Deutschlandwetter im Februar 2026

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im Februar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Ohlsbach Baden-Württemberg 6,8 °C +4,5 Grad
2 Geilenkirchen Nordrhein-Westfalen 6,7 °C +4,0 Grad
3 Duisburg-Baerl Nordrhein-Westfalen 6,7 °C +3,0 Grad

Besonders kalte Orte im Februar 2026*

Platz Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Feldberg Mecklenburg-Vorpommern -1,0 °C -0,5 Grad
2 Zinnwald-Georgenfeld Sachsen -0,9 °C 3,0 Grad
3 Greifswalder Oie Mecklenburg-Vorpommern -0,9 °C -0,9 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Baiersbronn-Mitteltal Baden-Württemberg 316,6 l/m² 183 %
2 Freudenstadt-Kniebis Baden-Württemberg 307,7 l/m² 216 %
3 St. Blasien-Menzenschwand Baden-Württemberg 306,2 l/m² 180 %

Besonders trockene Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Freienbessingen Thüringen 15,2 l/m² 43 %
2 Bad Lauchstädt Sachsen-Anhalt 15,4 l/m² 63 %
3 Schwarzburg Thüringen 17,3 l/m² 47 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Leutkirch-Herlazhofen Baden-Württemberg 107 Stunden 109 %
2 Ebersberg-Halbing Bayern 105 Stunden 135 %
3 Bad Kohlgrub-Rosshof Bayern 102 Stunden 100 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im Februar 2026**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Berus Saarland 34 Stunden 41 %
2 Bad Berleburg-Stünzel Nordrhein-Westfalen 35 Stunden 44 %
3 Gießen Hessen 35 Stunden 50 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Monatsmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Monatsmittelwertes zum vieljährigen Monatsmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Monatsrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet unter www.dwd.de/presse

Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Fulminanter Start in den Frühling

Am vergangenen Freitag (27. Februar) war der deutschlandweite Februar-Monatsrekord zwar nicht direkt in Gefahr, in Ohlsbach in Baden-Württemberg wurde nach vorläufigen Untersuchungen immerhin eine Tageshöchsttemperatur von 23,0 °C erreicht. Den Monatsrekord hält die Wetterstation in Arnsberg (Nordrhein-Westfalen) mit 24,5 °C vom 26. Februar 1900. Allerdings markierte Ohlsbach zumindest einen neuen Bundeslandrekord in Baden-Württemberg. Den hielt bisher Mühlheim mit 22,5 °C, gemessen am 29. Februar 1960.

Fulminanter Start in den Fruehling 1

Tageshöchstwerte am vergangenen Freitag (27. Februar 2026) in Deutschland in Grad Celsius. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Aber selbst im kältesten Bundesland des vergangenen Winters, in Brandenburg, hielt der Frühling gnadenlos Einzug. In Doberlug-Kirchhain, im Süden des Bundeslandes, wurde am Freitag zwar kein neuer Landesrekord registriert, dennoch wurden dort 20,0 °C gemessen. Der Monatsrekord liegt bei 20,6 °C aus dem Jahr 2021 und wurde an der Station in Cottbus verzeichnet. Immerhin konnte mit den gemessenen 20,0 °C ein neuer Stationsrekord in Doberlug-Kirchhain aufgestellt werden. Der alte Februarrekord an dieser Station lag bei 19,9 °C, ebenfalls aus dem Jahr 2021.

Bundesweit wurden auch an weiteren Wetterstationen neue Stationsrekorde im Februar registriert. Nur im Saarland und in Schleswig-Holstein reichte es nicht für neue Rekorde. Beachtlich ist zudem die massive Erwärmung zum Frühlingsbeginn: Noch vor einer Woche wurden an der Station Baruth (ebenfalls Süd-Brandenburg) in den Frühstunden noch Werte von knapp -16 °C verzeichnet. Innerhalb von einer Woche sprang die Temperatur im Süden Brandenburgs also um mehr als 30 Grad Celsius nach oben!

Wie geht es nun weiter mit dem Frühling?

Am heutigen Sonntag, der auf den meteorologischen Frühlingsanfang fällt, liegen die Reste des Ausläufers von Tief „Doreena“ mit Kern über dem Bottnischen Meerbusen noch über dem Südosten Deutschlands und sorgen dort neben dichten Wolken für etwas Regen. In der Nacht zum Sonntag streift dann der Ausläufer von Tief „Elke“, einem Tief im Nordostatlantik, den Norden Deutschlands, bringt aber neben dichteren Wolken nur wenige Tropfen Regen. Ansonsten herrscht unter zunehmendem Einfluss von Hoch „Iackl“ eine sogenannte „maritim erwärmte Subpolarluft“ bei uns vor, also eine Luft aus subpolaren Breiten, die sich auf ihrem Weg über den Nordostatlantik etwas erwärmt hat. In dieser Luft steigen die Tageshöchstwerte auf 8 bis 16 Grad an, wobei die höchsten Werte am Oberrhein zu finden sind.

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DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Sonntag, den 01. März 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 28. Februar 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Montag bleibt es in der Nordwesthälfte aufgrund des durchziehenden Tiefausläufers meist frostfrei, nach Südosten zu muss gebietsweise mit leichtem Frost, aber auch mit teils dichtem Nebel gerechnet werden.

Der Montag und Dienstag sind dann verbreitet von Hochdruckeinfluss geprägt. Vielfach zeigt sich heiteres oder sonniges und trockenes Wetter. Mit einer auf Süd drehenden Strömung fließt wieder mildere Luft zu uns, sodass die Höchstwerte am Oberrhein am Dienstag mit Sonnenunterstützung nahe 20 Grad liegen. In den Nächten besteht jedoch aufgrund der klaren Verhältnisse in der Südosthälfte weiterhin die Gefahr von leichtem Frost. Zudem bildet sich im Laufe der Nacht gebietsweise Nebel aus, der sich aber im Laufe des Vormittags meist wieder auflöst.

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DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen im Bereich von Europa und dem Nordostatlantik für Mittwoch, den 04. März 2026, 12 UTC auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 28. Februar 2026, 00 UTC. Quelle: Deutscher Wetterdienst

In der Nacht zum Mittwoch greift dann ein weiterer schwacher Ausläufer von Tief „Elke“, das in der Zwischenzeit nach Skandinavien weitergezogen ist, auf die Nordhälfte über. Da Deutschland aber weiterhin unter Hochdruck liegt, werden sich dabei lediglich ein paar dichtere Wolken am Himmel zeigen, die sich im Laufe des Mittwochs wieder auflösen. Regen wird nicht erwartet.

Bis Freitag wird der Hochdruckeinfluss weiterhin dominant sein und somit auch das sonnige, frühlingshafte Wetter. Einzig an den Alpen besteht am Mittwochnachmittag eine geringe Schauergefahr. Allerdings fließt aufgrund der zunehmend auf Ost drehenden Strömung etwas kühlere Festlandsluft von Osten her zu uns. Während es in der Westhälfte weiterhin sehr mild ist, bleibt es in der Osthälfte kühler.

Fulminanter Start in den Fruehling 4

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmengen von Freitagmorgen, den 06. März 2026 06 UTC, bis Samstagmorgen, den 07. März 2026, 06 UTC von vier verschiedenen Wettermodellen. Von links nach rechts: ICON (deutsches Modell), EZMW (europäisches Modell), GFS (amerikanisches Modell) und UK10 (britisches Modell). Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ab Freitag mehren sich die Anzeichen, dass von Westen her Tiefausläufer dichtere Wolken und Regen bringen. Die Details hierzu sind aber noch unsicher. So gibt es bei Blick auf die verschiedenen Wettermodelle durchaus auch noch Chancen, dass sich der Hochdruckeinfluss etwas länger hält und wir am Wochenende zumindest anfangs noch trockenes und sonniges Wetter genießen können.

MSc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Der Winter 2025/2026 – persönliche Erlebnisse und eine Einschätzung

Mit dem heutigen Tag geht der meteorologische Winter 2025/2026 zu Ende. Im Gegensatz zum kalendarischen Pendant erstreckt sich der meteorologische Winter von Anfang Dezember bis Ende Februar. Im nachfolgenden Text geht es dabei um meine subjektive Wahrnehmung für den Winter in Mittelhessen. Einen umfangreichen Rückblick für den vergangenen Winter in Deutschland findet sich unter: https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2026/20260228_deutschlandwetter_winter%2025-26_news.html?nn=16210.

Zum Start in den Winter Anfang Dezember gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Der Monat startete trüb mit wenig Sonne und Höchstwerten etwas über dem Gefrierpunkt. Zwar nicht wirklich mild, aber auch von Schnee war keine Spur. Nach ein paar Tagen regnete es das einzige Mal wirklich nennenswert und das bei deutlichen Plusgraden. Frost und Schnee waren kein Thema. Ab Mitte des Monats häuften sich wie jedes Jahr die Fragen nach einer weißen Weihnacht. Hoffnung bestand und in den Modellen war etwas im Busch, aber mit jedem Tag in Richtung Heiligabend schwand die Hoffnung auf Flocken. Die Temperaturen dümpelten weiter meist zwischen 5 und 10 Grad tagsüber und allenfalls geringem Nachtfrost. Alles in allem unspektakulär und wenig Sonne trug zum tristen Eindruck bei. Pünktlich zum Fest kam es dann zu einer Wetterumstellung. Kalte Ostwinde drückten die Temperaturen in den Keller. Tagsüber gab es nur knapp über 0 Grad und nachts trat mäßiger Frost auf. Dazu schien oftmals die Sonne. Das Weihnachtsfest ging also sehr kalt über die Bühne. Vor allem der ruppige Ostwind blieb in Erinnerung, da dieser die gefühlte Temperatur in den Keller rauschen ließ. Was fehlte, war weiterhin der Schnee. Die kalte Luft war nun immerhin da, jedoch war sie viel zu trocken, um für Niederschlag zu sorgen. Außerdem verhinderte die fehlende Schneedecke über Osteuropa, dass es trotz einer strammen Ostströmung keinen Dauerfrost gab. „Mensch, die Ostlagen im Winter sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren!“, dachte man sich als Meteorologe.

Zum Start ins neue Jahr gab es dann endlich die ersten Schneeflocken. Viel war es zunächst nicht, aber immerhin war die Landschaft in ein zartes Weiß getaucht. Teils leichter Dauerfrost sowie zeitweiliger Sonnenschein ließen ein gewisses Winterfeeling zu. Wichtig wurde persönlich nun, was am 10.1. mit dem Schnee sein wird, denn die örtliche Freiwillige Feuerwehr gab wenige Tage zuvor bekannt, dass es ein beleuchtetes Nachtrodeln im Ort geben soll. Immerhin hatten sich ein paar Zentimeter Schnee aufsummiert. Am Abend des 9.1. und in der Nacht zum 10.01. war der Schreck jedoch groß. Plusgrade ließen die Schneedecke dahinschmelzen. Auf dem Weg zum Frühdienst am 10.1. ging der Regen jedoch wieder in Schnee über und es schneite fortan ein paar Stunden in Mittelhessen. Das Nachtrodeln war gerettet und wurde zu einem vollen Erfolg. Knapp fünf Zentimeter Neuschnee und ein Überfrieren der Nässe sorgten für beste Rodelbedingungen. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und die Erwachsenen ebenso.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 1

Von der Feuerwehr ausgeleuchteter Rodelhang (Quelle: Marcel Schmid)

Der 11.1. war dann ein Wintertag wie aus dem Bilderbuch. Frisch gefallener Schnee, dazu Sonnenschein, kaum Wind und leichter Dauerfrost. Winterherz was willst du mehr! Also Schlitten raus, warm anziehen und den Tag genießen, lautete die Devise, denn eines war schon klar: Eine mildere Luftmasse kündigte sich in den Wetterkarten bereits an und machte dem Schnee den Garaus. Vorübergehend gab es zur Monatsmitte zweistellige Höchstwerte. War es das schon wieder mit dem Winter? In vielen Jahren zuvor wäre das genau der Fall gewesen. Dieses Mal sollte es jedoch anders kommen! Der Wind drehte zum Ende der zweiten Dekade wieder auf östliche Richtungen, sodass erneut Kaltluft einfließen konnte.

Zunächst gab es knappe Plusgrade tagsüber und nachts mäßigen Frost. Das Setup für einen weiteren Wintereinbruch mit gefrorenen Böden, auf denen der Schnee liegen bleiben konnte, war also gegeben. Und genau so kam es am Morgen des 26.1. Pünktlich zum Berufsverkehr gab es heftigen Schneefall und ein Verkehrschaos. Der Weg zum Frühdienst war mehr als beschwerlich. Die A5 mal wieder gesperrt wegen, wie so oft in diesem Winter, liegengebliebener LKW. Eine Alternative musste also her. Dabei stand nur die A45 zur Debatte. Der Weg um über 30 km länger, aber immerhin konnte man fahren. 50-60 km/h waren jedoch das höchste der Gefühle und äußerste Vorsicht war geboten, denn es schneite weiter heftig. Der Winterdienst wurde zwar gesichtet, doch es war einfach zu viel Schnee in zu kurzer Zeit. Die Fahrzeit betrug am Ende fast das Dreifache. Immerhin gestaltete sich die Rückfahrt einfacher, nur waren die letzten Kilometer beschwerlich. Meldungen aus dem Bekannten- und Freundeskreis ließen allerdings erahnen, wie katastrophal die Bedingungen im Großraum Gießen waren, denn teilweise ging über Stunden hinweg gar nichts mehr. An kleinsten Steigungen stellten sich LKW auf Land- und Bundesstraßen quer und brachten den Verkehr zum Erliegen.
In den Folgetagen hielt sich die Schneedecke und wuchs teilweise nochmals an. Schneeschippen stand somit auf der Tagesordnung und ein Fitnessstudio brauchte man nicht, schließlich beanspruchte der mitunter schwere Schnee genug Muskeln und Winterspaziergänge durch den frischen Schnee waren anstrengend, aber auch wunderschön.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 2

Winterlicher Wald (Quelle: Marcel Schmid)

Außerdem begegnete man den Nachbarn auf der Straße und unterhielt sich über den Winter und wann es denn das letzte Mal so oft und viel Schnee gab. Besonders schön blieb mir eine Begegnung mit dem Nachbarn in Erinnerung, als wir beide aus der Nachtschicht kamen, gemeinsam Schnee schippten und uns dabei unterhielten. Dorfidylle was vom Feinsten. Der Januar war alles in allem ein toller Wintermonat mit viel Schnee fürs Flachland.

Der Start in den letzten meteorologischen Wintermonat gestaltete sich zunächst unspektakulär. Doch bereits am 3.2. gab es neues Unheil. Eine Luftmassengrenze verschob sich von Süden her nach Mittelhessen und brachte neuerlich starke Schneefälle mit sich. Es fielen fast 15 cm Neuschnee in wenigen Stunden. Zusammen mit dem Altschnee betrug die Schneehöhe über 20 cm.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 3

Gemessene Schneehöhe Anfang Februar (Quelle: Marcel Schmid)

Mehrmaliges Schneeschippen sorgte für den alltäglichen Sport. Richtig gefährlich wurde es am Abend auf der Straße, weil dann gefrierender Regen fiel und der Schneematsch zusätzlich überfror.

Der Winter 2025 2026 – persoenliche Erlebnisse und eine Einschaetzung 4

Schwierige Straßenverhältnisse durch Schnee und Eis Quelle: Marcel Schmid)

Die Autobahnen im Umkreis waren teilweise erneut komplett gesperrt und die gestrandeten Auto- und LKW-Fahrer mussten einem leidtun. Ich hörte von Personen aus meinem Umfeld, die teilweise sechs Stunden für einen Heimweg von nicht mal 20 km gebraucht haben. Da kann man gut verstehen, wenn der Winter verflucht wird. Immerhin verschwand der Schnee in den kommenden Tagen langsam aber sicher. Regen zum Beginn der zweiten Dekade sorgte dafür, dass Bäche und Flüsse anstiegen und das Wasser auf den Feldern stand.

War es das mit dem Winter? – Nein. Der Winter hatte noch ein paar Pfeile im Köcher. Pünktlich in der Nacht zum Rosenmontag schneite es neuerdings einige Zentimeter, doch tagsüber rasch ansteigende Temperaturen verhinderten zum Glück die Absage von lokalen Umzügen. Ein letztes Stelldichein und nochmals über 10 cm Schnee gab es zum Ende der zweiten Dekade. Nun hatte sogar ich die Schnauze voll von Schnee und eine Nachbarin meinte, ob ich nicht Frau Holle den Saft abdrehen könnte, ich säße ja an der Quelle. Gott sei Dank, können wir das Wetter nicht manipulieren, doch der Wettergott hatte ein Einsehen und sorgte dafür, dass mit sich durchsetzender südwestlicher Strömung dem Winter der Garaus gemacht wurde. Ein besonderes Schmankerl gab es dann zum Monatsende. Knapp unter 20 Grad, fröhlich zwitschernde Vögel, sprießende Krokusse, auf dem Spielplatz tobende Kinder und der erste Grillgeruch in der Nase – der Winter ist geschlagen und der Frühling ist da.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Offenbach, den 28.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Hochnebel – das Haar in der Suppe

In den noch vergleichsweise langen Nächten des Februars können sich bei windschwachen klaren Bedingungen die bodennahen Luftschichten stark abkühlen. Dies traf in den vergangenen Nächsten auf weite Teile des Südens und der Mitte Deutschlands zu. Aufgrund der vorherigen Regenfälle bzw. des Tauens von Schneedecken waren die obersten Bodenschichten zudem sehr feucht. Alles in allem förderliche Bedingungen für die nächtliche Bildung von Nebel bzw. Hochnebel. Dieser wurde tagsüber dünner bzw. wurde von den Rändern her aufgelöst. Gleichzeitig fand eine Verfrachtung mit der bodennahen Luftströmung statt. Bei meist schwachem Wind aus dem Sektor Ost bis Süd staute sich die feuchtkalte Luft der Grundschicht an den Süd- bzw. Osthängen der südlichen und einiger zentraler Mittelgebirge. Dort konnte der Hochnebel sich bis zum Tagesende halten und sich in der Folgenacht wieder verdichten bzw. ausbreiten.

Hochnebel das Haar in der Suppe 1

Drei Satellitenbilder vom 26.02.2026 im Abstand von 3 Stunden (Quelle:DWD)

Dies hatte nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Anzahl der Sonnenstunden, sondern auch auf die 2 Meter Temperatur. In den von früh bis spät sonnigen Gebieten wurde die maximal mögliche Sonnenscheindauer von etwa 10 Stunden erreicht. Zugleich stieg die Temperatur deutlich über die 10-Grad-Marke und am gestrigen Donnerstag örtlich auch auf 20 Grad wie zum Beispiel in Metzingen bei Reutlingen mit 20,4 Grad. In den vom Dauergrau geplagten Regionen lagen die Höchstwerte dagegen zum Teil nur im einstelligen Bereich. Zum Beispiel war in Meiningen an der Werra im Süden Thüringens gestern mit 6,8 Grad bereits das Tagesmaximum erreicht.

Hochnebel das Haar in der Suppe 2 1

Satellitenbild vom 27.02.2026 13 Uhr (Quelle:DWD)

Häufig lag zwischen grau und blau nicht einmal eine besonders große Distanz. Beispielsweise gab es an der Station am Frankfurter Flughafen gestern nur 25 Minuten Sonnenschein, in Michelstadt im Odenwald dagegen schien die Sonne 7:32 Stunden. Auch höher gelegene Stationen befanden sich in der Sonne, weil sie über das Nebelmeer herausragten. So registrierte die Station auf dem Feldberg im Taunus gestern 8:18 Stunden Sonnenschein. Diese kleinräumigen Unterschiede machen die Vorhersage schwierig und am Ende kann es bedeuten, dass man im Grau sitzt, obwohl die App oder der Wetterbericht etwas anderes zuvor vermittelten.

Hochnebel das Haar in der Suppe 3

Mittagstemperaturen am 26. und 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am heutigen Freitag waren Nebel- und Hochnebel aus der Nacht heraus nicht so verbreitet und dick wie an den Tagen zuvor, so konnte sich die Sonne bis zum Mittag verbreitet, wenn auch nicht überall durchsetzen.

M.Sc. Met. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Ungewöhnliche Frühlingswärme zum meteorologischen Winterende

Zwischen einem umfangreichen Hoch über Westeuropa und dem Mittelmeerraum sowie einem ebenso umfangreichen Tiefdruckkomplex über dem Nordostatlantik hat sich über Westeuropa eine großräumige Südwestströmung eingestellt. Mit dieser wurde Luft aus den Seegebieten zwischen den Azoren und den Kanaren nach Westeuropa geführt. Diese Luftmasse im Zusammenspiel mit viel Sonnenschein führte in Frankreich und manchen Nachbarländern zu zahlreichen Rekorden der Höchsttemperatur für Februar. Örtlich wurden im Südwesten Frankreichs knapp 30 Grad an den beiden vergangenen Tagen gemessen. Am gestrigen Mittwoch stieg die Temperatur in Zentralfrankreich auf Werte um 25 Grad und selbst im etwa 1000 Meter hoch gelegenen Chamonix in den Westalpen wurden 21,1 Grad (neuer Februarrekord, Messbeginn 1880) erreicht.

Ungewoehnliche Fruehlingswaerme zum meteorologischen Winterende 1

Höchstwerte der 2m-Temperatur für Freitag den 27.02.2026 (Prognose) (Quelle:DWD)

Bei uns in Deutschland wird der Wärmehöhepunkt am morgigen Freitag erreicht. Doch bereits heute liegen die Höchstwerte im Westen und Südwesten örtlich bei 20 Grad. Am Freitag verstärkt sich dann die Zufuhr der subtropischen Luftmasse. Mit auffrischendem südwestlichem Wind haben Nebel und Hochnebel weniger Chancen als an den Vortagen, zudem gibt es am Nordrand der Mittelgebirge föhnige Effekte. Damit steigen die Temperaturen in der Mitte und im Süden Deutschlands gebietsweise auf Werte um 20 Grad mit den höchsten Werten entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse. Dort werden 21, örtlich 22 und am südlichen Oberrhein vielleicht auch 23 Grad erreicht.

Als bisheriger deutschlandweiter Februarrekord steht ein „Uraltwert“ vom 26. Februar 1900 in der Statistik. Damals wurden in Jena 23,1 Grad gemessen. Einige weitere Stationen stehen mit Werten knapp über 22 Grad in der Statistik und liegen fast ausschließlich in der Südwesthälfte Deutschlands. Diese Rekorde stammen meist aus den Jahren 1960 und 1990, haben also auch schon länger Bestand.

Selbst an den Küsten wird es mehrheitlich mild oder sehr mild. Eine Ausnahme bildet lediglich Nordfriesland, dort kommt der südwestliche Wind von der kalten Nordsee, zum Teil liegen die Höchstwerte dort nur zwischen 6 und 8 Grad. Anders an der Ostsee. Dort kann man an der vorpommerschen Küste bei 13 bis 15 Grad, dem teils noch 30 cm dicken Eis auf den Bodden oder im Stettiner Haff beim Schmelzen zuschauen.

Ungewoehnliche Fruehlingswaerme zum meteorologischen Winterende 2

Eiskarte vom 25.02.026 für die deutsche Ostseeküste (Quelle:DWD)

Ansonsten ist zum Ende des meteorologischen Winters nicht mehr viel Winterliches übrig. Die Schneegrenze liegt um 1000 Meter, im Westen etwas darüber, im Osten etwas darunter. In Lagen darunter hat bereits der Vorfrühling Einzug gehalten oder tut es in den kommenden Tagen. Festmachen lässt sich das am zunehmenden Pollenflug von Hasel und Erle. Dieser erreicht im Norden und Osten meist mittlere, sonst hohe Belastungsintensitäten.

Ungewoehnliche Fruehlingswaerme zum meteorologischen Winterende 3

Pollenflugvorhersage für Hasel und Erle für den 27.02.2026 (Quelle:DWD)

M.Sc. Met.Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Frühlingsluft

Deutschland gelangt in den kommenden Tagen zunehmend unter Hochdruckeinfluss. Niederschläge bleiben dabei weitgehend aus. Durch das Zusammenspiel eines Hochdruckgebietes mit Schwerpunkt östlich von Deutschland und mehreren Tiefdruckgebieten über Westeuropa wird mit einer südwestlichen Strömung ungewöhnlich milde Luft zu uns geführt. Besonders im Südwesten macht sich bereits frühlingshafte Wärme bemerkbar. Doch auch in den östlichen Landesteilen, wo Januar und Februar vergleichsweise kalt ausfielen, setzt nun eine deutliche Milderung ein.

Am heutigen Mittwoch dominiert vielerorts zunächst noch trübes Wetter. Nebel- und Hochnebelfelder sorgen verbreitet für einen grauen Himmel und lassen das Wetter eher herbstlich wirken. Im Tagesverlauf lockert es zwar auf, in Teilen Bayerns halten sich die Nebel- und Hochnebelfelder jedoch zäh. Die Temperaturen reichen von etwa 4 Grad auf Rügen bis zu 19 Grad am Rhein. Der Wind weht meist schwach aus südöstlichen Richtungen. In der Nacht zum Donnerstag breiten sich Nebel- und Hochnebelfelder erneut aus. Vor allem in der Osthälfte kann es stellenweise Frost geben, während es im Nordwesten mit Werten um 9 Grad mild bleibt.

Fruehlingsluft 1

Wetter- und Temperaturkarte, am Mittwoch 25.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Donnerstag lösen sich Nebel und Hochnebel schneller auf. Mit auffrischendem Südwestwind setzt sich die Sonne häufiger durch, die Luft wird besser durchmischt und die Temperaturen steigen verbreitet auf 15 bis 21 Grad. Auch im Osten wird es mit 13 bis 17 Grad ungewöhnlich mild.

Fruehlingsluft 2

Wetter- und Temperaturkarte, am Donnerstag 26.02.2026 (Quelle:DWD)

Der Höhepunkt dieser milden Phase wird am Freitag erreicht. Im Vorfeld einer von Westen herannahenden Kaltfront frischt der Südwestwind weiter auf. Mit sonnigen Abschnitten werden 15 bis 20 Grad erreicht, im Südwesten lokal sogar bis zu 23 Grad. Damit bietet sich der Freitag besonders gut für Aktivitäten im Freien an.

Fruehlingsluft 3

Wetter- und Temperaturkarte, am Freitag 27.02.2026 (Quelle:DWD)

Am Wochenende folgt dann der Wetterumschwung. Bereits am Freitagabend setzt im Nordwesten erster Regen ein, der sich in der Nacht zum Samstag bis in die Mitte Deutschlands ausbreitet. Am Samstag bleibt es nur im Südosten noch zeitweise frühlingshaft freundlich, sonst dominieren Wolken und zeitweise Regen bei deutlich niedrigeren Temperaturen zwischen 7 und 14 Grad. Am Sonntag beruhigt sich das Wetter zwar wieder etwas, die Temperaturen liegen mit 7 bis 15 Grad jedoch weiterhin unter den Werten der Vortage – für die Jahreszeit insgesamt aber noch immer auf einem milden Niveau.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Wintersport – Schnee von gestern?

In den vergangenen Monaten türmte sich der Schnee ausgerechnet in Regionen, die im Winter sonst eher grün glänzen. Verkehrsbehinderungen inklusive. In einem breiten Streifen von der Nordsee über Sachsen-Anhalt bis hinunter ins Erzgebirge lag Anfang/Mitte Januar mehr Schnee als in vielen Tallagen der west- und süddeutschen Mittelgebirge. Selbst in Hamburg wurden Schlitten und Skier wieder aus dem Keller geholt.

Was Verkehrsteilnehmer und -betreiber zur Verzweiflung treibt, ist für Wintersportregionen ein Lebenselixier. Schneebedingungen und Schneesicherheit sind aus touristischer Sicht nach wie vor entscheidend. Dass der Klimawandel die Temperaturen steigen lässt, die Nullgradgrenze in die Höhe schiebt und den Regenanteil am Winterniederschlag zulasten des Schnees erhöht, zeigt sich seit drei Jahrzehnten klar in den Messreihen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Die Zahl der Schneedeckentage (Tage mit einer Schneedecke von mindestens 1 cm) gemittelt über Deutschland ist über die letzten 70 Jahre um mehr als 50 % zurückgegangen. Beschneiungsanlagen konnten diese Entwicklung in einigen Regionen zwar abfedern, aber nicht vollständig ausgleichen.

Wintersport – Schnee von gestern 1

Zeitreihe der Anzahl der Tage mit einer Schneedecke von mindestens einem Zentimeter. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Wie sich die Bedingungen für Naturschnee und technische Beschneiung in den kommenden 30 Jahren – dem üblichen wirtschaftlichen Planungshorizont – entwickeln könnten, wurde Ende letzten Jahres in einer gemeinsamen Studie der Geosphere Austria, dem nationalen Wetterdienst Österreichs, und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) für das Allgäu untersucht. Grundlage waren historische Beobachtungsdaten, mehrere Klimaprojektionen es DWD für die zukünftige Klimaentwicklung sowie das Schneedeckenmodell des österreichischen Wetterdienstes – ein wissenschaftlich solider Werkzeugkasten.

Für den Zeitraum 2025 bis 2054 projizieren die Modelle einen Temperaturanstieg im Winter von rund +1 °C gegenüber 1991 bis 2020. Das führt zu einem Rückgang der Tage mit Naturschneedecke von mindestens 10 cm Höhe um durchschnittlich 10 bis 25 Prozent – die stärkere Ausprägung in Tallagen und bei einem Szenario ohne globalen Klimaschutz. Ein Beispiel: In Nesselwang reduziert sich die Zahl der Tage mit mindestens 10 cm Naturschnee von heute etwa 80 auf 70 im Tal (ca. 900 m über NN) und von 125 auf 110 im Mittelstationsbereich (ca. 1200 m über NN).

Wintersport – Schnee von gestern 2

Webcambild aus dem Oberallgäu (Schwärzenlifte) vom 23.02.2026. Quelle: foto-webcam.eu

Ähnlich rückläufig – um bis zu 25 Prozent – sind die potenziellen Beschneistunden, also jene Stunden pro Monat, in denen Temperatur und Luftfeuchte eine technische Beschneiung erlauben. Besonders wichtig sind sie im Dezember, wenn die Pisten für die Saison vorbereitet werden müssen. Je nach Wetterlage kann noch bis Februar nachbeschneit werden.

Für die Allgäuer Auftraggeber der Studie kamen diese Ergebnisse nicht überraschend. Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt, dass Wintersport bis ins Tal längst nicht mehr jeden Winter möglich ist. Gleichzeitig hat sich die Beschneiungstechnik weiterentwickelt: Kunstschnee lässt sich heute auch unter weniger idealen Bedingungen erzeugen.

Insgesamt zeigt die Studie, dass im Allgäu auch in den kommenden 30 Jahren relativ gute Wintersportbedingungen zu erwarten sind – vor allem in mittleren und höheren Lagen. Welche Konsequenzen sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ergeben, wenn die Erwärmung weiter voranschreitet, wird man zu gegebener Zeit neu bewerten müssen.

Ob Wintersport in anderen Regionen Deutschlands langfristig sinnvoll bleibt, hängt stark von der Höhenlage und der jeweiligen Perspektive ab. Die „Schneezuverlässigkeit“ in den Mittelgebirgen hat im Vergleich zu den schneereichen 1960er bis 1980er Jahren deutlich nachgelassen – auch wenn es weiterhin einzelne schneereiche Winter geben kann. So sank die Zahl der Tage mit mindestens 10 cm Schneehöhe an der Wasserkuppe in der Rhön in den vergangenen 70 Jahren um rund 15 Prozent, im Ortsbereich von Willingen im Sauerland sogar um 30 bis 35 Prozent.

Das verlangt künftig mehr Flexibilität – von den Wintersportregionen ebenso wie von den Gästen. Und langfristig könnte der Schnee von heute tatsächlich zum sprichwörtlichen Schnee von gestern werden.

Dipl.-Met. (FH) Lothar Bock
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Bunte Satellitenbilder

Bunte Satellitenbilder 1

Abb 1: Meteosat-12 True Color RGB Satellitenbild von heute, 23.02.2026 um 12:40 UTC über Südamerika, dem Atlantik, und Westafrika.

Vorweg ein kurzes Update zum Thema des Tages vom Freitag, dem 20.02.2026: Wirklich klar erscheint die Luft über Suriname im aktuellen Satellitenbild von MTG-I1 (offizieller Betriebsname auch Meteosat-12) nicht, bei beständigem Ostwind zwischen etwa 850 und 500 hPa wurde der Sahara-Staub tatsächlich bis nach Südamerika transportiert. Warum in diesem Höhenbereich? Darunter wird der Staub tendenziell ausgewaschen, darüber dreht der Wind auf West. Soviel nur kurz dazu. Wir bleiben thematisch bei Satellitenbildern, dieses Mal betrachten wir ein hergeleitetes Produkt aus den Messungen des Meteosat Second Generation (MSG) Satelliten Meteosat-10, und zwar…

Bunte Satellitenbilder 2

Abb 2: Animation des Wolkenoberkante Produkts aus MSG Meteosat-10 Messungen, für den Zeitraum von Samstagnachmittag (21.02.2026) bis Sonntagnachmittag (22.02.2026).

…die bunteste aller Darstellungen: Abbildung 2 zeigt eine Bildfolge von MSG Messungen, interpretiert als geometrische Höhe der Wolkenobergrenze, also wie hoch die Wolken im beobachteten Bereich des geostationären Satelliten Meteosat-10 reichen. Hierfür wird die spektrale Strahlungsdichte bei 10,3 µm im thermischen Infrarot-Fenster der Atmosphäre gemessen, also die von Ozean, Landoberfläche und Wolken emittierte Wärmestrahlung. Mithilfe des Planckschen Strahlungsgesetzes wird aus der gemessenen spektralen Strahlungsdichte die sogenannte Helligkeitstemperatur (brightness temperature) bestimmt, die bei optisch dicken Wolken näherungsweise der Temperatur der Wolkenoberkante entspricht. Anhand vertikaler Temperaturprofile der Atmosphäre aus numerischen Wettermodellen wird diese Temperatur anschließend einer geometrischen Höhe zugeordnet.

Warum nun ist die Darstellung so farbenfroh? Weil einiges an Höhenbereichen abgedeckt werden muss; eine hochreichende Wolke in den mittleren Breiten soll sich dort farblich von tiefen und mittelhohen Wolken abheben, jedoch auch von hohen Wolken in den Tropen, wo 11 km Wolkenoberkante nicht gerade hochreichend ist.

Mit einem Vergleich unterschiedlicher Breitengrade gegen Ende der Animation in Abbildung 2 lässt sich das veranschaulichen: Tiefdruckgebiet Barbara östlich von Neufundland ist erkennbar an den sich gegen den Uhrzeigersinn eindrehenden Wolkenbändern. Dort finden sich die höchsten Wolkenoberkanten bei etwa 11 km Höhe in orangenen Farbtönen im Bereich der Kaltfront – dem vertikalen T-Strich im geschwungenen Schreibschrift-T der Wolkenbänder (nicht unbedingt gleichzusetzen mit der T-Bone Struktur die Melvyn Shapiro und Daniel Keyser in ihrer Beschreibung von speziellen Zyklonen-Lebenszyklen geprägt haben).

In den Tropen wiederum sind orangene und rote Farbtöne für Wolkenhöhen um 12 km verbreitet vertreten, aber auch graue Farbtöne für hochreichende Konvektion bis 16 km (Farbskala oben links in Abbildung 2) finden sich in der Innertropischen Konvergenzzone.

Bunte Satellitenbilder 3

Abb 3: Modell-Vertikalprofile aus dem europäischen IFS Modell, für gestern (22.02.2026) um 18:00 Uhr UTC, links über dem Nordatlantik, rechts über Kamerun. Grün: der Taupunkt, Rot: die Temperatur sowie gestrichelt: die Tropopause.

Abbildung 3 zeigt zur weiteren Veranschaulichung zwei Modell-Vertikalprofile der Temperatur aus dem europäischen IFS Modell, links für gestern Nachmittag im Bereich besagter Kaltfront über dem Nordatlantik, und rechts für den Südosten Kameruns. Die Tropopause, jene Grenzschicht welche den Übergang von der Troposphäre zur Stratosphäre markiert, liegt in dem Profil über dem Nordatlantik bei etwa 200 hPa (11 km), in dem tropischen Profil hingegen näher bei 125 hPa. Wie hoch das in Kilometern ist, können Sie unter der Näherung für die exponentielle Druckabnahme mit der Höhe abschätzen, welche besagt, dass sich der Luftdruck alle 5.5 km etwa halbiert (1000 hPa am Boden, 500 hPa in 5.5 km Höhe…). Die Tropopause markiert aufgrund der dort beginnenden Temperaturzunahme die maximal erreichbare Höhe der aufgrund von Auftriebskräften nach oben wachsenden Wolken. Manch eine besonders schwungvolle Wolke mag auch über das Ziel hinaus schießen und wellenartige Dichteschwingungen auslösen – vor allem bei sommerlicher Konvektion lohnt sich hier ein Blick auf das frei verfügbare EUMETSAT MSG Produkt „Rapidly Developing Thunderstorms“, also schnell wachsende Gewitterzellen, mit Informationen über das Maß an Überschießen über die Tropopause, verfügbar durch Anklicken der einzelnen Zellen!

Bunte Satellitenbilder 4

Abb 4: Klimatologische Verteilung der Tropopausenhöhe in Abhängigkeit von der geografischen Breite. Die Definition der WMO für die Tropopausenhöhe ist hinzugefügt.

Die beiden Beispiel-Temperaturprofile in Abbildung 3 fügen sich recht gut in die Klimatologie der von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) definierten „Lapse Rate Tropopause“ (LRT, die Temperaturgradient-Tropopause). Die Definition der Tropopause, alternative Möglichkeiten sie zu definieren, und ihre Eigenschaften werden wir uns in einem der kommenden Themen des Tages anschauen.

Dr. rer. nat. Thorsten Kaluza (Meteorologe)
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Von Tauwetter und Schneeschmelze

Das Auftreten von markanten Tauwetterlagen zu dieser Jahreszeit ist ein typisches zentrales Element der winterlichen und frühjährlichen Hydrologie in Mitteleuropa. Solche Ereignisse können erhebliche Auswirkungen auf Abflussregime, Hochwassergefahr, Bodenfeuchte und Infrastruktur haben. Dabei gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen schmelzen und tauen. Schmilzt der Schnee nur, liegt der Taupunkt noch unter 0 Grad, die Feuchttemperatur und Lufttemperatur aber im positiven Bereich. Der Schnee geht dabei von der festen in den flüssigen und gasförmigen Zustand. Der Tauprozess ist um einiges effektiver. Temperaturen und Taupunkt liegen dabei im positiven Bereich und der Schnee geht hauptsächlich in den flüssigen Zustand über. Um die Entstehung von markantem Tauwetter zu verstehen, müssen sowohl meteorologische Prozesse als auch Eigenschaften der Schneedecke – insbesondere ihr Wasseräquivalent – betrachtet werden.

Grundvoraussetzung für intensives Tauwetter ist zunächst eine ausreichend mächtige Schneedecke. Während in den Gebirgsräumen (vor allem inneralpin) in den letzten Tagen und Wochen noch einiges an Altschnee vorhanden war, kam am Donnerstag und Freitag vergangener Woche noch etwas Neuschnee sogar bis ins Flachland dazu. Der Schnee und die Schneedichte unterliegt im Laufe des Winters ständigen Umwandlungsprozessen: Neuschnee mit geringer Dichte (oft 50–150 kg/m³) setzt sich durch Druck und Temperaturgradienten, Kristalle metamorphosieren, und die Dichte kann auf 300–500 kg/m³ oder mehr ansteigen. Entscheidend für das spätere Abflussgeschehen ist daher nicht nur die Schneehöhe, sondern vor allem das sogenannte Wasseräquivalent der Schneedecke.

Von Tauwetter und Schneeschmelze 1

Änderung der Schneehöhe über Deutschland von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Das Wasseräquivalent beschreibt jene Wassermenge, die frei würde, wenn die gesamte Schneedecke vollständig taut. Es wird meist in Millimetern angegeben und entspricht damit direkt einer Niederschlagshöhe. Eine 50 cm hohe Schneedecke kann – je nach Dichte – beispielsweise nur 50 mm oder aber über 200 mm Wasseräquivalent enthalten. Für die Hochwasservorhersage ist diese Größe daher wesentlich aussagekräftiger als die reine Schneehöhe. Besonders kritisch sind daher Situationen, in denen sich über Wochen hinweg ein hohes Wasseräquivalent aufgebaut hat und anschließend rasch einsetzendes Tauwetter eintritt.

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Änderung des Wasserdargebots der Schneedecke von Freitag, den 20.02.2026 bis Sonntag, den 22.02.2026. Flächige Darstellung aus dem SNOW-Modell, Einzelwerte aus dem Bodenmessnetz. (Quelle: DWD)

Meteorologisch wird markantes Tauwetter häufig durch großräumige Zirkulationsänderungen ausgelöst. Typisch ist das Vordringen milder, feuchter Luftmassen aus südwestlichen Richtungen im Zusammenhang mit Tiefdruckgebieten über dem Nordatlantik oder Westeuropa. Die ausgeprägte West- oder Südwestlage der letzten Tage führte dazu, dass deutlich wärmere Luft herangeführt wurde und die Temperaturen auch in höheren Lagen deutlich über 0 °C stiegen.

Neben der Lufttemperatur spielen weitere Energieflüsse eine entscheidende Rolle. Die Schneeschmelze setzt ein, wenn die Energiebilanz an der Schneeoberfläche positiv wird. Dazu tragen mehrere Komponenten bei. Zum einen die sensible oder auch fühlbare Wärme genannt. Dies impliziert die direkte Änderung der Temperatur durch Zufuhr von warmer Luft. Im Gegensatz dazu gibt es noch die latente (verborgene) Wärme. Diese entsteht durch Wärmefreisetzung bei Kondensation von Wasserdampf auf der kalten Schneedecke. Dieser Effekt ist bei feucht-milder Luft nicht zu unterschätzen. Des Weiteren kann sich die Strahlungsbilanz positiv auf die Temperatur der Schneedecke auswirken. Durch direkte oder, was in den letzten Tagen eher der Fall war, diffuse Einstrahlung erwärmt sich die Oberfläche. Gleichzeitig sorgte die geschlossene Wolkendecke nachts für langwellige Gegenstrahlung und damit verringerte Auskühlung. Ein am Wochenende entscheidender Faktor für die Schneeschmelze war und ist immer noch der zusätzliche Eintrag von relativ warmem Regen. Dieser sorgt nicht nur zusätzlich für Wasser, sondern durch die relativ gesehen hohen Temperaturen des Regenwassers erhöht sich die Temperatur der zu schmelzenden Schneedecke umso schneller.

Gerade die Kombination aus milden Temperaturen und kräftigem Regen führte zu einer markanten und noch weiter anhaltenden Tauwetterlage. Seit Samstag und anhaltend bis Montagmittag muss in den Mittelgebirgen und den Alpen mit Abflussmengen zwischen 40 und 80 l/m² in 60 Stunden gerechnet werden. (Die Schwellen für markantes Tauwetter liegen bei 40 mm in 48 Stunden bzw. 60 l/m² in 72 Stunden. Starkes Tauwetter (Unwetter!) tritt bei mehr als 60 l/m² in 48 Stunden bzw. über 90 l/m² in 72 Stunden auf). Dabei wird das Schmelzwasser zum Niederschlag hinzuaddiert – abzüglich Verdunstungs- und Speicherverluste.

Ein weiterer Aspekt ist die räumliche und zeitliche Gleichzeitigkeit der Schneeschmelze. In Gebirgsregionen setzt die Schneeschmelze normalerweise höhenabhängig gestaffelt ein: Zunächst in Tallagen, später in mittleren Höhen und schließlich im Hochgebirge. Markantes Tauwetter zeichnet sich jedoch oft dadurch aus, dass die Nullgradgrenze rasch auf große Höhen ansteigt, wie es am gestrigen Samstag oder bereits schon in der Nacht zum Samstag geschehen ist. Die Nullgradgrenze stieg von 600-1000 m auf 1800 – 2500 m innerhalb von 24 Stunden. Dadurch beginnen weite Teile eines Einzugsgebietes nahezu gleichzeitig zu schmelzen bzw. tauen. Diese Synchronisierung verstärkt die Abflussspitzen in Flüssen und Bächen. In gesättigten Böden oder bei gefrorenem Untergrund kann die Hochwassergefahr aufgrund geringer Speicherkapazität zudem erheblich steigen.

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Zeitraffer mit eindrücklicher Schneeschmelze im Allgäu zwischen Freitag, den 20.02.2026 und Sonntag, den 22.02.2026 (Quelle: https://www.foto-webcam.eu/webcam/max-wild-arena/)

Das Wasseräquivalent der Schneedecke wird heute durch verschiedene Methoden erfasst. Klassisch erfolgen Schneebohrungen und Wägungen im Gelände. Ergänzend kommen automatische Schneewaagen, Ultraschallsensoren zur Schneehöhenmessung in Kombination mit Dichtemodellen sowie Fernerkundungsverfahren zum Einsatz. In hydrologischen Modellen wird das Wasseräquivalent als zentrale Zustandsgröße geführt. Es erlaubt die Simulation, wie viel Wasser bei bestimmten Temperatur- und Niederschlagsszenarien freigesetzt wird.
Zusammenfassend entsteht markantes Tauwetter durch das Zusammenspiel einer energiereichen Atmosphäre mit einer schneereichen Ausgangssituation. Entscheidend ist dabei nicht allein die sichtbare Schneehöhe, sondern vor allem das in der Schneedecke gespeicherte Wasseräquivalent. Es bestimmt maßgeblich, welches Abflusspotenzial bei einsetzender Schmelze mobilisiert werden kann. Erst durch die Kombination aus meteorologischer Analyse und quantitativer Erfassung des Wasseräquivalents lässt sich das Risiko intensiver Abfluss- und Hochwasserereignisse realistisch einschätzen.

Aktuelle Informationen zur Abflussmenge, Pegelständen und Hochwassergefahren findet man in den jeweiligen Informationssystemen der Hochwasserzentralen der Bundesländer oder im Naturgefahrenportal.

MSc. Sonja Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

Tschüss Winter! Hallo Frühling! Bleibst du länger?

Der Winter hat sein Pulver verschossen – zumindest vorerst. Über dem Atlantik hat sich ein umfangreicher Tiefdruckkomplex formiert, während über Südeuropa respektive dem Mittelmeerraum eine ausgedehnte Hochdruckzone zu finden ist. In der Folge konnte sich eine westliche Strömung aufbauen, in der in den kommenden Tagen immer wieder Tiefausläufer mit feuchtmilder Atlantikluft über Deutschland hinwegschwenken. Das bedeutet auf der einen Seite immer wieder Regenfälle, auf der anderen Seite aber auch ein sehr mildes, ja teilweise schon frühlingshaft anmutendes Temperaturniveau.

Tschuess Winter Hallo Fruehling Bleibst du laenger

Prognose (ICON) des Luftdrucks am Boden (weiße Linien) und der Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Sonntag, den 22.02.2026, 13 Uhr. (Quelle: DWD)

Während am heutigen Samstag in der Westhälfte oftmals schon Höchstwerte nahe oder über 10 Grad erreicht werden, wird die 10-Grad-Marke am Sonntag verbreitet überschritten werden, entlang des Rheins sind gar bis zu 15 Grad drin. Nur im Nordosten sowie an der Nordsee bleibt es noch etwas kühler.

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Prognose der Höchsttemperatur für Sonntag, den 22.02.2026. (Quelle: DWD)

In der neuen Woche geht es mit der Temperatur weiter bergauf. Die Strömung kippt auf Südwest, wodurch ein Schwall subtropisch angehauchter Luft nach Deutschland gelangt.

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Prognose (ICON) des Luftdrucks am Boden (weiße Linien) und der Temperatur in etwa 1500 m Höhe (Farbfläche) für Mittwoch, den 25.02.2026, 13 Uhr. (Quelle: DWD)

Am Mittwoch könnten im Westen und Südwesten dann lokal sogar 20 Grad erreicht werden – na, wenn sich das mal nicht frühlingshaft anhört! Dazu gibt es nach aktuellem Stand nach Nebelauflösung auch einiges an Sonnenschein, während es ansonsten bis Dienstag wie beschrieben recht nass, wolkenverhangen und auch windig vor sich geht. Die Nächte bleiben dabei in den meisten Regionen frostfrei.

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Prognose der Höchsttemperatur für Mittwoch, den 25.02.2026. (Quelle: DWD)

Die Kombination aus Regen und mildem Temperaturniveau führt natürlich auch dazu, dass es dem vor allem im Bergland noch vorhandenen Schnee an den Kragen geht. Bis einschließlich Dienstag werden verbreitet 15 bis 30 l/qm, im Stau der Gebirge 30 bis 50 l/qm und dort lokal auch noch deutlich mehr an reinem Niederschlag erwartet. Der Großteil davon fällt meist innerhalb von 48 Stunden. Dazu kommt dann noch das abfließende Schmelzwasser, sodass in der Folge gerade kleinere Flüsse und Bäche über die Ufer treten können.

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Prognose (links ICON, rechts IFS) des akkumulierten Niederschlags bis Dienstag, den 24.02.2026, 19 Uhr. (Quelle: DWD)

Wer nun darauf hofft, dass das frühlingshafte Wetter auch noch den Rest der Woche oder sogar darüber hinaus anhält, sollte jetzt nicht mehr weiterlesen. Es sieht nämlich so aus, als ob es in der zweiten Wochenhälfte aus Westen wieder unbeständiger wird und zudem auch wieder deutlich kühlere Luft ins Land strömt. Im Detail bestehen zwar noch große Unsicherheiten, aber zumindest im Bergland liegen durchaus wieder winterliche Elemente mit Nachtfrösten und vielleicht sogar Schneefall im Bereich des Möglichen.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.02.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst