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Deutliches Nordost-SĂŒdwestgefĂ€lle bei der Temperatur

19. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die Wetterlage hat sich an diesem Wochenende grundlegend umgestellt. Nachdem in den ersten Juliwochen insbesondere in der SĂŒdwesthĂ€lfte öfters Hochdruckeinfluss herrschte und die krĂ€ftige Julisonne die Höchstwerte ĂŒber die 30-Grad-Marke trieb, bleibt ganz Deutschland nun von einer weiteren Hitzewelle verschont. Verantwortlich dafĂŒr ist zum einen das Hoch MORITZ mit Schwerpunkt ĂŒber dem Nordostatlantik und zum anderen Tief CERRY mit mehreren Tiefdruckkernen ĂŒber dem östlichen Skandinavien. Gemeinsam sorgen diese beiden Druckgebilde dafĂŒr, dass verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kĂŒhle Luft aus nordwestlicher Richtung nach Deutschland einfließen kann.

Vorhersagekarte fĂŒr die Druckverteilung und die Lage der Frontensysteme am Montag, den 20.07.2026 um 12 UTC

An dieser Grundkonstellation mit hohem Luftdruck westlich von Deutschland und tiefem Luftdruck nördlich und östlich des Landes wird sich auch mindestens bis zum nĂ€chsten Wochenende nichts Ă€ndern. Bei den Temperaturen ergibt sich dabei ein deutliches Nordost-SĂŒdwestgefĂ€lle. WĂ€hrend in der SĂŒdwesthĂ€lfte zumindest regional Sommertage mit Höchstwerten ĂŒber 25 Grad auf der Agenda stehen, bewegen sich die Höchstwerte in der NordosthĂ€lfte meist zwischen 19 und 23 Grad. An den KĂŒsten bleibt es bei auflandigem Wind noch frischer, sodass dort mitunter ein eher frĂŒhherbstlicher Wettercharakter herrscht. Ein teils strammer Nordwestwind tut sein Übriges dafĂŒr.

Temperaturkarten mit den Höchstwerten von Sonntag, den 19.07.2026 bis Mittwoch, den 22.07.2026

Bisher war der Juli deutlich wĂ€rmer als das vieljĂ€hrige Mittel. Derzeit (Stand: 19.07.2026 09 MESZ) liegt die Mitteltemperatur bei 20,1 °C (ausgenommen Bergstationen oberhalb von 920 m NHN). Der Wert der international gĂŒltigen Referenzperiode 1961 bis 1990 (16,9 °C) wird damit derzeit um 3,2 Grad ĂŒberschritten. Auch im Vergleich mit der aktuellen und wĂ€rmeren Periode 1991 bis 2020 (18,3 °C) fĂ€llt der TemperaturĂŒberschuss mit 1,8 Grad noch deutlich aus. Von einem rekordwarmen Juli ist man mit diesem Wert aber weit entfernt, denn im Jahr 2006 wurde in Verbindung mit dem SommermĂ€rchen, von dem wir Deutschen fußballerisch derzeit meilenweit entfernt sind, ein Temperaturmittel von 22,0 °C registriert. Mit dem derzeitigen Wert wĂŒrde zum Monatsende ein sechster Platz zu Buche stehen, aber die Prognosen deuten an, dass sich der Wert der Monatsmitteltemperatur noch um etwa ein Grad verringert.

Am meisten Heiße Tage mit einem Höchstwert von ĂŒber 30 °C gab es entlang des Oberrheins (12 bis 15 Tage), wĂ€hrend im Norden die 30-Grad-Marke nur ganz vereinzelt geknackt wurde. Spitzenreiter ist Rheinfelden (Baden-WĂŒrttemberg) mit 15 Heißen Tagen. Auch das bisherige Deutschlandmaximum wurde mit 36,6 °C am 11.7. in Rheinfelden gemessen. GegenĂŒber dem Juni waren TropennĂ€chte (Tiefstwert nicht unter 20 °C) im bisherigen Juli eher Mangelware. Nur von der Pfalz bis zum Rhein-Main-Gebiet wurden ein bis drei, an der Station Bad Bergzabern (Rheinland-Pfalz) sechs TropennĂ€chte registriert. In der nachfolgenden Tabelle (Stand: 19.07.2026 09 MESZ) sind einige Stationen mit der Anzahl an Heißen Tagen, Sommertagen (Maxima mindestens 25 °C) und TropennĂ€chten aufgelistet.

Station Heiße Tage Sommertage TropennĂ€chte
Rheinstetten (BW) 12 18 1
Stuttgart-Schnarrenberg (BW) 7 18 3
Frankfurt-Flughafen (HE) 10 18 5
DĂŒsseldorf (NRW) 5 14 0
MĂŒnchen-Stadt (BY) 3 16 0
Dresden-Klotzsche (SN) 0 11 1
Hannover (NI) 0 9 0
Hamburg-FuhlsbĂŒttel (HH) 0 8 0
Berlin-Tempelhof (BE) 3 12 0
Rostock-WarnemĂŒnde (MW) 0 3 0

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Deutliches-Nordost-Suedwestgefaelle-bei-der-Temperatur-1.png 550 774 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-19 15:13:282026-07-24 16:09:24Deutliches Nordost-SĂŒdwestgefĂ€lle bei der Temperatur

Von Trockenheit und rekordniedrigen WasserstÀnden

18. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Die erste HĂ€lfte des meteorologischen Sommers 2026 ist Geschichte. Nicht nur die Hitze, sondern auch die bisherige Niederschlagsbilanz sind eine Betrachtung wert. Mehrere – besonders im SĂŒdwesten des Landes ausgeprĂ€gte – Hitzewellen und teils schwere Gewitter zeichneten das Bild des bisherigen Sommers. Überregionale Niederschlagsereignisse waren die Ausnahme. Ein Blick auf die Karte des bisherigen Niederschlags seit dem 1. Juni (Abb. 1) zeigt die Regionen, in denen bisher kaum Regen fiel. Dies sind vor allem Gebiete im SĂŒdwesten und Osten des Landes. Gebietsweise fielen dort erst 30 bis 50 mm. Besonders nasse Regionen waren der Alpenrand und dessen Vorland mit örtlich mehr als 250 mm sowie die Gebiete nahe der Nordsee und im DreilĂ€ndereck Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit gebietsweise nahe 200 mm. GrundsĂ€tzlich fallen auf kleinem Raum teils große Unterschiede in der Bilanz auf. Diese sind auf kleinrĂ€umige, aber krĂ€ftige Schauer und Gewitter zurĂŒckzufĂŒhren. So fielen zum Beispiel in Bleckede-Walmsburg im Wendland gestern Abend fast 70 mm in zwei Stunden, an Nachbarstationen dagegen nicht mal 10 mm.

Abb. 1.: Niederschlagssumme vom 01.06.2026 bis 17.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Um den gefallenen Niederschlag in ein klimatologisches Bild zu rĂŒcken, ist es sinnvoll, den gefallenen Niederschlag mit dem Niederschlag im langjĂ€hrigen Mittel zu vergleichen. Dazu zeigt Abb. 2 die relative Niederschlagssumme in Prozent zum langjĂ€hrigen Mittel. 100 % bedeuten dabei, dass im betrachteten Zeitraum genauso viel Niederschlag gefallen ist wie im Klimamittel. Auch auf dieser Karte fallen große Regionen des Ostens und SĂŒdwestens als deutlich trockener als ĂŒblich auf. Die 30 bis 50 mm entsprechen etwa 20 bis 50 % der ĂŒblichen Menge. Besonders nass zeigen sich neben lokalen Maxima im SĂŒden vor allem Teile des Nordwestens und Nordens. AuffĂ€llig ist der SĂŒden Bayerns: Absolut noch die nasseste Region Deutschlands ist es dort im Vergleich zum Mittel dennoch zu trocken gewesen. Es wurden nur 50 bis 90 Prozent des Solls erreicht.

Abb. 2.: Relative Niederschlagssumme vom 01.06.2026 bis 17.07.2026 am Klimamittel fĂŒr diesen Zeitraum. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Neben den Auswirkungen auf die Vegetation und damit auch die Landwirtschaft zeigt sich die Trockenheit in den großen FlĂŒssen des Landes. Entlang des gesamten Rheins auf deutscher Seite gab es noch nie so niedrige AbflĂŒsse im Juli seit 1900. Abseits des Hochrheins liegen die Pegel um mehr als 10 Prozent unter dem vorherigen Rekord. Auch an der Donau liegen die neuen Rekorde oft mehr als 10 Prozent unterhalb der bisherigen Julirekorde. Die Auswirkungen auf die Schifffahrt sind immens. Verantwortlich fĂŒr die Rekordpegel sind nicht nur die geringen NiederschlĂ€ge der vergangenen Wochen. Auch der FrĂŒhling war bereits verbreitet deutlich trockener als ĂŒblich und in Bayern der trockenste seit Aufzeichnungsbeginn vor mehr als 140 Jahren. Die hohen Temperaturen sorgten zudem fĂŒr eine sehr hohe Verdunstung, ein großer Teil des Niederschlags erreichte also gar nicht erst die FlĂŒsse. Ein weiterer Faktor fĂŒr Donau und Rhein ist die Schneedecke in den Nordalpen, die im FrĂŒhling und Sommer schmilzt und die entwĂ€ssernden FlĂŒsse speist. Auch hier waren die Vorzeichen ungĂŒnstig: Der zweittrockenste Winter seit 1991 in den Nordalpen und ein trockener und warmer FrĂŒhling sorgten frĂŒhzeitig fĂŒr ein Schmelzen des Schnees. Auch diese Wasserquelle ist somit weitgehend versiegt.

Abb. 3.: Modellprognose des Niederschlags vom 18. bis 25.07.2026. Quelle: Deutscher Wetterdienst

FĂŒr ein Ende der Trockenheit brĂ€uchte es großflĂ€chige und lĂ€nger anhaltende NiederschlĂ€ge. Diese NiederschlĂ€ge sind allerdings nicht in Sicht. Abb. 3 zeigt die simulierten NiederschlĂ€ge der kommenden sieben Tage bis zum Samstag, den 25.07.2026. Sowohl das Modell des Deutschen Wetterdienstes ICON als auch das Modell des EuropĂ€ischen Zentrums fĂŒr Mittelfristvorhersage EZMW zeigen in der FlĂ€che keine großen NiederschlĂ€ge. Am meisten Regen soll demnach am Alpenrand sowie an Nord- und Ostsee fallen. In weiten Bereichen sollen weniger als 20, hĂ€ufig sogar nicht mal 10 mm fallen. Dies deckt nicht einmal die Verdunstung in diesem Zeitraum. Die PegelstĂ€nde der FlĂŒsse werden demnach weiter auf sehr niedrigen Werten verharren.

M.Sc. Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 18.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Von-Trockenheit-und-rekordniedrigen-Wasserstaenden-1.png 1452 1195 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-18 14:51:352026-07-24 16:09:12Von Trockenheit und rekordniedrigen WasserstÀnden

Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

17. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In den vergangenen Tagen und bis zum Wochenende haben wir es mal wieder mit teils krĂ€ftigen Gewittern zu tun. Und wie so hĂ€ufig verteilen sich die Gewitter nicht gleichmĂ€ĂŸig ĂŒber das Land. Einzelne Regionen bekommen krĂ€ftige Gewitter, in den anderen passiert fast gar nichts. Manchmal gibt es selbst auf wenigen Kilometern rĂ€umlicher Distanz sehr große Unterschiede. Manch ein Gewitter- oder Gartenfan bejammert dabei gerne, dass es an seinem Standort nie „kracht“ oder der Garten wieder einmal nicht gewĂ€ssert wird. Aber stimmt das auch?

Gewitterverteilung ĂŒber Deutschland.

In Deutschland gibt es durchaus Gebiete, wo bevorzugt Gewitter vorkommen. Dazu zÀhlen alle Gebirgsregionen. Dort werden die Luftmassen bei der Anströmung durch das Gebirge zwangsweise gehoben und die in Gewitterwolken immer vorhandene AufwÀrtsbewegung auf diese Weise verstÀrkt.

Das lĂ€sst sich im Sommer gut beobachten, wenn ĂŒber den Bergen bereits Quellwolken zu sehen sind, es ringsum aber noch wolkenfrei ist. Da es im SĂŒden Deutschlands mehr Berge gibt als im Norden, sind die Gewitter dort auch zahlreicher. ZusĂ€tzlich kommen im SĂŒden Deutschlands hĂ€ufiger feuchte und warme Luftmassen von SĂŒden her an, die den Norden teilweise gar nicht erst erreichen oder nur in abgeschwĂ€chter Form. Damit wird die Entstehung von Gewittern im SĂŒden zusĂ€tzlich begĂŒnstigt. Gleichwohl kommen aber ĂŒberall in Deutschland Gewitter vor.

Der „Kulisseneffekt“

Der Eindruck, dass Gewitter an einem bestimmten Standort scheinbar immer vorbeiziehen, lĂ€sst sich in den allermeisten FĂ€llen gut erklĂ€ren. Verantwortlich dafĂŒr ist der sogenannte „Kulisseneffekt“.

Der „Kulisseneffekt“ entsteht, wenn rings um einen Beobachtungsort herum mĂ€chtige Schauer- und Gewitterwolken zu sehen sind. Diese in mittleren Breiten bis etwa 12 km hohen Wolken lassen sich bis zu einer Entfernung von 50 km und mehr beobachten. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Gewittertag um sich herum Gewitterwolken zu sehen, ist damit sehr hoch. Die Gewitterzellen selber bzw. dessen Kerne sind jedoch oft nur sehr klein, was gut im Regenradar zu erkennen ist. Damit ist aber auch die Wahrscheinlichkeit, von dem Gewitter getroffen zu werden, relativ klein. Es entsteht der Eindruck, die Gewitter wĂŒrden vorbeiziehen, wenn man wieder mal nicht getroffen wurde.

24-stĂŒndiger Niederschlag ĂŒber dem SĂŒdwesten Deutschlands am 17. Juli 2026, 8 Uhr MESZ. SĂŒdlich von Karlsruhe im Kern einer Zelle 50-60 l/qm Regen, 8 km weiter aber nur 2-5 l/qm. Der weiße Strich zeigt die Entfernung.

Ausnahme Lee von GebirgszĂŒgen

In einigen Regionen kann der „Kulisseneffekt“ in bestimmten Wettersituationen aber nicht als ErklĂ€rung fĂŒr vorbeiziehende Gewitter herhalten. Damit sind Standorte im Lee eines Gebirges gemeint.

Schon kleinere GebirgszĂŒge können dabei als sogenannte „Wetterscheide“ fungieren. Bei entsprechender Anströmung teilen sich die Gewitter gerne an dem Gebirge und ziehen anschließend an dem Beobachtungsstandort vorbei. Das kann man sich wie bei einem Fluss vorstellen, wo ein aus dem Wasser ragender Stein die Wassermassen umlenkt. Hinter dem Stein ist die Strömung nur schwach, wĂ€hrend abseits davon das Wasser mitgerissen wird. Der gleiche Standort kann bei anderer Anströmung natĂŒrlich trotzdem von einem Gewitter getroffen werden.

Dass die Gewitter also immer vorbeiziehen, ist eher ein subjektives Empfinden. Beim nÀchsten Gewitter knallt es dann vielleicht heftig.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Warum-ziehen-die-Gewitter-immer-an-mir-vorbei.jpg 768 606 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-17 15:11:442026-07-20 10:20:40Warum ziehen die Gewitter immer an mir vorbei?

Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

16. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Wer in den vergangenen Tagen auf den lange ersehnten Landregen gehofft hatte, wurde regional zwar nicht enttĂ€uscht, lokal eng begrenzt war es jedoch „zu viel des Guten“. Seit dem vergangenen Montag, den 13. Juli 2026, entwickelten sich in Teilen Deutschlands wiederholt krĂ€ftige Gewitter, die lokal erhebliche SchĂ€den verursachten. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, umgestĂŒrzte BĂ€ume, beschĂ€digte DĂ€cher und golfballgroße Hagelkörner prĂ€gten das Bild nach einem Schwergewitter. Gleichzeitig blieb es oft nur wenige Kilometer entfernt trocken oder es fielen lediglich einige Tropfen. Gerade diese ausgeprĂ€gte KleinrĂ€umigkeit macht sommerliche Gewitter so faszinierend und zugleich so schwer vorherzusagen.

Aus meteorologischer Sicht wirkte die Wetterlage nicht allzu spektakulĂ€r. Deutschland lag am Rand eines krĂ€ftigen Hochdruckgebietes, das sich vom Atlantik nach Skandinavien erstreckte. Verantwortlich fĂŒr die Unwetter war vielmehr ein vergleichsweise kleines Höhentief, das sich langsam von DĂ€nemark nach Deutschland verlagerte. In höheren Luftschichten brachte es etwas kĂŒhlere Luft mit, wodurch der grĂ¶ĂŸere Temperaturunterschied zur bodennah stark aufgeheizten, feuchten Luftmasse die Auslöse von krĂ€ftigen Gewittern begĂŒnstigte. Gleichzeitig lag eine nur schwache Höhenströmung vor, sodass sich die Gewitterzellen nur langsam verlagerten oder durch rĂŒckseitige Neuauslöse wiederholt ĂŒber denselben Ort zogen und so ideale Voraussetzungen fĂŒr lokalen Starkregen boten.

Den Auftakt machte am Montagabend eine Gewitterlage im Norden Deutschlands. Bei Hannover sorgte eine krĂ€ftige Gewitterzelle fĂŒr einen sogenannten Downburst (siehe DWD-Lexikon) mit orkanartigen Böen von 105 km/h. Zudem wurde innerhalb kurzer Zeit Starkregen mit 39,9 Litern pro Quadratmeter gemessen. Auch in Teilen Schleswig-Holsteins sorgten Gewitterzellen fĂŒr Probleme. Besonders betroffen war Elmshorn, wo Starkregen Straßen, Keller und UnterfĂŒhrungen ĂŒberflutete. Innerhalb von wenigen Stunden fielen dort örtlich 40 bis 60 Liter pro Quadratmeter. Die Feuerwehr musste zahlreiche EinsĂ€tze abarbeiten, da die Kanalisation die Wassermengen zeitweise nicht aufnehmen konnte. Auch Hagel spielte am Montag bereits eine Rolle: In Heidenau (Niedersachsen) wurden golfballgroße Hagelkörner (circa 5 Zentimeter) beobachtet, die erhebliche SchĂ€den an Fahrzeugen und GebĂ€uden verursachten. An anderen Orten fiel deutlich kleinerer Hagel, allerdings in großen Massen. So entstanden Bilder, die eher an Winterlandschaften erinnerten.

Nutzerbilder aus der DWD-WarnWetter-App vom 13. und 14. Juli 2026

Am Dienstag, den 14. Juli 2026, verlagerte sich der Schwerpunkt der Gewitter in die Mitte und den SĂŒden Deutschlands. In der Region NĂŒrnberg entwickelte sich am Abend eine besonders krĂ€ftige Gewitterzelle. Um 17 UTC wurde dort eine Orkanböe von 130 km/h registriert, wenig spĂ€ter fielen innerhalb einer Stunde 45 Liter Regen pro Quadratmeter, lokal laut Radarauswertung noch etwas mehr. Die Folge waren ĂŒberflutete Straßen, vollgelaufene Keller und zahlreiche umgestĂŒrzte BĂ€ume. Rund 1.100 UnwettereinsĂ€tze wurden in der Region gemeldet.

Auch ThĂŒringen war von schweren Gewittern betroffen. Eine sogenannte Superzelle (siehe DWD-Lexikon) zog ĂŒber eine Strecke von rund 180 Kilometer vom Eichsfeld und dem Ilm-Kreis bis zum Fichtelgebirge und sorgte mit Starkregen und Hagel fĂŒr Behinderungen. Hagelkörner verstopften teilweise AbflĂŒsse, wodurch Straßen ĂŒberflutet wurden. Bei Ilmenau kam es kurzzeitig zu einer weiteren Intensivierung der Gewitterzelle, sodass dort lokal eng begrenzt auch Orkanböen auftraten.

Am Mittwoch (15. Juli 2026) erreichten die Gewitter Baden-WĂŒrttemberg. In Reutlingen entwickelte sich in den frĂŒhen Morgenstunden bereits eine krĂ€ftige Gewitterzelle, die lokal große Hagelmassen brachte. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu drei Zentimetern bedeckten Straßen und blockierten teilweise die AbflĂŒsse. Die Stadt Reutlingen war den gesamten Tag mit AufrĂ€umarbeiten beschĂ€ftigt, Keller mussten ausgepumpt, Straßen gerĂ€umt und SchĂ€den beseitigt werden. Zeitweise waren rund 6.000 Haushalte nach einem Blitzeinschlag kurzzeitig ohne Strom.

Animiertes Radarbild in SĂŒdwestdeutschland von Mittwoch, den 15. Juli 2026 von 12 Uhr bis 21 Uhr MESZ.

Auch am Bodensee kam es am Mittwochnachmittag zu einem heftigen Unwetter. In Friedrichshafen wurde eine Orkanböe von 126 km/h gemessen. UmgestĂŒrzte BĂ€ume blockierten Straßen, mehrere DĂ€cher wurden beschĂ€digt. In Kressbronn stĂŒrzte ein Baum auf ein Wohnmobil, die Insassen blieben glĂŒcklicherweise unverletzt.

Zudem wurden mehrere Orte im SĂŒden Baden-WĂŒrttembergs wiederholt von Gewitterzellen getroffen. So verzeichnete die Station in Blumberg-Randen gegen 17:30 UTC satte 60,6 Liter pro Quadratmeter in nur wenigen Stunden.

Radarbild des 72-stĂŒndigen Niederschlags von Montagmittag, den 13. Juli bis Donnerstagmittag, den 16. Juli 2026.

Die Ereignisse zeigen erneut, wie groß die Unterschiede bei sommerlichen Gewitterlagen auf kleinem Raum sein können. WĂ€hrend wenige Kilometer entfernt kaum Niederschlag fĂ€llt, können einzelne Gewitterzellen innerhalb kurzer Zeit extreme Regenmengen, Hagel und Sturmböen bringen.

Auch am heutigen Donnerstag sind im SĂŒdwesten und SĂŒden einzelne krĂ€ftige Gewitter vorhergesagt, die lokal eng begrenzt mit Orkanböen bis 130 km/h, Hagel mit KorngrĂ¶ĂŸen um 4 cm sowie Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter einhergehen können. Weitere Informationen zur aktuellen Warnlage finden Sie unter www.dwd.de oder in der WarnWetter-App.

M.Sc.-Meteorologe Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Kleines-Hoehentief-grosse-Wirkung-–-eine-Gewitternachlese-1.png 582 755 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-16 14:46:472026-07-20 10:20:35Kleines Höhentief, große Wirkung – eine Gewitternachlese

Vom Scheren und schweren Gewittern

15. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

In der Meteorologie stĂ¶ĂŸt man hin und wieder auf Begriffe, die auch in völlig anderen Bereichen auftauchen können. So wurde im Thema des Tages am 01.07.26 das Wörtchen Cape (oder CAPE) als AufhĂ€nger verwendet. Heute ist es das Wörtchen Scherung. Wer zum Beispiel Interesse an Wolle und deren Gewinnung zeigt, der denkt bei diesem Wort wohl an Schafe, die geschoren werden. Geologen verbinden mit dem Wort riesige tektonische Platten, die aneinander vorbeigleiten und Erdbeben auslösen können. Und Meteorologen? Die denken an WindĂ€nderungen, Gewitter, Superzellen und Hagel.

Die (Wind-)Scherung beschreibt nĂ€mlich in der Meteorologie die Änderung des Windes mit der Höhe. Genau genommen ist die Scherung ein Vektor (oft dargestellt als ein Pfeil). Deshalb sind zwei Angaben wichtig, um ihn vollstĂ€ndig zu beschreiben. Die erste ist der Betrag (die LĂ€nge), die zweite die Richtung des Vektors. Normalerweise nimmt der Wind mit der Höhe zu. Je stĂ€rker der Betrag der Scherung ist, desto grĂ¶ĂŸer ist der Unterschied der Windgeschwindigkeit in BodennĂ€he zu der in beispielsweise 6 km Höhe. Dagegen beschreibt die „Richtungsscherung“ – der Name sagt es schon – wie sich die Windrichtung mit der Höhe Ă€ndert.

Und was hat das Ganze nun mit Gewittern zu tun? Neben Faktoren wie dem CAPE spielt die (Wind-)Scherung eine wichtige Rolle dabei, welche Arten von Gewittern zu erwarten sind. Wenn sich eine Gewitterzelle bei wenig Windscherung (<10 m/s) entwickelt, steigt die Luft an einem Ort auf und bildet bei einsetzender Kondensation Wolken und spĂ€ter Niederschlag. Dieser Niederschlag und die damit einhergehenden Winde fallen am gleichen Ort herab und wirken dem Aufsteigen entgegen. Solche sogenannten Einzelzellen fallen also oft innerhalb einer Stunde in sich zusammen. Hingegen wird bei ausreichender Windscherung (10-20 m/s) die aufsteigende Luft gegenĂŒber dem Ausgangsort verschoben, da in der Höhe stĂ€rkere Winde herrschen, sodass Auf- und Abwind zu einander versetzt sind. Das hat zur Folge, dass sich lĂ€ngerlebige Gewitter bilden können. Wenn noch stĂ€rkere Windscherung (>20 m/s) und dazu noch eine Richtungsscherung vorliegt, dann ist das Potenzial gegeben fĂŒr große, rotierende Gewitter (genannt Superzellen) mit heftigen Begleiterscheinungen bis hin zu Tornados.

Und was fĂŒr Gewitter sind heute in Deutschland möglich?

FĂŒr den SĂŒden sind die Scherungsbedingungen heute gĂŒnstig. Der Hodograph von der Station in Stuttgart von heute 12 UTC zeigt beispielsweise in 6 km Höhe eine Windgeschwindigkeit von etwa 35 Knoten, in BodennĂ€he jedoch nur von einigen wenigen Knoten. Die Windscherung zwischen 0 und 6 km kann also grob mit 35 Knoten (~18 m/s) abgeschĂ€tzt werden. Im Zusammenspiel mit anderen Parametern hatte das zur Folge, dass entschieden wurde, eine Vorabinformation vor schweren Gewittern herauszugeben. Im Laufe des Nachmittags und des Abends können sich ausgehend von der SchwĂ€bischen Alb Superzellen entwickeln. Die Gefahren sind dementsprechend vielfĂ€ltig. Hagelkorndurchmesser um 5 cm Àhnlich dem eines Golfballs, Orkanböen bis 120 km/h und heftiger Starkregen bis 40 l/mÂČ innerhalb kurzer Zeit sind bei den schwersten Gewittern durchaus im Bereich des Möglichen! Daher gilt: Haben Sie immer mal wieder ein Auge auf die aktuellen Warnungen oder auch das Wetterradar. So können Sie abschĂ€tzen, ob ein starkes Gewitter gefĂ€hrlich nahekommt oder ob der Aufenthalt im Freien kein Problem darstellt.

Hodograph der Station Stuttgart von 15.07.26 12 UTC. (Quelle: DWD)

M.Sc. Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Vom-Scheren-und-schweren-Gewittern.png 879 1041 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-15 14:17:562026-07-16 10:27:06Vom Scheren und schweren Gewittern

Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern

14. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen, haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein fĂŒr Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region Hannover stark betroffen war. Innerhalb kĂŒrzester Zeit fielen um und ĂŒber 25 l/mÂČ, was zu grĂ¶ĂŸeren Überflutungen fĂŒhrte. Andernorts sorgte Hagel mit 3-5 cm Durchmesser fĂŒr SchĂ€den an Vegetation, Autos und der Infrastruktur.

Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der Großwetterlage hat sich bis heute wenig geĂ€ndert. Beim Blick auf die Bodenwetterkarte fĂ€llt das großrĂ€umige Hoch LAURENT ĂŒber dem Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss ĂŒber Frankreich entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen LuftdruckgegensĂ€tzen fĂŒhrt.

Die Bodenwetterkarte zeigt das umfangreiche Hoch LAURENT, dem nur schwacher Tiefdruckeinfluss ĂŒber Frankreich entgegensteht. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen fĂŒr eine unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch einfach als Höhenei bezeichnen.

In 5,5 km Höhe (500 hPa) ist deutlich das Höhentief ĂŒber Mitteleuropa zu sehen, das wie ein Höhenei umher wabert und von den Modellen nur schwer erfasst werden kann. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Dieses Höhentief war es gestern und ist es federfĂŒhrend auch heute, das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend fĂŒr hochreichende Konvektion erforderlich ist. „Garniert“ wird diese Gemengelage mit CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom sĂŒdlichen Niedersachsen bis zu den Alpen ĂŒberregional zu finden sind. Die grĂ¶ĂŸte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den SĂŒden vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu 35-37 mm.

Fehlt zu guter Letzt noch das „i-TĂŒpfelchen“, nĂ€mlich die Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/ThĂŒringen bis nach Franken, teils aber auch weiter sĂŒdlich zu finden sind. Gegen Abend verstĂ€rkt sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und erreicht Werte bis 25 m/s.

Die Zutaten fĂŒr hochreichende, schwere Konvektion sind am heutigen Dienstag durchaus gegeben: Neben Hebung u.a. durch das Höhentief kommt es zu hohen CAPE-Werten ĂŒber 1.000 J/kg, einem hohen Feuchtegehalt in der Luftmasse (PPW-Werte bis 37 mm) und guten Scherungsbedingungen, vor allem nachmittags und abends. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen) Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem frĂŒhen Nachmittag zunĂ€chst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und SĂŒden zu ziehen. Einzelne „NachzĂŒgler“ sind aber spĂ€tabends noch immer ĂŒber der Mitte möglich.

Die prognostizierte ReflektivitĂ€t fĂŒr 18 Uhr zeigt deutliche Hinweise auf schwere Konvektion, vor allem von der Mitte bis in den SĂŒden. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im Fokus, der lokal bis zu 40 l/mÂČ, strichweise sogar zwischen 40 und 60 l/mÂČ erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess eines Gewitters kann auch grĂ¶ĂŸerer Hagel ĂŒber 3 cm dabei sein, spĂ€ter ist mit grĂ¶ĂŸeren Hagelansammlungen zu rechnen.

Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar ĂŒber der Landesmitte, dem SĂŒden drohen vor allem nachmittags und abends abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr dazu im Laufe des Mittwochs.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Wie lange hÀlt die hochsommerliche Hitze an?

13. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Viel Sonne und hochsommerliche Temperaturen – so prĂ€sentierte sich der gestrige Sonntag in weiten Teilen Deutschlands. Verbreitet lagen die Temperaturen am Nachmittag bei um oder ĂŒber 30 Grad. Damit herrschte wieder einmal bestes Badewetter. Auch die dritte Juliwoche startet vor allem in der SĂŒdwesthĂ€lfte des Landes hochsommerlich heiß und sonnig.

Grund dafĂŒr ist Hoch LAURENT, dessen Einflussbereich sich bis nach Mitteleuropa erstreckt. Somit dominiert auch am heutigen Montag erneut hĂ€ufig die Sonne. Ganz störungsfrei verlĂ€uft der Tag jedoch nicht ĂŒberall. Ein Blick auf die Höhenwetterkarte zeigt ĂŒber Norddeutschland ein kleines Höhentief. Dadurch wird die Luftmasse dort im Tagesverlauf leicht instabil, sodass vereinzelte aber teils krĂ€ftige Schauer und Gewitter möglich sind. Am wahrscheinlichsten ist dies von Nordrhein-Westfalen bis nach Schleswig-Holstein. Lokal eng begrenzt ist bei diesen Gewittern heftiger Starkregen möglich.

In der Nacht auf Dienstag und am Dienstag macht sich dann zusĂ€tzlich im SĂŒden eine schwach ausgeprĂ€gte Tiefdruckrinne bemerkbar. Damit sind bereits in der Nacht im Ă€ußersten SĂŒden gewittrige RegenfĂ€lle möglich. Im Norden und der Mitte sind ebenfalls weiterhin vereinzelte Gewitter möglich. TagsĂŒber entwickeln sich dann im SĂŒden und der Mitte des Landes in der zunehmend schwĂŒlheißen Luftmasse vornehmlich ĂŒber dem Bergland teils krĂ€ftige Schauer und Gewitter. Dabei besteht lokal Unwettergefahr durch heftigen Starkregen! Im Norden ist die Gewitterneigung aufgrund einer vergleichsweisen recht trockenen Luftmasse deutlich geringer. Vereinzelte Entwicklungen können aber auch hier nicht ausgeschlossen werden.

Vorhersagekarte mit den Druckgebilden und Frontensystemen fĂŒr Dienstag, den 14.07.2026 um 12 UTC. In den SĂŒden gelangt schwĂŒlheiße gewittertrĂ€chtige Luft. Auf der RĂŒckseite des umfangreichen Hochs erreicht dagegen kĂŒhlere Luft den Nordosten Deutschlands. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Die Höchsttemperaturen erreichen am Dienstag in der SĂŒdwesthĂ€lfte 30 bis 35 Grad. Aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit wird die Hitze allerdings noch belastender empfunden. Nach Osten hin fallen die Temperaturen etwas niedriger aus, dennoch wird es auch dort verbreitet hochsommerlich warm bis heiß.

Am Mittwoch setzt sich von Nordwesten her wieder hĂ€ufiger die Sonne durch. Im SĂŒden und Osten treten in der weiterhin schwĂŒlwarmen bis heißen Luftmasse erneut Schauer und Gewitter auf. Gleichzeitig gehen die Temperaturen in der SĂŒdwesthĂ€lfte etwas zurĂŒck. Mit der Zufuhr trockenerer Luft aus Nordwesten nimmt dort zudem die WĂ€rmebelastung voraussichtlich etwas ab.

Am Donnerstag verlagert sich der Schwerpunkt des Höhentiefs etwas nach Nordwesten. Gleichzeitig nimmt es Verbindung auf mit einem Höhentrog ĂŒber Westeuropa. Damit gelangen in den SĂŒdwesten erneut wieder etwas heißere Luftmassen, sodass dort am Donnerstag wiederholt Höchstwerte von bis zu 34 Grad erreicht werden können.

Synoptische Übersicht fĂŒr Samstag, den 18.07.2026 um 12 UTC. Ein Höhentrog befindet sich ĂŒber Mitteleuropa. Allerdings gibt es noch Unsicherheiten bezĂŒglich der Lage und Ausdehnung. Quelle: Deutscher Wetterdienst

Am Freitag und zum Wochenende hin verlagert sich der Höhentrog nach Mitteleuropa. Damit nimmt nicht nur die Schauer und Gewittergefahr deutlich zu, sondern es gehen auch die Temperaturen sukzessive zurĂŒck. Wie stark die AbkĂŒhlung ausfĂ€llt ist allerdings noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. WĂ€hrend einige Modellösungen einen deutlichen RĂŒckgang der Temperatur sehen, zeigen andere lediglich eine moderate AbkĂŒhlung. Entscheidend ist dabei die genau Lage und Ausdehnung des Höhentrogs ĂŒber Mitteleuropa. Eines zeichnet sich jedoch bereits jetzt deutlich ab: Die langanhaltende, teils auch große Hitze im SĂŒdwesten des Landes ist ab dem kommenden Wochenende erst einmal vorbei!

Ensemblevorhersage der Temperatur in 850 Hektopascal, des Niederschlags und des Geopotentials in 500 Hektopascal fĂŒr Freiburg im Breisgau und Berlin. Zum Wochenende hin ist eine AbkĂŒhlung erkennbar. Allerdings gibt es noch grĂ¶ĂŸere Unsicherheiten darĂŒber wie stark diese ausfĂ€llt. Quelle: EuropĂ€isches Zentrum fĂŒr mittelfristige Wettervorhersagen

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

12. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die Entwicklung der Meteorologie um das Jahr 1750 beschrieben. In diesem Teil der Serie kommen wir in der Geschichte nur langsam vorwĂ€rts. Der Fokus liegt nun in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts. Neben BeitrĂ€gen zur allgemeinen Meteorologie richtet sich der Blick auf das erste grĂ¶ĂŸere meteorologische Messnetz sowie auf die Entdeckung der Stoffe in bzw. der stofflichen Zusammensetzung der Luft.

Der kroatische Mathematiker, Naturphilosoph und jesuitische Priester Rugjer Josip BoĆĄković (1711–1787) aus der Republik Ragusa (heute Dubrovnik) verfasste rund 70 Abhandlungen zu zahlreichen Themen, darunter Optik, Astronomie, Gravitation, Meteorologie, Trigonometrie, GeodĂ€sie und Baustatik. Er zĂ€hlt zu den letzten Universalgelehrten. BoĆĄković fĂŒhrte Beobachtungen der Aurora borealis durch und schĂ€tzte die Höhe der Aurora auf etwa 1000 km. DarĂŒber hinaus stellte er einige Hypothesen ĂŒber die Ursachen der Aurora auf.

Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713–1784) lieferte in der „EncyclopĂ©die, ou Dictionnaire raisonnĂ© des Sciences, des Arts et des MĂ©tiers“ eine der frĂŒhesten Definitionen der modernen Meteorologie. Er schrieb: „Aus der mit den Sinnen durchgefĂŒhrten Untersuchung von Wind, Regen, Hagel, Donner usw. ging die Betrachtung zur Ermittlung ihrer UrsprĂŒnge, Ursachen, Auswirkungen usw.Â ĂŒber und brachte die Wissenschaft hervor, die als Meteorologie bezeichnet wird.“ Diderot erörterte auch „Meteore“ (MĂ©tĂ©ores, comme vents, pluies, tempĂȘtes, tonnerres, aurores borĂ©ales usw. – „Meteore“, wie Winde, Regen, StĂŒrme, Donner, Nordlichter usw.). In der Sprache jener Zeit bezeichnete der Begriff „Meteor“ allgemein „einen Körper oder das Erscheinen eines Körpers in der AtmosphĂ€re, der aus dort schwebenden Stoffen gebildet wird“. Das heutige Wort „Meteorologie“ hat seinen Ursprung in diesem Sinne des Wortes „Meteor“.

Der französischer Mathematiker Jean-Baptiste le Rond d’Alembert (1717–1783) leistete Pionierarbeit bei der Anwendung partieller Differentialgleichungen in der Erforschung von Strömungsbewegungen. Seine Arbeiten zu diesem Thema erschienen erstmals in einer Studie ĂŒber Winde mit dem Titel „RĂ©flexions sur la cause gĂ©nĂ©rale des vents“ (Überlegungen zur allgemeinen Ursache der Winde), die er 1747 der Berliner Akademie vorlegte. Darin ging d’Alembert davon aus, dass die Winde durch GezeiteneinflĂŒsse auf die AtmosphĂ€re entstehen und dass die ErwĂ€rmung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Heute weiß man, dass die ErwĂ€rmung durch die Sonne der entscheidende Antrieb fĂŒr die atmosphĂ€rische Zirkulation und die Winde ist. Dennoch war d’Alemberts Arbeit mathematisch fundiert und stellte erstmals die Bewegungsgleichungen einer inkompressiblen FlĂŒssigkeit auf der zweidimensionalen ErdoberflĂ€che dar, dargestellt in sphĂ€rischen Koordinaten.

Der preußische Philosoph Immanuel Kant (1724–1804) aus Königsberg gilt als der grĂ¶ĂŸte Philosoph der Neuzeit. Er interessierte sich auch fĂŒr Naturwissenschaften. Er veröffentlichte Werke zur Ästhetik und Ethik sowie zu einer Vielzahl wissenschaftlicher Gebiete, darunter Physik, Astronomie, Geologie, Meteorologie, Anthropologie und Psychologie. In seinem Werk „Logik, Physische Geographie, PĂ€dagogik“ beschreibt er Prinzipien ozeanischer und atmosphĂ€rischer Strömungen.

Der kurpfĂ€lzische KurfĂŒrst Karl Theodor (1724–1799) grĂŒndete 1780 das erste internationale Netzwerk von Wetterbeobachtern, bekannt als „Societas Meteorologica Palatina“ oder „Mannheimer Meteorologische Gesellschaft“ als dritte Klasse der KurpfĂ€lzischen Akademie der Wissenschaften in Mannheim. In der GrĂŒndungsurkunde heißt es: „Die Wissenschaften, die einen unmittelbaren Einfluss auf des Menschen Leben und seine tĂ€gliche BeschĂ€ftigung haben, verdienen eine besondere Beachtung, Aufmerksamkeit und FĂŒrsorge. Aus diesen GrĂŒnden haben Seine KurfĂŒrstliche Durchlaucht die Witterungslehre ihres höchsten Schutzes gewĂŒrdigt und Anstalten treffen lassen, dass an mehreren wichtigen Orten der kurfĂŒrstlichen Erblanden, auch in anderen Gegenden Europas und der ĂŒbrigen Weltteile kĂŒnftig mit gleichartigen Instrumenten tĂ€gliche Beobachtungen gemacht und eingesammelt werden.“ Erster SekretĂ€r wurde der kurpfĂ€lzische Meteorologe, Physiker und Sprachwissenschaftler Johann Jakob Hemmer (1733–1790).

GrĂŒndungscharta und Stationen des Messnetzes 1781–1792 der Societas Meteorologica Palatina, Quelle: Peter Winkler, The early meteorological network of the Societas Meteorologica Palatina (1781–1792): foundation, organization, and reception, Hist. Geo Space. Sci., 14, 93–120 (History of Geo- and Space Sciences), 2023

SĂ€mtliche Beobachter wurden auswĂ€rtige Mitglieder der KurpfĂ€lzischen Akademie der Wissenschaften. Jeder Beobachter erhielt auf kurfĂŒrstliche Kosten einheitliche Messinstrumente, Beobachtungsanleitungen und Formulare zur Erfassung der Daten, um eine Vergleichbarkeit der Messergebnisse zu gewĂ€hrleisten. Die von Mannheim aus unentgeltlich zur VerfĂŒgung gestellten Messinstrumente waren zwei Thermometer, ein Barometer, ein Hygrometer und eine von Hemmer in Mannheim geeichte Deklinationsnadel. Weitere Messinstrumente wie Elektrometer zur Messung der LuftelektrizitĂ€t, Windmesser, Regenmesser und Verdunstungsmesser sollten vor Ort an den Messstationen selbst hergestellt werden. SĂ€mtliche Messungen sollten zu bestimmten Uhrzeiten erfolgen, tĂ€glich um 7, 14 und 21 Uhr, die als sogenannte Mannheimer Stunden bekannt wurden. DarĂŒber hinaus waren phĂ€nologische und nosologische Beobachtungen vorgesehen (Austrieb, BlĂŒte und Fruchtzeiten von Pflanzen, Ankunft und Abflug von Zugvögeln, VerĂ€nderungen und Krankheiten bei der Bevölkerung). Den Transport der Pakete und Briefe ĂŒbernahm die kurpfĂ€lzische Diplomatenpost. Insgesamt wurden 39 Stationen eingerichtet, die meisten in Mitteleuropa. Die westlichsten Station waren in Bradford und Cambridge (beide Massachusetts) in den Vereinigten Staaten sowie in GodthĂ„b (Nuuk) auf Grönland. Die östlichste Station war in Pyschminsk (in der heutigen Region Swerdlowsk) im Uralgebirge im Russischen Reich. Das Projekt scheiterte 1795.

Der Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph Johann Heinrich Lambert (1728–1777) aus dem damals zur Alten Eidgenossenschaft gehörenden MĂŒlhausen im Elsass vertrat die Auffassung, dass man in der Meteorologie wie auch schon in der Astronomie zunĂ€chst periodische PhĂ€nomene beobachten und dann versuchen sollte, ihre GesetzmĂ€ĂŸigkeiten abzuleiten. Nachfolgend sollte schließlich schrittweise die Theorie erweitert werden. Um mehr und bessere meteorologische Daten zu erhalten, schlug Lambert 1771 vor, ein weltweites Netz von Wetterstationen aufzubauen, in denen die verschiedenen Wetterbedingungen (Regen, Bewölkung, Trockenheit 
) erfasst werden sollten. Diese Methoden finden bis heute Anwendung. Er widmete sich zudem der Verbesserung der Messinstrumente und der Entwicklung prĂ€ziser Konzepte fĂŒr den Fortschritt der Meteorologie. Dies fĂŒhrte zu seinen 1769 und 1771 veröffentlichten Werken ĂŒber Hygrometrie und Hygrometer.

Der Mathematiker, Astronom und Abolitionist Benjamin Banneker (1731–1806) aus der Provinz Maryland gilt als erster afroamerikanischer Wissenschaftler. Er eignete sich seine naturwissenschaftlichen FĂ€higkeiten weitestgehend selbst an. Seinem astronomischen Interesse folgend, nutzte er seine mathematischen FĂ€higkeiten, um alle fĂŒr einen Almanach notwendigen Berechnungen anzustellen. In seinem ersten Almanach 1792 fanden sich Informationen ĂŒber Sonnenfinsternisse sowie Sonnenauf- und -untergangszeiten, dazu Wettervorhersagen, erwartete jahreszeitliche WetterverĂ€nderungen und VorschlĂ€ge zu wetterbezogenen Themen wie dem Anbau von Nutzpflanzen. Sein Almanach wurde in Nordamerika sehr beliebt und war sogar in England und Frankreich bekannt. Banneker veröffentlichte ihn ĂŒber einen Zeitraum von zehn Jahren jĂ€hrlich.

Benjamin Banneker auf seinem Almanach aus dem Jahr 1795, Quelle: Public Broadcasting Service (PBS), Arlington, Virginia, Vereinigte Staaten, ĂŒber Wikimedia Commons

Der britische Wissenschaftler James Six (1731–1791) ist bekannt fĂŒr seine Erfindung des Six-Thermometers im Jahr 1780, das allgemein als Maximal-Minimal-Thermometer bekannt ist. Er fĂŒhrte gemeinsam mit dem britischen Geistlichen Sir John Cullum (1733–1785) eine Reihe von thermometrischen Messungen an der Kathedrale von Canterbury durch. Diese Experimente zeigten, dass die Temperatur in BodennĂ€he nachts, insbesondere in klaren NĂ€chten, kĂ€lter wurde als die Luft darĂŒber – ein PhĂ€nomen, das heute als StrahlungskĂŒhlung des Bodens bekannt ist und das Six als „außergewöhnlich“ bezeichnete.

Der Name des Mathematikers Joseph-Louis Lagrange oder Giuseppe Luigi Lagrangia (1736–1813) aus dem Piemont steht in Verbindung mit einem gĂ€ngigen Bezugssystem, das in der Strömungsmechanik und der AtmosphĂ€renforschung verwendet wird und als Lagrange-Bezugssystem bekannt ist. In diesem System werden Messungen entlang der Strömungsbewegung vorgenommen, und die Bewegungsgleichungen werden in Bezug auf einen Punkt geschrieben, der sich mit der Strömung bewegt. In der modernen Meteorologie hat sich der Lagrange-Ansatz in Modellen der AtmosphĂ€re im Bereich der numerische Wettervorhersage als sehr nĂŒtzlich erwiesen.

Die folgenden beschriebenen Wissenschaftler leisteten einen erheblichen Beitrag zum allgemeinen VerstÀndnis des Aufbaus der Luft, wenn auch die erste breit aufgestellte Theorie des Phlogistons sich im Nachgang als Irrtum erwies.

Der britische Physiker und Chemiker Joseph Black (1728–1799) fand 1761 heraus, dass Eis beim Schmelzen WĂ€rme aufnimmt, ohne dabei seine Temperatur zu verĂ€ndern. Einige Jahre zuvor entdeckte er beim Erhitzen von Kalkstein Kohlendioxid („fixe Luft“) und erkannte, dass es schwerer als Luft war, die Verbrennungsflamme löschte, bei der Atmung entstand und Tiere tötete.

Der britische Physiker und Chemiker Henry Cavendish (1731–1810) aus Nizza Henry Cavendish war ein englischer Physiker und Chemiker. Er fĂŒhrte zahlreiche Experimente mit Gasen durch und war der Erste, der eine grobe Zusammensetzung der AtmosphĂ€re ermittelte: etwa 4/5 „phlogistische Luft“ (nach heutigem VerstĂ€ndnis hauptsĂ€chlich Stickstoff) und 1/5 „dephlogistische Luft“ (Sauerstoff). Cavendish zeigte außerdem, dass Wasser aus „entzĂŒndbarer Luft“ (Wasserstoff) und dephlogistisierter Luft besteht (Hinweis: zur Phlogiston-Theorie siehe Teil 8 der Serie Geschichte der Meteorologie). Cavendish interessierte sich fĂŒr angewandte Wissenschaften, darunter verschiedene Aspekte der Meteorologie. Mitte der 1770er Jahre fĂŒhrte er Untersuchungen zur WĂ€rme durch. Unter Verwendung der meteorologischen Instrumente der Royal Society entwickelte er Korrekturen fĂŒr Thermometeranzeigen, um diese genauer zu machen. 1783 veröffentlichte er eine Methode zur Bestimmung des Gefrierpunkts von Quecksilber (das unter sehr kalten Bedingungen gefrieren kann, wodurch Quecksilberthermometer bei diesen Temperaturen unbrauchbar werden). Bei einem Ballonaufstieg am 30. November 1784 in London wurden mehrere atmosphĂ€rische Messungen durchgefĂŒhrt und zudem Luftproben in verschiedenen Höhen entnommen. Cavendish fĂŒhrte eine chemische Analyse der Proben durch, um die Zusammensetzung der Luft in diesen verschiedenen Höhen zu bestimmen. Cavendish entwickelte eine Theorie der PartialdrĂŒcke, veröffentlichte diese jedoch nie. In einer 1790 veröffentlichten Arbeit schĂ€tzte er die Höhe der Aurora mithilfe der Triangulation auf 80–112 km. Ihm gelang es 1797 als erstem, in einem Experiment mittels einer Gravitationswaage mit zwei Körpern bekannter Masse ihre gegenseitige Anziehung zu beobachten, aus dem spĂ€ter die Gravitationskonstante bestimmt werden konnte. Indirekt konnte so auch auf die Masse der Erde geschlossen werden.

Der britische Theologe, Philosoph, Chemiker und Physiker Joseph Priestley (1733–1804) untersuchte die Eigenschaften von Gasen und entdeckte mehrere neue Gase, darunter 1774 eines, das er „dephlogistisierte Luft“ nannte. Er war der Ansicht, dass es sich dabei in gewisser Weise um eine besonders reine Form von Luft handelte, untersuchte dessen Eigenschaften jedoch nicht weiter. Heute ist es als Sauerstoff bekannt und damit gilt Priestley als der Entdecker von Sauerstoff.

Der Apotheker und Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) aus Schwedisch-Pommern fĂŒhrte in einer Apotheke in Uppsala ab 1770 chemische Experimente durch. Ein Jahr nach und unabhĂ€ngig von Priestley entdeckte er dabei den Sauerstoff und als erster Wissenschaftler Stickstoff als Bestandteile der Luft. Seine Entdeckung veröffentlichte er 1777 in seinem einzigen Buch „Chemische Abhandlung von der Luft und dem Feuer“.

Der französische Chemiker Antoine Laurent de Lavoisier (1743–1794) wird oft als „Vater der modernen Chemie“ bezeichnet. Vorangegangene Experimente mit Luft durch Priestley und Cavendish fĂŒhrten zu der Feststellung, dass Luft zu etwa 80 % aus „phlogistischer Luft“ und zu 20 % aus „dephlogistischer Luft“ besteht (siehe Teil 10 der Serie Geschichte der Meteorologie). Lavoisier wiederum untersuchte einige Eigenschaften dieser beiden Gase: Das eine unterstĂŒtzt Verbrennung und Oxidation (dephlogistische Luft, die er „OxygĂšne“, Sauerstoff, nannte), wĂ€hrend das andere inert (trĂ€ge) ist (phlogistische Luft, welche er mit „Azote“, Stickstoff, bezeichnete). Lavoisier fĂŒhrte auch Experimente mit Wasser durch und kam 1782 zu dem Schluss, dass es aus Wasserstoff (Cavendishs „entzĂŒndbare Luft“) und Sauerstoff besteht. Er entwickelte zwischen 1777 und 1789 seine Theorie der Sauerstoffverbrennung, nach der bei einer Verbrennung nicht Phlogiston entweicht, sondern Sauerstoff gebunden wird und widerlegte damit die Phlogistontheorie. Lavoisiers zweite wissenschaftliche Leidenschaft galt der Meteorologie. Im Alter von 20 Jahren begann er, in seinem Haus barometrische Beobachtungen durchzufĂŒhren, und erweiterte diese Arbeit spĂ€ter um Messungen von Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Windgeschwindigkeit und -richtung. Mit einer Idee, die ihrer Zeit weit voraus war, setzte er sich fĂŒr die Schaffung eines weltweiten Netzwerks von Wetterstationen ein und war an der GrĂŒndung eines informellen Netzwerks von Wetterkorrespondenten in Frankreich und anderen Teilen Europas beteiligt. Dieses Netzwerk versorgte das „Journal de Paris“ mit Wetterbeobachtungen, die es ab 1777 zu veröffentlichen begann. „Mit all diesen Informationen“, schrieb Lavoisier, „ist es fast immer möglich, ein oder zwei Tage im Voraus mit einer recht hohen Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wie das Wetter werden wird. Man geht sogar davon aus, dass es nicht unmöglich sein wird, tĂ€gliche Vorhersagen zu veröffentlichen, was fĂŒr die Gesellschaft sehr nĂŒtzlich wĂ€re“ (ƒuvres, 3, 771, veröffentlicht 1865). 1776 stellte Lavoisier fest, dass einige Temperaturwerte, die das 1732 entwickelte RĂ©aumur-Thermometer anzeigte, nicht mit denen ĂŒbereinstimmten, die mit neueren Instrumenten ermittelt wurden. Er legte daher genaue Regeln fĂŒr die Herstellung und Skalierung von Thermometern fest und ĂŒbergab der Akademie der Wissenschaften zwölf Standardmodelle. Lavoisier beschĂ€ftigte sich auch mit der atmosphĂ€rischen ElektrizitĂ€t und der Entstehung von Gewittern und wies 1781 mit Kollegen, unter anderem Volta, nach, dass Wasserstoff, Stickstoffmonoxid, Kohlendioxid und Wasserdampf beim Übergang vom flĂŒssigen in den gasförmigen Zustand elektrische Ladungen abgeben, die mit einem Elektrometer gemessen werden können.

Antoine-Laurent Lavoisier, Kupferstich von Louis Jean DĂ©sirĂ© Delaistre (1800-1871) nach einer Vorlage von Julien LĂ©opold Boilly (1796-1874), Quelle: „Le Plutarque français“, Band 6, Paris (Langlois et Leclercq) 1847, S. 47, ĂŒber Wikimedia Commons

Der Physiker Alessandro Volta (1745–1827) aus der Lombardei leistete wichtige BeitrĂ€ge zur Meteorologie und zur Erforschung von Gasen, insbesondere durch seine Entdeckung des Methans. Im Jahr 1783 zeigte Volta, dass sich Luft bei steigender Temperatur mit konstanter Geschwindigkeit ausdehnt. Er veröffentlichte dieses Ergebnis, doch seine Arbeit wurde ignoriert und geriet in Vergessenheit. Volta ist vor allem bekannt fĂŒr die Erfindung der Voltaschen SĂ€ule, der ersten funktionierenden Batterie. Im Rahmen seiner Forschungen zu Batterien entwickelte Volta mehrere neue GerĂ€te, unter anderem ein Elektrometer zur Messung der atmosphĂ€rischen ElektrizitĂ€t.

Der britische Chemiker und Botaniker Daniel Rutherford (1749–1819) bestĂ€tigte 1772 Scheeles Entdeckung von Stickstoff. Mehrere Versuche mit abgeschlossener Luft zeigten, dass diese nach einer erfolgten Verbrennung keine weitere mehr zuließ. Nach seiner Darstellung wurde Phlogiston in die Luft abgegeben, wobei Kohlendioxid gebildet wurde. Sobald das Kohlendioxid spĂ€ter absorbiert war, war die Luft immer noch erfĂŒllt von Phlogiston. TatsĂ€chlich war die Luft nach ihrer Auffassung gesĂ€ttigt, so dass Objekte nicht mehr brennen konnten. Aufgrund dieser Theorie nannte Rutherford das neu isolierte Gas „phlogistische Luft“. Heute ist es als Stickstoff bekannt.

Das nÀchste Thema des Tages wird den zweiten Abschnitt zur Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts behandeln.

Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/07/Geschichte-der-Meteorologie-–-Teil-10-1.png 824 619 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-07-12 16:48:352026-07-14 00:04:44Geschichte der Meteorologie – Teil 10: Meteorologie Ende des 18. Jahrhunderts (a)

Supertaifun BAVI

11. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bereits Ende Juni wurde auf Satellitenbildern die Entwicklung einer Störung ĂŒber den Marshallinseln erkannt. ZunĂ€chst handelte es sich um ein normales Tiefdruckgebiet, das sich erst nordwĂ€rts und spĂ€ter westwĂ€rts verlagerte. Dabei entwickelte sich aus dem tropischen Tiefdruckgebiet westlich der Marshallinseln rasch ein tropischer Sturm. Anfang Juli wurde das Tief von der japanischen meteorologischen Agentur (JMA) auf den Namen BAVI getauft. Bei niedriger Windscherung (um 15 Kilometer pro Stunde) und hoher Wassertemperatur (knapp 30 Grad) konnte sich das Tief rasch zu einem Taifun und schließlich Supertaifun (Windgeschwindigkeiten ĂŒber 252 km/h) entwickeln. BAVI ist nach SINLAKU der zweite heftige Taifun der laufenden Saison.

BAVI: bisherige Zugbahn von der Störung bis zum Taifun, erstellt mit Daten des JTWC in google earth (Quelle:JTWC+google earth)

BAVI traf am 05. Juli auf den nördlichen Teil der Insel Rota (zugehörig zu den Marianeninseln) und zog west-nordwestwÀrts weiter. Die JMA schÀtzte bei einem Kerndruck von 910 Hektopascal (hPa) die Windgeschwindigkeiten auf 205 Kilometer pro Stunde (km/h). Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) ging hingegen von Windgeschwindigkeiten um 285 km/h und einem Kerndruck von 901 hPa aus. Damit wÀre BAVI einer der stÀrksten Taifune, der auf den Nördlichen Marianen je verzeichnet wurde.

Vom 07. auf den 08. Juli erreichte BAVI philippinisches Hoheitsgebiet und bekam den Namen INDAY. Zunehmende Windscherung und kĂŒhleres Wasser sorgten fĂŒr die AbschwĂ€chung des Systems. Ein subtropischer RĂŒcken lenkte es zudem nordwĂ€rts ab, sodass die Philippinen nicht getroffen wurden.

Aktuell (11.07.2026, 11 Uhr MESZ) trifft BAVI mit einem Kerndruck unter 984 hPa als Taifun der Kategorie 1 etwa 200 Kilometer sĂŒdlich der Stadt Hangzhou auf den SĂŒdosten Chinas. Die Behörden vor Ort haben schon vor Tagen vor dem Taifun gewarnt. Innerhalb von 24 Stunden ist mit Regensummen zwischen 150 und 250 Liter pro Quadratmeter (l/mÂČ) zu rechnen. Laut einiger Lokalmodelle sind sogar Regensummen um 300 l/mÂČ möglich. Die Windgeschwindigkeiten werden nach Auftreffen auf Land zwar rasch abnehmen, anfangs sind aber vor allem im KĂŒstenbereich Ostchinas Böen bis 220 km/h möglich.

Vorhersage der weiteren Zugbahn des Taifun BAVI, Stand: 11.07.2026 9 UTC (Quelle:JTWC)

Beim Überqueren der sĂŒdlichen Inseln der japanischen PrĂ€fektur Okinawa in den vergangenen 24 Stunden wurden Windböen bis zu 135 km/h registriert. Außerdem fielen an der Station Miyakojima bis Samstagmorgen (mitteleuropĂ€ischer Zeit) 157 l/mÂČ an der Station Iriomotejima 123 l/mÂČ in 24 Stunden.

Diplom-Meteorologin Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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Trockenheit im SĂŒdwesten Deutschlands

10. Juli 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Der SĂŒdwesten Deutschlands erlebt derzeit eine ausgeprĂ€gte Trockenphase. Bereits im FrĂŒhjahr sorgten hĂ€ufige Hochdruckwetterlagen fĂŒr ein deutliches Niederschlagsdefizit. Zwar folgte auf die erste Hitzewelle Ende Mai vorĂŒbergehend eine kĂŒhlere und wechselhaftere Witterungsphase mit zahlreichen Schauern und einzelnen Gewittern, die gefallenen NiederschlĂ€ge reichten jedoch bei weitem nicht aus, um das zuvor entstandene Defizit auszugleichen.

WĂ€hrend der anschließenden außergewöhnlich intensiven Hitzewelle Ende Juni blieb nennenswerter Regen erneut weitgehend aus. Abgesehen von einzelnen, im FlĂ€chenmittel wenig ergiebigen Gewittern fiel kaum Niederschlag. Gleichzeitig stieg bei Höchsttemperaturen von örtlich ĂŒber 40 °C die Verdunstung auf ein sehr hohes Niveau. Mit dem Ende der Hitzewelle zogen zwar grĂ¶ĂŸere Gewitterkomplexe ĂŒber Teile des SĂŒdwestens hinweg und brachten regional krĂ€ftige RegenfĂ€lle. Ein Blick auf die Bodenfeuchte zeigt jedoch, dass das Wasser vielerorts nur die obersten Bodenschichten erreichte und somit lediglich vorĂŒbergehend fĂŒr Entlastung sorgte. Die tieferen Bodenschichten blieben dagegen weiterhin deutlich zu trocken.

Seit einigen Tagen hat sich ĂŒber Frankreich erneut eine ausgeprĂ€gte Hitzeglocke etabliert. WĂ€hrend der Nordosten Deutschlands unter dem Einfluss vergleichsweise kĂŒhler Meeresluft wiederholt von Schauern und Gewittern profitierte, blieb es im SĂŒdwesten am Rand des Hochdruckgebietes bislang trocken. Die Kombination aus hohen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und zeitweise lebhaftem Wind ließ die Verdunstung weiter ansteigen und trocknete insbesondere den Oberboden innerhalb kurzer Zeit erneut deutlich aus.

Der Bodenfeuchtemonitor zeigt einen ausgetrockneten Oberboden (0-10 cm) im SĂŒdwesten.

Ursache der wiederkehrenden Trockenphasen ist die großrĂ€umige Zirkulation ĂŒber Europa. Seit dem FrĂŒhjahr etablierten sich immer wieder blockierende Hochdruckgebiete ĂŒber West- und Mitteleuropa. Diese unterbrechen oder verlagern die fĂŒr Mitteleuropa typische West-Ost-Zugbahn der Tiefdruckgebiete, sodass niederschlagsbringende Frontensysteme hĂ€ufig nach Norden oder SĂŒden abgelenkt werden. Zwischenzeitlich gelangten zwar mit westlichen Strömungen etwas kĂŒhlere und feuchtere Luftmassen nach Deutschland, diese gingen jedoch meist nur mit schauerartigem Regen einher und brachten kaum flĂ€chendeckende, ergiebige NiederschlĂ€ge. Auch großrĂ€umige Gewitterkomplexe, die im Sommer hĂ€ufig fĂŒr eine nachhaltigere Wasserversorgung sorgen, traten bislang nur selten auf.

Auch wenn die derzeitige Wetterlage durchaus Parallelen zum DĂŒrresommer 2018 aufweist, ist die Situation nach aktuellem Stand noch nicht vergleichbar. Dennoch zeigen sich bereits deutliche Auswirkungen der anhaltenden Trockenheit. Viele Pflanzen leiden unter Trockenstress, die WasserstĂ€nde zahlreicher FlĂŒsse gehen zurĂŒck und die Waldbrandgefahr ist in weiten Teilen des SĂŒdwestens hoch.

Der Waldbrandgefahrenindex zeigt fast ĂŒberall eine hohe Waldbrandgefahr in den nĂ€chsten Tagen.

Auch in den kommenden Tagen zeichnet sich zunĂ€chst keine grundlegende Änderung der Wetterlage ab. Es ist trocken und im SĂŒdwesten auch hochsommerlich heiß. Erst zum Ende der kommenden Woche deuten die Wettermodelle auf zunehmenden Tiefdruckeinfluss hin. Damit wĂŒrde feuchtere und zunehmend schwĂŒle Luft nach Deutschland gelangen, wodurch das Potenzial fĂŒr krĂ€ftige Schauer und Gewitter ansteigt. Im weiteren Verlauf deutet sich aus heutiger Sicht eine RĂŒckkehr zu einer gemĂ€ĂŸigt temperierten Westwetterlage mit zeitweiligen NiederschlĂ€gen an, sodass die Trockenheit ab dann voraussichtlich gelindert wird.

Diplom Meteorologe Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.07.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

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