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Temperatursturz par excellence: Lappland wärmer als Leipzig?

7. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während die aktuellen Temperaturen dazu verleiten, den mit zugegeben etwas verfrühtem Elan im Schrank verstauten Wintermantel wieder hervorzuholen, herrschte am Freitag (und teils auch noch am Samstag) „Kurze-Hosen-Wetter“. Wer beispielsweise am Wochenende von Nürnberg aus verreiste, packte am Freitag bei 21 °C seinen Koffer und kehrte am Sonntag bei 9 °C zurück. Musste er oder sie dann zufälligerweise auch noch heute zum Frühdienst radeln, wäre eine lange Unterhose keine schlechte Idee gewesen; an der dortigen Wetterstation wurden -5 °C gemessen. 

Grund für diesen markanten Temperatursturz – in der Osthälfte betrug er nicht selten 10 Kelvin binnen 24 Stunden – war arktische Kaltluft, die von Nordosten her eingeflossen ist. Apropos Arktis: In Schwedisch Lappland, knapp südlich des Polarkreises, war es am gestrigen Sonntag mancherorts wärmer als hierzulande. In Alvsbin, knapp westlich von Lulea, wurden beispielsweise 10 °C erreicht, während in Deutschland an vielen Orten der Osthälfte nur einstellige Höchstwerte registriert wurden. Damit ist die Frage der Überschrift mancherorts tatsächlich mit „Ja“ zu beantworten (Leipzig hatte z. B. 8 °C), wobei es im großen Rest Lapplands (auch im finnischen und norwegischen Teil) wie üblich kälter war als hierzulande. 

Temperaturverlauf der Stadt Nürnberg. Links gemessene Werte seit Freitag, 04.04.2025, rechts die Modellvorhersage bis Samstag, 12.04.2025. 

Mit der vergangenen Nacht wurde der Temperatur-Tiefpunkt des aktuellen Kälte-Intermezzos erreicht und es geht die nächsten Tage und Nächte peu a peu nach oben (siehe Beispiel für Nürnberg in Abbildung 1). Während sich die einen über die gemäßigten Temperaturen vielleicht freuen, sehnen sich andere bestimmt nach sommerlichen Temperaturen – und erinnern sich vielleicht an letztes Jahr, als am 6.4.2024 im baden-württembergischen Ohlsbach mit 30 °C der früheste heiße Tag seit Wetteraufzeichnung registriert wurde. Allen, die nun ins Schwelgen geraten („früher war mehr Lametta, äähhh Gutwetter“) sei gesagt: Auch letztes Jahr gab es einen Kaltlufteinbruch, damals aber erst Ende April. In der Nacht vom 22. auf den 23.04.2024 gab es durch Spätfröste in verschiedenen Regionen erhebliche Schäden im Obst- und Weinbausektor. 

Der April macht seinem Namen, zumindest was die Temperatur-Achterbahnfahrt betrifft, also mal wieder alle Ehre. Ändern können wir das Wetter (zum Glück) ohnehin nicht, wir müssen es nehmen wie es kommt. Oder um es mit dem kölschen Grundgesetz zu sagen: Et kütt wie et kütt! 

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/04/Temperatursturz-par-excellence-Lappland-waermer-als-Leipzig-teil-1.jpg 720 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-07 21:05:322025-04-09 21:13:18Temperatursturz par excellence: Lappland wärmer als Leipzig?

Auf der Suche nach dem Regen

6. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ziemlich kalt ist es geworden, oder? Am gestrigen Samstag hatte uns die Kaltfront von Tief ZION, das weit entfernt über dem Nordwesten Russlands seine Bahnen zog, von Nordost nach Südwest überquert. Diese Zugrichtung lässt sich wunderbar an den gestrigen Höchstwerten festmachen: Während man im Südwesten mit bis zu 24 Grad nur knapp an einem Sommertag (ab 25 Grad) vorbeischrappte, verblieb die Temperatur in Vorpommern mit gerade einmal 7 bis 9 Grad sogar im einstelligen Bereich. Damit lag sie dort rund 10 Kelvin unter den Höchstwerten vom Freitag. Das gilt am heutigen Sonntag mit rund eintägiger Verzögerung nun auch für den Südwesten, wo nur noch 10 bis 15 Grad zu erwarten sind. Im ostdeutschen Bergland wird man zum Teil sogar Schwierigkeiten haben, über die Null-Grad-Grenze hinauszukommen. 

Jetzt könnte man sich die Frage stellen, warum es denn bei einem so massiven Luftmassenwechsel nicht geknallt und gescheppert hat? Nun, einerseits war die Luft im Vorfeld der Front bereits ziemlich trocken und daher alles andere als energiegeladen. Andererseits schob Hoch OLIVIA mit Sitz westlich von Norwegen der benötigten Hebung der Luftmasse einen Riegel vor. Und so ging der Luftmassenwechsel abgesehen von ein paar harmlosen Wolken im wahrsten Sinne des Wortes geräuschlos und trocken über die Bühne. 

„Wieder nichts mit Regen…“ wird sich die Natur denken. Über die derzeit in Deutschland vorherrschende Trockenheit und die damit einhergehenden Folgen hat unser Kollege Markus Übel bereits im Thema des Tages vom gestrigen Samstag detailliert geschrieben. Im Folgenden wollen wir nun einmal den Fragen nachgehen, wo denn der Regen eigentlich steckt und wann (oder besser: ob) er endlich mal wieder bei uns aufzieht. 

 

Prognose der Gesamtniederschlagsmenge verschiedener Wettermodelle bis Sonntag, 13.04.2025, 00 UTC. 

Die Frage nach dem „Wo?“ lässt sich mit Blick auf obige Abbildung recht eindrucksvoll beantworten. Sie zeigt die Prognose der Gesamtniederschlagsmenge bis einschließlich nächsten Samstag von vier verschiedenen Wettermodellen. Etwas überspitzt ausgedrückt, könnt man sagen, dass wir regelrecht von Niederschlägen umzingelt sind. Über der Iberischen Halbinsel, wo die letzten Wochen ohnehin schon sehr viel Regen fiel, werden im Zusammenhang mit einem atlantischen Tief vor allem ab Donnerstag neue kräftige Regenfälle erwartet. Auch von Nordost- bis Südosteuropa sorgt anhaltende Tiefdrucktätigkeit wiederholt für Niederschläge. Selbiges gilt für den Norden Europas, wo Tiefdruckgebiete mit Schnee- und Regenfällen die Oberhand beim Wetter behalten. Dort sticht klassischerweise besonders der Weststau des norwegischen Gebirges ins Auge. 

Prognose der Luftdruckverteilung und bodennahen Strömung für Sonntag, 06.04.2025, 18 UTC und Donnerstag, 10.04.2025, 00 UTC (ICON). 

Tja und bei so vielen Tiefdruckgebieten muss es irgendwo ja auch einen Vertreter oder besser eine Vertreterin des hohen Luftdrucks geben und diese befindet sich am heutigen Sonntag mit ihrem Zentrum knapp westlich von Südnorwegen. „Olivia“ ist der Name des Hochs, dem zwar in der ersten Hälfte der neuen Woche allmählich die Luft ausgeht, ab Wochenmitte aber bereits durch ein neues Hoch über den Britischen Inseln ersetzt wird. Zwar gelangen dadurch wieder ein paar mehr Wolken zu uns, der Hochdruckeinfluss reicht aber weiterhin aus, damit keine nennenswerte Niederschläge zu erwarten sind (wenn überhaupt). Ähnliches gilt auch für die Britischen Inseln, was letztlich das „Loch“ in der Niederschlagsabbildung erklärt. 

Prognose der 24 stündigen Niederschlagsmenge für Sonntag, 13.04.2025 (IFS und GFS). 

Die Frage nach dem „Ob?“ lässt sich dagegen nicht so eindeutig beantworten. Es gibt allerdings Hinweise, dass ab Sonntag langsam der atlantische Tiefdruckeinfluss auf uns übergreift. Das zeigen derzeit zumindest das europäische IFS- und das amerikanische GFS-Modell in ihrer Prognose für die 24-stündige Niederschlagsmenge am Sonntag. Auch die sogenannten Ensembleprognosen (siehe DWD-Wetterlexikon) zeigen ab Sonntag besonders in den westlichen Landesteilen Niederschlagssignale und nähren die Hoffnung, dass es mit der Trockenheit bald zu Ende geht. Warten wir’s mal ab. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/04/Auf-der-Suche-nach-dem-Regen-teil-1.png 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-06 20:55:182025-04-09 21:04:42Auf der Suche nach dem Regen

Zunehmende Trockenheit und ihre Auswirkungen

5. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während die meisten Bundesbürger – der Autor des Artikels eingeschlossen – die vielen Sonnenstunden der letzten Tage und Wochen und das oft milde Wetter in vollen Zügen genossen, ist dieser Witterungsverlauf für die Natur nicht so positiv und bringt bereits erste Probleme mit sich. Wir geben einen kleinen Überblick. 

Die letzten beiden Monate sowie die ersten Apriltage waren in vielen Regionen ungewöhnlich niederschlagsarm. Die Trockenheit begann bereits Anfang Februar. So fielen im bundesweiten Durchschnitt im Februar nur 23,4 mm (entspricht Liter pro Quadratmeter) Niederschlag, was nur etwa der Hälfte der üblichen Menge entspricht. Besonders trocken war es im Norden und Nordwesten des Landes sowie in Niederbayern, wo verbreitet nur 2 bis 10 mm vom Himmel kamen. Der März verlief sogar noch trockener. Mit lediglich 17,3 mm wurden nur etwa 30 % des vieljährigen Mittels registriert. Erneut regnete vor allem in der Norddeutschen Tiefebene kaum, aber auch im Thüringer Becken und in Mittelfranken war Regen Mangelware. Regional kamen lediglich 1 bis 5 mm und damit weniger als 10 % der durchschnittlichen Regenmenge zusammen (Abbildung 1). Vor allem im Norden war die Niederschlagsarmut in beiden Monaten besonders stark. Östlich und südlich von Hamburg wurden in beiden Monaten zusammen weniger als 10 mm gemessen. In Grambek landeten zum Beispiel gerade einmal 8,8 mm (4,2 mm im Februar, 4,6 mm im März) Wasser im Niederschlagsmesstopf. Doch nicht nur dort, sondern fast landesweit wurde in März zu wenig Niederschlag beobachtet, was die roten Farben in Abbildung 1 (rechts) eindrucksvoll zeigen. Nur in Teilen des Südens, insbesondere südlich der Donau, regnete es öfter und im östlichen bayerischen Alpenrand war sogar ein Niederschlagsüberschuss zu verzeichnen. In Berchtesgaden beispielsweise kam mit 144 mm das 1,5-fache der durchschnittlichen Regenmenge zusammen. Zu nasse Regionen blieben im März aber die Ausnahme. Die ersten Apriltage knüpften nahtlos an. Bis auf ein paar Tropfen am Alpenrand hat es im aktuellen Monat noch überhaupt nicht geregnet. 

 

Abbildung 1: Radarbasierte und an Messtationen angeeichte Niederschlagsmenge (mm) im Monat März 2025 (links) und die dazugehörige Abweichung (%) zum vieljährigen Mittel (rechts). 

Der fehlende Niederschlag hat bereits Auswirkungen auf die Natur. Schon seit mehreren Wochen ist die Waldbrandgefahr immer wieder erhöht; so auch aktuell und in den kommenden Tagen. Der Waldbrandgefahrenindex liegt fast überall bei 3 bis 4 (Abbildung 2). Es muss also regional mit einer hohen Gefahr möglicher Waldbrände gerechnet werden. Waldbesucher sollten sich al-so angemessen verhalten. Es gab auch schon Berichte von brennenden Bahndämmen aufgrund einer defekten Bremse an einem Zug, da bei derartigen Bedingungen Funkenflug schnell einen Flächenbrand auslösen kann. Selbst erste kleine Waldbrände wurden aus NRW und Thüringen gemeldet. 

Abbildung 2: Waldbrandgefahrenindex des DWD von Samstag (05.04.2025) bis Montag (07.04.2025) in Deutschland. 

Die Bodenfeuchte in den oberen 60 cm ist aktuell stark unterdurchschnittlich. Abgesehen vom Alpenvorland sind die Böden teils markant trockener als Anfang April üblich. Besonders hohe negative Abweichungen werden für weite Teile des norddeutschen Binnenlands berechnet. Da auch in den nächsten Tagen häufig die Sonne scheint und die Luft sehr trocken ist, sorgt die Verdunstung dafür, dass die teils schon ungewöhnlich starke negative Abweichung der Bodenfeuchte weiter zunehmen wird. In einigen Regionen im Norden ist die Bodenfeuchte für die Jahreszeit sogar auf einem Rekordtief. Abbildung 3 zeigt beispielhaft die berechnete Bodenfeuchte für die Schichttiefe 0 bis 60 cm eines lehmigen Sandbodens unter Gras bei Cuxhaven. Dabei beschreibt die orange Kurve den Verlauf in 2025 und die blaue Kurve den Ver-lauf vom Vorjahr. Außerdem werden der mittlere Bereich (20. bis 80. Perzentil, bezogen auf den Zeitraum 1991-2020) als dunkelgraue sowie der maximale Bereich als hellgraue Fläche dargestellt. Der fast durchgängige Rückgang der Bodenfeuchte seit Anfang Februar ist ebenso bemerkenswert wie die Tatsache, dass seit Mitte Februar die Bodenfeuchte durchgängig (und teils erheblich) unter dem bisherigen Minimum liegt. 

Abbildung 4: Bodenfeuchte (% nFK) unter vorherrschender Landnutzung im Oberboden (0 bis 10 cm Bodentiefe) in Deutschland (links) und im Nordwesten Deutschlands (rechts). 

Dieser Trend zeigt sich natürlich auch in den obersten 10 cm Bodentiefe (Abbildung 4). Da im Winter und zum Beginn des Frühlings die Verdunstung noch relativ gering ist, ist die Wasserversorgung in den meisten Regionen trotz Trockenheit zwar noch gut bis ausreichend, im Norden und Nordwesten herrscht aber bereits regional leichter, kleinräumig sogar markanter Trockenstress. Aufgrund der aktuell zunehmenden Verdunstungsraten nahmen im Verlauf dieser Woche die Gebiete mit Trockenstress zu und werden sich auch in der kommenden Woche ausweiten. 

Abbildung 4: Bodenfeuchte (% nFK) unter vorherrschender Landnutzung im Oberboden (0 bis 10 cm Bodentiefe) in Deutschland (links) und im Nordwesten Deutschlands (rechts). 

Auch bei der Binnenschifffahrt gibt es erste Einschränkungen. Da wegen der ausgesprochen mauen Schneesituation in den Alpen zusätzlich zum geringen Niederschlag auch noch der Wassereintrag durch Schneeschmelze fehlt, ist der Rheinpegel für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig. Der für die Schiff-fahrt wichtige Pegel in Kaub am Mittelrhein liegt aktuell bei nur noch 96 cm, weshalb bereits jetzt die Schiffe nicht mehr voll beladen werden können. In den kommenden Tagen soll der Pegel Berechnungen zufolge unter 90 cm sinken. Sollte der Pegel sogar unter die kritische Marke von 78 cm fallen, dürften große Schiffe nur noch zu 30 % beladen werden. 

Die aktuelle Wetterlage lässt nicht auf ein rasches Ende der Trockenheit hoffen. Der Hochdruckeinfluss hält auch in der kommenden Woche an. Einige Modellberechnungen zeigen zwar in der Osthälfte zum Ende der Woche regional etwas Regen. Dieser wird aber – sofern er überhaupt eintritt – das Niederschlagsdefizit bei Weitem nicht ausgleichen können. Im Westen und Südwesten soll es bis einschließlich des kommenden Wochenendes sogar gänzlich trocken bleiben. 

Dr. rer. nat. Markus Übel (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/04/Zunehmende-Trockenheit-und-ihre-Auswirkungen-teil-1-.png 557 1251 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-05 20:43:052025-04-09 20:53:46Zunehmende Trockenheit und ihre Auswirkungen

Unwetter auf den Kanaren

4. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoher Luftdruck sorgte in den vergangenen Tagen in Deutschland für ruhiges und sonniges Frühlingswetter. Bei der milden Witterung zog es viele Leute ins Freie, wo die Pflanzen um die Wette blühen. Auch die Grünflächen in den Städten werden wieder zunehmend von geselligen Menschen eingenommen. Wenn man die derzeit vorherrschende außergewöhnliche Trockenheit mal außer Acht lässt, kann man also von nahezu perfektem Frühlingswetter sprechen.
Aber nicht überall in Europa ging es so ruhig zu. Die Kanarischen Inseln wurden in den vergangenen Tagen von schweren Unwettern heimgesucht. Erst Anfang März verursachten dort Unwetter zum Teil große Schäden. Dieses Mal waren besonders die Inseln La Palma, Teneriffa, La Gomera und Gran Canaria betroffen, wo heftige Regenfälle zu Überschwemmungen führten. Innerhalb von kurzer Zeit wurden im Norden von La Palma an der Station „Roque de los Muchachos“ 44 Liter pro Quadratmeter registriert. Zuvor wurden auf der Insel vorsorglich sämtliche Wander- und Forstwege gesperrt, Freizeit- und Erholungsgebiete geschlossen und Arbeiten im Freien untersagt. Zudem blieben die Schulen geschlossen.

Satellitenbild und Linien gleichen Luftdrucks in circa 1,5 Kilometern Höhe von Donnerstag, dem 03.04.2025, im Bereich des nordöstlichen Atlantiks vor den Küsten der Iberischen Halbinsel und Marokkos. 

Deutlich schwerwiegender fiel aber der Wind aus. Bereits am Donnerstagvormittag frischte dieser auf den Inseln auf. In den Mittags- und Nachmittagsstunden wurden dann insbesondere in Leelagen der Berge aufgrund von Fallwinden Böen bis zu 130 km/h gemessen. Der spanische Wetterdienst AEMET warnte auf der Ostseite von La Palma sogar mit einer Unwetterwarnung der höchsten Stufe vor den heftigen Böen. Dies führte zu erheblichen Beeinträchtigungen, darunter Flugausfälle am Flughafen La Palma und Einschränkungen im öffentlichen Leben. Nicht ohne Grund, denn die heftigen Winde ließen nicht nur Bäume, sondern auch Laternen und auf Gran Canaria sogar einen Strommasten umknicken. Auch von Stromausfällen wurde berichtet. Neben den kräftigen Böen wurde auch ein starker Seegang erwartet mit einer signifikanten Wellenhöhe von 4 bis 5 Metern.
 

 

Ausschnitt aus der DWD-Bodendruckanalyse sowie Modellfeld der sogenannten äquivalentpotenziellen Temperatur in circa 1,5 Kilometern Höhe von Donnerstag, den 03.04.2025. 

Die Schuldige für die schweren Unwetter auf den Kanaren ist schnell ausgemacht. Tief „Nuria“ liegt derzeit vor der Iberischen Halbinsel. Am gestrigen Donnerstag zog knapp nördlich der Kanaren ein Randtief vorüber, dessen Kaltfront auch auf die Inseln übergriff. Dabei sorgte zum einen die Nähe zum Tief für kräftige Winde, die sich in Leelagen der Gebirge in Form von Fallwinden noch verstärkten. Zum anderen konnte es in den Nordwest-Staulagen der Gebirge zu heftigen Regenfällen kommen.

Vorhersage des deutschen ICON-Modells von Sonntag, 06.04.2025, 20 Uhr bis Donnerstag, 10.04.2025, 14 Uhr MESZ des Luftdrucks in circa 900 Metern Höhe und des 6-stündigen Niederschlags im Bereich des nordöstlichen Atlantiks vor den Küsten der Iberischen Halbinsel und Marokkos. 

Unter Hochdruckeinfluss hat sich das Wetter auf den Kanaren heute wieder beruhigt. Allerdings zeigen die Wetterkarten in der kommenden Woche einen Langwellentrog über dem Atlantik, der im Laufe der Woche abtropft. Das abgetropfte und folglich dann eigenständige Tief nähert sich zum Mittwoch bereits wieder den Inseln an und hat voraussichtlich weitere heftige Regenfälle sowie Gewitter im Gepäck. Auch der Wind könnte am Donnerstag wieder kräftig auffrischen.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/04/Unwetter-auf-den-Kanaren-teil-1.gif 924 992 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-04 20:16:572025-04-09 20:33:40Unwetter auf den Kanaren

Auf Frühlingswärme folgt Temperatursturz

3. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Steigen wir an dieser Stelle jedoch zunächst mit den zwei sehr milden oder gar schon warmen Frühlingstagen ein, die uns bis einschließlich des morgigen Freitags noch ins Haus stehen. Verantwortlich für das sonnige und milde bis warme Frühlingswetter zeichnet sich Hoch NOEMI, welches sich über Südskandinavien eingerichtet hat. So steht heute bei landesweit blankgeputztem Himmel eine fast ungestörte Sonnenausbeute auf dem Programm. Einzelne Quellwolken über den Bergen oder dünne Schleierwolken dürften wohl nur an wenigen Flecken einen schmückenden Rahmen geben. Im Vergleich zum gestrigen Mittwoch machen die Temperaturen heute nochmal einen Satz nach oben. So klettert das Quecksilber am Nachmittag auf vielfach schon T-Shirt taugliche 16 bis 20 Grad. Die wärmsten Regionen lassen sich in den Flussniederungen von Rhein und Ruhr bei Höchstwerten von 22 Grad ausmachen. In Ostfriesland aber auch an den Küsten der Ostsee braucht man bei auflandigem Wind und frischeren 14 Grad allerdings eine Jacke. 

 

Und weil’s so schön war, geht’s am Freitag mit der Frühlingswärme in eine neue, allerdings letzte Runde. Zwar baut Hoch NOEMI kräftemäßig etwas ab, aber einem erneuten Tag mit blauem Himmel und Sonne tut das keinen Abbruch. Lediglich im Osten und Norden des Landes gesellen sich im Tagesverlauf ein paar lockere Quellwolken hinzu. Abgesehen von den Küsten und dem Bergland wird verbreitet die 20-Grad Marke geknackt. In den Flussniederungen im Westen und Südwesten können sogar beinah sommerliche 23 oder 24 Grad erreicht werden. Bei der satten Sonnenausbeute von 12 bis 13 Stunden und einer mittleren UV-Gefährdung sollte an beiden Tagen bei Aktivitäten im Freien der Sonnenschutz berücksichtigt werden (https://www.dwd.de/DE/leistungen/gefahrenindizesuvi/gefahrenindexuvi.html). 

Animation von Geopotential und Temperatur in 500 hPa aus dem ICON13 Modell über Europa von Freitag, 04.04.2025 0 UTC bis Sonntag, 06.04.2025 0 UTC

Welchem Wetterakteur haben wir nun den angekündigten Temperatursturz am Wochenende zu danken? Der Übeltäter ist schnell gefunden. Vom Nordpolarmeer stößt bis zum Freitag ein Trog zunächst über Skandinavien und Nordosteuropa vor und macht am Samstag über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa bis zum Balkan nochmal ordentlich Boden nach Süden gut (siehe Abbildung 1). Das hört sich zwar zunächst weit weg an. Allerdings ist daran auch eine Kaltfront gekoppelt, die in der Nacht zum und am Samstag auch Deutschland von Nord nach Süd überqueren wird. Wer sich in den vielfach zu trockenen Regionen in der Nordhälfte (siehe Thema des Tages vom 01.04.2025) nun schon auf frisches Nass von oben gefreut hat, wird enttäuscht werden. Die Kaltfront selbst ist bis auf einige Wolkenfelder weitgehend wetterinaktiv, da der Trogvorstoß nicht weit genug westlich erfolgt und somit ein ausreichender Hebungsantrieb fehlt. Des Weiteren läuft sie nach Westen zu in das Hochdruckgebiet hinein, dessen Schwerpunkt sich nun in etwa zwischen Norwegen und den Britischen Inseln positioniert hat. 

Animation von Temperatur in 850 hPa und dem Bodendruck aus dem ICON13 Modell über Europa von Freitag, 04.04.2025 0 UTC bis Sonntag, 06.04.2025 0 UTC 

Aber zumindest thermisch ist die Kaltfront ein ordentliches Kaliber. So strömt mit der Kaltfront bzw. rückseitig insbesondere in die Osthälfte eine arktische Kaltluft ein. Der Kaltluftvorstoß ist beispielsweise gut in der Temperatur in 850 hPa in Abbildung 2 zu erkennen. Der Nordpol lässt grüßen, da die Luftmasse sich von dort aus auf den Weg zu uns macht. Eine kältere Quellregion findet sich zu dieser Jahreszeit nicht.

Nun was heißt das für die Temperaturvorhersagen am Wochenende. Am Samstag schlägt sich der Temperatursturz in den erwarteten Höchstwerten vor allem in der Nord- und Osthälfte nieder. Meist werden dort nur noch 10 bis 16 Grad, in Vorpommern gar nur mehr um 8 Grad erreicht. Und dazu gesellt sich teils auch noch ein stark böiger Nordostwind. Statt T-Shirt braucht es bei der Kleiderwahl nun zusätzlich noch einen Pullover und eine Jacke. Dazu ziehen vorübergehend dichtere Wolken von Nord nach Süd. In der Südwesthälfte hingegen merkt man vom Luftmassenwechsel noch nicht allzu viel. Hier schlagen bei den Höchstwerten nochmal frühlingshafte 17 bis 23 Grad zu Buche.

Am Sonntag ist der Temperaturrückgang auch im Südwesten spürbar, wenngleich dieser etwas weniger stark ausfällt. Am Oberrhein dürfte es nur noch für Werte um oder knapp über 15 Grad reichen. In der übrigen Westhälfte kommt bei erneut viel Sonnenschein die Temperatur zumindest noch auf zweistellige 10 bis 14 Grad. In der Osthälfte hingegen sind einstellige Tageshöchstwerte von 6 bis 9 Grad angesagt. 

Tagesmaxima und -minima für Samstag, 05.04.2025, und Sonntag, 06.04.2025 

Auch in den Nächten macht sich die polare Kaltluft in Form von empfindlichen Nachtfrösten bemerkbar. Während es in der Nacht zum Sonntag zunächst in der Osthälfte frostig wird, ist die Frostgefahr in der Nacht zum Montag landesweit gegeben. Teils fallen die Minima bis auf -4 Grad, im Bergland oder geschützten Lagen wird es teils noch etwas kälter. Frostschäden an der austreibenden Natur werden daher wohl kaum ausbleiben. Hobbygärtner können sich zum Thema Gartenwetter und die Frostgefährdung von Baumblüten unter folgender Adresse weitergehender informieren: https://www.dwd.de/DE/leistungen/frost_gef/frostgefahr.html?nn=588520.

Zwar kann sich die Luftmasse im Lauf der neuen Woche peu à peu etwas erwärmen, allerdings bleibt die Frostgefahr auch in den Folgenächten bestehen.

M.Sc. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/04/Auf-Fruehlingswaerme-folgt-Temperatursturz-teil-1-.gif 930 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-03 20:07:492025-04-09 20:15:22Auf Frühlingswärme folgt Temperatursturz

Deutschlandwetter im März 2025

2. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland. 

Besonders warme Orte im März 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Bad Bergzabern  Rheinland-Pfalz  8,8 °C  +3,3 Grad 
2  Essen-Bredeney  Nordrhein-Westfalen  8,6 °C  +3,5 Grad 
3  Frankfurt (Main)-Westend  Hessen  8,6 °C  +2,5 Grad 

Besonders kalte Orte im März 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Deutschneudorf-Brüderwiese  Sachsen  2,7 °C  +2,0 Grad 
2  Carlsfeld  Sachsen  3,0 °C  +3,8 Grad 
3  Zinnwald-Georgenfeld  Sachsen  3,3 °C  +4,3 Grad 

Besonders niederschlagsreiche Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Marktschellenberg  Bayern  150,2 l/m²  130 % 
2  Anger-Stoißberg  Bayern  144,4 l/m²  104 % 
3  Berchtesgaden  Bayern  144,2 l/m²  170 % 

Besonders trockene Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Geldern-Walbeck  Nordrhein-Westfalen  1,4 l/m²  2 % 
2  Kleve  Nordrhein-Westfalen  1,5 l/m²  3 % 
3  Emsbüren-Ahlde  Niedersachsen  1,5 l/m²  3 % 

Besonders sonnenscheinreiche Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenschein  Anteil 
1  Celle-Wietzenbruch  Niedersachsen  240 Stunden  229 % 
2  Uelzen  Niedersachsen  240 Stunden  237 % 
3  Bergen  Niedersachsen  240 Stunden  228 % 

Besonders sonnenscheinarme Orte im März 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenscheindauer  Anteil 
1  Oberstdorf  Bayern  137 Stunden  108 % 
2  Elzach-Fisnacht  Baden-Württemberg  139 Stunden  137 % 
3  Oy-Mittelberg-Petersthal  Bayern  144 Stunden  111 % 

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt. 

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet. 

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990). 

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent). 

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse 

Diplom-Meteorologe Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-04-02 12:51:032025-04-03 12:57:09Deutschlandwetter im März 2025

Aprilscherze, aber (wohl) nicht beim Wetter!

1. April 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Jeder kennt sie und viele wurden auch schon von den sogenannten Aprilscherzen „aufs Glatteis“ geführt. Als Aprilscherz bezeichnet man dabei den Brauch, die Mitmenschen zum Start in den April durch erfundene oder verfälschte Geschichten oder Erzählungen in die Irre zu führen. Die Scherze zum 1. April sind deutschlandweit bekannt und haben ihre Ursprünge weit in der Vergangenheit. Diese Tradition konnte sich mit der Zeit sogar über die meisten europäischen Länder sowie auch Nordamerika verbreiten. Als Ausgangspunkt des Aprilscherzes werden Bayern oder aber auch Frankreich überliefert. 

Eine mögliche Erklärung für die Aprilscherze führt uns zurück in das Jahr 1530, in welchem der Augsburger Reichstag für die Vereinheitlichung am 1. April einen „Münztag“ ankündigte, der schließlich viele Spekulanten auf den Plan rief. Da der „Münztag“ jedoch ausfiel und die Spekulanten ihr eingesetztes Geld verloren, wurden sie damals zum Gespött und als Narren ausgelacht. Weil die Redensart vom „in den April schicken“ in einer Quelle erstmals im Jahre 1618 erwähnt wurde und es nach Überlieferungen durchaus eine gewisse Nähe zu dem beschriebenen Ereignis aus Augsburg gibt, könnten die Geschehnisse aus dem Jahre 1530 den Ausgangspunkt für die Aprilscherze in Deutschland darstellen. 

Eine weitere Erklärung führt uns nach Frankreich, wo angeblich die Kalenderreform von Karl IX der Auslöser für die Aprilscherze sein soll. Karl IX verfügte im Jahre 1564, dass der Jahreswechsel vom 1. April auf den 1. Januar vorgeschoben werden solle. Da sich diese Änderung nur zögerlich verbreitete und nicht in alle Regionen seines Reiches vordrang, feierten viele Bürger zunächst weiter zum 1. April den Jahreswechsel und wurden schließlich vom anderen Teil der Gesellschaft verspottet. Diese Geschehnisse waren danach so in den Köpfen der Bürger eingebrannt, dass sie sich über Generationen überlieferten und schließlich als Ursprung für unsere heutigen Aprilscherze in Frage kommen. 

Insgesamt konnte aber bis heute kein genauer Ursprung der Aprilscherze festgehalten bzw. erörtert werden. Gesichert ist dem Theologen M. Becker-Huberti zufolge nur, dass es im Volksglauben seit der Antike eine Vielzahl an angeblichen Unglückstagen gab und gibt, zu denen schließlich auch der 1. April gehört. 

Häufig ist auch das Aprilwetter zu Scherzen aufgelegt. Denn der April ist für manche Wetterkapriolen bekannt. Der Grund in dem häufig wechselhaften Wetter mit Sonne sowie blauem Himmel und Schauern sowie kurzen Gewittern, die bei kühler Witterung auch Schnee oder Graupel bringen, liegt in den recht großen Temperaturgegensätzen zwischen den nördlichen Breiten und den tropischen Gebieten begründet. In den nördlichen Breiten kühlen noch Schnee und kalte Meere, während am Himmel die stärker werdende Sonne die südlichen Regionen und Landflächen schon kräftig erwärmt. Die Temperaturgegensätze zwischen Polregion und Tropen fördert schließlich die Tiefdruckentwicklung und die Erwärmung der Landflächen im Vergleich zur Umgebungsluft stützt die Konvektion. 

Prognostizierte Wetterlage vom 1. April 2025 mit Hoch NOEMI über der Nordsee, Tiefdruckgebiete ziehen resultierend über den Mittelmeerraum und das Nordmeer. (Quelle: DWD-TKB) 

Dieses Jahr zeigt sich das Wetter zum Start in den April aber weniger typisch. Insgesamt dominieren analog zum vergangenen März überwiegend kräftige, stationäre Druckgebiete, die meist beständiges Wetter produzieren und allenfalls vorübergehend, wie in den letzten Tagen beobachtet, kurze unbeständige Phasen zulassen. In den ersten Apriltagen ist es also Hoch NOEMI, welches über der Nordsee thront und weiter Teile von Nordwest-, West- und Mitteleuropa mit ruhigem und sonnigem Wetter versorgt (vgl. Abb. 1). Tiefdruckgebiete müssen demnach wieder nach Süden und Norden ausweichen. Entsprechend turbulent und niederschlagsreich kann es in Teilen des Mittelmeerraums sowie der Region von Island bis nach Nordwestrussland zugehen. Hierzulande sorgt das Hoch jedoch für eine anhaltende Trockenheit. Vor allem in der Nordhälfte sind bis Ende März unter Berücksichtigung der aus dem Radar abgeleiteten, aufsummierten Niederschläge meist nur 1 bis 120 l/qm, in der Südwesthälfte 100 bis 300, im Schwarzwald bis 500 l/qm gefallen (vgl. Abb.. 2a). Setzt man diese Mengen jedoch in den klimatischen Kontext der ersten drei Monate des Jahres, wird das Niederschlagsdefizit so richtig deutlich. Demnach fielen nur in Teilen Hessens, von Rheinland-Pfalz sowie des Oberrheins, der Alb und Schwabens normale bzw. leicht überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. Im Norden, in Mitteldeutschland sowie Teilen des Westens wurden dagegen nur 30 bis 70 % des üblichen Niederschlags erreicht (vgl. Abb. 2b). 

Vom Radar abgeleitete, aufsummierte Niederschlagsmengen von Januar bis Ende März links und prozentuale Abweichung der Niederschlagsmenge bezüglich des vieljährigen Mittels seit Jahresbeginn rechts. (Quelle: DWD-VBZ) 

Bis Freitag wird sich aufgrund von NOEMI, die ihren Schwerpunkt langsam in das Seegebiet westlich von Norwegen verlagert, aber Deutschland dennoch weiter voll im Griff hat, aus Wetter- und Niederschlagssicht nicht viel ändern. Nach Abklingen letzter Niederschläge an den Alpen setzt sich ruhiges, meist sonniges und trockenes Wetter durch. Allenfalls im Südwesten wird der freundliche Wettercharakter von einem ruppigen Wind vorübergehend gestört. Denn dort grüßt für zwei Tage die Bise, welche am Dienstag und Mittwoch sogar recht großräumig daherkommt und von der Eifel bis zum Oberrhein und weiter bis zum Hochrhein und dem Alpenrand für starke bis stürmische Böen, im Schwarzwald auch Sturmböen sorgt (vgl. Abb. 3). Als weitere warnwürdige meteorologische Parameter sind dann wohl nur der lokale Frost und örtlicher Nebel ein Thema. Erst am Freitag sorgt eine schwache Kaltfront evtl. am Erzgebirge sowie im Umfeld von Oder und Neiße für ein paar Tropfen. Nennenswerte Niederschläge stehen aber derzeit erst wieder ab Samstag in der Osthälfte, ab Montag allmählich auch in den restlichen Regionen des Landes auf der Agenda. Bis dahin fließt aber noch viel oder derzeit wohl eher weniger Wasser den Rhein hinab, das bedeutet, die mittel- und langfristigen Prognosen sind noch mit teils größeren Unsicherheiten versehen. 

Warnkarte mit den Windwarnungen der großräumigen Bise im Südwesten für den 1. April. (Quelle: DWD) 

Dipl. Met.Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.04.2025
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Wettercasts

31. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Es ist Montag, der 31. März 2025 um 07:12 Uhr mitten in einer beliebigen Metropolregion in Deutschland. Die S-Bahn ist dicht gefüllt, der morgendliche Berufsverkehr läuft gerade zur Höchstform auf. Zahlreiche Schüler wollen (oder müssen) rechtzeitig den Weg in ihre Klasse finden; Eltern mal wieder mit ein paar Minuten Verspätung die Kleinen in der Kita abliefern und anschließend zur Arbeit hetzen; der ein oder andere Rentner hat einen wichtigen Termin und der Schichtarbeiter freut sich nach anstrengender Nacht, wenn er endlich im heimischen Bett angelangt ist. Was sie alle eint, wenn man den Blick im Zug schweifen lässt: Das Smartphone als ständigen Begleiter vor der Nase. Alle? Nicht ganz. Ein kleines Grüppchen hält es da noch „klassisch“: Liest ein Buch, macht entspannt die Augen zu und döst oder hört Musik. Oder ist es gar keine Musik? Nein ist es ein Interview, eine Debatte oder eine spannende Geschichte, deren Fortsetzung man schon sehnsüchtig erwartet hat. Es handelt sich um einen Podcast. 

Nun wollen wir nicht gleich den Vergleich zu Asterix und Obelix ziehen, denn so klein ist dieses Grüppchen in Wirklichkeit gar nicht, als dass es in das berühmte Gallische Dorf passen würde. Laut den neuesten Zahlen einer ARD/ZDF-Medienstudie aus 2024 nutzt immerhin rund ein Drittel der Bevölkerung ab 14 Jahren regelmäßig das Audioformat (seltener auch Videoformat). Das Wort Podcast setzt sich aus den Wörtern „pod“ (playable on demand = jederzeit auf Abruf abspielbar) und „broadcast“ (Rundfunk-)Sendung zusammen. Einige Quellen bringen auch den ipod, Apples kompaktem MP3-Player, als Namensgeber ins Spiel. Dessen „pod“ bezog sich eher auf die auf die weißen EVA-Pods des Raumschiffs Discovery One aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ und den Satz „Open the pod bay doors, Hal!“ (Öffne die Türen des Kapseldecks, Hal), an die Entwickler Vinnie Chieco bei dessen Anblick zuerst denken musste. 

Die Nutzerzahlen der abrufbaren Hörbeiträge sind vor allem um das Jahr 2020 herum förmlich explodiert. Zum Vergleich: 2006 nutzen gerade einmal 4 % der Leute regelmäßig Podcasts, heutzutage wie erwähnt rund ein Drittel also circa 33 % der Deutschen ab 14 Jahren und damit rund 23 Millionen Menschen. In jüngster Vergangenheit haben sich die Zahlen auf diesem Niveau konsolidiert. Schaut man sich die unterschiedlichen Altersgruppen einmal genauer an, dann nutzen vor allem jüngere Menschen das vielfältige Medienangebot. Von den 14-29-Jährigen hören 40 % und damit 2 von 5 mindestens wöchentlich Podcasts. Bei den höheren Altersgruppen reduziert sich der Anteil sukzessive, bei den über 70-Jährigen sind es aktuell knapp 5 %. Beim Geschlecht lässt sich dabei keine Präferenz ausmachen, Männer wie Frauen sind als regelmäßige Nutzer in etwa gleichverteilt. Konsumiert wird vorrangig via Smartphone über Plattformen wie Spotify, Audible, Google und Apple Podcasts, die Audiotheken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und vielen weiteren. Aber auch der Laptop, Smartspeaker oder das Tablet sind willkommene Alternativen. 

Doch was ist das Geheimnis der Podcasts? Was macht sie so attraktiv? Größter Pluspunkt ist wohl die Themenvielfalt bei gleichzeitig maximaler zeitlicher Flexibilität. Aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Gesundheit, Freizeit und Garten, Sport, Hörspiele für Kinder/Jugendliche und vielen weiteren Themen lässt sich für jeden etwas finden. Diese Form der Informationsweitergabe wird meist sehr konzentriert wahrgenommen, da die „visuelle Ablenkung“ fehlt und die Fantasie angeregt wird. Auch ohne Grafiken lassen sich durch Bildbeschreibungen und Anekdoten beispielsweise komplexe Themen verständlich transportieren. Für die jüngere Generation steht Unterhaltung und Comedy als Inhalt im Vordergrund. Ab 30 Jahren aufwärts gewinnen zunehmend Infosendungen und Wissensvermittlungen an Gewicht. Man steht überraschend doch im Stau und weiß nicht, wann und wie es weitergeht? Mit einem Podcast lässt sich die Wartezeit gut überbrücken. Auch im öffentlichen Nahverkehr, beim Spazierengehen sowie beim Sport ist die Nutzung sehr beliebt. 

Logo des Podcasts „Windstärke 12“ der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) ( Quelle: DMG) 

Auch im Bereich der Meteorologie wächst das Angebot stetig. So gibt es nicht nur den Klassiker: Wetter und Klima – was ist das eigentlich?“ der Reihe „Was Ist Was“, sondern beispielsweise auch „Wetter, Wissen, Was“ von wetter.com, „Die Wetterpropheten – Wie Meteorologen Sonne und Regen vorhersagen“ von radioWissen oder der „Extrem Wetter Podcast“ mit Frank Böttcher. Auch die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) bietet neuerdings eine Podcastreihe mit dem Namen „Windstärke 12“ an. Darunter eine der 4 Episoden: „Über Wetter und Klima reden: Klimakommunikation“ mit ARD-Meteorologe Karsten Schwanke. Na, neugierig geworden? Probieren sie es doch einfach mal aus, die meisten Podcasts gibt es kostenlos. 

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 31.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Wettercasts-teil-1-.png 315 595 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-31 12:01:352025-04-03 12:21:04Wettercasts

Hagelstürme in Europa

30. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Auch wenn das aktuelle Wetter an diesem Wochenende und zu Beginn der kommenden Woche teils noch spätwinterliche Züge aufweist, ist der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Mit den steigenden Temperaturen erhöht sich auch die Gefahr von kräftigen Gewittern mit Hagel. Laut Definition handelt es sich bei Hagel um Eiskörner mit einem Durchmesser von mindestens 0,5 Zentimetern. Sind die Eiskörner kleiner, spricht man von Graupel. Gewitter mit Graupel kommen im Winterhalbjahr häufig bei einer ähnlichen Großwetterlagenkonstellation wie am heutigen Sonntag vor. Dabei fließt vor allem in der Höhe polare Kaltluft ein. Dadurch ergeben sich große Temperaturunterschiede zwischen dem Erdboden und der mittleren Troposphäre, wodurch Gewitterwolken entstehen können. Dies kann am heutigen Sonntag stellenweise auch in der Nordosthälfte beobachtet werden. 

Für Hagel sind die Aufwinde innerhalb der Gewitterwolke im Winter aber meist zu schwach. Damit sich dieser bilden kann, benötigt es eine energiereiche Luftmasse mit einem hohen Feuchtegehalt. Ein Maß, das in der Meteorologie dazu verwendet wird, ist die maximale verfügbare potentielle Energie (CAPE). Über diese Größe erhält man eine Abschätzung der Aufwindgeschwindigkeiten innerhalb einer hochreichenden Gewitterwolke. Für die Abschätzung der Hagelgröße ist zudem auch die vertikale Windscherung (Windgeschwindigkeits- und Richtungsänderung mit der Höhe) von großer Bedeutung. Großer bis sehr großer Hagel ist nur in Verbindung mit langlebigen Gewitterzellen möglich. Deshalb tritt Hagel mit Korndurchmessern über 5 cm auch ausschließlich innerhalb von Superzellen in einer Umgebung mit einer hohen vertikalen Windscherung auf. 

Abbildung 1 zeigt die Häufigkeit an Hagelereignissen in Europa. Erwartungsgemäß tritt Hagel in Mittel- und Südeuropa öfter auf als in Nordeuropa, da dort im Jahresverlauf häufiger energiereiche Luftmassen vorherrschend sind. Zudem ist erkennbar, dass vor allem im Bereich der Gebirge Hagelereignisse sehr oft vorkommen. Ein Maximum ergibt sich in Nordspanien rund um die Pyrenäen sowie nördlich und südlich der Alpen. In Deutschland gibt es ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Dies liegt neben dem im Sommerhalbjahr wärmeren Klima auch an der Orographie. Dort bilden sich häufig im Lee der Alpen und der süddeutschen Mittelgebirge wie dem Schwarzwald lokale Konvergenzen aus, die kräftige Gewitter mit Hagel auslösen können. 

 

Hagelhäufigkeit über Europa für die Periode von 2004 bis 2011. Vor allem im Umfeld großer Gebirge über Mitteleuropa ist ein Maximum zu erkennen. 

Auch bei der räumlichen Verteilung der maximalen Hagelkorngröße spielt die Orographie eine entscheidende Rolle. Vor allem die Anrainerstaaten der Alpen verzeichnen schwere Gewitter mit sehr großem Hagel. Davon ist beispielsweise Süddeutschland, Tschechien oder auch Norditalien betroffen. Erst im Juli 2023 wurde in Venetien in Norditalien ein Hagelkorn mit einem unglaublichen Durchmesser von 19 cm entdeckt (nicht abgebildet). Dies ist bis heute der Europarekord! Aber auch im Mittelmeerraum wie beispielsweise in Mittelitalien oder in Südspanien trat in der Vergangenheit bereits sehr großer Hagel um 10 cm auf. Dort wird dieser allerdings im Gegensatz zu Mitteleuropa aufgrund des Jahresgangs der Wassertemperaturen vor allem im Herbst beobachtet. Diese Daten stammen von Meldungen aus der European Severe Weather Database (ESWD). Da es in ländlichen Regionen prinzipiell weniger Meldungen gibt, können die tatsächlichen Zahlen leicht davon abweichen. 

Maximale Größe der Hagelkörner bis 2015 in Europa. Die Daten stammen aus der European Severe Weather Database (ESWD). 

Welchen Einfluss hat die globale Erwärmung auf die Hagelhäufigkeit und die maximale Hagelkorngröße bei schweren Hagelereignissen?
Grundsätzlich erhöht sich mit einer zunehmenden Erderwärmung das Potenzial für Hagel. Allerdings benötigt es für größeren Hagel nicht nur eine warme und sehr feuchte Luftmasse sowie einen Hebungsantrieb. Auch die Änderungen der Strömungskonfiguration und mikrophysikalische Prozesse innerhalb einer Gewitterwolke haben darauf einen entscheidenden Einfluss. Eine kürzlich erschienene Studie zeigt bei einer globalen Erwärmung von 3 Kelvin gegenüber dem vorindustriellen Zeitraum eine Abnahme der Hagelhäufigkeit über Westeuropa und eine Zunahme über Mittel- und Osteuropa. Großer Hagel kommt demnach über weite Teile Europas in Zukunft häufiger vor. Dies würde auch in Deutschland das Gefährdungspotenzial durch Hagel in den nächsten Jahrzehnten deutlich erhöhen. 

Trends in der Hagelhäufigkeit (oben) und in der Häufigkeit von großem Hagel (unten) für Europa. Über Deutschland zeigt sich mit Ausnahme des Nordwestens sowohl für die Hagelhäufigkeit als auch für die Häufigkeit von großem Hagel eine Zunahme. 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Hagelstuerme-in-Europa-teil-1.png 582 664 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-30 11:38:512025-04-03 12:04:55Hagelstürme in Europa

Gekonntes Täuschungsmanöver

29. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Samstagvormittag entschied sich der Autor dieses Textes dazu, einen Radar- und Satellitenfilm auf Social Media zu veröffentlichen, der die aktuelle Bewölkungs- und Niederschlagssituation in Deutschland zeigte. Hintergrund war die heute Mittag stattgefundene partielle Sonnenfinsternis, genauer genommen eine Einschätzung, wo man gute und wo schlechte Karten haben wird, das Himmelsspektakel zu verfolgen. Darauf folgte ein Kommentar, dass es laut Radar in der Region des Nutzers gerade regnen würde, dies aber in Wirklichkeit nicht der Fall sei. 

Tatsächlich zeigte das Radarbild etwa von Franken über Westsachsen bis ins südliche Brandenburg recht verbreitet leichte Niederschläge, allerdings meldeten die Wetterstationen keinen Tropfen. Im Süden gab es laut Radar ebenfalls großflächig Niederschlagssignale, die dort dagegen aber durch zahlreiche Stationsmessungen belegt wurden. 

 

Radar- und Satellitenbild sowie einstündige Niederschlagsmenge vom 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD 

Was war denn da nun bitte los? Radar kaputt? Niederschlagsmesser defekt? Nein, beides falsch! Den Grund dafür findet man bei Betrachtung der vertikalen Schichtung der unteren Atmosphäre, genau genommen den Verlauf von Lufttemperatur und -feuchtigkeit mit der Höhe. Dafür nutzt man sogenannte Radiosonden. Bei einer Radiosonde handelt es sich um ein Gerät, das mit einem Sender und mehreren Messfühlern ausgestattetet ist. Angebunden an einen mit zumeist Heliumgas gefüllten Gummiballon, steigt die Radiosonde mit rund 300 Metern pro Minute in die Luft auf und misst dabei stetig Luftdruck, -feuchte und -temperatur sowie indirekt durch die Windverlagerung auch Geschwindigkeit und Richtung des Windes. Diese Daten werden über den Sender direkt an die Empfangsstation am Boden übermittelt. Kurz darauf stehen sie schließlich uns Meteorologen grafisch aufbereitet zur Verfügung und liefern zudem neben vielen weiteren Beobachtungsdaten die Basis für die Prognosen unserer Wettermodelle. Weitere Infos zu Radiosondenaufstiegen finden Sie zum Beispiel im Thema des Tages vom 03.07.2020. 

Da im „trügerischen“ Niederschlagsbereich kein Radiosondenaufstieg zur Verfügung steht, schauen wir uns doch einfach einmal einen auf Prognosedaten beruhenden Aufstieg aus dieser Region an, in diesem Fall aus Oberfranken von 11 Uhr. Kurz zur Orientierung: Auf der linken Vertikalachse ist der Luftdruck in hPa und auf der Horizontalachse unten die Temperatur in Grad Celsius aufgetragen. Die Temperatur bleibt dabei entlang der roten Linien, die von unten nach schräg-rechts-oben verlaufen, konstant. Die Null-Grad-Linie ist blau eingefärbt. Den vertikalen Verlauf der Lufttemperatur stellt nun die durchgezogene schwarze Linie dar und der Taupunkt (Maß für die Luftfeuchtigkeit) wird durch die gestrichelte schwarze Linie repräsentiert. Liegen die beiden Linien, also Temperatur und Taupunkt, nah beieinander, ist die relative Luftfeuchtigkeit hoch, sind sie weit voneinander entfernt, ist sie niedrig. 

Vertikaler Verlauf von Temperatur (schwarze, durchgezogene Linie) und Taupunkt (schwarze, gestrichelte Linie) aus Oberfranken am 29.03.2025, 11 Uhr (MEZ). Quelle: DWD 

Verfolgt man die beiden Linien des Aufstiegs von oben nach unten, stellt man fest, dass sie zunächst relativ nah beieinander liegen, die relative Luftfeuchtigkeit also recht hoch ist. Erst ab etwa 750 hPa beginnen sie stark auseinanderzugehen mit einem Maximalabstand bei etwa 800 hPa (grob 2 km Höhe). Hier ist die Luft also relativ trocken und das ist der entscheidende Punkt: Der Regen, der sich darüber entwickeln konnte, hatte es nicht durch diese trockene Schicht geschafft, sondern ist verdunstet und kam daher nicht am Boden an. 

Durch die Verdunstung konnte diese trockene Luft zwar in den Folgestunden allmählich noch etwas angefeuchtet werden, am Boden kam aber trotzdem nichts mehr an, nun aber hauptsächlich deshalb, weil der Niederschlag mittlerweile abgeklungen war. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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