quelle: DWD, EZMWF, NOAA 

Selbst wenn man dann weiter in die Ferne schaut, ist längst noch nicht gesichert, ob die ab dem Wochenende beginnende, eher tiefdruckdominierte Wetterphase auch wirklich landesweit nennenswerten Regen bringt. Exemplarisch dargestellt sind die vom US-amerikanischen GFS- und dem europäischen EZMW-Modell aufsummierten Niederschlagsmengen bis 8. Mai (siehe Abbildung 2). Demnach bestünde zumindest am Alpenrand Hoffnung auf etwas mehr Nass von oben, ansonsten ergibt sich ein eher heterogenes Bild mit insgesamt nicht wirklich erklecklichen Mengen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters

Seit jeher blickten die Menschen ehrfürchtig in den Himmel, wenn Blitze zuckten und Donner grollte – und fast überall auf der Welt glaubte man, dass dies das Werk mächtiger Götter sei. Bei den Germanen war es der furchtlose Donnergott Thor, der seinen Hammer schwang und die Funken auf die Erde schleuderte. In Griechenland war es Zeus, der wütend Feuer vom Himmel warf, bei den Römern war es der Göttervater Jupiter. Heute wissen wir es besser: Ein Blitz ist kein göttlicher Zorn, sondern eine beeindruckende Naturerscheinung – eine gigantische elektrische Entladung. Per Definition sind Blitze eine von starken Licht- und Schallerscheinung begleitete, natürliche Funkenentladung großen Ausmaßes, die bei einem Gewitter auftritt. Die Entladung erfolgt in einem Blitzkanal, der einen Durchmesser von wenigen Zentimetern hat. Der dabei fließende Strom hat eine Stromstärke bis etwa 100.000 Ampere und erzeugt damit Temperaturen im Blitzkanal von über 20.000 Grad Celsius (zum Vergleich die Sonnenoberfläche hat eine Temperatur von etwa 6.000 Grad Celsius). 

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters teil 1

Blitzshow

Blitzshow, aufgenommen am 06.07.2015 von der Wetterstation Fichtelberg. 

Anfang des 18. Jahrhunderts begann eine aufregende Ära: Die Wissenschaft entdeckte die Macht des Experiments! Während manche Menschen noch fest an abergläubische Erklärungen für Blitze glaubten, kamen allmählich neue, handfestere Theorien auf. Einige vermuteten, dass Blitze aus chemischen Reaktionen verschiedener Gase in der Luft entstanden. Andere wiederum waren der Wahrheit schon näher auf der Spur – sie vermuteten, dass Elektrizität eine Rolle spielte. Mutige Forscher machten sich daran, mit naturwissenschaftlichen Experimenten dem Geheimnis der Blitze auf den Grund zu gehen.

Eine der bekanntesten Geschichten aus dieser Zeit ist die, des Drachenexperimentes von Benjamin Franklin – dem amerikanischen Schriftsteller, Wissenschaftler und Staatsmann. An einem gewitterreichen Junitag 1752 ließ Franklin gemeinsam mit seinem Sohn einen Drachen steigen, an dessen Spitze ein Eisendraht befestigt war. Als die dunklen Gewitterwolken aufbrausten und der Blitz einschlug, wurde die elektrische Ladung über das nasse Seil bis zu einem daran befestigten Schlüssel geleitet. Dort konnte Franklin die Kraft des Blitzes in einem Flaschenkondensator speichern. So sagt es zumindest die Legende. Ob das Experiment tatsächlich geglückt ist, ist bis heute umstritten, da es keinerlei Augenzeugen gab und Benjamin Franklin sich durchaus über die Gefährlichkeit des Experiments bewusst war. 

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters teil 2

Das Drachenexperiment von Benjamin Franklin. Experimentelle Demonstration zur elektrischen Natur von Blitzen.  

Auch in anderen Teilen der Welt wurde zeitgleich an Experimenten und Theorien gearbeitet, die die elektrische Natur von Blitzen beweisen sollten. Beispielsweise in Bologna, der ältesten Universität Europas. Dort kämpfte Laura Bassi, die erste weibliche Universitätsprofessorin Europas, in einer Welt voller Männer um Gehör ihrer Theorien zum Thema Blitze. Bologna war zu dieser Zeit ein wahres Meer aus Geschlechtertürmen – schlanken, hohen Gebäuden, die stolz in den Himmel ragten. Doch genau diese Türme wurden in der gewitterreichen Region schnell zu gefährlichen Brandfallen. Immer wieder setzten Blitzeinschläge ganze Viertel in Flammen.

Die Theorie, dass Blitze eine elektrische Entladung von Gewitterwolken darstellen, war für sie auch schon durch eigene Experimente bewiesen. Die Idee, die sie nun auch im Austausch mit anderen Naturwissenschaftlern verfolgte, war, den elektrischen Strom so umzuleiten, dass er keinen Schaden mehr an Gebäuden verursachen konnte. Gemeinsam mit ihrem Mann installierte sie im Jahre 1752 den ersten funktionierenden Blitzableiter am Turm der Akademie. Ob dieser wirklich die Stadt vor Blitzschäden schützen konnte, konnte nicht lange unter Beweis gestellt werden. Leider musste der Blitzableiter aufgrund von Protesten der noch abergläubischen Stadtbevölkerung schon bald wieder abgebaut werden. 

Blitze und die Erfindung des Blitzableiters teil 3

Prinzipieller Aufbau eines Blitzableiters an einem Gebäude.

Der Siegeszug des Blitzableiters konnte aber nicht mehr aufgehalten werden. In Deutschland wurde der erste Blitzableiter auf der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi im Jahr 1769 installiert. Bald darauf wurde auch an vielen anderen Orten in Deutschland wie beispielsweise auf Kirchtürmen und Schlössern Blitzableiter angebracht. Bis heute findet man auf hohen Gebäuden Blitzableiter, die zwar technisch angepasst, aber immer noch nach dem gleichen Prinzip dem Gebäudeschutz dienen. Trotzdem sind Blitzschäden auch heute keine Seltenheit. Besonders die empfindliche Technik in modernen Gebäuden sorgt dafür, dass Blitzeinschläge oft teure Folgen haben. Ein Blick auf die Zahlen zeigt das deutlich: Im Jahr 2023 registrierten Versicherer in Deutschland rund 220.000 Blitz- und Überspannungsschäden – und zahlten dafür stolze 330 Millionen Euro an Entschädigung aus.

Als menschlicher Blitzableiter gilt Roy C. Sullivan, ein ehemaliger Parkaufseher aus den USA. Er wurde in seinem Leben unglaubliche sieben Mal vom Blitz getroffen und hat alle überlebt. Riskieren sollte man einen Blitzschlag aber auf keinen Fall. Die Sterblichkeitsrate liegt Schätzungen zu Folge bei etwa 30 Prozent. In Deutschland sterben etwa vier Menschen pro Jahr durch Blitzschlag. Daher ist es wichtig zu wissen, wie man sich am besten verhält, wenn man von einem Gewitter überrascht wird. Schutz bieten feste Gebäude oder das Auto. Wenn man im offenen Gelände unterwegs ist, sollte man sich möglichst von großen Bäumen fernhalten, die Füße ganz eng zusammenstellen und sich möglichst klein machen. Auf keinen Fall sollte man sich auf den Boden legen. Je größer die Fläche mit Bodenkontakt ist, umso größer können die Spannungsunterschiede im Körper werden.

Für die kommenden Tage ist deutschlandweit kaum mit Blitzen und Gewittern zu rechnen. Nur an den Alpen und im Südschwarzwald sind im Tagesverlauf einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Ansonsten ist es sehr sonnig und trocken. 

MSc.-Met. Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Heiter bis historisch: Ein 26. April voller Geschichte(n)

Heute ist Samstag, der 26. April – der 116. Tag des Jahres 2025. Namenstag haben „Helene“ und „Ratbert“, draußen zeigt sich das Wetter heiter bis wolkig und morgen ist Neumond. Klingt jetzt nicht überbordend interessant? Dann schauen wir doch mal in die Vergangenheit, da war es nämlich durchaus ein geschichtsträchtiger Tag!

Am 26. April 1717 wütet ein Hurrikan vor der Küste Cape CodsMassachusetts, und lässt das Piratenschiff „Whydah“ auf den Meeresgrund sinken. Das Besondere: „Whydah“ enthält den größten bislang entdeckten Piratenschatz – 4,5 Tonnen Gold, Silber, Münzen und Schmuck. 144 Besatzungsmitglieder sterben, unter ihnen der Kapitän Samuel Bellamy, bekannt als „Black Sam“ (der laut Legende Pirat wurde, um reich genug zu werden, seine Geliebte zurückzuerobern).

148 Jahre später, am 26. April 1865, wird John Wilkes Booth, der Mörder von US-Präsident Abraham Lincoln, gefasst. Er wird in einer Scheune in Virginia gefunden und getötet, als er sich der Gefangennahme widersetzt. Seine letzten Worte: „Sinnlos, sinnlos“.

Im Jahre 1970 wird am 26. April in der slowenischen Stadt Novo mesto ein kleines Mädchen geboren, das viele Jahre später First Lady der Vereinigten Staaten von Amerika werden sollte. Ihr Name: Melania Knavs, die bei ihrer Hochzeit im Jahre 2005 den Nachnamen ihres Ehemannes „Trump“ annahm.

Der wohl leider bekannteste Jahrestag ereignet sich 1986, als am 26. April um 01:23 Uhr Ortszeit Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl explodiert. Die Katastrophe, die als Super-GAU (Größter Anzunehmender Unfall) bezeichnet wird, führt zur massiven Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Atmosphäre, die sich über weite Teile Europas verteilen. Der Süden Deutschlands wird aufgrund heftiger Regenfälle deutlich höher belastet als der Norden. Lokal werden im Bayerischen Wald und südlich der Donau bis zu 100.000 Bq Cäsium pro Quadratmeter abgelagert. Bis heute sind dort immer noch einige Wildtiere, Waldbeeren und Pilzen belastet, da Caesium-137 etwa eine Halbwertzeit von 30 Jahren hat – das bedeutet, dass sich die Belastung bis heute erst in etwa halbiert hat.

Nur drei Jahre später, am 26. April 1989, die nächste große Katastrophe: Ein Tornado richtet in Bangladesch große Zerstörungen an. Nach Schätzungen der Weltorganisation für Meteorologie war er mit etwa 1300 Todesopfern der gemessen an der Opferzahl schwerste Tornado aller Zeiten. Ca. 80.000 Menschen werden obdachlos, ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.

Hoffen wir, dass der 26. April dieses Jahres ohne neue Katastrophen in die Geschichtsbücher eingeht. In diesem Sinne: Auf einen schönen, heiter bis wolkigen Samstag! 

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Tag des Baumes

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann für den deutschen Wald eine schwere Zeit. Der Aufbau zerstörter Infrastruktur sowie die Kohleknappheit sorgten dafür, dass teils bis zu 15-mal mehr Holz aus den Wäldern geschlagen wurde, als nachwachsen konnte. Die Wälder wurden zunehmend kahl.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wollte dem übermäßigen Abholzen entgegenwirken und setzte sich für einen Tag des Baumes ein, wie es ihn in den USA schon gab. Dort hatte der Farmer und Journalist Julius Sterling Morton, der schon länger die Baumarmut des Staates Nebraska bemängelte, im Jahre 1872 einen Antrag an die lokale Regierung gestellt, in dem er um einen Feiertag zum Baumpflanzen bat – den Arbor Day. Noch im selben Jahr am 10. April wurde in Nebraska der erste Arbor Day begangen. Um möglichst viele Menschen und Gemeinden anzusprechen, wurden Preisgelder ausgegeben, für die höchste Menge gepflanzter Bäume. Im Jahre 1874 wurde der Tag zu einem offiziellen Feiertag im Bundesstaat Nebraska und das Datum auf den 22 April festgesetzt. Seitdem haben sich weitere Staaten angeschlossen.

In Anlehnung an den Arbor Day pflanzte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zusammen mit dem damaligen Bundespräsidenten am 25. April 1952 einen Bergahorn im Bonner Hofgarten. Daraus wuchs eine Tradition, die bis heute anhält. An jedem 25. April gibt es bundesweit Veranstaltungen, die der Bevölkerung die Bedeutung des Baumes und der Wälder näherbringen sollen. Um den Bäumen einen guten Start zu ermöglichen, hat man in den letzten Jahren die großflächigen Pflanzungen mit Setzlingen in den März gelegt. Zu häufig war es Ende April und Anfang Mai zu trocken, sodass die Setzlinge nicht mehr anwachsen konnten. Nur noch größere Bäume mit Ballen werden Ende April gepflanzt. 

In den letzten Tagen hat es teils kräftig geregnet (siehe Thema des Tages vom 24.04.2025). Die Böden sind inzwischen gut durchfeuchtet, sodass auch neu gesetzte Bäume und Setzlinge erst einmal gute Bedingungen haben anzuwachsen und unsere Natur zu bereichern. In der kommenden Woche folgt eine längere trockene und sonnige Phase. Sollte diese auch über das kommende Wochenende hinaus Bestand haben, freut sich der ein oder andere Baum sicher über ein paar Tropfen aus einer Kanne. 

 

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Endlich wieder Regen?!

Nach längerer Trockenheit im bisherigen Frühjahr fällt in den letzten Tagen wieder häufiger Regen und bringt die ersehnte Erfrischung für Natur und Umwelt. Die trockenen Böden und durstigen Pflanzen atmen auf, während sich die Regentropfen langsam in den trockenen Erdboden einarbeiten. Was für manche lästig erscheinen mag, ist für die Natur ein Segen – eine dringend benötigte Verschnaufpause von der teils rekordverdächten Trockenperiode im diesjährigen Frühjahr. 

Endlich wieder Regen teil 1

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen für Donnerstag, den 24. April 2025, 14 Uhr MEZ auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 23. April 2025, 02 Uhr.. Quelle: DWD 

 

Endlich wieder Regen teil 2

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmenge bis Freitag, den 25. April 2025, 08 Uhr MESZ des ICON-D2-Wettermodells. Quelle: DWD  

Grund für die heutigen Regenfälle ist der derzeit vorherrschende Tiefdruckeinfluss. In höheren atmosphärischen Luftschichten findet sich ein sogenanntes „Höhentief“, das im Zusammenspiel mit einer Tiefdruckrinne am Boden, deren Zentren mit dem Namen „Günter“ versehen wurde, für kräftige Regenfälle sorgt. Insbesondere von Nordrhein-Westfalen über Hessen und Thüringen bis zur Lausitz fällt heute teils kräftiger und länger anhaltender Regen. Entsprechende Dauerregenwarnungen wurden bereits am gestrigen Abend ausgegeben. Dort sind in rund 24 Stunden zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter zu erwarten, vereinzelt und lokal eng begrenzt auch etwas mehr. Zudem sind einzelne eingelagerte Gewitter nicht ausgeschlossen. Diese können mit Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit einhergehen. 

Endlich wieder Regen teil 3 

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmenge bis Samstag, den 26. April 2025, 08 Uhr MESZ des ICON-D2-Wettermodells. Quelle:DWD 

Trotz der Niederschläge der vergangenen Tage sind die Böden weiterhin deutlich trockener als in der zweiten Aprilhälfte üblich. Besonders hohe negative Abweichungen werden regional für den Nordosten berechnet. Diesen wird das derzeit dominierende Regengebiet erst gar nicht erreichen, denn die Tiefdruckzone um „Günter“ verabschiedet sich am Freitag allmählich nach Südosteuropa. Von Norden her übernimmt in der Folge Hoch „Petra“ die Wetterregie. Entsprechend lässt der Regen auch über den mittleren Regionen bis Freitagmorgen nach und greift unter Abschwächung auf den Süden über, wo er sich bis in die Nacht zum Samstag allmählich an die Alpen zurückzieht.

Mit zunehmendem Hochdruckeinfluss fließt ab Freitag von Nordosten her kältere Polarluft nach Deutschland. Während der Regen derzeit eine willkommene Erholung für die Natur darstellt, birgt die Rückkehr möglicher Nachtfröste eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Ab der Nacht zum Samstag muss bei teils klaren Verhältnissen insbesondere im Norden und Osten gebietsweise mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden. In ungünstigen Tal- und Muldenlagen kann sogar leichter Luftfrost nicht ausgeschlossen werden. Besonders junge Triebe, Blüten und bereits austreibende Pflanzen reagieren empfindlich auf plötzliche Kaltlufteinbrüche. Diese können zu Schäden an den Pflanzen führen, deren Wachstum verzögern oder sogar Ernten gefährden. Für Landwirte und Gärtner heißt es nun: wachsam bleiben und, wo möglich, Schutzmaßnahmen ergreifen, um die zarten Frühjahrsboten vor der Kälte zu bewahren. 

Endlich wieder Regen teil 4 

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen für Samstag, den 26. April 2025, 14 Uhr MEZ auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 24. April 2025, 02 Uhr. Quelle: DWD 

In den Folgetagen bleibt uns der Einfluss von Hoch „Petra“ erhalten und es stellt sich erneut trockenes, teils sonniges Wetter ein. Ganz lupenrein ist der Hochdruckeinfluss allerdings nicht. Schwache Störungen sorgen immer wieder für etwas Bewölkung, an den Alpen besteht zeitweise eine geringe Schauer- oder Gewittergefahr. Nennenswerter Regen ist aber erst einmal nicht in Sicht. Stattdessen kann sich die eingeflossene Luft allmählich etwas erwärmen. Am Wochenende werden im Westen bereits 21 Grad erreicht, zur Mitte der neuen Woche ist bereits wieder ein Sommertag (Tageshöchstwerte von 25 Grad und mehr) möglich. Die Gefahr von Nachtfrösten lässt damit ebenfalls allmählich wieder nach. 

MSc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Ein Käffchen geht immer

Die Straßencafés sind gut besucht, in den Fußgängerzonen reihen sich die Geschäfte der großen „Ketten“ unmittelbar aneinander und auch bei jedem Bäcker kann man ihn bestellen. Wo man auch hinschaut, Leute mit Kaffeebechern oder eigenen Thermogefäßen als umweltfreundliche Variante erspäht man beim Stadtbummel eigentlich immer. Der Kaffeeboom ist dabei weiter ungebrochen. Laut aktuellem Kaffeereport aus dem Jahr 2024 trinken die Deutschen 3 bis 4 Tassen Kaffee pro Tag. Anders ausgedrückt: Durchschnittlich kommt jeder Deutsche im Schnitt auf 164 Liter im Jahr (pro Kopf Verbrauch). Damit ist Kaffee noch vor Bier weiterhin das beliebteste Getränk der Deutschen. Doch kein Vergleich zu Finnland, die (überaschenderweise?) den höchsten pro-Kopf Kaffeekonsum weltweit aufweisen und in der Tat ungefähr doppelt so viel vom begehrten Heißgetränk vertilgen wie die Deutschen. Sind solche Mengen denn nicht schädlich für den Körper? Laut Gutachten der European Food Safety Authority (EFSA) sind weniger als 4 Tassen für einen gesunden erwachsenen Menschen unbedenklich.

Das Geschäft boomt, da könnte man doch auf die Idee kommen, sich seinen eigenen Kaffee im Garten oder auf dem Balkon anzubauen. Doch ist das bei den hiesigen klimatischen Verhältnissen überhaupt möglich?

  Ein Kaeffchen geht immer teil 1

Kaffeebaum (Quelle: Wikipedia) 

Kaffee, dessen Wortursprung sich aus dem arabischen „qahwa“ ableitet und übersetzt soviel wie „anregendes Getränk“ bedeutet, gilt als Genussmittel. Das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen und mit heißem Wasser aufgebrühte Getränk wird daher nicht in erster Linie aus Gründen der Sättigung oder des besonderen Nährwertes konsumiert, sondern Liebhaber erfreuen sich eher koffeinbedingt an der anregenden Wirkung und des besonderen Geschmacks. A propos: Hat man die Samen aus den Früchten der Kaffeepflanze erst einmal extrahiert, so lassen sich je nach Röststufe die unterschiedlichsten Aromen erzeugen. Die bekanntesten Pflanzenarten sind „Arabica“ und „Robusta“, von denen jeweils verschiedene Sorten existieren. Der weltweit größte Erzeuger ist mit Abstand Brasilien mit einer Erntefläche von rund 2 Millionen Hektar, was sich in circa 3 Millionen Tonnen Rohkaffee niederschlägt. Dahinter folgen Vietnam, Kolumbien und Indonesien. Doch auch Länder wie Äthiopien, Indien, Honduras, Uganda, Mexiko und Peru bauen Kaffee an.
 

Ein Kaeffchen geht immer teil 2

Kaffeeanbaugebiete der 14 größten Kaffeeproduzenten der Welt (Quelle: Wikipedia) 

Alle Länder sind Teil des sogenannten Kaffeegürtels. Sie eint die Lage in den Tropen, weshalb sich an dieser Stelle schon erahnen lässt, dass der Kaffeeanbau hierzulande in der freien Natur wohl nicht sehr aussichtsreich sein dürfte. Tatsächlich benötigen Kaffeepflanzen ein ausgeglichenes Klima ohne Extrema mit Durchschnittstemperaturen zwischen 18 und 25 Grad Celsius. Dabei sollte die 30 Grad-Marke nicht über- und die 10 Grad-Marke nicht unterschritten werden. Frost ist erst recht „Gift“ für die Pflanzen. Darüber hinaus haben sie einen sehr großen Wasserbedarf, jährliche Niederschlagsmengen zwischen 1500 und 2000 Millimeter sind ein Muss. Ebenfalls anfällig zeigen sich Kaffeesträucher und – bäume für viel Wind und Sonnenschein, weshalb um große Plantagen häufig Hecken oder Schattenbäume zu finden sind. Komplettiert werden die komplexen Anforderungen durch tiefgründige, gut „durchlüftete“ Böden, die neutral bis leicht sauer sein sollten. Alles in allem sind das deutlich zu hohe Ansprüche für unser Jahreszeitenklima der gemäßigten Breiten. Im richtigen Temperaturfenster sind wir hierzulande lediglich in den Sommermonaten und das auch eher im Süden denn Richtung Küste. Mit rund 800 Millimeter müssten wir den durchschnittlichen Jahresniederschlag durch künstliche Bewässerung mal eben verdoppeln und einen Schutz vor Wind und Sonnenschein müsste man auch installieren.
 

Ein Kaeffchen geht immer teil 3 scaled 

Geröstete Kaffeebohnen (Quelle: Wikipedia) 

Stellt sich die Frage, ob es in einem Wintergarten, Gewächshaus oder in der Wohnung mit der hauseigenen Kaffeeproduktion funktionieren würde? In der Tat gibt es in Deutschland inzwischen zahlreiche Kaffeeliebhaber, die selbst Kaffeepflanzen anbauen, pflegen und züchten. Geheimtipps wie die regelmäßige Beimengung von Zitronensaft für den Boden, mit der man leichte saure Werte erreicht oder die Bestäubungshilfe mit einem Pinsel findet man zuhauf in einschlägigen Internetforen. Bis man ausreichend Bohnen geerntet hat (erste Erträge nach 3 bis 4 Jahren), muss man allerdings viel Geduld und Liebe aufbringen und letztlich steht ja anschließend auch noch die komplizierte Röstung aus, die nur mittels großer Gerätschaften möglich ist. Diese Hürde ist dann doch für die meisten von uns zu groß. Entdecken Sie stattdessen doch lieber die Vielfalt an verschiedenen Röstungen und finden Ihren persönlichen Favoriten. Laut Deutschem Kaffeeverband gibt es mittlerweile rund 900 Röstereien in Deutschland, die mitunter auch Workshops anbieten. Tendenz steigend. 

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2025
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Die Gewittersaison ist gestartet

Auf der Schwäbischen Alb konnte am gestrigen Ostermontag eine Superzelle, also eine rotierende Gewitterwolke, mit entsprechend starken Begleiterscheinungen (Sturmböen, Hagel bis 2 oder 3 cm) beobachtet werden. Damit wurde eine erste Duftmarke von Gewittern mit sommerlicher Prägung gesetzt. Zugleich kann das auch als Startschuss für die vor allem ab Mai beginnende Gewittersaison betrachtet werden. Wie sieht die Saison normalerweise aus?

Um das beurteilen zu können, hilft eine kleine statistische Auswertung von Gewittertagen von vier über Deutschland verteilten Städten mit längerer Zeitreihe (Werte von 1961 bis März 2022). Dabei soll Hamburg repräsentativ für den Norden stehen, Frankfurt für den Westen, Stuttgart für den Süden und Potsdam für den Osten.

Dieser Statistik nach gibt es im April im Durchschnitt im Norden einen Gewittertag, im Süden dagegen schon zwei. Die Hauptsaison startet dann im Mai und dauert bis zum August. Dabei kann in jedem dieser Monate an 3 bis 7 Tagen mit einem Gewitter gerechnet werden. Das Nord-Süd-Gefälle ist weiterhin vorhanden: im Norden 3 bis 5, im Süden 5 bis 7 Gewitter pro Monat. Die Fluktuation der Gewittertage von Jahr zu Jahr ist durchaus beachtlich: So gab es beispielsweise im gewitterträchtigen Jahr 1974 in Frankfurt an 54 Tagen Gewitter, in den gewitterarmen Jahren 1962, 1998 und 2015 aber nur an 15 Tagen. 

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Gewittertage pro Monat an ausgewählten Stationen (Mittel 1961-2022), Stand: 31.03.2022 (Quelle: DWD) 

In den gewitterstärksten Monaten Juni und Juli steigt die Anzahl der Gewittertage allgemein auf 4 bis 7. Mit knapp 6 Tagen zeigt sich der Juni in Frankfurt als der Monat mit den meisten Gewittertagen, bei den anderen ausgewählten Städten ist es der Juli. Dabei kommt Stuttgart in diesem Monat auf beinahe 7 Gewittertage, Potsdam und Hamburg auf etwa 5.

Im September geht die Gewittertätigkeit wieder deutlich zurück und erreicht fast das April-Niveau. In den Monaten Oktober bis März gibt es in Deutschland nur noch selten Blitz und Donner. Mehr als ein Gewitter pro Monat ist dann statistisch die Ausnahme. Interessant ist aber, dass im Winter im Norden Gewitter häufiger sind als im Süden – dort begünstigt das wärmere Meer die Entwicklung. Im Sommer dagegen sorgt das Meer küstennah für kühlere Temperaturen – und damit auch für weniger Gewitter.

Und in diesem Jahr? Die Langfristvorhersage des DWD geht für die nächsten drei Monate (Mai, Juni und Juli) vor allem im Osten von zu nassen Verhältnissen aus, während es im Westen und Südwesten eher trockener als normal bleiben soll (siehe saisonale Profi-Klimavorhersagen des DWD). Die meisten anderen Langzeitvorhersagen verschiedener Wettermodelle sind dagegen neutral, sodass es keine großen Abweichungen vom Durchschnitt geben soll. Damit stünde uns eine „normale“ Gewittersaison bevor mit einer dem Durchschnitt entsprechenden Anzahl. Allerdings sei auch angemerkt, dass Langzeitvorhersagen keine präzisen Wettervorhersagen sind, sondern nur Wahrscheinlichkeiten z.B. für trockenere oder nassere Verhältnisse angeben. Mögliche konvektive Ereignisse auf kleinerer Skala könnten damit durch das Raster fallen. Zudem bestehen bei der Langfristvorhersage meist noch größere Unsicherheiten, sodass bezüglich der Stärke der Gewittersaison sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2025
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Die Gewitterlage am Ostersonntag

Größtenteils freundlich und sehr mild gestaltete sich der Ostersonntag. Zumindest bis zum frühen Nachmittag. Ab dem Mittag näherte sich nämlich die Okklusionsfront von Tief FRITZ und sorgte für einen teils rapiden Wetterwechsel. FRITZ verlagerte sich am Ostersonntag unter leichter Abschwächung langsam von der Bretagne in Richtung Benelux. Auf der Vorderseite bildete sich eine Tiefdruckrinne aus. Diese lag am Nachmittag in einem Bereich von Bayern bis nach Nordrhein-Westfalen. In dieser Zone kam es ab dem Nachmittag zur Ausbildung hochreichender Quellwolken. Doch nicht überall – in Bayern bildeten sich trotz Vorhersage kaum Gewitterwolken aus.

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Analysekarte für Ostersonntag um 00 UTC. Tief FRITZ befindet sich in der Nacht noch über der Bretagne. In Deutschland herrscht schwacher Hochdruckeinfluss. (Quelle: DWD) 

Die Bedingungen für einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotential waren im Voraus dort durchaus gegeben. Ein Hebungsantrieb durch eine bodennahe Konvergenz (Zusammenströmen von verschiedenen Luftmassen) sowie eine starke vertikale Windscherung können trotz des relativ geringen Feuchtegehalts in der unteren Troposphäre für vereinzelte, aber kräftige Gewitter mit Hagel und Sturmböen sorgen. Zudem wäre ein zusätzlicher Hebungsantrieb durch das süddeutsche Bergland gegeben. Warum kam es dort aber gestern dennoch nicht zur Auslöse von kräftigen Gewittern?

Dies lag zum einen an einer von Westen recht rasch heranschreitenden Druckwelle, die das Potenzial für kräftige Gewitter mit Unwettergefahr im Keim erstickte. Bereits am Mittag nahm der Wind im Südwesten deutlich zu. In exponierten Lagen traten recht verbreitet Windböen oder sogar stürmische Böen um 60 Kilometer pro Stunde (Bft 8) auf. Am frühen Nachmittag bildeten sich in Oberschwaben erste Quellungen aus, die sich aber nur zu Schauern entwickelten, da sich die atmosphärische Schichtung durch die voranschreitende Druckwelle stabilisierte. Zudem kam es im Süden innerhalb von kurzer Zeit zu einem markanten Temperatursturz. Auch im Vorfeld der Druckwelle über Bayern konnten sich keine hochreichenden Gewitterwolken entwickeln. Grund dafür war vermutlich, dass der Feuchtegehalt der unteren atmosphärischen Schichten dort noch etwas geringer, war als von den Modellen prognostiziert.

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Die maximalen Windböen (km/h) und Niederschlagssummen (mm) für den Ostersonntag. Während im Süden in Verbindung mit der Druckwelle verbreitet Windböen auftraten, kam es vor allem vom Sauerland über Thüringen bis in den Süden Sachsen-Anhalts zu größeren Niederschlagssummen. Örtlich eng begrenzt bis in den Unwetterbereich. (Quelle: DWD) 

Weiter im Norden konnten sich dagegen in der feuchteren Luftmasse ab dem Nachmittag erste Gewitterzellen entwickeln. Dort lag aufgrund der langsamen Verlagerung und der Gefahr der Verclusterung von mehreren Gewitterzellen zu einem größeren Niederschlagsgebiet das Hauptaugenmerk auf dem Starkregen. Am frühen Abend sorgte eine kleinräumige Zelle im Sauerland örtlich und eng begrenzt für sehr hohe Niederschlagssummen über 25 l/qm innerhalb von kurzer Zeit. Am späten Abend erfassten die Gewitter auch Thüringen und den Süden von Sachsen-Anhalt. Auch dort kam es lokal zu kräftigem Starkregen und kleinkörnigem Hagel. Spitzenreiter war die Station Artern im Norden von Thüringen. Dort wurden innerhalb von einer Stunde 25,8 l/qm registriert. Im Laufe des Abends und in der ersten Nachthälfte entstanden aus den vorher isolierten Zellen größere gewittrige Niederschlagsgebiete. Warnrelevante Mengen wurden dann aber nicht mehr erreicht.

Auch am heutigen Ostermontag bilden sich im Tagesverlauf zur Freude der Natur wieder vermehrt Schauer und einzelne Gewitter aus. Unwetterartige Entwicklungen sind aber nicht zu erwarten!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2025
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