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Wie wird das Wetter von Trinitatis bis Fronleichnam?

26. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der heutige Sonntag ist der Sonntag nach Pfingsten, weshalb in Teilen der christlichen Kirchen Trinitatis (Dreifaltigkeits- oder Dreieinigkeitsfest) gefeiert wird. Dieser Tag wird auch als Goldener Sonntag oder Frommtag bezeichnet und stellt den Beginn der zweiten Hälfte des Kirchenjahres dar. Die Sonntage von Trinitatis bis zum Ende des Kirchenjahres werden in der evangelischen Kirche als „x-te Sonntage nach Trinitatis“ gezählt. Das Fest ist der Verehrung der Heiligen Dreifaltigkeit aus Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist gewidmet.

Die größten Chancen auf längeren Sonnenschein bestehen vor allem in Baden-Württemberg und Bayern. Zwar können einzelne Schauer oder bevorzugt alpin bedingte Gewitter nicht gänzlich ausgeschlossen werden, aber im Großen und Ganzen wird der Sonntag hier seinem Namen gerecht. Zudem warten dort Höchstwerte zwischen 23 und 26 Grad auf.

Der Schwerpunkt für besonders kräftige Gewitter liegt insbesondere in der Nordosthälfte. Vor allem der Starkregen ist hierbei im Fokus. Es können lokal auch unwetterartige Mengen zusammenkommen. Dann besteht kleinräumig die Gefahr von Überschwemmungen und vollgelaufenen Kellern. Zwar lohnt es sich, bei Höchstwerten zwischen 22 und 26 Grad durchaus mal nach draußen zu gehen, allerdings ist bei einem längeren Aufenthalt im Freien ein Blick in den Himmel oder in die aktuelle Wetter- und Warnlage ratsam.

Am morgigen Montag wird weltweit der „Tag der Sonnencreme“ begangen. Dieser soll deutlich machen, wie wichtig Sonnenschutz insbesondere für die Haut ist. Der „Hotspot“ in Sachen Temperatur liegt im Osten bei Höchstwerten um 25 Grad. Dies bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass dort deutschlandweit gesehen auch am meisten Sonnenschein zu erwarten ist und Sonnencreme verwendet werden sollte. Verbreitet ist es wolkig bis stark bewölkt, weshalb sich im Vorfeld nur schwerlich eine besonders sonnige Gegend ausmachen lässt.

Zudem schickt sich ein Ausläufer von Tief NORA an, bei seiner West-Ost-Überquerung im Tagesverlauf für Bambule zu sorgen. Schauer und teils kräftige Gewitter sind die Folge, die wie bereits an den Vortagen mit Starkregen einhergehen können. Auch einzelne stürmische Böen oder Sturmböen sowie kleinkörniger Hagel können nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Am Dienstag gelangt der Südwesten und Westen unter Zwischenhocheinfluss. Bei wechselnder Bewölkung bleibt es abgesehen von nicht ganz auszuschließenden einzelnen Schauern weitgehend trocken. Im Nordosten ist hingegen mit teils kräftigem schauerartigen oder gewittrigen Regen zu rechnen und auch eine gewisse Starkregengefahr ist nicht von der Hand zu weisen.

Am Mittwoch ist es genau umgekehrt. Im Osten und Südosten bleibt es meist trocken und die Sonne kann sich auch einmal länger zeigen, weswegen das Auftragen von Sonnencreme bei einem längeren Aufenthalt im Freien sicherlich nicht schaden kann. Von Nordwesten her kommen hingegen neue kräftige Regenfälle und Gewitter auf.

Am Donnerstag wird in der katholischen Kirche dann der Fronleichnamstag gefeiert. Hierbei steht die Eucharistie im Vordergrund. Fronleichnam ist in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ein gesetzlicher Feiertag. Dieser Feiertag findet immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten und somit jedes Jahr zu einem anderen Zeitpunkt statt. In den Anfängen des Christentums gab es diesen Feiertag noch nicht. Seine Entstehung geht auf das Mittelalter zurück und seit 1264 ist Fronleichnam ein Kirchenfest.

Bei der Wettervorhersage sind wir dann bereits im Bereich der Mittelfrist angekommen. Deutschland verbleibt weiterhin unter Tiefdruckeinfluss und teils kräftige Regenfälle und Gewitter bestimmen das Wettergeschehen hierzulande. Zudem wird es bei Höchstwerten zwischen 18 und 23 Grad nur mäßig warm.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Wie-wird-das-Wetter-von-Trinitatis-bis-Fronleichnam.png 1026 1918 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-26 18:20:552024-06-25 10:46:19Wie wird das Wetter von Trinitatis bis Fronleichnam?

Tag des Handtuchs

25. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vor mehr als 50 Jahren hatte der britische Schriftsteller Douglas Adams die Idee für eine Science-Fiction Reihe basierend auf den Reiseratgebern „Per Anhalter durch Europa“. Mit einer Mischung aus Komik und Satire schrieb er in insgesamt fünf Bänden über Abenteuer im Weltall. Der erste Band ist „Per Anhalter durch die Galaxis“. In ihm soll die Erde von Außerirdischen zerstört werden. Auf der Flucht nimmt einer der Hauptakteure den nützlichsten Gegenstand aus seinem Haus mit – ein Handtuch.

So ein Handtuch ist in der Tat sehr praktisch: Es trocknet und schützt in vielerlei Hinsicht. Gerade bei dem derzeit eher wechselhaften Wetter kann sich ein Handtuch als sehr nützlich erweisen. Bis zu einem gewissen Grad schützt es vor Regen, kann aber auch nach einem Schauer zum Abtrocknen verwendet werden. Die Sonne zeigt sich derzeit zwar nur kurz, im Falle eines Falles spendet ein Handtuch aber auch Schatten. Ist es einmal frischer, so dient es als wärmende Decke. Leicht befeuchtet kann es an warmen Tagen für Abkühlung auf der Haut sorgen. Man kann es als Unterlage verwenden oder etwas darin verpacken. So vielseitig wie ein Handtuch ist kaum ein zweiter Gegenstand.

Neben dem nützlichsten Gegenstand werden in den Bänden auch andere weltumspannende Themen erörtert. So gibt es zum Beispiel die Antwort auf die letzte aller Fragen und den wichtigsten Rat an die Menschheit überhaupt. Im Jahre 2001 verstarb Douglas Adams überraschend an einem Herzinfarkt. Sein Werk jedoch ist bis heute Kult. Ihm zu Ehren ist der 25. Mai seit 2001 der Tag des Handtuchs.

Wenn Sie sich nicht als Fan von „Per Anhalter durch die Galaxis“ outen und dennoch einen lieben Gruß an Douglas Adams senden möchten, dann tragen Sie heute einfach ein Handtuch bei sich. Sie können es benutzen, um sich vor der Sonne zu schützen. Aber auch nach einem Schauer oder Gewitter kann es Ihnen nützliche Dienste erweisen. Auf das Handtuch angesprochen, finden Sie sicher eine plausible Erklärung.

Auch in den Folgetagen müssen Sie das Handtuch nicht weit weg hängen, es kommt in feuchter Luft und mit Tiefdruckeinfluss immer wieder zu Schauern und Gewittern. Örtlich können diese kräftiger ausfallen und sich zu wahren Wasserbomben entwickeln. Dann sind in kurzer Zeit hohe Regenmengen möglich und Sie brauchen vermutlich mehr als nur ein Handtuch.

Es empfiehlt sich also, hin und wieder in die Wetter- und Warnlage zu schauen und den aktuellen Stand in Sachen Schauern und Gewittern zu verfolgen. Es wird nicht jeden treffen, aber da, wo sich kräftige Gewitter entladen, sind Überschwemmungen möglich.

So long und 42.

Dipl.Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-25 18:14:422024-06-25 10:53:19Tag des Handtuchs

Reinhard Süring – Bis an die Grenzen und darüber hinaus (Teil 2)

24. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

„…Bald darauf fielen wir beide in tiefe Ohnmacht; Berson zog noch unmittelbar vorher mehrfach das Ventil, als er schon seinen Gefährten (Süring) schlafen sah (Berson und Süring 1901). …“

Wie lebensgefährlich das ganze Unternehmen letztlich war, geht aus einer nicht besonders hervorgehobenen Bemerkung in dem Bericht von Berson und Süring hervor: „…Vor oder nach diesem Ventilziehen versuchte auch Süring in lichten Augenblicken seinem schlafenden Kollegen durch verstärkte Sauerstoffatmung aufzuhelfen, aber vergebens. Schließlich werden vermutlich beide Insassen ihre Atemschläuche verloren haben und dann in eine schwere Ohnmacht gesunken sein, aus welcher sie ziemlich gleichmäßig bei etwa 6000 Metern wieder erwachten …“

Dabei war der Ballon im raschen Fall begriffen. Erst bei 2500 m Höhe bekamen beide den Ballon wieder ins Gleichgewicht, doch konnten beide Männer instrumentelle Beobachtungen wegen zu großer körperlicher Schwäche nicht mehr durchführen. Um 18:25 Uhr landeten Süring und Berson im Kreis Cottbus. Sie wurden von einer großen Menschenmenge empfangen und übernachteten im Haus eines Pfarrers. Erst am nächsten Tag wurde mit Hilfe von 30 Mann das schwere Gerät geborgen und nach Berlin zurückgebracht.

Die Rekordhöhe von 10500 m (es können auch 10800 m gewesen sein, doch war die Registriertinte eingefroren, so dass man die Aufzeichnungen des Barographen nicht als einwandfreies Dokument gelten ließ) für eine bemannte offene Gondel wurde seither nie übertroffen. Süring überließ zwar nichts dem Zufall und hatte im Vorfeld der Ballonfahrt mit dem Wiener Physiologen Hermann von Schröter, einem Pionier der Luftfahrtmedizin, die Höhe abgeschätzt, ab der wegen des geringen Luftdrucks auch die Atmung von reinem Sauerstoff nicht mehr genügen würde, um den menschlichen Körper selbst bei absoluter Ruhe ausreichend zu versorgen. Ihr Ergebnis lag bei 12500 Metern. Wie knapp sie damals dem Tot entronnen sind, belegte leider der Versuch des amerikanischen Ballonfahrers Hawthorne C. Gray im Jahr 1927. Sein mitgeführter Barograph registrierte zwar mit 12800 m Höhe einen nochmals um 2000 m höheren Wert, er überlebte diese Fahrt jedoch nicht.

Die weltweite Anerkennung Sürings durch seine waghalsigen Ballonfahrt im Sinne der Wissenschaft ließ nicht lange auf sich warten. Es war letztlich die entscheidende Grundlage zum Nachweis für die Existenz der Stratosphäre (Aßmann, de Bort 1902), in der die Temperatur mit der Höhe wieder zunimmt. Zuvor regierten die Zweifel über Temperaturverfälschungen durch die in diesen Niveaus ungehinderte Sonnenstrahlung. Unter seiner Leitung wurde das Observatorium ein Wolkenforschungszentrum von internationalem Ruf. Süring gehörte zahlreichen internationalen Kommissionen an. Er war somit zurecht einer der bedeutendsten deutschen Meteorologen in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Bei allen privaten und dienstlichen Verpflichtungen, die durch seine internationalen Beziehungen und Reputation weiter wuchsen, blieb das Observatorium Potsdam eine Herzensangelegenheit. 35 Jahre nach seiner dort durchgeführten ersten Wetterbeobachtung wurde er im Jahr 1928 zum Direktor ernannt. Mit seiner wohlverdienten Pensionierung 4 Jahre später sollte dieses Kapitel aber noch nicht beendet sein, wovon er selbst zu diesem Zeitpunkt noch nichts ahnte.

Nachdem Potsdam im ersten Weltkrieg fernab des Frontgeschehens lag, sollte sich dies im 2. Weltkrieg ändern. Beim Luftangriff auf Potsdam am Abend des 14. April 1945, der auch als „Nacht von Potsdam“ bekannt ist, wurden große Teile der Potsdamer Altstadt komplett zerstört. Kurz darauf wurde die Stadt zur Festung erklärt und die Front mit Kämpfen um Berlin in der Endphase des 2. Weltkrieges am 23. April 1945 erreichte auch die Außenbezirke Potsdams. Das Personal des Meteorologischen Observatoriums auf dem Potsdamer Telegraphenberg wurde bereits am 20. April abgezogen, die letzten verbliebenen Männer für den „Endkampf“ zum Militär eingezogen. Die letzte Wetterbeobachtung erfolgte am 20. April um 7 Uhr. Am 24. April vormittags sprengten abziehende deutsche Truppen den Übergang über die Havel, die das Potsdamer Zentrum vom Telegraphenberg trennt. Aber vorher hat offenbar der 79-jährige ehemalige Direktor Reinhard Süring noch den Weg zum Observatorium gefunden und bereits am Nachmittag des 24. Aprils wieder die Wetterbeobachtungen aufgenommen, also noch weit vor der Kapitulation am 8. Mai. Er riskierte für eine lückenlose Beobachtungsreihe im Sinne der Wissenschaft erneut sein Leben. Daraufhin übertrugen ihm die sowjetische Besatzungsmacht nochmals die Leitung des Observatoriums, die er nochmals bis zum 31. März 1950 innehatte. Am 29. Dezember desselben Jahres starb Reinhard Süring im Alter von 84 Jahren in Potsdam.

Ihm zu Ehren wurde im Jahr 2005 in Potsdam die Reinhard-Süring-Stiftung gegründet, die sich zum Ziel gesetzt hat, den historischen Standort des Observatoriums auf dem Potsdamer Telegraphenberg zeitlich unbegrenzt zu erhalten. Die Stiftung fördert die Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Meteorologie; sie ist eine der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft nahe Stiftung. Es soll schwerpunktmäßig die umweltrelevante Weiterbildung junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert werden.

Doch damit nicht genug. Süring ist zugleich auch Namensgeber einer Plakette, die von der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich hervorragende wissenschaftliche oder organisatorische Verdienste um die Ziele der DMG beziehungsweise ihrer Vorgängergesellschaften erworben haben.

So wird er weiter in Erinnerung bleiben als ein Mann, dem es immer auch am Herzen lag, meteorologisches Wissen zu teilen (unter anderem auch als Herausgeber von Lehrbüchern und Fachzeitschriften) sowie zugleich offen und neugierig gegenüber weiterführender Forschung und teils widersprüchlicher Theorien zu sein.

Diplom Meteorologe Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Reinhard-Suering-Bis-an-die-Grenzen-und-darueber-hinaus-Teil-2.png 434 278 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-24 18:05:352024-06-25 10:57:09Reinhard Süring – Bis an die Grenzen und darüber hinaus (Teil 2)

Was das Grundgesetz mit dem Wetterdienst zu tun hat

23. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Das Grundgesetz (GG), also die Verfassung Deutschlands, wird heute 75 Jahre alt. Am 23. Mai 1949 wurde das zunächst als Provisorium gedachte Werk erlassen und trat wenige Stunden später in Kraft. Neben den Grundrechten, die in den ersten Artikeln ihren Platz finden, wird dort die Organisation des Staates bestimmt. Im Artikel 74 Absatz 1 Ziffer 21 ist unter anderem die Gesetzgebung für den Wetterdienst verankert.

Wenige Jahre später hatte der Wetterdienst auf Grundlage des Artikels 74 GG sein eigenes Gesetz bekommen, das sogenannte Wetterdienst-Gesetz oder auch DWD-Gesetz genannt. Das DWD-Gesetz umfasst 14 Paragraphen in denen die rechtliche Einordnung und alle Aufgaben des Deutschen Wetterdienstes geregelt sind. Alle dort beschriebenen Aufgaben muss der Wetterdienst erfüllen und stellt damit auch dessen Daseinsberechtigung dar.

Die erste, in Paragraph 4 des DWD-Gesetzes aufgeführte Aufgabe, ist die Erbringung meteorologischer und klimatologischer Dienstleistungen für die Allgemeinheit oder einzelne Kunden und Nutzer. Insbesondere wird dabei auf die Bereiche Verkehr, gewerbliche Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, des Bauwesens, des Gesundheitswesen, der Wasserwirtschaft einschließlich des vorbeugenden Hochwasserschutzes, des Umwelt- und Naturschutzes und der Wissenschaft hingewiesen. Man sieht, dass der Wetterdienst Dienstleistungen für die unterschiedlichsten Nutzer bereitstellen muss. Daher ist die Produktpalette des DWDs auch sehr breit aufgestellt. Es gibt spezielle Vorhersagen für die Landwirtschaft, die unter anderem Blüte- und Erntezeiten berücksichtigt und Wert auf die Bodenfeuchte legen. Aber auch Vorhersagen für Hitzestress bei Geflügel. Unter klimatologische Dienstleistungen fallen beispielsweise klimatologische Gutachten, die zur Bewertung der Luftqualität in deutschen Kurorten erstellt werden.

Eine der wohl wichtigsten Aufgaben steht unter Ziffer 2 des Paragraphen 4 und stellt die meteorologische Sicherung der Luft- und Seefahrt, der Verkehrswege sowie wichtiger Infrastrukturen, insbesondere der Energieversorgung und der Kommunikationssysteme dar. Dabei ist der DWD auch an internationale Gesetzgebung und Vereinbarungen gebunden wie beispielsweise an SOLAS (Safety of Life at SEA, internationales Übereinkommen zum Schutz von menschlichen Lebens auf See) und an die Vorgaben der ICAO (International Civil Aviation Organization, Internationale Organisation der Zivilen Luftfahrt). Zur meteorologischen Sicherung der Verkehrswege wurde ein eigenes Portal für die Straßenmeistereien eingerichtet, was vor allem in der Wintersaison Informationen über die Glättegefahr auf Straßen bereitstellt.

Des Weiteren sind die Bereithaltung, Archivierung, Dokumentation und Abgabe meteorologischer und klimatologischer Geodaten weitere Aufgaben des Deutschen Wetterdienstes. Dazu betreibt der Wetterdienst an den größeren Niederlassungen jeweils ein Archiv. Im Seewetteramt in Hamburg sind beispielsweise über 37000 Schiffsjournale mit Wetteraufzeichnungen archiviert. Das größte Archiv, und einer der größten meteorologischen Bibliotheken weltweit, befindet sich in der Zentrale des DWDs in Offenbach. Dort stehen etwa 190000 Medieneinheiten zur Verfügung. Außergewöhnlich sind die historischen Bände mit Wetteraufzeichnungen die bis ins Jahr 1483 zurückreichen. Auch die Wetterlage am Geburtstag des Grundgesetzes lässt sich in den Archiven finden. Am 23. Mai 1949 lag über den Britischen Inseln ein Tiefdruckgebiet, das seinen Einfluss bis nach Mitteleuropa erstreckte. In Deutschland herrschten ähnlich wie heute schwache Winde und Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad vor. Im Gegensatz zum heutigen Tag, waren vor 75 Jahren jedoch keine Starkregenereignisse zu erwarten.

Damit kommen wir zu der wohl bekannteste Aufgabe des Wetterdienstes; die Erstellung und Verbreitung amtlicher Warnungen über Wettererscheinungen. Der Warnkatalog des DWDs ist sehr umfangreich und erstreckt sich von Nebelwarnungen, über Windwarnungen bis zu Warnungen über Tauwetter. Aber auch Warnungen vor Hitzebelastung oder vor hautkrebsfördernden UV-Strahlung gehören zum Repertoire. In den letzten Tagen kam es häufig zu Warnungen vor Dauerregen, Starkregen und Gewittern. Teilweise bis in den extremen Unwetterbereich. Auch heute werden im Süden des Landes wieder lokal unwetterartige Gewitter erwartet.

Damit alle frühzeitig und umfangreich gewarnt werden, wird bei besonders schweren Unwetterlagen neben der Veröffentlichung von Warnungen unter anderem im Internet, auf der WarnWetter-App oder im Teletext auch ein Unwetterclip im Studio des Deutschen Wetterdienstes aufgenommen. Dort erklärt der/die diensthabende Medien-Meteorologe/in die zu erwartende warnwürdige Wetterlage.

M.Sc. (Meteorologin) Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Was-das-Grundgesetz-mit-dem-Wetterdienst-zu-tun-hat.png 1025 733 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-23 18:57:332024-06-25 11:01:45Was das Grundgesetz mit dem Wetterdienst zu tun hat

Regenmengen aus Radardaten

22. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Ermittlung von Regenmengen mithilfe von Radardaten ist ein sehr komplexer Prozess, der auf der Funktionsweise von Radarsystemen und der Analyse der reflektierten Signale basiert. Radare (Radio Detection and Ranging) senden elektromagnetische Wellen aus, die auf Niederschlagspartikel treffen und teilweise zum Radar zurückgestreut werden. Diese zurückgestreuten Signale liefern wesentliche Informationen über die Stärke und Verteilung des Niederschlags. Dabei wird unter anderem die Intensität des zurückgeworfenen Signals gemessen, die sogenannte Reflektivität. Sie ist ein Maß für die Menge der von einem Radarstrahl zurückgestreuten Energie und hängt im Wesentlichen von der Größe, Form, Art und Konzentration der Niederschlagspartikel ab. Größere und zahlreichere Partikel reflektieren mehr Radarenergie, was zu einer höheren Reflektivität führt. In der Meteorologie wird die Reflektivität in Dezibel-Z (dBZ) gemessen. Höhere dBZ-Werte deuten auf intensiveren Niederschlag hin.

Doch wie bekommt man nun aus den dBZ-Werten die Regenmengen? Um die Reflektivität (Z) in tatsächliche Niederschlagsmengen (R) umzurechnen, verwenden Meteorologen die sogenannte Z-R-Beziehung. Diese Beziehung ist eine empirische Formel, die auf Beobachtungsdaten und statistischen Analysen basiert. Eine gängige Form dieser Beziehung lautet:

Dabei sind Z die Reflektivität, R die Niederschlagsrate in mm/h, und a und b sind empirisch bestimmte Konstanten, die von der Art des Niederschlags abhängen (z.B. Regen, Schnee, Hagel).

In der Praxis wird die Z-R-Beziehung genutzt, um aus den vom Radar gemessenen Reflektivitätswerten die Niederschlagsrate abzuleiten. Der DWD verwendet je nach Schauerindex verschiedene Parameter für a und b in der Z-R-Beziehung, um die Niederschlagsabschätzung zu verfeinern. Dennoch gibt es einen weiten Fehlerbereich. Deshalb werden die mittels Radars bestimmten Werte an den Stationsmessungen im Nachhinein kalibriert.

Diplom Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Regenmengen-aus-Radardaten.png 894 746 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-22 21:43:192024-06-25 11:05:46Regenmengen aus Radardaten

Schwere Gewitterlage

21. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Dienstag drohen in Teilen Deutschlands erneut Unwetter durch Gewitter und kräftige, teils langanhaltende Regenfälle. Dabei besteht die Gefahr von Überschwemmungen, Erdrutschen sowie vollgelaufenen Kellern und Unterführungen. Bäche und kleinere Flüsse können zu reißenden Strömen werden und über die Ufer treten. Deswegen informieren Sie sich bitte stets unter  oder in der Warnwetter-App des Deutschen Wetterdienstes.

Verantwortlich dafür ist das klein Tief LISA über Bayern, das heute im Tagesverlauf langsam nach Nordwesten zieht und abends über Nordrhein-Westfalen liegt. Das Tief trennt etwas kühlere Luft im Südwesten, von der wärmeren und feuchteren Luft im Nordosten. Entlang der Luftmassengrenze, wo die Luft zusammenströmt, entwickeln sich ab Mittag zunächst einzelne teils unwetterartige Gewitter, die dann zusammenwachsen und in anhaltenden kräftigen Regen übergehen.

Das betroffene Gebiet ist ein Streifen von Ostbayern über Hessen bis nach Nordrhein-Westfalen. Besonders dort werden gebietsweise Niederschlagsmengen um 40 l/qm in kurzer Zeit erwartet bzw. 60 bis 80 l/qm in wenigen Stunden zusammenkommen. Die Unwetter klingen in der Nacht zum Mittwoch langsam ab.

Ein anderer Niederschlagschwerpunkt liegt im Südwesten bzw. in den Hochwassergebieten im Saarland sowie in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Hier fällt seit Vormittag teils kräftiger Regen, der aber im Laufe des Nachmittags nachlässt.

Der Norden und Nordosten bleiben noch außenvor. Hier besteht erst am Mittwoch Unwettergefahr durch Gewitter und kräftige Regenfälle, während der Rest des Landes aufatmen kann.

Wie geht es dann weiter? Reißt die Unwetterserie ab? Leider bleibt das Unwetterpotential auch in den nächsten Tagen erhöht. Eine längere trockene Witterungsphase ist nicht in Sicht. Die Temperaturen bleiben jedoch im sommerlichen Niveau.

Diplom Meteorologe Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Schwere-Gewitterlage.png 914 1285 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-21 19:33:232024-06-25 11:09:05Schwere Gewitterlage

Erneut teils kräftige Gewitter und heftige Starkregenfälle mit Unwettergefahr!

20. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Ursache für das anhaltende unbeständige Wetter mit wiederkehrender Unwettergefahr liegt in einem nahezu stationären, sich immer wieder erneuernden Höhentief über West- und Mitteleuropa. Deutschland gelangt am morgigen Dienstag erneut auf die Vorderseite des mit dem Höhentief korrespondierenden Höhentroges in eine südliche bis südöstliche Strömung. Dabei werden aus dem Mittelmeerraum feuchtwarme und energiereiche Luftmassen herangeführt. Gleichzeitig entwickelt sich auf der Südostseite des  von den Alpen ausgehend ein Bodentief, welches sich im Laufe des Dienstags nach Nordwesten in Richtung Benelux verlagert.

Dadurch setzt bereits in der Früh im Südwesten Regen ein. Dieser kann bereits gewittrig durchsetzt sein. Mit Verlagerung des Bodentiefs nach Nordwesten entwickeln sich im Tagesverlauf auf der Nordseite des Tiefs in der schwülwarmen Luftmasse teils kräftige Schauer und Gewitter mit erhöhtem Unwetterpotenzial durch heftigen Starkregen. Örtlich können bei kräftigen Entwicklungen auch kleiner Hagel und Sturmböen mit von der Partie sein. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings eindeutig auf dem Starkregen. Gerade in einem Streifen von Südostbayern über Franken bis zur Eifel sind in Verbindung mit Gewittern unwetterartige Niederschlagsmengen innerhalb von wenigen Stunden möglich.

Dabei können in einem Zeitraum von 12 Stunden örtlich um 40 Liter pro Quadratmeter zusammenkommen. Lokal eng begrenzt sind auch Mengen bis 80 Liter pro Quadratmeter nicht ausgeschlossen. Nach jetzigem Stand werden die Hochwassergebiete im Saarland und Rheinland-Pfalz von den höchsten Mengen nicht getroffen. Der Schwerpunkt der unwetterartigen Niederschläge liegt voraussichtlich von Nordostfrankreich bis nach Benelux. Dort sind lokal Mengen über 80 Liter pro Quadratmeter möglich. Es gibt allerdings noch einige Unsicherheiten bezüglich der genauen Lage und Intensität. Deshalb können sie sich jederzeit auf unserer oder in der Warn Wetter App informieren.

In der Nacht lässt der Starkregen allmählich nach und der Schwerpunkt verlagert sich in die westliche Mitte des Landes. Von Südwesten gibt es im Laufe der Nacht längere Regenpausen. Dort fließt zudem etwas kühlere Luft ein, sodass am Mittwoch dort nur noch um 20 Grad erreicht werden. Im Nordosten bleibt dagegen auch am Mittwoch noch die schwülwarme Luftmasse erhalten. Dort treten in Verbindung mit der Kaltfront des nun über Benelux liegenden Bodentiefs erneut teils kräftige Schauer und Gewitter mit Starkregen auf. Allerdings ist dort das Unwetterpotenzial im Vergleich zum Dienstag im Südwesten etwas geringer.

Auch im weiteren Verlauf der Woche bleibt uns die Großwetterlage erhalten. Erst zum Wochenende deutet sich eine zögerliche Umstellung der Wetterlage an. Damit sind auch in den nächsten Tagen örtlich kräftige Gewitter mit Unwettergefahr nicht ausgeschlossen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Erneut-teils-kraeftige-Gewitter-und-heftige-Starkregenfaelle-mit-Unwettergefahr.png 925 1887 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-20 21:27:032024-06-25 11:12:35Erneut teils kräftige Gewitter und heftige Starkregenfälle mit Unwettergefahr!

Im Mai bisher extrem ungleiche Regenverteilung

19. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Regenverteilung in Deutschland im bisherigen Mai könnte unterschiedlicher kaum sein. Extrem ergiebige Regenfälle am vergangenen Freitag hatten vom Saarland bis zur Pfalz schwere Überschwemmungen und Hochwasser zur Folge. Aber auch zuvor war es vor allem im Südwesten und Westen Deutschlands im Mai ungewöhnlich nass.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen in weiten Teilen des Nordens und Ostens der Bundesrepublik, wo bisher nur sehr wenig Regen, örtlich sogar noch kein einziger Tropfen gefallen ist. Dort kommt es durch die Trockenheit zu immer größeren Problemen. Zeitweise gab es dort schon eine hohe Waldbrandgefahr und auch von Staubstürmen wurde in der vergangenen Woche berichtet, als ein lebhafter und teils böiger Wind über die noch unbestellten Felder wehte und dadurch den Straßenverkehr einschränkte.

Die Ursache dieser komplett gegensätzlichen Wetterverhältnissen ist in den dominierenden Wetterlagen der vergangenen drei Wochen zu finden. Das Wetter in der Nordosthälfte Deutschlands wurde fast durchweg von Hochdruck bestimmt. Dabei strömte mit östlichen Winden zudem trockene Festlandsluft ein. Unter diesen Bedingungen hat Regen kaum eine Chance und somit blieb es dort die meiste Zeit trocken. In der Südhälfte, insbesondere aber im Südwesten und Westen der Bundesrepublik, war häufig Tiefdruckeinfluss wetterbestimmend. Zudem floss zeitweise mit einer südwestlichen Strömung feuchte Meeresluft ein. Dadurch kam es im Mai dort immer wieder zu teils kräftigen Regenfällen, mal in heftigen Schauern und Gewittern, mal in Form größerer Regengebiete. Den vorläufigen Höhepunkt brachte schließlich ein Tief, welches sich am vergangenen Donnerstag über Südbayern bildete und in der Nacht zum Freitag und am Freitag nordwestwärts nach Nordrhein-Westfalen zog. Es löste an seiner Südwestflanke großflächige und intensive Regenfälle aus, die sich von Baden-Württemberg nord- bzw. nordwestwärts ausbreiteten und innerhalb weniger Stunden erhebliche Regenmengen brachten. Da sich der Niederschlag über dem Saarland und der Pfalz ungünstig eindrehte, regnete es dort über einen längeren Zeitraum so intensiv, dass zahlreiche Bäche und Flüsse ein 20- bis 100-jährliches Hochwasser führten, mit verheerenden Schäden und Auswirkungen.

Abbildung 1 zeigt die aus Radardaten abgeleiteten und an Messtationen angeeichten Regenmengen des aktuellen Monats (bis einschließlich 18. Mai). Von Baden-Württemberg über Rheinland-Pfalz und dem Saarland bis in den Südwesten von NRW fielen verbreitet 100 bis teils 180 mm Regen. Kleinräumig prasselten sogar über 200 mm vom Himmel (z.B. 203,0 mm in Saarbrücken-Burbach; 201,2 mm in Schweix, Kreis Südwestpfalz). Etwa 120 mm davon fielen allein beim Regenereignis von dieser Woche, aber auch die zwei Wochen zuvor waren mit rund 80 mm bereits deutlich regenreicher als normal. Das hat zur Folge, dass in den genannten Regionen die durchschnittliche Regenmenge des gesamten Mais vielerorts schon deutlich überschritten wurde (s. Abbildung 2). Vom Saarland bis zur Vorderpfalz kam sogar die zwei- bis lokal knapp dreifache Regenmenge eines durchschnittlichen Mais zusammen. Aber auch in der südlichen Köln-Bonner-Bucht und an der Ahrmündung bei Bad Neuenahr/Ahrweiler regnete es schon mehr als das Doppelte der üblichen Mairegenmenge, was dort u.a. auf heftige Gewitter am 2. Mai zurückzuführen ist.

Betrachtet man nur den Zeitraum vom 1. bis 18. Mai (Abbildung 3), so war nicht nur der Westen und Südwesten, sondern auch große Teile der Mitte und des gesamten Südens überdurchschnittlich nass. Besonders hoch sind die Abweichungen zum vieljährigen Mittel in diesem 18-tägigen Zeitraum im Rheinland (3- bis 4-fache Menge) und vom Saarland bis zur Vorderpfalz (4- bis 5-fache Menge). Aber auch in Teilen Hessens, Thüringens, Baden-Württembergs und Bayerns summierte sich der gefallene Niederschlag gebietsweise auf rund das Doppelte des Durchschnitts.

Ein ganz anderes Bild zeigt sich von Niedersachsen und Schleswig-Holstein bis nach Brandenburg, Vorpommern und Ostsachsen. Von lokalen Gewittern in Mecklenburg abgesehen wurden verbreitet nur 1 bis 10 mm gemessen, was nur 1 bis 25 % des Monatssolls entspricht. In manchen Orten in Sachsen-Anhalt und Brandenburg fiel sogar kein einziger Regentropfen vom Himmel. Für die dortigen Bewohner ist es wahrscheinlich schwer vorstellbar, wie es im Saarland zu solch schlimmen Hochwassern kommen kann.

Und wie geht es in den kommenden Tagen weiter? Bereits am heutigen Pfingstsonntag und am Pfingstmontag kommt es im Norden, Westen und Teilen der Mitte zu kräftigen Gewittern. Kleinräumig kann dieser Regen die Trockenheit dort bereits mildern. Um flächendeckenden Regen handelt es sich dabei aber nicht und viele Orte werden auch wieder komplett leer ausgehen. Spannend wird es am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch. Erneut bildet sich über Südbayern ein Tief, welches auf ähnlicher Zugbahn wie am vergangenen Donnerstag und Freitag wieder unter Verstärkung in den Westen zieht. Dadurch werden gebietsweise erneut kräftige Regenfälle ausgelöst, teils begleitet von Gewittern, die möglicherweise über ähnliche Regionen wie beim letzten Regenereignis niedergehen könnten. Aktuell werden die betroffenen Regionen und die zu erwartenden Mengen von den Wettermodellen aber noch sehr unterschiedlich simuliert (Abbildung 4). Das deutsche Modell sieht den Schwerpunkt aktuell über Ostfrankreich, aber auch im Saarland und der Pfalz werden Mengen von 40 bis 60 mm berechnet. Bleibt zu hoffen, dass sich dies nicht bewahrheitet, da sonst dort mit einer erneuten Verschärfung der Hochwasserlage zu rechnen wäre. Am Mittwoch verlagern sich die gewittrigen Regenfälle auch in den Norden und Osten, sodass dort der lang ersehnte flächige Regen für eine Entspannung der Trockenheit sorgen sollte.

Dr. rer. nat. Meteorologe Markus Übel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/05/DWD-Im-Mai-bisher-extrem-ungleiche-Regenverteilung.png 903 1057 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-05-19 19:19:532024-06-25 11:15:32Im Mai bisher extrem ungleiche Regenverteilung

Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey!

18. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!“ So lautet ein bekanntes Sprichwort. Für alle Fußballbegeisterten steht am heutigen Samstag das Finale in der dritten Liga sowie in der Bundesliga der Männer an, bevor dann am morgigen Sonntag auch das Finale in der zweiten Liga folgt. Wer Deutscher Meister wird, steht bereits seit dem 29. Spieltag fest. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren geht die Meisterschale nicht in die bayerische Hauptstadt. Stattdessen konnte das oftmals belächelte „Vizekusen“ die Schale für sich erobern und blieb zudem an den bisherigen 33 Spieltagen ungeschlagen.

Nun folgt ab 15:30 Uhr noch der letzte Spieltag in der Bundesliga. Die 17 Partien finden in allen Himmelsrichtungen Deutschlands statt, vom nördlichsten Austragungsort in Bremen bis zu den südlichsten in Stuttgart und Heidenheim sowie vom westlichsten in der Stadt des Deutschen Meisters Leverkusen bis zum östlichsten in Berlin. Die meteorologischen Bedingungen für diese Partien sind durchaus unterschiedlich, weshalb nun jeder Austragungsort einmal beleuchtet wird. Zum Beispiel soll unter anderem die Frage beantwortet werden, ob man den Schirm auf dem Weg ins Stadion brauchen könnte.

Temperaturtechnisch dürfte die nördlichste Partie Werder Bremen gegen VfL Bochum tatsächlich die Nase vorn haben, denn in Bremen wird eine Höchsttemperatur von 23 Grad erwartet. Ein paar Tropfen können zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, was einen als Norddeutscher nun nicht sonderlich beeindrucken sollte. Aber neben der zumindest temperaturtechnisch „heißesten“ Partie ist Bremen zudem der Austragungsort, der am meisten Sonne im Nachmittagsverlauf abbekommen könnte. Elfter gegen Vierzehnter in der Tabelle klingt zwar nicht sonderlich aufregend, aber wenn es dumm läuft, könnte Bochum noch auf den Relegationsplatz rutschen. Die Fans werden also sehr genau verfolgen, was auf den Plätzen der Konkurrenten passiert, allerdings eher weniger beim Wetter.

Ein solcher Konkurrent ist Union Berlin, der den SC Freiburg zu Gast hat. Bei den Eisernen lief es diese Saison nicht wirklich gut, weshalb sie aktuell auch auf dem Relegationsplatz stehen und um den Verbleib in der Bundesliga bangen müssen. Auch das Wetter während der Partie ist noch etwas ungewiss. Temperaturen von bis zu 22 Grad und wechselnde Bewölkung klingen ja erst einmal ganz solide. Allerdings sind einzelne Schauer und Gewitter nicht ganz ausgeschlossen und bei kräftigem Regen und böigem Wind kann es dann doch auch ungemütlich werden. Genauso gut kann während der kompletten Partie kein Tropfen vom Himmel kommen, es bleibt also spannend.

Ein weiterer „Konkurrent“ um den Relegationsplatz ist Mainz 05 beim Gastspiel in Wolfsburg. Auch hier gilt dasselbe wie für Berlin: Temperaturen um 20 Grad und wechselnde Bewölkung laden zu einem Fußballnachmittag ein, eine nasse Überraschung von oben ist aber durchaus möglich.

Bochum, Mainz und Berlin fürchten den Relegationsplatz. Für die Geißböcke aus Köln ist dieser noch der letzte Strohhalm, an den sie sich klammern können, um auf den Verbleib in der Bundesliga zu hoffen. Dazu müssten sie aber auf der Ostalb in Heidenheim gewinnen und gleichzeitig auf Freiburger Schützenhilfe hoffen. Wer nun absteigt und wer die Relegation bestreiten muss, wird um kurz nach 17:15 Uhr feststehen.

Wettertechnisch ist es in Heidenheim jedenfalls ähnlich ruhig wie bei der rund 70 Kilometer entfernt stattfindenden Partie VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach. Höchsttemperaturen zwischen 20 und 22 Grad (wobei es auf der Ostalb gerne etwas kühler ist) und etwas Sonnenschein, der sich seinen Weg durch die Wolken bahnt, laden dazu ein, den Abschluss der zumindest aus Sicht der Heimmannschaften erfolgreichen Saison zu feiern. Zudem sollte man einzelne Schauer nicht gänzlich ausschließen, um nicht der Falschaussage bezichtigt zu werden.

Der VfB Stuttgart kann entspannt aufspielen, denn der dritte Platz und die Champions League sind sicher, aber bei einem Sieg gegen Gladbach kann in den Kraichgau geschielt werden und auf Schützenhilfe der TSG 1899 Hoffenheim im wahrsten Sinne des Wortes gehofft werden. Falls Hoffenheim den FC Bayern München besiegen sollte, wäre nämlich auch noch die Vizemeisterschaft gewonnen. Dort wird es zwar nicht ganz so warm wie weiter südöstlich, aber die Sonne lugt auch einmal durch die Wolken.

Immerhin haben im Südwesten die lang anhaltenden und kräftigen Niederschläge nachgelassen. In der Abbildung sind die aus 10-minütigen Stationsmessungen sowie aus Radarmessungen abgeleiteten 24-stündigen Niederschlagssummen dargestellt. Dabei sind insbesondere im Saarland und im südlichen Rheinland-Pfalz Mengen zusammengekommen, die sonst für einen ganzen Monat üblich sind. Solche „Spitzenreiter“ sind heute zum Glück nicht mehr zu erwarten.

Weiter nördlich, also in Hessen und im südlichen Nordrhein-Westfalen, ist die Wolkendecke bei Höchsttemperaturen zwischen 19 und 21 Grad dichter. Bevorzugt in dieser Region bilden sich zudem häufiger Schauer und Gewitter, die ganz lokal auch einmal kräftiger ausfallen und mit Starkregen einhergehen können. Davon könnten die drei restlichen Partien betroffen sein. Das wäre für Hessen die Partie der Frankfurter Eintracht gegen RB Leipzig. In Nordrhein-Westfalen muss der feststehende Absteiger Darmstadt 98 bei der Dortmunder Borussia antreten. Zudem empfängt der designierte Deutsche Meister Bayer 04 Leverkusen den FC Augsburg, um anschließend die Meisterschale entgegenzunehmen. Ob auch dieses Spiel wieder ohne Niederlage endet?

Trotz aller Wehmütigkeit bezüglich des Saisonendes 2023/24 sei allen Fußballbegeisterten hiermit ein Hoffnungsschimmer mitgegeben. In diesem Jahr hält sich die Fußball-Abstinenz während der Sommerpause in Grenzen. Wie in jedem Jahr werden noch die Relegationsspiele ausgetragen, zudem gibt es noch die Finalspiele beim DFB-Pokal sowie bei den europäischen Wettbewerben. Am 14. Juni wird dann die Europameisterschaft der Männer hier in Deutschland mit dem ersten Spiel Deutschland gegen Schottland im Austragungsort München angepfiffen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Regenfluten im Südwesten – ein Zwischenstand

17. Mai 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nach den gestern noch bestehenden Unsicherheiten in der exakten Vorhersage hat sich nun bezüglich der gefallenen Regenmengen ein deutlich klareres Bild ergeben. Nachdem zunächst in der Nacht vor allem Baden-Württemberg den Schwerpunkt bildete, fallen nun aktuell im Saarland und den angrenzenden Gebieten in Rheinland-Pfalz erhebliche Regenmengen.

Bisher gefallene Regenmengen

Und diese Regenmengen haben es durchaus in sich. Blicken wir zunächst auf Baden-Württemberg. Auch dort regnet es immer noch verbreitet, allerdings hat hier die Intensität bereits deutlich nachgelassen. Deswegen der Blick auf die Regensummen vom Vormittag, nachdem die größten Teile des erwarteten Niederschlags gefallen sind. Dabei fallen vor allem der Oberrheingraben sowie Teile des Schwarzwaldes und der Schwäbischen Alb auf. Dort fielen verbreitet etwa 40 bis 50 l/m² innerhalb von zwölf Stunden. Auch nördlich von Stuttgart gab es Mengen um 50 l/m². In Nordbaden fielen stellenweise sogar um 70 l/m² innerhalb dieses Zeitraums.

Noch größere Mengen aber zeigten sich bis zum heutigen Mittag im Saarland und der Südpfalz. In und um Saarbrücken fielen dabei bis heute 14 Uhr zwischen 70 und 80 l/m² innerhalb von zwölf Stunden. Der Großteil davon sogar innerhalb eines Zeitraums von sechs Stunden. Bezüglich der Größenordnung handelt es sich hierbei immerhin um die übliche Niederschlagssumme eines kompletten Monats. Aus diesem Grund wurde diese Region auch mit einer Unwetterwarnung der höchsten Stufe („Extrem ergiebiger Dauerregen”) versehen. Auch im erweiterten Umfeld standen die Mengen mit Summen zwischen 50 und 70 l/m² dem Ganzen nicht viel nach.

Hochwasserfolgen

 

Derartige Regenmengen machen sich zwangsläufig auch in Bächen und Flüssen bemerkbar. Dabei zeigt sich die Hochwassersituation in Baden-Württemberg sogar noch verhältnismäßig entspannt. Nur ein Pegel erreichte lt. dortiger Hochwasservorhersagezentrale eine Meldestufe für Hochwasser. Ansonsten bleibt es wohl bei erhöhten Wasserständen und nur leichten Überschreitungen bei maximal 2- bis 5-jährigen Ereignissen.

Anders dagegen die Situation im Saarland und dem südlichen Rheinland-Pfalz. Hier steigen die Pegel bereits deutlich an. Durch die jeweiligen Hochwasservorhersagezentralen wurden Warnungen vor 20- bis 50-jährigen Hochwasserereignissen und teilweise sogar darüber hinaus ausgegeben (höchste Warnstufe). Ein Pegel (Steinalben/Queidersbach) überschreitet dabei aktuell bereits die Schwelle zum 50-jährigen Hochwasser. Ähnlich die Situation im Saarland. Hier melden mehrere Pegel bereits große Hochwasser (20- bis 50-jährig). Dabei muss von einem weiteren Anstieg der Pegel in den kommenden Stunden ausgegangen werden.

Weitere Vorhersage

 

Die Niederschläge halten in den kommenden Stunden bis in die Nacht zum Samstag hinein an. Das verantwortliche Niederschlagsband zieht nur ganz langsam nordwärts. Dabei regnet es auch in den bereits betroffenen Regionen noch langanhaltend über weitere etwa sechs bis zwölf Stunden. Erst am morgigen Samstag sind die Niederschläge soweit abgeklungen, dass sich die Hochwasserlage erstmal entspannen dürfte. Dann erstreckt sich das Regenband etwa von der Eifel bis nach Sachsen. Warnwürdige Regenmengen fallen dabei aber kaum noch. Ruhe kommt damit aber keine in die Wetterküche. Die nächste gewittrige Starkregenlage deutet sich bereits ab dem kommenden Dienstag an. Dabei wäre Stand heute vor allem der Süden Deutschlands betroffen und damit auch erneut Regionen, die bereits sehr viel Regen abbekommen haben. Entspannung ist also nicht wirklich in Sicht.

M.Sc. (Meteorologe) Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.05.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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