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Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

4. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bereits in der Nacht zum vergangenen Dienstag (02.09.2025) zogen Gewitter mit Starkregen aus dem Süden Deutschlands über die Osthälfte nordostwärts. An der Wetterlage hat sich seither nur wenig getan. Weiterhin liegt ein umfangreicher Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik. Darin finden sich am heutigen Donnerstagmittag, den 04.09.2025, verschiedene Druckzentren, unter anderem Tief „Ulrich“ bei Island und Tief „Volkhard“ vor der Küste Norwegens.

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Donnerstag, den 04. September 2025, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 03. September 2025, 00 UTC.

Von „Volkhard“ ausgehend erstreckt sich eine Luftmassengrenze über Mitteleuropa und greift im heutigen Tagesverlauf auf Deutschland über. In deren Vorfeld befindet sich der Süden und Osten Deutschlands im Einflussbereich erwärmter Meeresluft. Diese bringt nicht nur sommerliche Temperaturen, sondern auch ausreichend Energie auf, sodass sich ab dem Nachmittag bis in den späten Abend hinein einzelne schwere Gewitter im Süden bilden können. Dabei besteht örtlich Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen mit Mengen bis zu 40 Litern pro Quadratmeter, schweren Sturm- oder vereinzelt sogar Orkanböen sowie Hagel mit Korngrößen um 3 cm.

Am späten Abend kann sich dann in Zusammenspiel mit einer südwestlichen Überströmung der Alpen ein sogenanntes Leetief auf der Nordseite der Alpen ausbilden. Dieses führt insbesondere entlang der Luftmassengrenze zu schauerartigen Regenfällen, teils sind auch einzelne Gewitter eingelagert. Dabei kann das markante DWD-Warnkriterium für Starkregen mit Niederschlagsmengen zwischen 20 und 35 Litern pro Quadratmeter in wenigen Stunden erreicht werden, unwetterartige Entwicklungen mit höheren Mengen sind aber nur selten. Das Starkregengebiet zieht in der Nacht zum Freitag dann allmählich über die östliche Mitte und erreicht in den Morgenstunden des Freitags (05.09.2025) den Nordosten Deutschlands. Gleichzeitig regnet es auch im Süden an der nur sehr langsam ostwärts vorankommenden Luftmassengrenze weiterhin teils schauerartig verstärkt.

Schematische Darstellung der bevorstehenden Unwettersituation durch schwere Gewitter (rotes Polygon) im Süden Deutschlands und gewittrigem Starkregen vom Südwesten bis in den Nordosten (oranges Polygon) von Donnerstag, den 04. September 2025.

Am Freitag bekommt die Luftmassengrenze dann etwas Unterstützung aus der Höhe. Ein sogenannter Höhentrog (vorübergehend tiefer Luftdruck in höheren Atmosphärenschichten) sorgt für etwas Schub nach Osten hin. Zudem wird dadurch zusätzliche Hebung generiert. So bleibt es in der Osthälfte zunächst regnerisch. Vereinzelt treten die Niederschläge auch noch gewittrig verstärkt auf. Im Tagesverlauf ziehen diese aber mehr und mehr nach Osten ab. Nur in der Lausitz kann der Regen noch bis in die Nacht zum Samstag anhalten.

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmengen bis Freitag, den 05. September 2025, 12 UTC für die Wettermodelle ICON-D2 (links), IFS (Mitte) und AROME (rechts).

Rückseitig der Luftmassengrenze fließt etwas kühlere Atlantikluft nach Deutschland, sodass die Tageshöchstwerte allmählich wieder etwas absinken. Bereits am heutigen Donnerstag liegen die Temperaturen im Westen zwischen 20 und 24 Grad. Am morgigen Freitag wird dann landesweit kein Sommertag (Temperaturen von 25 Grad Celsius und höher) mehr erreicht. Bei länger anhaltendem Regen wird das Thermometer voraussichtlich nicht über 17 Grad Celsius steigen.

Von Westen nimmt zum Wochenende hin Hochdruckeinfluss zu. Hoch „Nina“ liegt aktuell noch über dem Atlantik, verlagert am Freitag seinen Schwerpunkt über Frankreich hinweg und befindet sich dann am Samstag genau über Deutschland. So beruhigt sich das Wettergeschehen am Wochenende wieder.

Temperatur und Geopotenzial in etwa 1,5 Kilometern Höhe über Grund im Bereich Nordwesteuropa. Der rote Pfeil zeigt den Zustrom wärmerer Luftmassen nach Deutschland.

Am Sonntag gelangen wir aber schon wieder auf die Vorderseite eines weiteren Atlantiktiefs, das in Richtung Britische Inseln zieht. Dieses führt wieder deutlich wärmere Luft zu uns, sodass die Höchstwerte wieder auf sommerliche Werte ansteigen können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Schwere-Gewitter-und-Starkregen-im-Anmarsch.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-04 11:08:542025-09-09 11:11:17Schwere Gewitter und Starkregen im Anmarsch

Deutschlandwetter im Sommer 2025

3. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,3 °C +2,6 Grad
2 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 20,9 °C +3,1 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,9 °C +2,3 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,4 °C +2,3 Grad
2 Carlsfeld Sachsen 14,6 °C +2,4 Grad
3 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen 14,8 °C +2,1 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 755,2 l/m² 98 %
2 Kreuth-Glashütte Bayern 693,4 l/m² 94 %
3 Anger-Stoißberg Bayern 655,2 l/m² 111 %

Besonders trockene Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Etzleben Thüringen 93,9 l/m² 54 %
2 Weißenfels-Wengelsdorf Sachsen-Anhalt 94,4 l/m² 54 %
3 Liebenau-Haueda Hessen 95,9 l/m² 46 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Alzey Rheinland-Pfalz 848 Stunden 132 %
2 Worms Rheinland-Pfalz 844 Stunden 144 %
3 Waibstadt Baden-Württemberg 836 Stunden 126 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 574 Stunden 104 %
2 Belm Niedersachsen 583 Stunden 104 %
3 Emden Niedersachsen 583 Stunden 97 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 03.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-03 10:52:202025-09-09 11:10:19Deutschlandwetter im Sommer 2025

Deutschlandwetter im August 2025

2. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,1 °C +2,3 Grad
2 Mannheim Baden-Württemberg 20,8 °C +2,0 Grad
3 Frankfurt-Westend Hessen 20,7 °C +1,9 Grad

Besonders kalte Orte im August 2025*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Carlsfeld Sachsen 14,4 °C +1,9 Grad
2 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,7 °C +2,0 Grad
3 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen 14,7 °C +0,6 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Todtmoos Baden-Württemberg 244,0 l/m² 172 %
2 Emmendingen-Mundingen Baden-Württemberg 218,0 l/m² 230 %
3 Achberg-Doberatsweiler Baden-Württemberg 201,3 l/m² 126 %

Besonders trockene Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Neustadt-Glewe Mecklenburg-Vorpommern 10,4 l/m² 17 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 10,8 l/m² 22 %
3 Gardelegen-Lindstedterhorst Sachsen-Anhalt 11,2 l/m² 18 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Darmstadt Hessen 304 Stunden 142 %
2 Alzey Rheinland-Pfalz 301 Stunden 142 %
3 Schaafheim-Schlierbach Hessen 301 Stunden 147 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im August 2025**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 200 Stunden 109 %
2 Arnsberg-Neheim Nordrhein-Westfalen 202 Stunden 111 %
3 Ahaus Nordrhein-Westfalen 203 Stunden 108 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-02 10:42:592025-09-09 10:51:41Deutschlandwetter im August 2025

Der September – ein verkappter Sommermonat?

1. September 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nein, das hat er sich anders vorgestellt, der September. Der Monat, der von den Meteorologen kühl-wissenschaftlich zum ersten Herbstmonat degradiert wird. Dabei will der Liebe vielmehr ein Spätsommermonat sein, den Menschen vor der nahenden dunklen und kalten Jahreszeit noch einmal laue Sommerabende bescheren.

Aber genug des unwissenschaftlichen Plädoyers, nun zu den Fakten.

Aus astronomischer Sicht sieht es tatsächlich nicht gut aus für den „Möchtegern-Sommermonat“. Die Fakten: morgens wird es später hell, abends früher dunkel, der „lichte Tag“ wird schnell kürzer. Die Sonne steht zudem immer niedriger über dem Horizont, die direkte Sonnenstrahlung dringt also immer flacher in die Atmosphäre ein. Die Sonne liefert damit im Laufe des Monats sukzessive weniger wärmende Energie. Ein eindrückliches Beispiel: Die Tageslänge Anfang September entspricht in etwa der von Anfang April.

Also jetzt auch noch ein Vergleich zwischen September und April, der nicht weiß, was er will? Nun, die astronomische Wahrheit ist nur die halbe Wahrheit. Denn der Sonnenstand bestimmt nicht allein die Temperaturentwicklung über das Jahr hinweg. Nach der kalten Jahreszeit wird ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Sonnenenergie in die Erwärmung von Wasser- und Landmassen oder auch in das Abschmelzen von Eis investiert. Vor allem die Ozeane können sehr viel Wärme speichern, die im Herbst wieder an die Luft abgegeben wird. Die Landmassen, insbesondere aber die Ozeane, sind sozusagen die anspringende Heizung, wenn der Sonne im Herbst allmählich die Puste ausgeht. Als Resultat dessen ist das Maximum der Temperaturen – zumindest im vieljährigen Mittel – um etwa sechs Wochen gegenüber dem Maximum der Sonneneinstrahlung verschoben. Davon profitiert auch der September!

Monatsmittel des Sonnenstandes zur Mittagszeit und der Mitteltemperatur in Frankfurt/Main.

Natürlich spielen darüber hinaus auch noch weitere örtliche und regionale Klimafaktoren eine Rolle wie Meeresströmungen oder die für einen bestimmten Zeitraum typischen Großwetterlagen. Der September gilt in Mitteleuropa so z. B. als „klimatisch stabil“. Im Wesentlichen sind es die geringen Temperaturgegensätze zwischen den Europa umgebenden Meeren und dem Festland sowie zwischen den hohen und niederen Breiten, die weniger turbulente Tiefdruckaktivität als Hochdruckdominanz über Mitteleuropa begünstigen.

Das klingt doch eher nach Sommer als nach Herbst. Tatsächlich wartet der September z. B. in Frankfurt am Main mit einem mittleren Temperaturmaximum von 20,8 °C auf und liegt damit zwar hinter den Monaten Juli (26,1 °C), August (25,7 °C) und Juni (23,9 °C), aber noch vor Mai (20,4 °C) auf dem vierten Platz. Vor allem in der ersten Monatshälfte kann es noch einmal richtig heiß werden mit Temperaturen über 30 °C. In Jena (Sternwarte) ging es am 03.09.1911 bis auf hochsommerliche 36,5 °C rauf. Auch im vergangenen Jahr am 04.09. wurden Temperaturen über 35°C registriert (z. B. in Doberlug-Kirchhain in Brandenburg; 35,2 °C). Zugleich kühlt die Luft in den immer länger werdenden Nächten schon deutlich stärker aus als noch in den Vormonaten. Zum Ende des Monats steigt zudem das Potenzial erster kräftiger Kaltluftvorstöße aus Norden. In der Folge stellen sich im Septemberverlauf häufig die ersten Nachtfröste ein (z. B. Karlshuld in Oberbayern: -6,4 Grad am 23.09.1964).

Wie steht es nun um das Eingangsplädoyer, der September wäre zu Unrecht zum Herbstmonat degradiert worden? Im Hinblick auf die Ausführungen mag es zwar etwas hoch gegriffen gewesen sein, denn der September weist neben vielen sommerlichen immerhin auch einige herbstlich anmutende Facetten auf. Aber wie sagt man so schön: Im Zweifel für den Angeklagten – geben wir dem September also noch die Chance, sich sommerlich zu bewähren.

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Der-September-ein-verkappter-Sommermonat-1.png 634 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-09-01 11:01:432025-09-02 11:08:30Der September – ein verkappter Sommermonat?

Übergang in den Herbst?

31. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bei einem Blick auf die aktuelle Analysekarte ist ein umfangreiches Sturmtief mit seinem Zentrum bei Irland zu erkennen. Der herbstliche Charakter des Sturmtiefs ULRICH zeigt sich durch seinen tiefen Kerndruck von unter 970 Hektopascal. Zu Wochenbeginn verlagert sich ULRICH unter leichter Abschwächung nach Schottland und beeinflusst mit seinen Frontensystemen auch die Westhälfte Deutschlands. Damit kommen in der Nacht auf Montag im Westen teils kräftige schauerartige Niederschläge auf. Örtlich sind auch eingelagerte Gewitter nicht ausgeschlossen. Vor allem von der Eifel bis zum Emsland besteht die Gefahr durch mehrstündigen Starkregen.

Analysekarte für Sonntag, den 31.08.2025. Auf der Vorderseite von Sturmtief ULRICH wird feuchtwarme Luft nach Deutschland geführt. (Quelle: DWD)

In der großen Südosthälfte gibt es davor am Sonntag aber nochmals angenehm warmes und sonniges Spätsommerwetter. Dort steigen die Temperaturen auf badetaugliche 24 bis 28 Grad. Am Montag kommen die Niederschläge aus der Nacht in abgeschwächter Form bis zur nördlichen Landesmitte voran. Dazu gehen auch die Temperaturen etwas zurück. Häufig werden nur noch um oder knapp über 20 Grad erwartet. Lediglich im äußersten Osten treten nochmals sommerliche Werte von über 25 Grad auf.

Auch in den Folgetagen ändert sich an der Großwetterlage nicht viel. Es bleibt bei einer zyklonal geprägten Südwestlage. Damit strömt zwar relativ warme Meeresluft ins Land, allerdings ist beständiges Spätsommerwetter mit mehreren niederschlagsfreien Tagen damit nicht in Sicht. Etwas bevorzugt dabei ist voraussichtlich der Osten und Südosten. Dort sind auch längere sonnige Abschnitte möglich. Jedoch sorgt dort am Dienstag ein kleinräumiges Tief für kräftige, teils gewittrige Niederschläge. Stellenweise ist auch mehrstündiger Starkregen möglich.

In der zweiten Wochenhälfte stellt sich wieder das altbekannte Muster ein. Während sich der Südosten vorübergehend unter schwachem Zwischenhocheinfluss befindet, sorgen Frontensysteme eines kräftigen Tiefdruckkomplexes mit Zentrum über Nordwesteuropa vor allem in der Nordwesthälfte für weitere Niederschläge. Dazu bleibt es aber spätsommerlich warm. Bei längerem Sonnenschein werden in den Niederungen durchaus Höchsttemperaturen um 25 Grad erreicht.

Temperaturvorhersage für kommende Woche für Deutschland. (Quelle: DWD)

Mittelfristig bleibt uns nach jetzigem Stand die Großwetterlage erhalten. Über Nordwesteuropa werden immer wieder kräftige Tiefdrucksysteme simuliert. Am kommenden Wochenende könnte sich allerdings auf der Vorderseite eine Hochdruckbrücke aufbauen. Diese würde dann im Zusammenspiel mit einer sehr warmen südwestlichen Strömung vorübergehend für lupenreines Spätsommerwetter sorgen. Gleichzeitig nimmt die Vorhersageunsicherheit ab dem Wochenende auch deutlich zu. Ein Großteil der Modelläufe deutet nur auf eine kurze, stabile und warme bis sehr warme Spätsommerperiode hin! Einen längeren Zeitraum mit beständigem Spätsommerwetter ist allerdings vorerst nicht in Sicht. Die wechselhafte und relativ warme Witterung setzt sich somit bis auf Weiteres fort. Erst in der zweiten Septemberdekade gibt es unter stark zunehmender Vorhersageunsicherheit Anzeichen für hochdruckgeprägte Wetterlagen über Zentraleuropa (siehe Grafik 3).

Hovmöller Diagramm der Wetterlagen über Europa bis Ende September. Bis zum Beginn der zweiten Septemberdekade ist tiefes Geopotential über West – und teilweise über Mitteleuropa vorherrschend. Danach gibt es bei stark zunehmenden Unsicherheiten Anzeichen für eine Umstellung mit hochdruckgeprägten Wetterlagen. (Quelle: ECMWF)

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Uebergang-in-den-Herbst-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-31 10:50:542025-09-02 11:08:09Übergang in den Herbst?

Fliegende Instrumente

30. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Atmosphäre ist eine vielschichtige Zeitgenossin. Von den höheren Schichten bekommen wir Menschen auf der Erdoberfläche nicht viel direkt mit. Jedoch spielen die Prozesse und Abläufe dort oben vor allem in der Troposphäre oder auch der Stratosphäre eine große Rolle für das alltägliche Wettergeschehen. Eine Möglichkeit Informationen über den vertikalen Aufbau und Zustand unserer Atmosphäre zu erhalten sind Radiosondenaufstiege.

Bild einer Radiosonde

Eine Radiosonde besteht aus einem Ballon, der zumeist mit Wasserstoff gefüllt ist. Die geringere Dichte dieses Gases im Vergleich zur umgebenden Luft lässt ihn aufsteigen. Das geschieht mit einer ungefähren Geschwindigkeit von 300 m/min (bzw. 18 km/h). An diesem Ballon befestigt sind verschiedene Messgeräte. Damit werden wichtige meteorologische Messgrößen auf dem Weg nach oben aufgezeichnet, dazu zählen Luftdruck, Luftfeuchte und Lufttemperatur. Die Position des Ballons wird mittels GPS mitverfolgt. Dadurch, dass die Sonde vom Wind mal in diese, mal in jene Richtung gesteuert wird, kann die Windrichtung und -geschwindigkeit errechnet werden. Mit zunehmender Höhe dehnt sich das Gas im Inneren des Ballons aus, bis der Ballon normalerweise in einer Höhe von etwa 20-30 km platzt. Die Sonde fällt danach (abgebremst von einem Fallschirm) wieder herab.

Solche Aufstiege werden international um 0, 6, 12 und 18 UTC durchgeführt, damit alle Daten zu gleichen Zeiten erhoben werden und vergleichbar sind. Die Verläufe der Parameter können in so genannten „Thermodynamischen Diagrammpapieren“ dargestellt werden. Diese gibt es in verschiedenen Arten, hier wollen wir uns ein Stüve-Diagramm vornehmen.

Stüve-Diagramm eines Radiosondenaufstiegs aus Stuttgart 30.08.2025 0 UTC

Auf der x-Achse von links nach rechts ist die Temperatur in Grad Celsius abgebildet. Nach oben auf der y-Achse der Druck in Hektopascal. Nun nimmt aber der Druck mit der Höhe ab, daher befinden sich die höchsten Druckwerte unten. Auf der rechten Seite ist auch die dazugehörige Höhe in Metern angegeben. Ebenfalls dort befinden sich die Windfiedern, die sowohl die Richtung, als auch die Geschwindigkeit des Windes anzeigen. Außerdem gibt es verschiedene Arten von regelmäßigen Linien, die dabei helfen zu entscheiden, wo beispielsweise die Wolkenunter- oder Obergrenze ist.

Im Beispiel vom Stuttgarter Aufstieg sieht man anschaulich, dass der Wind zuerst mit der Höhe zunimmt (mehr „Häkchen“ an den Pfeilen), ab etwa 10 km jedoch wieder abnimmt. Zudem dreht der Wind etwas mit der Höhe von West auf Südwest oder Süd. Die gemessene Temperatur wird durch die rote Linie dargestellt. Sie nimmt bis zu einer Höhe von ca. 10,5 km fast kontinuierlich ab. Dort befindet sich die Tropopause, welche den Übergang von Troposphäre zu Stratosphäre markiert. Die blaue, gestrichelte Linie links daneben zeigt die Taupunkttemperatur an. Je näher sich diese beiden Linien kommen, desto gesättigter ist die Luft in dieser Höhe. Das heißt dort können sich Wolken bilden.

All die gesammelten Daten fließen zusammen mit Bodenstation-, Satelliten-, Flugzeug-, Bojen- oder auch Schiffsdaten in die heutigen Wettermodelle ein. Diese versuchen dann mithilfe dieser Daten den jetzigen Zustand der Atmosphäre so gut es geht zu ermitteln und die weitere Entwicklung zu simulieren. Das alles, damit wir am Ende auf die Wettervorhersage schauen und das Wetter für die kommenden Tage abschätzen können.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Fliegende-Instrumente.jpg 1280 865 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-30 10:44:012025-09-02 11:07:20Fliegende Instrumente

Eine Reise in die Great Plains

29. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Über das Stormchasing als eines der etwas ausgefalleneren Hobbies wurde bereits in der Vergangenheit schon berichtet. Bei vielen Kollegen, die in der Vorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes arbeiten, gibt es sowieso eine nur recht verschwommen wahrnehmbare Grenze zwischen Beruf und Hobby/Freizeit. Wetter findet halt rund um die Uhr statt.
Einige Genossen der Meteorologenzunft machen dabei gerne ihre scherzhaft gemeinten Bemerkungen, dass man so eine Reise in die USA zwecks Stormchasing doch als Fortbildungsveranstaltung deklarieren möge und nicht als Erholungsurlaub. Dabei hat so ein Trip tatsächlich nur wenig mit Erholung zu tun.

3 Wochen — 12 000 km

Zunächst einmal braucht man dafür nämlich jede Menge Sitzfleisch. Und man muss Autofahren mögen. Denn für erfolgreiches Betrachten schöner Superzellstrukturen oder gar Tornados muss man jede Menge Strecke zurücklegen. Immerhin gilt es ein Gebiet von Colorado und Nebraska bis nach Süd-Texas abzudecken. Das sind im Flächenvergleich mehrere Deutschlands (oder Deutschländer? Der Duden schweigt hierzu…). Da kommen schnell ein paar tausende Kilometer zusammen. Summa summarum waren es in diesem Fall etwas über 12 000, während des dreiwöchigen Aufenthalts im Schnitt also etwa 4 000 pro Woche.

Nebraska Sandhills, 02.06.25

Da an den Tagen vor- und nachher nicht allzu viel los war, entschied sich die Reisegruppe für einen Ausflug gen Norden bis in den Bundesstaat Nebraska. 1000 km später fand man sich in den sogenannten Sandhills wieder. Dabei handelt es sich um ein sehr dünn besiedeltes Gebiet zusammenhängender Sanddünen. Landschaftlich äußerst pittoresk, aber für das Chasen nur bedingt geeignet, weil man nicht mehr so weit in die Landschaft schauen kann. In dem Falle aber egal. Ein geeigneter Aussichtspunkt wurde gefunden. Dort formte sich anschließend eine veritable Gewitterlinie aus, die natürlich in allen Formen und Farben abgelichtet wurde.

Gewitter über den Nebraska Sandhills mit Blitzeinschlag, 02.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Morton, Texas, 05.06.25

Wenige Tage später ist man wieder in zurück in Texas. Nachdem der Vortag mit eher mäßigen Lagen rumgebracht wurde, sollte es an diesem Tag wieder zur Sache gehen. Am Ende stand eine monströse Superzelle, die sämtliche Erwartungen übertroffen hatte. Quasi nahezu mit Eintreffen vor Ort bildete sich ein riesiger sogenannter Wedge-Tornado aus. „Wedge” bedeutet hier, dass der sichtbare Teil des Tornados breiter als hoch ist. Dazu zog die Zelle genau parallel zu dem Highway, auf dem man sich positioniert hatte. So ließ sich das „Gerät” perfekt ablichten – wären da nicht der ganze Staub und Dreck von den Feldern gewesen, den es einem um die Ohren pfiff und der die Sicht deutlich einschränkte. Eine harte Belastungsprobe auch für das fotografische Equipment. Später ging es in Richtung der nahegelegenen Großstadt Lubbock, da die Zelle genau auf die Stadt zuzog. Dementsprechend wurde dort auch vor einem Tornado gewarnt, woraufhin eine Fluchtbewegung der Bevölkerung einsetzte. Glücklicherweise löste sich der Tornado noch in den ersten Vororten auf, sodass größere Schäden ausblieben.

Wedge-Tornado bei Morton, TX, 05.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Die Superzelle zu einem späteren Zeitpunkt nahe Lubbock, TX, 05.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Texline, Staatsgrenze Texas/Oklahoma, 08.06.2025

Wenn man denkt, dass man jetzt aber wirklich alles gesehen hat… wird man von Mutter Natur natürlich eines Besseren belehrt. Der 08.06. sollte der Sechser mit Superzahl im Stormchaser-Lotto werden. Könnte einem das nur mal jemand vorher verraten… Mittlerweile spielte die Musik im sogenannten „Oklahoma Panhandle”. So heißt der schmale Streifen des Staatsgebietes von Oklahoma, der weit nach Westen reicht und auf der Karte eben aussieht wie ein Pfannenstiel. Bereits in den Vormittagsstunden hatten sich entlang einer Konvergenzlinie im Osten des Panhandles zahlreiche Gewitter gebildet, die das Interesse der Chaser-Community (von manchen auch spaßeshalber „Die Horde” genannt) auf sich zog. Unsere Gruppe aber hatte andere Pläne. Denn die synoptischen Parameter zeigten vielversprechendes für den Westen des Panhandles. Das wurde auch durch die Vorhersagen und Diskussionen des Storm Prediction Centers bestätigt, deren Produkte man natürlich trotzdem auch immer mit zu Rate zieht. Die dortigen Kollegen und Kolleginnen haben einfach einen riesigen Erfahrungsschatz bei der Gewitter- und Tornadovorhersage. Zwar war die Wahrscheinlichkeit für die Gewitterbildung nicht so hoch, wie im Osten des Pfannenstiels. Aber wenn sich eine Zelle bilden würde, dann… ja dann…
Tatsächlich war es wenig später auch soweit und die ersten Radarsignale zeigten vielversprechende Signale. Also aufs Gaspedal gedrückt (10 mph über Tempolimit sind dort übrigens völlig normal) und hin da! Knapp huschten wir noch am Hagelkern einer mittlerweile ausgewachsenen Superzelle vorbei, um anschließend von Süden her direkt in den rotierenden Aufwindturm schauen zu können. Was dann passierte, davon kündigen die nachfolgenden Bilder. Der große Clou: Außer unserer Truppe war quasi kein anderer Stormchaser zugegen. Die Straße von und zu der Zelle war fast völlig verwaist. Der Beweis, die Silbernadel im großen Gewitterheuhaufen gefunden zu haben.

Freistehender Tornado an einer Superzelle nahe Texline, Grenze OK/TX, 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Freistehender Tornado an einer Superzelle nahe Texline, Grenze OK/TX, 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

In Auflösung begriffener Tornado (sog. „Rope out”), 08.06.2025. Quelle: Felix Dietzsch

Meteorologe M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Eine-Reise-in-die-Great-Plains-1.jpg 900 1600 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-29 10:20:112025-09-02 11:07:06Eine Reise in die Great Plains

Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 2

28. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In Teil 1 im Thema des Tages vom 26.08.2025 haben wir die CPS-Diagramme kennengelernt. Mit diesen kann zwischen tropischen und nicht-tropischen Eigenschaften eines Sturms unterschieden werden. Am Beispiel von ALEX soll nun die Entwicklung anhand dieser Diagramme nachvollzogen werden. Wer sich diese als Animation anschauen möchte, kann dies mit untenstehendem Link tun.

Am 7. Januar 2016 bildete sich ein erstes Tief auf dem Atlantik nordwestlich der Bahamas. Im CPS-Diagramm ist dieser Punkt mit einem „A“ gekennzeichnet. Das Tief war als außertropische Zyklone klassifiziert, besaß also einen kalten Kern und ein hohes Maß an Asymmetrie. Im ersten CPS-Diagramm ist es dementsprechend im linken oberen Quadranten verortet.

Erstes (links) und zweites (rechts) CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

In den nächsten Tagen wanderte es in nordöstliche Richtung weiter. Am 10. Januar hatte das System schon einen flachen warmen Kern ausgebildet (2. CPS-Diagramm rechts unten). Es erreicht sogar Windgeschwindigkeiten von 65 Knoten (~120 km/h), nach der Saffir-Simpson-Skala würde das für einen Hurrikan Stufe 1 reichen. Jedoch zeigte die Struktur noch nicht genügend tropische Eigenschaften. Das sollte sich aber noch ändern.

Durch eine blockierende Atmosphärendynamik änderte sich die Zugrichtung auf Südost. Der Sturm wurde dadurch über einen für diese Jahreszeit ungewöhnlich warmen Ozean gesteuert (Oberflächentemperatur ~23°C). Unter anderem kombiniert mit einer schwachen Windscherung, wurden die Umgebung zunehmend günstiger für die Entwicklung eines tropischen Wirbelsturms.

Am 12. Januar war ALEX offiziell ein subtropischer Sturm, der sowohl tropische als auch nicht-tropische Eigenschaften aufweist. Ab dem 14. Januar 8 Uhr hatte er den Status eines Stufe 1-Hurrikans. In unseren CPS-Diagrammen ist zu erkennen, dass er eine symmetrische Struktur ausgebildet hatte und einen hochreichenden warmen Kern besaß. Die Umwandlung eines außertropischen Sturms in einen tropischen wird übrigens „Tropische Umwandlung“ genannt. Die höchsten Windgeschwindigkeiten von 75 Knoten (~140 km/h) erreichte er etwas später im Tagesverlauf.

Satellitenbild von ALEX als außertropische Zyklone am 10.01.2016 (links) und als Hurrikan am 14.01.2016 (rechts)

Dann jedoch driftete er zunehmend nach Norden. Dadurch schwächte er sich wieder ab und verlor nach und nach seinen tropischen Charakter. In den CPS-Diagrammen gut nachzuvollziehen, ist erkennbar, wie sein warmer Kern flacher und der Aufbau asymmetrischer wurde (1. CPS-Diagramm, von rechts unten nach rechts oben, 2. CPS-Diagramm andersherum). Danach vollzog sich die „Außertropische Umwandlung“ bis zum Abend des 15. Januar komplett und er war nicht mehr tropisch. Am 17. Januar verschwand er schließlich gänzlich (Verlauf bis zum „Z“ in den Diagrammen).

Zum Glück hielten sich die angerichteten Schäden in Grenzen. Zu Beginn seiner Reise führte er zu Sturm und Regen in Bermuda. Die Azoren hatten am 15. Januar mit Regenfällen und teils schweren Sturmböen zu tun.

Die Entwicklung eines Hurrikans so früh Anfang des Jahres ist sehr ungewöhnlich. Die atlantische Hurrikansaison beginnt eigentlich am 1. Juni und endet am 30. November. Nur eine Handvoll Tropenstürme erreichten im Januar Hurrikanstärke. Ein Beispiel ist der Hurrikan ALICE, welcher sich allerdings am 30. Dezember 1954 bildete und sich über den Jahreswechsel und im Januar 1955 intensivierte.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Tropisch-oder-nicht-das-ist-hier-die-Frage.png 683 1827 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-28 10:12:442025-09-02 11:06:48Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 2

Erst sommerlich, dann regnerisch

27. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer gestern Nachmittag im Freien unterwegs gewesen ist, hat oft sommerliches Wetter vorgefunden. Die Temperaturen haben sich nochmal einen Ruck gegeben und es gab durchaus Orte an denen die 30-Grad-Marke erreicht worden ist. Dafür verantwortlich war das Hoch MAREIKE, das diese Erwärmung ermöglicht hat und nun über Südosteuropa liegt. Gleichzeitig befindet sich über dem Atlantik, etwas nordwestlich von Irland der ehemalige Hurrikan „Ex-ERIN“. Zwischen diesen Druckgebilden wird auch heute noch aus Südwesten warme Luft herangetragen. Für die heutigen Tageshöchsttemperaturen bedeutet dies, dass es verbreitet einen Sommertag geben wird, also 25°C erreicht werden. Vereinzelt können es auch 30°C werden. Der äußerste Norden muss sich mit etwas kühleren Temperaturen begnügen. Der Temperaturtrend zeigt aber auch allgemein in den nächsten Tagen nach unten.

Doch darf man nicht außer Acht lassen, dass die einfließende Luftmasse sehr feucht ist. Ihnen ist bestimmt nicht entgangen, dass die letzte Nacht deutlich wärmer war als die am Wochenende. Das hängt damit zusammen, dass die Taupunkte gestiegen sind und es dadurch nicht so stark auskühlen kann.

Zudem sind deutlich mehr Wolken unterwegs und es steht ein regnerischer Wetterabschnitt bevor. Dieser beginnt damit, dass aus Südwesten schauerartige Regenfälle aufziehen. Teilweise sind diese auch gewittriger Natur und gehen einher mit Starkregen, stürmischen Böen und kleinkörnigem Hagel. In der Nacht zum Donnerstag weitet sich diese Gewittertätigkeit bis in die mittleren oder sogar nordöstlichen Landesteile aus. Etwa ab der zweiten Nachthälfte kommt aus Südwesten zusammen mit einer Kaltfront ein weiterer Schwall an Niederschlägen heran. Durch den hohen Feuchtegehalt der Luftmasse ist dann insbesondere im Südwesten Baden-Württembergs mit (mehrstündigem) Starkregen zu rechnen. Das ICON-D2-Ensemble zeigt dort zudem eine Wahrscheinlichkeit (bis zu 30%) für über 35mm Regen in sechs Stunden. Das bedeutet nach den Kriterien des Deutschen Wetterdienstes Unwetter!

Am morgigen Tag kommen das Regenband bis in den Nordosten Deutschlands voran. Schauerartig verstärkte Regenfälle, die teilweise auch mit Gewittern gespickt sind, treten besonders in einer Linie von Baden-Württemberg über Franken, Thüringen, Sachsen-Anhalt bis nach Mecklenburg-Vorpommern auf. Der Fokus liegt dabei sicherlich auf dem Starkregen. Eine gewisse Unwettergefahr besteht diesbezüglich erneut, wobei die genaue Lage der intensivsten Regenfälle noch unsicher ist.

Im Laufe des Abends beziehungsweise in der Nacht zum Freitag wandert der nördliche Teil der, immer noch teils kräftigen, Niederschläge nach Nordosten. Der südliche Teil nach Südosten. Von den Benelux-Ländern, aber auch aus der Schweiz heraus kommen abermals kräftige Niederschläge nach Deutschland herein. Diese ziehen über den Nordwesten beziehungsweise den Süden des Landes.

Gesamtregenmengen des ICON-D2-Modells von heute, 27.08.2025 11 Uhr bis Freitag, 29.08.2025 8 Uhr

Danach wird es voraussichtlich wechselhaft weitergehen, somit sind die sommerlichen Temperaturen passé. Dafür kann man sich vorerst eher nicht über mangelnde Spannung im Wettergeschehen beklagen! Wem diese nassen Aussichten dennoch nicht reichen, kann einen Blick in die Alpen werfen. Durch die permanente Anströmung der Berge wird die Luft regelrecht „ausgequetscht“ und dabei können in den nächsten Tagen immense Mengen (nach ICON-D2 stellenweise >200mm bis Freitagmorgen) zusammenkommen.

Meteorologe M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2025

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/09/Erst-sommerlich-dann-regnerisch.png 462 628 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-27 10:06:552025-09-02 11:06:21Erst sommerlich, dann regnerisch

Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 1

26. August 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den letzten Wochen ist der Name „ERIN“ immer wieder in den Themen des Tages aufgetaucht. Anfangs ein tropischer Wirbelsturm, der sogar zeitweise als ein Hurrikan der Stufe 5 kategorisiert worden war, ist er inzwischen bekannt als „Ex-ERIN“. „Ex“, weil er nun nicht mehr tropisch ist. Da stellt sich doch die Frage, woran das festgemacht wird?

Dieser Frage soll im heutigen Thema des Tages mit Hilfe von sogenannten CPS-Diagrammen etwas nachgegangen werden. CPS steht dabei für „Cyclone-Phase-Space“ (zu Deutsch: Zyklonen-Phasenraum). Ein solches Diagramm besteht eigentlich aus zwei einzelnen Diagrammen. Ein Beispiel für den Sturm ALEX aus dem Jahr 2016 ist unten zu finden.

erstes CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

Um diese Darstellung „lesen“ zu können, muss man wissen, dass sich der Aufbau tropischer und nicht-tropischer Stürme fundamental unterscheidet. Die in unseren Breiten auftretenden Systeme, lassen sich dadurch erkennen, dass sie ein Frontensystem haben. Das heißt uns wohl bekannte Kalt- und Warm- (und Okklusions-)fronten sprießen aus dem Tief heraus. Ihr Aufbau ist dementsprechend stark geprägt von asymmetrischen, warmen und kalten, Bereichen, die um den Tiefkern herumwandern. Und da wären wir direkt beim nächsten Merkmal: Dem Kern. Das Gebiet mit dem niedrigsten Bodendruck wird Kern genannt. Die dort herrschende Temperatur ist in solch einem System geringer als drumherum.

Im Kontrast dazu stehen die tropischen Eigenschaften. Diese zeichnen sich durch eine hohe „Rotationssymmetrie“ aus. Das heißt, sie haben einen kreisrunden Aufbau um das Zentrum herum, in dem sich das sogenannte „Auge“ des Sturms befindet. Zugleich besitzen tropische Wirbelstürme einen warmen Kern.
Zurück zu unserem CPS-Diagramm (Bild 1). Auf der y-Achse befindet sich der B-Parameter. Allgemein beschreibt er das Maß an Asymmetrie, das das System besitzt. Je höher dieser Wert, desto frontaler ist der Aufbau. Auf der x-Achse befindet sich ein Parameter, der angibt, wie warm der Kern in der unteren Troposphäre ist. Hier gilt, je kleiner der Wert, desto kälter der Kern.

Mit diesen Informationen, können wir nun vier Bereiche unterscheiden, die durch die breiten grauen Streifen voneinander getrennt sind. Links oben befinden sich asymmetrische Systeme mit kaltem Kern, also unsere außertropischen Zyklone. Rechts unten befinden sich die tropischen Stürme, die einen warmen Kern und einen symmetrischen Aufbau besitzen. Die anderen beiden Bereiche sind Mischformen, sogenannte Hybridzyklonen, die sowohl tropische als auch außertropische Merkmale besitzen.

Das zweite dazugehörige Diagramm (Bild 2) zeigt auf der x- und y-Achse die Temperatur des Kerns. Der Unterschied ist, dass auf der y-Achse die höhere Troposphäre betrachtet wird, auf der x-Achse die untere. Hinter dieser Idee steckt, dass man somit darstellen kann, ob der Sturmkern auch in größerer Höhe stark ausgeprägt ist. Eine erneute Kategorisierung bringt: Rechts oben einen hochreichenden und rechts unten einen nur flachen warmen Kern. Dementsprechend links unten einen hochreichenden und links oben einen flachen kalten Kern.

zweites CPS-Diagramm des Sturms ALEX (2016)

Wenn Sie mögen, können Sie nun schon einmal anhand der beiden Diagramme versuchen, den Verlauf der Eigenschaften des Sturms ALEX nachzuvollziehen. Hierbei markiert „A“ den Startzustand in der Nähe von Florida und „Z“ das Ende der Zugbahn südlich von Grönland. Mit dem untenstehenden Link, können Sie sich auch durch den Lebenszyklus klicken. Eine Fortsetzung und Erklärung anhand dieses Sturms wird es aber im Laufe der nächsten Tage geben.

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/08/Tropisch-oder-nicht-das-ist-hier-die-Frage-1.png 768 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-08-26 10:45:262025-08-27 10:55:09Tropisch oder nicht, das ist hier die Frage! – Teil 1
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