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Schlagwortarchiv für: Geosmin

Der Geruch von Regen

12. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach einem trockenen Tag setzt Regen ein und plötzlich liegt ein ganz besonderer Duft in der Luft. Dieser Geruch wird oft als frisch, erdig oder beruhigend beschrieben. Er fällt besonders nach längeren Trockenphasen deutlich auf. Doch woher kommt dieser typische „Regengeruch“ eigentlich?

Dieser besondere Duft, der entsteht, wenn Regen auf trockenen Boden fällt, wurde von Wissenschaftlern in den 60er-Jahren Petrichor genannt. Petrichor stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus den Worten „Petra” (Stein) und „Ichor” (die Flüssigkeit in den Adern der Götter) zusammen.

Der Geruch setzt sich aus Pflanzenölen zusammen, die von Pflanzen in Trockenphasen ausgeschieden und vom Boden sowie Gestein aufgenommen werden. Bei Regen lösen sich diese Öle und werden freigesetzt. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das sogenannte Geosmin, das für den erdigen Anteil des Dufts verantwortlich ist. Es gehört zur Stoffgruppe der bizyklischen tertiären Alkohole und wird von bestimmten Bodenbakterien gebildet. Geosmin ist so intensiv, dass Menschen es selbst in sehr niedriger Konzentration erkennen können. Forscher vermuten, dass diese hohe Sensibilität den Menschen früher dabei half, lebensnotwendige Wasserquellen in trockenen Gebieten aufzuspüren. Gerade nach längerer Trockenheit sammelt sich der Stoff verstärkt im Boden an und wird besonders durch die ersten Regentropfen freigesetzt.

Der genaue Mechanismus, durch den diese Duftstoffe freigesetzt werden, wurde erst im Jahr 2015 von Forschern des Massachusetts Institute of Technology mithilfe von Hochgeschwindigkeitskameras erforscht. Beim Aufprall von Regentropfen auf porösem Boden schließen die Tropfen kleine Luftblasen ein. Diese steigen innerhalb des Regentropfens nach oben und platzen anschließend an der Oberfläche, ähnlich wie Champagnerblasen. Dabei schleudern sie winzige Aerosole in die Luft, die die Duftstoffe enthalten.

Besonders viel Aerosol entsteht bei leichtem bis mäßigem Regen. Bei starkem Regen entstehen deutlich weniger, da die Tropfen zu schnell aufprallen und sich somit weniger Luftblasen bilden können.

Wärme verstärkt die Verdunstung und damit auch die Verteilung der Duftstoffe in der Luft. Deshalb wird der Geruch an warmen Tagen häufig als besonders intensiv wahrgenommen.
Allerdings entsteht nicht immer der gleiche Eindruck. In Städten mischen sich beispielsweise Gerüche von Asphalt, Pflanzen, Staub oder Abgasen mit der feuchten Luft. Auf dem Land dominieren dagegen häufig Gerüche von Erde, Grasflächen oder Wäldern. Dadurch kann Regenluft regional sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.

Ein Sommergewitter bringt nach längerer Trockenheit Regen.

Dipl.- Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Der-Geruch-von-Regen-scaled.jpg 1440 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-12 17:18:022026-05-12 17:18:39Der Geruch von Regen

Petrichor – Der Duft des Regens

19. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Nach einer langen Periode ohne Regen stieg mir heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit ein bekannter Geruch in die Nase – der Duft nach Regen. Kaum fallen die ersten Regentropfen auf den Boden, kann man den erdig-frischen und leicht feuchten Geruch aufspüren. Jeder kennt diesen „Regenduft“ und die meisten empfinden diesen Geruch als angenehm. Aber was riecht man da eigentlich? Regentropfen bestehen ja aus reinem Wasser, also H2O, und das ist bekanntlich geruchlos. Im heutigen Thema des Tages gehen wir dieser Frage auf den Grund.

Anscheinend haben sich schon vor vielen Jahrzehnten die Leute genau diese Frage gestellt. Im Jahre 1964 veröffentlichten nämlich die beiden australischen Wissenschaftler I.J. Bear und R.G. Thomas im auch heute noch angesehenen Wissenschaftsmagazin „Nature“ einen Artikel, in dem sie dem unverkennbaren Geruch den Namen „Petrichor“ gaben. Dieser Name leitet sich von den beiden griechischen Wörtern „petros“ (deutsch: Stein) und „ichor“ (deutsch: Flüssigkeit in den Adern der griechischen Götter) ab.

In dieser Studie haben die beiden Forscher einen wesentlichen Bestandteil des Regengeruchs identifizieren können. Sie fanden heraus, dass Pflanzen während Trockenphasen ein gelbliches Öl produzieren und absondern. Dieses ätherische Öl wird von Böden und Gesteinen (daher der Namensbestandteil „petros“) absorbiert, also auch von Gehwegen und Straßen. Neuere Studien haben ergeben, dass noch ein weiterer Stoff für den Geruch verantwortlich ist. Die Rede ist von einem Alkohol namens Geosmin, der von Bakterien im Erdboden produziert wird. Diese Mikroorganismen fahren bei Hitze und/oder Trockenheit ihren Stoffwechsel auf das Nötigste herunter. Sobald die Bakterien mit Wasser in Kontakt kommen, werden sie wieder aktiv und geben unter anderem das flüchtige und stark riechende Geosmin ab. Manchmal genügt schon Tau an einem kühlen Frühlingsmorgen, um die Bakterien zu aktivieren. Zusammen mit dem ätherischen Öl der Pflanzen und Staub auf Steinen entsteht so das bekannte erdige und frische Aroma des Petrichor.

Im Jahre 2015 fanden Forscher des „Massachusetts Institute of Technology“ mittels Hochgeschwindigkeitskameras einen weiteren wichtigen Effekt heraus, der den intensiven Geruch erklärt. Wenn die Regentropfen auf den staubigen Boden treffen, bilden sich kleine Luftbläschen, in denen die winzigen Geruchspartikel eingeschlossen sind. Diese Bläschen platzen allerdings rasch auf und bereits ein schwacher Luftzug oder Luftverwirbelungen genügen, um das Aroma in der Luft zu verbreiten. Der gleiche Effekt verursacht übrigens auch den intensiven Geruch beim Öffnen von Sekt- oder Erfrischungsgetränkeflaschen, da die aufsteigende Kohlensäure aufplatzt und so der Duft der Getränke verbreitet wird.

Wie intensiv der Petrichor ist, hängt von der Porosität und Feuchtigkeit des Bodens ab. Besitzt der Boden viele Hohlräume und ist sehr trocken, ist das förderlich für ein starkes Regenaroma. Beste Voraussetzung bildet leichter Regen, der auf einen feinporigen und staubtrockenen Boden fällt, aus dem sich zahlreiche Partikel lösen können. Deshalb riecht man den Regen meist nach längeren Trockenperioden oder im Sommer bei Gewittern, wenn die Hitze den Erdboden zuvor stark ausgetrocknet hat. Neben Lehmböden sind Waldböden gute Quellen für einen intensiven Duft, da sich in diesen Bodenarten genügend Hohlräume befinden, aus denen die Luftblasen heraussteigen können. Regnet es hingegen sehr stark oder langanhaltend, dann ist der Boden schnell durchnässt und eine Wasserschicht legt sich über den Boden, durch die keine Luftbläschen mehr emporsteigen können – der Regenduft versiegt bzw. tritt erst gar nicht auf. Aus diesem Grund kann man den Geruch auch nur zum Beginn des Regens wahrnehmen.

Manchmal riecht man den Petrichor schon einige Zeit vor Eintreffen des Regens und bisweilen bleibt der Regen auch gänzlich aus. Nähert sich beispielsweise im Sommer eine Gewitterlinie, dann frischt oft schon einige Zeit im Voraus aus Richtung der aufziehenden Gewitter der Wind böig auf und die Luft kühlt ab. Man bekommt den kalten Ausfluss der Gewitterlinie zu spüren, der den Regengeruch mit sich führt und mitunter auch in Regionen transportiert, die später vom Regen gar nichts abbekommen. Man riecht also förmlich den Regen aus der Ferne.

Zum Abschluss noch eine kleine Kuriosität: Da die meisten Leute den Regenduft als angenehm empfinden, kann man Petrichor sogar als Duftöl für den Einsatz in Kerzen oder als Zugabe in Luftbefeuchtern kaufen. Selbst als Eau de Cologne kann man diesen Duft tragen. Manch ein Regen- oder Naturliebhaber würde sich als Geschenk vielleicht über eines dieser doch sehr ausgefallenen Produkte freuen.

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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