Hurrikan-Saison am Höhepunkt?

Hurrikan FRANCINE hat die Küste von Louisiana erreicht. Dabei ging der Sturm als Hurrikan der Kategorie 2 an Land. FRANCINE erreicht an den Küsten Spitzenböen von 150 Kilometern pro Stunde, schwächt sich auf seinem Weg ins Landesinnere aber schnell ab. Die Hauptgefahr des Sturms geht von intensiven Regenfällen aus, die auch weit landeinwärts für Überschwemmungen sorgen können. Innerhalb von 24 Stunden sind in Louisiana stellenweise 150 bis 300 Liter pro Quadratmeter zu erwarten.
FRANCINE ist der sechste benannte Sturm im Atlantik in der Saison 2024 bisher. Damit liegt die Wirbelsturmaktivität dort bis zum jetzigem Zeitpunkt entgegen den Prognosen zu Beginn der Saison, sogar auf leicht unterdurchschnittlichem Niveau. Doch was sind die Ursachen hierfür?

Die atlantische Hurrikan-Saison startete in diesem Jahr vielversprechend. Hurrikan BEYRL war der frühste beobachtete Kategorie 5 Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen. Dieser Sturm entwickelte sich bereits am 2. Juli über dem karibischen Meer zu einem Hurrikan der höchsten Kategorie. Grund dafür waren überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen, sowie günstige atmosphärische Bedingungen, welche die rasche Entwicklung des Sturms förderten.

DWD Hurrikan Saison am Hoehepunkt

Im weiteren Verlauf entwickelten sich lediglich die Stürme Debby (Kategorie 1) und Ernesto (Kategorie 2) zu signifikanten Wirbelstürmen auf dem Atlantik. Vom 20. August bis zum 10. September wurde kein einziger Sturm im gesamten Nordatlantik gesichtet und das obwohl zu diesem Zeitpunkt im klimatologischen Mittel der Höhepunkt der Wirbelsturmaktivität beginnt.

Die Ursache dafür lag vermutlich im Ostatlantik in der Nähe von Westafrika. Dieses Gebiet ist besonders interessant für die Entwicklung von starken Hurrikans, da dort die Grundlage in Form von konvektiven Gewittersystemen geschaffen werden. Über Westafrika und dem angrenzenden Ostatlantik wurden in diesem Zeitraum weit nach Norden ausgedehnte African Easterly Waves beobachtet. Dadurch verlagerten sich die konvektiven Gewittersysteme von Westafrika ausgehend über die Sahara in den Ostatlantik. Dies unterdrückte die weitere Intensivierung und teilweise auch schon die Auslösung der konvektiven Systeme sehr stark, sodass der Atlantik in diesem Zeitraum keinen einzigen ausgewachsenen Sturm hervorbrachte.

In den letzten Tagen haben sich die Bedingungen für die Entwicklung von starken Wirbelstürmen zumindest etwas gebessert. Die African Easterly Waves haben ihre Position verändert, sodass in den nächsten Wochen mit einem leichten Aufleben der Aktivität zu rechnen ist. Allerdings befindet sich in der Region, auch aufgrund einer erhöhten Saharastaubkonzentration eine immer noch recht stabile Schicht in der mittleren Atmosphäre, welche die weitere Entwicklung hemmen wird. Durch den Eintrag von Saharastaub wird die einfallende Solarstrahlung an den Staubpartikeln absorbiert, wodurch sich diese Schicht relativ zur unteren troposphärischen Schicht erwärmt. Zusätzlich unterdrückt der geringe Feuchtegehalt dieser Schicht weitere Konvektion.

DWD Hurrikan Saison am Hoehepunkt 1

Derzeit befindet sich eine tropische Depression westlich der Kapverden im östlichen Atlantik. Diese wird sich vorerst nicht weiter verstärken können. Erst im weiteren Verlauf deuten einige Berechnungen der Modelle eine Intensivierung zum tropischen Wirbelsturm oder auch zum Hurrikan an. Westlich der tropischen Depression befinden sich zwei weitere Störungen. Diese bestehen aktuell aus unorganisierten Bändern von Schauern und Gewitter und werden im weiteren Verlauf voraussichtlich ebenfalls keine klare Struktur ausbilden können. Damit bleibt die Sturmaktivität trotz zaghaft angedeuteten Entwicklungen auch im weiteren Verlauf des Septembers voraussichtlich gedämpft.

DWD Hurrikan Saison am Hoehepunkt 2

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.09.2024
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Mittelmeerluft und Tief ANETT – Extremniederschläge im östlichen Mitteleuropa

Es bahnt sich in den kommenden Tagen eine brisante Wetterentwicklung an, auf die man in einigen Regionen des östlichen Mitteleuropas gut und gerne verzichten kann. Initialgeber für die bevorstehende Wetterlage ist ein Höhentrog, der zum morgigen Donnerstag von Nordeuropa über West- und Mitteleuropa hinweg bis in das westliche und zentrale Mittelmeerraum hinein vorstößt (siehe Abbildung 1). An dessen Westflanke strömt Polarluft von Nordeuropa nahezu ungehindert bis zum Mittelmeerraum. In Verbindung mit dem sehr warmen Mittelmeer kommt dadurch über dem Golf von Genua und Oberitalien eine kräftige Tiefdruckgenese in Gang.

DWD Mittelmeerluft und Tief ANETT Extremniederschlaege im oestlichen Mitteleuropa

Mit der Höhenströmung begibt sich dieses Tief in der Folge auf eine im meteorologischen Fachjargon bezeichnete Vb-ähnliche (sprich: fünf-b) Zugbahn (siehe). Die Einteilung der Tiefdruckzugbahnen in 5 Klassen erfolgte durch den Meteorologen Wilhelm Jacob von Bebber in den 1890er Jahren. Vb-Tiefs bereiten den Wettermodellen und auch den Meteorologen in aller Regel größeres Kopfzerbrechen und können für die ein oder andere Überraschung sorgen. So ergeben sich oftmals Schwankungen in der präzisen Prognose der Zugbahn oder der Intensität des Tiefs und der damit verbundenen Niederschlagsfelder. Die aktuellsten Modellläufe haben sich hinsichtlich der Zugbahn und auch der Niederschlagsfelder inzwischen stärker angeglichen. Dabei würde unser Vb-Tief Deutschland nun eher „links“ liegen lassen. Der Reiseweg von unserem über Norditalien geborenen Tief führt nun am Freitag zunächst über die Adria vorbei am Rande der Ostalpen nach Ungarn und die Slowakei. Zum Samstag erreicht es auch den Südosten Polens und die Westukraine und verharrt hier für längere Zeit bevor es sich zum Wochenbeginn zum Schwarzen Meer zurückzieht (siehe animierte Abbildung 2).

DWD Mittelmeerluft und Tief ANETT Extremniederschlaege im oestlichen Mitteleuropa

Tiefdruckgebiete mit solch einer Vb oder Vb-ähnlichen Zugbahn im Frühherbst lassen unter Meteorologen rasch die Alarmglocken läuten. Da sich Tiefdruckgebiete auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeiger drehen, führen die Vb-Tiefs auf ihrer Vorderseite sehr feuchte und warme Mittelmeerluft mit sich. Gleichzeitig strömen an der Westflanke polare Luftmassen weit über West- und Mitteleuropa Richtung Alpenraum. Die feuchtwarmen, nordwärts geführten Luftmassen aus dem Mittelmeerraum werden daher gezwungen, über die kühleren aufzugleiten. Diese Hebungsprozesse dauern längere Zeit an und verursachen intensive und langanhaltende Niederschläge.

DWD Mittelmeerluft und Tief ANETT Extremniederschlaege im oestlichen Mitteleuropa 1

Problematisch für die sich einstellende Entwicklung ist das derzeit rekordwarme Mittelmeer. Im nördlichen Mittelmeerraum bewegen sich die Meeresoberflächentemperatur aktuell bei weit überdurchschnittlichen Werten von 25 bis fast 30 Grad (Abbildung 3). Diese Werte liegen teils deutlich über 4 Grad über dem vieljährigen Mittel. Unser Vb-Tief kann daher über dem Golf von Genua und der Adria besonders viel Wärme und Feuchtigkeit „tanken“, bevor es ins östliche Mittel- sowie nach Osteuropa vorstößt.

DWD Mittelmeerluft und Tief ANETT Extremniederschlaege im oestlichen Mitteleuropa 2

Welche Mengen drohen nun in den genannten Regionen? Dazu gibt uns der Modellvergleich der drei Globalmodelle ICONECMWF und GFS und deren Prognosen für den Gesamtniederschlag bis einschließlich der Nacht zum Dienstag Aufschluss (Abbildung 4). Nun, es sticht zuerst ins Auge, dass sich der Niederschlagsschwerpunkt vom östlichen Alpenbogen bis nach Polen erstreckt. Für unsere östlichen Nachbarn Österreich, Tschechien und Polen sind das in der Fläche besorgniserregende Mengen von 100 bis 150 l/m² (Abbildung 4). Vor allem am Alpennordhang sowie entlang der Sudeten mit Schwerpunkt Riesen- und Altvatergebirge kommen zusätzlich Staueffekte ins Spiel, die Mengen um oder teils mehr als 300 l/m² möglich machen!

In der Folge dürften wir vor allem von Ausuferungen und Überschwemmungen an den Flüssen bei unseren östlichen Nachbaren erfahren. Insbesondere an der Weichsel und Oder dürfte die Hochwassergefahr rasch deutlich zunehmen. Außerdem gesellt sich neben dem Regen auch ein teils stürmischer Wind dazu, der die Gefahr von umstürzenden Bäumen in den zunehmend gesättigten Böden ansteigen lässt. Die hydrologischen Dienste in den östlichen Bundesländern dürften schon in Habachtstellung sein und die Lage genau monitoren. Neben der Oder gilt es auch die Pegel an Elbe und Neiße im Blick zu behalten. Bei Letzteren dürfte die Hochwassergefahr voraussichtlich aber etwas weniger stark ausfallen.

Auf dem deutschen Bundesgebiet zeichnet sich der Niederschlagsschwerpunkt von den östlichen Bayerischen Alpen bis zum Bayerischen Wald ab. In der Fläche dürften dort 40 bis 60 l/m² zusammenkommen, auch in der östlichen Oberlausitz sind ähnliche Mengen möglich. Im Chiemgau sind vorrausichtlich Summen bis 90 l/m² wahrscheinlich. Die größten Mengen werden allerdings im Alpenstau etwa vom Mangfallgebirge bis zum Berchtesgadener Land erwartet. Hier dürften die Niederschlagssummen um 100 bis 150 l/m² liegen, in den Berchtesgadener Alpen bis um 200 l/m².

Für die Ostalpen (einschließlich der Bayerischen Alpen) bleibt in diesem Zusammenhang noch eine zusätzliche Wettergefährdung zu erwähnen. So droht in den höheren Lagen ein veritabler Neuschneezuwachs. Hier sinkt die Schneefallgrenze mit der einsickernden Kaltluft aus Norden auf etwa 1300 m ab. In intensiven Niederschlagsphasen fällt die Schneefallgrenze durch die Niederschlagsabkühlung teils bis auf Höhenlagen um 1000 m. Dabei sind in erster Näherung Neuschneemengen in den Bayerischen Alpen je nach Höhenlage von 40 bis 80 cm möglich, in den Hochlagen der Berchtesgadener Alpen sowie in den benachbarten österreichischen Gebirgsgruppen sind Neuschneeauflagen um einen Meter und mehr wahrscheinlich. Zudem dürfte der starke bis stürmische Nordwestwind in den Hochlagen starke Verfrachtungen des Schnees nach sich ziehen.

Insgesamt kann man zumindest für die Hochwassergefahr im Alpenraum konstatieren, dass durch den Neuschnee ein nicht unerheblicher Teil der erwarteten Gesamtniederschlagsmenge gebunden und somit nicht sofort in die Alpenbäche und Flüsse abgeführt wird. Allerdings ist der Neuschnee vor allem in den Lagen bis etwa 1500 m sehr nass und schwer. Aufgrund des noch hohen Belaubungsgrades droht somit bis in die mittleren Alpenlagen große Schneebruchgefahr. Aber auch Hangabrutschungen oder Murenabgänge sind in tieferen Lagen nicht auszuschließen.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.09.2024
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Tag der offenen Tür

Der letzte Tag der offenen Tür in der Zentrale in Offenbach liegt schon neun Jahre zurück und daher wird es nun endlich mal wieder Zeit für solch einen. Am kommenden Samstag, den 14.09.2024 lässt der DWD die Öffentlichkeit dann wieder hinter die Kulissen blicken und bietet viele interessante Führungen und Einblicke in das Arbeitsleben beim DWD. Eröffnen wird die Veranstaltung um 10 Uhr der Offenbacher Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke zusammen mit Prof. Dr. Sarah Jones, der DWD-Präsidentin. Bis 18 Uhr gibt es ein buntes und spannendes Rahmenprogramm. Einige externe Aussteller mit Bezug zum DWD, wie die Freiwillige Feuerwehr Offenbach, die Rettungsfliegerstaffel aus Egelsbach, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. sowie Skywarn werden ebenfalls zugegen sein. Das genaue Programm, bei dem auch die Jüngsten nicht zu kurz kommen, können sie  einsehen. Für das leibliche Wohl sorgt unsere Kantine, sodass niemand hungrig und durstig bleiben muss.

Ein besonderes Schmankerl bietet der Shuttle-Bus zum Wetterpark, der im Südosten der Stadt angesiedelt ist. Dort wird beispielsweise auf dem 20.000 Quadratmeter großen Lehr- und Erlebnispfad an verschiedenen Stationen das Zusammenspiel von Sonne, Luft und Wasser erklärt und sinnlich erfahrbar gemacht.

Doch wie wird denn nun das Wetter in Offenbach am Samstag? Muss wie 2013 der Regenschirm herhalten oder doch eher der Sonnenhut ausgepackt werden? Nachdem diese Woche endgültig der Herbst auch im Rhein-Main-Gebiet Einzug gehalten hat und der Septembersommer beendet wurde, steht am Wochenende frühherbstliches, aber nicht unfreundliches Wetter auf dem Programm. Der Ableger eines Azorenhochs schiebt sich nämlich nach Mitteleuropa und die Luftmasse kommt zur Ruhe.

DWD Tag der offenen Tuer 1

Das bedeutet für Offenbach am Samstag einen Wechsel aus Sonne und Wolken, wobei die sonnigen Anteile am späteren Nachmittag immer mehr zunehmen sollten. Regen wird nach aktuellem Kenntnisstand nicht erwartet. Zu Beginn der Veranstaltung liegt die Temperatur um 11 Grad, sodass eine Jacke Pflicht sein sollte. Am Nachmittag wird es dann langsam etwas milder, das Ende der Fahnenstange wird allerdings bei maximal 17 Grad erreicht werden. Der Wind spielt den ganzen Tag über eine eher untergeordnete Rolle und weht schwach bis mäßig aus nördlichen Richtungen. Der Innenhof der Zentrale bietet dabei einen zusätzlichen Windschutz.

DWD Tag der offenen Tuer

Wer es nicht nach Offenbach schafft, dem bieten sich an den Außenstellen in Stuttgart am 15.09.2024 oder in Potsdam am 21.09.2024 Möglichkeiten den DWD zu besuchen. Weitere Informationen zu den Tagen der offenen Tür an den Außenstellen finden sich.

Hinweis: Da die Parksituation im Umfeld der Zentrale in Offenbach schwierig ist, wird eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.09.2024
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Wetterumschwung

Der Wetterumschwung ist voll im Gange: vom Sommer in den Frühherbst. Verantwortlich dafür ist ein umfangreiches Tiefdruckgebiet mit mehreren Drehzentren, welches sich vom Nordmeer bis in den zentralen Mittelmeerraum erstreckt. Dies ist zwischen dem Azoren Hoch über dem Atlantik und dem Hoch QUENTIN über Westrussland eingeklemmt. Dabei strömt an seiner Westflanke von Nordwesten her ziemlich kühle Meeresluft nach Deutschland. Sie fließt dann weiter über das noch sehr warme Mittelmeer und sorgt in den kommenden Tagen in Italien und Balkan sowie in Teilen von Mitteleuropa für kräftige Niederschläge.

DWD Wetterumschwung

Am heutigen Montag wird Deutschland vom Tief YONCA mit Kern über Vorpommern beeinflusst, dabei fällt vor allem noch im Nordosten schauerartiger Regen, der am Nachmittag nach Nordosten abzieht. Im Westen und Süden erreichen neue Schauer und kurze Gewitter. Das Wetter ist also allgemein sehr wechselhaft bei Höchstwerten zwischen 18 und maximal 22 Grad. Der Wind weht spürbar aus westlichen Richtungen. An der Küste und im Bergland sind starke bis stürmische Böen möglich. In der Nacht zum Dienstag fällt weiterhin gebietsweise Regen oder es gibt einzelne Schauer. Die Tiefstwerte liegen zwischen 15 und 10 Grad.

DWD Wetterumschwung

Am Dienstag erreicht die Kaltfront des Tiefs ZILAN über dem Nordmeer den Nordwesten Deutschlands. Sie bringt dort Regen und kräftigen Wind. Der Rest des Landes zeigt sich ab und zu die Sonne und es treten nur vereinzelte Schauer auf. Die Höchstwerte liegen zwischen 17 Grad im Nordwesten unter den dichten Wolken und 21 Grad im Süden bei längerem Sonnenschein.

Am Mittwoch kommt die Kaltfront mit dem Regen bis zu den Alpen voran. In der Mitte und vor allem im Norden folgen weitere Schauer und kurze Gewitter nach. Mit der Kaltfront fließt noch mehr kältere Meeresluft ein, so dass die Temperatur kaum die 20-Grad-Marke erreicht werden. Der Wind bleibt sehr spürbar vor allem den Küsten und im Bergland.

Am Donnerstag und Freitag zeigt sich das Wetter herbstlich: Im Süden fällt teils anhaltender Regen, die Schneefallgrenze sinkt in den Alpen auf 1500 m und im Rest des Landes gibt es Schauer und an der Nordseeküste auch kurze Gewitter. Nirgendswo wird dann die 20-Grad-Marke geknackt. Im Norden werden maximal 17 Grad erreicht und an den Alpen liegen die Höchstwerte sogar unter 10 Grad. Auch die Tiefstwerte sinken zwischen 8 und 3 Grad, lediglich an der Küste bleiben sie zweistellig bei knapp 12 Grad.

DWD Wetterumschwung 1

Auch am Wochenende bessert sich das Wetter nicht. Im Süden und Osten kann es weiter kräftig und langanhaltend regnen. Eine mögliche markante Dauerregenlage steht uns bevor, jedoch ist sie noch ziemlich unsicher. Die Temperaturen bleiben aber weiterhin niedrig.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.09.2024
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Thermometer und ihre Funktionsweise

Es gibt viele Materialeigenschaften, die von der Temperatur abhängen und genauso viele Möglichkeiten gibt es auch, sie zu messen – zu viele, um in diesem Rahmen auf alle einzugehen. Deshalb beschränken wir uns hier nur auf drei verbreitete Arten.

Der vermutlich bekannteste Vertreter aus der Reihe der Temperaturmesser ist das Flüssigkeitsthermometer. Es besteht aus einem kleinen Behälter mit Flüssigkeit, der mit einem Röhrchen verbunden ist, in dem die Flüssigkeit wandern kann. Früher wurde Quecksilber verwendet, heute ist meist gefärbter Alkohol im Einsatz. Der Grund für diese Wahl ist die Tatsache, dass es auch im üblichen negativen Temperaturbereich nicht friert und der sogenannte Wärmeausdehnungskoeffizient sich nicht allzu sehr mit der Temperatur ändert. Denn der ist entscheidend für die Funktionsweise dieses Messinstrumentes. Erwärmt sich die Flüssigkeit, dehnt sie sich entsprechend dieses Koeffizienten aus, und zwar in die einzig mögliche Richtung: Im Röhrchen hoch, an der Messskala vorbei. Durch den Aufbau und die Skalierung des Gerätes ist der Stand der Flüssigkeitssäule mit der Temperatur verknüpft. Nimmt man es ganz genau, muss auch noch berücksichtigt werden, dass das Glas sich bei Erwärmung ebenfalls ausdehnt, aber im alltäglichen Gebrauch ist das zu vernachlässigen.

In der industriellen Messtechnik und auch in offiziellen Wetterstationen wird gerne ein Widerstandthermometer eingesetzt, weil die Temperatur nicht „von Hand“ abgelesen werden muss, sondern direkt ein elektrisches Signal vorliegt. Bei diesem Instrument basiert die Funktion auf der temperaturabhängigen elektrischen Leitfähigkeit von Metallen. Je höher die Temperatur ist, desto besser ist die Leitfähigkeit, und entsprechend geringer der Widerstand. Bei einer Temperaturänderung um ein Grad ändert sich auch der Widerstand um einen festen Wert – zumindest im Rahmen der alltäglichen Größenordnungen. Das geläufigste Thermometer dieser Art ist das sogenannte Pt100. „Pt“ bezeichnet das Material Platin mit seinem chemischen Zeichen. Die „100“ gibt an, dass es bei 0 Grad Celsius einen Widerstand von 100 Ohm hat. Durch einen Platindraht fließt ein konstanter Strom. Abhängig vom Widerstand fällt eine Spannung ab, die gemessen wird. Auf den Widerstand – und damit die Temperatur – kann mithilfe des Ohmschen Gesetzes geschlossen werden. Demzufolge ist die gemessene Spannung gleich dem Produkt aus dem vorgegebenen Strom und dem Widerstand des Leiters, der letztendlich von Interesse ist.

Eine weitere relativ bekannte Messmethode ist der Einsatz eines Strahlungsthermometers, auch Pyrometer genannt. Dabei muss das Messgerät den Körper nicht berühren, um seine Temperatur zu bestimmen. Jeder Körper, der wärmer als 0 Kelvin oder -273,15 Grad Celsius ist, gibt Wärmestrahlung ab. Die Temperatur des Körpers legt dabei die Intensität sowie die Wellenlänge der Strahlung fest, was durch das Plancksche Strahlungsgesetz beschrieben wird. Je wärmer ein Körper ist, desto höher ist die Intensität der Strahlung und desto kurzwelliger, also energiereicher ist sie. Bei Temperaturen unter 500 Grad Celsius liegt die Wellenlänge im infraroten Bereich, bei höheren Werten kann ein Glühen im sichtbaren Bereich beobachtet werden. Es gibt verschiedene Arten von Pyrometern, die sich im Kern aber alle diese Abhängigkeit zunutze machen. Die abgegebene Strahlung des zu messenden Körpers wird vom Gerät registriert und in den Tiefen seiner Technik in ein elektrisches Signal umgewandelt, das dann ausgegeben wird.

Es gibt also verschiedene physikalische Prinzipien, die genutzt werden, um Wärme in Zahlenwerte umzuwandeln. Je nach Einsatzbereich und Anforderungen an die Genauigkeit sind dabei einige geeigneter als andere.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz in Zusammenarbeit mit Hochschulpraktikantin Christina Kagel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.09.2024
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Gewitter mitten in der Wüste

Während hierzulande vor allem von den östlichen bis in die mittleren Landesteile aufgrund der anhaltenden Trockenheit der letzten Wochen noch immer eine hohe Waldbrandgefahr herrscht und die Einsatzkräfte vor Ort am Rande des Brockens bei einem Waldbrand aktuell im Dauereinsatz sind, fällt ungewöhnlich viel Regen an anderer Stelle. So hat es in den vergangenen Tagen nicht nur Teile Frankreichs und Italiens schwerer erwischt. Selbst in der sonst im wahrsten Wortsinn „staubtrockenen“ Sahara hat es gebietsweise kräftig geschüttet.

Nun ist es dort bezüglich der gefallenen Mengen ja nicht ganz einfach, diese auch quantitativ adäquat abzuschätzen, da keine hochaufgelösten Radardaten zu Verfügung stehen. Ebenso ist die Stationsdichte des Messnetzes im lebensfeindlichen, dünn besiedelten Gebiet nicht sonderlich vielversprechend. Und doch gab es ein paar „Volltreffer“: So meldete die Station In-Salah, zentral in Algerien und damit inmitten der Sahara gelegen, eine 24-stündige Regensumme von 17 Litern pro Quadratmeter am heutigen Samstagmorgen. Schaut man sich im Vergleich dazu mal das dazugehörige Klimadiagramm an (Abbildung 1), so erkennt man einen im langjährigen Klimamittel üblichen Jahresniederschlag von 13 mm, der mal eben mit diesem Ereignis um satte 4 mm (entspricht rund 30%) überboten wurde.

DWD Gewitter mitten in der Wueste

Hinzu kommt die ungewöhnliche Jahreszeit. Normalerweise fallen die ohnehin spärlichen Niederschläge eher in den Wintermonaten. Beim Blick auf den Satellitenfilm am gestrigen Freitag erkennt man die zahlreiche hochschießende Gewitterkomplexe, die sich über Mauretanien bis nach Algerien und Westlibyen erstrecken. Diese konzentrieren sich bei weitem nicht nur auf die gebirgigen Regionen (dunkelbraune Färbung), die beispielsweise im Tibesti Gebirge im Norden des Tschad problemlos 2000 Höhenmeter, in Gipfellagen des Emi Koussi sogar bis zu 3445 Metern erreichen. Gerade im Südosten Mauretaniens ist auch ein eigenständiger Wirbel zu erkennen, der im Zusammenhang mit einem abgeschlossenen Tief steht, das sowohl in höheren Luftschichten als auch am Boden ausgeprägt ist.

Grund für die Niederschläge ist eine ungewöhnlich weit nach Norden verschobene innertropische Konvergenzzone [ITCZ, siehe Wetterlexikon(Weitere Informationen zum Thema)]. In diesem Bereich treffen die von Nordosten und Südosten wehenden Passatwinde aufeinander und es dominieren aufwärts gerichtete Luftbewegungen, wodurch vor allem in den Nachmittagsstunden hochreichende Quellbewölkung mit kräftigen Schauern und Gewittern ausgelöst wird. Deren Lage wandert im Bereich des Äquators übers Jahr mit dem Sonnenstand. Die nördlichste Ausdehnung wird mit etwa einem Monat Verzögerung – normalerweise also Ende Juli – um oder knapp südlich von 20 N erreicht. Fokussiert man sich einmal auf den aktuellen Vegetationsstreifen (grünliche Färbung) im Satellitenbild mitten im Bereich der Trocken- und Dornsavannen, die vor allem in Mali, Mauretanien und dem Senegal eine ungewöhnlich nasse Witterung erleben.

Nun sollen aber auch wir hierzulande nicht zu kurz kommen. So trifft uns der  beschriebenen Wetterumschwung zum Wochenwechsel zumindest in Teilen Deutschlands niederschlagstechnisch ebenfalls durchaus bemerkenswert. So sind ab dem morgigen Sonntagabend von Süddeutschland bis in die Landesmitte und den Osten teils ergiebige Regenfälle zu erwarten, die allerdings vielfach auch mehr als willkommen sind.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2024
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Übergang zu herbstlich kühlem Wetter

Hochsommerliche Temperaturen und teilweise sogar Tropennächte. Der September gestaltete sich bisher alles andere als herbstlich. Grund dafür ist ein persistentes Hochdruckgebiet über dem Baltikum und tiefer Luftdruck über West- und Südwesteuropa. Dabei stellte sich eine südöstliche Strömung ein, mit der sehr warme bis heiße Luftmassen zu uns gelangten. Daran ändert sich vorerst auch nur wenig. Erst zu Beginn der kommenden Woche stellt sich die Wetterlage grundlegend um.

Dann verlagert sich das kräftige blockierende Hochdruckgebiet über dem Baltikum langsam in Richtung Ural und macht Platz für einen Tiefdruckzone, die sich zu Wochenbeginn vom Nordmeer bis nach Italien erstrecken wird. Dabei wird im Wochenverlauf voraussichtlich mit einer nördlichen Strömung sukzessive kühlere Luft ins Land geführt. Von Samstag bis Donnerstag sinkt demnach die Luftmassentemperatur in 850 Hektopascal (etwa 1,5 Kilometer Höhe) gebietsweise um 15 Grad.

Doch der Reihe nach. Zunächst erwartet uns am morgigen Samstag nochmals bestes Ausflugs- und Badewetter. Bei viel Sonnenschein und nur wenigen harmlosen Wolkenfeldern steigen die Temperaturen in den Niederungen abseits des äußersten Westens und den Küstengebieten verbreitet auf hochsommerliche Werte um 30 Grad an. Im Osten werden örtlich sogar Spitzenwerte um 33 Grad erreicht.

Doch bereits in der Nacht auf Sonntag macht sich im Westen eine Kaltfront mit schauerartigen Regenfällen bemerkbar. Örtlich sind auch Gewitter mit von der Partie. Am Sonntag verlagert sich die Kaltfront im Tagesverlauf langsam nach Osten. Im Vorfeld treten voraussichtlich vor allem im Süden teils kräftige Schauer und Gewitter mit Starkregen auf. Während es im Westen bereits etwas abkühlt, wird in den äußersten Osten im Vorfeld der Kaltfront nochmals sehr warme Mittelmeerluft herangeführt. Dort steigen die Temperaturen auf ähnlich hohe Werte wie am Vortag.

DWD Uebergang zu herbstlich kuehlem Wetter

Zu Wochenbeginn erreicht die kühle Meeresluft auch allmählich den Osten des Landes. Dabei treten dort teils kräftige schauerartige Regenfälle auf. Anfangs treten auch noch teils starke Gewitter auf. Diese können mit heftigem Starkregen einhergehen. Stellenweise sind auch abseits der Gewitter unwetterartige Niederschlagsmengen nicht ausgeschlossen! Die genauen Schwerpunkte und Intensitäten sind aber noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Die Temperaturen gehen in großen Teilen des Landes deutlich zurück. Meist liegen die Höchstwerte nur noch um 20 Grad. Lediglich im äußersten Osten sind nochmals sommerliche Werte um 25 Grad möglich.

DWD Uebergang zu herbstlich kuehlem Wetter 1

In den folgenden Tagen etabliert sich ein ausgeprägter, mit Kaltluft gefüllter Höhentrog(siehe „Weitere Informationen zum Thema“) über Mitteleuropa. Damit bleibt es landesweit wechselhaft. Immer wieder muss mit kräftigen Regengüssen gerechnet werden. Zeitweise wird es auch sehr windig. Außerdem gehen die Temperaturen noch weiter zurück. Zur Wochenmitte zeigt das Thermometer auch in den wärmsten Regionen voraussichtlich kaum noch 20 Grad an. In etwas höheren Lagen des Berglandes werden häufig sogar nicht einmal mehr 15 Grad erreicht. Der Herbst sendet also schonmal herzliche Grüße!

DWD Uebergang zu herbstlich kuehlem Wetter 2

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.09.2024
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Eine abenteuerliche Ballonfahrt

Am heutigen 05. September jährt sich eine Ballonfahrt zum 162. Mal, bei der Menschen bis in eine Höhe vordrangen, die bis dato noch nie von einem Menschen erreicht wurde. Die Pioniere auf diesem Gebiet waren der britische Meteorologe und Aeronaut James Glaisher und sein Pilot Henry Tracey Coxwell. Sie stiegen am 05. September 1862 mit ihrem Ballon in offener Kabine bis in eine Höhe von etwa 8.800 Metern auf.

James Glaisher lebte von 1809 bis 1903 und arbeitete zunächst bei Landvermessungen in Irland und anschließend als Assistent bei den Sternwarten in Cambridge und Greenwich. Ab 1838 war er dann 34 Jahre lang Abteilungsleiter auf dem Gebiet der Meteorologie und des Magnetismus in Greenwich. Er war unter anderem Gründungsmitglied der Meteorologischen Gesellschaft und der Aeronautischen Gesellschaft von Großbritannien. Im Jahr 1845 veröffentlichte er Taupunkt-Tabellen zur Messung der Luftfeuchtigkeit. Bekanntheit sollte er aber vor allem als Pionier auf dem Gebiet der Aerologie erlangen.

Henry Tracey Coxwell lebte von 1819 bis 1900 und interessierte sich bereits in seiner Jugend für die Luftschifffahrt. Ungefähr 700 Luftfahrten soll er durchgeführt haben, wobei die Ballonfahrt mit James Glaisher vom 05. September 1862 sicherlich die prägendste war. Diese ging letztendlich auch in die Geschichte ein.

Gemeinsam führten die beiden Pioniere zwischen 1862 und 1866 insgesamt 28 wissenschaftliche Ballonfahrten durch. Ihre siebte gemeinsame Luftfahrt war schließlich die besagte vom 05. September 1862. Sie hatten wissenschaftliche Messgeräte an Bord und wollten bei dieser Ballonfahrt die eigene Belastungsgrenze testen.

Ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung verlor Glaisher aufgrund der dünnen Luft das Bewusstsein. Auch der Pilot Coxwell merkte, dass er allmählich das Bewusstsein verlor, weshalb er versuchte, den Absinkvorgang einzuleiten. Da er aber bereits kein Gefühl mehr in den Händen hatte, war ihm das nicht möglich. Mit letzter Kraft schaffte er es, das Steuerventil zu öffnen, indem er die entsprechende Leine zwischen seine Zähne nahm. Dadurch drangen sie wieder in Gefilde mit mehr Sauerstoff vor und konnten letztendlich sicher landen.

Zu Ehren von James Glaisher und seiner Lebensleistung wurde ein Mondkrater nach ihm benannt.

DWD Eine abenteuerliche Ballonfahrt

Erst 32 Jahre später konnte die Ballonfahrt dieser beiden Pioniere überboten werden, als der deutsche Meteorologe Arthur Berson 1894 bis in eine Höhe von 9.155 Metern aufstieg. Er hatte aber im Gegensatz zu Glaisher und Coxwell zusätzlichen Sauerstoff an Bord.

Bei der Rekordfahrt vom 31. Juli 1901 erreichte Berson zusammen mit Reinhard Süring sogar eine Höhe von schätzungsweise 10.800 Metern. Schätzungsweise deshalb, weil die beiden trotz zusätzlicher Sauerstoffversorgung auf rund 10.500 Metern ihr Bewusstsein verloren. Durch die Messungen dieser Luftfahrt konnten die Temperaturwerte und insbesondere der Temperaturanstieg in großer Höhe aus früheren unbemannten Ballonaufstiegen nachvollzogen und verifiziert werden. Dies führte schließlich zur Entdeckung der Stratosphäre.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.09.2024
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Feedbacks – Rückkopplungen

Der deutsche Begriff ist „Rückkopplung“, im Englischen heißt es „Climate Feedback„. Gemeint sind Prozesse, die in der Zukunft Auswirkungen „auf sich selbst“ haben. Wie auch im Alltag kann das Feedback positiv oder negativ ausfallen. Positive Rückkopplung bedeutet, dass ein Effekt sich selbst verstärkt, bei negativer Rückkopplung ist entsprechend das Umgekehrte der Fall und der Effekt schwächt sich in der Folge selbst ab. Aber genug der Theorie, sehen wir uns einige praktische Beispiele an.

Starten wir mit der positiven Rückkopplung. Dazu ein kurzer Einschub zum Thema „Albedo“ vorweg: Der Begriff bezeichnet das Reflektionsvermögen einer Oberfläche, also wie viel der einfallenden Strahlung absorbiert wird und wie viel zurückgeworfen wird. Je dunkler ein Körper ist, desto mehr absorbiert er, aber auch die Glattheit der Oberfläche spielt eine Rolle. Ein glatt polierter Spiegel reflektiert bekanntermaßen besser als raues Strukturglas. Die Albedo von Wasser zum Beispiel ist sehr niedrig, da etwa 90 % der Strahlung absorbiert werden. Frisch gefallener Schnee hingegen hat eine hohe Albedo, fast 80 % des Lichtes werden reflektiert. Nun zurück zur Rückkopplung und zum sogenannten „Eis-Albedo-Effekt“. Wenn Schnee oder Eis an den Polen schmelzen, kommt darunter Wasser oder Erdoberfläche zum Vorschein. Diese sind dunkler als Schnee und Eis, haben demnach eine geringere Albedo. Wird viel Sonnenstrahlung absorbiert, heizt sich die Oberfläche auf und sorgt dafür, dass noch mehr Eis schmilzt. Es wird mehr dunkler Untergrund freigelegt und man beginnt sich im Kreis zu drehen. Genauso funktioniert es aber auch andersherum. Fällt Schnee, wird der Boden heller, reflektiert mehr Licht, wird folglich weniger erwärmt und es kann sich weiterer Schnee sammeln.

Einen ähnlich wirkenden Effekt gibt es in der Atmosphäre. In der Luft befindet sich neben Gasen wie Stickstoff oder Sauerstoff auch ein (prozentual geringer) Teil Wasserdampf. Dieser sorgt als Treibhausgas dafür, dass es auf der Erde wärmer wird. Je wärmer es ist, desto mehr Wasser kann verdunsten, das wiederum sein Treibhauspotential entfalten kann. Damit wird es noch wärmer und noch mehr Wasserdampf kann verdunsten …

Mit der Verdunstung von Wasser ist es aber nicht ganz so einfach. Gibt es Kondensationskerne in der Luft, bilden sich Wolken. Die Wolken sind hell, das heißt, sie haben eine hohe Albedo, reflektieren also viel Sonnenlicht. Dieses Licht kann nicht mehr zum Erdboden gelangen, wo es wärmen und Wasser verdunsten könnte. Wenn weniger Wasser verdunstet, gibt es weniger Wasserdampf in der Luft, der Wolken formen könnte. Damit haben wir ein erstes Beispiel für sich selbst abschwächende Effekte.

Etwas physikalischer und weniger greifbar ist die sogenannte „Planck-Rückkopplung“. Jeder Körper, der wärmer als der absolute Nullpunkt ist (also -273,15 Grad Celsius), gibt Wärmestrahlung ab. Da so tiefe Temperaturen in der Natur nicht erreicht werden, trifft dies auf jeden Körper zu. Das Planck’sche Strahlungsgesetz beschreibt nun die Tatsache, dass die Intensität und die Wellenlänge der abgegebenen Strahlung von der Temperatur des Körpers abhängen. Je wärmer ein Körper ist, desto mehr Strahlung gibt er ab und desto kurzwelliger, also energiereicher wird diese Strahlung. Um nicht zu weit abzuschweifen, soll das als Grundlage genügen und wir können uns wieder dem negativen Feedback widmen. Erwärmt sich die Erde, erhöht sich nach diesem Gesetz auch die Strahlung, die sie ins All abgibt. Wenn mehr Strahlung abgegeben wird, verliert die Erde Wärme und kühlt ab. Das hat zur Folge, dass sie wiederum nicht mehr so viel Wärmeenergie abgeben kann und der Prozess sich selbst bremst.

Soweit ein kleiner Einblick in die Welt der Rückkopplung. Natürlich hängen auch die einzelnen Effekte miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Christina Kagel und
Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im Sommer 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,1 °C +2,4 Grad
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 20,6 °C +3,3 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,6 °C +1,9 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,4 °C +2,2 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 15,4 °C +2,3 Grad
3 Kleiner Feldberg/Taunus Hessen 15,6 °C +3,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 747,9 l/m² 97 %
2 Aschau-Innerkoy Bayern 695,4 l/m² 100 %
3 Holzkirchen Bayern 684,3 l/m² 141 %

Besonders trockene Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Genthin Sachsen-Anhalt 105,2 l/m² 62 %
2 Heinersreuth-Vollhof Bayern 112,3 l/m² 54 %
3 Wusterwitz Brandenburg 122,6 l/m² 72 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Oschatz Sachsen 844 Stunden 135 %
2 Leipzig Sachsen 832 Stunden 141 %
3 Wusterwitz Brandenburg 824 Stunden 124 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 559 Stunden 101 %
2 Bad Kohlgrub-Rosshof Bayern 574 Stunden 102 %
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 577 Stunden

102 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.
* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen
Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.09.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst