Feedbacks – Rückkopplungen

Der deutsche Begriff ist „Rückkopplung“, im Englischen heißt es „Climate Feedback„. Gemeint sind Prozesse, die in der Zukunft Auswirkungen „auf sich selbst“ haben. Wie auch im Alltag kann das Feedback positiv oder negativ ausfallen. Positive Rückkopplung bedeutet, dass ein Effekt sich selbst verstärkt, bei negativer Rückkopplung ist entsprechend das Umgekehrte der Fall und der Effekt schwächt sich in der Folge selbst ab. Aber genug der Theorie, sehen wir uns einige praktische Beispiele an.

Starten wir mit der positiven Rückkopplung. Dazu ein kurzer Einschub zum Thema „Albedo“ vorweg: Der Begriff bezeichnet das Reflektionsvermögen einer Oberfläche, also wie viel der einfallenden Strahlung absorbiert wird und wie viel zurückgeworfen wird. Je dunkler ein Körper ist, desto mehr absorbiert er, aber auch die Glattheit der Oberfläche spielt eine Rolle. Ein glatt polierter Spiegel reflektiert bekanntermaßen besser als raues Strukturglas. Die Albedo von Wasser zum Beispiel ist sehr niedrig, da etwa 90 % der Strahlung absorbiert werden. Frisch gefallener Schnee hingegen hat eine hohe Albedo, fast 80 % des Lichtes werden reflektiert. Nun zurück zur Rückkopplung und zum sogenannten „Eis-Albedo-Effekt“. Wenn Schnee oder Eis an den Polen schmelzen, kommt darunter Wasser oder Erdoberfläche zum Vorschein. Diese sind dunkler als Schnee und Eis, haben demnach eine geringere Albedo. Wird viel Sonnenstrahlung absorbiert, heizt sich die Oberfläche auf und sorgt dafür, dass noch mehr Eis schmilzt. Es wird mehr dunkler Untergrund freigelegt und man beginnt sich im Kreis zu drehen. Genauso funktioniert es aber auch andersherum. Fällt Schnee, wird der Boden heller, reflektiert mehr Licht, wird folglich weniger erwärmt und es kann sich weiterer Schnee sammeln.

Einen ähnlich wirkenden Effekt gibt es in der Atmosphäre. In der Luft befindet sich neben Gasen wie Stickstoff oder Sauerstoff auch ein (prozentual geringer) Teil Wasserdampf. Dieser sorgt als Treibhausgas dafür, dass es auf der Erde wärmer wird. Je wärmer es ist, desto mehr Wasser kann verdunsten, das wiederum sein Treibhauspotential entfalten kann. Damit wird es noch wärmer und noch mehr Wasserdampf kann verdunsten …

Mit der Verdunstung von Wasser ist es aber nicht ganz so einfach. Gibt es Kondensationskerne in der Luft, bilden sich Wolken. Die Wolken sind hell, das heißt, sie haben eine hohe Albedo, reflektieren also viel Sonnenlicht. Dieses Licht kann nicht mehr zum Erdboden gelangen, wo es wärmen und Wasser verdunsten könnte. Wenn weniger Wasser verdunstet, gibt es weniger Wasserdampf in der Luft, der Wolken formen könnte. Damit haben wir ein erstes Beispiel für sich selbst abschwächende Effekte.

Etwas physikalischer und weniger greifbar ist die sogenannte „Planck-Rückkopplung“. Jeder Körper, der wärmer als der absolute Nullpunkt ist (also -273,15 Grad Celsius), gibt Wärmestrahlung ab. Da so tiefe Temperaturen in der Natur nicht erreicht werden, trifft dies auf jeden Körper zu. Das Planck’sche Strahlungsgesetz beschreibt nun die Tatsache, dass die Intensität und die Wellenlänge der abgegebenen Strahlung von der Temperatur des Körpers abhängen. Je wärmer ein Körper ist, desto mehr Strahlung gibt er ab und desto kurzwelliger, also energiereicher wird diese Strahlung. Um nicht zu weit abzuschweifen, soll das als Grundlage genügen und wir können uns wieder dem negativen Feedback widmen. Erwärmt sich die Erde, erhöht sich nach diesem Gesetz auch die Strahlung, die sie ins All abgibt. Wenn mehr Strahlung abgegeben wird, verliert die Erde Wärme und kühlt ab. Das hat zur Folge, dass sie wiederum nicht mehr so viel Wärmeenergie abgeben kann und der Prozess sich selbst bremst.

Soweit ein kleiner Einblick in die Welt der Rückkopplung. Natürlich hängen auch die einzelnen Effekte miteinander zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Christina Kagel und
Dipl.-Met. Adrian Leyser

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.09.2024
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Deutschlandwetter im Sommer 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Sommer 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 21,1 °C +2,4 Grad
2 Dresden-Hosterwitz Sachsen 20,6 °C +3,3 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 20,6 °C +1,9 Grad

Besonders kalte Orte im Sommer 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 14,4 °C +2,2 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 15,4 °C +2,3 Grad
3 Kleiner Feldberg/Taunus Hessen 15,6 °C +3,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Aschau-Stein Bayern 747,9 l/m² 97 %
2 Aschau-Innerkoy Bayern 695,4 l/m² 100 %
3 Holzkirchen Bayern 684,3 l/m² 141 %

Besonders trockene Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Genthin Sachsen-Anhalt 105,2 l/m² 62 %
2 Heinersreuth-Vollhof Bayern 112,3 l/m² 54 %
3 Wusterwitz Brandenburg 122,6 l/m² 72 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Oschatz Sachsen 844 Stunden 135 %
2 Leipzig Sachsen 832 Stunden 141 %
3 Wusterwitz Brandenburg 824 Stunden 124 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Sommer 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Oberstdorf Bayern 559 Stunden 101 %
2 Bad Kohlgrub-Rosshof Bayern 574 Stunden 102 %
3 Garmisch-Partenkirchen Bayern 577 Stunden

102 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
Die Sonnenscheindauer wird seit 08/2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.
* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen
Durchschnitt (int. Referenzperiode 1961-1990).
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.09.2024

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Deutschlandwetter im August 2024

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im August 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Waghäusel-Kirrlach Baden-Württemberg 22,4 °C +3,6 Grad
2 Bad Bergzabern Rheinland-Pfalz 22,2 °C +4,0 Grad
3 Mannheim Baden-Württemberg 22,2 °C +3,4 Grad

Besonders kalte Orte im August 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 16,4 °C +3,7 Grad
2 Schierke Sachsen-Anhalt 16,9 °C +3,7 Grad
3 Carlsfeld Sachsen 17,0 °C +4,5 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im August 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Bischofswiesen-Winkl Bayern 276,8 l/m² 131 %
2 Marktschellenberg Bayern 266,2 l/m² 125 %
3 Aschau-Stein Bayern 260,8 l/m² 109 %

Besonders trockene Orte im August 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Werder/Havel Brandenburg 6,3 l/m² 12 %
2 Baruth Brandenburg 7,0 l/m² 14 %
3 Genthin Sachsen-Anhalt 7,8 l/m² 14 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im August 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Bad Dürkheim Rheinland-Pfalz 311 Stunden 149 %
2 Sachsenheim Baden-Württemberg 307 Stunden 144 %
3 Emmendingen-Mundingen Baden-Württemberg 306 Stunden 134 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im August 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Bad Kohlgrub-Rosshof Bayern 214 Stunden 111 %
2 Leck Schleswig-Holstein 217 Stunden 104 %
3 Ahaus Nordrhein-Westfalen 217 Stunden 115 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.
* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt (int Referenzperiode 1961-1990)
** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen Monatswertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der jeweiligen Station (int Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsüberblick für ganz Deutschland und alle Bundesländer finden Sie im Internet

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
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Wenn der Berg ins Tal kommt

Auch wenn es die aktuellen spätsommerlichen Witterungsbedingungen in Mitteleuropa nicht unbedingt erwarten lassen, aber der diesjährige Sommer geht zwangsläufig in den nächsten Wochen langsam seinem Ende zu. Daher bietet sich an, die letzten Monate bezüglich der aufgetretenen Wettergefahren Revue passieren zu lassen. Eine vollständige Auflistung würde natürlich den Rahmen eines Themas des Tages sprengen, aber eine „Unwetterart“ ist doch besonders in Erinnerung geblieben: die intensiven Starkregenereignisse mit nachfolgenden Muren („Schlammlawinen“) im Alpenraum. Führt man eine Standardsuche im Internet durch, werden eine Vielzahl von aktuellen oder wenigen Wochen alten Presseberichten über Vermurungen von Siedlungsbereichen und landwirtschaftlichen Flächen sowie zerstörte Infrastruktur aufgeführt – und zwar in fast allen Regionen der Alpen.

Für (extremen) Starkregen müssen im Grunde zwei atmosphärische Faktoren zusammenkommen: eine Luftmasse mit hohen absoluten Feuchtewerten und sich kaum oder nur langsam verlagernde Schauer- oder Gewitterzellen. Dabei gilt die Grundregel, dass bei höheren Temperaturen auch ein höherer absoluter Feuchtegehalt der Luftsäule erreicht werden kann. Die in den letzten Wochen im Alpenraum wetterbestimmende sehr warme und feuchte Mittelmeerluft ist daher prädestiniert für solche Starkregenereignisse. Dazu kommt, dass die Höhenströmung ausgesprochen gering war und sich somit entstandene Gewitter kaum fortbewegten. In den Alpen kommt aber noch der topographische Effekt gefahrenerhöhend hinzu. Während sich im Flachland der Regen auf der gesamten betroffenen Fläche verteilen kann und der Abfluss von Bodennutzung und -versiegelung sowie Größe und Zustand der Entwässerungsgerinne abhängig ist, mündet der gesamte gefallene Regen im Einzugsgebiet eines Tales im meistens einzigen Bach. Die Bäche der Seitentäler haben außerdem relativ kleine Einzugsgebiete und reagieren daher besonders stark auf extreme Niederschlagsereignisse.

Überschreitet nun die Regenmenge einen kritischen Wert, der vom Zustand der Oberfläche und der genauen Topographie sowie von der Geländeneigung abhängig ist, geraten das Geröll, die Erde und weitere Vegetationsbestandteile (z.B. Bäume) mit Hilfe des Wassers in einen fließenden Zustand. Ein Strom aus Schlamm und gröberem Gesteinsmaterial ergießt sich nachfolgend der Gravitation folgend (Umwandlung von potentieller in kinetische Energie) das Tal hinab. Dabei wirken die kleineren Steine und der Schlamm als „Kugellager“ für die unter Umständen sehr großen Gesteinsbrocken, die dann erheblichen Schaden anrichten können. Auch große Hagelmassen bewirken einen ähnlichen Effekt. Muren können bei entsprechendem Gefälle eine hohe kinetische Energie bzw. Geschwindigkeit aufbauen, die auch bei nachlassendem Gefälle nur langsam abgebaut wird. Somit geht nach der Einmündung eines Seitentals auch im Haupttal eine erhebliche Gefahr einher. Da das Entwässerungsgerinne nicht auf so hohe transportierte Mengen ausgelegt ist, verlässt die Mure meistens das Bachbett und gefährdet somit die angrenzenden Häuser und Brücken sowie die sonstige Infrastruktur. Kommen sehr hohe Gesteinsmengen mit großen Blöcken in Bewegung, sind selbst Totalzerstörungen von Gebäuden möglich. Vor drei Jahren betraf es beispielsweise die Bob- und Rodelbahn am Königsee. Die damaligen Schäden waren so groß, dass die Eisbahn voraussichtlich erst im nächsten Jahr wieder in Betrieb gehen kann.

Leider sind die zu Muren führenden Starkregenereignisse trotz hoch aufgelöster Wettermodelle nicht exakt mit Zeit und Ort vorhersagbar. Beispielsweise können nur wenige 100 m entscheidend sein, ob sich eine Gewitterzelle diesseits oder jenseits eines Kammes abregnet – mit entsprechend unterschiedlichen Einzugsgebieten. Auch ist es möglich, dass es am schlussendlichen, weiter entfernten Schadensort sogar trocken bleibt und die Gefahr nur durch genaue Betrachtung der Radarbilder abgeschätzt werden kann. Allerdings lassen sich mittlerweile jene Tage mit erhöhtem Starkregenpotential sehr gut abschätzen und die Bevölkerung mit ein paar Stunden Vorlauf sensibilisieren. In besonders gefährdeten Gebieten gibt es mittlerweile auch teilautomatisierte Frühwarnsysteme, die auf die aktuellen Wetterparameter reagieren. Außerdem wird viel in technische Schutzbauten (beispielsweise Geröllsperren, Rückhaltebecken und Ablenkbauwerke) investiert.

Die seit Jahrzehnten beobachtete Tendenz zu höheren Temperaturen geht auch mit einem höheren Wassergehalt der Luftsäule einher. Bei entsprechenden Wetterlagen wird sich daher auch die Frequenz solcher Starkregenereignisse erhöhen. Damit gehen natürlich auch steigende Anforderungen an (Wetter-) Vorhersage und die Planung von Schutzbauten einher.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.09.2024
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Zweigeteiltes Wetter

Wir schreiben heute den 31. August. Damit geht heute der Sommer für uns Meteorologen zu Ende, ab morgen beginnt der Herbst. Dies konnte man auch im gestrigen Thema des Tages (30. August 2024) lesen. Bei „nur“ mäßig-warmen 20 Grad an den deutschen Küsten mag das vielleicht zutreffen. Im Süden Deutschlands wird derzeit allerdings vor einer starken Wärmebelastung gewarnt.

DWD Zweigeteiltes Wetter 3

Grund für diese großen Unterschiede innerhalb Deutschlands ist ein Tief mit dem Namen „Wilhelma“, das heute mit seinem Kern über Finnland liegt. Davon ausgehend zieht sich eine Luftmassengrenze über Polen und Deutschland hinweg bis nach Nordfrankreich. Da diese im Bereich von Mitteleuropa, also auch über Deutschland, unter den Einfluss des Nordsee-Hochs „Quentin“ gelangt, nimmt die Schauer- und Gewittergefahr in ihrem Bereich immer weiter ab. So ist heute lediglich noch mit teils dichteren Wolken zu rechnen, die sich im Tagesverlauf jedoch zunehmend lichten dürften.

DWD Zweigeteiltes Wetter 1

Allerdings ist eben diese Luftmassengrenze für die Wetterzweiteilung verantwortlich. Denn sie trennt kühlere Meeresluft im Norden von schwül-heißer Subtropikluft im Süden. Im Süden muss bei schwülen 33 Grad tagsüber und einer nur geringen nächtlichen Abkühlung sogar mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden. In den Alpen sowie im Bayerwald besteht in dieser energiereichen Luft zudem eine geringe Gewittergefahr. Vereinzelt können sich dort starke Hitzegewitter ausbilden, wenngleich der hohe Luftdruck dies meist zu verhindern weiß. Abseits der Luftmassengrenze zeigt sich ansonsten vielerorts die Sonne.

DWD DWD Zweigeteiltes Wetter

Und auch am morgigen Sonntag, dem ersten Tag im meteorologischen Herbst, bleibt uns die Luftmassengrenze quer über Deutschland erhalten, wobei sie (und damit auch die heiße Luft) etwas weiter nach Norden vorankommt. „Wetter“ in Form von Wolken oder Regen sind dann unter dem Einfluss von Hoch „Quentin“ allerdings meist nicht mehr zu finden. Nur das Temperaturgefälle bleibt erhalten: Im Norden und Nordosten ist es weiterhin kühler bei Temperaturen von 20 bis 25 Grad, im Westen und Südwesten steigen die Werte auf bis zu 33 Grad an. Gebietsweise dauert auch die starke Wärmebelastung weiter an.

DWD Zweigeteiltes Wetter 2

Von Südwesten nähert sich jedoch eine Tiefdruckrinne an, der Hochdruckeinfluss schwindet dort allmählich. So bilden sich im Nachmittagsverlauf ausgehend vom dortigen Bergland einzelne Schauer und teils kräftige Gewitter. Örtlich können diese aufgrund der energiereichen Luftmasse insbesondere durch heftigen Starkregen bis in den Unwetterbereich reichen.

Zum Start in die neue Woche löst sich der Ausläufer von „Wilhelma“ über Deutschland auf und der Einfluss tiefen Luftdrucks dehnt sich auf die gesamte Westhälfte aus. Wiederholt können sich dort bis Donnerstag teils kräftige Schauer und Gewitter bilden, teilweise ziehen schauerartig verstärkte Regengebiete durch. Dabei muss lokal auch mit Unwettern (insbesondere durch Starkregen) gerechnet werden.

DWD Zweigeteiltes Wetter

Die Osthälfte wird hingegen weiterhin von Hoch „Quentin“ beeinflusst, das mittlerweile mit seinem Schwerpunkt nach Nordwest-Russland bzw. in die Barentssee gewandert ist. Entsprechend bleibt die Osthälfte Deutschlands von Schauern und Gewittern meist verschont. Stattdessen ist es vielerorts sonnig, heiß und trocken.

Ob sich das Wetter zum kommenden Wochenende auch in der Westhälfte wieder beruhigt, muss abgewartet werden. Derzeit sieht es nach weitgehend heiter bis sonnigem und trockenem Spätsommerwetter aus.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.08.2024
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Herbstbeginn

Herbstanfang ist nicht gleich Herbstanfang. Für uns Meteorologen beginnt der Herbst immer am 1. September eines Jahres. Dieser Termin wurde festgelegt, um Messdaten international besser zusammenfassen und vergleichen zu können.

Kalendarisch bzw. astronomisch dauert es noch drei Wochen, bis es soweit ist. Hier ist für den Herbstbeginn der Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche entscheidend. Dieser fällt in diesem Jahr auf den 22. September. Danach sind auf der Nordhalbkugel die Nächte länger als die Tage, bis im darauffolgenden Frühjahr die Tageslänge wieder die Oberhand gewinnt.

Davon unabhängig ist dagegen der phänologische – also durch die Vegetation bestimmte – Herbstanfang. Dieser kann im Voraus gar nicht angegeben werden, da er sich aus der fortschreitenden Pflanzenentwicklung im Jahresverlauf definiert. Weil diese relativ filigran stattfindet, wird im Pflanzenkalender noch deutlich detaillierter zwischen verschiedenen Jahreszeiten differenziert. Um die verschiedenen Phasen der Jahreszeiten zu bestimmen, werden Blüte, Frucht- und Laubentwicklung verschiedenster Pflanzen und Bäume betrachtet. Dabei startet die Übergangsjahreszeit nach dem Sommer mit dem Frühherbst, der anschließend in den Vollherbst übergeht und schließlich mit dem Spätherbst abschließt, auf den anschließend der phänologische Winter folgt.

 

DWD Herbstbeginn

In Deutschland beginnt der phänologische Frühherbst im langjährigen Mittel am 21. August. Festgemacht wird das in diesem Falle an der Entwicklung des Holunders. Sobald dessen Früchte schwarz am Strauch hängen ist dies das Zeichen für das Ende des Sommers. Nun entwickelt sich der Holunder in den verschiedenen Landesteilen entsprechend unterschiedlich schnell. Das heißt, es lässt sich kein gemeinsamer landesweiter Stichtag festlegen (aus diesem Grund gibt man auch Mittelwerte an). Generell lässt sich sagen: Je südlicher und tiefer eine Region liegt, und damit entsprechend wärmer ist, desto schneller findet die Pflanzenentwicklung und damit der Jahreszeitenübergang statt.

In diesem Jahr hat sich der Spätsommer von einer verhältnismäßig kurzen Seite gezeigt und bereits am 13. August ein Ende gefunden. Die ersten Meldungen zu Holunderfrüchten trudelten bereits sogar schon Ende Juli ein. Auch der Frühling war in diesem Jahr ausgesprochen zeitig an der Reihe. So hatten die Holunderblüten schon früh die Möglichkeit, sich auszubilden und konnten entsprechend zeitig Früchte ausbilden.

Beim Vergleich verschiedener Referenzzeiträume fällt auf, dass die Jahreszeiten vom Frühjahr bis zum Vollherbst im Mittel immer zeitiger beginnen, der Spätherbst sich dagegen nach hinten verschiebt und dadurch die phänologischen Winter insgesamt kürzer werden. Sobald es warm wird, startet die Natur durch und erfreut mit einem bunten Blütenaufgebot.

Zurück zur aktuellen Lage: Während der Spätsommer im Mittel nur etwa zweieinhalb Wochen andauert, sorgen Früh- und Vollherbst etwa einen ganzen Monat lang für Vorfreude auf bunte Blätter und das Rascheln des Laubs beim Herbstspaziergang.

Dem Mittelwert der vergangenen Jahre folgend reicht der Frühherbst am 18. September den Staffelstab an den Vollherbst weiter. Bleibt abzuwarten, wie lange das Gros von Stieleiche und Rosskastanie sich noch Zeit lässt, bis deren Früchte reif sind. Die ersten übereifrigen Vertreter haben bereits Mitte August damit begonnen.

Christina Kagel / M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.08.2024
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Die Milanković-Zyklen

Es gibt mehrere Faktoren, die im Zusammenspiel auf großen Zeitskalen die Menge der eintreffenden Sonnenstrahlung und damit das Klima auf der Erde beeinflussen. An dieser Stelle soll es neben dem Einfluss der Sonne selbst um die drei veränderlichen Eigenschaften der Erde gehen, die in den sogenannten Milanković-Zyklen zusammengefasst sind. Ihren Namen erhielten diese langperiodischen Schwankungen nach dem serbischen Mathematiker Milutin Milanković, der entscheidend an der Beschreibung dieser Phänomene beteiligt war.

Die Erde kreist in ungefähr einem Jahr einmal um ihren zentralen Stern, die Sonne. Dabei ist die Bezeichnung „kreisen“ vielleicht etwas irreführend, weil ihre Bahn in Wahrheit gar kein perfekter Kreis ist, sondern eher einer Ellipse ähnelt. Und diese Form ist über die Zeit auch nicht konstant. Phasenweise ist die Ellipse platter gedrückt und zu anderen Zeiten nähert sie sich weiter einem Kreis an. Die Form der Erdumlaufbahn um die Sonne wird als Exzentrizität bezeichnet. Je kreisförmiger die Bahn ist, desto geringer ist die Exzentrizität und desto weniger Sonneneinstrahlung kommt im Mittel auf der Erde an, begünstigt also Kaltzeiten. Die Zyklusdauer, in der die Erdumlaufbahn ihre Form verändert, beträgt etwa 100 000 Jahre.

Etwas schneller geht es bei der Veränderung der Neigung der Erdachse, auch Obliquität genannt. Hierbei betragen die Zyklen etwa 41 000 Jahre. Die Rotationsachse der Erde ist im Weltall ein wenig gekippt, aber auch das ist nicht in Stein gemeißelt. Mal steht die Erde sehr aufrecht im All und mal liegt sie schräger. Je stärker die Neigung ist, desto extremer fallen die Jahreszeiten in den hohen geografischen Breiten aus. Ist die Neigung schwächer, sind die Unterschiede zwischen Sommer und Winter entsprechend geringer. Die Winter sind in diesen Phasen nicht so streng. Weil dadurch aber mehr Wasser über den Meeren verdunsten kann, schneit es in den kalten Regionen unter Umständen mehr und die Schneedecke wird mächtiger. Durch die weniger heißen Sommer können die Gletscher länger erhalten bleiben und damit sind geringe Achsneigungen tendenziell mit Kaltzeiten verbunden.

Ein weiterer Faktor ist die Tatsache, dass die Erde bei ihren Umdrehungen um sich selbst eiert. Die geneigte Erdachse ist nämlich nur im Erdmittelpunkt fest, an allen anderen Orten kreiselt sie um eine gedachte Senkrechte durch die Pole. Und das tut sie in einem Zeitraum von jeweils etwa 26 000 Jahren. Diese Bewegung wird als Präzession bezeichnet. Sie hat zur Folge, dass manchmal der Nordsommer und manchmal der Nordwinter der Sonne näher ist und damit mehr Wärme abbekommt.

DWD Die Milankovic Zyklen

Das alles ist schon kompliziert genug, aber jetzt hat auch die Sonne noch ein Wörtchen mitzureden. Denn auch die solare Strahlung ist über die Jahrhunderte nicht konstant. Zeitweise ist sie aktiver oder legt eine Pause ein und auch das beeinflusst natürlich, wie viel Wärme auf der Erde ankommt.

Wann eine Warm- oder Kaltzeit eintritt, hängt neben dem Zusammenwirken dieser Größen noch von vielen weiteren Aspekten und Bedingungen auf der Erde ab. Im Großen und Ganzen lassen sich aber Zusammenhänge zwischen den Klimaentwicklungen und den hier beschriebenen Einflüssen herstellen.

Dipl.-Met.Marcel Schmid in Zusammenarbeit mit der Praktikantin Christina Kagel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.08.2024
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Die stärksten tropischen Wirbelstürme!

Aktuell befindet sich Taifun SHANSHAN kurz vor seinem Landfall auf die Insel KyushuSHANSHAN ist ein starker Taifun der Kategorie 3 mit einem einminütigen Mittelwind von 200 km/h. Die Spitzenböen liegen noch höher und betragen sogar bis zu 250 km/h. Dieser Sturm hatte seinen Ursprung im westlichen Nordpazifik, welcher vor allem aufgrund seiner sehr hohen Meeresoberflächentemperaturen als Brutstätte der weltweit stärksten tropischen Wirbelstürme gilt. Dort liegen die Meeresoberflächentemperaturen in einem ausgedehnten Gebiet bis in große Tiefen über 28 Grad. Dies ist eine der Grundvoraussetzungen für eine rapide Intensivierung von tropischen Stürmen.

Ein Beispiel hierfür ist Taifun HAIYAN. Dieser Sturm entwickelte sich am 04. November 2013 in dieser Region und konnte sich aufgrund günstiger atmosphärischer Bedingungen innerhalb von nur 24 Stunden zu einem Taifun entwickeln. Da die vertikale Windscherung nur schwach ausgeprägt war und die Wassertemperaturen bis in große Tiefen deutlich über 26 Grad lagen, konnte sich HAIYAN in den kommenden Tagen zu einem Taifun der Kategorie 5 verstärken. Seinen Entwicklungshöhepunkt erreichte dieser verheerende Taifun kurz bevor er auf die philippinische Insel Leyte traf. Dabei wies HAIYAN einen Luftdruck im Zentrum von 895 Hektopascal und einminütige Windgeschwindigkeiten von 315 km/h sowie Spitzenböen bis zu 380 km/h auf. Zum Vergleich bei Orkan Lothar, welcher am zweiten Weihnachtstag 1999 über Deutschland zog, wurden im Flachland Spitzenböen bis zu 151 km/h gemessen. Dementsprechend verursachte HAIYAN auf den philippinischen Inseln verheerende Schäden und war für mehr als 7300 Todesopfer verantwortlich.

Dennoch erhält Taifun HAIYAN nur die Silbermedaille bei den stärksten beobachteten Stürmen weltweit. Gold geht an Hurrikan PATRICIA. Dieser Sturm konnte sich während des Auftretens des Klimaphänomens El Nino im Oktober 2015 im östlichen Pazifik ausbilden. PATRICIA erreichte zu ihrem Höhepunkt einen Luftdruck von 872 Hektopascal und unglaubliche einminütige Windgeschwindigkeiten von 345 km/h, sowie Spitzenböen von bis zu 400 km/h. Zudem hält Patricia den Rekord der schnellsten Intensivierung. Innerhalb von nur 24 Stunden konnte sich der Sturm um 155 km/h verstärken. Diese Intensivierungsrate ist größer als die jedes anderen beobachteten Hurrikans seit Beginn der Satellitenbeobachtungen. Diese beeindruckende Intensivierung wurde durch sehr hohe Wassertemperaturen von über 30 Grad, einer hohen Luftfeuchtigkeit und einer geringen Windscherung begünstigt. Bevor PATRICIA auf die Westküste Mexikos traf, schwächte sich der Hurrikan glücklicherweise etwas ab. Damit waren die Auswirkungen dort nicht so gravierend wie befürchtet.

DWD Die staerksten tropischen Wirbelstuerme

Rekordhalter in Sachen Größe ist aber Supertaifun TIP aus dem Jahre 1979, welcher sich ebenfalls im nordwestlichen Pazifik ausbildete. Dieser Sturm wies während seines Höhepunktes einen Durchmesser von 2200 Kilometern auf. Zudem hält TIP den Rekord für den niedrigsten beobachteten Luftdruck auf Meereshöhe. Im Auge des Taifuns lag der minimale Luftdruck bei 870 Hektopascal. Zum Vergleich: Ein intensives außertropisches Sturmtief kommt auf einen minimalen Druck von etwa 975 Hektopascal. Der tiefe Luftdruck von TIP hob den Meeresspiegel im betroffenen Gebiet um mehr als einen Meter an. Dieser Supertaifun erreichte jedoch glücklicherweise nie das Festland. Dennoch starben 86 Menschen, als TIP die japanische Insel Honshu streifte.

Auch wenn die Hurrikane auf dem Atlantik meist nicht diese hohe Intensität erreichen, konnten sich in der Vergangenheit auch dort gewaltige Stürme entwickeln. Ein Beispiel hierfür ist Hurrikan IRMA. Dieser Sturm stellte sogar einen Rekord auf. IRMA war der erste tropische Wirbelsturm, der über 37 Stunden eine Windgeschwindigkeit von 297 km/h erreichte. Somit löste IRMA den vorherigen Rekordhalter HAIYAN in diesem Punkt ab.

Damit bleibt abzuwarten, ob auch diese Saison einen ähnlich gewaltigen Sturm hervorbringt.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.08.2024
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Die Varianz der Tageslänge

Der längste Tag dieses Jahres war am 20. Juni, der kürzeste wird am 21. Dezember sein. Irgendwo dazwischen befinden wir uns gerade, das heißt die Tage werden seit etwa zwei Monaten wieder kürzer. Der Verlauf der Tageslänge kann mit der mathematischen Funktion einer Sinuskurve beschrieben werden, die man sich vereinfacht ausgedrückt als Welle vorstellen kann. Zur Sommersonnenwende befinden wir uns auf dem Wellenberg, im Winter im Wellental. Im Moment geht es auf der Welle also bergab, die Tagesdauer nimmt in Offenbach am Main täglich etwa dreieinhalb Minuten ab.

Aber diese Abnahme ist im Jahresverlauf nicht immer gleich stark. Kurz vor oder nach dem längsten beziehungsweise kürzesten Tag, also um die Extrempunkte der Sinusfunktion, ändert sich die Tageslänge nur wenig. Genau im Umkehrpunkt zwischen Zu- und Abnahme der Tageslänge sind es nur wenige Sekunden täglich, in der ersten Woche um das Ereignis beträgt die Änderung der Tageslänge immer noch keine ganze Minute.

Und auch über Deutschland gesehen ist die die Veränderung nicht gleich stark. Beispielsweise in Kiel ist die Verkürzung der Tage im Moment etwas stärker ausgeprägt, dort sind es gut vier Minuten, die es täglich länger dunkel bleibt. Für diese räumlichen Unterschiede ist die Neigung der Erdachse verantwortlich, die im Extrem im Nordsommer der Arktis Polartage beschert und im Nordwinter Polarnächte.

Bis Ende September nimmt die Verkürzung der Tageslänge weiter an Fahrt auf, in Offenbach beträgt die stärkste Änderung dann 3 Minuten und 42 Sekunden. Anschließend verlangsamt sie sich wieder, bis sie im Dezember die bereits beschriebene Änderung von nur wenigen Sekunden erfährt, bevor sie von Abnahme auf Zunahme wechselt.

Wenn der Tag nun zu Ende ist, herrscht Nacht, aber dabei ist dunkel nicht gleich dunkel. Es wird in verschiedene Dämmerungsphasen unterschieden, die abhängig vom Stand der Sonne unter dem Horizont definiert sind. Nachdem sich das Tageslicht verabschiedet hat, schließt die sogenannte Bürgerliche Dämmerung an. In dieser Zeit ist es zum Beispiel noch oder schon möglich, ohne weiteres Licht im Freien zu lesen. Per Definition befindet sich die Sonne dann zwischen ihrem Auf- oder Untergang und 6 Grad unter dem Horizont.

Wenn sie weiter bis 12 Grad sinkt, ist die sogenannte Nautische Dämmerung erreicht. In dieser Phase sind viele Sterne sichtbar, die zur Navigation auf See genutzt werden können – daher der Name. Für die meisten anderen Aktivitäten im Freien benötigt man zu dieser Zeit bereits künstliches Licht.

Die letzte Dämmerungsphase ist die Astronomische Dämmerung, in der die meisten Sterne sichtbar werden. Die Definition legt die Phase auf einen Sonnenstand von 12 bis 18 Grad unter dem Horizont fest. Danach schließt die Nacht an, also die Zeit maximaler Dunkelheit, wenn die Sonne mehr als 18 Grad unter dem Horizont steht.

Um die Zeit der Sommersonnenwende herum verschwindet die Sonne nur so weit, dass es in Offenbach gar nicht mehr für die dunkle Nacht genügt. Etwa 2 Breitengrade weiter südlich in Ulm hingegen reicht es noch für eine dreiviertel Stunde Dunkelheit.

Nun steuern wir langsam aber sicher wieder auf die dunkle Jahreszeit zu, aber das bedeutet auch, dass die einzelnen Phasen der Dämmerung eher einsetzen und Sternenfreunde sich nicht mehr ganz so lange gedulden müssen, bis sie ein Funkeln über sich erblicken können.

Dipl.-Met. Marcel Schmid in Zusammenarbeit mit der Praktikantin Christina Kagel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2024
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Taifun SHANSHAN nimmt Kurs auf Japan

Taifune können sich zwar – wie auch ihre tropischen Wirbelsturmpartner Hurrikane und Zyklone – über das gesamte Jahr hinweg entwickeln, ihre Hauptaktivität findet sich aber zwischen Juli und November. Aktuell befinden wir uns damit also, wenn man so will, mitten in der Hauptsaison. Von einem Taifun, Hurrikan oder Zyklon spricht man bei einem Sturm, der im einminütigen Mittel Windgeschwindigkeiten von mindestens 118 km/h, also Orkanstärke hervorbringt. Die weitere namentliche Einordnung erfolgt dann über die Region, in der der Sturm sein Unwesen treibt. Über dem Indischen Ozean und dem Südpazifik werden sie Zyklone genannt, über dem Atlantik und Nordpazifik (östlich von 180 Grad Länge) Hurrikane und über dem Nordpazifik westlich von 180 Grad Länge Taifune.

DWD Taifun SHANSHAN nimmt Kurs auf Japan

SHANSHAN entwickelte sich vergangenen Mittwoch (21.08.2024) westlich der Nördlichen Mariannen als Tropisches Tief. Im weiteren Verlauf verlagerte sich das Tief unter Intensivierung nordwärts und erreichte drei Tage später, also am Samstag Taifunstärke. Stand heute früh 8 Uhr MESZ befand sich SHANSHAN ca. 250 km ost-südöstlich der Amamiinseln, die zur japanischen Präfektur Kagoshima zählen. Der Sturm bewegt sich aktuell mit knapp 20 km/h west-nordwestwärts und bringt im einminütigen Mittel Windgeschwindigkeiten von rund 155 km/h mit sich (Kategorie 2 auf der Saffir-Simpson-Skala). Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) geht dabei von Böen bis 195 km/h aus.

DWD Taifun SHANSHAN nimmt Kurs auf Japan 1

SHANSHAN soll dem JTWC nach seine Verlagerungsrichtung zunächst beibehalten, sich weiter verstärken und am morgigen Dienstag als Taifun der Kategorie 3 knapp nördlich an den Amamiinseln vorbeiziehen. In der Nähe des Kerns werden dabei Geschwindigkeiten bis 205 km/h prognostiziert (im Ein-Minuten-Mittel wohlgemerkt!) mit Böen bis 250 km/h, was schon sehr nah an der Grenze zu Kategorie 4 ist, die offiziell ab 209 km/h Mittelwind beginnt. Wie stark letztlich die Amamiinseln davon betroffen sein werden, ist noch nicht sicher und hängt stark von der exakten Zugbahn des Taifuns ab. Je weiter nördlich diese ausfällt, desto besser für die Inselgruppe. Zumindest in den beiden nördlichen Inseln Amami-Oshima und Kikaishima sollte man sich aber auf Windgeschwindigkeiten in Taifunstärke, also jenseits von 118 km/h einstellen.

Im Anschluss soll der Taifun nach Norden abbiegen und sich dabei leicht abschwächen, bevor er am Donnerstag auf der Insel Kyushu im Südwesten Japans an Land gehen könnte. Die Windgeschwindigkeiten dürften dann zwar immer noch im Kategorie-2-, wenn nicht sogar Kategorie-3-Bereich liegen und damit jenseits von 150 km/h, wo genau der Landgang erfolgt, ist aber noch sehr unsicher. Das gilt natürlich auch für die weitere Zugbahn, auch wenn das JTWC die Vorhersagegüte heute Vormittag von „gering“ auf „mittel“ hochgestuft hat. Nach aktuellem Vorhersagestand soll SHANSHAN irgendwo nordostwärts über Japan hinweg ziehen. Voraussichtlich wird sich das System dann auch deutlich abschwächen und der Fokus damit weg vom Wind hin zu intensiven Regenfällen verlagern.

DWD Taifun SHANSHAN nimmt Kurs auf Japan 2

Apropos Regenfälle: Abbildung 3 zeigt eine Prognose (ICON) der aufsummierten Niederschlagsmenge bis Samstagfrüh. Demnach können gebietsweise weit über 300 l/m² zusammenkommen, wobei der Großteil zumeist innerhalb von 24 Stunden fällt. Neben Verwüstungen durch den Wind drohen also auch Überschwemmungen und Erdrutsche. Bleibt zu hoffen, dass sich die Schäden so weit wie möglich im materiellen Bereich bewegen…

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2024
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