Tauwetter und Hochwasser?

Die zweite Februarwoche startete weitgehend mit ruhigem und nach Südwesten hin auch mit mildem Winterwetter. Verantwortlich dafür war HOCH EMMERAM, welches am gestrigen Montag mit seinem Schwerpunkt über dem Baltikum lag. EMMERAN hat sich nun aber unter allmählicher Abschwächung zum Schwarzen Meer verlagert. Gleichzeitig erfasste uns bereits am Morgen die Okklusionsfront eines Tiefs bei den Britischen Inseln. Damit kamen bereit in der Früh im Südwesten die ersten Regenfälle auf. Größere Niederschlagsmengen kommen dadurch aber zunächst einmal nicht zustande.

Dies ändert sich jedoch in der kommenden Nacht: Dann greift bereits das teilokkludierte Frontensystem eines neuen Tiefs mit Kern nordwestlich von Irland auf den Südwesten des Landes über. Dabei setzen im Schwarzwald gegen Mitternacht, verstärkt durch einen herannahenden markanten Randtrog, kräftige Regenfälle ein. Aufgrund der sehr milden Luftmasse setzt im Hochschwarzwald Tauwetter ein. Dort liegen oberhalb von etwa 900 Metern 10 bis 30 Zentimeter Schnee, auf den Gipfeln, wie beispielsweise auf dem Feldberg rund 50 Zentimeter. Die tieferen Lagen sind allerdings überwiegend schneefrei, was die mögliche Hochwassersituation etwas entspannt.

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Vom Modell aktuell simulierte Gesamtschneehöhe und das Wasseräquivalent für den Schwarzwald. Im Hochschwarzwald werden teilweise um 80 Millimeter Wasseräquivalent simuliert. Im Nordschwarzwald liegt dagegen kaum Schnee.

Die Niederschläge halten am Mittwoch insbesondere im Schwarzwald tagsüber an. Am Abend ist voraussichtlich mit einer kurzen Unterbrechung zu rechnen, bevor in der zweiten Nachthälfte erneut kräftige Regenfälle einsetzen. Mit diesem zweiten Niederschlagsschub werden voraussichtlich die Staulagen des Nordschwarzwaldes die größten Niederschlagssummen erhalten. Dort wird bis zu diesem Zeitpunkt jedoch selbst in den Hochlagen kein Schnee mehr liegen. weshalb sich dort insgesamt nicht ganz so hohe Abflussmengen ergeben. Die Niederschläge halten auch am Donnerstag weiter an. Erst in der Nacht auf Freitag schwächen sie sich ab und gehen allmählich wieder in Schnee über. Insgesamt werden im Schwarzwald bis Freitagnacht verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. In einigen exponierten Staulagen sind sogar Mengen von über 100 l/qm möglich.

Der Winter macht vielerorts eine kleine Pause 2 1

Wetterlage für Mittwoch, den 11.02.2026 um 00 UTC. Ein Randtrog sorgt für starke Hebung über dem Südwesten. Gleichzeitig werden sehr milde Luftmassen mit einem hohen Feuchtegehalt herangeführt.

Welche Faktoren spielen neben der Niederschlagsmenge und der Schneehöhe eine Rolle bei der Einschätzung des Hochwasserpotenzials? Ein wichtiger Punkt ist der Wassergehalt der Schneedecke. Frisch gefallener Neuschnee besitzt einen Wassergehalt von lediglich 0,5 bis 1,5 Millimetern pro Zentimeter, feuchter Altschnee hingegen von 3,0 bis 5,0 Millimetern pro Zentimeter. Dies spielt insbesondere bei einer verbreiteten, dicken Schneedecke eine große Rolle. Zudem ist entscheidend, ob die Schneedecke vollständig wegtaut oder nur teilweise, da sie Regenwasser bis zu einer bestimmten Menge aufnehmen kann. Taut die Schneedecke jedoch vollständig ab und ist der Boden zusätzlich aufgrund einer vorangegangenen kalten Witterungsperiode bis in tiefere Schichten gefroren, gelangt das gespeicherte Wasser direkt in die Flüsse und kann zu Hochwasser führen.

Außerdem sind bei einem Tauwetterereignis auch die Feuchttemperatur und der Wind von Bedeutung. Setzt Tauwetter bei einer sehr milden und feuchten Luftmasse mit kräftigem Wind ein, taut die Schneedecke deutlich schneller ab. Dies führt zu einem erhöhten Wasserangebot innerhalb kurzer Zeit. Entscheidend, insbesondere für Hochwasser an kleineren Flüssen, ist zudem, ob der Dauerregen von Unterbrechungen begleitet wird oder ob es über einen längeren Zeitraum ohne Unterbrechung kräftig regnet.

Darüber hinaus spielen auch nicht-meteorologische Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu zählen zum einen die Topographie der Region, zum anderen aber auch der Versiegelungsgrad sowie die Art der Vegetation im Einzugsgebiet eines Flusses.

Analysieren wir diese Faktoren nun für das bevorstehende Ereignis: Schnee ist insgesamt nur in geringem Umfang vorhanden und beschränkt sich auf die Hochlagen des Hochschwarzwaldes. Dabei handelt es sich überwiegend um feuchten Altschnee, der in diesem relativ kleinen Gebiet voraussichtlich vollständig abschmelzen wird. Weitere Faktoren, die für Hochwasser sprechen, sind die hohen Feuchttemperaturen sowie der stürmische Südwestwind. Allerdings wird es im Zeitraum von etwa 48 Stunden nicht durchgehend zu Niederschlag kommen; am Mittwochabend ist eine Niederschlagspause zu erwarten. Hinzu kommt, dass die Böden nicht gefroren sind und aufgrund einer zuvor eher trockenen Witterungsphase aufnahmefähig bleiben.

Letztlich spielt auch die Topographie eine Rolle: Durch die teils bergige Landschaft ist die Region grundsätzlich anfällig für schnell ansteigende Flusspegel. Allerdings ist die Bebauung und Versiegelung im Schwarzwald vergleichsweise gering, was einer hohen Gefährdung entgegen wirkt.

Insgesamt lässt sich daraus schließen, dass in den kommenden Tagen im Schwarzwald deutlich steigende Flusspegel zu erwarten sind. Örtlich kann es zu Überflutungen kommen, und an kleineren Flüssen im Südschwarzwald ist auch Hochwasser möglich. Eine größere, überregionale Hochwasserlage wird jedoch nach heutigem Stand nicht erwartet!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Winter macht vielerorts eine kleine Pause

Hoch EMMERAM liegt mit seinem Zentrum über dem Baltikum und beeinflusst derzeit vor allem das Wetter in der Osthälfte Deutschlands. Gleichzeitig erstrecken sich Tiefdruckgebiete vom Atlantik bis in den Mittelmeerraum. Dadurch stellt sich auch im Nordosten eine südöstliche Strömung ein, mit der etwas mildere Luftmassen herangeführt werden. Dieser überwiegend antizyklonal geprägte Wettercharakter bleibt jedoch nicht die ganze Woche über bestehen.

EMMERAM verlagert sich allmählich in Richtung Schwarzes Meer und löst sich dabei auf. Gleichzeitig verschiebt sich die Frontalzone weiter nach Norden, sodass atlantische Tiefdruckgebiete zunehmend Einfluss auf Deutschland gewinnen. Sie bringen nicht nur mildere Luft, sondern örtlich auch unwetterartige Niederschläge mit sich.

Der Winter macht vielerorts eine kleine Pause

Analysekarte für Dienstag, den 10.02.2026 um 12 UTC. Atlantische Tiefdruckgebiete mit ihren Frontensystemen greifen auf Deutschland über. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am heutigen Montag ist davon allerdings noch wenig zu spüren. Tagsüber dominiert ruhiges und überwiegend mildes Winterwetter. Lediglich im Nordosten, vor allem in Teilen Vorpommerns, herrscht gebietsweise noch Dauerfrost. Bereits am Dienstagmorgen macht sich jedoch im Westen und Südwesten die Okklusionsfront eines ersten Tiefausläufers mit Niederschlägen bemerkbar. Im Südwesten kann es dabei vereinzelt kurzzeitig zu gefrierendem Regen kommen – entsprechende lokale Glättegefahr ist zu beachten.

In der Nacht zum Mittwoch erreichen die Niederschläge auch den Nordosten. Dort fällt zunächst Schnee oder gefrierender Regen. Aufgrund der weiterhin gefrorenen Böden besteht dort erneut regional erhöhte Glatteisgefahr.

Von Südwesten her setzt sich am Mittwoch deutlich mildere Luft durch, sodass die Glättegefahr tagsüber in weiten Teilen des Landes nachlässt. Dafür bringt ein neues Frontensystem im Südwesten teils kräftige und länger anhaltende Regenfälle. Besonders im Schwarzwald können diese ergiebig ausfallen: In Staulagen sind dort bis Freitagnacht innerhalb von 48 Stunden örtlich 80 bis 100 l/qm möglich. An kleineren Flüssen kann es dadurch zu Hochwasser kommen. Eine größere Hochwasserlage ist jedoch nicht zu erwarten, da in den höheren Lagen des Schwarzwaldes kaum Schnee liegt und die Böden, anders als im Nordosten, nicht gefroren sind. Zudem lassen die Niederschläge am Freitag nach. Zum Wochenende gelangt von Norden her wieder kältere Luft ins Land, sodass der Regen im Bergland zunehmend in Schnee übergeht.

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Die simulierten Niederschlagssummen innerhalb von 48 Stunden bis Freitag um 00 UTC. Die grob aufgelösten Vorhersagemodelle simulieren im Schwarzwald teils deutlich über 50 l/qm. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Im äußersten Norden können sich die milderen Luftmassen dagegen kaum durchsetzen. Dort muss auch am Mittwoch und Donnerstag weiterhin mit Schneeregen und Schnee gerechnet werden. In den übrigen Regionen geht es dem Schnee selbst in den höheren Lagen der Mittelgebirge vorübergehend an den Kragen. Besonders in den südlichen und südwestlichen Mittelgebirgen dürfte die Schneedecke auch in Hochlagen zeitweise vollständig verschwinden.

Der Winter macht vielerorts eine kleine Pause 3

Diese Grafik zeigt die Wetterlage am Donnerstag, den 12.02.2026 um 06 UTC. Die Frontalzone befindet sich über dem äußersten Norden des Landes. Dies trennt sehr milde Luft subtropischen Ursprungs im Süden von arktischer Kaltluft im Norden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Für Wintersportfans gibt es jedoch auch gute Nachrichten: Zum Wochenende sickert von Norden her erneut kältere Luft ins Land, wodurch die Schneefallgrenze wieder deutlich absinkt. Ein nachhaltiger Wintereinbruch bis ins Flachland scheint dies aber nicht zu sein!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Tag des Koffeins

Friedlieb Ferdinand Runge lebte von 1794 bis 1867. Er war ein deutscher Chemiker, den schon früh die Leidenschaft für die Chemie und damit verbundene Experimente packte. Er wurde bekannt durch seine Untersuchungen von Steinkohlenteer und Koffein. Außerdem erfand er die Kerzen aus Palmwachs (Stearin) und entwickelte die Palmölseife. Und er war ein Pionier auf dem Gebiet der Papierchromatographie.

Doch nun zum Koffein: Während seines Chemiestudiums in Jena soll Runge auf Johann Wolfgang von Goethe getroffen sein, der ihm einige Kaffeebohnen schenkte, um damit zu experimentieren. Und das tat Runge dann auch. Im Jahre 1819 gelang es ihm erstmals Koffein aus den Bohnen zu extrahieren. Zwei Jahre später gelang es auch französischen Apothekern den Reinstoff Koffein aus Bohnen zu gewinnen. Etliche Jahre später bestimmten Christoph Heinrich Pfaff und Justus von Liebig die Summenformel für den Stoff, der gemeinhin als Aufputschmittel gilt.

Koffein steigert nicht nur die Aktivität von Nerven, ihm wird neben vielem anderen auch eine Bronchialerweiterung, Pulssteigerung und die Anregung der Darmbewegung zugeschrieben. Es kommt nicht nur in Kaffee vor, sondern auch in Tee, Cola, Mate, Guarana, Energydrinks und sogar in Kakao. In chemischer Form ist es ein weißes und geruchsloses Pulver mit bitterem Geschmack. In der Natur kommt es in über 60 verschiedenen Pflanzen vor. Die umgangssprachliche Unterscheidung von Koffein (aus Kaffee) und Tein (aus Tee) beruht auf der unterschiedlichen Wirkung im Körper. Die gerösteten Kaffeebohnen setzen in Verbindung mit Magensäure sofort Koffein frei, es wirkt also bereits im Magen. Beim Teegenuss wird das Koffein erst im Darm freigesetzt, die Wirkung tritt später ein, hält dafür länger an.

Die wichtigste Eigenschaft des Koffeins bleibt die Stimulanz. Sie tritt bereits bei geringer Dosierung auf und beeinflusst vor allem psychische Grundfunktionen wie Antrieb und Stimmung. Daher ist den meisten Menschen der Kaffee oder Tee auch so lieb, denn er hebt die Laune und lässt Müdigkeit verschwinden. Gleiches tut übrigens auch die Sonne. Allerdings setzt sie im Körper kein Koffein frei, sondern sorgt für die Bildung von Glückshormonen bei gleichzeitiger Unterdrückung der Melatoninbildung (Schlafhormon).

Nun ist die Sonne aktuell eher Mangelware. An etwa 145 Messstationen gab es in diesem Februar bis heute weniger als 2 Stunden Sonne. An mehr als 250 Stationen gab es bis heute im Februar nur an knapp der Hälfte der Tage (3 von 7) überhaupt Sonnenschein. Grund genug also, sich nach alternativen Stimulanzen umzusehen und da kommt das von Friedlieb Ferdinand Runge entdeckte Koffein gerade recht, denn es ist unabhängig der Tageszeit verfügbar.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.02.2026
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Winter, quo vadis?

Aktuell herrschen am Oberrhein bei viel Sonnenschein frühlingshafte Temperaturen von bis zu 13 °C. Währenddessen sickert im Nordosten bei Temperaturen um 0 °C schon wieder bodennah kältere Luft ein, wodurch leichter Schneefall eingesetzt hat.

So geht es auch in den nächsten Tagen weiter. An der großräumigen Wetterlage ändert sich nämlich wenig: Über Nordosteuropa liegt weiterhin ein mit bodennaher Kaltluft angefülltes Hochdruckgebiet. Demgegenüber steht ein Tiefdruckgebiet über dem Atlantik, dessen Weiterkommen vom osteuropäischen Hochdruckgebiet blockiert wird. Dadurch wird weiterhin milde Luft in den Südwesten gelenkt, während an der Westflanke des Hochdruckgebietes erneut kältere Luft in den Nordosten einsickert. Im Nordosten geht es mit recht tristem Winterwetter, Hochnebel und etwas Schneegriesel weiter. Aber auch im Südwesten hat die Sonne es zunehmend schwer, sich gegen den Hochnebel durchzusetzen.

Winter quo vadis

IFS-Vorhersage der Wetterlage am Sonntag den 08.02.2026 mittags. Temperatur und Bodendruck. Die Temperatur zeigt eine weite Spanne von über 10 °C im Westen und um 0 °C im Nordosten von Deutschland.

Ab Mitte kommender Woche ändert sich die Wetterlage. Das Hoch über Nordosteuropa schwächt sich dann ab, sodass das Atlantiktief mit milder Meeresluft zu uns vorrücken kann. Die genaue Zugbahn des Tiefdruckgebietes ist noch unsicher, doch die meisten Modelle berechnen inzwischen eine nördliche Zugbahn. Dadurch kann sich auch im Norden milde Meeresluft durchsetzen, sodass auch der Nordosten langsam auftauen wird. Dabei kann es dort anfangs durchaus wieder zu Glatteis kommen, während es im Südwesten Deutschlands viel regnet.

Winter quo vadis2

IFS-Vorhersage der Wetterlage am Donnerstag den 08.02.2026 mittags. Temperatur und Bodendruck. Die Kaltluft wird laut dieser Vorhersage durch ein atlantisches Tief auch im Norden ausgeräumt.

Die Frage ist: Wie geht es danach weiter? Gibt sich der Winter schon geschlagen? Die Kaltluft wird voraussichtlich nicht weit in den Norden verdrängt. Zudem liegt in einem großen Teil von Nordost- und Nordeuropa Schnee. Dadurch hat sich dort ein großes Kältereservoir gebildet, das bei entsprechenden Lagen angezapft werden kann. Genau das wird wahrscheinlich am nächsten Wochenende passieren. Die meisten Modelle deuten darauf hin, dass das besagte Tief nach Nordosten abzieht, die Strömung auf seiner Rückseite auf Nord dreht und die Kaltluft dadurch wieder zu uns zurückkehren kann. Ob dieser Wintereinbruch von Dauer ist, lässt sich kaum sagen. Die Modellunterschiede sind zu groß, sodass das Folgende Spekulation bleibt: Besonders stabil sieht die Wetterlage jedoch nicht aus, denn wahrscheinlich steigt die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik, die danach rasch wieder Milderung bringen könnte.

Winter quo vadis3

IFS-Vorhersage der Wetterlage am Samstag den 14.02.2026 mittags. Temperatur und Bodendruck. Eine Nordströmung führt maritime Polarluft mit Tagestemperaturen knapp über 0 °C heran. Im Bergland herrscht Dauerfrost. Diese Vorhersage ist noch unsicher.

Auch wenn in den vergangenen Jahren der Spätwinter meist ziemlich mild ausgefallen ist, ist es statistisch gesehen eher unwahrscheinlich, dass es an Mitte Februar zu keinen markanten Kaltluftvorstößen nach Mitteleuropa mehr kommt.

Diplom Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.02.2026
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Die Schneehöhe

Dazu wird erst ein Blick auf die Definition der Schneehöhe, genauer gesagt der Schneedeckenhöhe, geworfen: Die Schnee(decken)höhe ist die senkrecht zum Erdboden gemessene Höhe einer Decke aus festen Niederschlägen, allen voran Schnee im klassischen Sinn, die jedoch mindestens 50 % des Bodens bedecken muss.

Dabei gibt es einerseits die Gesamtschneehöhe, welche die Summe aus alten und neuen Ablagerungen darstellt. Hierbei ist häufig ein Mix aus hartem Altschnee und weichem Neuschnee zu beobachten. Der Neuschnee wiederum wird andererseits in der sogenannten Neuschneehöhe erfasst, welche lediglich den Zuwachs von Ablagerungen seit dem letzten Bemessungszeitraum (bspw. 1 oder 24 Stunden) meint.

Nicht zu verwechseln ist die Schneehöhe mit der Höhe von Schneeverwehungen. Bei Schneewehen handelt es sich um Ablagerungen von Schnee meist im Lee von Hindernissen, die nicht selten deutlich über der Höhe der durchschnittlichen Schneehöhe liegen und zu massiven Problemen im Straßen- und Schienenwesen führen können.

Aber wie kann der Schnee nun gemessen werden?
Hierbei gibt es prinzipiell zwei, um ganz genau zu sein sogar drei verschiedene Wege. Die erste Variante ist die manuelle Messung der Schneehöhe. Dabei wird ein sogenannter Schneepegel, ein Messstab meist aus Metall mit Markierungen im Abstand von einem Zentimeter, senkrecht in die Schneedecke bis zum festen Boden geführt. Hierbei sollte als Unterlage ein Schneebrett dienen, das weiß lackiert ist und auf dem sich der Schnee ohne Unebenheiten akkumulieren kann. Im Vergleich zur Messung auf einer mit Gras bewachsenen Wiese kann es allein daher zu Abweichungen bei der Schneehöhenmessung von mehreren Zentimetern kommen, da das unebene Gras die Messung quasi „verfälscht“. Dennoch wird und wurde an Wetterwarten insbesondere bei Lagen mit starken Schneeverwehungen auch auf einen Grasuntergrund ausgewichen, damit man möglichst viele Messpunkte erhält und zwischen diesen die Schneehöhe mitteln kann.

Da die Schneehöhenmessung heutzutage im Zuge der Automatisierung der Wetterstationen häufig nicht mehr manuell vorgenommen wird, zählt noch die automatische Messung durch einen Sensor mit Sendekopf zu den bekanntesten Messmethoden.

Die Schneehoehe

Zu sehen ist eine automatische Schneehöhenmessung mittels Laser. Dieser ist auf die am Boden liegende Schneedecke gerichtet und misst mit einer Laufzeitmessung die exakte Schneehöhe – aber nur an diesem Punkt. (Quelle: DWD/Rüdiger Manig)

Hierbei wird unterschieden zwischen der Laser- und der Ultraschallmessung.
Bei der Lasermessung sendet ein Laser kurze Lichtimpulse zum Boden aus, welche von der Schneedecke zurückgeworfen werden. Mittels Messung der Laufzeit kann nun bestimmt werden, wie hoch der Schnee liegt. Dabei gilt, je schneller der Impuls zurückgeworfen wird und somit je kürzer der zurückgelegte Weg ist, desto höher ist die Schneedecke. Da es sich jedoch nur um eine Punktmessung handelt, können diese Werte durch Schneeverwehungen deutlich verfälscht und faktisch unbrauchbar sein.

Neben der Methode der Lasermessung gibt es noch die Möglichkeit der Ultraschallmessung. Dieser Sensor steht senkrecht zur Erdoberfläche und sendet ein periodisch wiederkehrendes Ultraschallsignal aus. Auch hier gilt wieder, je schneller das vom Schnee zurückgesandte Signal empfangen wird, desto höher ist die Schneedecke. Diese Methode hat jedoch den Nachteil, dass sie temperaturabhängig ist und einer solchen Korrektur bedarf. Ebenso handelt es sich auch hier nur um eine reine Punktmessung.

Die Schneehoehe 2

Die Gesamtschneehöhe von heute Morgen (06.02.2026) zeigt eine dicke Schneedecke über Teilen der Mitte, während es im Westen und Südwesten keinen Schnee gibt.

Blicken wir zum Abschluss noch auf die aktuelle Schneedeckenhöhe, so wird deutlich, dass der meiste Schnee in etwa von Nord- über Osthessen nach Thüringen und bis in den Nordosten zu finden ist. Aber auch weite Teile des Nordens und Nordostens konnten noch ein paar Zentimeter Schnee um 7 MEZ melden, während der Westen und Südwesten praktisch schneefrei sind.

In den kommenden Tagen wird es dieser Schneedecke häufig „an den Kragen“ gehen, aber wer weiß, was das Wetter ab Mitte der kommenden Woche für uns bereit hält. Man darf gespannt sein.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wetterfrösche in dicken Pullis

Am heutigen Donnerstag haben wir Meteorologen und Meteorologinnen unseren Ehrentag. Genau genommen können diesen Feiertag alle begehen, die beruflich mit dem Thema Wetter zu tun haben oder in diesem Bereich ihre Berufung gefunden haben. Warum der 05. Februar als Ehrentag von uns Wetterfröschen gewählt wurde, liegt am Geburtstag von John Jeffries. Er war einer der ersten täglichen Wetterbeobachter der USA und startete seine Aufzeichnungen im Jahr 1774. Beruflich hatte er als Arzt allerdings eher weniger mit dem Wetter zu tun. Daneben war er aber auch ein Luftfahrtpionier und da schadete es sicherlich nicht, sich mit dem Wetter zu beschäftigen. Am 07. Januar 1785 überquerte er zusammen mit dem französischen Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard in einem mit Wasserstoff gefüllten Ballon den Ärmelkanal und gilt somit als „erster fliegender US-Amerikaner“. Doch schon wenige Wochen zuvor bestieg er am 30. November 1784 in London einen Ballon, stieg damit auf und machte von dort die weltweit ersten gezielten meteorologischen Beobachtungen aus einem Ballon.

Am morgigen Freitag ist dann der „Dicke-Pulli-Tag“. Dieser wurde 2020 von der Bonnerin Corinna Nitsche Haine initiiert und wird immer am ersten oder zweiten Freitag im Februar begangen. Der rheinische Karneval schließt aus, dass der „Dicke-Pulli-Tag“ am Tag nach Weiberfastnacht stattfindet. Warum dieser Aktionstag auf einen Termin im Februar fällt, hat zwei Gründe. Zum einen passt er gut in den Februar, da normalerweise die meisten Heizungen noch in Betrieb sind, wobei man dank eines dickeren Pullovers weniger heizen muss (zumindest in der Theorie). Zum anderen war es den Initiatoren wichtig, an das Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls am 16. Februar 2005 zu erinnern.

Nun zu der Frage, ob wir in den kommenden Tagen einen dicken Pullover benötigen? Für die meisten ist die Antwort sicherlich klar: Ja!

Hoch DANIEL scheint sich nämlich in Fennoskandien weiterhin sehr wohlzufühlen und erschwert damit das Vorankommen atlantischer Tiefausläufer. Diese versuchen von Süden her immer wieder gegen dieses „Kältebollwerk“ anzukommen.

Wetterfroesche in dicken Pullis

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den morgigen Freitag, den 06.02.2026 12 UTC.

In den Westen und Süden Deutschlands werden dabei milde Luftmassen gelenkt, während in den Norden und Osten mit einer östlichen Strömung kalte Festlandsluft einfließt. Dadurch ergeben sich starke Temperaturgegensätze in Deutschland. So verharrt der Norden am heutigen Donnerstag bei Höchstwerten zwischen -3 und 0 Grad im Dauerfrost, im Breisgau werden hingegen um 10 Grad erreicht. Insbesondere an den Küsten fühlen sich die Temperaturen deutlich kälter an, denn dort weht ein strammer Ostwind, der zeitweise stürmisch aufleben kann.

Daneben kommt es am heutigen Donnerstag und in der Nacht zum Freitag im Osten und Nordosten Deutschlands zu zeitweiligen Niederschlägen. Teils treten die Niederschläge als leichte bis mäßige Schneefälle auf, teils ist aber auch gefrierender Regen ein Thema. Gebietsweise kommt es zu erheblicher Glätte durch Glatteis. Beim Verlassen des Hauses ist dann entsprechende Vorsicht geboten. Egal ob per Auto, mit dem Fahrrad oder zu Fuß sollte man sich den örtlichen Begebenheiten dementsprechend anpassen.
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Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am heutigen Donnerstag, den 05.02.2026

Am morgigen Freitag kommen von Südwesten neue Niederschläge auf, die bei Höchsttemperaturen zwischen 5 und 10 Grad meist als Regen fallen. Im Nordosten ziehen die nächtlichen Niederschläge Richtung Ostsee ab. Dauerfrost ist dort dann zwar meist kein Thema mehr, dennoch liegen die Höchsttemperaturen nur im niedrigen einstelligen Bereich. Die Sonne sucht man allerdings meist vergeblich am Himmel. Allenfalls an den Nordrändern der Mittelgebirge und an den Alpen gibt es vorübergehend Auflockerungen.

Wetterfroesche in dicken Pullis 3

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Freitag, den 06.02.2026


Im Laufe der Nacht zum Samstag kommen die Niederschläge von Südwesten und Westen bis zur Elbe und Ostbayern voran. In der Mitte und im Südosten ist nach aktuellem Stand der Modelle dann erneut mit gefrierendem Regen und damit Glatteis zu rechnen.


Das Wochenende präsentiert sich insbesondere im Südwesten und Westen schon fast von seiner vorfrühlingshaften Seite. Entlang des Rheins liegen die prognostizierten Höchsttemperaturen um 10 Grad, am Samstag sind im Breisgau bis zu 14 Grad möglich. Dazu zeigt sich auch längere Zeit die Sonne. Anders sieht es hingegen im Nordosten aus. Aus einer dichten Bewölkung fällt zeitweise Niederschlag (teils als Regen, teils als Schnee), die Höchsttemperaturen verbleiben weiterhin im niedrigen einstelligen Bereich.


Zusammengefasst gehört ein dicker Pullover in den kommenden Tagen also sicherlich nicht zur schlechtesten Kleiderwahl, Richtung Westen und Südwesten kann man die dicksten Wollpullover aber oftmals im Schrank lassen. Ist man längere Zeit im Freien unterwegs, sollte man sich insbesondere in der Nordosthälfte hingegen noch ein bisschen dicker einpacken. Übrigens: In Anlehnung an wollige Kleidungsstücke gibt es einen Lifehack bei Glatteis, alte Wollsocken über die Schuhe zu ziehen. Diese saugen Schmelzwasser auf und begünstigen eine bessere Bodenhaftung.


M.Sc (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Glatteis und Schnee: Rückblick und Vorausschau

Am gestrigen Dienstag sorgte ein Tiefausläufer vor allem in Teilen von Hessen für ergiebige Schneefälle in kurzer Zeit. Starke Hebung im Zusammenspiel mit der Orografie (Taunus) sorgten für ungewöhnlich hohe Niederschlagsraten bezogen auf ein Schneeereignis. Kleinräumig gab es 5 bis 7 Liter pro Quadratmeter Niederschlag in einer Stunde und örtlich 10 cm Neuschnee in zwei Stunden. Nach wenigen Stunden war der Schneefall meist wieder vorbei. In der Spitze gab es dann örtlich 15 cm Neuschnee. In tiefen Lagen des Rhein-Main-Gebietes gab es meist wenige Zentimeter nassen Neuschnee. Die Modelle lieferten erst kurzfristig Hinweise auf solch hohe Schneemengen, entsprechende Schneefallwarnungen wurden somit mit vergleichsweise wenig Vorlauf hochgestuft.

Glatteis und Schnee Rueckblick und Vorausschau

Schneehöhen um 07 Uhr am Dienstag und Mittwoch (03./04.02.2026). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Weiter nördlich war dann weniger Schneefall als gefrierender Regen das Problem. Besonders betroffen war in der Nacht zum Mittwoch und am Mittwochmorgen ein Gebiet vom Emsland bis zum Weserbergland, aber auch die Hansestadt Bremen. Dort fiel bei Temperaturen zwischen 0 und -5 Grad Regen. Auf den gefrorenen Böden wurde dieser in Sekunden zu Eis. Eine unwetterartige Glatteissituation war die Folge. In der ersten Tageshälfte des heutigen Mittwochs zogen die Niederschläge (teils Regen, teils Schnee) nach Norden ab. Bei weiterhin frostigen Temperaturen blieb die Glättesituation streckenweise aber brisant.

Glatteis und Schnee Rueckblick und Vorausschau 2

Nutzermeldungen aufgrund von Glätte aus der WarnWetterApp aus dem Nordwesten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Doch damit nicht genug, steht am morgigen Donnerstag bereits die nächste Glatteislage ins Haus. Dann ist vor allem der Osten Deutschlands betroffen. In der Nacht zum Donnerstag setzen in Ostdeutschland Niederschläge ein, die teils als Regen, teils als Schnee fallen. Vor allem in Teilen Sachsens, Brandenburgs und Berlins besteht dann die Gefahr von Glatteis durch gefrierenden Regen. Donnerstagfrüh breiten sich die Niederschläge weiter nach Norden aus und erfassen auch Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Dort dominiert zunächst allerdings Schneefall, bevor auch in Teilen von Mecklenburg-Vorpommern der Schneefall wahrscheinlich in Regen übergeht. Meist gibt es dort 1 bis 5 cm Neuschnee. Vor allem im Norden Vorpommerns hält der Schneefall aber voraussichtlich länger an, dort könnten um 10 cm Neuschnee fallen. Detailfragen, wo zum Beispiel der Phasenübergang von fest nach flüssig erfolgt, sind aus jetziger Sicht (Mittwochmittag) noch immer offen. Auch wie viel Niederschlag in Sachsen fällt und ob die Temperaturen am Boden dann verbreitet niedrig genug für Glatteis sind, ist unsicher.

Eine weitere offene Frage ist auch das Ende des Ereignisses. Die verschiedenen Wettermodelle zeigen teils sehr unterschiedliche Simulationen ab Donnerstagabend. Nicht ausgeschlossen ist, dass in manchen Regionen Ostdeutschlands bis in den Freitag hinein noch gefrierender Regen fällt.

Glatteis und Schnee Rueckblick und Vorausschau 3

Übersicht über potenziell betroffene Gebiete durch Glatteis und mäßigen Schneefall. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Von derlei winterlichen Eskapaden völlig unbeeinflusst zeigt sich die Südwesthälfte Deutschland. Bei örtlich zweistelligen Höchstwerten am Rhein und teils positiven Nachtwerten bleibt man dort von solch Ungemach verschont.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hochdruck und Tiefdruck im Clinch

DANIEL, der Ewige. Diesen Beinamen hätte sich das dominierende Hochdruckgebiet durchaus verdient, denn es prägt die Wetterlage nun schon seit längerer Zeit. An diesem nahezu stationären Hochdruckgebiet über Skandinavien beißt sich ein atlantisches Tiefdruckgebiet nach dem anderen die Zähne aus. Deutschland kriegt dabei im Westen die Reste der Tiefausläufer ab, der Nordosten spürt davon jedoch kaum etwas.

Das Wetter zeigt sich daher von zwei sehr unterschiedlichen Seiten. DANIEL hat an seiner Südflanke nun schon seit geraumer Zeit kalte Kontinentalluft aus Osten herangeführt, sodass der Nordosten Deutschlands im Dauerfrost liegt. Gefühlt ist es noch kälter. Dafür sorgt der Wind, denn durch eine Druckgradientverschärfung zwischen den Druckgebilden wird es an der Küste und in Bergregionen stürmisch. Die gefühlte Temperatur sinkt dadurch unter die tatsächlich gemessene. Der sogenannte Wind-Chill-Effekt beschreibt diesen Zusammenhang. Ein Beispiel: Bei einer Lufttemperatur von -7 °C und einer Windgeschwindigkeit von 65 km/h liegt die „Wind-Chill-Temperatur“ bei etwa -19 °C! Einen Onlinerechner zum Ausprobieren finden Sie unter dem unten angegebenen Link.

Über den Westen und Südwesten des Landes ziehen Niederschläge. Die lassen sich durch das Tief ROMINA erklären, das milde und feuchte Luft aus Südwesten heranführt. Im Westen liegt die Schneefallgrenze über 1000 m sodass mit Sicherheit Regen fällt. In Hessen sinkt sie jedoch soweit, dass es zu Schneefällen kommt. Dabei schneit es zeitweise auch kräftig und im Nachmittagsverlauf kommen teilweise über 10 Zentimeter Neuschnee zusammen.

In der kommenden Nacht ziehen die Niederschläge weiter nord-/nordostwärts und dann wird es kompliziert. Denn je weiter sie nach Norden kommen, desto höher wird der Schneeanteil sein. In einem Übergangsbereich, wo sich der Wechsel von feuchter zu fester Phase vollzieht, besteht die Gefahr vor gefrierendem Regen. Die Modelle berechnen die Lage und Ausdehnung recht unterschiedlich. Trotzdem wird es zu glatten Straßen kommen und wenn sich eine größere Verbreitung andeutet sind auch Unwetterwarnungen nicht ausgeschlossen. Das am wahrscheinlichsten betroffene Gebiet erstreckt sich etwa von Ostfriesland und dem Emsland in einem Streifen entlang der Grenze zwischen NRW und Niedersachsen eventuell bis in die Mitte Deutschlands. Die aktuellen Warnungen finden Sie natürlich wie gewohnt in der Warnwetter-App oder auf der Homepage des DWD.

Hochdruck und Tiefdruck im Clinch

Modellausgabe des signifikanten Wetters des deutschen ICON Modells (9 UTC Lauf) für kommende Nacht 3 Uhr. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Und was machen derweil die Temperaturen? Naja, das was sie schon die ganze Zeit machen. Im Nordosten ist es kalt, örtlich sinken die Temperaturen auf zweistellige Minuswerte. Entlang des Rheins bleibt es stellenweise frostfrei.

Morgen ziehen die Schneefälle im Norden bei bedecktem Himmel ab. In den anderen Landesteilen zeigt sich die Sonne insgesamt öfter. Die Temperaturgegensätze bleiben weiterhin erhalten. In der Nacht zum Donnerstag wird es nochmal spannend. Im Osten und Norden Deutschlands kommen Niederschläge auf. Das deutsche ICON-D2-Modell lässt diese im Verlauf weitestgehend in Schnee übergehen. Es zeichnet sich aber vor allem in Sachsen und dem südlichen Brandenburg ab, dass es dort auch verbreitet zu Glatteis kommen kann und dies dann eventuell Unwetterwarnungen erfordern. Bei aller Faszination für Schnee und Eis ist eine angemessene Vorsicht im Straßenverkehr angebracht. Gespannt abwarten, was auf uns zukommen wird, darf man selbstverständlich trotzdem.

M.Sc.-Meteorologe Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Deutschlandwetter im Januar 2026

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Januar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 3,1 °C +0,0 Grad
2 Geilenkirchen Nordrhein-Westfalen 3,0 °C +0,9 Grad
3 Düsseldorf Nordrhein-Westfalen 2,9 °C +0,4 Grad

Besonders kalte Orte im Januar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -5,4 °C -0,8 Grad
2 Deutschneudorf-Brüderwiese Sachsen -4,6 °C -2,2 Grad
3 Carlsfeld Sachsen -4,4 °C -0,8 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Januar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Freudenstadt-Kniebis Baden-Württemberg 147,7 l/m² 78 %
2 Todtmoos Baden-Württemberg 130,0 l/m² 62 %
3 St. Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 126,7 l/m² 65 %

Besonders trockene Orte im Januar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Bad Lauchstädt Sachsen-Anhalt 12,2 l/m² 49 %
2 Freienbessingen Thüringen 12,6 l/m² 34 %
3 Hirschstein-Heyda Sachsen 13,3 l/m² 37 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Januar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Altenstadt Bayern 140 Stunden 218 %
2 Kaufbeuren Bayern 140 Stunden 171 %
3 Attenkam Bayern 134 Stunden 189 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Januar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Perl-Nennig Saarland 24 Stunden 56 %
2 Idar-Oberstein Rheinland-Pfalz 27 Stunden 61 %
3 Berus Saarland 28 Stunden 65 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Polarwirbel vor möglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kältephase?

Derzeit wird die Großwetterlage in Mitteleuropa von einem kräftigen, nahezu stationären Hochdruckgebiet mit seinem Zentrum über Finnland bestimmt. In dessen Einflussbereich gelangt kalte, kontinentale Luft in den Nordosten Deutschlands. Gleichzeitig sorgen Tiefdruckgebiete über dem Nordatlantik und in der Nähe Irlands für einen Zustrom deutlich milder Luftmassen in den Südwesten des Landes. So werden am heutigen Sonntag am Oberrhein Höchstwerte um +11 Grad erreicht, während die Temperaturen im Nordosten örtlich nicht über −8 Grad hinauskommen.
Auch in den kommenden Tagen bleiben diese ausgeprägten Temperaturgegensätze bestehen. Ursache hierfür ist eine insgesamt geringe Dynamik in der Atmosphäre. Der Jetstream, der insbesondere im Winterhalbjahr die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten über Europa steuert, ist derzeit weit nach Süden verlagert. Infolgedessen fehlt atlantischen Tiefdruckgebieten der nötige Antrieb, um nach Mitteleuropa vorzudringen. Stattdessen werden sie – wie bereits in den vergangenen Wochen häufig beobachtet – nach Süden in den Mittelmeerraum umgelenkt.

Polarwirbel vor moeglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kaeltephase

Analysekarte für Sonntag, den 01.02.2026 um 12 UTC. Gerade für den Nordosten des Landes bleibt das Hoch Daniel über Finnland wetterbestimmend.

Zur zweiten Februardekade zeichnet sich nun ein weiteres meteorologisch interessantes Phänomen ab, das erheblichen Einfluss auf die Wetterentwicklung in Europa haben könnte: ein möglicher Polarwirbelsplit. Betrachtet man den zonalen Wind in der Stratosphäre auf dem 10-hPa-Niveau (rund 30 Kilometer Höhe), zeigen die Prognosen ab etwa dem 10. Februar eine deutliche Abschwächung. Einige Modelllösungen deuten im weiteren Verlauf sogar eine Umkehr der Windrichtung an. In diesem Fall würde sich der stratosphärische Polarwirbel aufspalten. Die Auswirkungen eines solchen Ereignisses machen sich in der unteren Troposphäre in der Regel erst mit einer Verzögerung von etwa ein bis zwei Wochen bemerkbar. Durch die damit verbundene Umstrukturierung der großräumigen Druckverteilung kann es in den mittleren Breiten zu Kaltluftvorstößen aus polaren Regionen kommen. In den Medien wird ein Polarwirbelsplit daher häufig mit extremen Kältewellen in Europa und Deutschland gleichgesetzt. In der Praxis ist der Zusammenhang jedoch deutlich komplexer.

Polarwirbel vor moeglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kaeltephase 2

Ensemblevorhersage des zonalen Windes in 30 Kilometer Höhe. Es verdichten sich die Anzeichen eines Polarwirbelsplits ab der zweiten Februardekade.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass nicht jeder Polarwirbelsplit zwangsläufig eine markante Kältewelle in Mitteleuropa nach sich zieht. Entscheidend sind unter anderem die Lage, die Intensität und die Dauer der Aufspaltung. Zudem spielt die vorherrschende Wetterlage zum Zeitpunkt des Ereignisses eine wichtige Rolle für die spätere Entwicklung. Studien zeigen, dass eine bereits blockierende Zirkulation über Europa zum Zeitpunkt eines Polarwirbelsplits die Wahrscheinlichkeit für nachfolgende Kälteereignisse erhöht. Häufig etabliert sich in den Wochen danach ein blockierendes Hochdruckgebiet über Grönland, wodurch arktische Luftmassen nach Mitteleuropa vordringen können. Herrscht hingegen bereits zum Zeitpunkt des Polarwirbelsplits ein ausgeprägtes Hochdruckgebiet über Grönland, bildet sich in den Folgewochen statistisch häufiger ein Trog über dem Ostatlantik aus. Auf dessen Vorderseite gelangt milde Luft nach Mitteleuropa, sodass winterliche Bedingungen im Flachland oder gar eine Kältewelle eher ausbleiben. Befindet sich Mitteleuropa zum Zeitpunkt des Ereignisses im Einflussbereich einer zyklonalen Westwetterlage, lässt sich kein statistisch signifikantes Signal ableiten. In diesen Fällen zeigen sich lediglich schwache Hinweise auf die spätere Ausbildung eines blockierenden Grönlandhochs.

Polarwirbel vor moeglicher Aufspaltung – droht Mitteleuropa eine Kaeltephase 3

Einfluss eines Polarwirbelsplitts auf das Wettergeschehen in Europa für verschiedene Wetterlagen während des Eintretens. Europa-Blocking führt am häufigsten zu Grönland-Blocking und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für Kältewellen.

Ein Blick auf die Mittelfristprognose zeigt, dass einige Wettermodelle zum Einsetzen des Polarwirbelsplits ein Hochdruckgebiet bei Grönland andeuten. Gleichzeitig wird aber auch ein blockierendes Hochdruckgebiet über Westrussland simuliert und eher leichte Tiefdruckaktivität über Mitteleuropa. Ein weiterer Faktor ist zudem, dass über dem eurasischen Kontinent im Vergleich zu den letzten Wintern eine ausgeprägte und weit nach Europa reichende Schneedecke liegt. Dies begünstigt eine Stabilisierung des sibirischen Kältehochs, welches als eine Barriere für vom Atlantik vordringenden Tiefdrucksystemen fungieren kann.
Insgesamt ergibt sich somit kein eindeutiges Szenario. Eine Kältewelle in Mitteleuropa ab Ende Februar liegt etwas über der statistischen Eintrittswahrscheinlichkeit zu dieser Jahreszeit, ist aber auf keinen Fall sicher. Eines ist aber sicher, an Spannung mangelt es beim Wetter in den nächsten Wochen keineswegs!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst