Hagel – Fällt uns der Himmel auf den Kopf und warum?

Unter Hagel verstehen Meteorolog:innen festen Niederschlag in Form von Eiskugeln oder -klumpen ab einem Durchmesser von 5 Millimetern. Diese Eisklumpen sind dabei nicht zwingend rund, sondern können auch sehr unförmig aussehen, beispielsweise kleine Stacheln besitzen. Kleinere Eiskörner, die Minischneebällen ähnlich sind und sich in der Art ihrer Entstehung von Hagel unterscheiden, bezeichnet man als Graupel.
Hagel besteht aus Eis, tritt aber vor allem in kräftigen Gewittern auf, die wir in Deutschland eher aus dem Sommer als dem Winter kennen. Wie passen Eisklumpen und Sommergewitter zusammen?

Gewitterwolken bilden sich bei der raschen Aufwärtsbewegung von feuchten und energiereichen Luftmassen, der sogenannten „Konvektion“. Wenn feucht-warme Luft in kühlere Luftschichten aufsteigt, kühlt sie dabei ab und kann nicht mehr ganz so viel Feuchtigkeit halten. Es kommt zur Kondensation: Es bilden sich winzige Wassertröpfchen, die durch die Aufwärtsbewegung in der Luft gehalten werden und so Wolken formen.
Wenn die Luftmasse bei ihrem Aufstieg die Nullgradgrenze in der Atmosphäre überquert, fällt auch die Temperatur der Wassertröpfchen. Die absinkende Temperatur leitet den Prozess der sogenannten Nukleation ein, d.h. die Bildung von sehr feinen Eispartikeln. Dadurch entsteht ein Gemisch aus unterkühltem Wasser und Eiskristallen. Sie bieten anderen Eiskristallen und Wassertröpfchen so eine Fläche, an die sie sich anlagern können, dienen also als sogenannte „Gefrierkerne“. Friert unterkühltes Wasser daran fest, wächst das „Hagelembryo“. Je länger sich ein Hagelkorn in dieser kalten Zone mit unterkühltem Wasser aufhält, umso mehr Wasser kann sich anlagern und umso größer werden die Eiskörner. Werden diese so schwer, dass die Aufwinde sie nicht mehr in der Luft halten können, fallen sie als Hagel zu Boden.

DWD Hagel – Faellt uns der Himmel auf den Kopf und warum

Je wärmer ein Luftpaket im Vergleich zu seiner Umgebung ist, desto schneller steigt es auf. Und je stärker diese Aufwinde somit ausfallen, desto schwerer können die Eispartikel sein, die davon in der Luft gehalten werden. Auch die Luftfeuchtigkeit und die Lage der Nullgradgrenze haben Auswirkung darauf, ob sich Hagel bildet und wie groß er werden kann. Eine hohe Luftfeuchtigkeit und eine niedrige Nullgradgrenze begünstigen sowohl die Bildung von Hagel als auch das Wachstum der Hagelkörner.

Hagelkörner bestehen aus dichtem, hartem Eis und fallen dazu noch auch großer Höhe. So entwickeln sie überraschend viel Durchschlagskraft für eine kleine Eiskugel. Ab einer Größe von circa 5 Zentimetern kann Hagel genug Energie zum Einschlagen von Glasscheiben entwickeln. Besonders häufig beschädigt werden auch Rollläden, Autos, Verputz und natürlich Dächer, Dachziegel und Dachpfannen. Da Gewitter häufig nicht nur mit Hagel, sondern zusätzlich mit Starkregen oder Sturm einhergehen können, können Hagelschäden zusätzlich Angriffspunkte für andere Naturgefahren darstellen. Hagel ist damit nicht nur für Menschen und Tiere gefährlich, sondern für jegliche Art von Infrastruktur und den Verkehr inklusive der Luftfahrt eine Bedrohung. Und selbst kleinere Hagelkörner können zur Gefahr werden. Da sie eine größere Menge an Einschlägen verursachen, können sie vor allem in der Landwirtschaft mehr Schaden anrichten als wenige große Hagelkörner. Geht einem Starkregenereignis Hagel voraus, steigt mitunter auch das Risiko einer Überflutung, da Abflusswege durch die Hagelmassen verstopfen können.

DWD Hagel – Faellt uns der Himmel auf den Kopf und warum 1

Obwohl Hagel in einem Gebiet zwischen dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb statistisch betrachtet etwas häufiger vorkommt, kann es in ganz Deutschland zu Hagelereignissen kommen. Schwere Hagelereignisse, wie etwa 1984 in München, sind dabei aber eher selten. Wenn allerdings mal große Eiskugeln vom Himmel fallen, ist das ein Ereignis, das Betroffene so schnell nicht vergessen. Erst vor kurzem, am 21.06.2024, hat ein Unwetter mit einem kurzen aber kräftigen Hagelschauer Fans der Fußball-Europameisterschaft auf der Fanmeile in Frankfurt am Main „kalt“ erwischt.

B.Sc. Lea Wilbert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.09.2024
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Sturzfluten am Mittelmeer

Meteorologisch, wie nun auch astronomisch hat der Herbst begonnen und lockte uns die vergangenen Tage mit schönem Spätsommerwetter ins Freie, beziehungsweise auf direktem Weg in die nächste Eisdiele. Für uns in Mitteleuropa bedeutet der Herbst, dass es meist wechselhafter und windiger wird, doch in anderen Regionen zieht mit dem Herbst nicht selten auch eine erhöhte Unwettergefahr ins Land.

Heute richten wir unseren Blick nach Süden in Richtung Mittelmeer, denn hier kann der Herbst zumindest regional ganz garstige Züge annehmen. Die (der Übersicht halber nicht vollständigen) Gründe hierfür sind die umfangreichen, warmen Meeresoberflächen, die komplexe Orografie sowie die nun gehäuft vom Nordatlantik hereinschwenkenden Tiefdruckgebiete und Tröge. Im komplexen Zusammenspiel all dieser Faktoren kommt es in den Herbst- und natürlich auch den Wintermonaten wiederholt (wenigstens regional) zu extremen Starkregenereignissen mit teils katastrophalen Folgen. Die dabei gemessenen Niederschlagsmengen finden nicht selten weltweit Beachtung. Schauen wir uns nun aber die genannten Gründe einmal näher an.

Die Orografie und das warme Meerwasser:

DWD Sturzfluten am Mittelmeer 1

Dieser Punkt ist recht verständlich und somit auch schnell erklärt. Man kann sich rein visuell sehr gut vorstellen, wie eine feuchte und labil geschichtete Luftmasse beim Landgang entlang der Orografie regelrecht ausgequetscht wird. Hierbei wird die Luftmasse gezwungen rasch aufzusteigen, sie kühlt sich ab und es bildet sich eifrig Niederschlag. Dabei profitiert der Niederschlagsprozess von der hochreichend warmen Luftmasse, die man rund ums Mittelmeer findet, sodass der sehr effektive Niederschlagsprozess (im Fachjargon der sogenannte „collision coalescence prozess“) für üppiges Tropfenwachstum mit teils extremen Regenraten sorgen kann. Hierbei verschmelzen Tröpfchen unterschiedlicher Größe und wachsen so lange an, bis sie ausfallen.

Als Feuchtezufuhr dienen nicht nur variable Quellen wie der Atlantik oder zeitweise auch die Innertropische Konvergenzzone, sondern natürlich auch die warme Meeresoberfläche, die auch in diesem Jahr recht verbreitet positive Abweichungen der Oberflächentemperatur aufweist.

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Zumeist sind die größten Abweichungen der Temperatur nur auf die obersten Meter der Meeresoberfläche beschränkt (aktuell auf 10 bis 20 m Tiefe im westlichen und 30 bis 40 m Tiefe im östlichen Mittelmeer) und können somit rasch bei Tiefdruckpassagen und dem begleitenden Wind abgebaut werden. Allerdings herrschen in diesem Jahr dank der anhaltenden (marinen) Hitzewelle in Südeuropa auch in Tiefen von rund 100 m positive Temperaturabweichungen von teils mehr als 3 bis 4 Kelvin vor, was leider als ein gutes Polster für Starkregenereignisse in dieser Herbstsaison angesehen werden kann.

Bodentief und Kaltlufttropfen:

Bevor es zu einem Starkregenereignis kommt, muss es auch immer einen „trigger“ geben, der das Ereignis auslöst. Dies kann z.B. ein kräftiges Bodentief sein. Ein solches Tiefdruckgebiet besteht aus unterschiedlichen Förderbändern, die jeweils Feuchte in die Nähe des Tiefzentrums transportieren. Meist ist es der nördliche und westliche Bereich der Tiefdruckzirkulation, der mit hohen Niederschlagsmengen besonders ins Auge sticht. Hier strömen die unterschiedlichen Feuchteflüsse des warmen und kalten Förderbands zusammen und werden rasch gehoben. Es bilden sich nun Niederschläge um das Zentrum aus, die in Bändern angeordnet sind und bei einer langsamen Verlagerung des Bodentiefs hohe Niederschlagsmengen bringen können (ähnlich auch zu unserem Dauerregenereignis Ende Mai/Anfang Juni im Süden).

Wenn sich ein Kaltlufttropfen (ein Höhentief mit kalter Luftmasse in der mittleren und oberen Troposphäre) über das warme Mittelmeer bewegt, können diese Wirbel mit der Zeit dank anhaltender Schauer- und Gewittertätigkeit (und somit durch Freisetzung latenter Wärme) einen zunehmend warmen Kern aufbauen und ähnliche Eigenschaften aufweisen, wie ein (sub) tropisches System. Ein solches Beispiel war NUMA im November 2017  und ist unter dem Kunstbegriff „Medicane“ bekannt – einer Wortmischung aus „Mediterranean“ und „hurricane“.

Mesoskalig konvektives System (MCS)/Konvergenz:

Nicht selten sind lokale Windkonvergenzen für die Entwicklung dieser Starkregenfälle verantwortlich, wo also Winde aus unterschiedlichen Richtungen und/oder mit unterschiedlicher Geschwindigkeit aufeinandertreffen und dort fokussiert für Hebung, Kondensation und für Schauer und Gewitter sorgen. Wenn die Bedingungen günstig sind (ausreichend Labilität, ein starker und beständiger Wind, der eine feucht-labile Luftmasse heranführt und eine langlebige Konvergenz), dann können sich auch mesoskalig-konvektive Systeme bilden, die über Stunden leben. Dies sind – vereinfacht gesagt – kompakte Gewittergebiete, die sich teils vor Ort immer wieder regenerieren und dadurch teils extreme Niederschlagsmengen bringen können. Beispiele solcher Cluster sind in folgendem Bild einsehbar, wo die Radarbilder die Regengebiete hervorheben. Je mehr orange oder rot, umso kräftiger der Regen.

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Wie extrem so etwas ausfallen kann, zeigte die Sturzflut vom 4. Oktober 2021, wo rund um Genua (Italien) extreme Regenmengen gemessen wurden mit folgenden einstündigen (!) Mengen: 145.2 l/m² in Cairo Montenotte, 178.2 l/m² in Urbe und 181 l/m² in Vicomorasso (alles italienische Rekorde). In 24 Stunden fiel in Rossiglione sogar eine unglaubliche Menge von mehr als 900 l/m²!
Vom 5. auf den 6. September 2023 waren es in Griechenland an der Station Zagora bis zu 750 l/m² in 24h und es gibt noch viele weitere Beispiele, die auch Südfrankreich und den Osten Spaniens betreffen. Man braucht nicht groß zu erörtern, dass solche Regenmassen verheerende Sturzfluten bzw. Überschwemmungen hervorrufen können.

Abschließend wird noch ein kräftigeres Niederschlagsereignis vorgestellt, dass sich am 18. und 19. September 2024 in der Region Emilia-Romagna (Norditalien) zugetragen hat.

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Das Höhentief, das bereits in Teilen Ost- und Mitteleuropas extreme Regenfluten gebracht hat, zog in der Folge in das Ligurische Meer. Im Anschluss schwenkte es etwas nach Osten, um sich dann über der Adria aufzulösen.

 

DWD Sturzfluten am Mittelmeer 5

Entlang der östlichen Flanke des Höhentiefs etablierte sich eine umfangreiche Konvergenz. In dem Fall waren dies feucht-warme südwestliche Winde, die um das Höhentief herumgeführt wurden (hier nicht eingetragen) und über der nördlichen Adria auf östliche Winde trafen, die durch die Bora (einem Fallwind entlang der nordadriatischen Küste) ausgelöst wurden. Das Ergebnis war eine wellende Konvergenz, die in die feucht-labile Luftmasse über der Adria fußte (gelb-orangene Färbung, die bis zu 1000 J/kg  andeutet). Da das steuernde Höhentief nur sehr langsam zog, waren die Bedingungen für anhaltende und mit Gewittern durchsetzte Niederschläge gegeben, die wiederholt in die Region um Emilia-Romagna ziehen sollten (hier 12-stündige vorhergesagte Niederschlagsmengen bis 18 UTC eingetragen, siehe Bild 5).

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Gefallen sind letztendlich in einem Streifen von Ancona bis nach Bologna innerhalb von 24 Stunden verbreitet 50 bis 150 l/m², lokal über 200 l/m² und dies trifft auch 48-stündig auf die Küstenregionen um Ancona zu, wo ebenfalls über 200 l/m² Niederschlag gemessen wurde. Dies sorgte in diesen Regionen nach 2023 erneut für teils erhebliche Überschwemmungen.

Es bleibt abzuwarten, wie diese Saison im Mittelmeer verläuft. Es ist zu befürchten, dass wir wieder die eine oder andere Schlagzeile von Überschwemmungen im Mittelmeerraum lesen werden.

Dipl.-Met Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.09.2024
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Das Wetter im Auenland

J.R.R. Tolkien war Offizier während des Ersten Weltkrieges und zeitweise mit an der Front. Nach dem Krieg fand er eine Anstellung in Oxford und wurde schließlich zu einem der bekanntesten Schriftsteller der Welt. Er schuf mehrere Werke, unter anderem veröffentlichte er 1937 die erste Fassung des „Hobbit“. Er erfand eine ganze Welt, in die die Leser noch heute immer wieder gerne eintauchen. Er vermischte dabei seine persönlichen Erfahrungen mit fantasierten Wesen und Geschichten. Er entwickelte mehrere Fantasiesprachen die beispielsweise auf dem Finnischen als auch auf dem Walisischen basierten. Sowohl Isländersagas als auch englische Landschaftsbilder wurden miteinander verwoben, um diese faszinierende Welt um Mittelerde zu erschaffen.

Die Geschichte des „Hobbit“ sowie die weiteren Bücher, die unter der „Herr der Ringe“- Reihe veröffentlich wurden, spielen in der fiktiven Welt Mittelerde. Das Auenland ist ein Teil von Mittelerde, in dem die Hobbits in Höhlen wohnen. Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügeln und saftig grünen Wiesen, ähnlich wie in den Regionen nordöstlich von Oxford. Diese Landschaften waren vermutlich das Vorbild für das Reich der Hobbits. Das Wetter in England ist heute eher schlecht für die Geburtstagsfeier von Bilbo und Frodo Beutlin. Auch in den kommenden Tagen wird es eher ungemütlich und spricht eher für einen ruhigen Tag in der Höhle.

Ein Tief liegt über Cornwall und überquert England bis Montagabend. Heute wird dabei noch milde aber zunehmend feuchte Luft herangeführt. Durch die Labilisierung der Luftmasse wird der frontale Niederschlag lokal schauerartig verstärkt und vereinzelt sind auch Gewitter nicht ausgeschlossen. Die Höchstwerte liegen am heutigen Sonntag bei 18 bis 20 Grad. Im Laufe des Montags gelangt der Norden Englands allmählich auf die kalte Seite des Tiefs. Es muss weiterhin mit viel Regen gerechnet werden bei Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad.

DWD Das Wetter im Auenland

Viele der Drehorte für die filmische Umsetzung der Buchreihe „Hobbit“ und „Herr der Ringe“ befinden sich in Neuseeland. Dort liegt der Drehort für das Auenland auf der Nordinsel Neuseelands etwa 150 Kilometer südlich von Auckland. Die Kulissen stehen noch heute auf einer Farm und sind eine absolute Touristenattraktion. Da sich Neuseeland auf der Südhalbkugel befindet, ist dort heute Frühlingsbeginn. Das Wetter gestaltet sich dort zunächst ähnlich wie im „englischen Auenland“. Es kommt zu Schauern und einzelnen Gewittern bei Höchstwerten bis zu 17 Grad. Die nächsten Tage versprechen aber eher ruhiges Wetter. Von Australien breitet sich ein Hochdruckgebiet in Richtung Neuseeland aus. Dieses verspricht für den morgigen Montag freundliches und trockenes Wetter bei Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad. Erst in der Nacht zum Mittwoch greift eine Kaltfront von Südwesten über, die rückseitig polare Luft zur Nordinsel steuert.

DWD Das Wetter im Auenland 1

In der Geschichte „Herr der Ringe“ kämpfen die Völker Mittelerdes gegen Sauron, einen mächtigen Heerführer. Am Ende des Buches wird Sauron besiegt und seine Produktionsstätten zur Waffenherstellung vernichtet. Gleichzeitig bricht ein Vulkan aus. Welche klimatologischen Folgen dies auf Mittelerde hatte, ist nicht bekannt. Man kann aber vermuten, dass durch die Zerstörung der Waffenschmieden der Kohlenstoffdioxidausstoß erheblich reduziert wurde. Gleichzeitig kann der Ausbruch des Vulkans aufgrund von Schwefeldioxidgas, welches in die Stratosphäre geschleudert wurde, kühlende Wirkung auf die Troposphäre gehabt haben. Eventuell gab es daher in den folgenden Jahren härtere Winter und geringere Ernteerträge im Auenland. Für den ein oder anderen Hobbit fiel dann das zweite Frühstück oder der Elf-Uhr-Imbiss eventuell kleiner aus. Aber das sind nur Spekulationen.

M.Sc. (Meteorologin) Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.09.2024
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Kontrastreicher September mit ungleicher Niederschlagsverteilung

Der September 2024 war wettertechnisch bisher eine regelrechte Berg- und Talfahrt und könnte gegensätzlicher kaum sein. Während es in der ersten Septemberwoche vielfach noch hochsommerlich heiß mit Temperaturen nicht selten über 30 Grad war, folgte eine herbstlich kühle und nasse Periode, sodass die Heizungen erstmals angeworfen werden mussten. In vielen Regionen schafften es die Temperaturen etwa ab dem 10. September nicht mehr über 20 Grad und die gemessenen Höchstwerte lagen unter den Tiefstwerten der vorherigen Woche. Seit einigen Tagen hingegen erfreut uns wieder ein sonniger und warmer Altweibersommer, bevor das Wetter in der kommenden Woche erneut auf Talfahrt geht. Herbstlich kühl, nass und mitunter auch sehr windig ist das Motto für die kommende Woche.

Besonders beeindrucken war der Wettersturz an und in den Alpen. Herrschte Anfang September in den Bergen noch bestes und warmes Wanderwetter, versanken die Hochalpen ab dem vergangenen Wochenende im Schnee. Eine Vielzahl der Wanderhütten wurden eingeschneit und sind teils auch heute noch nicht auf Wanderwegen erreichbar. Doch auch in den Alpentälern machte sich der Wettersturz bemerkbar. Wurden beispielsweise am 5. September in Reit im Winkl noch 29,2 °C gemessen, schaffte es die Temperatur am 14. September nicht über 4,8 °C hinaus (siehe Abbildung 1).

DWD Kontrastreicher September mit ungleicher Niederschlagsverteilung

Doch nicht nur im zeitlichen Verlauf war der Monat sehr kontrastreich. Auch die räumliche Verteilung der Niederschläge könnte unterschiedlicher kaum sein (Abbildung 2). Vor allem von Sachsen bis in den Süden und Osten Bayerns ist schon jede Menge Niederschlag gefallen. Mit Ausnahme der Leipziger Tieflandsbucht und des Vogtlands kamen in Sachsen bisher verbreitet 100 bis 150 l/qm (gleichbedeutend mit der Einheit „mm“) zusammen. Ähnliche Mengen, teils sogar bis 200 l/qm, fielen auch im Bayerischen Wald und südlich der Donau. Etwa südlich einer Linie München – Altötting summierte sich der Niederschlag sogar auf 200 bis 300 l/qm und am unmittelbaren Alpenrand auf über 300 l/qm. Am meisten Niederschlag prasselte von den Chiemgauer Alpen bis ins Berchtesgadener Land vom Himmel (300 bis örtlich 450 l/qm). Der nasseste Ort war Marktschellenberg im Berchtesgadener Land mit unglaublichen 454,8 l/qm (350 % des Monatssolls), wobei 3/4 dieser Menge zwischen dem 12. und 16. September im Zuge des Unwettertiefs ANETT gefallen ist (siehe auch ). In den Hochalpen wurden indes historische Neuschneehöhen für Mitte September gemessen. Dabei sollte nicht unterschlagen werden, dass auch im Umfeld der Nordsee mit 80 bis 130 l/qm die Regenmengen überdurchschnittlich üppig ausfielen.

DWD Kontrastreicher September mit ungleicher Niederschlagsverteilung 1

In den bisher genannten Regionen wurde bereits das Zwei- bis Zweieinhalbfache der üblichen Regenmenge des gesamten Septembers erreicht (Abbildung 3, linke Karte). Im östlichen Ober- und südlichen Niederbayern wurde teils sogar mehr als das Dreifache der Monatsmenge registriert. Bezogen auf die ersten beiden Monatsdrittel (1. bis 20. September) wurde in Ostsachsen sowie im Südosten Bayerns sogar das Drei- bis Fünffache an dem beobachtet, was durchschnittlich in diesem Zeitraum zu erwarten ist (Abbildung 3, rechte Karte).

DWD Kontrastreicher September mit ungleicher Niederschlagsverteilung 2

Ein ganz anderes Bild zeigt sich vom Westen über die Mitte bis in den Nordosten Deutschlands, wo das Monatssoll in weiten Teilen noch nicht erreicht ist. Besonders trocken war es bisher von Vorpommern bis in den Großraum Berlin. Meist fielen dort nur 10 bis 30 l/qm in die Messtöpfe. Damit sind dort erst 25 bis 50 % der durchschnittlichen Monatsmenge zusammengekommen. Ähnlich groß ist die Abweichung in Ostwestfalen (Abbildung 3). Am trockensten war es in einigen Stadtteilen Berlins, z.B. in Berlin-Rummelsburg mit nur 7,8 l/qm, was lediglich 1,7 % der gemessenen Regenmenge von Marktschellenberg entspricht!

DWD Kontrastreicher September mit ungleicher Niederschlagsverteilung 3

Bis Monatsende wird in Deutschland aber noch einiges an Regen erwartet, sodass sich das Niederschlagsdefizit noch verringern oder regional sogar ausgleichen dürfte. In den überdurchschnittlich nassen Gegenden wird sich der Regenüberschuss hingegen weiter erhöhen. Mehrere Tiefs bringen mit ihren Frontensystemen laut den Prognosen der gängigen Wettermodelle bis kommenden Samstag (00 UTC) vielerorts Regenmengen zwischen 10 und 30 l/qm (Abbildung 4). Vor allem an der Nordsee, im westlichen Bergland sowie im Süden und Südosten berechnen einige Modelle Mengen zwischen 30 und 60, kleinräumig auch um 80 l/qm, wobei die räumlichen Schwerpunkte von den einzelnen Modellen noch recht unterschiedlich simuliert werden. Tendenziell am wenigsten Regen wird allerdings erneut im Osten berechnet, wo je nach Modell und Region nur zwischen 5 und 30 l/qm Regen fallen sollen. Da wir deutschlandweit gemittelt aber bereits jetzt im Bereich des Monatssolls liegen, wird der diesjährige September (wie die meisten Vormonate) überdurchschnittlich regenreich ausfallen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.09.2024
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Atmosphärische Ballonfahrten

Auch wenn es auf den ersten Blick unintuitiv erscheint: Das Wettergeschehen wird von den obersten Stockwerken der sogenannten Troposphäre bestimmt. Dabei handelt es sich um den Atmosphärenbereich etwa zwischen fünf und zehn Kilometern über der Erdoberfläche. Um das Wetter vernünftig vorhersagen zu können, muss man als Meteorologe also wissen, was dort oben eigentlich los ist. Nun kann man sich sicher vorstellen, dass das gar nicht so einfach ist, schließlich kann man sich schlecht dauerhaft in diesen luftigen Höhen aufhalten. Also ist Findigkeit gefragt. Und diese gibt es auch in Form sogenannter Radiosonden, gerne auch umgangssprachlich als „Wetterballon” bezeichnet.

Dabei handelt es sich um große Ballons, die mit einem Gas gefüllt sind, das eine geringere Dichte als die Luft hat, die den Ballon umgibt. Dieses Füllgas verleiht ihm Auftrieb, sodass dieser Ballon nach oben steigt. Es handelt sich quasi um ein Quietscheentchen in der großen Badewanne namens Atmosphäre. Klassischerweise wird dafür eigentlich Helium verwendet. Aus Gründen der Verfügbarkeit und Kosten – die irdischen Helium-Ressourcen sind endlich – findet aber inzwischen mehrheitlich Wasserstoff Verwendung.

Nun hat so ein aufsteigender Ballon ganz praktische Eigenschaften. Zum Beispiel lassen sich jetzt Messgeräte an ihm befestigen, die auf dem Weg nach oben die für eine weitere Vorhersage notwendigen Parameter messen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Temperatur, Feuchte und Luftdruck. Des Weiteren haben die verwendeten Sensoreinheiten noch einen GPS-Empfänger an Bord. Dieser liefert zusätzliche Informationen zur Höhe und Horizontalgeschwindigkeit des Ballons. Aus der Eigengeschwindigkeit des Ballons lassen sich gleichzeitig Windrichtung und -geschwindigkeit ableiten, sodass keine zusätzliche Windmessung benötigt wird. Damit werden praktischerweise gleich noch Platz und Gewicht gespart.

DWD Atmosphaerische Ballonfahrten

DWD Atmosphaerische Ballonfahrten 1

DWD Atmosphaerische Ballonfahrten 2

Radiosondenaufstieg

Die Sensoren wiegen insgesamt nur einige Gramm, sodass der Ballon nur wenig Gewicht mitzuschleppen hat auf dem Weg nach oben. Die Daten, die die Messeinheit unterwegs erfasst, werden dabei auf direktem Wege an eine Empfängerstation am Boden gesendet, sodass man den Weg des Ballons und die gemessenen Profile fast in Echtzeit mitverfolgen kann. Theoretisch könnte so ein Ballon bis fast ins Weltall aufsteigen. Praktisch ist das nicht der Fall. Irgendwann erreicht der Ballon so große Höhen, dass der innere Druck gegenüber dem äußeren Luftdruck die Oberhand gewinnt. Er wird also unterwegs immer größer und größer… bis er platzt. Das ist meist in einer Höhe zwischen 10 und 20 km der Fall, wo der Luftdruck weniger als 10 % des Druckes am Boden beträgt. Es gab auch schon Aufstiege von DWD-Radiosonden, bei denen erst nach etwa 40 km Schluss war.

DWD Atmosphaerische Ballonfahrten

Nachdem so ein Wetterballon geplatzt ist, fallen die daran befestigten Messinstrumente wieder nach unten. Das ist natürlich kein ganz ungefährliches Unterfangen, auch wenn die Geräte insgesamt sehr leicht sind. Deswegen ist zusätzlich noch ein kleiner Fallschirm am Instrumentarium befestigt, damit das ganze Konstrukt wieder sanft auf dem Boden landet.

Für die findigsten unter Ihnen gibt es sogar die Möglichkeit, sich auf Schnitzeljagd zu begeben:  wird die Lokalisierung der herunterfallenden Ballons visualisiert, mit Hilfe derer man versuchen kann, die Überreste zu finden und entweder zu behalten oder zu entsorgen oder sogar – im Falle sogenannter Ozonsonden – auch an den Wetterdienst gegen Finderlohn zurückzusenden!

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Kurzentschlossene haben am morgigen Samstag (21.09.2024) Gelegenheit, an der regionalen DWD-Niederlassung in Potsdam zum Tag der offenen Tür einen Radiosondenaufstieg mitzuerleben. Am Stand der Mobilen Messeinheit finden jeweils um 10:45 Uhr und um 15:00 Aufstiege als Live-Vorführung statt.

M.Sc. Felix Dietzsch (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.09.2024
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Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand

In den letzten Wochen war deutlich wahrnehmbar, dass die Tageslänge rasant abnahm. Am kommenden Sonntag, dem 22. September, ist Tag-und-Nacht-Gleiche. Danach haben die Nächte ein halbes Jahr die Oberhand und fallen länger aus als die Tage. Mit der abnehmenden Sonneneinstrahlung und sinkenden Lufttemperaturen verlangsamte sich seit August auch das jahreszeitliche Tempo des Meereisverlustes in der Arktis. Die Rückzugsgeschwindigkeit lag dabei mit 62.000 Quadratkilometer pro Tag leicht über dem vieljährigen Mittel 1981 bis 2010. Ende August betrug die arktische Meereisausdehnung insgesamt 4,51 Millionen Quadratkilometer. Dieser Wert entspricht dem viertniedrigsten Wert für diese Jahreszeit seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenmessungen im Jahr 1979.

DWD Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand

Entscheidend für den manchmal auch asymmetrischen Meereisverlust sind die atmosphärischen Bedingungen. Die Lufttemperaturen auf der 925 hPa-Ebene (ca. 700 m über der Oberfläche) lagen im August vom zentralen Arktischen Ozean bis zum Beringmeer bis zu 3 Grad Celsius unter dem vieljährigen Durchschnitt. Im Gegensatz dazu herrschten ungewöhnlich warme Bedingungen über der Barentssee und dem kanadischen Archipel vor. Die Temperaturanomalie bewegte sich hier durchweg zwischen 3 bis 6 Grad Celsius über dem vieljährigen Durchschnitt (Abbildung 1).

DWD Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand 1

Diese positive Temperaturanomalie ließ sich ursächlich auf eine Druckkonstellation mit niedrigem Luftdruck über dem zentralen Arktischen Ozean und einem separaten Tief östlich von Grönland – einem starken Islandtief – zurückführen. Zwischen dem Islandtief und dem weiter östlich gelegenen Hochdruckrücken, der sich von Skandinavien aus in die Kara- und Tschuktschensee erstreckte, wurde mit südlichen Winden die ungewöhnliche Wärme in die Barentssee geführt (Abbildung 2).

DWD Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand 2

In den ersten Septembertagen setzte sich das Schmelzen noch fort. Das saisonale Minimum wurde vor knapp zwei Wochen am 07. September mit einer Meereisbedeckung von 4,39 Millionen Quadratkilometern durchschritten (siehe Abbildung 3 und 4). Das diesjährige Meereisminimum liegt dabei unter dem Niveau vieler Jahre zuvor und ist der neuntniedrigste Wert in der fast 45-jährigen Geschichte der Satellitenbeobachtungen.
Abgesehen von den Längengraden entlang des kanadischen arktischen Archipels und Grönlands, wo das Eis fast immer bis an die Küste reicht, hat sich die Eiskante überall polwärts von ihrer durchschnittlichen Position zurückgezogen. So lässt sich konstatieren, dass sowohl die nördliche als auch die südliche Nordwestpassage weitgehend eisfrei waren, ebenso wie der Nördliche Seeweg (Abbildung 4).

DWD Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand 3

Neben der Eiskonzentration, der Eisausdehnung und der Eisdicke ist das Eisalter ein wichtiger Indikator für die Charakterisierung von Meereis. In der Regel ist älteres Eis dicker, da in mehreren aufeinanderfolgenden Wintern immer mehr Eis an der Unterseite anfriert. Außerdem wird das Eis dicker, wenn Eisschollen zusammen- oder gegen die Küsten gedrückt und dadurch in Eisrücken oder auf den Schelfen aufgestapelt werden. Mit einjährigem Eis ist hierbei das Eis gemeint, das erst nach dem letzten Sommer, also seit September des vorhergehenden Jahres, gebildet wurde und die erste darauffolgende Sommerschmelze überdauert. Die Verbreitung von einjährigem Eis ist von etwa 35-40 Prozent der gesamten Eisdecke des Arktischen Ozeans seit Mitte der 1980er Jahre auf etwa 70 Prozent angestiegen, während der Anteil von mehrjährigem Eis entsprechend gesunken ist.

DWD Arktische Meereisbedeckung durchschreitet sommerlichen Tiefstand 4

Zum Schluss noch eine kleine Reise vom Nord- zum Südpol. Dort erreichte die antarktische Meereisbedeckung um den 11. September ihr saisonales Maximum mit 17,34 Millionen Quadratkilometer (Abbildung 5). Das Wachstum bis August ereignete sich zuvor in Schüben. Nachdem Ende Juli fast das Niveau von 2023 erreicht worden war, verlief das Wachstum in der ersten Augusthälfte viel schneller als im Durchschnitt. Danach kam das Eiswachstum jedoch weitgehend zum Stillstand, bevor gegen Ende des Monats ein schnellerer Anstieg einsetzte. Besonders gering ist die Meereisausdehnung nach wie vor im östlichen Weddellmeer, im südwestlichen Indischen Ozean und im Amundsensee, und sie liegt überall leicht unter dem Durchschnitt, außer im nordwestlichen Weddellmeer.

M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.09.2024
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Altweibersommer 2

Schon gestern drehte sich hier im Thema des Tages alles um den Altweibersommer. Heute wollen wir die kommenden Tage entsprechend aus synoptischer Sicht beleuchten. Welche Druckkonstellation sorgt für den Altweibersommer, wie lange bleibt der Altweibersommer – und ist wirklich alles eitel Sonnenschein (im wahrsten Sinn des Wortes) oder gibt es vielleicht kleine Wetter-Schönheitsfehler.

DWD Altweibersommer 2

Die erste oben gestellte Frage lässt sich recht einfach beantworten. Prägender Protagonist auf den europäischen Wetterkarten der kommenden Tage ist Hoch SERKAN (Abbildung 1). Es soll sich am morgigen Donnerstag von Island über den Süden Skandinaviens bis ins Baltikum erstrecken, seine „Fühler“ in Form von Hochdruckkeilen streckt es dabei bis nach Grönland und Westrussland aus. Grundsätzlich ist SERKAN ein zuverlässiger Zeitgenosse, seine Position räumt er nicht überstürzt. Aber er nimmt bis zum kommenden Wochenende Verbindung mit einem Hoch über Grönland auf und verschiebt seinen Schwerpunkt allmählich über den Nordatlantik. Erkennbar ist dabei schon jetzt, dass uns bis dahin keine Frontensysteme behelligen werden. Denn auch diesbezüglich liefert die Abbildung 1 Hinweise. SERKAN führt die Fronten auf seiner Nordflanke an uns vorbei und hält sie damit auf Abstand.
Da SERKAN es über dem Mittelmeer und damit auf seiner Südflanke mit mehr oder weniger klar aufgestelltem Tiefdruckeinfluss aufnehmen muss, stellt sich über Mitteleuropa und Deutschland eine zumeist östliche Strömung ein (blaue Pfeile in Abbildung 1). Und Luftmassen aus Osten sind oft ziemlich trocken. Das sind natürlich gute Voraussetzungen für einen sonnigen Altweibersommer.

DWD Altweibersommer 2 1

Das Stichwort „sonnig“ führt uns unmittelbar zur Abbildung 2. Sie liefert für die kommenden drei Tage (Donnerstag 19.9. bis Samstag 21.9.) die erwartete relative Sonnenscheindauer. Grob über den Daumen gepeilt stehen uns in den kommenden Tagen 60 bis 90 % Sonne ins Haus. Ja, die Tage sind schon deutlich kürzer als im Sommer und die Tag- und Nachtgleiche steht vor der Tür. Aber 80 % relative Sonnenscheindauer bedeuten auch aktuell noch so etwa 10 Stunden Sonne – wenn das nix ist. Also Gesicht in die Sonne und genießen. Ein wenig Vorsicht ist aber angebracht. Denn in den 20 % des Tages, an denen die Sonne nicht scheint, stecken nicht nur die gebietsweise auftretenden Frühnebelfelder drin, sondern auch ein paar Quellwolken, die über den Mittelgebirgen hier und da ganz vereinzelt mal einen Schauer bringen können.

DWD Altweibersommer 2 2

Was der Tagesverlauf im Altweibersommer so zu bieten hat, darüber gibt Abbildung 3 Auskunft. Das dort dargestellte Meteogramm für die Station Frankfurt/Flughafen (bzw. den dem Flughafen zugeordneten Vorhersagepunkt) zeigt im oberen Teil in Rot den Temperaturverlauf. Auffällig ist der große Tagesgang. Etwa 24 °C am Tage stehen nachts etwa 14 °C gegenüber – anfangs etwas mehr, ab Freitag etwas weniger. Dabei sind die prognostizierten Höchstwerte am Tage mit grünen Kästchen markiert, die Tiefstwerte in der Nacht mit blauen. In der mittleren Zeile werden Informationen über den Wind angegeben, einerseits bezüglich des Mittelwindes (Wind 10m), andererseits über dessen Böigkeit. Im Laufe des Tages nimmt der Wind immer wieder etwas zu, um dann in der Nacht wieder nachzulassen. Dies ist typisch für Wetterlagen mit viel Sonnenschein, weil sich die unteren Luftschichten stark erwärmen und mit der aufsteigenden Luft (Stichwort) Böen aus höheren Luftschichten nach unten gemischt werden. Und dann bleibt noch der Sonnenschein. Nur wenige Wolken trüben den Blick in den blauen Himmel, eine Aussage, die gut zu Abbildung 2 passt.

Dipl.-Met Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Späte Sommerwärme und segelnde Spinnen: Der Altweibersommer

Zwischen Mitte September und Anfang Oktober, wenn das Tageslicht schon spürbar schwindet und der Herbst kalendarisch Einzug hält, stellt sich nicht selten für ein paar Tage noch einmal sonniges und durchaus sommerliches Wetter ein. Dabei handelt es sich erwiesenermaßen jedoch nicht um einen Zufall oder eine subjektive Wahrnehmung, sondern um ein tatsächlich wiederkehrendes Wettermuster, einen sog. Witterungsregelfall. Im deutschen Sprachraum bezeichnet man diese frühherbstliche Hochdruckwetterlage mit warmen Temperaturen als „Altweibersommer“.

Über den Ursprung dieser Bezeichnung lässt sich leider nur spekulieren. Möglicherweise geben die im Morgenlicht auf Wiesen und Sträuchern silbrig-grau glitzernden Spinnfäden, die von Baldachinspinnen gewebt (altdeutsch: geweibt) wurden, dem Altweibersommer seinen Namen. Die Spinnen segeln mithilfe dieser Fäden durch die Luft, teilweise tausende Meter hoch und hunderte Kilometer weit. Dabei sind sie auf Thermik angewiesen, also auf aufsteigende Blasen warmer Luft, die es nur bei eher windschwachen, sonnigen Bedingungen gibt. Da man die Jahreszeiten früher ausschließlich in Winter und Sommer einteilte, nannte man den Frühling daher „Junger Weibersommer“ und den Herbst „Alter Weibersommer“. Aus Letzterem könnte der „Altweibersommer“, wie wir ihn heute kennen, entsprungen sein.

Auch meteorologisch gesehen gibt es keine eindeutige Definition für den Altweibersommer. Üblicherweise bringt man ihn mit einer recht stabilen Wetterperiode in Verbindung, die durch ein Festlandshoch oder eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa gekennzeichnet ist. Dabei ist es bei längerem Sonnenschein wärmer als üblich. Bei den mittleren Temperaturen erkennt man ihn daran, dass der septembertypische Temperaturrückgang für einige Tage unterbrochen wird. Da der Altweibersommer zu den Witterungsregelfällen gehört, die zeitlich betrachtet recht unspezifisch sind und nicht an bestimmte „Lostage“ gebunden sind wie beispielsweise die Eisheiligen, ist dessen Eintrittswahrscheinlichkeit verhältnismäßig hoch. Sie liegt allein für die letzte Septemberwoche nach langjährigen Statistiken bei etwa 80 %.

Da der „Altweibersommer“ nicht nur ein Phänomen in Deutschland ist, findet man Bezeichnungen für vergleichbare Witterungsregelfälle auch in anderen Sprachen. Im slawischen Sprachgebrauch und im Ungarischen zum Beispiel verwendet man Begriffe, die dem deutschen Wort Altweibersommer sinngemäß entsprechen (z. B.: polnisch „babie lato“). In Neuengland im Nordosten Nordamerikas kennt man die Wetterlage als „Indian Summer„. In Deutschland bezeichnet man damit übrigens fälschlicherweise den Zeitraum besonders starker Laubfärbung. In einigen Mittelmeerländern wird eine verhältnismäßig warme und beständige Wetterphase im November gerne „St.-Martins-Sommer“ genannt, in Spanien „St.-Michaels-Sommer“ (Veranillo de San Miguel).

So sommerlich warm der Altweibersommer am Tage ist, darf man nicht vergessen, dass die Nächte schon lang sind und die Luft gerade bei klaren und windschwachen Bedingungen stark auskühlen kann. So geht der Altweibersommer nicht selten mit dem ersten Boden- oder gar Luftfrost einher. Denken Sie also an Ihre Blumen und anderen frostempfindlichen Pflanzen!

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Tag der offenen Tür

Am 14.09.2024 standen die Türen der DWD-Zentrale in Offenbach weit offen für die Öffentlichkeit. Von 10 bis 18 Uhr präsentierten wir uns dem interessierten Publikum. In Führungen gab es Einblicke in alle Abteilungen des Deutschen Wetterdienstes. Im hauseigenen TV-Studio konnte man sich an einer Wettervorhersage vor der Kamera probieren. Eröffnet wurde die Veranstaltung von unserer Präsidentin Prof. Dr. Sarah Jones sowie dem Oberbürgermeister Offenbachs Felix Schwenke.

DWD Tag der offenen Tuer

Es gab viele Nachfragen zu unserer Arbeit und einige staunten nicht schlecht über die Vielfältigkeit unseres täglichen Tuns und Wirkens. Immer wieder tauchten Fragen zu den Wetterstationen und unseren Warnungen auf. Auch die Finanzierung des DWD war hier und da Thema. Daher möchten wir heute ein paar Fakten und Zahlen zum Deutschen Wetterdienst veröffentlichen.

Aufbau des DWD:

Der DWD betreibt neben der Zentrale in Offenbach noch 6 weitere große Außenstellen mit zum Teil mehr als 100 Beschäftigten. Insgesamt arbeiten rund 2150 Menschen beim Deutschen Wetterdienst. Es gibt fünf Standorte mit regionaler Klima- und Umweltberatung und zwei meteorologischen Observatorien. Insgesamt gibt es fünf Luftfahrtberatungszentren, wobei die Zentrale in Frankfurt sitzt. Des Weiteren gibt es drei agrarmeteorologische sowie eine maritim-meteorologische Beratungsstelle.

Wetterbeobachtung:

Der DWD unterhält 181 hauptamtliche Wetterstationen, davon stehen 15 an Hauptverkehrsflughäfen in der gesamten Republik. An 43 Regionalflughäfen gibt es Flugwetterbeobachtungen. Die Zahl der nebenamtlichen Wetterstationen sowie der Niederschlagsmessstationen beläuft sich auf 1726. Dabei melden 829 Stationen alle 30 Minuten. Zudem haben wir Zugriff auf mehr als 1760 Straßenwetterstationen aus Partnernetzen.

Auf dem Wasser erhalten wir Daten von mehr als 450 freiwilligen Beobachtern, davon sind 150 fest installierte Bordwetterstationen. Auf den Forschungsschiffen der Bundesrepublik Deutschland betreuen wir zwei Bordwetterwarten. Es gibt außerdem acht fest installierte Bojen in Nord- und Ostsee, die vollautomatisch regelmäßig Daten liefern. Zudem gibt es auf acht Schiffen aerologische Stationen.

Deutschlandweit gibt es 18 Radarstandorte, die (nahezu) rund um die Uhr in Betrieb sind und Daten liefern. Zudem wird an 48 Standorten die Radioaktivität verfolgt. An 1070 Stationen wird rund ums Jahr die Phänologie beobachtet und gemeldet. An den zehn Radiosondenstationen steigen pro Jahr etwa 7500 Wetterballons in den Himmel.

Alle Daten fließen in unsere zwei Hochleistungsrechner, die jährlich etwa 64 Millionen Karten und Grafiken mit Wetter- und Klimavorhersagen produzieren.

Die Arbeit (Zahlen aus 2023):

Im Jahre 2023 wurden vom DWD rund 180.000 manuell erstellte Vorhersagen ausgegeben. Davon etwa die Hälfte in Form standardisierter Vorhersagen. Es gab knapp 200.000 Wetterwarnungen sowie 5200 Warnungen vor Unwetter und extremem Unwetter. Über die WarnWetter-App wurden gut 1,4 Millionen Push-Meldungen versendet. Außerdem kamen 1,2 Millionen Nutzermeldungen bei uns an.

In der Luftfahrt wurden im gleichen Zeitraum 550.00 Vorhersagen und Warnungen erstellt. Zudem gab es dort 25.000 telefonische Beratungen. Die maritim-meteorologische Abteilung kommt auf rund 240.000 Warnungen, Berichte und Beratungen für unter anderem die Seeschifffahrt und den Küstenschutz.

Außerdem wurden mehrere Hundert Gutachten für Behörden, Katastrophenschutz und andere Nutzer gefertigt.

Die Nutzung (Zahlen aus 2023):

Auf die Flugwetter-App des DWD wurde 2023 gut 7,3 Millionen Mal zugegriffen. Die Warnwetter-App hatte etwa eine Million Nutzer. Das Straßenwetterportal SWIS wurde in der vergangenen Saison von etwa 36.000 Kunden genutzt. Das Katastrophenportal FEWIS hatte im vergangenen Jahr fast 330.000 Aufrufe. Die Selfbriefingportale für die zivile Luftfahrt, Rettungseinheiten, Flughäfen und Luftfahrtdienstleister verzeichneten 2023 etwa 64 Millionen Zugriffe.

Auf den Open-Data-Server wurde 2023 rund 60 Milliarden Mal zugegriffen. Abgerufen wurden dabei etwa 16.800 Terabyte an Daten.

Finanzierung (geplant für 2024):

In diesem Jahr gehen wir von einem Etat von 382 Millionen Euro aus. Davon werden 148 Millionen Euro für internationale Organisationen wie EUMETSAT (europäische Satellitenanstalt) verwendet. Für Personalausgaben werden 123,3 Millionen Euro veranschlagt. Für knapp 49,5 Millionen Euro müssen Investitionen getätigt werden.

Die vorausberechneten Einnahmen belaufen sich auf gut 20 Millionen Euro, 16,8 Millionen allein aus den Gebühren für die Luftfahrt. Der Steuermittelbedarf liegt bei etwa 362 Millionen Euro.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Unwettertief ANETT – Zwischenbilanz und Ausblick

Bereits am Donnerstag bildete sich südlich der Alpen das Tiefdruckgebiet ANETT (international als „Boris“ benannt), welches am Freitag nach Südosteuropa zog und seitdem dort recht ortsfest verweilt. Es hat sehr feuchte und warme Mittelmeerluft im Schlepptau, die auf deutlich kältere Luft aufgleitet, die westlich des Tiefs bodennah aus Norden nach Mitteleuropa einströmt. (Eine ausführliche Beschreibung dieser Wetterlage kann im Thema des Tages vom 11. September 2024 nachgelesen werden.) Durch diese Prozesse entwickelten sich vor allem auf der Westseite des Tiefs extrem intensive Regenfälle, die über mehrere Tage anhielten und uns auch noch bis kommenden Dienstag beschäftigen werden. Wir ziehen heute eine Zwischenbilanz und blicken zudem auf die zukünftige Wetterentwicklung in Verbindung mit dem Unwettertief.

Östliches Mitteleuropa (Österreich, Tschechien, Polen)

Am stärksten von den Niederschlägen waren und sind unsere östlichen Nachbarn Österreich, Tschechien und der Süden Polens betroffen.

Die größten Regenmassen prasselten in Österreich vom Himmel. Besonders schlimm traf es Ober und Niederösterreich. In Oberösterreich wurden in den letzten drei Tagen verbreitet 80 bis 150 l/qm gemessen, im Nordstau der Alpen sogar um 200 l/qm. Noch höher fielen die Regenmengen im größten Bundesland Niederösterreich aus. Nahezu flächendeckend regnete es dort 100 bis 200 l/qm, im Alpenstau und westlich von Wien kamen sogar um 300 l/qm zusammen. Bemerkenswert sind nicht nur die Regenmengen, sondern vor allem die große räumliche Ausdehnung der Niederschläge und dass selbst im Flachland, also fernab von Staueffekten, derartige Regenmengen gefallen sind. Die größte Regensumme innerhalb von 72 Stunden wurde mit 310 l/qm in St. Pölten gemessen, wobei 225 l/qm sogar innerhalb von nur 24 Stunden gefallen sind (Abb. 1). Selbst in der Hauptstadt Wien regnete es bisher schon um 200 l/qm (z.B. 216 l/qm in Wien Mariabrunn). Während es in tiefen Lagen schüttete, scheite es in höheren Lagen der Alpen heftig. Oberhalb von 2000 m stapelte sich der Neuschnee auf ein bis zwei Meter – absolut außergewöhnlich für Mitte September!

DWD Unwettertief ANETT – Zwischenbilanz und Ausblick

Auch Tschechien ist vom immensen Dauerregen betroffen. Insbesondere im Osten und in der Mitte des Landes summierten sich die Niederschlagsmengen bisher auf 100 bis 200 l/qm, teils auch darüber. In Svratouch östlich von Prag wurden bis heute Morgen 231 l/qm aufgezeichnet. An der Gebirgsstation Lysa Hora (1327 m) in Mähren-Schlesien wurde mit 238,5 l/qm am gestrigen Samstag die mit Abstand höchste gemessene Niederschlagsmenge registriert. Auch im Süden Polens öffnete der Himmel seine Schleusen. Vor allem in Schlesien kamen am gestrigen Samstag verbreitet 100 bis 150 l/qm zusammen, in Bielsko-Biala sogar 186 l/qm. Auch die Slowakei, Ungarn und die nördlichen Balkanstaaten waren betroffen, allerdings fielen die Regenmengen dort nicht ganz so heftig aus.

Deutschland

Neben dem östlichen Mitteleuropa wurden auch Teile Deutschlands von den Regengebieten gestreift. Vor allem in Sachsen und in der Südosthälfte Bayerns regnete es heftig. So wurden in Ober- und Niederbayern in den vergangenen drei Tagen verbreitet 50 bis 100 l/qm gemessen (Abb. 2), wobei ein Großteil der Mengen in der Nacht zum Samstag und am Samstag selbst gefallen sind. An der Grenze zu Oberösterreich und im Stau der Alpen kamen sogar verbreitet 100 bis 150 l/qm zusammen, teils sogar noch deutlich mehr. Am stärksten betroffen war das Berchtesgadener Land und der südliche Landkreis Traunstein. In Marktschellenberg wurden unglaubliche 262 l/qm gemessen, in Berchtesgaden 207 l/qm. Die größte Tagessumme von 157 l/qm wurde von der Niederschlagsstation in Ruhpolding-Seehaus registriert. In den Hochlagen oberhalb von 2000 m fiel in den Berchtesgadener Alpen im Stau ein bis eineinhalb Meter Neuschnee – Schneehöhen, die es in den letzten 20 Jahren frühestens im November gab! Selbst in Lagen um 800 m wurde es vorübergehend weiß. In Sachsen waren die Regenmengen mit 40 bis 80 l/qm nicht ganz so hoch, in Hermsdorf/Erzgebirge würde mit 106 l/qm die größte Regenmenge registriert.

DWD Unwettertief ANETT – Zwischenbilanz und Ausblick 1

Ausblick: Wieviel Regen kommt noch?

Die beschriebenen Regenmengen sind jetzt schon mehr als beachtlich und mitunter auch rekordverdächtig. Tief ANETT hat sich aber noch nicht ausgeregnet. In Österreich verlagert sich der Schwerpunkt der Regenfälle von Niederösterreich nach Oberösterreich (Abb. 3). Zu den am heutigen Sonntagmorgen gemessenen Regenmengen werden in Oberösterreich und den Regionen westlich von Wien bis Dienstagmorgen nochmals 40 bis 80 l/qm erwartet, im Stau der Alpen teils auch nochmals bis 120 l/qm. In Tschechien hat der Regen in den am stärksten betroffenen Regionen im Osten nachgelassen. Im Westen des Landes werden aber weitere 30 bis 60 l/qm, im Oststau des Böhmerwalds örtlich auch bis 100 l/qm prognostiziert. In Polen regnet es vor allem in Niederschlesien noch kräftig, im Umfeld des Riesengebirges mit bis zu 80 l/qm.

DWD Unwettertief ANETT – Zwischenbilanz und Ausblick 2

Da sich der Schwerpunkt der Regengebiete nach Westen verlagert, rückt auch Deutschland wieder in den Fokus (Abb. 4). Vom Süden Brandenburgs über Sachsen bis in die Südosthälfte Bayerns kommt noch einiges an Regen dazu. Im Osten regnet es noch bis Montagmittag; in Sachsen werden Regenmengen zwischen 30 und 50 l/qm vorhergesagt. Im Süden Bayerns hält der Regen sogar bis in den Dienstag hinein an. Etwa östlich der Isar und im östlichen Bayerischen Wald berechnen die Wettermodelle Mengen zwischen 40 und 80 l/qm, weshalb im südöstlichen Oberbayern aktuell bereits Unwetterwarnungen vor ergiebigem Dauerregen ausgegeben wurden. Da zudem die Schneefallgrenze ansteigt, beginnt der gefallene Schnee in den Alpen zu tauen, wodurch der Abfluss in die Flüsse zusätzlich verstärkt wird. Daher muss dort mit steigenden Flusspegeln gerechnet werden. Doch auch die Elbe und in erster Linie die Oder werden bis Mitte der Woche noch deutlich ansteigen, da die Wassermassen aus dem östlichen Mitteleuropa über diese Flüsse abfließen. Bis Mitte der Woche löst sich ANETT aber auf und wird abgelöst durch freundliches Spätsommerwetter.

DWD Unwettertief ANETT – Zwischenbilanz und Ausblick 3

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst