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Schlagwortarchiv für: Tropenstürme

Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

18. Mai 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die atlantische Hurrikan-Saison beginnt offiziell am 01. Juni. Auch im Nordpazifik, im Ostpazifik und im Indischen Ozean reicht die Hauptaktivität meist von Mai bis November, wobei regionale Unterschiede bestehen. Aktuell befinden wir uns noch in einer neutralen Phase der ENSO (EL Nino-Southern Oszillation). Für die nächsten Monate gilt allerdings der Übergang zu einem El-Nino-Ereignis als sehr wahrscheinlich. El Nino hat weitreichende Auswirkungen auf die tropische und subtropische Zirkulation und damit auch auf die Entstehung und Intensivierung von tropischen Wirbelstürmen. Dabei ergeben sich je nach Ozeanbecken unterschiedliche Effekte.

Modellvorhersage der Stärke eines ENSO Ereignisses. Das Einsetzen von El Nino ist sehr wahrscheinlich. Allerdings gibt es noch Unsicherheiten bezüglich der Stärke des Ereignisses. (Quelle:NOAA)

Nordwestlicher Pazifik

Während eines EL-Nino-Ereignisses verschiebt sich die Walker-Zirkulation nach Osten und schwächt sich teilweise ab. Damit verlagert sich auch die konvektiv aktivste Region vom westlichen in den zentralen Pazifik. In der Folge verschiebt sich häufig auch die Hauptentstehungsregion tropischer Wirbelstürme weiter nach Osten. Gleichzeitig verändert sich die großräumige atmosphärische Zirkulation: In Teilen des westlichen Nordpazifiks kann die vertikale Windscherung zunehmen, was die Entwicklung tropischer Wirbelstürme regional erschwert. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig eine deutlich geringere Gesamtzahl an Taifunen. Vielmehr verschieben sich Entstehungsgebiete und typische Zugbahnen. So treten während eines El Nino häufig weniger Landfälle in Teilen Südostasiens auf. Dafür nimmt die Wahrscheinlichkeit für langlebige und teils sehr intensive Taifune, die weiter östlich entstehen und später Richtung Japan oder Zentralpazifik ziehen zu. Neben ENSO beeinflussen noch weitere Faktoren die Wirbelsturmaktivität im westlichen Nordpazifik, darunter die Madden-Julian-Oszillation (MJO), subtropische Rossby-Wellen sowie regionale Meeresoberflächentemperaturen. Letztere sind während eines El Niño regional zwar teils etwas niedriger, bleiben jedoch weiterhin hoch genug, um starke Taifune zu ermöglichen.

Nordöstlicher Pazifik

Im östlichen Nordpazifik zeigt sich meist ein gegenteiliger Effekt. Aufgrund der Verlagerung der Warmwasseranomalie nach Osten wandert auch die konvektiv aktivste Region nach Osten in Richtung zentraler Pazifik. Außerdem ist die Windscherung in Teilen dieser Region geringer als bei einer neutralen Phase oder La Nina. Dadurch können sich mehr und vor allem kräftigere und langlebigere Stürme ausbilden. Besonders betroffen davon ist die Tropeninsel Hawaii, aber auch die Pazifikküste von Mexiko. Ein bekanntes Beispiel dafür ist der Rekord-Hurrikan Patricia, welcher während des sehr starken El Nino Ereignisses 2015 entstand. Patricia profitierte damals von einem sehr warmen bis heißen Ozean mit einer Wassertemperatur von teils über 30 Grad, einem hohen Wärmeinhalt des Ozeans und geringer Windscherung. Allerdings war das sehr starke EL-Nino-Ereignis damals nicht die einzige Erklärung für die Entwicklung des beeindruckenden Hurrikans mit Spitzenwinden von bis zu 345 Kilometer pro Stunde.

Nördlicher Indischer Ozean

Auf die Zyklonen-Aktivität im nördlichen indischen Ozean hat El Nino nur indirekt einen Einfluss. Durch die Verschiebung der Walker Zirkulation ist der Druckgradient über Südasien und damit auch der Südwestmonsun schwächer ausgeprägt. Dies kann regional die Bedingungen für tropische Wirbelstürme beeinflussen. Der Zusammenhang ist jedoch deutlich komplexer als in anderen Ozeanbecken. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Region und Jahreszeit. Während manche Studien eine geringere Aktivität über der Bucht von Bengalen nahelegen, zeigen andere nur schwache oder saisonabhängige Zusammenhänge. Entscheidender für die Auftrittshäufigkeit von Zyklonen ist die Phase des Indischen Ozeanischen Dipols (IOD). Außerdem beeinflusst auch die Madden-Julian-Oszillation (MJO) sowohl die konvektive Aktivität als auch die regionale Verteilung der Meeresoberflächentemperaturen in diesem Ozeanbecken. Somit ist El Nino in diesem Gebiet eher ein Hintergrundrauschen als die primäre Ursache für die Entwicklung von Zyklonen.

Nördlicher Atlantik

Über dem nördlichen Atlantik entwickeln sich vorwiegend über der Karibik aufgrund von Veränderungen des subtropischen Jetstreams stärkere Westwinde. Dadurch wird hauptsächlich in dieser Region die Entstehung von atlantischen Hurrikans unterdrückt. Im Vergleich zum nordwestlichen Pazifik hat der nördliche Atlantik häufig zusätzlich trockenere Luftmassen und geringere Wassertemperaturen. Darum sind Wirbelstürme in diesem Ozean sensitiver gegenüber höherer Windscherung. Allerdings zeigte beispielsweise die Saison 2023, dass dieser hemmende Effekt teilweise durch außergewöhnlich hohe Ozeantemperaturen kompensiert werden kann. In solchen Fällen kann die Hurrikanaktivität trotz El Niño höher ausfallen als klimatologisch erwartet.

Anzahl an atlantischen Stürmen in Abhängigkeit von La Nina und El Nino im Zeitraum von 1980-2023. Die Anzahl an Stürmen während El Nino ist deutlich geringer. (Quelle:NOAA)

Zusammenfassend hat ein El Nino Ereignis unterschiedliche Einflüsse auf das Auftreten von tropischen Wirbelstürmen auf der Nordhemisphäre. Während im östlichen Teil des Pazifiks Hurrikane häufiger und auch mehr starke tropische Wirbelstürme entstehen können, nimmt deren Aktivität im westlichen Teil des Ozeanbeckens und im Atlantik generell ab. Im Indischen Ozean überlagern andere Effekte die Auswirkungen von El Nino. Zudem gleicht in der Ausprägung auch nicht jedes EL-Nino-Ereignis dem anderen. Neben dem klassischen El Nino gibt es auch den Zentralpazifik El Nino (El Nino Modoki), bei dem die stärkste Erwärmung des Ozeans im zentralen Pazifik stattfindet und die Walker Zirkulation vergleichsweise etwas stärker ausgeprägt ist. In diesem Fall wären die Auswirkungen vor allem auf den Atlantik auch nicht so prägnant. Zuletzt ist es auch nicht ausgeschlossen, dass es im Laufe des Jahres zu einer Ausbildung eines Super-El-Nino kommen kann. In diesem Fall könnten die Auswirkungen auf globale Wetterlagen und auch auf die tropische Wirbelsturmaktivität deutlich ausgeprägter sein. Noch bleibt jedoch abzuwarten, wie stark sich das kommende EL-Nino-Ereignis tatsächlich entwickelt.

Anzahl der beobachteten Stürme zwischen 1980 und 2021 in den verschiedenen Ozeanen bei der neutralen Phase, El Nino und La Nina. Deutliche Unterschiede sind vor allem im Atlantik erkennbar. (Quelle:https://www.nature.com/articles/s41597-025-05018-4)

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/05/Auswirkungen-eines-El-Nino-auf-die-tropische-Wirbelsturmaktivitaet-1-scaled.png 1493 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-05-18 15:30:162026-05-18 15:31:01Auswirkungen eines El Nino auf die tropische Wirbelsturmaktivität

Tropenstürme und ihre Namen

15. September 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Sie sind nicht mehr aus den Wetterkarten wegzudenken: Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete. Die Idee dazu, Druckgebilde, die einen Einfluss auf unser Wettergeschehen in Deutschland haben, zu benennen, hatte 1954 Karla Wege, damalige Studentin des Instituts für Meteorologie der Freien Universität (FU) Berlin.

Vorreiter diesbezüglich waren allerdings die USA. Der US-Wetterdienst begann bereits im Zweiten Weltkrieg damit, Taifune, also tropische Wirbelstürme über dem Westpazifik, mit Vornamen zu versehen. Der Grund hierfür war recht simpel: Man konnte dadurch deutlich leichter den Überblick über das aktuelle Wettergeschehen behalten. Dies machte sich vor allem dann bezahlt, wenn nicht nur ein, sondern gleich mehrere Taifune unterwegs waren. Diese Vorgehensweise war so erfolgreich, dass man sich entschied, in Zukunft auch Hurrikane (tropische Wirbelstürme über dem Atlantik mit Mittelwinden über 118 km/h) zu benennen.

Nach einigen Weiterentwicklungen dieses Benennungsprozesses werden seit 1979 alle tropischen Stürme über dem Nord- und Zentralatlantik (Mittelwinde über 60 km/h) mit männlichen und weiblichen Vornamen versehen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man bei der FU Berlin ein Hoch oder Tief gegen Bezahlung taufen lassen kann, sind die Namen der Tropenstürme durch die WMO (Weltorganisation für Meteorologie) vorgegeben. Sie entwickelte sechs Namenslisten, wobei pro Kalenderjahr eine Liste genutzt wird. 1979 startete man mit Liste 1, 1980 wurde Liste 2 genutzt und 1984 schließlich Liste 6. Darauf wiederholte sich dieser Listendurchlauf, d.h. 1985 kam wieder Liste 1 zum Einsatz. In diesem Jahr wird auf Liste 3 zurückgegriffen.

Jede Liste beinhaltet dabei 21 Namen, beginnend mit allen Buchstaben des Alphabets außer Q, U, X, Y und Z (mit diesen Anfangsbuchstaben gibt es kaum Namen bei den „Amis“). Der erste Tropensturm dieses Jahr hieß somit Arlene (aktiv vom 01. bis 03.06.) und der letzte dieser Liste wäre Whitney. Aktuell wirbeln Lee und Margot auf dem Atlantik und weiteres Tief ist auf dem besten Wege zum Tropensturm bzw. Hurrikan Nigel heranzureifen. Ohne Nigel gab es in diesem Jahr damit bisher 13 benannte Stürme, darunter 5 Hurrikane. Die Namensliste hätte damit noch Platz für acht weitere Stürme. Da allerdings rund 95 % der Stürme im Mittel zwischen Mitte August und Ende Oktober auftreten, ist es gar nicht mal sooo abwegig, dass die Liste nicht ausreicht. Und dann?

Tja, den Fall, dass das „Alphabet“ ausgeht, gab es tatsächlich erst zwei Mal: 2005 und 2020. Während 2005 bereits unfassbare 28 benannte Tropenstürme über den Nordatlantik fegten, waren es 2020 sogar noch zwei mehr. In der Folge wurde ab Sturm 22 (also nach Ende der eigentlichen Liste) das griechische Alphabet herangezogen. Alpha, Beta und Gamma hießen damit die nächsten Stürme. 2021 entschied die WMO, in Zukunft statt auf das griechische Alphabet auf eine Ersatzliste zurückzugreifen, sollten nochmals die Namen ausgehen. Hintergrund ist, dass sich zum einen die griechischen Buchstaben zum Teil sehr ähnlich anhören, wodurch es zu Verwechslungen kommen kann, und zum anderen besonders schadensträchtige Stürme aus der Liste gestrichen und neu besetzt werden. 2020 wurden zum Beispiel Eta und Iota aufgrund ihrer Heftigkeit gestrichen. Jetzt wird es bei einem Alphabet natürlich schwierig, gestrichene Buchstaben zu ersetzen. Bei einer eigenen Ersatzliste ist das dagegen kein Problem.

Eine Übersicht über die Namenslisten finden Sie beispielsweise auf den Seiten des Nationalen Hurrikan Zentrums. Ist Ihr Name auch dabei? Der Autor muss noch ganze fünf Jahren warten, bis er möglicherweise ein Thema des Tages über Hurrikan Tobias verfassen kann und hofft, dass der Name nie gestrichen werden muss…

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.09.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-09-15 14:04:362023-11-09 15:39:59Tropenstürme und ihre Namen
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