• Login
  • Registrieren
Windinfo.eu
  • NEWS
  • CHAT
  • WINDWARNER
  • WETTER
    • Regenradar
    • Isobarenkarte Europa
    • Föhndiagramme
    • Wassertemperatur in Europa
    • Wettervorhersage Videos
    • Langzeitprognose
    • Windskala – Windrechner
  • WEBCAMS + SPOTS
    • Webcam Finder
      • Webcam Ostsee
      • Webcam Nordsee
      • Webcam Alpsee
      • Webcam Altmühlsee
      • Webcam Ammersee
      • Webcam Bodensee
      • Webcam Bostalsee
      • Webcam Brombachsee
      • Webcam Brückelsee
      • Webcam Chiemsee
      • Webcam Edersee
      • Webcam Eibsee
      • Webcam Epplesee
      • Webcam Forggensee
      • Webcam Förmitztalsperre
      • Webcam am Kochelsee
      • Mandichosee – Lechstaustufe
      • Webcam Norderney
      • Webcam Rügen
      • Webcam Simssee
      • Webcam Staffelsee
      • Webcam Starnberger See
      • Webcam Tegernsee
      • Webcam Walchensee
      • Webcam Wörthsee
    • Webcam Finder
      • Webcam Achensee
      • Webcam Attersee
      • Webcam Mattsee
      • Webcam Mondsee
      • Webcam Millstättersee
      • Webcam Neusiedlersee
      • Webcam Ossiachersee
      • Webcam Traunsee
      • Webcam Wolfgangsee
      • Webcam Zell am See
      • Webcam Genfer See
      • Webcam Luganersee
      • Webcam Silsersee
      • Webcam Silvaplaner See
      • Webcam Urnersee
      • Webcam Zürichsee
      • Webcam Comersee
      • Webcam Gardasee
      • Webcam Kalterer See
      • Webcam Lago Maggiore
      • Webcam Lago di Santa Croce
      • Webcam Reschensee
      • Webcam Sardinien
      • Webcam Trieste
      • Webcam Vieste – Gargano
  • ACTIVITY
  • GROUPS
    • MEMBERS
  • Menü Menü

Der Himmel ist bunt – Der Regenbogen

27. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Regenbögen gehören zu den schönsten und buntesten Naturphänomenen, die der Himmel zu bieten hat. Wahrscheinlich jeder kennt den farbenfroh leuchtenden Lichtbogen, der sich scheinbar über den gesamten Horizont spannt. Doch wie genau entsteht ein Regenbogen, welche physikalischen Grundlagen liegen ihm zugrunde? 

Ein Regenbogen entsteht durch die Wechselwirkung von Sonnenlicht mit Wassertropfen in der Atmosphäre. Damit ein Regenbogen sichtbar wird, müssen drei Bedingungen erfüllt sein: Es muss regnen, gleichzeitig muss die Sonne scheinen, und der Beobachter muss mit dem Rücken zur Sonne stehen. 

Das Sonnenlicht besteht aus elektromagnetischen Wellen unterschiedlicher Wellenlänge. Da normalerweise die unterschiedlichen Wellenlängen alle gleichzeitig aufeinandertreffen erscheint das Sonnenlicht für uns weiß. Trifft dieses Licht auf einen Regentropfen, so wird es gebrochen, also in seiner Richtung verändert, und gleichzeitig in seine spektralen Farben zerlegt. Dieser Prozess beginnt beim Eintritt des Lichts in den Tropfen: Die Lichtstrahlen werden an der Tropfenoberfläche gebrochen, im Inneren reflektiert und beim Austritt erneut gebrochen. Durch diese zweifache Brechung und einmalige Reflexion wird das Licht in verschiedene Farben aufgefächert und zurück in Richtung des Beobachters geworfen. Der Regenbogen erscheint als Bogen mit einem Winkel von etwa 42 Grad (für rotes Licht) relativ zur Richtung der einfallenden Sonnenstrahlen. Diese Konstanz wird durch die Geometrie der Lichtstreuung im Tropfen bestimmt und ist dabei unabhängig vom Standpunkt des Beobachters. 

Links: Weg und Farbzerlegung eines Sonnenstrahls in einem idealisierten Regentropfen durch zweifache Brechung am Tropfenrand und Reflexion im inneren des Tropfens. Rechts: Foto eines Regenbogens aufgenommen in Steinheid/Thüringen 

Trotzdem kann die Form des Regenbogens vom vertikalen Standort des Beobachters variieren. Befindet sich der Beobachter in einer höheren Position – beispielsweise auf einem Hügel oder in einem Flugzeug – kann der Regenbogen als vollständiger Kreis erscheinen. In normalen Bedingungen, bei denen der Horizont die untere Hälfte des Regenbogens verdeckt, sieht der Beobachter nur einen Halbkreis oder Bogen. Zudem ändert sich die Größe des Regenbogens in Abhängigkeit zum Sonnenstand. Bei niedrigem Sonnenstand steht der Regenbogen hoch am Himmel und erscheint groß, weil der gegenüberliegende Winkel von einem tief stehenden Sonnenpunkt ausgeht. Bei hohem Sonnenstand, also im Sommer zur Mittags- oder Nachmittagszeit, ist der Regenbogen eher flacher und näher am Horizont, da der zugehörige geometrische Winkel unter den Horizont fällt. 

Ein typischer Regenbogen zeigt die Farben in folgender Reihenfolge (von außen nach innen): Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo und Violett – also das Spektrum sichtbaren Lichts. Diese Reihenfolge ergibt sich aus der wellenlängenabhängigen Brechung: Kurzwelliges Licht (z.B. Blau und Violett) wird stärker gebrochen als langwelliges (z.B. Rot). Dadurch erscheinen die verschiedenen Farben in unterschiedlichen Winkeln zur einfallenden Sonnenstrahlung. Für den Hauptregenbogen liegt der Winkel des rückgestreuten roten Lichts wie schon erwähnt bei etwa 42 Grad zur ursprünglichen Sonnenrichtung. 

Die Intensität und Schärfe der Farben in einem Regenbogen hängen stark von der Größe der Regentropfen ab. Große Tropfen (etwa mit einem Durchmesser von 1–2 mm) erzeugen kräftigere, klar abgegrenzte Farben, da sie das Licht kohärenter brechen und reflektieren. Kleine Tröpfchen hingegen (unter 0,5 mm) lassen die Farben ineinander verlaufen, wodurch der Regenbogen eher milchig oder unscharf erscheint. In sehr feinem Sprühregen oder Nebel kann es sogar sein, dass kaum noch Farben sichtbar sind – ein Effekt, der beim sogenannten Nebelbogen besonders deutlich wird. 

Links: Abhängigkeit des Farbspektrums von der Tröpfchengröße nach Pertner Rechts: Foto eines Nebelbogens an der Wetterstation Rheinstetten 

Manchmal lässt sich außerhalb des Hauptregenbogens ein zweiter, schwächerer Bogen erkennen – der sogenannte sekundäre Regenbogen oder Nebenregenbogen. Dieser entsteht durch zwei statt einer inneren Reflexion im Regentropfen. Dabei kehrt sich die Farbreihenfolge um: Beim nebenregenbogen liegt Rot innen und Violett außen. Der Nebenregenbogen ist zudem breiter und deutlich lichtschwächer, da durch die zusätzliche Reflexion mehr Licht im Tropfen verloren geht. Zwischen primären und sekundären Regenbögen liegt der sogenannte „Alexandersche Dunkelstreifen“, benannt nach Alexander von Aphrodisias, der diese Erscheinung bereits im 2. Jahrhundert beschrieb. Dieser Bereich erscheint dunkler, da dort weniger Licht aus den Regentropfen reflektiert wird. Theoretisch gibt es auch noch Regenbögen, bei denen das Licht im Wassertropfen dreimal reflektiert wird. In der Natur wurde das aber bisher nicht beobachtet, da die Lichtintensität zu gering ist. 

 

Links: Schema Lichtbrechung und Reflexion Nebenregenbogen und Hauptregenbogen. Rechts: Foto doppelter Regenbogen/Fichtelberg 

Ein eher selten beobachtbares Phänomen ist der Mondregenbogen oder seleneische Regenbogen. Dabei handelt es sich um einen Regenbogen, der durch das Licht des Mondes statt der Sonne erzeugt wird. Da das Licht des Mondes wesentlich schwächer ist als Sonnenlicht, erscheint ein Mondregenbogen meist weißlich oder nur schwach farbig – die Lichtintensität reicht oft nicht aus, um das volle Farbspektrum für das menschliche Auge sichtbar zu machen. Mondregenbögen treten nur bei Vollmond (oder fast Vollmond) auf und erfordern eine ähnliche Geometrie wie Sonnenregenbögen: Regen auf der gegenüberliegenden Seite und einen klaren Himmel in Richtung des Mondes. 

Ein weiteres Phänomen ist der Interferenzbogen oder auch „Supernumerary Bows“ genannt. Bei der Brechung des Lichts im Tropfen werden die Strahlen nicht nur in ihre Spektralfarben zerlegt, es finden zudem auch Phasenverschiebungen von Lichtstrahlen gleicher Wellenlänge statt. Bei der Überlagerung der Lichtwellen entstehen Interferenzeffekte. Sie erscheinen als feine, zusätzliche Farbbänder innerhalb des Hauptregenbogens, meist in Rosa- und Türkistönen. Die Entstehung von Interferenzbögen ist dabei auch von der Tröpfchengröße abhängig. Zum einen dürfen die Regentropfen nicht zu groß sein, zum anderen auch nicht zu klein. Am idealsten sind Tropfendurchmesser von 0,4 bis 0,6 mm. 

 

Links: Schema der Brechung und Überlagerung von Lichtwellen in einem idealisierten Tropfen. Rechts: Interferenzbild eines Regenbogens aufgenommen am 18.05.2025 Ernstthal am Rennsteig  

Noch seltener als den Interferenzbogen sieht man den Zwillingsregenbogen. Beim Zwillingsregenbogen gibt es zwei Hauptregenbögen, die fast parallel nebeneinander erscheinen bei gleicher Farbreihenfolge. Es handelt sich also nicht um einen Nebenbogen mit einer Umkehr der Farbfolge. Ursache ist eine Mischung unterschiedlich großer Regentropfen entlang der Sichtlinie. Das tritt beispielsweise auf, wenn zwei unterschiedlich intensive Regenschauer aufeinander treffen. Lichtstrahlen aus großen und kleinen Tropfen werden leicht unterschiedlich abgelenkt (der exakte Winkel ist abhängig von der Tropfengröße), was zur Aufspaltung des Hauptbogens in zwei scheinbar parallele Bögen führen kann. 

Wer sich jetzt nach all dem Gerede noch auf die Suche nach dem Schatz am Ende des Regenbogens machen möchte, dem sei nochmal der erste Abschnitt des Artikels ins Gedächtnis gerufen. Der Regenbogen ist unabhängig vom Standpunkt des Beobachters und bewegt sich daher mit dem Beobachter mit. Das Ende des Regenbogens kann also nie erreicht werden. Aber manchmal ist ein Spaziergang im Freien mit Blick auf eine bunt leuchtende „Einhornrutsche“ ja vielleicht selbst schon Gold wert. 

M.Sc. Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Der-Himmel-ist-bunt-–-Der-Regenbogen-teil-1-.png 627 1836 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-27 18:01:262025-05-29 18:11:01Der Himmel ist bunt – Der Regenbogen

Früher Monsun in Indien

26. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der indische Monsun ist der größte der Welt und wird daher oftmals einfach Monsun genannt. Den Monsun gibt es aber auch über anderen Erdteilen. Zum Beispiel von Japan bis nach Südchina, den sogenannten Ostasiatischen Monsun, dieser wurde 2021 in einem Thema des Tages behandelt (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2021/4/20.html). Der Begriff Monsun bezeichnet anders als häufig angenommen nicht teils heftige Niederschläge, sondern ein jahreszeitliches Windsystem. Der Monsun wirkt dabei als Ausgleichsmechanismus auf unterschiedliche Temperaturen zwischen verschiedenen Breiten. Ein wichtiger Treiber ist dabei der wandernde Zenitstand der Sonne im Laufe des Jahres. Dort, wo die Sonne im Zenit steht, wird die Oberfläche am stärksten erwärmt. Landmassen erwärmen sich dabei aufgrund ihrer geringeren Wärmekapazität schneller als Ozeane. Im Bereich der stärksten Erwärmung entstehen Hitzetiefs, diese reichen als mehr oder weniger gut ausgeprägte Rinne einmal um den Globus. Diese Tiefdruckrinne wird innertropische Konvergenz (ITCZ) genannt. Die ITCZ verläuft im Nordsommer nördlicher als im Südsommer (Abbildung 1). Die ITCZ liegt nicht schnurgerade an einem Breitengrad entlang, sondern mäandriert mehr oder weniger durch die angesprochene unterschiedliche Erwärmung von Wasser- und Landmassen. Durch die Landmassen über Asien wird sie im Sommer relativ weit nach Norden gelenkt. Der räumliche Unterschied zwischen Sommer- und Winter-ITZC ist dort besonders groß. 

Abbildung 1: Lage der innertropischen Konvergenzzone im Juli (rot) und Januar (blau) 

Zu den Teilen des Monsuns, die eine besonders große Distanz zwischen Winter- und Sommerposition haben, gehört der indische Monsun. Den Indischen Subkontinent im Südosten erreicht der Monsun im Mittel Ende Mai, bis er dann zur indisch-pakistanischen Grenze im Nordwesten vorankommt, ist für gewöhnlich Anfang Juli. Dieses Jahr kam der Monsun und damit der Wetterwechsel von Trockenheit sowie großer Hitze hin zu schwülheißem Wetter mit teils großen Regenmengen im Süden Indiens früher an als üblich. Rund zwei bis drei Wochen früher als im Mittel begann die Regenzeit im Süden Indiens (Abbildung 2). 

Abbildung 2: Vorankommen des Monsuns im langjährigen Mittel (rot) und 2025 (blau) 

Vorlaufend zur feuchten Luft finden die Temperaturen über dem Nordwesten Indiens und Pakistans gerade ihr Jahresmaximum. Die Höchstwerte erreichen dort in tiefen Lagen über 45 Grad und die Tiefsttemperaturen liegen zum Teil bei über 30 Grad. In den vergangenen Tagen wurden dort neue Mairekorde bezüglich der Höchst- und Tiefstwerte aufgestellt. In der Mitte und im Süden Indiens sind die Temperaturen zwar „gemäßigter“, dafür ist die Luftfeuchtigkeit enorm. Die Taupunkte liegen dort zwischen 22 und 28 Grad. Zum Vergleich: In Deutschland werden Taupunkte um 20 Grad im Sommer selten und meist nur für wenige Stunden erreicht.
Besonders an der Westküste Indiens kommt es seit einigen Tagen zu kräftigen Regenfällen. Regional fallen dort um 100 Liter pro Quadratmeter (l/m²) in 24 Stunden vom Himmel. Diese Mengen entsprächen nach den Kriterien des Deutschen Wetterdienstes extremem Unwetter, der höchsten Warnkategorie. Zugegeben der Vergleich hinkt, sind doch die Schwellenwerte in Deutschland auf ein gemäßigtes Klima ausgelegt und nicht auf tropisches wie in Indien. Dies kann man auch gut anhand der Karte des indischen Wetterdienstes für die 24-stündigen Niederschlagsmengen erkennen. 60 l/m² sind dort noch „moderate rain“ und 100 l/m² entsprechen „heavy rain“, darüber befinden sich aber noch zwei weitere Niederschlagskategorien mit höheren Schwellwerten (Abbildung 3). 

Abbildung 3: 24-stündige Niederschlagsmessungen vom 23.05.2025 08:30 Indian Standard Time (IST) bis 24.05.2025 08:30 IST 

Das frühe nördliche Vorankommen spricht zwar dafür, dass auch der Norden Indiens früher als üblich vom Monsun erfasst wird, eine zwingende Folge ist das aber nicht. Die nördliche Ausdehnung des Monsuns könnte auch eine „Pause“ über den mittleren Landesteilen Indiens einlegen. Zumindest im Hinblick auf schadensträchtige Regenmengen steht der Monsun in den kommenden Wochen in der Vorhersage- und Beratungszentrale (VBZ) des Deutschen Wetterdienstes als ein kleiner Teilaspekt der Aufgaben unter Beobachtung. Siehe dazu das Thema des Tages vom 14.05.2025 (https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2025/5/14.html) unter dem Absatz „Warnproduktion“, das die verschiedenen Dienste und ihre Aufgaben in der VBZ beleuchtet.
 

M.Sc. (Meteorologe) Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Frueher-Monsun-in-Indien-teil-1-.png 625 1253 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-26 17:53:462025-05-29 18:00:55Früher Monsun in Indien

Vater(Männer)tag in Regenjacke?

25. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Es wird vielleicht den einen oder anderen überraschen, aber der Vatertag oder in manchen Regionen auch liebevoll „Männertag“ genannt ist streng genommen gar kein Feiertag. Trotzdem haben die meisten frei. Warum? Weil er jedes Jahr genau auf Christi Himmelfahrt fällt, und das ist ein gesetzlicher Feiertag. Und so nutzen viele Männer – und übrigens auch immer mehr Frauen – diesen Tag, um mit Freunden oder der Familie durch Wälder und Wiesen zu ziehen. Mit dabei: der Klassiker unter den Outdoor-Gefährten – der Bollerwagen. Beladen mit Snacks, Getränken und guter Laune geht es auf kleine oder große Tour. Dabei ist vor allem eines wichtig – trockenes Wetter. Doch das könnte dieses Jahr schwierig werden.

Nicht nur die vergangenen Wochen, sondern sogar Monate waren viel zu trocken. Es könnte deutschlandweit der trockenste Frühling seit Aufzeichnung werden. Doch in der kommenden Woche wird es nasser. Es stellt sich eine „typische Westlage“ ein, die aber angesichts der Witterung der letzten Wochen schon eher ungewöhnlich wirkt. Dabei gelangt mit westlicher Strömung mäßig warme Meeresluft nach Deutschland. Immer mal wieder zieht dann auch ein Tief über die Nordsee, wodurch der Druckgradient verstärkt wird und wir vorübergehend auffrischende Winde zu erwarten haben. Auch die Ausläufer der Tiefs werden wir zu spüren bekommen. Zwischen den Fronten sorgen Kurzwellentröge in der Höhe für vorübergehende Labilisierung der Luftmasse. Dadurch entstehen Schauer und auch einzelne Gewitter.

In der Nacht zum Donnerstag liegt ein Tiefdruckgebiet über der Ostsee. Hierdurch wird es vor allem im Nordosten windig, an der Küste auch nochmal stürmisch. Die Kaltfront des Tiefs erstreckt sich zu Beginn der Nacht einmal quer über Deutschland und soll bis zum Ende der Nacht zu den Alpen hin abziehen. Rückseitig der Kaltfront kommt es südlich der Donau bis zum Vormittag hinein zu Schauern.
 

 

Vorhersage des Bodendrucks und prognostizierte Frontenanalyse für Donnerstag, den 29.05.2025 12 UTC (Quelle: DWD) 

Links: Temperatur und Geopotential in 500 hPa Rechts: Prognostizierte Windgeschwindigkeiten und Geopotential in 300 hPa jeweils für Donnerstag, den 29.05.2025 12 UTC [ICON-Modell: Lauf 25.05.2025 06 UTC] (Quelle: DWD) 

Am Donnerstag stellt sich die Wetterlage etwas um. Ein Hochdruckgebiet entsteht über Frankreich. Sein Einflussgebiet weitet sich im Tagesverlauf über Deutschland hinweg in Richtung Polen aus. Doch reicht das, um alle Wolken- und Regenfelder abzutrocknen? Die Antwort lautet: Nein. Obwohl sich am Boden der schwache Hochdruckeinfluss ausbreitet, bleibt in der Höhe der Zustrom feuchter Atlantikluft erhalten. Der Jetstream, ein Starkwindband in großer Höhe, erstreckt sich am Donnerstag antizyklonal gekrümmt wie ein Bogen von den Britischen Inseln über Deutschland hinweg bis zur Adria. Unter dem Jetmaximum bei den Britischen Inseln bildet sich entwicklungsgünstig ein Tiefdruckgebiet. Dessen Warmfront ist durch kräftige Warmluftadvektion stark ausgeprägt und erreicht im Laufe des Donnerstags schon den Westen Deutschlands.
 

Prognostizierte Höchstwerte für Donnerstag, den 29.05.2025 (Quelle: DWD) 

Und bevor man sich von Begriffen wie „Warmfront“ oder „Warmluftadvektion“ zu sommerlichen Tagträumen verleiten lässt: Die Temperaturen bleiben mit 15 bis 22 Grad eher verhalten. Die genaue zeitliche Abfolge der Wetterereignisse am Donnerstag ist noch mit Unsicherheiten behaftet. Der Blick auf die Prognosemodelle zeigt aber, dass es wohl nirgends ganz trocken bleibt. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit des EZMWF-Modell-Ensembles weist am Donnerstag kaum eine Region unter 50 Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit auf. Auch das ungewichtete Mittel der Niederschlagsmenge des ICON-Ensembles zeigt keine trockene Region am Donnerstag. Warnwürdige Niederschlagsmengen sind aber nicht zu erwarten. Am ehesten kann man im Nordosten auf eine Wanderung trockenen Fußes hoffen. Am Alpenrand sind wohl nur die wetterfesten Wanderer unterwegs. Im Stau der Alpen wird ganztags Regen simuliert, eine Regenpause ist dort unwahrscheinlich.
 

 

Links: Wahrscheinlichkeit für Niederschlag für Donnerstag 00-24 UTC. [EZMWF-Ensemble: Lauf 25.05.2025 00 UTC] Rechts: Ungewichtetes Mittel der 24-Std. Niederschlagssumme [ICON_EU-Ensemble: Lauf 25.05.2025 06 UTC] (Quelle: DWD) 

Kurz gesagt: Wer sich auf den Weg macht, sollte sich vom Wetter nicht abschrecken lassen, aber vorbereitet sein und sich neben der Verpflegung auch eine Regenjacke oder Regenschirm mit einpacken. Denn: Ein echter Vatertag ist auch mit Wolken und ein paar Tropfen im Gesicht ein Erlebnis – besonders mit der richtigen Gesellschaft im Gepäck. 

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/VaterMaennertag-in-Regenjacke-teil-1-.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-25 17:42:432025-05-29 17:52:53Vater(Männer)tag in Regenjacke?

Unbeständige Witterungsphase

24. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Eine unbeständige Witterungsphase steht uns vor der Tür. Tiefdruckgebiete haben endlich den Weg frei, um Deutschland mit Tiefausläufern zu beeinflussen und Regen zu bringen. 

Am heutigen Samstag erreicht uns die Warmfront von Tiefdruckkomplex NORMAN über dem Nordatlantik nahe den Britischen Inseln. Sie bringt ab Mittag von Westen her Regen, der sich abends bis zur Mitte ausbreitet. An der Ostsee gibt es noch einzelne Schauer. Der Rest des Landes liegt unter schwachem Hochdruckeinfluss, dabei zeigt sich neben einigen dichteren Wolken die Sonne und es bleibt meist trocken. Die Temperaturen liegen zwischen 14 und 19 Grad, damit es eher kühl für Ende Mai. Der Südwestwind frischt im Tagesverlauf auf, mit einzelnen starken bis stürmischen Böen im Nordwesten. 

Bodenanalyse mit Fronten und Luftdruck, Samstag den 24.05.2025 12 UTC ( Quelle:DWD) 

In der Nacht zum Sonntag fällt zeit- und gebietsweise Regen, nur im äußersten Osten bleibt es bis in die Frühstunden trocken. Durch die dichten Wolken und den spürbaren Wind ist die Nacht mit 11 bis 5 Grad deutlich milder als die vergangene. 

Wetter- und Temperaturkarte, Samstag 24.05.2025 (Quelle.DWD) 

Am Sonntag zieht der flächige Regen langsam nach Osten ab, jedoch folgen zahlreiche Schauer und einzelne Gewitter. Dazwischen zeigt sich auch kurz die Sonne. Man denkt, dass man im April statt Ende Mai ist. Die Temperaturen bleiben mit 15 bis 20 Grad eher verhalten und es ist ziemlich windig mit starken bis stürmischen Böen vor allem in Schauernähe sowie im Westen und Nordwesten des Landes. 

In der Nacht zum Montag klingen die meisten Schauer von Nordwesten ab und bei Tiefwerten zwischen 11 und 6 Grad klart es gebietsweise auf. Der Wind lässt auch deutlich nach. 

 

Wetter- und Temperaturkarte, Sonntag 25.05.2025 (Quelle.DWD) 

Die neue Woche startet auch unbeständig, dabei ziehen immer wieder Tiefausläufer durch, die Regen bringen, gefolgt von kurzen trockenen Phasen. Dabei ist es weiterhin zeitweise sehr windig, im Norden auch stürmisch. Die Höchstwerte liegen meistens zwischen 17 und maximal 23 Grad. Die Nächte bleiben relativ mild. 

Wetterausichten von Montag bis Mittwoch (26.– 28.05.2025) (Quelle:DWD) 

 

Die Details für das lange Himmelfahrts-Wochenende werden an dieser Stelle so bald wie möglich bekanntgegeben. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Unbestaendige-Witterungsphase-teil-4-1-1.jpg 1080 1920 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-24 17:22:282025-05-29 17:41:16Unbeständige Witterungsphase

Klimadiagramme

23. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Damals wie heute wird im Geografieunterricht an einer Schule ein Atlas verwendet. Dieser ist sowohl digital auf einem Tablet als auch analog als Buch verfügbar. Wenn man so durch die Atlas-Seiten blättert, dann entdeckt man irgendwann auch Klimadiagramme. Oftmals ist eine Darstellung von der Erde und dessen Klimazonen abgebildet. Bei Schulprüfungen gibt es bis heute die Aufgabe: Von welchem Ort stammt das Klimadiagramm? Um dies beantworten zu können, muss man ein Klimadiagramm jedoch richtig lesen und auswerten können.

In der nachfolgenden Beispielgrafik sind zehn nummerierte Pfeile dargestellt. Welche Beschriftung würden Sie für die einzelnen Pfeile wählen? Probieren Sie es mal aus bevor Sie weiterlesen! Genau eine solche Aufgabe könnte es im Geografie- beziehungsweise Erdkundeunterricht geben.
 

Klimadiagramm aus Schulzeiten 

Beginnen wir in der oberen, linken Ecke: Zunächst wird der Name (Ort) der Station genannt (1). Danach folgt die Höhe der Station in Metern über dem Meeresspiegel (2). Beim dritten Pfeil ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in Grad Celsius [°C] (3) angegeben. Anschließend benötigt man eine linke vertikale Achse (y- bzw. Hochachse) mit der Skala für die Temperatur in Grad Celsius (°C) (4). Der nächste Pfeil zeigt auf die Temperaturkurve im Diagrammpapier (5). Nun sind wir schon im unteren Feld angekommen bei der Grundachse (horizontale bzw. x-Achse) mit den Monaten von Januar bis Dezember (6). Weiter geht es mit den Niederschlagssäulen (7). An der rechten Hochachse ist der Maßstab für die Niederschlagswerte in Millimeter (mm) (8) aufgetragen. Am vorletzten Pfeil steht die Jahressumme der Niederschläge in mm (9). Zum Schluss ist noch die Lage im Gradnetz (10) von entscheidender Bedeutung. 

 

Klimadiagramme können natürlich auch ganz anders aussehen. Darum wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie einmal ein Diagramm entdecken, das nicht exakt wie diese Beispielgrafik aussieht. Sie soll nur verdeutlichen, wie der generelle Aufbau eines solchen Diagramms ist. Vielleicht haben Sie es erkannt, die händischen Eintragungen wurden auf Millimeter-Papier gemacht. In der digitalen Welt gibt es in der heutigen Zeit natürlich unzählige Auswertetools, die dies bereits für uns übernehmen. 

 

Schauen Sie doch mal im Keller oder in fast vergessenen Schubladen nach Ihrem eigenen Schulatlas aus Schulzeiten! Darin gibt es allerlei interessante Abbildungen zu entdecken – die Klimadiagramme sind da nur ein spannendes Beispiel. 

Dipl.-Verw.Betriebsw. (FH) Stefan Hahn
Regionale Wetterberatung Potsdam 

in Zusammenarbeit mit
Dipl.-Met Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Klimadiagramme-teil-1-.png 793 813 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-23 17:06:242025-05-29 17:20:49Klimadiagramme

Eröffnung eines Infopavillons am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg

22. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am vergangenen Dienstag hat der Deutsche Wetterdienst auf dem Gelände des Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg einen frei zugänglichen Infopavillon eröffnet. Unter dem Motto „Forschung im Deutschen Wetterdienst“ lädt die neue Ausstellung dazu ein, einen anschaulichen Einblick in die Aufgaben des nationalen Wetterdienstes zu gewinnen. Der DWD ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Verkehr. 

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder: „Das Observatorium Hohenpeißenberg ist die älteste Bergwetterstation der Welt und blickt auf eine mehr als 240-jährige Geschichte zurück. Daher ist die neue Ausstellung nicht nur ein modernes Informationsangebot, sondern auch ein sichtbares Zeichen für die lange und bedeutende Tradition der Wetter- und Klimaforschung in Deutschland. In spektakulärer Lage bekommen die Besucher auf rund 40 Quadratmetern Ausstellungsfläche einen detaillierten Einblick in die Forschungsfelder des Deutschen Wetterdiensts.“ 

Attraktive Ausstellung mit modernen Inhalten 

Interaktive Monitore mit Filmen und Schautafeln informieren über den Aufbau der Atmosphäre, die Entstehung von Wettervorhersagen sowie über die aktuelle Klima- und Umweltforschung beim DWD und seiner Observatorien. Ein Diorama zeigt Messsysteme des DWD und das drei-dimensionale Modell eines Wettersatelliten. Ein „Wettermemory“ vermittelt jungen Gästen spielerisch Wissen. 

Besonders im Fokus stehen natürlich die heutigen Arbeiten des Observatoriums Hohenpeißenberg selbst: Seit 1781 werden hier meteorologische Daten erhoben – u.a. eine weltweit einzigartige Temperaturmessreihe, die wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklung des Klimas liefert. Die Daten des Observatoriums fließen direkt in die nationale und internationale Klimaforschung ein und bilden eine essenzielle Grundlage für langfristige Prognosen und wissenschaftliche Bewertungen. 

Dr. Christian Plaß-Dülmer, Leiter des Observatoriums Hohenpeißenberg, betonte bei der Eröffnung: „Wir freuen uns sehr, mit dem Infopavillon nun einen Ort geschaffen zu haben, an dem wir unsere Arbeit verständlich und lebendig präsentieren können.“ 

Auch Dr. Peter Braesicke, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Entwicklung beim DWD, hob die Bedeutung des Pavillons hervor: „Gerade in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, wissenschaftliche Zusammenhänge für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der neue Infopavillon hilft uns, komplexe Forschungsthemen greifbar zu machen und Vertrauen in unsere Arbeit zu schaffen.“ 

Der neue Informationspavillon am Observatorium Hohenpeißenberg 

Wissenschaftliche Messungen als Blickfang am Gebäude 

Das mehrfach gefaltete Dach erinnert an einen Graphen der langen Hohenpeißenberger Temperatur Messreihe seit 1781. Die Temperaturreihe ist in Form sogenannter „warming stripes“ in die architektonische Gestaltung der Dachfront eingeflossen. Dort erscheinen kalte Jahre als blaue Streifen und warme Jahre als rote Streifen. Diese farbige Visualisierung macht auf einen Blick deutlich, wie sich das Klima in den vergangenen Jahrhunderten verändert hat.

Die feierliche Eröffnung wurde von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern begleitet, darunter Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Medien. Die anwesende Presse hatte Gelegenheit, die Ausstellung exklusiv zu erkunden und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. 

Mit dem neuen Infopavillon am Hohenpeißenberg schafft der Deutsche Wetterdienst einen Ort der Begegnung zwischen Forschung und Gesellschaft – informativ, zugänglich und zukunftsweisend. 

Nach einer kurzen Bauzeit von Juni 2024 bis Mai 2025, unter Leitung des Bauamtes Weilheim, freut sich der Infopavillon des DWD nun auf zahlreiche Besucher. Die Öffnungszeiten des Pavillons sind täglich von 8 Uhr bis 20 Uhr. 

Meteorologisches Observatorium Hohenpeißenberg

Luftaufnahme des Meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg 

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Eroeffnung-eines-Infopavillons-am-Meteorologischen-Observatorium-Hohenpeissenberg-teil-1-scaled.jpg 1440 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-22 11:55:002025-05-23 12:21:21Eröffnung eines Infopavillons am Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg

Der Wetterhahn

21. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Wer sich aufmerksam durch die Lande bewegt, kann sie mancherorts entdecken: Wetterhähne! Meist finden sie ihren Platz auf Kirchenturmspitzen, manchmal aber auch auf Privathäusern. 

Wetterhahn im AbendrotTeilnahme am Fotowettbewerb 70 Jahre DWD

Wetterhahn im Abendrot 

Der Wetterhahn ist im Grunde ein Windrichtungsanzeiger. Ursprünglich ist er eine meist aus Kupfer- oder Eisenblech hergestellte flache Nachbildung eines Hahns in Form eines zweidimensionalen Scherenschnitts von etwa 30 x 30 cm Größe. Häufig wurde er auch noch vergoldet oder zumindest Teile von ihm. Heutzutage werden zur Herstellung vielfach andere wetterfeste Materialien verwendet, beispielsweise Edelmetalle, hochwertige Kunststoffe oder Ton. Von der Form her sind mittlerweile zum Teil sogar dreidimensionale Wetterhähne in Gebrauch.

Und es ist nicht nur beim Hahn-Motiv geblieben. Beliebt sind inzwischen z.B. auch Katzen, Pferde, Traktoren, Eulen, Schiffe oder Hexen. Durch die Hexen sollen – zumindest, wenn man daran glaubt – zusätzlich ungebetene Gäste und böse Geister abgehalten werden. Bei den Katzen könnte man jede neue Bewegung der Katze bei einer neuen Windböe mit dem Jagen einer Maus verbinden.

Der Wetterhahn jedenfalls war das erste Motiv für diesen speziellen Windrichtungsanzeiger. Unbestätigten Berichten zufolge stammt der erste Wetterhahn vom Bischof Rampertus aus Brescia (Italien), der ihn im Jahre 820 n. Chr. aus Bronze herstellen und auf dem Dach der Kirche San Faustino Maggiore befestigen ließ.

Warum aber wählte er einen Hahn? Eine mögliche Deutung könnte sein: Vermutlich hatte der Bischof die Bibelstelle gelesen, in der Jesus dem Apostel Petrus prophezeite: „Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen“ (Matthäus 26, 75). Petrus verleugnete dem Evangelium zufolge tatsächlich dreimal Jesus nach dessen Verhaftung, aus Angst vor eigener Verfolgung. Als der Hahn dann krähte, schämte sich Petrus angesichts der Prophezeiung von Jesus und verkündete daraufhin den neuen Glauben. Der Hahn kann also als Mahnung verstanden werden, sich nicht nach dem Wind zu drehen, sondern wie Petrus den christlichen Glauben treu zu vertreten.

Technisch gesehen ist der Wetterhahn eigentlich nichts anderes als eine Windfahne. An ihm lässt sich ablesen, aus welcher Richtung der Wind weht. Dazu muss der Hahn selber drehbar sein. Zur besseren Erkennung der Windrichtung befindet sich unterhalb des Hahnes häufig ein Kreuz mit einer Anzeige der vier Himmelsrichtungen.

Weht nun der Wind, dreht sich der Hahn so, dass ihm von vorne der Wind ins Gesicht pustet. „Schaut“ er also nach Norden, haben wir Nordwind. Dreht der Wind dann wieder seine Richtung, weht er auf die Seite des Wetterhahns. Dabei ist der Druck auf die größere Fläche des Schwanzes stärker als die auf den Kopf. Deshalb dreht sich das Hinterteil mit dem Wind, während der Kopf im Wind steht. So wird immer die aktuelle Windrichtung angezeigt.

Vor allem in früheren Zeiten ohne modernere Messinstrumente konnten die Menschen so nicht nur die Windrichtung erkennen, sondern bei einer Windrichtungsänderung, ob es zu einem Wetterumschwung kommt.

Und wenn der Wetterhahn irgendwann einmal in die Jahre kommt und nicht mehr funktioniert, dann halte man sich doch an den Tipp aus dem Gedicht „Der Wetterhahn“ von Wilhelm Busch aus dem 19. Jahrhundert:

„Wie hat sich sonst so schön der Hahn
Auf unserm Turm gedreht
Und damit jedem kundgetan,
Woher der Wind geweht. 

Doch seit dem letzten Sturme hat
Er keinen rechten Lauf;
Er hängt so schief, er ist so matt,
Und keiner schaut mehr drauf. 

Jetzt leckt man an den Finger halt
Und hält ihn hoch geschwind.
Die Seite, wo der Finger kalt,
Von daher weht der Wind.“

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Der-Wetterhahn-teil-1-.jpg 1734 1189 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-21 11:42:352025-05-23 11:52:53Der Wetterhahn

Vor 12 Jahren: EF5-Tornado in Moore – der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt

20. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Moore, Teil der Metropolitan Area von Oklahoma City, hat in Sachen Tornados eine bemerkenswerte Geschichte. Die Stadt scheint beinahe eine Anziehungskraft auf diese Art Stürme zu haben. Denn alleine seit 1999 verursachten insgesamt fünf signifikante Tornados immer wieder große Schäden im Stadtgebiet. Die Serie startete im Mai 1999 mit dem Bridge Creek-Moore F5, der Tornado mit den höchsten jemals gemessenen Windgeschwindigkeiten mit 521 km/h. In den Folgejahren zogen außerdem ein EF2 (2015), ein F4 (2003) und ein EF4-Tornado (2010) durch bewohntes Gebiet. Nein, bei dem Event im Jahre 2003 wurde kein „E“ vergessen, das war vor der Einführung einer neuen Fujita-Skala, doch mehr dazu später. Am ehesten ist den Bewohnern aber der EF5-Tornado vom 20.05.2013 in Erinnerung.

Abb 1: Zugbahnen der letzten 5 signifikanten Tornados in Moore 

Der Tornado war Teil einer großen Schwergewitterlage in den zentralen Vereinigten Staaten zwischen dem 18.-20. Mai, bei der sich insgesamt 77 Tornados bildeten. Ein ausgeprägter Höhentrog mit korrespondierendem Bodentief zog langsam ostwärts über die nördliche Mitte der USA. Auf dessen Vorderseite wurden sehr warme, instabile und feuchte Luftmassen nach Norden transportiert. Die Windscherung, welche essentiell für die Bildung von Superzellen mit Tornados ist, war in den Bereichen stark erhöht. In dieser Luftmasse entwickelten sich im Vorfeld einer Kaltfront, an einer sog. Dryline (Wetter und Klima – Deutscher Wetterdienst – Thema des Tages – Die „dryline“) schwere Gewitter, inklusive Superzellen. Aus einer dieser Zellen bildete sich um 14:56 Uhr Ortszeit, etwa 7 km nordwestlich von Newcastle, Oklahoma der Tornado aus und begann seinen zerstörerischen Weg nach Nordosten in Richtung Moore. Über 39 Minuten hinweg verursachte der Tornado gewaltige Schäden in den südlichen Wohngebieten und umliegenden Regionen westlich und östlich von Moore. Durch die Stadt verlief eine fast durchgängige Schadensschneise mit EF4- und einigen EF5-Schäden. Zum Teil war sie 350 Meter breit. Ganze Wohnsiedlungen wurden hier dem Erdboden gleich gemacht, Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige Infrastruktur stark beschädigt. An einer Kreuzung knapp westlich der Interstate 35 entstanden die größten Schäden, da der Tornado hier eine Schleife machte und länger über dieser Stelle wütete. Eine Übersicht über die genaue Zugbahn und die unterschiedlichen Schadensbereiche zeigt die untenstehende Abbildung 2. Wenn Sie sich nun fragen, wo denn die violetten Farben für den EF5 geblieben sind, so sind diese nur in ganz feinen Spuren entlang der „Schleife“ sowie dicht südwestlich davon innerhalb des breiten roten EF4 Bereiches zu finden und mit bloßem Auge kaum zu sehen. Insgesamt waren es 9 Häuser, an denen eine EF5 Schaden nachgewiesen wurde.

 

 

Abb 2: Zugbahn und Schadensanalyse des EF5 in Moore 

Das traurige Fazit des Tornados: Auf einer Zugstrecke von 23 Kilometern und einer maximalen Breite von 1,7 Kilometern verloren 24 Menschen ihr Leben, mehrere Hunderte wurden verletzt. Über 4200 Objekte wurden beschädigt, darunter etwa 1150 Häuser, von denen insgesamt mehr als 300 EF4/EF5-Schäden erlitten. Die Schadenssumme betrug in 2013 rund 2 Milliarden US-Dollar.

 

 

Abb 3: Der Moore-Tornado am 20.05.2013 im Radarbild (links) gut zu erkennen am „Debris Ball“ (aufgewirbelte Gegenstände, die vom Radar erfasst werden), sowie sein reales Erscheinungsbild kurz vor der Stadt Moore (rechts). 

Abb 4: Schadensbilder und -analyse aus der Luft mit Blick auf das Moore Medical Center (MMC) und Umgebung 

Seit diesem Tag ist der Tornado in Moore der letzte registrierte EF5-Tornado. Tatsächlich ist die aktuelle, 12-jährige EF5-„Dürre“ der längste Zeitraum ohne einen solchen Tornado seit dem Beginn der Aufzeichnungen. Somit stellt sich die Frage, ob diese Pause meteorologisch bedingt, zufällig oder das Resultat einer wechselhaften Klassifizierungspraxis ist.

Eine mögliche Ursache könnten meteorologische Veränderungen im Zusammenhang mit dem Klimawandel sein. Es ist allerdings noch sehr schwierig zu beurteilen, inwieweit der Klimawandel tatsächlich Tornados beeinflusst. Durch Einschränkungen in den Tornadodatenbanken, ein begrenztes Verständnis der Tornadogenese und die grobe Auflösung der Klimamodelle, werden verlässliche Aussagen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Tornadoklimatologie der USA erschwert. Seit einigen Jahren zeigt sich aber neben einer räumlichen Verschiebung, eine höhere Variabilität. Das bedeutet, dass es insgesamt weniger Tage mit Tornados gibt, dafür eine Zunahme von Tornados an einzelnen Ausbruchstagen. Diese Beobachtung lässt sich sogar mit bisherigen Erkenntnissen der Klimaforschung in Einklang bringen. Laut Modellen würden in einem wärmeren Klima die CAPE-Werte (Convective Available Potential Energy, also die einem Gewitter zur Verfügung stehende Energie) steigen, während die CIN-Werte (Convective Inhibition, Energie, die ein Gewitter für seine Entstehung überwinden muss) ebenfalls zunehmen würden. Dies würde dazu führen, dass weniger Superzellen gebildet werden, aber wenn sie entstehen, wären sie aufgrund der erhöhten CAPE stärker und könnten mit größerer Wahrscheinlichkeit mehrere und stärkere Tornados erzeugen. Diese theoretische Zunahme von starken Tornados widerspricht jedoch der EF5-„Dürre“ und stellt somit keinen guten Erklärungsansatz für das Fehlen von EF5-Tornados dar.

Es erscheint ebenfalls wenig wahrscheinlich, dass es sich hier lediglich um einen Zufall handelt. Zwischen 1880 und 2023 wurden insgesamt 101 F5- bzw. EF5-Tornados registriert – das entspricht durchschnittlich etwa 0,7 pro Jahr. Diese besonders starken Tornados traten in 59 von insgesamt 144 Jahren auf, was einer jährlichen Wahrscheinlichkeit von rund 41 % entspricht. Geht man davon aus, dass das Auftreten von mindestens einem F5-/EF5-Tornado pro Kalenderjahr unabhängig von vorhergehenden Jahren ist, so betrug die Wahrscheinlichkeit dafür, dass in den 11 aufeinanderfolgenden Jahren seit 2013, kein solcher Tornado in den Vereinigten Staaten auftritt, lediglich 0,17 %. Die aktuelle EF5-„Lücke“ ist statistisch gesehen also extrem selten und kann als sehr ungewöhnlich betrachtet werden. Es muss also wohl ein anderer Grund dahinterstecken.

Eine kürzlich erschienene Studie zeigt: Die scheinbare Abnahme ist weniger auf eine tatsächliche Reduktion dieser Ereignisse zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine Veränderung in der Bewertungsmethodik von Tornados. Seit 2007 verwendet die USA nämlich nicht mehr die klassische Fujita (F)-Skala, sondern stattdessen die Enhanced Fujita (EF)-Skala zur Klassifizierung von Tornadofällen. Der wesentliche Unterschied – und vermutlich auch der Hauptgrund für die gesunkene Zahl an EF5-Tornados – besteht darin, dass die neuere EF-Skala bauliche Rahmenbedingungen berücksichtigt und je nach Gebäudetyp unterschiedliche Schadensgrade definiert. Dadurch kann es passieren, dass Tornados, die nach der alten Fujita-Skala als F5 eingestuft worden wären, nach den strengeren Kriterien der EF-Skala nur noch als EF4 bewertet werden. Nicht zu verwechseln ist diese Anpassung in den USA mit der erst jüngst erfolgten Einführung der Internationalen Fujita Skala (IF) in Europa, die gesondert auf die hiesige Bauweise angepasst ist und auch vom DWD verwendet wird.

Doch zurück zu unserem Skalenproblem in den USA: Besonders deutlich wird das am häufigsten verwendeten Schadensindikator: den Schäden an Einfamilienhäusern. Nach der ursprünglichen F-Skala galt ein gut gebautes Haus, das vollständig von seiner Bodenplatte gefegt wurde, automatisch als F5-Schaden. Die EF-Skala hingegen stuft denselben Schaden in der Regel als EF4 ein – es sei denn, es kann nachgewiesen werden, dass das Gebäude über den üblichen Bauvorschriften hinaus besonders robust errichtet wurde. Auch ein Detail bei der Entwicklung der Skalenbereiche spielt hierbei eine Rolle: die Rundung der Windgeschwindigkeitsbereiche. Auf Grundlage technischer Analysen wurde die höchste Schadensstufe („Zerstörung eines gut gebauten Wohnhauses; Bodenplatte leergefegt“) mit einer erwarteten Spitzenböe von 200 mph (322 km/h) verknüpft. Ursprünglich lag der EF4-Bereich bei 168 – 199 mph, was bedeutet hätte, dass 200 mph gerade in den EF5-Bereich gefallen wäre. Doch mit der finalen Glättung der Skala in 5-mph-Schritte wurde der EF4-Bereich auf 166–200 mph erweitert. In der Folge liegt eine Spitzenböe von 200 mph – also bei vollständiger Zerstörung eines gut gebauten Hauses – nun am oberen Ende von EF4, nicht mehr im EF5-Bereich.
 

 

Abb 5: EF4-Schäden im oberen Grenzbereich (195 mph) an einem Laden in der Walnut Street in Rolling Fork 2023, welcher gänzlich von seiner Bodenplatte gefegt wurde. 

In Tornadohochburgen wie Oklahoma oder Kansas werden Gebäude oft nur nach Mindeststandards errichtet, häufig ohne Verstärkungen oder feste Fundamentverankerung. Dadurch fehlen bei vielen Tornados – besonders in ländlichen Gebieten – belastbare Schadensindikatoren für eine EF5-Einstufung. Selbst extrem starke Tornados wie der El-Reno-Tornado 2013 (EF3) oder ein Fall nahe Hollister (Oklahoma) im Jahr 2024 (EF1) konnten deshalb nur niedrig eingestuft werden.

Die Veränderungen durch die EF-Skala führen also wohl zu inkonsistenten oder verzerrten Daten, was die Vergleichbarkeit zwischen Tornados aus verschiedenen Jahren und Regionen erschwert. Dies könnte langfristig die Zuverlässigkeit der Tornadoaufzeichnungen und -statistiken beeinträchtigen, was wiederum Auswirkungen auf die Risikobewertung, Vorbereitung und die Vorhersagemodelle hätte. Um dem Vorzubeugen schlagen die Autoren vor, den Windgeschwindigkeitsbereich für EF5-Tornados auf 190 mph anzupassen, um eine konsistente 5-stufige Einstufung von 1880 bis heute zu gewährleisten. Diese Änderung würde dazu führen, dass 13 EF5-Kandidaten, die aufgrund der strengeren Klassifikationskriterien als EF4 eingestuft wurden, in die Statistik aufgenommen werden. Dadurch würde die Lücke in der Anzahl der EF5-Tornados auf maximal fünf Jahre begrenzt.

Tatsächlich wurde bereits bekannt gegeben, dass eine Gruppe innerhalb der American Society of Civil Engineers und der American Meteorological Society sich mit einer Überarbeitung der Enhanced Fujita Skala beschäftigt. Diese soll neue Forschungsergebnisse und bisherige Erfahrungen berücksichtigen, zusätzliche Schadensindikatoren umfassen und Anpassungen für bereits Bestehende beinhalten. Es wird erwartet, dass der neue Standard innerhalb der nächsten Jahre, auf jeden Fall innerhalb dieser Dekade, veröffentlicht wird. 

Praktikant Aaron Gentner und Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Vor-12-Jahren-EF5-Tornado-in-Moore-der-letzte-seit-mehr-als-einem-Jahrzehnt-teil-1.jpg 551 980 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-20 11:18:222025-05-23 11:41:03Vor 12 Jahren: EF5-Tornado in Moore – der letzte seit mehr als einem Jahrzehnt

Wetterwechsel ante portas

19. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit etlichen Wochen sorgen Hochdruckgebiete in Deutschland für stabiles Frühlingswetter. Kurze Unterbrechungen traten dabei Anfang des Monats sowie Ende der zweiten und Anfang der dritten Aprildekade auf. Insbesondere persistente Hochdruckgebiete über Nordwesteuropa sorgten dafür, dass der Atlantik quasi abgeriegelt und Tiefdruckgebiete weit nach Nord- oder Südeuropa abgelenkt wurden. Die Folge ist eine nun in einigen Landesteilen schon länger anhaltende Trockenperiode (siehe Thema des Tages vom 15.05.). Durch die Positionierung der Hochdruckgebiete westlich oder nordwestlich von Deutschland wurden allerdings keine heißen Luftmassen aus dem Mittelmeerraum oder Nordafrika herangeführt. Stattdessen hatten wir es meist mit kühleren Luftmassen aus Nordosteuropa zu tun, wobei die kräftige Maisonne diese Luftmasse zumindest tagsüber schon ordentlich erwärmen konnte. Nachts wurden jedoch oftmals nur einstellige Tiefstwerte, teilweise auch Luftfrost registriert. Gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 ist der bisherige Mai mit einer Mitteltemperatur von 11,9 Grad knapp 0,5 Grad zu warm. Zieht man den Klimareferenzzeitraum 1991-2020 heran, so liegt eine negative Abweichung von circa 0,5 Grad zu Grunde. 

Aktuell wird das Wetter in Deutschland von zwei Druckgebilden beeinflusst. Zum einen von Hoch TABEA, das sich vom Nordostatlantik langsam nach Mitteleuropa ausdehnt und zum anderen von Tief LORENZ mit Kern über dem Baltikum. Das Tief sorgt am heutigen Montag im Osten und Nordosten des Landes noch für dichte Wolkenfelder, Regen fällt aber kaum noch. Immerhin gab es dort von Sonntagfrüh bis Montagfrüh in der Fläche 1 bis 5, punktuell sogar über 10 l/qm Niederschlag.
 

 

Deutschlandkarte mit den 24-stündigen Niederschlagsmengen von Sonntagfrüh, den 18.05. bis Montagfrüh, den 19.05. in l/qm 

Am morgigen Dienstag hat das Hoch dann seinen Einfluss auf weite Teile des Landes ausgeweitet und sorgt für stabiles sowie frühlingshaft warmes Wetter. Dabei stören ein paar, über der Mitte auch etwas zahlreichere Quellwolken kaum. Was beachtet werden sollte ist der UV-Index. Wir befinden uns gerade einmal einen Monat vor Sonnenhöchststand und die gesundheitliche Gefährdung durch ultraviolette Strahlung ist mittel bis hoch. 

UV-Index für Deutschland am Dienstag, den 20.05. und Mittwoch, den 21.05. 

Der äußerste Süden des Landes wird von einem Tief über dem Golf von Genau beeinflusst, das feuchte und labil geschichtete Luft heranführt. In dieser Luftmasse können vor allem mit Unterstützung der Orografie lokal über dem Südschwarzwald und den Alpen Schauer und Gewitter entstehen. Durch die langsame Zuggeschwindigkeit besteht leicht erhöhtes Starkregenpotential. 

Ab Mittwoch stellt sich die Wetterlage langsam aber sicher deutlich um. Zunächst gerät der Süden des Landes in den Einflussbereich mehrerer Höhentiefs über West- und Südeuropa. Die einfließende feuchte Luft wird zunehmend gehoben und es bilden sich vermehrt Schauer und Gewitter. Diese verlagern sich sehr langsam, wodurch der Starkregen in den Fokus gerät. In der Fläche fallen 1 bis 10, punktuell um 20 l/qm in 24 Stunden. Über Norddeutschland verstärkt sich der Druckgradient durch ein Tief über Südskandinavien. Zunächst lebt der Wind dadurch insbesondere im Küstenumfeld deutlich auf. 

Am Donnerstag ändert sich an der Druck- und Wetterkonstellation zunächst nicht viel. Schauerartige Regenfälle gibt es weiterhin im Süden und im Küstenumfeld treten bei einem lebhaften West- bis Nordwestwind einige Schauer auf. Meist gibt es dabei 1 bis 10, lokal um 15 l/qm/24 h. In einem breiten Streifen über der Mitte bleibt es freundlich. Nachdem am Mittwoch mit Ausnahme des Nordens noch verbreitet über 20 Grad erreicht werden, sind am Donnerstag maximal noch 12 bis 19 Grad zu erwarten. 

Am Freitag wird temperaturtechnisch die Talsohle diese Woche erreicht. Es stehen dann deutschlandweit lediglich noch 11 bis 17 Grad auf dem Plan. Vorwiegend im Norden und der nördlichen Mitte stehen einige Schauer sowie mitunter Graupelgewitter auf der Tagesordnung. Ein kräftiger Westwind lässt damit einen eher herbstlichen als frühlingshaften Eindruck entstehen. Auch im äußersten Süden regnet es noch etwas. Insgesamt liegen die Regenmengen im 24-stündigen Zeitraum in der Fläche überwiegend unter 10 l/qm. Über der südlichen Mitte scheint die Sonne häufiger und es bleibt trocken. 

24-stündige Niederschlagsmenge in l/qm für Mi (21.05.), Do (22.05.), und Fr (23.05.) auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle 

Am Wochenende bleibt der wechselhafte Wettereindruck bestehen, wobei die Temperaturen wieder einen leichten Aufwärtstrend zeigen. Wiederholt fällt Regen, sodass die Trockenheit doch insgesamt gemindert werden sollte. Auch im weiteren Verlauf deutet sich an, dass immer wieder Tiefdruckgebiete vom Atlantik her mit ihren Ausläufern auf Mitteleuropa übergreifen, was wiederholte und nennenswerte Regenfälle zur Folge hätte. Akkumuliert sollen bis zum Wochenstart je nach Modell 5 bis 20, an den Alpen und an der Nordsee bis 50 l/qm (laut GFS an den Alpen um 80 l/qm) zusammenkommen. Wenig Niederschlag wird allerdings für den Osten prognostiziert, wo gebietsweise nur 1 bis 5 l/qm vorhergesagt werden. 

Akkumulierte Gesamtniederschlagsmenge in l/qm bis Anfang der kommenden Woche (Mo, 26.05.) auf Basis unterschiedlicher Wettermodelle 

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass mehrere kleine Niederschlagsereignisse in den kommenden Tagen die Dürre zumindest etwas entschärfen dürften.
 

 

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Wetterwechsel-ante-portas-teil-1-.png 920 983 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-19 11:05:432025-05-23 11:11:16Wetterwechsel ante portas

Hitzesommer der Vergangenheit

18. Mai 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen geisterten häufig Begriffe wie Hitze oder gar Höllensommer durch die Medien. Dabei handelt es sich lediglich um polarisierende Schlagzeilen. Aktuell gibt es keine seriösen Prognosen darüber, ob wir einen neuen Hitzesommer erleben werden oder nicht! In Zeiten des voranschreitenden Klimawandels ist die Wahrscheinlichkeit allerdings relativ hoch, dass der Sommer 2025 gegenüber dem langjährigen Klimamittel zu warm ausfallen wird.

Viele können sich bestimmt noch an den Hitzesommer 2003 erinnern. Im meteorologischen Sommer, im Zeitraum von Juni bis August lag die mittlere Tagestemperatur damals bei 19,6 Grad. Der Sommer verzeichnete somit eine positive Temperaturabweichung von 3,4 Grad gegenüber der Referenzperiode von 1961 bis 1990. Damit ist der Hitzesommer von 2003 bis heute der heißeste in Deutschland. Vor allem in der Südhälfte der Bundesrepublik wurden häufig noch deutlich höhere Abweichungen registriert. Die Ursache dafür waren langanhaltende Hitzeperioden bei gleichzeitiger, teils großer Trockenheit. Eine besonders markante Hitzewelle gab es in jenem Jahr mit einem Schwerpunkt im Südwesten Landes Anfang August. Damals wurde beispielsweise an der Wetterstation in Karlsruhe an 12 aufeinanderfolgenden Tagen ein Temperaturmaximum von über 35 Grad gemessen. Dies stellt bis heute ebenfalls einen Rekord dar.

Vor allem Anfang August kam es zu einer ausgeprägten Omegalage über Zentral- und Westeuropa. Dabei lag die Achse des Höhenkeils über Frankreich. Vor allem der Nordosten Deutschlands befand sich auf der Vorderseite des Keils. Dadurch gab es dort keine extreme Hitzewelle. Bereits der Juni startete mit einem blockierenden Hochdruckgebiet samt den ersten Hitzetagen des Sommers über Zentraleuropa. Im weiteren Verlauf wurde vor allem der Süden des Landes immer wieder von teils markanten Vorstößen von heißen Luftmassen aus Nordafrika erfasst. So lag die Monatsabweichung der Temperatur im Süden mit teils über 6 Grad gegenüber der Referenzperiode von 1961 bis 1990 noch höher als im August des gleichen Jahres. Lediglich der Juli gestaltet sich etwas wechselhafter und kühler. Aber auch im Juli lagen die Mitteltemperaturen deutlich über dem langjährigen Mittel.

Der zweitwärmste Sommer seit Wetteraufzeichnung zeichnete sich weniger durch extreme Temperaturspitzen aus. Die Rede ist vom Sommer 2018, der eine mittlere Tagestemperatur von 19,1 Grad hatte. Vor allem im Juli und August wurden deutlich positive Abweichungen registriert. Im Vergleich zum Sommer 2003 zeichnete sich 2018 durch eine andere Strömungskonfiguration aus. Häufig etablierte sich hoher Luftdruck über Skandinavien und relativ tiefer Luftdruck über dem Mittelmeerraum. Im meteorologischen Fachjargon sprechen wir bei dieser Konstellation auch von einer High-over-low-Lage. Die hohen Temperaturen wurden dabei durch kräftiges Absinken und einer positiven Strahlungsbilanz im Bereich des Hochdruckgebietes vor Ort generiert. Durch die teils extreme Trockenheit konnte sich die Luftmasse aufgrund von fehlender Verdunstungsabkühlung noch stärker erwärmen. Vor allem im Norden und Nordosten brachte nämlich bereits der Mai deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagssummen. Somit war der Sommer 2018 der zweitwärmste seit Wetteraufzeichnung, er zeichnete sich aber vor allem durch die teils extreme Trockenheit aus, die bis weit in den Herbst hinein anhielt.

 

Geopotentialanomalie für den Sommer 2003 und 2018 über Europa. Im Sommer 2003 sorgten persistente Omegalagen über Zentral- und Westeuropa für überdurchschnittlich hohes Geopotential, während 2018 vor allem aufgrund von ausgeprägten High-Over-Low-Lagen über Nordwesteuropa und Skandinavien hohe Abweichungen beobachtet werden. 

Neue Allzeitrekorde wurden ein Jahr später (2019) erreicht – im drittwärmsten Sommer seit Wetteraufzeichnung. Im Gegensatz zum Sommer 2003 und 2018 brachte dieser allerdings keine längeren Hitzewellen. Dafür sorgte ein kräftiger Vorstoß sehr heißer Luftmassen aus Nordafrika im Westen des Landes in der letzten Julidekade für zahlreiche Allzeitrekorde. So kletterte am 25.07.2019 das Thermometer in Duisburg-Baerl in Nordrhein-Westfalen auf 41,2 Grad. Kurze, aber markante Hitzeperioden bestimmten das Bild des Sommers. Zwischendurch gab es aber im Kontrast zu 2003 und 2018 auch immer wieder deutlich kühlere Phasen, die letztendlich dafür sorgten, dass der Sommer nur auf Platz 3 landete.

Somit bleibt abzuwarten wie der diesjährige Sommer ausfällt. Die Messlatte für einen neuen Jahrhundertsommer ist jedenfalls sehr hoch gesetzt!
 

 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/05/Hitzesommer-der-Vergangenheit-teil-1-.png 773 1551 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-05-18 09:44:482025-05-23 10:41:38Hitzesommer der Vergangenheit
Seite 49 von 236«‹4748495051›»
Search Search

Neueste Beiträge

  • Beste Reisezeit für Irland: Wetter, Wind und Klima Monat für Monat
  • Sonnenscheinreiches Jahr 2026 – Erste Zwischenbilanz
  • Ungewöhnlich ruhiger tropischer Atlantik!
  • Magdeburger Halbkugeln – Auf der Suche nach dem Nichts
  • Geschichte der Meteorologie − Teil 17: Etablierung nationaler meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und internationale meteorologische Konferenzen

Kategorien

  • Allgemein (91)
  • Brand News (45)
  • Stories (10)
  • Tipps & Tricks (4)
    • Gesundheit (3)
  • Wetter (2.358)
    • Thema des Tages (2.339)
    • Wetterlexikon (1.382)
      • Klima (1.016)
    • Wind (579)

Archiv

  • September 2026 (17)
  • August 2026 (31)
  • Juli 2026 (36)
  • Juni 2026 (31)
  • Mai 2026 (32)
  • April 2026 (29)
  • März 2026 (32)
  • Februar 2026 (28)
  • Januar 2026 (31)
  • Dezember 2025 (31)
  • November 2025 (31)
  • Oktober 2025 (31)
  • September 2025 (30)
  • August 2025 (31)
  • Juli 2025 (31)
  • Juni 2025 (32)
  • Mai 2025 (31)
  • April 2025 (33)
  • März 2025 (36)
  • Februar 2025 (27)
  • Januar 2025 (32)
  • Dezember 2024 (31)
  • November 2024 (30)
  • Oktober 2024 (33)
  • September 2024 (30)
  • August 2024 (31)
  • Juli 2024 (32)
  • Juni 2024 (30)
  • Mai 2024 (30)
  • April 2024 (30)
  • März 2024 (32)
  • Februar 2024 (29)
  • Januar 2024 (31)
  • Dezember 2023 (31)
  • November 2023 (30)
  • Oktober 2023 (31)
  • September 2023 (29)
  • August 2023 (35)
  • Juli 2023 (34)
  • Juni 2023 (35)
  • Mai 2023 (32)
  • April 2023 (30)
  • März 2023 (30)
  • Februar 2023 (28)
  • Januar 2023 (33)
  • Dezember 2022 (30)
  • November 2022 (30)
  • Oktober 2022 (31)
  • September 2022 (30)
  • August 2022 (32)
  • Juli 2022 (31)
  • Juni 2022 (32)
  • Mai 2022 (32)
  • April 2022 (30)
  • März 2022 (32)
  • Februar 2022 (27)
  • Januar 2022 (31)
  • Dezember 2021 (31)
  • November 2021 (30)
  • Oktober 2021 (34)
  • September 2021 (30)
  • August 2021 (30)
  • Juli 2021 (33)
  • Juni 2021 (31)
  • Mai 2021 (30)
  • April 2021 (33)
  • März 2021 (33)
  • Februar 2021 (30)
  • Januar 2021 (38)
  • Dezember 2020 (39)
  • November 2020 (33)
  • Oktober 2020 (38)
  • September 2020 (32)
  • August 2020 (33)
  • Juli 2020 (22)
  • Juni 2020 (22)
  • Mai 2020 (16)
  • April 2020 (13)
  • März 2020 (15)
  • Februar 2020 (15)
  • Januar 2020 (16)
  • Dezember 2019 (9)
  • November 2019 (13)
  • Oktober 2019 (13)
  • September 2019 (16)
  • August 2019 (7)

Schlagwörter

Bodenseeschifferpatent Druckgradienten Eis Frost Gewitter Herbstwetter Hitze Hitzewelle Hochdruck Hochdruckgebiet Hochnebel Hurrikan Kaltfront Klimawandel Luftdruckmuster Meereisrückgang Nebel Niederschlag Regen SBF-Binnen SBF-Binnen unter Segeln SBF-See Schnee Sommer Sommerzeit Sonnenschein Sportboot-Patente Sportbootführerschein Starkregen Sturm Sturmböen Sturmtief Temperatur Thema des Tages Tiedruckgebiet Tiefdruckgebiet Tiefdruckgebiete Trockenheit Wetter Wetterumschwung Wettervorhersage Wind Windscherung Winter Winterwetter
Search Search
© Copyright - Windinfo.eu
  • Link zu Facebook
  • Link zu Youtube
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen