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Schlagwortarchiv für: Messinstrumente

Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

16. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Zeit vom Spätmittelalter bis zur Frührenaissance beschrieben. Blicken wir nun auf wesentliche Entwicklungen in der Meteorologie in der Renaissance.

Johannes Lichtenberger (um 1426–1503) war ein Astrologe aus der Pfalz. 1488 veröffentlichte er die erste Fassung seiner „Prognosticatio“, in der er Wettervorhersagen mit Astrologie verknüpfte. Dieses Paradigma wurde erst Jahrhunderte später in Frage gestellt.

Der ruthenische Philosoph und Astronom Jurij Drohobytsch oder Jurij Kotermak (1450–1494) veröffentlichte in Rom seine „Prognostische Schätzung für das Jahr 1483“, in der er sich mit Wettervorhersagen befasste und darauf hinwies, dass die klimatischen Bedingungen vom Breitengrad abhängen. Drohobytsch gilt zudem als Verfasser des ersten gedruckten kyrillischen Buches.

Der Künstler, Anatom, Ingenieur und Naturphilosoph Leonardo da Vinci (1452–1519) aus der Toskana gilt als herausragende Persönlichkeit der Kunst und Wissenschaft der Renaissance. Er erfand bzw. entwickelte zwischen 1478 und 1486 meteorologische Messinstrumente weiter, darunter ein Hygrometer, ein Gerät zur Messung der Luftfeuchtigkeit auf Basis des hydrostatischen Gleichgewichts, ein Platten-Anemometer, ein Instrument zur Messung der Windgeschwindigkeit und ein Anemoskop, eine Art Windfahne. In Bezug auf seine Hygrometer merkte da Vinci an, dass sie dazu dienten, um anzuzeigen, wann sich das Wetter verschlechtert. Seine Zeichnungen, Skizzen und Notizen gingen von seinem Schüler Francesco Melzi (um 1492–um 1570) auf den Kunstsammler Pompeo Leoni (1533–1608) über, der sie in einem „Codex Atlanticus“ genannten Werk zusammenfasste.

Zeichnungen von Leonardo da Vinci im Codex Atlanticus, Russische Staatliche Universität für Geisteswissenschaften, Moskau, und Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mailand, Quelle: Maltalper und OWK über Wikimedia Commons

Im Heiligen Römischen Reich kam es zur Ausweitung, wenn nicht gar zum Beginn einer systematischen Aufzeichnung meteorologischer Beobachtungen, die für Ephemeriden verwendet wurden. Der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola (1463–1494) aus der Romagna berichtete, er habe das Wetter 130 Tage lang beobachtet und dabei festgestellt, dass dessen Veränderungen offenbar nicht mit dem übereinstimmten, was Astrologen angeblich als normal lehrten. Folglich plädierte er dafür, die natürlichen, nicht-himmlischen Formen der Wettervorhersage zu nutzen, über die Landwirte, Seeleute und Ärzte verfügten, um empirisches Wissen zu entwickeln, das zu genaueren Vorhersagen führen könnte.

Auf seiner zweiten Reise geriet der genuesische Seefahrer Christoph Kolumbus (um 1451–1506) im Jahr 1494 südlich von Kuba in einen tropischen Wirbelsturm, was zur ersten schriftlichen europäischen Schilderung eines Hurrikans führte. Dieses Ereignis lehrte ihn, die Zeichen am Meer und am Himmel zu deuten, die auf diese herannahenden „Huracan“-Stürme hindeuteten. Am 30. Juni 1502 suchten Christoph Kolumbus und seine Flotte während seiner vierten Reise in die Neue Welt Schutz vor einem Hurrikan in der Kolonie Santo Domingo auf Hispaniola. Während seine Flotte die Katastrophe überstand, erging es einer spanischen Flotte, die sich von dort auf den Heimweg machte, weitaus schlechter, da der Gouverneur Kolumbus‘ Warnungen vor fantastischen Sturmgeschichten keinen Glauben schenkte und diese nicht an die abreisende Flotte weiterleitete. Von 30 Schiffen sanken 25, vier mussten beschädigt umkehren und nur eines, die Aguja, erreichte Spanien.

Der osmanische Admiral, Geograph und Kartograph Piri Reis (um 1470–1554) verfasste 1521 das „Kitab-ı Bahriye“, das Buch der Navigation. In diesem sind atmosphärische Bedingungen des Mittelmeeres, des Persischen Golfs, des Indischen und des Atlantischen Ozeans beschrieben. Besonderes Augenmerk liegen dabei auf den häufigen Stürmen und den starken Regenfällen im Bereich des Indischen Ozeans.

Der Astronom Leonhard Reynmann aus Franken, der um 1500 lebte, veröffentlichte erstmals 1505 das Wetterbüchlein „Wetter biechlin Von warer erkan[n]tnuß des weters“, eine Sammlung von Wetterweisheiten. Es ist das erste Verzeichnis von Wetterregeln, welches sich nicht ausschließlich auf die Wetterkunde aus antiken und mittelalterlichen Quellen stützt, sondern durch Beobachtungen ergänzt wurde.

Wetterbüchlein, Titelseite einer Ausgabe von 1511, Leonhard Reynmann, Universitätsbibliothek Mannheim, Quelle: Stefan Weil über Wikimedia Commons

Der aus der Alten Eidgenossenschaft stammende Arzt und Naturphilosoph Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541), befasste sich mit den Zusammenhängen zwischen Klima, Wetter und Medizin. Er schrieb, dass jeder, der sich mit Winden, Blitzen und dem Wetter beschäftige, verstehen würde, was Krankheiten verursachte.

Die erste Abschätzung der Windgeschwindigkeit unternahm der lombardische Arzt, Philosoph und Mathematiker Girolamo Cardano (1501–1576). Er nahm an, dass während starker Stürme der Wind eine Geschwindigkeit von 45 m/s aufweist.

Der französische Visionär und Astrologe Nostradamus (1503–1566) stellte viele Vorhersagen über zukünftige Ereignisse auf, doch ihre wahre Bedeutung ist unklar und Auslegungssache. Als er beispielsweise nach dem Wetter von morgen gefragt wurde, schrieb er: „In der Zeit der Monde wird ein Mann sein, der über Wolken und tobende Stürme nachsinnt. Nicht um der Philosophie willen, sondern vielmehr, weil ein bewölktes Gehirn die Norm ist.“ Daraus lässt sich schließen, dass er der Beschäftigung mit dem Wetter kritisch gegenüberstand und nur ungern Wettervorhersagen traf. Die Königin von Frankreich war besonders an seinen meteorologischen Fähigkeiten interessiert und bat ihn jeden Abend inständig um eine Vorhersage, damit sie wüsste, „was sie am nächsten Tag anziehen sollte“. Nach einigen dieser Vorhersagen lehnte er schließlich ab.

Der französische Astronom und Mediziner Antonio Mizauld (1510–1578) veröffentlichte 1547 „Le miroueer du temps, autrement dit, éphémérides perpétuelles de l’air par lesquelles sont tous les jours donez vrais signes de touts changements de temps, seulement par choses qui à tous apparoissent au cien, en l’air, sur terre & en l’eau. Le tout par petits aphorismes, & breves sentences diligemment compris“ (übersetzt: Der Wetterbeobachter, oder anders gesagt: eine ewige Wetterkalender, durch den täglich verlässliche Anzeichen für alle Wetterveränderungen gegeben werden, und zwar allein anhand von Dingen, die allen sichtbar sind – in der Luft, auf der Erde und im Wasser. Das Ganze in Form von kleinen Aphorismen und kurzen, sorgfältig formulierten Sätzen) in Paris mit Schwerpunkten der Vorhersagen von Wetter, Kometen und Erdbeben.

Der Theologe Wolfgang Haller (1525–1601) aus der Alten Eidgenossenschaft tätigte zwischen 1545 und 1576 in Zürich regelmäßig erste meteorologische Aufzeichnungen, die einzigartig für die Witterungsgeschichte der Schweiz sind.

Der spanische Jesuitenmissionar und Naturforscher José de Acosta (1540–1600) war in Südamerika tätig. Er beschäftigte sich mit Erdbeben, Vulkanen, Gezeiten, Meeresströmungen, magnetischen Deklinationen und meteorologischen Phänomenen. In seinem 1590 veröffentlichten Werk „Historia Natural y Moral de las Indias“ lieferte er eine Erklärung für die vorherrschenden Winde in den subtropischen und mittleren Breiten. Er führte die regelmäßigen Ostwinde der Subtropen (die Passatwinde) auf die Bewegung der Himmelskörper um eine unbewegliche Erde zurück. Seiner Vorstellung nach führte ein Teil dieser Bewegung, übertragen auf die Tropen, zur Entstehung der Passatwinde. Acosta versuchte zudem, die in den mittleren Breiten vorherrschenden West- oder Südwestwinde als Folge aufsteigender oder absteigender Strömungen in der Atmosphäre zu erklären. Diese Vorstellung enthält einen Hinweis auf das, was heute als allgemeine Zirkulation der Atmosphäre bekannt ist. Acosta war der erste Abendländer, der sich mit der Höhenkrankheit befasste, und gilt daher als Pionier der Flugmedizin. In seinem Werk „Natur- und Sittengeschichte der Indias“ (1590) stellte er die These auf, dass die amerikanischen Ureinwohner über eine Landbrücke aus Asien kamen, mehr als ein Jahrhundert vor der Entdeckung der Beringstraße.

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546–1601) glaubte, dass sich das Wetter mithilfe astronomischer und astrologischer Methoden vorhersagen lasse. Bereits 1564 arbeitete Brahe daran, seinen astrometeorologischen Ideen eine empirische Grundlage zu verschaffen. In jenem Jahr beobachtete er den Himmel während der zwölf Weihnachtstage, um seine Theorie zu überprüfen, dass sich das Wetter des kommenden Jahres anhand dieser Beobachtungen vorhersagen lasse. In seinem Werk „De nova stella“ von 1573 legte er seine Überzeugung dar, dass sich das voraussichtliche Wetter für jeden Tag anhand der Konstellationen am Himmel vorhersagen lasse, und stellte seine Grundsätze für die Erstellung astrometeorologischer Almanache vor. In seiner Theorie maß er dem Mond aufgrund seiner Nähe zur Erde den größten Einfluss auf die Schwankungen des vom Sonnenzyklus bestimmten Klimas bei. Er warnte seine Leser jedoch davor, zu hohe Erwartungen an seine Wettervorhersagen zu stellen. Er empfahl, systematisch das Wetter zu beobachten, damit Vorhersagen in Zukunft auf eine solidere Grundlage gestellt werden könnten. Tatsächlich tat er genau das vom 1. Oktober 1582 bis zum 21. April 1597: Er führte täglich Aufzeichnungen über das Wetter auf der Insel Hven im Öresund durch und veröffentlichte 1585 unter dem Namen eines seiner Schüler einen astrometeorologischen Kalender für das kommende Jahr, der auf diesen Beobachtungen basierte.

Im Sommer 1588 versuchte die spanische Armada, England vom Ärmelkanal aus einzunehmen. Dem stellte sich die englische Flotte entgegen, in dem sie in der Seeschlacht von Gravelines (Gravelingen) die spanische Armada entscheidend schwächte. Die spanische Armada entschied sich zur Flucht nach Den Haag. Vom Ostatlantik zog ein Sturmtief auf Westeuropa zu. Vorherrschende Süd- bis Südwestwinde erschwerten der spanischen Armada eine Durchquerung des Ärmelkanals, so dass sich diese entschloss, England und Schottland über die Nordsee zum umsegeln. Bereits in der Nordsee geriet die spanische Armada in Ausläufer des Sturms und verlor weitere Schiffe. Auf ihrem weiteren Westkurs um Schottland traten wenige Tage später erneut heftige Winde aus West bis Nordwest auf, welche weitere Schiffe der spanischen Armada an die irische Küste trieben. Damit waren weitere spanische Invasionsversuche gänzlich ausgeschlossen. Dieses Beispiel verdeutlicht, wie meteorologische Systeme einen wesentlichen Einfluss auf historische geopolitische Ereignisse genommen haben.

Der englische Naturphilosoph Francis Bacon (1561–1626) war der Ansicht, dass man im wissenschaftlichen Bereich die Dinge selbst anfassen, ertasten und vermessen sollte. Als solcher war er einer der frühesten Vertreter der wissenschaftlichen Methode und trug so dazu bei, eine neue Ära für die Wissenschaft einzuläuten. Bacon hatte eine unstillbare Neugier auf alle Naturphänomene. In seinem 1620 verfassten Werk „Preparative toward a Natural and Experimental History“ (übersetzt: „Vorbereitung für eine natürliche und experimentelle Geschichte“) stellte er eine Vielzahl von Bereichen („Geschichten“) vor, in denen er „die Natur selbst untersuchen“ wollte, darunter die folgenden, die sich auf das Wetter beziehen:

– Geschichte der Blitze, Donnerschläge, Gewitter und Lichterscheinungen
– Geschichte der Winde, plötzlichen Windböen und Luftschwankungen
– Geschichte der Regenbogen
– Geschichte der Wolken, wie sie von oben gesehen werden
– Geschichte des blauen Horizonts, der Dämmerung, der Scheinsonnen, Scheinmonde, Halos, der verschiedenen Farben der Sonne, sowie aller durch das Medium hervorgerufenen Erscheinungsformen des Himmels
– Geschichte der Regenfälle, der gewöhnlichen, der stürmischen und der außergewöhnlichen; sowie der Wasserhosen (wie man sie nennt) und dergleichen
– Geschichte von Hagel, Schnee, Frost, Raureif, Nebel, Tau und dergleichen – Geschichte aller anderen Dinge, die von oben herabfallen oder herabkommen und die in der oberen Region entstehen
– Geschichte der Geräusche in der oberen Region (sofern es welche gibt), abgesehen vom Donner
– Geschichte der Luft im Allgemeinen oder in ihrer Verteilung auf der Erde – Geschichte der Jahreszeiten oder der Jahrestemperaturen, sowohl im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den Regionen als auch im Hinblick auf die Schwankungen im Laufe der Zeit und der Jahreszeiten
– Geschichte von Überschwemmungen, Hitzewellen, Dürren und Ähnlichem.

Im Jahr 1620 stellte Bacon die Ähnlichkeiten in den Umrissen der Kontinente Westafrikas und dem Ostteil Südamerikas fest und machte darauf aufmerksam. Dies war der erste vage Hinweis auf die Theorie der Kontinentalverschiebung.

Der Astronom, Mathematiker, Physiker und Philosoph Galileo Galilei (1564–1642) aus der Toskana zählt zu den Pionieren der modernen wissenschaftlichen Methoden. Er war der Überzeugung, dass sich die Naturgesetze mathematisch ausdrücken ließen. Dieser Ansatz veranlasste Galileo dazu, viele der Schlussfolgerungen zu widerlegen, die Aristoteles in seinem Werk „Meteorologica“ aufgestellt hatte. Galileo erfand um 1596 das Thermoskop, einen Vorläufer des Thermometers. Während seiner Zeit in Padua wollte er Wärme und Kälte messen. Sein Thermoskop bestand aus einem hohlen Glaskolben von etwa der Größe eines Eies mit einem langen, dünnen Glashals, der an seinem Ende offen war. Die Kugel wurde mit den Händen erwärmt, das Gerät wurde umgedreht und die Halsöffnung in ein Gefäß mit Wasser getaucht. Als die Zeiger aus der Kugel gezogen wurden, stieg das Wasser im Hals bis zu einer bestimmten Höhe über den Wasserstand im Gefäß. Diese Höhe hing von der Lufttemperatur ab: Je kälter die Luft, desto höher stieg das Wasser. Dieses Instrument verfügte über keine Temperaturskala. Galileo prägte um das Jahr 1619 den Begriff „Aurora borealis“ (nördliche Morgenröte), um das Nordlicht zu beschreiben. Gegen Ende seines Lebens beschäftigte sich Galileo mit der Frage, warum Wasser nicht höher als 32 Fuß (10 m) über den Pegel eines Wasserbeckens gepumpt werden konnte. Einer seiner Schüler führte diese Arbeiten weiter, daraus entstand dann das Quecksilberbarometer. Mehr dazu lesen Sie im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie.

Thermoskop von Sanctorius, 1612, Evolution of the Thermometers 1592-1743, Henry Carrington Bolton, Quelle: Popocatomar über Wikimedia Commons

Nach Galileo Galilei entwickelten andere Erfinder unabhängig voneinander Thermoskope. Der Mediziner und Erfinder Santorio oder latinisiert Sanctorius (1561-1636) aus Istrien hatte die Idee, Galileos Thermoskop so umzugestalten, dass es als Instrument zur Temperaturmessung bei Kranken dienen konnte. Es besteht aus einer kleinen Glaskugel, die eine konstante Luftmenge enthält und auf einem langen, schmalen, offenen Rohr sitzt, das in ein mit Wasser gefülltes Gefäß eintaucht. Der Kranke nimmt die Kugel in die Hand oder in den Mund. Unter dem Einfluss der Temperatur führt die Volumenänderung der Luft zu einer Verschiebung des Wasserstands im Rohr. Santorio verwendete zwei feste Bezugspunkte: die Temperatur des Schnees und die einer Kerzenflamme, zwischen denen er seinem Luftthermoskop um 1612 eine gleichmäßige Dezimalskala versah. Damit stellt sein Luftthermoskop einen Vorläufer zu einem Thermometer dar.

Der württembergische Astronom und Mathematiker Johannes Kepler (1571-1630) verfasste neben seinen vielen anderen wissenschaftlichen Werken 1611 eine Abhandlung über Schneeflocken: „Strena Seu de Nive Sexangula“, übersetzt „Ein Neujahrsgeschenk oder Die sechseckige Schneeflocke“, in der er den „Grund für die sechseckige Form der Schneekristalle“ (d.h. Schneeflocken) und „die Formen und Symmetrien in der Natur“ erörterte. Dieses Werk ist die erste bekannte wissenschaftliche Erwähnung von Schneeflocken und Schneekristallen. Kepler glaubte, dass die Wetterverhältnisse auf der Erde mit den geometrischen Beziehungen zwischen der Erde und den Planeten zusammenhingen. So dachte er beispielsweise, dass die Konjunktion von Saturn und Sonne kaltes Wetter hervorrufen könnte. Da die Positionen der Erde und der Planeten im Voraus berechnet werden konnten, ließ sich nach dieser Vorstellung auch das Wetter vorhersagen. Kepler erstellte daher die ersten bekannten Langzeit-Wettervorhersagen, darunter eine für einen bitterkalten Winter in Deutschland im Jahr 1593, welche sich tatsächlich als richtig herausstellte. Im Jahr 1593 begann Kepler in Graz, täglich das Wetter aufzuzeichnen, in der Hoffnung, den Einfluss der Sterne auf das Wetter zu ergründen. Im Jahr 1604 nahm er ähnliche Beobachtungen in Prag auf. Auch zwischen 1617 und 1620 notierte er tägliche Wetteraufzeichnungen, ebenso im Jahr 1628 im schlesischen Sagan.

Der lombardische Naturwissenschaftler Benedetto Castelli (1577-1643), ein Schüler von Galileo, entwickelte einen einfachen Regenmesser, nachdem er einen Anstieg des Wasserstandes am abflusslosen Trasimenischen See nach einem heftigen Regen beobachtete. Er begann 1639, die Menge des Niederschlags in Perugia zu messen.

Das Werk „Opera Didactica Omnia“ des mährischen Philosophen, Schriftstellers und Pädagogen Johann Amos Comenius oder tschechisch Jan Amos Komenský (1592-1670) enthielt eine Abhandlung über wetterbezogene Themen.

Die Geschichte der Meteorologie geht weiter. Der nächsten Teil der Serie wird die Entwicklung der Meteorologie im Übergang der Spätrenaissance ins Zeitalter der Aufklärung behandeln. Meteorologische Messgeräte werden dabei verbessert und die quantitative Meteorologie verfeinert.

Diplom-Meteorologe Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-6.jpg 803 1113 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-16 17:56:372026-05-17 23:49:28Geschichte der Meteorologie – Teil 6: Meteorologie im Zeitalter der Renaissance und Anfänge der quantitativen Meteorologie

Aktions- und Ehrentage mit meteorologischem Bezug

13. April 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am gestrigen Sonntag, den 12. April, war in den USA der „Jahrestag des starken Windes“. Seit wann dieser Aktionstag begangen wird und wer diesen ins Leben rief, ist leider nicht bekannt. Bekannt ist hingegen, dass anlässlich des 50. Jahrestags im Jahr 1984 eine Zeremonie im Observatorium des Mount Washington abgehalten wurde.

Vor 91 Jahren, also am 12. April 1934, wurde auf dem Mount Washington (New Hampshire) mit 372 Kilometern pro Stunde die bis dato stärkste mit einem Anemometer gemessene Windböe verzeichnet. Erst am 10. April 1996, also fast auf den Tag genau 62 Jahre später, konnte dieser Wert überboten werden. Während des tropischen Zyklons „Olivia“ wurden auf der westaustralischen Insel Barrow Island 408 Kilometer pro Stunde gemessen. In Deutschland und Europa liegt der Rekord bei 335 Kilometer pro Stunde und wurde am 12. Juni 1985 auf der Zugspitze verzeichnet.

Die höchste jemals aufgezeichnete Windgeschwindigkeit wurde durch ein Dopplerradar bei einem Tornado in der Nähe von Oklahoma City am 03. Mai 1999 registriert. Der Wert beträgt hierbei 496 Kilometer pro Stunde, wobei der Unsicherheitsbereich durch die indirekte Messmethode bei plusminus 33 Kilometer pro Stunde liegt.

In der freien Atmosphäre sind die Windgeschwindigkeiten naturgemäß höher als an der Erdoberfläche, da dort Reibungseffekte keine Rolle spielen. So wurden 1970 bei Messungen in Jetstreams über Japan 650 Kilometer pro Stunde geschätzt.

Hierzulande frischte der Wind in den vergangenen Tagen zwar zeitweise etwas auf, mit Sturm oder mehr hatte das aber natürlich nichts zu tun. Ab und an war eine gelbe Windwarnung (50 bis 64 Kilometer pro Stunde) vonnöten, so wie auch für den heutigen Montag eine für den Erzgebirgskamm ausgegeben wurde. In den kommenden Tagen ist Wind dann aber kein Thema mehr.

Daneben wurde am 13. April 1845, also heute vor 181 Jahren, der deutsche Meteorologe Richard Adolph Aßmann geboren. Beispielsweise ist das Meteorologische Observatorium in Lindenberg nach ihm benannt. Er ist der Entwickler des nach ihm benannten Aspirationspsychrometers nach Aßmann. Ein Psychrometer (griechisch: psychrós = frostig, kalt) ist ein meteorologisches Messinstrument und dient der Bestimmung der Luftfeuchtigkeit (https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/begriffe/P/Psychrometer.html). Das Messprinzip eines Psychrometers beruht auf der Abhängigkeit der Verdunstung von den Feuchteverhältnissen der umgebenden Luft. Ein Psychrometer besteht aus zwei Thermometern, wovon eines die Lufttemperatur misst. Das andere ist mit einem feuchten Strumpf überzogen und kühlt sich aufgrund der Verdunstungskälte ab. Die gemessene Temperatur („Feuchttemperatur“) liegt somit unter der Lufttemperatur. Mithilfe der beiden gemessenen Temperaturwerte können anschließend verschiedene Feuchtegrößen berechnet werden.

Am morgigen Dienstag, den 14. April, ist in den USA wiederum der „Schau-in-den-Himmel-Tag“. Die Ursprünge und Hintergründe dieses Aktionstags sind allerdings nicht überliefert. Am Tag der Himmelsbeobachtung steht das Rausgehen im Vordergrund, um zu sehen, was am Himmel so vor sich geht. Ein Vogel, der die Thermik zum Fliegen nutzt; ein Flugzeug, das ein nahes oder fernes Urlaubsziel ansteuert; lustige Wolkenformationen, die über den Himmel ziehen oder bei Dunkelheit die Sterne, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Scheint die Sonne, verweilt man gerne auch etwas länger im Freien; ist es hingegen bedeckt oder es regnet sogar, beobachtet man den Himmel dann doch lieber vom Fenster aus. Doch wie präsentiert sich das Himmelsbild am morgigen „Schau-in-den-Himmel-Tag“?

Am morgigen Dienstag ist es im Westen und Nordwesten Deutschlands bei Höchsttemperaturen zwischen 15 und 18 Grad heiter, teils sonnig und trocken. In den übrigen Regionen bestimmen viele Wolken das Himmelsbild. Vielerorts tritt zudem leichter Regen auf, der im Tagesverlauf in den Osten und Südosten Deutschlands zieht. Die Höchsttemperaturen liegen meist bei 9 bis 15 Grad, nur an Oder und Neiße können ebenfalls 15 bis 18 Grad erreicht werden.

Nachfolgend nehmen die Sonnenanteile in weiten Teilen des Landes deutlich zu. Bei Höchsttemperaturen zwischen 14 und 21 Grad und schwachen Windverhältnissen kann der „Schau-in-den-Himmel-Tag“ bei einem Spaziergang also durchaus in die Verlängerung gehen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.04.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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