• Login
  • Registrieren
Windinfo.eu
  • NEWS
  • CHAT
  • WINDWARNER
  • WETTER
    • Regenradar
    • Isobarenkarte Europa
    • Föhndiagramme
    • Wassertemperatur in Europa
    • Wettervorhersage Videos
    • Langzeitprognose
    • Windskala – Windrechner
  • WEBCAMS + SPOTS
    • Webcam Finder
      • Webcam Ostsee
      • Webcam Nordsee
      • Webcam Alpsee
      • Webcam Altmühlsee
      • Webcam Ammersee
      • Webcam Bodensee
      • Webcam Bostalsee
      • Webcam Brombachsee
      • Webcam Brückelsee
      • Webcam Chiemsee
      • Webcam Edersee
      • Webcam Eibsee
      • Webcam Epplesee
      • Webcam Forggensee
      • Webcam Förmitztalsperre
      • Webcam am Kochelsee
      • Mandichosee – Lechstaustufe
      • Webcam Norderney
      • Webcam Rügen
      • Webcam Simssee
      • Webcam Staffelsee
      • Webcam Starnberger See
      • Webcam Tegernsee
      • Webcam Walchensee
      • Webcam Wörthsee
    • Webcam Finder
      • Webcam Achensee
      • Webcam Attersee
      • Webcam Mattsee
      • Webcam Mondsee
      • Webcam Millstättersee
      • Webcam Neusiedlersee
      • Webcam Ossiachersee
      • Webcam Traunsee
      • Webcam Wolfgangsee
      • Webcam Zell am See
      • Webcam Genfer See
      • Webcam Luganersee
      • Webcam Silsersee
      • Webcam Silvaplaner See
      • Webcam Urnersee
      • Webcam Zürichsee
      • Webcam Comersee
      • Webcam Gardasee
      • Webcam Kalterer See
      • Webcam Lago Maggiore
      • Webcam Lago di Santa Croce
      • Webcam Reschensee
      • Webcam Sardinien
      • Webcam Trieste
      • Webcam Vieste – Gargano
  • ACTIVITY
  • GROUPS
    • MEMBERS
  • Menü Menü

Schlagwortarchiv für: Messinstrumente

Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

26. Juni 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurden die Entwicklung und Verfeinerung erster meteorologischer Messinstrumente im Zeitalter der Aufklärung beschrieben. Dieser Teil der Serie setzt sich nun mit der Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1700 auseinander.

Im Jahr 1688 begann die 1666 gegründete Französische Akademie der Wissenschaften, systematische Messungen des Luftdrucks, der Temperatur, des Niederschlags und Beobachtungen von Wetterphänomenen zu installieren. Diese Messungen und Beobachtungen wurden im jährlichen Bericht der Akademie veröffentlicht. Ein größeres Messnetz wurde nicht aufgebaut, nennenswerte Messungen liegen aus Dijon und der Umgebung davon vor. Die Idee für eine systematische Aufzeichnung meteorologischer Daten war bemerkenswert.

Der englische Botaniker James Cuninghame (um 1665–1709) führte von Oktober 1698 bis Januar 1699 während einer Expeditionsreise auf der Insel Amoy (heute Xiamen) in China systematische Messungen von Luftdruck, Temperatur und Wind durch und beobachtete andere Wetterphänomene. Diese Daten wurden 1699 im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England veröffentlicht und stellen nach heutigem Kenntnisstand die ältesten systematischen meteorologischen Messungen in China dar.

Der dänische Astronom Ole Rømer (1644–1710) begann in den frühen 1690er Jahren, die Lufttemperatur zu messen und aufzuzeichnen, um deren Auswirkungen auf seine astronomische Arbeit zu berücksichtigen. Ab 1702 baute er seine eigenen Spiritus-Thermometer. Er entwickelte auch eine Temperaturskala für deren Verwendung, in der der Gefrierpunkt von Wasser bei 7,5 Grad und sein Siedepunkt bei 60 Grad lag. Auf dieser Skala entspräche 0 °Rø den heutigen -22,5 °C. Dies stimmt qualitativ mit den Messungen überein, die Rømer im sehr kalten Winter 1709 mit seiner Waage durchgeführt hat.

Als sich der englische Astronom John Flamsteed (1646–1719) die Funktionsweise eines Barometers nach Art von Torricelli erklären ließ, kam ihm die Idee, dieses Instrument zur Vorhersage des Wetters zu nutzen. In der Folge konstruierte er eigene Barometer. Er stellte fest, dass nach einer Phase mit hohem Luftdruck (d.h. hohem Barometerstand) auf einen Rückgang des Barometerstands innerhalb von ein bis drei Tagen Wind oder Regen folgte, abhängig vom ursprünglichen Quecksilberstand und der Geschwindigkeit der Veränderung.

Der englische Astronom Edmond Halley oder Edmund Halley (1656–1742) interessierte sich auch für Meteorologie und den Erdmagnetismus. Bereits 1678 versuchte Halley, die allgemeine Zirkulation der Luft zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte. Beides brachte er mit der ungleichmäßigen Sonneneinstrahlung auf die Erde in Verbindung. Moderne Vorstellungen davon, wie die Verteilung der Sonneneinstrahlung die allgemeine Zirkulation in der Atmosphäre steuert, lassen sich daher auf Halley zurückführen. Im Jahr 1686 stellte Halley erstmals einen mathematischen Zusammenhang zwischen dem Luftdruck und der Höhe über dem Meeresspiegel her. Im selben Jahr zeichnete er eine Karte, die als erste meteorologische Karte gilt. Sie deckt einen großen Teil der Welt ab und die Passatwinde sowie die Monsunwinde sind so dargestellt, dass sie, wie er erklärte, „besser verstanden werden kann als durch jede noch so ausführliche verbale Beschreibung“. In seiner Karte wurden die Winde dadurch symbolisiert, dass „die spitzen Enden der einzelnen Striche auf jenen Teil des Horizonts zeigten, von dem der Wind ständig weht; und dort, wo Monsune herrschen, verlaufen die Strichreihen abwechselnd vorwärts und rückwärts, wodurch sie dichter sind als anderswo.“

Karte der Passatwinde, Edmond Halley, 1686, Quelle: Princeton University Library, Princeton, New Jersey, über Wikimedia Commons

Halley führte im Hauptsitz der Royal Society of London einige Experimente zur Messung der Verdunstung durch und nutzte diese Messungen zusammen mit seinen Schätzungen zum Abfluss der Themse, um den Zufluss der Flüsse ins Mittelmeer und die Verdunstung aus dem Mittelmeer zu berechnen. Dies ist ein sehr frühes Beispiel für eine wissenschaftliche hydrologische Untersuchung. Im Jahr 1700 erkannte Halley, dass Werte der magnetischen Deklination als Konturlinien auf einer Karte dargestellt werden konnten, und erstellte die erste derartige Karte für das Gebiet, das sich von Europa und Afrika westwärts bis nach Amerika erstreckte. Er interessierte sich auch für die Polarlichter und vermutete 1716, dass „die Polarlichter durch ‚magnetische Ausdünstungen‘ verursacht werden, die sich entlang der Magnetfeldlinien der Erde bewegen“. Mit anderen Worten: Er postulierte, dass die Polarlichtvorhänge mit den Projektionen des Erdmagnetfelds in die obere Atmosphäre ausgerichtet sind.

Der Gelehrte Luigi Ferdinando Marsigli (1658–1730) aus der Romagna untersuchte Windmuster, Strömungen und Wasserstandsänderungen am Bosporus. Die Untersuchungen zum Wind stellen die ersten meteorologischen Beobachtungen im Osmanischen Reich dar.

Der Alchemist, Chemiker und Mediziner Georg Ernst Stahl (1659–1734) aus Franken entwickelte die Phlogistontheorie, welche die erste umfassende Theorie in der in der Entstehung begriffenen Wissenschaft der Chemie darstellte. Sie fasste die chemische Umwandlung von Stoffen zusammen, auch wenn letztere noch nicht klar abgegrenzt und unterschieden werden konnten. Aus heutiger Sicht interpretierte sie den Vorgang einer Verbrennung falsch, in dem sie annahm, dass eine hypothetische Substanz, das Phlogiston, bei brennbaren Körpern bei der Verbrennung diesen entweicht und bei Erwärmung in diesen eindringt.

Der Arzt und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733) aus der Alten Eidgenossenschaft interessierte sich für Meteorologie, Astronomie und Mineralogie. Er unternahm zahlreiche Reisen in die Schweizer Alpen, wo er ein Barometer für meteorologische Messungen und Höhenbestimmungen einsetzte. Sein dreibändiges Werk „Helvetiae historia naturalis“ oder „Naturhistorie des Schweitzerlandes“ erschien erstmals in den Jahren 1716 bis 1718 in Zürich. Im ersten Band behandelte er die Schweizer Berge, im zweiten die Schweizer Flüsse, Seen und Mineralbäder und im dritten die Schweizer Mineralogie, Geologie und Meteorologie.

Der Mediziner Johann Kanold (1679–1729) aus Schlesien versuchte ab 1717, ein meteorologisches Messnetz in den deutschen Ländern aufzubauen. Er sammelte von verschiedenen Orten aus den deutschen und anderen Ländern Daten meteorologischer Messungen und veröffentlichte diese in Berichten des Magazins „Breslauer Sammlung“. Dieses Magazin erschien dreimal jährlich bis etwa 1727.

Im Jahr 1723 rief der englische Wissenschaftler und Mediziner James Jurin (1684–1750) in seiner Funktion als Sekretär der Royal Society of England deren Mitglieder, die über die notwendigen Messtechniken verfügten, auf, tägliche Wetterbeobachtungen und meteorologische Messungen durchzuführen. Das Ziel war deren Veröffentlichung einmal pro Jahr im Bericht „Philosophical Transactions“ der Royal Society of England. Nach einem vorgegebenen Schema sollten Temperatur, Luftdruck, Windrichtung, Windgeschwindigkeit, Niederschlagsmenge und Bewölkungszustand täglich einmal erfasst werden. Der Aufruf erfuhr Beliebtheit. Ab 1724 startete das Messnetz der Royal Society of England mit vielen meteorologischen Daten aus England, aber auch aus Uppsala (Schweden), Åbo (damals Schweden; heute Turku, Finnland), Neapel, Rom, und manche aus Indien und Nordamerika. Isaac Greenwood (1702–1745), Mathematiker und Naturphilosoph aus dem nordamerikanischen Neuengland, schlug 1728 vor, solche meteorologische Aufzeichnungen nicht nur auf landbasierte Orte zu beschränken, sondern auch auf Schiffe auszuweiten, um einen größeren meteorologischen und navigationstechnischen Benefit zu erreichen. Damit würde ein größeres Verständnis der Winde und der tropischen Wirbelstürme erzielbar sein.

Der dänische Seefahrer und Marineoffizier Vitus Bering (1681–1741) unternahm im Auftrag von Zar Peter dem Großen (1672–1725) Erkundungsreisen in den Fernen Osten Russlands nach Kamtschatka. Im Rahmen der Zweiten Kamtschatka-Expedition zwischen 1733 und 1743 wurden die ersten echten Wetterbeobachtungen in Russland durchgeführt. Die wissenschaftliche Arbeit der Expedition wurde von der im Vorfeld der Expeditionen gegründeten Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg organisiert, die die Expeditionsleiter anwies, instrumentelle Messungen von Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Beobachtungen von Wolken, Gewittern und anderen Naturphänomenen durchzuführen. Im Rahmen der Expedition wurde 1733/1734 ein Netz von etwa zwölf meteorologischen Beobachtungsstationen in ganz Sibirien, von Kasan über Jekaterinburg bis Irkutsk und Jakutsk, eingerichtet. Dieses sibirische Messnetz war bis etwa 1746/1747, in Jakutsk bis 1749, in Betrieb.

Der französische Natur- und Materialforscher René-Antoine Ferchault de Réaumur (1683–1757), Mitglied der französischen Akademie der Wissenschaften, war auf vielen verschiedenen Arbeitsgebieten tätig. Sein Hauptinteresse galt der Erforschung von Insekten. Eines seiner Projekte befasste sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Wachstum von Insekten und der Temperatur. Möglicherweise als Ergebnis dieser Arbeit begann er sich für die Temperaturmessung zu interessieren. Er verwendete verdünnten Alkohol in seinem Thermometer und legte den Gefrierpunkt von Wasser als Nullpunkt fest. Er bestimmte den Wert für jedes Réaumur-Grad über Null anhand eines Tausendstels des Volumens der Flüssigkeit im Thermometerkolben und im Rohr unterhalb der Nullgradmarke. Er verwendete in seiner Thermometerflüssigkeit eine Alkoholkonzentration, die bei 80 Grad Réaumur zu sieden begann. Um 1730 wurde ein solches Thermometer als Réaumur-Alkoholthermometer bekannt, und die Skala von 0 bis 80 Grad als Réaumur-Temperaturskala (°Ré, °Re, °Réaumur, °R).

Der britische Jurist George Hadley (1685–1768) war im Herzen Meteorologe. Er wurde 1735 zum Mitglied der Royal Society of London gewählt und übernahm die Verantwortung für den gesamten meteorologischen Schriftverkehr und die Beobachtungen, die an die Gesellschaft gesendet wurden (hauptsächlich aus Großbritannien und Skandinavien). Er analysierte die gemeldeten Luftdruck- und Temperaturwerte und versuchte, daraus allgemeine meteorologische Muster abzuleiten. Hadley interessierte sich für die Passatwinde in den subtropischen Breiten. Diese waren den Seefahrern zwar wohlbekannt, doch ihre physikalischen Ursachen waren nicht verstanden. Bereits 1678 hatte Edmund Halley versucht, die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre zu beschreiben, wobei er den Schwerpunkt auf die Passatwinde und die Monsune legte, und diese Zirkulationen mit der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung auf der Erde zu verbinden. Hadley führte Halleys Arbeiten weiter und veröffentlichte 1735 im Journal der Gesellschaft, den „Philosophical Transactions“ (Band 39, S. 58–62), eine Monographie mit dem Titel „On the Cause of the General Trade Winds“ (Betreffend die Ursache der Allgemeinen Passat-Winde). Hadley (und Halley) erkannten, dass die starke Sonneneinstrahlung in den äquatorialen Regionen der Erde einen allgemeinen Luftaufstieg verursachen muss, der sich dann in den höheren Schichten ausbreitet und in Richtung der Pole wandert, bevor diese abkühlt und absinkt. Die Rückströmung in den unteren Schichten bildet die Passatwinde. Hadleys entscheidende Erkenntnis bestand darin, dass die Erdrotation dazu führt, dass sich bewegende Objekte auf der Nordhalbkugel nach rechts abdriften, sodass die Rückströmung in Richtung Äquator nicht direkt von Norden nach Süden (auf der Nordhalbkugel) verläuft, sondern nordöstlich. Dieses Muster definiert eine „Zelle“ aus Winden in einem vertikalen Schnitt durch die Atmosphäre; sie ist als Hadley-Zelle bekannt.

Zirkulationsmodell von Hadley, Hadley Zelle, John E. Oliver, Hadley Cell, Encyclopedia of World Climatology. Encyclopedia of Earth Sciences Series. Springer, Dordrecht. https://doi.org/10.1007/1-4020-3266-8_90

Der Physiker und Instrumentenbauer Daniel Gabriel Fahrenheit (1686–1736) aus Danzig interessierte sich bereits in seiner Jugend für Instrumente. Er reiste durch Europa und traf verschiedene Instrumentenbauer und Wissenschaftler. So besuchte er 1708 Rømer in Kopenhagen. Rømer zeigte ihm seine Temperaturskala, die einen oberen Fixpunkt von 22,5 °Rø (die als konstant angenommene Körpertemperatur des Menschen) und einen unteren Fixpunkt von 7,5 °Rø (den Gefrierpunkt von Wasser) hatte. Fahrenheit modifizierte Rømers Skala. Er unterteilte jedes Grad in vier Teile, sodass der untere Fixpunkt bei 30° (4 × 7,5) und der obere Fixpunkt bei 90° (4 × 22,5) lag. Auf dieser Skala liegt der Siedepunkt von Wasser bei 205°. Er verwendete diese modifizierte Römer-Skala bis etwa 1717, als er beschloss, kleine Änderungen an den Fixpunkten vorzunehmen, sodass der Gefrierpunkt von Wasser bei 32 Grad Fahrenheit (°F) und die Körpertemperatur des Menschen bei 96 °F lag. Auf dieser geänderten Skala lag der Siedepunkt von Wasser bei 212 °F. Fahrenheit nahm diese Änderung aus einem ganz praktischen Grund vor. Bei den Fixpunkten 32° und 96° lagen 64 Grad zwischen den beiden, und eine Skala mit 64 Teilstrichen ließ sich leicht zeichnen, indem man das gesamte Intervall durch sukzessive Unterteilungen in zwei gleiche Teile aufteilte, da 64 eine Zweierpotenz ist. Dieses Vorgehen ist nicht möglich, wenn die Fixpunkte bei 30° und 90° liegen. Als er später feststellte, dass die Körpertemperatur des Menschen nicht konstant ist (junge Menschen haben beispielsweise tendenziell eine höhere Körpertemperatur als ältere Menschen), legte Fahrenheit den oberen Fixpunkt einfach neu fest, sodass er dem Siedepunkt von Wasser entsprach, nämlich 212 °F. Der Nullpunkt der Fahrenheit-Skala stellte die damals tiefste Temperatur, die eine Eis-Salz-Kältemischung erzeugen konnte, dar.

Daniel Gabriel Fahrenheit, 17.-18. Jahrhundert, Quelle: BevinKacon über Wikimedia Commons

Der französische Astronom und Kartograph Joseph-Nicolas Delisle (1688–1768) führte wesentliche Arbeiten zur Kartographierung des Russischen Reiches und des Nordpazifiks aus, die Bering für seine Expeditionsreisen nutzte. Bekannt wurde er durch die Konstruktion eines Quecksilberthermometers 1732, für das er den Siedepunkt von Wasser als festen Nullpunkt wählte. Für niedrigere Temperaturen definierte er eine Skala, die auf der Kontraktion von Quecksilber (in Hunderttausendstel) basierte, wobei höhere Werte bei niedrigeren Temperaturen lagen (eine umgekehrte Skala, bei der höhere Zahlen „zunehmende Kälte“ darstellen). Delisles ursprüngliche Skala benötigte 2400 oder 2700 Teilungen, um den kalten Wintern in St. Petersburg, wo er lebte, gerecht zu werden. Im Jahr 1738 führte der württembergische Anatom Josias Weitbrecht (1702–1747) eine Modifikation von Delisles Skala ein: Weitbrecht behielt 0 Grad Delisle (°D) als Siedepunkt von Wasser bei, wies dem Gefrierpunkt jedoch einen Wert von 150 °D zu. Obwohl die Skala nach wie vor umgekehrt war, entsprachen die daraus resultierenden niedrigeren Temperaturwerte eher den anderen Temperaturskalen jener Zeit. Die Delisle-Temperaturskala wurde in Russland fast 100 Jahre lang verwendet.

Die Serie wird fortgesetzt. In kürzerer Zeit werden nun schneller neue Erkenntnisse zur Meteorologie gewonnen. Im nächsten Teil der Serie lesen Sie neue Beiträge zur Meteorologie mit Schwerpunkt um das Jahr 1750.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.06.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Meteorologie-um-1700-und-erste-meteorologische-Messnetze-1-scaled.jpg 850 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-06-26 13:34:312026-07-04 14:21:43Geschichte der Meteorologie – Teil 8: Meteorologie um 1700 und erste meteorologische Messnetze zur Wetterbeobachtung

Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

16. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Zeit vom Spätmittelalter bis zur Frührenaissance beschrieben. Blicken wir nun auf wesentliche Entwicklungen in der Meteorologie in der Renaissance.

Johannes Lichtenberger (um 1426–1503) war ein Astrologe aus der Pfalz. 1488 veröffentlichte er die erste Fassung seiner „Prognosticatio“, in der er Wettervorhersagen mit Astrologie verknüpfte. Dieses Paradigma wurde erst Jahrhunderte später in Frage gestellt.

Der ruthenische Philosoph und Astronom Jurij Drohobytsch oder Jurij Kotermak (1450–1494) veröffentlichte in Rom seine „Prognostische Schätzung für das Jahr 1483“, in der er sich mit Wettervorhersagen befasste und darauf hinwies, dass die klimatischen Bedingungen vom Breitengrad abhängen. Drohobytsch gilt zudem als Verfasser des ersten gedruckten kyrillischen Buches.

Der Künstler, Anatom, Ingenieur und Naturphilosoph Leonardo da Vinci (1452–1519) aus der Toskana gilt als herausragende Persönlichkeit der Kunst und Wissenschaft der Renaissance. Er erfand bzw. entwickelte zwischen 1478 und 1486 meteorologische Messinstrumente weiter, darunter ein Hygrometer, ein Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit auf Basis des hydrostatischen Gleichgewichts, ein Platten-Anemometer, ein Instrument zur Messung der Windgeschwindigkeit und ein Anemoskop, eine Art Windfahne. In Bezug auf seine Hygrometer merkte da Vinci an, dass sie dazu dienten, um anzuzeigen, wann sich das Wetter verschlechtert. Seine Zeichnungen, Skizzen und Notizen gingen von seinem Schüler Francesco Melzi (um 1492–um 1570) auf den Kunstsammler Pompeo Leoni (1533–1608) über, der sie in einem „Codex Atlanticus“ genannten Werk zusammenfasste.

Zeichnungen von Leonardo da Vinci im Codex Atlanticus, Russische Staatliche Universität für Geisteswissenschaften, Moskau, und Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mailand, Quelle: Maltalper und OWK über Wikimedia Commons

Im Heiligen Römischen Reich kam es zur Ausweitung, wenn nicht gar zum Beginn einer systematischen Aufzeichnung meteorologischer Beobachtungen, die für Ephemeriden verwendet wurden. Der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) aus der Romagna berichtete, er habe das Wetter 130 Tage lang beobachtet und dabei festgestellt, dass dessen Veränderungen offenbar nicht mit dem übereinstimmten, was Astrologen angeblich als normal lehrten. Folglich plädierte er dafür, die natürlichen, nicht-himmlischen Formen der Wettervorhersage zu nutzen, über die Landwirte, Seeleute und Ärzte verfügten, um empirisches Wissen zu entwickeln, das zu genaueren Vorhersagen führen könnte.

Auf seiner zweiten Reise geriet der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus (um 1451–1506) im Jahr 1494 südlich von Kuba in einen tropischen Wirbelsturm, was zur ersten schriftlichen europäischen Schilderung eines Hurrikans führte. Dieses Ereignis lehrte ihn, die Zeichen am Meer und am Himmel zu deuten, die auf diese herannahenden „Huracan“-Stürme hindeuteten. Am 30. Juni 1502 suchten Christoph Kolumbus und seine Flotte während seiner vierten Reise in die Neue Welt Schutz vor einem Hurrikan in der Kolonie Santo Domingo auf Hispaniola. Während seine Flotte die Katastrophe überstand, erging es einer spanischen Flotte, die sich von dort auf den Heimweg machte, weitaus schlechter, da der Gouverneur Kolumbus‘ Warnungen vor fantastischen Sturmgeschichten keinen Glauben schenkte und diese nicht an die abreisende Flotte weiterleitete. Von 30 Schiffen sanken 25, vier mussten beschädigt umkehren und nur eines, die Aguja, erreichte Spanien.

Der osmanische Admiral, Geograph und Kartograph Piri Reis (um 1470–1554) verfasste 1521 das „Kitab-ı Bahriye“, das Buch der Navigation. In diesem sind atmosphärische Bedingungen des Mittelmeeres, des Persischen Golfs, des Indischen und des Atlantischen Ozeans beschrieben. Besonderes Augenmerk liegen dabei auf den häufigen Stürmen und den starken Regenfällen im Bereich des Indischen Ozeans.

Der Astronom Leonhard Reynmann aus Franken, der um 1500 lebte, veröffentlichte erstmals 1505 das Wetterbüchlein „Wetter biechlin Von warer erkan[n]tnuß des weters“, eine Sammlung von Wetterweisheiten. Es ist das erste Verzeichnis von Wetterregeln, welches sich nicht ausschließlich auf die Wetterkunde aus antiken und mittelalterlichen Quellen stützt, sondern durch Beobachtungen ergänzt wurde.

Wetterbüchlein, Titelseite einer Ausgabe von 1511, Leonhard Reynmann, Universitätsbibliothek Mannheim, Quelle: Stefan Weil über Wikimedia Commons

Der aus der Alten Eidgenossenschaft stammende Arzt und Naturphilosoph Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Klima, Wetter und Medizin. Er schrieb, dass jeder, der sich mit Winden, Blitzen und dem Wetter beschäftige, verstehen würde, was Krankheiten verursachte.

Die erste Abschätzung der Windgeschwindigkeit unternahm der lombardische Arzt, Philosoph und Mathematiker Girolamo Cardano (1501–1576). Er nahm an, dass während starker Stürme der Wind eine Geschwindigkeit von 45 m/s aufweist.

Der französische Visionär und Astrologe Nostradamus (1503–1566) stellte viele Vorhersagen über zukünftige Ereignisse auf, doch ihre wahre Bedeutung ist unklar und Auslegungssache. Als er beispielsweise nach dem Wetter von morgen gefragt wurde, schrieb er: „In der Zeit der Monde wird ein Mann sein, der über Wolken und tobende Stürme nachsinnt. Nicht um der Philosophie willen, sondern vielmehr, weil ein bewölktes Gehirn die Norm ist.“ Daraus lässt sich schließen, dass er der Beschäftigung mit dem Wetter kritisch gegenüberstand und nur ungern Wettervorhersagen traf. Die Königin von Frankreich war besonders an seinen meteorologischen Fähigkeiten interessiert und bat ihn jeden Abend inständig um eine Vorhersage, damit sie wüsste, „was sie am nächsten Tag anziehen sollte“. Nach einigen dieser Vorhersagen lehnte er schließlich ab.

Der französische Astronom und Mediziner Antonio Mizauld (1510–1578) veröffentlichte 1547 „Le miroueer du temps, autrement dit, éphémérides perpétuelles de l’air par lesquelles sont tous les jours donez vrais signes de touts changements de temps, seulement par choses qui à tous apparoissent au cien, en l’air, sur terre & en l’eau. Le tout par petits aphorismes, & breves sentences diligemment compris“ (übersetzt: Der Wetterbeobachter, oder anders gesagt: eine ewige Wetterkalender, durch den täglich verlässliche Anzeichen für alle Wetterveränderungen gegeben werden, und zwar allein anhand von Dingen, die allen sichtbar sind – in der Luft, auf der Erde und im Wasser. Das Ganze in Form von kleinen Aphorismen und kurzen, sorgfältig formulierten Sätzen) in Paris mit Schwerpunkten der Vorhersagen von Wetter, Kometen und Erdbeben.

Der Theologe Wolfgang Haller (1525–1601) aus der Alten Eidgenossenschaft tätigte zwischen 1545 und 1576 in Zürich regelmäßig erste meteorologische Aufzeichnungen, die einzigartig für die Witterungsgeschichte der Schweiz sind.

Der spanische Jesuitenmissionar und Naturforscher José de Acosta (1540–1600) war in Südamerika tätig. Er beschäftigte sich mit Erdbeben, Vulkanen, Gezeiten, Meeresströmungen, magnetischen Deklinationen und meteorologischen Phänomenen. In seinem 1590 veröffentlichten Werk „Historia Natural y Moral de las Indias“ lieferte er eine Erklärung für die vorherrschenden Winde in den subtropischen und mittleren Breiten. Er führte die regelmäßigen Ostwinde der Subtropen (die Passatwinde) auf die Bewegung der Himmelskörper um eine unbewegliche Erde zurück. Seiner Vorstellung nach führte ein Teil dieser Bewegung, übertragen auf die Tropen, zur Entstehung der Passatwinde. Acosta versuchte zudem, die in den mittleren Breiten vorherrschenden West- oder Südwestwinde als Folge aufsteigender oder absteigender Strömungen in der Atmosphäre zu erklären. Diese Vorstellung enthält einen Hinweis auf das, was heute als allgemeine Zirkulation der Atmosphäre bekannt ist. Acosta war der erste Abendländer, der sich mit der Höhenkrankheit befasste, und gilt daher als Pionier der Flugmedizin. In seinem Werk „Natur- und Sittengeschichte der Indias“ (1590) stellte er die These auf, dass die amerikanischen Ureinwohner über eine Landbrücke aus Asien kamen, mehr als ein Jahrhundert vor der Entdeckung der Beringstraße.

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) glaubte, dass sich das Wetter mithilfe astronomischer und astrologischer Methoden vorhersagen lasse. Bereits 1564 arbeitete Brahe daran, seinen astrometeorologischen Ideen eine empirische Grundlage zu verschaffen. In jenem Jahr beobachtete er den Himmel während der zwölf Weihnachtstage, um seine Theorie zu überprüfen, dass sich das Wetter des kommenden Jahres anhand dieser Beobachtungen vorhersagen lasse. In seinem Werk „De nova stella“ von 1573 legte er seine Überzeugung dar, dass sich das voraussichtliche Wetter für jeden Tag anhand der Konstellationen am Himmel vorhersagen lasse, und stellte seine Grundsätze für die Erstellung astrometeorologischer Almanache vor. In seiner Theorie maß er dem Mond aufgrund seiner Nähe zur Erde den größten Einfluss auf die Schwankungen des vom Sonnenzyklus bestimmten Klimas bei. Er warnte seine Leser jedoch davor, zu hohe Erwartungen an seine Wettervorhersagen zu stellen. Er empfahl, systematisch das Wetter zu beobachten, damit Vorhersagen in Zukunft auf eine solidere Grundlage gestellt werden könnten. Tatsächlich tat er genau das vom 1. Oktober 1582 bis zum 21. April 1597: Er führte täglich Aufzeichnungen über das Wetter auf der Insel Hven im Öresund durch und veröffentlichte 1585 unter dem Namen eines seiner Schüler einen astrometeorologischen Kalender für das kommende Jahr, der auf diesen Beobachtungen basierte.

Im Sommer 1588 versuchte die spanische Armada, England vom Ärmelkanal aus einzunehmen. Dem stellte sich die englische Flotte entgegen, in dem sie in der Seeschlacht von Gravelines (Gravelingen) die spanische Armada entscheidend schwächte. Die spanische Armada entschied sich zur Flucht nach Den Haag. Vom Ostatlantik zog ein Sturmtief auf Westeuropa zu. Vorherrschende Süd- bis Südwestwinde erschwerten der spanischen Armada eine Durchquerung des Ärmelkanals, so dass sich diese entschloss, England und Schottland über die Nordsee zum umsegeln. Bereits in der Nordsee geriet die spanische Armada in Ausläufer des Sturms und verlor weitere Schiffe. Auf ihrem weiteren Westkurs um Schottland traten wenige Tage später erneut heftige Winde aus West bis Nordwest auf, welche weitere Schiffe der spanischen Armada an die irische Küste trieben. Damit waren weitere spanische Invasionsversuche gänzlich ausgeschlossen. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie meteorologische Systeme einen wesentlichen Einfluss auf historische geopolitische Ereignisse genommen haben.

Der englische Naturphilosoph Francis Bacon (1561–1626) war der Ansicht, dass man im wissenschaftlichen Bereich die Dinge selbst anfassen, ertasten und vermessen sollte. Als solcher war er einer der frühesten Vertreter der wissenschaftlichen Methode und trug so dazu bei, eine neue Ära für die Wissenschaft einzuläuten. Bacon hatte eine unstillbare Neugier auf alle Naturphänomene. In seinem 1620 verfassten Werk „Preparative toward a Natural and Experimental History“ (übersetzt: „Vorbereitung für eine natürliche und experimentelle Geschichte“) stellte er eine Vielzahl von Bereichen („Geschichten“) vor, in denen er „die Natur selbst untersuchen“ wollte, darunter die folgenden, die sich auf das Wetter beziehen:

– Geschichte der Blitze, Donnerschläge, Gewitter und Lichterscheinungen
– Geschichte der Winde, plötzlichen Windböen und Luftschwankungen
– Geschichte der Regenbogen
– Geschichte der Wolken, wie sie von oben gesehen werden
– Geschichte des blauen Horizonts, der Dämmerung, der Scheinsonnen, Scheinmonde, Halos, der verschiedenen Farben der Sonne, sowie aller durch das Medium hervorgerufenen Erscheinungsformen des Himmels
– Geschichte der Regenfälle, der gewöhnlichen, der stürmischen und der außergewöhnlichen; sowie der Wasserhosen (wie man sie nennt) und dergleichen
– Geschichte von Hagel, Schnee, Frost, Raureif, Nebel, Tau und dergleichen – Geschichte aller anderen Dinge, die von oben herabfallen oder herabkommen und die in der oberen Region entstehen
– Geschichte der Geräusche in der oberen Region (sofern es welche gibt), abgesehen vom Donner
– Geschichte der Luft im Allgemeinen oder in ihrer Verteilung auf der Erde – Geschichte der Jahreszeiten oder der Jahrestemperaturen, sowohl im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Regionen als auch im Hinblick auf die Schwankungen im Laufe der Zeit und der Jahreszeiten
– Geschichte von Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Ähnlichem.

Im Jahr 1620 stellte Bacon die Ähnlichkeiten in den Umrissen der Kontinente Westafrikas und dem Ostteil Südamerikas fest und machte darauf aufmerksam. Dies war der erste vage Hinweis auf die Theorie der Kontinentalverschiebung.

Der Astronom, Mathematiker, Physiker und Philosoph Galileo Galilei (1564–1642) aus der Toskana zählt zu den Pionieren der modernen wissenschaftlichen Methoden. Er war der Überzeugung, dass sich die Naturgesetze mathematisch ausdrücken ließen. Dieser Ansatz veranlasste Galileo dazu, viele der Schlussfolgerungen zu widerlegen, die Aristoteles in seinem Werk „Meteorologica“ aufgestellt hatte. Galileo erfand um 1596 das Thermoskop, einen Vorläufer des Thermometers. Während seiner Zeit in Padua wollte er Wärme und Kälte messen. Sein Thermoskop bestand aus einem hohlen Glaskolben von etwa der Größe eines Eies mit einem langen, dünnen Glashals, der an seinem Ende offen war. Die Kugel wurde mit den Händen erwärmt, das Gerät wurde umgedreht und die Halsöffnung in ein Gefäß mit Wasser getaucht. Als die Zeiger aus der Kugel gezogen wurden, stieg das Wasser im Hals bis zu einer bestimmten Höhe über den Wasserstand im Gefäß. Diese Höhe hing von der Lufttemperatur ab: Je kälter die Luft, desto höher stieg das Wasser. Dieses Instrument verfügte über keine Temperaturskala. Galileo prägte um das Jahr 1619 den Begriff „Aurora borealis“ (nördliche Morgenröte), um das Nordlicht zu beschreiben. Gegen Ende seines Lebens beschäftigte sich Galileo mit der Frage, warum Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines Wasserbeckens gepumpt werden konnte. Einer seiner Schüler führte diese Arbeiten weiter, daraus entstand dann das Quecksilberbarometer. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie.

Thermoskop von Sanctorius, 1612, Evolution of the Thermometers 1592-1743, Henry Carrington Bolton, Quelle: Popocatomar über Wikimedia Commons

Nach Galileo Galilei entwickelten andere Erfinder unabhängig voneinander Thermoskope. Der Mediziner und Erfinder Santorio oder latinisiert Sanctorius (1561-1636) aus Istrien hatte die Idee, Galileos Thermoskop so umzugestalten, dass es als Instrument zur Temperaturmessung bei Kranken dienen konnte. Es besteht aus einer kleinen Glaskugel, die eine konstante Luftmenge enthält und auf einem langen, schmalen, offenen Rohr sitzt, das in ein mit Wasser gefülltes Gefäß eintaucht. Der Kranke nimmt die Kugel in die Hand oder in den Mund. Unter dem Einfluss der Temperatur führt die Volumenänderung der Luft zu einer Verschiebung des Wasserstands im Rohr. Santorio verwendete zwei feste Bezugspunkte: die Temperatur des Schnees und die einer Kerzenflamme, zwischen denen er seinem Luftthermoskop um 1612 eine gleichmäßige Dezimalskala versah. Damit stellt sein Luftthermoskop einen Vorläufer zu einem Thermometer dar.

Der württembergische Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571-1630) verfasste neben seinen vielen anderen wissenschaftlichen Werken 1611 eine Abhandlung über Schneeflocken: „Strena Seu de Nive Sexangula“, übersetzt „Ein Neujahrsgeschenk oder Die sechseckige Schneeflocke“, in der er den „Grund für die sechseckige Form der Schneekristalle“ (d.h. Schneeflocken) und „die Formen und Symmetrien in der Natur“ erörterte. Dieses Werk ist die erste bekannte wissenschaftliche Erwähnung von Schneeflocken und Schneekristallen. Kepler glaubte, dass die Wetterverhältnisse auf der Erde mit den geometrischen Beziehungen zwischen der Erde und den Planeten zusammenhingen. So dachte er beispielsweise, dass die Konjunktion von Saturn und Sonne kaltes Wetter hervorrufen könnte. Da die Positionen der Erde und der Planeten im Voraus berechnet werden konnten, ließ sich nach dieser Vorstellung auch das Wetter vorhersagen. Kepler erstellte daher die ersten bekannten Langzeit-Wettervorhersagen, darunter eine für einen bitterkalten Winter in Deutschland im Jahr 1593, welche sich tatsächlich als richtig herausstellte. Im Jahr 1593 begann Kepler in Graz, täglich das Wetter aufzuzeichnen, in der Hoffnung, den Einfluss der Sterne auf das Wetter zu ergründen. Im Jahr 1604 nahm er ähnliche Beobachtungen in Prag auf. Auch zwischen 1617 und 1620 notierte er tägliche Wetteraufzeichnungen, ebenso im Jahr 1628 im schlesischen Sagan.

Der lombardische Naturwissenschaftler Benedetto Castelli (1577-1643), ein Schüler von Galileo, entwickelte einen einfachen Regenmesser, nachdem er einen Anstieg des Wasserstandes am abflusslosen Trasimenischen See nach einem heftigen Regen beobachtete. Er begann 1639, die Menge des Niederschlags in Perugia zu messen.

Das Werk „Opera Didactica Omnia“ des mährischen Philosophen, Schriftstellers und Pädagogen Johann Amos Comenius oder tschechisch Jan Amos Komenský (1592-1670) enthielt eine Abhandlung über wetterbezogene Themen.

Die Geschichte der Meteorologie geht weiter. Der nächsten Teil der Serie wird die Entwicklung der Meteorologie im Übergang der Spätrenaissance ins Zeitalter der Aufklärung behandeln. Meteorologische Messgeräte werden dabei verbessert und die quantitative Meteorologie verfeinert.

Diplom-Meteorologe Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-6.jpg 803 1113 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-16 17:56:372026-05-17 23:49:28Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

13. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am gestrigen Sonntag, den 12. April, war in den USA der „Jahrestag des starken Windes“. Seit wann dieser Aktionstag begangen wird und wer diesen ins Leben rief, ist leider nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass anlässlich des 50. Jahrestags im Jahr 1984 eine Zeremonie im Observatorium des Mount Washington abgehalten wurde.

Vor 91 Jahren, also am 12. April 1934, wurde auf dem Mount Washington (New Hampshire) mit 372 Kilometern pro Stunde die bis dato stärkste mit einem Anemometer gemessene Windböe verzeichnet. Erst am 10. April 1996, also fast auf den Tag genau 62 Jahre später, konnte dieser Wert überboten werden. Während des tropischen Zyklons „Olivia“ wurden auf der westaustralischen Insel Barrow Island 408 Kilometer pro Stunde gemessen. In Deutschland und Europa liegt der Rekord bei 335 Kilometer pro Stunde und wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze verzeichnet.

Die höchste jemals aufgezeichnete Windgeschwindigkeit wurde durch ein Dopplerradar bei einem Tornado in der Nähe von Oklahoma City am 03. Mai 1999 registriert. Der Wert beträgt hierbei 496 Kilometer pro Stunde, wobei der Unsicherheitsbereich durch die indirekte Messmethode bei plusminus 33 Kilometer pro Stunde liegt.

In der freien Atmosphäre sind die Windgeschwindigkeiten naturgemäß höher als an der Erdoberfläche, da dort Reibungseffekte keine Rolle spielen. So wurden 1970 bei Messungen in Jetstreams über Japan 650 Kilometer pro Stunde geschätzt.

Hierzulande frischte der Wind in den vergangenen Tagen zwar zeitweise etwas auf, mit Sturm oder mehr hatte das aber natürlich nichts zu tun. Ab und an war eine gelbe Windwarnung (50 bis 64 Kilometer pro Stunde) vonnöten, so wie auch für den heutigen Montag eine für den Erzgebirgskamm ausgegeben wurde. In den kommenden Tagen ist Wind dann aber kein Thema mehr.

Daneben wurde am 13. April 1845, also heute vor 181 Jahren, der deutsche Meteorologe Richard Adolph Aßmann geboren. Beispielsweise ist das Meteorologische Observatorium in Lindenberg nach ihm benannt. Er ist der Entwickler des nach ihm benannten Aspirationspsychrometers nach Aßmann. Ein Psychrometer (griechisch: psychrós = frostig, kalt) ist ein meteorologisches Messinstrument und dient der Bestimmung der Luftfeuchtigkeit (https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/P/Psychrometer.html). Das Messprinzip eines Psychrometers beruht auf der Abhängigkeit der Verdunstung von den Feuchteverhältnissen der umgebenden Luft. Ein Psychrometer besteht aus zwei Thermometern, wovon eines die Lufttemperatur misst. Das andere ist mit einem feuchten Strumpf überzogen und kühlt sich aufgrund der Verdunstungskälte ab. Die gemessene Temperatur („Feuchttemperatur“) liegt somit unter der Lufttemperatur. Mithilfe der beiden gemessenen Temperaturwerte können anschließend verschiedene Feuchtegrößen berechnet werden.

Am morgigen Dienstag, den 14. April, ist in den USA wiederum der „Schau-in-den-Himmel-Tag“. Die Ursprünge und Hintergründe dieses Aktionstags sind allerdings nicht überliefert. Am Tag der Himmelsbeobachtung steht das Rausgehen im Vordergrund, um zu sehen, was am Himmel so vor sich geht. Ein Vogel, der die Thermik zum Fliegen nutzt; ein Flugzeug, das ein nahes oder fernes Urlaubsziel ansteuert; lustige Wolkenformationen, die über den Himmel ziehen oder bei Dunkelheit die Sterne, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Scheint die Sonne, verweilt man gerne auch etwas länger im Freien; ist es hingegen bedeckt oder es regnet sogar, beobachtet man den Himmel dann doch lieber vom Fenster aus. Doch wie präsentiert sich das Himmelsbild am morgigen „Schau-in-den-Himmel-Tag“?

Am morgigen Dienstag ist es im Westen und Nordwesten Deutschlands bei Höchsttemperaturen zwischen 15 und 18 Grad heiter, teils sonnig und trocken. In den übrigen Regionen bestimmen viele Wolken das Himmelsbild. Vielerorts tritt zudem leichter Regen auf, der im Tagesverlauf in den Osten und Südosten Deutschlands zieht. Die Höchsttemperaturen liegen meist bei 9 bis 15 Grad, nur an Oder und Neiße können ebenfalls 15 bis 18 Grad erreicht werden.

Nachfolgend nehmen die Sonnenanteile in weiten Teilen des Landes deutlich zu. Bei Höchsttemperaturen zwischen 14 und 21 Grad und schwachen Windverhältnissen kann der „Schau-in-den-Himmel-Tag“ bei einem Spaziergang also durchaus in die Verlängerung gehen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-04-13 23:11:572026-04-13 23:13:51Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug
Search Search

Neueste Beiträge

  • Wie lange hält die hochsommerliche Hitze an?
  • In eine Solaranlage investieren: Was Sie über Photovoltaik auf dem eigenen Dach wissen sollten
  • Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)
  • Supertaifun BAVI
  • Trockenheit im Südwesten Deutschlands

Kategorien

  • Allgemein (86)
  • Brand News (45)
  • Stories (10)
  • Tipps & Tricks (4)
    • Gesundheit (3)
  • Wetter (2.291)
    • Thema des Tages (2.275)
    • Wetterlexikon (1.317)
      • Klima (1.015)
    • Wind (579)

Archiv

  • Juli 2026 (14)
  • Juni 2026 (31)
  • Mai 2026 (32)
  • April 2026 (29)
  • März 2026 (32)
  • Februar 2026 (28)
  • Januar 2026 (31)
  • Dezember 2025 (31)
  • November 2025 (31)
  • Oktober 2025 (31)
  • September 2025 (30)
  • August 2025 (31)
  • Juli 2025 (31)
  • Juni 2025 (32)
  • Mai 2025 (31)
  • April 2025 (33)
  • März 2025 (36)
  • Februar 2025 (27)
  • Januar 2025 (32)
  • Dezember 2024 (31)
  • November 2024 (30)
  • Oktober 2024 (33)
  • September 2024 (30)
  • August 2024 (31)
  • Juli 2024 (32)
  • Juni 2024 (30)
  • Mai 2024 (30)
  • April 2024 (30)
  • März 2024 (32)
  • Februar 2024 (29)
  • Januar 2024 (31)
  • Dezember 2023 (31)
  • November 2023 (30)
  • Oktober 2023 (31)
  • September 2023 (29)
  • August 2023 (35)
  • Juli 2023 (34)
  • Juni 2023 (35)
  • Mai 2023 (32)
  • April 2023 (30)
  • März 2023 (30)
  • Februar 2023 (28)
  • Januar 2023 (33)
  • Dezember 2022 (30)
  • November 2022 (30)
  • Oktober 2022 (31)
  • September 2022 (30)
  • August 2022 (32)
  • Juli 2022 (31)
  • Juni 2022 (32)
  • Mai 2022 (32)
  • April 2022 (30)
  • März 2022 (32)
  • Februar 2022 (27)
  • Januar 2022 (31)
  • Dezember 2021 (31)
  • November 2021 (30)
  • Oktober 2021 (34)
  • September 2021 (30)
  • August 2021 (30)
  • Juli 2021 (33)
  • Juni 2021 (31)
  • Mai 2021 (30)
  • April 2021 (33)
  • März 2021 (33)
  • Februar 2021 (30)
  • Januar 2021 (38)
  • Dezember 2020 (39)
  • November 2020 (33)
  • Oktober 2020 (38)
  • September 2020 (32)
  • August 2020 (33)
  • Juli 2020 (22)
  • Juni 2020 (22)
  • Mai 2020 (16)
  • April 2020 (13)
  • März 2020 (15)
  • Februar 2020 (15)
  • Januar 2020 (16)
  • Dezember 2019 (9)
  • November 2019 (13)
  • Oktober 2019 (13)
  • September 2019 (16)
  • August 2019 (7)

Schlagwörter

Bodenseeschifferpatent Druckgradienten Eis Frost Gewitter Herbstwetter Hitze Hitzewelle Hochdruck Hochdruckgebiet Hochnebel Hurrikan Kaltfront Klimawandel Luftdruckmuster Meereisrückgang Nebel Niederschlag Polarluft Regen SBF-Binnen SBF-Binnen unter Segeln SBF-See Schnee Sommer Sommerzeit Sonnenschein Sportboot-Patente Sportbootführerschein Starkregen Sturm Sturmböen Sturmtief Temperatur Thema des Tages Tiedruckgebiet Tiefdruckgebiet Tiefdruckgebiete Trockenheit Wetter Wetterumschwung Wettervorhersage Wind Winter Winterwetter
Search Search
© Copyright - Windinfo.eu
  • Link zu Facebook
  • Link zu Youtube
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen