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Schlagwortarchiv für: Inversion

Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

23. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Eine trockene Luftmasse, wolkenlose Bedingungen und möglichst wenig Wind – dies sind die Bedingungen, die es für niedrige Tiefstwerte braucht. All diese Voraussetzungen waren in der Nacht zum Mittwoch verbreitet und in der Nacht zum Donnerstag gebietsweise erfüllt. Ein klarer Himmel ist notwendig, damit der Boden effektiv Wärme in den Weltraum abstrahlt. Eine Wolkendecke würde für Gegenstrahlung Richtung Boden sorgen. Eine trockene Luftmasse ist wichtig, da sonst bei Abkühlung bald 100 % Luftfeuchtigkeit erreicht wären, Nebel entstehen würde und ein weiteres Abkühlen nur langsam voranschreiten würde. Schwacher Wind ist vonnöten, da sonst die sich bildende bodennahe Kaltluftschicht (kalte Luft ist schwerer als warme Luft) mit darüber liegender wärmerer Luft durchmischt werden würde.

Zeitreihe der Temperatur in verschiedenen Höhen in Hamburg vom 21. bis 23.04.2026. (Quelle:https://wettermast.uni-hamburg.de/frame.php?doc=Home.htm)

In der Nacht zum Mittwoch gab es abgesehen vom Südwesten verbreitet leichten Frost. Von Gipfellagen und einzelnen notorisch kalten Tallagen abgesehen war es besonders kalt in Bad Königshofen in Unterfranken (-3,6 Grad), in Sohland an der Spree (Sachsen) mit -3,5 Grad und im Norden von Schleswig-Holstein mit -3,4 Grad.

Wie flach die Kaltluftschicht tatsächlich war, lässt sich gut anhand des „Wettermastes“ in Osten von Hamburg dokumentieren. An diesem Mast sind in verschiedenen Höhen vom Boden bis in 280 Meter Höhe Messinstrumente vom meteorologischen Institut der Universität Hamburg angebracht. Diese messen unter vielen anderen Messgrößen die Temperatur. In Abbildung 2 ist die Temperatur der verschiedenen Höhen als Zeitreihe dargestellt. Am Dienstagabend sieht man die beginnende Abkühlung in allen Luftschichten, die aber umso ausgeprägter war, je tiefer sich der Messfühler befand. Ab 22 Uhr waren tiefere Luftschichten kälter als darüberliegende. Es hatte sich eine Inversion (inverse Temperaturschichtung) eingestellt. Kurz nach Sonnenaufgang zwischen 6:00 Uhr und 6:30 Uhr wurden die Tiefstwerte erreicht. Zwischen 2 m und 110 m Höhe betrug die Differenz etwa 10 Kelvin (-1 Grad in 2 m und +9 Grad in 110 m Höhe). Die mit Gras bewachsene Oberfläche des Bodens war sogar -6 Grad kalt. Nach Sonnenaufgang erwärmten sich die bodennahen Schichten durch die solare Strahlung rasch und die normale Temperaturschichtung stellte sich wieder ein. Mit knapp 17 Grad am Nachmittag wurde es trotz der niedrigen Startwerte noch mild. Der Tagesgang zwischen Tiefst- und Höchstwert betrug etwa 18 Grad. Gebietsweise wurden sogar Tagesgänge um 20 Grad erreicht, wie zum Beispiel in Celle mit 20,5 Grad (-1,5/19 Grad).

Messwerte: Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 22. und 23.04.2026

In der Nacht zum Donnerstag zogen im Norden Wolken auf und bereits das Fehlen eines der drei Parameter führte zu deutlich höheren Nachtwerten über dem Gefrierpunkt. In der Mitte und im Süden des Landes wiederholte sich das Spiel der Nacht zuvor aber wieder. Örtlich wurden erneut -3 bis -4 Grad gemessen. Deutschlandweit am wärmsten waren die etwas erhöhten Lagen im Südwesten. In Bad Bergzabern in der Pfalz sank die Temperatur nicht unter 8,1 Grad, in der Tallage Kaiserslautern dagegen bis auf 0,3 Grad.

Prognose (MOS): Tiefstwerte der Temperatur in 2 m Höhe am 24. und 25.04.2026

In den kommenden Nächten wird es zwar allmählich etwas milder. Im Süden ist die Frostgefahr aber noch nicht gebannt. Besonders in ländlichen Tallagen wird es auch in den Nächten zum Freitag und Samstag leichten Frost geben. Im Norden sorgen dagegen Wolken und Wind für mildere Nächte.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/04/Flache-Kaltluftschicht-und-grosse-Tagesgaenge-1.png 326 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-04-23 14:50:132026-05-11 13:35:59Flache Kaltluftschicht und große Tagesgänge

Massiver Hochdruckeinfluss mit Überraschungspotenzial

6. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hochdruckwetter im Winter: Statt Sonne bedeutet das oftmals eher grauer Himmel und Sprühregen. Ein Klassiker, der an dieser Stelle schon häufig thematisiert wurde. Und so stehen auch am heutigen Donnerstag viele Barometerzeiger auf „beständig“ oder „schön“ – kein Wunder bei einem Luftdruck von stolzen 1040 hPa, während in den Frühstunden von der östlichen Mitte bis in den Süden Schneegriesel und gefrierender Sprühregen für glatte Straßen sorgten. 

Analyse des Luftdrucks am Boden (Werte in hPa) und der Fronten vom 06.02.2025, 12 UTC. Rot: Warmfront, Blau: Kaltfront, Violett: Okklusion. (Quelle: DWD) 

ELVIRA heißt das massive Hoch, das seinen Schwerpunkt allmählich von England nach Südskandinavien verlagert. Mit Tiefdruckgebieten möchte ELVIRA nichts zu tun haben und lenkt sie entweder weit nach Norden oder nach Südwesteuropa ab. Aber der tiefe Luftdruck ist offensichtlich nicht auf den Kopf gefallen und hat sich etwas einfallen lassen, wie er doch noch unser Wetter in Deutschland beeinflussen kann: Er operiert aus der Höhe! 

Strömungsverhältnisse in ca. 5,5 km Höhe am 06.02.2025, 15 UTC (ICON-Prognose) (Quelle: DWD) 

Blickt man in höhere Luftschichten, zum Beispiel in rund 5,5 km Höhe, so zeigt sich ein komplett anderes Bild als in Bodennähe. Zwar ist dort auch ein Hoch zwischen Großbritannien und Skandinavien zu sehen, gleichzeitig erstreckt sich aber auch eine Tiefdruckzone von Osteuropa über Norddeutschland bis nach Nordfrankreich. Tja, und von dieser Zone gehen vor allem über der Mitte und dem Süden Deutschlands leichte Hebungsimpulse aus, das heißt, dort wird die Luft angehoben, was letztlich in örtlichem Sprühregen und Schneegriesel resultiert. Am Freitag gibt es ein ähnliches Spiel, dann ist neben der Mitte aber der Nordosten betroffen, wo es gerade in den Frühstunden zum Berufsverkehr örtlich sehr glatt werden kann. 

Und als wäre das „Gesprühe“ oder „Geriesel“ nicht schon genug, kommt morgen am Südrand von ELVIRA auch noch ein lebhafter und mitunter stark böiger Ostwind in Gang, auf den Bergen wird es sogar stürmisch. Dadurch wird sich die Luft deutlich kälter anfühlen, als sie bei meist niedrigen einstelligen Pluswerten eigentlich ist, Stichwort „Windchill„. 

Am Wochenende und voraussichtlich auch über die gesamte nächste Woche hinweg bleibt uns der kräftige Hochdruckeinfluss erhalten – zumindest am Boden. In höheren Luftschichten umzingeln uns dagegen weiterhin kleinräumige Tiefdruckgebiete, deren genaue Lage, Zugbahn und Ausprägung nur sehr schwer zu prognostizieren sind. Demnach bieten die nächsten Tage immer auch ein gewisses Überraschungspotenzial in Sachen regionaler Schnee- oder Regenfälle. 

Kleines Beispiel gefällig? Während der Großteil der Modellwelt für Sonntag einen ruhigen und überwiegend auch trockenen Sonne-Hochnebel-Mix im Programm hat, präsentierte die deutsche Modellkette (ICON) im heutigen 00-UTC-Lauf den Aufzug eines Schneefallgebiets über Norddeutschland (im 06-UTC-Lauf übrigens nicht mehr). Ähnlich wie ICON schwanken auch andere Modelle von Lauf zu Lauf immer wieder hin und her. Eine solche Kreativität der Wettermodelle könnte uns auch die nächste Woche über begleiten und bei den Vorhersagemeteorologen mitunter einiges an Stirnrunzeln verursachen. 

Modellvergleich (Lauf jeweils 06.02., 00 UTC): Prognose Niederschlagssumme (6 h) für Sonntag, 09.02. zwischen 12 und 18 UTC. (Quelle: DWD)

Vergleich verschiedener Prognoseläufe von ICON: Niederschlagssumme (6 h) für Sonntag, 09.02. zwischen 00 und 06 UTC. (Quelle: DWD) 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Massiver-Hochdruckeinfluss-mit-Ueberraschungspotenzial-teil-1.png 3114 4389 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-06 17:56:222025-02-17 18:51:14Massiver Hochdruckeinfluss mit Überraschungspotenzial
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