Wettertipps für eine gelungene Radtour

Es ist Sommer und in einigen Bundesländern haben bereits die Sommerferien begonnen. Ein Familienausflug mit dem Fahrrad ist zu dieser Jahreszeit eine gute Idee. Sei es zu einem Badesee, in dem sich die kleinen und erwachsen gewordenen „Kinder“ nach den sportlichen Strapazen erfrischen können oder zu einem Biergarten, wo Sie nach einer ausgiebigen Radtour Ihren Durst mit Kaltgetränken löschen können. Bevor sich Oma, Opa, Kind und Kegel auf ihre Drahtesel schwingen, sollten Sie nicht nur das Ziel und die schönste Route dorthin planen, sondern auch die Wettervorhersage im Blick haben. Hat man sich bei der Organisation des Ausflugs über das Wetter nämlich zu wenig Gedanken gemacht, kann dies den Spaß an der Radtour schnell vermiesen. Passionierte Rennradfahrer wissen sicherlich, dass es hierbei nicht ausreicht, nur das angezeigte Wettersymbol auf der Wetter-App für den Zielort anzusehen. Daher liefern wir heute wertvolle Tipps, die dabei helfen, dass die Radtour nicht zur Tortur, sondern zu einem tollen Erlebnis wird.

Es liegt auf der Hand, dass der Ablauf des Wetters über den Tag hinweg eine entscheidende Rolle spielt. Strahlt am Vormittag der Himmel noch azurblau, muss das noch lange nicht heißen, dass am Nachmittag die Sonne immer noch scheinen wird. Informieren Sie sich darüber, ob und wie sich das Wetter über den Tag ändert. Wahrscheinlich haben die wenigsten unter Ihnen Freude daran, in ein aufziehendes Regengebiet zu fahren und pitschnass am Ziel an-zukommen. Werden sogar Gewitter am Nachmittag prognostiziert, sollten Sie von einer größeren Radtour lieber absehen. Hagel- und Blitzschlag oder Sturmböen können im Freien eine große Gefahr darstellen und oft ziehen Gewitter so schnell auf, dass man nicht mehr rechtzeitig Schutz aufsuchen kann. Wird hingegen für den ganzen Tag strahlender Sonnenschein vorhergesagt, sollten sie Sonnencreme nicht vergessen. Kommen Sie mit krebsroter Haut im Biergarten an, ist dies nicht nur optisch wenig ansprechend, sondern vor allem sehr schädlich für die betroffenen Hautzellen. 

Wettertipps fuer eine gelungene Radtour 1

Auch die vorhergesagte Lufttemperatur sollte beachtet werden. Werden heiße Temperaturen für den Nachmittag und Abend angekündigt, sollten Sie sich genau überlegen, ob der Tag für eine größere Radtour geeignet ist oder ob Sie Ihren Ausflug nicht auf einen anderen Tag verschieben. Möchten Sie dennoch nicht auf die Radtour verzichten, empfehlen wir Ihnen, frühzeitig aufzubrechen, ausreichend Getränke mitzunehmen und es bei der Geschwindigkeit und geplanten Fahrtdistanz nicht zu übertreiben. Als grobe Faustregel bieten sich für eine Radtour Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad an, wobei das Wohlbefinden jedes Einzelnen sehr unterschiedlich sein kann.

Zusätzlich ist die Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Aspekt beim Spaßfaktor einer Radtour. Ist die Luftmasse sehr feucht, fühlt sich die gleiche Temperatur deutlich unangenehmer an als bei trockener Luft. Bei „Schwüle“ sind sportliche Aktivitäten nicht jedermanns Sache und können für ältere und wärmeempfindliche Personen belastend für den Kreislauf sein. Ein guter Anhaltspunkt ist der sogenannte Taupunkt. Ab einem Taupunkt von etwa 16 Grad wird die Luft von den meisten Leuten als schwül, bei über 18 Grad sogar als drückend schwül, empfunden und selbst bei leichten Bewegungen fließt dann der Schweiß in Strömen. Auch bei Taupunkten zwischen 13 und 15 Grad fangen manche Menschen schon an zu schwitzen. Liegt der Taupunkt hingegen unter 12 Grad, wird die Luft als trocken empfunden und einer Radtour steht nichts im Wege. Sofern im Laufe des Tages kein Luftmassenwechsel stattfindet, ändert sich der Taupunkt über den Tag übrigens nur wenig, sodass dieser am Morgen ein guter Bezugspunkt ist.

Neben dem Wetter ist der Wind der wichtigste Faktor bei einer Radtour, wird bei der Planung aber oft vernachlässigt. Wer häufig Rad fährt, weiß sicherlich, dass lästiger Gegenwind mitunter der Endgegner sein kann. Schauen Sie sich bei der Vorhersage zunächst die Windrichtung an. Bei einer „one-way“-Tour empfiehlt es sich, einen Tag zu wählen, an dem Sie den Wind auf dem größten Teil der Strecke im Rücken haben. Der Wind gibt Ihnen dann einen zusätzlichen Schub, wodurch Sie schneller und mit weniger Kraftaufwand ans Ziel kommen. Bei einem Rundkurs ist es ratsam, mit Gegenwind zu starten, damit Sie zum Ende hin bei schwindenden Kräften vom Rückenwind profitieren. Beachten Sie aber, dass sich die Windrichtung im Tagesverlauf ändern kann, damit nicht auf dem Hin- und Rückweg Gegenwind das Radfahren zur Qual macht. Auch die Windstärke ist von Bedeutung. Bei Windstille oder nur einem leichten Windhauch (im Mittel 0 bis 1 Beaufort) stehen Ihnen sämtliche Freiheiten bei der Routenplanung zur Verfügung. Spätestens ab einer Windstärke von 2-3 Bft (Mittelwind ab etwa 10 km/h) entscheidet eine clevere Routenführung über den Spaß bei der Radtour.

Zusammengefasst kann man also festhalten: Wird für den Tag trockenes Wetter bei Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad vorhergesagt, ist die Luft ist nicht schwül und haben Sie auch die Windrichtung berücksichtigt, dann kann wettertechnisch nichts mehr schief gehen. In diesem Sinne – ab aufs Velo und nix wie los! Der Spaß am Radfahren sollte garantiert sein. Und falls nicht, kann es zumindest nicht am Wetter gelegen haben. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Verschiedene Niederschlagsarten

In der Meteorologie unterscheidet man verschiedene Arten von Niederschlägen, die jeweils durch unterschiedliche Weise entstehen. Im Folgenden werden die drei Niederschlagsarten vorgestellt. 

Konvektiver Niederschlag: 

Diese Niederschlagsform entsteht durch vertikale Luftbewegungen in einer instabil geschichteten Atmosphäre. Dabei steigt warme, feuchte Luft von der Erdoberfläche auf und verdrängt die darüberliegende kalte Luft. Diese Erwärmung erfolgt häufig durch Sonneneinstrahlung, was typisch für die zweite Tageshälfte von warmen Sommertagen ist. Die feuchtwarme Luft dehnt sich dann in der Höhe aus und kühlt ab. Da kältere Luft weniger Wasserdampf speichern kann wie die aufgestiegene warme Luft, kondensiert das Wasser und bildet nach und nach Tropfen, die sich miteinander verbinden und so groß werden, dass sie letztendlich zu Regenwolken führen können. Häufig treten hier Cumulonimbuswolken mit einer hohen vertikalen Ausdehnung auf. Die Intensität dieser Schauer reicht von leichtem Niesel bis hin zu heftigen Gewittern, in denen sich auch Hagel bilden kann. Diese Unwetter bringen auch starke Windböen mit sich. Wenn diese Wetterereignisse ein gewisses Ausmaß erreicht haben, kann dies auch schnell zu Überschwemmungen führen. 

Stratiformer Niederschlag: 

Hier stoßen zwei Luftmassen aufeinander und bilden somit eine Front (siehe Wetterlexikon). Dieser Zusammenstoß führt dann letztendlich zu einer Hebung der wärmeren Luftmasse. Durch die Hebung, wie im vorigen Absatz erklärt, bilden sich Wolken. Der Unterschied zum konvektiven Niederschlag liegt beim stratiformen Niederschlag in der Dauer, Intensität und der Ausbreitung sowie auch in der Art der Wolken. Hier treten zunächst hohe Wolken wie Cirruswolken, gefolgt von Cirrostratus-, Altostratus- und schließlich Nimbostratuswolken auf. Diese Art von Niederschlagswolken können sich über mehrere hundert oder sogar tausend Kilometer ausbreiten. Die Intensität ist geringer als bei konvektivem Niederschlag, doch dafür können Niederschläge an den Fronten von Stunden bis zu Tagen andauern. Diesen Regen nennt man auch Landregen. 

Orographischer Niederschlag: 

Die dritte Art von Niederschlag entsteht, wie bereits die vorherigen zwei, ebenfalls durch Hebung. Hier wird die feuchte Luft vom Wind gegen eine Landerhebung, zum Beispiel einen Berg, gedrückt und somit zum Aufsteigen gebracht. Dadurch bilden sich auf der dem Wind zugewandten Seite (Luvseite) Wolken, die Niederschlag verursachen können. Hier können Altocumulus-, Stratocumulus- und Cumuluswolken entstehen. Bei einer labilen Luftschichtung können sich auch Gewitterwolken bilden. Auf der Wind abgewandten Seite (Leeseite) des Berges, sinkt die Luft ab und erwärmt sich wieder, wodurch es hier seltener zu Niederschlägen kommt. Dieser Effekt wird auch Föhn genannt. 

 

Verschiedene Wolkentypen (Quelle:https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23937887) 

Die unterschiedlichen Niederschlagsarten haben verschiedene Auswirkungen. Während langanhaltender Regen oft positiv für die Landwirtschaft ist, können konvektive Starkregenereignisse lokal zu Überschwemmungen oder durch Hagel zu der Zerstörung von Feldern und vielen weiteren Schäden führen. Das Verständnis dieser Prozesse ist deshalb nicht nur für Meteorologen wichtig, sondern auch für Katastrophenschutz und Umweltplanung essenziell. 

Praktikant Luis Wolf
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Tief, Hoch, Tief: Wechselhaftes Wetter

Die erste Hälfte des Julis war geprägt von einer ganzen Reihe von Tiefdrucksystemen. Nacheinander sind wir in den Einflussbereich der Tiefs FRIEDEMANN, GABRIEL und HORST gekommen. Das Wetter in Deutschland war daher sehr wechselhaft. Nach einer sehr trockenen und heißen Periode davor, waren die damit einhergehenden Niederschläge insbesondere im Osten des Landes äußerst willkommen.

Heute hat das Wetter in Deutschland zwei Gesichter. Zum einen verabschiedet sich das zuletzt wirksame Tief HORST langsam nach Osteuropa. Nicht aber ohne dem Norden und der Osthälfte Deutschlands noch dichte Wolken mit Schauern und einzelnen Gewittern zu bescheren. Zum anderen wagt sich das Hoch EDELTRAUT von Westeuropa nach Deutschland hinein. Das hat zur Folge, dass es im Südwesten Deutschlands deutlich freundlicher wird und die Sonne vermehrt scheint. Am Rhein werden heute Tageshöchsttemperaturen bis 26 Grad erwartet (siehe Bild 1). Nach offiziellen Kriterien ist das als ein echter Sommertag klassifiziert. 

Tief Hoch Tief Wechselhaftes Wetter 1

Das Wetter in Deutschland für heute, Donnerstag den 17.07.2025 

Morgen dann fasst sich EDELTRAUT ein Herz und nimmt das Wetterzepter Deutschlands in die Hand. Im Nordosten sind zwar doch noch einzelne Schauer und auch mal ein Gewitter unterwegs. Insgesamt überwiegt aber ein deutlich freundlicherer Wettercharakter mit weniger, im Südwesten sogar auch mal gar keinen, Wolken. Der zunehmende Sonnenschein lässt in großen Teilen Deutschlands (offizielle) Sommertage zu und im Südwesten wird sogar verhalten auf die 30-Grad-Marke geschielt (siehe Bild 2). 

Tief Hoch Tief Wechselhaftes Wetter 2

Das Wetter in Deutschland für morgen, Freitag, den 18.07.2025 

Am Wochenende nähern sich aber schon langsam wieder die ersten Ausläufer des nächsten Tiefs. Aus Frankreich kommt zunehmend feuchte Luft herein und in Kombination mit der Wärme steigt das Gewitterpotential, wobei sogar lokale unwetterartige Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind. Das war es also schon wieder mit dem trockenen Hochdruckwetter.

Wem die Aussichten auf schnöde 30 Grad nicht ausreichen und wer sich nach heißeren Gefilden sehnt, kann den Blick Richtung Mittelmeer wenden. Dort kann die Sonneneinstrahlung bei oft wolkenlosen Bedingungen ihre volle Wirkung entfalten. Zum Wochenende und in die nächste Woche hinein klettern die Thermometer in Südspanien, Italien oder auch Griechenland immer weiter hinauf. Wenn das so bleibt, ist in einigen Regionen die 40-Grad-Marke nur eine Frage der Zeit. Eine Abkühlung durch den beherzten Sprung ins Mittelmeer ist dann aber leider nur bedingt möglich. Die Wassertemperaturen liegen nämlich über 20 und vielerorts sogar bei 25 oder noch mehr Grad.

Wieder zurück nach Deutschland zeigt ein erster vorsichtiger Blick in die Modellvorhersagen für nächste Woche, dass der wechselhafte Charakter bleibt und immer wieder Schauer und Gewitter über uns hinwegziehen. Die Temperaturen bleiben derweil voraussichtlich gemäßigt. 

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Sommerhalbzeit

Es scheint schon fast ein Gesetz zu sein, dass bereits lange vor Beginn des meteorologischen Sommers am 1. Juni über dessen vermeintlichen Wetterverlauf geschrieben und gesprochen wird. Dabei handelt es sich selbstverständlich meistens um Klatsch und Tratsch statt um seriöse Vorhersagen. Vor allem Meldungen wie die von einem drohenden „Jahrhundertsommer“, die schon lange vor Beginn des Sommers die Runde machten, gehören eher in die Welt der Märchen und Sagen. Heute, am 16. Juli, also zur Halbzeit des meteorologischen Sommers, wollen wir Fakten schaffen und eine erste Zwischenbilanz ziehen. 

Temperatur 

Tatsächlich erleben wir bisher einen Sommer, der, bezogen auf die vieljährigen Mittelwerte, deutlich zu warm ausfällt. In Zeiten des sich beschleunigenden Klimawandels sollte uns das jedoch nicht überraschen. Setzt man das Klimamittel 1991-2020 an, trat der letzte unterdurchschnittlich temperierte Sommer im Jahr 2014 auf – also vor über zehn Jahren! Dennoch fällt die Temperaturabweichung mit deutschlandweit +1,6 Grad in diesem Sommer bereits vergleichsweise hoch aus (Temperaturmittel 18,5 °C). Zum Vergleich: Die beiden heißen Sommer 2018 und 2019 kamen auf eine Abweichung von +1,6 bis +1,7 Grad, allerdings in der Endabrechnung. Der „Jahrhundertsommer 2003“ war allerdings mit einer Abweichung von knapp +2,1 Grad noch ein gutes Stück heißer. Verantwortlich für den deutlichen Temperaturüberschuss waren der sehr warme Juni und die teils extreme Hitze zum Monatswechsel. Danach gingen die Temperaturen deutlich zurück. 

Sommerhalbzeit 1 

Abweichung der fortlaufenden Mitteltemperatur im Sommer 2025 bis einschließlich 16. Juli. 

Niederschlag 

Aufgrund des meist konvektiven Niederschlagscharakters, der von oft kleinräumigen Schauern und Gewittern geprägt ist, zeigt sich beim Niederschlag ein sehr heterogenes Bild. Im Norden und Osten des Landes fällt die Bilanz teilweise ausgeglichen aus. Die Region profitiert von einem niederschlagsreichen Juni-Start und von Starkregenereignissen in der vergangenen Woche. Ansonsten baute sich vor allem in der zweiten Junihälfte ein massives Niederschlagsdefizit auf, das im Juli trotz wieder vermehrter Niederschläge nicht kompensiert werden konnte. Dadurch ergibt sich bezogen auf das ganze Land ein Defizit von rund 20 %, d. h., es sind nur 80 % der auf Basis des Klimamittels von 1991–2020 zu erwartenden Niederschläge gefallen; regional sind es sogar noch deutlich weniger! 

Sommerhalbzeit 2

Kumulative Abweichung des Niederschlags im Sommer 2025 bis einschließlich 16. Juli. 

Sonnenschein 

Klammert man die erstem Juni-Tage aus, setzte sich das sehr sonnige Wetter aus dem Frühjahr zunächst fast unvermindert im Sommer fort. Erst im Laufe des Julis wurde die Sonne wieder häufiger von ausgedehnten Wolkenfeldern verdeckt. Insgesamt schien die Sonne im deutschen Flächenmittel knapp 380 Stunden, was 115 % des Klimasolls entspricht. 

Sommerhalbzeit 3

Kumulative Abweichung der Sonnenscheindauer im Sommer 2025 bis einschließlich 16. Juli. 

Der Sommer 2025 ist also bisher durchaus ein sehr warmer, sonniger und regional sehr trockener Geselle, zuletzt allerdings mit gewissen „Normalisierungstendenzen“. Noch hat er aber 46 Tage Zeit, sich in alle möglichen Richtungen zu entwickeln – nur zu kalt wird er ziemlich sicher nicht mehr werden. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Frontpassage

Tief HORST hat die Schirmherrschaft über unser Wetter übernommen. Aktuell (Dienstagvormittag) über dem Norden Irlands gelegen, kommt HORST allmählich in Richtung Nordsee (Mittwochmittag) und dann weiter in Richtung Deutschland voran. Obwohl sich der Kern des Tiefs mit seinem Besuch noch Zeit lässt, drückt HORST unserem Wetter schon jetzt seinen Stempel auf – mit einer Kaltfront, die von West nach Ost über uns hinwegzieht. 

Frontpassage 1

Satelliten- und Radarbild am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ) 

Über dem Norden Deutschlands ist bzw. war diese Kaltfront sowohl mit den Augen eines Satelliten als auch mit Hilfe des Radars gut zu erkennen (Abbildung 1). Denn dort erstreckte sich um 06 UTC (08 MESZ) ein markantes Niederschlagsband (Radarreflektivitäten in grün-gelb-orange) von den Ostfriesischen Inseln bis nach Südniedersachsen und Nordhessen. 

Leider ist es aber so, dass dieses Regenband die Lage der Luftmassengrenze nicht exakt widerspiegelt. Dies gilt zumindest dann, wenn man die Situation am Boden bzw. in Bodennähe als Maß der Dinge festlegt. Dann kann man durchaus auf die Idee kommen die Front anders zu positionieren, als dies vom Radar und vom Satelliten suggeriert wird. 

Frontpassage 2

Absolute Feuchte (links, in g/m3) und Drucktendenz (rechts) am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ)

Hinweise auf diese andere Position liefert die Abbildung 2. Sie zeigt links die absolute Feuchte in Bodennähe, rechts darüber hinaus die Drucktendenz. Durch die im Westen schon eingeflossene kältere und trockenere Luftmasse ist dort die absolute Feuchte mit 10 bis 12 g/m3 (Gramm pro Kubikmeter) deutlich niedriger als im Rest des Landes. Niedrige Werte der absoluten Feuchte weisen im Osten und Süden vor allem bzw. fast ausschließlich die Bergstationen auf (z. B. der Fichtelberg, der Große Arber oder der Feldberg im Schwarzwald; markiert mit roten Kreisen). Irgendwo im Bereich des Übergangs der trockenen zur feuchten Luft sollte die Luftmassengrenze liegen, und mit der rechts dargestellten Drucktendenz ist diese Lage recht klar definierbar. Wenn man bedenkt, dass vor der Front Druckfall zu erwarten ist (in der Karte rot), rückseitig aber Druckanstieg (in der Karte blau), dann verläuft die Front in Bodennähe von der Elbmündung über den Raum Hannover, dann weiter über Kassel und das Rhein-Main-Gebiet bis in die Pfalz und weiter nach Frankreich. 

Frontpassage 3 

Vertikalschnitt durch die Kaltfront von Tief HORST am Dienstag, 15.07.2025, 06 UTC (08 MESZ) 

Wenn diese Linie die Front am Boden beschreibt, dann liegen die o. e. Niederschläge auf der Frontrückseite. Dies ist auch verständlich, schiebt sich doch die Kaltfront mit der kalten Luft unter die bisher wetterbestimmende Warmluft (wem das Wort „Warmluft“ zu dick aufgetragen erscheint, der kann Warmluft hier auch durch „wärmere Luft“ ersetzen). Um das etwas anschaulicher zu verdeutlichen, lohnt der Blick auf Abbildung 3, aber nicht ohne zuvor nochmal die Abbildung 1 zu bemühen. In dieser ist nämlich eine Linie markiert, die von der niederländisch-belgischen Grenze über das Ruhrgebiet und Ostwestfalen bis in den Nordwesten Brandenburgs verläuft und damit die Frontlinie nahezu senkrecht schneidet. 

Frontpassage 4

Theoretischer Schnitt durch eine Ana-Kaltfront 

Abbildung 3 zeigt nun die entlang dieser Linie von unserem Modell ICON-EU errechnete relative Feuchte in ihrer vertikalen Erstreckung. Hinter der Front sickert in den untersten zwei Kilometern trockene und kühlere Luft ein, der blaue Pfeil deutet dies an. Der bodennahe Feuchteeintrag in die Atmosphäre ist dabei an einer dünnen Schliere etwas feuchterer Luft im Kaltluftbereich zu erkennen. Die Front selbst verläuft keineswegs senkrecht, vielmehr ist die Frontfläche (blaue Linie) geneigt, die Kaltluft hat sich bodennah sozusagen einen Vorsprung gegenüber der Kaltluft in etwas höheren Luftschichten erarbeitet. Wolkenbildung setzt aber erst ein, wenn die Luft ausreichend aufgestiegen und durch Abkühlung entsprechend gesättigt ist. Und das ist über dem Norden am heutigen Vormittag erst hinter, also westlich der Bodenfront der Fall gewesen. 

Eine Kaltfront mit diesen Eigenschaften wird als Anafront bezeichnet. Ihr theoretischer Querschnitt ist in Abbildung 4 zu sehen. Ein Großteil des Niederschlages fällt an der Anafront postfrontal – allerdings nicht zwingend der gesamte und nicht zwingend immer. Manchmal sind auch unmittelbar an oder kurz vor der Front die stärksten Regenfälle zu verzeichnen – und manchmal sind diese auch die einzigen. In unserem Fall findet sich die zuletzt angedeutete Situation entlang einer Linie von Kassel bis nach Frankfurt/M. Dort regnet es nur unmittelbar an der Front, prä- und postfrontal bleibt es dagegen trocken. 

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Im Niemandsland

Über dem Nordosten Deutschlands liegt am heutigen Montag noch Tief „GABRIEL“, dieses steht aber kurz davor, sich aufzufüllen und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. In den vergangenen Tagen brachte es über Ostdeutschland dort dringend benötigte Niederschläge, die lokal ergiebig ausfielen. Am Samstag regnete es besonders in Brandenburg und Berlin kräftig. Besonders viel rund um die östliche Berliner Stadtgrenze mit rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/qm) in 24 Stunden, wobei ein großer Teil davon innerhalb weniger Stunden fiel. Am gestrigen Sonntag zogen dann Schauer und Gewitter über Teile des Ostens hinweg und ordneten sich hier und da in „Straßen“ an, sprich zogen als Linie parallel zur Strömung. So regnete es lokal über mehrere Stunden hinweg kräftig an einem Ort. Besonders betroffen war eine kleine Region in Ostsachsen. An der Station Boxberg-Reichwalde fielen 33,2 l/qm Regen in einer Stunde und 69,4 l/qm in sechs Stunden vom Himmel. 

Im Niemandsland 1 

Niederschlagsmessungen 24-stündig bis 13.07.2025 08 Uhr (links) und bis 14.07.2025 08 Uhr (rechts) 

Heute bringt „GABRIEL“ im äußersten Norden und Nordosten nochmals Schauer und Gewitter. Vereinzelt können dabei wieder größere Regenmengen zusammenkommen, denn die zur Verfügung stehende Luftmasse ist weiterhin feucht und die Verlagerung der Zellen langsam. Doch zu solch hohen Mengen wie am Wochenende sollte es nicht reichen.

Mehr Dampf haben die Schauer und Gewitter dafür im Süden Deutschlands. Neben lokal großen Regenmengen kann es dort vereinzelt auch größeren Hagel um 3 cm Korngröße geben. Ruhiger ist das Wetter in einem breiten Streifen zwischen den beiden genannten Regionen. Vom Westen bis in den Osten des Landes bleibt es verbreitet trocken und mit Werten um 27 Grad wird dort verbreitet ein Sommertag erreicht. Im Norden und Süden bleibt es oft etwas kühler.

Damit können wir zwar mit Island heute mithalten, auch dort werden bis zu 28 Grad erreicht, das Temperaturniveau von Mittelnorwegen wird aber nicht erreicht. Dort steigt die Temperatur selbst direkt an der Küste auf mehr als 30 Grad. Während dies für mitteleuropäische Verhältnisse „normale“ Sommertemperaturen sind, sind die aktuellen Werte für Island und Norwegen dagegen ungewöhnlich hoch.

Während über der Norwegischen See und Norwegen auch in den kommenden Tagen ein Hochdruckgebiet liegt, zieht das Tief „HORST“ von den Britischen Inseln bis Mittwoch unter Abschwächung nach Nordwestdeutschland. Seine Kaltfront schwenkt bereits am morgigen Dienstag über Deutschland von West nach Ost hinweg. Zuvor kann zeitweiliger Sonnenschein die Temperaturen im Süden und Osten nochmals knapp über die Sommertagsschwelle von 25 Grad heben. Die der Troposphäre zugefügte Energie zeigt sich aber nicht nur in der Temperatur, sondern auch in Form teils kräftiger Gewitter. Diese entstehen besonders ab den Mittagsstunden im Umfeld der Kaltfront und ziehen vor allem von Thüringen und dem Süden Sachsen-Anhalts ostwärts. Örtlich werden diese unwetterartig durch heftigen Starkregen ausfallen. Vereinzelt können auch größerer Hagel fallen oder schwere Sturmböen über das Land fegen. 

Im Niemandsland 2

Bodendruckkarte für Dienstag, den 15.07.2025 14 Uhr  

Auch am Mittwoch setzt sich das unbeständige Wetter fort. An der Südflanke von „HORST“ frischt zudem der westliche Wind spürbar auf. Über der Südhälfte Deutschlands kann es vor allem in windanfälligen Lagen Windböen (Beaufort 7) geben. Auf Kuppen und Gipfeln auch Sturmböen bis Beaufort 9. Die Gewitter, die es insbesondere im Norden zahlreich gibt, erreichen aber nicht die Intensität der Vortage. Dafür fehlt ihnen in der hinter der Kaltfront einfließenden kühleren Meeresluft schlichtweg die Energie. Bemerkbar macht sich der Luftmassenwechsel auch an den Höchstwerten. Verbreitet liegen sie zwischen 18 und 24 Grad. 

Im Niemandsland 3

Höchst- und Tiefstwerte vom 14. bis 16.07.2025. Datenquelle: MOS 

Im Laufe der zweiten Wochenhälfte wird es zwar wieder wärmer, Hitze ist aber vorerst kein Thema. Die zum Teil weiterhin vorherrschende Trockenheit wird durch weitere Niederschläge zum Teil gelindert, wobei wie so oft im Sommer längst nicht jeder Ort von ergiebigen Schauern oder Gewittern getroffen wird.

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

4. Juli 2025 – die Flutkatastrophe in Texas

Einige wetterbedingte Großereignisse kündigen sich oft mit Pauken und Trompeten an. Sie sind schon Tage vorher auf den Wetterkarten zu erkennen und werden mit ausreichend Vorlauf über diverse Medien kommuniziert, sodass sich die Bevölkerung rechtzeitig darauf vorbereiten kann. Es gibt jedoch Ereignisse, die sich nur allmählich aufbauen und bei denen das Potenzial für ein Großereignis nur sukzessive zunimmt. Diese Ereignisse sind deshalb so schwer vorherzusagen, da sie von unzähligen Parametern (Eigenschaften der Luftmasse, vorherrschende Windrichtung, Lage/Zugbahn/Intensität eines Tiefs, Orografie der Umgebung, etc.) abhängen. Fehlen einer oder mehrere dieser Parameter, wird aus dem meteorologischen Großereignis schnell eine überschaubare Warnlage ohne große Auswirkungen. Diese Ereignisse sind aus der Sicht eines Vorhersagers meist sehr undankbar, da das endgültige Ausmaß oft erst kurz vorher erkennbar ist. 

Die Sturzflut in Kerr County, die am 4. Juli 2025 mindestens 129 Menschen in den Tod riss, war ein solches Ereignis, das sich nur allmählich aufbaute. Es wurde von den Meteorologen vor Ort rechtzeitig erkannt und bewarnt, ging dann aber mit einer unglaublichen Gewalt auf die Region nieder und sorgte für unermessliches Leid.
Die Anfänge dieser Sturzflut waren weit entfernt vom eigentlichen Unglücksort zu finden. In diesem Fall war es Tropensturm BARRY, der als schwaches, aber regenreiches System den westlichen Golf von Mexiko in Richtung Südtexas überquerte, sich dort aufgrund des Landgangs rasch abschwächte und schließlich formal auflöste. „Formal“ bedeutet hierbei, dass das Nationale Hurrikanzentrum keine Warnungen zu BARRY mehr ausgab. 

Einige Tropenstürme gehen an Land und schwächen sich dort ab, können aber weiterhin eine zyklonale (Nordhalbkugel: gegen den Uhrzeigersinn) Rotation um das ehemalige Zentrum aufrechterhalten. Hierfür sind periodisch einsetzende Konvektionsschübe von Nöten, die zentrumsnah auftreten. Vereinfacht heißt das, dass immer wieder kräftige Gewitter um das Zentrum des ehemaligen Tropensturms hochschießen und dabei durch Kondensation und Wolkenbildung Unmengen an latenter Wärmenergie freisetzen. Diese immer wieder einsetzende Energiezufuhr hält die Zirkulation des Systems aufrecht, auch wenn der Tropensturm über Land zieht. Dafür müssen sich die Reste des Sturms in einer sehr feuchten und labil geschichteten Luftmasse befinden. Im Fachjargon wird nun nicht mehr von einem „Tropensturm“, sondern von einem sogenannten „mesoskaligen konvektiven Wirbel“, engl. „Mesoscale Convective Vortex“ (MCV), gesprochen. Solch ein Wirbel kann eine Lebensdauer von mehreren Tagen haben.
Dies war nun auch mit den Resten von BARRY der Fall. Nicht nur die üppige Feuchte des ehemaligen Tropensturms, sondern auch der beständige Zustrom feuchter Luftmassen vom Golf von Mexiko sowie hochreichende Feuchte des zu diesem Zeitpunkt über dem Pazifik vor der Westküste Mexikos tobenden Hurrikans FLOSSIE ließen die Feuchtewerte in weiten Bereichen von Texas auf Rekordwerte steigen. 

4. Juli 2025 – die Flutkatastrophe in Texas 1 

Abb. 1: Satellitenbild von Mexiko und dem Süden der USA am 3. Juli 2025. Markiert sind der ehemalige Tropensturm BARRY und der aktive Tropensturm FLOSSIE sowie rot gestrichelt: Texas Hill Country, Pfeile: Zustrom feuchter Luft vom Golf von Mexiko (hellgrün) und vom Pazifik (dunkelgrün), blau: Verlagerung des MCV.

In Abbildung 1 ist einerseits die grobe Verlagerung des MCV (blau) bis zum 4. Juli eingezeichnet, aber auch der Zustrom feuchter Luft vom Golf von Mexiko (hellgrüne Pfeile) und vom Pazifik (dunkelgrüne Pfeile). Rot gestrichelt ist eine Region hervorgehoben, die sich „Texas Hill Country“ nennt und bekannt ist für extreme Sturzflutereignisse. Im Grunde wird dort die feuchte Luftmasse vom Golf von Mexiko von Süden kommend an der Orografie gehoben und kann sich abregnen, wobei die Regenmengen aufgrund der vorhandenen üppigen Feuchte immer wieder extreme Werte erreichen. So geschehen am 4. Juli. 

An diesem Abend bildete sich über Texas ein sogenannter „low level jet“ aus, welcher die feuchte Luftmasse vom Golf sehr rasch und fokussiert nach Norden führte. Dort traf die Luftmasse auf die Orografie des Texas Hill Country. Der nach Norden geführte Feuchtegehalt wies für die Jahreszeit teilweise Rekordwerte auf. Die Folge war ein rasches Aufsteigen der Luftmassen mit der Entwicklung hochreichender intensiver Gewitter. 

Zu alle dem kam noch der MCV (ehemals TS BARRY) ins Spiel, der zu dem Zeitpunkt nördlich des Texas Hill Country nach Osten zog und für zusätzliche Hebung sorgte. Die extrem feuchte Luftmasse wurde nun nicht nur entlang der Orografie gehoben, sondern auch durch den MCV, wodurch gewaltige Gewittercluster entstanden. Diese gingen über mehrere Stunden hinweg zum Teil mit Regenraten von über 100 l/qm pro Stunde einher und sorgten aufsummiert für extreme Niederschlagsmengen und Überschwemmungen. Flusspegel stiegen innerhalb kürzester Zeit um mehrere Meter an und ließen kleine Bäche und Flussläufe zu reißenden Fluten werden. 

Abgesehen von den unzähligen anderen Faktoren, die zu diesem Unglück führten, war der meteorologische Teil sicherlich als extrem zu bezeichnen. So fielen die Regenmengen teils mit einer Wiederkehrzeit von mehr als 1000 Jahren. Dennoch wurde frühzeitig von verschiedenen Seiten der NOAA auf das sich allmählich aufbauende Extremereignis hingewiesen. Als der Regen einsetzte und sich die Flutwelle in Bewegung setzte, nahm die Katastrophe mitten in der Nacht ihren unbarmherzigen Lauf und überraschte unzählige Menschen im Schlaf.
Am heutigen Sonntagmorgen (Ortszeit in Texas) besteht im südlichen zentralen Texas, etwas nördlich von Kerr County, eine ähnliche Wettersituation. Derzeit kommen stündliche Regenraten von 50 bis 100 l/qm vor. In der Nähe des San Saba Rivers fielen innerhalb von sechs Stunden bereits 100 bis 220 l/qm Regen. Bleibt zu hoffen, dass es nicht erneut zu solch furchtbaren Sturzfluten kommt. 

Diplom-Meteorologen J. und H. Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Sommer, Sonne, Cocktailwetter?!

Ein sommerlicher Abend, nicht zu heiß, aber doch warm genug, um noch lange draußen zu sitzen, um bei einem Cocktail einen Tag im Garten oder im Freibad gebührend ausklingen zu lassen. Doch wird das Wetter an diesem Wochenende solchen Vorstellungen von Sommer gerecht? Und warum zielt der Titel bereits auf Cocktails ab? 

Dies liegt mitunter daran, dass in den USA am Donnerstag, den 10. Juli, der „Tag der Piña Colada“ und am gestrigen Freitag, den 11. Juli, der „Mojito-Tag“ begangen wurde. 

Im Falle des „Tags der Piña Colada“ ist leider nicht bekannt, wer diesen Aktionstag ins Leben rief und seit wann dieser begangen wird. Einige Quellen behaupten, er wurde von US-Barkeepern in den späten 1950er-Jahren initiiert. Ein kanadischer Zeitungsartikel aus dem Jahr 1985 gilt als erste schriftliche Erwähnung dieses Aktionstags. Aus dem Artikel mit einer Liste weiterer kurioser Feiertage geht hervor, dass der „Tag der Piña Colada“ auf den 10. Juli fällt. Eine Begründung für die Wahl dieses Datums wurde darin aber nicht genannt. 

Die Piña Colada (span. piña = Ananas, colar = durchsieben) ist weltweit einer der beliebtesten Cocktails, der aus den Basiszutaten Ananassaft, Kokosnusscreme und Rum gemixt wird. Sie steht für karibische Lebensfreude, weswegen der Gouverneur Puerto Ricos Rafael Hernández Colón sie 1978 zum Nationalgetränk erklärte. Bereits 1922 findet sich die Beschreibung eines Cocktails aus Ananassaft und Rum. Mixgetränke aus den für die Piña Colada benötigten Zutaten waren aber schon unter den Seeleuten und Piraten des 19. Jahrhunderts bekannt. Es gibt allerdings zwei Bars in Puerto Rico, die von sich behaupten, die Erfinder der Piña Colada zu sein. In der Bar „La Barrachina“ in San Juan soll der Barkeeper Ron Ramon Portas Mingot 1963 den Cocktail zum ersten Mal gemixt haben. Aber auch die „Caribe Hilton’s Beachcomber Bar“ proklamiert die Erfindung für sich. Hierbei besteht allerdings Uneinigkeit darüber, welchem Barkeeper das Kunststück gelang: dem gebürtig aus Spanien stammenden Barkeeper Ricardo Gracia 1953 oder Ramón „Monchito“ Marrero 1954. So oder so nahm die Beliebtheit dieses Cocktails unaufhörlich zu, bedingt vielleicht auch durch das von Rupert Holmes 1979 verfasste Lied „Escape (The Piña Colada Song)“. 

Einem anderen sehr beliebten Cocktail, dem Mojito, wurde am gestrigen Freitag ein Aktionstag gewidmet. Mojito besteht in seinen Basiszutaten aus Limettensaft, Minzblättern, weißem Rohrzucker, Sodawasser und hellem kubanischen Rum. Über die Ursprünge, also den Initiator oder das Gründungsjahr, ist auch im Falle des „Mojito-Tags“ kaum etwas bekannt. Und auch warum der 11. Juli für diesen Aktionstag gewählt wurde, ist nicht überliefert. 

Woher der Name „Mojito“ stammt, ist ebenfalls nicht überliefert. Es gibt Theorien, dass sich der Name vom westafrikanischen „mojo“, einem Stoffbeutel mit magischen Gegenständen, oder vom spanischen „mojar“ (deutsch: nassmachen) ableiten könnte. Wirklich nachweisen lässt sich aber keine Theorie. Bekannt ist hingegen, dass die Wurzeln des Mojitos auf Kuba zu finden sind. Der Cocktail steht damit in der Tradition karibischer Rum-Mixgetränke. Angeblich soll bereits im 16. Jahrhundert der Freibeuter Francis Drake eine Art Mojito aus Limetten, Minzblättern, Zucker und dem Zuckerrohrschnaps Aguardiente de Caña konsumiert haben. Auch wenn rund um die Geschichte des Mojitos kaum etwas bekannt ist, so ändert das nichts an der großen Beliebtheit dieses Cocktails. 

Doch nun zu der Frage, wie das Wetter an diesem Wochenende wird? Wo kann man sich mit einem Cocktail seiner Wahl nach draußen setzen und wo sollte man den lieber drinnen genießen? Aus der letzten Frage geht bereits hervor, dass nicht überall die Sonne unentwegt vom Himmel scheint. 

An diesem Wochenende befinden wir uns hinsichtlich wetterwirksamer Druckgebilde tatsächlich etwas zwischen den Stühlen. Tief GABRIEL mit seinem Kern über Nordostdeutschland versorgt den Nordosten und Osten des Landes mit vielen Wolken, aber auch dem sicherlich lang ersehnten Regen. Diese schauerartigen Regenfälle können mitunter kräftig sein, einzelne Gewitter sind ebenfalls möglich. Die Höchsttemperaturen liegen am heutigen Samstag dabei zwischen 18 und 24 Grad. An der Ostsee frischt der Nordostwind mitunter stark böig auf. 

Anders sieht es hingegen im Südwesten und Süden aus. Diese Regionen liegen unter schwachem Hochdruckeinfluss (DORLE). Bei sommerlichen 24 bis 29 Grad ziehen zeitweise Wolken über den Himmel, vielfach scheint die Sonne auch länger. Zudem ist es meist trocken, am ehesten sind in Ostbayern einzelne Schauer oder Gewitter möglich. Abends kühlt es insbesondere in den Hochlagen schneller ab, aber ausgerüstet mit Jacke oder Decke lässt sich ein Cocktail durchaus draußen genießen. 

Sommer Sonne Cocktailwetter 1

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Samstag, den 12.07.2025  

Auch am morgigen Sonntag zeigt sich ein ähnliches Bild. Im Süden scheint bei lockerer Bewölkung häufig die Sonne und es ist dort mit 25 bis 31 Grad sommerlich warm. An den Alpen und im südlichen Baden-Württemberg sind zum Nachmittag einzelne Gewitter möglich. In den übrigen Landesteilen treten bei wechselnder bis starker Bewölkung schauerartige Regenfälle, örtlich auch kräftige Gewitter auf. Die Höchsttemperaturen erreichen dabei Werte von 21 bis 24 Grad. 

Sommer Sonne Cocktailwetter 2

Wettervorhersage sowie Vorhersage der Tageshöchsttemperaturen in Deutschland am Sonntag, den 13.07.2025 

Bezogen auf den Titel „Sommer, Sonne, Cocktailwetter?!“ kann man also resümieren, dass Sonnenschein nicht allen vergönnt ist. Ob das Wetter vor Ort zu einem Cocktail einlädt oder nicht, bleibt aber jedem selbst überlassen. 

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Europawetter

Vor allem zwischen Ostsee und Erzgebirge wird man aufatmen – zumindest, wenn die Wettervorhersagemodelle recht behalten sollten. Tief GABRIEL sorgt übers Wochenende dort für einiges an Regen. Lokal eng begrenzt kann es sogar schon wieder etwas (zu) viel werden, denn kräftige Schauer und Gewitter können durchaus Unwetterpotential aufweisen. Und auch in den übrigen Gebieten, so z. B. in der Nordhälfte Bayerns, wird der Mangel an Niederschlag etwas abgemildert. 

Europawetter 1

Tief GABRIEL und die Temperaturverteilung sowie die angedeutete Strömung im Niveau 850 hPa (ca. 1,5 km Höhe)

Auf seinem Weg vom südlichen Baltikum nach Westen erreicht GABRIEL am morgigen Samstagmittag das Stettiner Haff. In Abbildung 1 ist seine Position um 12 UTC (14 MESZ) zu sehen, zusammen mit der durch Pfeile angedeuteten, gegen den Uhrzeigersinn verlaufenden Zirkulation um Gabriel herum. Dazu liefert Abbildung 1 auch Informationen über die Temperaturen in ca. 1,5 km Höhe. Die in Orange und Rot gehaltenen Bereiche relativ hoher 850 hPa-Temperaturen bilden dabei einen Ring um GABRIEL, wobei dieser in gewisser Weise als steuerndes Zentraltief fungiert. 

Die Temperaturunterschiede sind dabei durchaus beachtlich. Über der zentralen Ostsee in unmittelbarer Nähe des Tiefkerns liegen sie teils nur um 7°C, dagegen können Teile Nordwestrusslands mit bis zu 20°C aufwarten. Insbesondere vom östlichen Schwarzen Meer, dem Kaukasus und dem Kaspischen Meer wird in einem breiten Streifen heiße Luft über den Westen Russlands hinweg bis nach Skandinavien geführt. Westlich von Tief GABRIEL und damit über Westeuropa ist die Strömung dagegen etwas diffuser und nicht so klar konturiert. Für den „warmen“ oder „heißen“ Ring braucht es dort die Hilfe von Hochdruckgebieten, deren Absinken für eine Austrocknung und Erwärmung der Luftmassen sorgt. 

Europawetter 2

Höchsttemperaturen in Europa am kommenden Sonntag 

Wie stark sich insbesondere das „Förderband“ östlich von GABRIEL bei den Höchsttemperaturen bemerkbar macht, zeigt Abbildung 2. Nördlich des Kaukasus werden am Sonntag Höchstwerte von 35 bis 40°C erwartet, gebietsweise kann es auch noch etwas mehr sein. Die Region um Moskau bringt es auf bis zu 30°C, und selbst in Skandinavien und England, die man normalerweise nicht mit solchen Temperaturen in Verbindung bringt, fällt zumindest lokal die 30°C-Marke. Für das Mittelmeer sind dies sicherlich im Juli erwartbare Maxima, in Deutschland kann sich in den erlauchten Kreis der „30er“ nur der Oberrhein einreihen. Überall dort, wo GABRIEL für viele Wolken sorgt, schwanken die sonntäglichen Maxima um 25°C, und wenn dann auch noch eine ordentliche Portion Regen dazu kommt, schaffen es die Maxima sogar nur knapp über 20°C – wenn überhaupt. 

Skandinavien hat es bezüglich des Sonnenscheins und des damit verbundenen „Sahnehäubchens“ bei den Höchstwerten etwas besser als wir. Einerseits scheint dort die Sonne am Wochenende von einem oft blitzblank geputzten Himmel, andererseits sind im hohen Norden die Tage noch immer bemerkenswert lang. So geht im mittelschwedischen Gunnarn am morgigen Samstag die Sonne schon um 02:37 MESZ auf und erst um 23:12 MESZ unter. Gunnarn ist für MOSMIX auch der „Top-Pick“ bei den sonntäglichen Maximalwerten: 31°C peilt das Modell dort an, der entsprechende Wert ist auch in Abbildung 2 zu finden. 

Europawetter 3

Klimadiagramm der Station Sundsvall-Härnösand (Mittelschweden) 

Da die Temperaturen in Mittelschweden in der Nacht zum Montag auch nur auf meist 19 bis 14°C zurückgehen (Gunnarn: 17°C) und damit teils knapp an der Tropennacht vorbeischrammen, ergeben sich in der Folge recht hohe Tagesmitteltemperaturen. Für die in Abbildung 2 mit einem grünen Stern markierte Station Sundsvall-Härnösand liegen die nächtlichen Minima bei 14°C und die Höchstwerte bei 26°C, was grob über den Daumen gepeilt eine Tagesmitteltemperatur von 20°C bedeutet. Dass dies deutlich mehr ist als zu der Zeit normalerweise zu erwarten ist, zeigt Abbildung 3. Dort ist das Klimadiagramm von Sundsvall-Härnösand zu sehen. Immerhin weicht die geschätzte Mitteltemperatur um 5°C von der klimatologisch zu erwartenden ab. In Gunnarn dürfte es sogar noch etwas mehr sein. 

Diplom-Meteorologe Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Wie entstehen Vulkanblitze?

Es zischt und brodelt, die Erde bebt und plötzlich bricht ein Vulkan aus. Ständig passiert das irgendwo auf der Welt. Teilweise auf wirklich beeindruckende sowie auch furchteinflößende Art und Weise wie beispielsweise am Montag, als der Vulkan Lewotobi Laki-Laki auf der indonesischen Insel Flores ausbrach und eine 18 km hohe Aschewolke in den Himmel spuckte. 

Vulkanausbrüche begleiten die Menschheit seit jeher. Plinius, ein antiker Augenzeuge, schildert beispielsweise eine Gas-Aschewolke und die in ihr stattfindenden Gewitter folgendermaßen: „Eine schaurige schwarze Wolke, kreuz und quer von feurigen Schlangenlinien durchzuckt, die sich in lange Flammengarben spalteten, Blitzen ähnlich, nur größer.“ Solche Blitze, die denen in Gewittern ähneln, gibt es häufig bei Vulkanausbrüchen und waren schon mehrmals Gegenstand von Untersuchungen. 

Beispielsweise wurden an der LMU München kleine Vulkanexplosionen im Labor nachgestellt. Dabei wurde echte Vulkanasche unter hohem Druck in einem Edelstahlrohr nach oben katapultiert und der nachgestellte Vulkanausbruch mithilfe einer Hochgeschwindigkeitskammer durch Plexiglasfenster beobachtet. Dabei wurden selbst bei dieser sehr kleinen Ascheeruption sogenannte Vulkanblitze festgestellt. Diese Blitze lassen sich durchaus mit den Blitzen in herkömmlichen Gewittern vergleichen. Logischerweise ist Hochspannung in beiden Fällen die Voraussetzung, allerdings sind die physikalischen Entstehungsbedingungen mitunter sehr unterschiedlich. 

Unterschiedliche Mechanismen können zur Aufladung von Asche führen. Das geschieht durch Wechselwirkung mit Wasser, die Wechselwirkung mit der Umgebungsatmosphäre bzw. der natürlichen Radioaktivität, die Ladungstrennung durch fragmentieren der Aschepartikel und die triboelektrische Aufladung, die durch Reibung zwischen den Aschepartikeln entsteht. Vor allem die letzten beiden Punkte sind von größerem Interesse, denn sie sind eng mit der Dynamik von explosiven Ausbrüchen verknüpft. Bei einem Ausbruch wird nämlich Magma zerrissen, also fragmentiert und es entstehen feste Partikel, die unterschiedlich groß sind. Diese werden nun im Schlot des Vulkans sowie später auch in der Atmosphäre nach oben katapultiert und stoßen mit hoher Energie zusammen oder fliegen aneinander vorbei. Dabei kommt es nun zur elektrostatischen Aufladung und Ladungstrennung. Es entstehen also positiv und negativ geladene Teilchen. In der Aschewolke kommt es also ähnlich wie in einer Gewitterwolke, wo ebenfalls Ladungstrennung stattfindet, zum Aufbau einer großen Spannung. Auf der einen Seite die positiv geladenen Ascheteilchen weiter unten in der Wolke und die negativ geladenen weiter oben. Wird die Spannung zu groß, kommt es zur Entladung mit dem Vulkanblitz. Diese Blitze können mit Messantennen registriert werden. 

Besonders relevant ist die Messung solcher Blitze für die Luftfahrt, denn es lassen sich Rückschlüsse auf die Größe der Aschepartikel ziehen. Kleinere Aschepartikel halten sich länger in großen Höhen und können somit die Luftfahrt erheblich beeinflussen: Für die europäische Luftfahrt hatte der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island im März 2010 beispielsweise erhebliche Auswirkungen. Aber auch aktuell gibt es rund um den Lewotobi Laki-Laki Einschränkungen im Flugverkehr. 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst