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Ein verregneter November mit Schnee als krönendem Abschluss

27. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Trüb und nass zeigte sich der November bislang und auch in den nächsten Tagen stehen Niederschläge auf der Agenda. Der kommende Freitag (01. Dezember) schlägt dann zwar ein neues Kapitel in der Statistik auf, denn an besagtem Tag ist meteorologischer Winteranfang, aber ob sich danach auch an dem unbeständigen Wetter etwas ändert, bedarf noch eines Blickes in die Glaskugel.

Zurück zu den Niederschlägen im aktuell laufenden Monat November. Mancherorts regnete es teils langanhaltend und kräftig und so manche Warnung vor Dauerregen beschäftigte die Warnmeteorologen. Nachfolgend waren auch die Experten der Hochwasserzentralen gefragt, den Impact für die Einzugsgebiete der Flussregionen richtig einzuschätzen. Aber auch Schauer und einzelne Gewitter lieferten zwar nicht flächig, mancherorts aber in Summe durchaus nennenswerte Niederschlagsmengen. So mancher mag an dieser Stelle nun aufgrund des trüben und regnerischen Wettercharakters vielleicht ein Sonnenlied anstimmen oder gar einen Sonnentanz vollführen. An den bereits gefallenen Niederschlagsmengen ändert das allerdings nichts mehr.

In Deutschland sind für den November im Mittel Niederschlagsmengen von 50 bis 90 Liter pro Quadratmeter in der Fläche üblich. Dass sich Niederschläge aber nicht gleichmäßig über Deutschland verteilen, liegt in der Natur der Sache. Zu den Spitzenreitern bezüglich der gefallenen Niederschlagsmengen gehören gerne einmal die üblichen Verdächtigen, die man im Laufe der Zeit schnell benennen kann. Dazu zählen beispielsweise die Staulagen der Mittelgebirge. Insbesondere Schwarzwald und Allgäu sind bei Zufuhr feuchter Luftmassen aus westlichen Richtungen bevorzugte Kandidaten für langanhaltende Niederschläge.

Im Gegensatz dazu sind das Thüringer Becken oder die Magdeburger Börde, aber auch der Nordosten Beispiele für trockene Regionen in Deutschland. Begründen kann man dies mit oftmals abnehmenden Niederschlägen in Richtung Osten. Im Falle von Thüringer Becken oder Magdeburger Börde kann man dies aber auch mit der Leelage von Thüringer Wald oder Harz begründen. Diese Mittelgebirge fungieren hierbei als eine Art Barriere, an deren Südwestflanke die Niederschläge anstauen und an deren Nordostflanke dann eine Art Abschattung stattfindet.
Die nachfolgende Grafik zeigt die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen seit dem 01. November.

Tatsächlich stechen wieder einmal die bekannten Kandidaten hervor, sowohl hinsichtlich viel aber auch hinsichtlich wenig Niederschlag. Hervorzuheben sind insbesondere der Schwarzwald und das Allgäu, die in Teilen weiß eingefärbt sind. Die damit implizierten mehr als 300 Liter pro Quadratmeter sind nicht mehr Teil der Legende. So mancher Bewohner der Norddeutschen Tiefebene erinnert sich auch an letzten Montag, als dort ein stationäres Niederschlagsband lag, welches die Warnmeteorologen dazu veranlasste, eine Warnung vor Dauerregen zu schalten. Die Regenmengen dieses Ereignisses erkennt man auch in der Gesamtsumme des bisherigen Novembers, der Schwerpunkt lag hierbei in einem Streifen von Bremen bis zur Altmark.

Betrachtet man nun die bisherigen Niederschlagsmengen relativ zum vieljährigen Mittel, so wird ebenfalls direkt dieser Streifen in der Norddeutschen Tiefebene ersichtlich. Insbesondere auch das Alpenvorland gönnte sich „etwas“ mehr Nass von oben. Noch etwas Nachholbedarf haben in dieser Hinsicht große Teile von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern.

Und wie sieht es in den kommenden Tagen hinsichtlich Niederschlag aus? Die mitunter kräftigen Niederschläge des heutigen Montags wurden bereits im gestrigen Thema des Tages behandelt. Diese sind auch am morgigen Dienstag noch Thema, wenn sie sich im Tagesverlauf Richtung Erzgebirge und Südosten zurückziehen. Noch einmal an dieser Stelle hervorzuheben ist aber, dass die Niederschläge am heutigen Montag insbesondere in den mittleren Landesteilen auch bis in tiefere Lagen als Schnee fallen. In den westlichen Mittelgebirgen ist teils mit kräftigem Schneefall zu rechnen. Am morgigen Dienstag geht der Regen dann auch in den südlichen Landesteilen allmählich in Schnee über. Am Mittwoch kommen von Nordwesten bis in die Mitte erneut Schnee- und Schneeregenfälle herein. Diese ziehen dann im Laufe des Donnerstags ostwärts ab. Von Südwesten zieht dann ein Niederschlagsgebiet herein, das hinsichtlich Niederschlagsphase und Ausbreitung aber noch mit einigen Unsicherheiten aufwartet.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Ein-verregneter-November-mit-Schnee-als-kroenendem-Abschluss.png 924 994 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-27 18:54:112023-12-06 10:55:03Ein verregneter November mit Schnee als krönendem Abschluss

Noch mehr Schnee im Anmarsch

26. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Winterliche Wetterverhältnisse haben bei uns Einzug gehalten. Davon kündigten bereits die Themen des Tages der letzten Tage. Und wie es manchmal so ist, lässt das Wetter im Moment auch keine Abwechslung zu. Deswegen geht es auch heute wieder um Schnee, Eis und Glätte. Dabei vor allem um Schnee, denn davon gibt es ab morgen früh bis in den Dienstag hinein in manchen Gegenden reichlich – der erste Höhepunkt des Winterwetters steht kurz bevor.

Tief „Oliver” übernimmt ab der kommenden Nacht bei uns die Verantwortung für die Wetterlage. Eigentlich schon ziemlich gealtert, taucht es bei Schottland in einen Jungbrunnen und regeneriert sich unter Zuhilfenahme eines Randtiefs vor Norwegen. Dieses Tief haucht dem ganzen Komplex neues Leben ein. Im Anschluss zieht das so wieder stärker gewordene Tief rasch südwärts und landet in der Nacht zum morgigen Montag an der niederländischen Nordseeküste. Danach führt sein Weg weiter über Belgien Richtung Eifel. In der Nacht zum Dienstag geht es anschließend über Hessen und Franken in Richtung Böhmisches Becken, wo „Oliver” in den Früh- oder Vormittagsstunden des Dienstags liegen soll. So jedenfalls prophezeien es die aktuellen Prognosen der verschiedenen Wettermodelle.

Doch was bedeutet das jetzt für unser Wetter? Nun, zum einen hat so ein Tief in der Regel einiges an Niederschlägen im Gepäck. In diesem Fall würde man so etwas ohnehin erwarten, da „Oliver” einen recht langen Weg über die Nordsee zurücklegt, bevor Deutschland erreicht wird. Zum anderen lohnt der Blick auf die Luftmasse, die mit „Oliver” interagiert. In etwa 1,5 km Höhe liegen die Temperaturen je nach Region zwischen -3°C und -6°C. Daraus lässt sich grob abschätzen, bis zu welchen Höhenlagen Niederschlag als Schnee fällt. Im Fall von „Oliver” wird das oberhalb von 400 bis 800 m der Fall sein. Auch hier kommt es darauf an, wohin man genau schaut. In den südlichen Mittelgebirgen wie zum Beispiel dem Schwarzwald liegt die Schneefallgrenze im Einflussbereich geringfügig milderer Luft etwas weiter oben Richtung 600 bis 800 m, während sie in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen wie z.B. Westerwald, Taunus, Eifel und Harz eher um 400 m liegen wird. Erschwerend kommt hinzu, dass sich mit Durchzug von „Oliver” die verschiedenen Luftmassen rasch die Klinke in die Hand geben. Das bedeutet, dass sich Regen und Schnee in relativ rascher Folge abwechseln können.

Los geht’s mit den Niederschlägen bereits nachts im äußersten Westen am Niederrhein, wo diese zunächst wohl als Regen fallen. In den Morgen- und frühen Vormittagsstunden greifen sie dann weiter auf große Teile von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz/Saarland aus und verstärken sich. Während es in den tiefsten Lagen an Ems und Niederrhein wohl weiter bei Regen, vielleicht auch Schneeregen bleibt, wird es in den höheren Lagen spätestens ab 400 m anfangen zu schneien. Und das zeitweise sogar ziemlich kräftig. Weiter südlich setzt der Schneefall wie bereits schon erwähnt erst in höheren Lagen ein. Bis zum Abend verlagert sich „Oliver” nur langsam ostwärts. Dabei kühlt die Luft durch die Niederschläge, aber auch durch die zunehmende Okklusion des Tiefs, langsam aber stetig ab. Damit sinkt auch die Schneefallgrenze wieder. Übersetzt bedeutet das, dass gegen Abend auch in tieferen Lagen die Niederschläge mehr und mehr in Schnee übergehen können und sich nach einer gewissen Zeit auch so etwas wie eine dünne Schneedecke ausbilden kann.

In der Nacht zum Dienstag zieht „Oliver” schließlich ostwärts Richtung Tschechien. Damit dreht auf dessen Rückseite der Wind mehr und mehr auf nördliche Richtungen. Der Weg ist somit frei für reichlich Nachschub an Polarluft, die über dem südlichen Skandinavien nur darauf wartet, zu uns nach Deutschland vordringen zu können. In 1,5 km Höhe sinken die Temperaturen also rasch auf Werte von -5 bis -8, ganz im Norden vielleicht sogar auf bis zu -10°C. Das ist auf jeden Fall ausreichend, um überall für Schneefall bis in tiefste Lagen zu sorgen. Da auch bodennah die Temperaturen in der Nacht in den Frostbereich zurückgehen (etwa 0°C bis -3°C in der Nordhälfte), wird es wenigstens in der Nordhälfte Deutschlands zumindest vorübergehend, dafür aber wohl nahezu flächendeckend für eine kleine Schneedecke reichen.

Der meiste Schnee aber fällt woanders – nämlich im westlichen und zentralen Bergland. Dort sorgt die Kombination aus reichlich Niederschlag und frostigen Temperaturen für außerordentlich raschen Neuschneezuwachs und damit tiefwinterliche Verhältnisse. Den Modellen zufolge ist von Eifel über Hunsrück und Taunus bis zum Spessart und Rhön/Thüringer Wald mit Neuschneemengen zwischen 10 und 20, in besonders stauexponierten Lagen im „worst case” bis zu 30 cm zu rechnen. Diese fallen dabei meist in einem Zeitraum von 12 bis 18 Stunden und würden damit stellenweise sogar das offizielle Unwetterkriterium von mehr als 15 cm innerhalb von zwölf Stunden erfüllen (siehe Abb. 1). Weiter unten sind die Mengen vor allem aufgrund der noch immer recht warmen Böden deutlich geringer, aber immerhin dürfte es wohl für den von den Meteorologen liebevoll so genannten „Stundenschnee” reichen, der rasch fällt und bald darauf auch schon wieder wegtaut.

Zum Schluss noch der kurze Blick auf die kommenden Tage. Da bleibt es bei der nasskalten Wetterlage bei allmählich sinkenden Temperaturen. Im Nordosten Deutschlands stehen die Zeichen auf Dauerfrost, dort kann es nachts sogar in den mäßigen Frostbereich von unter -5°C gehen. Außerdem bringen weitere Tiefdruckgebiete zeitweise erneut etwas Schnee.

M.Sc. Felix Dietzsch
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.11.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Noch-mehr-Schnee-im-Anmarsch.png 459 942 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-26 19:30:462023-12-06 10:59:55Noch mehr Schnee im Anmarsch

Frühwinterlich

25. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Zwischen dem Hoch CHRISTINA bei den Britischen Inseln und dem riesigen Tiefdruckkomplex mit mehreren Drehzentren, der sich von Russland bis in den östlichen Mittelmeerraum erstreckt, ist die Weg zu uns für die maritime Luft arktischen Ursprungs frei. Die seit Wochen sehr wechselhafte Witterungsphase setzt sich fort, nun aber bei deutlich kälteren Temperaturen. Frost, Glätte und Schnee werden in den nächsten Tagen also immer ein Thema bleiben und in den Mittelgebirgen und Alpen kann sich dabei eine ordentliche Schneedecke bilden. Auch fürs Flachland gibt es Chancen für Schnee.

Am heutigen Samstag sorgt das kleinräumige Tief NIKLAS II für neue schauerartige Niederschläge, die abends Süddeutschland erreichen. Im Westen und Nordwesten liegt die Schneefallgrenze (tagsüber) zwischen 400 und 600 m. Hier ist der Einfluss der relativ warmen Nordsee am stärksten ausgeprägt. Nach Osten und Süden hin schneit es bis in tieferen Lagen. An den Alpen hat sich mit der nördlichen Strömung eine Staulage eingestellt. Dort schneit es mehr oder weniger durch, ab dem Abend verstärken sich sogar die Schneefälle, während von Norden die Regen-, Schneeregen- und Schneeschauer nachlassen.

Die Temperatur liegt tagsüber zwischen +8 Grad an der Nordsee und -1 Grad an den Alpen und am Erzgebirge. Nachts sinkt sie auf Werte zwischen +3 Grad an der Nordsee und -3 Grad an den Alpen. Tagsüber muss nur oberhalb von etwa 600 m und vorübergehend bei kräftigeren Schneeschauern mit Glätte gerechnet werden, nachts hingegen tritt auch in tiefen Lagen häufig Glätte durch überfrierende Nässe, und vor allem im Süden auch durch Schnee auf. Der Wind ist noch spürbar unterwegs, vor allem an der Nordsee und auf den Bergen treten Sturmböen auf. Abends lässt der Wind allgemein nach.

Am Sonntag überwiegt weiterhin der wechselhafte Charakter mit Schauern oder schauerartigem Regen. Die Schneefallgrenze pendelt um 400 bis 600 m. Der Wind flaut dagegen weiter ab. Nur im Nordosten bliebt es den ganzen Tag trocken und die Sonne kann sich kurz zeigen. Die Höchstwerte liegen zwischen +7 Grad entlang des Rheins und an der Nordsee und 0 Grad an den Alpen und am Erzgebirge. Nachts gibt es weitere meist leichte Niederschläge, oberhalb 400 bis 600 m fällt Schnee. Lediglich im Nordosten bleibt es niederschlagsfrei. Die Tiefstwerte liegen zwischen +5 im Nordwesten und -1 Grad an den Alpen. Im Nordosten bei Aufklaren bis -4 Grad. Vor allem in Lagen oberhalb 400 m und im Osten besteht Glättegefahr.

Die neue Woche beginnt weiterhin nasskalt. Ein neues Tief bringt viel Regen und Schnee mit. Anfangs liegt die Schneefallgrenze bei 400 bis 600 m, ab der Nacht zum Dienstag sinkt sie von Norden her bis in tiefere Lagen. Entsprechend muss mit Glätte gerechnet werden. Die Temperatur sinkt ab Dienstag leicht. Dann herrscht nicht nur im Bergland, sondern auch im Osten leichter Dauerfrost. Nachts ist es dann verbreitet frostig kalt.

Vielleicht fragen sich einige, ob die frühwinterliche Witterungsphase mit neuen Schneefällen nachhaltig ist. Es sieht nach heutiger Sicht danach aus. Es passt zum meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Fruehwinterlich.png 893 1238 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-25 19:34:422023-12-06 11:05:49Frühwinterlich

Winterräder schon montiert?

24. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Für fleißige Leserinnen und Leser unserer Themen des Tages dürfte es keine Überraschung mehr sein: Die Großwetterlage vollführt aktuell einen deutlichen Wechsel ihres Regimes. In unseren Wetterberichten tauchen nun immer häufiger winterliche Begriffe wie Frost und Glätte sowie Schneefall auf. Besonders Autofahrer sind gefordert, sich auf die anderen Rahmenbedingungen einzustellen. Einige dieser Herausforderungen im Zusammenspiel mit den Spezifika der aktuellen Wetterlage sollen heute an dieser Stelle näher beleuchtet werden.

Die Kaltfront von Tief NIKLAS IV mit Kern über dem Baltikum überquerte Deutschland in der Nacht zum heutigen Freitag von Nord nach Süd und befand sich heute Vormittag bereits zwischen der Donau und dem Alpenrand. Wahrscheinlich haben den Kaltfrontdurchgang heute Nacht einige bemerkt, denn dieser war gut ausgeprägt und verbunden mit schauerartig verstärktem Regen sowie deutlich auffrischendem Wind (siehe Abbildung 1). Die Schneephase spielte allerdings bis dahin meist nur in den etwas höheren Mittelgebirgslagen eine Rolle, verbunden mit einer dünnen Neuschneeauflage. Die dortigen Bewohner werden aber wahrscheinlich keine Probleme mit der „Besohlung“ ihrer Autos bekommen haben, denn in diesen Lagen muss zu dieser Jahreszeit jedenfalls mit erstem Schnee gerechnet werden. Ähnliches gilt wohl für die Bewohner am höheren Alpenrand: Dort sinkt die Schneefallgrenze erst im Laufe des Nachmittags langsam die höheren Täler ab, in der Nacht zum Samstag schneit es dort bis in die tiefen Lagen. Außerdem wird der Schneefall dort staubedingt längere Zeit anhalten. Aber insgesamt ist dies eine Situation, die für die Autofahrer allgemein gut einschätzbar ist.

Etwas diffiziler wird die Einschätzung der winterlichen Fahrbahnverhältnisse aber in den anderen Regionen, besonders ab der Nacht zum Samstag. Die Wetterlage bringt charakteristisch mit sich, dass die Niederschläge in den meisten Regionen nicht längere Zeit anhalten, sondern schauerartigen Charakter annehmen und damit räumlich und zeitlich begrenzt sind. Dies bedeutet, dass es zu kürzeren, aber dann teils stärkeren Niederschlagsepisoden kommen kann. Da die Luftmasse von Norden her weiter kälter wird, sinkt auch die Schneefallgrenze im Laufe der Nacht weiter ab. Bei kräftigen Schauern kann es dann durchaus auch bis in Höhenlagen zwischen 300 und 500 m einige Zentimeter Neuschnee geben. Autofahrer müssen sich daher auf eine sich schnell veränderliche Fahrbahnsituation einstellen. Dies gilt nebenbei auch für heute tagsüber, wenn ein paar Graupelschauer oder -gewitter über das Land hinwegziehen. Auch dabei ist kurzzeitige Glättebildung möglich.

Doch nicht nur der Schnee könnte Problem machen. Ziehen schauerartige Niederschläge durch, egal ob in flüssiger oder zunächst fester Phase, ist die Fahrbahn natürlich nass. Dazu kommt, dass es bei einem solchen Niederschlagscharakter auch zu schnellem Aufklaren nach Abzug der Schauer kommen kann. Dabei sinkt dann die Fahrbahntemperatur rasch ab und kann durchaus den negativen Bereich erreichen. Ist der Bodenwärmestrom nicht mehr im Stande das Gefrieren zu verhindern, kommt es zu Glätte durch überfrierende Nässe. Die prognostizierten Temperaturen in 5 cm Höhe sind in Abbildung 2 zu sehen. Mit Ausnahme des Westens und Nordwestens werden durchaus Werte erreicht, die für Glätte ausreichen können.

Auch am Samstag und in der Nacht zum Sonntag setzt sich diese Wetterlage mit schauerartigen Niederschlägen fort, dabei wird die Luftmasse aber weiter kälter. Damit kann es passieren, dass selbst in tiefen Lagen sich ein paar Schneeflocken dazugesellen können. Auch dabei ist wieder zu beachten, dass sich bei rascher nächtlicher Auskühlung schnell glatte Straßen einstellen können.

Mittlerweile ist die Mehrzahl der auf den Straßen befindlichen Personenkraftwagen mit Systemen ausgestattet, die automatische Glättehinweise erzeugen. Doch man sollte sich nicht nur auf diese, die meist bei einer Außentemperatur von 4 Grad anspringen, verlassen. Besonders wenn man in starke Schneeschauer hineinfährt kann das Thermometer aufgrund seiner Trägheit durchaus noch höhere Werte als 4 Grad anzeigen, aber es fällt bereits Schnee. Dies gilt insbesondere auch bei möglichen Graupelschauern, die schon oft Unfälle mit mehreren beteiligten Fahrzeugen ausgelöst haben. Außerdem ist zu beachten, dass das Thermometer nach der Ausfahrt aus der Garage einige Zeit braucht, um sich auf die Außentemperatur einzustellen. Wird dies nicht beachtet, kann es sehr schnell passieren, dass beim Ertönen des ersten Warntons das Auto bereits im Straßengraben eingeparkt wurde.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Winterraeder-schon-montiert.png 862 1309 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-24 19:12:552023-12-06 11:11:36Winterräder schon montiert?

Der Winter kommt, aber auch mit Schnee?

23. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Wetterlage stellt sich ab der kommenden Nacht grundlegend um. Nachdem in den letzten Wochen Tiefdruckgebiete über Nordwest- und Westeuropa milde und feuchte Luftmassen atlantischen Ursprungs nach Deutschland geschaufelt haben, ändert sich die Strömung bzw. die Großwetterlage zum Wochenende grundlegend. Seither lag der Jetstream zonal von West nach Ost gerichtet über Mitteleuropa und infolgedessen war es kalten Luftmassen nicht gewährt nach Deutschland einfließen zu können. Doch die Konfiguration des Jets ändert sich nun. Zwischen einem ausgedehnten Rücken, der sich von der Iberischen Halbinsel bis nach Grönland erstreckt und einem Trog über Nordeuropa, kann die Strömung meridionalisieren, d.h. die Strömungsrichtung ändert sich auf Nord-Süd. Somit wird also der Weg frei für maritime Polarluft arktischen Ursprungs.

Genau diese Luftmasse kann ab der kommenden Nacht rückseitig einer nach Süden durchschwenkenden Kaltfront, die zum Tiefdruckkomplex NIKLAS über Nordeuropa gehört, einfließen. Mit Ankunft der kälteren Luftmasse sinkt die Schneefallgrenze sukzessive ab. Am Freitagmorgen liegt sie in der Nordhälfte bei 700-900 m und im Süden zunächst noch bei über 1200 m.

In den Alpen stellt sich ab Freitagfrüh, bei einer im Tagesverlauf bis in die Täler absinkenden Schneefallgrenze, eine Dauerschneefalllage ein. Bis Sonntagabend sind dann 30 bis 50 cm, in exponierten Staulagen um 80 cm möglich. Aufgrund des stürmischen Windes kann der Schnee erheblich verweht werden und sich mitunter an manchen Stellen hoch auftürmen und Straßen unpassierbar machen. Auch die Lawinengefahr wird deutlich ansteigen. In den Mittelgebirgen kann sich oberhalb von etwa 400-600 m in den nächsten Tagen eine Neuschneedecke zwischen 5 und 15 cm ausbilden. Im Schwarzwald und im Erzgebirge sind etwas höhere Neuschneemengen denkbar. In tieferen Lagen ist zwar vor allem in den Frühstunden eine weiße Überraschung nicht auszuschließen, aber lange hält sich der Schnee meistens nicht, da die Höchstwerte oftmals über dem Gefrierpunkt liegen und die Böden noch warm sind.

Etwas anders verhält es sich nordöstlich der Elbe. Dort fließt noch etwas kältere Luft ein, als im Westen und oftmals werden auch tagsüber nur Höchstwerte um den Gefrierpunkt erreicht. Somit kann sich dort bis Sonntagmittag eventuell eine dünne Neuschneeauflage ausbilden. Allerdings ist dort die Niederschlagsneigung etwas geringer, da sich wahrscheinlich der Skandenföhn bis in den Nordosten Deutschlands auswirkt.

Der Wettercharakter für Freitag und das Wochenende ist schnell zusammengefasst. Immer wieder kommt es zu Schnee-, Schneeregen- und Regenschauern. Größere Niederschlagspausen und sonnige Lücken in der Wolkendecke stellen sich zeitweise im Nordosten und Norden ein. Der Wind weht insbesondere am Freitag noch stürmisch aus West bis Nordwest und lässt im Laufe des Wochenendes nach.

Ein erster Trend für die nächste Woche zeigt, dass es in den Mittelgebirgen und wohl auch in der Osthälfte des Landes winterlich weitergeht. Oftmals kommt es zu Dauerfrost.

Inwiefern noch weiterer Schnee fällt und ob es auch in der Westhälfte für eine Schneedecke bis ins Tiefland reicht, muss abgewartet werden. Die Chancen dafür standen schon schlechter und es gibt durchaus einige Modellberechnungen, die zumindest zeitweise Schneefälle für weite Teile des Landes auf der Agenda haben. Der kommende Winter zeigt also schon mal seine Zähne.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Der-Winter-kommt-aber-auch-mit-Schnee.png 1902 1515 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-23 16:41:352023-12-06 11:18:16Der Winter kommt, aber auch mit Schnee?

Stellt sich jetzt der Winter ein?

22. November 2023/in Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Am heutigen Mittwoch (22.11.23) sorgt zunächst noch Hoch „Bionda“ mit Zentrum über dem nahen Nordostatlantik für ruhiges und weitgehend niederschlagsfreies Wetter in Deutschland. Sicherlich erwähnenswert sind die Temperaturen im Osten: Dort liegt die Tageshöchsttemperatur heute nur bei Werten um den Gefrierpunkt, gebietsweise kommt es dort zu Dauerfrost.

Allerdings schwenkt Tief „Niklas“, das mit seinen beiden Kernen im Europäischen Nordmeer liegt, bereits sein Frontensystem in Richtung Deutschland. Mit dem Tiefausläufer fließt jedoch vorübergehend etwas mildere Luft zu uns, die sich zumindest am Donnerstag in der Nordhälfte bei Höchstwerten zwischen 10 und 13 Grad verbreitet durchsetzen kann. Während also in der Nacht zum Donnerstag leichter Luftfrost noch ein Thema ist, zieht sich dieser in der Nacht zum Freitag ins höhere Bergland zurück. Zunächst ist von einem Wintereinbruch nichts zu spüren.

Da sich Tief „Niklas“ in den kommenden Tagen allmählich südostwärts über Skandinavien in Richtung Baltikum und Westrussland verlagert, greift im Laufe des Donnerstags die zugehörige Kaltfront auf Deutschland über und erreicht Freitagfrüh die Alpen. Gleichzeitig erstreckt sich Hoch „Bionda“ immer mehr von der Iberischen Halbinsel aus über Schottland und Island bis nach Grönland. Entsprechend stellt sich eine zunehmend nördliche Strömung ein, sodass ab der Nacht zum Freitag der Weg frei ist für mäßig-kalte und zu Schauern neigende Polarluft, die das Wetter wieder deutlich wechselhafter gestaltet.

Dies wiederum sorgt für ein allmähliches Absinken der Schneefallgrenze. Zunächst liegt diese in der Nacht zum Freitag bei rund 800 Metern. Am Freitag tagsüber sinkt sie bei sehr wechselhaftem Schauerwetter mit einzelnen Graupelgewittern bis in mittlere Lagen ab, in der Nacht zum Samstag können die Schauer vorübergehend sogar bis in tiefe Lagen als Schnee niedergehen.

Dennoch wird es vielerorts nicht zum Schlittenfahren ausreichen. Aufgrund der positiven Temperaturen tagsüber und der noch vorhandenen Bodenwärme wird sich der Schnee meist schnell wieder verflüssigen, vor allem in tiefen Lagen der Westhälfte. Lediglich im Nordosten sowie im Alpenvorland besteht die Chance, dass sich der Schnee auch mal etwas länger hält. Ganz anders sieht es im höheren Bergland aus. Dort schafft es der Winter, sich bei Dauerfrost durchzusetzen. Hervorzuheben sind vor allem das Erzgebirge und die Alpen. Dort stauen sich Niederschläge, die meist als Schnee fallen und auch über längere Zeit anhalten können. In höheren Lagen der Alpen kann sich der Schnee bis Sonntag voraussichtlich auf 50 cm aufsummieren, lokal auch etwas mehr.

Zum Sonntag macht die Schaueraktivität den aktuellen Modellprognosen zufolge vorübergehend eine kleine Pause. Ob sich in der nächsten Woche wirklich ein nachhaltiger Wintereinbruch einstellen kann, werden die Vorhersagen in den kommenden Tagen zeigen.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Stellt-sich-jetzt-der-Winter-ein.png 720 1012 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-22 20:46:232023-12-06 11:28:05Stellt sich jetzt der Winter ein?

Guter Klang

21. November 2023/in Allgemein, Thema des Tages/von WINDINFO

In unserer beliebten Rubrik bleibt es heute musikalisch. Bereits beim gestrigen Thema des Tages wurde Bezug auf den heutigen internationalen „Tag ohne Musik“ genommen und eine interessante Zeitreise durch sämtliche Jahrzehnte mit bekannten Hits und Bands mitsamt Wetterbezug unternommen. Der auf den britischen Konzeptkünstler Bill Drummond bis ins Jahr 2005 zurückgehende „Feiertag“ soll keinesfalls gegen das Musizieren gerichtet sein, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass bei unserem überbordenden Medienkonsum heutzutage „Musik“ an allen Ecken und Enden auftaucht – und sei es „nur“ in Hintergrundgeräuschen, als eingespieltes Intro, Werbung zwischendurch oder in welcher Form auch immer. Laut Drummond täte es uns allen gut, mal innezuhalten und Musik wieder viel bewusster wahrzunehmen. Mal Hand aufs Herz: Hören Sie sich jede Sprachnachricht, jedes Video auf YouTube oder TikTok, jedes Lied im Radio oder auf Spotify, jedes Musical oder Sinfonieorchester (die Auswahl ist beliebig erweiterbar) bewusst und konzentriert von Anfang bis Ende an? Vermutlich die wenigsten von uns. Oft sind wir gedanklich längst woanders, wischen weiter, fühlen uns gestresst oder einfach nicht unterhalten genug. Schade eigentlich. Umso wichtiger ist es, daran zu erinnern, mal einen Moment der Stille zu genießen, um fortan Dinge wieder bewusster wahrzunehmen. Genau dafür soll der heutige Tag eigentlich genutzt werden.

Doch so richtig Spaß macht es doch erst, wenn man ein Instrument selber spielen lernt, singt (es zumindest versucht) oder aber denen andächtig lauscht, die es können. Zu den mit am häufigsten genannten Punkten, was man im Laufe seines Lebens bereut, gehört neben Berufs- und Beziehungsthemen im Bereich der persönlichen Entwicklung „nie ein Instrument gelernt zu haben“. Aus eigener Erfahrung sowie im Kollegium kann bestätigt werden: Dafür ist es nie zu spät!

Kommen wir nun aber zum eigentlichen Kern des Artikels, nämlich der Fragestellung, welche raumklimatischen Bedingungen ein bestimmtes Instrument bevorzugt. Starten wollen wir mit einem Klassiker: Der Gitarre. Egal ob platzsparend verstaut an der Wandhalterung oder aber im Gitarrenständer geparkt, es macht einen Unterschied, ob sie die Gitarre auf dem Dachboden, im Bad oder im Keller lagern. Im Gegensatz zu den robusten E-Gitarren bietet der hohle, relativ dünne Korpus akustischer Gitarren mit seinen oft unlackierten Oberflächen (zumindest mal im offenen Innenraum) ganz andere Angriffsflächen. Entscheidend ist die ideale Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent. Da Holz bekanntlich „arbeitet“, zieht es sich bei zu geringer Luftfeuchte zusammen beziehungsweise quillt bei zu hoher Luftfeuchte auf. Bei Ersterem kann es im Laufe der Zeit zu scharfkantigen Brüchen kommen, da sich das Griffbrett zusammenzieht; die Bundstäbchen, die aus Metall sind, aber nicht. Abhilfe schafft hier im Zweifel ein Gitarrenbefeuchter, ein kleines Etui mit eingebautem Schwämmchen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit (auch in Verbindung mit hohen Temperaturen) erhöht das Risiko des Lösens von Verleimungen. Auch hierbei kann es im Laufe der Zeit zu starken Verwerfungen kommen, die ein Spielen unmöglich machen. Zudem besteht die Gefahr des Schimmelbefalls und anderer Holzkrankheiten. Daher ist es empfehlenswert, auch in diesen mitunter vielleicht seltener benutzten Räumen regelmäßig zu lüften, ein Hygrometer (Feuchtemessgerät) zur Kontrolle aufzustellen und direkte Nähe zu Heizkörpern zu vermeiden. Da häufig verschiedene Hölzer innerhalb einer akustischen Gitarre verbaut sind, ergeben sich manchmal zusätzliche Spannungsverhältnisse, da die Sorten unterschiedlich auf die vorhandenen Feuchtebedingungen reagieren. Extreme Temperaturen unter 0 Grad Celsius respektive über 40 Grad sind generell zu vermeiden, ebenso starke Temperaturschwankungen innerhalb kurzer Zeit. Also einfach mal im Winter die Gitarre nach längerem Außentransport noch etwas in der Tasche lassen und im Sommer vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Da sind verstimmte Saiten als weitere Folge noch das geringste Übel.

Ähnliches gilt entsprechend auch für alle Holzblasinstrumente. Hier liegt die ideale Raumfeuchte sogar bei rund 60 Prozent. Durch anhaltende Feuchtigkeit können Federn und Achsen rosten und die Versilberung kann beeinträchtigt werden. Deshalb sollten Blasinstrumente generell nach jedem Gebrauch auseinandergenommen und die Teile (inklusive Mundstück und Blatt) mit einem Wischer getrocknet werden. Bei der allgemeinen Pflege müsse zudem auch Holz und Mechanik öfter geölt werden, bei der Gitarre reicht es oft beim Saitenwechsel aus.

Auch Flügel und Klaviere sind aus hochwertigen Naturmaterialien gefertigt und reagieren sensibel auf Veränderungen von Temperatur und Luftfeuchte. Ihr „Wohlfühlfenster“ liegt ebenfalls bei rund 20 Grad sowie 50 Prozent relativer Luftfeuchte. Dauerhafte Werte über 60 beziehungsweise unter 40 Prozent sollten unbedingt vermieden werden. Da sich dies bei Lagerungen, Transporten, aber häufig auch nur begrenzt zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten im Vergleich zu deutlich kleineren Instrumenten mitunter nur schwer umsetzen lässt, gibt es einbaubare Systeme, die das Raumklima innerhalb des Pianos effektiv und erfolgreich regulieren. Damit man auch bis zum 21. November 2024 Freude an „Tagen MIT Musik“ hat.

Dipl.-Met. Robert Hausen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Übers Wetter nicht nur reden, sondern singen

20. November 2023/in Allgemein, Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Was wäre ein Tag oder gar ein Leben ohne Musik? Mithilfe von Musik lassen sich Emotionen wie Ärger, Wut, Angst, Freude, Liebe oder Trauer ausdrücken. Töne, Klänge und Geräusche dienen hierbei als Ausgangsmaterial. Deren Eigenschaften wie Lautstärke, Tonhöhe oder Tondauer können variabel genutzt und kombiniert werden, um die gewünschten Emotionen oder Assoziationen hervorzurufen.
Auch das Wetter spielt naturgemäß eine entscheidende Rolle im Leben aller. Sei es im Alltag bei der Beantwortung der Frage, ob man beim Verlassen des Hauses einen Schirm mitnehmen sollte. Für die Landwirtschaft spielt das ausgewogene Verhältnis von Sonnenschein und Regen eine essentielle Rolle beim Pflanzenwachstum. Und auch beim Kofferpacken für den nächsten Urlaub befasst man sich noch etwas intensiver mit den Wetteraussichten für die kommenden Tage im Urlaubsort.
Wer hat sich noch nie darüber geärgert, dass man auf dem Heimweg nass wurde, obwohl man dachte, man schaffe es noch vor dem Schauer nach Hause? Wer hat sich noch nie wie ein Kind gefreut, wenn Schneeflocken leise vom Himmel fallen? Und wer hat noch nie einen Sonnenuntergang als romantisch empfunden?
Bei diesen beispielhaften Empfindungen ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auch das Thema „Wetter“ das ein oder andere Mal in der Musik verarbeitet wurde.
Vor bald fünf Jahren hat der geschätzte Kollege in seinem Thema des Tages den Hit „An Tagen wie diesen“ mit der Erkältungszeit verknüpft  Diese Thematik trifft auch auf die aktuelle Zeit besonders gut zu. Hört man doch viele Leute in den Zügen und Einkaufsläden, wie sie in Taschentücher oder Ärmel husten, niesen oder schniefen. Bei all diesen Geräuschen könnte man aus Sorge einer Ansteckung durchaus etwas ängstlich werden.
Die in der Musik am meisten verwendeten Wettererscheinungen sind sicherlich Sonnenschein und Regen. Die Beatles sangen beispielsweise „Here Comes the Sun„, meinten dies aber eher metaphorisch, dergestalt, dass das Lied an Menschen in einer schwierigen Lebenslage gerichtet ist und Hoffnung auf bessere Zeiten bieten soll. Sicherlich kennen auch die meisten den Klassiker „You Are My Sunshine„.
Mehr den tatsächlichen Bezug zur Sonne (bzw. die Assoziation zu wärmeren Gefilden) haben beispielsweise Ben Zuckers „Der Sonne entgegen“ oder Buddys „Ab in den Süden“ (… der Sonne hinterher …). Bei diesen Liedern kann man beim Hören tatsächlich etwas Fernweh bekommen, erst recht, wenn gleichzeitig der Blick nach draußen schweift und das Novembergrau vom Himmel grüßt.
Auch über den Regen lässt sich der ein oder andere Musiktitel finden. Beispiele sind „Purple Rain“ von Prince oder „November Rain“ von Guns N‘ Roses. „Let It Rain“ braucht man am heutigen Montag in der Norddeutschen Tiefebene nicht singen, denn dort laufen gebietsweise Warnungen vor Dauerregen. Dort wird eher Rihannas „Umbrella“ angestimmt. Neben den der Sonne gewidmeten Liedern kommt auch bei Albert Hammonds „It Never Rain in Southern California“ durchaus Fernweh auf.
Es gibt tatsächlich auch Musiker, die sich einen meteorologischen Namen geben, so zum Beispiel „The Weather Girls„. Und wie könnte es anders sein, als dass auch sie mit „I t’sRaining Men“ über das Wetter sangen, auch wenn das sicherlich mehr im übertragenen Sinn zu verstehen ist…
US-amerikanische Forscher befassten sich ebenfalls mit dem Zusammenhang von Musik und Wetter . Unter anderem fanden sie beispielsweise heraus, dass Bob Dylan der „Meteorologe“ unter den Musikern ist. Er ist also derjenige, der in seinen Liedern am häufigsten einen Bezug zum Wetter genommen hat. Sie stellten auch fest, dass sich Musiker häufig von aktuellen meteorologischen Ereignissen inspirieren lassen. So entstanden beispielsweise in den USA in den 1950er und 1960er Jahren viele Lieder, die von „schlechtem“ Wetter handeln, da es dort in diesen Jahren tatsächlich vergleichsweise stürmisch war.
Und welches Lied würde zum aktuellen Wetter am besten passen? Möchte man ein Lied hören, in dem das aktuell wetterbestimmende Tiefdruckgebiet zumindest vom Namen her eine zentrale Rolle spielt, so sollte man Lieder heraussuchen, in denen „Marco“ vorkommt. Beispielsweise könnte man auch „Über den Wolken“ oder „Lila Wolken“ in den Raum werfen, denn am heutigen Montag und erst recht am morgigen Dienstag verdecken viele Wolken die Sonne. Welches Lied letztendlich am besten passt, kann aber durchaus vielfältig sein und liegt an jedem selbst, was man in dem Moment gerne hören möchte.

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Sauter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2023/11/DWD-Uebers-Wetter-nicht-nur-reden-sondern-singen.png 3114 4389 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2023-11-20 15:55:152023-12-06 11:37:45Übers Wetter nicht nur reden, sondern singen

Künstliche Intelligenz in der Wettervorhersage: Was kann GraphCast?

19. November 2023/in Allgemein, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Numerische Wettermodelle arbeiten auf Grundlage physikalischer Gleichungen, die die Atmosphäre beschreiben. Nach Erfassung des Anfangszustandes der Atmosphäre, bei dem sämtliche Beobachtungsdaten in das Wettermodell einfließen, werden die Gleichungen mithilfe von Supercomputern in die Zukunft projiziert, um den zukünftigen Wetterzustand zu ermitteln. Das derzeit beste Vorhersagemodell ist das Integrated Forecast System (IFS), das am Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersage (ECMWF) betrieben wird.

Künstliche Intelligenz-basierte Vorhersagemodelle wie GraphCast, entwickelt von Google DeepMind, arbeiten anders. Sie berechnen keine physikalischen Gleichungen, sondern basieren auf sogenanntem „Machine Learning“, bei dem das Modell mithilfe eines programmierten neuronalen Netzes Wetterentwicklungen aus historischen Wetterlagen lernt. Um das System zu trainieren, wurden Daten aus der Zeit von 1979 bis 2017 aus einer Wetterdatenbank des ECMWF verwendet. KI-Modelle erfordern deutlich weniger Rechenzeit als numerische Wettermodelle. Statt mehrerer Stunden benötigt GraphCast weniger als eine Minute für eine 10-Tagesvorhersage und kann sogar auf einem gewöhnlichen Computer laufen. Doch wie steht es um die Qualität der Vorhersage?

Dies wurde in einer  getestet, in der GraphCast gegen den Hauptlauf des besten Modells IFS, HRES, antrat. Es stellte sich heraus, dass GraphCast in den meisten Fällen dem HRES überlegen war und in 90 % der Fälle verschiedene Parameter wie Wind, Temperatur und Luftdruck in verschiedenen Höhen in einer 10-Tagesvorhersage genauer vorhersagen konnte. Auch bei Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Hurrikans oder atmosphärischen Flüssen schnitt GraphCast besser ab, obwohl es nicht speziell darauf trainiert wurde. Also doch die beste Wettervorhersage aller Zeiten?

Hier muss man einschränken und genau betrachten, was verglichen wurde. Der HRES hat eine Auflösung von 8×8 km, während GraphCast ein Gitter von etwa 28×28 km besitzt. Die Modelle wurden auf dem gröberen GraphCast Gitter verglichen, wodurch feinere Phänomene wie Gewitter oder kleinräumige Wetterveränderungen nicht richtig erfasst werden können. Lokalmodelle mit höherer Auflösung wie das ICON-D2 mit 2,1 km könnten hier im Vorteil sein. Allerdings könnte man KI-Modelle auch mit einer höheren Auflösung betreiben. Doch wie sieht es im mittelfristigen Zeitraum aus?

Im Rahmen des Themas des Tages vom 14.11.2023 wurde deutlich, dass Meteorologen bei Mittelfristvorhersagen und unsicheren Lagen auf sogenannte Ensembles zurückgreifen. Hierbei wird ein Wettermodell, in diesem Fall das IFS, mehrmals mit leicht variierten Anfangsbedingungen berechnet. Dies berücksichtigt die Tatsache, dass das Wetter ein chaotischer Prozess ist und leichte Abweichungen in den Anfangsbedingungen im Laufe der Zeit zu erheblichen Unterschieden führen können. Obwohl GraphCast besser abschneidet als jeder dieser Einzelläufe, bleibt es gegenüber einem Ensemble-Mittel unterlegen. Das beschriebene Ensemble ermöglicht statistische Aussagen über die Unsicherheit einer Wetterlage und die Vorhersagbarkeit im Allgemeinen, was GraphCast nicht leisten kann. Eine Studie zeigte, dass im Gegensatz zur numerischen Wettervorhersage die Unterschiede in einem KI-Ensemble zu langsam anwachsen. Obwohl KI-Modelle in der Muster- und Verhaltenserkennung von Systemen exzellent sind, können sie das grundlegende chaotische Prinzip der Wettervorhersage, auch als  bekannt, nicht reproduzieren. Somit vermitteln KI-Modelle den Eindruck, dass die Wettervorhersage grenzenlos ist. Zusätzlich „verschmiert“ GraphCast die Vorhersage bei unsicheren Wetterlagen.

Zurückblickend auf unser Beispiel vom Thema des Tages am 14.11. Damals war die Vorhersage bezüglich der Passage eines möglichen Sturmtiefs über Süddeutschland äußerst unsicher. In Abbildung 1 werden der Bodendruck und die Windgeschwindigkeit in etwa 1500 m Höhe dargestellt. Links oben befindet sich die 3-Tagesvorhersage des HRES-Laufs, rechts oben der entsprechende GraphCast-Lauf. Unten sind die Analysen für Donnerstag um 18 Uhr (links) und Freitag um 00 Uhr (rechts) zu sehen. Letztendlich traf das Sturmtief etwa 6 Stunden früher ein, jedoch nahezu so, wie es vom HRES vorhergesagt wurde und brachte tatsächlich einen schweren Sturm in Südwestdeutschland und in der Schweiz. Im Vergleich dazu war der Sturm in GraphCast in diesem Beispiel zu schwach ausgeprägt.

Bezüglich der Vorhersage von Wetterextremen muss man ebenfalls von Fall zu Fall differenzieren. Zum Beispiel wurde die explosive Entwicklung des Hurrikans Otis weder vom HRES noch von GraphCast zuverlässig erfasst. Dennoch lässt sich festhalten, dass KI-Modelle wie GraphCast einen Meilenstein in der modernen Wettervorhersage darstellen. Sie sparen erheblich an Rechenzeit und somit Kosten, sind zu herkömmlichen Einzelläufen von Modellen konkurrenzfähig und können sogar an spezifische Kundenanfragen angepasst werden. Der nächste Schritt könnte die Verbindung von KI-Modellen mit herkömmlichen Modellen sein. Alles in allem werden KI-Modelle weder die herkömmliche numerische Wettervorhersage noch den Meteorologen ersetzen, sondern können eher als zusätzliches, sehr gutes Handwerkszeug betrachtet werden, mit dem der Meteorologe seine Arbeit verfeinern kann.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.11.2023
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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Wann kommt endlich ein „Dauerhoch“?

18. November 2023/in Thema des Tages, Wetter, Wind/von WINDINFO

Am heutigen Samstag gelangt Deutschland unter dem Zwischenhoch ARZU. Das Tief LINUS, das vor allem in Süddeutschland viel Regen, Wind und bis in die mittleren Lagen Schnee gebracht hat, ist inzwischen nach Südosteuropa gezogen. Somit ist der Tag vor allem zwischen der Nordsee und Nordbayern oft neblig-trüb und frostig gestartet und im Osten und Südosten waren noch letzte Schauer unterwegs. In Westdeutschland haben bereits vormittags die ersten Wolken des nächsten Tiefs MARCO mit Kern bei den Britischen Inseln erreicht.

Die lange nasse Witterungsphase will also noch nicht abreißen. Die Regenpausen sind, wenn überhaupt, meist nur von kurzer Dauer. Für große Teile Ostdeutschlands bleibt es nämlich heute trocken. Die Regenwolken des Tiefs MARCO erreichen nachmittags zunächst den Westen und bis zum Abend weiten sich die Regenfälle bis zur Mitte des Landes aus. Die Höchstwerte liegen zwischen 3 Grad in den zentralen und östlichen Mittelgebirgen und 9 Grad im Westen. Der Wind frischt mit der Annäherung des Tiefs im Westen und Nordwesten auf, mit ersten starken bis stürmischen Böen in den westlichen Mittelgebirgen und an der Nordsee.

In der Nacht zum Sonntag erreichen die Niederschläge auch den Osten des Landes. In den östlichen Mittelgebirgen kann es vorübergehend Schnee oder gefrierenden Regen geben. Im Schwarzwald und an den Alpen regnet es zum Teil kräftig und lang anhaltend, dort wurden markante Warnungen vor Dauerregen mit Mengen zwischen 30 und 50 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden herausgegeben. Im Westen und Nordwesten hingegen reißen die Wolkendecke in der zweiten Nachthälfte ab und es folgen nur vereinzelte Schauer nach. Der Wind ist spürbar unterwegs mit Sturmböen an der Nordsee und im Bergland. Die Tiefstwerte liegen zwischen 8 Grad im Westen und 0 Grad in den östlichen Mittelgebirgen.

Am Sonntag und anfangs der neuen Woche bleibt es für viele Regionen häufig nass, denn das Tief MARCO zieht von den Britischen Inseln über Deutschland nach Polen. Mit der lebhaften südwestlichen Strömung gelangt milde Luft nach Deutschland. Somit liegen die Höchstwerte meist im zweistelligen Bereich zwischen 10 und 15 Grad. Erst zur Wochenmitte mit der Winddrehung auf Nordwest wird es allmählich kälter mit Schnee in den Bergen und Nachtfrostgefahr.

Alle fragen sich: Wann kommt endlich ein „Dauerhoch“? Das ist eine berechtige Frage. Eine gewisse Hoffnung gibt es ab Mitte nächster Woche, wenn sich in Nord- und Nordwesteuropa eine langgestreckte Hochdruckzone positionieren kann, die sich ab Mittwoch nach Mitteleuropa verschiebt. Sie bremst die atlantischen Tiefs vorübergehend aus, sodass es zumindest in einigen Regionen vornehmlich nach Süden zu auch mal für zwei oder drei Tage trocken bleiben könnte. Der Norden wird am Nordrand der Hochdruckzone dagegen schnell wieder anfällig für Tiefausläufer, was die Wahrscheinlichkeit für eine längere Trockenphase stark mindert.

Dipl.-Met. Marco Manitta
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.11.2023

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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