Tag des Baumes

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann für den deutschen Wald eine schwere Zeit. Der Aufbau zerstörter Infrastruktur sowie die Kohleknappheit sorgten dafür, dass teils bis zu 15-mal mehr Holz aus den Wäldern geschlagen wurde, als nachwachsen konnte. Die Wälder wurden zunehmend kahl.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) wollte dem übermäßigen Abholzen entgegenwirken und setzte sich für einen Tag des Baumes ein, wie es ihn in den USA schon gab. Dort hatte der Farmer und Journalist Julius Sterling Morton, der schon länger die Baumarmut des Staates Nebraska bemängelte, im Jahre 1872 einen Antrag an die lokale Regierung gestellt, in dem er um einen Feiertag zum Baumpflanzen bat – den Arbor Day. Noch im selben Jahr am 10. April wurde in Nebraska der erste Arbor Day begangen. Um möglichst viele Menschen und Gemeinden anzusprechen, wurden Preisgelder ausgegeben, für die höchste Menge gepflanzter Bäume. Im Jahre 1874 wurde der Tag zu einem offiziellen Feiertag im Bundesstaat Nebraska und das Datum auf den 22 April festgesetzt. Seitdem haben sich weitere Staaten angeschlossen.

In Anlehnung an den Arbor Day pflanzte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zusammen mit dem damaligen Bundespräsidenten am 25. April 1952 einen Bergahorn im Bonner Hofgarten. Daraus wuchs eine Tradition, die bis heute anhält. An jedem 25. April gibt es bundesweit Veranstaltungen, die der Bevölkerung die Bedeutung des Baumes und der Wälder näherbringen sollen. Um den Bäumen einen guten Start zu ermöglichen, hat man in den letzten Jahren die großflächigen Pflanzungen mit Setzlingen in den März gelegt. Zu häufig war es Ende April und Anfang Mai zu trocken, sodass die Setzlinge nicht mehr anwachsen konnten. Nur noch größere Bäume mit Ballen werden Ende April gepflanzt. 

In den letzten Tagen hat es teils kräftig geregnet (siehe Thema des Tages vom 24.04.2025). Die Böden sind inzwischen gut durchfeuchtet, sodass auch neu gesetzte Bäume und Setzlinge erst einmal gute Bedingungen haben anzuwachsen und unsere Natur zu bereichern. In der kommenden Woche folgt eine längere trockene und sonnige Phase. Sollte diese auch über das kommende Wochenende hinaus Bestand haben, freut sich der ein oder andere Baum sicher über ein paar Tropfen aus einer Kanne. 

 

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Endlich wieder Regen?!

Nach längerer Trockenheit im bisherigen Frühjahr fällt in den letzten Tagen wieder häufiger Regen und bringt die ersehnte Erfrischung für Natur und Umwelt. Die trockenen Böden und durstigen Pflanzen atmen auf, während sich die Regentropfen langsam in den trockenen Erdboden einarbeiten. Was für manche lästig erscheinen mag, ist für die Natur ein Segen – eine dringend benötigte Verschnaufpause von der teils rekordverdächten Trockenperiode im diesjährigen Frühjahr. 

Endlich wieder Regen teil 1

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen für Donnerstag, den 24. April 2025, 14 Uhr MEZ auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 23. April 2025, 02 Uhr.. Quelle: DWD 

 

Endlich wieder Regen teil 2

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmenge bis Freitag, den 25. April 2025, 08 Uhr MESZ des ICON-D2-Wettermodells. Quelle: DWD  

Grund für die heutigen Regenfälle ist der derzeit vorherrschende Tiefdruckeinfluss. In höheren atmosphärischen Luftschichten findet sich ein sogenanntes „Höhentief“, das im Zusammenspiel mit einer Tiefdruckrinne am Boden, deren Zentren mit dem Namen „Günter“ versehen wurde, für kräftige Regenfälle sorgt. Insbesondere von Nordrhein-Westfalen über Hessen und Thüringen bis zur Lausitz fällt heute teils kräftiger und länger anhaltender Regen. Entsprechende Dauerregenwarnungen wurden bereits am gestrigen Abend ausgegeben. Dort sind in rund 24 Stunden zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter zu erwarten, vereinzelt und lokal eng begrenzt auch etwas mehr. Zudem sind einzelne eingelagerte Gewitter nicht ausgeschlossen. Diese können mit Starkregen um 20 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit einhergehen. 

Endlich wieder Regen teil 3 

Vorhersage der 24-stündigen Niederschlagsmenge bis Samstag, den 26. April 2025, 08 Uhr MESZ des ICON-D2-Wettermodells. Quelle:DWD 

Trotz der Niederschläge der vergangenen Tage sind die Böden weiterhin deutlich trockener als in der zweiten Aprilhälfte üblich. Besonders hohe negative Abweichungen werden regional für den Nordosten berechnet. Diesen wird das derzeit dominierende Regengebiet erst gar nicht erreichen, denn die Tiefdruckzone um „Günter“ verabschiedet sich am Freitag allmählich nach Südosteuropa. Von Norden her übernimmt in der Folge Hoch „Petra“ die Wetterregie. Entsprechend lässt der Regen auch über den mittleren Regionen bis Freitagmorgen nach und greift unter Abschwächung auf den Süden über, wo er sich bis in die Nacht zum Samstag allmählich an die Alpen zurückzieht.

Mit zunehmendem Hochdruckeinfluss fließt ab Freitag von Nordosten her kältere Polarluft nach Deutschland. Während der Regen derzeit eine willkommene Erholung für die Natur darstellt, birgt die Rückkehr möglicher Nachtfröste eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Ab der Nacht zum Samstag muss bei teils klaren Verhältnissen insbesondere im Norden und Osten gebietsweise mit leichtem Frost in Bodennähe gerechnet werden. In ungünstigen Tal- und Muldenlagen kann sogar leichter Luftfrost nicht ausgeschlossen werden. Besonders junge Triebe, Blüten und bereits austreibende Pflanzen reagieren empfindlich auf plötzliche Kaltlufteinbrüche. Diese können zu Schäden an den Pflanzen führen, deren Wachstum verzögern oder sogar Ernten gefährden. Für Landwirte und Gärtner heißt es nun: wachsam bleiben und, wo möglich, Schutzmaßnahmen ergreifen, um die zarten Frühjahrsboten vor der Kälte zu bewahren. 

Endlich wieder Regen teil 4 

DWD-Vorhersagekarte für den Bodendruck und die Luftmassengrenzen für Samstag, den 26. April 2025, 14 Uhr MEZ auf Basis des ICON-Modelllaufs vom 24. April 2025, 02 Uhr. Quelle: DWD 

In den Folgetagen bleibt uns der Einfluss von Hoch „Petra“ erhalten und es stellt sich erneut trockenes, teils sonniges Wetter ein. Ganz lupenrein ist der Hochdruckeinfluss allerdings nicht. Schwache Störungen sorgen immer wieder für etwas Bewölkung, an den Alpen besteht zeitweise eine geringe Schauer- oder Gewittergefahr. Nennenswerter Regen ist aber erst einmal nicht in Sicht. Stattdessen kann sich die eingeflossene Luft allmählich etwas erwärmen. Am Wochenende werden im Westen bereits 21 Grad erreicht, zur Mitte der neuen Woche ist bereits wieder ein Sommertag (Tageshöchstwerte von 25 Grad und mehr) möglich. Die Gefahr von Nachtfrösten lässt damit ebenfalls allmählich wieder nach. 

MSc.Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Ein Käffchen geht immer

Die Straßencafés sind gut besucht, in den Fußgängerzonen reihen sich die Geschäfte der großen „Ketten“ unmittelbar aneinander und auch bei jedem Bäcker kann man ihn bestellen. Wo man auch hinschaut, Leute mit Kaffeebechern oder eigenen Thermogefäßen als umweltfreundliche Variante erspäht man beim Stadtbummel eigentlich immer. Der Kaffeeboom ist dabei weiter ungebrochen. Laut aktuellem Kaffeereport aus dem Jahr 2024 trinken die Deutschen 3 bis 4 Tassen Kaffee pro Tag. Anders ausgedrückt: Durchschnittlich kommt jeder Deutsche im Schnitt auf 164 Liter im Jahr (pro Kopf Verbrauch). Damit ist Kaffee noch vor Bier weiterhin das beliebteste Getränk der Deutschen. Doch kein Vergleich zu Finnland, die (überaschenderweise?) den höchsten pro-Kopf Kaffeekonsum weltweit aufweisen und in der Tat ungefähr doppelt so viel vom begehrten Heißgetränk vertilgen wie die Deutschen. Sind solche Mengen denn nicht schädlich für den Körper? Laut Gutachten der European Food Safety Authority (EFSA) sind weniger als 4 Tassen für einen gesunden erwachsenen Menschen unbedenklich.

Das Geschäft boomt, da könnte man doch auf die Idee kommen, sich seinen eigenen Kaffee im Garten oder auf dem Balkon anzubauen. Doch ist das bei den hiesigen klimatischen Verhältnissen überhaupt möglich?

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Kaffeebaum (Quelle: Wikipedia) 

Kaffee, dessen Wortursprung sich aus dem arabischen „qahwa“ ableitet und übersetzt soviel wie „anregendes Getränk“ bedeutet, gilt als Genussmittel. Das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen und mit heißem Wasser aufgebrühte Getränk wird daher nicht in erster Linie aus Gründen der Sättigung oder des besonderen Nährwertes konsumiert, sondern Liebhaber erfreuen sich eher koffeinbedingt an der anregenden Wirkung und des besonderen Geschmacks. A propos: Hat man die Samen aus den Früchten der Kaffeepflanze erst einmal extrahiert, so lassen sich je nach Röststufe die unterschiedlichsten Aromen erzeugen. Die bekanntesten Pflanzenarten sind „Arabica“ und „Robusta“, von denen jeweils verschiedene Sorten existieren. Der weltweit größte Erzeuger ist mit Abstand Brasilien mit einer Erntefläche von rund 2 Millionen Hektar, was sich in circa 3 Millionen Tonnen Rohkaffee niederschlägt. Dahinter folgen Vietnam, Kolumbien und Indonesien. Doch auch Länder wie Äthiopien, Indien, Honduras, Uganda, Mexiko und Peru bauen Kaffee an.
 

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Kaffeeanbaugebiete der 14 größten Kaffeeproduzenten der Welt (Quelle: Wikipedia) 

Alle Länder sind Teil des sogenannten Kaffeegürtels. Sie eint die Lage in den Tropen, weshalb sich an dieser Stelle schon erahnen lässt, dass der Kaffeeanbau hierzulande in der freien Natur wohl nicht sehr aussichtsreich sein dürfte. Tatsächlich benötigen Kaffeepflanzen ein ausgeglichenes Klima ohne Extrema mit Durchschnittstemperaturen zwischen 18 und 25 Grad Celsius. Dabei sollte die 30 Grad-Marke nicht über- und die 10 Grad-Marke nicht unterschritten werden. Frost ist erst recht „Gift“ für die Pflanzen. Darüber hinaus haben sie einen sehr großen Wasserbedarf, jährliche Niederschlagsmengen zwischen 1500 und 2000 Millimeter sind ein Muss. Ebenfalls anfällig zeigen sich Kaffeesträucher und – bäume für viel Wind und Sonnenschein, weshalb um große Plantagen häufig Hecken oder Schattenbäume zu finden sind. Komplettiert werden die komplexen Anforderungen durch tiefgründige, gut „durchlüftete“ Böden, die neutral bis leicht sauer sein sollten. Alles in allem sind das deutlich zu hohe Ansprüche für unser Jahreszeitenklima der gemäßigten Breiten. Im richtigen Temperaturfenster sind wir hierzulande lediglich in den Sommermonaten und das auch eher im Süden denn Richtung Küste. Mit rund 800 Millimeter müssten wir den durchschnittlichen Jahresniederschlag durch künstliche Bewässerung mal eben verdoppeln und einen Schutz vor Wind und Sonnenschein müsste man auch installieren.
 

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Geröstete Kaffeebohnen (Quelle: Wikipedia) 

Stellt sich die Frage, ob es in einem Wintergarten, Gewächshaus oder in der Wohnung mit der hauseigenen Kaffeeproduktion funktionieren würde? In der Tat gibt es in Deutschland inzwischen zahlreiche Kaffeeliebhaber, die selbst Kaffeepflanzen anbauen, pflegen und züchten. Geheimtipps wie die regelmäßige Beimengung von Zitronensaft für den Boden, mit der man leichte saure Werte erreicht oder die Bestäubungshilfe mit einem Pinsel findet man zuhauf in einschlägigen Internetforen. Bis man ausreichend Bohnen geerntet hat (erste Erträge nach 3 bis 4 Jahren), muss man allerdings viel Geduld und Liebe aufbringen und letztlich steht ja anschließend auch noch die komplizierte Röstung aus, die nur mittels großer Gerätschaften möglich ist. Diese Hürde ist dann doch für die meisten von uns zu groß. Entdecken Sie stattdessen doch lieber die Vielfalt an verschiedenen Röstungen und finden Ihren persönlichen Favoriten. Laut Deutschem Kaffeeverband gibt es mittlerweile rund 900 Röstereien in Deutschland, die mitunter auch Workshops anbieten. Tendenz steigend. 

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2025
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Die Gewittersaison ist gestartet

Auf der Schwäbischen Alb konnte am gestrigen Ostermontag eine Superzelle, also eine rotierende Gewitterwolke, mit entsprechend starken Begleiterscheinungen (Sturmböen, Hagel bis 2 oder 3 cm) beobachtet werden. Damit wurde eine erste Duftmarke von Gewittern mit sommerlicher Prägung gesetzt. Zugleich kann das auch als Startschuss für die vor allem ab Mai beginnende Gewittersaison betrachtet werden. Wie sieht die Saison normalerweise aus?

Um das beurteilen zu können, hilft eine kleine statistische Auswertung von Gewittertagen von vier über Deutschland verteilten Städten mit längerer Zeitreihe (Werte von 1961 bis März 2022). Dabei soll Hamburg repräsentativ für den Norden stehen, Frankfurt für den Westen, Stuttgart für den Süden und Potsdam für den Osten.

Dieser Statistik nach gibt es im April im Durchschnitt im Norden einen Gewittertag, im Süden dagegen schon zwei. Die Hauptsaison startet dann im Mai und dauert bis zum August. Dabei kann in jedem dieser Monate an 3 bis 7 Tagen mit einem Gewitter gerechnet werden. Das Nord-Süd-Gefälle ist weiterhin vorhanden: im Norden 3 bis 5, im Süden 5 bis 7 Gewitter pro Monat. Die Fluktuation der Gewittertage von Jahr zu Jahr ist durchaus beachtlich: So gab es beispielsweise im gewitterträchtigen Jahr 1974 in Frankfurt an 54 Tagen Gewitter, in den gewitterarmen Jahren 1962, 1998 und 2015 aber nur an 15 Tagen. 

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Gewittertage pro Monat an ausgewählten Stationen (Mittel 1961-2022), Stand: 31.03.2022 (Quelle: DWD) 

In den gewitterstärksten Monaten Juni und Juli steigt die Anzahl der Gewittertage allgemein auf 4 bis 7. Mit knapp 6 Tagen zeigt sich der Juni in Frankfurt als der Monat mit den meisten Gewittertagen, bei den anderen ausgewählten Städten ist es der Juli. Dabei kommt Stuttgart in diesem Monat auf beinahe 7 Gewittertage, Potsdam und Hamburg auf etwa 5.

Im September geht die Gewittertätigkeit wieder deutlich zurück und erreicht fast das April-Niveau. In den Monaten Oktober bis März gibt es in Deutschland nur noch selten Blitz und Donner. Mehr als ein Gewitter pro Monat ist dann statistisch die Ausnahme. Interessant ist aber, dass im Winter im Norden Gewitter häufiger sind als im Süden – dort begünstigt das wärmere Meer die Entwicklung. Im Sommer dagegen sorgt das Meer küstennah für kühlere Temperaturen – und damit auch für weniger Gewitter.

Und in diesem Jahr? Die Langfristvorhersage des DWD geht für die nächsten drei Monate (Mai, Juni und Juli) vor allem im Osten von zu nassen Verhältnissen aus, während es im Westen und Südwesten eher trockener als normal bleiben soll (siehe saisonale Profi-Klimavorhersagen des DWD). Die meisten anderen Langzeitvorhersagen verschiedener Wettermodelle sind dagegen neutral, sodass es keine großen Abweichungen vom Durchschnitt geben soll. Damit stünde uns eine „normale“ Gewittersaison bevor mit einer dem Durchschnitt entsprechenden Anzahl. Allerdings sei auch angemerkt, dass Langzeitvorhersagen keine präzisen Wettervorhersagen sind, sondern nur Wahrscheinlichkeiten z.B. für trockenere oder nassere Verhältnisse angeben. Mögliche konvektive Ereignisse auf kleinerer Skala könnten damit durch das Raster fallen. Zudem bestehen bei der Langfristvorhersage meist noch größere Unsicherheiten, sodass bezüglich der Stärke der Gewittersaison sicherlich noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2025
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Die Gewitterlage am Ostersonntag

Größtenteils freundlich und sehr mild gestaltete sich der Ostersonntag. Zumindest bis zum frühen Nachmittag. Ab dem Mittag näherte sich nämlich die Okklusionsfront von Tief FRITZ und sorgte für einen teils rapiden Wetterwechsel. FRITZ verlagerte sich am Ostersonntag unter leichter Abschwächung langsam von der Bretagne in Richtung Benelux. Auf der Vorderseite bildete sich eine Tiefdruckrinne aus. Diese lag am Nachmittag in einem Bereich von Bayern bis nach Nordrhein-Westfalen. In dieser Zone kam es ab dem Nachmittag zur Ausbildung hochreichender Quellwolken. Doch nicht überall – in Bayern bildeten sich trotz Vorhersage kaum Gewitterwolken aus.

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Analysekarte für Ostersonntag um 00 UTC. Tief FRITZ befindet sich in der Nacht noch über der Bretagne. In Deutschland herrscht schwacher Hochdruckeinfluss. (Quelle: DWD) 

Die Bedingungen für einzelne kräftige Gewitter mit Unwetterpotential waren im Voraus dort durchaus gegeben. Ein Hebungsantrieb durch eine bodennahe Konvergenz (Zusammenströmen von verschiedenen Luftmassen) sowie eine starke vertikale Windscherung können trotz des relativ geringen Feuchtegehalts in der unteren Troposphäre für vereinzelte, aber kräftige Gewitter mit Hagel und Sturmböen sorgen. Zudem wäre ein zusätzlicher Hebungsantrieb durch das süddeutsche Bergland gegeben. Warum kam es dort aber gestern dennoch nicht zur Auslöse von kräftigen Gewittern?

Dies lag zum einen an einer von Westen recht rasch heranschreitenden Druckwelle, die das Potenzial für kräftige Gewitter mit Unwettergefahr im Keim erstickte. Bereits am Mittag nahm der Wind im Südwesten deutlich zu. In exponierten Lagen traten recht verbreitet Windböen oder sogar stürmische Böen um 60 Kilometer pro Stunde (Bft 8) auf. Am frühen Nachmittag bildeten sich in Oberschwaben erste Quellungen aus, die sich aber nur zu Schauern entwickelten, da sich die atmosphärische Schichtung durch die voranschreitende Druckwelle stabilisierte. Zudem kam es im Süden innerhalb von kurzer Zeit zu einem markanten Temperatursturz. Auch im Vorfeld der Druckwelle über Bayern konnten sich keine hochreichenden Gewitterwolken entwickeln. Grund dafür war vermutlich, dass der Feuchtegehalt der unteren atmosphärischen Schichten dort noch etwas geringer, war als von den Modellen prognostiziert.

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Die maximalen Windböen (km/h) und Niederschlagssummen (mm) für den Ostersonntag. Während im Süden in Verbindung mit der Druckwelle verbreitet Windböen auftraten, kam es vor allem vom Sauerland über Thüringen bis in den Süden Sachsen-Anhalts zu größeren Niederschlagssummen. Örtlich eng begrenzt bis in den Unwetterbereich. (Quelle: DWD) 

Weiter im Norden konnten sich dagegen in der feuchteren Luftmasse ab dem Nachmittag erste Gewitterzellen entwickeln. Dort lag aufgrund der langsamen Verlagerung und der Gefahr der Verclusterung von mehreren Gewitterzellen zu einem größeren Niederschlagsgebiet das Hauptaugenmerk auf dem Starkregen. Am frühen Abend sorgte eine kleinräumige Zelle im Sauerland örtlich und eng begrenzt für sehr hohe Niederschlagssummen über 25 l/qm innerhalb von kurzer Zeit. Am späten Abend erfassten die Gewitter auch Thüringen und den Süden von Sachsen-Anhalt. Auch dort kam es lokal zu kräftigem Starkregen und kleinkörnigem Hagel. Spitzenreiter war die Station Artern im Norden von Thüringen. Dort wurden innerhalb von einer Stunde 25,8 l/qm registriert. Im Laufe des Abends und in der ersten Nachthälfte entstanden aus den vorher isolierten Zellen größere gewittrige Niederschlagsgebiete. Warnrelevante Mengen wurden dann aber nicht mehr erreicht.

Auch am heutigen Ostermontag bilden sich im Tagesverlauf zur Freude der Natur wieder vermehrt Schauer und einzelne Gewitter aus. Unwetterartige Entwicklungen sind aber nicht zu erwarten!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Knoblauch: Der Wetterflüsterer im Beet

Am Ostersonntag gibt’s bei vielen Schokohasen, Eier und vielleicht auch Lamm. Letzteres wird nach Meinung einiger Hobbyköche vor allem durch eine Zutat zum Fest: Knoblauch. Also tief durchatmen und rein in die würzige Welt „zwischen Feld und Forecast“! 

Beginnen wir mit einem Klassiker: Bauernregeln. In vielen alten Kalendern hieß es sinngemäß: „Wächst der Knoblauch fett und rund, bleibt der Sommer mild und gesund.“ Nun ja, wissenschaftlich belegt ist das nicht – aber es zeigt: Knoblauch wurde lange als eine Art pflanzliches Wetterorakel betrachtet. Tatsächlich reagiert die Pflanze recht sensibel auf Witterungseinflüsse. Sie bevorzugt kühle Temperaturen beim Austrieb und wärmere, trockene Bedingungen zur Reife. Ein feuchter Sommer? Schlechte Nachricht für Knoblauch-Fans – das gibt eher mickrige Zehen und erhöht die Gefahr von Schimmel oder Fäulnis. Eine stabile Hochdrucklage hingegen lässt die Knollen gedeihen. 

Wetter beeinflusst nicht nur das Wachstum, sondern auch den Geschmack. Denn meteorologische Bedingungen steuern die Bildung von sekundären Pflanzenstoffen wie Allicin. Diese sind für den charakteristischen Duft verantwortlich, der zuverlässig Vampire, erste Dates (und manchmal auch Schwiegermütter) fernhält. Studien zeigen: In Regionen mit viel Sonne und eher trockenen Böden ist der Gehalt dieser Verbindungen höher – das bedeutet mehr Geschmack, aber auch mehr Geruch. Wer also je das Gefühl hatte, dass Knoblauch aus südlichen Ländern intensiver schmeckt, lag vollkommen richtig! 

Ob im Beet, in der Pfanne oder als olfaktorisches Statement beim Osterbrunch: Knoblauch lebt im Takt des Wetters. Und gerade zu Ostern – wenn Lammbraten, Kartoffelgratin und allerlei Geselligkeit auf dem Tisch stehen – darf er ruhig mal glänzen. Übrigens: In den USA wurde erst gestern der „National Garlic Day“ gefeiert. In diesem Sinne: Auf das Wetter – das uns nicht nur beim Osterbrunch Gesprächsstoff liefert – und auf die Knolle, die zeigt, dass man selbst bei Aprilwetter würzig, robust und ein bisschen eigensinnig sein darf. Frohe Ostern! 

Knoblauch Der Wetterfluesterer im Beet teil 1

Schematische Darstellung einer Knoblauchknolle mit Sonne und Wolke 

Dipl.-Met. Magdalena Bertelmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Bicycle day

Der bereits seit 1985 am 19. April begangene Bicycle Day ist eigentlich kein reiner Fahrrad-Aktionstag. Er soll vielmehr an die etwas andere Radtour des Schweizer Chemikers Albert Hofmann erinnern. Dieser forschte in den späten 30er-Jahren für einen Pharmakonzern an kreislaufstimulierenden Mitteln aus Mutterkorn, einem Getreide befallenden Pilz, und entdeckte dabei LSD. 

Zunächst brachte die Extraktion diverser Amid-Derivate aus Mutterkorn keine brauchbaren Ergebnisse für Hofmann und sein Team. Tierversuche, auch mit Lysergsäurediethylamid (LSD) zeigten keine medizinisch relevante Wirkung. Eines Tages aber bemerkte Hofmann beim Arbeiten mit LSD innere Unruhe und Unwohlsein. Er begab sich nach Hause und berichtete später, er habe daheim bei geschlossenen Augen intensive farbige Visionen gehabt. Er führte dies auf die Arbeit mit Lysergsäurediethylamid zurück, welches er bei den Experimenten wahrscheinlich über die Haut aufgenommen hatte. 

Am Folgetag, am 19.04.1943, beschloss er seine Vermutung durch einen Selbstversuch zu untermauern und spritzte sich etwas vom bis dahin als unwirksam betrachteten Mittel. Leider unterschätzte er die Wirksamkeit und kam in einen starken Rausch. Seine Laborantin, die in den Selbstversuch eingeweiht war, brachte ihn mit dem Fahrrad nach Hause. Er selbst beschrieb seinen Zustand Tage später in einem Protokoll als „schwerste Krise“ und „bedrohlich“. Er konnte nur noch verzerrt sehen, alles schwankte, er hatte Schwindel und Ohnmachtsgefühle. Erst nach zwei Stunden klangen seine Symptome ab und er konnte den Farbenrausch genießen. Seine Fahrradtour nach Hause ging in die Geschichte der LSD-Kultur ein. 

Hofmanns pharmazeutische Selbstversuche sollten nicht als Beispiel dienen. Seine Liebe fürs Fahrradfahren hingegen schon. Das Wetter ist zwar heute und in den kommenden Tagen abwechslungsreich, allerdings ergeben sich bundesweit trockene und heitere oder gar sonnige Abschnitte, an denen man mit dem Fahrrad durch die Natur radeln kann. Diese zaubert ganz von selbst bunte Bilder in Form blühender Bäume, Sträucher und Blumen, die man ohne bewusstseinserweiternde Drogen genießen und teilen kann. Nebenbei tut man mit ein bisschen Radeln auch noch etwas Gutes für seinen Körper. 

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.04.2025
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Gewitterprognose im Warndienst des DWD

Wir schreiben Mitte April und die ersten kräftigen Gewitterzellen – deutschlandweit betrachtet – liegen bereits hinter uns. Als Beispiel sei die „Kasselzelle“ am vergangenen Mittwoch genannt, die an der Station Schauenburg-Elgershausen knapp westlich von Kassel stolze 31 mm innerhalb einer Stunde abwarf. Dass es in den nächsten Wochen und Monaten noch weitere „Kracher“ von diesem Format geben wird, die dann unter Umständen auch noch größeren Hagel und heftige Böen an Bord haben, ist so gut wie sicher. 

Die Problematik bei der Vorhersage von Gewittern wurde auch an dieser Stelle schon mehrfach beschrieben (siehe zum Beispiel das Thema des Tages vom 12.08.2023) und wird sicherlich auch in Zukunft immer wieder Thema sein. Kurz zusammengefasst: Eine räumlich und zeitlich exakte Vorhersage eines Gewitters ist aus verschiedenen Gründen so gut wie unmöglich. Was dagegen meistens gut prognostizierbar ist, sind einerseits die Regionen, in denen das Potenzial für die Entstehung von Gewittern erhöht ist und andererseits die zu erwartenden Begleiterscheinungen. 

Für die Abschätzung des Gewitterpotenzials steht dem Vorhersageteam des DWD unter anderem der sogenannte „Konvektionsfavorit“ zur Verfügung. Dabei handelt es sich um eine Zusammenstellung mehrerer Prognosefelder, die die nötigen Zutaten für die Entwicklung von Gewittern beschreiben. Was für den Laien vielleicht nur nach vielen bunten Bildchen oder eventuell auch moderner Kunst aussieht, liefert den Meteorologen wichtige Informationen hinsichtlich der potentiellen Entstehung und Stärke der Gewitter. Aus diesem Grund hat der Konvektionsfavorit auch einen Stammplatz auf einem der zahlreichen Bildschirme am Arbeitsplatz. 

 

Gewitterprognose im Warndienst des DWD teil 1

Abb.1: Konvektionsfavorit – Zusammenstellung verschiedener Prognosefelder, die für die Abschätzung des Gewitterpotenzials wichtig sind (ICON). (Quelle: DWD) 

Bevor wir kurz etwas genauer auf die einzelnen „Bildchen“ eingehen, nochmal ganz kurz zu den Zutaten für ein Gewitter: Neben genügend Feuchtigkeit muss die Luftmasse auch eine labile Schichtung aufweisen, d.h. die Temperatur muss mit der Höhe stark abnehmen. Nun muss die energiegeladene Luftmasse noch gezündet werden, sprich man benötigt einen Mechanismus, der die Luft dazu veranlasst, aufzusteigen. Das kann zum Beispiel ein zu überströmendes Gebirge sein, bodennahe Überhitzung (Wärmegewitter), ein bodennah konvergentes Windfeld oder ein dynamischer Impuls aus höheren Luftschichten. 

Gewitterprognose im Warndienst des DWD teil 2

Abb.2: Vorhersagefelder zur Feuchtigkeit (links), der Schichtung (Mitte) und dem daraus folgenden Energiegehalt der Luft (rechts). (Quelle: DWD)  

In der obigen Abbildung 2 ist auf der linken Seite einerseits ein Maß für die Feuchtigkeit der Luft in unteren Schichten zu sehen (Flächendarstellung) und andererseits die sogenannten PPW-Werte, also der Wassergehalt der gesamten Luftsäule, der als Niederschlag ausfallen kann (in l/qm, Zahlenwerte). Letzterer liefert einen Hinweis auf das Starkregenpotenzial. Rechts daneben geht es um die sogenannten Lapse Rates, also die Temperaturabnahme mit der Höhe, die besonders zwischen zwei und vier Kilometer Höhe ausgeprägt sein sollte. Rote Farben stehen für eine Abnahme von mindestens 0,6 Kelvin pro 100 m Höhe (instabil) und blaue Farben für eine geringere Abnahme und daher stabilere Verhältnisse. Die Kombination aus Feuchtigkeit und (In-)Stabilität mündet schließlich in der potentiell zur Verfügung stehenden Energie für die Gewitterentwicklung, dem sogenannten CAPE (rechts). Die Zahlenwerte geben das sogenannte CIN an, das konvektionshemmende Faktoren innerhalb der Luftschichtung angibt. 

Gewitterprognose im Warndienst des DWD teil 3

Abb.3: Vorhersagefelder zur Geschwindigkeitsscherung (links) sowie der Richtungsscherung und Höhe der Wolkenunterkante (rechts). (Quelle: DWD) 

In Abbildung 3 steht die Windscherung im Fokus. Diese stellt – um im Küchensprech zu bleiben – das Gewürz dar und ist wichtig für die weitere Entwicklung eines Gewitters. Dabei unterscheidet man zwischen der Geschwindigkeits- und der Richtungsscherung. Die Geschwindigkeitsscherung (links) kann man wiederum in hochreichende Scherung (0-6 km Höhe, Fläche) und in die Scherung im untersten Kilometer (Low Level Scherung, Zahlen) aufsplitten. Während erstere für den Organisationsgrad und damit die Langlebigkeit und auch Schwere der Gewitter verantwortlich ist, liefert die Low Level Scherung Hinweise für ein mögliches Tornadopotenzial. Für letzteres sind auch die Felder rechts wichtig, die die Richtungsscherung, also die Drehung des Windes mit der Höhe, und die Höhe der Wolkenuntergrenze zeigt. Ist die Richtungsscherung hoch genug, können sich rotierende Gewitter, sogenannte Superzellen entwickeln, an denen sich bei niedriger Wolkenunterkante ein Tornado entwickeln könnte. 

Gewitterprognose im Warndienst des DWD teil 4

Abb.4: Vorhersagefelder zu den Strömungsverhältnissen in verschiedenen Höhen (erste vier Grafiken von links) sowie der Auslösetemperatur und dem Niederschlag (rechts). (Quelle: DWD) 

Die restlichen Bildchen (Abbildung 4) liefern Informationen zu potentiellen Hebungsmechanismen, die zum Beispiel aus den Strömungsverhältnissen in verschiedenen Höhenbereichen resultieren (links ca. 5,5 km, rechts davon ca. 9 km, Mitte bodennah). Das zweite Bild von rechts zeigt die Windstärke und -richtung in verschiedenen Höhenniveaus, woraus man konvergente Windstrukturen herausarbeiten kann und einen Überblick über eine mögliche Winddrehung mit der Höhe bekommt. Rechts ist dann noch die sogenannte Auslösetemperatur zu finden. Wird diese Temperatur erreicht, beginnt die Luft von selbst, aufzusteigen. Dazu gesellt sich eine Niederschlagsprognose, die neben der Menge (Fläche) auch die Art des Niederschlags (Symbole) angibt. 

Durch diese Fülle an Informationen bekommt man also schon mal einen ersten Eindruck darüber, in welchen Regionen das Gewitterpotenzial erhöht ist, welche Begleiterscheinungen erwartet werden können und wo wahrscheinlich keine Gewitter auftreten werden. Doch für eine finale Aussage braucht es noch etwas mehr. Wichtig ist zum Beispiel noch die Sichtung von sogenannten Prognoseaufstiegen, die die vertikale Temperatur- und Feuchteverteilung zeigen. Und dann gibt es natürlich noch weitere Vorhersagemodelle, die manchmal eine völlig andere Idee hinsichtlich der Gewitterlage haben als das, das dem Konvektionsfavoriten zugrunde liegt (ICON). 

Vielleicht haben Sie gesehen, dass sich die betrachteten Felder auf den Ostersonntag beziehen (17 Uhr MESZ). Wie sieht’s denn also aus in Sachen Gewitter? Aktuell ist das Gewitterpotenzial für den Sonntagnachmittag von der Mitte bis zu den Alpen etwas erhöht. Während dabei im Westen eher der Starkregen als Begleiterscheinung im Fokus steht (geringe Verlagerungsgeschwindigkeit, erhöhte PPW-Werte), sollte man im Süden/Südosten den Wind im Blick haben aufgrund erhöhter Scherungswerte und relativ trockener Grundschicht (hohe Wolkenuntergrenze). 

Mit Blick auf andere Modelle gibt es im Detail aber durchaus noch gewisse Unsicherheiten. Nur eines ist ziemlich sicher: Langweilig wird es bei der Gewittervorhersage nicht! 

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Niederschlagsbilanz

Bereits in den vergangenen Tagen haben wir über den Wetterwechsel und das Wetter am Osterwochenende berichtet. Dabei gab es auch immer wieder gute Aussichten für die langsam austrocknenden Oberböden. Allerdings sprang und springt die Vorhersage. Regional wird es aber wohl nass. Wobei auch Starkregen, also relativ viel Regen in kurzer Zeit, wahrscheinlich ist. Das tut dem trockenen Boden nicht gut, denn er kann nur bedingt Regen aufnehmen. Wenn es viel Nass in kurzer Zeit gibt, fließt das meiste oberflächlich ab und trägt nur wenig zur Durchfeuchtung bei.

Seit Monatsbeginn fiel vor allem im Westen und Nordwesten Deutschlands Regen. Dabei gibt es kleinere Regionen, in denen in 17 Tagen immerhin rund 30 l/qm zusammenkamen. Östlich des Rheins nehmen die Niederschlagsmengen rasch und deutlich ab. Teilweise fiel nichts.

Niederschlagsbilanz teil 1

Aus Radarmessungen ermittelter gefallener Niederschlag vom 01.04.2025 bis 17.04.2025 

Wenn man die gefallene Niederschlagsmenge in Relation zur durchschnittlichen Monatsmenge für April (aus den Jahren 1991 bis 2020) setzt, dann fallen einem die trockenen Regionen in der Osthälfte Deutschlands sofort auf.

Niederschlagsbilanz teil 2

Prozentualer Anteil bisheriger Niederschlagsmenge im April an durchschnittlicher Gesamtmonatsmenge 

Grund für die lange Trockenheit waren ausgeprägte Hochdrucklagen, die zumeist trockene Festlandsluft aus Osten zu uns geführt haben. Erst mit der Annäherung von Tiefdruckgebieten am letzten Wochenende wurde die Luft allmählich feuchter und Schauer sorgten lokal für Entspannung.

Bis zum vergangenen Samstag sah die Niederschlagsverteilung im April folgendermaßen aus:

Niederschlagsbilanz teil 3

Aus Radarmessungen ermittelter gefallener Niederschlag vom 01.04.2025 bis 12.04.2025  

Für die kommenden Ostertage ist nun mit anhaltendem Tiefdruckeinfluss etwas Entspannung in Sachen Trockenheit in Sicht. Allerdings bestimmt nicht ein Tiefdrucksystem unser Wetter, sondern mehrere. Und darin liegt dann auch das Problem. Die Interaktion der einzelnen, meist kleinen Systeme lässt sich schwer vorhersagen. Entsprechend springt die Niederschlagsprognose. Eine Region, die im Vorlauf des Modells noch mit 20 Liter Regen pro Quadratmeter bedacht wurde, ist im nächsten Lauf unter Umständen komplett trocken.

Nach aktuellen Modellen soll vor allem im Westen Regen fallen. Bis Dienstagmorgen sind dort akkumuliert verbreitet 20 bis 30 l/qm möglich. Nach Osten und Südosten hin fallen die Mengen deutlich geringer aus. Teilweise werden nur gut 5 l/qm prognostiziert.

Niederschlagsbilanz teil 4 

Modellvergleich der Niederschlagsvorhersage (akkumulierte Mengen) bis Dienstagmorgen, 22.04.2025 

Es wird also insgesamt über die Osterfeiertage feuchter in Deutschland. Da die meisten Niederschläge aber konvektiver Art sein werden, wird es wohl nicht jeden treffen. Auch am Dienstagmorgen wird es einzelne Orte in Deutschland geben, die keinen oder nur sehr wenig Niederschlag gesehen haben werden.
 

 

Dipl. Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

Starker Temperaturkontrast mit Folgen

Eine ausgeprägte Tiefdruckzone erstreckt sich aktuell von Nordafrika über Italien bis zu den Britischen Inseln. Dabei kommt die kalte Luft an der Westflanke der Tiefdruckzone sehr weit nach Süden bis in den westlichen Mittelmeerraum voran. Im Gengenzug gelangt die warme Luft an der Ostflanke bis nach Skandinavien. Daher herrscht zurzeit in Europa ein ausgeprägter thermischer Gegensatz: In Westeuropa ist es fast winterlich und in Südost- und Osteuropa sommerlich warm bis heiß. Dieser starke Temperaturkontrast sorgt auch für Unwetter, dabei ist Italien besonders betroffen. 

Starker Temperaturkontrast mit Folgen teil 1 

Bodenanalyse mit fronten und Luftdruck, Mittwoch den 16.04.2025 12 UTC (Quelle: DWD) 

Deutschland liegt genau an der Grenze zwischen der kalten und der warmen Luft. Deshalb haben wir am heutigen Mittwoch eine Zweiteilung des Wetters. In der Osthälfte werden wir mit Höchstwerten bis zu 27 Grad zum ersten Mal in diesem Jahr häufig die 25-Grad-Marke überschreiten, ein Sommertag per Definition. Dabei zeigt sich das Wetter auch meist freundlich und trocken. In der Westhälfte hingegen schaffen wir nur mit Mühe die 20-Grad-Marke, im äußersten Westen werden nicht mal 15 Grad erreicht. Dabei ist der Himmel stark bewölkt oder bedeckt und es regnet zeitweise. Im Übergangsbereich dieser Luftmassengrenze grob zwischen Schwaben und Schleswig-Holstein können sich vor allem am Nachmittag und am Abend vereinzelte kräftige Gewitter entwickeln. 

Diese Zweiteilung hält sich auch über die Nacht hinaus. In der Westhälfte regnet es zeitwiese weiter und im Osten zeigt sich der Himmel meist klar oder gering bewölkt. Zudem liegen die Tiefstwerte zwischen 8 und 4 Grad im Westen und 14 und 8 Grad im Osten. 

Starker Temperaturkontrast mit Folgen teil 2

Wetter- und Temperaturkarte, Mittwoch 16.04.2025 (Quelle: DWD) 

Am Donnerstag ändert sich an der Wetterlage kaum etwas. Der Temperaturkontrast wird noch größer: In der Westhälfte unter den dichten Wolken und dem zeitweiligen Regen werden 9 bis maximal 14 Grad erreicht, im Osten hingegen klettern die Temperaturen auf sommerliche 25 bis 28 Grad, dabei scheint dort die Sonne. Zwischen Bayern und Westmecklenburg im Übergangsbereich sind erneut einzelne starken Gewitter möglich. 

In der Nacht zum Karfreitag ist mit Ausnahme des Ostens recht verbreitet mit schauerartigem Regen zu rechnen, bei Tiefstwerten zwischen 14 Grad in der Lausitz und 4 Grad in der Eifel. 

Starker Temperaturkontrast mit Folgen teil 3

Wetter- und Temperaturkarte, Donnerstag 17.04.2025 (Quelle: DWD) 

Karfreitag wird für einige ein verregneter Tag, denn vielerorts kommt es zu teils kräftigem Regen. Auch im Osten, anders als an den Vortagen, entstehen nun im Tagesverlauf einzelne Gewitter, wobei es nicht mehr so warm wird. Die dortigen 19 bis 23 Grad dürften sich für viele aber angenehmer anfühlen als die kühlen 8 bis 13 Grad im Dauergrau und Dauerregen. 

Und wie geht’s dann weiter über die weitere Osterzeit? Es bleibt durchwachsen. Zwischendurch gibt es längere trockenere Phasen, aber man muss auch immer wieder mit Schauern oder Gewittern rechnen. Die Temperaturen steigen im Westen wieder an und liegen dann bei sehr milden 17 bis 23 Grad. 

Starker Temperaturkontrast mit Folgen teil 4

Aussichten von Karfreitag bis Ostersonntag 18.-20.04.2025 (Quelle: DWD) 

Nach langer Zeit ist also in vielen Regionen mit dem von der Natur herbeigesehnten Regen zu rechnen. Ob das nun gerade an Ostern hätte sein müssen, bleibt mal dahingestellt. 

Dipl. Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.04.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst