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Weihnachten im Schnee wieder ade?

Bisher hat man noch wenig von einer Weihnachtsprognose gehört. Wie auch, wird reden hier von einer Vorhersagefrist von immerhin noch zweieinhalb Wochen. Welche Indikatoren es dennoch gibt, soll im Folgenden kurz erläutert werden

Um es vorweg zu nehmen, Prognosen zum Weihnachtswetter für die Flachlandtiroler in Deutschland sind statistisch gesehen nicht allzu schwierig. Kommen doch weiße Weihnachten, d.h. eine messbare Schneedecke an allen 3 Tagen, im Mittel nur alle 5 bis 7 Jahre vor. Das ist natürlich für das Flachland ein hartes Kriterium. Noch härter, wenn man bedenkt, dass in Mitteleuropa im Dezember klimatisch gesehen oft zonale Westwetterlagen mit milder Atlantikluft überwiegen. Und das liegt unter anderem daran, dass sich der Polarwirbel in der stratosphärischen Arktis durch die Polarnacht und andauernde Abkühlung im Dezember noch weiter verstärkt, was wiederum die damit einhergehende rege Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik und die Westlastigkeit der Strömung in unseren Breiten insgesamt recht gut begründet.

Wann hatten wir eigentlich die letzte weiße Weihnacht in Deutschland? Das war im Jahr 2010. Damals gab es den kältesten Dezember seit 1969. An Weihnachten lag im ganzen Land Schnee. Und das teilweise richtig hoch, selbst in den Niederungen. In Potsdam lagen damals 30 Zentimeter Schnee, in Aachen 35 Zentimeter und Hamburg 20 Zentimeter.

Ok, das würde ja bedeuten, dass die Chancen dieses Jahr statistisch gesehen deutlich höher liegen, da ja nun insgesamt 8 grüne Weihnachten hinter uns liegen. Leider ist es nicht ganz so einfach.

Lassen Sie uns daher nochmals auf den Polarwirbel zurückkommen. Dieser erfreut sich momentan bester Gesundheit und schickt uns nach kurzer Unterbrechung (Anfang Dezember) wieder verstärkt Meeresluft vom Atlantik. Daran wird sich auch bis Anfang übernächster Woche nichts ändern. Klar, etwas kühlere Luftmassen wechseln sich bei der Passage von atlantischen Frontensystemen mit milderen ab, da kann es in den oberen Mittelgebirgslagen auch mal vorübergehend schneien. Aber im Flachland bleibt es überwiegend mild, wechselhaft und zeitweise windig, teils auch stürmisch. Selbst wenn man sich die Ensembleprognosen der beiden führenden globalen Wettermodelle EZMWF und GFS bis Dienstag, den 17.12.2019 anschaut (dort werden 52 (EZMWF) und 20 (GFS) Modellläufe mit geringfügig veränderten Anfangsbedingungen gerechnet), gibt es derzeit keinen einzigen Lauf, der Temperaturen unter den langjährigen Mittelwerten prognostiziert. Das ist eine deutliche Ansage.

Wie geht es danach weiter? 10 Tage numerische Wettervorhersage bedeutet eigentlich das Ende der physikalischen Vorhersagbarkeit, da sich bis dahin die atmosphärischen Ausgangsbedingungen so stark verändert haben, dass sich nach diesem Zeitraum mitunter ganze Zirkulationsmuster anders gestalten können. Genau das ist bei den Ensembleprognosen auch erkennbar – die Streuung der Temperaturwerte nimmt nach Tag 10 rasant zu, und das nach oben wie auch nach unten.

Dann können wir ja auch noch keine Weihnachtsprognose wagen, oder? Das ist richtig. Einziger Anhaltspunkt könnte da die Stratosphäre sein, wo wir ja u.a. den Zustand des Polarwirbels analysieren. Diese Prognosen werden bis Tag 15 gerechnet und geben grob gesagt Auskunft über mögliche Abweichungen von einer glatten westlichen Strömung. Dann bilden sich z.B. häufiger Hochdruckgebiete über dem Ostatlantik oder über Skandinavien (so genannte Blockierungen), was häufig (aber nicht immer) als Folge einer markanten Schwächung des Polarwirbels auftritt. Diese kann z.B. durch eine plötzliche Erwärmung vor allem der unteren und mittleren Stratosphäre erfolgen. Dadurch wird es polaren Luftmassen ermöglicht, relativ ungehindert (meridional) bis nach Mitteleuropa vorzudringen.

Tatsächlich gibt es um den 20. Dezember herum Indikatoren für zunehmende Blockierungen in 60 Grad nördlicher Breite (zonal gemittelt um die Nordhemisphäre) und der Polarwirbel steuert allmählich seinem Höhepunkt entgegen bzw. könnte er sich auch bereits leicht abschwächen. Aber auch das ist noch nichts Außergewöhnliches, da sich der Polarwirbel in der Regel bis Ende Dezember/Anfang Januar verstärkt. Dann hat die jahreszeitenbedingte Auskühlung ihren Höhepunkt erreicht und diverse Wärmeflüsse (stratosphärisch und troposphärisch) nagen an der Mächtigkeit des Polarwirbels.

Also, kurz zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Wahrscheinlichkeit für grüne Weihnachten im Flachland auch dieses Jahr höher ist als jene für weiße Weihnachten. Es gibt aber auch diverse Indikatoren für eine Umstellung der Wetterlage vor den oder im Laufe der Weihnachtsfeiertage. Hierzu halten wir Sie mit zeitnahen Updates auf dem Laufenden.

Dr. rer. nat. Jens Bonewitz

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 07.12.2019

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