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Der deutsche Radarverbund – Teil 1

Regenschirm mitnehmen, ja oder nein? Zur Beantwortung dieser Frage kann sich ein Blick auf das sogenannte Regenradar einer Wetter-App lohnen. Doch woher kommen die Daten dieses Regenradars?

Als nationaler Wetterdienst betreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) das einzige Wetterradarnetz in Deutschland, den sogenannten Radarverbund. Gemeinsam mit den Wetterradaren der anderen nationalen Wetterdienste in Europa bildet es den europäischen Wetterradarverbund. Denn bekanntermaßen macht das Wetter, und damit auch Niederschläge, nicht an Landesgrenzen halt. Das Wetterradar ist das einzige Messverfahren, bei dem Niederschläge flächendeckend und dreidimensional erfasst werden können.

Die neueste Generation der Radargeräte, die beim DWD seit 2015 im Einsatz ist, kann nicht nur zeigen, wo und wie viel Niederschlag fällt, sondern anhand der Daten kann auch unterschieden werden, ob es regnet, hagelt oder schneit. Außerdem können die Geräte auch Informationen über die vorherrschende Windgeschwindigkeit liefern. Insgesamt sind in der Bundesrepublik 17 operationelle Radaranlagen in Betrieb, weitere vier Standorte sind für die nächsten Jahre in Planung (siehe Abbildung zum Thema des Tages unter. Zusätzlich betreibt der DWD an seinem Meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg (MOHp) sein Forschungs- und Qualitätssicherungsradar.

Aber warum betreibt man Wetterradarsysteme überhaupt? Das Wetterradar ist heutzutage unverzichtbar geworden, gerade für das Nowcasting. Dies beschreibt vor allem die Vorhersage bis zu zwei Stunden. Dabei kann beispielsweise die Verlagerung von Niederschlagsgebieten abgeschätzt werden. Besonders im Sommer können sich innerhalb von wenigen Minuten auch kleinräumige Gewitterzellen mit starkem Niederschlag bilden. Diese können flächendeckend nur über das Wetterradar erkannt werden. Außerdem hilft das Wetterradar bei der Abschätzung der Stärke der einzelnen Gewitter. Damit gehört es zu einem der wichtigsten Bausteine des DWD-Warnmanagements.

Die Bilder aller Radarstandorte werden zu einem Gesamtbild (Komposit) zusammengefügt, hinzu kommen dabei noch die Radardaten, die der DWD über den internationalen Datenaustausch aus Europa erhält. Nur so sind punktgenaue Unwetterwarnungen vor Starkniederschlagsereignissen überhaupt möglich. Über die Windmessungen aus dem sogenannten Doppler-Effekt können auch Rückschlüsse auf mögliche Tornados geschlossen werden.

Da Radardaten so wichtig sind, entwickelte der DWD das speziell auf die Bedürfnisse von Feuerwehren und anderen Hilfsorganisationen zugeschnittene Online-Warnsystem KONRAD (KONvektionsentwicklung in RADarprodukten). Damit wird in einfacher und verständlicher Weise dargestellt, wo zum Beispiel Hagelkörner niedergehen. Auf KONRAD basiert das Feuerwehr-Wetter-InformationsSystem FeWIS. Feuerwehren, Katastrophenschutz, Polizei und andere Hilfsorganisationen nutzen es, um damit beispielsweise Vorkehrungen für Unwetterereignisse zu treffen. Im RADOLAN-Verfahren (RADar-OnLine-ANeichung) werden Radardaten mit punktuellen Niederschlagsmessungen aus dem Bodenmessnetz kombiniert. So können recht genau örtliche Niederschlagsmengen bestimmt werden. Hochwasserwarnzentralen können so früh erkennen, wo möglicherweise Hochwasser droht. Das Niederschlagsradar ermöglicht den Meteorolog:innen des DWD, gemeindegenaue Warnungen für gefährliche und extreme Niederschlagsereignisse auszugeben.

Aber nicht nur bei der Wettervorhersage spielt das Wetterradar eine wichtige Rolle. Auch die Klimatolog:innen nutzen die so gewonnenen Daten für die Klimaforschung, in denen es um langfristige Analysen von Niederschlagsereignissen, ihre Intensität, Verteilung oder um deren Veränderungen geht.

Aufgrund der Änderung des DWD-Gesetzes im Jahr 2017 werden Radardaten, die der DWD über seinen einzigartigen Radarverbund gewinnt, über Open-Data entgeltfrei zur Verfügung gestellt. So können beispielsweise private Wetterfirmen in ihrer eigenen Wetter-App ebenfalls ein Regenradar anbieten. Aufgrund eines Urteils des Bundesgerichtshofes vom 12.03.2020 darf der DWD in der kostenfreien Version der WarnWetter-App nur noch eingeschränkt meteorologische Inhalte anbieten. Dazu zählen auch die vollständigen/ hochaufgelösten Daten der eigenen Wetterradarsysteme, die in der entgeltfreien Version nicht gezeigt werden dürfen. Gegen einen einmaligen In-App-Kauf von 1,99 Euro können diese und viele weitere meteorologische Informationen, sogenannte Kontextinformationen, jedoch freigeschaltet werden.

In einem zweiten Teil wird im Rahmen der Rubrik „Thema des Tages“ in den kommenden Wochen dann erläutert, wie ein Radarsystem genau funktioniert und welche meteorologischen Größen man aus den Messungen ableiten kann.

MSc.-Met. Sebastian Schappert und Gertrud Nöth (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Deutscher Wetterdienst Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach, den 04.08.2021

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

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