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Schlagwortarchiv für: Kältewelle

Februar 1956 – Ein Leben wie im Eisschrank 

25. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der diesjährige Winter war bisher kälter als die der vergangenen Jahre und zumindest in der Nordhälfte und im Osten gab es regional auch schon jede Menge Schnee. Dabei verlief der Januar bisher dennoch „nur“ durchschnittlich, verglichen mit der Periode 1991-2020. Wem dies schon kalt vorkam, wird staunen, was sich vor 70 Jahren ereignete. Im Februar 1956 suchte eine extreme Kältewelle Deutschland und weite Teile Europas heim. Die Durchschnittstemperatur lag damals in Deutschland mit -9,6 °C unglaubliche 10 Grad unter dem langjährigen Mittel von 1961-1990 und 11,1 Grad unter dem von 1991-2020. Ähnlich kalt war es zuvor auch schon im Februar 1929, welche die beiden kältesten Monate seit Messbeginn in Deutschland darstellen. 

Ältere Bürger werden sich sicher noch an diese Kältewelle aus Kindheitstagen oder ihrer Jugend erinnern. Damit auch die jüngeren unter uns eine Vorstellung davon bekommen, wie extrem diese Kälteperiode war, vergleichen wir den Februar 1956 zunächst mit kalten Monaten aus der jüngeren Vergangenheit. Der letzte deutschlandweit kalte Februar ereignete sich im Jahr 2012, als bei eisigen Temperaturen zahlreiche Flüsse zu Eis erstarrten. Damals lag die durchschnittliche Februartemperatur allerdings gerade einmal bei -2,5 °C, also rund 7 Grad über der von Februar 1956. Auch die kalten Monate Januar und Dezember 2010 waren mit -3,2 und -4,5 °C deutlich weniger eisig als dieser Ausnahmemonat. 

Um in Deutschland derart kalte Temperaturen zu erreichen, müssen viele Faktoren gleichzeitig zusammenspielen. Zum einen muss ein andauerndes Hoch über dem Atlantik Tiefdruckgebieten den Weg zu uns versperren, welche normalerweise von Westen feuchte und milde Luft im Gepäck haben. Zum anderen müssen sowohl Hochdruckgebiete über Skandinavien oder Nordosteuropa im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck im Mittelmeerraum mit einer östlichen bis nordöstlichen Strömung sibirische Kaltluft nach Deutschland transportieren. Außerdem kann eine Schneedecke die nächtliche Abkühlung in sternenklaren Nächten unterstützen. Diese Bedingungen waren 1956 gegeben. 

Abb. 1: Großwetterlage am 01.02.1956 (links) und 05.02.1956 (rechts). Dargestellt sind die 850 hPa pseudopotentielle Temperatur (Farbflächen, °C) und der Bodendruck (weiße Isolinien). Zur Orientierung ist Deutschland gelb eingerahmt. (Quelle: www.wetter3.de) 

Bereits Ende Januar nahm die extreme Kälteperiode ihren Anfang. Zum Monatswechsel lag ein kräftiges Hoch über Skandinavien und ein Tief über dem zentralen Mittelmeer (Abb. 1, links). Zuvor konnte sich über Sibirien ein massiver Kaltluftkörper bilden, der mit einer strammen Ostströmung nach Deutschland gelangte, ohne sich deutlich zu erwärmen. Dadurch verharrten die Temperaturen selbst tagsüber verbreitet bei -15 °C, in der östlichen Mitte stieg die Temperatur teils nicht über -20 °C. Im oberfränkischen Hof betrug die Höchsttemperatur unglaubliche -21,2 °C. Zu dieser Zeit lagen im Flachland nur wenige Zentimeter Schnee, in Teilen Ostdeutschlands war es sogar schneefrei. Daher schlugen die bitterkalten Nächte von vielfach -20, in der Mitte und im Süden örtlich sogar bis -30 °C, stellenweise als verheerende Kahlfröste besonders schlimm zu. Im Erzgebirge sank in Marienberg die Temperatur auf -35,5 °C. 

Abb. 2: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 08.02.1956 (links) und 10.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Ab dem 3. Februar sickerte im Nordwesten vorübergehend etwas mildere Luft ein (Abb. 1, rechts), sodass die Temperaturen dort tagsüber knapp über den Gefrierpunkt stiegen, im Süden blieb es weiterhin frostig. Schon in den Folgetagen baute sich über dem Atlantik ein neues Hochdruckgebiet auf, das bis ins Nordmeer und nach Westsibirien vordrang. An dessen Ostflanke zog am 8. Februar ein kleines Schneetief von Norden kommend über die Osthälfte Deutschlands und lud dort verbreitet satte 10 bis 20 cm Schnee ab (Abb. 2, links). 

Abb. 3: Gemessene Temperaturen (Tagesmaximum und Tagesminimum) in °C an den DWD-Wetterstationen Hamburg-Fuhlsbüttel, Dresden-Strehlen, Köln Botanischer Garten und München-Nymphenburg. (Quelle:DWD)  

Ab dem 9. Februar kam, verursacht durch ein Hoch über Großbritannien und der Nordsee, zusammen mit einem weiteren kräftigen Hoch über dem Nordpolarmeer und einem Tief über dem zentralen Mittelmeer, eine kräftige Nordostströmung in Gang, die erneut extrem kalte Luft nach Deutschland führte (Abb. 2, rechts). Außer im Nordwesten sank die Temperatur über der Schneedecke verbreitet auf -20 bis -30 °C. Schon in der Nacht zum 9. Februar fiel die Temperatur in Görlitz in der Lausitz auf -30,8 °C und kam tagsüber nicht über -21,3 °C hinaus. Der Höhepunkt dieser Kältewelle war in der Nacht zum und am 10. Februar erreicht (Abb. 3). Vor allem in Sachsen und Bayern sanken die Temperaturen verbreitet auf -25 bis -35 °C. In Waldsassen (Oberpfalz) stürzte die Temperatur sogar auf -36,3°C, in Wasserburg am Inn waren es -35,1 °C. Auch tagsüber blieb es bitterkalt. In der Südosthälfte lagen die Höchsttemperaturen unter -10, am Alpenrand sogar unter -20 °C. Im Oberallgäu betrug die Höchsttemperatur in Oy-Mittelberg kaum vorstellbare -24,0 °C, in Bad Kohlgrub nahe Garmisch-Partenkirchen wurden maximal -23,8 °C gemessen. Damit war es dort ganztags kälter als in einem gewöhnlichen Eisschrank. 

Abb. 4: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 15.02.1956 (links) und 18.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Zwischen dem 13. und 16. Februar kreisten mehrere kleine Tiefs über Mitteleuropa (Abb. 4, links) und brachten nun auch dem Westen Deutschlands eine ordentliche Packung Schnee (20 bis 40 cm Neuschnee im Flachland). Somit lag nun mit Ausnahme des Nordwestens fast flächendeckend im Tiefland eine 15 bis 30, gebietsweise sogar 50 cm mächtige Schneedecke. Zu allem Überfluss erneuerte sich danach nochmals die Ostströmung und es dominierte in weiten Teilen Europas Hochdruckeinfluss (Abb. 4, rechts und Abb. 5, links). Dauerfrost um -5 °C, teils auch um -10 °C, und eisige Nächte von -10 bis unter -20 °C waren die Folge. Im Brandenburgischen Wustrau-Ziehtenhorst wurden in der Nacht zum 24. Februar nochmals -30 °C erreicht. Bis zum 27. Februar sank die Temperatur in den Nächten gebietsweise unter -20 °C. 

Dennoch begann ab dem 25. Februar von Westen her eine leichte Milderung und erste Wetterstationen meldeten positive Temperaturen. Zum Monatsende stellte sich die Wetterlage grundlegend um (Abb. 5, rechts). Mit einer sich formierenden Westströmung wurde mildere Meeresluft herangeführt und es setzte allmählich Tauwetter ein. 

Abb. 5: wie Abb. 1, jedoch Großwetterlage am 22.02.1956 (links) und 29.02.1956 (rechts). (Quelle: www.wetter3.de) 

Die verheerende Kälteperiode ließ die meisten großen Flüsse Deutschlands zufrieren. Selbst der Rhein erstarrte an vielen Stellen zu Eis. In Mainz und weiter südlich konnte man auf den Eisschollen des Rheins spazieren gehen und bei Bingen bildete sich ein Eisstau. 

Dass wir nochmals einen ähnlich kalten Wintermonat wie vor 70 Jahren erleben werden, ist im Zuge des Klimawandels sehr unwahrscheinlich geworden, kann aber nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei ähnlichen Wetterkonstellationen wie damals kann es nach wie vor in Mitteleuropa extreme Kältewellen geben. In der vorindustriellen Zeit lag die Wiederkehrzeit solcher Kältewellen bei 50 bis 100 Jahren, mittlerweile dürfte sie jedoch deutlich höher liegen. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/01/Februar-1956-–-Ein-Leben-wie-im-Eisschrank-.png 471 1214 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-01-25 18:57:202026-01-26 19:07:21Februar 1956 – Ein Leben wie im Eisschrank 

Wetterrückblick: Der eisige Februarstart 2012

7. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bereits Ende Januar 2012 floss mit östlicher Strömung kalte Festlandluft nach Deutschland. Verbreitet blieben die Höchstwerte unter dem Gefrierpunkt. Eistage an sich sind nichts Ungewöhnliches zu dieser Jahreszeit. Die an den folgenden Tagen gemessenen Temperaturen waren es dann aber schon.
Ein sehr intensives und umfangreiches Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über dem Nordwesten Russlands erstreckte sich über Skandinavien bis zu den Britischen Inseln und noch etwas weiter westlich auf den Atlantik. An seiner Südflanke strömte sibirische Arktikluft (Kürzel cA) nach Mitteleuropa. Um eine Luftmasse zu klassifizieren, wird typischerweise die Temperatur auf einer Druckfläche von 850 Hektopascal (hPa), etwa 1500 Meter Höhe, herangenommen. Die Luftmasse Anfang Februar 2012 zeichnete sich durch sehr tiefe Temperaturen und einen sehr geringen Wassergehalt aus. In 850 hPa lag die Temperatur über Deutschland vom 2. bis 7. Februar 2012 zeitweise zwischen -15 und -20 Grad, örtlich war die Luft sogar noch etwas kälter.

Temperatur in 850 Hektopascal und Höhe dieser Druckfläche über Europa. (Quelle www.wetterzentrale.de)

Farbflächen: Temperatur in 850 Hektopascal (etwa 1500 Meter). Weiße Linien: Geopotenzial. Höhe der 850 HPa Druckfläche in Dekametern. 

 Nicht nur in der Höhe war es außerordentlich kalt, auch am Boden, besser gesagt in 2 Meter Höhe, wurden Werte gemessen, wie sie selten vorkommen. Besonders kalt waren der 6. und 7. Februar, wobei die tiefsten Werte jeweils im Osten und Süden Deutschlands registriert wurden. Am 6. Februar lag die Tiefsttemperatur verbreitet im strengen Frostbereich, nur am Niederrhein und auf manchen Nordseeinseln blieb es „wärmer“ als -10 Grad. Sonst lag die Temperatur verbreitet zwischen -10 und -20 Grad, im Osten und Süden gebietsweise auch noch tiefer. Die kältesten Werte wurden am Morgen an der Station Ueckermünde in Vorpommern mit -28,7 Grad und in Oberstdorf am Alpenrand mit -29,4 Grad, gemessen. Die Höchsttemperatur lag zwar etwas höher, eisig blieb es aber auch am Tage. An der Station Berlin-Tempelhof war beispielsweise bei -10,5 Grad, an der Station Leipzig/Halle bei -13,6 Grad und in Augsburg bei -11,2 Grad Schluss mit der tageszeitlichen Erwärmung.

Oben: Anzahl an Eistagen in Europa zwischen dem 25.01. und 16.02.2012, Unten: Mittlere Anzahl an Eistagen für 1961-1990 

Die Folgenacht zum 07. Februar war dann in der Fläche noch kälter. Nur an wenigen Stationen auf den Nord- oder Ostseeinseln lagen die Tiefstwerte nicht unter -10 Grad. Selbst ansonsten recht milde Regionen Deutschlands rutschten tief in den strengen Frostbereich. Beispielhaft St. Peter-Ording an der Nordsee mit -16,8 Grad, Frankfurt/Main mit -15,8 Grad oder Köln-Bonn mit -17,6 Grad. Diese tiefen Werte sind umso erstaunlicher, da sie ohne das Vorhandensein einer Schneedecke zustande kamen. Eine Schneedecke verhilft, vor allem wenn die Schneedecke frisch ist, zu einer tieferen Temperatur aufgrund einer verbesserten langwelligen Ausstrahlung und ein Blockieren des Boden-Wärme-Stroms. Im Osten und Süden des Landes lag zwar gebietsweise eine, wenn auch dünne Schneedecke, die für sehr niedrige Minima sorgte. Doch auch abseits davon traten extrem niedrige Werte auf, mit dem negativen Spitzenreiter Baruth südlich von Berlin mit -23,7 Grad. Diese sogenannten Kahlfröste gehören zu den strengsten, die jemals in Deutschland aufgetreten sind. Als Folge drang der Frost bis 80 cm Tiefe in den Boden. Weitere Folgen waren zugefrorene Seen und Flüsse bzw. Eisgang auf den Flüssen. Auf der Alster in Hamburg erreichte die Eisdicke 15 bis 22 cm am 8. Februar. Dort konnte damit letztmalig das Alstereisvergnügen mit Buden auf der Alster stattfinden.
 

Tägliche Temperaturabweichung im Februar 2012 für Nord- und Süddeutschland.  

An den Folgetagen setzte sich die sehr kalte Witterung zunächst fort, erst ab dem 13. Februar kam es von Nordwesten her zu einer deutlichen Milderung. Vom 1. bis 12. Februar lag die Mitteltemperatur in Deutschland bei -10,3 Grad und damit streckenweise im Bereich strenger Winter wie 1963, 1956 oder 1929. Anders als in den genannten strengen Wintern war die Kälte 2012 zwar heftig, aber nicht so langanhaltend, bereits die Nacht zum 17. Februar war fast überall frostfrei und am 24. Februar wurden bei Mittenwald am Alpenrand sogar 17,3 Grad Plus gemessen.
Nicht nur in Deutschland war diese Kältewelle 2012 bemerkenswert. Weite Teile Europas wurden von der Kaltluft erreicht und verzeichneten ungewöhnlich tiefe Temperaturmesswerte. Über dem nördlichen Mittelmeerraum und Südosteuropa sorgte Tiefdruckaktivität zum Teil für Sturm in Orkanstärke und teils ergiebige Schneefälle.

Großwetterlage für Mitteleuropa im Februar 2012. 

Trotz der derzeit auf den ersten Blick ähnlichen Großwetterlage liegt die Temperatur aktuell auf einem ganz anderen Niveau als vor 13 Jahren. Der Grund ist, dass die Luftmasse nicht aus Sibirien, sondern aus Europa stammt. Anders als 2012 liegt zudem selbst in Osteuropa derzeit kaum Schnee. Dies sind schlechte Voraussetzungen für tiefe Temperaturen. 

MSc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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