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Der geostrophische Wind – in kleiner, „appetitlicher“ Portion

25. April 2024/in Thema des Tages, Wind/von WINDINFO

In Mitteleuropa hat sich wettertechnisch aktuell ja etwas breit gemacht, was sich nicht nur wie Winter anfühlt, sondern was in höheren Lagen auch wie Winter aussieht – auch wenn der Blick auf den Kalender etwas anderes verspricht. Immerhin kann man aber konstatieren, dass sich über Mitteleuropa der Wind etwas beruhigt hat. Dieser ist in den vergangenen Tagen ja mitunter auch recht ruppig unterwegs gewesen.

Wenn man den Atlantik, das Mittelmeer oder auch das Nordmeer mit in die Betrachtung einbezieht, so zeigen sich aber auch aktuell einige Ecken, in denen der Wind auf die Tube drückt. Die beigefügte Abbildung zeigt für den gestrigen Mittwochmorgen in Gelb-, Orange- und Brauntönen Gebiete mit stärkerer Windentwicklung (Modelldaten aus ICON). Diesbezüglich fällt die Nordsee ins Auge, aber auch der Nordatlantik südöstlich von Grönland oder das westliche Mittelmeer (die beiden letztgenannten Gebiete sind dabei mit einem roten Kreis markiert). Im Mittelmeer ist es übrigens der Mistral – das bekannteste Windphänomen im bzw. am westlichen Mittelmeer – der mit voller Sturmstärke aus dem Rhônetal in den Löwengolf weht. Weitere Informationen zum Mistral stehen übrigens im zur Verfügung.

Neben den Starkwindfeldern sind in der Karte noch einige Hoch- und Tiefdruckzentren sowie die Isobaren, also die Linien gleichen Luftdrucks zu erkennen. Auffällig ist, dass der Wind immer dort kräftiger ausfällt, wo die Isobaren relativ eng zusammen liegen. Man sagt auch der Druckgradient, also der Druckunterschied in einer vorher festgelegten Entfernung, ist hoch. Und dieser Druckgradient ist oftmals, aber nicht immer der Auslöser für starken Wind.

Bei genauem hinsehen fällt auf: Obwohl der Mistral sogar etwas stärker weht als der namenlose Wind südöstlich von Grönland, ist der Druckgradient über dem westlichen Mittelmeer ein wenig schwächer ausgeprägt als auf dem Atlantik. Die entsprechenden Zahlenwerte finden Sie in den jeweiligen Erklärungskästen. Der Isobarenabstand bezieht sich dabei auf einen Druckunterschied von 3 Hektopascal und wurde im Bereich des stärksten Windes ermittelt.

Ist das ein Widerspruch zu der Aussage, dass der Wind vom Luftdruck abhängt? Nein, es gibt natürlich eine Erklärung. Sie wird von der Formel für den geostrophischen Wind geliefert, hier in einer etwas abgespeckten und damit appetitlicheren (oder einfach nur leichter verdaulichen) Form. Der geostrophische Wind stellt sich ein, wenn nur der Druckgradient und die von der Erdrotation verursachte Corioliskraft wirken. In der hier betrachteten zweidimensionalen Form lautet sie

Diese Formel ist weit weniger kompliziert als sie auf den ersten Blick aussieht. Der Wind, hier mit v abgekürzt, ist proportional zu Δp/Δx , dem letzten Faktor der Gleichung. Und der stellt letztendlich nichts anderes als den Druckgradienten dar, also die Änderung des Druckes p entlang einer Strecke x. Ist der Faktor groß, weht auch der Wind v entsprechend stark. Und wenn Δp/Δx zunimmt bzw. abnimmt, nimmt auch der Wind zu oder ab.

Im vorderen Teil der Gleichung stehen die drei physikalischen bzw. meteorologischen Größen ρ (Rho), ω (Omega) und sinφ (Sinus Phi). Sie stehen (zusammen mit dem Faktor 2, der hier im Weiteren unterschlagen wird) alle im Nenner eines Bruchs. Mit anderen Worten: Wenn diese Werte anwachsen, wird der Wert des Bruches kleiner und der Wind nimmt – von seinem Betrag her – ab.

Bei der Größe ω handelt es sich um die Winkelgeschwindigkeit der Erde, ein Maß für deren Rotationsgeschwindigkeit. Sie ist glücklicherweise konstant, sonst hätten wir zu den aktuell ohnehin schon großen Problemen auf unserem Planeten noch einige mehr zu meistern. Die zweite Größe ist ρ, die Luftdichte. Ist sie hoch, etwa auf der Erdoberfläche, so ist der Wind relativ schwach. Ist sie gering, etwa in größeren Höhen, so ist der Wind kräftiger. Für unsere Fragestellung aber ist sinφ die entscheidende Größe. Dabei ist φ selbst der Winkel der jeweiligen geographischen Breite, d.h. φ ist am Äquator 0°, am Nordpol 90° groß. Daraus ergibt sich für sinφ am Äquator der Wert null, am Nordpol aber der Wert eins – und sinφ wird kontinuierlich größer, je weiter man nach Norden zum Pol kommt.

Bezogen auf die Windgeschwindigkeit lässt sich daraus ableiten, dass der Wind bei gleichem Δp/Δx und bei gleicher Luftdichte ρ in höheren Breiten (also weiter im Norden) schwächer weht als in der Nähe des Äquators. Und genau das konnte man auch am gestrigen Mittwoch beobachten. Obwohl im Bereich des Mistrals der Druckgradient etwas geringer gewesen ist als über dem Nordatlantik, zeigte sich der Wind dort schneidiger als im höheren Breiten. Und dieser Effekt ist genau diesen höheren Breiten geschuldet.

Auf der Südhalbkugel verhält es sich übrigens ähnlich – aber mit umgekehrtem Vorzeichen. Der Wind wird bei gleichem Druckgradienten schwächer, je näher man zum Pol kommt. Aber er wird durch die Erdrotation dort in die andere Richtung abgelenkt. Mathematisch macht sich dies durch ein „Minus“ bemerkbar, das sich über sinφ in die Gleichung „schummelt“. Und offensichtlich zeigt sich dies auch daran, dass auf der Südhalbkugel, im Gegensatz zur Nordhalbkugel, der Wind im Uhrzeigersinn um Tiefdruckgebiete und entgegen dem Uhrzeigersinn um Hochdruckgebiete weht.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Der-geostrophische-Wind-in-kleiner-appetitlicher-Portion.png 622 625 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-25 18:27:552024-06-27 10:04:30Der geostrophische Wind – in kleiner, „appetitlicher“ Portion

Ende der spätwinterlichen Witterung in Sicht

24. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

„April, April, der macht, was er will“ ist eine typische deutsche Redewendung. Sie lässt sich auf das sehr wechselhafte Wetter zurückführen, das sich zumeist im Monat April einstellen kann. Auch in diesem Jahr macht der vierte Monat des Jahres seinem Ruf alle Ehre. Nach einem sehr milden, frühlingshaften Start stellte sich in den vergangenen Tagen noch einmal eine spätwinterliche Witterung ein. Kein Wunder also, dass es derzeit etwas zu kühl ist für die Jahreszeit. Im Bergland konnte sich sogar eine veritable Schneedecke ausbilden.

Auch am heutigen Mittwoch sowie am Donnerstag (24. und 25.04.2024) zeigt sich der April von seiner „wilden“ Seite. Tief „Celina“ liegt über Nordwestdeutschland und der Nordsee und beschert uns wettertechnisch „typische“ Apriltage: Wechselnde bis starke Bewölkung zieht über Deutschland hinweg, wiederholt treten Schauer auf, die als Regen, im höheren Bergland tagsüber auch als Schnee niedergehen. Einzelne Graupelgewitter sind durchaus möglich. Dazwischen zeigt sich bei kurzen Auflockerungen hin und wieder mal die Sonne. In den Nächten muss dazu mit leichtem Frost gerechnet werden. Nicht ganz ungefährlich für die recht fortgeschrittenen Vegetationsstadien diverser Pflanzen.

Während die deutsche Redewendung „April, April, der macht, was er will“ durchaus eine gewisse Machtlosigkeit dem Wetter gegenüber ausdrückt, schauen unsere Nachbarländer durchaus etwas positiver auf das Wetter im April. Im Englischen gibt es die Redewendung „April showers bring May flowers“ (zu deutsch: „Schauer im April sorgen für Blumen im Mai“). In Italien, wo der April klimatologisch durchaus schon etwas wärmer ausfallen kann, sagt man auch „La primavera è la stagione dell’amore“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Der Frühling ist die Jahreszeit der Liebe“.

Aber auch in Deutschland hat das spätwinterliche Wetter einmal ein Ende. Ab Freitag verlagert Tief „Celina“ seinen Schwerpunkt allmählich über die Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel. Ein weiteres Tief namens „Biruta“ liegt gleichzeitig über Nordost- bzw. Osteuropa. Dazwischen stellt sich bei uns leichter Hochdruckeinfluss und eine leichte südwestliche Strömung ein.

Während Freitag tagsüber zeitweise noch etwas Regen fallen kann, lässt dieser am Abend weitgehend nach. Am Wochenende und zum Start in die neue Woche bleibt es dann in der Osthälfte meist trocken, im Westen und Nordwesten sind noch einzelne Schauer, vereinzelt auch Gewitter möglich. Mit der südwestlichen Strömung gelangt zudem deutlich mildere Luft zu uns. Die Temperatur steigt am Samstag wieder auf Werte von bis zu 21, ab Sonntag örtlich sogar auf bis zu 25 Grad. Der Frühling kann also wiederkehren.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Ende-der-spaetwinterlichen-Witterung-in-Sicht-scaled.jpg 1440 2560 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-24 19:33:542024-06-27 10:08:14Ende der spätwinterlichen Witterung in Sicht

Eine Reise in den Frühling

23. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Andalusien ist die südlichste und zudem bevölkerungsreichste Region des spanischen Festlands und grenzt im Westen und Südwesten an Portugal und den Atlantik, im Süden und Südosten an das Mittelmeer. Ganz im Süden befindet sich das britische Überseegebiet Gibraltar. Die Hauptstadt ist Sevilla. Bei Tarifa liegen Europa und Afrika nur 14 Kilometer voneinander entfernt, was prägend für diese Region war und damit auch noch ist. Andalusien war in der Geschichte oft umkämpft und viele Kulturkreise hinterließen hier ihre Spuren: Römer, Vandalen und vor allem Mauren. Von letzteren stammt auch der arabische Name „al-Andalus“, woraus sich im Laufe der Zeit „Andalusien“ (span. Andalucía) entwickelte. Sie bauten unter anderem beeindruckende Moscheen und Paläste mit wunderschönen Gartenanlagen. Beim Stichwort „Andalusien“ denkt man sicherlich direkt an den umstrittenen Stierkampf oder auch an den Flamenco, der in gewisser Hinsicht die Geschichte Andalusiens mit den verschiedenen kulturellen Einflüssen als Tanz darstellt. Auch beim Essen lassen sich viele kulinarische Leckereien wie die traditionellen Tapas nennen. Neben dem Tourismus ist beispielsweise der Export von Oliven und Olivenöl wirtschaftlich sehr wichtig, denn Andalusien ist gewissermaßen der Olivengarten der Welt.

Hier in Deutschland war es in den letzten Tagen eher kühl und alles andere als frühlingshaft. So soll diese kleine Rundreise in Bildern ein paar Frühlingsgefühle und Hoffnungen auf wärmere Zeiten wecken. Kommen Sie also mit in eine faszinierende und atemberaubend schöne Gegend Europas!

Los ging die Reise am 07. April 2024. Zu diesem Zeitpunkt war es auch hier in Deutschland nicht nur frühlingshaft, sondern häufig sogar sommerlich warm. Der Himmel zeigte sich allerdings oftmals nicht von seiner blankgeputzten Seite, sondern wurde von Saharastaub eingetrübt. Dasselbe Phänomen konnte dann auch am Morgen nach der Ankunft in Torremolinos nahe Málaga beobachtet werden.

Weiter ging es nach Granada, wo der einzige Schauer während der Reise dafür sorgte, dass man von oben etwas nass wurde. Grund für die leichte Schaueraktivität war ein durchziehender Höhentrog.

Davon spürte man tags darauf aber nichts mehr und man konnte die Sonne in vollen Zügen genießen. Rein statistisch kommt der Frühling mit einer Geschwindigkeit von ca. 30 bis 40 Kilometer pro Tag von Südwesteuropa über Mitteleuropa nach Nordosteuropa voran und das merkte man dann dementsprechend auch beim Fortschritt des Pflanzenwachstums. Zudem gibt es in Andalusien Gewächse, die hier in Deutschland in diesem Ausmaß nicht wachsen würden. So ließen sich Aufnahmen machen, auf denen die Sonne zwischen den blühenden und Früchte tragenden Ästen der Orangenbäume hindurchschimmerte.

Nachfolgend lag Andalusien unter Hochdruckeinfluss, der durch einen Höhenrücken gestützt wurde. Die Folge war strahlender Sonnenschein bei nahezu wolkenlosem Himmel, wie das Bild des Sonnenuntergangs über den Dächern von Sevilla zeigt.

Daran änderte sich auch im weiteren Verlauf der Reise nichts mehr. Ab und an zogen zumindest dünne Schleierwolken über den Himmel. Dadurch konnte über einem der berühmten weißen Dörfer ein schwacher Halo eingefangen werden. Weitere Informationen zu Halos finden sich

Die Reise endete dann auch wieder dort, wo sie angefangen hatte. Und mit einem Bild des Sonnenaufgangs am Strand von Torremolinos endet nun diese kleine Rundreise in Bildern. Falls Sie sich nun berechtigterweise nach Frühlingswärme sehnen, hiermit ein kleiner Hoffnungsschimmer: Mittelfristig wird es auch hier in Deutschland wieder wärmer.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Eine-Reise-in-den-Fruehling.png 814 1104 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-23 19:16:082024-06-27 10:12:50Eine Reise in den Frühling

Was macht das Wetter am „Tag der Erde“ oder „Tag der Aprilschauer“?

22. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Seit 1970 steht der 22. April im Zeichen des Umweltschutzes. Mehr als 170 Länder begehen den „Tag der Erde“. International wird dieser Aktionstag nicht nur als „Earth Day„, sondern häufig auch als „International Mother Earth Day“ bezeichnet. Bolivien schlug den Vereinten Nationen im Jahr 2009 diesen Namen vor. Das hehre Ziel ist es, dass man das eigene Konsumverhalten oder den eigenen ökologischen Fußabdruck hinsichtlich Nachhaltigkeit überdenkt. Auch Künstler ließen sich von diesem Aktionstag inspirieren. Beispielsweise verarbeitete Michael Jackson seine Gedanken hierzu in seinem „Earth Song„. Das internationale Motto lautet in diesem Jahr „Planet versus Plastics„, also „Planet gegen Plastik“. Die Produktion von Kunststoffen sollte reduziert und das Recyceln von Plastik forciert werden. In Deutschland gibt es ein eigenes Motto, welches in diesem Jahr „Wasser macht Leben möglich“ lautet. Wasser sollte sinnvoll verwendet und nicht verschwendet werden.
In den USA steht der 22. April zudem im Zeichen des wechselhaften Wetters, denn dort wird heute der „April Showers Day“ („Tag der Aprilschauer“) begangen. Die Initiative geht auf den E-Card-Anbieter 123greetings.com zurück. Allerdings bleibt unklar, in welchem Jahr der Aktionstag ins Leben gerufen wurde und warum dieser genau auf den 22. April fällt. Namensgebend sind die plötzlich auftretenden und mitunter heftigen Regen-, manchmal auch Graupel- oder Schneeschauer. Diese sind klassisch für das wechselhafte Aprilwetter, denn wie ein bekanntes Sprichwort sagt: „Der April macht, was er will“. Doch warum ist das Aprilwetter so unbeständig? Die Unbeständigkeit kann damit begründet werden, dass die Meere und Polargebiete aktuell noch relativ kühl sind. Je nach Wetterlage wird immer mal wieder kalte Polarluft nach Deutschland geführt. Der Sonnenstand ist aber bereits relativ hoch. Somit kann sich das Land tagsüber bei Sonnenschein schon stärker erwärmen. Die hochreichend kalte Polarluft wird labilisiert. Die warme Luft steigt dann in Blasen auf, wodurch sich im Tagesverlauf Quellwolken bilden, die schließlich für Schauer oder auch kurze Gewitter sorgen können.

Des Weiteren wird in der kommenden Nacht das Maximum beim Sternschnuppenschwarm der Lyriden erreicht. Dann können etwa 18 Sternschnuppen pro Stunde gesichtet werden, in Deutschland aber meist weniger. Zum Vergleich: Bei den Perseiden im August sind es mehr als 100.
Doch lässt die aktuelle Wetterlage überhaupt einen Blick in den Sternenhimmel zu? Das Hoch QUADARIUS und das Tief ANNINA II haben dafür gesorgt, dass sich bei uns eine nördliche Strömung eingestellt hat. Zudem wirbelt das Tief BIRUTA im Golf von Genua.

Dieses Tief sorgt für leichte Schneefälle am Alpenrand. Ansonsten ziehen bei wechselnder bis starker Bewölkung Schauer über das Land. Bevorzugte Regionen hierfür sind der Norden, Westen sowie Teile der Mitte. Im höheren Bergland fallen oftmals auch Schneeflocken anstatt Regentropfen. Vereinzelt können auch Blitz und Donner mit von der Partie sein. Bei Höchstwerten von meist weniger als 10 Grad ist es zudem recht kühl.
In der Nacht zum Dienstag lässt die Schauertätigkeit allmählich nach und die Bewölkung lockert vielfach auf. Somit sollte in vielen Regionen ein Blick in den Sternenhimmel möglich sein.

Man sollte sich allerdings warm einpacken, denn die Temperaturwerte sinken in den leichten Frostbereich. Ausnahmen hierbei sind das Küstenumfeld, der Oberrhein sowie der äußerste Südosten. Verbreitet ist zudem mit mäßigem Bodenfrost zwischen -3 und -10 Grad zu rechnen. Alle Pflanzenfreunde horchen bei dieser Nachricht auf, denn es gilt, die Pflanzen vor den frostigen Temperaturen zu schützen.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Was-macht-das-Wetter-am-Tag-der-Erde-oder-Tag-der-Aprilschauer-1.png 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-22 19:55:342024-06-27 10:15:54Was macht das Wetter am „Tag der Erde“ oder „Tag der Aprilschauer“?

Der Spätwinter mit Schnee und Frost folgt auf den Frühsommer!

21. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Mit Blick auf die derzeitige winterliche Witterungsepisode, die mit Blick auf die nahe Vergangenheit durchaus Seltenheitswert besitzt und den stark überdurchschnittlichen Temperaturen aus der ersten Aprilhälfte nun auf Normalniveau stutzt, wird sich auch das heutige Thema des Tages nochmals mit dieser Thematik beschäftigen. Denn die zweite Aprilhälfte hat einiges zu bieten. Von Schnee bis ins Tiefland bis hin zu mäßigem Frost ist alles dabei.

Am heutigen Sonntag (21.04.2024) befindet sich Deutschland zwischen den Stühlen oder in meteorologischer Fachsprache zwischen den Druckmaxima. Leider liegen für viele Bürger Hoch und Tief dabei auf der falschen Seite. Denn derzeit kreiselt das kräftige Hoch QUADARIUS bei Irland und spannt eine Hochdruckzone vom Nordmeer über den Ostatlantik bis in den Golf von Biskaya auf, während über dem östlichen Mitteleuropa und Osteuropa zahlreiche Tiefs wirbeln und so über Mitteleuropa eine nördliche bis nordöstliche Strömung induzieren. Mit dieser wird weiter kalte Luft polaren Ursprungs nach Deutschland geführt. Da aber die Tiefs ANNINA II über Polen und ANNINA I bei Norwegen in der Wetterküche ordentlich mitwirken, bleibt hierzulande auch der unbeständige Wettercharakter bestehen (vgl. Abb. 1).

Vor allem ANNINA II sowie ein Randtief über Süddeutschland versorgen am heutigen Sonntag die Südhälfte des Landes mit teils kräftigen Niederschlägen. Diese werden dabei durchaus auch noch von Prozessen in höheren Luftschichten verstärkt, wo ebenfalls kleine Tiefs umhereiern. Da gleichzeitig die Temperaturen stark unterdurchschnittlich ausfallen, in etwa 1500 Meter zwischen -3 und -9 Grad sowie bodennah am Morgen zwischen -4 und +4 Grad liegen und tagsüber nur eine moderate Erwärmung erfahren, fallen die Niederschläge oberhalb von 400 bis 600 m als Schnee. In der Nacht lag die Schneefallgrenze in der Mitte sogar teilweise in tiefen Lagen und sorgte auf den Straßen für einen nachhaltigen Eindruck. Vor allem auf den Autobahnen und Bundesstraßen in Nord- und Osthessen, Ostwestfalen sowie Thüringen (A4, A7, A44) ging zeitweise nichts mehr. Die gemessenen Neuschneehöhen sind entsprechend ordentlich. Z. B. fielen in Bad Hersfeld (272 m ü.N.N.) in nur wenigen Stunden 10 cm, in Fulda-Horas (242 m ü.N.N.) 7 cm, in Mistekgau-Hardt (419 m ü.N.N.) 10 cm und in Liebenau-Haueda (162 m ü.N.N.) 5 cm Neuschnee. Abseits der Stationen des DWD sind aber durchaus auch noch höhere Summen möglich. An den Alpen fielen oberhalb von 800 m häufig zwischen 10 bis 20 cm. Resultierend konnte die Schneedecke aus den Vortagen oberhalb etwa 700 bis 800 Meter weiter anwachsen (vgl. insgesamt Abb. 2). Im Thüringer Wald sind nun in der Spitze 26 cm, auf der Wasserkuppe in der Rhön 19 cm, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge 23 cm und auf dem Kahlen Asten rund 13 cm zu verzeichnen.

In den kommenden Tagen nimmt dann der Einfluss von Hoch QUADARIUS zu, sodass die Niederschlagsneigung abnimmt. Grundsätzlich bleibt aber die nördliche Grundströmung aufgrund der Lage des Hochs westlich bzw. nordwestlich von Deutschland bestehen, sodass die Zufuhr an polarer Kaltluft zunächst anhält. Während es an den Alpen und dem Vorland sowie Ostbayern auch in den kommenden Tagen noch länger schneien soll, sind sonst bevorzugt im Ostseeumfeld und im westl. Mittelgebirgsraum noch Schneeschauer möglich. Ansonsten wechselt der Fokus zunehmend vom Schnee zum Frost. Durch die abnehmende Bewölkung kann die einfließende Kaltluft nachts ordentlich auskühlen. Nachfolgend sollen die nächtlichen Tiefstwerte (2 m) in den kommenden Nächten verbreitet auf Werte zwischen 0 und -7 Grad purzeln, in Bodennähe (5 cm) muss mit Frost zwischen -2 und -10 Grad gerechnet werden (Vgl. Abb. 3). Diese Temperaturen sind dann für die schon weit vorgedrungene Pflanzenwelt gefährlich. Vor allem gerade blühende Gewächse sind gefährdet und müssen geschützt werden. Aber auch sonst ist für viele Pflanzen im Garten und auf dem Balkon nochmals Schutz nötig.

Der sich einnistende Spätwinter relativiert dann auch den Frühsommer zu Monatsbeginn. Noch am Morgen des 15. April, also zur Halbzeit des Monats, lag die Mitteltemperatur landesweit 4 bis fast 7 Grad über dem vieljährigen Mittel und damit erneut auf Rekordkurs. Doch dann kam der Spätwinter. Am heutigen Morgen (21. April), also knapp eine Woche später, sind die positiven Abweichungen abgeschmolzen. Insgesamt sind aber weiter überdurchschnittliche Mittelwerte von 2 bis 4 Grad zu verzeichnen (vgl. Abb. 4). Aufgrund der mindestens noch eine Woche anhaltenden unterdurchschnittlichen Temperaturen sollten sich die Abweichungen aber weiter normalisieren.

Diplom Meteorologe Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Der-Spaetwinter-mit-Schnee-und-Frost-folgt-auf-den-Fruehsommer.gif 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-21 18:45:332024-06-27 10:42:22Der Spätwinter mit Schnee und Frost folgt auf den Frühsommer!

Winter kehrt im April zurück

20. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Eine Südwestwetterlage bescherte uns Anfang April noch Temperaturen nahe 30 Grad. Dabei führten atlantische Tiefdruckgebiete auf ihrer Vorderseite tropische Luft von Nordafrika nach Mitteleuropa. Die zu dieser Jahreszeit wärmste mögliche Luftmasse brachte uns sommerliche Höchstwerte und sehr milde Nächte, die uns vergessen ließen, dass es erst April ist. Doch dies änderte sich zu Beginn der Woche, als sich die Wetterlage mit Sturm und einem Temperatursturz vollständig umstellte. Statt eines Tiefdruckgebiets hat sich ein blockierendes Hoch über dem Atlantik festgesetzt, dass die West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete blockiert. Diese ziehen nun von Norden nach Mitteleuropa und auf ihrer Rückseite strömt mit nördlicher Strömung arktische Kaltluft ein, eine der kältesten möglichen Luftmassen, die den Winter in die Mittelgebirge zurückgebracht hat. In den Nordstaulagen des Thüringer Waldes und des Erzgebirges fielen bis heute früh teilweise über 20 cm Schnee und auf dem Großen Arber liegen wieder 51 cm.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es winterlich. Heute Nacht zieht ein kleines Schneetief vom Nordwesten über die Mitte und erreicht morgen den Süden, was gebietsweise Schneefall bis in tiefere Lagen zur Folge hat. Besonders im Thüringer Wald, aber auch allgemein im zentralen Mittelgebirgsbereich kann es kräftiger schneien, mit bis zu 15 cm Neuschnee. Tagsüber erwarten uns besonders in der Südhälfte zahlreiche Schnee-, Regen- und Graupelschauer, während es im Bergland winterlich bleibt. Ab Montagabend fällt dann an den Alpen noch einmal kräftiger Schnee. In den übrigen Landesteilen lockert es zeitweise stärker auf, sodass Nachtfrost droht.

Auch in der kommenden Woche setzt sich die ungewöhnlich kalte Witterungsphase fort. Zwar werden die Schauer seltener, wodurch es auch in den Gipfellagen der Mittelgebirge keinen nennenswerten Schnee mehr geben wird, allerdings drohen landesweit Nachtfröste, die die schon weit fortgeschrittene Vegetation schädigen können. Siehe Thema des Tages von

Ein grober Trend zeigt zwar eine allmähliche Erwärmung zum Monatsende, allerdings bleibt es weiterhin wechselhaft. Ein stabiles Hoch mit Sonnenschein und wieder deutlich wärmerer Luft ist bisher nicht in Sicht.

Deutscher Wetterdienst
Diplom Meteorologe Christian Herold
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Winter-kehrt-im-April-zurueck.png 924 867 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-20 19:39:002024-06-27 10:50:49Winter kehrt im April zurück

Zu den Überflutungen in Dubai und deren Hintergründen

19. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Allerhand wurde in den letzten Tagen über die Überschwemmungen in Dubai berichtet. Nicht zu Unrecht, denn insgesamt fielen 164 Liter auf den Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden. Nicht gerade ein Wert, den man in einer Wüstenregion erwarten würde.

Grund dafür war ein ungewöhnlich weit südlich ziehendes Höhentief im Zuge einer Austrogung über Westasien. Durch diesen dynamischen Antrieb bildete sich auch bodennah ein markantes Tiefdruckgebiet. Durch die damit einhergehenden Hebungsprozesse konnte die dort üblicherweise vorhandene Feuchte in diesem Falle recht effizient in Niederschlag umgesetzt werden. Dazu sei gesagt, dass die Luftmassen am Persischen Golf generell immer recht feucht sind, diese Luftfeuchte aber durch nahezu permanent wirkenden Hochdruck keinen Effekt – z.B. in Form von Regen – hat.

Einen dementsprechenden „Knalleffekt” hatte das besagte Tiefdruckgebiet, das am Dienstag über die Region hinweg zog. Dieses führte zusätzlich extrem feuchtheiße Luft aus Süden heran. Das spiegelte sich unter anderem in Werten der äquivalentpotentiellen Temperatur (ein kombiniertes Maß aus Feuchte und Temperatur) von deutlich über 70 °C wider – ein für mitteleuropäische Gefilde schon undenkbarer Wert (siehe Abbildung 1, „Synoptische Übersicht”). Dementsprechend hoch war das Potential für anhaltenden Starkregen, zumal das entsprechende Tief auch eine relativ niedrige Zuggeschwindigkeit aufwies. Das wurde auch von den Vorhersagemodellen so erkannt (Abbildung, „Niederschlag 6stündig”).

Aber nicht in den Niederschlagsmengen alleine ist der Grund für die großflächigen Überschwemmungen zu suchen. Eine Hauptursache dafür liegt auch darin, dass die Infrastruktur der Stadt überhaupt nicht auf derartige Niederschlagsmengen ausgelegt ist. Die gefallenen Regenmengen konnten nirgendwo hin abfließen. Einrichtungen wie Kanalisationen o.ä. kennt man in diesen Regionen nicht. Folgerichtig stand das Wasser überall in den Straßen.

Cloud-Seeding

Abschließend muss noch auf das Thema des „künstlich erzeugten Regens” eingegangen werden. Diese These hielt sich (und hält sich auch weiterhin) vor allem in den sozialen Medien. Dabei wurde vermutet, dass aktives sogenanntes „Cloud Seeding” – also das Einbringen von Partikeln in Wolken, damit diese abregnen – aktiv betrieben wurde. Aus meteorologischer Sicht ergibt das überhaupt keinen Sinn. Cloud Seeding wird höchstens betrieben, um Wolken, die sonst „trocken” über eine Region ziehen würden, zum Abregnen zu bringen. Die dabei eingebrachten Partikel (meistens verschiedene Arten von Salzen) dienen dabei als Kondensationskerne, die die Niederschlagsbildung begünstigen sollen. Dieser Effekt ist, sofern überhaupt nachvollziehbar, bis jetzt in qualitativ höchstens marginalen Mengen nachgewiesen. Bei einem derartigen Starkregenereignis dagegen hat es überhaupt keinen Effekt, weil bereits von vornherein genug Niederschlag in der Bewölkung umgesetzt wird, somit auch genug Kondensationskerne vorhanden sind. Zusätzlich eingebrachtes Material hätte quasi keinen Effekt. Des Weiteren stellt sich die Frage, warum man Wolken „impfen” sollte, von denen man ohnehin weiß, dass sie genug Niederschlag bringen werden. Die Vorhersagemodelle hatten das Ereignis schon Tage vorher auf dem Schirm und haben in etwa die Größenordnung an Niederschlagsmenge prognostiziert, die am Ende auch gefallen ist. Effekte wie ebenjenes Cloud Seeding spielen dabei in der Numerik ohnehin keine Rolle, weil sie in der Software gar nicht implementiert sind.

Es bleibt am Ende festzuhalten, dass das, was man diesbezüglich aktuell zu lesen bekommt, reine Spekulation und Gerüchte sind. Substantiierte Belege dafür sucht man dagegen vergeblich. Derartige Phänomene sind nun leider generell gerade im Bereich der Meteorologie nichts neues, aber dieser Frage muss nochmal ein ganz eigenes „Thema des Tages” gewidmet werden.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Zu-den-Ueberflutungen-in-Dubai-und-deren-Hintergruenden.png 468 1257 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-19 18:34:482024-07-04 11:20:09Zu den Überflutungen in Dubai und deren Hintergründen

Vorsicht, kalte Aprilnächte!

18. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der diesjährige April zeigt einmal mehr, was er so alles auf der Pfanne hat. Nachdem der Start in den zweiten meteorologischen Frühlingsmonat in einigen Gebieten auf sommerlichem Niveau verlaufen war, ist es mittlerweile zu kühl und teilweise stehen sogar Schneefälle und Luftfrost auf der Agenda. Dies liegt vor allem daran, dass nun, statt subtropischer Warmluft aus Nordafrika, polare Kaltluft aus nördlichen Breiten einfließen kann. Diese erwärmt sich zwar über dem Europäischen Nordmeer und der Nordsee etwas, aber dennoch reicht es vor allem in höheren Lagen für Neuschnee und nachts gebietsweise Luftfrost. In der vergangenen Nacht konnte sich die Luftmasse beispielsweise im Norden und Osten des Landes deutlich abkühlen, wodurch dort regional leichter Luftfrost auf der Agenda stand.

Am kältesten präsentierte sich, Bergstationen ausgenommen, Stechlin-Menz im Norden Brandenburgs mit -3,1 Grad. Aber auch in Sohland an der Spree (Sachsen) und in Schipkau-Klettwitz (Brandenburg) war es fast -3 Grad kalt.

Der Luftfrost stellt vor allem für die Pflanzenwelt ein Problem dar. Nach den in diesem Jahr seit Ende Januar durchgehend zu warmen Verhältnissen und teils Rekordwärme im ersten Aprildrittel ist die aktuelle Pflanzenentwicklung ihrer Zeit weit voraus. Die Blüte von Obstbäumen wie Süßkirsche und Apfel begann im Deutschlandmittel rund 14 Tage früher als im Mittel der letzten 30 Jahre.

Aktuell ist die Blütezeit der Süßkirschen in vielen Regionen bereits beendet, während Apfelbäume vielfach noch in voller Blüte stehen. Die Blüte und die jungen Früchte sind besonders empfindlich gegenüber niedrigen Temperaturen. Dabei sind Frostschäden nicht nur abhängig von den Temperaturen und der Entwicklungsphase, sondern auch von der Obstart und der Obstsorte. Auch andere Faktoren wie z.B. die Luftfeuchte, die Bodenfeuchte, die Bodenart und die Witterung vor dem Frostereignis spielen eine Rolle.

Für den Obstbau werden je nach Sorte Lufttemperaturen zwischen -0,7 Grad und -4 Grad in 2 m Höhe als kritisch angesehen – wobei man hier von einer Einwirkdauer des Frostes von 30 Minuten ausgeht. Frostschäden von mehr als 90 Prozent treten allerdings erst bei niedrigeren Temperaturen auf.

Bei Weinreben haben die frühsommerlichen Temperaturen im April zu einem Wachstumsschub geführt. Verbreitet sind die Reben bereits ausgetrieben, in milden Lagen sind auch schon die Rebblüten (Gescheine) sichtbar. Zu diesem Entwicklungsstadium reichen schon leichte Fröste im Bereich der Bogrebe (der gebogene bis horizontal angeheftete Haupttrieb der Weinrebe) aus, um gravierende Schäden zu verursachen. Je nach Erziehungsart liegt die Höhe der Bogrebe rund 70 cm über dem Boden. In wolkenarmen Nächten im April und Mai liegen die Temperaturen in Höhe der Bogrebe üblicherweise etwa 1 bis 2 Grad unter den Temperaturen in 2 m Höhe, daher sind bereits ab Tiefstwerten von +1 Grad in 2 m Höhe Frostschäden an Weinreben möglich!

Auch landwirtschaftliche Ackerkulturen können Schäden durch die frostigen Nächte davontragen. In manchen Regionen durchstoßen die Zuckerrüben- und Kartoffelkeimlinge aktuell die Bodenkrume. Zu diesem Zeitpunkt sind sie besonders empfindlich gegenüber Frosteinwirkung. Die bereits aktuell in schönstem Blütengelb leuchtenden Rapsfelder können ebenfalls Frostschäden davontragen.

Eine teilweise Schädigung kann im weiteren Jahresverlauf unter günstigen Bedingungen kompensiert werden. Totalausfälle sind jedoch für die Landwirtschaft gravierend.

Somit könnten die Frostnächte von Sonntag bis Mittwoch in Deutschland verbreitet zu möglicherweise massiven Schäden in der Landwirtschaft führen. Das genaue Ausmaß der Schäden wird von der wegen Unsicherheiten bei der Bewölkungs- und Windprognose noch nicht ganz klaren Stärke und Einwirkdauer der Fröste abhängen. In den folgenden Grafiken sind die prognostizierten Tiefsttemperaturen der kommenden Tage dargestellt.

Während zunächst nur im Süden und in höheren Lagen Luftfrost erwartet wird, steigt das Risiko im Tiefland vor allem ab der Nacht zum Sonntag verbreitet an. Nur in einigen Flussniederungen Südwest- und Westdeutschlands sowie bei auflandigem Wind im Küstenumfeld bleibt es bei Tiefstwerten über dem Gefrierpunkt. Am Erdboden liegen die Minima meist nochmals 1 bis 4 Grad tiefer.

Weitere Infos zu Spätfrösten sind auch im Hintergrundbericht zu finden.

Dipl.-Met. Marcel Schmid in Zusammenarbeit mit der Agrarmeteorologin Bianca Plückhahn und dem Agrarmeteorologen Andreas Brömser

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/04/DWD-Vorsicht-kalte-Aprilnaechte.png 1532 1277 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-18 20:01:372024-07-04 11:22:47Vorsicht, kalte Aprilnächte!

Welttag des Malbec

17. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vor über 170 Jahren beschloss der damalige Präsident Argentiniens, sein Land im Weinbau voranzutreiben. Er beauftragte einen französischen Bodenexperten, geeignete Weinreben zu pflanzen. Dieser entschied sich nach etlichen Experimenten für die Malbec-Rebe, eine dunkle Rotweinsorte, die kräftig-fruchtig schmeckt und inzwischen auf der ganzen Welt bekannt ist. Vor Argentinien war Frankreich das Hauptanbaugebiet für Malbec, dort sorgte aber eine Reblausplage für eine kräftige Dezimierung der Weinsorte.

In Deutschland werden über 100 verschiedene Rebsorten angebaut. Davon fallen etwa zwei Drittel auf Weißwein und ein Drittel auf Rotwein. Der Malbec wird in Deutschland nicht im großen Stil angebaut. Bekannte deutsche Rotweinsorten sind Dornfelder, Merlot und Spätburgunder. Letztere besetzt etwa 11 Prozent der Gesamtrebfläche in Deutschland und ist somit die beliebteste aller Weinreben. Bei den Weißweinen ist der Müller-Thurgau mit 10,6 Prozent an der Gesamtfläche die am häufigsten angebaute Sorte.

Wer Wein anbauen möchte, muss sich intensiv mit dem Boden und dem Klima beschäftigen, denn Reben sind anspruchsvoll. Der Standort muss sonnig sein und während der Frucht- und Blühphase müssen mindestens 15 Grad herrschen. Zudem erfordern Weinreben ein gutes Mittelmaß an Niederschlag. Zu viel Regen lässt die Trauben sauer und teils auch faul werden, zu wenig Niederschlag führt unter Umständen zu schlechtem Wuchs.

Unser immer früher einsetzender Frühling lässt auch die Weinrebe immer früher austreiben. Wenn es dann, so wie aktuell, zu einem Einbruch kalter Luft kommt, sind die jungen Triebe oft schutzlos. Winzer versuchen mit technischen Mitteln den Frost aus den Reben zu vertreiben. Durch Winderzeugung sollen kalte und warme Luftschichten vermischt werden, damit sich kein Frost in Bodennähe bilden kann. Einige Winzer setzen in kleinen Anbaugebieten auch auf Frostkerzen. Sie erzeugen durch Wärmeentwicklung einen Sog, der ebenfalls für Durchmischung sorgt.

Nicht nur die Weinbauern haben zurzeit ihre liebe Not. Auch viele Obstsorten wie Kirschen, Birnen und Äpfel blühen oder haben schon geblüht. Wird es nun noch einmal frostig, sterben die befruchteten Triebe ab. In den kommenden Tagen wird man also vielerorts Bauern und auch Hobbygärtner sehen, die versuchen werden, ihre potentielle Ernte zu schützen.

Wer mit Gärtnern und Anbau nichts am Hut hat, der kann dem Treiben bei einem schönen Glas Rotwein – zum Beispiel einem Malbec – entspannt zusehen.

Dipl. Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-04-17 20:02:222024-07-04 11:27:58Welttag des Malbec

YUPADEE pustet Deutschland durch

16. April 2024/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Es wurde ja entsprechend angekündigt: Gestern und in der Nacht zum heutigen Dienstag zog das kräftige Tief YUPADEE von der Nordsee kommend über Dänemark und den äußersten Norden Deutschlands hinweg zur westlichen Ostsee. Insbesondere die Kaltfront von YUPADEE hatte es dabei in sich, aber auch vorderseitig der Front in der noch recht warmen, ursprünglich subtropischen Luft, bildeten sich teils kräftige Schauer und Gewitter.

Und so ist es heute die Chronistenpflicht, die zurückliegenden Ereignisse noch einmal kurz zu beleuchten. Gegen 16 Uhr MESZ griff die besagte Kaltfront, von den Niederlanden kommend, auf den Niederrhein über. Ihre Niederschläge waren im Radarbild als schmales, leicht gebogenes Band sehr gut zu erkennen. Auch für Ungeübte ließ sich dabei die exakte Position der Front mühelos bestimmen. Denn innerhalb des Niederschlagsbandes kristallisierte sich eine sehr schmale Linie erhöhter Reflektivitäten heraus.

Die Abbildung 1 zeigt die Position der Niederschläge und der Front um 18 Uhr, 19 Uhr und 20 Uhr MESZ (von links nach rechts). Insbesondere um 18 Uhr ist die Front, von der Mosel über Siegen hinweg bis nach Bielefeld, sehr gut zu erkennen. Eine Stunde später hat sie Mainz und Wiesbaden erreicht und steht vor den Toren von Kassel und Hannover. Der kritische Blick zeigt aber, dass das sehr scharfe Band schon eine leichte Tendenz zeigt zu „zerfleddern“. Noch eine Stunde später griff die Front dann auf Nordbaden, Unterfranken und Braunschweig über, erneut verbunden mit einem Verlust an Kontur.

Dabei ist dieser Konturverlust nicht allein ein optisches Phänomen. An der schärfer ausgeprägten „Frühabend-Front“ kam es auch zu deutlich mehr und auch kräftigeren schweren Böen. In der Abbildung 2 sind die fünf Stationen aufgelistet, die Spitzenböen von mehr als 100 km/h verzeichneten (ohne Bergstationen). Es lässt sich tatsächlich – sehr grob – von West nach Ost ein Rückgang der Intensität der Spitzenböen beobachten.

Mit dem Wind ist dann auch deutlich kältere Luft eingeflossen. Dies lässt sich in der Abbildung 3 gut erkennen. Sie zeigt links die Temperaturen um 14 Uhr und rechts diejenigen um 20 Uhr. Die Stationen in beiden Karten sind leider nicht (immer) identisch. Aber der Temperaturrückgang mit Frontpassage lässt sich qualitativ sehr gut nachverfolgen. In beiden Karten zu finden ist auf jeden Fall der Ort bzw. die Messwerte von Geisenheim (Hessen, roter Kreis). Der Temperaturrückgang in den hier gezeigten sechs Stunden betrug immerhin 13 Grad, von anfangs 19 Grad auf nur noch 6 Grad. Eine Kaltfront, die ihrem Namen alle Ehre gemacht hat.

Da verblassen die präfrontalen Gewitter fast etwas. Sie sind in der Abbildung 1 als rote und blaue Sprengsel zu erkennen, die im Osten zumeist sehr lokal auftraten, südlich der Donau aber durchaus auch kräftiger ausgefallen sind. Hagel und Böen in voller Sturmstärke waren hier wie da mit von der Partie. Im Süden ging es aber noch etwas ruppiger zur Sache. Die dortigen Gewitter, die sich mit dem Grundwind rasch verlagerten, brachten keine großartigen Regenmengen. Die Gesamtschau der synoptischen Parameter wie Höhenwind, Scherung, Labilität u.a. ließen den Schluss zu, dass die Gewitter von orkanartigen Böen begleitet sein sollten. Entsprechend wurden kurzzeitig sogar Unwetterwarnungen ausgegeben, wobei im Süden Bayerns keine Böen über 100 km/h gemessen wurden. Was aber nicht heißen muss, dass nicht doch einzelne aufgetreten sind. Denn Sturmschäden wurden von dort ebenso gemeldet wie aus dem Westen und der Mitte Deutschlands, wo die oben erwähnte Kaltfront ihr Unwesen trieb.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.04.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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