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Schlagwortarchiv für: Klimasystem

Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

14. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

El-Niño wird das Auftreten ungewöhnlicher und unregelmäßig wiederkehrender Veränderungen der Meeresströmungen im ozeanografisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks genannt. Das Phänomen tritt in unregelmäßigen Abständen von durchschnittlich vier Jahren auf. Durch veränderte Zirkulationsmuster in der Atmosphäre ändern sich auch die oberflächennahen Meeresströmungen und es kommt großräumig zu höheren Meeresoberflächentemperaturen als im Normalzustand. Weiterführende Informationen zu El-Niño und seinem Gegenstück La-Niña finden Sie unter: Klimalexikon.

In der vergangenen Woche wurde El-Niño in einigen Medien zum Thema gemacht und tatsächlich liefern verschiedene Modelle deutliche Hinweise auf das Auftreten dieses Phänomens im Laufe des Jahres. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch die Komplexität der Datenlage. In Abbildung 1 sind für den September 2026 von verschiedenen Modellen die prognostizierten Abweichungen der Meeresoberflächentemperatur für den relevanten Teil des Pazifiks dargestellt. Für jedes Modell ist dann nochmal die Bandbreite innerhalb des Modells als Farbbereich aufgetragen. Ab +0,5 Grad Abweichung spricht man von einem El-Niño-Ereignis. Die meisten Modellergebnisse konzentrieren sich bei Anomalien um +2 Grad. Die Bandbreite reicht aber von -0,5 bis +4 Grad. Ab +2 Grad Abweichung spricht man von einem sehr starken El-Niño. Das Modell des Deutschen Wetterdienstes ist dabei ein eher „kühler“ Vertreter mit Abweichungen um +1 Grad. Das Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristvorhersage (ECMWF) befindet sich mit etwa +2 Grad Abweichung im Mittelfeld der Modelle.

Vorhersage der Temperaturabweichung der Meeresoberflächentemperatur für Teile des Pazifiks von verschiedenen Klimamodellen.

Die Signale für einen El-Niño sind sehr deutlich, für einen sehr starken El-Niño ungewöhnlich hoch. Doch wie sicher sind solche Prognosen eigentlich? Das ECMWF hat diesbezüglich einen Artikel veröffentlicht: ECWMF

In diesem Artikel wird auf die Unsicherheiten der Prognose eingegangen. Unter anderem wird auf die sogenannte „spring predictability barrier“ verwiesen. Diese besagt, dass Änderungen des Klimasystems im Frühling schwieriger vorherzusagen sind als im Rest des Jahres. Erst ab Ende Mai oder Juni, wenn die Kopplung zwischen Ozean und Atmosphäre (z. B. schwächer werdende Passatwinde) deutlicher wird, steigt die Zuverlässigkeit der Prognosen.

Als eine Möglichkeit die Vorhersagekraft einzuordnen, wird der Vergleich vergangener Prognosen mit der Wirklichkeit genannt. In Abbildung 2 werden dazu die Prognosen vom 1. April 2023 und 2017 (rote Kurven) mit der Wirklichkeit (blaue Kurve) gegenübergestellt. 2023 lagen die Abweichungen im Herbst etwas höher als im Frühling simuliert. 2017 kam es entgegen der Simulationen nicht zu einem El-Niño, sondern zu einem schwachen La-Niña Ereignis.

Prognose (rote Kurven) der Meeresoberflächentemperatur für Teile des Pazifiks für 2023 und 2017 und die gemessene Temperatur (blaue Kurve).

Zusätzlich macht der voranschreitende Klimawandel die Prognosen komplexer. Nicht alle Prozesse und Wechselwirkungen im Klimasystem können perfekt dargestellt werden. Systematische Modellfehler könnten nichtlinear mit dem Klimawandel interagieren. Durch den allgemeinen Anstieg der Meerestemperaturen wird es schwieriger, einen „Normalzustand“ zu definieren und Abweichungen davon zu berechnen. Im Hinblick auf die Auswirkungen von El-Niño könnte der Klimawandel zu anderen oder in der Intensität anderen Auswirkungen führen.

Zusammenfassung: Ein El-Niño-Ereignis ist wahrscheinlich, die Stärke noch sehr unsicher und der Klimawandel sorgt für zusätzliche Unsicherheiten in der Prognose eines solchen Ereignisses und im Hinblick auf mögliche Auswirkungen.

M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/04/Hinweise-auf-ungewoehnlich-starken-El-Nino-im-Laufe-des-Jahres-1.jpg 1702 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-04-14 13:42:032026-04-15 14:03:40Hinweise auf ungewöhnlich starken El-Niño im Laufe des Jahres

Saharastaub

29. Februar 2024/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Am gestrigen Mittwoch führte die Vorderseite eines Tiefdruckgebiets zu einem kräftigen Staubsturm über Libyen, der große Mengen an Staub in die Mittelmeerregion transportierte. Dieser Staubsturm, bekannt als Scirocco, kann sogar auf Satellitenbildern als bräunliche Färbung erkannt werden.

Heute bildet sich ein kräftiges Tiefdruckgebiet über Westeuropa, das mit einer südlichen Strömung die staubige Luft aus dem Mittelmeerraum anzapft und Richtung Deutschland lenkt. Neben dem außergewöhnlich milden Wetter mit Höchstwerten von bis zu 17 °C erwartet uns ab Freitag somit auch Saharastaub, der sich besonders über der Osthälfte Deutschlands ausbreiten wird.

Saharastaub in der Luft ist in Mitteleuropa kein seltenes Naturphänomen. Innerhalb eines Jahres wird 5- bis 15-mal in der Sahara die Staubpartikel durch starke Winde in die Höhe gewirbelt und dann mit einer kräftigen Höhenströmung über weite Strecken transportiert. Pro Jahr werden so etwa 1 Milliarde Tonnen Staub verfrachtet. Die Sahara bildet somit die größte Quelle von Mineralstaub (Quarz, Sand) auf der Erde, der rund die Hälfte der Staubpartikel in der Atmosphäre ausmacht.

Wüstenstaub hat sogar Einfluss auf das Klimasystem. Er beeinflusst die Sonneneinstrahlung sowie die Wolken- und Niederschlagsbildung. Doch nicht nur für das Wetter und Klima sind diese Staubpartikel von Bedeutung, durch die mineralischen Bestandteile des Staubs wirkt er als großflächig ausgebrachter Dünger. Zum Beispiel wird durch den Mineralstaub aus der Sahara das Plankton in den Ozeanen gedüngt. An der Südflanke des subtropischen Hochdruckgürtels wird der Saharastaub sogar bis in den südamerikanischen Regenwaldes transportiert, wo er der dortigen Pflanzenwelt wertvolle Nährstoffe liefert.

Bei stärkeren Ausbrüchen lässt sich Saharastaub auch in der Atmosphäre an einer milchig weißen Trübung des Himmels erkennen, die bei sehr starken Ausbrüchen sogar ins orange gehen kann. Besonders effektvolle Bilder ergeben sich bei Sonnenauf- und -untergängen. Denn dann erscheint die Sonne durch die gleichmäßige Streuung an den Staubpartikeln weiß. Die Staubschicht befindet sich meist in einer Höhe von 2 bis 4 km, sinkt aber schließlich zu Boden. Im Winter kann dies besonders gut beobachtet werden, wenn der Schnee in den Alpen eine ungewöhnliche Ocker Färbung annimmt.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.02.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/02/DWD-Saharastaub.jpg 945 1341 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-02-29 16:06:192024-07-04 14:41:40Saharastaub
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