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Erfolgreicher MTG-S1-Launch: Ein Satellit, zwei Missionen

6. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am vergangenen Dienstag um 23:04 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit war es soweit: Mit dem MTG-S1 hob der erste europäische geostationäre Satellit mit einem Infrarot-Sounder-Instrument (ISR) vom Kennedy Space Center in Florida ins Weltall ab. Neben dem ISR ist der Satellit auch mit dem Copernicus Sentinel-4 UV-Visible-Near-Infrared (UVN) Spektrometer ausgestattet. Wofür man so etwas braucht, erfahren Sie gleich. 

Erst einmal wollen wir auf den Satelliten an sich eingehen. Der MTG-S1 ist der zweite Satellit, der im Rahmen des MTG-Programms (siehe https://www.eumetsat.int/meteosat-third-generation) gestartet wurde. Der erste Satellit, Meteosat Third Generation Imager-1 (MTG-I1), ist 2024 in den Routinebetrieb übergegangen und liefert als Meteosat-12 seitdem Beobachtungsdaten mit doppelt so hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung sowie einer hundertfach höheren Datenrate im Vergleich zu den Meteosat-Vorgängerversionen. Den deutschen Beitrag des Programms finanziert das Bundesministerium für Verkehr. Für die fachliche Unterstützung bei der Durchführung ist die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit dem DWD verantwortlich. 

Die MTG-Baureihe wurde im Auftrag der Europäischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten Eumetsat von der Europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt und soll die Kontinuität der 1977 mit METEOSAT-1 begonnenen Wetterbeobachtung aus dem Weltraum sicherstellen. Sie besteht aus insgesamt sechs Satelliten, die in Serie gestartet werden, um über die nächsten 25 Jahre routinemäßig Wetterdaten zu generieren: vier Satelliten mit abbildenden Instrumenten, den sogenannten Imagern (MTG-I1-4), und zwei Satelliten mit spektral hochauflösenden Instrumenten, den sogenannte Soundern (MTG-S1-2). Die neueste Generation, MTG, wird die Sturmvorhersage maßgeblich transformieren, die Wettervorhersage verbessern, die Klimaaufzeichnungen erweitern und eine breite Palette wichtiger Beobachtungen liefern. 

„Ganz konkret werden die Daten des MTG-S1 uns in die Lage versetzen, das generelle Auftreten, den Ort und die Schwere von konvektiven Stürmen – also Gewittern, Sturmereignissen mit hohen Niederschlagsmengen oder Hagel – noch präziser vorherzusagen und entsprechend genauer zu warnen. Indem wir die Informationen sowohl in unser regionales, als auch in unser globales Vorhersagemodell einfließen lassen, wird es uns außerdem möglich sein, Kurzfristvorhersagen und die Vorhersage im Bereich mehrerer Tage enger zu verzahnen, und damit die Vorhersagequalität insgesamt zu erhöhen. Nicht zuletzt werden perspektivisch auch das Klimamonitoring des DWD sowie die nachgelagerten Produkte und Dienstleistungen von dieser neuen Satelliten-Generation profitieren“, so DWD-Präsidentin Prof. Dr. Sarah Jones. Sie verfolgte den Start der Falcon 9 Rakete, an der der Satellit gekoppelt war, gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern live bei Eumetsat in Darmstadt. 

Prof. Dr. Sarah Jones beim Launch-Event mit den Kollegen von GeoSphere Austria: Dr. Andreas Schaffhauser (l.), Wissenschaftlicher Generaldirektor, und Dr. Gerhard Wotawa (r.), Direktor Klima und Umwelt. (Quelle: Alina-Louise Kramer (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)) 

Nun zu den Instrumenten an Bord des MTG-S1: Das IRS-Instrument wird ungefähr alle 30 Minuten Messdaten liefern, die Rückschlüsse auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und indirekt auch den Wind in verschiedenen Höhen der Erdatmosphäre sowie auf die Verteilung wichtiger Spurengase über Europa und Nordafrika zulassen. Gegenüber ähnlichen Daten von polarumlaufenden Satelliten ist besonders diese extrem gute zeitliche Auflösung wichtig, die eine relativ kontinuierliche Beobachtung über den ganzen Tag mit einer gleichzeitig hohen räumlichen Auflösung liefert. Neben der Nutzung für die numerische Wettervorhersage generell sind solche Daten besonders für die Früherkennung von möglichen Sturmentwicklungen wertvoll. Zudem verbessern sie die bisherigen Modelle für die Wettervorhersage im Stunden- und Minutenbereich. 

Das hochauflösende Sentinel-4 UVN-Spektrometer für den ultravioletten, sichtbaren und nah-infraroten Spektralbereich wird die Luftqualität und die Konzentration von Treibhausgasen messen. Hierzu liefert es stündlich Informationen der wichtigsten Spurengase und Schadstoffe Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Formaldehyd. Darüber hinaus werden Wasserdampf sowie Aerosol- und Wolkeneigenschaften erfasst. Informationen über Ozonverteilung und Sonneneinstrahlung für die UV-Vorhersage werden ergänzend gewonnen. Sentinel-4 liefert damit wichtige Beobachtungen für die Klima- und Atmosphärenüberwachung. 

Alina-Louise Kramer in Zusammenarbeit mit Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/07/Erfolgreicher-MTG-S1-Launch-Ein-Satellit-zwei-Missionen-1.jpg 800 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-06 10:20:102025-07-10 12:22:55Erfolgreicher MTG-S1-Launch: Ein Satellit, zwei Missionen

Friedemann

5. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Dass sich das Wetter umstellt, haben Sie bereits im gestrigen Thema des Tages erfahren. Das zugrunde liegende Tiefdruckgebiet trägt den Namen FRIEDEMANN. Der Name lässt sich bis ins 14. Jahrhundert als Frithuman oder Fridman zurückverfolgen. Etymologisch setzt er sich aus den Bestandteilen „fridu“ und „man“ zusammen. Fridu ist altholdeutsch und steht für Schutz, Sicherheit und Friede, wobei es sich hier weniger um den „Frieden“ als mehr um das „Umfriedete“ handelt. Man steht für Mensch, Mann oder Krieger. Zusammengesetzt lässt sich Friedemann als der Friedliche oder Beschützende übersetzen. 

In unserem Fall beschützt Tief FRIEDEMANN die von Hitze und Trockenheit Geplagten. Denn er lenkt aus Nordwesten deutlich kältere und auch recht feuchte Luft zu uns. 

Karte Europa und Nordatlantik mit der Vorhersage der Isobaren und Frontalzonen für Sonntag, 06.07.2025 14 MESZ (Quelle.DWD) 

Die Kaltfront zieht am Sonntagabend von Nordwesten herein und am Montag ostwärts über uns hinweg. An ihr regnet es verbreitet, auch eingelagerte Gewitter sind dabei. Im Nordwesten Deutschlands wird die Front von einer kleinräumigen Tiefentwicklung über den Niederlanden aufgehalten und quasi zurückgeholt. Dadurch besteht dort die Gefahr von mehrstündigem Starkregen mit Mengen zwischen 20 und 30 Litern pro Quadratmeter in 6 Stunden. Lokal lassen sich auch unwetterartige Mengen bis 50 Liter pro Quadratmeter nicht vollkommen ausschließen. 


Modellvergleich der 12-stündigen Niederschlagsvorhersage bis Montag, 07.05.2025 0 UTC; oben links: ICON 6, oben rechts: ICON D2, unten links: EZMW, unten rechts: GFS (Quelle:DWD) 

Im übrigen Bundesgebiet fallen die Regenmengen geringer aus, es sind aber bis Dienstagfrüh für jeden ein paar Liter dabei. 

Tief FRIEDEMANN sorgt nicht nur für Regen und Abkühlung, auch der Wind frischt spürbar auf. Dabei sind vor allem im Bergland und an den Küsten stürmische Böen zwischen 60 und 70 Kilometer pro Stunde wahrscheinlich. Auf dem Brocken können vorübergehend auch Sturmböen bis 80 km/h auftreten. In den Niederungen bleibt es meist bei starken oder steifen Böen bis 60 km/h. Die Windrichtung dreht von zunächst meist Südwest auf West bis Nordwest am Montag. 

Vorhersage der Böen tagsüber (oben) und nachts (unten) aus dem MOS-Mix für Sonntag (06.07.2025, links), Montag (07.07.2025, mittig) und Dienstag (08.07.2025, rechts) (Quelle:DWD) 

Zum CSD am morgigen Sonntag in Köln ist es meist bedeckt und im Laufe des Vormittags auch zunehmend nass. Dabei sind um die Mittagszeit Gewitter mit Regen, kleinerem Hagel und steifen Böen möglich, später am Tag fällt schauerartiger Regen. Die Luft erwärmt sich von 16 Grad am Morgen auf rund 21 Grad am Nachmittag und Abend. 

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/07/Friedemann-1.jpg 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-05 21:03:572025-07-05 21:03:57Friedemann

Ab Sonntag Wetterumschwung

4. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Kaltfront des Tiefs ENGIN, das am heutigen Freitagmorgen mit seinem Kern über Südfinnland lag, hat die Hitze und feuchtlabile Luftmasse nun vollständig aus Deutschland ausgeräumt. In der vergangenen Nacht und am heutigen Vormittag kam es im Süden des Landes in etwa südlich der Donau nochmals zu teils kräftigen Schauern und Gewittern. Diese waren an die durchschwenkende Kaltfront und die Passage eines Troges gekoppelt. Insbesondere der Starkregen rückte dabei in den Fokus. So kam es beispielsweise in Pleiskirchen im oberbayerischen Landkreis Altötting zwischen 8 und 9 Uhr zu Platzregen, der 28 l/qm in einer Stunde brachte. Auch in Schärding am Inn (Österreich) an der Grenze zu Deutschland schüttete es im selben Zeitraum heftig und am Ende standen 26 l/qm in einer Stunde zu Buche. 

Radarfilm für den Südosten Deutschlands (Quelle: DWD) 

Diese Gewitter sind am Mittag aber komplett nach Österreich abgezogen, sodass es in der Folge auch in Südostbayern abtrocknet und die Sonne sich immer häufiger zeigt. Ansonsten herrscht heute in großen Landesteilen freundliches Sommerwetter, da Hoch CHRIS bereits gestern vom Atlantik her seine Fühler nach Deutschland ausstreckte und eine mäßig warme bis warme Luftmasse heranführte. In dieser Luftmasse konnte es vergangene Nacht ordentlich abkühlen, sodass die Tiefstwerte gebietsweise nur im einstelligen oder niederen zweistelligen Bereich lagen. Nach den teils tropischen Nächten der vergangenen Tage konnte man nun, außer im Süden endlich mal wieder richtig durchlüften. 

Tiefstwerte in der Nacht zum Freitag, den 04.07.2025 (Quelle: DWD) 

In der kommenden Nacht zum Samstag ist dies auch im Süden wieder möglich. Verbreitet sinken die Tiefstwerte auf 13 bis 7 Grad. Nur im Küstenumfeld bleibt es etwas milder. Am Samstag wird es fast überall nochmals recht freundlich mit Höchstwerten um oder etwas über 30 Grad im Süden und 20 bis 25 Grad im Norden. Dort kann es bei wechselnder Bewölkung örtlich etwas regnen, während es sonst trocken bleibt. Lediglich im Umfeld der Alpen besteht ein geringes Gewitterrisiko. 

Der große Wetterumschwung steht ab Sonntag an. Tiefdruckgebiete greifen von Nordwesteuropa in der Folge mit ihren Ausläufern auf Deutschland über. Die Strömung dreht zunehmend auf Nordwest und in der Folge werden deutlich kühlere und feuchte Luftmassen vom Nordatlantik herangeführt. Die Tageshöchstwerte entsprechen dann dem, was man gebietsweise in dieser Woche als Tiefstwerte in der Nacht hatte. Den Tiefpunkt stellt voraussichtlich der Dienstag dar, an dem selbst die 20-Grad-Marke in einigen Landesteilen nicht geknackt werden wird, bevor es ab Mittwoch bei den Temperaturen wieder aufwärts geht. Durch die Zufuhr von feuchter Meeresluft steigen die Chancen auf Niederschlag deutlich an. Niederschlag wird auch bitter benötigt. Ein Rückblick auf das erste Halbjahr des Jahres 2025 zeigt, dass deutschlandweit in der Fläche gerade einmal 260 l/qm gefallen sind. Normal wären in diesem Zeitraum rund 380 l/qm (Referenzperiode 1961 bis 1990) bzw. 366 l/qm (Vergleichsperiode 1991 bis 2020). Damit fehlt rund ein Drittel an Niederschlag als im Klimamittel. 

Am Sonntagvormittag kommen zunächst im Westen und Nordwesten im weiteren Tagesverlauf dann nahezu im ganzen Land schauerartige und teils gewittrige Regenfälle auf. Bis mindestens Mitte der Woche kommt es dann verbreitet immer wieder zu Regenfällen und einzelnen Gewittern. 

 

Akkumulierte Niederschlagsmengen in l/qm auf Basis verschiedener Wettermodelle von Freitagmorgen (04.07.2025) bis Mittwochabend (09.07.2025). Quelle: DWD 

Von Freitagmorgen bis Mittwochabend summieren sich die Niederschläge in der Fläche auf 10 bis 30 l/qm auf. Vor allem in den Staulagen der westlichen und südwestlichen Mittelgebirge sind je nach Modell 30 bis 60, in den Alpen bis 80 l/qm möglich. Am wenigsten Niederschlag wird mit 5 bis 15 l/qm in der östlichen Mitte und Teilen des Ostens simuliert. Ab Donnerstag setzt sich von Westen her voraussichtlich stabileres, ruhiges und trockenes Hochdruckwetter durch.
 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/07/Ab-Sonntag-Wetterumschwung-1.gif 480 854 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-04 20:44:242025-07-05 20:52:51Ab Sonntag Wetterumschwung

Schwitzend in den Sturm: Teils kräftige Gewitter beenden Hitzewelle

3. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Hitze der vergangenen Tage baute sich über Tage hinweg auf. Tagsüber stiegen die Höchstwerte immer weiter an, und auch die Abkühlung in den Nächten fiel immer geringer aus. So wurden verbreitet Warnungen vor einer starken Wärmebelastung fällig. Am gestrigen Mittwoch, dem 02. Juli 2025 sorgte Feuchteadvektion sogar noch einmal für einen weiteren Anstieg der gefühlten Temperatur. So wurden in der Westhälfte Deutschlands sogar Warnungen vor einer extremen Wärmebelastung nötig. 

Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes vom 01. Juli 2025. (Quelle: DWD) 

Der Allzeit-Temperaturrekord in Deutschland mit 41,2 °C in Tönisvorst und Duisburg-Baerl vom 25. Juli 2019 war allerdings nicht in Reichweite. Zum einen reichte die Temperatur der einströmenden Luftmasse nicht ganz dafür aus. Zum anderen sorgte auch etwas Saharastaub in höheren Luftschichten für eine weitere Dämpfung der Höchstwerte. Dennoch zeigte das Thermometer am späten Nachmittag in Andernach (Rheinland-Pfalz) 39,3 °C, in Demker (Sachsen-Anhalt) 39,2 °C und in Kitzingen (Bayern) 39,1 °C an.

Wer sich dennoch für Rekorde interessiert: Zumindest in den nördlichen Bundesländern wurden voraussichtlich neue Dekadenrekorde aufgestellt. In Niedersachsen an der Station Barsingshausen-Hohenbostel wurden 38,5°C registriert. Der vorherige landesweite Dekadenrekord wurde in Lüchow am 04.07.2015 mit 38,3 °C gemessen.

Tageshöchstwerte von Mittwoch, dem 02. Juli 2025  

Und auch in Schleswig-Holstein wurde in Grambek nach 37,2 °C am 04.07.2015 mit 37,6 °C am gestrigen Mittwoch ein neuer landesweiter Dekadenrekord aufgestellt. Dabei handelt es sich jedoch um vorläufige Messwerte, die bisher noch nicht validiert wurden. Die Werte müssen erst noch durch die Qualitätsprüfung, bevor sie bestätigt werden können. 

Am gestrigen Nachmittag stürzte die Temperatur dann von Nordwesten her förmlich ab. Von teilweise über 35 °C ging es um rund 15 Kelvin runter auf 20 bis 22 °C. Ein solch rascher Temperatursturz geht dabei meist auch mit kräftigen Gewittern einher. So bildeten sich am Nachmittag von der Eifel ausgehend und auf den kompletten Westen und Nordwesten übergreifend kräftige Gewitter. Im Vorfeld kam es auch im Bereich des Schwarzwalds sowie im Voralpenland zu einzelnen Hitzegewittern. 

Animiertes Wetterradar von Mittwoch, 02. Juli 2025, 11 Uhr bis Donnerstag, 03. Juli 2025, 03 Uhr. (Quelle: DWD) 

Dabei standen zunächst vor allem der Starkregen und Hagel im Fokus der Begleiterscheinungen. Lokal eng begrenzt fielen bis zu 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, wie beispielsweise an den Stationen Alsdorf-Bettendorf (Nordrhein-Westfalen) und Rastede (Niedersachsen) registriert wurde. Zudem produzierte eine Superzelle bei Emden größeren Hagel. In den sozialen Medien wurden Fotos von Hagel mit Korngrößen von bis zu 8 Zentimetern gepostet. 

Am späten Nachmittag begannen sich die Gewitter allmählich zu einer Linie zu organisieren. Mehr und mehr rückte nun der Wind als Begleiterscheinung in den Fokus. Aufgrund ungünstiger Scherungsbedingungen blieb dieser jedoch etwas unter den Erwartungen vom Vortag. Immerhin konnten mehrere schwere Sturmböen gemessen werden, z.B. um 19 Uhr in Bremen, wo eine DWD-Messstation 99 km/h registrierte. Im Laufe der Nacht schwächten sich die Gewitter aber immer weiter ab, und auch der in Verbindung mit Gewittern auftretende Wind ließ zunehmend nach. 

DWD-Hitzewarnungen am Donnerstag, den 03. Juli 2025. (Quelle: DWD) 

Am heutigen Donnerstag (03. Juli 2025) liegt die mittlerweile gealterte Warmluft im Vorfeld eines Tiefausläufers, der diese in den Südosten Deutschlands abdrängt, bevor die Hitze am morgigen Freitag schließlich ganz passé ist. Im Südosten muss heute jedoch noch einmal mit einer starken Wärmebelastung gerechnet werden. Zudem werden vom Alpenrand bis zum südlichen Bayerwald am Nachmittag und Abend erneut einzelne kräftige Gewitter vorhergesagt. Dabei steht vor allem der Starkregen im Fokus, dieser kann lokal eng begrenzt unwetterartig ausfallen. Stürmische Böen und auch Hagel sollten eher eine untergeordnete Rolle spielen. 

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/07/Schwitzend-in-den-Sturm-Teils-kraeftige-Gewitter-beenden-Hitzewelle-1.png 1114 750 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-03 20:33:522025-07-05 20:42:51Schwitzend in den Sturm: Teils kräftige Gewitter beenden Hitzewelle

Deutschlandwetter im Juni 2025

2. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland. 

Besonders warme Orte im Juni 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Waghäusel-Kirrlach  Baden-Württemberg  22,0 °C  +4,2 Grad 
2  Ohlsbach  Baden-Württemberg  21,8 °C  +5,4 Grad 
3  Lahr  Baden-Württemberg  21,5 °C  +3,9 Grad 

Besonders kalte Orte im Juni 2025* 

Platz  Station  Bundesland  durchschnittliche Temperatur  Abweichung 
1  Kahler Asten  Nordrhein-Westfalen  14,5 °C  +3,4 Grad 
2  Zinnwald-Georgenfeld  Sachsen  14,8 °C  +3,2 Grad 
3  Carlsfeld  Sachsen  15,0 °C  +3,7 Grad 

Besonders niederschlagsreiche Orte im Juni 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Todtmoos  Baden-Württemberg  162,9 l/m²  109 % 
2  Siegsdorf-Höll  Bayern  145,8 l/m²  74 % 
3  Buchenbach  Baden-Württemberg  142,2 l/m²  115 % 

Besonders trockene Orte im Juni 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Niederschlagsmenge  Anteil 
1  Hecklingen-Groß Börnecke  Sachsen-Anhalt  15,9 l/m²  28 % 
2  Etzleben  Thüringen  16,2 l/m²  25 % 
3  Potsdam  Brandenburg  16,5 l/m²  24 % 

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Juni 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenschein  Anteil 
1  Waghäusel-Kirrlach  Baden-Württemberg  319 Stunden  152 % 
2  Passau-Fürstenzell  Bayern  318 Stunden  147 % 
3  Buchen, Odenwald  Baden-Württemberg  317 Stunden  152 % 

Besonders sonnenscheinarme Orte im Juni 2025** 

Platz  Station  Bundesland  Sonnenscheindauer  Anteil 
1  Dörpen  Niedersachsen  216 Stunden  118 % 
2  Groß Berßen  Niedersachsen  218 Stunden  119 % 
3  Friesoythe-Altenoythe  Niedersachsen  219 Stunden  113 % 

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt. 

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet. 

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990). 

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent). 

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-02 20:08:522025-07-05 20:32:54Deutschlandwetter im Juni 2025

Nach der großen Hitze folgen die Blitze

1. Juli 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der heutige Dienstag und der morgige Mittwoch werden bis jetzt die heißesten Tage dieses Sommers sein. Eine sehr heiße Luftmasse hat sich aus Südwesteuropa über Deutschland breit gemacht und heizt sich vor Ort weiter auf. Die gute Nachricht vorweg ist, dass es ab Donnerstag eine markante Abkühlung gibt. Der Nachteil ist jedoch, dass diese Abkühlung nicht ohne Folgen einhergeht. 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Dienstag den 01.07.2025 12 UTC 

Der heutige Dienstag beginnt verbreitet mit viel Sonnenschein und die Luft heizt sich auf Werte zwischen 30 und 38 Grad auf, mit den höheren Werten in der Westhälfte des Landes. Kühler ist es nur direkt am Wasser (Nord- und Ostsee). Die Luft ist zudem im Westen und Südwesten etwas feuchter, so dass vor allem dort eine starke bis extreme Wärmebelastung herrscht. Daher trinken Sie viel, vermeiden Sie wenn möglich die Hitze in den Nachmittags- und Abendstunden und halten Sie die Wohnungen kühl, in dem Sie erst nachts und in den Morgenstunden lüften, tagsüber Fenster und Rollläden schließen. Weitere Verhaltentipps finden Sie unter www.hitzewarnungen.de. 

Am Nachmittag bis in die späten Abendstunden gesellen sich vor allem in Baden-Württemberg, Mittelfranken, Schwaben und dem westlichen Oberbayern einzelne aber heftige Hitzegewitter. Sie sind von Platzregen, Hagelschlag und schweren Sturmböen begleitet. Seien Sie in den erwähnten Regionen besonders wachsam. Die Gewitter lösen sich erst im Laufe der Nacht zum Mittwoch auf und der Himmel zeigt sich dann überall vielfach klar oder gering bewölkt. Die Tiefstwerte liegen zwischen 13 und 18 Grad in der Osthälfte, sonst zwischen 15 und 22 Grad. Insbesondere in den Ballungsräumen im Westen wird es oftmals eine Tropennacht mit Temperaturen um 24 Grad geben. 


Wetter- und Temperaturkarte, Dienstag 01.07.2025 

Am Mittwoch erreicht die Hitze ihre maximale Ausprägung mit verbreitet Höchstwerten von 33 bis 40 Grad! Kühler ist es nur direkt an der Ostsee bei Seewind sowie im äußersten Nordwesten mit 22 bis maximal 26 Grad. Zudem greift eine Kaltfront auf Nordwestdeutschland über. Nach einem sonnigen Beginn quillt es im südlichen Bergland und zum Nachmittag entstehen dort vereinzelt Hitzegewitter. Aber ab dem Nachmittag und vor allem in den Abendstunden entwickeln sich auch vor allem von Nordrhein-Westfalen über Niedersachsen bis nach Mecklenburg zunächst einzelne unwetterartige Gewitter, die später zusammenwachsen können. Dabei sind heftiger Platzregen, Hagel und Orkanböen möglich, vor allem in den Abendstunden und in der ersten Nachthälfte zu Donnerstag. Im Laufe der Nacht weiten sich die Gewitter unter starker Abschwächung bis zur Mitte und in den Osten aus, im Nordwesten folgt noch schauerartiger Regen nach. Sonst bleibt es noch ruhig. Die Tiefstwerte liegen zwischen 12 und 16 Grad im Nordwesten, ansonsten zwischen 16 und 24 Grad. 

Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 02.07.2025 

Am Donnerstag ist es mit der Hitze in der Nordhälfte mit 20 bis maximal 28 Grad vorbei. Dabei zeigt sich der Himmel wechselnd bewölkt mit einigen Schauern. In der Südhälfte hält sich noch die heiße und vor allem die feuchte Luft mit Höchstwerten zwischen 30 und 34 Grad. Dabei entwickeln sich dort im Tagesverlauf einzelne heftige Gewitter. 

Am Wochenende zeigt sich das Wetter einigermaßen ruhig. Jedoch bleibt die Gewittergefahr im Süden erhöht. Am Sonntag sind auch im Rest des Landes dann Schauer und Gewitter möglich. An den Alpen kann es dann zu unwetterartigen Regenfällen kommen. Die Temperaturen liegen zwischen 24 und 32 Grad mit den Höchstwerten im Südwesten. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.07.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/07/Nach-der-grossen-Hitze-folgen-die-Blitze-1.jpg 889 1235 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-07-01 20:00:002025-07-05 20:08:24Nach der großen Hitze folgen die Blitze

Wie lange dauert die Hitzewelle an?

30. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vor allem im Südwesten und Süden herrschte bereits am vergangenen Wochenende bei hochsommerlichen Temperaturen bestes Badewetter. So kletterte das Quecksilber am gestrigen Sonntag bei viel Sonnenschein örtlich auf über 35 Grad. Spitzenreiter war Regensburg mit einem vorläufigen Höchstwert von 35,7 Grad. Im Norden des Landes lagen die Temperaturen dagegen häufig nur im sommerlichen Bereich. An den Küsten auch nachmittags sogar nur bei knapp über 20 Grad. Diese Zweiteilung bleibt uns auch heute noch erhalten.

Grund dafür ist die bei uns kaum wetterwirksame Kaltfront von Tief CORNELIUS, die vergangene Nacht die Nordosthälfte des Bundesgebietes überquerte. CORNELIUS befindet sich aktuell mit seinem Zentrum über dem Baltikum und verlagert sich bis zur Wochenmitte unter Abschwächung nach Nordwestrussland. Damit wird Platz für unser Hochsommerhoch BETTINA. Auf der Vorderseite von BETTINA wird vor allem zur Wochenmitte sehr heiße Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum herangeführt. 

Prognosekarte für Montag, den 30.06.2025 um 12 UTC. Das Hoch BETTINA befindet sich mit seinem Zentrum über Norddeutschland. 

In der hinter der Kaltfront eingeflossenen kühlen und trockenen Luftmasse konnte es sich im Norden vergangene Nacht ordentlich abkühlen. Somit lagen die Tiefsttemperaturen dort teils sogar bei unter 10 Grad. Gleichzeitig gab es im Südwesten stellenweise erneut eine Tropennacht. Heute und am Dienstag erwartet uns unter der Regie von Hoch BETTINA viel Sonnenschein und weiter steigende Temperaturen. Während heute am Oberrhein stellenweise bis zu 36 Grad erreicht werden, sind es am Dienstag in den Niederungen des Westens und Südwestens häufig schon 36 bis 38 Grad. Damit kommt es in diesen Regionen auch aufgrund der nur relativ geringen nächtlichen Abkühlung zu einer extremen Wärmebelastung.

Im südwestdeutschen Bergland entwickeln sich jeweils im Tagesverlauf einzelne kräftige Hitzegewitter. Am Dienstag sind vor allem vom Schwarzwald bis zu den Alpen örtlich unwetterartige Gewitter mit dabei. Lokal eng begrenzt kann es zu heftigen Starkregen und zu größeren Hagelansammlungen kommen! Die meisten Bewohner des Bundesgebietes werden davon aber nichts mitbekommen. Stattdessen geht bis zur Wochenmitte das große Schwitzen weiter.

Am Mittwoch breitet sich die Hitze nahezu auf das ganze Land aus. Dann sind verbreitet Höchstwerte zwischen 33 und 40 Grad möglich. Am heißesten wird es dabei voraussichtlich in einigen Flussniederungen im Südwesten und der Mitte Deutschlands. An einigen Wetterstationen können dann auch neue Allzeitrekorde aufgestellt werden. Der deutschlandweite Allzeitrekord vom 25 Juli 2019 mit 41,2 Grad wird aber voraussichtlich nicht erreicht!

Nichtsdestotrotz sorgt die Hitze für eine starke Belastung des Körpers. Gerade ältere und geschwächte Personen sollten somit um die Nachmittagszeit einen längeren Aufenthalt im Freien vermeiden und vor allem viel Flüssigkeit trinken! 

Temperaturvorhersage von Dienstag bis Donnerstag (1. bis 3. Juli 2025). Der Hitzehöhepunkt wird am Mittwoch erwartet. Dann sind verbreitet Höchsttemperaturen von über 35 Grad wahrscheinlich. Ab Donnerstag gehen die Temperaturen von Nordwesten her deutlich zurück. 

Wie lange dauert die Hitze an?

Bereits in der Nacht zum Donnerstag macht sich eine markante Kaltfront eines Tiefs bei Skandinavien bemerkbar. Vorderseitig der Kaltfront können sich dann im Nordwesten und am Donnerstag auch in der Südosthälfte Schauer und teils kräftige Gewitter mit Unwetterpotential entwickeln. Während es am Donnerstag südlich einer Linie vom Main bis zur Oder nochmals bei Höchstwerten von 30 bis 35 Grad zu einer starken Wärmebelastung kommt, ist am Freitag Durchatmen angesagt. Dann erreichen die Spitzenwerte lediglich noch am Oberrhein knapp 30 Grad. Ansonsten gibt es bei wieder freundlicheren Wetterbedingungen angenehme sommerliche Werte von 23 bis 29 Grad. Damit steht uns mit Ausnahme des Südwestens zwar nur eine kurze aber dafür eine sehr starke Hitzewelle bevor.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Wie-lange-dauert-die-Hitzewelle-an-1.png 911 1279 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-30 19:51:152025-07-05 19:59:19Wie lange dauert die Hitzewelle an?

Die berüchtigte „Mittagshitze“

29. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hitze ist derzeit eines der, wenn nicht sogar das bestimmende Thema beim Wetter in Deutschland. Heute und am morgigen Montag sind dabei vor allem die Süd- und Südwesthälfte betroffen mit Spitzenwerten von bis zu 35 Grad. Am Dienstag werden dann nahezu bundesweit über 30 Grad, am Mittwoch verbreitet sogar über 35 Grad erwartet. Örtlich muss mit bis zu 39 Grad gerechnet werden. 

Immer wieder hört und liest man bei dieser Thematik von der sogenannten „Mittagshitze“, die man auch zurecht meiden sollte, wenn es irgendwie geht. Mit Blick auf den Tagesgang der Temperatur stellt man allerdings fest, dass die größte Hitze, also die Höchsttemperatur in unseren Breiten im Sommer tatsächlich meist erst abends, etwa gegen 18 Uhr erreicht wird. Der Spitzenreiter am gestrigen Samstag in Sachen Temperatur, Mannheim, meldete seinen Höchstwert mit 33,1 Grad um 17:50 Uhr. Erst eine Stunde später, um 18:40 Uhr verzeichnete Waghäusel-Kirrlach seinen Spitzenwert von 32,8 Grad und in Rheinau-Memprechtshofen wurde das Ende des Temperaturanstiegs bei 32,0 Grad sogar erst um 19 Uhr erreicht. Aber ist Ihnen schon einmal der Begriff „Abendhitze“ über den Weg gelaufen? Wahrscheinlich eher nicht. „Mittagshitze“ ist dagegen ein gängiger Begriff. Was hat es damit denn nun auf sich? 

Gemessene Temperatur um 12 Uhr (links) und Höchsttemperatur (rechts) am Samstag, 28.Juni 2025. 

Veranschaulichen wir den Tagesgang der Temperatur anhand einer Badewanne: Bei geöffnetem Abfluss drehen wir den Wasserhahn nun ein kleines Stück auf. Die Folge: Das Wasser fließt direkt über den Abfluss wieder ab. An eine Füllung der Wanne ist bei diesem Rinnsal nicht zu denken. Das ist in etwa gleichzusetzen mit den ersten einfallenden Sonnenstrahlen am Morgen. Drehen wir den Hahn nun langsam weiter auf, stellen wir fest, dass das Wasser allmählich anfängt zu steigen (entspricht dem Vormittagsverlauf). Zur Mittagszeit ist der Hahn voll aufgedreht und das Wasser (respektive die Sonneneinstrahlung bzw. die Lufttemperatur) steigt stark an. 

Im Anschluss wird der Hahn nun langsam wieder zugedreht, es fließt aber zunächst immer noch mehr Wasser von oben nach, als unten abfließt – das Wasser (also die Lufttemperatur) steigt demnach immer noch, wenngleich nicht mehr so schnell (entspricht dem Nachmittagsverlauf). Erst im Laufe des Abends wird der Punkt erreicht, an dem das nicht mehr der Fall ist – der höchste Wasserstand bzw. die Höchsttemperatur ist erreicht. Es fließt nun wieder mehr Wasser ab als von oben nachkommt und der Wasserstand sinkt. Auf die Luft übertragen, reicht die Einstrahlung der immer tiefer stehenden Sonne nicht mehr aus, um es mit der Abkühlung der Luft aufnehmen zu können. 

Und wie ist das jetzt mit der Mittagshitze, wenn es doch abends noch heißer ist? Die betrachteten Temperaturwerte werden im Schatten gemessen. Dort ist es mittags also noch kühler als abends. Befindet man sich in der Sonne, sieht das Ganze anders aus. Zur Mittagszeit steht sie in unseren Breiten am steilsten am Himmel, wodurch ihre Einstrahlung am stärksten ist, was für den Körper unter Umständen durchaus gefährlich werden kann. Abends fällt die Sonnenstrahlung dagegen deutlich flacher ein und ist dadurch auch spürbar schwächer. 

Die Mittagshitze bezieht sich also auf den Aufenthalt in der prallen Sonne, die abendliche Höchsttemperatur auf die gemessenen Werte im Schatten. Beide schließen sich also nicht aus, ganz im Gegenteil. 

Dipl.-Meteorologe Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Die-beruechtigte-22Mittagshitze22-1.jpg 677 1286 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-29 19:44:422025-07-05 19:50:49Die berüchtigte „Mittagshitze“

Bevorstehende Hitzewelle

28. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Während für den Juni als erstem Sommermonat noch am Resümee gefeilt wird, was gar nicht so einfach sein dürfte, weil sein Ausklang den Start einer Hitzewelle markiert, steht der Juli schon jetzt kraftstrotzend in den Startlöchern. Das Hoch ANITA, aktuell noch das westliche oder nordwestliche Ende einer Hochdruckbrücke, die bis über die Azoren hinaus auf den zentralen Nordatlantik reicht, schaufelt schon jetzt heiße Luft zu uns. Schon in der kommenden Nacht schnürt sich ein eigenständiger Hochschwerpunkt ab, der zum Morgen etwa über dem Westausgang des Ärmelkanals zu finden sein wird. Im Weiteren wandert dieser Schwerpunkt nach Ost-Nordosten. Etwa am Montagmittag hat er die Oder und die westliche Ostsee erreicht. Mit anderen Worten: Wir liegen dann auf seiner Rückseite und heiße Luft kann umso besser zu uns einfließen. 

Meteogramm der Station Frankfurt Flughafen 

Der Blick auf das Meteogramm der Station Frankfurt Flughafen in Abbildung eins zeigt dies eindrücklich. Im oberen Teil erkennt man die Temperaturkurve (rot) und die Taupunktkurve (Maß für die Feuchte, bräunlich). Von Samstag (Höchsttemperatur 32,5°C) auf Sonntag (Höchsttemperatur 33,1°C) macht die Temperatur noch keine großen Sprünge. Aber dann geht es deutlicher nach oben; 35°C sollen es am Montag und 37,5°C respektive 37,7°C am Dienstag und Mittwoch werden (Daten aus dem DWD-Modell MOSMIX). Die entsprechenden Zahlen findet man als Maximaltemperaturen auch in Abbildung eins, wobei pro Tag immer zwei Temperaturen angegeben sind. Es handelt sich dabei um die Maxima von 06 bis 18 UTC (08 bis 20 MESZ) bzw. 18 bis 06 UTC (20 bis 08 MESZ). 

Das gleiche Schema mit den zwei Temperaturen pro Tag finden wir bei den Minimaltemperaturen. Während es in der Nacht zum Montag zumindest nochmal knapp unter 20°C abkühlt, liegen die Minima in den Nächten zu Dienstag und zu Mittwoch bei 21,1°C bzw. 21,2°C. Mithin stehen dem Frankfurter Flughafen Tropennächte ins Haus, zumindest wenn das Modell Recht behält. 

Dass die Advektion der heißen Luftmasse ein wesentlicher Faktor für die bevorstehende Hitzewelle ist, wurde ja schon angesprochen. Ein weiterer ist die fast ungehinderte Einstrahlung. Dazu kann man sich den unteren Teil der Abbildung eins anschauen. Die gelben Balken geben die Sonnenscheindauer in Minuten pro voller Stunde an. Und sie erreichen am Montag und Dienstag fast ganztägig das stündlich maximal Mögliche. Letztendlich heißt das an beiden Tagen über 15 Stunden Sonnenschein. Dazu passen die Angaben zu den Wolken, die man an bzw. in den kleinen Kreisen ablesen kann. Die obere Kreisreihe gibt die Gesamtbewölkung an, die sich aus der hohen, mittelhohen und tiefen Bewölkung ergibt (den darunter liegenden drei Reihen von Kreisen). Die leeren Kreise bei den tiefen und mittelhohen Wolken weisen auf deren Ausbleiben hin. Allenfalls ein paar hohe Wolkenfelder lässt das Modell durchziehen. 

Über 35°C und pralle Sonne – das schreit nach Sonnenschutz und ruft die empfohlenen Hitze-Verhaltensweisen in Erinnerung: viel trinken, Anstrengung vermeiden und kühle Plätze aufsuchen. 

Temperaturentwicklung bis Mittwoch, 02.07.2025 

Bleibt die Frage, ob der Frankfurter Flughafen repräsentativ ist für das gesamte Land? In gewisser Weise, beispielsweise bezüglich des Temperaturtrends, gilt das tatsächlich. Mit anderen Worten: Die Temperatur steigt überall bis zur Wochenmitte an, und der Mittwoch dürfte deutschlandweit der heißeste Tag werden (vgl. Abbildung zwei). Allerdings zeigt sich der Montag in der Nordosthälfte mit Höchstwerten um 30°C noch vergleichsweise handzahm, während die Südwesthälfte schon recht verbreitet 33 bis 35°C aufzuweisen hat. In den Folgetagen greift die Hitze dann weit nach Norden und Nordosten aus, in Hamburg und Bremen soll die 35°C-Marke fallen oder zumindest angekratzt werden, das ist schon eine Hausnummer. 

Sonnenscheindauer bis Dienstag, 01.07.2025

Dabei scheint im Norden die Sonne verbreitet sogar länger als in Frankfurt, was nicht verwundert, weil die astronomisch mögliche Sonnenscheindauer im Sommer im Norden höher ist als im Süden. Es weist allerdings darauf hin, dass auch dort kaum eine Wolke den Himmel trübt, was für weite Teile des Landes gilt, womit der Frankfurter Flughafen auch diesbezüglich wieder in gewisser Weise repräsentativ ist. 

Diplom-Meteorologe Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Bevorstehende-Hitzewelle-1.png 658 1211 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-28 19:36:582025-07-05 19:43:55Bevorstehende Hitzewelle

Bunt, vielfältig und heiß: Sommerwetter beim CSD in München und Leipzig

27. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der Christopher Street Tag (kurz: CSD) – benannt nach der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Manhattan – erinnert an die sogenannten Stonewall-Aufstände im Juni 1969. Damals widersetzten sich queere Menschen in der Bar „Stonewall Inn“ einer Polizeirazzia und leiteten damit eine neue Phase im Kampf um Gleichberechtigung ein. Aus diesem Protest entwickelte sich eine weltweite Bewegung. Seit den 1970er-Jahren wird auch in Deutschland jährlich zum CSD aufgerufen – zunächst mit kleinen Demonstrationen. Heute sind daraus große, farbenfrohe Paraden geworden, die sowohl politische als auch kulturelle Impulse setzen.

Wettervorhersage für den CSD in München am Samstag, den 28. Juni 2025. (Quelle: DWD) 

Am morgigen Samstag bietet das Wetter beste Voraussetzungen für bunte Feiern, bringt aber auch Herausforderungen mit sich:

In München erwartet die Besucherinnen und Besucher ein durchgehend sonniger Tag – Regen ist nicht in Sicht. Die Höchsttemperaturen steigen auf bis zu 30 °C, dazu ist mit einer sehr hohen UV-Strahlung zu rechnen.

Auch in Leipzig bleibt es trocken und heiß: Die Höchstwerte erreichen am Nachmittag rund 31 °C, bei geringer Bewölkung und intensiver Sonneneinstrahlung. Entsprechend ist auch hier mit einer hohen Wärmebelastung zu rechnen. 

Gerade bei Großveranstaltungen unter freiem Himmel ist es wichtig, auf die eigene Gesundheit zu achten. Damit alle sicher und gut durch den Tag kommen, sollten folgende Hinweise beachtet werden:

• Viel trinken: Wasser und ungesüßte Getränke sind ideal. Mindestens 1,5 bis 2 Liter, bei körperlicher Aktivität gerne mehr.

• Alkohol vermeiden: Alkohol entzieht dem Körper zusätzlich Flüssigkeit und kann Kreislaufprobleme verstärken.

• Sonnenschutz verwenden: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor regelmäßig auftragen – auch im Schatten.

• Leichte Kleidung tragen: Am besten helle, luftige Kleidung wählen, die die Haut bedeckt.

• Kopfbedeckung nicht vergessen: Sonnenhut oder Kappe schützen den Kopf vor Überhitzung.

• Regelmäßige Pausen einlegen: Möglichst im Schatten oder an kühlen Orten – besonders zwischen 11 und 16 Uhr.

• Warnzeichen ernst nehmen: Schwindel, Kopfschmerzen oder Übelkeit können Anzeichen für Sonnenstich oder Hitzschlag sein. In solchen Fällen sofort kühlen und ggf. medizinische Hilfe rufen.
 

Wettervorhersage für den CSD in Leipzig am Samstag, den 28. Juni 2025. (Quelle: DWD) 

Der CSD steht seit über fünf Jahrzehnten für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Solidarität. Mit unserer Wettervorhersage für den CSD möchten wir ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen. Denn Vielfalt wird bei uns im Deutschen Wetterdienst großgeschrieben: unabhängig von Geschlecht, geschlechtlicher Identität, ethnischer und sozialer Herkunft, Nationalität, Religion oder Weltanschauung, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Alter sowie sexueller Orientierung – bei uns sollen sich alle willkommen und wertgeschätzt fühlen. Das CSD-Wetter ist eine Idee aus unserem queeren Netzwerk bunt@dwd. 

Das Wetter spielt am morgigen Samstag in jedem Fall mit, auch wenn die Hitze nicht unterschätzt werden sollte. Also, München und Leipzig, genießt diesen Tag in vollen Zügen – laut, bunt, stolz und sicher! 

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Bunt-vielfaeltig-und-heiss-Sommerwetter-beim-CSD-in-Muenchen-und-Leipzig-1.jpg 1500 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-27 19:30:222025-07-05 19:36:19Bunt, vielfältig und heiß: Sommerwetter beim CSD in München und Leipzig
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