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Mildes Zwischenspiel ohne Winterrueckkehr

Sicher auf dem Eis?!

15. Januar 2026/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen häuften sich die Meldungen von zugefrorenen Eisflächen. Insbesondere aus dem Süden und Osten des Landes tauchten zahlreiche Bilder von Menschenmassen auf zugefrorenen Gewässern auf. Sogar der Landwehrkanal in Berlin war mit einer Eisschicht bedeckt und wurde als Flaniermeile genutzt. Die Gefahr, ins Eis einzubrechen, wird dabei häufig unterschätzt. Nun steigen die Temperaturen an, das Eis wird dünner und verändert seine Struktur. Beim Betreten der Eisfläche kann akute Lebensgefahr bestehen!

Sicher auf dem Eis

Zugefrorener See im Winter. Quelle: pixabay

Doch ab wann ist es möglich, Schlittschuh zu laufen oder ein zugefrorenes Gewässer gefahrlos zu betreten?

Zunächst benötigt ein See Zeit, um ausreichend abzukühlen. Solange sich im Wasser noch Schichten mit Temperaturen über 4 Grad Celsius befinden, steigen diese aufgrund der Dichteanomalie des Wassers nach oben und verdrängen kälteres Wasser von der Oberfläche nach unten. Deshalb zeigen viele Seen zu Beginn des Winters selbst nach mehreren Tagen Dauerfrost noch keine Eisbildung. Häufig dauert es bis in den Januar hinein, bis größere Seen vom Ufer her zuzufrieren beginnen.

Sicher auf dem Eis2

Jahreszeitliche Veränderung der Wasserschichtung in einem mitteleuropäischen See. Quelle: Spektrum der Wissenschaft

Erst wenn das Wasser im gesamten See auf etwa 4 Grad Celsius abgekühlt ist, kommt die thermische Durchmischung zum Erliegen. Das kalte Oberflächenwasser bleibt dann oben, kann weiter auskühlen und bei anhaltendem Frost gefrieren. Je länger und intensiver der Frost wirkt, desto stärker wächst die Eisdecke an. Grundsätzlich gilt: Je weiter der Winter fortgeschritten ist, desto größer ist die Chance, dass ein See zufriert.

In der Praxis hängt die Eisbildung jedoch von weiteren Faktoren ab:

  • Tiefe des Sees: Tiefe Seen besitzen einen größeren Vorrat an wärmerem Tiefenwasser, was das Zufrieren verzögert.
    • Wind: Wind fördert die Durchmischung. Bei flachen Seen beschleunigt er die Abkühlung, bei tiefen Seen kann er sie verzögern.
    • Grundwasserzufluss: Grundwasser ist meist wärmer als 4 Grad Celsius. Starker Zufluss verzögert die Eisbildung und führt zu Bereichen mit dünnerem Eis. Baggerseen oder Tagebaurestlöcher frieren daher oft spät oder gar nicht zu.
    • Witterung: Fällt kurz nach der Eisbildung Schnee, wirkt dieser isolierend und bremst das weitere Anwachsen der Eisdecke.
    • Weitere Einflüsse: Zuflüsse warmer Abwässer, aufsteigende Faulgase oder Luft, salzhaltiges oder verunreinigtes Wasser schwächen die Eisbildung zusätzlich.

Wochenlanger Dauerfrost kann nahezu jedes Gewässer mit einer tragfähigen Eisdecke überziehen. Solche Bedingungen sind in Mitteleuropa jedoch selten. Günstig wäre eine stabile Hochdrucklage über Skandinavien oder Westrussland, die sehr kalte, trockene Luft nach Deutschland lenkt. Hält diese Lage mindestens eine Woche an und war der Boden zuvor bereits vorgekühlt, können auch größere Seen zufrieren. Nach einem milden Winter reicht eine kurze Frostperiode meist nicht aus. In der vergangenen Woche floss arktische Kaltluft aus nördlichen Breiten nach Deutschland. Diese sorgte in den Nächten für strengen Frost mit Temperaturen gebietsweise unter minus 10 Grad Celsius und selbst tagsüber stieg das Thermometer teilweise nicht in den positiven Bereich an. So konnten insbesondere in den östlichen Landesteilen diverse Gewässer zufrieren.

Die Qualität des Eises

Die Tragfähigkeit hängt nicht nur von der Dicke, sondern entscheidend von der Eisqualität ab. Optimal ist eine Eisbildung bei ruhigem Hochdruckwetter, ohne Niederschlag und bei wenig Wind. Dann entsteht sogenanntes „schwarzes Eis“. Dieses ist glatt, homogen und nahezu frei von Lufteinschlüssen. Es ist besonders tragfähig.

Deutlich häufiger entsteht jedoch „weißes Eis“. Dieses bildet sich, wenn Schnee auf das Eis fällt und durch Tauwetter, Regen oder aufsteigendes Wasser zu Schneematsch wird, der anschließend wieder gefriert. Weißes Eis enthält viele Lufteinschlüsse, ist inhomogen und deutlich weniger belastbar. Seine Tragfähigkeit kann im Vergleich zu gleich dickem schwarzem Eis um den Faktor zehn geringer sein.

Tragfähigkeit und Sicherheitsregeln

Für schwarzes Eis gilt folgende Faustformel,

Sicher auf dem Eis3

wobei h die Eisdicke in Zentimetern ist.

Theoretisch kann bereits 5 Zentimeter (kurz: cm) dickes Eis einen einzelnen Menschen tragen. Da jedoch selten homogenes schwarzes Eis vorliegt und die Eisdicke innerhalb eines Gewässers stark variiert, gelten deutlich strengere Sicherheitsrichtlinien. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft empfiehlt:

Stehende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 15 cm Eisdicke
Fließende Gewässer: Betreten erst ab mindestens 20 cm Eisdicke

Besondere Vorsicht ist geboten unter Brücken, in der Nähe von Zu- und Abflüssen, bei Schilf, starkem Grundwasserzutritt oder aufsteigenden Gasen – dort ist das Eis oft deutlich dünner.

Flache Gewässer wie Dorfteiche oder überflutete Wiesen frieren schneller zu und sind für erste Erfahrungen meist weniger gefährlich. Tiefe Gewässer erfordern konsequent die Einhaltung der genannten Mindestdicken. Bei überwiegend weißem Eis oder hoher Belastung durch Schnee oder viele Personen sollte die Eisdicke 20 cm nicht unterschreiten. Informationen zur Begehbarkeit können bei den Kommunen eingeholt werden.

Risse und Überlastung

Eis reagiert empfindlich auf Temperaturänderungen. Bei sinkenden Temperaturen zieht sich die Eisdecke zusammen, bei Erwärmung dehnt sie sich aus. Dabei entstehen Risse, die meist wieder zufrieren, solange der Frost anhält. Gefährlich wird es bei Überlastung: Senkt sich das Eis stark ab, entstehen zunächst Risse an der Unterseite, dann an der Oberfläche – ein Einbruch steht unmittelbar bevor. Bewegte Lasten sind dabei weniger gefährlich als stehende.

Sicher auf dem Eis4

Hebungen und Senkungen durch Eisbewegungen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Im Frühjahr verliert das Eis dann rasch an Stabilität. Zunehmende Sonneneinstrahlung macht es morsch und brüchig, Schollen lösen sich. Spätestens dann ist das Betreten nicht mehr verantwortbar.

Sicher auf dem Eis5

Risse im Eis, die einen Einbruch ankündigen. Quelle: Schweizerische Lebens-Rettungs-Gesellschaft

Verhalten bei Gefahr auf dem Eis

Gerät man auf dem Eis in eine gefährliche Situation, rät die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft dazu, Ruhe zu bewahren und laut um Hilfe zu rufen. Knackt oder knistert das Eis, sollte man sich sofort flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen, und sich langsam in Bauchlage in Richtung Ufer zurückbewegen. Bei einem Eiseinbruch wird das dünne Eis vorsichtig zur tragfähigen Fläche hin weggeschlagen, anschließend zieht man sich bäuchlings auf das Eis und entfernt sich kriechend vom Gefahrenbereich.

Bei einem Einbruch ist umgehend der Notruf 112 abzusetzen. Rettungsversuche sind extrem gefährlich und sollten möglichst den Einsatzkräften von Feuerwehr und DLRG überlassen werden. Muss dennoch geholfen werden, ist größte Vorsicht geboten: Nur kriechend nähern, Abstand halten, Hilfsmittel nutzen (z. B. Jacke, Schal, Ast) und niemals die Hand reichen.

In vielen Regionen Deutschlands gilt das Zufrieren größerer Gewässer als besonderes Ereignis. Bleibt zu hoffen, dass Vernunft stets Vorrang vor Leichtsinn hat – damit das Naturerlebnis nicht zur Gefahr wird.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert zusammen
mit Dipl.-Meteorologe (FH) Jens Oehmichen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.01.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Schlagworte: Eisflächen, Lebensgefahr, Tragfähigkeit
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