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Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 2

18. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO
  1. Sedimentgesteine:

    Bereits die geomorphologischen Merkmale von (Sediment-)Gesteinen können wertvolle Informationen für die Rekonstruktion früherer Klimabedingungen liefern. Die Geomorphologie befasst sich mit der Form und Entwicklung der Erdoberfläche, also mit der Entstehung und Veränderung von Landschaften. Charakteristische Landschaftsformen wie Gletscherkratzspuren (Abbildung 1) entstehen beispielsweise, wenn Gletscher andere Gesteine über das darunterliegende Material bewegen und dabei linienförmige Rillen hinterlassen. In Regionen wie Afrika, Südamerika, Indien und Australien lassen sich parallele Schleifspuren nachweisen, die unter heutigen klimatischen Bedingungen ungewöhnlich erscheinen. Diese Spuren gelten jedoch als Belege für die Existenz des ehemaligen Superkontinents Gondwana und seine weitreichende Vergletscherung während der Karbon-Perm-Eiszeit vor etwa 360 bis 260 Millionen Jahren. Weitere geomorphologische Strukturen mit klimatischer Aussagekraft sind Wellenrippel (Abbildung 1), die durch Wasser- oder Windbewegung entstehen, Gletschermoränen, Dünen sowie alte Flussterrassen. 

Abbildung 1: Links: Gletscherkratzspuren in Gesteinen nahe dem Moiry-Gletscher in der Schweiz; Rechts: Wellenrippel in einem Gestein aus der Perm-Zeit, Nomgon, Mongolia. (Quelle: Mangouste48 – CC BY-SA 4.0 & Matt Affolter – CC BY-SA 3.0) 

Aber auch die innere Beschaffenheit von Sedimentgesteinen – etwa deren Farbe, Korngrößenverteilung, Sortierung und Zusammensetzung – bietet wichtige Hinweise auf vergangene Umwelt- und Klimabedingungen. So entstehen feinkörnige Ablagerungen oft durch äolische Ablagerung (Wind) in Trockenperioden, während grobsortierte Sedimente mit eingelagerten Klasten (feste Gesteinsbruchstücke) und organischem Material typisch für Überschwemmungen sind.

Im Inneren von Sedimenten – besonders in Schichten am Boden von Seen und Meeren – verbergen sich weitere natürliche Archive. Die Sedimente lagerten sich über Jahrtausende hinweg ab und konservierten dabei eine Vielzahl biologischer Spuren in Form von (Mikro-)Fossilien wie Foraminiferen, Schalen und Muscheln, Korallen, Pollen oder Blätter, die als Klimaproxys dienen können. Korallen beispielsweise, die (ähnlich wie Bäume) jährliche Wachstumsringe ausbilden, lassen anhand der Dicke und Zusammensetzung Rückschlüsse auf Wassertemperaturen, Nährstoffverfügbarkeit und sogar das Auftreten von Stürmen sowie El-Niño-Ereignisse ziehen. Kalkschalen enthalten Sauerstoff, dessen Isotopenverhältnis in diesem Fall von den Wassertemperaturen abhängig ist. Auch Spurenelemente wie Magnesium oder Strontium, die im Kalk enthalten sind, korrelieren mit den Wassertemperaturen. Aus pflanzlicher Sicht verraten uns die Form und Größe fossiler Blätter weitere Details. Große, glattrandige Blätter deuten auf ein warmes und feuchtes Klima hin – typisch für tropische Regenwälder. Im Gegensatz dazu weisen kleine, gezackte Blätter auf ein kühles, trockeneres Klima hin, wie man es in gemäßigten Breiten findet. Verschiedene eingeschlossene Pollen zeigen, welche Vegetation und damit welches Klima damals vorherrschend war. So konnte man zum Beispiel in der Eifel den abrupten Klimaumschwung von der Kaltzeit zur heutigen Warmzeit (vor rund 12.000 Jahren) anhand von Pollenanalysen aus Sedimenten der Meerfelder Maare nachweisen (Litt & Stebich 1999). Während der Jüngeren Dryas dominieren Pollen von kleinen Sträuchern und Gräsern, was auf kalttrockene, tundrenartige Bedingungen hinweist. Mit Beginn des Holozäns nimmt die Häufigkeit von Birke und Kiefer zu, gefolgt von wärmeliebenden Baumarten wie Hasel und Ulme, was den Wechsel zu milderen, waldreichen Verhältnissen zeigt.

Klimaproxys spiegeln aber oft nicht nur eine einzelne Größe wie Temperatur oder Niederschlag wider, sondern eine Kombination verschiedener Umweltfaktoren. Diese Zusammenhänge müssen wissenschaftlich entschlüsselt werden – dafür nutzen Wissenschaftler in der sogenannten Paläoklimatologie ausgeklügelte statistische Modelle. Ihre Aufgabe ist es außerdem, aus den Proxys quantitative Daten, also tatsächliche numerische Werte zu ermitteln. Da Proxys keine Klimavariablen direkt messen, ist eine Umrechnung erforderlich. Dieser Prozess heißt Kalibrierung und erfolgt meist auf zwei Arten: Die erste ist die zeitliche Kalibrierung. Hier wird eine Zeitspanne genutzt, in der sowohl Proxy-Daten als auch direkte Wetteraufzeichnungen vorliegen, also meist die letzten 100 Jahre. Mithilfe statistischer Methoden (z.B. Regressionsanalysen) wird ein mathematischer Zusammenhang hergestellt, der es erlaubt Proxy-Werte in Klimagrößen umzuwandeln. Nach mehrmaligen Validierungstests um Unsicherheiten zu verringern, kann diese Beziehung auf frühere Zeiten ohne Messdaten übertragen werden. Die Zweite wird als räumliche Kalibrierung bezeichnet. Dabei wird geprüft, ob das geografische Muster der Proxy-Daten mit bekannten räumlichen Klimamustern (z.B. Temperaturverteilungen) übereinstimmt. Sie stellt sicher, dass die Verteilung der Proxys sinnvoll ist und für großräumige Rekonstruktionen genutzt werden kann. Das bedeutet: Beide Kalibrierungsarten sind komplementär. Für zuverlässige Klimarekonstruktionen braucht es also gut kalibrierte Proxys, die sowohl zeitlich als auch räumlich stimmige Ergebnisse liefern. In manchen Fällen wird auch eine Proxy-zu-Proxy-Kalibrierung verwendet. Etwa, wenn keine direkten Messdaten, aber andere gut verstandene Proxys zur Verfügung stehen.

Wie so oft in der Wissenschaft gibt es auch hier einige Unsicherheiten. Denn Proxys reagieren nicht nur auf das Klima, sondern auch auf andere Umweltfaktoren – etwa menschlichen Einfluss, Vulkanausbrüche, tektonische Prozesse oder biologische Aktivitäten wie Bioturbation. Solche Einflüsse können die ursprünglichen Klimasignale verändern oder überlagern. Auch die Klimasensitivität eines Proxys, also wie stark er auf klimatische Veränderungen reagiert, kann sich im Lauf der Jahrhunderte verändern. So zeigen manche Baumringdaten nach 1950 keine klare Reaktion mehr auf ansteigende Temperaturen. Zudem beruhen Kalibrierungen meist auf relativ kurzen Zeiträumen und können daher durch äußere Einflüsse verfälscht sein. All das macht die Interpretation von Proxy-Daten anspruchsvoll – aber nicht unmöglich, weshalb Klimaproxys dennoch das zentrale Werkzeug der Paläoklimatologie bleiben. Sie liefern oft die längsten und verlässlichsten Klimaaufzeichnungen, da die Unsicherheiten minimiert werden können. Dafür kombinieren Forschende verschiedene Proxys im sogenannten Multi-Proxy-Ansatz. So lassen sich lokale Störeinflüsse ausgleichen und robustere Klimasignale gewinnen. Weltweite Proxy-Datenbanken sorgen für eine gute räumliche und zeitliche Abdeckung, während Klimamodelle helfen, die physikalischen Zusammenhänge besser zu verstehen und die Daten korrekt zu deuten. Verbesserte Datierungsmethoden und experimentelle Studien machen die Ergebnisse zusätzlich belastbar und schaffen so eine solide Grundlage für die Rekonstruktion der Klimageschichte, wie in Abbildung 2 gezeigt. 

Abbildung 2: Temperaturanomalien bis zum Jahr 0 im Vergleich zu 1961-1990. Farbige Linien stellen geglättete Ergebnisse für 7 verschiedene statistische Berechnungsmethoden dar, die auf globaler Sammlung von Paläoklimadaten (Proxys) basieren. Graue Schattierung zeigt den Unsicherheitsbereich, das 2,5 & 97,5 Perzentil ist durch schwarzgepunktete Linien gekennzeichnet. Die schwarze Kurve zeigt die instrumentellen Daten für 1850 – 2017.(Quelle: PAGES 2k Consortium 2019.) 

 

  1. Sc. Aaron Gentner
    Deutscher Wetterdienst
    Vorhersage- und Beratungszentrale
    Offenbach, den 18.06.2025
    Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Der-Schluessel-zur-Klimageschichte-Klimaproxys-–-Teil-2-1.png 720 2039 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-18 21:09:252025-06-19 21:18:19Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 2

ICON-RUC – Wetterupdate im Stundentakt

17. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das Rückgrat unserer Wettervorhersage ist unser globales Wettermodell ICON (ICOsahedral Nonhydrostatic Model). Dabei werden weltweit Wetterdaten wie Temperatur, Druck und Feuchtigkeit von Wetterstationen, Wetterballons, Flugzeugen und Satelliten gesammelt. Diese dienen als Ausgangsdaten für Gleichungen, mit denen das Wetter dann numerisch in die Zukunft berechnet wird. ICON verwendet dafür ein mathematisches Gitter aus Vielecken, sogenannten Ikosaedern, das die Erdoberfläche besser darstellt als ein klassisches Rechteckgitter. Dieses Modell wird alle 6 Stunden neu berechnet. 

Die Deutsche Modellkette von ICON zu ICON-EU bis ICON-D2 mit Ikosaeder-Gitter. (Quelle:DWD) 

Für Europa und Umgebung wird ein Ausschnitt mit einer Auflösung von 6 km berechnet (ICON-6 oder ICON-EU). Darin eingebettet wird, für den Mitteleuropa-Ausschnitt alle 3 Stunden mit aktuellen Daten nun als sogenanntes Lokalmodell ICON-D2 mit einer noch höheren Auflösung von etwa 2 km berechnet, um eine genauere lokale Vorhersage für die nächsten zwei Tage zu bekommen. Dabei fließen auch Daten aus aktuellen Radarmessungen ein. Dies hat unter anderem den Vorteil, dass insbesondere Gewitterzellen, die durch das globale, grobmaschigere Modell durchfallen können, vom Lokalmodell besser simuliert werden können. 

Gewitterlagen sind in der Regel sehr dynamisch. Schon kleine Änderungen können große Auswirkungen auf die Vorhersage haben. So können innerhalb weniger Minuten neue Gewitterzellen entstehen, die meist lokal begrenzt sind, aber vor Ort große Auswirkungen, z. B. durch Starkregen, Sturmböen und Hagel, haben können. Um auf die veränderten atmosphärischen Bedingungen schnell zu reagieren, ist der Abstand von drei Stunden zwischen den Modellrechnungen von ICON-D2 häufig zu lang. Hier kommt ICON-RUC ins Spiel. Dabei steht RUC für (Rapide Update Cycle) Durch eine stündliche Aktualisierung und eine hohe räumliche Auflösung kann das Modell kurzfristige Wetterveränderungen sehr präzise darstellen. So lassen sich bei zum Beispiel bei sommerlichen Gewitterlagen die Regionen besser eingrenzen, in denen die Gewitteraktivität besonders hoch ist. 

Das Besondere an ICON-RUC ist, dass es die mikrophysikalischen Prozesse bei der Niederschlagsbildung mithilfe des sogenannten 2-Momenten-Schemas besser berechnen kann. Dabei wird einerseits die Anzahl der Teilchen berücksichtigt, also wie viele Regentropfen oder Eiskristalle sich in einem bestimmten Luftvolumen befinden. Andererseits werden auch die Masse und das Volumen der Teilchen berücksichtigt, also wie groß oder wie schwer sie sind. Dadurch ergeben sich deutlich realistischere Radarbilder in den Modellsimulationen. Unter anderem ist es nun möglich, die Hagelmasse und die Größe der Hagelkörner mittels dieses Modells zu berechnen. Durch dieses Schema erhofft man sich auch eine genauere Vorhersage von Starkregen und Schneefall. 

Die 2-Stunden-Vorhersage der simulierten Radarreflektivität von ICON-D2 (links) und ICON-RUC (Mitte) sowie die gemessene Radarreflektivität (rechts) zeigen die Gewitter in Mittelsachsen bei Dresden am Sonntagabend (15.06.2025). 

Auch weitere Eigenschaften von Gewitterzellen wie Rotation, Aufwindgeschwindigkeiten und Wassergehalt lassen sich ermitteln. Sie geben Hinweise auf die Intensität sowie auf Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen und Sturmböen. In Zukunft ist es das Ziel, die vom ICON-RUC simulierten Gewitterzellen mit den aktuellen, im Radar beobachteten Zellen zu verschneiden, um einen nahtlosen und bruchfreien. Übergang von Nowcasting (Kürzestfristvorhersagen, die die nächste Stunde umfassen) zu Modellvorhersagen für die nächsten Stunden zu erreichen. 

Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/ICON-RUC-–-Wetterupdate-im-Stundentakt-1.png 1444 1200 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-17 18:54:162025-06-19 19:02:15ICON-RUC – Wetterupdate im Stundentakt

Rückblick auf die Gewitterlage vom vergangenen Wochenende

16. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoch XARA sorgte für das erste hochsommerliche Wochenende mit Höchsttemperaturen, die vor allem am Samstag verbreitet um oder über 30 Grad lagen. Spitzenreiter war dabei Kitzingen mit einem Höchstwert von 35,5 Grad. Doch bereits am Samstag nahm der Einfluss von XARA langsam ab. Das Hoch verlagerte sich mit seinem Schwerpunkt in Richtung Baltikum. Davor wurde aber nochmals ein Schwall heißer und vor allem auch feuchter Subtropikluft herangeführt. Gleichzeitig näherte sich Tief XHEVAT von Westen. Im Vorfeld der Kaltfront von XHEVAT bildete sich eine Tiefdruckrinne aus, an der es bereits am Vormittag von Nordfrankreich bis nach Belgien zu teils kräftigen Gewittern kam.

Da weite Teile des Bundesgebietes aber noch unter dem Höhenrücken lagen, kam es nur vereinzelt zur Auslöse von Schauern und Gewittern. Lediglich im Westen sorgte ein schwach ausgeprägter Kurzwellentrog für die nötigen Hebungsprozesse, um kräftigere Gewitter entstehen zu lassen. Aufgrund der sehr energiereichen Luftmasse, aber nur einer geringen vertikalen Windscherung, stand dabei der Starkregen im Fokus. Die pulsierenden Gewitterzellen sorgten lokal für unwetterartige Niederschlagsmengen. An der Station Wünnenberg-Eilern in Westfalen wurde sogar eine Stundenmenge von 59 Liter pro Quadratmeter verzeichnet. Dies entspricht dem Warnkriterium „extremes Unwetter“.

Analyse der Großwetterlage für Sonntag, den 15. Juni um 00 UTC. Im Vorfeld der Kaltfront ist eine schwache Tiefdruckrinne mit einer Konvergenzzone über Deutschland erkennbar. (Quelle: DWD) 

In der Nacht auf Sonntag kam die Kaltfront etwas weiter nach Osten voran. Am Morgen lag diese bereits im äußersten Westen Deutschlands. Zuvor bildeten sich über Nordfrankreich kräftige Gewitter aus. Aufgrund von etwas günstigeren Scherungsbedingungen konnten diese sich besser organisieren. Am frühen Morgen erreichten die Gewitter den Westen und Südwesten des Landes. Auch dort lag das Hauptaugenmerk in der sehr feuchten und energiereichen Luftmasse auf den Starkregen. Ein Cluster aus Multizellengewitter sorgte vor allem rund um die Eifel für teils unwetterartige Niederschlagsmengen. An der Grenze zu Luxemburg wurden örtlich um 40 Liter pro Quadratmeter innerhalb von wenigen Stunden registriert.

Am Vormittag entspannte sich die Situation vorübergehend etwas. Während im Nordwesten bereits die deutlich kühlere Meeresluft eingeflossen ist, wurde vor der herannahenden Kaltfront nochmals feuchtheiße Luft aus dem Mittelmeerraum herangeführt. Damit entwickelten sich ab dem Nachmittag im Osten und Süden vermehrt kräftige Gewitter. Die sehr feuchte und energiereiche Luftmasse brachte ein sehr hohes Starkregenpotential mit sich. Aufgrund der relativ geringen Windscherung war dagegen das Risiko für Orkanböen und sehr großen Hagel gering. 

Radarbild, sowie die einstündige Niederschlagssumme bis Sonntag 18 UTC. In Aue im Erzgebirge brachte der Gewitterkomplex 65 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur einer Stunde. (Quelle: DWD) 

Somit wurde bereits am Vormittag eine Vorabinformation für schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und Hagel für den Süden und Südosten und für den Erzgebirgsraum ausgegeben. Gerade im Erzgebirgsraum sorgte ein sich nur sehr langsam bewegender Gewitterkomplex für extreme Niederschlagsmengen. So registrierte die Wetterstation in Aue im Erzgebirge eine Stundenmenge von 65 Liter pro Quadratmeter. Innerhalb von wenigen Stunden kamen dort insgesamt sogar 96 Liter pro Quadratmeter zusammen. Dies sorgte in der Region für großräumigere Überschwemmungen. Zudem traten örtlich größere Hagelansammlungen auf. Stellenweise kam es außerdem zu Sturmböen (Bft 9). Aber auch in Bayern entwickelten sich ab dem Nachmittag unwetterartige Gewitter. Dort wurde das Unwetterkriterium ebenfalls vor allem bezüglich Starkregens gebrochen. Teilweise kam es zudem zu größerem Hagel mit einem Korndurchmesser um 3 cm. Im Laufe des Abends entspannte sich die Unwettersituation im Osten deutlich. In Südostbayern gab es aber bis in die Nacht hinein noch weitere kräftige gewittrige Regenfälle.
 

24 Stunden Niederschlagsmenge für Samstag und Sonntag. Während am Samstag vor allem der Westen von kräftigen Gewittern mit Starkregen betroffen war, lag der Schwerpunkt am Sonntag im Süden und Osten. (Quelle: DWD) 

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Rueckblick-auf-die-Gewitterlage-vom-vergangenen-Wochenende-1.png 710 1000 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-16 18:44:112025-06-19 18:52:44Rückblick auf die Gewitterlage vom vergangenen Wochenende

Erste Tornadozwischenbilanz 2025

15. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Einleitung 

Nachdem die diesjährige Tornadosaison etwas Mühe hatte in Gang zu kommen, kamen in den zurückliegenden gut zwei Wochen einige neue Fälle in die Datenbank. Gesammelt werden die Tornadofälle in Deutschland unter anderem in der europäischen Unwetterdatenbank (eswd.eu) oder über die Tornadoliste Deutschland (tornadoliste.de). Letztere Seite sammelt auch viele Verdachtsfälle und sogenannte plausible Fälle. Diese plausiblen Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt nochmal genauer unter die Lupe genommen, die Wahrscheinlichkeit ist aber sehr hoch, dass diese noch bestätigt werden. 

Tornadofälle bisher 

Insgesamt gab es bereits 13 bestätigte Tornados und sechs plausible Fälle. Das ist eine gute Gelegenheit, um einmal zu schauen, was bisher schon passiert ist. 

Das Bild zeigt alle im Jahr 2025 bisher bestätigten Tornadofälle sowie die plausiblen Fälle in Deutschland. 

Den ersten bestätigten Tornado des Jahres gab es am 30. März in Uenze in Brandenburg. Dies war ein relativ kurzlebiger Tornado der Stärke IF1 (~150 km/h). Schäden wurden auf einer Länge von 1.3 km erfasst. Dann gab es auch aufgrund beständiger Hochdrucklagen eine längere Pause. 

Interessant wurde es wieder am ersten Maiwochenende. Nun waren wieder Tiefausläufer am Zuge und auch die für organisierte Gewitter und Tornados so wichtige Zutat Windscherung war recht üppig vorhanden. Bei Windscherung ist es ausschlaggebend, dass sich der Wind bezüglich Richtung und Stärke möglichst stark mit der Höhe ändert. So kam es am 2.Mai zu einem schwachen Tornado in Oppenwehe, am 3.Mai wurden dann zwei Tornados in Hessen (Biebertal, Stolzhausen bei Bebra), sowie einer im sächsischen Vogtland (Unterheinsdorf) registriert, wobei die beiden hessischen Tornados eine Stärke von IF1.5 (~180 km/h) hatten. Die Vorortuntersuchung wurde von der Vereinigung TorKUD (Tornado Kartierung und Untersuchung Deutschland) unter anderem mit Drohnen durchgeführt. Solche Aufnahmen ermöglichen es, ein genaues Schadensmuster zu erstellen und daraus abzuleiten, ob es sich tatsächlich um einen Tornado gehandelt hat. TorKUD ist damit ebenfalls ein wichtiger Partner des DWD.
Schließlich wurde noch am 4.Mai. auf Usedom eine Wasserhose beobachtet. 

Bisher aktivste Tornadophase und stärkster Tornado des Jahres 

Nach einer weiteren hochdruckbedingten Pause folgte die bisher aktivste Tornadophase in Deutschland. Los ging es am 28.05.2025. An diesem Tag sind insgesamt mindestens vier Tornados aufgetreten, drei davon in Hessen (Bieber, Steinau an der Straße und in Hessisch-Lichtenau)) und ein weiterer in Untertheres bei Schweinfurt in Unterfranken. Vor allem bei dem Fall in Nordhessen gab es größere Gebäudeschäden, da der Tornado auf einer Strecke von 1.4 km über bebautes Gebiet gezogen ist. 

Der bisher stärkste Tornado der Saison trat am 4. Juni in Donaustetten bei Ulm auf. Auf einer Strecke von 15.5 km wurden Schäden bis in einen Bereich von IF2 (~220 km/h) festgestellt. Damit war dies auch der erste signifikante Tornado im Jahr 2025 (im Schnitt gibt es etwa vier starke Tornado im Jahr in Deutschland, mind. IF2). Die Schadenanalyse wurde wieder von TorKUD durchgeführt und zeigte eine maximale Tornadobreite von 310 m. Am stärksten war unter anderem eine Baumallee und eine Wohnsiedlung betroffen. In der Siedlung gab es an einem Haus beträchtliche Schäden. Das Hausdach und Teile des Dachstuhls wurden stark beschädigt. 

Im Bild sind die Schadensspur (oben links) sowie einige Schadensbilder des starken Tornados in Messtetten bei Ulm zu sehen. 

Zuletzt gab es noch zwei Tornados in Mecklenburg-Vorpommern. Am 07.06. war die Gemeinde Glewitz (südlich von Stralsund) betroffen (Stärke IF1) und am 10.06. die Stadt Greifswald (IF0.5). Der Grund für die gehäuften Tornadomeldungen und Verdachtsfälle war die sehr dynamische Wetterlage der vergangenen Wochen. 

Auch am gestrigen Samstag möglicherweise ein Tornado 

Auch gestern haben unsere Tornadoexperten beim DWD (tornado@dwd.de) zahlreiche Beobachtungen eines weit nach unten reichenden Funnels erreicht. Betroffen war ein Gebiet zwischen Bad Lippspringe und Altenbeken in Ostwestfalen. Zwar liegen bisher keine Meldungen über Schäden vor, es ist aber sehr wahrscheinlich, dass auch am Boden ein Wirbel vorhanden war. Möglicherweise wurde aber nur unbewohntes Gebiet getroffen, sodass mögliche Auswirkungen nur mit einer Vor-Ort Untersuchung zu ermitteln sind. 

Ausblick 

Auch unter Berücksichtigung der plausiblen, noch nicht bestätigten Fälle, hält sich die Anzahl der Tornados bisher noch in Grenzen. Zur durchschnittlichen Anzahl von 49 Tornados im Jahr, sind noch einige Fälle nötig. Es folgen aber noch zweieinhalb Sommermonate und auch im September ist die Tornadowahrscheinlichkeit noch erhöht. Zudem kann es besonders im August und September auch häufig Wasserhosen an Nord- und Ostsee geben. Um jetzt schon die aktuelle Saison zu bilanzieren, ist es also noch viel zu früh. 

Im Bild oben sind die tornado stripes zu sehen. Sie zeigen die Entwicklung der Tornadozahlen in Deutschland im Vergleich zum Mittelwert zwischen 2000 und 2024. Darunter ist der Jahresgang der Tornadoaktivität in Deutschland zu sehen. Die große Anzahl an Tornados im August kommt vor allem durch Wasserhosen zu Stande.  

Nachdem es heute vor allem im Osten und Süden nochmal ordentlich zur Sache geht (mit allerdings nur geringem Tornadopotential), kehrt dann zu Beginn der neuen Woche wieder Ruhe ein und es steht eine möglicherweise wieder längere Tornadopause bevor. 

Dipl.-Met. Marcus Beyer 

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Erste-Tornadozwischenbilanz-2025-1.png 911 707 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-15 18:33:052025-06-19 18:43:28Erste Tornadozwischenbilanz 2025

Gewitterlage mit (großen) Unsicherheiten

14. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Unser Sommerhoch XARA verlässt uns, es liegt am heutigen Samstagmittag schon über der zentralen Ostsee und kommt in den kommenden Stunden auch noch weiter nach Osten voran, aber man merkt beim Blick auf die Wetterkarten auch, dass ihm allmählich die Puste ausgeht und es sich entsprechend abschwächt.

Damit betritt Tief XHEVAT die Wetterbühne über Mitteleuropa. Seine Front überquert uns von West nach Ost und sie bringt in ihrem Vorfeld, aber auch mit der Frontpassage selbst teils kräftige Gewitter. Das sehen alle Modelle so. Aber schon der Blick auf nur ein Detail zeigt doch deutliche Unterschiede.

Dieses Beispiel soll der Niederschlag am heutigen Nachmittag und frühen Abend sein, zu finden in den Abbildungen eins und zwei. Sie zeigen die Prognosen des 3-stündigen Niederschlages von sechs verschiedenen Vorhersagemodellen, in Abbildung eins ist es das Zeitfenster bis 15 UTC (entspricht 17 MESZ), in Abbildung zwei das Zeitfenster bis 18 UTC (entspricht 20 MESZ). 

3-stündiger Niederschlag bis 15 UTC (17 MESZ) für die sechs Vorhersagemodelle ICON6_Nest (oben links), ICON-D2 (oben Mitte), AROME (oben rechts), EZMW (unten links), GFS (unten Mitte) und UK10 (unten rechts) 

In Abbildung eins fällt der große rote Klecks im oberen rechten Bild südlich des Ruhrgebiets auf. Das zugehörige Modell (AROME) stammt von unseren französischen Kolleginnen und Kollegen und fällt auf den ersten Blick völlig aus dem Rahmen. Das gilt aber nur für die mit über 50 l/qm in drei Stunden exorbitant hohen Niederschlagsmengen, denn das Muster der Niederschlagsverteilung findet sich auch im Bild unten rechts wieder, beim Modell UK10 des Britischen MetOffice. Zumindest über Nordrhein-Westfalen. Dagegen lässt der Schauer- und Gewitterstreifen von der Saar bis in den Westerwald, den AROME ebenfalls anbietet, das UK10 völlig kalt.

Auffällig ist bei beiden Niederschlagsclustern auch, dass sie eine Nord-Süd-Orientierung haben. Die bieten auch unser DWD-Modell ICON-D2 (oben Mitte) und das amerikanische GFS (unten Mitte) an. Aber verglichen mit der hier einfach mal willkürlich als Benchmark definierten Position der AROME-Niederschläge liegen diese etwa 100 km weiter westlich (ICON-D2) oder 200 km weiter süd-südwestlich (GFS). Und die beiden Fehlenden, unser ICON6_Nest (oben links) und EZMW (unten links)? Die sind scheinbar beide so gar nicht auf Regen getrimmt.

Aber man muss eines hinzufügen: Je feiner die Auflösung des Modells, je kleiner also die Gitterweite bei den Berechnungen, desto besser werden die konvektiven Niederschlagsspitzen aufgelöst. Da ist zum Beispiel das EZMW (unten links) mit relativ grober Auflösung klar im Nachteil. Und während das EZMW in diesem Vergleich noch mit dem Modellauf von heute Nacht um 00 UTC antritt, sind die anderen Modelle teils deutlich später angestoßen worden. 

3-stündiger Niederschlag bis 18 UTC (20 MESZ) für die sechs Vorhersagemodelle ICON6_Nest (oben links), ICON-D2 (oben Mitte), AROME (oben rechts), EZMW (unten links), GFS (unten Mitte) und UK10 (unten rechts) 

All diese Überlegungen und Erklärungen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Modellunterschiede für den vergleichsweise kurzen Vorhersagezeitraum bemerkenswerte groß ausfallen. Und das gilt auch für das Zeitintervall bis 18 UTC (Abbildung 2). Jetzt ist es das amerikanische GFS (unten Mitte), das mit viel roter Farbe über dem östlichen Ruhrgebiet die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Dort ist auch UK10 (unten rechts) am aktivsten, aber bei weitem nicht so niederschlagsaffin wie GFS. Interessant: Der Schwerpunkt von GFS liegt exakt dort, wo auch AROME seinen Niederschlagsschwerpunkt positioniert hatte – nur eben drei Stunden später. Hier ergibt sich also eine räumliche Konsistenz über die verschiedenen Zeitfenster hinweg. Aus dem Rahmen beim 18 UTC-Vergleich fällt ICON-D2 mit einer einzelnen Zelle über dem Taunus – dort wo es laut der übrigen Modelle weitgehend trocken bleiben soll.

Zurückzuführen sind diese Unterschiede auf viele divergierende Modelldetails, beispielsweise in der Höhenströmung, in der Verlagerungsgeschwindigkeit der Kaltfront von Tief XHEVAT, in der Feuchte, der Labilität der Atmosphäre oder der Bodendruckverteilung, um hier nur einige zu nennen. Eines ist aber klar: Diese Frontpassage mit ihren teils kräftigen Gewittern wird noch einige Überraschungen für uns parat halten. 

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Gewitterlage-mit-grossen-Unsicherheiten-1.png 630 1002 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-14 18:25:082025-06-19 18:32:22Gewitterlage mit (großen) Unsicherheiten

Hitzewarnsystem des DWD

13. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit Herausgabe von Hitzewarnungen soll die Allgemeinheit, insbesondere vulnerable Personen und Risikogruppen sowie Pflegeeinrichtungen und Betreuungspersonal rechtzeitig über hitzebedingte, gesundheitsgefährdende Wettersituationen informiert werden, um entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen bzw. einleiten zu können. 

Abbildung 1: 14-tägige Hitzeperioden mit einem mittleren Tagesmaximum der Lufttemperatur von mindestens 30,0 °C für ausgewählte deutsche Städte. 

Ausgangslage für den Aufbau eines operationellen Hitzewarnsystems waren die Erfahrungen des Sommers 2003: Im August 2003 kam es zu einer außergewöhnlichen Hitzewelle mit hoher Intensität, die Tausende von zusätzlichen Todesopfern zur Folge hatte. Allein in Deutschland wurden während der Hitzewellen des Sommers rund 10.000 zusätzliche Todesfälle registriert. In den Jahren danach haben markante Hitzewellen insbesondere in den Ballungsräumen stark zugenommen (siehe Abbildung 1). In Folge des Klimawandels nimmt in Deutschland die Anzahl der Tage mit Wärmebelastung voraussichtlich weiter zu. Nicht nur vulnerable Personen und Risikogruppen, deren Anpassungsfähigkeit eingeschränkt ist, sondern auch sonst gesunde können bei extremen Bedingungen in ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt werden. 

Bei den Hitzewarnungen unterscheidet der Deutsche Wetterdienst zwei Warnstufen. Eine Warnung vor einer „starken Wärmebelastung“ wird dann herausgegeben, wenn die Gefühlte Temperatur (siehe DWD-Wetterlexikon: https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/Functions/ glossar.html?nn=103346&lv2=100932&lv3=100988) am frühen Nachmittag einen bestimmten Schwellenwert überschreitet. Dieser Schwellenwert liegt bei etwa 32 °C, kann aber aufgrund eines Akklimatisationseffektes bei Ereignissen im Frühsommer etwas niedriger und im Hochsommer etwas höher liegen. Als weiteres Kriterium einer Warnung wird die nächtliche Temperatur von Innenräumen herangezogen. Denn bleibt die Nacht zu warm, verschlechtert sich die Schlafqualität. Durch diese zusätzliche Belastung wird die Hitze tagsüber schlechter verkraftet. Überschreitet die Gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag einen Wert von 38°C, so wird vor einer „extremen Wärmebelastung“ gewarnt. 

Hitzewarnungen werden für den aktuellen und bei Bedarf auch für den folgenden Tag herausgegeben. Die Veröffentlichung erfolgt sieben Tage die Woche bis spätestens 10 Uhr. Darüber hinaus wird der Hitzetrend für bis zu acht Tage ausgegeben. Der Herausgeber und damit Verantwortliche für die Hitzewarnungen ist das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung (ZMMF) des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg im Breisgau. 

Im Falle einer gültigen Hitzewarnung können einfache Anpassungen im Verhalten dazu beitragen, die körperliche Belastung durch Hitze zu reduzieren: 

  1. Hitze meiden:
    • Gehen Sie nicht in die direkte Sonne! Achten Sie auch darauf, dass Kinder vor der Sonne geschützt sind.
    • Gehen Sie nicht in der heißesten Zeit (nachmittags) nach draußen.
    • Unterlassen Sie große Anstrengungen. Verschieben Sie körperliche Aktivitäten im Freien auf die frühen Morgenstunden. 
  2. Halten Sie Ihren Körper kühl und achten Sie auf ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr:
    • Trinken Sie ausreichend und regelmäßig. An heißen Tagen ist der Flüssigkeitsbedarf deutlich erhöht.
    • Nehmen Sie eine kühle Dusche oder ein kühles Bad. Auch kalte Arm- und Fußbäder wirken entlastend.
    • Tragen Sie luftige, helle Kleidung und eine Kopfbedeckung.
    • Verzichten Sie auf Alkohol.
    • Bevorzugen Sie leichtes Essen. 
  3. Halten Sie Ihre Wohnung kühl:
    • Lüften Sie dann, wenn es draußen kühler ist als drinnen.
    • Schützen Sie die Räume vor direkter Sonneneinstrahlung.
    • Suchen Sie nach kühleren Orten in der Nähe: z.B. schattige Plätze in Parks, Kirchen, klimatisierte öffentliche Gebäude wie Einkaufszentren oder ähnliches. 

Wenn sich bei Ihnen selbst oder bei anderen ungewöhnliche Gesundheitsprobleme wie zum Beispiel Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen oder Verwirrtheit einstellen, deren Ursache auf Hitze hindeutet, suchen Sie Schatten auf und trinken Sie etwas. Verschaffen Sie sich etwas Abkühlung, indem Sie beispielsweise ein kühles Tuch auf die Stirn legen. Kontaktieren Sie einen Arzt oder eine Ärztin und zögern Sie nicht bei Bedarf den Notruf 112 zu wählen. 

Dipl.-Met. Adrian Leyser Sturm
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/hitze-1-scaled.jpg 2560 2253 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-13 18:13:532025-06-19 18:23:06Hitzewarnsystem des DWD

Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 1

12. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Unser Klimasystem besteht aus fünf eng verknüpften Bausteinen: Atmosphäre, Biosphäre, Hydrosphäre, Kryosphäre und Lithosphäre. Diese Komponenten beeinflussen sich ständig gegenseitig. Klimaänderungen hinterlassen dabei oft ihre Spuren in der belebten und unbelebten Umwelt, die zu jener Zeit mit dem Klima in Kontakt standen. Natürliche Elemente wie Gesteinsschichten, Eis oder Pflanzen können solche Veränderungen speichern und so als ″Zeitkapseln″ der Erdgeschichte dienen. In diesen natürlichen Archiven findet man physikalische, chemische oder biologische Merkmale, sogenannte Proxys, die indirekt Auskunft über vergangene Umweltbedingungen geben. Klima-Proxys sind somit wertvolle Stellvertreter, die Forschenden weltweit helfen, das Klima der Vergangenheit zu verstehen und zu rekonstruieren.

Klimaproxys lassen sich fast überall auf der Welt in vielfältigen Formen finden. Sie geben Einblicke in viele klimatische Veränderungen – von plötzlichen Ereignissen wie Vulkanaus-brüchen oder Überschwemmungen bis hin zu langfristigen Trends wie Erwärmung und Abkühlung, Trocken- und Feuchtperioden, Meeresspiegelanstiege oder Veränderungen des CO₂-Gehalts. Auch saisonale Phänomene wie Wirbelstürme oder Monsunzyklen können mit Proxys untersucht werden. Um die Vielfalt und wissenschaftliche Nutzung solcher Daten besser zu verstehen, stellt die US-amerikanische NOAA eine umfangreiche Datenbank mit über 10.000 Datensätzen bereit. Diese ist nach natürlichen Archiven geordnet und zeigt, in welchen Studien die Proxys verwendet wurden und woher diese stammen (siehe Abbildung 1). Hier geht’s zur Datenbank (siehe: Weitere Informationen zum Thema“). 

Abb 1: Eine Übersicht über die Herkunftsorte und natürliche Archive aus denen verschiedener Proxy-Datensätze stammen (z.B. Baumringe = grüne Dreiecke) 

 

Bevor es im zweiten Teil vor allem darum geht, wie aus Klimaproxys quantitative Daten gewonnen werden, sollen jetzt zunächst einmal wichtige natürliche Archive und darin enthaltene Proxys vorgestellt werden.

1. Historische Dokumente:

Den Anfang soll eine besonders greifbare Form des Klimaproxys machen: historische Dokumente. Zwar zählen sie nicht zu den natürlichen Archiven und haben die kürzeste temporale Abdeckung, doch liefern sie oft unglaublich detailreiche und datierte Informationen, die für die Klimarekonstruktion unerlässlich sind. Je nach Region reichen solche Aufzeichnungen von wenigen Jahrhunderten bis zu mehreren Jahrtausenden zurück, wie etwa in China oder Mesopotamien. Neben direkten meteorologischen Beobachtungen – wie sie in Chroniken, Zeitungen, Briefen, Wettertagebüchern, Schiffslogs sowie Eisgangs- und Flussnotizen auftauchen – enthalten auch viele andere Schriftquellen wertvolle Klimaerkenntnisse, obwohl sie ursprünglich mit administrativen, religiösen oder politischen Hintergründen ganz andere Zwecke beabsichtigten. So liefern Verwaltungsdokumente wie Steuerlisten, Ernteberichte oder Marktpreisaufzeichnungen wichtige Hinweise auf Dürren, Missernten oder Überschwemmungen. Auch Kirchenbücher oder Grabinschriften verraten mitunter ungewöhnliche Klimaereignisse, etwa wenn eine Hungersnot oder ein extremer Winter im Zusammenhang mit Todesfällen erwähnt wird. Berühmte Beispiele zeigen, wie mächtig diese Quellen sein können. Das ″Jahr ohne Sommer″ 1816, ausgelöst durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora, ist durch zahlreiche Briefe, Tagebücher und Zeitungsberichte dokumentiert. Sie berichten von Schnee im Juni, Ernteausfällen und Hungersnöten quer durch Europa. Oder auch das Magdalenenhochwasser von 1342, eine der schlimmsten Überschwemmungen Mitteleuropas, ausgelöst durch eine Vb-Wetterlage. Das Ausmaß ist dank Stadtchroniken und Pegelnotizen noch heute gut nachvollziehbar. Der Main und andere Flüsse erreichten damals enorme Abflussmengen und ihre höchsten jemals beobachteten Wasserstände.

2. Baumringe:

Die Analyse von Baumringen (Dendrochronologie) ist eine der bekanntesten Methoden, um das Klima der letzten rund 10.000 Jahre zu erforschen. Jeder Baum legt jedes Jahr einen neuen Ring an, der aus einem hellen Abschnitt für das schnelle Wachstum im Frühling und einem dunkleren für das langsamere Wachstum im Spätsommer besteht. Die Breite dieser Jahresringe zeigt, wie gut der Baum in einem bestimmten Jahr gewachsen ist – und gibt damit Hinweise auf die klimatischen Bedingungen von denen das Wachstum natürlich abhängt. In warmen und feuchten Jahren wachsen die Ringe breit, während sie in kühlen oder trockenen Jahren schmaler ausfallen. So lassen sich also Rückschlüsse auf vergangene Temperatur- und Niederschlagsmuster ziehen.

3. Gletschereis:

Mit Eisbohrkernen aus Gletschern oder großen Eismassen kann man sogar noch weiter zurück in die Vergangenheit blicken. Der längste lückenlose Eisbohrkern stammte bisher vom Dome C in der Ostantarktis und reicht etwa 800.000 Jahre zurück. Erst im Januar 2025 wurde nun ein 2.800 Meter langer und bis 1,2 Millionen Jahre zurückreichender Eiskern erbohrt. Bis dieser ausgewertet ist, wird allerdings noch etwas Zeit vergehen. Das Klima der Vergangenheit lässt sich bei diesem Proxy vor allem über das Verhältnis von Sauerstoffisotopen in den Eisschichten rekonstruieren. Isotope sind verschiedene Varianten eines Elements, die sich in der Anzahl der Neutronen und somit Masse unterscheiden, chemisch aber sehr ähnlich sind. Besonders wichtig ist das Verhältnis von 18O zu 16O: Während wärmerer Zeiten ist 18O häufiger im Wasserdampf, in kalten Perioden dominiert 16O. Welche atmosphärischen Prozesse diese Verteilung auslösen, wird in einem älteren Thema des Tages sehr detailliert beschrieben, welches unter dem folgenden Link zu finden ist: Thema des Tages vom 11.11.2020. Gletschereis besteht aus vielen Schichten von zusammengepresstem Schnee, in denen winzige, alte Luftbläschen eingeschlossen sind, die genau diese Isotope eingefangen haben. Sie können analysiert werden, um Rückschlüsse auf vergangene Temperaturen zu ziehen. Eisbohrkerne liefern aber auch Hinweise auf besondere, kurzfristige Ereignisse, etwa große Vulkanausbrüche. Diese hinterlassen Spuren wie Staub, Asche oder erhöhte Sulfatwerte im Eis, die sich ebenfalls messen und datieren lassen.

An dieser Stelle soll vorerst einmal ein Schlussstrich gezogen werden. Im zweiten Teil dieses Themas, der voraussichtlich nächste Woche erscheint, widmen wir uns dem wohl wichtigsten Archiv und allem was in ihm stecken kann: den Sedimentgesteinen. Außerdem werfen wir einen genaueren Blick darauf, wie aus den Proxy-Daten konkrete numerische Werte für weitere Berechnungen gewonnen werden – und welche Unsicherheiten mit dieser Form der Vergangenheits-Rekonstruktion verbunden sind. Bis bald!

 

Aaron Gentner und M.Sc. (Meteorologe) Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Der-Schluessel-zur-Klimageschichte-Klimaproxys-–-Teil-1-1-1-1.png 509 1026 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-12 18:02:392025-06-19 18:15:18Der Schlüssel zur Klimageschichte: Klimaproxys – Teil 1

Abkühlung in Sicht!

11. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

„Erste Hitzewelle des Jahres“, “ Ab Mittwoch kommt die Hitze“, „Bis zu 35 Grad“ – so oder so ähnlich lauteten die Schlagzeilen für die kurze Hitzewelle, die vielen Teilen Deutschlands nun bis maximal zum Sonntag bevorsteht. Dass die Hitzewelle aber nur von recht kurzer Dauer und eine Abkühlung bereits wieder in Sicht ist, zeigen die Wettermodelle auch in schöner Beständigkeit.

Die Hitzewelle

XARA ist keine Modekette für Bekleidung (die wird sowieso anders geschrieben), sondern das verantwortliche Hoch, das Teilen Deutschlands die erste Hitzewelle des Jahres mit Temperaturen zum Teil deutlich über 30 Grad bringt. Weil XARA bis zum Samstag ihre Zelte allerdings lieber in skandinavische bzw. osteuropäische Gefilde verlegen möchte, dreht die Strömung in Deutschland mehr und mehr auf Süd bis Südost. Folglich zapft XARA subtropische bis tropische Luftmassen vom Mittelmeer oder sogar aus Nordafrika an.

Diese erhitzen zunächst vor allem den Westen und Südwesten. Das lässt die Temperaturen dort kräftig steigen: Am heutigen Mittwoch 20 bis 27 Grad, am Donnerstag 24 bis 33, am Freitag 25 bis 35 Grad. Im Norden und Osten geht die Erwärmung nicht ganz so schnell: heute 15 bis 21, morgen 18 bis 24, am Freitag dann aber auch 25 bis 30 Grad. An den Küsten bleibt es zum Teil etwas kühler, was dem kühleren Meer geschuldet ist. Die Nächte sind bis zum Donnerstag meist noch frisch mit teils einstelligen Tiefstwerten. Ab der Nacht zum Freitag kühlt es im Westen und Südwesten bereits nicht mehr auf einstellige Tiefstwerte ab, in großen Städten wird die 20 Grad-Marke zum Teil nicht mehr unterboten. Die zunehmend milden (gefühlt warmen) Nächte erfassen bis zum Sonntag auch den Osten.

Anrollende Hitzewelle – Temperaturen von Mittwoch, 11.06.2025 bis Freitag 13.06.2025 

Die Abkühlung

XARA entschwindet bis zum Sonntag immer weiter nach Osteuropa, sodass sich ihr Einfluss auf Deutschland immer weiter reduziert. Mit der dadurch bedingten Drehung der Strömung auf Südwest wird bei zunehmenden Tiefdruckeinfluss die Luftmasse von Tag zu Tag immer feuchter. Das ruft Gewitter auf den Plan, die sich in der heißen Luftmasse entwickeln. Am Sonntag kommt es darüber hinaus zu einem Kaltfrontdurchgang, der bis Montagmorgen alle Landesteile erfasst haben dürfte.

Im Detail so sieht das so aus: Am Freitag ist XARA bei uns meist noch kräftig genug, um den Deckel drauf und die Gewitterwolken in Schach zu halten. Der eine oder andere Berg als Hilfsmittel könnte es aber doch schon schaffen, den Deckel mit einem Knalleffekt zu sprengen. Am Samstag passiert das im Westen dann immer häufiger, und weil angesichts der Luftmasse viel Energie im Spiel ist, könnten die Gewitter dann auch kräftig mit Platzregen, größerem Hagel und Sturmböen ausfallen. Am Sonntag weitet sich das Gewittergeschehen in den Osten und Südosten aus, während im Westen und Südwesten unter wieder zunehmenden Hochdruckeinfluss bereits wieder eine Beruhigung einsetzt. Die Temperaturen zeigen es an: Im Osten nochmals 27 bis 31 Grad, im Westen nach den Gewittern allerdings „nur“ noch 22 bis 28 Grad.

  

Abkühlung von Westen – Temperaturen von Samstag, 14.06.2025 bis Montag 16.06.2025 

Und dann?

In der neuen Woche nimmt der Hochdruckeinfluss überall wieder zu, wobei die Temperaturen außer ganz im Norden meist im sommerlichen Bereich verweilen. In den Nächten kühlt es wieder deutlicher ab, sodass durchgelüftet werden kann. Neuerliche Hitze steht dann erst einmal nicht mehr ins Haus.

 

Sommerliche neue Woche – Temperaturen von Dienstag, 17.06.2025 bis Donnerstag 19.06.2025 

 

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Abkuehlung-in-Sicht-1-.jpg 924 1886 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-11 21:04:482025-06-16 21:16:38Abkühlung in Sicht!

Kanadischer Rauch trübt Sonnenschein in Europa

10. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit Mitte Mai diesen Jahres gibt es vor allem in zentralen Bereichen von Kanada zahlreiche Waldbrände. Nach den Rekordbränden 2023 und den starken Bränden 2024 startet auch die Waldbrandsaison 2025 ungewöhnlich intensiv. Als eine von mehreren Ursachen für die diesjährigen Feuer gelten tatsächlich Brände aus 2023, die unter den Wäldern „überwintert“ haben. Sogenannte „zombie fires“ haben im Zusammenspiel mit den heißen und trockenen Bedingungen im Mai zur Entfachung neuer Waldbrände geführt. Mit der typischerweise vorherrschenden westlichen Strömung über Kanada und dem Nordatlantik hat der Rauch mittlerweile auch Europa und Deutschland erreicht.

Der Rauch kommt dabei nicht gleichmäßig in Europa an, sondern wurde auf dem Weg über den Atlantik durch Frontensysteme in mehr oder weniger dichte und großräumige, das heißt sich über mehrere Hundert Kilometer erstreckende Wolken aus Rauch aufgeteilt. Eine solche Rauchwolke liegt seit dem gestrigen Pfingstmontag über Deutschland. Sichtbar wird diese besonders dann, wenn keine Wolken aus Wassertröpfchen am Himmel sind. So ist der Himmel trotz fehlender Wasserwolken nicht blau, sondern mit einem milchig-grauen Schleier bedeckt, ähnlich einer mitteldichten Cirrenbewölkung. Unter Hochdruckeinfluss kann sich solch eine Rauchwolke lange halten. Da es mangels Niederschläge nicht zu einer Auswaschung kommt und schwache Winde die Wolke nicht vertreiben. In Süddeutschland, aber auch in Teilen Frankreichs, der Schweiz, Österreichs oder Italiens ist das derzeit der Fall. In diesen Ländern liegt auch heute oft ein milchiger Schleier in der Luft. 

Satellitenbild vom 09. und 10.06.2025 jeweils um 08 Uhr MESZ. Echtfarbenbild eines Satelliten der Meteosat Third Generation. 

Eindrucksvoll sichtbar wird dies im Echtfarbenbild der Satelliten aus der neuen Meteosat Third Generation (MTG). Das Bild vom 09.06.2025, 8 Uhr MESZ zeigt verbreitet einen Schleier über den Alpen und den angrenzenden Regionen, wobei der Schleier teils dichter und teils weniger dicht ist. Etwas klarer erscheinen die höchsten Regionen der Westalpen und zum Teil die Pyrenäen, diese ragen stellenweise über die Rauchschicht hinaus. Denn die Rauchwolke füllt nicht die gesamte Troposphäre, sondern nur einen vergleichsweise kleinen Teil davon. Meist ist die Schicht einige Hundert Meter oder maximal wenige Kilometer dick. Im Bereich des Hochs findet in der Troposphäre ein langsames Absinken der Luft statt. Mit der Luft sinken auch die Rauchpartikel in tiefere Niveaus ab. In tiefen Lagen ist der Unterschied ob die Rauchschicht in 3.000 Meter oder in 1.500 m liegt kaum bemerkbar. Anders ist das im Gebirge, dort macht es den Unterschied zwischen „in“ oder „über“ dem Rauch. Deutlich wird dies am Satellitenbild von heute, 10.06.2025, 8 Uhr MESZ. Dort zeigen sich große Teile der Alpen ohne grauen Schleier, wobei dies für die Täler häufig nicht gilt. Dort hängt weiterhin die mit Feinstaub aus den Bränden angereicherte Luft. 

Webcambilder vom Hohen Kasten (Schweiz) mit Blick ins Rheintal. 03.06. und 10.06.2025 08 Uhr MESZ. 

Doch nicht nur aus dem All ist der Staub und seine Wanderung durch die Troposphäre sichtbar. Webcams in den Alpen zeigen die deutliche Sichteintrübung durch den Rauch und wenn hoch genug gelegen, auch das Absinken der Rauchschicht. Ein Vergleich der Webcambilder (https://www.foto-webcam.eu/) vom 03. und 10.06.2025 jeweils von 8 Uhr MESZ zeigt beim Blick vom Hohen Kasten (Schweiz) ins Alpenrheintal deutlich die Sichteinschränkung durch den Rauch. Ein weiterer Vergleich der Bilder von der Wetterwarte auf der Zugspitze vom 09. und 10.06.2025 macht das Absinken der Rauchschicht sichtbar. Am 10.06. ist der Himmel deutlich blauer als am Vortag, dafür ist in den Tälern die graue Schicht gut auszumachen. Als Vergleich ist der 06.06.2025 beigefügt, das Bild dokumentiert die „normalen“ Sichtverhältnisse ohne Eintrübung durch den Rauch. 

Webcambilder von der Wetterwarte auf der Zugspitze. 06.06., 09.06. und 10.06.2025 08 Uhr MESZ. 

Eine weitere Möglichkeit die Rauchschicht in Daten zu verfolgen, sind die sogenannten „Ceilometer„. Diese Messinstrumente senden einen nach oben gerichteten pulsierenden Lichtstrahl. Sie können durch Rückstreuung des Lichts Wassertröpfchen oder auch andere Partikel detektieren. Üblicherweise werden sie zur Wolkenerkennung eingesetzt. Ihre Daten können aber zum Erkennen von Saharastaub oder wie in diesem Fall von Rauch genutzt werden. So zeigt sich beispielsweise in Konstanz die Rauchschicht als wenige Hundert Meter dicke Schicht (rötliche Färbung) in etwa zwei Kilometer Höhe in der Nacht zum heutigen Dienstag (Abbildung 2). Tagsüber hat sich die Rauchschicht vertikal ausgebreitet und reicht abgeschwächt bis in tiefe Schichten. Dies kann am Boden die Feinstaubbelastung erhöhen. 

Ceilometerdaten aus Konstanz vom 10.06.2025. 

Kurzfristig ist vor allem im Alpenraum nicht mit einem vollständigen Ausräumen des Rauchs zu rechnen. Mittel- und langfristig kann immer mal wieder Rauch aus Nordamerika Europa erreichen, solange die Brände dort weiter wüten und die Strömungsverhältnisse über dem Atlantik günstig sind. Eine Vorhersage über die Ausbreitung der Aerosole durch das Brennen der Wälder (biomass-burning aerosol) gibt es auf der Seite von Copernicus: https://atmosphere.copernicus.eu/charts/packages/cams/products/aerosol-forecasts.

M.Sc. Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Kanadischer-Rauch-truebt-Sonnenschein-in-Europa-1.png 1134 1148 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-10 20:32:312025-06-16 20:48:21Kanadischer Rauch trübt Sonnenschein in Europa

Erste Hitzewelle des Jahres?

9. Juni 2025/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Kräftige Regengüsse und teils auch ein stürmischer Wind. So gestaltete sich vor allem der Pfingstsonntag. Dazu erreichten die Temperaturen häufig nur Höchstwerte unter 20 Grad. Im Nordwesten und an den Küsten reichte es gebietsweise sogar nur für 15 Grad. Lediglich im Südosten und Osten des Landes lagen die Höchstwerte gebietsweise um 20 Grad. Verantwortlich dafür war Tief VEIT im Zusammenspiel mit Hoch WILTRUD, welche kühle Meeresluft subpolaren Ursprungs nach Deutschland strömen ließen. So zeigte das Thermometer heute früh verbreitet einstellige Temperaturwerte an. In einigen höhergelegenen Tallagen der Mittelgebirge gab es sogar Bodenfrost. 

Analysekarte für den 09.06.2025 um 12 UTC. Während der Norden weiterhin unter Tiefdruckeinfluss verweilt, setzt sich im Süden zunehmend hoher Luftdruck durch. (Quelle.DWD) 

Die aktuell vorherrschende zyklonal geprägte Westlage bleibt uns noch bis zur Wochenmitte erhalten, dann stellt sich die Wetterlage aber grundlegend um. Schon am heutigen Pfingstmontag macht sich im Süden zunehmend hoher Luftdruck bemerkbar. So steigen die Temperaturen im Süden mit Sonnenunterstützung bereits bis auf 23 Grad an. Und diese Erwärmung setzt sich auch in den kommenden Tagen dort fort. In der Nordhälfte überwiegt dagegen vorerst noch der Tiefdruckeinfluss. Dies führt auch heute dort wieder zu wechselhaftem und windigem, herbstlich anmutendem Wetter. 

Dies ändert sich aber ab der Wochenmitte. Dann baut sich der Hochdruckschwerpunkt von VEIT über Zentraleuropa auf. Gleichzeitig etabliert sich tiefer Luftdruck vor den Toren Westeuropas. Damit wird der Weg frei für heiße Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum. Deshalb werden bereits am Donnerstag im Südwesten häufig Höchstwerte von 30 Grad erreicht. Aber auch im Norden und Nordosten gibt es abseits der Küstengebiete größtenteils einen Sommertag mit Höchsttemperaturen von über 25 Grad. 

Großwetterlage für den 13.06.2025 um 12 UTC. Auf der Vorderseite eines Tiefdrucksystems nahe den Britischen-Inseln strömt heiße und auch zunehmend feuchte Luft aus dem westlichen Mittelmeerraum in den Südwesten Deutschlands. (Quelle:DWD) 

Zum Wochenende verlagert sich der Hochdruckschwerpunkt voraussichtlich etwas weiter nach Osten. Damit nimmt auch allmählich die Gewittergefahr wieder zu. Allerdings flutet zuvor nochmals ein Schwall heißer und zunehmend auch feuchter Luft das Land. Vor allem im Südwesten sind am Freitag und Samstag häufig schweißtreibende Höchstwerte von über 30 Grad zu erwarten. Vor allem am Oberrhein ist bei Spitzenwerten von 35 oder örtlich sogar 36 Grad mit einer starken Wärmebelastung zu rechnen. Aber auch in der Nordhälfte wird am Freitag und Samstag größtenteils ein Hitzetag erwartet. Nur lediglich an den Küsten sowie im höheren Bergland bleibt es hitzefrei. Somit gibt es am Donnerstag und Freitag in weiten Landesteilen lupenreines Badewetter. 

Wie nachhaltig ist das sommerlich heiße Wetter? 

Ab dem Wochenende nehmen die Unsicherheiten in der Vorhersage deutlich zu. Am Samstag ziehen nach jetzigem Stand von Westen zunehmend kräftige Schauer und Gewitter mit Unwetterpotenzial auf! Dazu gehen die Temperaturen am Sonntag voraussichtlich im Westen und am Montag auch im Osten deutlich zurück. Trotz größerer Unsicherheiten in der Modellwelt hinsichtlich der Wetterlage zeigt sich in der Probabilistik doch relativ deutlich eine nachhaltigere Abkühlung. Eine rasche Rückkehr der großräumigen Hitze ist somit unwahrscheinlich. Mehr als ein kurzes Hitzeintermezzo deutet sich in den meisten Landesteilen damit nicht an. Lediglich im Südwesten sind örtlich 3 bis maximal 4 Hitzetage am Stück möglich! 

 

Ensemblevorhersage für Frankfurt (links) und Berlin (rechts). Deutlich erkennbar ist die markante Abkühlung zu Wochenbeginn. (Quelle:ECMWF)  

 

M.Sc.Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.06.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/06/Erste-Hitzewelle-des-Jahres-teil-1-.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-06-09 20:09:362025-06-09 20:10:53Erste Hitzewelle des Jahres?
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