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Neues satellitengebundenes Blitzmesssystem hilfreich für Wetterwarnungen?

28. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die konvektive Saison mit Gewittern jeglicher Intensität hat bereits begonnen. Vom vergangenen Sonntag bis Dienstag gab es die ersten, teils intensiven Gewitter in diesem Frühling. Die meisten Gewitter treten in Deutschland zwischen Mai und August auf. Eines können wir Vorhersagemeteorologen des Deutschen Wetterdienstes kaum erwarten: die Nutzung der Satellitenbilder und der Blitzdaten der neuen Satellitengeneration Meteosat Third Generation (MTG). Voraussichtlich wird diese Satellitengeneration unsere Gewittervorhersagen und -warnungen in Zukunft verändern. 

Mammatuswolken und Blitz an einer Superzelle bei Sanderson/Texas, USA im Mai 2023. Quelle: Felix Dietzsch  

MTG ist ein geostationäres Satellitensystem, das – an einem festen Punkt über dem Äquator positioniert – aus 36.000 km Höhe über der Erde Europa, Afrika und deren angrenzende Regionen kontinuierlich im Blick behält. Zwar sind die Produkte des MTG noch nicht operationell im Einsatz, stehen aber für die Evaluierung bei den Wetterdiensten zur Verfügung.
Auf die neuen Satellitenprodukte wurde Mitte Februar in einem Tagesthema unseres Kollegen Christian Herold genauer eingegangen. Mit diesen Bildern ist unter anderem das Verfolgen von Gewittern nahezu in Echtzeit und mit deutlich höherer Genauigkeit möglich. Im heutigen Tagesthema soll aber ein Blick auf das neue Blitzmesssystem geworfen werden.
Mit dem Lightning Imager an Bord von MTG werden seit vergangenem Jahr über Europa und Afrika bis nach Südamerika und in den Nahen Osten Blitzdaten gesammelt. Dies geschieht über vier hochfrequente und sehr empfindliche Kameras. Diese detektieren Blitze als optische Lichtimpulse. Im Grunde „sieht“ der Lightning Imager von oben, dass eine Wolke hell wird und flackert. So können Anzahl, aber auch räumliche und zeitliche Ausdehnung sowie die Intensität der Blitze gemessen werden. Eine solche Art der Detektion ist bereits seit Jahren unter anderem über Nord-, Mittel- und Südamerika und den angrenzenden Ozeanen im Einsatz. Nun gibt es solch ein System auf für diese Seite der Erdkugel.
 

In Europa waren bisher nur bodengebundene Messsysteme im Einsatz. Über zahlreiche Antennen, die in bestimmten Abständen über Europa verteilt stehen, können die elektromagnetischen Impulse der Blitze registriert und über die Laufzeitunterschiede deren Position auf wenige 100 Meter Genauigkeit bestimmt werden. Die gefährlichen Boden-Wolken-Blitze als auch die Blitze innerhalb und zwischen den Wolken können so gut erfasst werden. Nur wenige Blitze werden verpasst. Der satellitengebundene Lightning Imager erfasst ebenfalls alle Blitzarten. Zudem kann die Blitzaktivität von Gewittern nun aber auch über Ozeanen als auch über weite Strecken über Land kontinuierlich überwacht werden, während die Detektion über bodengebundene Messsysteme von der Dichte und Verteilung der Sensoren abhängig ist. Mit dem Lightning Imager kann es allerdings auch passieren, dass Blitze verpasst werden, da die Blitzmessung von einem Satelliten aus von der optischen Dicke der Wolken abhängig ist. Sind Gewitterwolken zu mächtig, kann der Lightning Imager unter Umständen Blitze übersehen. Des Weiteren ist die Detektion der Blitze der Parallaxe unterworfen. Gemeint ist, dass der Lightning Imager an Bord des fest über dem Äquator stehenden Satelliten in höheren Breiten – also unter anderem in Mittel- und Nordeuropa – schräg auf die Erde schaut, wodurch die Position der Blitze dort ungenauer wird. Die Kombination von bodengebundenen und satellitengestützten Blitzmesssystemen ermöglicht eine höhere Effizienz und ist von großem Nutzen. 

Gewitterkomplex im Mai 2023, aufgenommen in Roy/New Mexico, USA. Quelle: Felix Dietzsch 

Wie kann dieses Blitzmesssystem unsere Vorhersagen und Warnungen unterstützen oder verbessern?

Der Umstand, dass nun auch von einem Satelliten aus Blitze erfasst werden, erlaubt uns Vorhersagemeteorologen Gewitter noch umfassender zu erkennen. Zudem ergeben erste Studien folgende Erkenntnisse:
 

In einem sich intensivierenden Gewitter treten in Aufwindregionen sehr viele und insbesondere kurze Blitze auf. Der Lightning Imager kann nicht nur die Anzahl, sondern auch die räumliche Ausdehnung (lange/kurze Blitze) messen. Darüber hinaus kann eine ringförmige Ansammlung von Blitzen um den Aufwindkern in der Nähe von sogenannten „overshooting tops“ (also ein Durchbruch des Aufwinds durch die Tropopause) ein Zeichen für einen extrem starken Aufwind mit einem hohen Potential für großen Hagel und heftigen Starkregen sein. Auch wurde herausgefunden, dass bei in sich zusammenfallenden Gewittern die Blitzlänge zunimmt. Ob uns diese Erkenntnis bei der Erstellung von Warnungen helfen kann, wird die Evaluierung zeigen. 

Forschung wird ebenso hinsichtlich sogenannter „lightning jumps“ (engl. für „Blitzsprünge“) betrieben. Diese beschreiben eine rasche Zunahme der Blitzintensität bzw. der Anzahl an Blitzen und tragen zur Bewertung der Schwere eines Gewitters bei. Solche Blitzsprünge kommen nämlich häufig in schweren Gewittern vor und werden vor allem kurz vor dem Auftreten von (großem) Hagel beobachtet. Unsere Hoffnung ist, dass solche lightning jumps mit dem satellitengebundenen Messsystem noch zuverlässiger detektiert werden können. 

Forschende fanden heraus, dass sich Aufwinde in Gewittern verstärken und auch im Umfang wachsen, kurz bevor die Anzahl an Hagelkörnern innerhalb des Aufwinds sowie die Blitzanzahl zunehmen. Außerdem können in schweren Gewittern mit hohem Schadenspotential häufig mehrere Blitzsprünge beobachtet werden. Also auch die Anzahl an Blitzsprüngen kann einen Hinweis auf die Schwere eines Gewitters geben.
 

Bis es zur operationellen Anwendung der neuen Blitzdaten des Lightning Imagers auf MTG kommt, werden noch einige Monate vergehen. Mit der pre-operationellen Nutzung können wir die neuen Daten aber schon auf Herz und Nieren prüfen. 

Diplom-Meteorologin Julia Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Neues-satellitengebundenes-Blitzmesssystem-hilfreich-fuer-Wetterwarnungen-teil-1-1-1.jpg 1280 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-28 10:39:382025-04-03 10:55:40Neues satellitengebundenes Blitzmesssystem hilfreich für Wetterwarnungen?

Phantastische Atmosphärenmuster und wo sie zu finden sind

27. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer seinen Blick am Abend des vergangenen Montags (24. März 2025) gen Himmel richtete, konnte ein ziemlich ungewöhnliches Phänomen beobachten. Dort war in großer Höhe eine weiß-bläulich leuchtende Spirale zu erkennen. Nun stellt sich natürlich sofort die Frage, wie diese Spirale wohl dort hingekommen sein mag.

Nein, Aliens sind nicht die richtige Antwort. Im Gegenteil, die Antwort lässt sich sogar relativ einfach finden: Verantwortlich ist der Start einer Falcon 9-Rakete der US-Raumfahrtfirma »SpaceX«. Bei dem, was man beobachten konnte, handelte es sich um Rückstände von Raketentreibstoff. Dieser tritt oftmals aus, wenn sich einzelne Stufen der Rakete voneinander trennen. Aber bei weitem nicht immer sind dann diese Rückstände in Form spezieller Muster zu erkennen. Damit man diese beobachten kann, müssen mehrere Bedingungen zusammentreffen.

Damit die Muster überhaupt sichtbar werden, muss der abgelassene Treibstoff gefrieren. Bei diesem handelt es sich um eine spezielle Art von Kerosin, der erst bei bestimmten Temperaturen gefrieren kann. Das wiederum setzt voraus, dass die Atmosphäre an dieser Stelle kalt genug ist, damit der Treibstoff überhaupt gefriert. Im aktuellen Fall wurde die entsprechende Raketenstufe in einer Höhe von etwa 80 km abgetrennt. Dort befindet sich der obere Rand der Mesosphäre mit dem Temperaturminimum bezüglich der vertikalen Ausdehnung der Atmosphäre. Die Temperaturen liegen hier im Durchschnitt bei etwa -90°C, sind allerdings stark jahreszeitenabhängig.

Eine weitere Bedingung für die Sichtbarkeit solcher Erscheinungen ist der entsprechend günstige Sonnenstand. Die gefrorenen Kristalle müssen noch von Sonnenlicht beschienen werden, damit sie überhaupt sichtbar werden. Gleichzeitig muss es am Boden bereits dunkel genug sein, damit die vom Restsonnenlicht beschienenen Kristalle sichtbar sind. Daraus ergibt sich ein begrenztes Zeitfenster in den späteren Abend- bzw. frühen Morgenstunden – je nach Jahreszeit und damit verbundenem Sonnenstand.

Doch warum trat diese Leuchterscheinung in Spiralform auf? Die Erklärung hierfür ist, dass das Raketenteil nach dem Lastabwurf und dem damit verbundenen Impuls um eine seiner Achsen rotierte und der Treibstoff damit kreisförmig verteilt wurde. Und zu guter Letzt noch die Frage, warum diese Spirale bläulich leuchtete. Die Antwort hierfür ist in den Gesetzmäßigkeiten der Lichtstreuung zu finden. Die gefrorenen Partikel sind klein genug im Verhältnis zur Wellenlänge des einfallenden Sonnenlichtes. Dadurch wird der blaue Lichtanteil stärker gestreut als der rote (was auch der Grund ist, warum der Himmel tagsüber blau ist), sodass für unser Auge die entstandene Spirale blau leuchtet. 

Abbildung 1: Die Leuchtspirale, aufgenommen am Abend des Montag, 24. März 2025 in Schleswig-Holstein. Quelle: Jens Schaal, mit freundlicher Genehmigung. 

M.Sc. (Meteorologe) Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Phantastische-Atmosphaerenmuster-und-wo-sie-zu-finden-sind-teil-1.jpg 574 790 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-27 14:54:462025-03-28 15:01:56Phantastische Atmosphärenmuster und wo sie zu finden sind

Das Wetter zur partiellen Sonnenfinsternis

26. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bei einer partiellen Sonnenfinsternis wird nur ein Teil der Sonne vom Mond verdeckt. Sie entsteht, wenn sich der Mond zwischen Erde und Sonne schiebt, die Sonne aber nur teilweise verdeckt. Dabei wirft der Mond einen Schatten auf die Erde, der jedoch aus zwei Teilen besteht: dem Kernschatten und dem Halbschatten. Von einer partiellen Sonnenfinsternis spricht man, wenn sich ein Beobachter auf der Erde im Halbschatten befindet, sodass die Sonne nicht vollständig, sondern nur teilweise verdeckt wird. Dies geschieht nur bei Neumond, wenn sich der Mond in einer bestimmten Position zwischen Erde und Sonne auf seiner Umlaufbahn befindet. Während im Kernschatten eine totale Sonnenfinsternis sichtbar wäre, erleben die Menschen im Halbschatten nur eine partielle Verdunkelung der Sonne. Je nachdem, wo man sich auf der Erde befindet, kann die Verdeckung der Sonne unterschiedlich stark ausfallen. Sie kann entweder als eigenständiges Phänomen auftreten oder als Randbereich einer totalen Sonnenfinsternis. 

Uhrzeit der größten Verfinsterung und Bedeckungsgrad der Sonne. 

Sonnenfinsternisse beeinflussen auch unser Wetter. So kann die Temperatur während einer totalen Sonnenfinsternis um bis zu 10 Grad sinken. Der Temperaturrückgang wird am Samstag aber kaum spürbar sein, da die Bedeckung der Sonne nur von etwa 10 % im Südosten Deutschlands bis 22 % im Nordwesten reicht.

Die Sonnenfinsternis sollte nur mit geeignetem Augenschutz wie einer speziellen Sonnenfinsternisbrille beobachtet werden. Andernfalls besteht die Gefahr von Augenschäden. Normale Sonnenbrillen, geschwärzte Gläser etc. sind nicht geeignet. Wer keine geeignete Brille hat, kann die nächste Sternwarte aufsuchen und die Sonnenfinsternis mit professionellen Instrumenten beobachten. Denn am Samstag ist auch der Tag der Astronomie, an dem viele Sternwarten ihre Pforten für die Sonnenfinsternis öffnen.

Leider dürfte das Wetter in vielen Teilen Deutschlands nicht mitspielen, denn eine Kaltfront bringt dichte Wolken. Besonders schlecht sieht es am Alpenrand aus. Dort sorgt eine Nordstaulage für anhaltenden Regen. Aber auch im Süden und in der Mitte bleiben die Wolken meist dicht. Am besten sind die Chancen aus heutiger Sicht im äußersten Norden, in der nördlichen Mitte und teilweise auch im Nordwesten. Dort können größere Auflockerungen die Sonne zum Vorschein bringen. 

 

ICON-6 Bedeckungsgrad für Samstag, 29.03.2025 um 12 Uhr 

Dipl. Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Das-Wetter-zur-partiellen-Sonnenfinsternis-teil-1-.jpg 1204 2048 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-26 14:46:062025-03-28 14:53:53Das Wetter zur partiellen Sonnenfinsternis

Rekordverdächtiger US-Tornado-Outbreak vom 14. bis 16.03.2025

25. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Im Thema des Tages vom 15.03.2025 stellte unser Kollege Thore Hansen bereits die mitunter extremen Wetterverhältnisse vor, die zu dieser Zeit in weiten Teilen der USA herrschten. Von großflächigen Sandstürmen mit Orkanböen über schwere Gewitter mit zahlreichen Tornados und Großhagel bis hin zu extremen Schneefällen war alles geboten, was die Wetterküche so auf den Tisch zaubern konnte. Im Folgenden wollen wir uns konkret mit dem vor allem im Mittleren Westen und Südosten der USA aufgetretenen Tornado-Outbreak (deutsch: Tornadoausbruch) beschäftigen. Dieser war schon für sich genommen mehr als bemerkenswert – selbst für die „Tornadohochburg“ USA. Es war der zweitgrößte Ausbruch im März seit Aufzeichnungsbeginn. 

Beim Storm Prediction Center eingegangene Tornado- (rot), Böen- (blau) und Hagelmeldungen (grün) zwischen dem 14. und 17.03.2025, jeweils 12 UTC. (Quelle: NOAA, SPC) 

Wie obige Abbildung zeigt, gingen beim Storm Prediction Center (SPC) des US-Wetterdienstes zahlreiche Tornadomeldungen aus der Bevölkerung ein (rot). Dazu gab es eine Vielzahl an Meldungen zu Sturm- und Orkanböen (blau) sowie Hagel (grün). Insgesamt registrierte das SPC also 172 Tornadobeobachtungen, wobei die tatsächliche Anzahl durch Mehrfachsichtungen ein- und desselben Tornados ein gutes Stück niedriger liegt. 

Tatsächlich geht man derzeit von mindestens 112 Tornados aus, von denen der größte Teil am 14. und 15.03. auftrat. Etwas mehr als die Hälfte davon (67) wurde dabei aufgrund der aufgetretenen Schäden den beiden „schwächsten“ Kategorien EF0 und EF1 zugeordnet (entspricht Windgeschwindigkeiten bis 177 km/h). Dazu gab es 31 EF2- (178-217 km/h), 11 EF3- (218-266 km/h) und sogar 3 EF4-Tornados (267-322 km/h). Mehr zur EF- und weiteren Intensitätsskalen finden Sie im Thema des Tages vom 11.04.2024. 

Zum Vergleich: Im Klimamittel (1999-2023) kommt es in den USA im März zu insgesamt 95 Tornados! Dieser Wert wurde nun also innerhalb von nur zwei Tagen erreicht bzw. übertroffen. Das gilt auch für den ein oder anderen Bundesstaat. In Arkansas beispielsweise liegt das Märzmittel bei 4 Tornados. Nun gab es rund 15 Tornados innerhalb von 24 Stunden. In Deutschland sind im Mittel übrigens 50 Tornados zu erwarten – im ganzen Jahr wohlgemerkt. 

Mittlere Anzahl an Tornados im März pro Bundesstaat von 1999 bis 2023. (Quelle: NOAA, SPC)  

Der stärkste Tornado dieses Ausbruchs trat mit einer geschätzten Windgeschwindigkeit von bis zu 310 km/h (Rotationsgeschwindigkeit wohlgemerkt) im Nordosten von Arkansas in der Nacht vom 14. auf den 15.03. auf. Er existierte 23 Minuten, legte eine Distanz von rund 23 km zurück und wuchs bis zu einem Durchmesser von etwa 1,6 km an. Seine höchste Windgeschwindigkeit erreichte der Tornado, als er durch den kleinen Ort Diaz fegte und dort für katastrophale Schäden sorgte. Trotz seiner enormen Wucht gab es wie durch ein Wunder außer den massiven materiellen Schäden nur zwei Verletzte. 

Insgesamt forderte der Ausbruch leider mindestens 43 Tote und deutlich mehr Verletzte. Hoffen wir, dass künftige Tornadoausbrüche möglichst ohne Todesopfer einhergehen. Denn dass es weitere Outbreaks geben wird, ist sicher. 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Rekordverdaechtiger-US-Tornado-Outbreak-vom-14.-bis-16.03.2025-teil-1.jpg 817 1164 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-25 14:32:202025-03-28 14:43:51Rekordverdächtiger US-Tornado-Outbreak vom 14. bis 16.03.2025

Erste Frühlingsgewitter samt lokalem Starkregen

24. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das vergangene vorletzte Märzwochenende war meteorologisch betrachtet deutlich ereignisreicher als die Woche zuvor, die vor allem durch das beständige Hochdruckgebiet „Konstantina“ geprägt war. Verantwortlich dafür war vor allem das Tiefdruckgebiet „Volker“, das sich vom Ostatlantik her auf den Weg nach Mitteleuropa gemacht hat und nun am heutigen Montagmorgen mit seinem Kern über Ostpolen lag. Auf der Vorderseite des Tiefs wurde sehr milde Mittelmeerluft herangeführt, sodass es am Freitag bei in weiten Landesteilen strahlendem Sonnenschein für Höchstwerte über 20 Grad gereicht hat. Spitzenreiter war Rheinstetten (Baden-Württemberg) mit frühlingshaft warmen 24,0 Grad. 

Höchstwerte in Deutschland von Freitag, den 21.03.2025 bis Sonntag, den 23.03.2025 (Quelle: DWD) 

Auch am Samstag und Sonntag war es noch sehr mild, wenngleich die Höchsttemperaturen nicht mehr an das Niveau vom Freitag heranreichten. Dies lag vor allem an der zunehmenden Bewölkung als auch daran, dass der Wind im Norden und Osten des Landes aus östlichen Richtungen wehte. Dieser war besonders am Samstag recht ruppig unterwegs und nordöstlich einer Linie Münsterland-Westerzgebirge reichte es verbreitet bis ins Flachland für steife Böen zwischen 50 und 60 km/h (Bft 7). 

Maximale Windböen in km/h am Samstag, den 22.03.2025 (Quelle.DWD) 

An den Küsten sowie auf den Bergen und vereinzelt auch im Binnenland traten stürmische Böen und Sturmböen zwischen 65 und 80 km/h (Bft 8-9) auf. In den Alpen gab es Föhn. 

Ein besonderes Augenmerk gilt nun noch dem Niederschlag. Besonders in der Südwesthälfte gab es am Samstag, aber insbesondere ab der Nacht zum Sonntag und am Sonntag selbst, schauerartige Regenfälle sowie einzelne Gewitter. Örtlich trat auch Starkregen auf. Von Samstagfrüh bis Sonntagfrüh fielen im Westen 3 bis 10, lokal um 15 l/m². Am Sonntag gab es dann vorrangig in einem Streifen vom Sauerland über Teile der Mitte bis in die Donauregion sowie vom Ammergebirge bis ins Chiemgau gebietsweise 5 bis 15, lokal auch über 20 l/m². Punktuell wurden mittels Radarauswertungen auch noch höhere Mengen von etwa 40 l/m² gemessen. Die höchste gemessene Niederschlagsmenge gab es in Sassendorf, Bad Beusingsen (NRW) mit 25,8 l/m² zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen. 

Aus Radardaten abgeleitete 24-stündige Niederschlagsmenge zwischen Samstagmorgen und Sonntagmorgen (linkes Bild) und zwischen Sonntagmorgen und Montagmorgen (rechtes Bild) (Quelle: DWD) 

Diese kräftigen Niederschläge traten teilweise in Verbindung mit Gewittern auf. Dabei handelte es sich um sogenannte Einzelzellen. Sie sind die kleinsten konvektiven Systeme mit einer relativ kurzen Lebensdauer von 30 bis 60 Minuten und entstehen häufig an Sommertagen durch bodennahe Aufheizung als sogenannte Wärmegewitter. Dabei muss die Auslösetemperatur erreicht werden, damit ein Luftpaket ungehindert aufsteigen kann und es somit zur Quellwolken- bzw. Gewitterbildung kommt. Die Auslösetemperatur ist die Temperatur, die man in Bodennähe benötigt, damit ein Luftteilchen aufgrund seiner geringeren Dichte, verglichen mit der Umgebungsluft, aufsteigen kann. Die vertikale Scherung des Horizontalwindes, die die Richtungsänderung und die Geschwindigkeitsänderung des Windes in unterschiedlichen Höhen beschreibt, ist bei Einzelzellen gering. Zuerst entsteht bei der Zellneubildung ein einzelner Aufwindbereich (der Updraft), in dem bodennahe feuchtwarme Luftmassen aufsteigen. Die Gewitterwolke durchläuft in ihrem Lebenszyklus dabei drei Entwicklungsstadien. Das erste Entwicklungsstadium wird „Cumulusstadium“ genannt. Hier bildet sich ein Cumulus Congestus (eine Wolkenart), in dem es zu starken Aufwinden kommt, was dazu führt, dass feuchtwarme Luftmassen in höhere Luftschichten gelangen. Danach folgt das „Reifestadium“, in dem sich starke Abwinde (der Downdraft), hervorgerufen durch ausfallenden und verdunstenden Niederschlag, entwickeln. Durch das rasche Herabfallen von kälterer Luft aus größeren Höhen, kommt es im Bereich des Downdrafts am Boden zu einem symmetrischen horizontalen Auseinanderströmen und kräftige Böen sind die Folge. Im letzten Stadium, dem „Dissipationsstadium“, stirbt die Gewitterwolke quasi ab. Anfangs ist die Niederschlagsintensität der Zelle zwar am stärksten, aber durch fehlende Windscherung dreht der Downdraft dem Updraft quasi „den Hahn zu“. Damit wird der Nachschub an feuchter und warmer Luft abgeschnitten und die Zelle stirbt. Einzelzellen bringen kurzzeitigen Starkregen und bei stärkeren Entwicklungen auch stürmische Böen oder kleinkörnigen Hagel hervor.

Auch heute und morgen treten vorrangig in der Südwesthälfte noch einzelne Schauer und Gewitter mit punktuellem Starkregen auf.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Erste-Fruehlingsgewitter-samt-lokalem-Starkregen-teil-1-.jpg 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-24 14:23:462025-03-28 14:31:39Erste Frühlingsgewitter samt lokalem Starkregen

Der Welttag der Meteorologie 2025

23. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wurde heute vor 75 Jahren am 23.03.1950 gegründet. Diese Konvention ging als Nachfolgeorganisation der zwischen 1873 und 1879 ins Leben gerufenen Internationalen Meteorologischen Organisation (IMO) in Kraft. Die Organisation hat ihren Sitz in Genf in der Schweiz und zählt mittlerweile mehr als 190 Staaten. Ziel ist es, eine friedliche Zusammenarbeit der nationalen Wetterdienste zu ermöglichen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) vertritt die Bundesrepublik Deutschland seit 1954. 

Jedes Jahr steht der Tag der Meteorologie unter einem bestimmten Thema, welches für die aktuellen Herausforderungen im Bereich Wetter und Klima sowie den verwandten geophysikalischen Wissenschaften von großer Bedeutung ist. Dieses Jahr ist das Motto: „Closing the early warning gap together„. Dabei geht es darum, in Zusammenarbeit mit den einzelnen nationalen Wetterdiensten und wissenschaftlichen Institutionen die Frühwarnlücke zu schließen, um Wetterwarnungen für jeden weltweit zur Verfügung zu stellen! 

 

Diese Grafik zeigt das Logo des diesjährigen Welttags der Meteorologie. (Quelle: WMO) 

Gerade in Verbindung mit dem weiter voranschreitenden Klimawandel erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für extreme Wetterbedingungen. Ein Beispiel dafür sind sich rapide intensivierende tropische Wirbelstürme, heftige Regenfälle mit großräumigen Überschwemmungen, Sturmfluten, aber auch ausgeprägte Dürreperioden mit Wald- und Buschbränden. Von diesen Extremereignissen sind vor allem auch dicht besiedelte Regionen in Entwicklungsländern betroffen, die häufig keinen oder nur begrenzten Zugang zu modernen Frühwarnsystemen haben. Diese retten aber im Extremfall nicht nur Menschenleben, sondern verringern in einer globalisierten Welt auch wirtschaftliche Risiken bei uns. 

Dazu wurde die Initiative „Early Warnings for All“ im Jahre 2022 ins Leben gerufen. Seitdem wurden bereits große Fortschritte erzielt. So konnten durch die Ausdehnung effektiver Frühwarnsysteme die Zahl der Todesopfer und die wirtschaftlichen Schäden bei Extremwetterereignissen deutlich reduziert werden. Während im Jahr 2015 lediglich 52 Länder Zugang zu umfangreichen Frühwarnsystemen hatten, waren es im Jahr 2024 bereits 108. Doch diese Zahl zeigt auch, dass noch längst nicht alle dabei eingebunden sind. Gerade bei kleineren Inselstaaten mit schwacher Ökonomie bestehen noch deutliche Lücken. Diese haben eine hohe Relevanz, denn sie sind nämlich recht häufig von extremen Wetterbedingungen wie beispielsweise im Zuge von kräftigen tropischen Wirbelstürmen betroffen. 

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, ist entschlossen, diese noch bestehenden Lücken zu schließen und dafür zu sorgen, dass Frühwarnsysteme innerhalb der nächsten Jahre alle Menschen auf der Erde schützen. Die Initiative „Frühwarnungen für alle“ steht in vollem Einklang mit der globalen Agenda 2030 und unterstützt wichtige Bestimmungen des Sendai-Rahmens für die Verringerung des Katastrophenrisikos, des Pariser Abkommens zum Klimawandel und der Ziele für nachhaltige Entwicklung. 

Zur Erreichung des angestrebten Ziels ist neben dem Zusammenschluss der nationalen Wetterdienste und wissenschaftlichen Institutionen auch die Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor von großer Bedeutung. Dabei können durch intensiven Wissenstransfer und den Austausch von Technologien Innovationen gefördert und Prozesse beschleunigt werden. Dies ist gerade in einer Zeit, in der staatlich finanzierte wissenschaftliche Institutionen teils aufgelöst und Experten entlassen werden von herausragender Bedeutung, um die angestrebten Ziele weiterzuverfolgen! 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Der-Welttag-der-Meteorologie-2025-.jpg 600 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-23 14:03:222025-03-28 14:23:01Der Welttag der Meteorologie 2025

Übergang zu wechselhaftem Frühlingswetter

22. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Frühlingshoch „Konstantina“ hat seine Wetterwirksamkeit in Deutschland endgültig verloren und liegt inzwischen mit dem Schwerpunkt über dem Schwarzen Meer. Hoch „Liora“ über Westrussland sorgt jedoch noch dafür, dass es Tief „Volker“ über Westfrankreich (international Martinho) noch schwerfällt, auf Deutschland überzugreifen. Zwischen dem Hoch östlich und dem Tief westlich von uns hat sich eine südliche Strömung etabliert, in der sehr milde und zunehmend feuchte Luft zu uns gelangt. Saharastaub wurde zudem miteingezogen und sorgt dafür, dass der Himmel milchig erscheint. 

 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck vom Samstag den 22.03.2025. Quelle: DWD 

Am heutigen Samstag ist das Wetter zweigeteilt: Norddeutschland profitiert noch vom Hoch „Liora“. Dabei scheint zunächst die Sonne und erst am Abend erreichen von Süden her dichtere Wolkenfelder, die aber kaum Regen bringen. Der Wind weht allerdings mäßig bis frisch, in Böen stark bis stürmisch aus östlichen Richtungen. Dies könnte ein Problem werden, wenn der Wind den Staub von den vertrockneten Ackerfeldern aufwirbelt. 

In der Mitte und im Süden zeigt sich der Himmel hingegen wolkig bis stark bewölkt, örtlich fällt daraus etwas Regen. Am Nachmittag und Abend sind im Südwesten einzelne Schauer und Gewitter möglich. In Bayern setzt sich zum Nachmittag hin wieder stärker die Sonne durch. An den Alpen herrscht zudem Südföhn. 

Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 21 Grad, lediglich im äußersten Norden ist es mit 8 bis 13 Grad deutlich kühler. Das liegt daran, dass der Wind von der noch kalten Ostsee herkommt. 


Wetter und Temperatur für Samstag 22.03.2025. Quelle: DWD 

In der Nacht zum Sonntag erweitert Tief „Volker“ seinen Einflussbereich auf fast das gesamte Land, auch wenn der Kern noch über Westfrankreich bleibt. Der Himmel zeigt sich oft stark bewölkt, vor allem in der Westhälfte fällt gebietsweise Regen, ansonsten bleibt es überwiegend trocken. Die Tiefstwerte liegen zwischen 9 und 2 Grad. Die Frostgefahr ist also sehr gering. Der Ostwind ist im Norden noch kräftig unterwegs, ansonsten flaut der Wind weiter ab. 

Am Sonntag zeigt sich der Himmel vielerorts wolkig bis stark bewölkt, und vor allem im Westen und in der Mitte des Landes treten einzelne Schauer auf. Im Südosten entwickeln sich nachmittags sogar einzelne Gewitter. Sonst bleibt es meist trocken. Durch mehr Bewölkung steigen die Temperaturen auf Werte zwischen 11 und maximal 17 Grad an. Der Wind weht im Norden aus östlichen Richtungen und ist im äußersten Norden noch spürbar, im Süden weht er schwach bis mäßig aus westlichen Richtungen. 

Wetter und Temperatur für Sonntag 23.03.2025. Quelle: DWD 

Auch die neue Woche beginnt leicht wechselhaft, dabei regnet es am Montag in der Südhälfte zeit- und gebietsweise sowie schauerartig verstärkt, während es in der Nordhälfte überwiegend trocken bleibt. Am Dienstag dreht sich dieses Spiel dann um. Die Sonne zeigt sich nur gelegentlich am Himmel und die Maxima bewegen sich zwischen 10 und 17 Grad. 

Die Trockenheit in weiten Teilen des Nordens, wo es gebietsweise seit Wochen nicht geregnet hat, wird in den kommenden Tagen also nur bedingt gelindert. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Uebergang-zu-wechselhaftem-Fruehlingswetter-teil-1-1-1.png 912 1283 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-22 13:35:372025-03-28 14:01:39Übergang zu wechselhaftem Frühlingswetter

Hält die Niederschlagsarmut an?

21. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Oberflächlich trockene Äcker, die Pegelstände der Flüsse zwischen dem mittleren Wasserstand und dem mittleren Niedrigwasserstand und seit Tagen, gebietsweise auch seit Wochen, kein nennenswerter Niederschlag: So präsentiert sich der bisherige Frühling im Lande. Schuld an der Niederschlagsarmut waren oft hochdruckgeprägte Wetterlagen. Noch stellt sich das Ganze nicht als größeres Problem dar, denn die Verdunstungsraten sind noch nicht hoch und die Bodenfeuchte ist lediglich in den obersten Schichten reduziert (www.dwd.de/bodenfeuchteviewer). 

Die seit Jahresbeginn gefallenen Gesamtniederschlagsmengen sind in nachfolgendem Bild dargestellt. 

Aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsmenge seit Jahresbeginn in l/m². Quelle: DWD 

Es ist offensichtlich, dass es im Nordosten wesentlich trockener war als im Südwesten. Dies ist zunächst nicht ungewöhnlich, da klimatologisch bedingt im Osten eher trockene kontinentale Luftmassen wetterwirksam waren. Beispielsweise fielen auf Hiddensee (Mecklenburg-Vorpommern) und Fehmarn (Schleswig-Holstein) dieses Jahr bisher lediglich 46 bzw. 48 l/m². Auffällig und ungewöhnlich ist jedoch, dass selbst im Alpenraum teilweise nur um oder unter 100 l/m² seit Jahresbeginn gefallen sind. Fehlende Nordstaulagen oder Vb-Lagen sind dafür eine plausible Erklärung. Besonders deutlich wird dieser fehlende Niederschlag in der folgenden Abbildung, die die aus Radardaten abgeleitete Gesamtniederschlagssumme in Relation zur durchschnittlichen Niederschlagssumme bis zum heutigen Tag stellt. 

Aus Radardaten abgeleitete Gesamtniederschlagssumme in Relation zur durchschnittlichen Niederschlagssumme seit Jahresbeginn bis zum heutigen Tag in %. Quelle: DWD 

Neben dem Alpenrand stechen allgemein die Bergländer sowie weite Teile des Nordens und Nordostens hervor. Am Oberrhein, nordwestlich von Stuttgart, in Oberschwaben und im Rhein-Main-Gebiet war es dahingegen teilweise deutlich zu nass. Besonders viel Niederschlag fiel mit 427 l/m² in Baiersbronn-Ruhestein im Schwarzwald (Baden-Württemberg). Das ist für diesen Ort allerdings nichts Ungewöhnliches. Im vieljährigen Mittel fallen dort in den ersten drei Monaten eines Jahres etwa 500 l/m². 

Betrachtet man den bisherigen März, dann fällt einem sofort auf, dass es in Teilen Norddeutschlands bisher keinen oder nur sehr wenig Niederschlag gegeben hat. 

Aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsmenge im bisherigen März in l/m². Quelle: DWD 

Auch der Februar war dort bereits sehr trocken (nähere Informationen unter: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20250227_pm_februar_news.html?nn=16210). 

In den kommenden Tagen stellt sich die Wetterlage um und der Tiefdruckeinfluss nimmt von Südwesten und Westen her sukzessive zu. Dabei kommt es allerdings nur lokal zu Regenfällen. 

Akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/m² bis Mitte der kommenden Woche auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle. Quelle: DWD 

Bis Mitte der nächsten Woche werden im seit Wochen so trockenen Norden und Osten keine größeren Regenmengen erwartet. Im Westen und Süden sollen immerhin 10 bis 20, lokal um 30 l/m² fallen, wobei sich in Hinblick auf die Niederschlagsschwerpunkte in den Modellen noch größere Unterschiede ergeben. 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Haelt-die-Niederschlagsarmut-an-teil-1.png 1311 1294 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-21 12:50:322025-03-22 13:01:09Hält die Niederschlagsarmut an?

Frühlingshaftes Hochdruckwetter, aber…

20. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Noch bestimmt Hoch „Konstantina“ das Wetter in Deutschland. Sein Schwerpunkt liegt aber mittlerweile schon östlich von uns. Von Westen drängeln sich Tiefdruckgebiete, die vorerst keine Chance haben, sich gegen das Hoch durchzusetzen. Was bestenfalls kommt, sind einige Wolkenfelder, die im Moment keinen Regen bringen. Mit einer südlichen Strömung gelangt jedoch sehr milde Luft nach Deutschland, so dass die Frostgefahr in den Nächten weiter abnimmt und die Tage frühlingshaft warm werden. 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck vom Donnerstag den 20.03.2025. Quelle: DWD 

So lassen sich der heutige Donnerstag und der Freitag mit einem wolkenlosen oder leicht bewölkten Himmel zusammenfassen. Dabei werden Höchstwerte zwischen 15 und 20 Grad am Donnerstag und sogar zwischen 17 und 23 Grad am Freitag erreicht. Daher wird der Freitag der wärmste Tag der Woche sein. Lediglich an den Küsten bleibt es mit 10 bis 14 Grad kühler. In der Nacht zum Freitag tritt vor allem in der Osthälfte noch leichter Frost auf. In der Nacht zum Samstag ist die Frostgefahr aufgrund zunehmender Bewölkung noch geringer. Durchweg frostfrei bleibt es in der Westhälfte und mit bis zu 10 Grad in der Nacht auch mild. Der Wind spielt zunächst kaum eine Rolle, nimmt aber am Freitag etwas zu und weht mäßig, im Westen auch frisch aus südöstlichen Richtungen. 

Wetter und Temperatur für Donnerstag 20.03.2025 (links) und für Freitag 21.03.2025 (rechts). Quelle: DWD  

Nun wie geht es weiter, bleibt es auch so über das gesamte Wochenende? Leider nicht, denn genau ab Samstag stellt sich die Wetterlage um. Ein Tiefdruckgebiet schafft dann, sich gegen das Hoch durchzusetzen. Nur der Nordosten kann noch vom Hoch profitieren. Ansonsten wird die Luft immer feuchter und von Westen erreichen immer mehr dichtere Wolkenfelder das Land, die etwas Regen bringen können. Im Südwesten können sich am Samstagnachmittag und am Abend vereinzelte Gewitter entwickeln. Am Sonntag gibt es allgemein mehr Bewölkung und vor allem in der Mitte und im Süden fällt gebietsweise schauerartiger Regen. Die Temperaturen gehen mit 14 bis 19 Grad etwas zurück. Im äußersten Norden ist es mit 9 bis 12 Grad noch etwas kühler. Das liegt noch am kalten Wasser der Ostsee und am auflandigen Wind. Vor allem am Samstag weht ein mäßiger, im Norden starker, in Böen stürmischer Wind aus östlichen Richtungen. Zudem herrscht an den Alpen Südföhn. 

Wer kann, nutzt also diese schönen Tage, denn auch in der nächsten Woche wird das Wetter nicht das Beste sein, und die Temperaturen werden kühler sein als bisher. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/03/Fruehlingshaftes-Hochdruckwetter-aber…-teil-1.png 910 1283 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-03-20 12:42:042025-03-22 12:49:54Frühlingshaftes Hochdruckwetter, aber…

Wenn die Müdigkeit im Frühjahr zuschlägt

19. März 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nach den kalten und grauen Wintertagen zeigt sich der Frühling derzeit von seiner besten Seite. Bei nahezu wolkenlosem Himmel scheint vielerorts die bereits kräftige Märzsonne. Das geht auch an der Natur nicht spurlos vorbei. Diese erwacht aus ihrem Winterschlaf und läuft gerade zu Hochleistungen auf. Viele Frühlingsblumen schmücken die Wiesen mit ihren bunten Blüten und man spürt das Wiedererwachen. Bis Ende April kehren dann Abermillionen Zugvögel zurück in unsere Breiten, die balzenden Herren der Schöpfung stimmen ein herrliches Konzert im heimischen Garten oder im öffentlichen Park an und die Winterschläfer „kriechen ebenfalls aus ihren Federn“. Vielleicht nicht alle: Der Siebenschläfer kann da nur müde lächeln und dreht sich bis Mai, teilweise sogar bis in den Juni lieber noch einmal in seiner Erdhöhle um.

Auswahl verschiedener Nutzerbilder aus der DWD-WarnWetter-App. Blüten von oben links nach unten rechts: Mirabelle in Hamburg-Nord, Kornelkirsche in Groß Twülpstedt, Küchenschelle in Lenningen, Krokus in Husum, Mandel in Neustadt an der Weinstraße, Sal-Weide in Carmzow-Wallmow. 

Auch wenn sich im Frühling unser Allgemeinbefinden und Gemütszustand mit jedem weiteren wärmenden Sonnenstrahl bessert, so spüren viele Menschen statt eines nachhaltigen Energieschubs eher die große Frühjahrsmüdigkeit. Dann würde man sich lieber wieder zurück auf die Couch kuscheln, ist etwas wetterfühliger als sonst oder leidet unter Stimmungsschwankungen. Tagsüber macht sich dann eine intensive Schläfrigkeit breit, in den Nächten treten Schlafstörungen auf. Weiterhin sorgen Kopfschmerzen, Gereiztheit, Konzentrationsschwächen oder sogar Kreislaufprobleme für Unmut.

Die Frühjahrsmüdigkeit ist recht weit verbreitet. Häufig trifft es besonders Wetterfühlige, Ältere oder Menschen mit einem niedrigeren Blutdruck. Auch Frauen spüren das Phänomen gewöhnlich häufiger als Männer. Es gibt jedoch nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen dazu, weshalb die genauen Ursachen noch nicht hinreichend bekannt sind. Dennoch gibt es Faktoren, die für die Müdigkeit verantwortlich sein können.

Was verursacht die Frühjahrsmüdigkeit?

Es handelt sich bei der Frühjahrsmüdigkeit nicht um eine Krankheit, sondern vielmehr um eine durch Jahreszeiten- bzw. Klimawechsel hervorgerufene Erscheinung. Evolutionsbedingt läuft unser Körper im Winter auf Sparmodus, aufgrund der kürzeren Tage schlafen viele im Durchschnitt etwas länger und unser Hormonhaushalt stellt sich quasi auf „Winterschlaf“ ein. Im Frühjahr steht die Sonne bereits etwas höher am Himmel und kann die Erde tagsüber nach einer frostigen Nacht schon kräftig erwärmen. In der Folge schwankt die Temperatur im Tagesverlauf stärker. Das wirkt sich direkt auf unsere Blutgefäße aus, die sich bei Kälte zusammenziehen, um wenig Wärme zu verlieren. Bei steigenden Temperaturen weiten sie sich hingegen und der Blutdruck fällt etwas ab, was zu Müdigkeit oder Kreislaufproblemen führen kann. Zudem stellt auch unser Hormonhaushalt auf „Aufwachen“ um. Aufgrund der zunehmenden Lichtintensität und der längeren Tage wird das stimmungsaufhellende „Glückshormon“ Serotonin verstärkt ausgeschüttet, gleichzeitig wird die Produktion des „Schlafhormons“ Melatonin gehemmt. Unser Hormonhaushalt gerät also kurzzeitig durcheinander, was ebenfalls ermüdend auf den Organismus wirken kann.

Die Temperatur hat derzeit einen großen Tagesgang von 20 bis 25°C. Nachts herrscht noch leichter Frost, tagsüber kann die kräftige Märzsonne die Erde stark erwärmen. Links: Tiefstwerte der vergangenen Nacht zum Mittwoch. Rechts: Vorhersage der Höchstwerte für den heutigen Mittwoch, den 19. März 2025. 

Was kann man dagegen tun?

Wenngleich die genauen Ursachen noch nicht vollständig bekannt sind, so kann man doch die Symptome der Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen. Dabei ist es jedoch keine gute Idee, sich der Müdigkeit hinzugeben und einen Mittagsschlaf zu machen. Dann wird wieder vermehrt Melatonin gebildet und Serotonin verbracht. Dies möchte man jedoch vermeiden. Stattdessen kurbeln Bewegung an der frischen Luft und Sport den Kreislauf an. Das Tageslicht spielt dabei eine wichtige Rolle, denn es fungiert als eine Art „biologischer Wecker“. Wem das nicht reicht, der bringt das eigene Blut zusätzlich mit Wechselduschen oder einem Saunabesuch ins Wallen. Außerdem raten Experten auf ausreichende Flüssigkeitsaufnahme und frische, nährstoffreiche Kost mit viel Obst, Gemüse, Getreideprodukten sowie Hülsenfrüchten zu achten.

Dass die atmosphärische Umwelt die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen in vielerlei Hinsicht beeinflusst, ist allgemein bekannt. Das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes stellt dementsprechend ein vielfältiges Spektrum an Produkten und Leistungen zur Verfügung, wobei dabei der Vorsorge-Gedanke im Vordergrund steht. Weitere Informationen finden Sie im Anhang unter „Produkte des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes“.
 

 

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.03.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

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