„Goldener Oktober“ kontra trübes Schmuddel-Wetter auf mildem Temperaturniveau!

Der Herbst bietet derzeit von allem etwas, vom „Goldenen Oktober“ bis hin zum trüben Schmuddel-Wetter. Vor allem das Hoch PHILINE kann sich zunächst über Benelux, im Verlauf dann über Südwestdeutschland einrichten und so das Wetter hierzulande nachhaltig beeinflussen. Aber auch verschiedene Tiefs haben regional wiederholt die Finger im Wetterspiel.

So sorgt das Tief GEROLD am heutigen Samstag im Norden und Nordosten für einen wechselnd wolkigen, zu einzelnen Schauern neigenden Wettercharakter. Am morgigen Sonntag ist es ein noch namenloses Tief bei Nordirland, dessen Warmfront über den Nordwesten und Norden hinweg streift. Einhergehend ziehen dort dichte Wolken mit etwas Regen durch. Zudem kommt auch der Wind am heutigen Samstag und morgigen Sonntag auf der Nordflanke des Hochs im Küstenbereich teilweise stark böig daher. Die Kombination von Feuchte, Wind und abnehmendem Tageslicht lassen typischerweise die herbstlichen Wetter- und Umwelteigenschaften und somit auch Gefahren zunehmen. So kann fallendes Laub insbesondere bei feuchten oder nassen Wetterbedingungen auf den Straßen für eine gefährliche Rutschbahn sorgen.

In der Südhälfte dominiert dagegen das Hoch PHILINE. Doch dessen Kraft ist aufgrund des fortgeschrittenen Jahres schon eingeschränkt. Die Nächte sind länger als die Tage und somit bestimmt, regional mehr oder weniger stark ausgeprägt, der Nebel und Hochnebel das derzeitige Herbstwetter. Dabei hüllt vor allem der sogenannte Strahlungsnebel die Landschaften in bodennahen Schichten zunehmend in einen weißgrauen Schleier. Der Strahlungsnebel beruht dabei im Wesentlichen auf bodennahem Auskühlen. Bei klarem Himmel gibt der Boden viel Wärme an die Luft ab und kühlt somit stark aus. Je länger die Nacht dauert, desto stärker kann der Boden bei wolkenlosen Verhältnissen auskühlen. Zeitlich verzögert kühlt der Boden schließlich auch die unteren Luftschichten ab. Verfügt die Luftschicht über eine ausreichende Menge an Feuchte, kann diese ab einer bestimmten Temperatur (Sättigung der Luft mit Wasserdampf) zu kleinen Tröpfchen kondensieren. Nachfolgend bilden sich bodennahe Wolken, die wir als Nebel wahrnehmen. Für Autofahrer können diese Nebelfelder aufgrund einer raschen Verschlechterung der Sichtverhältnisse sehr tückisch sein. Oftmals können die Sichtweiten lokal sogar unter 100 Meter sinken. Erst wenn die Sonne im Tagesverlauf am Himmel höher steigt und die Luft erwärmt, löst sich der Nebel wieder auf. Die dann wärmere Luft kann eine größere Menge an Feuchte aufnehmen, sodass die kleinen Nebeltröpfchen verdunsten und der Luft als Wasserdampf erhalten bleiben.

Dort, wo die Sonne länger scheinen kann, erwärmt sich auch die Luft entsprechend, sodass die Temperaturen tagsüber auf milde 13 bis 17 Grad steigen können. Unter den Wolken im Norden sind die Temperaturen dagegen tagsüber leicht gedämpft und sollen noch Werte von 12 bis 14 Grad erreichen, im Dauernebel geht es mit Höchstwerten um 11 Grad noch kühler zu. Nachts ist es dann umgekehrt. Während die dichten Wolken und auch der Hochnebel vor stärkerem Auskühlen schützen, können die Temperaturen bei Aufklaren im Süden sowie in den Tälern und Mulden der Berge auf niedrige einstellige Werte, teils sogar in den leichten Frostbereich absinken.

Am Montag scheint bei der Sonnenausbeute nur noch der Nordosten Deutschlands benachteiligt. Ansonsten ist es die Nebellotterie, welche die Anzahl der Sonnenstunden beeinflusst. Grundsätzlich soll aber die Sonne häufiger und länger die Chance bekommen, was die Temperaturen nochmals weiter nach oben schiebt. Abgesehen vom Nordosten soll demnach der „Goldene Oktober“ mit Schönheitsflecken bei 14 bis 20 Grad vorübergehend nahezu landesweit Einzug halten.

Schon ab Dienstag ist das Wort „Golden“ schon wieder Geschichte. Das Hoch PHILINE wandert nämlich langsam nach Osten und macht auf seiner Westflanke den Weg für Tiefausläufer frei. Vor allem ein mächtiges und großräumiges Tief über dem Ostatlantik lässt sich da nicht zweimal bitten und schickt rasch seine Frontenzüge Richtung Mitteleuropa. Resultierend kommen dichte Wolken mit Regenfällen auf. Da Deutschland zunächst aber zwischen dem Hoch über Polen bzw. der Slowakei und dem Tief westlich von Irland verbleibt, kann mit einer südwestlichen bis südlichen Strömung nochmals warme Luft subtropischen Ursprungs angezapft und bis nach Deutschland geführt werden. Trotz vieler Wolken am Himmel können die Temperaturen daher auf ein mildes bis sehr mildes Niveau von 13 bis 20, am Mittwoch wahrscheinlich sogar von 16 bis 23 Grad ansteigen. Mit Föhn sind an den Alpen am Mittwoch sogar Werte bis 25 Grad, also bis an die Sommerschwelle heran möglich.

Im Trend geht es dann aber wieder bergab mit den Temperaturen. Nach Durchzug der Kaltfront des besagten Tiefs in der Nacht zum Donnerstag weisen die aktuellen Berechnungen mit ihren Unsicherheiten eher einen kühleren und leicht unbeständigen Witterungsabschnitt auf.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 16.10.2021

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DWD Goldener Oktober kontra truebes Schmuddel Wetter auf mildem Temperaturniveau

 

 

 

Die Tiefen eines Gletschers

Die meisten Berg- oder Wintersportler waren schon mal auf einem, andere möchten vielleicht noch hin (bevor es zu spät ist..) – die Rede ist von Gletschern. Doch die wenigsten vermuten, was für eine spannende und faszinierende Welt sich unter den eigenen Füßen auftut – im Herzen eines Gletschers: Verschiedenste Eishöhlen und -grotten, mal mit breiten Gängen, mal mit gerade einmal kaninchenlochgroßen Durchgängen. Mal sind die Wände bedeckt mit sternförmigen Plättchen, prismenartigen Säulen oder Nadeln als Eiskristallen, mal sind die Wände aalglatt. Da fragt man sich zurecht: Wie können diese Wunderwerke entstehen?

Fangen wir von vorne, und ganz simpel an: Gletscher entstehen, wenn im Winter mehr Schnee fällt, als im Sommer wegschmilzt. Die Schneedecke wird durch mehrere Schneefallereignisse also immer dicker und schwerer und unter dieser Last werden die lockeren Schneeflocken mit der Zeit erst zu körnigem Firn und dann zu dichtem Eis gepresst. Die so entstehenden Schichten sind dabei ähnlich wie die Jahresringe eines Baumes ein gigantisches Klimaarchiv: Wenn man einen Eiskern aus einem Gletscher bohrt, zeigen sich die einzelnen Schichten wie auf einer Zeitreihe. Die ältesten Schichten sind ganz unten und die neuesten ganz oben. Dabei gibt es große Unterschiede in den einzelnen Schichten: Während manche unzählige Luftbläschen aufweisen, sind andere klar und glasig. Wieder andere Schichten sind voll mit Kies und Schmutz und erzählen damit die Geschichte von Erdrutschen oder Lawinen.

Diesen Blick in die Vergangenheit kann man hautnah in Eishöhlen im Inneren eines Gletschers erleben. Meistens entstehen solche Eishöhlen, wenn im Sommer das Eis an der Oberfläche schmilzt und sich das Schmelzwasser seinen Weg durch den Gletscher bahnt, durch Risse und Spalten läuft und so den Gletscher „aushöhlt“. Man spricht in diesem Fall von einem „warmbasalen“ Gletscher, wie sie beispielsweise in den Alpen vorkommen.

Es gibt aber auch polare, sogenannte „kaltbasale“ Gletscher (die detaillierten Unterschiede der beiden Gletscherarten würde an dieser Stelle zu weit führen). Sie sind beispielsweise auf Spitzbergen zu finden, wo mehr als die Hälfte der Fläche von Gletschereis bedeckt ist. Das Gletschereis dort ist so kalt, dass das Schmelzwasser nicht direkt durch das Eis nach unten laufen kann, sondern zunächst entlang der Oberfläche fließt. Nur sehr langsam werden Kanäle in das Eis „geschnitzt“, die unmittelbar an die Oberfläche angrenzen. Manche Kanäle schaffen sich dann einen Weg zum Boden des Gletschers und formen so Eishöhlen, die in ihrer Art sehr besonders sind. Im Winter fallen diese Schmelzwasserhöhlen trocken. Dann können sie begangen (bzw. bei den oben erwähnten kaninchenlochgroßen Durchgängen bekrochen) werden und bieten faszinierende Einblicke in das Innere eines Gletschers (siehe Fotos).

Und wenn Sie das nächste Mal auf einem Gletscher stehen, können Sie sich vielleicht ein klein wenig besser vorstellen, welch imposante Eiswelt sich unter Ihren Füßen verbirgt und wie sie entstanden ist. Wobei sich neben das Gefühl der Faszination, angesichts der Nachrichten, dass sich die Arktis dreimal schneller erwärmt als der Rest der Welt und dass sich auch die Gletscher in den Alpen immer weiter zurückziehen, noch ein anderes Gefühl schleichen könnte: Das der Kostbarkeit.

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 15.10.2021

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Schritt für Schritt…

Seit vielen Jahren liefert das ECMWF globale Wettervorhersagen mittels eines eigenen globalen Wettermodells. Diese sind auch fester Bestandteil beim Deutschen Wetterdienst, wo die Vorhersagemeteorologen neben dem hauseigenen ICON-Modell auch auf die ECMWF-Vorhersagen zurückgreifen. In erster Linie sind dabei die Vorhersagen für den Kurz- und Mittelfristbereich, das heißt für die nächsten sieben Tage, relevant. Die Besonderheit der ECMWF-Vorhersagen sind dabei die sogenannten Ensemble-Rechnungen, von denen pro Lauf 50 Stück durchgeführt werden. Dies erlaubt neben der deterministischen Vorhersage auch Aussagen über die Unsicherheit der Vorhersage und die Wahrscheinlichkeit für den Eintritt eines Ereignisses. Zusätzlich bietet das ECMWF auch Vorhersagen auf der langfristigen und saisonalen Skala an. Neben den operationellen Vorhersagen ist außerdem Forschung im numerischen und mathematischen Bereich ein Schwerpunkt am ECMWF. Die dort gewonnenen Erkenntnisse fließen dabei auch regelmäßig in die Wettervorhersagemodelle ein.

Am 12. Oktober 2021 ist nun eine neue Version des ECMWF-Vorhersagemodells mit der Bezeichnung „Cycle 47r3“ in den operationellen Betrieb gegangen. Eine zentrale Änderung gegenüber der Vorgängerversion ist die gesamte Überarbeitung der physikalischen Prozesse, in denen Feuchte eine Rolle spielt. Dies betrifft eine Menge von Variablen, die für die Vorhersage wesentlich sind, angefangen von Bewölkung und Niederschlag beziehungsweise Niederschlagstyp bis hin zu konvektiven Prozessen (Gewitterbildung) und dem Auftreten sowie der Stärke von Windböen am Boden. Eine zentrale Änderung betrifft dabei vor allem die Berechnung des CAPE (Convective Available Potential Energy). Wie sich zeigte, war diese in den Vorgängerversionen fehlerhaft und wurde nun entsprechend korrigiert. Damit einhergehend sollte eine Verbesserung bei der Vorhersage von Schauern und Gewittern zu erwarten sein. Außerdem zeigte sich oft eine Überzeichnung der Geschwindigkeit von Windböen, gerade in Windfeldern von Tiefdruckgebieten. Erfahrungsgemäß wurden hier vom Modell gerne Böen gezeigt, die oft eine Windstärke zu hoch waren. Mit der neuen Feuchtephysik im Modell dürfte sich dieser Fehler verringern.

Neben der neuen Feuchtephysik gibt es aber auch noch weitere Änderungen. Unter anderem fließen jetzt noch mehr Satellitenbeobachtungen ein. Die größte Neuerung dabei ist die Tatsache, dass es nun gelungen ist, auch bewölkte Gebiete zu beobachten und in die Vorhersage zu integrieren. Das war vorher nur schwer möglich, da die Algorithmen zur Ableitung von atmosphärischen Größen aus Satellitenbeobachtungen bei Vorhandensein von Bewölkung bis dato qualitativ nicht gut genug waren, um in die Vorhersage einzufließen. Dies ist insbesondere für die Beobachtung und Vorhersage von tropischen Sturmsystemen relevant, da diese fast ausschließlich nur mit Mitteln der Fernerkundung beobachtet werden können. Somit dürfte sich auch in diesem Bereich die Qualität der Vorhersage verbessern. Für den Deutschen Wetterdienst ist dies insofern relevant, als dass den Vorhersagemeteorologen unter anderem die Aufgabe des Monitorings und Berichtens von Tropenstürmen zufällt, um über dadurch verursachte internationale Krisenlagen informieren zu können. Darüber hinaus gab es mit der neuen Modellversion noch viele kleinere Verbesserungen, die sich im Alltag zunächst zwar nicht spürbar bemerkbar machen, aber insgeheim auch für qualitative Verbesserungen der Vorhersage sorgen.

So ein Vorhersagemodell ist ein Gerät mit hunderttausenden Stellschrauben. Das heißt, dass die Entwicklung in diesem Bereich noch lange nicht zu Ende sein wird, und man sich auch in Zukunft auf weitere, neue Entwicklungsfortschritte freuen darf, die immer wieder neue Vorhersagehorizonte erschließen. Ein solcher Fortschritt wird bereits mit der nächsten Version „48r1“ erfolgen. Dann soll die aktuelle Auflösung des Modells für Ensemblerechnungen von 18 km auf etwa 9-11 km deutlich erhöht werden und erstmals auf einem neuen Hochleistungsrechner in Bologna (Italien) laufen.

M.Sc. Felix Dietzsch

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 14.10.2021

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Bilanz der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis

Die Arktis erwärmt sich laut dem Arctic Monitoring and Assessment Programme (AMAP) schneller als die übrigen Regionen auf unserem Planeten. So stieg die Durchschnittstemperatur in der Arktis von 1971 bis 2019 um 3,1 Grad Celcius. Somit fiel die Erwärmung in der nördlichen Polregion dreimal so hoch aus wie der Anstieg des globalen Durchschnitts im gleichen Zeitraum. Die steigenden Temperaturen in der Arktis bleiben nicht ohne Folgen, denn das Eis rund um den Nordpol schmilzt rasant. Neben der beschleunigten Schmelze des grönländischen Eispanzers, ist auch die Meereisbedeckung im Arktischen Ozean in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen.

Der saisonale Zyklus der Meereisschmelze wird durch die jahreszeitlichen Temperaturänderungen angetrieben. Der Schmelzprozess beginnt in der Regel Ende März an den äußeren Rändern des Eisschildes, wenn die Tage länger werden und der Einfluss der Sonne über den nördlichen Regionen stark genug ist und somit auch die Temperaturen steigen. Im Sommer scheint in der Arktis 24 Stunden am Tag die Sonne, was bedeutet, dass das Meereis nahezu konstant schmilzt. Mitte September wird meist das Minimum der Eisausdehnung verzeichnet. Anschließend nimmt die Meereisbedeckung mit Eintritt der Polarnacht wieder über das Winterhalbjahr zu.

Mithilfe von Satellitendaten wurde die minimale Ausdehnung in diesem Jahr am 16. September registriert (siehe Abbildung 1 und hellblaue Linie in Abbildung 2). Die Meereisausdehnung ließ sich auf 4,92 Millionen Quadratkilometer beziffern, was etwa 1,5 Millionen Quadratkilometer unter dem langfristigen Durchschnitt von 1981 bis 2010 liegt. Sie fiel immerhin fast eine Million Quadratkilometer größer aus als 2020, als der zweitniedrigste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1979 konstatiert wurde. Verglichen mit den letzten sieben Jahren fällt das Minimum zwar in diesem Jahr größer aus, reiht sich dennoch als zwölfniedrigstes auf den vorderen Plätzen ein. Die aktuellen Auswertungen zeigen wenig überraschend, dass sich das jährliche Eisminimum im September in den vergangenen zehn Jahren um rund 13 Prozent gegenüber dem Mittel der Jahre 1981 bis 2010 verringerte.

Nachdem sich bis in den Juli hinein ein rasanter Rückgang mit Kurs auf ein neues Allzeitminimum abzeichnete (siehe Abbildung 2: Vergleich der hellblauen Linie zur gestrichelten Linie von 2012), nahm das Schmelztempo im August deutlich ab. Die etwas größere Meereisbedeckung in diesem Sommer lässt sich vor allem auf eine vorherrschende Wetterlage in der Westarktis zurückzuführen. So etablierte sich in der zweiten Hälfte des Augustes eine rege Tiefdruckzone über der westlichen Hälfte der Arktis zwischen dem nördlichen Kanada und Alaska, während über dem Nordatlantik eine Zone hohen Luftdrucks herrschte. Die Kombination dieser beiden Akteure transportierte Luft aus Nordkanada über die westliche Arktis. Die Lufttemperatur in Nordkanada ist dabei in aller Regel niedriger, als wenn die Luft etwa vom wärmeren Nordpazifik in die Arktis befördert würde. Dies trug dazu bei, dass die westliche Arktis kühler blieb, was die dortigen Schmelzraten reduzierte. Die größten Defizite mit weitgehend eisfreien Bedingungen wurden in diesem Sommer hingegen in den östlichen Randmeeren des Arktischen Ozeans von der Grönlandsee bis zur Barentsee verzeichnet. Verwunderlich ist das nicht, registrierte vor allem Sibirien einen ungewöhnlich warmen Sommer mit länger anhaltenden Hitzewellen, die bis in die russischen Arktisregionen reichten.

Neben der zurückgehenden Ausdehnung des Meereises, nimmt auch die Qualität der Eisdecke ab. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich von einer mehrjährigen, dickeren und insgesamt stärkeren in eine dünnere, jüngere und instabilere Eismasse verwandelt. Das führt auch dazu, dass sich die arktischen Gewässer stärker aufwärmen, da Sonnenlicht nun vom dunkleren Ozean aufgenommen wird, statt an der Eisoberfläche zu reflektieren. Obwohl die Gesamtausdehnung des Eises im September im Vergleich zu den letzten Jahren höher ausfiel, erreichte die Menge des mehrjährigen Eises einen rekordverdächtigen Tiefstand und lag damit nur geringfügig über dem Wert vom Ende der Rekordschmelzsaison 2012.

M.Sc.-Met. Sebastian Altnau

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 13.10.2021

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Oft Kuschelwetter statt Freizeitwetter

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt zwar die Nähe zum Hoch OLDENBURGIA, das es sich über West- und Nordwesteuropa gemütlich gemacht hat, aber das Wetter präsentiert sich alles andere als herbstlich golden. Schuld daran ist eine nordwestliche bis nördliche Höhenströmung, denn mit ihr gelangt zwischen tiefem Luftdruck über Nordeuropa und dem angesprochenen Hoch maritime Polarluft nach Deutschland. Genau genommen hat diese Luftmasse ihren Ursprung im Nordpolarmeer. Das hört sich ja schon fast winterlich an, aber durch den weiten Weg übers Wasser (Wassertemperatur der Nordsee 12-15 Grad) kommt sie bei uns erwärmt an, sodass nur in den Hochlagen der Alpen nennenswerte Schneefälle auf der Agenda stehen. In 850 hPa, was in etwa 1500 m entspricht, liegt die Temperatur nämlich zwischen 0 und -2 Grad, wodurch es vor allem in Lagen oberhalb von circa 1000 Metern zu Neuschnee kommt.

Am heutigen Dienstag sind somit zwar auch in den höchsten Gipfellagen der Mittelgebirge ein paar Schneeflocken möglich, aber für die Ausbildung einer geschlossenen Schneedecke sollte es kaum reichen. Im Tiefland hingegen regnet es besonders in der Mitte und im Süden immer wieder schauerartig verstärkt. Die Sonne macht sich dort rar und der trübe Wettereindruck lädt nur bedingt dazu ein, das Haus zu verlassen. Eigentlich es genau das richtige Wetter für eine Tasse Tee und einen gemütlichen Nachmittag bzw. Abend auf der Couch. In den Hochlagen der Alpen lohnt sich dabei ein Blick aus dem Fenster, denn hier sinkt die Schneefallgrenze am Abend auf etwa 1000 m ab und darüber fallen bis morgen Vormittag etwa 1 bis 5, lokal auch um 10 cm. In Staulagen sind oberhalb 1500 m auch bis 20 cm Neuschnee möglich. Also Vorsicht bei Wanderungen ist durchaus geboten und vor allem entsprechende Kleidung und Schuhwerk. Etwas Sonne kann heute Nachmittag über der Nordhälfte genossen werden. Winddichte Kleidung ist aber von Vorteil, denn es weht ein lebhafter Nordwestwind. Für die Kinder und allen, denen es Spaß macht, Drachen steigen zu lassen, sicherlich ein geeignetes Wetter dafür. Allerdings kommt es lokal noch zu einzelnen Schauern oder auch vereinzelten Graupelgewittern.

Am Mittwoch lassen die Schneefälle in den Alpen rasch nach und auch sonst fällt allenfalls im Osten und Südosten gelegentlich etwas Regen. In den anderen Landesteilen bleibt es abgesehen von vereinzelten Schauern meist trocken. Den Vitamin-D-Haushalt kann man bei längeren sonnigen Abschnitten vor allem im Nordosten und im Südwesten auffüllen. Der nächste Regen zieht am Nachmittag in Verbindung mit der Warmfront eines Tiefs, das sich von Island nach Skandinavien verlagert, an der Nordsee auf. Dieses Regengebiet verlagert sich in der Nacht zum Donnerstag bis zur Donau. Im Westen und Südwesten bleibt es trocken.

Der Donnerstag lässt sich dann unter herbstlich trüb verbuchen. Hin und wieder regnet es etwas oder es gibt Sprühregen. An der See bläst dazu ein teils stürmischer Westwind. Einzig der äußerste Südwesten profitiert von der Nähe zum Hochdruckgebiet über Westeuropa und dort zeigt sich die Sonne längere Zeit. Am Freitag liegt eine Wetterdreiteilung vor. Es liegt ein Tiefausläufer quer über der Mitte des Landes und sorgt dort noch für etwas Regen. Er verliert aber zunehmend seine Wetterwirksamkeit. Im Norden wechseln sich Sonne und Wolken ab und es treten bei einem kräftigen Westwind noch einzelne Schauer auf. Im Süden des Landes zeigt sich länger die Sonne und an den Alpen stellt sich gutes Wanderwetter ein.

Am Wochenende dominiert dann insgesamt zwar leichter Hochdruckeinfluss das Wettergeschehen, aber die Sonne schafft es nicht überall die Nebel- und Hochnebelfelder aufzulösen und somit stehen Kuschelwetter- und Freizeitwetter teils eng beieinander.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 12.10.2021

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DWD Oft Kuschelwetter statt Freizeitwetter

Turbulente Flugreisen

Bereits am vergangenen Samstag (09.10.2021) wurde das Europa-Reisewetter pünktlich zum Herbstferienbeginn einiger Bundesländer beleuchtet. Um möglichst schnell zum Urlaubsort zu gelangen, bietet sich – je nach Entfernung – durchaus eine Flugreise an. Alle, die in ihrem Leben schon einmal geflogen sind, kennen dabei das aufregende Gefühl beim Start einer Flugreise auf dem Rollfeld, wenn die Turbinen aufheulen, das Flugzeug unter großer Beschleunigung auf das Ende der Startbahn zu rast und der eigene Körper in den Sitz gedrückt wird. Dann hebt die Maschine ab, Adrenalin schießt durch die Adern. Der Blick aus dem Fenster lässt die umliegende Landschaft mit zunehmender Höhe rasch kleiner aussehen. Nach wenigen Minuten verspürt man dann allmählich eine Beruhigung, die Beschleunigung des Flugzeugs lässt nach und der eigene Puls normalisiert sich wieder. Die einkehrende „Stille“ kann jedoch täuschen.

Die meisten Flugreisenden werden es schon erlebt haben. Aber nicht nur Menschen mit Aviophobie, also der Angst vorm Fliegen, jagt es einen Schrecken ein. Die Rede ist von einem Phänomen, das im allgemeinen Volksmund als „Luftloch“ bezeichnet wird. Dabei handelt es sich allerdings keinesfalls um ein Loch in der Luft, sondern um Turbulenzen. Diese Turbulenzen sorgen für ein schnelles Auf- oder Absteigen wie bei einer wilden Achterbahnfahrt und können das Flugzeug gut durchschütteln. Da der Mensch recht sensibel auf Änderungen der Gewichtskraft reagiert, entsteht vor allem beim überraschenden Absinken der Maschine ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Wer angeschnallt ist, muss sich aber keine Sorgen machen. Die schweren Kolosse aus Metall sind konstruiert, um den auf sie einwirkenden Kräften standzuhalten. Aber wodurch treten solche Turbulenzen in der Luft auf?

In und um Wolken herrschen teils starke Auf- und Abwinde. Durchquert nun eine Passagiermaschine eine Wolke mit einer hohen Geschwindigkeit (diese variiert je nach Flughöhe und Windverhältnissen, in 6 bis 11 km beispielsweise um und über 800 km/h relativ zur Erdoberfläche), so erfährt die Maschine rasch aufeinanderfolgende Auf- und Abwinde, die sie samt Passagieren gründlich durchschütteln.

Aber auch in wolkenfreier Luft kann es turbulent zugehen. Bei fehlender Luftfeuchtigkeit beispielsweise können Aufwinde auch ohne sichtbare Wettererscheinungen in Form von Wolken auftreten. In diesem Fall spricht man von „Blauthermik“. Treffen Luftmassen mit unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten oder -richtungen in größeren Höhen aufeinander, kommt es ebenfalls zu Turbulenzen. Meist treten diese Arten der Turbulenz überraschend auf, da sie in der Regel keine sichtbaren Wettererscheinungen mit sich bringen und somit mit bloßen Augen nicht sichtbar sind.

Gebirgszüge wie zum Beispiel die Alpen in Europa, die Rocky Mountains in Nordamerika oder auch das Himalaya-Gebirge in Asien müssen bei Anströmung ihrer Flanken von Luftmassen überquert werden. Dadurch kommt es zu einem Aufsteigen der Luftmassen, was selbst in großen Höhen noch registriert werden kann. Rückseitig der Gebirge sinkt die Luft wieder ab. Überquert also ein Flugzeug einen Gebirgszug, muss ebenfalls mit entsprechenden Turbulenzen gerechnet werden.

Ein weiterer Ort, an dem es zu turbulenten Störungen in der Atmosphäre kommt, ist an sogenannten Frontalzonen, also dort, wo warme und kalte Luftmassen großflächig aufeinandertreffen. Aktuell liegt eine solche Frontalzone quer über Deutschland. Ausgehend von Tief „Finn“, das vom Norden Skandinaviens in die Barentssee unterwegs ist, griff in der vergangenen Nacht von Norden her der zugehörige Tiefausläufer auf Deutschland über. Dieser trennt die vor allem im Süden dominierende kalte und trockene Luftmasse von der wärmeren Meeresluft, die nachfolgend von der Nordsee in den Norden und die Mitte einfließt. Entlang dieser Frontalzone schiebt sich die warme über die kalte Luft. Im Übergangsbereich kommt es dann zu Auf- und Abwinden und neben entsprechenden Turbulenzen auch zu etwas Regen oder einzelnen Schauern. An der Ostsee sorgt dagegen am Abend und in der Nacht kalte Höhenluft für Turbulenzen in Form von Schauern und vereinzelten Gewittern. Wenn Sie also heute mit dem Flieger unterwegs sein sollten, schnallen sie sich an! Der Flug könnte turbulent werden.

MSc.-Met. Sebastian Schappert

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 11.10.2021

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„Finn“, der „Störenfried“

Die wirkungsvolle Zusammenarbeit zwischen dem Hoch „Lioba“ mit Schwerpunkt über Osteuropa und dem Hoch „Oldenburgia“ westlich von Irland beschert uns aktuell ruhiges Herbstwetter. Am gestrigen Tag gab es, nachdem die letzten Nebelfelder sich aufgelöst haben, Sonne satt für alle bei angenehmen Temperaturen. Jedoch bedeutete der wolkenlose Himmel auch, dass in der vergangenen Nacht die Temperatur vielerorts bis in den Frostbereich gesunken ist. Für Frühaufsteher hieß es: Reif von Autoscheiben wegkratzen. „Gut, dass es Sonntag ist!“, könnte man sagen.

Auch heute kann Deutschland von der etablierten Synergie zwischen den beiden Hochs profitieren. Nach Nebel- und Hochnebelauflösung lacht erneut die Sonne vom Himmel. Ein paar Einschränkungen gibt es jedoch: Einmal im Süden (Alpenvorland und Bodenseeregion), wo der Hochnebel sich länger halten kann und dann auch in der Nordwesthälfte des Landes, wo hohe Wolkenfelder (Zirren) durchziehen.

Die Zirren am Himmel sind aber die ersten Anzeichen dafür, dass das Wetter sich umstellt. Der „Störenfried“ ist schnell gefunden und heißt „Finn“, ein Tief über Norwegen, das zusammen mit einem Tief über dem Nordmeer (ehemaliger Hurrikan „Sam“) den Angriff auf die wunderbare Partnerschaft zwischen „Lioba“ und „Oldenburgia“ übernimmt. Die Kaltfront von Tief „Finn“ drängt sich ab heute Abend zwischen den beiden Hochs und macht den Weg für einen wechselhaften und sehr kühlen Witterungsabschnitt in Deutschland frei.

In der Nacht zum Montag erreicht die Kaltfront von „Finn“ mit etwas Regen die Nordränder der Mittelgebirge. Die Südhälfte genießt die letzte ruhige Nacht. Jedoch sinkt die Temperatur dort erneut bis in den Frostbereich und gebietsweise bildet sich Nebel.

Am Montag hat „Finn“ dann volle Arbeit geleistet. Denn die Verbindung zwischen den Hochdruckgebieten ist nun über Deutschland unterbrochen. Besonders von der Mitte bis in den Osten fällt entlang des Tiefausläufers etwas Regen, außerdem folgen von Nordwesten Schauer, an den Küsten auch einzelne Gewitter nach. Am Nachmittag gibt es dann auch im Süden erste Tropfen. Der Wind macht sich besonders an der See wieder bemerkbar, dort können einzelne steife Böen auftreten.

Am Dienstag steigert sich der Tiefdruckeinfluss, im Tagesverlauf kommt es vermehrt zu Schauern, am Alpenrand zu längeren Regenfällen. Oberhalb von 1300 bis 1500 sind dort zunehmend Schneeflocken dabei. In der Nacht zum Mittwoch sinkt die Schneefallgrenze weiter auf etwa 1000 m, dann gibt es auch in den höchsten Lagen der östlichen Mittelgebirge und im Schwarzwald die ersten Flocken. An den Alpen kann sich eine 5 bis 10 cm dicke Schneedecke bilden.

Dieser Trend wird am Mittwoch weitgehend fortgesetzt, nur im Norden überwiegen die trockenen Phasen deutlich. Die Temperaturwerte verbleiben im klassisch herbstlichen Niveau zwischen 5 und 14 Grad. Die Frostgefahr ist Aufgrund der stärkeren Bewölkung gedämpft und meist auf das höhere Bergland beschränkt.

Dipl.-Met. Marco Manitta

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 10.10.2021

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DWD Finn der Stoerenfried

Kontrastreiches Europawetter

Gern besuchte Reiseziele im Oktober sind traditionell die unterschiedlichen heimischen Gefilde oder die europäischen Mittelmeerländer. Doch wie sieht es in diesen Regionen bezüglich Wetter eigentlich aus? Wer hatte bei der Wahl des Urlaubsortes ein glückliches Händchen und erwischte sein „Lieblingswetter“? Für die Beantwortung dieser Fragen machen wir im heutigen Thema des Tages eine kleine Europareise, allerdings mittels unserer Wettermodelle.

Beginnen wir jedoch in unseren heimischen Regionen. Aktuell befindet sich Deutschland am Rande des Hochdruckgebiets LIOBA mit Schwerpunkt über dem Baltikum und dem westlichsten Russland. Dabei wird mäßig warme, aber meist trockene Luft herangeführt. Wenngleich Nebel- und Hochnebelfelder am Vormittag gebietsweise nur langsam aufgelöst werden, scheint doch tagsüber vielerorts die Sonne. Dabei werden heute Nachmittag Temperaturwerte zwischen 13 und 19 Grad erreicht. Am Sonntag wandert das Hoch langsam ostwärts und macht damit im Tagesverlauf den Weg frei für den Ausläufer eines nordeuropäischen Tiefs, der in den Abendstunden auf den äußersten Nordwesten übergreifen wird. Bis dahin gibt es eine Mischung aus Sonnenschein und ein paar Wolkenfeldern, die im Laufe des Nachmittags in der Nordwesthälfte etwas dichter werden. Erste Schauer sollte es aber nur entlang der Nordsee geben. Die Höchstwerte sind ein paar Grad unterhalb jener des Vortages zu erwarten. Am Montag kommt dann etwas mehr Schwung in das Wettergeschehen. Das auf LIOBA folgende Hochdruckgebiet OLDENBURGIA kann nämlich dessen Platz über Mitteleuropa nicht ausfüllen, daher wird der Weg für eine feuchtere und kühlere nach Deutschland einströmende Luftmasse frei. Besonders von der Mitte bis in den Osten fällt zum Wochenbeginn entlang des Tiefausläufers etwas Regen, außerdem folgen von Nordwesten Schauer nach. Am Nachmittag fallen auch im Süden erste Tropfen. Die Temperatur kommt daher über 11 bis 16 Grad nicht hinaus. Am Dienstag steigert sich der Tiefdruckeinfluss nochmals, im Tagesverlauf kommt es vermehrt zu Schauern, am Alpenrand zu längeren Regenfällen. Oberhalb von 1500 bis 1700 sind dort zunehmend dicke Schneeflocken dabei. Dieser Trend wird am Mittwoch weitgehend fortgesetzt, nur im Norden überwiegen die trockenen Phasen deutlich. Die Temperaturwerte verbleiben im klassisch herbstlichen Niveau.

Machen wir nun einen größeren Sprung in die beliebten herbstlichen Urlaubsregionen Spaniens und Portugals. Am heutigen Samstag ist das Wetter dort gekennzeichnet durch viel Sonnenschein, gebietsweise ziehen aber auch ein paar dichtere Wolkenfelder durch. Mit einer geringen Wahrscheinlichkeit kommt es entlang der Mittelmeerküste zu einzelnen Regenschauern, die aber nur überschaubare Bereiche tangieren. Ab und zu frischt der Wind etwas auf, größere Probleme sollte dieser aber nicht bereiten. Die Temperaturen muten spätsommerlich an: im Süden der Iberischen Halbinsel werden 22 bis 27 Grad erreicht, etwas im Landesinneren sind selbst 30 Grad nicht außer Reichweite. Auch auf den Kanarischen Insel bewegen sich die Höchstwerte um 25 Grad. Eine wesentliche Änderung dieser Wettersituation ist sowohl am Sonntag, als auch zu Wochenbeginn nicht zu erwarten. Die Urlaubsfreuden für Sonne- und Wärmehungrige dürfte das Wetter also nicht beeinträchtigen, nur der immer noch aktive Vulkan auf La Palma könnte eventuell lokal für die eine oder andere Einschränkung sorgen.

Von ruhigen Wettervorgängen sind die Urlauber in Süditalien und Südosteuropa hingegen doch etwas entfernt. Dort beeinflusst das Tiefdruckgebiet CHRISTIAN (international: ATHINA), das Wettergeschehen deutlich. Im Süden Italiens und an der Ägäis sind zwar auch Tageshöchstwerte zwischen 20 und 25 Grad wahrscheinlich, jedoch kommt es dort häufig zu Schauern, schauerartig verstärkten Regenfälle oder auch einzelnen kräftigen Gewittern. Besonders entlang der Westküste Griechenlands können dabei auch höhere Regenmengen zusammenkommen. In Süditalien nimmt das Niederschlags- bzw. Schauerrisiko zum Wochenbeginn zwar etwas ab, dafür gehen aber auch die Höchstwerte etwas zurück und kommen nur mehr knapp über 20 Grad hinaus. In Griechenland und den angrenzenden Regionen muss dagegen bis zur Wochenmitte mit einer sehr wechselhaften Witterung gerechnet werden. Der Wind ist ein deutlich spürbarer Wegbegleiter, daher sollten besonders jene, die sich dort auf dem Meer tummeln, ein Auge darauf haben.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 09.10.2021

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DWD Kontrastreiches Europawetter

Das Wetter: Smalltalk-Thema Nr. 1!

„Das ist aber auch ein Wetterchen heute!“ – „Kann man nicht anders sagen. Kann man zwei draus machen!“ – Eingefleischten „Bud Spencer und Terence Hill“-Fans ist dieser Dialog aus dem Film „Zwei außer Rand und Band“ aus dem Jahre 1977 sicherlich geläufig. Aber nicht nur in dieser Szene diente das Wetter als „Gesprächsöffner“, es ist generell ein sehr, wenn nicht sogar das beliebteste Smalltalk-Thema.

Warum das so ist? Mit dieser Frage beschäftigten sich bereits zahlreiche psychologische Studien. Zum Smalltalk greift der Mensch zum Beispiel in Situationen, in denen er keine Zeit oder kein Interesse hat, mit seinem Gegenüber ein längeres oder tiefer gehendes Gespräch zu führen. Vielleicht ist es einem auch unangenehm ein Gespräch zu beginnen, weil man entweder schlicht nicht weiß, worüber man sich mit seinem Gegenüber unterhalten soll, oder im Gegenteil sehr genau weiß, was man ansprechen möchte bzw. müsste, das Thema an sich allerdings unangenehm ist.

Tja und in solchen Situationen sucht man sich am besten ein Thema, das zum einen jeden in irgendeiner Form etwas angeht und zum anderen kaum Konfliktpotenzial bietet. Dass sich dazu weder Politik noch Sport eignet, ist wenig überraschend. Es gibt beispielsweise sicherlich bessere Ideen als jemanden in der Frankfurter U-Bahn auf die Vereinsgeschichte von Kickers Offenbach anzusprechen.

Beim Wetter ist das anders. Denn darauf, ob es nun gerade regnet oder die Sonne scheint, hat ja nun mal niemand einen Einfluss. Es ist schlicht und ergreifend höhere Gewalt. Daher lässt sich relativ „gefahrlos“ über das aktuelle Wettergeschehen losquatschen. Ob das aber auch in Zukunft so sein wird, ist fraglich. Das Thema Wetter wird in unserer Gesellschaft zunehmend im Kontext des Klimawandels gesehen, sodass auf ein eigentlich unverfängliches „Na, ein Tag zum Sonneputzen heute, was?!“ schnell ein „Viel zu viel Sonne! Es hat schon seit Tagen nicht mehr geregnet. Und wenn’s dann regnet, ist gleich alles überflutet!“ folgen. Und ruckzuck befindet man sich in einer Klima-Diskussion.

Eventuell sollte man sich also schon mal ein alternatives Smalltalk-Thema suchen, das man bei Bedarf auspacken kann. Aber was könnte das sein? Andererseits wird es natürlich auch in Zukunft so sein, dass wir an heißen Sommertagen gemeinsam schwitzen und bei frostiger Winterluft bibbern, ganz egal, wer da jetzt dafür verantwortlich ist. Bleiben wir also vielleicht doch am besten beim Wetter als Smalltalk-Thema Nr. 1! Und wenn’s dann tatsächlich mal in ein tieferes Gespräch münden sollte, ist das ja vielleicht auch nicht verkehrt, oder?

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 08.10.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Goldenes Oktoberwochenende mit Schönheitsfehlern

Verantwortlich für das schöne und zumindest tagsüber milde Wetter am kommenden Wochenende zeigt sich das Hoch NILA. Am heutigen Donnerstag liegt es mit seinem Schwerpunkt noch über der Iberischen Halbinsel. In den kommenden Tagen weitet es sich zunehmend nach Norden und Osten aus und nimmt Verbindung mit dem Hoch LIOBA über Osteuropa auf, sodass eine ausgedehnte Hochdruckbrücke entsteht. Diese erstreckt sich dann am Samstagmittag mit ihrer Achse in etwa von Nordfrankreich über die Mitte Deutschlands und Polen bis nach Westrussland. Flankiert wird diese Hochdruckzone von Tiefdruckgebieten über Nordeuropa sowie über dem Mittelmeerraum. Besonders vom zentralen Mittelmeerraum bis hinüber zum Schwarzen Meer drohen gebietsweise schwere Unwetter mit sintflutartigen Regenfällen. Dort sind lokal über 100 l/m² innerhalb von 24 Stunden möglich. In der vergangenen Nacht fielen beispielsweise an der Wetterstation auf Korfu 90 l/m² innerhalb von 12 Stunden. Lokal dürfte im hügeligen Norden und Nordosten des Landes auch noch deutlich mehr Regen gefallen sein.

Bei uns in Deutschland bekommt man von alledem höchstens in den Nachrichten, durch Verwandtschaft und Freunde oder in den sozialen Medien etwas mit, denn das Hochdruckwetter lädt besonders tagsüber zu Spaziergängen in der herbstlich geprägten Landschaft ein. Am morgigen Freitag macht sich die Sonne vor allem in einem Streifen von Mecklenburg über den zentralen Mittelgebirgsraum bis in den Südwesten und Süden des Landes noch rar. Dort hält sich dichte hochnebelartige Bewölkung, die erst im Laufe des Nachmittags einige Lücken bekommt. Südöstlich des Inns sind sogar noch ein paar Spritzer Regen möglich. Ansonsten steht nach Auflösung von örtlichen Nebel- und Hochnebelfeldern ein sehr freundlicher Tag mit Höchstwerten bis knapp 19 Grad ins Haus.

Am Wochenende beschert uns NILA dann fast überall goldenes Oktoberwetter. Nur in manchen Flussniederungen Süddeutschlands sowie in nebelanfälligen Gebieten des zentralen Mittelgebirgsraums hat es die Sonne schwer, da sie sich dort teilweise erst am Nachmittag durch die dicke Nebelsuppe kämpfen wird. Ansonsten können nach meist rascher Nebelauflösung am Morgen und Vormittag sonnige und milde Herbsttage genossen werden. In den Hochlagen der Alpen zeigt sich bestes Wanderwetter. In etwa 2000 m Höhe werden dabei 2 bis 5 Grad erreicht, wodurch es der dünnen Neuschneeauflage, die sich in den vergangenen Tagen gebildet hat, an den Kragen gehen wird. Ganz im Nordwesten ziehen am Sonntag jedoch erste Wolkenfelder mit vereinzelten Regenschauern auf. Diese kündigen bereits den nahenden Wetterwechsel an.

Vorsicht ist in den Nächten geboten, denn gebietsweise droht der erste Luftfrost des nahenden Winters. Frost in Bodennähe tritt relativ verbreitet auf. Empfindliche Pflanzen müssen also geschützt werden. Auch eine dicke Jacke sowie Schal und Mütze sollten zumindest nachts und am frühen Morgen griffbereit liegen.

Zum Start in die neue Woche geht dann der Trend zu leicht wechselhaftem und kühlerem Herbstwetter. Daher lautet die Empfehlung am Wochenende, raus in die Natur, Sonne tanken und sich auch mal an den kleinen und schönen Dingen des Lebens erfreuen.

Dipl.-Met. Marcel Schmid

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.10.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Goldenes Oktoberwochenende mit Schoenheitsfehlern