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Frag doch mal die Maus

10. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Am vergangenen Samstag, den 07. März, feierte die Maus aus der vom WDR produzierten „Sendung mit der Maus“ ihren 55. Geburtstag. Die von der Illustratorin Isolde Schmitt-Menzel erfundene Zeichentrickfigur hatte am 07. März 1971 ihren ersten Fernsehauftritt. Seither hilft die Maus Generationen von Kindern und junggebliebenen Erwachsenen bei der Beantwortung jeglicher Fragen. Ein kleiner Funfact: Obwohl die Sendung hauptsächlich für Kinder konzipiert ist, liegt das Durchschnittsalter der ZuschauerInnen bei knapp 40 Jahren.

Die orangefarbene Maus mit ihren braunen Ohren und ihrem charakteristischen Augenklimpern hat sich über die Jahrzehnte im Wesentlichen nicht verändert. Seit dem 05. Januar 1975 wird sie vom blauen Elefanten und seit dem 11. Januar 1987 auch von der gelben Ente begleitet. Treue Maus-Fans kennen zudem die verschiedenen Moderatoren. Die drei Dienstältesten dabei sind: Armin Maiwald (seit 1971, also von Beginn an), Christoph Biermann (seit 1983) und Ralph Caspers (seit 1999).

Der Hauptsendetermin der 30 Minuten dauernden Sendung ist in der ARD in der Regel sonntags um 09:30 Uhr, im KiKA erfolgt die Ausstrahlung sonntags um 11:30 Uhr, was der ursprünglichen Sendezeit entspricht. Inzwischen wurden mehr als 2.500 Sendungen produziert. Das Konzept ist einfach und doch genial. Bereits der Vorspann macht deutlich, um was es geht: Lach- und Sachgeschichten. Lachgeschichten sollen unterhaltsam sein, Sachgeschichten wiederum dienen der Wissensvermittlung. Getrennt werden die Elemente durch kurze Clips mit der Maus.

Bei den Sachgeschichten wird die Herstellung oder Funktionsweise von Gegenständen erläutert oder es wird erklärt, warum etwas so ist, wie es ist. Daneben werden Zuschauerfragen aufgegriffen und beantwortet. Durch die Aktion „Frag doch mal die Maus“ entwickelte sich eine separate Quizshow, die seit 2005 mehrmals im Jahr am Samstagabend zur Primetime um 20:15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird.

Bekannte Fragen hierbei sind: „Wie kommen die Löcher in den Käse?“ „Und wie die Streifen in die Zahnpasta?“ Natürlich wurden auch schon meteorologische Themen behandelt. So wurde beispielsweise die Frage beantwortet, warum der Himmel blau ist (Video zur Frage „Warum ist der Himmel blau?“).

Treuen Zuschauerinnen und Zuschauern wird insbesondere in Erinnerung geblieben sein, wie die Maus (bei einer weiteren Weltraummission auch der Elefant) Alexander Gerst zur Internationalen Raumstation begleiten durfte. Daneben war besonders der Bau und die Inbetriebnahme des Flugzeugs Airbus A321 D-AIRY „Flensburg“ eindrücklich, was 2003 in neun Episoden ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2015 war Christoph auch hier bei uns im Deutschen Wetterdienst zu Besuch mit der Frage, wie der Wetterbericht funktioniert (Video zur Frage „Wie funktioniert der Wetterbericht?“).

Interessant waren auch immer wieder die Sommerreisen oder Sommer-Sachgeschichten, bei denen über mehrere Wochen pro Sendung eine Episode ausgestrahlt wurde. Im Jahr 2022 wurde in sechs Teilen das Klima, der Klimawandel und klimafreundliches Handeln thematisiert (Beitrag mit Videos zu Klima, Klimawandel und klimafreundlichem Handeln).

Wenig verwunderlich ist, dass die Maus auch in Büchern jedweder Art vertreten ist: Von Gute-Nacht-Geschichten und Wimmelbüchern über Kochbücher bis hin zu den wissensvermittelnden Büchern der Reihe „Frag doch mal …“. Ein Band ist hierbei dem Klima und dem Wetter gewidmet. In diesem werden beispielsweise die Fragen beantwortet, was der Unterschied zwischen Wetter und Klima ist und warum es im Sommer warm und im Winter kalt ist.

Es ließe sich nun endlos weiter ausführen, was in der „Sendung mit der Maus“ alles schon erklärt wurde. Je nach Interesse wird man durch Recherche fündig. Und falls nicht: Frag doch mal die Maus! In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, liebe Maus und auf mindestens weitere 55 Jahre!

M.Sc. (Meteorologin) Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/09/DWD-Logo.png 500 500 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-10 23:18:062026-05-11 14:05:50Frag doch mal die Maus

Ozeanische Strömungen

9. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Luftströme in der Atmosphäre sind Alltag für uns Meteorologen im Vorhersagedienst. Auch in den Themen des Tages wird des Öfteren beispielsweise eine kalte Nordströmung oder eine feuchtwarme Südwestströmung erwähnt. Heute wollen wir ein Stockwerk tiefer gehen und uns die Ozeane anschauen.

Auch im Meerwasser gibt es Mechanismen, die der Atmosphäre ähneln. Die grundlegenden physikalischen Prinzipien und (Bewegungs-) Gleichungen sind sogar dieselben. Wie die Luft in der Atmosphäre hat kaltes Wasser eine höhere Dichte als warmes Wasser und sinkt somit in größere Tiefen hinab. Der ein oder andere hat hier bestimmt gestutzt – und das zurecht. Denn es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied. Wasser weist im Temperaturbereich von +4 bis 0 °C eine Dichteanomalie auf. Das heißt in diesem Intervall ist die Dichteänderung genau umgekehrt: 0 °C kaltes Wasser ist leichter als +4 °C „warmes“ Wasser.

Im Gegensatz zu Luft muss für Wasser nicht nur die Temperatur, sondern zusätzlich der Salzgehalt (auch Salinität genannt) berücksichtigt werden. Hier gilt: Je salziger das Wasser ist, desto höher ist die Dichte. Durch diese beiden Bausteine wird eine weltumspannende Zirkulation in den Tiefen der Ozeane in Gang gesetzt, die thermohaline Zirkulation genannt wird.

Abbildung 1: Skizze der thermohalinen Zirkulation, blau: Tiefsee, rot: Oberfläche. Salzgehalt des Meeres farbig hinterlegt. Markiert sind Übergangspunkte, an denen das Wasser absinkt. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 9 (Von Robert Simmon, NASA. Via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

In Abbildung 1 ist der Kreislauf skizziert. Beginnen wir an den Punkten, die mit „deep water formation“ (deutsch: Tiefenwasserbildung) gekennzeichnet sind. Diese liegen einerseits auf hohen geographischen Breiten in der Nähe der Antarktis und der Arktis. Dort kühlt das Wasser an der Meeresoberfläche ab. Wie oben beschrieben, steigt dadurch die Dichte. Gleichzeitig finden dort noch andere Prozesse statt. Teile des Meerwassers gefrieren und bilden Eis, zusätzlich spielt die Wasserverdunstung auch eine Rolle. In beiden Prozessen bleibt das Salz im Meer „übrig“, dadurch steigt der Salzgehalt und somit auch die Dichte. In Abbildung 2 ist die Verteilung der Dichte an der Meeresoberfläche dargestellt. Die angesprochenen Regionen stechen durch ihre rot eingefärbten Werte hervor.

Abbildung 2: Verteilung der jährlich gemittelten Seewasserdichte an der Meeresoberfläche. Tendenziell ist die Dichte im Bereich der Pole erhöht und am Äquator niedriger. Quelle: Webb, Paul: „Introduction to Oceanography“, Kapitel 6 (Von Plumbago via Wikimedia Commons https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)

Das kalte und salzige Meerwasser sinkt nun in die tieferen Ozeanschichten. In diesen Tiefen wird es dann auf verschiedenen Wegen in fast alle sieben Weltmeere transportiert (blaue Linien). Nach und nach mischt es sich mit wärmeren Wassermassen und steigt langsam an die Oberfläche. Das passiert vor allem im Pazifischen und im Indischen Ozean. Von dort tritt es seinen Rückweg an (rote Linien). Der uns wohl bekannteste Zweig dieses Systems ist der Golfstrom, der warmes Wasser von der Karibik in Richtung Europa bringt und dadurch das Klima in Nordwesteuropa milder gestaltet. Aber auch der Agulhasstrom an der Südspitze Afrikas oder der Kuroshio bei Japan gehören zu diesem System dazu.

Stellen wir uns vor wir würden uns heute ein Wasserpaket „aussuchen“ und es nachverfolgen. Um diese Weltreise zu durchlaufen würde ein Menschenleben nicht ansatzweise ausreichen. Über 1000 Jahre ist das Wasser quer durch die Ozeane unterwegs, bevor es wieder am Ausgangspunkt angelangt.
Doch auch diese Zirkulation ist äußeren Einflüssen unterworfen. Die IPCC-Berichte sammeln eine immense Menge an Informationen und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Klimaveränderungen. Im letzten Bericht (siehe Link 1) aus dem Jahr 2021 wird beschrieben, dass die globale Erwärmung in Folge des Klimawandels es sehr wahrscheinlich macht, dass sich der nordatlantische Teil der Zirkulation in diesem Jahrhundert verlangsamen wird. Ein Grund dafür ist, dass die Eisschmelze Frischwasser in die Bereiche führt, in denen das Wasser absinkt. Das wirkt dem Dichteanstieg entgegen und verlangsamt das System. Die Stärke dieser Abschwächung ist dabei jedoch sehr ungewiss. Ein plötzlicher Kollaps der Zirkulation tritt jedoch mit mittlerer Konfidenz nicht ein. Der komplette Stopp der Warmwasserzufuhr und ein Katastrophenszenario wie es beispielsweise im Film „The Day After Tomorrow“ thematisiert wird, ist also nicht wahrscheinlich. Trotzdem ist das Klima schützenswert, denn die Vorgänge sind komplex und mögliche Folgen oft schwer zu durchschauen.

M.Sc. (Meteorologe) Fabian Chow
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Ozeanische-Stroemungen-1.png 690 1100 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-09 21:57:042026-05-11 14:05:15Ozeanische Strömungen

Gewitter und Saharastaub

8. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.

Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an den Staubpartikeln in der Atmosphäre.

Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen als ursprünglich prognostiziert.

Analysekarte für Sonntag, den 08.03.2026 um 12 UTC. Weiterhin bestimmt hoher Luftdruck das Wettergeschehen in weiten Teilen Mitteleuropas. (Quelle: DWD)

Vorhersage der Staubkonzentration über Europa für Montag, den 09.03.2026 um 06 UTC. Erhöhte Staubkonzentrationen befinden sich vor allem über Südwest- und Westdeutschland. (Quelle: DWD)

Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.

Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal höher als an Tagen ohne Hagel.

Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr unterkühlte Wassertröpfchen bilden – ein entscheidender Prozess für die Entstehung von Hagel.

Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter kann teilweise unterdrückt werden.

Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden. Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann langlebige Gewitterzellen fördern.

Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen – ein wichtiger Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können dadurch häufiger auftreten.

Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Gewitter-und-Saharastaub-1.png 910 1280 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-08 14:29:562026-05-11 14:04:47Gewitter und Saharastaub

Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick

7. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Keine Frage, beim Thema der Gewittervorhersage fließen unzählige Informationen in die Entscheidungsfindung ein, und es kommen einige Fragen auf. Welche Begleiterscheinungen wie Hagel, Starkregen oder Böen werden mit den Gewittern bevorzugt auftreten? Darf sich der Warnmeteorologe/die Warnmeteorologin im Dienst (und letztendlich auch die Bevölkerung) nur auf kurzlebige Gewitter einstellen, die hier und da einen Regenguss mit etwas Wind bringen, oder fördern die Bedingungen langlebige Konvektion, die mit allen Schikanen einhergeht und über Stunden durch die Landschaft zieht? Diese Art der Vorhersage wird u.a. mit Hilfe der „Zutatenmethode“ durchgeführt und zielt auf eine rechtzeitige Abschätzung des Gewitterpotenzials teils mehrere Tage im Voraus ab (Link 1).

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der Folge im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen umfassen gleichermaßen weibliche, männliche und diverse Personen, sodass alle Personen damit selbstverständlich gleichberechtigt angesprochen werden.

Heute interessiert uns aber nicht der Zeitraum vor der Entwicklung von Gewittern, sondern wir schauen uns die Ausgangslage an, wo sich die Gewitter bereits entwickelt haben, und zwar aus dem Blickwinkel eines Warnmeteorologen. Ein Warnmeteorologe ist dafür zuständig, Warnungen rechtzeitig zu erstellen und diese zeitnah an die Kunden zu verschicken. Dafür ist er beim Deutschen Wetterdienst in der glücklichen Position, unzählige Werkzeuge zur Hand zu haben, mit denen er die Gewitterzellen genau verfolgen und ggf. korrigierend ins Warnwesen eingreifen kann. Eines dieser Werkzeuge ist das Wetterradar.

Die Analyse von Radarbildern stellt eine sehr komplexe und äußerst umfangreiche Aufgabe dar, weshalb wir uns heute der Übersicht wegen nur auf einen sehr kleinen Teilaspekt der Radarsignaturerkennung fokussieren. Bei der Gewitteranalyse mit Hilfe eines Wetterradars steht besonders die Frage im Raum, wie organisiert (und folglich auch schadensträchtig) das Gewitter in Echtzeit ist. Auch das heftigste Gewitter fängt mal klein und schwach an, kann jedoch unter bestimmten Bedingungen (siehe „Zutatenmethode“) innerhalb kürzester Zeit an Intensität und somit auch an Gefahrenpotenzial gewinnen. Der Meteorologe muss daher die zahlreichen Hinweise und Signaturen im Radar erkennen und richtig deuten.

Bei einem organisierten Gewitter, das eine hohe Lebenserwartung hat und nicht selten mit unwetterartigen Begleiterscheinungen einhergeht, kann man z.B. im Radar einen rotierenden Aufwind erkennen. Wie ein Wetterradar solche Bewegungen erkennt, wurde u.a. im Thema des Tages vom 25. August 2021 beschrieben und kann dort gerne nachgelesen werden (Link 2). Wieso ist es von Interesse, ob ein Aufwind innerhalb eines Gewitters rotiert oder nicht? Wenn es zur Rotation kommt, dann sind die Ausgangsbedingungen für sogenannte Superzellen gegeben, die grob gesagt sehr dynamische Gewitter darstellen und meist mit den heftigsten Begleiterscheinungen einhergehen. Auch dazu gab es bereits diverse Themen des Tages, wie z.B. vom 28.07.2023 (Link 3) und auch mit beeindruckenden Bildern u.a. vom 29. August 2025 (Link 4).

Von großer Bedeutung bei der Analyse von Radarbildern ist die Information, wo sich das Radar im Vergleich zur analysierten Gewitterzelle befindet, denn nur dann kann man die Daten richtig interpretieren. Mit diesem Wissen kann man abschätzen, ob eine Bewegung auf den Radarstandort zu oder von diesem weg stattfindet. Bewegungen zum Radar werden z.B. mit grüner Farbe dargestellt, Bewegungen vom Radar weg in roter Einfärbung. Wichtig ist auch zu wissen, in welcher Höhe das Radargerät misst, denn der ausgesandte Radarstrahl gewinnt dank der Erdkrümmung zum Erdboden stetig an Höhe. Ob eine Rotation z.B. in 5 km über Grund oder bodennah vorhanden ist, hat natürlich für die aktuelle Erstellung von Gewitterwarnungen eine große Bedeutung.

Nehmen wir nun mal einen fiktiven Sommertag an. Die Sonne scheint, die Luftmasse ist drückend schwül und die Tage zuvor wurde bereits von den Meteorologen darauf hingewiesen, dass die Ausgangsbedingungen für Superzellen am heutigen (fiktiven) Tag sehr gut sind: hohe Windscherung, also eine Änderung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung mit der Höhe und eine feuchte sowie energiereiche Luftmasse überlagern sich. Dass die Hebung ausreicht, ist beim Blick auf das Wetterradar ersichtlich, denn es haben sich soeben die ersten Gewitter entwickelt, die vom Warnmeteorologen argwöhnisch beobachtet werden. Dabei richtet sich der Blick rasch auf die Information vom Wetterradar, die uns die Bewegungskomponente der Niederschlagsteilchen anzeigt. Dabei sieht er, wie bei einem Gewitter die rote Farbe (Bewegung weg vom Radar) und die grüne Farbe (Bewegung zum Radar hin) sehr nahe beieinander liegen. Als visuelles Beispiel dienen die Fälle vom 15. September 2025 bei Fürstenwalde/Spree (BB) sowie vom 25. Mai 2025 in der Nähe von Güstrow (MV).

Bild 1: Radarbild (Geschwindigkeitsfeld) vom 15. September (1a bis 1d) sowie vom 25. Mai 2025 (1e)

An beiden Tagen handelte es sich in der Tat jeweils um einen rotierenden Aufwind. Für den 15. September wurde die Herangehensweise gezeigt, wie man (gedanklich) nachweist, dass es sich in der Tat um eine reine Rotation gehandelt hat. Die Bilder 1b bis 1d heben im Zoom direkt die Rotation mit nahe beieinander liegenden Windmaxima hervor, die vom Radar weg (rot) und auf den Radarstandort zu zeigen (grün). In 1d wurde in gelber Farbe ein fiktiver Radarstrahl eingezeichnet (durchgezogene Linie). Liegen die beiden Windmaxima normal und nahezu in demselben Abstand zu der gelben Linie (gestrichelt), dann liegt eine reine Rotation vor (mit ähnlicher Signatur eines Rankine-Wirbels). Mit dieser Erkenntnis lassen sich nun Rückschlüsse treffen, wie sich das Windböen- und/oder Tornadopotenzial zeitnah entwickelt.

Von Bedeutung ist auch, wie fokussiert die Rotation im Wetterradar erscheint. Während diese bei Fürstenwalde (15. September) sehr kompakt ausfällt, sieht sie am 25. Mai (Bild 1e) deutlich diffuser und schwächer aus. Sollten zahlreiche weitere Umgebungsbedingungen günstig sein, dann muss man bei beiden Signalen auf jeden Fall mit einer erhöhten Gefahr vor Windböen rechnen. Besonders bei der Rotation nördlich von Fürstenwalde kann aber auch ein Tornado nicht ausgeschlossen werden, wobei aber dieser vor allem in dieser Entfernung nicht direkt vom Radar erfasst wird.

Man darf nicht vergessen: Dies ist nur ein Höhenbereich (eine Radarelevation), der hier betrachtet wurde. In Echtzeit muss der Warnmeteorologe noch alle anderen Radarelevationen anschauen und analysieren, wie hochreichend die Rotation ist, ob es Intensivierungs- oder Abschwächungshinweise beim Aufwind gibt und vieles, vieles mehr.

Doch wie so oft in der Natur gibt es nicht nur das Eine (eine reine Rotation), sondern auch zahlreiche Mischformen. Dies wird versucht in der folgenden Skizze hervorzuheben.

Bild 2: Skizze der Rotation und Vergenzen, die von einem Radar dargestellt werden.

Nun wird es noch spannender, aber auch komplexer bei der Interpretationsfindung, denn jetzt ergeben sich versetzte Maxima der Bewegungsfelder, die zudem auch nicht die gleiche Entfernung zum Radarstandort aufweisen. Dabei handelt es sich also nicht mehr um eine reine Rotation, sondern eher um eine die Rotation überlagernde Konvergenz (Zusammenströmen) oder Divergenz (Auseinanderströmen). Dieser Aspekt ist wichtig, denn im Falle einer zyklonalen Konvergenz (gegen den Uhrzeigersind) befindet sich z.B. ein rotierender Aufwind in der Intensivierungsphase und bietet dadurch dem Warnmeteorologen etwas Vorlauf, um Intensitätsänderungen der Gewitter abschätzen zu können. Als Beispiel dient der 15. Juli 2025 (Bild 3).

Bild 3: Radarbild vom 15. Juli 2025 um 11 UTC (3a bis 3c) sowie um 11:15 UTC (3d bis 3f).

Die gelbe Linie stellt einen fiktiven Radarstrahl dar und das Plus- und Minuszeichen jeweils die stärkste Bewegung zum Radar hin bzw. vom Radar weg. In 3c) erkennt man, dass die beiden Vorzeichen keinen Dipol in gleicher Entfernung zum Radar bilden, der Meteorologe hier aber eine zyklonale Konvergenz ausmachen kann (die rote Farbe liegt näher am Radar, hebt also eine Bewegung weg vom Radar hervor, während die Bewegung zum Radar mit der grünen Farbe links davon liegt und die zyklonale Natur der vorhandenen (kleinräumigen) Rotation anzeigt, eingebettet in umfangreicher Konvergenz). Der Warnmeteorologe weiß also, dass man auf diese Gewitterzelle besonders Acht geben muss und dass die Warnung ggf. zeitnah verschärft werden muss. Nur 15 Minuten später (Bild 3d bis 3f) liegen beide Vorzeichen in gleicher Entfernung zum Radar und bilden einen fokussierten Dipol. Zu dem Zeitpunkt kann man (bei günstigen Umgebungsbedingungen) auch die Bildung eines Tornados nicht ausschließen. Mit der Analyse vom Radar ergibt das eine Vorlaufzeit von zumindest 10 min, was bei der Gewittervorhersage viel (und wertvolle) Zeit darstellt.

Diese Gegensätze der Bewegung enden jedoch nicht bei einer Rotation, sondern können auch in einer Linie auftreten.

Bild 4: Radarbild vom 26. Juni 2025 sowie vom 15. Juli 2025 (4a und 4b: oben Reflektivität, unten Geschwindigkeitsfeld).

Dabei kann ein Warnmeteorologe z.B. einen Bereich herausarbeiten, wo ein zeitnah auftretendes und sehr lokales Windmaximum auftreten kann (Abwind, engl. „downburst“), das je nach Intensität auch mit Orkanböen für Furore sorgt (Bild 4 a, Reflektivität oben und Geschwindigkeitsfeld unten). Man erkennt hier, dass die grüne Einfärbung näher am Radarstandort zu finden ist als die rote Einfärbung und somit ein bodennahes Ausfließen dargestellt wird. Im Beispielbild erkennt man, wie lokal so ein Ereignis ausfallen kann.
In Bild 4b sind die Vorzeichen verkehrt und hier erkennt der Warnmeteorologe starke Konvergenz, also Zusammenströmen der Luftmassen. Dies ist ein Anzeichen, dass die Konvektionslinie sehr kräftig ist und entsprechende Begleiterscheinungen wie starke Böen wahrscheinlich sind. Auch bei dieser linienhaften Anordnung der Farben muss man sehr genau darauf achten, ob nicht irgendwo lokal die Rotation an Dominanz gewinnt, sodass wir z.B. wieder in den Bereich einer zyklonalen/antizyklonalen Konvergenz gelangen. Dies würde bedeuten, dass z.B. das Tornadopotenzial zeitnah/vorübergehend zunimmt.

Behält man nun auch noch im Hinterkopf, wie störanfällig ein Radarsignal sein kann (durch meteorologische oder andere Faktoren), so wird schnell klar, wie komplex und umfangreich die Radaranalyse ist, die vom Warnmeteorologen während einer Gewitterlage über Stunden durchgeführt werden muss. Natürlich findet eine gewisse Unterstützung von automatischen Verfahren statt, die jedoch nicht alles erkennen und ebenfalls der Störanfälligkeit beim Radar unterworfen sind.

An dieser Stelle soll nun aber der kurze Ausflug in die Interpretation von Radardaten beendet werden. Auch wenn die vergangenen Tage beim Blick aufs Radar sehr ruhig ausfielen, so hatten die Warnmeteorologen des Deutschen Wetterdienstes bereits Ende Februar dieses Jahres die ersten rotierende Aufwinde auf dem Bildschirm (Bild 5) – ein dezenter Hinweis, dass die Gewittersaison nun wirklich in den Startlöchern steht. Vielleicht können ja auch Sie das gewonnene Wissen bald bei der eigenen Gewitteranalyse anwenden.

Bild 5: Radarbild vom 23. Februar 2026 (links Reflektivität, rechts Geschwindigkeitsfeld)

Diplom-Meteorologe Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.03.2026
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Radaranalyse-an-einem-Gewittertag-1.png 824 1464 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-07 14:13:332026-05-11 14:04:23Radaranalyse an einem Gewittertag: Ein kleiner Einblick

Die Omegawetterlage

6. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von WINDINFO

Bisher sorgte anhaltendes Hochdruckwetter für einen trockenen und ungewöhnlich warmen Start in den März. Ursache ist eine sogenannte Omegawetterlage. Diese stellte sich Ende Februar ein, als es im Nordosten Kanadas zu einem kräftigen Kaltlufteinbruch kam. Dabei fließt die Kaltluft über dem vergleichsweise warmen Atlantik aus und sorgt dort für Tiefdruckbildung. Somit liegt über dem Nordatlantik ein sich immer wieder regenerierendes Höhentief, also ein Tiefdruckgebiet in höheren Luftschichten zwischen etwa 4 und 9 km Höhe.

Auf dessen Ostseite gelangt mit südlicher Strömung sehr warme Luft aus Nordafrika nach West- und Mitteleuropa. Dadurch hat sich ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa aufgebaut. Dieses kann jedoch nicht nach Osten abziehen, da sich über Westrussland ein weiteres Höhentief befindet. Eingekeilt zwischen diesen beiden Höhentiefs bleibt die Lage des Hochdruckgebietes relativ stabil, sodass solche Wetterlagen meist über einen längeren Zeitraum hinweg bestehen bleiben.

Bei einer Omegalage nimmt die Höhenströmung die Form des griechischen Buchstabens Ω an, daher der Name. Solche blockierenden Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt. Dadurch wird der Westwindstrom umgelenkt oder unterbrochen und das Muster bleibt über längere Zeit nahezu stationär.

Zusätzlich wirkt der sogenannte Beta-Effekt: Er beschreibt, dass die Corioliskraft (scheinbare Ablenkung durch die Erdrotation) mit zunehmender geografischer Breite stärker wird und dadurch die Dynamik großräumiger Wellen im Jetstream beeinflusst. In ausgeprägten Wellenlagen trägt dieser Effekt dazu bei, dass sich das Muster nur langsam weiter verlagert und länger bestehen bleibt. In einer Omegalage unterstützt er somit die typische Wellenform der Höhenströmung und die Stabilität der Lage.

Die Karte zeigt die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche (in etwa 5 km Höhe) am Freitagmittag. Es zeigt ein kräftiges Höhenhoch über Mitteleuropa, flankiert von Tiefdruckgebieten. Die Höhenströmung nimmt dabei die Form eines Omegas an.

Das Meteosat Third Generation Echtfarbenbild vom 06.03.2026 Freitagmittag zeigt ein wolkenfreies Gebiet über Mitteleuropa, dass mit dem angesprochenen Höhenhoch zusammenhängt. Eine südliche Strömung führt dabei Luft aus Nordafrika heran, die mit Saharastaub beladen ist.

In den vergangenen Jahren häuften sich solche Omegalagen im Frühling, sodass es oft zu trockenen und warmen Phasen kam.

Auch am Wochenende bleibt die warme Luft aus Nordafrika wirksam und sorgt im Westen für Höchsttemperaturen von über 20 °C. Die Nächte bleiben jedoch weiterhin relativ frisch, teils sogar frostig. Verantwortlich dafür ist die vergleichsweise lange nächtliche Ausstrahlung in den meist klaren Nächten zu dieser Jahreszeit.

Ab Beginn der nächsten Woche wird die Omegalage dann allmählich abgebaut. Das Hoch verlagert sich ostwärts Richtung Russland und macht Platz für atlantische Tiefausläufer. Diese gestalten das Wetter vor allem im Westen zunehmend wechselhaft, besonders ab Mitte der nächsten Woche. Trotz einer leichten Abkühlung bleibt das Temperaturniveau dabei weiterhin über dem für Anfang März üblichen klimatologischen Mittel.

Die Höhenwetterkarte auf der 500-hPa-Niveaufläche für Mittwoch, den 11.03.2026 zeigt, dass sich das Omegahoch weitestgehend abgebaut hat. Die Strömung verläuft nun glatter von West nach Ost.

Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.03.2026
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Die-Omegawetterlage-1.png 872 1763 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2026-03-06 19:00:032026-05-11 14:03:09Die Omegawetterlage

Saharastaub – Herkunft, Transport und Bedeutung eines globalen Naturphänomens

5. März 2026/in Thema des Tages, Wetter, Wetterlexikon/von mark2

Mehrmals pro Jahr erreicht mineralischer Staub aus Nordafrika auch Mitteleuropa. In der Atmosphäre äußert sich das durch eine diffuse Trübung des Himmels, verringerte Fernsicht und bei Niederschlag durch rötliche Ablagerungen auf Oberflächen. Diese Ereignisse entstehen, wenn Luftmassen aus der Sahara in höhere Atmosphärenschichten gelangen und mit der großräumigen Strömung über Tausende Kilometer transportiert werden. Saharastaub gehört zu den wichtigsten natürlichen Aerosolen der Erde und beeinflusst atmosphärische Prozesse, Ökosysteme und Strahlungsbilanzen weit über den afrikanischen Kontinent hinaus.

Die Sahara als größte Staubquelle der Erde

Die Sahara ist mit rund neun Millionen Quadratkilometern die größte heiße Wüste der Erde. Sie erstreckt sich über große Teile Nordafrikas vom Atlantik bis zum Roten Meer. Entgegen dem verbreiteten Bild besteht die Wüste nur zu einem kleineren Teil aus Sanddünen. Etwa fünfzehn Prozent der Fläche sind Dünenfelder, während große Bereiche aus Fels und Schotterflächen sowie aus ehemaligen Seebecken bestehen.

Gerade diese Regionen liefern den größten Anteil des atmosphärischen Staubs. Feinkörnige Sedimente können dort leicht mobilisiert werden, da Vegetation fehlt und Böden häufig ungeschützt der Erosion ausgesetzt sind. Die Sahara gilt daher als wichtigste Quelle mineralischer Aerosole weltweit.

Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich zwischen etwa hundert Millionen und rund einer Milliarde Tonnen Staub aus Nordafrika in die Atmosphäre gelangen. Damit stammen etwa fünfzig bis siebzig Prozent der globalen Staubemissionen aus dieser Region.

Geologie und Zusammensetzung des Saharastaubs

Saharastaub besteht überwiegend aus mineralischen Partikeln, die aus der Verwitterung von Gesteinen und Böden stammen. Typische Bestandteile sind Quarz, Feldspäte, Tonminerale, Glimmer sowie verschiedene Carbonate. Viele dieser Mineralien enthalten Eisenverbindungen.

Die mineralische Zusammensetzung wirkt wie ein geologischer Fingerabdruck. Verschiedene Regionen der Sahara besitzen unterschiedliche Gesteinsarten und Sedimente. Dadurch lassen sich Staubproben häufig bestimmten Herkunftsgebieten zuordnen.

Eisenhaltige Minerale wie Magnetit oder Hämatit können dazu führen, dass Staubpartikel schwach magnetische Eigenschaften besitzen. Diese Eigenschaften sind eine direkte Folge der natürlichen Mineralogie der Ausgangsgesteine.

Entstehung des Staubs durch Verwitterung und Erosion

Der mineralische Staub entsteht durch langfristige geologische Prozesse. Mechanische Verwitterung durch starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht führt zur Zerkleinerung von Gesteinen. Zusätzlich wirken chemische Prozesse sowie gelegentliche Wasserumlagerungen während seltener Niederschläge.

Über lange Zeiträume entstehen dadurch feine Sedimente, die an der Oberfläche der Wüste liegen. Diese Sedimente werden ständig neu gebildet, da Verwitterung und Erosion fortlaufend Material aus dem Untergrund freilegen.

Physikalische Prozesse der Staubmobilisierung

Starke Winde können diese feinen Sedimente vom Boden lösen. Ein zentraler Prozess ist die sogenannte Saltation. Größere Sandkörner springen durch den Wind über die Oberfläche und schlagen beim Auftreffen kleinere Partikel aus dem Boden heraus.

Während die groben Sandkörner meist in Bodennähe bleiben, gelangen die feineren Staubpartikel in die Atmosphäre. Besonders effektiv geschieht dies bei Staubstürmen oder in Wetterlagen mit starken Druckgradienten.

Vertikaler Transport in die Atmosphäre

Damit Saharastaub über große Entfernungen transportiert werden kann, muss er zunächst mehrere Kilometer hoch in die Atmosphäre gelangen. Das geschieht durch turbulente Durchmischung der unteren Atmosphäre, durch konvektive Aufwinde und durch dynamische Hebungsprozesse in synoptischen Wetterlagen.

Vertikale Luftbewegungen können große Höhen erreichen. Thermische Aufwinde reichen häufig mehrere Kilometer hoch. In Gebirgsregionen können Aufwindsysteme sogar Höhen von über sechstausend Metern erreichen. In solchen Höhen wird der Staub von großräumigen Strömungen erfasst und über Kontinente hinweg transportiert.

Großräumige Transportwege in der Atmosphäre

Sobald Staub in höheren Atmosphärenschichten angekommen ist, kann er Tausende Kilometer weit transportiert werden. Ein bedeutender Teil des Staubs wird über den Atlantik transportiert und erreicht regelmäßig die Karibik sowie Teile Mittel und Südamerikas.

Ein anderer Transportpfad führt über das Mittelmeer nach Südeuropa und Mitteleuropa. In einzelnen Fällen gelangen Staubpartikel sogar bis in hohe Breiten der Nordhalbkugel.

Die Verweildauer solcher Aerosole in der Atmosphäre beträgt häufig ein bis zwei Wochen. Während dieser Zeit können sich Staubfahnen über sehr große Entfernungen ausbreiten.

Saharastaub in Europa

In Europa treten Saharastaubereignisse mehrmals pro Jahr auf. Typisch sind mehrere Episoden jährlich, bei denen Staub aus Nordafrika mit südlichen oder südwestlichen Luftströmungen über das Mittelmeer transportiert wird.

In der Atmosphäre verursacht der Staub häufig eine diffuse Trübung und eine gelblich bis rötlich gefärbte Luft. Bei Niederschlägen wird der Staub ausgewaschen und lagert sich auf Oberflächen ab. Dieses Phänomen wird umgangssprachlich als Blutregen bezeichnet.

Solche Ereignisse können auch kurzfristig die gemessenen Feinstaubkonzentrationen erhöhen und die Sichtweite deutlich reduzieren.

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

DWD Saharastaub-Statistik Anzahl der Tage

Globale ökologische Bedeutung

Saharastaub ist ein wichtiger Bestandteil globaler Stoffkreisläufe. Ein großer Teil der Partikel lagert sich über dem Atlantik ab. Dort liefert der Staub Mineralstoffe wie Eisen und Phosphor, die für das Wachstum von Phytoplankton wichtig sind.

Phytoplankton bildet die Grundlage vieler mariner Nahrungsketten und spielt eine zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.

Auch der Amazonasregenwald profitiert vom Staubeintrag aus Afrika. In tropischen Regionen werden Nährstoffe durch starke Niederschläge kontinuierlich aus den Böden ausgewaschen. Der Eintrag von Mineralien aus Saharastaub trägt dazu bei, diese Verluste teilweise auszugleichen.

Einfluss auf Schnee und Eis

Saharastaub kann bis in hohe Breiten transportiert werden und sich dort auf Schnee und Eis ablagern. Dunkle Partikel absorbieren mehr Sonnenstrahlung als helle Oberflächen. Dadurch kann die Schmelze lokal verstärkt werden, insbesondere während sonniger Perioden.

Historische Beobachtungen

Berichte über rötlich gefärbten Regen finden sich bereits in antiken Texten und später in mittelalterlichen Chroniken. Damals wurde das Phänomen häufig als ungewöhnliches Naturereignis interpretiert.

Erst im 19 Jahrhundert begann eine systematische wissenschaftliche Untersuchung. Während der Reise der HMS Beagle sammelte Charles Darwin Staubproben auf den Kapverdischen Inseln und erkannte, dass das Material vom afrikanischen Kontinent stammen musste.

Auch um die Wende zum 20 Jahrhundert existieren wissenschaftliche Veröffentlichungen über Staubtransporte aus Nordafrika nach Europa. Damit ist das Phänomen seit mehr als einem Jahrhundert dokumentiert.

Moderne Messmethoden und Beobachtungssysteme

Heute wird Saharastaub mit einer Vielzahl moderner Messmethoden untersucht. Satelliten liefern globale Bilder von Staubfahnen und zeigen ihre Ausdehnung über Kontinente und Ozeane hinweg.

Am Boden messen Aerosolstationen kontinuierlich die Konzentration von Partikeln in der Atmosphäre. Lidar Systeme senden Laserimpulse in die Atmosphäre und bestimmen daraus Höhe und Dichte von Staubschichten.

Zusätzlich werden Staubproben im Labor analysiert. Die mineralische Zusammensetzung ermöglicht Rückschlüsse auf die Herkunftsregion innerhalb der Sahara.

Vorhersage von Staubereignissen

Moderne Wettermodelle und Aerosolmodelle erlauben heute eine relativ genaue Vorhersage von Staubtransporten. Satellitendaten, atmosphärische Messungen und numerische Modelle werden kombiniert, um Transportwege und Konzentrationen zu berechnen.

Dadurch lassen sich Staubereignisse in Europa oft mehrere Tage im Voraus prognostizieren.

Bedeutung für Wetter Klima und Luftqualität

Aerosole wie Saharastaub beeinflussen mehrere Prozesse in der Atmosphäre. Sie können als Kondensationskerne für Wolkentröpfchen dienen und damit indirekt die Wolkenbildung beeinflussen.

Darüber hinaus wirken Staubpartikel auf die Strahlungsbilanz der Atmosphäre, da sie einfallende Sonnenstrahlung streuen oder absorbieren. Während intensiver Staubereignisse können sie auch kurzfristig die Luftqualität beeinflussen.

Quellen und weiterführende Informationen

https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2024/2/29.html
https://www.dwd.de/DE/forschung/atmosphaerenbeob/zusammensetzung_atmosphaere/aerosol/inh_nav/saharastaub_node.html
https://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Warum_ist_die_Erde_ueberhaupt_magnetisch.html
https://www.weltderphysik.de/gebiet/erde/erde/erdmagnetfeld/
https://books.google.de/books?id=4JHKBgAAQBAJ&pg=PA48

Aerosolmessungen Sonnblick Observatorium
Am Sonnblick Observatorium in den Hohen Tauern werden seit vielen Jahren hochalpine Aerosolmessungen durchgeführt. Die Station liegt auf etwa 3100 Metern Höhe und ist deshalb ideal geeignet, um Staub aus der freien Atmosphäre zu messen, der nicht direkt aus lokalen Quellen stammt. Während Saharastaubereignissen lassen sich dort deutliche Anstiege der mineralischen Aerosole nachweisen. Die Daten liefern wichtige Informationen über Transporthöhe, Partikelkonzentrationen und Herkunft der Staubmassen.
https://bit.ly/4r5fodV

Wüstenstaub Vorhersage und aktuelle Staubmodelle
Diese Seite zeigt eine modellbasierte Vorhersage für Wüstenstaubtransporte aus der Sahara. Atmosphärische Modelle berechnen dort die erwartete Staubkonzentration in verschiedenen Höhen der Atmosphäre und die räumliche Ausbreitung der Staubwolken. Solche Vorhersagen werden genutzt, um Staubereignisse über Europa mehrere Tage im Voraus zu erkennen und deren Intensität abzuschätzen.
https://bit.ly/4u5zmYG

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2026/03/Saharastaub-Alpen-Glecksteinhuette-scaled.jpg 1707 2560 mark2 https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png mark22026-03-05 19:01:322026-03-05 19:06:28Saharastaub – Herkunft, Transport und Bedeutung eines globalen Naturphänomens

Schlechte Luft

13. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages/von WINDINFO

Wer sich viel draußen aufhält und vielleicht auch seinen Sportgelüsten an der frischen Luft nachgeht, der hat in den letzten Tagen gemerkt, dass die Luft gar nicht so „frisch“ ist. Die Konzentration an Feinstaub hat sich seit dem Wochenende stark erhöht. Am gestrigen Mittwoch wurden an vielen Messstationen in der Nordhälfte Deutschlands die Grenzwerte für PM10 überschritten.

Der Grenzwert für PM10 – also Feinstaub mit einer Partikelgröße von maximal 10 Mikrometer (µm) – liegt bei 50 Mikrogramm (µg) pro Kubikmeter. Der Tagesmittelwert an PM10 darf laut Gesetz diesen Wert im Jahr an maximal 35 Tagen überschreiten. Aufs Jahr gesehen liegt der Grenzwert von PM10 in der Luft bei 40 µg/m³.

Für PM2.5 – also Feinstaub mit einer maximalen Partikelgröße von 2,5 µm – werden in den meisten Fällen/Ländern Jahresmittel betrachtet. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt einen Jahresmittelwert von 5 µg/m³. Diese Werte sind jedoch (noch) utopisch, denn in Europa hat man sich zunächst verpflichtet, einen Grenzwert von 25 µg/m³ einzuhalten. Das gelingt auch ganz gut und es gibt Bestrebungen, die Feinstaubkonzentration weiter zu reduzieren, weshalb man überlegt, die Grenzwerte herabzusetzen. Aktuell ist die Konzentration an PM2.5 regional stark erhöht und liegt deutlich über dem Grenzwert. 

Tagesmittelwerte der Luftqualität in Deutschland am Mittwoch, den 12.02.2025, links PM10, rechts PM2.5 

Woher kommt der Feinstaub?
Es gibt diverse Quellen. Neben den Emissionen aus Kraftfahrzeugen, Kraft- und Heizwerken sowie der Industrie gelangt Feinstaub auch aus der Natur in die Luft, zum Beispiel durch Bodenerosion. Ein lokal nicht unwesentlicher Anteil stammt aus den immer beliebter werdenden Kaminöfen und Pelletheizungen, die im Winter häufiger Einsatz finden als im Sommer.

Wo liegt die Gefahr?
Der Feinstaub wird eingeatmet und kann bis in die Bronchien und bei sehr kleinen Partikeln auch in den Blutkreislauf vordringen. Es kommt in erster Linie zu Reizungen der Schleimhäute und Entzündungen. Durch Ablagerungen in den Blutgefäßen steigt aber auch die Gefahr von Thrombosen und es kann zu Auswirkungen auf das vegetative Nervensystem kommen.

Wieso war/ist die Konzentration jetzt so hoch?
Grundsätzlich ist die Feinstaubkonzentration im Winter höher als zu anderen Jahreszeiten. Es wird mehr geheizt und Wege werden häufiger mit einem Kraftfahrzeug zurückgelegt. In diesem Winter beobachten wir zudem öfter Inversionswetterlagen. Wir haben eigentlich seit Wochen Hochdruckeinfluss in Deutschland. Nur selten haben Tiefdruckgebiete mit Wind und Regen für Durchmischung der Luft und dadurch Reinigung oder Weitertransport gesorgt. Vergangene Woche gab es eine ausgeprägte Hochdrucklage, die dafür gesorgt hat, dass die Luft weder verteilt noch ausgetauscht wurde. Stattdessen wird die Luft wie unter einem Deckel auf die Erdoberfläche gepresst. Sie bleibt quasi liegen und kann sich bei längerer Andauer der Wetterlage zunehmend mit Feinstaub anreichern.

Seit Montag sorgt Tiefdruckgebiet MAX für etwas mehr Hebung und Feuchte. Der fallende Regen und Schnee hat vor allem im Westen und Süden am gestrigen Mittwoch den Feinstaub aus der Luft gewaschen. 


Karte Europa und Nordatlantik mit Druckzentren und Frontenvorhersage für Donnerstag, den 13.02.2025 mittags 

Im Norden sorgte auffrischender Wind im Grenzbereich zwischen Hoch- und Tiefdruckgebiet für eine Durchmischung der Luftschichten und dadurch eine Verbesserung der Luftqualität. Zwar gab es auch in anderen Bereichen Niederschläge, allerdings fielen diese deutlich geringer aus, konnten also weniger Feinstaub binden. Entsprechend ist in den Regionen die Feinstaubbelastung sehr hoch. 

 

Luftqualität in Deutschland am 13.02.2025 um 10 Uhr 

In den kommenden Tagen setzt sich in Deutschland wieder Hochdruckeinfluss durch. Der Wind schläft ein, die Niederschläge lassen nach. Mit nördlichem Wind kommt die Luft zwar über Nord- und Ostsee, ist potentiell also sauberer als Kontinentalluft aus anderen Ballungsgebieten, es ist allerdings damit zu rechnen, dass die Luft sich mit der liegenden Feinstaubluft vermischt. Insgesamt könnte die Höhe der Konzentration abnehmen, es ist aber auch wahrscheinlich, dass sich die „schlechte Luft“ in derzeit gute Regionen verteilt. Ob und inwieweit ein Tiefdruckgebiet über dem Atlantik nächste Woche bei uns für mehr Bewegung und einen Austausch der Luft sorgt, ist noch nicht sicher.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich Hochdruckgebiete nicht zum Austausch von Luft eignen, weder vertikal noch horizontal. Bei Hochdrucklagen muss also immer mit einer Zunahme von Schadstoffen in der Luft gerechnet werden. Bei Tiefdrucklagen findet eine Durchmischung und im besten Falle Auswaschung von Schadstoffen in bzw. aus der Luft statt. Sie eignen sich also zur Reinigung. Allerdings kann bei Wind die Bodenerosion zu einer Steigerung der Feinstaubkonzentration führen. Sieht man einmal von Saharastaub ab, ist dies jedoch in den meisten Fällen ein eher regionales oder lokales „Problem“.

Dipl.-Met. Jacqueline Kernn
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.02.2025
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Schlechte-Luft-teil-1.png 793 1677 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-13 16:02:132025-02-17 09:46:19Schlechte Luft

Großwetterlagen im bisherigen Winter

12. Februar 2025/in Thema des Tages, Wetterlexikon/von WINDINFO

HNFz lautet die derzeitige Großwetterlage. Dies steht für Hoch Nordmeer-Fennoskandien zyklonal. Dies ist nur eine von 30 Großwetterlagen die nach den deutschen Meteorologen P. Hess und H. Brezowsky im Jahr 1952 in einem Katalog veröffentlicht wurden. Ihre subjektive Einteilung orientierte sich dabei an der großräumigen Drucksituation über Europa. Seit mehr als 140 Jahren wird die Statistik der Großwetterlagen vom DWD fortgeführt und man kann die Einteilung der Großwetterlagen für das letzte Jahr beispielsweise unter: https://www.dwd.de/DE/leistungen/grosswetterlage/2024/grosswetterlage.html einsehen.

Die Großwetterlage wird über eine mittlere Luftdruckverteilung in Meereshöhe und der mittleren Troposphäre in einem großen Gebiet (z.B. Europa) definiert. Dabei muss nach Hess und Brezowsky der Zustand mindestens drei Tage anhalten. Nicht immer ist dabei eine klare Zuordnung möglich und es gibt dann sogenannte Übergangstage von der einen in die andere Großwetterlage. Zur Einordnung wird dabei die geografische Lage der Druckgebilde, die Erstreckung der Frontalzone, die Bodenwetterkarte für Europa und den östlichen Nordatlantik (https://www.dwd.de/DE/leistungen/hobbymet_wk_europa/hobbyeuropakarten.html), die Witterungsbedingungen und die Krümmung der Strömungsverhältnisse (zyklonal oder antizyklonal) herangezogen.

Es erfolgt eine Unterteilung der 30 Großwetterlagen in zehn Großwettertypen, denen wiederum die drei Zirkulationsformen zonal, meridional und gemischt zugeordnet werden.

Die zonale Form bedeutet, dass die Frontalzone glatt und somit parallel zu den Breitengraden über Europa verläuft, wodurch beispielsweise Tiefdruckgebiete, die über dem Atlantik entstehen, von West nach Ost über Europa gesteuert werden können. Damit zählen beispielsweise alle Westlagen zu dieser Zirkulationsform.

Genau gegensätzlich ist die meridionale Zirkulationsform. Hierbei verläuft die Frontalzone parallel zu den Längengraden und damit von Nord nach Süd oder umgekehrt. Tiefdruckgebiete wandern hierbei beispielsweise von Skandinavien zum Mittelmeer oder auch andersherum.

Die gemischte Zirkulationsform wird dadurch definiert, dass sich die Strömungskomponenten aus meridionaler und zonaler Richtung die Waage halten. Die Frontalzone verläuft quasi im 45-Grad-Winkel zu den Längen- und Breitengraden. Typisch hierfür wären Nordwest- und Südwestlagen.

Wollen wir uns nun mal dem bisherigen Winter samt seinen Strömungsmustern widmen. Ein geschätzter Kollege äußerte sich kürzlich dazu folgendermaßen: „Der Winter ist und bleibt, genau wie der letzte, halt schrottig und auch in der Mittelfrist höchstens Kahlfrost. Spannendes Wetter zwischen Dezember und Februar bringen eigentlich nur noch Wz (West zyklonal) mit Sturmtiefs bzw. NWz (Nordwest zyklonal) und Nz (Nord zyklonal) mit viel Schnee in den Bergen. Alles andere ist im Zuge des Klimawandels nur noch Müll (auch, wenn es hier und da nochmal für zwei/drei Schneedeckentage im Flachland reicht).“

Die folgende Tabelle listet die Großwetterlagen samt deren Häufigkeit bis zum gestrigen Dienstag auf.

Wetterlage Häufigkeit zwischen 1.12.2024 – 11.02.2025
BM (Brücke Mitteleuropa) 12
SWz (Südwest zyklonal) 10
HM (Hoch Mitteleuropa) 9
NWa (Nordwest antizyklonl) 7
Wz (West zyklonal) 6
SWa (Südwest antizyklonal) 4
TrM (Trog Mitteleuropa) 4
SEa (Südost antizyklonal) 4
Ww (Winkelwest) 3
HNFz (Hoch Nordmeer-Fennoskandien zyklonal) 3
Ws (südliche Westlage) 3
Na (Nord antizyklonal) 2
HFa (Hoch Fennoskandien) 2

Im bisherigen Winter gab es an 40 von 73 Tagen Hochdruckeinfluss, während die restlichen 33 Tage durch tiefen Luftdruck dominiert waren. Dadurch, dass aber die meisten Tiefdrucklagen mit der Zufuhr von milder Meeresluft aus Westen oder gar Südwesten (Großwetterlagen SWz, Wz, Ww, Ws) verbunden waren, konnte sich oftmals keine nennenswerte Schneedecke bis ins Tiefland ausbilden. Auch in den Mittelgebirgen macht sich der Schnee derzeit rar, was vor allem auch an der nun schon länger anhaltenden Hochdrucklage im Februar liegt.


Gesamtschneehöhe in cm am Mittwoch, den 12.02.2025

Die Einordnung des zitierten Kollegen, dass der bisherige Winter in Bezug auf Schnee sehr zu wünschen übriglässt, spiegelt sich in der Auswertung der Großwetterlagen somit eindeutig wider.

Dipl.-Met. Marcel Schmid
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.02.2025
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https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Grosswetterlagen-im-bisherigen-Winter-teil-1.png 919 983 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-12 17:12:102025-02-17 09:50:40Großwetterlagen im bisherigen Winter

Brauchen wir in den kommenden Tagen wieder mal den Regenschirm?

10. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Die Ursprünge des heutigen „Tags des Regenschirms“, also seit wann es diesen gibt und wer diesen ursprünglich ins Leben rief, ist leider unbekannt. Was hingegen bekannt ist, ist der Grund, weshalb dieser Aktionstag auf den 10. Februar fällt. Wie des Öfteren wird man bei der Suche nach einem passenden Datum für solche Aktionstage durch einen Blick in den Heiligenkalender fündig. So auch beim „Tag des Regenschirms“, der auf den Gedenktag der heiligen Scholastika von Nursia fällt. Sie gilt als Patronin des Regens gegen Trockenheit und als Schutzheilige gegen Blitzschlag und Sturm. Damit ist der Zusammenhang zum Regenschirm als Wetterschutz schnell gefunden.

Rund ein Drittel des Februars ist bereits wieder Vergangenheit und viele fragen sich sicherlich, wann sie zuletzt einen Regenschirm gebraucht haben. Wie sah es also bislang mit den Niederschlagsmengen in diesem Monat aus?

Wetterstationen können hierbei Aufschluss geben, wie viel Niederschlag an einem bestimmten Ort in einer gewissen Zeit gefallen ist. Allerdings kann man durch Wetterstationen nur ein unzureichendes Bild davon bekommen, wie viel Niederschlag in der Fläche gefallen ist. Auch können teilweise kräftige Niederschläge nicht erfasst werden, wenn sie nicht gerade über eine Wetterstation hinwegziehen. Die Lösung für dieses Problem sind die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die aus Radardaten abgeleiteten Niederschlagsmengen seit dem 01. Februar. 

Aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsmengen in Liter pro Quadratmeter seit dem 01. Februar 

Anhand der Abbildung ist unschwer erkennbar, dass bislang kaum nennenswerte Niederschlagsmengen zusammenkamen. Die Niederschläge Richtung Südwesten und Westen wurden zudem erst in den Frühstunden des heutigen Montags registriert. Anders ausgedrückt: Bis auf wenige Regionen blieb es bislang gänzlich niederschlagsfrei. So ganz stimmt dies allerdings aber auch nicht. Bei der Betrachtung der täglich durch Wetterstationen gemessenen Niederschlagsmengen finden sich nämlich tatsächlich an manchen Tagen teils vielerorts mehr oder weniger geringfügige Werte.

Doch warum findet sich nichts Entsprechendes in obiger Abbildung? In den letzten Tagen war meist beständiger Hochdruckeinfluss vorherrschend, wie sich auch aus den letzten Themen des Tages herauslesen lässt. Mancherorts war der Blick aus dem Fenster von Nebel und Hochnebel geprägt, so wie es im Winter typisch für Hochdruckwetter ist. Aus den Nebel- und Hochnebelfeldern nieselte es zeitweise. Die feuchte Grundschicht ist dabei naturgemäß nicht hochreichend. Radarstrahlen „schauen“ somit umso eher über diese Schicht hinweg, je weiter entfernt sich diese vom Radarstandort befindet. Dadurch können durch das Radar keine Niederschläge registriert werden, die aber am Boden sehr wohl ankommen.

Im Durchschnitt fallen im Monat Februar 30 bis 70 Liter pro Quadratmeter. Da die bisherigen Niederschlagsmengen nur geringfügig waren, lohnt ein Vergleich relativ zum vieljährigen Mittel somit nicht wirklich.

Und wie sieht es in den kommenden Tagen hinsichtlich Niederschlag aus?

Zum heutigen Start in die neue Woche ist es weiterhin das beständige Hoch ELVIRA, welches das Wettergeschehen zumindest noch im Nordosten beeinflusst. Inzwischen ist allerdings mit Tief MAX über dem Westen Frankreichs ein Gegenspieler auf der Bodenwetterkarte aufgetaucht. Dieses lenkt nicht nur dichte Wolkenfelder, sondern auch gebietsweise Niederschläge in den Westen und Südwesten Deutschlands.

In der Nacht zum Dienstag kommen die Niederschläge dann weiter ost- und nordostwärts bis in den Westen Bayerns, nach Thüringen und bis zum Emsland voran. Nach Süden hin muss dann teils mit gefrierendem Regen und entsprechender Glättegefahr auch im morgendlichen Berufsverkehr gerechnet werden. Von der Rhön über Nordhessen und Südniedersachsen bis zum Münster- und Emsland fallen die Niederschläge hingegen meist als Schnee. Im Westen lassen die Niederschläge im Laufe der Nacht allmählich nach, später kann sich Nebel bilden. In Ostbayern sowie im Osten und Nordosten ist es hingegen teils wolkig, teils gering bewölkt oder klar und meist niederschlagsfrei.

Am morgigen Dienstag setzt sich abgesehen vom Nordosten nasskaltes Wetter durch. Östlich der Elbe ist es dann heiter bis wolkig und trocken. In den übrigen Regionen sieht man von der Sonne hingegen nicht allzu viel. Vor allem im Nordwesten und Süden gibt es auch Niederschläge. Im Nordwesten, zeitweise auch in den zentralen Mittelgebirgen, fallen diese Niederschläge meist als Schnee. Im Süden ist es hingegen Regen, der vor allem in Ostbayern anfangs teils auch noch gefrierend sein kann.

Nachfolgend ändert sich am nasskalten Wetter, welches sich auch bis in den Nordosten durchsetzt, erstmal wenig.  

Von drei verschiedenen Modellen vorhergesagte akkumulierte Niederschlagsmengen bis Freitagfrüh 

M.Sc. Meteorologin Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Brauchen-wir-in-den-kommenden-Tagen-wieder-mal-den-Regenschirm-teil-1-.png 922 989 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-10 14:38:382025-02-18 15:11:24Brauchen wir in den kommenden Tagen wieder mal den Regenschirm?

Blockierende Hochdrucklagen und extreme Wetterereignisse über Europa

9. Februar 2025/in Klima, Thema des Tages, Wetter/von WINDINFO

Bei beachtlichen 1055 Hektopascal lag der Kerndruck von Hochdruckgebiet ELVIRA am gestrigen Samstag. Das Zentrum lag über Nordwestrussland. ELVIRA beeinflusste das Wettergeschehen in weiten Teilen Europas. Eine blockierende Wetterlage ist definiert durch einen Übergang von einem zonalen in ein meridionales Strömungsmuster und einer Aufspaltung des Jetstreams in zwei Bereiche. Bei der aktuellen Lage handelt es sich um einen sogenannten „DIPOL BLOCK“. Diese Konstellation ist durch ein kräftiges Hochdruckgebiet gekennzeichnet, welches sich nördlich von einer oder mehreren Zyklonen befindet. Ein Blick auf die Analysekarte vom gestrigen Samstag (Abbildung 1) zeigt Tief LENNI über Frankreich an der Südwestflanke und ein weiteres Tiefdruckgebiet über der östlichen Türkei an der Südostflanke des kräftigen und umfangreichen Hochdruckgebietes ELVIRA. Dabei werden die Tiefs auf ihrer für unsere Breiten sonst typischen West-Ost-Zugbahn abgelenkt.

Analysekarte vom 09.02.2025 um 00 UTC. Das kräftige und umfangreiche Hoch ELVIRA lenkt die Tiefdruckgebiete nach Norden und Süden ab. (Quelle: DWD) 

Solche blockierenden Wetterlagen sind häufig mit extremen Wetterbedingungen verbunden. Während im Sommerhalbjahr Hitzewellen und große Trockenheit auf der einen Seite und extreme und langanhaltende Niederschläge auf der anderen Seite auftreten können, sind die Auswirkungen im Winter meist geringer. Dennoch können auch im Winter Extreme auftreten. Vor allem in Form von ausgeprägten Kältewellen und kräftigen Schneefällen. Ein Beispiel hierfür ist der Februar 2012. Damals erstreckte sich eine Hochdruckzone vom Atlantik ausgehend bis nach Skandinavien und Nordwestrussland. Dabei wurde auf der Südseite der Hochdruckzone sehr kalte Luft arktischen Ursprungs über den Kontinent nach Südwesten geführt. Daraufhin traten in großen Teilen Europas stark unterdurchschnittliche Temperaturen auf. In einigen Regionen lag die Mitteltemperatur über mehrere Tage über 10 Kelvin unter dem langjährigen Klimamittel von 1981-2010. Zudem sorgten Tiefdruckgebiete auf der Südseite der kräftigen Hochs für starke Schneefälle. Auch in der Mittelmeerregion wie zum Beispiel in der italienischen Hauptstadt Rom gab es kräftige Schneefälle, welche zu erheblichen Beeinträchtigungen führten.

Im Einflussbereich des Hochs kann es im Winter vor allem über großen Schneeflächen aufgrund der negativen Strahlungsbilanz zu Kälteperioden kommen. Im Sommer treten dagegen teils intensive Hitzewellen, verbunden mit großer Trockenheit auf. Im Juli 2010 sorgte ein persistentes kräftiges Hoch im Bereich des Urals für eine markante Hitzeperiode in Westrussland. Hohe Temperaturen und langanhaltende Trockenheit führten nicht nur zu zahlreichen Rekordtemperaturen, sondern auch zu verheerenden Waldbränden. Aber auch große Hitzewellen und ausgedehnte Trockenperioden aus der Vergangenheit in Deutschland sind häufig mit blockierenden Wetterlagen verbunden. So führten im Jahr 2018 wiederkehrende blockierende Hochdrucklagen in Deutschland nicht nur zu Hitzeperioden, sondern vor allem auch teils zu extremer Trockenheit.  

Die Temperatur und Geopotenzialanomalie während der großen Hitzewelle im Juli 2010 in Westrussland und der Kältewelle über weiten Teilen von Europa im Februar 2012. (Quelle: https://wcd.copernicus.org/articles/3/305/2022/) 

Ob und in welchem Bereich sich bei blockierenden Hochdrucklagen extreme Wetterbedingungen abspielen, hängt somit neben der Position des blockierenden Hochs und der damit verbundenen großräumigen Druck- und Strömungskonfiguration auch von der entsprechenden Jahreszeit ab. Im Winterhalbjahr treten vor allem auf der Ost- und Südseite des blockierenden Druckgebildes Kältewellen und teils auch kräftige Schneefälle auf. Im Sommer kommt es dagegen im Bereich des Hochs sowie auf dessen Westseite zu Hitzeperioden, während große Trockenheit vorwiegend im direkten Einflussbereich auftritt.

Die mit einer über Zentraleuropa befindlichen Omegalage verbundenen Wetterextreme im Winter (links) und im Sommer (rechts). Dargestellt ist außerdem der Zustrom warmer Luftmassen (WCB), sowie Gebiete mit erhöhtem integriertem Wasserdampftransport (IVP). (Quelle: https://wcd.copernicus.org/articles/3/305/2022/) 

Die aktuelle Wetterlage über Europa ist aber vergleichsweise mit relativ wenig Extremwetter verbunden. Da das Zentrum von Hoch ELVIRA über Westrussland und nicht über Skandinavien liegt, werden die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs in Richtung Türkei und Griechenland geführt. Zudem liegt in weiten Teilen Osteuropa auch keine nennenswerte Schneedecke, welche einen Kaltluftausbruch verschärfen würde. Der Südwesten und Westen Deutschland wird außerdem vom schwach ausgeprägte Höhentiefs beeinflusst, die relativ milde Luftmassen heranführen. Somit führt die aktuelle blockierende Hochdrucklage in Europa bei uns in Deutschland zu keinen extremen Wetterbedingungen und auch im restlichen Europa stehen in den nächsten Tagen keine außergewöhnlichen Wetterverhältnisse an!

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 09.02.2025
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst 

 

https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2025/02/Blockierende-Hochdrucklagen-und-extreme-Wetterereignisse-ueber-Europa-teil-1-.png 727 1024 WINDINFO https://www.windinfo.eu/wp-content/uploads/2019/07/windinfo_logo_eu-300x212.png WINDINFO2025-02-09 13:57:002025-02-18 14:38:00Blockierende Hochdrucklagen und extreme Wetterereignisse über Europa
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