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Eine turbulente Wetterwoche steht uns bevor!

6. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Hoch URBAN bescherte uns gebietsweise ein goldenes erstes Oktoberwochenende. Nach kühlen Nächten mit lokalem Luftfrost und teils dichtem Nebel zeigte sich bei herbstlichen Temperaturen in der Nordwesthälfte häufig die Sonne. Doch dieses weitgehend ruhige Wetter ist schon bald wieder Geschichte. Auf dem östlichen Atlantik befindet sich das kräftige Sturmtief GERDA. Die Warmfront des umfangreichen Tiefdruckgebietes nähert sich bereits in der kommenden Nacht zum Montag dem Westen Deutschlands. Gleichzeitig verabschiedet sich Hoch URBAN in Richtung Westrussland. Dies ist der Auftakt für eine milde, niederschlagsreiche und im weiteren Verlauf auch zeitweise stürmische Wetterphase.

Kleinere Randtiefs sorgen bis Mittwoch für immer wieder teils kräftige Regenfälle. Örtlich sind auch einzelne Gewitter mit dabei. Zudem kommt im Laufe des morgigen Montags in den Alpen Föhn auf, sodass direkt am Alpenrand mit Föhnunterstützung am Dienstag sogar bis zu 25 Grad möglich sind. Im Gegensatz zum aktuellen Wochenende ist dann der Südosten und Osten Deutschlands bevorzugt. Dort gibt es auch immer mal wieder längere sonnige Abschnitte und dazu zeigt das Thermometer tagsüber häufig Temperaturen um oder sogar knapp über 20 Grad an.
Richtige Spannung kommt aber ab Mittwoch in Frankreich und im weiteren Verlauf auch in Deutschland ins Wettergeschehen. Ex-Hurrikan KIRK könnte dann teils für eine schwere Sturmlage sorgen. Aktuell befindet sich KIRK noch als Kategorie 2 Hurrikan westlich der Azoren über dem Atlantik. KIRK war am frühen Samstag noch ein starker Hurrikan der Kategorie 4 mit einem Kerndruck von 943 Hektopascal und maximalen Windgeschwindigkeiten von etwa 220 km/h. Nun ist der Hurrikan allerdings in ein Gebiet mit deutlich niedrigeren Wassertemperaturen gezogen. Zudem hat die vertikale Windscherung in der Umgebung zugenommen. Dadurch hat sich seine klassische Struktur mit einem klar definierten Auge und kräftigen konvektiven Zellen um das Auge herum verändert.
Im weiteren Verlauf wird sich der Hurrikan zunächst zu einem tropischen Sturm abschwächen. Anschließend wird er zur Wochenmitte in die Westwindzone eingelagert und kurz darauf in Frankreich auf Land treffen. Dabei wandelt sich das ursprünglich tropische Tief allmählich zu einem klassischem (außertropischen) Tief der mittleren Breiten um – man spricht hierbei im Fachjargon von einer „extratropical transition“. Beim Erreichen der französischen Küste ist die Umwandlung voraussichtlich noch nicht ganz abgeschlossen und der Sturm ist eine Mischung aus einem tropischen Sturm und einem normalen Sturmtief mittlerer Breiten. Er wird damit als hybrides extratropisches Sturmtief am Mittwoch Westeuropa erreichen.

Bezüglich seiner Intensität existieren aber noch größere Unsicherheiten. Während das ICON-Modell KIRK als schweren Sturm mit einzelnen Orkanböen um 130 km/h bis ins Binnenland von Frankreich simuliert, sind die anderen Modell dagegen wesentlich defensiver. Auch was die genaue Zugbahn des Tiefs angeht existieren noch einige Unsicherheiten.
Im weiteren Verlauf verlagert sich das Sturmtief rasch über Frankreich hinweg in Richtung Deutschland. Damit nimmt der Wind voraussichtlich bereits in der Nacht zum Donnerstag im Südwesten deutlich zu. Die wahrscheinlichste Lösung nach aktuellem Stand ist, dass am Donnerstag in der Südwesthälfte und später auch in der Mitte des Landes bis ins Flachland verbreitet stürmische Böen (Bft 8), zwischenzeitlich und vor allem bei Schauern und Gewittern auch Sturmböen (Bft 9) oder sogar schwere Sturmböen (Bft 10) auftreten. Auf den Bergen sind orkanartige Böen (Bft 11) möglich. Zudem gehen mit KIRK teils kräftige Regenfälle einher. Auch einzelne starke Gewitter sind möglich.

Große Schäden wie bei einem ausgewachsenen Hurrikan wird es aber dennoch nicht geben! Trotzdem stehen uns somit nasse und zeitweise auch stürmische Zeiten bevor.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Eine-turbulente-Wetterwoche-steht-uns-bevor.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-06 21:14:012024-10-06 21:14:20Eine turbulente Wetterwoche steht uns bevor!

Hochsaison des Vogelzuges

5. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Blickt man aktuell in den Himmel – praktisch tätige Meteorologinnen und Meteorologen tun dies ja bekanntlich hin und wieder – kann man mit etwas Geduld das alljährliche Schauspiel des Vogelzuges beobachten. Besonders gut zu erkennen sind dabei jene Vogelschwärme, die im sogenannten V-Flug die Distanzen zwischen ihrer Sommerresidenz und dem Winterquartier überbrücken. Klassische Vertreter solcher Arten sind beispielsweise die Graugans oder der Kranich, die am Himmel das sehr gut erkenntliche V-Muster bilden. Doch auch viele andere Vogelarten machen sich zurzeit – mehr oder weniger gut sichtbar – auf ihren Weg in den Süden oder sind dort schon angekommen. Rund 250 Vogelarten brüten in unseren heimischen Gefilden und man schätzt, dass etwa die Hälfte davon Zugvögel sind – im Gegensatz zu den Standvögeln, die die Überwinterung weitgehend im Brutgebiet absolvieren und „Teilziehern“, die die jeweiligen örtlichen Populationen im Winterhalbjahr ersetzen (beispielsweise Kohl- und Blaumeisen). Bei den Zugvögeln wird zudem zwischen den Lang- und Kurzstreckenziehern unterschieden. Während Kurzstreckenzieher (z.B. Kranich, Kiebitz, Feldlerche und Star) „nur“ die Distanz nach West- und Südeuropa zu überbrücken haben, müssen Weißstorch, Kuckuck, Rauchschwalbe und weitere 80 Arten in die Gebiete südlich der Sahara gelangen.

Langstreckenzieher folgen dabei einem sehr genauen Plan und verlassen die heimischen Gefilde jedes Jahr zu sehr ähnlichen Terminen. Es geht sogar so weit, dass man an vielen Orten die Woche des saisonalen Abfluges detailliert festlegen kann. Man schätzt, dass sich jedes Jahr um die zwei Milliarden Individuen auf ihre lange Reise von Europa nach Afrika machen. Kurzstreckenzieher können dagegen etwas spontaner agieren und richten sich deutlicher nach der herrschenden Witterung. Ein kalter Spätsommer oder Frühherbst können den Vogelzug etwas beschleunigen, ein warmer und sonniger Spätwinter den Aufenthalt der etwa 40 Arten im Winterquartier entsprechend verkürzen. Da Kurzstreckenzieher häufig tagsüber unterwegs sind, lassen sich diese deutlich besser beobachten als beispielsweise Störche, die ihre Distanzen vor allem in der Nacht hinter sich bringen. Je nach speziellem Erfordernis (tierabhängig) wird dabei der Tagesgang der Thermik bzw. die Einstrahlung genutzt oder vermieden.

Sehr ungünstige Wetterbedingungen oder -entwicklungen können aber besonders den Langstreckenziehern erheblichen Schaden zufügen. Diese brechen zwar schon sehr früh im Jahr (August bis Anfang September) auf ihre lange Reise auf, das bewahrt diese aber nicht immer vor erheblichen wetterbedingten Schwierigkeiten. Der Anfang September 2024 stattgefundene Kaltlufteinbruch in Mitteleuropa hat beispielsweise auch dieses Jahr zu einigen gestrandeten Schwalben geführt, die die Alpen bei einer tiefen Schneefallgrenze und Dauerregen/-schneefall nicht mehr überwinden konnten. Außerdem war bei Regen und Kälte auch das Nahrungsangebot (Insekten) gering. Den Vögeln bliebt daher nur Warten übrig und den Energieverbrauch entsprechend zu senken.

Im Jahre 1974 griffen sogar Vogelschützer ein und brachten bei Kälte gestrandete Schwalbe per Auto, Zug oder Flugzeug über die Alpen nach Süden. Vor genau 50 Jahren gab es nämlich einen massiven und lange anhaltenden mitteleuropäischen Kaltlufteinbruch, der zahlreiche Mehl- und Rauschschwalben das Leben erschwerte bzw. auch kostete. Tier- und Vogelschutzorganisationen (besonders der damalige Deutsche Bund für Vogelschutz, DBV) sowie die lokale Bevölkerung wurden darauf aufmerksam und begannen nachfolgend die entkräfteten Vögel einzusammeln. Man schätzt, dass in Deutschland weit über eine Million Tiere diesen „Taxidienst“ in Anspruch nehmen durften, aus den Nachbarländern kamen noch weitere hinzu. Auch die Wetterlage der vergangenen Tage mit Schneefall bis 1500 m herab war nicht gerade günstig – allerdings wird es ab Sonntag wärmer und sonniger. Allerdings kommt an den Alpen vorübergehend Südföhn auf, sodass die Vögel etwas Gegenwind haben könnten.

Doch kommen wir zurück zu den Kurzstreckenziehern: Der augenscheinlichste Vertreter dieser Kategorie ist der Kranich. Dieser bildet mit seinen Artgenossen eine V-Formation im Himmel, wobei dessen Schenkel nicht symmetrisch sein müssen. Es wird schon länger vermutet, dass diese Anordnung der Energieersparnis dienen könnte. Die Vögel nutzen dabei den Aufwind der vor ihnen fliegenden Artgenossen. Ein Forschungsteam der Universität Wien hat diese Annahme nun mit Messungen unterfüttert (siehe Links). Dafür wurden Waldrappen mit Sensoren und Aufnahmegeräten ausgestattet und damit der Energieverbrauch aus der dynamischen Körperbeschleunigung, der Herzfrequenz und der effektiven Flügelschlagfrequenz abgeleitet. Alle drei Parameter waren im „Kielwasser“ des Vordervogels verringert. Ganz intuitiv nutzen die Kraniche also die Regeln der Physik zu ihrem Vorteil, ohne diese im Detail studiert zu haben.

Mag.rer.nat. Florian Bilgeri
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Hochsaison-des-Vogelzuges.png 1416 1145 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-05 21:25:032024-10-05 21:26:51Hochsaison des Vogelzuges

Der Atlantik. Unendliche Weiten. Wohin geht die Reise, (Captain) KIRK?

4. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Ein – zumindest mal was das Wetter angeht – ruhiges Wochenende steht uns bevor. Von der Nordsee her weitet Hoch URBAN seinen Einfluss auf Deutschland aus und vertreibt allmählich auch im Südosten die Regenwolken. Doch die nächste Wetterumstellung lässt nicht lange auf sich warten.

Zum Start in die neue Woche gelangen wir in den Einflussbereich eines atlantischen Tiefdruckkomplexes, in dem sich auch der ehemalige Hurrikan ISSAC befindet. ISSAC zog Ende September über den subtropischen Atlantik ostwärts und konnte sich dabei bis zu Kategorie 2 auf der fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala verstärken. Im Anschluss wandelte sich der Hurrikan in ein außertropisches Tief um und schickt sich nun an, im Zusammenspiel mit anderen Tiefdruckkollegen unser Wetter in Deutschland zu beeinflussen.

Die Folge ist ab Montag zunehmend wechselhaftes Wetter. Dazu wird es windiger, aber dank sich einstellender Südwestströmung auch wieder eine ganze Ecke milder. Nach Höchstwerten zwischen 10 und 17 Grad am Wochenende werden für Montag 15 bis 22 Grad erwartet. Auch die Nächte werden in der Folge wieder deutlich milder. Rutscht die Temperatur in den kommenden Nächten teilweise in den tiefen einstelligen Bereich ab (am Boden gebietsweise sogar bis in den leichten Frostbereich) sind nächste Woche wieder vermehrt zweistellige Tiefstwerte zu erwarten.

Apropos ehemaliger Hurrikan: Aktuell wirbelt Hurrikan KIRK über dem Atlantik. Den Prognosen zufolge soll der tropische Wirbelsturm bis zur Wochenmitte – dann als außertropisches Tief – in die Westwinddrift aufgenommen werden und das Wetter in West- und anschließend auch Mitteleuropa beeinflussen. Wie das dann genau aussehen wird, ist aber noch sehr unsicher, wie man in den folgenden Abbildungen sieht.

 

Am Dienstagmorgen wird KIRK – nach Prognosen des Nationalen Hurrikan Zentrums in Miami hat bis dahin bereits die Umwandlung in ein außertropisches Tief begonnen – von den drei hier betrachteten Globalmodellen noch recht ähnlich am linken Kartenrand prognostiziert. Das sieht 24 Stunden, also Mittwochfrüh, schon deutlich anders aus.

Während KIRK (oder wegen der vollzogenen Umwandlung besser ex-KIRK) bei IFS bereits die Biskaya entert, liegt er bei ICON und GFS noch weit vor Westeuropa (jeweils 0-UTC-Lauf vom 04.10.2024).

Weitere 24 Stunden später liegt der Kern von ex-KIRK über Dänemark und besonders die Nordhälfte Deutschlands damit in seinem Sturmfeld. Nach ICON nähert sich ex-KIRK deutlich langsamer und soll erst im Laufe des Donnerstags über den Norden Deutschlands hinwegziehen. GFS möchte davon überhaupt nichts wissen und belässt den Sturm an der Südküste von Irland. Erst am Samstag lässt es ex-KIRK dann über die Mitte unseres Landes hinwegziehen (hier nicht gezeigt).

Die Vorhersage bietet also noch einiges an Unsicherheiten. Zwar zeigen alle Modelle die Aufnahme des Sturmsystems in die Westwindzirkulation in der ersten Wochenhälfte, wie es danach aber weitergeht, muss abgewartet werden.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Der-Atlantik.-Unendliche-Weiten.-Wohin-geht-die-Reise-Captain-KIRK.png 804 880 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-04 21:27:352024-10-05 21:34:39Der Atlantik. Unendliche Weiten. Wohin geht die Reise, (Captain) KIRK?

KRATHON, der Unschlüssige

3. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Vergangenen Sonntag war Taifun KRATHON bereits auf den Karten zu finden (vgl. Thema des Tages vom 29.09.2024). Anfang der Woche wütete er als JULIAN knapp nördlich von Luzon, der nördlichen Halbinsel der Philippinen. Dort bewegte er sich langsam von Ost nach West und brachte mittlere Windgeschwindigkeiten von 180 Kilometern pro Stunde und Böen bis 230 Kilometern pro Stunde. Neben dem Wind, dessen Geräusche sich laut Beobachtern anfühlten wie Erdbeben, brachte der Taifun auch jede Menge Regen. Im Nordwesten der Halbinsel Luzon meldete die Wetterstation Laoag 482 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden. Auf den Inseln nördlich von Luzon gab es teils noch höhere Regenmengen. So meldete die Station Basco Radar 728 Liter Regen pro Quadratmeter in 24 Stunden. Das entspricht in etwa dem mittleren Jahresniederschlag von Hamburg oder Bremen. Knapp 140 km südlich von Basco fielen auf Calayan Island 202 Liter.

Die Berechnungen vom Montag, den 30.09.2024, legten nahe, dass der Taifun mit der Kategorie 4 von 5 am 02.10.2024 auf den Süden Taiwans ziehen würde. Im Vorfeld wurden Betroffene evakuiert, Schiffs- und Flugverbindungen wurden vorsorglich eingeschränkt oder abgesagt.

Der Taifun bewegte sich aber nicht auf dem zunächst vorhergesagten Weg. Vielmehr legte er über dem Südchinesischen Meer eine kleine Pause ein und bewegte sich dort mit Geschwindigkeiten von 2 bis 5 Kilometern pro Stunde hin und her. Dabei schwächte er sich schließlich zu einem Taifun der Kategorie 3 ab.

Am gestrigen Mittwoch, den 02.10.2024, legte er wieder einen Zahn zu und zog mit etwa 8 km/h von Südwesten her auf Taiwan zu. Er brachte dem Süden Taiwans in den vergangenen Tagen bereits beachtliche Regenmengen und an den Küsten bis zu 5 Meter hohe Wellen. In den Regionen Kaohsiung, Pingtung und Taitung bestehen nach wie vor Warnungen vor extrem sintflutartigem Regen. In der Region Taitung fielen bereits über 1000 Liter Regen pro Quadratmeter in 36 Stunden. Es kam zu Überflutungen und Erdrutschen, in einigen Haushalten fiel der Strom aus.

In der Nacht zum heutigen Donnerstag (UTC – koordinierte Weltzeit) erreichte das Auge des Taifuns den Süden Taiwans. Die gemessenen Windgeschwindigkeiten bewegten sich nach Angaben der taiwanesischen Behörden im Mittel bei 11 bis 12 Beaufort, in Böen wurden zwischen 170 und 180 Kilometer pro Stunde gemessen. An der Station Gaoxiong wurde heute Morgen 6 UTC eine Böe von 130 km/h registriert. Schulen und Büros bleiben in Taiwan heute geschlossen.

Es wird nun erwartet, dass sich der KRATHON über Taiwan nordwärts verlagert, aber rasch weiter abschwächt und am Freitag oder Samstag als einfaches Tiefdruckgebiet einen Weg westwärts über die Formosastraße gen China einschlägt.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-KRATHON-der-Unschluessige.png 786 980 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-03 18:51:562024-10-03 18:52:16KRATHON, der Unschlüssige

Deutschlandwetter im September 2024

2. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Erste Auswertungen der Ergebnisse der rund 2000 Messstationen des DWD in Deutschland.

Besonders warme Orte im September 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Berlin-Tempelhof Berlin 17,8 °C +3,2 Grad
2 Magdeburg Sachsen-Anhalt 17,4 °C +3,6 Grad
3 Wittenberg Sachsen-Anhalt 17,4 °C +3,4 Grad

Besonders kalte Orte im September 2024*

Platz

Station Bundesland durchschnittliche Temperatur Abweichung
1 Kahler Asten Nordrhein-Westfalen 11,8 °C +1,9 Grad
2 Messstetten Baden-Württemberg 11,9 °C +0,1 Grad
3 Oberstdorf Bayern 12,1 °C +0,4 Grad

Besonders niederschlagsreiche Orte im September 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Ruhpolding-Seehaus Bayern 514,3 l/m² 344 %
2 Marktschellenberg Bayern 511,1 l/m² 394 %
3 Aschau-Stein Bayern 426,5 l/m² 273 %

Besonders trockene Orte im September 2024**

Platz Station Bundesland Niederschlagsmenge Anteil
1 Hohenreinkendorf Brandenburg 21,2 l/m² 47 %
2 Usedom Mecklenburg-Vorpommern 23,1 l/m² 49 %
3 Rathebur Mecklenburg-Vorpommern 25,1 l/m² 55 %

Besonders sonnenscheinreiche Orte im September 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenschein Anteil
1 Berlin-Dahlem Berlin 230 Stunden 147 %
2 Arkona Mecklenburg-Vorpommern 229 Stunden 135 %
3 Rostock-Warnemünde Mecklenburg-Vorpommern 224 Stunden 143 %

Besonders sonnenscheinarme Orte im September 2024**

Platz Station Bundesland Sonnenscheindauer Anteil
1 Freudenstadt Baden-Württemberg 117 Stunden 66 %
2 Freiburg Baden-Württemberg 128 Stunden 72 %
3 Rottweil Baden-Württemberg 129 Stunden 73 %

Oberhalb 920 m NHN sind Bergstationen hierbei nicht berücksichtigt.

Die Sonnenscheindauer wird seit August 2024 teilweise aus Satellitendaten abgeleitet.

* Jahreszeitenmittel sowie deren Abweichung vom vieljährigen Durchschnitt
(int. Referenzperiode 1961-1990).

** Prozentangaben bezeichnen das Verhältnis des gemessenen
Jahreszeitenmittelwertes zum vieljährigen Jahreszeitenmittelwert der
jeweiligen Station (int. Referenzperiode, normal = 100 Prozent).

Hinweis:
Einen ausführlichen Jahreszeitenrückblick für ganz Deutschland und
alle Bundesländer finden Sie im Internet

Meteorologe Denny Karran
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Offenbach, 02.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-02 18:52:392024-10-03 18:55:56Deutschlandwetter im September 2024

Tiefdrucktrio bringt teils kräftigen Regen

1. Oktober 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nachdem sich das Herbstwetter am Sonntag vorübergehend beruhigt hatte, leitete Tief DAGMAR schon am gestrigen Montag den nächsten wechselhaften Wetterabschnitt ein. Dem Tief wird allerdings kein langes Leben vergönnt sein, es verlagert sich langsam von der südwestlichen Nordsee nach Nordfrankreich und löst sich dort schon am morgigen Mittwoch auf. Das tut es aber nicht, ohne vorher für Nachwuchs zu sorgen! Ein kleines Randtief mit dem Namen EILEEN zieht bis Dienstagnacht von der Biskaya über Frankreich nach Süddeutschland und dreht am Mittwoch tagsüber nach Tschechien und Polen ein. Es ist ein Ableger des Ex-Hurrikans ISAAC über dem Nordatlantik und hat entsprechend sehr feuchte und niederschlagsträchtige Luft im Gepäck, infolgedessen es vor allem im Süden des Landes ab Dienstagabend kräftig zu regnen beginnt. Am Donnerstag zieht EILEEN nach Nordosteuropa ab, doch das nächste Tief über dem zentralen Mittelmeer springt sofort in die Bresche. Dieses klassische „Genuatief“ beeinflusst in der Folge insbesondere den Süden und Südosten Deutschlands.

Wir haben es also mit einem Tiefdrucktrio zu tun (siehe Abbildung 1), das fast überall mal für Regen sorgen dürfte. Anhand der Prognosen des Gesamtniederschlages bis Samstagfrüh verschiedener Modelle (siehe Abbildung 2) lassen sich aber mehrere Schwerpunkte der Niederschlagstätigkeit ausmachen. Zum einem fällt ein Gebiet etwa vom Münsterland und südlichen Emsland über Südniedersachsen nach Osten auf. Hier simulieren die Modelle verbreitet 15 bis 30 l/qm, örtlich bis 50 l/qm. Das meiste davon fällt am heutigen Dienstag und Mittwoch. Ähnliche Mengen berechnen ICON und GFS auch für die Staulagen des Erzgebirges. Ein weiterer Schwerpunkt zeichnet sich im äußersten Südwesten und Süden ab, hier kommen 20 bis 40, von Südbaden bis Oberschwaben sowie am unmittelbaren Alpenrand 40 bis 60 l/qm zusammen, nach GFS-Lesart durchaus auch noch höhere Mengen. Für den Westen und äußersten Südwesten laufen bereits Dauerregen-Warnungen, bei Bedarf werden weitere geschaltet. Nicht außer Acht lassen darf man in den nächsten Tagen die Schneefallgrenze. In den Alpen sinkt diese ab Donnerstagabend teils unter 1500 m, sodass einiges vom Niederschlag als Schnee gebunden wird.

Dennoch dürften die recht flächigen Niederschläge die Pegel besonders an Bächen und kleineren Flüssen vorübergehend deutlich ansteigen lassen. Das European Flood Awareness System (EFAS) gab heute sogenannte „Flash Flood Notification„, also eine Art Vorabinfo vor möglichen Sturzfluten, für ein Gebiet zwischen Südbaden und Oberschwaben sowie den Norden Nordrhein-Westfalens und den Südwesten Niedersachsens heraus. Die Wahrscheinlichkeit für ein 5-jähriges Flutereignis liegt nach Angaben von EFAS aber nur bei maximal 30 %. Stärker betroffen könnte beispielsweise die Schweiz sein.

Im Norden und Westen kann sich schon am Donnerstag der Einfluss von Hoch URBAN über der Nordsee bemerkbar machen und die Niederschläge lassen nach. Im Laufe des Wochenendes kann sich URBAN dann auch im Süden und Osten des Landes langsam durchsetzen.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/10/DWD-Tiefdrucktrio-bringt-teils-kraeftigen-Regen.png 653 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-10-01 18:56:252024-10-03 19:00:48Tiefdrucktrio bringt teils kräftigen Regen

Wochenwetterausblick

30. September 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Gleich zu Beginn der Woche ist das doch verbreitet recht ansehnliche Wetter vom Wochenende Geschichte. Hoch TITUS hat seinen Schwerpunkt in Richtung Baltikum verlagert und kann daher unser Wetter in den kommenden Tagen nicht mehr beeinflussen. Nun muss der Blick wieder gen Westen gerichtet werden. Ein Tief namens DAGMAR, dessen Zentrum sich aktuell im Bereich Südwales/Südwestengland befindet, zieht langsam ostwärts. Damit beeinflusst DAGMAR zunehmend das Wetter in Deutschland. Im Laufe des morgigen Dienstags erreicht das Tief den Westen des Landes und schwächt sich recht bald ab. Nachfolgend steigt der Luftdruck von West/Nordwest wieder an. Ein Hochdruckgebiet über der Nordsee dehnt sich dann zu uns aus, so dass sich das Wetter in der zweiten Wochenhälfte von Nordwesten her beruhigen kann.

Die ersten Regenfälle im Zusammenhang mit Tief DAGMAR erreichten bereits in den heutigen Frühstunden den Südwesten und breiten sich heute im Tagesverlauf weiter nordostwärts aus. Mit Annäherung des Tiefs intensiviert sich der Regen vor allem über dem Nordwesten im Laufe des heutigen Abends und in der Nacht zum Dienstag und hält dort teils bis in die Abendstunden des Dienstags bzw. die Nacht zum Mittwoch an. Gebietsweise muss daher mit Dauerregen gerechnet werden. Aktuell bestehen noch Unsicherheiten in der genauen Zuordnung der Region, die vom Dauerregen betroffen sein wird. Es deutet sich aber ein Bereich vom südlichen Emsland und dem Münsterland bis ins Bergische Land, Sauerland und nach Ostwestfalen an. Neben teils kräftigem Regen, muss ab der Nacht zum Dienstag und am Dienstag tagsüber von der Mitte bis in den Osten teils auch mit einzelnen, lokal eventuell auch kräftigeren Gewittern mit Starkregen gerechnet werden. Außerdem frischt im Umfeld von DAGMAR zeitweise der Wind stark bis stürmisch auf, vor allem im Küstenumfeld sowie in einigen exponierten Berglagen wie dem Brocken oder dem Feldberg im Schwarzwald. Am Dienstag muss dann auch in einigen tiefen Lagen in den westlichen Landesteilen mit Böen der Stärke 7 gerechnet werden. Mit zunehmender Abschwächung des Tiefs ab dem späteren Tagesverlauf des Dienstags lässt auch der Wind wieder nach, zuletzt klingt er an den Küsten im Laufe der Nacht zum Donnerstag oder Donnerstagsfrüh vollends ab. Im Laufe des Donnerstags nehmen die Auflockerungen peu à peu von Nordwesten zu und auch der überwiegend leichte Regen in der Südosthälfte klingt mehr und mehr ab. In Alpennähe halten sich sowohl die dichteren Wolken als auch zeitweilige, aber meist leichte Niederschläge am längsten – möglicherweise sogar bis in den Freitag oder Samstag.

Die Temperaturen bewegen sich in einem Bereich zwischen 11 und 18 Grad tagsüber, mit leicht sinkender Tendenz in der zweiten Wochenhälfte. Nachts werden Tiefstwerte zwischen 12 und 5 Grad erwartet, ebenfalls mit leicht abnehmender Tendenz. Am mildesten bleibt es nachts im Küstenumfeld. Mit zunehmendem Aufklaren muss in der Nacht zum Freitag gebietsweise mit Frost in Bodennähe gerechnet werden.

Dipl. Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/09/DWD-Wochenwetterausblick.png 653 800 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-09-30 19:01:392024-10-03 19:05:16Wochenwetterausblick

Entwickelt sich KRATHON vor Taiwan zu einem Super-Taifun?

29. September 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Nachdem HELENE am vergangenen Donnerstag als Kategorie 4 Hurrikan auf Nordwestflorida traf und in der Gegend teils für schwere Zerstörungen gesorgt hat, lohnt sich nun der Blick in den Nordwestpazifik. Dort bildete sich KRATHON am gestrigen Samstag zu einem tropischen Wirbelsturm aus. Aktuell befindet sich der Sturm nordöstlich der Insel Luzon und versorgt die Nordostküste mit kräftigen Regenfällen und schweren Sturmböen. KRATHON wird sich in den nächsten Stunden weiter verstärken. Allerdings bestehen diesbezüglich noch einige Modellunsicherheiten.

Die Bedingungen für eine deutliche Intensivierung sind gegeben. Die Wassertemperaturen liegen südlich von Taiwan verbreitet bei Werten zwischen 28 und 30 Grad. Auch die vertikale  ist relativ gering. Allerdings befindet sich vor allem westlich des Taifuns eine recht trockene Schicht, welche eine stärkere Intensivierung hemmen könnte. So nehmen die Unsicherheiten bereits ab der Nacht zu Montag in den Modellen deutlich zu.

Aktuell strukturiert sich KRATHON zu einem ausgewachsenen Taifun mit charakteristischem Auge. Zudem ist der Luftdruck im Kern des Taifuns deutlich gefallen. Im weiteren Verlauf wird er sich unter weiterer Intensivierung vorerst nordwestlich in Richtung Südostchina verlagern, bevor er bedingt durch ein kräftiges Hochdruckgebiet über dem asiatischen Kontinent und der in nordöstliche Richtung abgelenkt wird. Kurz vor Taiwan erreicht KRATHON voraussichtlich seine höchste Intensität. Die wahrscheinlichste Lösung ist momentan, dass er als starker Taifun der Kategorie 3 oder 4 im Süden von Taiwan an Land geht. Dabei treten Windböen um 220 Kilometer pro Stunde auf. Das entspricht in etwa der Größenordnung von Hurrikan HELENE bei ihrem Landfall in Nordwestflorida vergangene Woche. Allerdings ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass sich der Sturm kurzzeitig zu einem Super-Taifun der Kategorie 5 mit Windgeschwindigkeiten von rund 260 Kilometer pro Stunde entwickeln kann.

Wo genau der Taifun an Land geht oder ob er knapp östlich von Taiwan vorbeizieht ist noch recht unsicher. Allerdings wird mittlerweile die westlichere Zugbahn favorisiert, sodass er wahrscheinlich im Südwesten nahe der Millionenstadt Kaoshiung mit extremen Orkanböen um 200 Kilometer pro Stunde an Land geht. Neben dem Wind wird auch langanhaltender Starkregen für weite Teile der Insel erwartet. Niederschlagsmengen von 200 bis 500 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden sind durchaus möglich. Im Bergland der Insel werden sogar stellenweise Mengen um oder sogar über 1000 Liter pro Quadratmeter in 2 bis 3 Tagen erwartet. Dies ist nahezu die doppelte Jahresniederschlagsmenge von Berlin! Deshalb muss dort mit großräumigen Überschwemmungen, Erdrutschen und Beeinträchtigungen in der Infrastruktur gerechnet werden.

Intensive Regenfälle sind in Taiwan jedoch keine Seltenheit. Erst im Juli sorgte Taifun GAEMI für sintflutartige Niederschläge. Damals sind innerhalb von 24 Stunden an vielen Stationen über 500 Liter pro Quadratmeter zusammengekommen. Eine Wetterstation in Taipingshan im Bergland des County Yilan meldete sogar eine Niederschlagsmenge von 943 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur 22 Stunden! Dabei handelt es sich um eine exponierte Staulage auf etwa 2000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Taifun KRATHON wird voraussichtlich nicht ganz so hohe Niederschlagsraten wie GAEMI mit sich bringen. Im Gegensatz zu GAEMI verlagert sich der kommende Taifun von Süd nach Nord bis Nordost. Deshalb sind die exponierten Staulagen an der östlichen Pazifikküste diesmal nicht ganz so stark betroffen. KRATHON könnte jedoch an der wesentlich dichter besiedelten Westküste der Insel für höhere Niederschlagssummen und deutlich stärkere Winde und somit auch dort für erhebliche Verwüstungen sorgen.

Auf seinem Weg nach Norden wird sich der Sturm dann aufgrund von Reibungseffekten über Land und einer zunehmenden Windscherung abschwächen. Mit intensiven Regenfällen ist aber dann auch auf dem nördlichen Teil der Insel einschließlich der Hauptstadt Taipeh zu rechnen!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/09/DWD-Entwickelt-sich-KRATHON-vor-Taiwan-zu-einem-Super-Taifun.png 449 459 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-09-29 22:25:202024-09-29 22:25:38Entwickelt sich KRATHON vor Taiwan zu einem Super-Taifun?

Die Ruhe nach dem Sturm

28. September 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Das steuernde Tief CONSTANZE liegt heute Nachmittag über Finnland. Das zugehörige Teiltief, das Deutschland gestern im Norden überquerte und Wind sowie Sturm brachte, hat sich auf dem Weg nach Osten bereits aufgefüllt. Auf den Analysekarten ist es somit nicht mehr auszumachen. Die kompakte Struktur des Tiefs in Kombination mit dessen warmen Kern ermöglichte dessen rasche Auffüllung.

An der Vorderseite des umfangreichen Tiefdruckkomplexes wehte über weiten Teilen Deutschlands ein frischer bis kräftiger südwestlicher Wind. Ausgenommen waren größere Teile Bayerns und manche andere Niederungen Süddeutschlands. Ansonsten erreichten die Böen in der Mitte und dem Süden Deutschlands verbreitet Beaufort 7 (z.B. Pforzheim-Ispringen mit 54 Kilometer pro Stunde) oder 8 (z.B. Düsseldorf mit 72 km/h) und in erhöhten Lagen Bft 9, auf Berggipfeln waren die Spitzenböen noch mal deutlich kräftiger. Ganz vorne lag wie so häufig der Brocken mit 131 km/h (Bft 12).

Die höchsten Windgeschwindigkeiten in tiefen Lagen wurden im Norden erreicht. Besonders stürmisch war es an der Nordseeküste. Bis zu 105 km/h (Bft 11 auf Spiekeroog) stark wehte der Wind dort. Auch weiter im Binnenland wurden noch Sturmböen (Bft 9) registriert, wie die 87 km/h aus Bremen zeigten.

 

Mit Entfernen von Constanze hat der Wind bereits deutlich nachgelassen. Mit Annäherung von Hoch Titus fallen die Schauer bis heute Abend weitgehend in sich zusammen und im Westen und Südwesten Deutschlands lösen sich auch die Wolken meist auf. Für die Nacht zum Sonntag stehen dort somit folgende Zutaten zur Verfügung: Eingeflossene Polarluft, windschwache und wolkenarme Bedingungen. Diese Kombination führt zu tiefen Nachttemperaturen. Verbreitet sinken sie auf Werte unter 5 Grad, in „Kältelöchern“ der Eifel sogar auf Werte um den Gefrierpunkt. Dort ist lokal der erste Luftfrost des Herbstes wahrscheinlich. Gebietsweise kommt es vor allem im Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen zu Frost in Bodennähe. Milder bleibt es unter Wolken im Süden Bayerns und mit Wolken und Wind im Norden.

Hoch Titus bleibt aber nicht lange unser Gast in Mitteleuropa. Vielmehr befindet es sich auf der Durchreise und wird am Montag im Baltikum erwartet. Mit Titus wandert auch der windschwache und wolkenarme Bereich nordostwärts. In der Nacht zum Montag wird es deswegen im Osten und Südosten Deutschlands am kältesten. Dort sind dann Werte verbreitet unter 5 und in manchen Tälern von Erz-, Fichtelgebirge und Bayrischem Wald um 0 Grad zu erwarten. Gebietsweise kommt es zu Frost in Bodennähe. Weiter westlich sorgen Wolken und allmählich wieder auffrischender Wind – die Vorboten von Tief Dagmar – für etwas höhere Werte. Die nachfolgenden Nächte werden deutlich milder, zum Teil sinkt die Temperatur nicht unter 10 Grad. Dann prägen wieder reichlich Regen und Wind, an der Küste auch Sturm das Wettergeschehen.

MSc.-Meteorologe Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/09/DWD-Die-Ruhe-nach-dem-Sturm.png 1129 898 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-09-28 22:26:102024-09-29 22:30:39Die Ruhe nach dem Sturm

Der ExtremWetterKongress 2024

27. September 2024/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Der ExtremWetterKongress tagte 2006 zum ersten Mal. Das Ziel der Veranstaltung ist es, die Öffentlichkeit aus erster Hand über den aktuellen Wissenstand zu den Themen Extremwetter und Klimawandel zu informieren. Frank Böttcher, der Gründer des Kongresses, ist seit letztem Jahr Vorsitzender der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft und organisiert und leitet noch immer die wissenschaftliche Konferenz. Erstmalig fand diese Jahr der ExtremWetterKongress zusammen mit der Deutschen KlimaManagementTagung statt, bei der es in über 40 Workshops um die Arbeit an konkreten Fragen zur Umsetzung von Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen ging.

Zum Auftakt der Veranstaltung gab es eine Pressekonferenz unter der Moderation des Pressesprechers des Deutschen Wetterdienstes. Zur Auftaktveranstaltung gab neben Frank Böttcher, Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst, Sven Plöger, Meteorologe und Buchautor und Dr. Eckart von Hirschhausen von der Stiftung Gesunde Erde ihr Statement zum ExtremWetterKongress ab. Anschließend wurde der Kongress mit Vorträgen zum Thema „Wo wir bei Klimawandel und Extremwetter in Deutschland, Europa und der Welt stehen“ offiziell eröffnet. Unter anderem stelle Tobias Fuchs, Vorstand des Deutschen Wetterdienstes, das Faktenpapier 2024 zum Extremwetter in Deutschland vor. Tagsüber schweifte man dann thematisch auch auf die globale Ebene mit Live-Schalten unter anderem in die Polargebiete. Beim Thema Extremwetter an den Küsten führte man dann den globalen Blick über die Weltmeere wieder zurück auf den Schutz der deutschen Küsten. Zum Abend hin beschäftigte man sich unter anderem mit dem wirtschaftlichen Blick auf das Extremwetter. Unter der Frage „Wird die Welt unversicherbar?“ ließen mehrere Versicherungsträger das Publikum an ihren Gedanken und wissenschaftlichen Abhandlungen teilhaben. Dabei ging es wie beispielsweise darum , wie sich Hagelschlag auf Gebäude auswirkt und welche Konsequenzen für Versicherer und die Öffentlichkeit sich daraus ergeben. (Aufzeichnung )

Die Themen des zweiten Tages waren genauso breit gefächert. Neben den Auswirkungen von Extremwetter auf die Gesundheit, befasste sich der Kongress vor allem auch mit dem Thema wie Städte und Gemeinden mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen umgehen. Den meisten Raum am Tag 2 nahm die die KlimaManagementTagung ein. In zahlreichen Postersessions konnte man sich über unterschiedlichste Themen informieren und sich in Workshops zusammen mit den beteiligten Instituten und Firmen austauschen. Die Ergebnisse dieser Workshops wurden im Anschluss vorgestellt und können auch in der Aufzeichnung nochmal nachgeschaut werden. (Aufzeichnung)

Am heutigen und letzten Tag startete vor allem die KlimaManagementTagung in die nächste Runde. Die Themen der Workshops gehen dabei vom nachhaltigen Bauen, über Kommunikation mit der Öffentlichkeit, den Städten und Kommunen bis hin zu Klimadiensten für die öffentliche Verwaltung. Am Abend werden wieder die Ergebnisse der Workshops vorgestellt, die live im Internet übertragen werden. (Aufzeichnung )

Das Wetter in Hamburg zeigte sich während des Kongresses nicht von seiner extremen Seite, auch wenn die Mitteltemperaturen im September wieder deutlich über den mehrjährigen Mittel liegen werden. Zum letzten Tag sorgte noch Sturmtief CONSTANZE für den ersten Herbststurm des Jahres. Für das Wochenende eilt Hoch TITUS vom Atlantik heran. Das Hoch trocknet die eingeflossene feuchte Luft ab, sodass der Sonntag überwiegend freundlich und trocken wird. Das sonnige Wetter sollte aber keine Interessierten davon abhalten, sich den ein oder anderen Beitrag vom ExtremWetterKongresses nochmal anzuschauen. Die einzelnen Vorträge umfassen meist nur 15 Minuten.

MSc Sonja Stöckle
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.09.2024
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2024/09/DWD-Der-ExtremWetterKongress-2024.gif 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2024-09-27 21:42:522024-09-27 21:43:13Der ExtremWetterKongress 2024
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