Satelliten und Sahara-Staub in Suriname

Wenn man auf der Website von EUMETSAT (European Organisation for the Exploitation of Meteorological Satellites; deutsch: Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten) die Welt von oben betrachtet, beziehungsweise den Teil der Welt den der geostationäre MTG-I1 Satellit „sehen“ kann, zeigt sich in den letzten Tagen ein interessantes Phänomen: Eine Wolke aus Sand und Staub aus der Sahara, wie sie von der Westküste Afrikas über den Atlantischen Ozean westwärts hinweg weht.

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MTG-I1 RGB Satellitenbilder für die vergangenen sieben Tage (13.02.-20.02.2026). Gezeigt ist ein Bild pro Tag, jeweils um 12:50 UTC. (Quelle: EUMETSAT)

Abbildung 1 zeigt eine Bildfolge der letzten 7 Tage jeweils um 12:50 UTC, basierend auf Messungen des MTG-I1 (Meteosat Third Generation Imager 1) aus dem MTG-Satellitenverbund, welcher von EUMETSAT in Zusammenarbeit mit der ESA (European Space Agency) entwickelt wurde. MTG-I1 ist der erste Satellit dieser neuesten Generation europäischer Wettersatelliten, und operiert in geostationärer Umlaufbahn. Das heißt, er bleibt über einem festen Punkt über dem Äquator und beobachtet dauerhaft dieselbe Region, in diesem Fall Europa, Afrika und die angrenzenden Ozeane.

MTG-I1 liefert unter anderem RGB-Bilder wie sie in Abbildung 1 zu sehen sind (wir empfehlen der interessierten Leserschaft unbedingt das Experimentieren mit den verschiedensten zur Verfügung gestellten Produkten im anfangs verlinkten EUMETSAT Portal). Die RGB-True-Color Bilder werden aus Messungen der Sonnenstrahlung im sichtbaren Spektrum erstellt. Dazu werden drei Mess-Kanäle genutzt, die den Grundfarben entsprechen:
Rot-Kanal (R): misst Licht in etwa 0,64–0,70 µm
Grün-Kanal (G): misst Licht in etwa 0,51–0,58 µm
Blau-Kanal (B): misst Licht in etwa 0,45–0,50 µm
Die Sensoren des Satelliten erfassen dabei die von der Erdoberfläche, Wolken und mitunter auch dem Saharastaub reflektierte Sonnenstrahlung in diesen Wellenlängenbereichen. Anschließend werden die Signale der drei Kanäle kombiniert um ein Bild zu erzeugen das die Erde so zeigt, wie das menschliche Auge sie wahrnehmen würde.

Wäre MTG-I1 noch nicht in Betrieb würde sich jetzt umso mehr ein Blick auf die Messungen der Satelliten Sentinel 3A und B lohnen, da diese durch ihre marginal nähere Umlaufbahn um die Erde (ca. 800 km für Sentinel im Vergleich zu 36000 km für MTG-I1) mit etwa 300 m eine deutlich höhere Auflösung haben als die geostationären MSG (Second Generation) Satelliten.

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MTG-I1 Satellitenbild am gestrigen Donnerstag (19.02.2026). Überlagert sind die Messungen aus den Überflügen der Sentinel 3A und B Satelliten. (Quelle: EUMETSAT)

Abbildung 2 zeigt, dass dieser Unterschied bei MTG-I1 gar nicht mehr so hervorsticht, beziehungsweise dass MTG-I1 umso beeindruckender ist. Hier sei erwähnt, dass die horizontale Auflösung auch von der gemessenen Wellenlänge abhängt und im sichtbaren Spektrum bei vergleichsweise kurzen Wellenlängen noch schärfere Bilder erzeugt im Vergleich zu der farblichen Übersetzung der Infrarot-Messungen.

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MTG-I1 RGB Satellitenbilder für gestern Nachmittag, in der höchsten zeitlichen Auflösung von 10 Minuten. (Quelle: EUMETSAT)

Da wir nicht genug bekommen können von Satellitenbildern, untermauern wir die eindrucksvollen Fähigkeiten von MTG-I1 noch einmal mit einer weiteren Sequenz von RGB-Bildern, über einen Zeitraum von 4 Stunden am gestrigen Donnerstag Nachmittag, in voller 10-Minuten Auflösung, und in einem kleineren Ausschnitt über dem Atlantik und Westafrika. Hier zeigt sich schön die komplexe vertikale Struktur der Troposphäre – wie stark und in welche Richtung weht der Wind in verschiedenen Höhen? Im Detail sieht man noch einmal eindrücklich wie weit der Saharastaub nach Westen transportiert wird.

Sandstürme, die in der Sahara häufig vorkommen, entstehen, wenn große Mengen von Wüstenstaub von starken Winden aufgewirbelt werden. Anfang dieser Woche hatte sich südlich eines weiträumigen Hochdruckgebiets über Nordafrika ein recht starker bodennaher Ostwind gebildet. Je nach Trockenheit, Geschwindigkeit und Turbulenz der Luftmassen können die aufgewirbelten Partikel mehrere Tage oder sogar Wochen in der Luft schweben. Winde in der oberen Troposphäre transportieren den Staub dann über Ozeane und Kontinente. Eine solche Staubwolke aus der Sahara wird auch als Saharan Air Layer bezeichnet. Diese spielt mitunter eine wichtige Rolle als Quelle für Minerale und Nährstoffe, zum Beispiel für das Phytoplankton in den Ozeanen, aber auch für weit entfernte Ökosysteme wie den Amazonas-Regenwald. Ob es der Sahara-Sand als im Satellitenbild sichtbares Signal bis nach Suriname schafft bleibt abzuwarten und zu beobachten!

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Winter versus Vorfrühling

Am gestrigen Mittwoch gingen die närrischen Tage zu Ende und die vierzigtägige Fastenzeit begann. Fasching, Fas(t)nacht oder Karneval blickt regional auf eine lange Tradition zurück. Verschiedene Bräuche dienten unter anderem der „Vertreibung“ des Winters. Zum einen wurden hierfür Masken getragen. Zum anderen erzeugte die Verwendung von Schellen, Karbatschen oder Rätschen Lärm, was den Winter verschrecken sollte. Diese lärmerzeugenden Gegenstände sind bekannte Beispiele für Narrenattribute der schwäbisch-alemannischen Fasnet.

Eine weitere Tradition, den Winter zu vertreiben, ist beispielsweise das „Funkenfeuer“. Dies ist ebenfalls vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum bekannt. Traditionell wird am Sonntagabend nach Aschermittwoch („Funkensonntag“) ein großer Reisighaufen entzündet, auf dem eine Puppe aus Stroh befestigt ist, die den Winter symbolisieren soll. In hügeligen oder bergigen Gegenden gibt es auch die Methode, ein brennendes Rad („Feuerrad“) einen Hügel oder Berg hinunterrollen zu lassen. Wiederum gibt es Ortschaften, in denen die Dorfjugend von Haus zu Haus zieht. Dabei trägt ein Kind ein Strohkleid, was den Winter symbolisieren soll. Ein anderes Kind symbolisiert wiederum den Sommer, indem es ein Kleid aus immergrünen Gewächsen trägt.

Alle Bräuche und Traditionen haben letztendlich gemein, dass der Winter symbolisch vertrieben werden soll. Insbesondere in früherer Zeit hoffte man auf ein gutes Frühjahr und einen schönen, langen Sommer mit einer ertragreichen Ernte.

Zurück in die Gegenwart und hin zu der Frage, wie es beim Wetter in den kommenden Tagen bis zum „Funkensonntag“ aussieht?

Tiefdruckeinfluss sorgt weiterhin für wechselhaftes Wetter mit reichlich Niederschlag. So konkurrieren am heutigen Donnerstag ein Tief mit Kern über Nordfrankreich und eines mit Kern über Norditalien um die Vorherrschaft über das Wettergeschehen in der Südwesthälfte Deutschlands. Im Tagesverlauf verliert das nordfranzösische zu Gunsten des norditalienischen Tiefs.

Winter versus Vorfruehling 1

Prognosekarte Bodendruck und Lage der Fronten mit Namen der steuernden Hoch- und Tiefdruckgebiete für den heutigen Donnerstag, den 19.02.2026 12 UTC

Mittag gebietsweise noch auftretenden Niederschläge werden sukzessive weniger. Am Nachmittag und Abend setzen dann in weiten Teilen Bayerns teils kräftige Schneefälle ein, die an den Alpen und im Alpenvorland bis Freitagmorgen anhalten. Dabei kommt einiges an Neuschnee zusammen: An den Alpen sind 20 bis 30 Zentimeter zu erwarten, in den Staulagen liegen die Neuschneemengen um 40 Zentimeter. Ansonsten akkumulieren sich die Neuschneemengen auf 5 bis 15 Zentimeter.

Im Norden und Osten Deutschlands bemerkt man von alldem nichts. Bei wechselnder Bewölkung kann die Sonne gebietsweise durchaus länger zum Vorschein kommen. Die Höchsttemperatur liegt allerdings nur im niedrigen einstelligen Bereich, gebietsweise tritt auch Dauerfrost auf. Allgemein gilt, dass der Ostwind vorübergehend auffrischt und jegliches Wettergeschehen bzw. selbst das ruhige Wetter in der Nordosthälfte ungemütlich erscheinen lässt.

Winter versus Vorfruehling 2

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am heutigen Donnerstag, den 19.02.2026

In der Nacht zum Freitag wird es dann in weiten Teilen Deutschlands erneut frostig, nur im Westen und Südwesten bleibt es örtlich frostfrei. Ansonsten liegt die Tiefsttemperatur bei Werten zwischen -2 und -10 Grad, im Nordosten ist abermals strenger Frost um -12 Grad zu erwarten.

Am morgigen Freitag lassen die Schneefälle an den Alpen allmählich nach. Auch im Westen und Südwesten Deutschlands ist der Himmel wolkenverhangen. Zudem ziehen von Westen leichte Regenfälle auf, die im Tagesverlauf auch Teile der Mitte erfassen. In den restlichen Landesteilen ist es bei schwachwindigen Verhältnissen heiter, teils auch länger sonnig und trocken. Allerdings liegt die Höchsttemperatur abermals im niedrigen einstelligen Bereich oder verharrt im leichten Dauerfrostbereich.

Winter versus Vorfruehling 3

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am morgigen Freitag, den 20.02.2026

In der Nacht zum Samstag kommen die Niederschläge weiter ostwärts voran und gehen in den frostigen Regionen in gefrierenden Regen über. Zunächst kann gebietsweise die Schneephase auftreten und auch die aufgrund eines kräftigen Südwestwinds schnell nach Nordosten vorankommende milde Luft sollte die Glatteislage etwas abmildern. Dennoch sollte man Vorsicht walten lassen und seine Fahrweise den örtlichen Bedingungen entsprechend anpassen.

Am Wochenende sind frostige Nächte kein Thema mehr und auch die Höchsttemperaturen haben etwas Vorfrühlingshaftes an sich. Am Samstag liegen diese bei meist 5 bis 10 Grad, im Westen und Südwesten auch bis 13 Grad. Am Sonntag werden verbreitet Werte über der 10-Grad-Marke erreicht, am Oberrhein sind bis zu 16 Grad möglich, nur im Nordosten verbleiben sie noch bei 7 bis 9 Grad. Die Sonne sucht man aber meist vergeblich am Himmel und es regnet verbreitet, zeitweise mitunter kräftig. Dazu weht ein strammer Südwest- bis Westwind und verleiht dem Ganzen einen alles andere als vorfrühlingshaften Charakter.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

La malkovro de la ĵetfluo, oder die Entdeckung des Jetstreams

In den letzten Tagen wurden vom Deutschen Wetterdienst wieder vermehrt Windwarnungen herausgegeben, so zum Beispiel am gestrigen Dienstag für fast gesamt Baden-Württemberg, vor Windböen mit Windgeschwindigkeiten um 55 km/h (15 m/s, 30 kn, Bft 7). Zeitgleich wurde im Hochschwarzwald oberhalb von 1000 Metern vor Sturmböen zwischen 70 km/h (20 m/s, 38 kn, Bft 8) und 85 km/h (24 m/s, 47 kn, Bft 9), in exponierten Lagen wurde sogar vor schweren Sturmböen um 100 km/h (28 m/s, 55 kn, Bft 10) gewarnt. Der Wind nimmt hier also mit der Höhe zu, was in der atmosphärischen Grenzschicht (den ersten mehreren hundert Metern über dem Boden) in erster Linie an der Reibung liegt, sprich der Oberflächenrauigkeit liegt. Für die gestrige „gelbe“ Windwarnung bis in die Niederungen wurde zusätzlich gewarnt vor höheren Windgeschwindigkeiten um 70 km/h in Schauernähe, auch das ist mitunter ein Symptom der Windzunahme mit der Höhe, da in den Schauern durch Abwinde Impuls aus größeren Höhen nach unten gemischt werden kann.

Abbildung 1 zeigt eine Modellvorhersage für die Windgeschwindigkeit über Deutschland für gestern um 18:00 UTC, zur Zeit der laufenden Windwarnungen, auf vier Druckhöhen. Auf 925 und 850 hPa ist die Zirkulation der sich von der Nordsee bis nach Nordpolen reichenden Tiefdruckrinne erkennbar, außerdem die Windzunahme mit der Höhe rückseitig der Zirkulation, auf 850 hPa (in 1,5 km Höhe, zum Vergleich, der Feldberg ist 1,27 km hoch) beträgt der Mittelwind laut Modell bereits um 40 Knoten. Weitere 4 km höher, bei 500 hPa, weist der Mittelwind bereits Geschwindigkeiten um 60 Knoten auf, die hochreichende Zirkulation über Nordpolen ist ebenfalls noch sichtbar. Auf 300 hPa (etwa 10 km) ergibt sich ein anderes Bild, die farblich unterlegte Abschätzung für die Windböen zeigt ein klar definiertes Band maximaler Geschwindigkeiten. Der Mittelwind darin beträgt um die 100 Knoten, was 185 km/h entspricht.

La malkovro de la jetfluo oder die Entdeckung des Jetstreams 1

Horizontale Wind-Verteilung am gestrigen Dienstag um 18:00 Uhr UTC über Deutschland, auf den Druckhöhen 925, 850, 500, und 300 hPa. Windböen sind farblich unterlegt, die Windfiedern zeigen den Mittelwind. Die Grafiken basieren auf Modellvorhersagen des deutschen ICON6 Modells.

Wenngleich die Winde auf 300 hPa in Abbildung 1 deutlich hervorstechen, sind 185 km/h noch am unteren Ende der Windgeschwindigkeiten, die insbesondere im Winter im Jetstream möglich sind. Ganz grundlegend bilden sich diese Strahlströme (der Begriff wurde 1939 von dem deutschen Meteorologen Heinrich Seilkopf geprägt) als globale/hemisphärische Ausgleichsbewegungen aufgrund der zu den Polen hin abnehmenden solaren Einstrahlung. Der Jetstream entsteht dann mitunter im Bereich der Polarfront, einer Region maximaler Temperaturunterschiede auf engstem Raum… (auf eine weitere Unterscheidung zwischen Polarfront-Jet und Subtropen-Jet wird hier bewusst verzichtet, der Fokus liegt schließlich auf dem historischen Kontext). Es stellt sich in sehr guter Näherung ein Gleichgewicht zwischen der aus dem Temperaturgradienten resultierenden Druckgradientkraft und der Erdrotations-bedingten Corioliskraft ein – der sogenannte geostrophische Wind.

Über Deutschland war der Jetstream gestern von Nordwest nach Südost ausgerichtet. Im Vergleich zu diesem mäandrierenden Jetstream zeigt Abbildung 2 quasi dessen zonal von West nach Ost gerichteten Grundzustand, hier auf 200 hPa und aus dem europäischen IFS Modell, ebenfalls gestern um 18:00 UTC, über Japan.

La malkovro de la jetfluo oder die Entdeckung des Jetstreams 2

Windgeschwindigkeit auf 200 hPa (etwa 12 km) am gestrigen Dienstag um 18:00 Uhr UTC über Ostasien und dem Nordwestpazifik. Die Konturlinien zeigen zusätzlich das Druckfeld auf Meeresniveau. Die Grafik basiert auf einer Vorhersage des europäischen IFS Modells

Warum über Japan? Um den Bogen zur ersten nachgewiesenen wissenschaftlichen Beschreibung des Jetstreams zu schließen. Diese geht auf Wasaburo Oishi zurück geht, seines Zeichens Meteorologe, sowie von 1930 bis 1945 zweiter Vorsitzender des japanischen Esperanto Instituts. Oishi gründete 1920 das Tateno Observatorium in der Stadt Tsukuba, etwa 60 km nordöstlich von Tokio, und beschäftigte sich mit der vertikalen Struktur der Atmosphäre. Die Messmethode seiner Wahl waren dabei sogenannte Pilotballons, unbemannte mit Gas gefüllte Ballons, welche bei ihrem Aufstieg rein optisch vom Erdboden mit einem Theodolit (effektiv ein Fernrohr an einem Winkelmessinstrument) verfolgt werden, um dann aus trigonometrischer Umrechnung Rückschlüsse auf die Zugbahn und Windgeschwindigkeiten zu ziehen. Oishi wertete fast 1300 Pilotballon-Aufstiege aus einem Messzeitraum von 1923 und 1925 aus, und obgleich die Messmethode erheblichen Messfehlern unterliegt, beobachtete er in Höhen um 10 km im Winter Winde mit einer Geschwindigkeit von etwa 70 m/s (252 km/h), von West nach Ost – den Jetstream.

Wasaburo Oishi kommunizierte diese Forschungsergebnisse durch wissenschaftliche Veröffentlichungen auf Esperanto – jener Plansprache, welche 1887 von dem polnischen Linguisten Ludwik Lejzer Zamenhof als internationale Hilfssprache entwickelt wurde – wohl auch in der Hoffnung damit ein größeres internationales Publikum zu erreichen. Ob diese Wahl aufgrund der sehr geringen Verbreitung von Esperanto in der Wissenschaft eher den gegenteiligen Effekt hatte, ist nicht sicher. Sicher ist allerdings, dass Oishis Forschungsergebnisse international weitestgehend ignoriert wurden. Die Existenz des Jetstream wurde erst – über einige Zwischenschritte – viele Jahre später generell anerkannt, mitunter als mit dem Aufstieg der Luftfahrt (pun intended) sowohl anekdotisches Pilotenwissen als auch die damit einhergehende Motivation zur weiteren Erforschung beitrugen.

Abschließend sei erwähnt, dass Wasaburo Oishi im Frühjahr 1911 bei einem Auslandsbesuch Expertise am damals bereits anerkannten Meteorologischen Richard-Aßmann-Observatorium Lindenberg sammelte, an dem bis heute die Vertikalstruktur der Atmosphäre in der sogenannten „Lindenberger Säule“ mit einer Vielzahl von in-situ und Fernerkundungsverfahren vermessen wird.

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Radiosondenaufstieg heute 12:00 Uhr UTC über Lindenberg. Die gestrichelte schwarze Linie zeigt den Taupunkt, die angrenzende durchgezogene Linie die Temperatur, die Windfiedern die Windgeschwindigkeit und -richtung, und das Profil rechts noch einmal die Windgeschwindigkeit als Diagramm. Das Windmaximum in der oberen Troposphäre ist in blau markiert, die Tropopause in rot.

Diplom Meteorologe Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Es bleibt turbulent beim Wetter

Deutschland befindet sich weiter unter einer Luftmassengrenze, im Nordosten die inzwischen gewohnt dauerfrostig-kalte Luft, südwestlich einer Grenzlinie Bremen-Lausitz (in erster Näherung) herrschen positive Temperaturen. Die verbreitet auftretenden Schauer, welche seit gestern unser Wetter bestimmen, bringen demensprechend im Nordosten und generell oberhalb von etwa 300-700 m Schneefall, im Rest des Landes Regen, und wohl auch vereinzelt gefrierenden Regen. Mehr als vereinzelt dürfte dieses unliebsame Phänomen in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auftreten, insbesondere in der zweiten Nachthälfte und im Süden Deutschlands.

Auch in besagter Nacht haben wir es mit einer Luftmassengrenze zu tun, während in der Nacht noch in größten Teilen Deutschlands Temperaturen unter 0 Grad vorherrschen (im Nordosten bis -10 Grad!), schiebt sich von Süden – in Verbindung mit einem Tiefdruckgebiet westlich von Deutschland – deutlich mildere Luft nach Norden.

Es bleibt turbulent beim Wetter 1

Wetterlage über Europa am Donnerstag, den 19.02.2026 um 12 UTC. Eine Luftmassengrenze erstreckt sich über Deutschland. Diese trennt kalte Polarluft im Norden und Nordosten von milder Atlantikluft im Südwesten.

Diese feucht-warme Luft macht sich zunächst nicht direkt am Boden bemerkbar, sondern vor allem in einer Höhe um das Luftdruckniveau von etwa 900 hPa (ungefähr 900 m). Das Aufgleiten der Warmluft führt verbreitet zu Niederschlägen, die an der Vorderseite der Front – der Front der Front – als Schnee fallen, rückseitig mit der Milderung in Regen übergehen, und aber im Übergangsbereich teils verbreitet als gefrierender Regen fallen. Verantwortlich dafür ist hier die oft zitierte „warme Nase“, also positive Temperaturen, in der Vertikalen begrenzt, bei besagten 900 hPa (Abbildung 2). Darüber, bei recht hoch reichender Bewölkung bis zu sehr tiefen Temperaturen haben sich Schneeflocken gebildet, welche durch die Schicht mit positiven Temperaturen fallen und dort schmelzen, im weiteren Verlauf dann aber wieder in die kalte bodennahe Luftschicht fallen, und dort am Boden gefrieren. Wo genau, in welcher Ausprägung, wie verbreitet, und wie lange eine solche warme Nase in der Nacht auf Donnerstag auftritt, gilt es hier beim DWD am morgigen Mittwoch genauer herauszuarbeiten. Es wird nach jetziger Prognose vor allem den Süden betreffen, insbesondere Bayern – das Modellvorhersage-Temperaturprofil in Bild 2 ist demensprechend aus einer Region an der unteren Donau.

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Die simulierten Radiosondenaufstiege für die untere Donau (gefrierender Regen) mit einer ausgeprägten warmen Nase und für das Rothaargebirge (Schnee)

Bis in die Morgenstunden kommen die Niederschläge bis zu einer Linie etwa vom Ruhrgebiet bis zum westlichen Erzgebirge nach Norden voran, in Bayern und Baden-Württemberg lässt der Regen bereits nach, nördlich davon in besagtem verbleibenden Niederschlagsstreifen gibt es dafür teils kräftigen Schneefall, der, da die Front nicht weiter nach Norden vorankommt – ihrem steuernden Druckgebilde geht die Luft aus (beziehungsweise ein) – nicht nur stärker sondern auch etwas länger in denselben Regionen fällt. Dementsprechend ist Donnerstag früh, ob zu Fuß, mit dem Rad, mit der Bahn oder mit dem Auto unterwegs, mit Glättegefahr und Einschränkungen im (Berufs-)Verkehr zu rechnen. In Abbildung 3 sind Gesamtschneehöhen aus drei vergangenen Modellläufen des ICON6 Modells aus der deutschen Modellkette gezeigt, für Donnerstag früh. Die Mittelgebirge sind schön herausgearbeitet in den Schneehöhen, aber auch verbreitet in den Niederungen können mehrere Zentimeter Schnee fallen, nach jetziger Modellprognose auch weit bis ins Ruhrgebiet hinein – eine Lösung die sich so weit nördlich gestern noch nicht abgezeichnet hatte.

Es bleibt turbulent beim Wetter 3

Prognostizierten Schneehöhen für Donnerstagmorgen, basierend auf den letzten Modellläufen. Im Bereich der westlichen Mittelgebirge von der Eifel über dem Hunsrück bis zum Taunus werden die höchsten Neuschneemengen simuliert.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
und Diplom Meteorologe Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Einzigartige Schneekristalle

Am gestrigen Sonntagabend (15. Februar 2026) und in der vergangenen Nacht zum Montag griff der Ausläufer eines Nordseetiefs auf Deutschland über. Dabei fielen teils kräftige Schneefälle bis in tiefste Lagen. Die Milderung ließ aber nicht lange auf sich warten. Bereits im Laufe der zweiten Nachthälfte stieg die Schneefallgrenze im Südwesten schon deutlich an. Entsprechend gingen die Schneefälle auf der milderen Seite rasch in Regen über.

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Animierte Niederschlagsart von Sonntagabend, 15. Februar 2026 bis Montagvormittag, 16. Februar 2026. Schnee in pink, Schneeregen in gelb und Regen in grün. ( Quelle: DWD)

Am heutigen Montag (16. Februar 2026) kommen die Schneefälle dann weiter nordostwärts voran, schwächen sich aber auf ihrem Weg etwas ab. In der Südwesthälfte treten hingegen Regenschauer auf, nur im Bergland ab 600 bis 800 m fällt noch Schnee.

Schaut man sich die Nutzermeldungen in der DWD-WarnWetter-App an, so zeigen sich vielerorts verschneite Landschaften. In einigen Staulagen der westlichen Mittelgebirge kamen vereinzelt sogar bis zu 16 cm Neuschnee zusammen, wie an der Station Lichtenau in Westfalen. In einzelnen Alpenstaulagen fiel sogar noch etwas mehr.

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Collage mit ausgewählten Nutzerbildern, die uns über die WarnWetter-App am 15. und 16. Februar 2026 erreicht haben. (Quelle: DWD)

Nun nimmt man den Schnee meist als eine Art Decke war, die sich über die Landschaft legt. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich die faszinierenden Strukturen einzelner Schneeflocken. Schon im 17. Jahrhundert beschrieben Johannes Kepler und René Descartes verschiedene Formen von Schneekristallen. In den folgenden Jahrhunderten entstanden zahlreiche Zeichnungen und Fotografien dieser Eiskristalle.

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Schneekristallaufnahmen von Wilson Bentley aus dem Jahr 1902. (Quelle: Wikimedia Commons)

Besonders bekannt ist das Buch „Snow Crystals“ von Bentley und Humphreys aus dem Jahr 1931 mit über 2400 Fotografien natürlicher Schneekristalle. Der Fotograf Wilson Bentley, ein Landwirt ohne wissenschaftliche Ausbildung, inspirierte damit unter anderem den Physiker Ukichiro Nakaya von der Hokkaido University. Nakaya fotografierte tausende Schneekristalle, ordnete sie in rund 40 Kategorien und erzeugte als einer der Ersten künstliche Kristalle im Labor.

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Schneekristallmorphologie im Nakaya-Diagramm. Auf der horizontalen Achse aufgetragen ist die Temperatur in Grad Celsius, auf der vertikalen Achse ist die Wasserdampf-Übersättigung in Gramm pro Kubikmeter dargestellt. Die schwarze gebogene Linie stellt die Wasserdampfsättigungskurve dar. (Quelle: „The physics of snow crystals“ von Kenneth Libbrecht, 2005)

Nakaya erkannte zudem den Zusammenhang zwischen Kristallform und atmosphärischen Bedingungen. Anhand des Aussehens von Schneeflocken lassen sich Rückschlüsse auf Temperatur und Feuchte in höheren Luftschichten ziehen, weshalb er sie als „vom Himmel gesandte Briefe“ bezeichnete. Entscheidend für die Kristallbildung sind Temperatur und Wasserdampfgehalt: Je nach Temperatur entstehen Plättchen oder prismatische Formen, mit zunehmender Feuchtigkeit werden die Strukturen komplexer und filigraner.

Da Schneekristalle auf ihrem Weg zur Erde wechselnde Bedingungen durchlaufen, entstehen zahlreiche Übergangsformen. Schon kleine Änderungen lassen sie anders weiterwachsen — mal breiter, mal feiner verzweigt. So erhält jede Schneeflocke ihre einzigartige Gestalt.

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Mikrofotografien natürlicher Schneekristalle von Yoshinori Furukawa auf der Insel Hokkaido, Japan. ( Quelle: „Faszination der Schneekristalle“ von Yoshinori Furukawa in Chemie unserer Zeit, 1997)

In den kommenden Tagen wird man auch weiterhin Schneeflocken bestaunen können. Insbesondere in mittleren und höheren Lagen sowie im Nordosten werden weitere Schneefälle vorhergesagt. Ab Mittwoch sind auch mit etwas Glück im Südwesten und Westen vorübergehend Schneefälle möglich. Vielleicht schauen Sie dann einmal genauer hin und lesen die verschiedenen Geschichten der Briefe des Himmels.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Turbulentes Winterwetter über Fasching

Zwischenhoch FELIX beschert uns am heutigen Faschingssonntag überwiegend ruhiges und trockenes Winterwetter. Letzte Schneefälle an den Alpen klingen ab. Das Frontensystem von Tief WALLY über Nordwesteuropa erreicht erst am späten Abend den Südwesten Deutschlands. Dadurch bleibt es bei den großen Umzügen heute trocken. Von den zentralen Mittelgebirgen bis zur Ostsee gibt es dazu auch längere sonnige Abschnitte. Warme Kleidung ist aber auf jeden Fall empfehlenswert. In der Nordosthälfte bleibt es nämlich größtenteils bei Dauerfrost und auch nach Südwesten hin liegen die Höchstwerte bei maximal 5 Grad. Dazu weht ein lebhafter Südostwind.

Turbulentes Winterwetter ueber Fasching

Vorhersagekarte für Sonntag, den 15.02.2026 um 12 UTC. Deutschland liegt unter Zwischenhocheinfluss. Die teilokkludierte Front von TIEF WALLY verlagert sich von Frankreich in den äußersten Südwesten des Landes.

Am Abend erreichen die Niederschläge der Okklusionsfront von Tief WALLY den Südwesten Deutschlands. Dabei fällt bis Mitternacht größtenteils bis in die Niederungen Schnee, lediglich am Oberrhein mischt sich von Beginn an auch Regen unter den Schnee. Im Verlauf der Nacht steigt die Schneefallgrenze im Südwesten vorübergehend deutlich an, sodass dort bis in höhere Lagen vorübergehend Regen fällt. Besonders in den westlichen Mittelgebirgen schneit es dagegen längere Zeit. Dort werden größere Neuschneemengen erwartet. Vom Hunsrück über den Taunus bis zum Rothaargebirge kommen in höheren Lagen bis Montagmorgen durchaus 10 bis 15 Zentimeter zusammen, in Staulagen örtlich bis 20 cm. Aber auch sonst ist im Südwesten bis in die Niederungen etwas Neuschnee zu erwarten, der zum Berufsverkehr am Montagmorgen teils zu erheblichen Behinderungen führen kann.

Turbulentes Winterwetter ueber Fasching 2

Prognostizierte Schneehöhen bis Montagfrüh um 06 UTC. Vor allem im Bereich der zentral-westlichen Mittelgebirge werden hohe Neuschneesummen berechnet. Teils sind um 15 cm möglich.

Tagsüber setzt sich in den Niederungen der Südwesthälfte Tauwetter durch. Dabei treten weitere, teils kräftige Schauer auf. Im Südwesten und Westen sind zu den großen Karnevalsumzügen auch einzelne Graupelgewitter möglich. Dazu weht ein lebhafter Südwestwind. Im Süden gibt es bis in die Niederungen, besonders in Schauernähe, starke Böen, im höheren Bergland auch Sturmböen. Nach Nordosten hin bleibt es dagegen ruhiger und insgesamt häufig beim Dauerfrost. Die Niederschläge schwächen sich auf dem Weg dorthin deutlich ab. Für wenige Zentimeter Neuschnee reicht es bis zum Abend aber von Brandenburg bis nach Mecklenburg trotzdem noch. Lediglich ganz im Osten kommt kaum etwas an.
Auch am Faschingsdienstag bleibt uns das turbulente Schauerwetter erhalten. Lediglich im Nordosten fällt kaum Niederschlag. Dort bleibt es gebietsweise weiterhin beim Dauerfrost. Nach Südwesten und Süden hin fällt vor allem am Morgen und Vormittag in Verbindung mit einem kleinen, aber markanten Randtrog gebietsweise kräftiger Schnee. In den Niederungen bleibt es dagegen beim Regen. Im höheren Bergland stellen sich tiefwinterliche Bedingungen ein, denn im Tagesverlauf kommen weitere Schauer auf, die dort als Schnee fallen. Alle Wintersportfreunde werden sich freuen. In den höheren Lagen der Mittelgebirge und in den Alpen gibt es nämlich dadurch eine satte Neuschneeauflage. Häufig werden dort bis Mittwoch 15 bis 35 Zentimeter Neuschnee erwartet. In den Alpen auch teils noch deutlich mehr.

Turbulentes Winterwetter ueber Fasching 3

Wettervorhersage für Rosenmontag und Faschingsdienstag. Wechselhaftes Wetter steht uns bevor. Dabei treten immer wieder kräftige Schauer auf. Die im Südwesten in den Niederungen meist als Regen, im Nordosten und im höheren Bergland als Schnee fallen.

Am Aschermittwoch ist bekanntlich alles vorbei – auch das Wetter beruhigt sich in weiten Landesteilen wieder. Lediglich im Nordosten und an den Alpen gibt es noch einzelne Schneeschauer. Sonst setzt sich zunehmender Hochdruckeinfluss durch. Erst in der Nacht auf Donnerstag könnten im Süden in Verbindung mit einem Tiefdruckgebiet über Norditalien neue kräftige Schneefälle auftreten. Diesbezüglich bestehen aber noch größere Unsicherheiten.
Insgesamt bleibt uns also eine närrische Zeit mit allem, was der Winter zu bieten hat – von Dauerfrost über nasskaltes Schmuddelwetter bis hin zu kräftigen Schneefällen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.02.2026
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Ein besonderer Winter

Noch im Dezember sah nichts nach einem besonderen Winter aus. Der Winter begann, wie man es gewohnt war, mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturwerten. So lag das Flächenmittel über Deutschland bei 3.1 °C und damit 2.4 K über der Referenzperiode 1961 bis 1990 und immer noch 1.3 K über der Referenzperiode 1991 bis 2020. Aber schon zum Ende des Jahres 2025 erschienen in den Prognosen immer stärkere Signale nach einer deutlichen Umstellung der Großwetterlage hin zu winterlich kaltem Wetter. Geahnt hat aber sicher noch niemand, dass sich die Großwetterlage als sehr beständig zeigen würde und bis zum heutigen Tag, abgesehen von kleineren Schwankungen, Bestand hat.

Festgefahrene Großwetterlage

In der Grafik mit der Druckanomalie erkennt man die Abweichung des Bodenluftdrucks vom 01.01. bis 11.02.2026 über Europa. Während der Luftdruck von Island über das Nordmeer bis nach Skandinavien in diesem Zeitraum überdurchschnittlich hoch gewesen ist (bis 15 hPa über dem Mittel), war die Druckanomalie von Westeuropa bis ins östliche Mittelmeer deutlich negativ. Über der Biskaya lag der mittlere Druck deutlich über 15 hPa unter dem vieljährigen Mittelwert. Solche großen Druckanomalien über so einen langen Zeitraum sprechen für eine sehr beständige Großwetterlage – und das hat Folgen.

Ein besonderer Winter

Das Bild zeigt eine Anomaliekarte der Druckverteilung über Europa vom 01.01.2026 bis 11.02.2026.

Blick auf Deutschland | Der Januar 2026

Widmen wir unseren ersten Blick auf Deutschland. Der Januar 2026 war im Flächenmittel über Deutschland der erste unterdurchschnittliche Monat seit August 2021 (also seit 53(!) Monaten) im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Aber selbst im Vergleich zur Referenzperiode 1991 bis 2020 gab zuletzt nur noch selten unterdurchschnittliche Monate (in den vergangen drei Jahren, waren es gerade einmal zwei).

Ein besonderer Winter 2

Die Grafik zeigt die Abweichung des Flächenmittel der Monatsmitteltemperatur über Deutschland im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 (links), beziehungsweise 1991 bis 2020 (rechts).

Blick auf Deutschland | Große regionale Unterschiede

Schaut man etwas genauer hin, dann ergeben sich aber regional große Unterschiede, die sich in der ersten Hälfte des Februars nochmal verstärkt haben. Um das zu verdeutlichen sieht man in der nachfolgenden Grafik die mittlere Temperatur vom 01.01. bis zum 12.02.2026 für ein paar ausgewählte Stationen, sowie die Differenz zum Mittelwert von 1961 bis 1990. Man erkennt ein klares Südwest-Nordostgefälle.
So liegen die negativen Abweichungen im Nordosten und Teilen des Ostens zum Teil bei über 3 K im Vergleich zu 1961 bis 1990. Trotz des milden Dezembers liegt der Mittelwert für den Gesamtwinter in Mecklenburg-Vorpommern bei +0.4 °C und in Brandenburg/Berlin bei +0.1 °C. Damit könnte es dort der kälteste Winter seit 2012/2013 werden und dieser im Bereich der Klimareferenzperiode 1961 bis 1990 abschließen.
Ganz anders das Bild im Südwesten und Westen des Landes. Von der Kälteperiode Anfangs des Jahres und temporären Schneeereignissen abgesehen, merkt man nicht viel von einem besonderen Winter. Im Gegenteil war die Periode 01.01-12.02.2026 vom Ober- bis zum Niederrhein sogar wärmer, als die Referenzperiode 1991 bis 2020.

Ein besonderer Winter 3

In der Grafik wurde für ausgewählte Stationen über Deutschland die durchschnittliche Tagesmitteltemperatur vom 01.01. bis 12.02.2026 berechnet und im Vergleich zur Klimareferenzperiode 1991 bis 2020 gesetzt.

Blick auf Deutschland | Frühblüher, Eis und Überflutungen

Man kann die Unterschiede auch anders zusammenfassen: Während im Südwesten bereits die Frühblüher zu sehen sind, türmt sich auf der Ostsee das Eis. Die Karten zur Eisdecke vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) zeigen vor allem über dem Bottnischen und Finnischen Meerbusen ausgedehnte und zunehmend dicke Eisflächen. Aber auch an der Ostsee zwischen Usedom und Rügen bis zum Darß hat sich mittlerweile eine geschlossene Eisfläche gebildet.
Auch im Boden steckt der Frost tief drin. So zeigen die Messwerte im Osten und Nordosten zum Teil bis zu einer Tiefe von einem halben Meter frostige Werte. Das hat zum Teil auch kuriose Folgen, wie eine Meldung von gestern zeigt. Trotz des bisher sehr trockenen Winterverlaufes gab es in Mölln östlich von Hamburg gestern Hochwasser (https://www.nordkurier.de/regional/neubrandenburg/als-der-schnee-schmilzt-werden-strassen-zu-sturzbaechen-keller-laufen-voll-4354056). Grund dafür war das vorübergehende Tauwetter. So konnte das Schmelzwasser aufgrund der gefrorenen Böden einfach nicht abfließen und führte zu lokalen Überflutungen.

Ein besonderer Winter 4

Zu sehen ist ein Krokus aus dem Rhein-Main Gebiet zugemeldet über die Warnwetter App, sowie ein Eisbild von der Ostsee (oben). Die unteren Grafiken zeigen den Stand der Eisbedeckung über der Ostsee mit Zoom auch auf Deutschland.

Folgen der Großwetterlage in Europa

Aber nicht nur in Deutschland hat die persistente Großwetterlage Folgen. Viele der Meldungen aus den Medien in verschiedenen Orten Europas hängen unmittelbar damit zusammen:

In den südlichen Teilen von Finnland war es der kälteste Jahresstart seit 39 Jahren (01.01.-12.02.) und auch in Lappland war der Januar 2026 so kalt wie seit 1987 nicht mehr. In Estland gibt es die längste Periode mit Eistagen (Maximum < 0 °C) am Stück seit 2009/2010 (derzeit 45, 2009/2010: 56).
Demgegenüber steht ein schneefreies Island. So wurde in der Hauptstadt Reykjavík im gesamten Januar kein Schnee gemessen. Dass der erste Monat des Jahres dort komplett schneefrei ist, gab es zuletzt 1929 und 1940 (https://icelandmonitor.mbl.is/news/news/2026/02/03/no_snow_in_reykjavik_in_january/). Die letzte Schneedecke wurde in Reykjavík am 16.Dezember 2025 registriert.
Auch die Extremniederschläge im Mittelmeer, sei es in Griechenland und der Türkei oder von der Iberischen Halbinsel bis nach Frankreich, Marokko und Algerien, sind eine direkte Folge der festgefahrenen Großwetterlage. Überall dort führen die Flüsse zum Teil extremes Hochwasser.

Ein besonderer Winter 5

Im oberen Teils sieht man die Periode mit aufeinanderfolgenden Eistagen (Tmax<0°C) an der estnischen Station Tartu. Darunter sieht man aktuell hochwasserführende Flüsse in Europa und Nordafrika.

Bei der Badewanne Ostsee wurde der Stöpsel gezogen

Besonders bemerkenswert ist außerdem das Niedrigwasser der Ostsee.. Durch die festgefahrene Wetterlage mit Winden vornehmlich aus östlicher Richtung, hat sich der Wasserstand der Ostsee massiv reduziert. Die Ostsee wurde quasi wie eine Badewanne in Richtung Nordsee entleert. Wie das BSH berichtet ist die Ostsee so „leer“ wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Vergleich man den Wasserstand mit Beginn des Jahres, so zeigt sich ein Wasserverlust von 390 Milliarden Kubikmeter Wasser (das entspricht in etwa 156 Millionen olympischen Schwimmbecken). Laut neuesten Auswertungen liegt der Wasserstand am Pegel Landsort-Norra so tief wie seit Beginn der Messungen im Jahr 1886. Dabei ergeben sich große Unterschiede. Die größten Wasserverluste gibt es in der nördlichen und östlichen Ostsee, während die Unterschiede an der deutschen Ostseeküste eher gering sind. Eindrücklich sind die Werte vor allem in Finnland. In Helsinki lag der Pegelstand zeitweise über 90 cm niedriger als normal. Eine Berechnung des Mittels aller finnischen Pegel ergab einen neuen historischen Tiefststand seit der Aufzeichnungen 1971 (-79 cm am 06.02.).
Dieses historische Ereignis wird möglicherweise auch für die Zukunft Folgen haben, wie das Leibniz Institut für Ostseeforschung in Warnemünde berichtet. So ist ein Eintrag an sauerstoffhaltigem Salzwasser aus der Nordsee zu erwarten, sobald die Winde wieder nachhaltig auf West drehen (https://phys.org/news/2026-02-sea-baltic-reshape-physical-conditions.html)

Ein besonderer Winter 6

Oben links sieht man den Wasserstand der Ostsee an verschiedenen Messpunkten im Vergleich zum Mittel. Oben rechts ist die Entwicklung des Ostseepegels an der Station Helsinki in den letzten Wochen zu erkennen. Unten findet man den mittleren Niedrigwasserstand von 14 Stationen in Finnland.

Dieser Winter zeigt eindrucksvoll, wie weitreichend die Folgen einer stabilen Großwetterlage sein können — und wie eng die Wetterphänomene in Europa miteinander verknüpft sind. Auch für die kommenden Tage und Wochen deuten sich weitere spannende Entwicklungen an. Der besondere Winter 2025/26 ist also noch längst nicht vorbei.

Diplom-Meteorologe Marcus Beyer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Was haben die Herren Rosenthal und Mie mit dem 13. Februar zu tun?

Am heutigen Freitag feiern, wie an jedem Tag des Jahres, viele Leute ihren Geburtstag. Naturgemäß befinden sich darunter einige namhafte Leute. Daneben jähren sich heute, auch wie an jedem Tag des Jahres, die Todestage vieler Leute, darunter ebenfalls einige namhafte. Ein spezielles Augenmerk soll an dieser Stelle auf zwei gelegt werden, die in der Meteorologie ihre Spuren hinterließen.

Da wäre zum einen Gottfried Erich Rosenthal. Er wurde am 13. Februar 1745 in Nordhausen geboren und war neben seiner Tätigkeit als Messgerätebauer ein sogenannter herzoglicher Bergkommissarius, ein höherer Bergbeamter im Kurfürstentum Sachsen-Gotha. Daneben war er ein Pionier der Meteorologie, auch wenn er in diesem Fachgebiet vielleicht nicht gerade zu den bekanntesten zählt.

Als Sohn eines Bäckermeisters interessierte er sich bereits früh für Mathematik. Die exakte Bestimmung von Maßen und Gewichten war ihm genauso wichtig wie Feldmessungen, bei denen er seine guten geometrischen Kenntnisse einbringen konnte. Seine meteorologische Forschungsarbeit begann damit, dass er zunächst ein Barometer des Schweizer Erfinders Jean-André Deluc verbesserte. Mit diesem bestieg er 1780 den Brocken. Dabei entdeckte er die Möglichkeit der barometrischen Höhenmessung, womit er in der Folge Landkarten genauer machen konnte.

Mithilfe der barometrischen Höhenmessung kann man über Messungen des Luftdrucks in zwei verschiedenen Höhen die Höhendifferenz bestimmen. Voraussetzung hierfür ist eine einheitliche absolute Temperatur in der Atmosphäre. Der Zusammenhang zwischen der vertikalen Ausdehnung einer Luftschicht und der entsprechenden Änderung des Luftdrucks innerhalb dieser Luftschicht kann somit für eine qualitative Höhen-Messmethode genutzt werden.

Daneben interessierte er sich für den Frühling und wie man ihn terminieren konnte. Hierfür legte er zahlreiche Tabellen an und veröffentlichte diese. Um seine Forschungen finanzieren zu können, baute er meteorologische Messgeräte. Dies machte ihn sogar mit Johann Wolfgang von Goethe bekannt, der ihn scherzhaft als „Nordhäuser Wetterpropheten“ bezeichnete.

Am 26. Mai 1813 starb er 68-jährig in Nordhausen. Als Ehrung für seine Arbeit ist in seiner Heimatstadt eine Straße nach ihm benannt.

Eine andere Persönlichkeit des heutigen Tages ist Gustav Adolf Feodor Wilhelm Ludwig Mie, der am 29. September 1868 in Rostock geboren wurde. Ab 1886 studierte er Mathematik und Physik in Rostock und Heidelberg. Daneben besuchte er auch Vorlesungen anderer Disziplinen. 1891 promovierte er mit der Schrift „Zum Fundamentalsatz über die Existenz von Integralen partieller Differentialgleichungen“. Nach seiner Habilitation 1897 an der Technischen Hochschule Karlsruhe hatte er in seiner wissenschaftlichen Karriere verschiedene Positionen an unterschiedlichen Instituten inne. Ab 1924 arbeitete er schließlich bis zu seiner Emeritierung 1935 an der Universität Freiburg. Am 13. Februar 1957 starb er 88-jährig in Freiburg.

Bei seiner Forschungsarbeit widmete er sich unter anderem dem Streuungsverhalten von elektromagnetischen Wellen. Nach ihm wurde dann auch die Mie-Streuung benannt. Diese beschreibt die elastische Streuung elektromagnetischer Wellen an sphärischen Objekten, deren Durchmesser in etwa der Wellenlänge der Strahlung entspricht oder größer ist als diese. Zudem müssen bei der Mie-Streuung die Materialeigenschaften der streuenden Teilchen beachtet werden.

Als kleiner Exkurs: Bei der Rayleigh-Streuung ist dies anders. Unabhängig von den Materialeigenschaften beschreibt diese die elastische Streuung elektromagnetischer Wellen an kugelförmigen Teilchen, deren Durchmesser deutlich kleiner ist als die Wellenlänge. Ein Beispiel hierfür ist zum Beispiel die Streuung von Licht an kleinen Molekülen. Mit dieser lässt sich unter anderem erklären, warum der Himmel blau erscheint und warum dieser am Morgen und am Abend in Rottönen leuchten kann (siehe Link).

Trotz unterschiedlicher Werdegänge hinterließen die Herren Rosenthal und Mie ihre Spuren in der Meteorologie. Wie in jedem anderen Metier auch ist es aber immer wieder spannend zu erfahren, wie persönliches Interesse zu Entdeckungen und Erfindungen anspornen kann.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2026
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Alaaf, Helau und Narri Narro!

Am heutigen Weiberfastnachts-Donnerstag wird vor allem im Rheinland und im Südwesten Deutschlands der erste Ausnahmezustand des bis Dienstag andauernden Straßenkarnevals ausgerufen. Für einen Tag übernehmen die Frauen das Regiment und so mancher Schlips oder Schnürsenkel wird „daran glauben“ müssen. In einigen Städten feiert man auch auf den Straßen, beispielsweise in Köln, wo man „Alaaf“ als Narrenruf zum Besten gibt. „Alaaf“ leitet sich von „all af“ ab, was soviel bedeutet wie „über alles“. Kombiniert mit Kölle als Synonym des Stadtnamens wird daraus „Köln über alles“.

Weiberfastnacht

Das Wetter ist in den Feierregionen heute durch Tief ULRIKE (international NILS) zunächst ziemlich durchwachsen mit teils kräftigen Regenfällen bei Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad. Am Nachmittag lassen die Regenfälle zumindest im Westen etwas nach, gänzlich trocken bleibt es aber wohl nicht. Da sich die Feierlichkeiten abends meist in die Kneipen verlagern, ist der Regen vorübergehend kein Thema mehr, obwohl es sicherlich „feucht-fröhlich“ weitergeht. Auf dem Nachhauseweg droht dann allerdings die nächste Dusche, weil es auch in der Nacht zum Freitag zeitweise weiterregnet.

Alaaf Helau und Narri Narro

Bodenwetterkarte von Donnerstag, 12.02.2026, 0 UTC

Nelkensamstag

Nach einem etwas ruhigeren Freitag finden am kommenden Nelkensamstag in einigen Städten große Karnevalsumzüge statt. So kann man am Nachmittag beispielsweise in Osnabrück, Hannover und Moers lustig geschmückte oder verkleidete Wagen, Fußtruppen und Musikkapellen bewundern. Wenn in Osnabrück am dortigen „Ossensamstag“ und ebenso in Hannover und Moers „Helau“ als Narrenrufe zum Besten gegeben werden, wird es bei 0 bis 2 Grad anfangs noch leicht flöckeln, im Nachmittagsverlauf bleibt es dann aber meist trocken. Die Sonne könnte sich dann noch vereinzelt zeigen und mit den Narren um die Wette lachen.

Tulpensonntag

Am Tulpensonntag kann man – neben vielen weiteren kleinen und großen Umzügen im ganzen Land – auch in Köln beim „Schull- un Veedelszöch“, in Mannheim („Mannem Ahoi“), Oberhausen („Helau“), Braunschweig („Brunswiek Helau“) und Frankfurt („Helau“) an größeren Umzügen teilnehmen. Der Sonntag bietet vermutlich das beste Wetter für die Umzüge, da es unter Zwischenhocheinfluss überwiegend trocken bleibt. Bei -2 bis 6 Grad sind allerdings dicke Jacke, Schal, Mütze und Handschuhe zu empfehlen – sofern sie zum Karnevalskostüm passen.

Alaaf Helau und Narri Narro 2

Vorhersagekarte Bodendruck für Tulpensonntag, 15.02.2026

Rosenmontag

Am Rosenmontag finden dann die meisten Umzüge statt. Besonders im Blickpunkt stehen die Züge in Köln, Düsseldorf („Helau“) und Mainz („Meenz Helau“), die zum Teil mehr als eine Millionen Besucher anlocken. Nach aktuellem Stand sieht es für die Karnevalisten allerdings nicht so gut aus. Ein Tief bei den Britischen Inseln sorgt bereits in der Nacht zum Montag von Westen für Schneefälle, sodass am Morgen gebietsweise etwas Schnee liegt. Im Westen und Südwesten geht der Schneefall dann schon in Regen über, wobei lokal Glatteis durch gefrierenden Regen nicht ganz ausgeschlossen ist. Zum Mittag hin entspannt sich die Glättelage bereits, weil es zu einer weiteren Milderung kommt. Danach gibt es aber weiterhin zeitweise Regen. In den anderen Regionen (abgesehen vom Nordosten) fällt ebenfalls etwas Regen oder Schnee, auch dort besteht dann Glättegefahr. Die Temperaturen liegen bei -2 Grad im Nordosten und bis 9 Grad am Oberrhein.


Alaaf Helau und Narri Narro 3

6-stündige Schneehöhenänderung für Rosenmontag, 16.02.2026 7 Uhr und 13 Uhr

Veilchendienstag

Zum Abschluss des Straßenkarnevals am Veilchendienstag ist der Umzug in Mönchengladbach („Halt Pohl“) einer der größten. Auch in München („Narri, Narro“) kommt es dann zum Faschingshöhepunkt, dieser ist allerdings nicht durch einen Umzug, sondern durch den Tanz der Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt gekennzeichnet. Am Dienstag gibt es gebietsweise Regen und Schnee, vor allem in der Mitte. In der Südwesthälfte bläst dazu ein starker Wind, der den Karnevalisten mit steifen bis stürmischen Böen zwischen 50 und 70 km/h (Bft 7 bis 8) um die Ohren bläst und Perücken und Hüte möglicherweise vom Kopf weht. Ein wenig Hoffnung besteht noch auf etwas bessere Bedingungen, weil die Vorhersage noch nicht als sicher einzustufen ist.

Alaaf Helau und Narri Narro 4

Windböen für Veilchendienstag, 17.02.2026 13 Uhr und 16 Uhr

Der diesjährige Karneval steht also in seiner „heißen“ Phase nicht die ganze Zeit unter einem guten Stern. Wenn am Aschermittwoch dann alles vorbei ist, steigen die Temperaturen weiter. Der ursprüngliche, jedoch unbestätigte Zweck des Karnevals, nämlich die Vertreibung des Winters, wäre damit erfüllt. Die Mittelfristkarten zeigen allerdings, dass darüber noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, weil ein erneuter Wintereinbruch im Bereich des Möglichen bleibt.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.02.2026
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Die Schneefallgrenze

Dass es manchmal wirklich schwer fällt, die Schneefallgrenze und damit die Art des Niederschlages an einem Ort zu bestimmen, wurde beispielsweise am vergangenen Dienstag, den 03.02.2026 deutlich, als etwa über Hessen deutlich mehr Schnee fiel, als zunächst erwartet worden war, da man eher von Regen ausging.

Prinzipiell gibt es zunächst die einfache Faustformel, dass Schnee bis ca. 200, manchmal auch knapp 300 m unter die sogenannte Nullgradgrenze fällt, bevor er schmilzt und zu Regen wird. Diese Methodik wurde empirisch bestimmt und erweist sich daher in der Praxis nicht immer als hilfreich, da die Schneefallgrenze nicht selten tiefer liegt, als es die zuvor berechnete Nullgradgrenze verlauten lässt.

Das Ganze lässt sich aber auch rein physikalisch in der Theorie ziemlich gut berechnen. Hierbei muss man wissen, dass für den Schmelzprozess, genauer gesagt den Phasenübergang von Schnee zu Regen, Energie in Form von Wärme benötigt wird. Diese Schmelzwärme beträgt beim Wasser ziemlich genau 335 J/g und ist die mindestens benötigte Energie. Sie besagt, dass 335 J aufgewendet werden müssen, um 1 Gramm Wasser von der festen (Eis) in die flüssige Phase (Wasser) zu überführen.

Diese Energie ist jedoch nicht einfach „da“, sondern sie wird der Umgebungsluft entzogen, weshalb ihre Temperatur wiederum absinkt. Das kann zur Folge haben, dass die Schneefallgrenze mit der Zeit deutlich weiter abfällt – und mit ihr auch die Nullgradgrenze. Besonders bei kräftigeren Niederschlägen (oder Schauern) wird ein hohes Maß an Schmelzwärme benötigt, um die zahlreichen Flocken zum Abtauen zu bringen. Da so viel Schmelzwärme nicht immer vorhanden ist, sinkt die Umgebungstemperatur auf Werte um oder unter den Gefrierpunkt und es schneit bis in tiefere Lagen. Häufig bildet sich dabei eine isotherme Schichtung, also eine Schichtung mit annähernd gleichbleibender Temperatur im Höhenverlauf, aus, womit man bei diesem Ereignis vom Isothermieschneefall spricht. Wichtig dafür ist jedoch, dass kein oder nur wenig Wind weht, der eine Durchmischung der Luftschichten verhindert.

Auch die Luftfeuchtigkeit hat einen großen Einfluss auf die Schneefallgrenze: Hier ist ebenfalls der Wärmeentzug von Bedeutung, denn ist die Luftschicht, in die der Schnee fällt sehr trocken, so verdunstet ein Teil davon und entzieht der Umgebungsluft beim sogenannten Sublimationsprozess ebenfalls Energie in Form von Wärme, was ein Absinken der Temperatur und nachfolgend auch der Schneefallgrenze zur Folge hat.

Wie man die Schneefallgrenze in der Praxis nun bestimmen kann, sollen prognostizierte Radiosondenaufstiege in einfacher Weise verdeutlichen. Zu sehen ist auf der Grafik 1 der Temperatur- und Feuchteverlauf mit der Höhe (schwarze Linien) in der Nähe von Bremen, bei Grafik 2 für die Nähe von Dresden.

Die Schneefallgrenze

Dargestellt ist eine prognostizierte Radiosonde, in der die Schneefallgrenze mit Schmelzfläche hervorgehoben wurde. Gut zu sehen ist, dass bei Bremen am Freitag, 13.02.2026 gegen 10 MEZ die Schneefallgrenze trotz Plusgraden noch in Bodennähe liegen soll.

Farblich hervorgehoben sind die sogenannten Schmelzflächen. Das heißt, die Fläche zwischen der 0-Grad-Linie (blaue Linie) und dem Temperaturverlauf gibt wie bei einem Integral die Summe der Wärme an, die dem schmelzenden Schnee zur Verfügung steht. Ist diese Fläche blau eingefärbt, wie in Grafik 1, so reicht die Schmelzwärme (noch) nicht vollständig aus, um den Schnee komplett abzuschmelzen und folglich wird „SFC“ für surface = Boden für die Schneefallgrenze ausgegeben. Im zweiten Beispiel dagegen ist die Fläche grün, was nichts anderes bedeutet, als dass genug Schmelzwärme bereitsteht und die Schneefallgrenze damit laut Berechnung bei rund 550 m liegen wird.

Die Schneefallgrenze 2

Dargestellt ist eine prognostizierte Radiosondenaufstieg, in der die Schneefallgrenze mit Schmelzfläche hervorgehoben wurde. Deutlich wird, dass die Schneefallgrenze mit rund 550 m über dem Bodenniveau liegt, ergo der Schnee am Weg zum Boden vollkommen geschmolzen sein wird und als Regen fällt.

Nichtsdestotrotz stellt die Bestimmung der Schneefallgrenze im Realfall immer eine der schwierigsten Prognoseleistungen dar, wie die genannten Einflüsse und auch die Erfahrung der letzten Woche(n) verdeutlichen. Sie kann auch noch mittels anderer Algorithmen bestimmt werden, die in einem gesonderten Thema des Tages einmal vorgestellt werden sollen.

Für die kommenden Tage wird die Schneefallgrenze wieder von Bedeutung werden, da sie mit einem neuerlichen Kaltlufteinbruch teilweise bis in tiefe Lagen absinken wird. Damit steht zumindest regional neuer Schnee auf dem Fahrplan.

M.Sc.-Meteorologe Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.02.2026
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