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WarnWetter-App: Version 4.0 veröffentlicht

Seit einer guten Woche wird die neue Version 4.0 der WarnWetter-App über die Stores von Google (Android) und Apple (iOS) nach und nach verteilt. Mittlerweile sollte der allergrößte Teil der Nutzer die neue Version bereits erhalten haben. Mit der neuen Version gibt es natürlich auch wieder einiges an Neuerungen, die wir hier vorstellen wollen.

Wetter vor Ort
Neben den eigenen eingerichteten Favoriten kann man sich nun sowohl in der App als auch in Form eines Widgets das aktuelle Wetter, Warnungen und die Vorhersage für den aktuellen Standort anzeigen lassen. Voraussetzung ist, dass die entsprechenden Standort-Berechtigungen erteilt werden.

Suche
Über einen Button in der Fußzeile wurde eine neue Suchfunktion eingeführt. Mit dieser lassen sich in der App alle verfügbaren Orte und Produkte finden, ohne direkt einen Favoriten dafür einrichten zu müssen.

Favoritenansicht Wettervorhersage
Der Wetter- und Vorhersagebereich ist komplett neu gestaltet worden. Sämtliche Werte werden nun in Diagrammform dargestellt und lassen sich sowohl aus der Vergangenheit bis in die Zukunft stufenlos auswählen. Konkret handelt es sich dabei um Lufttemperatur und Niederschlagsmenge, Niederschlagswahrscheinlichkeit, Windgeschwindigkeit, -richtung und -böen, Taupunkttemperatur und Luftfeuchte, sowie den Luftdruck. Neu eingeführt wurde die Anzeige von Auf- und Untergangszeiten für Sonne und Mond. Dazu wird bei der Anzeige der Wettersymbole jetzt auch in Tag und Nacht unterschieden.

Straßenwetter
Komplett neu eingeführt wurde die Anzeige von Daten der Straßenwetterstationen. Diese werden von Gemeinden, Ländern und der Autobahn GmbH (Bund) betrieben. Zur Verfügung stehen die Werte Lufttemperatur, Belagstemperatur und Taupunkt. In der vom DWD berechneten Vorhersage wird außerdem der zu erwartende Belagszustand (wie zum Beispiel Reif oder Eisglätte) angezeigt.

Vollversion
Einen winzigen Wermutstropfen gibt es dann aber doch: Aufgrund von Anpassungen in den App-Stores der jeweiligen Anbieter kostet die Vollversion der App jetzt 2,49 . Die Basisversion (enthält nur Warnungen) bleibt auch weiterhin kostenfrei.

DWD WarnWetter App Version 4.0 veroeffentlicht

Wasser – wichtig und spannend zugleich – Teil 3

Wasser ist die Grundlage unseres Lebens. Dies wurde bereits eindrucksvoll im ersten Teil der Tagesthemen-Reihe „Wasser – wichtig und spannend zugleich“ vom 19.09.2022 hervorgehoben, als besondere Eigenschaften des Elements H2O (chemische Formel für Wasser) vorgestellt wurden. Teil 2 vom 11.10.2022 behandelte den sogenannten Wasserkreislauf der Erde, in dem das Wasser in verschiedenen Aggregatszuständen zirkuliert bzw. gebunden ist.

Dabei wurde festgehalten, dass es sich bei diesem faszinierenden Kreislauf um ein geschlossenes System handelt, in dem kein Wasser verloren geht, also beispielsweise nicht unwiederbringlich ins Weltall entweicht. Im Gegensatz zu anderen Rohstoffen wie Kohle oder Öl kann die Gesamtwassermenge demnach nicht aufgebraucht werden. Ein Großteil der Wassermenge (rund 97,5%) besteht allerdings aus Salzwasser. Das trinkbare Süßwasser macht gerade einmal einen Anteil von 2,5% der gesamten Wassermenge aus. Und davon ist wiederum ein großer Teil im Eis der Arktis und Antarktis gebunden oder befindet sich im Grundwasser tief unter der Erde. Trinkwasser ist folglich ungleich verteilt oder nicht zugänglich. Der für den Menschen frei verfügbare, sichtbare Teil beschränkt sich auf etwa 0,3%.

Zwar handelt es sich dabei immer noch um 4,2 Trillionen Liter Wasser, was eine nicht zu fassende große Zahl mit 18 Nullen darstellt. Allerdings wird dieser Anteil in vielen Regionen der Erde bereits heute schon stärker genutzt, als dauerhaft verträglich ist. Eines der wohl bekanntesten Beispiele ist der Aralsee, der aufgrund intensiver landwirtschaftlicher Nutzung dramatisch geschrumpft ist. Von 1960 bis 2007 fiel das Wasservolumen des Sees auf ein Sechzehntel des ursprünglichen Volumens, dabei stieg auch die Salinität (Salzgehalt) dramatisch an. Es kam zu einer menschengemachten ökologischen Katastrophe in der Region.

DWD Wasser wichtig und spannend zugleich Teil 3

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor: Giftige Stoffe wie chemische Abfälle, Düngemittel oder Pestizide in Abwässern von Industrie, Landwirtschaft und Haushalten verschmutzen das Süßwasser in Flüssen, Seen und im Grundwasser, wodurch dieses ungenießbar wird. Auch im Aralsee reicherten sich jahrzehntelang Düngemittel und Pestizide an, die in der Folge massive Auswirkungen auf Mensch und Natur nach sich zogen.

In Deutschland hört und liest man häufig, die Lage rund um das Trinkwasser sei unproblematisch. Über Jahrzehnte hinweg war der Trinkwasserverbrauch auch kein kritisches Thema. Rund 70% unseres Wassers stammt aus Grund- und Quellwasser, der Rest wird mit Oberflächenwasser, Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser gedeckt. In den vergangenen sehr trockenen Sommern wurde Trinkwasser jedoch zu einem knappen Gut.

Der Wasserverbrauch ist hierzulande im Laufe der Jahrzehnte angestiegen: Während der durchschnittliche deutsche Haushalt im Jahr 1890 noch mit 20 Litern am Tag auskam, sind es heute 127 Liter, im Jahr 1991 waren es sogar 144 Liter. Dies entspricht etwa 18% des gesamten Wassereinsatzes (Stand: 2016). Die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei kommen lediglich auf 2%. Den Hauptteil des Wasserverbrauchs macht die Industrie mit rund 80% aus. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass etwa drei Viertel davon zu Kühlzwecken genutzt wird und im Anschluss Flüssen und Bächen wiederzugeführt wird. Weltweit sieht die Verteilung der wassernutzenden Sektoren deutlich anders aus: Etwa 70% des Wasserverbrauchs entfallen hier auf den Agrarsektor, 20% auf die Industrie und 10% werden auf kommunaler Ebene verbraucht.

Gerade während Dürren gibt es zunehmend Konflikte um das kostbare Nass. Denn das Wasser wird in trockenen Zeiten auch in Teilen Deutschlands knapp. Im Jahr 2018 führten viele Gewässer über lange Zeit nur noch wenig Wasser. In neun der fünfzehn größten Flüsse Deutschlands herrschte an über 100 Tagen extremes Niedrigwasser. Dies stellte nicht nur für die Natur eine extreme Belastung dar. Auch Unternehmen, die zumindest teilweise von der Binnenschifffahrt abhängig sind, mussten die Produktion erheblich drosseln. Zudem wurde das Kühlwasser knapp, denn trotz der andauernden Hitze und den gesunkenen Flusspegeln sind gesetzliche Vorschriften in Kraft, wonach nur eine begrenzte Menge an Kühlwasser aus den Flüssen entnommen werden darf.

DWD Wasser wichtig und spannend zugleich Teil 3 1

Nicht besser erging es den Landwirten. Bestimmte Obst- und Gemüsesorten wie z.B. Gurken müssen bewässert werden, sonst droht ein kompletter Ernteausfall. Wird das Wasser für die Bewässerung aus dem Grundwasser oder aus Talsperren genutzt, kommt es dort zu sinkenden Pegeln. Darunter leiden dann auch weitere, an das Versorgungsnetz angeschlossene Parteien.

Private Haushalte wurden in den Dürrejahren ebenfalls zum Sparen aufgefordert, um eine mögliche Rationierung des Trinkwassers möglichst zu verhindern. So wurden regional Garten- und Poolbewässerungen sowie das Autowaschen verboten.

Mittlerweile ist der Wassermangel also auch in Deutschland angekommen, zumindest zeitweise. Aufgrund der Niederschläge seit der zweiten Augusthälfte diesen Jahres hat sich zumindest das Niedrigwasser in den Flüssen und die Trockenheit der Böden wieder weitestgehend entspannt.

Weltweit gibt es jedoch Regionen, die erheblich stärker von Wasserarmut betroffen sind. Auch wir haben darauf einen gewissen Einfluss. Nicht nur beim Kochen, Duschen und Putzen sollte man sparsam mit dem Wasser umgehen, sondern auch das eigene Konsumverhalten im Blick behalten. Denn dieses kann die Wasserknappheit in bereits wasserarmen Regionen möglicherweise weiter verschärfen, was in einem weitere Thema des Tages in den kommenden Wochen weiter ausgeführt wird.

MSc.-Met.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.10.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Sommerliche Meereisbilanz 2022 in der Arktis

Der saisonale Zyklus der Meereisschmelze wird durch die jahreszeitlichen Temperaturänderungen angetrieben. Der Schmelzprozess beginnt in der Regel Ende März an den äußeren Rändern der Eisbedeckung, wenn die Tage länger werden und der Einfluss der Sonne über den nördlichen Breiten stark genug ist und somit auch die Temperaturen steigen. Im April und Mai verlief der Rückgang aufgrund von überwiegend unterdurchschnittlichen Temperaturen langsamer als üblich, sodass die Arktis aus dem Frühjahr heraus in die Sommermonate mit einer im Vergleich zu vielen Vorjahren größeren Meereisausdehnung startete

Insgesamt hatte die Schmelzsaison im Sommer 2022 einige bemerkenswerte Besonderheiten. Der Verlust der Ausdehnung war über weite Strecken des Sommers weniger extrem als in den letzten Jahren. Der Eisverlust in der Spätsaison war jedoch stark und drückte den Septemberdurchschnitt. Grundsätzlich war der Rückzug der Eiskante nach Norden in keiner Region in der Arktis besonders extrem, wobei die Oberflächenschmelze in den Regionen entlang der russisch-sibirischen Küste etwas früher als im Durchschnitt einsetzte.
Die Lufttemperaturen fielen in großen Teilen des Arktischen Ozeans zwar überdurchschnittlich aus, allerdings nicht so extrem wie in vielen Sommern der letzten Jahre. In weiten Teilen des Arktischen Ozeans lag die Sommertemperatur (Juni, Juli, August) um 1 bis 3 °C über dem langjährigen Mittel. Lediglich in Teilen der Barentsee waren es bis zu 4 °C. Nur von der südlichen Tschuktschen- bis in die nördliche Beringsee fiel die Abweichung vom Durchschnitt um -1 °C leicht negativ aus.

Über die Sommermonate haben sich ausgedehnte Hoch- oder Tiefdruckgebiete eher südlich des Polarkreises gebildet und einen direkten Luftmassenaustausch zwischen der zentralen Arktis und den mittleren Breiten blockiert. Hierdurch kam es in der zentralen Arktis nicht zu starken Warmlufteinbrüchen. Zudem waren im Mittel nur schwache Druckgradienten vorherrschend und wurden nur vorübergehend mal durch durchziehende Wettersysteme stärker. Die schwachen Druckgradienten führten zu relativ geringen Oberflächenwinden und somit auch zu einer reduzierten Meereiszirkulation über den Großteil des Sommers.
Das diesjährige Meereisminimum wurde nach Satellitenauswertungen des Alfred-Wegener-Instituts am 16. September erreicht und betrug 4,79 Millionen Quadratkilometer. Das amerikanische National Snow and Ice Data Center (NSIDC) legte das Minimum etwas später auf den 18. September mit rund 4,67 Millionen Quadratkilometer. Trotz der leicht unterschiedlichen Werte ist das arktische Meereisminimum das zehntniedrigste in der fast 44-jährigen Satellitenaufzeichnung.

DWD Sommerliche Meereisbilanz 2022 in der Arktis

Seit Mitte September nimmt die Meereisbedeckung wieder kontinuierlich zu und hat bis zum 20.10.2022 eine Fläche von rund 7.2 Millionen Quadratkilometer erreicht. Schaut man nochmal gemittelt zurück auf den gesamten September 2022 ergab sich eine Meereisausdehnung von durchschnittlich je nach Institut 5,0 (AWI) oder 4,87 (NSDIC) Millionen Quadratkilometer. Damit wird der September je nach Auswertung auf Platz 12 oder 11 der Negativliste der Absolutwerte der Meereisausdehnung rangieren.

DWD Sommerliche Meereisbilanz 2022 in der Arktis 1

Insgesamt hat der diesjährige Sommer wie im vergangenen Jahr der Eisdecke nicht außergewöhnlich stark zugesetzt, dennoch ist der allgemeine Abwärtstrend der minimalen Ausdehnung seit 1979 ungebrochen und beträgt rund 12,3 % pro Jahrzehnt. Der Verlust an Meereis beträgt etwa 78.500 Quadratkilometer pro Jahr, was in etwa der Größe unseres südöstlichen Nachbarlandes Österreich entspricht.

DWD Sommerliche Meereisbilanz 2022 in der Arktis 2

Neben der rückläufigen Ausdehnung der Meereisbedeckung, nimmt auch die Qualität der Eisdecke zunehmend ab. Seit Mitte der 1980er Jahre hat allgemein der sommerliche Verlust von mehrjährigem Eis (mit einem Alter von 3 oder mehr Jahren) zugenommen. Dadurch hat sich das Meereis hin zu einer deutlich dünneren, jüngeren und instabileren Eismasse gewandelt. Ein Hinweis auf die Veränderung hin zu weniger verdichtetem Eis sind auch sich häufiger öffnende Polynjas. Eine Polynja ist eine ausgedehnte, relative beständige, offene Wasserfläche oder nur dünne Meereisschicht. Sie kann eine Fläche von mehreren tausend Quadratkilometern erreichen. Besonders auffällig in diesem Sommer war etwa die Bildung von relativ persistenten Polynjas nördlich der Karasee in der zentralen Arktis bei etwa 87 Grad nördlicher Breite. Diese begannen sich Anfang Juli zu bilden und wurden mit Unterbrechungen bis Ende August beobachtet. Vermutlich ist das vermehrte Aufbrechen des Packeises einer divergierenden Eisdrift als Folge eines großen Tiefdrucksystems über der nördlichen Laptewsee Ende Juni geschuldet.

Master of Science Meteorologe Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Morgenrot – Schlechtwetter droht?

“Morgenrot, Schlechtwetter droht” ist zusammen mit “Abendrot, Gutwetterbot” eine der bekanntesten Bauernregeln. Häufig stimmt die Regel auch, denn in unseren Breiten wird das Wettergeschehen meist durch Westwinde bestimmt.

Ein schönes Morgenrot kann eintreten, wenn der Himmel im Osten noch wolkenarm ist und im Westen bereits neue Bewölkung aufzieht. Im Tagesverlauf bedecken die Wolken dann den gesamten Himmel und es beginnt vielleicht sogar zu regnen. Daher beginnt der Tag teils sonnig und endet regnerisch.

Beim Abendrot ist es umgekehrt: Dann haben wir im Osten die dichten Wolken, z. B. von einem abziehenden Niederschlagsgebiet und im Westen lockern die Wolken bereits auf. Im Laufe der Nacht ziehen die Wolken weiter nach Osten ab und darauf folgt oft ein heiterer Tag.

Ein Morgen- oder Abendrot entsteht durch die intensive Beleuchtung der Wolken beim Sonnenaufgang und -untergang. Die rote Farbe der Wolken beruht darauf, dass das Sonnenlicht an den verschiedenen Bestandteilen der Atmosphäre gestreut wird. Zum einen streuen die Luftmoleküle das blaue Licht stärker als rotes. Damit bleibt das rote Licht am längsten erhalten und der Himmel färbt sich bei Sonnenuntergang und -aufgang in orange bis rot. Um ein intensives Himmelsrot hervorzurufen, müssen sich darüber hinaus aber viele Wassertröpfchen in der Atmosphäre befinden.

Am Morgen des heutigen Donnerstags konnte man in viele Regionen einen besonders schönen Sonnenaufgang bestaunen. Die dünnen Schleierwolken wurden von der aufstehenden Sonne intensiv beleuchtet, siehe Bild. Die Schleierwolken sind der Vorbote eines Wetterwechsels. Denn im Laufe des Tages verdichten sich von Westen die Wolken und bringen am Nachmittag und Abend in der Westhälfte gebietsweise Regen.
Am heutigen Tag hat die Bauernregel ihre Berechtigung, aber es klappt nicht immer.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

DWD Morgenrot Schlechtwetter droht

GEORGINA – das ewige Tief

Heute herrscht in Deutschland Zwischenhocheinfluss. XILOTZIN sorgt zwar für ruhiges Wetter, durch Absinken der Luft lösen sich aber Nebel und Hochnebel oft nur zäh auf. Abseits des Nebels scheint oft die Sonne. Da die Luft im Uhrzeigersinn um das Hoch herumgeführt wird, strömt aus Norden recht kalte Luft in die Osthälfte Deutschlands. In den Westen fließt aus Südosten hingegen gemäßigte Luft. Für die Nachttemperatur heißt das im Osten örtlich Frost in der Luft und gebietsweise Frost am Boden. Im Westen geht das Thermometer nur selten unter +5 Grad.

DWD GEORGINA das ewige Tief

Bereits am morgigen Donnerstag verlagert sich das Hoch nach Osteuropa und wir gelangen auf die Vorderseite von Tief GEORGINA. Sie liegt über dem nahen Atlantik nordwestlich von Portugal und südwestlich der Britischen Inseln. Die Strömung dreht zusehends auf südliche Richtung und damit wird deutlich mildere Luft ins Land geführt. Ein Ausläufer des Tiefs zieht über die Britischen Inseln hinweg in die Nordsee. Das zugehörige Frontensystem erfasst uns im Laufe des Tages von Westen mit dichten Wolken, Schauern und auch einzelnen Gewittern. Nach Osten hin dominiert noch leichter Hochdruckeinfluss und es ist bis zum Abend trocken mit Sonnenschein.

DWD GEORGINA das ewige Tief 1

In der Nacht zum Freitag zieht die Warmfront (in der Grafik zu erkennen an der roten Linie mit den Halbkreisen) des Tiefausläufers über uns nordostwärts hinweg und die Schauer breiten sich auch auf die Osthälfte des Landes aus. Einzig der äußerste Südosten profitiert von Südwind und damit leichtem Föhn, der die Feuchtigkeit ein bisschen abtrocknet. Aber mit dem föhnigen Einschlag ist am Freitag Schluss und im Zustrom milder, aber feuchter Luftmassen gestaltet sich der Tag eher trüb mit Regen, teils schauerartig, teils sogar gewittrig. Das Hochdruckgebiet liegt dann über Südosteuropa, GEORGINA verlagert sich in Richtung Irland. Westlich von uns liegt nach wie vor die zum Tiefausläufer gehörige Frontalzone. Dazwischen gibt es eine sogenannte Konvergenz (orange Linie in der Grafik), die das Zusammenströmen von Luftmassen anzeigt. Gemeinhin lassen sich an solchen Luftmassengrenzen die stärksten konvektiven Ereignisse finden.

DWD GEORGINA das ewige Tief 2

Auch am Wochenende ist Tief GEORGINA der Hauptakteur auf der europäischen Wetterkarte. Sie liegt am Samstag wieder etwas weiter draußen auf dem Atlantik, verliert also ein bisschen an Einfluss. Der Tiefausläufer wurde von ihr wieder “absorbiert”. Die Frontenreste sind inzwischen okkludiert (zu erkennen in der Grafik an der Lila-Färbung), liegen über der Osthälfte Deutschlands und sorgen noch für etwas Regen. Aus Süden macht sich aber schon etwas höherer Luftdruck bemerkbar. Da die Strömung immer noch eine südwestliche Richtung aufweist, ist die Luft mild bis sehr mild. Tageshöchstwerte zwischen 16 und 21 Grad erinnern eher an Spätsommer.

DWD GEORGINA das ewige Tief 3

Am Sonntag pirscht sich GEORGINA wieder etwas näher an Mitteleuropa heran, in Deutschland bestimmt aber zunächst Zwischenhocheinfluss das Wetter. Im Tagesverlauf zieht eine Warmfront von Westen ins Land. Sie bringt den westlichen und mittleren Landesteilen erneut etwas Regen, nach Norden und Osten hin gestaltet sich der Sonntag aus heutiger Sicht trocken mit sonnigen Abschnitten. Da GEORGINA weiterhin milde Luft im Südwesten Europas anzapft und zu uns führt, ist es weiterhin sehr mild.

Dipl.Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Der Winter rückt näher…

Bereits im September haben wir uns etwas näher mit Jahreszeitenvorhersagen befasst, konkret wurde das Klimamodell des DWD kurz vorgestellt (siehe Thema des Tages vom 21.09.2022).

Im heutigen Tagesthema soll die aktuelle Jahreszeitenvorhersage (Stand 01.10.2022) beleuchtet werden, dabei wird nun das Klimamodell des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) in Reading als Diskussionsgrundlage verwendet. Zur Einstimmung folgen nochmals allgemeine Bemerkungen zur Langfristvorhersage, die neben anderen Faktoren beim Klimamodell IFS (Integrated Forecast System) des ECMWF Berücksichtigung finden.

Langfristige Vorhersagen liefern Informationen über die zu erwartenden atmosphärischen und ozeanischen Bedingungen, gemittelt über Zeiträume von ein bis drei Monaten. Wie die Vorhersagen für die (erweiterte) Mittelfrist werden auch die Langfristvorhersagen mit dem gekoppelten Ozean-Atmosphären-Modell des IFS erstellt. Langfristige Vorhersagen stützen sich auf Aspekte der allgemeinen Variabilität des Erdsystems, die lange Zeiträume (Monate bis Jahre) umfassen und lediglich bis zu einem gewissen Grad vorhersagbar sind. Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist der ENSO-Zyklus (El Nino Southern Oscillation). Obwohl ENSO ein gekoppeltes Ozean-Atmosphären-Phänomen darstellt, das sich auf den tropischen Pazifik konzentriert, erstreckt sich der Einfluss der Schwankungen dieser Zirkulation direkt oder indirekt nahezu über die ganze Welt.

Langfristige Vorhersagen orientieren sich oft an derartigen Telekonnektionen – wiederkehrende und länger anhaltende großräumige Muster von Druck- und Zirkulationsanomalien, die sich über große geografische Gebiete erstrecken und somit die Entwicklung allgemeiner Wettermuster beeinflussen. Ein Schlüsselwort, das häufig mit der Langfristprognose in Verbindung gebracht wird, ist “Anomalien”. Diese Triebkräfte langfristiger Wettermuster können zum Beispiel zu über- oder unterdurchschnittlichen Temperaturen und stärkeren Niederschlägen oder Trockenheit führen.

Eine der wichtigsten Triebkräfte für das Wetter auf der Nordhalbkugel im Winter ist der Stratosphärische Polarwirbel (SPV). Dieses sich schnell drehende umfassende Tiefdruckgebiet, das sich in den Wintermonaten entwickelt, wenn sich die arktische Polarregion bei Polarnacht stark abkühlt, kann mitunter Aufschluss darüber geben, ob West- und Mitteleuropa in den kommenden Wochen eine eher stürmische und nasse Periode erleben wird oder ob sich möglicherweise auch trockeneres, kälteres Wetter entwickeln könnte.

Der SPV steht ebenso in Verbindung mit diversen Telekonnektionen. Eine der wichtigsten Telekonnektionen für den Nordatlantik und die Britischen Inseln ist die NAO (Nordatlantische Oszillation), die in den Wintermonaten auch direkt mit dem Stratosphärischen Polarwirbel in Verbindung gebracht werden kann. Wenn der Polarwirbel gut organisiert und stark ausgeprägt ist, dann dominiert ein positives NAO-Muster. Dies führt in der Regel zu einer Langfristprognose, die von nassen und windigen, ja sogar zeitweise stürmischen Wetterperioden über dem Atlantik geprägt ist.

Wenn es jedoch Anzeichen dafür gibt, dass der SPV gestört oder schwächer als normal ausfällt, damit die NAO möglicherweise im Winter einen stärker negativen Trend einnimmt, erhöht sich das Risiko von insgesamt kälterem und möglicherweise trockenerem Winterwetter.

Die aktuelle Vorhersage für den Zustand des Stratosphärischen Polarwirbels (SPV), ausgedrückt über den zonal gemittelten zonalen Wind in 10 hPa (in über 30 km Höhe) und auf 60 Grad Nord gemittelt des IFS vom ECMWF sieht nun über die Wintermonate hinweg weiterhin einen weitgehend normal ausgeprägten SPV mit westlichen Winden in diesem Bereich (nähere Erläuterungen unter

DWD Der Winter rueckt naeher...

Nichtsdestotrotz sagt uns auch diese saisonale Vorhersage nach wie vor nicht viel über den kommenden Winter aus, von daher sollte sich der interessierte Leser noch etwas gedulden. Es schadet trotzdem nichts, gewisse Randbedingungen im Hinterkopf zu behalten.

Dipl.-Met. Dr. Jens Bonewitz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.10.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Internationales Unwetter

In Europa waren vor allem die sintflutartigen Regenfälle auf Kreta ein denkwürdiges Wetterereignis. Grund dafür war ein kleinräumiges Tief im Zusammenspiel mit einem hochreichenden Trog, die sich über Kreta ostwärts hinwegbewegten. Innerhalb von 24 Stunden ergossen sich am Samstag mehr als 290 Liter pro Quadratmeter rund um die Stadt Sitia. In Herkalion wurden im gleichen Zeitraum mehr als 140 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die Wassermassen führten zu zahlreichen Erdrutschen und massiven Überschwemmungen. Der Regionalgouverneur von Kreta spricht vom schlimmsten Unwetter der letzten 100 Jahre.

DWD Internationales Unwetter

In Zentralamerika zogen die Reste des Tropensturms KARL mit starken Regenfällen von Nordost nach Südwest über die Regionen Tabasco und Chiapas. Dabei wurden in Pichucalco mehr als 340 Liter Regen pro Quadratmeter, in Camoapa mehr als 380 Liter pro Quadratmeter gemessen. Die extremen Regenfälle ließen Flüsse über die Ufer treten und verursachten Überschwemmungen und Sturzfluten.

DWD Internationales Unwetter 1

Auch in Australien gab es heftige Regenfälle, allerdings bereits Ende der letzten Woche. Im Südosten des Landes sowie auf der Insel Tasmanien fiel zeitweise der Strom aus. Niederschlagsmengen von verbreitet zwischen 80 und 160 Liter pro Quadratmeter in 48 Stunden lösten Überschwemmungen aus.

DWD Internationales Unwetter 2

Der Tropensturm SONACA traf am Samstag, den 15. Oktober auf die zentrale Provinz Quang Ngai in Vietnam und löste verheerende Überschwemmungen aus. Tausende Haushalte waren betroffen, etliche Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Örtlichen Behörden zufolge kamen innerhalb von 24 Stunden 300 bis 400 Liter pro Quadratmeter zusammen. In Khe Tre sollen 549 Liter gefallen sein.
In den genannten Regionen ist wettertechnisch derzeit Ruhe eingekehrt. Die Aufräumarbeiten werden aber noch etwas andauern. Für Vietnam könnte es Ende der Woche erneut spannend werden. Derzeit wirbelt Taifun NESAT über der Philippinischen See. Laut aktuellen Berechnungen bewegt er sich westwärts und könnte am frühen Freitagmorgen unserer Zeit das Land am nördlichen Küstenstreifen treffen.

DWD Internationales Unwetter 3

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.10.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Wie wird der Winter?

Wie wird der Winter?

Selten wurde dem bevorstehenden Winter und seiner Ausprägung so sehr mit Spannung oder gar Angst entgegen gesehen wie in diesem Jahr. Wüsste man, wie der Winter 2022/23 wird, könnte man sicherlich viel Geld verdienen. Und auch wenn es manch einer probiert: Niemand weiß, wie er wirklich werden wird. Nach den vielen Mildwintern der vergangenen Jahre, wäre es sicherlich mal wieder an der Zeit für einen richtigen Kaltwinter. Anderseits steht dem die Winterstatistik der zurückliegenden Jahre entgegen. Diese soll im Folgenden etwas näher betrachtet werden. Wenn nicht anders erwähnt, beziehen sich die Betrachtungen dabei auf die drei Wintermonate Dezember bis Februar.

Entwicklung der Frost- und Eistage

Um beurteilen zu können, wie sich die Winter in den zurückliegenden Jahren entwickelt haben, kann man beispielsweise auf die Durchschnittstemperatur schauen. Diese hat sich im Deutschlandmittel im Vergleich der Referenzperioden 1961-1990 (0.2 Grad) zu 1991-2020 (1.4 Grad) um 1.2 Grad erhöht. Betrachtet man die zurückliegenden zehn Winter, liegt die Durchschnittstemperatur sogar bei 2.4 Grad und damit um 2.2 Grad über dem Mittel 1961-1990.

Nun kann man sich auch die Entwicklung der Frost- und Eistage betrachten. Frosttage definieren sich als Tage, an denen die Tiefsttemperatur unterhalb des Gefrierpunktes lag. An allen Stationen lässt sich ein deutlicher Rückgang der Anzahl an Frosttagen zwischen 1961-1990 und 1991-2020 erkennen. Dies lässt sich gut in der Grafik am Beispiel ein paar ausgewählter Stationen sehen. Betrachtet man beispielhaft Frankfurt am Main, so lag die Anzahl der Frosttage 1961-1990 noch durchschnittlich bei 55, während sie 1991-2020 nur noch 44 betrug. Im Vergleich lag die Anzahl im Winter 2021/22 nochmal deutlich niedriger bei nur 35. Im letzten richtig kalten Winter 1996/97 wurden hingegen 49-mal negative Werte gemessen.

Nicht viel anders sieht es bei den Eistagen aus, also Tagen, an denen tagsüber nicht mehr als 0 Grad gemessen wurden. Schauen wir wieder auf Frankfurt, so lag die durchschnittliche Anzahl an Dauerfrosttagen 1961 bis 1990 noch bei 16, 1991 bis 2020 waren es nur noch zehn. Im vergangen Winter ist das Thermometer nicht ein einziges Mal unter 0 Grad Marke verblieben. Im Winter 1996/97 gab es in Frankfurt dagegen 25 Eistage.

DWD Wie wird der Winter

Tiefste Minima, Maxima und Kältesumme

Es gibt auch noch andere Maße um die Strenge eines Winters einzuordnen. Eine Möglichkeit ist, zu untersuchen, wie niedrig die kälteste Minimum- bzw. Maximumtemperatur war. Das Beispiel Frankfurt am Main zeigt, dass strenge Nachtfröste, also Minima unter -10 Grad immer seltener werden. Im Zeitraum 1961-1990 lag die kälteste Nacht noch im Schnitt bei -14.2 Grad. Das niedrigste Minimum wurde im Winter 1967/68 mit -21.6 Grad gemessen. 1990 bis 2020 wurde es durchschnittlich nur noch bis -10.9 Grad kalt, im Rückblick der letzten 10 Jahre gar nur -8.2 Grad (2021/22: -6.3 Grad).

Bei den niedrigsten Tagestemperaturen ergibt sich ein ähnliches Bild. 1961-1990 lag diese im Schnitt bei -5.6 Grad, 1991-2020 noch bei -3.8 Grad, in den letzten zehn Jahren gar nur noch bei -2 Grad. Das niedrigste Maximum stammt aus dem Winter 2009/2010 mit -11.1 Grad, am wärmsten war es im Winter 2013/14, als das niedrigste Maximum bei +2.3 Grad lag.

Die Kältesumme eignet sich ebenfalls gut, um die Strenge eines Winters einordnen zu können. Dafür addiert man alle Werte auf, bei denen die Mitteltemperatur (Mittel aus Minimum und Maximum) im negativen Bereich lag. In der Grafik kann man wieder eine Auswahl an Stationen finden. In Frankfurt/Main betrug die Kältesumme im 30-Jahre-Mittel 1961-1990 noch 119 Kelvin, während sie 1991-2020 nur noch bei 64 Kelvin lag. In den zurückliegenden zehn Jahren addierte sich die Kältesumme im Schnitt nur noch auf 30 Kelvin auf. Zum Vergleich, im letzten kalten Winter 1996/97 lag die Kältesumme bei 186 Kelvin, im Eiswinter 1962/63 bei 443 Kelvin (!). Solch einen Winter kann und will sich heute gar niemand mehr vorstellen. Der Winter 2021/22 brachte es in Frankfurt nur noch auf 7 Kelvin und war damit einer der wärmsten Winter seit Aufzeichnungsbeginn.

DWD Wie wird der Winter 1

Frühester und spätester erster Frost im Winterhalbjahr

Zu guter Letzt noch ein Blick auf den ersten und letzten Frost des Jahres. Für ausgewählte Stationen kann man dies in der nachfolgenden Karte betrachten. Dort sind von links oben nach rechts unten jeweils eingetragen der mittlere erste Frost in der Periode 1961-1990, dasselbe für 1991- 2020, der früheste erste Frost und der späteste erste Frost. Für diese Statistik wurde natürlich zusätzlich auch der Herbst mit einbezogen. Beispielhaft sei erneut Frankfurt herausgegriffen. Der erste Frost hat sich im Mittel von 1961-1990 vom 24.10. auf den 27.10. um drei Tage nach hinten verlagert. Den frühesten ersten Frost gab es an einem 16.09.1979, den spätesten am 25.11.2014.

Es lässt sich feststellen, dass nicht an allen Stationen der früheste erste Frost weiter nach hinten verschoben wird. An manchen Stationen gibt es gar keine Veränderung oder das Mittel verschiebt sich sogar zu einem früheren Zeitpunkt. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Möglicherweise führen häufigere trockene Luftmassen in den Herbstmonaten dazu, dass es in den schon langen Nächten stärker abkühlt.

DWD Wie wird der Winter 2

Frühester und spätester erster Frost im Winterhalbjahr

 

Man darf gespannt sein, ob sich der Winter 2022/23 auch in den zunehmenden Erwärmungstrend einfügt, oder ob nach langer Zeit auch mal wieder ein kalter Winter droht. Die saisonalen Vorhersagen des DWD deuten eher auf einen leicht zu milden Winter, die Prognosen des europäischen ECMWF auf ein neutrales Temperaturniveau. Aber selbst ein durchschnittlicher Winter dürfte vielen angesichts der milden vergangenen zehn Winterjahreszeiten als zu kalt vorkommen.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Viel Regen – für alle?

Tief DANICA liegt derzeit über Westeuropa und ihre Frontensysteme ziehen über Deutschland hinweg. Vor allem in der Südhälfte fällt dabei bis Samstagnachmittag innerhalb von 24 Stunden gebietsweise einiges an Regen. Meist werden dort 5 bis 20 l/qm erwartet. Vor allem in den südwestdeutschen Mittelgebirgen sowie am Alpenrand sind 20 bis 30, im Schwarzwald 30 bis 50, punktuell auch um 70 l/qm möglich. In der Nordhälfte regnet es am Abend und in der Nacht zwar auch gelegentlich etwas. Mehr als 1 bis 8 l/qm werden es meist nicht. In der zweiten Nachthälfte trocknet es im Westen, Nordwesten, Norden und Teilen der Mitte ab. Lediglich hier und da treten noch einzelne Schauer auf.

DWD Viel Regen fuer alle

In der Nacht zum Sonntag und am Sonntag wird dann in einem Streifen quer über der Mitte des Landes, in etwa von Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen, zeit- und gebietsweise weiterer Regen erwartet. Die Intensität und Häufigkeit nimmt allerdings im Laufe des Sonntags immer mehr ab. Insgesamt fallen dabei in diesem Streifen bis Sonntagnachmittag in 24 Stunden 2 bis 6, lokal um 10 l/qm. Ansonsten bleibt es abgesehen von einzelnen Schauern, insbesondere im Umfeld der Nordseeküste überwiegend trocken.

Betrachtet man die im diesjährigen Oktober bisher gefallenen Niederschläge (basierend auf Radarauswertungen), so fällt auf, dass es besonders an den Alpen häufig um 100 l/qm Niederschlag gab. Dieser fiel vor allem Anfang Oktober. Allgemein war es bisher in der Südhälfte relativ nass, mit verbreitet 20 bis 50 l/qm. Klimatologisch gesehen liegt das vieljährige Mittel beispielsweise für den Großraum Stuttgart bei etwa 40 bis 45 l/qm. Diese Niederschlagsmenge wurde bereits jetzt schon überschritten. Das heißt, der Oktober wird dort dieses Jahr auf jeden Fall zu nass ausfallen.

Ein anderes Bild zeichnet sich in der Nordhälfte ab, mit Ausnahme der Nordseeküste und Schleswig-Holstein. Mehr als 10 l/qm kamen dort bisher nur punktuell vom Himmel. In Berlin gab es beispielsweise gerade einmal 7 l/qm. Der mittlere Monatsniederschlag liegt dort bei rund 36 l/qm.

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In Abbildung 3 sind die bisher gemessenen Niederschläge zu den bis zum 14. Oktober (8 MESZ) im vieljährigen Mittel zu erwartenden Niederschlägen ins Verhältnis gesetzt. Das Ergebnis ist der prozentuale Anteil des aktuellen Niederschlags am vieljährigen Mittel. Auch dort kommt deutlich zum Vorschein, dass es im bisherigen Oktober in der Südhälfte häufig zu nass ist, während sich in weiten Teilen der Nordhälfte ein zu trockener Monat anbahnt.

DWD Viel Regen fuer alle 1

Ein kurzer Ausblick in die kommende Woche zeigt, dass es insbesondere am Dienstag gebietsweise recht feucht wird, ansonsten aber bis Donnerstag eher trockenes und ruhiges Hochdruckwetter zu erwarten ist.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.10.2022

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

Warme Grüße aus dem Süden

„Elke” und „Freya” heißen die beiden Protagonistinnen, jeweils in Form atlantischer Tiefdruckgebiete, die am heutigen Samstag (15.10.2022) und am Sonntag (16.10.2022) das Wettergeschehen im Griff haben. Dabei handelt es sich bei „Elke” um einen ausgeprägten Tiefdruckkomplex mit mehreren Randtiefs, dessen Zentrum sich über dem Nordmeer vor der Küste Norwegens befindet. Tief „Freya” ist dann deren Nachfolgerin in Form eines Sturmtiefs bei Irland.

DWD Warme Gruesse aus dem Sueden

Beiden Druckgebieten gemeinsam ist die Tatsache, dass sie aus Südwesten ausgesprochen milde Luftmassen zu uns nach Deutschland führen. Dies macht sich vor allem in Süddeutschland bemerkbar, wo die Temperatur auf dem 850 hPa-Niveau, das heißt in circa 1500 Metern Höhe, bis zu 15 Grad beträgt.

Dementsprechend hoch ist aktuell auch die Schneefallgrenze. Stellenweise liegt sie bei über 3000 Meter, was wiederum heißt: nicht einmal auf der Zugspitze reicht es im Moment für nennenswerten Schnee, und das Mitte Oktober.

Aber nicht nur auf den Bergen ist es so mild, wie es mitunter bei ausgeprägten Inversionslagen im Herbst der Fall sein kann. Auch im Flachland steigen die Temperaturen bis zu Beginn der neuen Woche nochmals auf spätsommerliche Werte. Während am morgigen Sonntag vor allem die Regionen südlich des Mains in den Genuss der Wärme kommen – in Oberbayern klettert das Thermometer bis auf 25 Grad – steigen die Temperaturen am Montag nahezu überall auf über 20 Grad. Einzige Ausnahme bilden dabei die Regionen nördlich der Elbe. Am wärmsten wird es dabei vom Oberrhein über Franken bis nach Mitteldeutschland mit bis zu 26 Grad. Stellenweise wird es also wohl nochmals für einen Sommertag im Oktober reichen.

Ist das rekordverdächtig? Vielleicht. Zeit also, mal einen Blick auf die Zahlen zu werfen. Den Oktoberrekord des höchsten Tagesmaximums hält die Station Müllheim (Baden-Württemberg) mit 30,9 Grad am 7.10.2009. Auf den Plätzen folgen Freiburg (Baden-Württemberg) mit 30,8 Grad am 3.10.1985 und Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg, Station bis 2002) mit 30,6 Grad am 4.10.1966. Es fällt auf, dass die deutschlandweiten Wärmerekorde allesamt im Südwesten der Republik aufgestellt werden. Dies erscheint vor dem Hintergrund, dass diese Temperaturen um diese Jahreszeit ausschließlich durch aus dieser Richtung herangeführte sehr warme Luftmassen erreicht werden, auch in gewisser Weise nachvollziehbar. Ebenfalls auffällig ist, dass diese Rekorde allesamt zeitig im Oktober aufgestellt wurden, während wir inzwischen die zweite Oktoberdekade schreiben.

Station Bundesland Temperatur Datum
Müllheim Baden-Württemberg 30,9°C 7.10.2009
Freiburg Baden-Württemberg 30,8°C 3.10.1985
Schwäbisch Gmünd-Strassdorf Baden-Württemberg 30,6°C 4.10.1966
Schallstadt-Mengen Baden-Württemberg 30,5°C 3.10.1985
Eimeldingen Baden-Württemberg 30,4°C 3.10.1985
Lahr Baden-Württemberg 30,1°C 3.10.1985
Stuttgart (Neckartal) Baden-Württemberg 30,0°C 3.10.1985
Wertheim-Eichel Baden-Württemberg 30,0°C 4.10.1985
Pforzheim-Eutingen Baden-Württemberg 30,0°C 3.10.1985
Kirchheim/Teck-Ötlingen Baden-Württemberg 30,0°C 4.10.1966

Tabelle 1: Deutschlandweite Oktoberrekorde der Tageshöchsttemperatur

Ein weiterer Blick gilt also speziell den Temperaturrekorden in der 2. Oktoberdekade. Hier führt Bad Reichenhall (Bayern) das Feld an. Am 15.10.2000 wurden hier 28,9 Grad gemessen, gefolgt von Tönisvorst (Nordrhein-Westfalen; 28,6 Grad am 13.10.2018) und Waltrop-Abdinghof (Nordrhein-Westfalen; 28,5 Grad am 13.10.2018).

Station Bundesland Temperatur Datum
Bad Reichenhall Bayern 28,9°C 15.10.2000
Tönisvorst Nordrhein-Westfalen 28,8°C 13.10.2018
Waltrop-Abdinghof Nordrhein-Westfalen 28,6°C 13.10.2018
Lüdinghausen-Brochtrup Nordrhein-Westfalen 28,5°C 13.10.2018
Huy-Pabstorf Sachsen-Anhalt 28,4°C 13.10.2018
Münster/Osnabrück Nordrhein-Westfalen 28,3°C 13.10.2018
Heinsberg-Schleiden Nordrhein-Westfalen 28,3°C 13.10.2018
Geldern-Walbeck Nordrhein-Westfalen 28,3°C 13.10.2018
Ennigerloh-Ostenfelde Nordrhein-Westfalen 28,2°C 13.10.2018
Quedlinburg Sachsen-Anhalt 28,1°C 19.10.2012

Tabelle 2: Deutschlandweite Rekordwerte der Tageshöchsttemperatur für die zweite Oktoberdekade

Ein letzter Blick richtet sich schlussendlich auf die Gebiete, in denen die höchsten Werte erreicht werden. Neben Bayern ist dies am Montag voraussichtlich Mitteldeutschland, und dort speziell die Leipziger Tieflandsbucht. Der Dekadenrekord für Sachsen liegt hier bei 26,9 Grad, gemessen in Klitzschen bei Torgau am 12.10.2018. An diesem Wert wird am Montag eventuell gekratzt werden, es ist also nicht ganz auszuschließen, dass es bundeslandspezifisch für einen Monatsdekadenrekord reichen könnte.

Insgesamt aber sind die bestehenden Temperaturrekorde für Oktober kaum in Gefahr. Von einem neuen deutschlandweiten Maximum ist man weit entfernt, und auch Monatsdekadenrekorde dürften – wenn überhaupt – nur an ganz einzelnen Stationen gebrochen werden. Was bleibt ist, nochmal die Chance auf milde Temperaturen im Freien zu nutzen. Zumindest dort, wo es möglich ist. Denn trocken bleibt es nur gebietsweise vor allem im Nordosten und anfangs im Süden. Bereits ab Montagabend und der Nacht zum Dienstag geht es dann mit einer hereinziehenden Kaltfront der warmen Luft schon wieder an den Kragen.

Master of Science Meteorologe Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.10.2022
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst